Kitabı oku: «Halt oder ich scheisse!»

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Hans Herrmann

Halt oder ich scheisse!

Satirische Skizzen aus Armeenien

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

1. Schwer beladen

2. Mannesweihe zwecks Brechung

3. Vom Grüssen

4. Lehrreicher Dialog

5. Zugschule

6. Indiaca

7. Die Sache mit der Gamelle

8. Das Kompaniekalb

9. Soldatensprache

10. Labeflasche

11. Erfüllt

12. Auszug aus dem Latrinenreglement

13. Auf der Wache

14. Heisser Kaffee

15. Der lange Marsch

16. Weitermachen

17. Unvollzogene Rache

18. Biwak

19. Kompanieabend

20. Im Zeughaus

21. Die Kiesgrube

22. Der von nebenan

23. Das Phantom der Kompanie

24. Schiesswut

25. Ein Arschloch – und ein zweites dazu

26. Hoher Besuch

Impressum neobooks

Vorwort

Das Militär ist eine Organisation voller Eigenarten, Seltsamkeiten und Absonderlichkeiten. Es ist eine in sich geschlossene Sphäre mit eigenen Regeln und Gesetzen, eine Welt, in der sonderbare und unvernünftig anmutende Dinge zum Alltag gehören. Wer in diese Welt einzutreten genötigt wird – in der Schweizer Milizarmee sind das jedes Jahr Hunderte von jungen Männern – schüttelt angesichts der militärischen Sitten und Gebräuche zunächst verständnislos den Kopf, passt sich dann schrittweise an und merkt ein paar Wochen später erstaunt, dass er nun selber Teil einer Maschinerie geworden ist, in der das Abnormale normal ist.

Wo anders als im Militär knallt man die Absätze zusammen und legt dazu die Hand an die rechte Schläfe, um sich bei einem Vorgesetzten zu melden? Wo anders behauptet man allen Ernstes, es sei möglich, mit einer Schutzmaske, einem Paar Plastikhandschuhe, einem wasserdichten Überwurf und einem kühnen Hechtsprung hinter eine Mauer einen Atomschlag zu überleben? Und wo anders ist es Brauch, morgens zum Kommandogebrüll des Vorgesetzten mit den Kollegen im Gleichschritt über einen Platz zu marschieren und bei jedem Richtungswechsel mit den Schuhen zu knallen?

Nirgends.

Die einzige Firma, in der solche Sachen zum Programm gehören, ist das Militär.

Man kann das erfreulich finden. Oder inspirierend. Oder normal. Oder bedenklich. Oder abstrus. Oder lächerlich. Auch Mischungen sind möglich: Zur einen Hälfte erfreulich, zur anderen Hälfte lächerlich. Zum einen Teil normal, zum anderen Teil bedenklich. Und so fort.

Manche Dinge lassen einem keine Ruhe. Wie die leere Colabüchse auf dem Trottoir: Man muss sie einfach ankicken, sonst hat man den ganzen Tag das Gefühl, etwas Wichtiges unterlassen zu haben. Genau so erging es mir mit dem Militär: Es liess mir einfach keine Ruhe. Immer drängender wurde mein Verlangen, die merkwürdigen Erfahrungen, die mir diese Institution beschert hatte, episodisch festzuhalten. Also tat ich's.

Ich selber habe in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren Dienst geleistet, in einer Zeit also, in der sich aus dem alten Schweizer Armeedinosaurier preussicher Prägung schrittweise ein zeitgemässes Heer nach amerikanischem Vorbild zu entwickeln begann. Just ein Jahr, nachdem ich meine Diensttage abgeleistet hatte und zum Veteran geworden war, trat die Armeereform definitiv in Kraft. Die umgebaute Armee habe ich also nie aus eigener Anschauung kennen gelernt, glaube sie aber trotzdem zu kennen – denn die wirklich prägenden Dinge ändern sich, so lange es auf dieser Welt Armeen gibt, nie.

Sollten die im Folgenden geschilderten Szenen bei denen, die solches zum ersten Mal vernehmen, erstauntes Kopfschütteln hervorrufen, so läge das weit weniger an meinem bösen Willen als an der Sache selber – und an den vorkommenden Personen, deren Namen ich übrigens geändert habe, wie es die Diskretion gebietet.

Hans Herrmann, Frühling 2016

1. Schwer beladen

Die Arme ausstrecken. Ein Zeughausangestellter drückt dir einen tarnfarbenen Plastikregenschutz in die Ellenbeugen. Der nächste setzt eine schwere, hartlederne Tasche mit Sanitätsmaterial darauf. Der dritte fügt eine kurze Schaufel in einem Lederfutteral hinzu. Der vierte eine Pistole, ebenfalls in einem Lederfutteral. Der fünfte einen weichen, grünen, wasserdichten Beutel, worin eine Schutzmaske steckt. Der sechste eine kleine Tasche mit Putzzeug für Kleider und Schuhe, verschiedenen Ersatzknöpfen, dickem Faden und drei Nadeln. Der siebte eine Gamelle, eine Trinkflasche aus Aluminium und eine Labeflasche aus Hartplastik. Der achte einen Effektensack aus grün gefärbtem Leder, der neunte einen ebenfalls grünen Rucksack. Der zehnte schliesslich krönt den Stapel, der sich unterdessen gigantisch auf deinen Armen türmt, mit einem Stahlhelm.

Du steckst mitten in einer riesigen Schlage von frisch eingerückten Rekruten, die alle auf dieselbe Weise beladen werden. Noch steckt die Schar – bis auf die Unteroffiziere, die den Vorgang wie bissige Hirtenhunde beaufsichtigen – in Zivilkleidern. Damit wird aber bald Schluss sein. In den nächsten vier Monaten werdet ihr – ausgenommen während des Wochenendurlaubs – in der Uniform oder im Kampfanzug stecken.

Nun zieht und schiebt dich die Jungmännerschlange auf das obere Stockwerk, das die Armeeschneiderei und einen imposanten Fundus an militärischen Kleidungsstücken beherbergt. In einem grossen Raum mit niedriger Decke erwarten euch eine Frau und ein Mann, die euch mit feldgrauen Textilien ausrüsten.

Es geht flink vonstatten. Innert fünf Minuten bist bereits du an der Reihe. Mit einer ungeduldigen Gebärde heisst dich die Frau auf eine Holzkiste steigen. Du legst dein Bündel auf den Boden und erklimmst die Kiste. Die Frau – sie ist klein und drall – tritt ein paar Schritte zurück, stemmt die Arme in die breiten Hüften, mustert dich mit kleinen, zusammengekniffenen Augen verächtlich und ruft dann dem Mann neben ihr auf französisch eine Zahl zu. Sogleich setzt sich der Mann in Bewegung, wieselt zwischen hohen Kleiderstapeln hin und her, greift sich hier und da etwas heraus und kommt nach kurzer Zeit zurück, um dir ein Exerziertenue aus grobem Stoff, einen Dienstanzug aus etwas weniger grobem Stoff, einen Arbeitsanzug – das sogenannte Tenue Blau –, einen Kampfanzug, drei Armeehemden mit Achselschlaufen, zwei olivgrüne Rollkragenpullover mit Reissverschluss, einen Ledergürtel und zwei paar klobige Schuhe auszuhändigen.

