Kitabı oku: «Wochenend und Wohnmobil - Kleine Auszeiten im Ruhrgebiet»

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Der Österreicher HANS ZAGLITSCH lebt seit rund 30 Jahren in den Niederlanden, wo er sich auf Texte und Bilder für Bücher rund um Reisen, Freizeit und Architektur spezialisiert hat. Auf seinen zahlreichen Touren kreuz und quer durch Europa bevorzugt Campingplätze und Stellplätze als Ausgangspunkte für die Recherche. Das Ruhrgebiet hat dabei seine besondere Aufmerksamkeit erhalten.


KLEINE AUSZEITEN IM

-RUHRGEBIET-



INHALT

EINLEITUNG

Freizeit trifft Industrie

Überraschendes Ruhrgebiet

1Idyllische Ruhrstauseen

Hengsteysee und Harkortsee

2Industriegeschichte und Natur pur

Hattingen

3Am Fuße der Villa Hügel

Baldeneysee

4Ein Bahnhof für Schiffe

Mülheim an der Ruhr

5Sechs-Seen-Platte

Duisburg

6Abwechslung für Groß und Klein

Oberhausen

7Ein Hauch von Hollywood

Bottrop

8Jeder Kilometer etwas anderes

Gelsenkirchen

9Fußball, Bier und Kohle

Dortmund

10Mit Rad, Boot oder zu Fuß

Unteres Lippetal

11Freizeitparadiese am See

Haltern am See

12Grüne Lunge im Ruhrgebiet

Haard

13Größter Wasserknotenpunkt

Dattelner Meer

14Auf den Spuren der Römer

Bergkamen, Lünen und Werne

15Hindutempel und Glaselefant

Hamm

Orts- und Sachregister

Impressum


Aushängeschild des Ruhrgebiets: UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein

ZIELE IM ÜBERBLICK

Hengsteysee und Harkortsee

Hattingen

Baldeneysee

Mülheim an der Ruhr

Duisburg

Oberhausen

Bottrop

Gelsenkirchen

Dortmund

Unteres Lippetal

Haltern am See

Haard

Dattelner Meer

Bergkamen, Lünen und Werne

Hamm

FREIZEIT TRIFFT INDUSTRIE
Überraschendes Ruhrgebiet


Idyllisches Ruhrtal bei Dahlhausen

Ankommen, durchatmen, loslassen – das Ruhrgebiet hat für fast jedes Interesse, jede Freizeitaktivität, jeden Geschmack und Geldbeutel etwas in petto. Das war nicht immer so. Erst mit dem Strukturwandel in den letzten Jahrzehnten setzten größere Veränderungen zu Gunsten der Freizeit ein. Trotzdem denken viele kaum an einen Urlaub im Ruhrgebiet, oft wird das Revier im Zusammenhang mit ein paar entspannten Tagen noch immer mit einem Schmunzeln abgetan. Zu Unrecht!

Das Ruhrgebiet hat sich ins Positive gewandelt, ist Grün geworden, äußerst interessant und sehr attraktiv. Natürlich ist die Industrie nicht zur Gänze verschwunden. Vielerorts gibt es noch Produktionsstätten, in denen Schlote, Fördertürme und Stahlindustrie den Alltag bestimmen. Doch wurden inzwischen auch viele Stätten stillgelegt und aus Zechen, Maschinen- und Lagerhallen hat man im Zuge des Strukturwandels unter anderem außergewöhnliche Freizeitoasen, interessante Museen, kreative Spots und abwechslungsreiche Veranstaltungsorte geschaffen. Beste Beispiele dafür sind die Zechen Nachtigall und Henrichshütte bei Witten und Hattingen im Ruhrtal, die Halden Magic Mountain bei Duisburg, Tetraeder bei Bottrop und Hoheward bei Herten sowie der Landschaftspark Duisburg Nord, der Gelsenkirchener Nordsternpark, die Bochumer Jahrhunderthalle und der Gasometer in Oberhausens Stadtteil Neue Mitte. Herausragendes und bundesweit wohl bekanntestes Relikt aus der Industriegeschichte ist das Weltkulturerbe Zeche Zollverein mit dem Ruhrmuseum in Essen. Und dazwischen gibt es jede Menge Freizeit- und Sportmöglichkeiten zu Land und auf dem Wasser und viel Grün in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten.

IMMER EINE REISE WERT

Einfach mal zu Fuß, mit dem Rad oder Kanu auf Erkundungstour gehen – das Revier ist reich an Kultur, Industriegeschichte und Freizeit, überrascht Groß und Klein. Sowieso ist das Ruhrgebiet in vielen Bereichen immer eine Reise wert, ob nur für einen Tag, ein verlängertes Wochenende oder gleich eine ganze Woche. Denn wo sonst in Deutschland kann man in einer relativ kleinen Region wie dem Ruhrgebiet auf Hochöfen klettern und die Aussicht auf die ehemaligen Industrieanlagen genießen, in Bergwerkstollen den einstigen Alltag unter Tage hautnah erleben, in Gasometern das Tauchen erlernen oder auf künstlichen Halden stundenlang wandern? 30 solcher künstlicher Hügel gibt es übrigens im Ruhrgebiet, wovon ungefähr die Hälfte als Panoramapunkte ausgewiesen sind. Der Name ist denn auch Programm, denn von den oft über 100 Meter hohen Halden bieten sich einem spektakuläre, oft 360-Grad-Aussichten auf das Revier. Hinzu kommen noch viele Werksiedlungen und Zechenkolonien, die in der Blütezeit der Industrie durch permanent steigende Zahlen an Fachleuten, Fabrikarbeitern und Bergleuten vor den Toren von Hütten und Zechen wie Pilze aus dem Boden schossen. Heute kann man durch diese architektonisch interessanten Siedlungen schlendern und die Atmosphäre auf sich einwirken lassen. Aus den ehemaligen einfachen Arbeiterquartieren wurden moderne Wohnungen. Wer einmal einen Blick in eine Arbeiterwohnung im Originalzustand werfen möchte, muss nach Lünen ins Bergarbeiter-Wohnmuseum gehen, was unbedingt anzuraten ist, wenn Sie in oder in der Nähe von Lünen sind. Und wenn Sie schon dort sind, dann können Sie auch eine weniger bekannte Seite des Ruhrgebiets kennenlernen: Wellness und Kuren in den Solebädern und Gradierwerken – unter anderem in Werne und Hamm.


