Kitabı oku: «Handbuch für Outdoor Guides»

Dieser Titel ist auch als Printausgabe erhältlich
ISBN 978-3-940 562-32-6
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ISBN 978-3-944 708-30-0 (eBook)
| Verlag | ZIEL – Zentrum für interdisziplinäres erfahrungsorientiertes Lernen GmbHZeuggasse 7–9, 86150 Augsburg, www.ziel-verlag.de 3. überarbeitete Auflage 2009, Nachdruck 2015 |
| Illustrationen und | smartwork, Hans-Peter Häderli |
| Layoutgestaltung | Freudenbergstrasse 15, CH-9410 Heiden |
| Bildnachweise | planoalto |
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Erste Impulse
Outdoor – einst und heute
Der Outdoor Guide – ein Profil
Philosophische Aspekte
Die Kompetenzen
Outdoorkompetenzen
Trekking
Feuermachen
Übernachtung im Freien
Wetter
Routenwahl
Kanutouren
Kanutouren auf Flüssen
– Paddeltechnik im Zweierkanadier
– Fahrtechnik im Zweierkanadier
– Körperhaltung und Beladung
Spezielles für die Leitung
– Das eigene Boot kentert
– Ein anderes Boot kentert
– Das eigene Boot landet auf einem Hindernis
– Ein anderes Boot landet auf einem Hindernis
Seakajak-Touren an Meeresküsten und auf Seen
Schneeschuhlaufen
Wetter- und Lawinenkunde
Orientierung und Fortbewegung im Wintergelände
– Checkliste für die Schneeschuhtour
Bau von Behelfsunterkünften
– Iglu
– Schneehöhle
Mountaineering
Im Schnee und Eis
Im Fels
Unterwegs in Burglandschaften
Reisen in Wildnisgebiete
In der Wüste
Geschichten aus der Wüste
Im Urwald
– Flussüberquerungen
Campgestaltung
Die Schwitzhütte
Von Hängematten und Tipis
Orientierung
Landkarten
Kompass
Höhenmeter
Hightech
Natürliche Orientierungshilfen
Navigation zu Land
Survival
Survival in der Winterwildnis
Medizinische Aspekte
Unterkühlung
Der Windchill-Faktor
Dehydration
Schneeblindheit
Outdoor Ökologie
Schutz der Wildtiere
Ausrüstung
Trekking
Kanu
Schneeschuh
Wildnisgebiete
Fremde Länder
Sicherheitstechnik
Organisationskompetenzen
Programmgestaltung
Atmosphäre
Essen
Logistik
Organisatorische Aspekte von Sicherheit
– Vorbeugung
– Adäquates Handeln
– Nachbereitung
Ökologische Programmgestaltung
Reiseorganisation
– Checkliste
Finanzplan
Projektmanagement
Was ist ein Projekt?
Phasen der Projektentwicklung
– Ideenentwicklung
– Rahmenbedingungen abklären
– Konzeption des Projekts
– Realisation des Projekts
– Evaluation (und Weiterentwicklung)
Marketing
Projektpräsentation
Werbemedien
Rechtliche Fragen
Qualitätsmanagement
– Selbstreflexion
– Rückmeldungen der Teilnehmer
– Bewertung durch Auftraggeber
– Intervision
– Externe Begleitung
Führungskompetenzen
Leadership
Ziel- und Auftragsklärung
Leitungsrollen
Kompetenzrollen
Bewunderte Rollen
Unterstützende Rollen
Underdog-Rollen
Problemrollen
Leitungskonzepte
Teamleitungen, Co-Leiter, Leitungshierarchien
Ethik
Teilnehmer
Gruppendynamik
Das Gruppenleben
Die Gruppenstruktur
Kontakt mit Einheimischen
Konfliktmanagement
Klassische Konfliktsituationen im Outdoor
Sicherheit aus psychologischer Sicht
Checkliste für Leadership
Weiterbildung
Arbeitsmaterialien
Merkblatt Ernährung
Kochtipps
Nahrung aus der Natur
Umgang mit dem Feuer
Umgang mit Wasser
Merkblatt Wetter
Übersicht über die Windgeschwindigkeiten
Merkblatt Lawinen
Wir achten auf:
Verhalten in der Lawine:
Verhalten bei einem Lawinenunfall:
Merkblatt Notfälle in der Wildnis
Verhalten in Notsituationen
Unterkunft
Fortbewegung
Ernährung
Notsignale
Survival Kit
Erste Hilfe und Rettungsmassnahmen
Merkblatt Zecken
Vorbeugung mit Impfung
Rezepte für das Lagerfeuer
Brot im Backofen
Schlangenbrot
Hot Dog
Pitabrot
Gugelhopf in Pfanne
Weitere Backmöglichkeiten
Bannoks
Pancakes
Porridge
Milchreis
Gemüsesuppe
Risotto
Polenta
Hirsengericht
Bohnengerichte
Linsengericht
Kartoffelstock
Thunfischspaghetti
Huhn in Ton
Outdoorfondue
Raclette
Käse in Peperoni
Fisch auf Astgabeln
Mongolenspiess
Ploff
Peruanischer Hirtenofen
5-Gang-Menü
Wildsalat mit Brot
Kräuterreis
Getränke
Ausrüstungsliste
Medikamentenliste
Normalgebrauch
Luxusvariante
Extrem
Naturheilmedikamente
Bemerkungen
Nützliche Suchbegriffe
Schulung
Schlussbemerkungen
Vorwort
Outdoor-Guiding … ein lebendige Tradition alter Kulturwerte
Als ich Hans-Peter Hufenus 1994 kennen lernte, entsprach er meinem Klischee eines »wilden« Mannes: athletisch gebaut, gegerbt von Wind und Sonne, graue Schläfen, die das stechende Blau der Augen betonen und umhüllt von einer Aura des Abenteuers. Dass er der Leiter einer gewissen »Wildnisschule« sein sollte, wunderte mich gar nicht, im Gegenteil. Nur allzu gut konnte ich mir vorstellen, wie Herr Hufenus seine Wege durch die Wildnis schlägt, reissende Bäche durchquert, Berge erklimmt und sich, wer weiss, gegebenenfalls sogar von Liane zu Liane schwingt – er war zweifelsohne der Typ für solcherlei Aktionen. Etwas misstrauisch war ich aber im Hinblick auf den Lehrstil in seiner Wildnisschule. Ich malte mir Mutprüfungen aus, die man zu bestehen hätte, waghalsige Manöver im unwegsamen Gelände und derartige Dinge mehr, für die ich von Natur aus wenig Begeisterung mitbringe.
Mit entsprechender Vorsicht begab ich mich in unsere ersten gemeinsamen Outdoor-Erlebnisse, die geraume Zeit später folgen sollten. Ich war auf Spektakuläres, Grenzüberschreitendes eingestellt oder erwartete zumindest, dass mich der erfahrene Wildnisexperte bei jeder Gelegenheit in die Besonderheiten der Vegetation, in die Bewegungen des Wetters oder in das Spurenlesen wilder Tiere einwies. Nichts von alledem. Wir zogen oberflächlich betrachtet ganz ohne »special effects« dahin. Durch den Wald und den kleinen Canyon, die Wiese hinauf, eine Zeit auf einem Weg, dann wieder querfeldein, dem Bach entlang… der Outdoor Guide mal neben mir, dann wieder weit hinten oder ein gutes Stück voraus, ganz selbstverständlich in seiner Bewegung, seinem Tempo. Es dauerte eine Weile, ehe ich dem Frieden trauen und damit auch wahrnehmen konnte, dass die Besonderheit dieses Abenteuers nicht in atemraubenden Passagen, sondern in jener Selbstverständlichkeit und Gelassenheit lag, mit der sich Hans-Peter Hufenus draussen in der Natur bewegte. So als wäre er dort draussen zu Hause, nicht mehr und nicht weniger. Nicht das Aussergewöhnliche hat mich aufmerksam werden lassen, sondern das Alltägliche.
Auf dieselbe natürliche Art begleitet und leitet er Menschen, Gruppen und Kurse, in der Natur. Das konnte ich dann bei unserer gemeinsamen Arbeit vielfach erleben. Er stellt seine Erfahrung ohne grosses Aufsehen zur Verfügung führt Menschen an Plätze, an die sie nie gekommen wären, sichert dort, wo es nötig ist, und vor allem lässt er den Raum, den es braucht, damit auch andere ihren eigenen, natürlichen Stil des Draussenseins entwickeln können.
Vermutlich waren es auch diese Qualitäten, die dazu beigetragen haben, dass jene bescheidene und doch prägnante Weise des »Outdoor-Guiding« in den vergangenen zwanzig Jahren zu einer Marke geworden ist, die von vielen Menschen, vielen ausgebildeten wie lehrenden Outdoor-Guides – in hoher und eigenständiger Kunst gelebt wird.
Aus der ehemaligen Wildnisschule ist 2002 das Institut planoalto hervorgegangen, das in seinem innovativen Spektrum an beraterischer und pädagogischer Arbeit in und mit der Natur immer den Basishaltungen und Basistechniken des Draussenseins verbunden bleibt. Sich unter freiem Himmel orientieren, in Landschaften und in Elementen bewegen, ein Feuer pflegen, sich einen guten Lebensort in der Wildnis einrichten können – das sind alte Kulturwerte, die darin praktiziert, so erhalten und weiter gegeben werden.
Unter Anbetracht der heutigen gesellschaftlichen Themen, die sich mehrheitlich um Wirtschaft, Finanzen, Kriegswirren und Energieressourcen drehen, scheint die Hinwendung zum einfachen Draussensein irrelevant – manchen vielleicht sogar ignorant.
Ja, aber wer weiss? Vielleicht können auch die Kompetenzen des Outdoor-Guiding jenen konkreten Erdenbezug herstellen, den es braucht, um gute Ideen und ebensolche Handlungskraft für unsere gegenwärtigen Herausforderungen zu finden?
Ob aus sportlichen, sozialen, ökologischen oder leadership Motiven heraus, schön und beachtlich ist, dass jenes Handbuch für Outdoor-Guides nun in der dritten Auflage vorliegt.
Es ist kein Buch der Detailinformationen, sondern vermittelt Wesentliches und Praktisches für den beruflichen »Alltag unter freiem Himmel«. Es gibt auf kurzweilige Art, belebt von Geschichten aus der Praxis, Einblick in das, was man heute »planoalto-Kultur« bezeichnen kann, so erklärt sich auch das „wir“, das im Text oft an den Leser wendet.
Auf dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, in diesem Handbuch viele interessante Anregungen und praktische Leitlinien finden mögen und die Freude und Lust am Draussensein wächst!
| Astrid Habiba Kreszmeier | Mai 2009 |

Erste Impulse
Outdoor, einst und heute
Wenn heute von Outdoor-Events, also von Unternehmungen »Draussen vor der Tür« die Rede ist, dann kann vieles gemeint sein: Freizeitgestaltung in der Natur, Natursport, Abenteuererlebnisse, Abenteuerreisen, Erlebnispädagogik, Outdoor-Training und anderes mehr. Das Outdoor als Magnet und Signet hat in den letzten Jahren, ja man kann schon bald von Jahrzehnten reden, einen gewaltigen Boom erlebt. Jeder kennt heute diesen Begriff. Doch wenn wir die Frage stellen, wann das Outdoor als besondere Attraktion entdeckt wurde, müssen wir das Rad der Geschichte weit zurückdrehen. Ursprünglich, hier im wahrsten Sinne des Wortes, in den Ursprüngen der Menschheit gab es nichts anderes als das Outdoor. Philosophisch gesehen konnte das Bild des Outdoors aber erst mit der Existenz eines »Indoors« entwickelt werden. Dieses Indoor war lebensnotwendiger Schutz vor der unmittelbaren Härte der Natur. Damals, als die Menschen begannen, sich in geschützten Räumen aufzuhalten, diente der Gang ins Outdoor vor allem der Nahrungs- und Feuerholzsuche.