Du stapelst die guten Stücke auf dein Bündel, schaufelst es wieder auf deine ausgestreckten Arme, die die Last kaum mehr zu tragen vermögen, und stolperst in ein kleines Nebengemach, wo ein bebrillter, mit einem Messband ausgerüsteter Schneidermeister über einen erlesenen Vorrat an Ausgehuniformen gebietet. Mit sanften Gebärden passt er dir eine Hose aus halbwegs feinem Material und einen satt anliegenden, aber rauen Kittel an.

Mühselig beladen schwankt die Karawane schliesslich auf den Platz vor dem Zeughaus, wo euch mehrere Pinzgauer und Lastwagen zur Fahrt in die Kaserne erwarten.

Das Bündel auf den Lastwagen gehievt.

"Vorwärts machen, los, vorwärts machen!", ruft ein Korporal mit grollender Kommandostimme.

Du kletterst auf die Ladefläche. Auf den Brettern sitzen bereits sechs Mann, und ein gutes Dutzend klettert hinten nach. Ein beklemmendes, ledrig riechendes Gedränge entsteht.

Der Unteroffizier schliesst von aussen mit lauten Gerassel die Geländerklappe. Der alte Motor brüllt auf. Der Lastwagen setzt sich in Bewegung.

Hinauf und hinunter, ein kurzes Waldstück, eine grosse Kurve, Wohnhäuser, wieder eine Kurve. Die Kaserne. Aussteigen. Los los los. Der Feldweibel nimmt euch auf dem Exerzierplatz in Empfang.

"In zehn Minuten wieder hier, jeder im Tenue Ex!"

Zur Veranschaulichung hebt er ein Exerziertenue in die Höhe. Unteroffiziere geleiten euch in eure Zimmer, beaufsichtigen den Tenuewechsel. Die Jeans und bunten T-Shirts wandern in den Effektensack.

Hinein in den feldgrauen Stoff!

Au, wie der beisst.

In zehn Minuten versammelt sich die nunmehr militärisch gekleidete Rekrutenkompanie wieder auf dem Platz und nimmt, in Züge gegliedert, Aufstellung.

Welch ein Bild des Jammers!

Dir und vielen anderen schlottern die grob geschneiderten Beinkleider aus dem Zweiten Weltkrieg handorgelmässig um die Beine, während andere Kameraden in lächerlichen Hochwasserhosen stecken. Hier eine Schiffchenmütze, die zwei Nummern zu gross ist, da ein Kittel, der zu knapp sitzt, und dort Ärmel, die bereits in der Mitte des Unterarms enden. Dazu immer diese klobigen Clownschuhe.

"Kompanie – Achtung!", ruft der Feldweibel mit heiserem Bellen.

Wahrlich – er präsentiert dem Kompaniekommandanten, der nun strammen Schrittes erscheint, einen prächtigen Haufen.

2. Mannesweihe zwecks Brechung

Die Kaserne ist uralt. Eigentlich müssten Risse den Boden durchziehen, aus denen Unkraut wuchert. Die Unteroffizierstoilette wäre eine Tropfsteinhöhle. In den Offizierszimmern hätte es molch- und krötenbevölkerte Pfützen, und die Jukebox in der Soldatenstube würde heiser den Song vom Zerfall krächzen.

Stattdessen aber hat ein streng konservierender Wille die ausgetretenen Stufen poliert. Sie starren stur im Glanze des Bohnerwachses. Die Fenster hängen schief in den Angeln, aber sie blitzen. In den hallenden Küchen blendet gewetztes Weiss. Feldstandarten drohen von den Wänden. Schwere Holztüren, metallgenietet, lassen beim Zuschlagen die Rahmen angstvoll erzittern.

Nicht genug, dass die Burschen unter der Last von rauen Stoffen, ranzig geöltem Hartlederzeug und klebrig gefetteten Gerätschaften wanken. Nicht genug, dass der Feldweibel unermüdlich schimpft und bellt. Nicht genug, dass Offiziersdolche hämisch pendeln und ein Oberst lauernd die Steinfliesen bestiefelt.

Es muss die Brechung eine in tiefste Schichten greifende sein, und hierzu wurde ein Ritual geschaffen, das sich, sieh nur, hier in diesem öden Saal unter tötendem Schweigen abspielt.

In einer Reihe sitzen nebeneinander vielleicht acht Weisskittel in Offiziersrang auf alten Stühlen wie festgeschraubt. Die Rekruten müssen, bevor sie eintreten, ihre Kleider zu einem Bündel schnüren und auf dem Boden des Korridors deponieren. Nur die Unterhosen dürfen sie anbehalten. Schritt für Schritt geht's dann, fast nackt, in Einerkolonne hinein zu den Armeeärzten.

Dich friert, weniger vom Durchzug als vom kühlen Atem eines herrischen Waltens. Nackte Schritte patschen über den Boden, und blasse Rücken ziehen den Nacken ein.

Da erfolgt aus dem Irgendwo eine Anweisung, unsichtbar und unausweichlich wie das Schicksal. Du stehst verzagend vor einem Weisskittel, einem Mann von müder Hagerkeit und grauer Gesichtshaut. Er ist wohl nicht freiwillig Offizier geworden, sondern dazu verknurrt worden, weil er Medizin studiert hat. Ein eingefleischter Militärkopf sieht anders aus. Du schaust ihm in die dunkel bebrauten Augen, die schon so viel Geschwüriges gesehen haben, und auf die erkahlende Stirn.

Er richtet milde und mit welschem Akzent das Wort an dich und beginnt, die ärztliche Eintrittsmusterung vorzunehmen, fragt dies und das, deine Befindlichkeit sondierend, tätigt auch hier und da mit leichter Hand eine kleine Verrichtung an deinem Körper, ein behutsames Drücken auf den Sitz der Milz etwa oder einen ordnenden Handgriff an den Schultern, ungefähr so, wie ein Modeschöpfer letzte Manipulationen an einem Model vornimmt, das in wenigen Sekunden auf den Laufsteg muss.

Zwischen den Knien dieses ermüdeten Priesters der Körperlichkeit ruht eine flache Metallschale mit Wasser. Mit langen, schlanken Fingern greift er nun feierlich ins Wasser, als wolle er die Hand nicht nur reinigen, sondern auch weihen, und zieht dir alsdann behutsam die Unterhosen von den Hüften herunter, sodass deine Blösse seinem Auge preisgegeben ist.

Mit bedächtigen Griffen, die einem reglementarischen Muster folgen, geht er dir an die Blösse. Es ist ein vordringendes Greifen unten am Hodensack, ein stossendes Kneten, ein drückendes Schrauben, das körperlich unangenehm und seelisch demütigend ist. So muss es wohl sein, wenn der Leitwolf am Geschlechtsteil eines untergeordneten Tieres herumschnüffelt, um ihm seine Macht und Überlegenheit zu demonstrieren. Hier wird die Demütigung zwar von einem sanftmütigen Arzt vollzogen, der so gar nichts Wölfisches an sich hat, aber er tut es im Namen einer totalitären Organisation.

Es ist vorbei. Während der Arzt seine Hände wieder ins Kniebecken taucht, ziehst du die Unterhose über deine Blösse. Er wünscht dir einen guten Dienst, milde und voller Mitgefühl.