Fachwerk in der Hattinger Altstadt


Landschaftspark Duisburg-Nord


Gelsenkirchener Zweibogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal

Am Ende jedes Highlights in diesem Buch gibt es einen Informationsblock mit einer Übersicht der Sehenswürdigkeiten, die Sie keineswegs verpassen sollten. Überdies werden Vorschläge für die Aufenthaltsdauer gemacht. Dies sollte aber nur als ein grober Anhaltspunkt betrachtet werden, denn zwei Tage, drei Tage oder doch eine ganze Woche im Ruhrgebiet unterwegs zu sein, ist durch das Angebot an Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten kein Problem. Es lässt sich hier tagelang gut aushalten und die Highlights lassen sich durch die kurzen Distanzen zudem gut verbinden.

VERKEHR, WOHNMOBIL- UND CAMPINGPLÄTZE

Das Netz an Verkehrswegen im Ruhrgebiet ist sehr dicht, der Zustand der Straßen lässt vielerorts aber zu wünschen übrig und Baustellen und Staus sind eher die Regel als die Ausnahme. Vor allem an Werktagen und dabei frühmorgens und spätnachmittags ist mit verstärktem Verkehrsaufkommen und stockendem Verkehr zu rechnen. Sie sollten deshalb, wenn möglich, die An- bzw. Ab- oder Weiterreise außerhalb der Spitzenzeiten planen oder besser noch an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen fahren. Und natürlich sollten Sie auch immer auf die aktuellen Verkehrsmeldungen achten.


Direkt am Ruhrufer: Campingplatz Ruhrtalbrücke bei Hattingen

Die Anzahl der Wohnmobilstellplätze und Campingplätze ist ausreichend, ihre Verteilung flächendeckend. Die Ausstattung der Campingplätze variiert zwischen einfach, zweckmäßig und großen Feriencamps mit kompletter und guter Infrastruktur. Campingplätze sind größtenteils auf Dauercamper ausgerichtet, verfügen aber auch über einige Touristikplätze für eine Nacht, oft auch vor der Schranke. Da es öfters vorkommt, dass Stellplätze wegen hoher Auslastung voll sind, ist eine Reservierung – wenn möglich – immer anzuraten.

Parkplätze für Wohnmobile sind in einigen Städten am Rande des Zentrums vorhanden, allerdings nur für kleinere Camper, weshalb die Anreise für eine Besichtigung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad empfehlenswerter ist.

AKTIV IM RUHRGEBIET

Das Sport- und Freizeitangebot im Revier ist überraschend groß. Ganz oben auf der Liste steht dabei das Radfahren, nicht zuletzt wegen des gut ausgebauten Radwegenetzes. Ein Rad sollte sowieso immer mitgenommen werden, egal ob Sie nun eine Radtour planen oder nicht. Der Drahtesel ist schon wegen des größeren Aktionsradius ein Muss und erspart auf Ausflügen und Besichtigungen auch lästige Staus auf den Straßen. Zum Radeln im Ruhrgebiet benötigen Sie im Prinzip kein Elektrofahrrad. Die Region ist größtenteils flach und die Radwege und ausgewiesenen Radrouten verlaufen häufig auf verkehrsarmen Neben- und Wirtschaftsstraßen und/ oder entlang bzw. im Uferbereich der Flüsse Ruhr, Lippe, Emscher und Niederrhein. Natürlich gibt es auch ab und an Steigungen, das heißt aber nicht, dass Sie unbedingt ein spezielles Rad benötigen. Die Radwege sind gut unterhalten und zu 90 Prozent mit Kies befestigt oder asphaltiert. Es kommt schon öfters vor, dass es Schäden an der Kies- und Asphaltdecke gibt wie etwa durch Baumwurzeln oder durch Frost. In Naturschutzgebieten erwarten Sie selbstverständlich keine geteerten Wege.

Die beste Reisezeit zum Radeln ist der Frühling und Frühsommer. Die Naturschutzgebiete, Obst- und Blumenwiesen erwachen zu neuem Leben, die Temperaturen zum Radeln sind angenehmer als in den heißen Sommermonaten und wenn die Wochenenden und Feiertage gemieden werden, hält sich der Andrang auf den Radwegen in Grenzen. Unterwegs in den Dörfern und Städten an den Radwegen trifft man häufig auf Gasthöfe, Cafés, Imbissbuden und Konditoreien, und im Zuge der Erweiterung und Erneuerung des Radnetzwerkes im Revier wurden auch vielerorts Bänke und Tafeln aufgestellt, wo man eine Pause einlegen und sein Mitgebrachtes in aller Ruhe verzehren kann. In dieser Erweiterung und Erneuerung wurde auch ein modernes Radknotenpunktsystem nach niederländischem Vorbild angelegt. An vielen relevanten Kreuzungen hat man zusätzlich zu den Wegweisern auch die Nummer zum nächsten Radknotenpunkt angebracht, was den Radlern erlaubt, dass sie sich schon vorab bei der Planung nur noch die Nummern der Knotenpunkte merken bzw. notieren müssen. Zudem gibt es an jedem Radknotenpunkt eine Informationstafel mit Standort, weiteren Radwegen sowie Knotenpunkten, Ortschaften und markanten Sehenswürdigkeiten. Ein Verirren ist eher unwahrscheinlich und im Prinzip brauchen Sie deshalb auch keine Radkarten und kein GPS-System.


Kletterwand im Landschaftspark Duisburg-Nord

Ob Halde, Wald, Kanalufer oder Flussaue – die Wandermöglichkeiten im Ruhrgebiet sind enorm. Alle Wanderungen aufzulisten, würde aber den Umfang dieses Buches bei Weitem sprengen. Einen guten Überblick aller interessanten Wanderungen bietet unter anderem der Ruhr-Tourismus auf seiner Website unter ruhr-tourismus.de. Das gilt auch für die vielen Klettermöglichkeiten, egal ob für Groß oder Klein. Kletterparks und -hallen gibt es unter anderem beim Oberhausener Gasometer in Oberhausen, beim Haltener Stausee, in Mülheim an der Ruhr, Bottrop, Gelsenkirchen und in Hattingen. Eine gute Übersicht fast aller Klettermöglichkeiten erhalten Sie im Internet unter reviersteiger.de/kletterhallen-und-kletteranlagen-im-ruhrgebiet.