Nun wissen wir aus der ethnologischen Forschung, dass schon jene alten Stammes kulturen den Gang ins Outdoor auch zu ganz anderen Zwecken antraten. In den »Buschschulen« wurden die jungen Menschen in das zukünftige Leben als Jäger und Sammler eingeweiht und der Schamane suchte in der einsamen Wildnis die Visionen, um seine Stammesleute gut zu beraten. Wo immer wir in der Menschheitsgeschichte hinschauen, begegnen wir der Faszination Outdoor. Denken wir nur an die Irrfahrten des Odysseus, an den Auszug der Israeliten aus Ägypten oder an die Erlebnisse des Robinson. Gerade wenn wir diese drei Beispiele genauer betrachten, entdecken wir, dass es sich bei diesen Ereignissen keinesfalls um banale Verirrungen, Fluchten und Schiffbrüche handelte, sondern um initiatorische Wege der Identitätsfindung.
Ungeachtet der schönen Paläste und Tempel praktizierten im antiken Griechenland die berühmtesten Lehrer das Lernen unter freiem Himmel. Platon gründete seine Akademie in einem Hain bei der Stadt Athen und Aristoteles hielt seine Vorträge, indem er durch die Gärten wandelte. Wegen dieser Gewohnheit des wandernden Lehrens und Lernens wurden seine Schüler »Peripathetiker« genannt, was soviel heisst wie »Spaziergänger«.
Im europäischen Mittelalter, wo die wilde Natur noch beseelt war von allerhand unheimlichen Geistern und die normal sterblichen Menschen sich nur ungern in die Wildnis begaben, stellte das Outdoor auch einen Ort für spirituelle Erneuerung dar.
Die gläubigen Menschen unternahmen strapaziöse und gefährliche Pilgerreisen und einzelne entschieden sich gar für ein Leben als Einsiedler in der Wildnis.
Die Outdoor Unternehmung als Freizeitvergnügen wurde hingegen erst in den letzten zweihundert Jahren populär. Als die ersten Engländer in die Alpen kamen, mit dem alleinigen Ziel, die höchsten und steilsten Berge zu besteigen, schüttelten die Bergbauern und Hirten verständnislos den Kopf und betrachteten diese ersten Abenteuertouristen als völlige Spinner. Vermutlich schüttelt der Bergbauer auch noch heute den Kopf, wenn er die jungen Burschen aus der Bergbahn »bungeejumpen« sieht oder Mitarbeiter eines Chemiekonzerns zwecks Teambuilding durch seinen Wald stapfen. Gerade dieses letzte Beispiel, das sogenannte Outdoor-Training, ist zwar weit herum bekannt, doch viele Menschen können damit nichts anderes verbinden als Erinnerungen an die Zeiten im Militär oder bei den Pfadfindern. Das hat auch seine Gründe, denn gerade militärische Übungen sind ja Outdoor-Übungen im klassischen Sinne. Auch der absolute Outdoor-Klassiker, die weltweite Pfadfinderbewegung, hat seine Wurzelnim Militärischen. Der britische Oberst Baden-Powell setzteim südafrikanischen Burenkrieg Jugendliche als Scouts (Pfadfinder) ein. Dies brachte ihn schliesslich auf die Idee des freizeitpädagogischen Konzepts der Boy Scouts, die sich zur weltweiten Pfadfinderbewegung ausweitete. In dieser Zeit, das heisst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, entstanden gleichzeitig viele Bewegungen, die in die selbe Richtung gingen: Abenteuer und Erlebnis als Freizeitangebot mit dem Anspruch auf Korrektur erzieherischer Defizite.
Es war die Zeit der sogenannten Reformpädagogik, in der auch die heutige Erlebnispädagogik ihre Wurzeln hat. Neben der Pfadfinderbewegung waren es insbesondere der YMCA (Christlicher Verein junger Männer) und die Outward Bound Bewegung, die Naturerfahrungen und Natursport ins Zentrum ihrer Aktivitäten rückten.
Neben dem Bergsteigen und dem normalen Wandern erhielten Freizeitaktivitäten im Outdoor zu jener Zeit bei den Erwachsenen noch keine grosse Aufmerksamkeit. Dies änderte sich erst vor einigen Jahrzehnten. Zwischen 1970 und 1980 entdeckten die Menschen aus den westlichen Industrienationen das Trekking. Anbieter von Abenteuerreisen schossen wie Pilze aus dem Boden. Organisierte Reisegruppen, begleitet von Trägern oder Tragtieren, wie auch weniger betuchte Individualtouristen mit schweren Rucksäcken, begannen den Himalaja und die Anden zu durchstreifen. Als besonderer Kick für Zivilisationsmüde wurde später das Survival-Training Mode, eine ursprünglich militärische Überlebensschulung. Die Sozialpädagogik entdeckte die exotische Abenteuerreise als Erziehungsmassnahme. Ab 1980 nahm die Zahl erlebnispädagogischer Angebote in Form von Segelschiffprojekten, Wildnisaufenthalten und Fernreisen sprunghaft zu. Etwas später folgte die Wirtschaft, die das Outdoor-Training in die betriebliche Weiterbildung einbezog, vorab zur Stärkung von Teams und zur Verbesserung der sozialen Kompetenz von Führungskräften.
So entwickelte sich einerseits eine eigene Profession, welche Outdoor-Erfahrungen zur Persönlichkeitsentwicklung einsetzt. Andererseits fand im Freizeitbereich vor allem bei der Jugend eine Abkehr von der romantischen Naturerfahrung hin zum reinen »Fun and Action« statt. Riverrafting, Bungeejumping, Canyoning beleben das Geschäft mit dem Abenteuer.
Outdoor Guide, ein Profil
Der Boom mit den Abenteueraktivitäten ist nach wie vor ungebrochen. Unzählige Anbieter konkurrieren auf dem Markt und Kunden können aus einem riesigen Angebot wählen. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Qualitätsanforderungen an Programmgestalter und Leitungspersonen enorm sind. Es reicht nicht, wenn Leiter und Leiterinnen über technisches und geographisches Know-how verfügen. Wichtig sind »weiche« Kompetenzen wie Führungsqualifikation und emotionale Intelligenz. Und was im Outdoor ganz speziell gefordert ist, ist die Gewährung von Sicherheit.
Am 28. Juli 1999 kamen im Berner Oberland 20 Menschen bei einem Canyoning-Unfall ums Leben. Eine ganze Woche lang beschäftigten sich die Medien ausführlich mit dem Vorfall. Dass in diesem Zeitraum auf den Schweizer Strassen wahrscheinlich ebenso viele Menschen gestorben sind, kümmerte – ausser die unmittelbar Betroffenen – niemanden besonders. Der Grund liegt darin, dass Tote und Verletzte im Strassenverkehr sozusagen zum Alltag gehören, während Outdoor-Aktivitäten etwas Besonderes sind, somit besondere Aufmerksamkeit und Medienwirksamkeit geniessen. Die Medienberichte über den Unfall haben aber auch mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie das Abenteuer-Geschäft funktioniert. Die Kunden verlangen einen möglichst hohen Abenteuerwert, der zum gebuchten Zeitpunkt und mit dem versprochenen Thrill einzutreten hat. Und die Öffentlichkeit verlangt, dass die Anbieter dafür garantieren, dass keine Unfälle geschehen. Gab es vor 50 Jahren praktisch nur einen Abenteuersport, nämlich das Bergsteigen, das überdies als schräges Hobby von ein paar Sonderlingen galt, sind Abenteuer heute zum eigentlichen Breitensport geworden. Überall sieht man Plakate und Zeitschriften, wo Fotos von Menschen mit zum Schrei aufgerissenen Mäulern für Riverraftings, Bungeejumpings, Canyonings und ähnliches werben. Dass an die Leiter hohe Anforderungen betreffend Sicherheit gestellt werden, ist selbstverständlich. Sie müssen, während sie ein Maximum an »fun and action« bieten, MeisterDompteure des kontrollierten Risikos sein.
Victorino kannte die Anden Perus wie seine Hosentasche. Er wurde vom Gründer des ersten Trekkingunternehmens der Schweiz vor bald 30 Jahren »entdeckt« und als lokaler Leiter von Trekking und Bergsteigergruppen eingesetzt. Er machte seine Sache gut, hat viele Menschen über die Pässe der Anden und oft auch auf deren höchste Berggipfel geführt. Dann kamen ein paar Schweizer Bergführer – nachdem sie das Business »Trekking« auch entdeckt hatten – auf die Idee, junge Peruaner als Bergführer auszubilden und mit einem Zertifikat auszurüsten. Auf politischer Ebene wurde dafür gesorgt, dass nur noch so zertifizierte Leiter Trekking- und Bergsteigergruppen in den peruanischen Anden führen durften. Victorino, der über kein solches Zertifikat verfügt, wurde in der Folge offiziell untersagt, weiterhin Bergtouren zu leiten.
Diese beiden Blickwinkel zeigen, wie doppelbödig der scheinbar objektive Ruf nach Sicherheit ist. Zum Profil eines verantwortungsvollen Outdoor Guides gehört nach unserer Meinung ein vielschichtiges Verständnis von Sicherheit. Es wird an verschiedensten Stellen des Handbuchs davon die Rede sein. Davon abgesehen beziehen sich alle weiteren Informationen und Anregungen auf folgende Definitionen:
Ein Outdoor Guide
kann sich selbstverständlich und sicher in der Natur bewegen.
kann in der Natur leben, am Feuer kochen, geschützte Schlaf- und Lagerplätze einrichten.
kann anderen Menschen das Leben in der Natur nahe bringen, sie darin sicher begleiten.
Zu den klassischen Outdoor Guide-Bereichen gehören:
Trekking bzw. Wildnis-Reise
Freizeit- und Lagergestaltung
Kanuwandern, Seakajakreisen
Schneeschuhlaufen
Nicht in das hier gezeichnete Outdoor Guide Profil gehören Extremsportarten oder
Disziplinen, die ein hochschwelliges Spezialwissen erfordern.
Philosophische Aspekte
Wir stellen in diesem Buch unter anderem vier Fortbewegungsarten vor: das Trekking, das Schneeschuhlaufen, das Kanadierfahren und das Seakajakfahren. Was haben diese vier miteinander zu tun? Es handelt sich um vier archaische Fortbewegungsarten jener nomadischen Völker, die als Jäger, Sammler, Fischer oder Hirten über Land oder auf dem Wasser dahinzogen. Das Unterwegssein, das Dahinziehen ist ihr zentrales Merkmal, das sich vom gängigen Charakter von Natursportarten wie Bergsteigen, Wildwasserkajak, Riverrafting und Canyoning merklich unterscheidet.
Wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir bei jenen Sportarten eine recht kriegerische Sprache: Man kämpft sich durch, bezwingt, siegt. Die Helden sind die, die es immer höher, immer weiter, immer schneller schaffen.
Dem Trend zum Martialischen können sich allerdings auch die »sanften« Outdoor-Formen nicht ganz entziehen. Es werden Atlantiküberquerungen im Seakajak gemacht, extreme Wildwasser mit dem Spezialkanadier befahren, die Antarktis zu Fuss durchquert. Auch die Schneeschuhläufer werden zunehmend für Rekorde mobilisiert: Ein Guinessbucheintrag für die längste Schneeschuhläuferkette ist schon erreicht, Schneeschuhrennen werden noch und noch organisiert. Das darf ja auch sein und kann überdies Spass machen. Schade ist nur, wenn Verbissenheit und Materialschlachten das Feld beherrschen.
Nun, wenn die Helden dann keuchend ihren Gipfel geschafft, mit letzter Anstrengung die Ziellinie durcheilt, ausgemergelt das andern Ende des Kontinents erreicht haben, werden wir sie fragen, ob es für einmal auch etwas Anderes sein darf. Und wir laden ein zur »Entdeckung der Langsamkeit« und zur Wahrnehmung des Schönen: bei einer beschaulichen Kanufahrt, auf einem originellen Trekking oder bei einer romantischen Schneeschuhtour.