Er hat das Ritual der Demütigung an dir vollzogen. Er hat dir an die Blösse gegriffen, ohne dass du einschreiten durftest. Du bist für den Rest der Rekrutenschule ein Knecht, ein Höriger, ein Leibeigener.

So hat es die Armee in psychologischem Feinsinn ausgeheckt und angeordnet: Hodensackgriff zur Duckung aufmuckender Jungmännergesinnung. Eine andere Absicht kann diesmal kaum dahinterstecken. Besagter Griff ist nämlich bereits vor einem Jahr an der Aushebung zur Anwendung gelangt, damals noch zum einleuchtenden Zweck, die Stellungspflichtigen auf einen allfälligen Leistenbruch zu untersuchen. Aber jetzt, beim zweiten Mal... Man kann kaum alljährlich die Leistenkontrolle vornehmen wollen.

Draussen wird gezotet. "Mann, stell' dir vor, wie der geguckt hätte, wenn ich dabei eine Latte gekriegt hätte", johlt einer, der die Prozedur offensichtlich ungebrochen überstanden hat.

Du nimmt dir vor, diesem Rohling künftig möglichst aus dem Weg zu gehen.

3. Vom Grüssen

Der militärische Gruss ist's, der von allen soldatischen Sitten, Gebräuchen und Verrichtungen auch von Nichtkennern der Armee sogleich als militärisch erkannt wird – sogar dann, wenn der Grüssende in Zivil steckt und bloss zum Jux salutiert.

Nur wenige kennen jedoch den Ursprung dieser merkwürdigen Grussgebärde. Es handelt sich, wie so vieles, um ein Relikt aus dem Mittelalter: Die Fingerspitzen der ausgestreckten Hand, grüssend zur rechten Schläfe geführt, ahmen pantomimisch den Ritter nach, der auf der Landstrasse einem anderen Ritter begegnet. Die Höflichkeit gebot, dass sich die beiden Eisengepanzerten beim Grüssen ins Gesicht sahen; dazu war es nötig, das Helmvisier hochzuklappen. Die Ritterhelme sind längst aus der Mode gekommen; die Handbewegung aber, mit der das imaginäre Visier noch immer hochgeklappt wird, ist geblieben.

Ein verwandter Bewegungsablauf ist zuweilen bei älteren Herren zu beobachten, die früher Hut trugen und diesen beim Gruss seinerzeit leicht zu lüften pflegten. Heute sind besagte Herren meist ohne Hut unterwegs; begegnen sie jemandem, begleiten sie ihren mündlichen Gruss aber noch immer mit einer mechanischen Gebärde, die das Lüften des – nicht mehr vorhandenen – Hutes andeutet.

Selbstverständlich ist militärisches Grüssen das erste, was wir in der Rekrutenschule zu lernen haben. Die Unteroffiziere und Offiziere bringen uns die ritterliche Grussgebärde unter Aufbietung all ihres pädagogischen Geschicks bei und bestrafen jene, die den militärischen Gruss nachlässig behandeln oder gar glauben missachten zu können, mit stupide ausgeklügelten Strafen (zehnmal grüssen und dergleichen mehr).

Wir lernen auch, dass es Sonderfälle gibt. Ein militärischer Fahrzeuglenker zum Beispiel grüsst nicht mit angelegter Hand; auch in der Armee gehören aus Sicherheitsgründen beide Hände ans Steuer. Hierzu heisst es in der Grundschulung (GS), Nachdruck vom Dezember 1981, unter Ziffer 21, besondere Fälle, erstens, Gruss des Fahrzeugführers und Radfahrers:

a.) Lenkrad bzw. Lenkstange beidhändig halten;

b.) Oberkörper aufrichten;

c.) geradeaus schauen;

d.) nach der Vorbeifahrt am Ranghöheren die ursprüngliche Haltung wieder einnehmen.

"Das ist fein ausgedacht", sagt Rekrut Jenni. "Stellt euch mal vor, da steht so ein Hoher am Wegrand und will sehen, wie der Fahrer ihn grüsst. Angenommen, es ist ein Fahrer, der stets gerade aufgerichtet am Steuer sitzt. Er sieht nun den Oberst und strafft sich zum Gruss, muss aber davon ausgehen, dass der Oberst nicht unbedingt merkt, dass er gegrüsst wird, weil er, der Fahrer, sich wegen seiner angeborenen aufrechten Haltung kaum noch zusätzlich hat aufrichten können; also muss er den Mangel ausgleichen, indem er nach erfolgtem Gruss theatralisch zusammensackt, damit der Hohe sieht: Aha, Ende Gruss, ich bin also gegrüsst worden."

4. Lehrreicher Dialog

Im Wiederholungskurs werden die militärischen Sitten meistens lax gehandhabt. Hier kommt zum Beispiel der militärische Gruss in der Regel nur noch zur Anwendung, wenn ein einheitsfremder Offizier ab Hauptmannsrang aufkreuzt. In Rekruten-, Unteroffiziers- und Offiziersschulen aber versteht man in dieser Hinsicht keinen Spass. Da wird in jedem nur erdenklichen Fall korrekt gegrüsst, angemeldet, gemeldet und quittiert – welchen Aufwand es auch immer koste. Manche Rekruten hört man sogar noch im Schlaf zackige Gefechtsmeldungen ausstossen.

Zwischen einem Rekruten im zweiten Tag und einem Korporal, der den Rekruten in die Feinheiten des militärischen Umgangs einzuschleifen hat, kann es beispielsweise zu folgendem Dialog kommen:

Rekrut: Ich habe das Dings da verloren.

Korporal: Wie heisst's?

Rekrut: Den Injekt… Injektions… äh… dieses Plastikröhrchen da.

Korporal: Wie heisst's? Ich meine nicht die Bezeichnung, ich meine das Formelle. Wie heisst's?

Rekrut (nach kurzem Nachdenken): Korporal, Rekrut Jaun. Ich habe das Plastikröhrchen verloren.

Korporal: Erfüllt. Sie haben mich korrekt angesprochen. Nun wäre es aber trotz allem ganz hübsch, wenn Sie das Plastikröhrchen ebenso korrekt behandeln würden. Rekrut Jaun, nennen Sie den Gegenstand beim richtigen Namen.

Rekrut: Der… äh… ach ja, das ist der Injektionsstift, den man braucht, um sich gegen chemische Kampfstoffe zu schützen.

Korporal: Wie heisst's?

Rekrut: Injektionsstift.

Korporal (mit demonstrativer Geduld): Wie heisst's?

Rekrut: Injektionsstift.

Korporal: Ich habe Ihnen den Befehl gegeben, den Gegenstand richtig zu benennen. Befehle quittiert man mit "verstanden". Also: Nennen Sie den Gegenstand beim richtigen Namen.

Rekrut: Korporal, Rekrut Jaun, verstanden. Injektionsstift.

Korporal: Wie heisst's?

Rekrut: Korporal, Rekrut Jaun, verstanden. Injektionsstift.

Korporal: Der erste Teil war falsch. Sie brauchen sich jetzt nicht mehr anzumelden. Sie müssen nur noch quittieren und die Antwort geben respektive den Befehl ausführen. Nochmals: Nennen Sie den Gegenstand beim richtigen Namen.