Im Bereich Wassersport steht das Ruhrgebiet den anderen sportlichen Möglichkeiten keineswegs nach. Ob mit Kanu oder Kajak, mit Tret-, Ruderboot oder Surfbrett – vielerorts findet man den passenden Vermieter, falls man sein eigenes Gefährt nicht mitbringt. Ausgewiesene Wassersportgebiete sind unter anderem die Seen Kemnader, Hengstey, Harkort und Baldeney sowie die Flüsse Lippe und Ruhr. Und Rundfahrten mit großen Ausflugsschiffen werden unter anderem auf der Ruhr, dem Baldeneysee und dem Kemnader See angeboten. Bequemer kann man das Gewässer nicht erkunden und das Ufer auch mal gemütlich aus einer anderen Perspektive betrachten.

Egal, wo Sie gerade radeln, wandern, schippern oder paddeln werden – mit jedem Kilometer im Ruhrgebiet eröffnet sich eine interessante und abwechslungsreiche Mischung aus Industriearchitektur, Bergbaugeschichte, Natur, Kunst und Kultur.


Wassersportoase Kemnader See


Radweg im Warmbachtal

IDYLLISCHE RUHRSTAUSEEN
Hengsteysee und Harkortsee


Blick von der Aussichtsplattform im Park Hohensyburg auf das Ruhrtal

1

Raus aus dem Alltagstrott, rein in die Natur für ein paar Tage. Der Hengsteysee und der Harkortsee im Ruhrtal halten dafür alles bereit: naturbelassene Uferbereiche, geschützte Auenlandschaften, Aktivitäten zu Land und zu Wasser und architektonische Kleinodien, sowohl stromaufwärts wie auch stromabwärts. Dabei vergisst man fast, dass man sich hier im Ruhrgebiet befindet.

Ankommen, Stühle ausklappen, Füße ausstrecken und entspannen – der Campingplatz Hohensyburg (siehe Auf einen Blick) ist sicher einer der besten Ausgangspunkte für ein paar Tage an den Seen. Am Nordufer des Hengsteysees gelegen, erreicht man den See vom Platz aus in wenigen Gehminuten und ist auch zugleich direkt am beliebten Ruhrtalradweg und beim Gasthaus Zur Lennemündung, dem idealen Ort, um die Seele baumeln zu lassen und bei einem Drink den Sonnenuntergang zu genießen. Oder Sie wählen ein Bänkchen am Seeufer, um das Treiben am Wasser zu beobachten.

HENGSTEYSEE UND HARKORTSEE

Der Hengsteysee zwischen dem Dortmunder Ortsteil Syburg und den Ruhrstädten Hagen und Herdecke und der stromabwärts anschließende Harkortsee wurden in erster Linie zur Reinigung der Ruhr und der Lenne, die nahe der Eisenbahnbrücke über den Hengsteysee in die Ruhr mündet, in den 1920er- und 1930er-Jahren angelegt. Durch die Aufstauung wurde die Fließgeschwindigkeit der Ruhr stark reduziert, wodurch eine biologische Selbstreinigung entstand. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich die Wasserqualität der beiden Seen bzw. der Ruhr enorm verbessert. Zum Sprung ins kühle Nass sind die Seen aber weniger geeignet. Zum Planschen, Baden und Schwimmen wurde deshalb das familiengerechte Freibad Hengstey am Südostufer des gleichnamigen Sees angelegt, während sich Segler und Kanuten die Wasseroberfläche mit Ruderern, Stand-up-Paddlern und Tretbootfahrern teilen. In den größtenteils naturbelassenen Uferbereichen tummeln sich Spaziergänger, Wanderer, Radler und auch Hobbyornithologen, denn rund um das Wasser haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Vogelarten angesiedelt. Zudem wurden vielerorts tolle Kinderspielplätze angelegt, klassische Bänke und hölzerne Relax-Stühle zum Verweilen aufgestellt. Und verschiedene Gastronomiebetriebe im Uferbereich sorgen fürs leibliche Wohl.

Tipp

Kanutouren, Stand-up-Paddeln, Schnupperkurse und Schulungen an beiden Seen bieten unter anderem der Kanuclub Wetter (kcwetter.de), der Kanuverein Wasserwanderer Hagen (kvw-hagen.clubdesk.com) und der Kanuclub Hagen (kc-hagen.de) an. Rundfahrten mit Fahrgastschiffen, Tret- und Ruderbootverleih findet man unter personenschifffahrt-hengsteysee.de.

PARK HOHENSYBURG

Hoch über dem Nordufer des Hengsteysees wurde auf dem rund 245 Meter hohen Syberg der vor allem bei Tagesausflüglern beliebte Park Hohensyburg angelegt. Am Rande der Steilhänge, die als Naturschutzgebiet Ruhrsteilhänge Hohensyburg ausgewiesen sind, befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus sich eine atemberaubende Aussicht auf das Ruhrtal mit dem Hengsteysee, dem Harkortsee und das Untere Lennetal bietet. In der Mitte der Plattform erhebt sich das 34 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Das weithin sichtbare, monumentale Denkmal wurde 1902 eingeweiht und 30 Jahre später umgestaltet. Es ist dem Kaiserreich von 1871 bis 1918 und den Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 gewidmet. Einen Steinwurf vom Denkmal entfernt steht der achteckige, 26 Meter hohe Vincketurm. Er wurde 1857 als Aussichtsturm aus Ruhrsandstein errichtet und kann tagsüber bestiegen werden. Ein paar Gehminuten weiter östlich ragen die Überreste der Hohensyburg über die Baumwipfel.


Terrassencafés und Fachwerkhäuser in der Altstadt von Herdecke

In diesen altehrwürdigen Mauern ist die Ruhrakademie.