Es gibt grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Outdoor Guide anstrengende, anspruchsvolle und strapaziöse Unternehmungen mit ambitiösen Teilnehmern leitet. Aber es ist auch die Aufgabe des in diesem Buch skizzierten Outdoor Guides, Menschen in der Natur zu begleiten, die nicht unbedingt schneller, höher und weiter gehen wollen, sondern ganz andere Interessen haben, zum Beispiel die Stille der Wüste auf einer Kameltour zu erleben, die Kultur der Walser Bergvölker wandernd zu entdecken, die Cinque Terre vom Meer aus zu besuchen oder das einfache Leben der Steinzeitmenschen in einer Waldwoche nachzuempfinden. Dieser Outdoor Guide wird vielleicht auch spezielle Gruppen leiten: Stadtjugendliche, bei denen es gilt, Lernerlebnisse in der Natur zu vermitteln. Eine Gruppe von Senioren, die eine Pilgerreise machen. Kinder, die zum ersten Mal etwas ohne die Eltern unternehmen. Ein Arbeitsteam, das sich besser kennen lernen möchte.
Um all diese Unternehmungen erfolgreich zu leiten, braucht es eine Reihe von Kompetenzen.
Die Kompetenzen
In der Outdoor-Szene, im speziellen in der Erlebnispädagogik, unterscheidet man heute oft zwischen Hard Skills (harten Fertigkeiten) und Soft Skills (weichen Fertigkeiten). Mit Hard Skills bezeichnet man all das praktische Wissen und jene Techniken, die für die sichere Fortbewegung und den Aufenthalt im Outdoor gebraucht werden: Seiltechniken, Kanutechniken, Orientierungskenntnisse etc. Mit Soft Skills sind jene Fähigkeiten gemeint, die der Outdoor Guide für die Begleitung von Menschen und die Leitung von Gruppen braucht: Führungsfähigkeiten, psychologische Kenntnisse, gruppendynamisches Wissen etc.
Wir haben uns entschieden, auf den Begriff der Skills zu verzichten und unterscheiden stattdessen drei Arten von Kompetenzen, die zur Qualifikation eines professionellen Outdoor Guides gehören:
Outdoorkompetenzen
Organisationskompetenzen
Führungskompetenzen
Weitgehend ausgeklammert werden in diesem Buch pädagogische Theorien und methodische Konzepte. Es ist uns aber bewusst, dass gerade in den professionellen Bereichen der Erlebnispädagogik und des Outdoor Trainings solches Wissen und Können einen grossen Anteil der Leitungskompetenz ausmachen. Bei Outdoor-Angeboten mit persönlichkeitsbildenden Zielsetzungen ist die Outdoor Guide Kompetenz also eine Zusatzqualifikation zu einer bereits vorhandenen Professionalität. Zum Beispiel:
Erlebnispädagogik: Sozialpädagogik +Outdoor Guide Kompetenzen
Outdoor Training: Erwachsenenbildung +Outdoor Guide Kompetenzen
Selbsterfahrung: Psychologie +Outdoor Guide Kompetenzen
Dieses Buch erhebt ausdrücklich nicht den Anspruch, ein Lehrbuch für diese letztgenannten Bereiche zu sein, obwohl an verschiedenen Stellen Querverweise gemacht werden.

Outdoor-
kompetenzen
Trekking
Der Begriff Trekking wurde in den 70er Jahren von den ersten Nepal Trekkern in die Welt gesetzt. Er stammt vom Wort Trek ab, mit dem die südafrikanischen Buren ihre Planwagenzüge bezeichneten. In seinem ursprünglichen Sinn war ein Trekking eine mehrtägige bis mehrwöchige Bergwanderung, wobei in Zelten übernachtet wurde, das Gepäck von bezahlten Trägern getragen und das Essen von einem mitwandernden einheimischen Kochtrupp auf dem Feuer zubereitet wurde. Nepal war nach seiner Öffnung für Touristen das ideale Trekking-Land, denn es gab dort kaum Strassen, und Träger waren das, was bei uns die Lastwagen sind, und sie waren im Rang sogar höher gestellt als die Bauern. Inzwischen hat das Wort Trekking in der westlichen Welt eine wahre Inflation erlebt. Jede kleinere Bergwanderung wird heute so bezeichnet, es gibt Reittrekkings, Kameltrekkings, Kanutrekkings und selbst Eisenbahntrekkings.
In diesem Buch gebrauchen wir das Wort Trekking zur Bezeichnung von mehrtägigen Wanderungen (Weitwandern), bei denen im Freien gekocht und übernachtet wird. Eine Wanderreise, die von Herberge zu Herberge geht und wo das Gepäck nicht mitgetragen wird, fällt also nicht in diese Kategorie.
Es gibt Trekkingrouten, auf denen die Mitnahme eines lokalen Führers empfehlenswert ist. Manchmal ist dies sogar Vorschrift. In solchen Fällen wirkt der Gruppenleiter als Verbindungsglied zwischen Gruppe und einheimischen Führern. Fremdsprachenkenntnisse sind hier unerlässlich. In den meisten Ländern wird heutzutage englisch verstanden. Wer in Südamerika Gruppen leitet, sollte mit dem Spanischen bzw. dem Portugiesischen zurechtkommen, Französischkenntnisse sind all jenen Ländern des afrikanischen Kontinents dienlich, die ehemals französische Kolonien waren. Was von lokalen Begleitern nicht unbedingt erwartet werden kann, ist das Wissen darüber, was für uns »Fremde« verträglich ist. Die Einheimischen können vielleicht mehr Hitze und mehr Feuchtigkeit ertragen als die Besucher und – was in vielen subtropischen und allen tropischen Gebieten vorkommt – sie können Wasser aus ihren Bächen und Leitungen problemlos trinken, während unsereins davon unvermeidlich Durchfall bekommt. Es ist die Aufgabe der Leitung, die Teilnehmer zu warnen, und wenn Einheimische kochen, ist es auch die Aufgabe der Leitung, diese auf dabei entstehende Gefahren hinzuweisen. Es kann nämlich schon riskant sein, wenn in eine gekochte Suppe oder in gekochtes Teewasser frisches Wasser nachgeschüttet wird, ohne dass es nochmals aufgekocht wird.
Kann sich die Leitung auf keine lokale Begleitperson abstützen, erfordert dies weitergehende Kenntnisse und Fähigkeiten. Als selbstverständlich nehmen wir an, dass die Leitung körperliche Fitness und viel Eigenerfahrung im Trekking mitbringt. Geht es um die verantwortliche Leitung einer Gruppe, braucht es natürlich mehr: So muss die Leitung wissen, dass nicht für alle Teilnehmer die gleichen Massstäbe für Wandertempo und Pausen gelten. Alle im Gänsemarsch hintereinander gehen lassen, die Schwächsten vorne und die Stärksten hinten, ist eine rigide und altmodische Massnahme und macht niemanden glücklich. Was für eine alpine Skitour richtig sein mag, muss für ein Trekking noch lange nicht stimmen. Auf alternative Gestaltungsmöglichkeiten kommen wir noch zu sprechen.
Meist ist es auch so, dass die Leitung die Verantwortung für das leibliche Wohl der Gäste hat. Auch wenn die Aufgabe der Lebensmittelplanung, des Einkaufs und des Kochens auf die Teilnehmer verteilt wird, hat die Leitung mindestens zu koordinieren. Es gibt aber auch Fälle, wo die Leitung das Kochen übernimmt. In jedem Fall schadet es nichts, wenn ein umfassendes Know-how betreffend Outdoor-Küche vorhanden ist.
Feuermachen
Ein Outdoor Guide sollte immer und unter jeder Bedingung Feuer machen können. Dazu gibt es viele Tricks und Tipps, Hilfsmittel und Techniken, die man in Pfadfinder-und Survival Büchern nachlesen kann. Was in diesen Büchern meistens nicht steht ist, dass wirkliches Können nur vom vielen Üben kommen kann. Hier die wichtigsten
Punkte:
Holz brennt immer. Am besten brennt solches, das zwischen zwei und vier Jahren tot ist und an der Luft gelagert wurde. Dürre Äste sollte man von den Bäumen runterbrechen. Holz, das am feuchten Boden liegt, wird mit der Zeit morsch und ist dann mit Feuchtigkeit durchdrungen. Dürres Holz ist, auch wenn es in Strömen regnet, im Innern immer trocken. Speziell gut brennen Kiefern- und Birkenholz, letzteres selbst im grünen Zustand.
Holz kommt fast überall vor. Kocher sind also nur oberhalb oder nördlich der Buschgrenze nötig. Am Meeresufer findet sich Schwemmholz und in der Wüste finden wir Holz in Wadis und in den merkwürdigen Sandhaufen, die das Wurzelwerk ehemaliger Tamarisken einhüllen.
Das Feuer ist an der Flammenspitze am heissesten. Das Essen ist schneller bereit, wenn wir dies beim Kochen berücksichtigen. Da wir auf ein Trekking natürlich keine Aufhängevorrichtungen für die Pfannen mitschleppen, bedienen wir uns jener Technik, welche die alten Völker schon immer benutzten und die die Urform des Herdes darstellt: Wir stellen drei grosse Steine im Dreieck auf, sodass die Pfanne gut darauf steht, und machen dann das Feuer unter der Pfanne.
Als Hilfsmittel zum Feuermachen muss man nicht unbedingt Magnesium und andere künstliche Produkte mitführen, Birkenrinde und Harz sind genauso gut geeignet. Auch Kerzen sind sehr nützlich. Besonders gut wirkt auch folgendes, von uns entwickeltes
Produkt:
Man trinke hie und da mit Freunden eine Flasche Wein und sammle die Korkzapfen in einem grossen Einmachglas, das mit Brennsprit gefüllt ist. Man wartet dann, bis die Korkzapfen durchfeuchtet sind; dann werden sie zu Scheiben geschnitten. Diese

Der Ur-Herd
Scheiben legen wir in ein weiteres, auch mit Brennsprit gefülltes Einmachglas. Die Gummidichtungen der Einmachgläser müssen dranbleiben, sonst verdunstet der Sprit. Für unterwegs nehmen wir eine Handvoll der Korkzapfenscheiben in einem verschraubbaren und dichten Gefäss mit, das wir diesmal mit Petrol gefüllt haben (der Kork hat inzwischen genug Sprit aufgesaugt, das Petrol dient dazu, dass der Sprit nicht verdunstet). Es ist wichtig, dass das Gefäss verschraubbar ist, andere Verschlüsse können durch das Petrol ölig werden und sich von selbst öffnen.
In Bezug auf ein ökologisch korrektes Lagerfeuer gibt es verschiedene Haltungen. Der eine will gar keine sichtbaren Spuren hinterlassen und platziert das Feuer auf Steinen, auf Sand oder in eine Bodengrube. Der andere begnügt sich damit, dass die Feuerstelle nur so gross ist, wie sie tatsächlich gebraucht wird. Wenn keine Waldbrandgefahr besteht, sollte das Feuer eher nicht mit Wasser gelöscht werden, denn dies gibt einen matschigen Brei, der nicht nur für Nachfolgende unangenehm ist, sondern auch ziemlich lange keinen Pflanzenwuchs mehr zulässt. Am besten lässt man das Feuer frühzeitig vollständig herunterbrennen, sodass bei Verlassen des Camps nur noch Asche daliegt. Eine solche Feuerstelle ist schon in kurzer Zeit wieder überwachsen. Es ist zu hoffen, dass jene Gattung Männer, die Feuerstellen pinkelnderweise löschen, heute ausgestorben ist.
Übernachtung im Freien
Die meisten Menschen finden wahrscheinlich, dass Zelten die beste Variante ist, im Freien zu übernachten. Zelte empfehlen sich nur in Mückengebieten, weil es praktisch ist, wenn man sich in einen von Moskitonetzen geschützten Raum zurückziehen kann. Ein Planendach aus einer leichten, wasserdichten (und wenn man nicht auffallen will, dunkelgrünen) Plane hat jedoch gegenüber dem Zelt einige Vorteile: Planen sind leichter als Zelte (vorausgesetzt man benützt nicht schwere Militärplanen). Bei Planen kommt man für ein Camp auch mit kleineren flachen Plätzen aus. Planen kann man so spannen, das Gemeinschaftsräume entstehen, wo man auch bei Regen oder starker Sonne beieinander sitzen kann. Wer dieses Element zum ersten Male einsetzt, sollte etwas üben. Man wird dann schnell merken, dass es einfacher geht, wenn die Plane (bzw. die Planen) erst am Boden ausgelegt wird. Und dass das Planendach nur dann wirklich wasserdicht ist, wenn die einzelnen Planen sich ziegelförmig überlappen und das Wasser gut ablaufen kann.