Rekrut: Verstanden. Injektionsstift.

Korporal: Erfüllt. Jedenfalls fast. Eigentlich ist das nur ein Übungs-Injektionsstift. Also los, dann suchen Sie ihn. Ausführen.

Rekrut: Verstanden. (Sucht. Ein paar Minuten verstreichen.)

Korporal: Rekrut Jaun!

Rekrut (sieht auf): Ja?

Korporal: Wie heisst's?

Rekrut: Bitte?

Korporal (lauter): Wie heisst's?

Rekrut (besinnt sich): Hier!

Korporal: Gut. Denken Sie daran: Auf Anruf eines Vorgesetzten laut und deutlich mit "Hier!" antworten. Haben Sie den Übungs-Injektionsstift gefunden?

Rekrut: Verstanden. Nein.

Korporal: Sie sprechen mit mir nicht über Funk. "Verstanden" müssen Sie nur sagen, wenn ich Ihnen einen Befehl erteile, wenn ich Sie in Befehlsform zu einer Antwort auffordere oder wenn ich etwas erkläre. Ich habe Ihnen aber nur eine Frage gestellt. Nicht in Befehls-, sondern in Frageform.

Rekrut: Ach so.

Korporal: Wie heisst's?

Rekrut (zögernd): Verstanden…

Korporal: Richtig. Schliesslich habe ich Ihnen eben etwas erklärt. Also, Rekrut Jaun, suchen Sie weiter. Sie suchen, bis Sie den Übungs-Injektionsstift gefunden haben. Und wenn es dabei Mitternacht wird. Wir haben Zeit. Viel Zeit. Die Rekrutenschule dauert noch ziemlich genau siebzehn Wochen.

Rekrut: Verstanden. (Sucht weiter. Wird nach fünf Minuten fündig.) Korporal, Rekrut Jaun.

Korporal: Hier. Lauter.

Rekrut: Korporal, Rekrut Jaun.

Korporal: Lauter. Ich muss Sie auch im Gefechtslärm verstehen können.

Rekrut (brüllt): Korporal, Rekrut Jaun!

Korporal: Hier. Was ist?

Rekrut: Ich habe den Übungs-Injektionsstift gefunden.

Korporal: Erfüllt. Liefern Sie ihn im MatMag ab.

Rekrut: Nicht verstanden.

Korporal: "Nicht verstanden" gibt's nicht. Sie müssen sagen: "Verstanden, erklären Sie den Befehl."

Rekrut: Verstanden. Erklären Sie den Befehl.

Korporal: Jawohl. MatMag ist die Abkürzung für Materialmagazin.

Rekrut: Verstanden. (Wendet sich zum Gehen.)

Korporal: Halt, halt, Rekrut Jaun.

Rekrut (hält an, dreht sich um): Hier! Verstanden!

Korporal: Sie müssen sich zuerst bei mir abmelden. Korrekt, wenn ich bitten darf.

Rekrut: Verstanden. (Nimmt Haltung an, salutiert:) Melde mich ab.

Korporal: Falsch. Beim Anmelden zuerst salutieren, dann reden; beim Abmelden zuerst reden, dann salutieren.

Rekrut: Verstanden. (Nimmt Haltung an:) Melde mich ab. (Salutiert.)

Korporal: Das Ganze nochmal. Beachten Sie den 60-Grad-Winkel.

Rekrut: Verstanden. Erklären Sie den Befehl.

Korporal: In der Achtungstellung müssen Sie die Füsse in den Fersen zusammenhalten, vorn aber in einem 60-Grad-Winkel abspreizen. So. (Macht es vor.) Ausführen!

Rekrut: Verstanden. (Nimmt Haltung an, winkelt die Füsse korrekt ab.) Melde mich ab! (Salutiert.)

Korporal (nimmt den Gruss ab): Jawohl, danke, ruhn, im Laufschritt ab ins MatMag marsch!

Rekrut (dreht plötzlich durch): Hier! Korporal, Rekrut Jaun! Verstanden! Hier! Erklären Sie den Befehl! Ausführen! Hier! Verstanden! Nicht hier! Ausführen! Befehl erklärt! Das Ausführen meldet sich ab! Jaun, Rekrut Korporal, erklären! (Er zuckt an allen Gliedern, und um seinen Mund beginnt es zu schäumen.)

Korporal: Rekrut Jaun! Hallo! Nicht erfüllt! Ins MatMag marsch! Ausführen!

(Jaun windet sich am Boden.)

Korporal: Wie heisst's? Nehmen Sie sich zusammen! He! Hallo! (Kratzt sich am Kopf.) Was hat er nur? Wie verhalte ich mich in dieser Situation korrekt? Ich muss im Dienstreglement nachsehen. (Ab. Jaun liegt flach ausgestreckt am Boden, wie tot.)

5. Zugschule

Nach dem Antrittsverlesen steht jeden Morgen unfehlbar Zugschule auf dem Programm, das heisst, wir lernen unter dem Kommando unseres kernigen Leutnants, uns der Grösse nach auf ein Glied zu besammeln (auf ein "Glied", das gibt immer wieder zu Witzeleien Anlass), oder in Zweierkolonne, in Viererkolonne, in Kolonnenlinie und im Halbkreis, der sogenannten "Daher-Formation".

Nach den Besammlungsübungen kommt Marschieren im Gleichschritt an die Reihe, mit Richtungsänderungen und Anschritten. "Einmal – Richtung – links!", dröhnt der Leutnant zum Beispiel, wenn er einen rechtwinkligen Richtungswechsel sehen will, oder aber "Zwomal – Richtung – rechts!", wenn wir um 180 Grad wenden sollen. Er bellt im Takt des Gleichschritts, und unsere sogenannten Anschritte, die in Form von Stechschritten jeden vollzogenen Richtungswechsel sowohl optisch als auch akustisch markieren, müssen knallen, die Glieder stets sauber ausgerichtet bleiben. Manchmal verstehen wir, obwohl – oder vielleicht gerade – weil er brüllt, unseren Leutnant schlecht; so kann es vorkommen, dass die Hälfte der Rekruten das Kommando "röchts" als "lönks" interpretiert, worauf sich der Zug zu einem marschierenden Chaos zergliedert.

Das Beste aber sind die Reaktionsübungen, die den Besammlungsübungen und dem Marschieren vorangehen. Diese Übungen stammen zweifellos aus der Zeit, als die Schweizer Armee noch vom preussischen Vorbild geprägt war; sie zielen darauf ab, den Mann durch pausen- und sinnloses Umherhetzen auf dem Kasernenplatz zu "schleifen", das heisst, der Armee gefügig zu machen. Unsere Vorgesetzten drücken sich allerdings anders aus. "Es geht darum, euch frisch und munter zu machen, und ihr könnt dabei zeigen, dass ihr spritzige Kerls seid."

Wenn der Leutnant kommandiert: "Zurücktreten – marsch!", müssen wir synchron in den Knien zusammenzucken, eine halbe Drehung vollführen und nach hinten rennen, was das Zeug hält, bis der Leutnant schreit: "Halt!" Worauf wir wiederum eine halbe Pirouette zu vollziehen und, Front Richtung Leutnant, bockstill in der Ruhnstellung verharrend das nächste Kommando zu erwarten haben.