Der Campingplatz Hohensyburg oder der kleine Parkplatz am Nordufer des Hengsteysees bei der Brücke sind gute Ausgangspunkte für den Aufstieg zur Parkanlage. Nahe des Parkplatzes führt vom Seeufer aus ein steiler, etwas schweißtreibender Weg in circa 20 Gehminuten hinauf. Wenn der kleine Parkplatz voll ist, ist die Alternative der große Platz an der anderen Seite der Brücke. Und wer keine Lust zum Wandern hat, der kann mit seinem Wohnmobil bis fast an den Parkrand fahren. Beim Casino Hohensyburg gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus es nur ein paar Gehminuten sind, um die grandiose Aussicht zu genießen.

Um den Marktplatz in Hohenlimburg gruppieren sich viele Fachwerkhäuser.


DER ZWÖLF KILOMETER LANGE RADWEG an der Lenne vom Hengsteysee nach Hohenlimburg ist ein wahrer Genuss. Die gesamte Route verläuft auf sicheren Radwegen und Radbrücken, stets abseits vom Straßenverkehr. Sie eignet sich deshalb perfekt für eine Radtour mit Kindern. Start ist der große Parkplatz bei der Brücke über den Hengsteysee. Sie folgen kurz dem Ufer stromaufwärts und orientieren sich danach an den Radtafeln Hohenlimburg.

HOHENLIMBURG

Schon von Weitem weist das wehrhafte, hochgelegene Schloss auf das Städtchen Hohenlimburg hin, das sich beidseitig der malerischen Lenne, eines Seitenflusses der Ruhr, ausbreitet. Das im Grenzbereich von Sauerland und Ruhrgebiet liegende Hohenlimburg kann auf eine sehr abwechslungsreiche und vielfältige Geschichte zurückblicken, in der es selbstständig war. Der autonome Status ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Hohenlimburg wurde als Stadtteil in die kreisfreie Stadt Hagen eingegliedert. Der übersichtliche, historische Stadtkern liegt am linken Ufer beim Marktplatz und ist zu Fuß leicht zu erkunden. Unterschiedliche Gastronomiebetriebe mit Straßenterrassen laden zu einem Stopp ein. Schwerer wird es dagegen, das Schloss Hohenlimburg zu besuchen. Ein steiler Weg führt zum Schloss hoch, einer weitgehend im mittelalterlichen Originalzustand erhaltenen Burg aus dem 13. Jahrhundert. Die Anlage ist heute im Besitz des Fürstenhauses Von Bentheim-Tecklenburg. Sie ist deshalb nur mit Führung zu besichtigen, aber wer den Aufstieg nicht scheut, der wird oben mit einer wunderschönen Aussicht ins Lennetal und auf die Stadt belohnt.

Tipp

Ein paar Gehminuten vom Marktplatz entfernt, einfach durch die Straße Im Weinhof und vorbei an der Ortskirche, erreichen Sie den Wildwasserpark Hagen-Hohenlimburg, wo seit Kurzem für ein paar kurzweilige Stunden Rafting-Touren und Wildwasserkajak-Schulungen angeboten werden. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Homepage unter lenne-rafting.de

HAGEN

Ein Besuch von Hohenlimburg lässt sich gut mit einer kurzen Besichtigung von Hagen verbinden. Mit dem Wohnmobil ist dies kein Problem, mit dem Rad sollten Sie allerdings beachten, dass auf vielen Radkarten zwar eine Radroute ins acht Kilometer entfernte Hagen angegeben ist, es aber keinen separaten Radweg gibt, sondern nur einen Mehrzweckstreifen auf der stark befahrenen Bundesstraße 7. Nichtsdestotrotz lohnt sich der Abstecher ins das knapp 260 Jahre alte Städtchen schon wegen des im Ortsteil Selbecke im Mäckingerbachtal gelegenen Freilichtmuseum Hagen. Hier werden in wunderschönen Fachwerkhäusern die Geschichte und Tradition des Handwerks und der Technik des 18. und 19. Jahrhunderts beleuchtet und mit Laien lebendig gehalten. Oder wie wäre es mit einer etwas beklemmenden Tour durch den Bunker im Zentrum der Stadt, einer 1940 angelegten zivilen Luftschutzeinrichtung? Kunstfreunde kommen im Kunstquartier mit den Museen Osthaus und Schumacher auf ihre Kosten, Architekturfans in der Villa Hohenhof. Dieser Prachtbau wurde 1908 vom Jugendstil-Architekten Henry Van de Velde für den Industriellen Karl-Ernst Osthaus erbaut.


Blick vom Radweg an der Lenne auf das hübsche Hohenlimburg


Bäckerei des Freilichtmuseums Hagen


Schloss Werdringen wird vollständig von einem Wassergraben umgeben.


Villa Leesemann in Fröndenberg


Wasserschloss Werdringen

STROMABWÄRTS AN DER RUHR

Wie eigentlich vielerorts im Ruhrtal kann das Wohnmobil ruhig stehen gelassen werden. Mit dem Rad lässt sich das Ruhrtal zwischen Alt-Wetter und Schwerte ohne größere Anstrengung erkunden. Die Wege sind gut ausgebaut, die Distanzen gering. Vom Campingplatz Hohensyburg bis nach Herdecke sind es gerade mal sechs Kilometer, weiter nach Alt-Wetter wiederum sechs Kilometer. Der Radweg verläuft zunächst am Südufer des Hengsteysees. Am anderen Ufer erhebt sich das Ardeygebirge, ein von Steilhängen geprägter Höhenzug, der den urbanen Großraum Dortmund vom ruhigen Ruhrtal trennt. Auffallend ist das Pumpspeicherwerk Koepchenwerk am Hang und das Laufwasserkraftwerk Hengstey am Ende des Sees, das mit einem Stauwehr 1920 errichtet wurde. Beim Wehr müssen Sie übrigens das Rad über eine alte Eisenbahnbrücke zum anderen Ufer schieben. Dabei können sie in aller Ruhe nochmals den Blick auf den See samt Industriedenkmälern genießen. Am Nordufer geht die Route links weiter am Fluss entlang nach Herdecke. Unterwegs fällt noch das alte Wasserkraftwerk Stiftmühle ins Auge.

Der Marktplatz ist das Zentrum in der Schwerter Altstadt.