Planen sind auch für andere Zwecke nutzbar: als Windschutz, als Segel, als Bedeckung einer Schwitzhütte, als wasserdichte Transporthülle für Gepäck und Kleider bei Flussüberquerungen. Und Planen sind weniger auffällig. Wenn man Zelte aufstellt, ist dies immer irgendwie ein »Besitzergreifen« des Ortes, wohingegen Planen »nomadischer« wirken. Im südschweizerischen Kanton Tessin beispielsweise, wo das Campieren offiziell verboten ist, das Biwakieren hingegen nicht, kann dieser Unterschied wesentlich sein.
Wetter
Grundsätzlich kann bei jeder Wetterlage gewandert werden. Die Angst vor schlechtem Wetter ist weitgehend eine »Zivilisationskrankheit«. Ein echter Outdoor Freak fühlt sich bei jedem Wetter wohl; er kann auch auf jede Wettersituation reagieren und braucht deshalb kein Wetterprophet zu sein. Auch die besten Wetterpropheten erreichen nur schwer durchschnittliche Trefferquoten von über 60%. Sind schon die modernen, auf Satellitenaufnahmen und sensiblen Messgeräten basierenden Wetterprognosen nur bedingt verlässlich, wie unzuverlässig ist erst eine private Prognose vor Ort. Und für den Outdoor Guide gilt, lieber keine Prognose als eine falsche.
Echte Bedrohungen stellen Lawinen, Blitzschlag und Hochwasser dar. Hier gilt es, die »Jetzt-Situation« vor Ort kompetent einzuschätzen. Der eingangs erwähnte CanyoningUnfall geschah aufgrund einer Fehleinschätzung der aktuellen Lage. Ein Gewitter in den Bergen kann einen Bergbach in Sekundenschnelle anschwellen lassen. Und dass sich ein Gewitter zusammenbraut, ist in den Bergen wegen des eingeschränkten Horizonts nicht so leicht erkennbar. Wenn der erste Donner grollt oder erste Tropfen fallen, ist das Gewitter meist schon da. Es heisst also, schnell zu handeln und sich von Bachläufen (Hochwasser) und Berggraten (Blitzschlag) zu entfernen. Die in Bergbüchern vorgeschlagenen Massnahmen gegen Blitzschlag sind allerdings eher theoretischer Natur. In der Praxis bewährt sich, dass man einfach schnell weitergeht, um baldmöglichst eine schützende Hütte oder Höhle zu finden.
Routenwahl
Meistens ist es ja so, dass die Trekkingroute dem Leiter bekannt ist. Er kennt Distanzen, Abzweigungen, die schwierigen Wegabschnitte, die Rastplätze und die Wasserstellen. Umfassende Kenntnisse betreffend Orientierung werden gebraucht, wenn die Leitung die Trekkingroute nicht kennt oder wenn sie ein neues Gebiet rekognosziert. Auf den Umgang mit Orientierungshilfen kommen wir weiter unten zu reden und beschränken uns hier auf ein paar trekkingspezifische Hinweise. Ein Trekking folgt in der Regel Pfaden von Einheimischen. Solche verbinden Ortschaften miteinander und sind topographisch optimal angelegt, d.h., es wird immer die energiesparendste Mitte zwischen Länge und Höhendistanzen gesucht und zeitraubende Hindernisse werden manchmal recht weitläufig umgangen. Es macht in der Regel keinen Sinn,
Abkürzungen zu nehmen, auch wenn dies verführerisch ist. Nicht umsonst heisst es unter erfahrenen Wildnisläufern: »Für Abkürzungen haben wir keine Zeit.« Sind die Distanzen zwischen Ortschaften sehr gross, kommen Abzweigungen vor; oder führen die Pfade über Pässe und Hochebenen, sind die Wege meist gekennzeichnet. Die häufigsten und weltweit vorkommenden Zeichen sind Steinmännchen, Kerben an (lebenden) Baumstämmen und Farbtupfer. Fehlen solche Zeichen, hilft nur die Begleitung durch einen Ortskundigen.
Wir können das Abenteuer des Ungewissen noch finden, wenn wir uns in unerschlossene Urwälder und Wüstengebiete begeben oder andere »weglose« Wege beschreiten. Ohne Pfade relativ gut begehbar sind jene grossflächigen Waldgebiete Kanadas, die früher einmal Meer waren und wegen ihres sandigen Grundes wenig wegversperrendes Unterholz zulassen. Dasselbe trifft auf die tropischen Urwaldgebiete zu, die noch Primärwälder sind. Tropische Primärurwälder bestehen aus grossen Bäumen mit weitausladenden Kronen, die wenig Licht zum Boden durchlassen, was das Wachstum in Bodennähe hindert. Auch hier gibt es dann wenig, was den Weg versperrt. In solchen Gebieten findet man mitunter auch Pfade. Sie stammen von Jägern, Sammlern und Fallenstellern. Aber Vorsicht bei der Benützung von Wildnispfaden, sie können im Kreise herumführen oder in einer Sackgasse enden. Handelt es sich um Wildwechsel, führen sie nirgendwo hin ausser zum Wasser (was unter Umständen nicht zu verachten ist).
»Wenn du in der Wildnis auf einem dir unbekannten Pfad gehst und du kommst an eine Weggabelung, wo die eine Abzweigung vielbegangen, die andere weniger begangen erscheint, welchen Weg solltest du nehmen?«
(Antwort zu dieser Frage am Schluss des Buches)
Man kann auch in der Wüste zu Fuss gehen, vorausgesetzt, man hat Tragtiere für Wasser dabei oder es sind auf der Route genügend Wasserstellen vorhanden. Es wird hier wohl niemand so waghalsig sein, eine ihm unbekannte Route ohne die Begleitung eines Führers zu begehen. Beduinen haben zwar keinen »Sechsten Sinn«, der ihnen auf magische Weise die Orientierung in der Wüste erlaubt. Sie orientieren sich an den Merkmalen der Landschaft, die sie vom vielmaligen Begehen in- und auswendig kennen. Man wird deshalb nie einen Beduinen in einem grösseren Sanddünengebiet antreffen, denn diese Landschaften ändern sich fortlaufend und bieten keine sicheren Orientierungsmöglichkeiten.
Es gibt aber auch in weniger abgeschiedenen Gebieten die Möglichkeit des Wanderns ohne Wege. Eine Traversierung (Direttissima) anhand einer Strassenkarte im Massstab 1:300’000 kann sehr abenteuerlich sein. Wo man flaches Gelände vermutet, führt die Linie hinunter in unerwartete Canyons und über wil- de Hügelketten. Eine weitere Möglichkeit ist die Schluchtenbegehung. Wir meinen damit nicht das Canyoning, wo mit Neoprenanzügen und Abseilausrüstung in sonst unzugänglichen Schluchten operiert wird, sondern wir meinen das (möglicherweise mehrtägige) Durchwandern von begehbaren Schluchten mit Wanderschuhen und Rucksack, ohne weitere Hilfsmittel. Während die Fortbewegung beim Canyoning mittels Rutschen, Springen und Abseilen talwärts geht, führt die Schluchtenbegehung bergwärts (von der Mündung zur Quelle). Auf die besonderen Risiken, die mit sol- chen Unternehmungen verbunden sind, kommen wir im Abschnitt über Sicherheit noch zu sprechen.

Von der Mündung zur Quelle
Bei all diesen Aktivitäten wird der Outdoor Guide auch einen Blick auf die Rucksäcke seiner Gruppe werfen. Ein gut gepackter Rucksack erspart viel Energie und schenkt sicheren Bewegungsspielraum. Der Rucksack muss mit dem Körper eine Einheit bilden; also auf anatomisch richtigen Hüfttraggurt achten. Er wird so gepackt, dass das Richtige zum richtigen Zeitpunkt herausgenommen werden kann. Weiterhin beachten: Druckstellen vermeiden, Schweres am Körper bei der Hüfte platzieren, Schlafsack unten. Hauptgewicht sollte auf dem Hüfttraggurt und nicht auf den Schulterriemen sein. Wegen des besseren Gleichgewichts sollte das Material vollständig im Rucksack verpackt sein und nicht aussen herumbaumeln. Für eine mehrtägige Tour braucht es einen Rucksack mit ca. 80 l Inhalt.
In den Alpen und in anderen Wildnisgebieten gibt es Trekkingrouten mit Abschnitten, welche bergsteigerische Techniken erfordern. Im Sinai beispielsweise findet sich eine Trekkingroute, wo auf einer Gesamtlänge von fast 1000 Höhenmetern (natürlich in mehreren Stufen) in einen Canyon abgeseilt wird. Bei der Umwanderung des Fitz Roys Gebirges in Patagonien führt ein Teil der Route über das patagonische Festlandeis. Auf den Suonenwanderwegen im Wallis kann man unverhofft auf Abschnitte treffen, die wegen der luftigen Ausgesetztheit und der spartanischen Absicherung durch simple ple Halteseile den Puls höher schlagen lassen. Und die Knie zum Schlottern bringt auch die Begehung des berühmten Camino del Rey bei el Chorro in Andalusien.
Bei Trekkings mit solchen Passagen ist es zwar nicht notwendig, dass die Teilnehmer selbst bergerfahren sind, aber selbstverständlich ist, dass die Leitung über die entsprechenden bergführerischen Kompetenzen verfügt, um auch unsichere Teilnehmer wohlbehalten durchzubringen.
Bergführerische Kompetenzen, über die ein Trekkingleiter verfügen sollte:
Einrichten von Seilsicherungen
Sicherungstechniken mit improvisierten Klettergurten
Sicherungsknoten
Abseiltechniken mit Klettergut und Abseilhilfen
Abseiltechniken ohne Klettergurt (Dülfer)
Diese Techniken müssen unter kompetenter Anleitung erlernt werden. Wir verzichten hier deshalb auf die Beschreibung solcher Techniken.
Kanutouren
Das Wort Kanu ist ein Sammelbegriff und bezeichnet einen Bootstyp, der nicht mit einem Ruder, sondern mit einem Paddel fortbewegt wird. Wir unterscheiden zwei Arten von Kanus: Kajak und Kanadier. Das Kajak wird mit dem Doppelpaddel betrieben und der Kanadier mit dem Stechpaddel. Das ist die einzige eindeutige Unterscheidung. Bei beiden Bootstypen gibt es geschlossene und offene Modelle, Einplätzer und Mehrplätzer. Im Kajak wird immer gesessen, während im Kanadier auch gekniet werden kann, was eigentlich die klassische Position beim Kanadier ist. In der knienden Position ist das Stechpaddel effizienter, dafür liegt der Bootsschwerpunkt etwas höher, weshalb aus Stabilitätsgründen Kanadier in der Regel breiter sind als Kajaks. Ein Kanu ist schneller, je schmäler es im Verhältnis zu seiner Länge ist. Aber es ist natürlich wendiger, je kürzer es ist. Üblich ist, dass man eher ein Kajak benützt, wenn man wilde Wasser befahren will oder wenn man alleine paddeln möchte. Wenn man zu zweit unterwegs ist und Gepäck dabei hat, gilt der Zweierkanadier als der beliebtere Bootstyp.
Wir wollen hier nur komprimiert auf das kanutechnische Know-how eingehen und verweisen auf die entsprechende Fachliteratur. Allerdings gilt auch hier: Die Kunst des Kanufahrens kann aus Büchern allein nicht erlernt werden. Kanufahren lernt man durch Erfahrung und man lernt es vor allem über Vorbilder und Lehrer. Es ist immer wieder belustigend, wie die Fachliteratur mit tollen Zeichnungen die Kunst der Eskimorolle zu vermitteln versucht, als ob sich der Lernende, die einfachere Hälfte der Rolle geschafft, kopfüber und ohne Luft im Wasser, an Zeichnungen und Beschreibungen erinnern könnte. Hand aufs Herz, da gibt es doch nur einen Weg, und der ist, mit einem Lehrer zu üben, üben und üben.