"Nach links treten – marsch!"

"Halt!"

"Zug – daher!"

"Zurücktreten – marsch!"

"Halt!"

Ganz und gar nicht befriedigt den Leutnant fast jeden Morgen unser lustloses und nur angedeutetes Kniezucken.

"Ich will sehen, dass ihr zuckt", sagt er mit tiefer, röhrender Stimme. "Ich zeige es euch." Er kommandiert sich selber "Marsch!" und zuckt daraufhin, die Füsse im klassischen 60-Grad-Winkel abgedreht, die Beine stämmig gegrätscht, tief in die Knie.

"So will ich das sehen. Nach links treten…" Der Leutnant wartet lauernd, ob sich einer aus Versehen vorzeitig regt, wartet, wartet, dann, unvermittelt: "Marsch!"

Wir zucken, rennen.

"Halt!"

Wir halten.

"Ihr habt noch viel zu wenig gezuckt", sagt der Leutnant. "Ich will vor allem euer Zucken sehen. Es ist egal, wenn ihr nicht allzu schnell rennt; wichtig ist mir das Zucken. Am Zucken sehe ich, dass ihr voll da seid."

Der Leutnant spannt sich, holt Luft.

"Nach rechts treten – marsch!"

Wir zucken, vollführen eine Vierteldrehung, rennen.

"Halt!"

Zwanzig Schuhpaare knallen auf dem Asphalt.

"Nach links treten – marsch!"

Zuck.

"Halt!"

Schuheknallen.

"Zug – daher!"

Zuck.

Tacktacktack.

"Nach rechts treten…" Ein prüfender Blick in die Runde. Alle stehen bockstill. Anspannung in den Beinmuskeln. Gleich muss es kommen… gleich…

"Marsch!" Es tönt wie "Arsch".

Zuck.

Draussen am Gitter stehen ein paar zivile Zuschauer und schütteln den Kopf. Hier, im Welschland, hat man für soldatischen Drill wenig übrig. Würde sich dasselbe in der martialischen Innerschweiz abspielen – uns würde bestimmt beifälliger Applaus umbranden, und man würde uns anschliessend einen Kaffee mit Schnaps spendieren.

6. Indiaca

Zwanzig Rekruten im Sportdress auf der grossen Sportwiese hinter der Kaserne. Leibesertüchtigung unter freiem Himmel ist angesagt, zwecks Stählung der verweichlichten Zivilistenmuskeln und Schmeidigung der eingerosteten Sesselhockerglieder. Der Leutnant hält uns einen flachen, knallig gelben, handtellergrossen Lederball entgegen, an dem ein neckisches Büschel roter Federn befestigt ist.

"Indiaca", knurrt er in seinen Bart hinein. "Wer kennt das?"

Niemand regt sich.

"Na, das ist so ähnlich wie Volleyball, man spielt sich das Ding hier zu, indem man mit der flachen Hand von unten her draufschlägt", erklärt der Leutnant mit mässiger Begeisterung. Dann teilt er uns in zwei Mannschaften ein und lässt uns im sanften Indiaca-Spiel gegeneinander antreten.

Der Anpfiff ertönt, und wir beginnen, anmutig um diesen sonderbaren Federvogel herumzuhüpfen und zu -tänzeln. Dazu versuchen wir, ihn mit zaghaften und ungeschickten Schlägen zum Fliegen zu bringen, was uns mehr schlecht als recht gelingt.

Ein Weiberspiel, denken wir. Fussball wäre jetzt viel schöner.

"Können wir nicht Fussball spielen?", fragt Rekrut Jaun den Leutnant nach ein paar frustrierenden Minuten.

"Nein, das ist im Militär leider verboten, das kommt vom Ausbildungschef persönlich", antwortet der Leutnant etwas betreten. Nach ein paar Sekunden, in denen er sich überlegt, wie viel er zu diesem erstaunlichen Verbot noch sagen soll, schiebt er nach: "Fussball ist angeblich zu grob und die Verletzungsgefahr zu gross. Man will wohl nicht zu viele Versicherungsfälle riskieren."

Uns steht vor Verblüffung der Mund offen. Man befiehlt uns seit Wochen, mit scharfer Munition zu schiessen, auf unwegsamem Gelände herumzuklettern, schwer beladen unsere Wirbelsäulen zu strapazieren, auf der Kampfbahn Kopf und Kragen zu riskieren und nachts mit Pinzgauern im Wald herumzukarren, aber Fussball spielen lässt man uns nicht. Weil der Ausbildungschef der Schweizer Armee dieses Spiel als gefährlich einstuft. Ausgerechnet jener schneidige Korpskommandant, der einmal öffentlich gesagt haben soll, eine Rekrutenschule ohne mindestens einen Toten sei keine gute Rekrutenschule.

Wie und wo müsste denn dieser der Qualität der militärischen Ausbildung geschuldete Todesfall nach Auffassung des Korpskommandanten erfolgen? Jedenfalls nicht auf dem Fussballfeld, so viel ist jetzt klar. Sondern auf dem Feld der Ehre. Was in einer Rekrutenschule bedeutet: bei einem prosaischen Verkehrsunfall, einem Schiessunfall, einer Genicklandung auf der Kampfbahn oder einem unglücklichen Sturz nach dem Wirtshausbesuch.

Puh, sind wir froh, für heute nicht die Kampfbahn absolvieren, sondern nur Indiaca spielen zu müssen. Aber halt – ist das nicht eines dieser rituellen Indianerspiele, bei denen die Verlierer einst den Göttern geopfert wurden? Man kann nie vorsichtig genug sein…

"Leutnant, dürfen wir nicht Rugby spielen? Das ist allemal besser als dieses Indiaca, das keiner von uns beherrscht, wie Sie ja selber sehen."

"Meinetwegen. Rugby ist zwar gröber als Fussball, aber verboten ist es meines Wissens nicht. Spielen wir also Rugby. Aber seid etwas vorsichtig. Ich will nicht, dass sich jemand verletzt, verstanden? – Moment mal, ich kenne ja die Regeln nicht. Kennt sie jemand von euch? Nein? Hmmm… Was machen wir da bloss? Mal überlegen. Hmmm… Wisst ihr was? Wir spielen doch einfach Fussball. Aber psst – nicht weitersagen!"

7. Die Sache mit der Gamelle

Ausgang steht auf dem Tagesbefehl, hurra, was heisst, dass man uns einen freien Abend gewährt. Es türmt sich freilich eine Hürde auf, eine schier unüberwindliche, die es aber trotzdem zu überwinden gilt, so wir Rekruten denn in den Ausgang wollen: Zimmerkontrolle.

Zimmerkontrolle, das bedeutet: Alles im Schlag dergestalt geputzt und geblitzt und millimetergenau ausgerichtet präsentieren, dass der Feldweibel, ein besonders ungnädiges Exemplar seiner Spezies, sich nach eingehender Besichtigung halbwegs zufrieden zeigen und uns, wenn auch widerstrebend, in den Ausgang entlassen muss.