Im über 800 Jahre alten Städtchen Herdecke bezaubert das Bachviertel mit Fachwerkhäusern im historischen Kern. Lokale im historischen Zentrum und am Ruhrufer laden zum Einkehren ein. Im hübschen Alt-Wetter verzaubert die Freiheit mit einem Ensemble aus einer Handvoll Fachwerkhäusern, malerischer Burgruine und einem Rathaus mit auffallendem Turm. Belohnt werden Sie hier mit einer schönen Aussicht auf das Ruhrtal.


WENN MAN DEN MEINUNGEN DER BESUCHER von Schloss Werdringen glaubt, dann soll es hier einen der besten Käsekuchen der Region geben. Einfach mal ausprobieren und sich selbst ein Urteil bilden. Und wenn noch Zeit übrig ist: Im Schloss befindet sich ein Museum für Ur- und Frühgeschichte. Mehr Hunger? Gute mediterrane Küche gibt es unter anderem im Restaurant Proto im Schiffwinkel beim Stauwehr (facebook.com/proto.herdecke).

STROMAUFWÄRTS AN DER RUHR

Bunte Wiesen, Getreidefelder, romantische Auen und Waldstücke säumen die Ruhr zwischen Hohensyburg und Schwerte. Unterwegs ins acht Kilometer entfernte Schwerte kann man noch einen kurzen Blick in den Innenhof des Wasserschlosses Haus Ruhr werfen, in dem die private Ruhrakademie ist. Sehenswert in Schwerte ist die kleine, aber feine historische Altstadt um die Dorfkirche mit stimmungsvollen, von Fachwerkhäusern gesäumten Gassen und einem netten Marktplatz mit Restaurants.

Weiter stromaufwärts nach Fröndenberg sollte man mit dem Wohnmobil fahren, schließlich sind es ab dem Camping rund 24 Kilometer. Die Highlights des im Übergangsgebiets vom Ruhrgebiet zum Sauerland liegenden, beschaulichen Kleinstädtchens befinden sich um den gepflegten Marktplatz, wie das Wahrzeichen der Stadt, die fast 800 Jahre alte Stiftskirche. Im Himmelmannpark am Flussufer befindet sich der Ruhrbalkon, von dem aus Sie freien Blick auf den Fluss haben, und das Kettenschmiedemuseum, das im ehemaligen Magazin der Papierfabrik Himmelmann eingerichtet wurde. Die Papierfabrik wurde in den 1980er-Jahren geschlossen und größtenteils abgerissen. Lediglich ein Papiertrichter und das ehemalige Magazin erinnern noch daran. Das Museum wurde übrigens 1999 eröffnet und gibt Einblicke in die Geschichte und die Herstellungstechnik von Eisenketten, von der händischen bis zur automatisierten Produktion.

Tipp

Wenn Sie schon mit dem Wohnmobil nach Fröndenberg unterwegs sind, dann liegt auch der im Sauerland befindliche Möhnesee samt Talsperre in greifbarer Nähe – ein schöner Halbtagesausflug. Die Talsperre bzw. der Möhnesee sind circa 64 Kilometer vom Campingplatz Hohensyburg entfernt und auf gut ausgebauten Straßen erreichbar.


Gepflegte Hausfassade in Schwerte


Fachwerk im Freilichtmuseum Hagen

AUF EINEN BLICK

Info

STADT/REGION: Hengsteysee und Harkortsee, Kreis Ennepe-Ruhr

BESTE REISEZEIT: Mai bis September

OPTIMALE REISEDAUER: 2–3 Tage

TOURISTINFO: Hohensyburg, Kampstraße 80, 44137 Dortmund, Tel. 0231/18 99 90, visit.dortmund.de; Hohenlimburg und Hagen, Rathausstraße 2, 58095 Hagen, Tel. 0233/809 99 80, hagen-online.de/startseite.html; Herdecke, Kirchplatz 3, 58313 Herdecke, Tel. 02330/61 10, herdecke.de; Alt-Wetter, Kaiserstraße 70, 58300 Wetter a/d Ruhr, Tel. 02335/84 01 88, stadtmarketing-wetter.de; Schwerte, Brückstraße 14, 58239 Schwerte, Tel. 02304/10 47 77, schwerte.de; Fröndenberg, Ruhrstraße 9, 58730 Fröndenberg, Tel. 02373/97 64 44, tourismus-froendenberg.de.

SEHENSWÜRDIGKEITEN

PARK HOHENSYBURG: Hohensyburgstraße 200, 44265 Dortmund

SCHLOSS HOHENLIMBURG: Alter Schlossweg 30, 58119 Hagen, Tel. 02334/44 49 73

FREILICHTMUSEUM HAGEN: Selbecker Straße 200, 58091 Hagen, Tel. 02331/780 70, lwl-freilichtmuseum-hagen.de

KETTENSCHMIEDEMUSEUM: Ruhrstraße 12, 58730 Fröndenberg, Tel. 0151/22 35 59 64, freu-dich-auf-froendenberg.de

CAMPINGPLATZ HOHENSYBURG

ADRESSE: Syburger Dorfstraße 69, 44265 Dortmund, Tel. 0231/77 43 74, camping-hohensyburg.de

ANFAHRT: B54 aus beiden Richtungen, Ausfahrt Hohensyburg. Achtung! In die Syburger Dorfstraße nur vom Norden her einbiegen, da die Syburger Dorfstraße von Schwerte aus ziemlich schmal ist und durch überhängende Äste das Wohnmobil schon mal Kratzer abbekommen kann.

GPS: 51.420361, 7.494861

Nur einen Steinwurf von der Ruhr entfernt: Camping Hohensyburg


Stellplatz im Camping Hohensyburg


Wasserwanderer auf der Ruhr

Schöner und gepflegter Campingplatz, teilweise auf Terrassen oberhalb der Ruhr angelegt. Runder Stellplatz ein paar Schritte neben dem modernen Sanitärgebäude. Empfehlenswert ist einer der drei kleineren Terrassenplätze am Weg zur Ruhr.

WOHNMOBILSTELLPLATZ HERDECKE

ADRESSE: Vorhaller Weg 2–4, 58313 Herdecke

ANFAHRT: Auf der Bundesstraße 54 aus beiden Richtungen und vor bzw. nach der Ruhrbrücke in den Vorhaller Weg einbiegen.