Wir beschränken uns in den folgenden Beschreibungen auf zwei Bootstypen, weil wir glauben, dass diese besonders geeignet sind, um Teilnehmern, die nicht über spezielle Vorkenntnisse verfügen, mehrtägige Kanuerlebnisse zu ermöglichen. Es sind dies der Zweierkanadier für die Befahrung von Flüssen und das Seakajak für die Befahrung von Seen und Meeresküsten.
Kanutouren auf Flüssen
Ein Leiter darf mit einer Gruppe nur auf solche Gewässer gehen, deren Schwierigkeitsgrade ihm selbst keine Mühe bereiten. Als Faustregel gilt: Die eigenen Fähigkeiten reichen für zwei höhere Schwierigkeitsgrade. Der dritte Schwierigkeitsgrad (bei maximal sechs) sollte ohnehin nur in Frage kommen, wenn mehr als eine Leitungsperson dabei ist oder wenn unter den Teilnehmern Kanuten mit entsprechender Erfahrung sind. Hier gilt: in jedes Boot ein erfahrener Kanute.
Im Bereich der offenen Zweierkanadier gibt es drei Bootsvarianten, den steifen Kanadier, den Schlauchkanadier und den Faltkanadier. Der Faltkanadier ist, wie der Name sagt, faltbar, er kann gut in Eisenbahnen und Flugzeugen transportiert werden. Ausserdem ist er leichter als ein steifer Kanadier. Der Nachteil ist, dass er nicht so stabil ist und dass das Zusammensetzen Zeit braucht. Auch der Schlauchkanadier kann gut transportiert werden. Gegenüber dem Faltkanadier ist er schneller »betriebsbereit«. Ausserdem ist er wegen des grösseren Auftriebs für lebendige Wasser gut geeignet und stellt auch eine solide »Rettungsinsel« dar. Die Nachteile sind: Verletzlichkeit, wenig Stauraum, auf stehenden Gewässern langsam. Der steife Kanadier ist sicher das schnellste Boot, vor allem, wenn er noch mit einem Kiel ausgerüstet ist. Mit einem Kiel verliert er allerdings die Wendigkeit. Wir setzen, wie gesagt, bei einem Outdoor Guide, der eine Kanutour leitet, voraus, dass er in Fahr- und Paddeltechniken bestens bewandert ist. Wer neu in dieses Gebiet einsteigen möchte, muss mit einer längeren Lehrzeit rechnen. Hier kurz das Wesentliche, das es zu lernen gibt:
Paddeltechnik im Zweierkanadier
Vorne sitzt der »Kopf«, hinten der »Motor«.
Die schwerere und kräftigere Person sitzt besser hinten.
Wenn eine Person mehr Erfahrung hat als die andere, sitzt sie in schwierigeren Passagen besser hinten, falls diese Person leichter ist, muss das Boot mit dem Gepäck so getrimmt werden, dass es vorne nicht tiefer im Wasser liegt als hinten, sonst ist es schwerer manövrierbar.
Vordere und hintere Person halten das Paddel in der jeweils anderen Seite ins Wasser. Vordere und hintere Person paddeln im gleichen Takt.
Das Paddel wird mit der einen Hand oben am Griff gehalten und mit der anderen ein bis zwei Zweihandbreiten über dem Paddelblatt.
Das Paddel wird senkrecht im Wasser geführt, der Blick schaut unter dem Paddelschaft durch.
Das Boot wird mit dem Paddel zum Wasser gezogen, nicht vom Wasser weg gestossen. Die hintere Person steuert mit Rundschlag und mit Steuerschlag.
Die vordere Person steuert mit »Dufekschlag« oder mit »Seitwärtsversetzen«.
Fahrtechnik im Zweierkanadier
Geradeausfahrt (am Anfang nicht immer leicht)
Slalom
Seitwärtsversetzen
Traversieren
Kehrwasserfahren (Routinierte können das fast so gut wie mit einem Kajak)


Körperhaltung und Beladung
Körper aufrecht, Schwerpunkt tief legen: Knie unten (Knien oder Schneidersitz)
Bei Kanadier braucht es Auftriebskörper (ausser beim Schlauchkanadier). Idealerweise wird das Gepäck in grosse, wasserdichte Packsäcke verpackt, die gleichmässig und tiefsitzend im Boot verstaut und so gut befestigt werden, dass sie bei einer Kenterung sicher im Boot bleiben. So wirken sie gleichzeitig als Auftriebskörper.
Spezielles für die Leitung
Flüsse sind Wege, die selber laufen. Das ist natürlich praktisch. Aber es gibt da die Tücke, dass Gruppenmitglieder der Leitung und dem Rest der Gruppe »davonlaufen« können. Eine Kanutour auf einem Fluss muss deshalb etwas anders organisiert werden als ein Trekking. Das Schöne bei einer Flussbefahrung ist ja nicht nur der Reiz der vorbeiziehenden Landschaft, sondern auch die »Landschaft« des Wassers selbst. Da gibt es Täler und Hügel, Hindernisse und enge Durchfahrten, Gegenströmungen und Walzen, und hinter Steinen, Inseln und vorspringenden Ufern warten grosse und kleine Kehrwasser. In dieser Landschaft interessante Wege zu suchen, Dinge auszuprobieren und mit dem Wasser zu spielen, macht einen grossen Teil der Freude des Kanufahrens aus. Der routinierte Kanufahrer kann da schon an einem kurzen Flussabschnitt länger verweilen, während Anfänger nicht viel mehr tun können, als geradeaus flussabwärts zu bolzen. Das führt dann eben zu der grotesken Situation, dass in einer Gruppe die schlechteren Kanufahrer auf dem Fluss schneller vorankommen, was natürlich vor allem dann problematisch ist, wenn weiter unten schwierigere Flussabschnitte kommen oder gar unbefahrbare Stellen, die umtragen werden müssen. Es ist die Aufgabe der Leitung, die Gruppe so zu organisieren, dass dies nicht geschehen kann. Gibt es also Unerfahrene in der Gruppe oder besteht gar die ganze Gruppe aus Anfängern, wird selbstverständlich zuerst auf ruhigem Gewässer geübt, bis die Piloten ihre Boote gut geradeaus manövrieren können und die Kurven, die sie ziehen, gewünscht sind. Der nächste Schritt ist dann der, dass auf schneller fliessendem oder unruhigerem Wasser das Anhalten in Kehrwassern geübt wird.
Die Teilnehmer haben anfangs genug mit sich selbst zu tun, denn zu ungewohnt ist die neue Situation, dass alles um einen herum in Bewegung ist und man kaum innehalten, verschnaufen und den Überblick gewinnen kann. Deshalb werden sie den Anweisungen der Leitung nur wenig oder gar keine Aufmerksamkeit schenken können. Das heisst auch, dass die Leitung die Gruppe zuerst einmal ausprobieren und ihre Erfahrungen mit dem neuen Element machen lässt. Auf der anderen Seite muss sie dafür sorgen, dass nicht die ganze Gruppe schon zu Beginn auf irgendwelchen Hindernissen strandet und Materialschäden oder Kenterungen eintreten. Wir fragen uns ja manchmal, wie es nur möglich ist, dass in einem 20 Meter breiten Fluss, in dessen Mitte ein grosser Stein herausragt, die Leute es schaffen, ausgerechnet auf diesem Stein zu landen. Die Erklärung ist einfach, man steuert in der Regel unbewusst auf das zu, auf das man sich konzentriert. Der weise Leiter wird also so instruieren: »Wenn ihr im Fluss ein Hindernis seht, schaut, wo die ideale Durchfahrt ist und konzentriert euch auf diese Durchfahrt«.
Die Leitung wird während der Tour die einzelnen Boote abwechselnd begleiten und unterstützen. Sie wird die Piloten darauf aufmerksam machen, dass sie immer im gleichen Rhythmus paddeln sollen, egal ob das Wasser ruhig dahinfliesst oder ob sie gerade eine Stromschnelle hinunterbrausen oder durch eine Walze pflügen. Es kommt immer wieder vor, dass Anfänger mit der einen Hand das Paddel loslassen und sich am Bootsrand zu hal- ten versuchen, wenn sie Angst haben, dass das Boot kentern könnte.
Wird es kentern oder nicht?
Antwort am Schluss des Buches

Es braucht meistens etwas Zeit, bis die eiserne Regel, dass die Paddel nie losgelassen werden, selbst bei einer wirklichen Kenterung nicht, durchge- setzt ist. Im Weiteren wird die Leitung die Gruppe auch darüber instruieren, was sie im Fall von Kenterungen zu tun hat und wie sich die Piloten zu verhalten haben, wenn ihr Boot an einem Hindernis stecken bleibt.
Das eigene Boot kentert:
Paddel festhalten
Dem Boot nachschwimmen (wenn noch erreichbar)
Mit derselben Hand Paddel und Boot halten
Mit der freien Hand zum nächsten Ufer schwimmen
oder sich hinten an einem Rettungsboot festhalten und ziehen lassen
Ein anderes Boot kentert:
Die ganze Gruppe muss helfen, denn es gibt schlimmstenfalls zwei Gekenterte, ein davonschwimmendes Boot und zwei einzeln dahintreibende Paddel.
Das eigene Boot zum Gekenterten paddeln.
Gekenterten das Heck des Bootes fassen lassen.
Zum nächstliegenden Ufer paddeln, Boot flussaufwärts gerichtet.
Ein frei schwimmendes gekentertes Boot von unten her anfahren und mit der eigenen Bootsspitze von der Seite her landeinwärts stossen. Davonschwimmende Paddel einsammeln.
Ein gekentertes Boot soll in der Regel nicht umgedreht werden, weil es so nur noch mehr Wasser aufnimmt und schwerer zum Ufer zu manövrieren ist.
Das eigene Boot landet auf einem Hindernis:
Sofort aussteigen (auf das Hindernis oder ins Wasser). Boot seitlich vom Hindernis wegziehen oder stossen und zwar auf die Seite, wo die Hauptströmung fliesst.
Ein anderes Boot landet auf einem Hindernis:
Mit dem eigenen Boot am aufgelaufenen Boot auf der Seite vorbeifahren, auf der ein Wegziehen leichter erscheint. Die hintere Person fasst beim Vorbeifahren das Ende des aufgelaufenen Bootes und versucht, es mit einem Ruck mitzuziehen.
Variante: »Hindernis umarmen«

Boot wird auf das Hindernis gekippt, damit der Wasser- druck unter dem Boot wegkann, sonst würde er das Boot zum Kentern bringen.
Bei Kanutouren bergen nicht nur schwierige Gewässer Gefahren in sich. Eine querliegende Baumleiche kann selbst in einem sanft fliessenden Fluss zur Todesfalle werden, vor allem dann, wenn die Hauptströmung direkt unter dem Baum durchfliesst. Dem unachtsamen Kanufahrer kann Folgendes geschehen: Sein Boot treibt auf den Baum zu und wird von diesem aufgehalten. Die Strömung drückt nun das Boot unweigerlich quer vor den Baumstamm, es kommt zum Wasserstau auf der flussaufwärts gerichteten Bootsseite und das Boot kentert. Gelingt es dem Kanuten nicht, sich schnell auf das Geäst zu retten, wird ihn die Strömung erfassen und unter den Baum drücken. Verfängt sich der Körper im Geäst unter der Wasseroberfläche, ist keine Rettung mehr möglich. Achtung: künstliche Wehre können Todesfallen sein
Gefährlich wird ein sanft erscheinender Fluss unter Umständen auch dann, wenn Kraftwerke durch Schleusenbetätigungen ein schnelles Ansteigen des Wasserspiegels bewirken. In verblockten und schnellen Wildwassern sind die Gefahren »offensichtlicher«. Bei einer Kenterung muss die gekenterte Person auf den Rücken liegen und die Füsse flussabwärts richten. So kann sie gefährliche Steine sehen und sich mit den Füssen abstossen. Mit Rückwärtsschwimmen kann sie sich zum Ufer versetzen.