Der Helm hat, so gebietet es die vermutlich von einem Zwangsneurotiker ersonnene Zimmerordnung, oben auf dem Spind zu liegen, die Gesichtsseite nach vorn, scharf an der Oberkante des Spinds, flankiert von Schutzmaske (links) und der hartledernen Sanitätstasche (rechts), beide ebenfalls scharf an der Spindkante; der Rucksack links am Bettgestell festgezurrt, rechts davon der Effektensack – selbstverständlich nicht nach eigenem Gutdünken, sondern streng nach vorgeschriebener Verschlaufung der Trag- und Packriemen; das Bett gestrafft und geglättet, mit hingebungsvoll in die korrekte Form gezupften Paketfalten am Kopf- und am Fussende; der Boden saubergeleckt, die Schuhe gewichst, die Kleider gebürstet, die Toiletten geschrubbt, die Korridore ebenso und alle Spinde zu. Im Spind darf Unordnung herrschen, das hat uns der Feldweibel gleich zu Beginn der Rekrutenschule gesagt und hämisch-drohend hinzugefügt: "Aber zu muss er sein, zu; wenn ich eine Tür offen finde und es herrscht drinnen Unordnung, dann nehme ich alles mit, und der, dem die Sachen gehören, muss sie bei mir abholen und kann etwas erleben."

Das sind keine leeren Drohungen. Wir wissen ein Lied davon zu singen. Es genügt, dass der Feldweibel auf der Klinge eines Sackmessers ein paar Graphitspuren findet, weil der betreffende Rekrut vorher einen Bleistift gespitzt hat – der Fehlbare, der bereits im Ausgehtenue steckt, muss sich umziehen, obwohl das Tenue Blau für diese kleine Verrichtung eigentlich gar nicht nötig ist, und unter Aufsicht des Feldweibels das Messer sauber machen, selbstverständlich nicht bloss einmal, sondern mehrmals, weil der Feldweibel immer wieder noch etwas zu sehen vorgibt.

Bange warten wir, blank rasiert, gewaschen, geschrubbt, gewienert, gebohnert, frisiert, nach Eau de Toilette duftend, mit korrektem Krawattenknoten und ausgerüstet mit dem "Sackbefehl" (Erkennungsmarke, Verbandpatrone, Nastuch, Sackmesser, Zettel mit militärischen Telefonnummern und ein Stück Schnur, wozu auch immer), auf den Auftritt des Feldweibels.

Der Gewaltige naht. Er erscheint im Türrahmen.

"Achtung!", schnappt der Zimmerchef, und wir knallen die Hacken zusammen.

"Melde Zimmer zur Inspektion bereit!"

"Jawohl, ruhn, ruhn kommandieren!"

"Ruhn!", bellt der Zimmerchef.

Wir gehen in die Ruhnstellung, die mit demütig vor dem Geschlechtsteil gekreuzten Händen auszuführen ist, derweil die Offiziere und höheren Unteroffiziere die Hände herrschaftlich hinter dem Rücken kreuzen dürfen.

Es ist totenstill im Schlag. Nur die langsamen Schritte des Feldweibels sind auf den ausgetretenen Bodenbrettern zu hören. Er dringt langsam ins Zimmer vor, ein kleiner, bulliger Mann von 22 Jahren, der aber aussieht wie 40. Er hat einen kurz gestutzten, borstigen Blondbart, dicke Lippen, träge, boshafte Augen und einen Direktorenbauch. Er steckt nicht im Tenue Ausgang, sondern im Dienstanzug, womit er augenfällig zu verstehen gibt, dass er nicht geneigt ist, sich wie die Rekruten im Wirtshaus zu vergnügen, sondern strengen Sinnes in der Kaserne zurückbleiben und getreulich seines Amtes walten wird, eines Amtes, das gegebenenfalls auch darin bestehen könnte, unordentliche Rekruten beim Abbüssen einer Putzstrafe zu beaufsichtigen.

Er nimmt sich Zeit. Er kriecht unter die Betten, wo er nach Staub sucht. Er zieht und zupft an verschiedenen Riemen, um zu prüfen, ob sie auch ordonnanzmässig verschlauft sind. Er starrt in unsere Gesichter, hoffend, irgendwo die Überreste von Stoppeln ausfindig zu machen. Er mustert unser Schuhwerk. Er heisst uns den Sackbefehl vorweisen und inspiziert die Ordnung auf den Spinden.

Schliesslich begehrt er von jedem die Gamelle zu sehen, jenen blechernen, aussen schwarz gestrichenen, innen blanken, im Querschnitt halbkreisförmigen kleinen Kochtopf mit Deckel.

Die Betrachtung von Gamellen ist für Feldweibel, die danach dürsten, Strafen zu verhängen, ein ergiebiges Feld. Wenn sich sonstwo für einmal nichts findet – in einer Gamelle findet sich bestimmt etwas. Dieses Ding hat nämlich die Eigenschaft, sich nach Gebrauch, etwa nach dem Braten von Hackfleisch, kaum mehr sauber kriegen zu lassen. Das liegt einerseits an der Form – man kommt an die Stellen, die es am nötigsten hätten, nicht so richtig heran – und andererseits an jenem kleinen rauen Putzlappen, den die Armee an jeden Mann verteilt und der den Anforderungen in keiner Weise genügt. Einer Gamelle ist, wenn überhaupt, nur mit Stahlwolle beizukommen. Solche haben viele von uns zwar privat organisiert, was für blitzblanke Gamellen aber immer noch nicht garantiert. Wenn sich verbranntes Fleisch oder was auch immer ins Blech einfrisst, sind die Spuren nur noch mit einem Schleifstein oder einem Zahnarztbohrer wieder herauszukriegen, Geräte, die uns nun einmal nicht zur Verfügung stehen.

Wir holen also mit viel Geklapper die Gamellen aus den Rucksäcken und präsentieren sie mit geöffnetem Deckel, damit der Feldweibel hineinschauen kann.

Er beginnt seine Runde bei der Tür. Bereits an der zweiten Gamelle hat er etwas auszusetzen, verhängt Tenue Blau. Auch die vierte Gamelle gefällt ihm nicht – Tenue Blau. Die fünfte: Tenue Blau. Er ist heute Abend noch ungnädiger gestimmt als sonst.

Und dann ist Rekrut Häberlin an der Reihe. Uns stockt der Atem, denn wir alle wissen, wie es um Häberlins Gamelle steht. Beim Biwak in der vergangenen Nacht diente sie als Kochgefäss für Reis; der Reis verkochte zu einem Klumpen und klebt nun wie braunschwarze Lava an den Innenwänden der Gamelle. Häberlin hat gar nicht erst einen Versuch unternommen, die Gamelle sauber zu kriegen. Er hätte mindestens einen Presslufthammer benötigt.

Wie wird der Feldweibel reagieren? Angesichts einer dermassen verkrusteten Gamelle, das ist uns klar, muss etwas Ungeheuerliches geschehen. Der Feldweibel könnte einen Schreikrampf kriegen. Eine Kollektivstrafe von schrecklichen Ausmassen verhängen. Die Kaserne in die Luft jagen. Etwas in dieser Art.

Der Feldweibel tritt vor Häberlin hin, blickt in die Gamelle.