GPS: 51.393556, 7.433528

Zentral gelegener Wohnmobilstellplatz direkt am Ruhrufer neben dem Kanu-Verein Hagen. Kurzer Fußweg in die Altstadt von Herdecke. Keine Infrastruktur und etwas laut durch die nahe gelegene Bundestraße. Als Alternative bzw. für eine Nacht durchaus akzeptabel.

WCH-CAMPING

ADRESSE: Baukey 1, 58089 Hagen, Tel. 01573/525 06 87, wch-camping.de

ANFAHRT: Auf der Bundesstraße 226 aus beiden Richtungen und dann nach links bzw. rechts weiter auf der Nöhstraße.

GPS: 51.392167, 7.407417

Der Wassersport- und Campingverein Hagen (WCH) liegt direkt am Harkortsee, hat aber nur eine Handvoll Stellplätze für Tagestouristen. Er ist aber eine gute Alternative, bei Vollbelegung der anderen Plätze.

INDUSTRIEGESCHICHTE UND NATUR PUR
Hattingen


Monument und Aussichtsplattform zugleich: Hochofen 3 der Zeche Henrichshütte

2

Die Flusslandschaft im Ruhrtal um Hattingen begeistert, verzaubert, entspannt. Sanft rauschende Stromschnellen, unberührte Auenlandschaften, bunte Wiesen und Bienenweiden, dazwischen stumme Zeugen der Industriegeschichte und die historische Altstadt von Hattingen – all das verspricht genussvolle und abwechslungsreiche Tage.

Obwohl das Ruhrtal als die Wiege des Kohleabbaus gilt und über 300 Jahre lang das »schwarze Gold« vielerorts gefördert wurde, ist vom einstigen Abbau kaum noch etwas zu sehen. Zechen wurden geschlossen, Maschinenhallen, Walz- und Gießwerke stillgelegt und abgerissen. Was übrig blieb, wurde in Gewerbegebiete, Ausstellungs- und Veranstaltungsorte oder Museen umgewandelt. Wo einst Hochöfen glühten, spazieren heute Besucher durch moderne, interaktive Museen, die die Geschichte eindrucksvoll am Leben erhalten.

Das Wohnmobil können Sie getrost auf dem Campingplatz bei der Ruhrbrücke (siehe Auf einen Blick) stehen lassen und mit dem Fahrrad Hattingen und seine Umgebung erkunden. Die Sehenswürdigkeiten liegen alle in unmittelbarer Nähe. Die Hattinger Altstadt ist gerade mal zwei Kilometer vom Campingplatz entfernt, die Zeche Henrichshütte nur ein paar Hundert Meter weiter. Kleinere Badestellen befinden sich bei der Kuhwiese rund einen Kilometer stromabwärts, das Freizeitparadies Kemnader See rund acht Kilometer stromaufwärts. Und alles ist auf guten Radwegen erreichbar, größtenteils auf dem asphaltierten Ruhrtalradweg, einem der am besten ausgebauten Radwege Deutschlands.

HATTINGER ALTSTADT

Man sieht Hattingen auf den ersten Blick nicht an, dass sich in seinem Zentrum eine der schönsten Altstädte von Nordrhein-Westfalen befindet. Der historische Kern, der sogenannte Malerwinkel mit engen Gassen und schön restaurierten Fachwerkhäusern, gruppiert sich um den mittelalterlichen Kirchplatz. Hier erhebt sich die evangelische Sankt-Georgs-Kirche mit ihrem auffallenden, rund 56 Meter hohen Turm. Auffallend wegen seines stark geneigten Spitzhelms, wobei man davon ausgeht, dass er bewusst schief gehalten wurde, um bei einem eventuellen Brand nicht auf das Kirchenschiff zu fallen. Einheimische sehen mit Schmunzeln eher das Werk eines schlecht bezahlten Zimmermanns. Das aus Ruhrsandstein um 1200 errichtete Gotteshaus wurde in den 1420er-Jahren durch Kriege zerstört und bis etwa Mitte des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein Umbau vorgenommen, wobei man die barocke Ausstattung entfernt hat. Nichtsdestotrotz lohnt das Innere einen Blick. Im westlichen Teil des Malerwinkels steht das aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammende Alte Rathaus. Basis dieses hübschen Fachwerkbaus war die ehemalige Fleischhalle. Nach einer aufwendigen Renovierung wird es heute als Kulturzentrum genutzt.

Einige Schritte nördlich des Rathauses befindet sich Hattingens kleinstes Haus, das Zollhaus, südlich das Bügeleisenhaus aus 1611. Die eigenwillige Form dieses Fachwerkhauses hat denn auch zu seinem Namen geführt. Heute ist hier das Heimatmuseum untergebracht.

Auch an modernen Werken fehlt es nicht in Hattingen. So steht in der Heggerstraße Der Wächter, eine Großskulptur von Jan Koblasas. Die Hattinger Stadtmauer zieren die Eisenmänner des polnischen Künstlers Zbigniew Fraczkiewicz, die den Stahlstandort Hattingen symbolisieren.


Häuserzeile mit Fachwerk in der romantischen Altstadt von Hattingen

Einkehrmöglichkeit am Ruhrtal-Radweg


Terrassencafé in Hattingen

ZECHE HENRICHSHÜTTE

Highlight aus der Industriegeschichte Hattingens ist zweifelsohne die Henrichshütte, die 1854 eröffnet und nach dem Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigrode benannt wurde. Mehr als 130 Jahre wurde hier Roheisen und Edelstahl erzeugt. In der Blütezeit schaffte das Werk Arbeit für rund 10 000 Menschen. Ab 1987 kam langsam das Aus für die ersten Hochöfen. Sechs Jahre später wurde das Stahlwerk stillgelegt, 1994 der Gasometer gesprengt und 2003 die Schmiede geschlossen. Heute dominiert der 55 Meter hohe Hochofen 3 das Werk. Der Stahlkoloss kann sogar bestiegen werden und in luftiger Höhe gibt es ein beeindruckendes Panorama auf das rund 70 000 Quadratmeter große Gelände. In einem weiteren Gebäude sind das LWL-Museum für Eisen und Stahl und ein Restaurant untergebracht.