Die Kenterung und das Auflaufen sind natürlich nicht die einzigen Möglichkeiten, die den Teilnehmern einer Bootsfahrt zu Festlanderfahrungen verhelfen. Da gibt es auch Tragstrecken. Viele Flüsse, die sich für Anfänger zwar gut eignen, können schwierige bis unbefahrbare Passagen aufweisen, die umtragen werden müssen. In einem solchen Fall macht es sich bezahlt, wenn das mitgeführte Gepäck nicht sonderlich schwer ist. Praktisch sind jene wasserdichten Packsäcke, die über Traggurte verfügen. So kann es ein Zweierteam bestenfalls sogar schaffen, Boot und Gepäck in einem Mal zur Einbootsstelle zu tragen. In Kanuführern wird oft auch die Variante des Treidelns beschrieben. Hier wird das Boot im Wasser gelassen und mittels Reepschnüren und Stecken vom Ufer aus flussabwärts gelotst. Dies funktioniert allerdings nur bei »Zivilisationsflüssen«, die verwachsenen und ruppigen Ufer von Wildnis-Gewässern lassen solches nicht zu.
Festland wird auch für die abendlichen Camps betreten. Wichtig ist, dass die Anlegestelle über ein genügend grosses Kehrwasser verfügt und dass die Boote nachts gut vertäut, aber besser und sicherer noch, an Land gezogen werden können.
Die Leitung kann einer Bootsreise zusätzliche Attraktivität verleihen, indem interessante Landziele besucht werden. In Zivilisationsgebieten locken Naturreservate und historische Städtchen, aber auch eine Kraftwerksbesichtigung oder eine Abendwanderung zu einem ferneren Dorf können das Programm bereichern. In der Wildnis lohnt sich der Ausflug auf einen nahen Hügel oder Berg, man bekommt so eine ganz andere Perspektive vom Gebiet, durch das man zieht.
Seakajak-Touren an Meeresküsten und auf Seen
Im Unterschied zum Fluss braucht es bei der Befahrung von Seen und Meeresküsten keine wendigen Boote, sondern solche, die gute Geradeausführung haben und schnell sind. Deshalb ist hier das Seakajak der geeignetere Bootstyp. Es gibt Einer- oder Zweierboote. Das Einerkajak erlaubt mehr Individualität, mit dem Zweierboot können ungleiche Kräfte ausgeglichen werden, weil hier kräftige oder erfahrene Teilnehmer mit weniger kräftigen oder erfahrenen zusammen ein Boot teilen können, wodurch die Gesamtgruppe eher zusammenbleibt. Mit Seakajaks kann eine Gruppe ihre gesamte Ausrüstung sowie Essen und Trinkwasser für mehrere Tage mitführen und sich somit unabhängig entlang einsamer Meeresküsten fortbewegen und unbewohnte Inseln vor der Küste besuchen. Auch Seen haben ihre Reize, wenngleich in unseren Breitengraden deren Ufer nicht einsam und Inseln nicht so häufig sind. Lächelt der See im Sommer und lädt er zum Bade – und für Seakajakfans zum Üben und Experimentieren, kann er im Winter, bei Sturm, im Nebel oder nachts sehr wohl auch bedrohlich sein und eine Seakajak-Unternehmung zum gewagten Abenteuer machen.
Soweit wir dies nur unter ruhigen bis moderaten Bedingungen tun, kann man sich auch mit Anfängern ohne weiteres auf eine Seakajakreise begeben. Das Geradeausfahren ist nicht so schwierig wie beim Wildwasserkanu, und werden Teilnehmer müde, kann man an Land gehen. Ändern sich die Bedingungen, sodass nicht mehr garantiert ist, dass bei einer allfälligen Kenterung Rettungen zügig und problemlos bewerkstelligt werden können, wird bei Anfängern auf Fahrten verzichtet. Je nach mitgeführter Ausrüstung, Kreativität der Leitung und Motivation der Gruppe kommen dann Alternativen an Land zum Zuge. Mit der Zeit und wenn die Teilnehmer geübter sind, kann Gewagteres unternommen werden.
Was für Techniken braucht die Leitung von Seakajak-Unternehmungen? Wie beim Trekking gilt als Selbstverständlichkeit körperliche Fitness und viel Eigenerfahrung mit dem Medium. Unabdingbar ist auch, dass die Leitung die Eskimorolle beherrscht und die verschiedenen Rettungstechniken kennt, anwenden und vermitteln kann. Wir haben schon erwähnt, dass man die Eskimorolle nicht aus Büchern lernen kann. Das trifft auch auf die Rettungstechniken zu, welche praktisch geübt werden müssen, bevor sie im Ernstfall zum Einsatz kommen. Der Charakter der Seakajak-Landschaft ist geprägt durch Wind, Wellen, Uferstrukturen, Meeresströmungen und, wenn wir uns weiter hinauswagen, durch einen unendlichen Horizont. Eine der Hauptqualifikationen der Leitung ist die Fähigkeit, diese Landschaft zu lesen und darin präzise zu navigieren. Kenntnis der Strömungsverhältnisse, der Windrichtung und -geschwindigkeit (siehe Merkblatt Wetter), der Wetterprognose, des Charakters der Küsten sind ebenso unverzichtbar wie das Umgehen können mit den verschiedensten Navigationshilfen und Signalgeräten.
Der Leiter wird auch beim Seakajak die Teilnehmer gut instruieren. Anders als bei der Flussbefahrung werden hier die Schwächeren zurückfallen und die Leitung tut gut daran, die Gruppe in Sichtweite zusammenzuhalten. Bei ruhigem Wetter und warmem Wasser kann man die Zügel schon ziemlich locker lassen, doch bei höherem Wellengang kann sich diese Sichtweite dramatisch reduzieren und weil auch Kenterungen eher zu erwarten sind, muss unter solchen Bedingungen eng beieinander gefahren werden.
Im Übrigen gelten auch bei diesem Medium die üblichen Kriterien für Logistik, Campgestaltung und Ernährung. Besonders zu beachten gilt auch, dass Frischwasser an Meeresküsten oft rar ist und deshalb in grösseren Mengen mitgeführt werden muss. Auf Essen kann man im Notfall auch eine Woche verzichten, fehlt es jedoch an Trinkwasser, wird es sehr schnell gefährlich. Diese Situation kann unverhofft eintreten, beispielsweise wenn die Gruppe auf einer trockenen Insel oder in einer Bucht, die von senkrechten Felswänden eingerahmt ist, campiert und aufkommender und anhaltender Sturm ein Weiterkommen unmöglich macht. Wir kommen auf weitere Gefahren und Rettungsmassnahmen noch im Abschnitt über Sicherheit zu sprechen.
Zusammenfassend nochmals die notwendigen Outdoorkompetenzen für Seakayaking:
Kajaktechniken (inkl. Eskimorolle)
Rettungstechniken und -massnahmen
Navigation
Wetterkunde
Das Wasser »lesen«
Sturm und andere Gefahren
Logistik (Expeditionsplanung, Camp, Essen, Versorgung mit Wasser)
Schneeschuhlau fen
Schneeschuhlaufen ist populär. Vor dem Aufkommen des Schneeschuhlaufens wurde die Winterwildnis Mitteleuropas nur mit Tourenskiern begangen. Skitouren folgen mehr oder weniger festgelegten, in Büchern oder auf Karten beschriebenen Routen und werden – sofern es sich um Gruppen handelt – in der Regel von Bergführern oder speziell ausgebildeten Personen geleitet. Dies hat damit zu tun, dass das Skitourenfahren erhebliche objektive Gefahren birgt, denn es gilt auf Bergspitzen zu steigen, steile Tiefschneehänge zu befahren und Gletscher zu überqueren.
Mit dem Schneeschuh ist alles ein bisschen anders. Die Bergspitze ist nicht mehr unbedingt ein Ziel. Vielmehr locken romantische Täler, Hügellandschaften, Hochebenen und Passübergänge. Da steile Aufstiege für Schneeschuhe eher unbequem und Tiefschneehänge ohnehin nicht gefahren werden können, begibt sich der Schneeschuhläufer auch weniger in gefährliche Lawinenhänge. Doch Vorsicht, auch die Begehung von sanfterer Winterwildnis birgt noch genügend Gefahrenpotenzial. Führt die Schneeschuhtour in hochalpines Gebiet, sollte die Leitung über eine Bergführerausbildung verfügen.
Die Outdoorkompetenzen für die Leitung von Schneeschuhtouren sind:
Wetter- und Lawinenkunde
Orientierung und Routenwahl im Wintergelände
Bau von Schneebiwaks
Not- und Rettungsmassnahmen in Schneegebieten
Wetter- und Lawinenkunde
»Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung!«, ist ein beliebter Spruch unter Outdoor-Freaks. Im Winter in den Bergen gilt dieser Spruch jedoch nicht. Schlechtes Wetter kann auch mit bester Ausrüstung eine echte Bedrohung darstellen. Kenntnisse über das Wetter und dessen Einwirkungen auf die Schneeverhältnisse sind wichtige Voraussetzungen für das sichere Begehen von Schneelandschaften. Zum Wetter gehören: Niederschläge, Temperatur, Winde, Sicht (siehe Merkblatt Wetter im letzten Teil des Buches). Wetter kann im Weiteren auch einen starken Einfluss auf unser Befinden haben. Man weiss, dass bei aufkommendem Wetterumsturz ein grosser Teil der Unfälle passiert und dass nach dem Wetterumschwung wegen gesteigerter Risikobereitschaft die Unfallgefahr ansteigt.
Lawinen sind die grösste Gefahr für den Menschen, der im Winter in den Bergen unterwegs ist. Umfassendes Wissen über die entscheidenden Faktoren (Schnee, Wettereinflüsse, Schneedeckenaufbau etc.), richtiges Entscheiden und Verhalten sind die einzigen Massnahmen zur Verminderung der Lawinenunfälle.
Es wird zwischen sehr grosser, grosser, erheblicher, mässiger und geringer Gefahr unterschieden. Grosse bis sehr grosse Lawinengefahr besteht nach langanhaltenden starken Schneefällen. Grosslawinen können bis weit in die Täler hinunterfahren und selbst an kleinsten Abhängen kann der Schnee ins Rutschen kommen und Menschen begraben. Bei solcher Gefahr verzichtet man auf Schneeschuhtouren oder bewegt sich in garantiert lawinenfreiem Gebiet.
Lawinenformen

Wer sich bei erheblicher oder mässiger Lawinengefahr in Bergregionen begibt, sollte entsprechend ausgebildet sein, das Lawinenbulletin konsultiert haben und ein Lawinen-Verschüttetensuchgerät (eingeschaltet), eine Lawinenschaufel sowie eine Sonde mit sich tragen.
Neuschneefall von mehr als 25 cm bringt an Berghängen mit über 30° Neigung Lawinengefahr.
Bei Windverfrachtungen drohen Lawinen auch bei geringerem Schneefall.
Langanhaltende Schneefälle können die Lawinengefahr so ansteigen lassen, dass Grosslawinen zu befürchten sind.
Der erste schöne Tag nach einer Niederschlagsperiode gilt als besonders gefahrenträchtig.
Bei Erwärmung durch Sonne an Süd- und Südwesthängen drohen Nassschneerutsche.
Plötzliche massive Erwärmung (Föhn, Regen etc.) verschärft die Gefahr kurzfristig.
Im Frühling wird es umso gefährlicher, je wärmer es wird; Sonneneinstrahlung auf Hängen je nach Tageszeit beachten.
Abkühlung verfestigt feuchte (und instabile) Schneedecke.
Lange kalte Winter bringen an Schattenhängen die Gefahr von Schneebrettern, weil sich instabile Schneeschichten bilden.
Kälte erhält bestehende Gefahr.
Langsame, massvolle Erwärmung entspannt Schneedecke – günstige Setzung, Verfestigung.
Stabilisierend wirken schneefallfreie Zeiten und Sonneneinstrahlung.