Und geht weiter. Wortlos. Rasch beendet er die Inspektion, ohne weitere Gamellen zu beanstanden, und entlässt uns in den Ausgang.

Was ist geschehen? Warum hat der Feldweibel angesichts der häberlinschen Gamelle nicht getobt? Geschrien? Sich am Boden gewälzt? Sondern so getan, als wäre alles in bester Ordnung?

Vielleicht war der Feldweibel dermassen geschockt, dass er gar nicht mehr toben konnte. Oder: Er wollte nicht sehen, was nicht sein darf. Oder: Er hat wenig Lust, Häberlin unter seiner Aufsicht die Gamelle putzen zu lassen, weil dies wegen des fürchterlichen Ausmasses der Verwüstung womöglich die ganze Nacht dauern könnte.

Wahrscheinlich aber mangelt es ihm nur an Phantasie und Improvisationsgabe. Er kann sich nicht vorstellen, wie er auf solch eine Ungeheuerlichkeit angemessen reagieren soll, er, der doch sonst beim kleinsten Stäubchen gleich drauflosdonnert, als wäre ein Kapitalverbrechen geschehen – also hat er es diesmal gleich bleiben lassen.

Am nächsten Tag darf Häberlin beim Feldweibel eine neue Gamelle abholen.

8. Das Kompaniekalb

Im Leben trifft man zuweilen kantige Menschen an. Das gilt natürlich auch für das Leben im Militär – und hier wie sonst wohl nirgends hat man Gelegenheit, solche Menschen ungefiltert zu erleben. Eine Person von besonders eigenwilligem Format war Rekrut Wermelinger, deshalb sei ihm hier ein Kapitel gewidmet.

Wermelinger hätte sich in einem Kriegsfilm über den Zweiten Weltkrieg als Nazi-Offizier gut gemacht, zumindest in optischer Hinsicht. Er war schlank und sehnig, gegen einsneunzig gross, hatte kurz geschorene, blonde Haare, stahlblaue, tief in den Höhlen liegende, hart blickende Augen, einen grimmig vorgereckten Unterkiefer und eine dröhnende Stimme. Er war aber keineswegs ein Freund der Armee; ihm wäre nichts lieber gewesen, als der Rekrutenschule fernzubleiben. Da er aber eine Gefängnisstrafe wegen Dienstverweigerung nicht auf sich nehmen wollte – Zivildienst als Alternative gab's damals noch nicht –, biss er in den sauren Apfel und trat zum Dienst an. Wenn ich schon muss, dann sorge ich wenigstens für Betrieb, sagte er sich. Und er sorgte für Betrieb.

Wermelinger hatte ein besonderes Berufsziel: Er wollte unbedingt Kabarettist werden, Schauspieler oder Showmaster. Weil es ihm vorläufig an einer richtigen Bühne mangelte, erkor er sich den militärischen Alltag zur Bühne und die Kameraden zum Publikum, ob sie nun wollten oder nicht. Niemand konnte sich seinen Spässen, improvisierten Einmann-Sketchen und Liedparodien entziehen. Seine Stimme trug weit, und weil er seine Produktionen unermüdlich wiederholte, prägten sie sich einem unauslöschlich ein.

"Vous voyez la mala choseee, c' est l' impotence dans meiner Hoseee", sang er zum Beispiel in einem kruden Kauderwelsch mit opernhaftem Bass immer und immer wieder, zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten, auch im Beisein von Offizieren und Instruktoren. Oder "Drah' di net um, oh oh oh, schau, schau, der Buckelmann geht um, oh oh oh!", in Anlehnung an den "Kommissar" von Falco, der damals gerade in der Hitparade lief. Mit dem Buckelmann meinte er einen Instruktions-Unteroffizier, der durch eine besonders schlaffe Körperhaltung auffiel, aber ein scharfer Hund war, aus dem Nichts aufzutauchen pflegte wie ein Geist und überall die dick bebrillte Nase hineinsteckte.

Auch Peter Alexanders Gassenhauer "Die kleine Kneipe am Ende der Strasse" blieb vor Wermelingers Parodierlust nicht verschont. Er dichtete und sang:

"Das kleine Scheisshaus am Ende der Kaserne,

da wo das Scheissen noch scheissenswert ist,

im kleinen Scheisshaus am Ende der Kaserne

ist es egal, ob du scheisst oder pisst."

Besonders gerne schlüpfte er in die Rolle des deutschen Komikers Didi Hallervorden, der sein Vorbild war und den er entsprechend brillant draufhatte.

"Ich habe Ambeisen im Schlafsack, Ambeisen, die Biester kribbeln und krabbeln, die pissen mich mit ihrer Säure voll, oi oi oi, Hilfe, Ambeisen, Ambeisen, Killerambeisen, mein Schlafsack ist voll von diesem widerwärtjen Krabbelzeuchs", zeterte er eines Morgens in bester Didi-Manier bei der Tagwache mitten im Wald lautstark aus seinem Zelt. Alles lachte und schüttelte den Kopf.

Am selben Tag mussten wir Rekruten in kleinen Gruppen durch den Wald ziehen und an diversen Posten, die auf einer Karte eingezeichnet waren, kleine Ausbildungslektionen absolvieren. Ein Korporal erwartete uns am Posten, und einer von uns meldete die Gruppe korrekt an. Beim vierten Posten war Wermelinger an der Reihe, die Gruppe anzumelden, was natürlich nicht in geordneten Bahnen ablaufen konnte.

Der Unteroffizier, der den Posten betreute, war Korporal Kunz, ein ausgesprochen humorloser Zwerg.

"Darf ich die Gruppe mit einem Akzent anmelden?", fragte Wermelinger den Korporal.

"Sie müssen einfach eine korrekte Meldung machen, ob mit oder ohne Akzent, ist egal", antwortete Kunz.

"Gruppe Würmesinger – im Gänsemarsch, äh, ick meine vielmehr, im Halbkreis, im Halbkreis sag ick, daher!", gurgelte Wermelinger mit verzerrtem Mund und in ulkig-schnoddrigem Hallervorden-Deutsch. Und dann: "Gruppe Achtung! Korporal, melde Gruppe Würmesinger zur Lektion vollständig anjestolpert."

"Das Ganze halt – und jetzt noch einmal ohne Geblödel", gebot der Korporal in seinem überspannten Basler Dialekt, der auch schon fast eine Parodie seiner selbst war.

Darauf Wermelinger: "Aber ich habe Sie doch vorher gefragt, ob ich mit einem Akzent sprechen dürfe, Sie haben es mir erlaubt."

"Ja, aber ich dachte eher an einen dialektbedingten Akzent. Nicht an eine Blödelnummer. Und jetzt das Ganze von vorn, los."

Beim zweiten Mal dosierte Wermelinger seinen "Akzent" und seine Wortwahl etwas, aber der Korporal war noch immer nicht zufrieden.

"Sie haben die Stimme wieder verstellt", reklamierte er. "Noch einmal, wenn ich bitten darf. Und sonst halt noch einmal – bis es geht."

Beim dritten Mal brüllte der grosse Wermelinger dem kleinen, blasshäutigen Korporal eine mustergültig zackige Meldung ins Gesicht, mit stahlschneidender Kommandostimme, was natürlich wiederum eine Clownerei war. Dem Unteroffizier missfiel dies aber nicht, im Gegenteil.