Tipp

Unter dem Namen Extraschicht wird seit 2001 jedes Jahr im Sommer ein Kulturfestival in der Metropole Ruhr abgehalten. An circa 50 einst bedeutenden Industriestandorten werden unterschiedliche Veranstaltungen abgehalten, so auch in der Zeche Henrichshütte. Schon allein die abendliche Beleuchtung des Hüttenwerks, allen voran der Hochofen 3, ist bereits einen Besuch wert (extraschicht.de).

BLANKENSTEIN

Am Ostrand Hattingens liegt der Stadtteil Blankenstein. Hier thront rund 70 Meter über der Ruhr die Burg Blankenstein. Schon wegen der schönen Aussicht über das Ruhrtal und das historische Blankenstein lohnt es sich, den Ort und die aus dem 13. Jahrhundert stammende Burg zu besuchen. Die Anlage war eine der vier Hauptburgen der Grafen von der Mark. Im 16. und 17. Jahrhundert verfiel die Burg immer mehr. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie wieder aufgebaut, und seit 1909 steht sie unter Denkmalschutz.

Rad- und Wanderweg um den Kemnader See


Begrünte Ufer des Kemnader Sees


»Dessertkarte« des Cafés der Zeche Nachtigall

Bei der Burg beginnt ein kleiner Wanderweg durch das Naturschutzgebiet Alte Ruhr-Katzenstein. Keine Lust zum Wandern, aber trotzdem auf der Suche nach Ruhe und Natur? Der Gethmannsche Garten ist ein frei zugänglicher Landschaftsgarten, der 1808 von Carl Friedrich Gethmann in Blankenstein angelegt wurde. Zwischen Burg und Garten, etwa fünf Gehminuten von der Burg entfernt, befindet sich im historischen Ortskern das Hattinger Stadtmuseum, das über die Geschichte des Industriestädtchens informiert.


OBWOHL DIE BURG BLANKENSTEIN über ein Restaurant verfügt, ist das circa zwei Kilometer von der Burg entfernte, 700 Jahre alte Wasserschloss Kemnade die bessere Wahl. Hier kann man in mittelalterlicher Atmosphäre im Kaminoder Turmzimmer oder bei Schönwetter auf der Terrasse im Innenhof speisen. Parkplatz ist vorhanden. Aktuelle Infos unter hauskemnade.de.

KEMNADER SEE

Von der Burg Blankenstein erblickt man stromaufwärts den Kemnader See, der in der Werbung oft als See der 1000 Möglichkeiten angepriesen wird. Naja, 1000 Möglichkeiten sind weit übertrieben, aber es gibt sehr viele Freizeit- und Sportmöglichkeiten für Groß und Klein. Der 125 Hektar große, bei Sonnenschein blau schimmernde See wurde Ende der 1970er-Jahre angelegt und ist damit einer der jüngsten Ruhrstauseen. Bereits 1913 gab es einen Plan, um zwischen Witten und Hattingen die Ruhr aufzustauen, um den Fluss für den Kohletransport schiffbar zu machen. Gleichzeitig sollte der See auch als Trinkwasserspeicher und Freizeitzentrum für die Bevölkerung der umliegenden Kreisstädte dienen. Doch erst ein halbes Jahrhundert später wurde der Plan auch in die Tat umgesetzt. 1971 gründeten dazu die nahe gelegenen Städte eine Gesellschaft für das Projekt Freizeitzentrum Kemnade, ein Naherholungsgebiet, an dem sich Radler, Wanderer und Spaziergänger ebenso erfreuen, wie Segler, Surfer, Stand-up-Paddler und Kanuten. 1980 wurden die Tore des Freizeitzentrums eröffnet.

Tipp

Der Rad- und Wander-Rundweg um den Kemnader See beträgt rund acht Kilometer und ist abends bis 23 Uhr sogar beleuchtet. Mehr Informationen über die Sport- und Freizeitmöglichkeiten am See, über die Gastronomie und aktuelle Veranstaltungen erhalten Sie unter kemnadersee.de/aktivitaeten.

WITTENER RUHRTAL

Westlich der Kleinstadt Witten erstreckt sich bis zum Kemnader See das Wittener Ruhrtal mit einigen historischen Orten, die einen Besuch lohnen. Das Highlight in diesem Abschnitt ist die Zeche Nachtigall, ein Steinkohlebergwerk, dessen Anfänge bis Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreichen. Erstmals 1714 erwähnt, wurde in den folgenden 150 Jahren in dieser Stollenzeche Fettkohle abgebaut, die vorwiegend als Brennstoff in der Energieerzeugung verwendet wurde und teils noch immer verwendet wird. Die Zeche war eine der größten und ertragreichsten Tiefbauzechen in der Region. Mit dem Aus der Zeche etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, hervorgerufen durch die Entstehung von großen Schachtanlagen nördlich der Ruhr, wurde die Anlage von einem Bauunternehmer gekauft, der einen Ziegelofen errichtete und fortan Ziegel brannte. Heute dient die Zeche Nachtigall als Museum mit beeindruckendem Besucherbergwerk, in dem man die Atmosphäre unter Tage hautnah spüren kann. Ausstellungen über die Technik des Kohleabbaus, eine noch stets funktionierende Fördermaschine und der freigelegte Schacht Hercules runden das Angebot des Museums ab. Auch an die Jüngsten wurde mit einem Wasserspielplatz gedacht, wo die Kleinen Schleusen betreiben, Wasser aufstauen oder einfach nur Schiffchen fahren lassen können.

Und last but not least beherbergt das Museum ein 35 Meter langes Segelschiff, das einen guten Einblick in den Schiffbau und den Transport der Kohle auf der Ruhr vermittelt. Mit der Verlegung des Kohletransportes vom Wasser auf die Schiene durch die 1848 eröffnete Bergisch-Märkische Eisenbahnlinie von Elberfeld über Hagen und Witten nach Dortmund kam langsam das Aus für die Schifffahrt. Wurde zunächst recht umständlich der Kohlewaggon mit einer Fähre ans andere Ufer gebracht, wo sich die Gleise befanden, errichtete man 1853 die hölzerne Nachtigall-Brücke. Durch sie konnten die Gleise an beiden Ufern verbunden werden. 1938 wurde die Brücke wegen Baufälligkeit abgerissen. An ihre Stelle kam 1988 eine Eisenbrücke, die heute den Fußgängern und Radlern vorbehalten ist.