Wer Wintertouren in Berggebieten leitet, muss über eine fundierte Lawinenausbildung verfügen. Auch für Wintertouren in den Voralpen sollte die Lawinensituation abgeklärt werden. Schon ein kleiner Abhang kann unter Umständen zum Verhängnis werden. Die modernen Verschüttetensuchgeräte verleiten heute leider dazu, grössere Risiken einzugehen. Oft sind die Gruppen, die mit solchen Geräten unterwegs sind, nicht einmal in deren Anwendung geschult. Man glaubt, das Tragen alleine erhöhe schon die Sicherheit. In jedem Fall gilt es, das Lawinenbulletin zu konsultieren. Das setzt aber auch das nötige Wissen voraus, um die Informationen interpretieren zu können. Das Merkblatt Lawinen im zweiten Teil dieses Buches gibt weitere Hinweise. Das vertiefte Lesen von guter Fachliteratur und das praktische Anwenden ist unumgänglich.
Orientierung und Fortbewegung im Wintergelände
Das Unterwegssein im Schnee kann hohe Ansprüche an den Orientierungssinn und den Gebrauch von Orientierungshilfen stellen. Wenn alles weiss ist und weder Himmel noch Horizont sichtbar sind, kann das Gefühl der Richtung vollkommen trügen. Kompass, Höhenmeter und Karten sind eigentlich ein Muss. Bei der Karte sollte es ein Massstab von 1:25’000 sein, damit auch kleine Geländemerkmale erkennbar sind, oder man benützt eine Skitourenkarte mit Massstab 1:50’000, auf der die Routenverläufe eingezeichnet sind. Auf den technischen Gebrauch von Karte, Kompass und Höhenmeter kommen wir weiter unten zu sprechen.
Da der Schneeschuhläufer nicht wie der Skitourenfahrer den Berggipfel und den Tiefschneehang im Visier hat, sondern durch Täler, über Hochebenen und über sanfte Bergrücken schweifen kann, ist seine Routenwahl in der Regel eine andere. Er kann lawinengefährlichen Bereichen ausweichen, denn kein vorgefasstes Ziel zwingt ihn, diesbezügliche Bedenken über Bord zu werfen. Natürlich wird er auch mal einen Pass überqueren und auf einen Aussichtspunkt steigen wollen. Deshalb wird auch er Sicherheitsmassnahmen ergreifen.
Checkliste für die Schneeschuhtour
Route besprechen, Höhenmeter einstellen, Karte mit Route vergleichen und Fixpunkte feststellen.
Verschütteten-Suchgeräte prüfen.
Kleidung so wählen, dass es beim Start eher etwas zu kalt ist, damit man später nicht zu sehr schwitzt.
Sonnenbrillen und Sonnenschutz wegen intensiver Sonneneinstrahlung und Reflektion
Geländegerechte, lawinensichere Spur anlegen.
Gelände- und Schneebeurteilung für Abstiege und Hangquerungen.
Wildschutzgebiete meiden.
Gleichmässiges Tempo einhalten und öfters Führung wechseln.
Lawinengefährdete Hänge mit Entlastungs- bzw. Lawinenabständen begehen.
Der vorderen Person nicht auf die Schneeschuhe trampeln.
Für den Rucksack gelten dieselben Hinweise, wie sie unter dem Abschnitt Trekking erwähnt sind – mit einem kleinen Unterschied: eine Winterlandschaft birgt, auch wenn sie lieblich aussieht, potenziell grössere Risiken in sich. Hier ist es umso wichtiger, dass die Teilnehmer ihre Kräfte sinnvoll einsetzen, um sie dann im Fall des Falles auch zur Verfügung zu haben. Ein schlecht gepackter Rucksack mag vielleicht bei einem Trekking im Sommer ärgerlich sein, im Winter kann er zum Risikofaktor werden.
Bau von Behelfsunterkünften

Schnee besteht aus reinem Wasser in kristallisierter Form. Er enthält einen Luftanteil zwischen 50% (Nassschnee) und 98% (sehr leichter Pulverschnee). Er schützt somit die Vegetation vor zu grosser Winterkälte und ist ein guter Isolator für ein Biwak. In einschlägigen Fachbüchern werden manchmal Dutzende von verschiedenen Schneeunterkünften vorgestellt. Am brauchbarsten sind das Iglu und die Schneehöhle. Bei den Verhältnissen, wie wir sie bei uns in den Bergen kennen, ist die Schneehöhle die praktischere Lösung, weil sie schneller und problemloser gebaut werden kann als ein Iglu. Meistens findet man Schneeverwehungen oder Wächten, die es möglich machen, eine Schneehöhle zu graben. Das Iglu ist dann ideal, wenn die Schneedecke nicht sehr hoch und kompakt ist und keine Verwehungen für eine Schneehöhle sprechen
Iglu
Kreisförmiger Grundriss mit Platz für Personen, die darin übernachten wollen.
Kuppelform niedrig und flach, damit die Warmluft nicht im oberen ungenützten Teil hängt.
Zwischen oder vor der Schlaffläche Kältegraben aus- heben (kalte Luft sinkt), auch für Kochnische. Bauwerkzeug: Säge, zugeschnittenes Holzblatt, not- falls auch Schneeschuhe oder Lawinenschaufeln. Blöcke von ca. 20/50/60 cm spiralförmig aufeinander schichten. Sehr wichtig: Schon von Anfang an mit Neigung gegen Innen bauen.
Schlussblock von Innen nach aussen heben und keil- förmig auf Restaufbau senken.
Eingangsröhre unter Liegeplatz anlegen und in Kältegraben leiten.
Eingang muss unter Schlaffläche liegen.
Beim Kochen im Iglu entsteht Kohlenmonoxid, bes- ser im Freien kochen.
Geübte können ein gutes Iglu in etwa zwei Stunden bauen.



Schneehöhle
Der Bau einer Schneehöhle braucht nicht so viel Zeit wie der eines Iglus.
Erst muss man sich eine geeignete Schneeverwehung suchen: an windabgewandten Graten und Hügeln, hinter hügelförmigen Bodenerhebungen, bei grossen Steinen und Felsen, in kleinen Taleinschnitten.
Mit der Lawinensonde oder Stöcken sondieren, ob die Wächte genügend Dicke und Tiefe hat.
Eine Tiefe von ca. 2 m rechtwinklig zum Hang genügt für zwei Personen. Vorsicht: Biwak nicht in einen potenziellen Lawinenhang bauen.
Den Eingang nur so gross machen, dass eine Person durchschlüpfen kann.
Erst horizontal in den Hang hinein graben, wodurch auch hier ein Kältegraben entsteht. Über dem Eingangoberrand-Niveau rechts und links die Schlafnische ausgraben. Schlafnische ist parallel zum Hang.
Die ganze Decke sollte aus Stabilitätsgründen kuppelförmig sein.
Den vorderen Teil über dem Kältegraben leicht höher bauen, damit man auf der Schlaffläche sitzen kann, den vorderen Teil als Kochnische benutzen.
Die Schneehöhle hat also die richtigen Ausmasse, wenn sich die Schlafenden gerade auf der Schlafplattform ausstrecken können und auf der Schlafplattform vorne gerade noch sitzend die Decke berühren und die Füsse auf dem Boden des Kältegrabens Halt finden.
Für Kocher, Kerzen und anderes können kleine Nischen ausgehoben werden.
Wird in der Höhle gekocht und übernachtet, müssen Luftlöcher seitlich auf halber Höhe nach aussen gestochen werden; Skistock drinnen lassen, um bei Verstopfung nachzustochern.
Normalerweise reicht der im Schnee gespeicherte Sauerstoff, bis sich die Wände vereisen.
Schneehöhle von aussen markieren (mit Schneeschuhen).

Mountaineering
Flaschenzug

Mountaineering heisst soviel wie Bergsteigen, mit allen Möglichkeiten welche uns die Gebirge bieten können. Es schliesst im landläufigen Verständnis von der Gletscherwanderung bis zum Sportklettern all seine »Spiel« und Fortbewegungsmöglichkeiten mit ein.
Bergsteigen im europäischen Raum bedeutet, sich unweit der Zivilisationen in einer Wildnis zu bewegen. Der Mensch tritt unmittelbar in den Raum der Alpen ein und ebenso schnell wieder daraus; nicht so jedoch bei den grossen Berggebiete wie Himalya oder Anden. Da bedarf der Zugang zum Gebirge eines längeren Trekkings und kann demzufolge nur mit einem grösseren Zeitaufwand betreten und wieder verlassen werden. Solche Unternehmung haben Expeditionscharakter.
Bevor die heutige Spezialisierung viele neue Felder des Bergsteigens eröffnet hat, war Mountaineering ein Unterwegssein in den Bergen mit primitivster oder gar keiner Ausrüstung. Man denke nur an das berühmte Bild über die Erstbesteigung des Matterhorn mit eisenbeschlagenen Schuhen, Hanfseilen und Leitern. Heute sind es Spezialgebiete wie Sportklettern, wo der Weg und nicht der Gipfel das Ziel ist, Kletterpartien über einen Felsgrat, wo der Gipfel im Fokus steht, Bouldern, d.h. »herumkraxeln« an kleinen Felsblöcken, Klettern in Eis und Schnee, das schon erwähnte Trekking mit bergsteigerischen Abschnitten und die alpine Schneeschuhtour, die Hochgebirgsexpedition.
In Schnee und Eis
Die Gletscher bieten in den Alpen einen zeitweise wüstenartigen Raum. Sie sind eigentlich prädestiniert um bei günstigen Bedingungen schnell vorwärts zu kommen.
Im ungünstigen Fall stellen sie schier unüberwindbare Hindernisse dar. Diese Landschaften sind in einem stetigen Wandel und durch die fortschreitende Klimaerwärmung sich stetig am verändern.
Eine seriöse Planung ist immer der Start der eigentlichen Unternehmung. Die allgemeine Wetterlage, die Verhältnisse an Ort und Stelle, die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sowie die Zusammensetzung der Gruppe sind zentrale Elemente bevor eine Tour unternommen wird. Die Beachtung dieser Faktoren sind wesentliche Punkte für die Leitung.
Jeder Gletscher, jede Schneelandschaft hat sein eigenes Gesicht. Die wechselhafte Beschaffenheit bedeutet, dass die Leitung flexibel sein muss. Eindrücklich hat dies ein Outdoor Guide mit einer Gruppe während des Hütteabstiegs gemerkt: »Wir brauchten nach einer Nacht mit intensivem Schneefall ca. eine Stunde bis zu dem Ort, wo wir uns für die Rückkehr entschieden. Am nächsten Tag waren wir in zehn Minuten an der gleichen Stelle. Bei einer normalen Dauer der Route von drei Stunden, kann man sich ausrechnen, wie lange der Abstieg dann gedauert hätte«. Ähnliches kann bei schönstem Wetter passieren. Der harte Schnee trägt am Morgen, Nachmittags beim Abstieg brechen die Füsse ein und erschweren das Vorwärts kommen beträchtlich. Nichts desto trotz gibt es viele Tage an denen alles stimmt und es kaum vorstellbar ist, dass es plötzlich zu Schwierigkeiten kommen könnte.
Im Bereich des Mountaineering gibt es viele Momente, welche die Gruppe zusammen rücken lässt. Es werden Seilschaften gebildet, durch welche alle die Konsequenzen des Unterwegsseins direkt zu spüren sind. Man ist gezwungen, den gleichen Weg zu gehen. Der Outdoor Guide führt mit der Haltung, mit dem kleinst möglichen Aufwand Berglandschaften erleben zu lassen. Zum Beispiel auf der Moräne gehen, wenn es die Verhältnisse erlauben, statt auf dem Gletscher mit viel Aufwand und objektiven Gefahren. Totzdem kommt der Outdoor Guide nicht darum herum, Basiswissen und Kompetenzen zu besitzen, um im schlechtesten Falle ein Gruppenmitglied aus einer Spalte zu bergen, oder zu wissen, was es bedeutet auf einer schiefen, steilen Eisplatte mit Steigeisen und Eispickel zu gehen.