"So ist's recht, es geht ja", lobte er.

Ein paar Tage später hatten wir einen Marsch. Gruppe für Gruppe in Einerkolonnen gegliedert zogen wir still unseres Wegs durch den Wald. Die schweren Rucksäcke drückten; zusätzlich waren wir mit Bahren und Rollgestellen beladen. Da kam von hinten ein Jogger angetrabt. Er überholte uns leichtfüssig, aber laut und stossweise schnaufend wie ein Dampfross. Wermelinger löste sich aus unserer Marschkolonne und hängte sich wie einen Schatten hinten an den Jogger. Mit seinen langen und schlanken Beinen, die in buntscheckigen Kampfhosen und klobigen Stiefeln steckten, ahmte er närrisch den elastischen Trab des Sportlers nach und ruderte dazu mit den Armen. Das Gewicht des Rucksacks, der sich wie ein bizarrer Buckel an seinem Rücken wölbte, schien ihm nichts auszumachen. Grimassierend rannte er weiter und weiter, und hätte ihm der Leutnant nicht ein herrisches "Rekrut Wermelinger, daher!" nachgebellt, wäre er mit dem Läufer hinter der nächsten Kurve vermutlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Er gab viel zum Lachen Anlass, dieser sonderbare Kamerad, aber selber lachte er nie. Er hielt auf Würde wie ein englischer Graf, auch dann, wenn er den Hofnarren gab. Sein Gang war aufrecht und gravitätisch, und seine Gesichtszüge blieben meistens unbewegt. Man wusste deshalb nie so recht, ob er es nun ernst oder ironisch meinte. Das blieb auch offen, als er uns einmal erzählte, wie er auf den Geschmack der Schauspielerei gekommen war.

"Vor zwei Jahren wirkte ich als Statist bei einer Seifenwerbung fürs Fernsehen mit", berichtete er. "Ich musste mich an eine Kasse anstellen, die Frau vor mir zahlte, dann kam ich an die Reihe und zahlte. Das war alles. Sagen musste ich nichts, aber ich hatte bei diesem Auftritt mein schauspielerisches Talent entdeckt."

Diese Begabung trainierte er nun nach Kräften im Militär. Klar, dass er bei Übungen im Feld einen überzeugenden Figuranten abgab. Einmal musste er bei einer solchen Gelegenheit einen Verletzten spielen, der gemäss Anweisung des Übungsleiters nur noch halb bei Bewusstsein war und lallte. Als er dick verbunden in die Hilfsstelle getragen wurde, lag er starr, blass und halb tot auf der Bahre, hatte die Augen geschlossen und stöhnte: "La, la… La, la… La, la, la…" Das war "Lallen" wörtlich genommen.

Der Arzt, der Triage machte, trat zu ihm hin und sprach ihn an. "Was fehlt Ihnen? können Sie mich hören?"

Wermelinger als gewiefter Schauspieler liess sich natürlich nicht beirren. Getreulich hielt er sich an sein Skript und lallte stossweise: "La, la… La, la…"

In unserem Schlafsaal in der Kaserne belegte Wermelinger einen der begehrten Fensterplätze. Das Bett rechts neben ihm war besetzt von Rekrut Rupp, einem korpulenten Eisenbahner volkstümlichen Zuschnitts. Er war mit seiner krächzenden Papageienstimme andauernd am Quasseln, weshalb er den Übernamen "Radio Rupp" trug. Wermelinger erwies gegenüber dieser Nervensäge eine beachtliche Langmut. Stoisch ertrug er sein Geplapper und seine Hänseleien, und manchmal half er ihm beim Rollen des Schlafsacks und Packen des Rucksacks.

Nur einmal verlor er Rupp gegenüber die Geduld. Das war während der Mittagspause nach einem anstrengenden Ausbildungsmorgen in der glühenden Sonne. Wermelinger lag lang ausgestreckt auf seinem Bett und döste im Kampfanzug vor sich hin. Rupp, der ihn so liegen sah, konnte der Versuchung nicht widerstehen, bohrte ihm neckisch den Zeigefinger in den Bauch und kreischte: "He, Wermelinger, kille kille, schläfst du, hehehehehe?"

Worauf Wermelinger die Augen öffnete, sich halb erhob, Rupp unwirsch anblickte und donnerte: "Mensch, du Dussel, siehst du eigentlich nicht, dass ich versuche zu schlafen? Verzieh dich und lass mich bloss in Ruhe." Nach diesem Ausbruch legte er sich zum betretenen Kichern Rupps wieder hin, schloss die Augen und erstarrte von einem Augenblick auf den andern zur Mumie.

Wermelinger fiel selten aus der Rolle des Komödianten. Hin und wieder war mit ihm aber auch ein ernsthaftes Gespräch möglich. Einmal erzählte er mir, dass seine Eltern geschieden seien. Er lebe offiziell beim Vater, eigentlich aber allein, denn der Vater halte sich meist in den USA auf. Er selber sei bereits mehrmals drüben gewesen, es sei sein Traumland, vor allem der Süden. Diese feuchtheissen Sommernächte, die hätten es ihm angetan. Hier in der Schweiz kenne er eigentlich niemanden, obwohl er hier geboren und aufgewachsen sei; vermutlich wandere er nach der Rekrutenschule nach Amerika aus. Dort habe er eine junge Frau kennengelernt, die gut zuhören könne, tagelang, wenn es sein müsse. "Sie ist so etwas wie meine Psychiaterin", sagte er. Auf den Gedanken, dass er in diese Frau verliebt sein könnte, kam ich nicht wirklich; Wermelinger wirkte nicht wie einer, der mit amourösen Dingen etwas am Hut hatte, weder in der hetero- noch in der homosexuellen Variante.

Im Grunde wirkte dieses nimmermüde Kompaniekalb isoliert und melancholisch. Seine Wochenenden verbrachte er in der Kaserne, während alle anderen – bis auf die Wachmannschaft – nach Hause fuhren, und im Ausgang unter der Woche sah man ihn eher selten. Er zog einsame Spaziergänge vor, danach ging er zu Bett.

Am letzten Morgen der Rekrutenschule quiekte Rupp beim Anziehen vergnügt: "Wermelinger, heute ist der letzte Tag, nun werden wir die Uniform endlich los, hehehehehe…"

Darauf Wermelinger einsilbig und fast etwas wehmütig: "Ich weiss."

Auf mich wirkte es, als hätte er die Armee trotz seiner anfänglichen Ablehnung auf eine zwiespältige Art doch noch ganz lieb gewonnen und als würde er die Kameraden schon jetzt vermissen.

Nach der Rekrutenschule verlor ich ihn aus den Augen. Er ist mir aber als eine der markantesten Persönlichkeiten meiner Militärzeit in lebhafter Erinnerung geblieben, und seine manischen Mantras hallen mir noch immer in den Ohren.

"Oberleutnant, hast duuu mir eine Wullenteche? Eine Wullenteche? Um eine Wullenteche bitt ich! Versteht denn niemand nich, was ich mein und will? Eine Wullenteche, ich frier mir sonst den Arsch ab auf der Wache! Erbarmen mit einem armen Soldaten! Oberleutnant, eine Wullenteche!"

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