DIE ZECHE NACHTIGALL liegt am Eingang des Muttentals, wo in der Blütezeit bis zu 60 Zechen betrieben wurden. Mit der Schließung der Zechen eroberte sich die Natur nach und nach wieder Boden. Ab 1972 wurde der neun Kilometer lange Bergbauwanderweg Muttental angelegt, der an 30 teils restaurierten, teils rekonstruierten Objekten aus unterschiedlichen Epochen des Kohleabbaus im Tal entlangführt. Tafeln an jedem Objekt informieren über dessen Geschichte (ruhrgebiet-industriekultur.de/muttental.html).

BURGRUINE HARDENSTEIN UND HERBEDER SCHLEUSE

Auf dem Hin- oder Rückweg zu oder von der Zeche Nachtigall kann man noch einen kurzen Stopp bei der Ruine Hardenstein einlegen, den Überresten einer Burg, die zwischen 1345 und 1354 errichtet wurde. Seit Mitte der 1970er-Jahre bemüht sich der Verein der Burgfreunde Hardenstein um den Erhalt und die Erforschung der Ruine. Der Innenhof ist ein guter Platz, um zu Verweilen, die Füße zu strecken und Geschichte auf sich einwirken zu lassen. Wer keine Lust auf eine Ruine hat, der nimmt am besten die 300 Meter entfernte, kostenlose Fähre (Spende erwünscht!) über die Ruhr zur Herbeder Schleuse. Bei der Überfahrt hat man einen herrlichen Blick auf die Ruine. Am anderen Ufer wartet im ehemaligen Schleusenwärterhäuschen eine angenehme Gastwirtschaft mit schattigem Biergarten.


Burgruine Hardenstein lohnt in jeder Hinsicht.

DAHLHAUSEN

Stromabwärts, etwa fünf Radkilometer vom Campingplatz Ruhrtalbrücke entfernt, gibt es im Bochumer Stadtteil Dahlhausen eine geschichtsträchtige Flussbadeanstalt mit großer Liegewiese. Für Eisenbahnfans wartet noch ein paar Meter weiter das Eisenbahnmuseum Dahlhausen-Bochum. Die nostalgische Fahrt mit der Ruhrtalbahn wurde zwar bis auf Weiteres eingestellt, aber es werden ab und an auch Fahrten mit anderen historischen Zügen unternommen (eisenbahnmuseum-bochum.de).

AUF EINEN BLICK

Info

STADT/REGION: Hattingen und Witten, Kreis Ennepe-Ruhr

BESTE REISEZEIT: Mai, Juni und September

OPTIMALE REISEDAUER: 2–3 Tage

TOURISTINFO: Haldenplatz 3, 45525 Hattingen, Tel. 02324/95 13 95, hattingen-marketing.de; Marktstraße 7, 58452 Witten, Tel. 02302/194 33, stadtmarketing-witten.de

SEHENSWÜRDIGKEITEN

HATTINGER ALTSTADT: Kirchplatz, 45525 Hattingen, hattingen-marketing.de

HENRICHSHÜTTE: Werkstraße 31–33, 45527 Hattingen, Tel. 02324/924 71 40, henrichshuette-hattingen.lwl.org/de

ZECHE NACHTIGALL: Nachtigallstraße 35, 58452 Witten, Tel. 02302/936 64 10, zeche-nachtigall.lwl.org/de

BURGRUINE HARDENSTEIN: Hardensteiner Weg, 58456 Witten, frei zugänglich, burgfreunde-hardenstein.de

EISENBAHNMUSEUM DAHLHAUSEN-BOCHUM: Dr.-C.-Otto-Straße 191, 44879 Bochum, Tel. 0234/49 25 16, eisenbahnmuseum-bochum.de

CAMPINGPLATZ RUHRTALBRÜCKE

ADRESSE: Ruhrstr. 6, 45529 Hattingen, Tel. 02324/800 38, camping-hattingen.de


Stilles Ruhrtal bei Herbede


Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen


Wohnmobilstellplatz Ruhrtal


Wohnmobilstellplatz Zeche Henrichshütte

ANFAHRT: Auf der L651 (Bochumer Straße bzw. Wuppertaler Straße) und dann vor bzw. nach der Ruhrtalbrücke in die Ruhrstraße einbiegen.

GPS: 51.405861, 7.170694

Schön gelegener und gepflegter Campingplatz direkt an der Ruhr. Möchte man einen Stellplatz mit freier Sicht auf die Ruhr, sollte dieser vorab reserviert werden. Gute Infrastruktur und Lage, etwa zwei Kilometer von der Hattinger Altstadt entfernt.

WOHNMOBILSTELLPLATZ RUHRTAL

ADRESSE: Ruhrdeich 24, 45525 Hattingen, wohnmobilstellplatz-ruhrtal.de

ANFAHRT: Auf der L651 (Bochumer Straße) und dann vor oder nach der Ruhrbrücke auf dem Ruhrdeich über Cliff einbiegen.

GPS: 51.408333, 7.180833

Ganzjährig geöffneter Stellplatz mit 18 parzellierten Plätzen, Frischwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Stromanschluss (Münzen), einfaches Sanitärgebäude. Ruhige und zentrale Lage. Parkscheine gibt es nebenan in der Minigolfanlage.

WOHNMOBILSTELLPLATZ HENRICHSHÜTTE

ADRESSE: Werkstraße 31-33, 45527 Hattingen

ANFAHRT: Auf der Hüttenstraße bzw. der August-Bebel-Straße, dann Am Büchsenschütz weiter und danach in die Werkstraße einbiegen.

GPS: 51.407806, 7.188389

Eine Alternative in Hattingen, wenn alle anderen Plätze belegt sind. Direkt bei der Zeche Henrichshütte gelegen und nur 600 Meter vom Wohnmobilstellplatz Ruhrtal entfernt; keine Infrastruktur!

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