Im Fels
Das Klettern und Kraxeln ist eine instinktive Tätigkeit. Schon Kinder erklimmen Bäume, Gerüste oder hangeln an Stangen, Seilen oder anderen besteigbaren Gegenständen herum. Sie haben dabei nicht den Fokus, etwas vermeintlich Unmögliches zu leisten, sondern bewegen sich lustvoll und spielerisch. Klettern muss nicht immer in Verbindung mit einem Gipfel sein. Es kann durchaus befriedigend oder herausfordernd sein, Felspassagen bei einem Übergang zu erklimmen oder einen Grat als Abkürzung oder einzige Möglichkeit auf der Route zu begehen. Man unterscheidet heute verschiedene Formen des Kletterns:
Sportklettern:
gesichert mit Seil sich nur an natürlichen Felsstrukturen fortbewegend
Free Solo:
wie das Sportklettern nur ungesichert
Solo:
ein Alleingang mit Sicherung
Technisches Klettern:
Fortbewegung mit Hilfe von Haken und Zwischensicherungen
Bigwall Klettern:
meist technische Kletterei während mehreren Tagen in einer grossen Wand
Alpinstil:
Ziel wird von unten angegangen, alles Material von Camp zu Camp mitgetragen
Expedition:
Ziel wird in Etappen angegangen, wiederholte Auf- und Abstiege
Das Beherrschen von Klettertechniken ermöglicht spezielle Dimensionen des Weges und ist nicht unbedingt der einfachste Weg zum Ziel. Trotz des erhabenen Gefühls, stetig an Höhe zu gewinnen, ist die Möglichkeit, beim Klettern stecken zu bleiben, ungemein grösser als in den anderen, in diesem Buch beschriebenen Fortbewegungsarten. Hat der Outdoor Guide, trotz der Gegenwart des Gipfels, Alternativen für Sackgasseszenarien bereit? Ja! Kann er einzelnen Person motivieren, weiterzugehen? Ja! Soll er mit einer ganzen Gruppe abseilen, auch wenn er für sich zu Fuss absteigen könnte? Ja!
Unterwegs in Berglandschaften
Für den Outdoor Guide, der mit Gruppen unterwegs ist, sind Schnee, Eis und Fels eher selten die zentralen Erfahrungsräume. Mountainiering ist da eher die ursprüngliche Form, wo wenig Material mitgeschleppt wird und Extremrouten nicht in Frage kommen; der sozusagen auf »weichen Pfaden« unterwegs ist. Mountenieering in diesem Sinn kann übersetzt werden als »Berglern«. Dies bedeutet, wie gesagt, nicht die heutigen klassische Bergsteigerformen, sondern spielerische Formen des Unterwegsseins in Berglandschaften. Ist der markierte Bergweg einmal verlassen, betritt man einen Raum, wo der eigene gestaltete Weg beginnt. Der Outdoor Guide ist auf seine „Pathfinder Qualitäten“ angewiesen. Die Grenzen des Klassischen beginnen sich aufzuheben, topografische, geografische oder historische Gegebenheiten eröffnen alternative Möglichkeiten von Fortbewegungslinien, welche der Outdoor Guide in das Landschaftsbild legt und ihnen folgt: topographisches Gehen, Direttisimas, einer Grenze folgen, einer rollenden Kugel gleich in den Geländekontouren ziehen, historische Routen begehen, spirituelle Formen praktizieren (z.B. religiös motivierte Besteigung von heiligen Bergen).
Jedes Ziel in den Bergen führt genau genommen eigentlich von der Talsohle durch die verschiedenen Vegetationszonen zum bergsteigerischen Ziel. Macht man diese zu Fuss, werden dabei Bäche überquert, Wälder durchwandert, Wege durchs Gebüsch gesucht, Wildwechseln gefolgt, Grashänge traversiert, Geröll und Schutthalden durchquert. Jede Zone fordert auf ihre Art. Auch das ist Mountaineering, »the Art of Routefinding«.
Eine Vielfalt von Kompetenzen sind hier vom Outdoor Guide verlangt. Die meisten dieser verlangten Skills sind in anderen Kapiteln dieses Buches schon beschrieben (Trekking, Schneeschuhlaufen, Reisen in Wildnisgebiete, Campgestaltung, Orientierung, Survival). Dazu kommen noch spezifische bergsteigerische Skills: vielseitige Klettertechnik, Knoten, Materialwissen.
Kompetenzen für die Leitung von Mountaineerings:
Orientierung und Routenwahl im Gelände
Sicherungstechniken
Wetterkunde (Verhalten bei Gewitter)
Objektiv und subjektive Gefahren
Kletter- und Bergtechniken
Umgang mit Seil und anderem Material
Not- und Rettungsmassnahmen
Logistik
Biwakbau
Ökologische Faktoren
Bergterminologie (sprich Kauderwelsch und Heldengeschichten)
Reisen in Wildnisgebiete
Neben Trekking, Schneeschuhlaufen und Bergsteigen gibt es noch andere Erfahrungsmöglichkeiten der Wildnis. Sind wir mit Kamelen oder mit Geländefahrzeugen unterwegs – oder mit Kanus, Einbäumen, Rafts oder Flossen, dann können wir uns in abgelegenere Gebiete vorwagen als bei einem Trekking, weil wir ja Trinkwasser und Lebensmittel in grösseren Mengen mitführen. Das heisst aber auch, dass wir andere Umweltbedingungen und Bedrohungslagen antreffen.
In der Wüste
Neben den klassischen Wüsten, zu denen neben der Sahara die Kalahariwüste, die Wüste Gobi, das australische Outback, das Death Valley und die Atacamawüste gehören, existieren auf der Erde noch weitere wüstenartige Gebiete und Halbwüsten wie das tibetanische Hochland, Ostpatagonien, das bolivianische Altiplano, die Sahelzone und viele mehr. Es gibt nicht in allen Wüsten die klassischen Sanddünen – viele Wüsten sind reine Steinwüsten. Das Hauptmerkmal der Wüste und der Halbwüste ist die Wasserknappheit, was Leben nur in einer reduzierten Form möglich macht.
Wenn die Wüste aber schon so lebensfeindlich ist, was macht denn ihre Anziehungskraft aus? Vielleicht ist es eben gerade dieses nahe Beieinandersein von Faszination und Bedrohung. Oder es locken die alten Geschichten der Salzkarawanen, der Pyramiden der Pharaonen, der Märchen aus Tausendundeiner Nacht oder der Abenteuer eines Laurence von Arabien. Vielleicht beeindruckt auch, dass die Wüsten und Halbwüsten die einzigen Orte sind, die noch echtes Nomadentum zulassen. Die Stimmung des nomadischen Ziehens ist ein zentrales Element des Wüstenerlebnisses. Ob zu Fuss, mit Kamelen oder mit Geländefahrzeugen, wir werden unweigerlich von Oase zu Oase, von Wasserstelle zu Wasserstelle ziehen. Wenn wir vom Ziel abweichen oder unterwegs stecken bleiben, geraten wir augenblicklich in die Zone des Todes. Hier liegt die grosse Verantwortung des »Karawanenführers«. Er verfügt über die Fähigkeit der Orientierung und Navigation in der Wüste und weiss um die Gefahren und die notwendigen Massnahmen.
Wir verweisen auf das wunderschöne Fotobuch von Stefan Otl »Gehen in der Wüste«, das viel Know-how für Wüstenwanderungen enthält.
Wenn wir eine Wüstenexpedition mit Fahrzeugen unternehmen, macht die Begleitung durch Ortskundige wenig Sinn, denn die Distanzen, die mit Fahrzeugen zurückgelegt werden, sind um einiges grösser als die Erfahrungsräume von Beduinen.
Der erfahrene Wüstenfahrer nimmt aus Gewichtsgründen in seinem Fahrzeug nicht mehr als drei weitere Personen mit, denn das Fahrzeug führt ja noch gefüllte Treibstoffreserve- und Wassertanks, sicher zwei Reserveräder und allerhand Ersatzteile und Reparaturwerkzeuge mit. Kommen zwei Fahrzeuge zum Einsatz, wird die Expedition also aus maximal acht Leuten bestehen können, wobei der Fahrer des zweiten Fahrzeuges, wenn er nicht schon über Wüstenerfahrung verfügt, mindestens in Geländefahrtechniken versiert sein muss.
Der »Karawanenführer« wird also im obigen Fall nicht nur ein erfahrener Wüstenfuchs sein, sondern auch mit einem Geländefahrzeug umzugehen wissen. Er kennt die Regeln und wird seine Expedition, wann immer möglich, mit mehreren, mindestens aber mit zwei Fahrzeugen ausrüsten. Dabei wird er darauf schauen, dass es Fahrzeuge des gleichen Typs sind, um im Notfall Ersatzteile austauschen zu können. Er wird Fahrzeuge nehmen, die nicht störungsanfällig und deren Reparaturen einfach sind. Ausserdem wird er die Fahrzeuge speziell ausrüsten mit Sandpneus, Reserve- und Wassertanks und er wird auf jedem Fahrzeug Sandbleche und Schaufeln mitführen.
Ist die Gruppe mit Kamelen und Beduinen unterwegs, muss die Entscheidungskompetenz beim ranghöchsten Beduinen liegen. Der Gruppenleiter ist »Zahlmeister« und »Verbindungsoffizier« und kann auch, wenn er Wüstenexperte ist, mit der Gruppe kleine Seitenausflüge unternehmen. Da locken nämlich vielfältige Entdeckungen: Verlassene Oasen, alte Steingräber, versteinerte Wälder und andere Zeugen einer Zeit, als die Wüste noch blühendes Kulturland war wie jene ausgehöhlten Steinschalen, in denen die faustgrossen runden Steine noch so liegen, als hätten die Menschen vor kurzem darin noch Getreide gemahlen.

Geschichten aus der Wüste
Es war noch zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion, deren Einflussbereich auch die mongolische Republik umfasste. Der Ausflug in die Wüste Gobi war zwar möglich, aber die begleitenden Personen hielten uns davon ab, Tagesausflüge zu Fuss in eine Richtung zu machen, wo wir auf Nomaden hätten treffen können. Diese gab es zweifellos, denn ab und zu sah man eine ihrer Jurten. Doch offiziell durfte es sie nicht geben, denn eine der Haupterrungenschaften des Leninismus war »Elektrizität für alle«. Das hiess für ein totalitäres System, dass es Menschen, die ohne Strom leben, gar nicht geben darf. Nichts einzuwenden hatten die Begleiter, als wir einen Tagesausflug in ein nahes Gebirge erbaten. So zogen wir los, zuerst durch Sanddünen, dann langsam bergan über steiniges Geröll. Ein dunkler Gebirgseinschnitt zog uns magisch an und wir folgten dem Lauf des Canyons, der immer höher bergan stieg. Da hörten wir auf einmal ein feines Plätschern und siehe da, um die nächste Ecke glitzerte ein kleines Wasserrinnsal. Je weiter wir dann stiegen, desto mehr Wasser kam uns entgegen, bis schliesslich ein richtiger Wildbach den Berg heruntersprudelte.
Eine andere Geschichte: Wir waren neun Personen, zwei Landrover und ein Motorrad und hatten uns zur Aufgabe gemacht, auf den alten Sahara-Landkarten eingezeichnete Brunnen zu finden. Es handelte sich um eine Region im Grenzgebiet zwischen Tassili und Grossem Erg, wo es einige solcher Brunnen gibt oder gab. Diese Brunnen sind in der Regel nicht gekennzeichnet, bestehen sie doch meist aus einem mehr oder weniger tiefen Loch, über das einige Steinplatten gelegt sind. Ohne haargenaue Navigation sind sie nicht zu finden. Die Wüste ist ja meist nicht einfach flach. Da gibt es Sanddünen, Hügelzüge, Canyons, die eine kompliziertere Navigation verlangen, als nur dem Kompass zu folgen. Das hiess für uns, Geländemerkmale auf der Landkarte zu erkennen, die zurückgelegte Distanz einzubeziehen und allfällige magnetische Abweichungen mit zu berücksichtigen. Dass das Ganze kein Spiel war, dafür sorgte der Wasservorrat, der jeweils für drei Tage reichte. Wir mussten also innerhalb von drei Tagen einen Brunnen mit Wasser aufstöbern. Nun ist es so, dass nicht alle auf den Karten eingezeichneten Brunnen tatsächlich auch Wasser haben. Sie können eingestürzt, ausgetrocknet oder von Sand zugeschüttet sein, was auf unserer Unternehmung auch einige Male der Fall war. Um sicher zu gehen, war die Expedition so angelegt, dass wir jeden Tag auf einen eingezeichneten Brunnen stossen mussten.
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