Kitabı oku: «Die Yacht-Werkstatt»
HAUKE SCHMIDT | LARS BOLLE
DIE YACHT-WERKSTATT
PFLEGEN,
REPARIEREN,
MODERNISIEREN
ANLEITUNGEN
ZUM SELBERMACHEN
DELIUS KLASING VERLAG
INHALT
RUMPF & DECK
Sandwich-Reparatur
Haarrisse entfernen
Löcher verschließen
Osmose-Sanierung
Kajütdach sanieren
Spund einsetzen
Holzrumpf sanieren
Decksbelag pflegen
Furnier-Spund einsetzen
Cockpitboden erneuern
Holzpfropfen bauen
Neue Fenster montieren
Eisenkielkiel entrosten
Ruderlager tauschen
UNTER DECK
Holzreparatur innen
Polster erneuern
Autopilot einbauen
RUND UM DEN MOTOR
Einbaudiesel warten
Einhebelschaltung warten
Schallisolierung anfertigen
Motor einwintern
Dieselpest entfernen
RIGG & BESCHLÄGE
Gennakerbaum bauen
Salinge erneuern
Verklicker bauen
Edelstahl polieren
Ausreitbretter bauen
Carbon-Patches bauen
WINTERLAGER
Bootsauflagen bauen
Schlauchboot reparieren
Antifouling aufbringen
VORWORT
Wer ein Problem VERSTEHT, kann es auch lösen. Nach diesem Prinzip führen die folgenden Anleitungen zur ERFOLGREICHEN Reparatur. Damit die Arbeit am Boot Spaß macht und auch noch Geld spart
Man wächst mit seinen Aufgaben – in kaum einem Bereich ist diese Aussage so zutreffend wie bei der Pflege, Reparatur und Modernisierung älterer Segelboote. Solche betagten Schätzchen begegnen einem meist, wenn nach einigen Sommern auf Charteryachten oder pflegeleichten Jollen der Kauf des ersten eigenen Bootes ansteht. Zudem quillt der Gebrauchtbootmarkt geradezu vor Angeboten über, von denen nicht wenige zu vergleichweise geringen Anschaffungspreisen zu erstehen sind. Nicht selten mischen sich dabei jedoch Vorfreude und Unerfahrenheit zu einem riskanten Cocktail – schmeckt herrlich süß, betäubt den Verstand und führt schon wenig später zu Kopfschmerzen – nämlich dann, wenn die ersten Probleme auftauchen und die mit der Reparatur oder Überholung beauftragte Werft einen Kostenvoranschlag präsentiert. Dabei handelt es sich in der Regel um recht ordentliche Summen, denn Bootsbau ist Handarbeit.
Doch dieser Umstand kann zugleich ein großer Vorteil sein, denn mit der richtigen Anleitung und einer Grundausstattung an Werkzeugen lassen sich viele zeit- und kostenaufwendige Arbeiten in Eigenregie ausführen. Vielleicht nicht ganz so schnell wie beim Profi, vielleicht nicht immer ganz so perfekt, dafür aber mit einem guten Gefühl. Denn die Freude über eine gelunge Instandsetzung oder Verschönerung des eigenen Bootes stärkt nicht nur den Besitzerstolz, sondern erzeugt auch eine enorme Befriedigung. Nebenbei lernt man bei den Arbeiten das Boot und seine Bauweise intensiv kennen und gewinnt dadurch Sicherheit im Umgang mit seinem Schiff. Zudem kann ein von vornherein geplantes Refit auch ein Weg sein, um günstig an eine Yacht zu gelangen. Denn offensichtliche Instandsetzungsarbeiten lassen sich normalerweise bei einer gut argumentierten Verkaufsverhandlung vom Kaufpreis abziehen. Aber Vorsicht, meistens addieren sich die geplanten Arbeitsstunden bei Laien auf mehr als das doppelte, und auch die reinen Materialkosten sind nicht zu unterschätzen und sollten vorher gründlich kalkuliert werden.
Die in diesem Buch gezeigten Arbeitsschritte stellen jeweils einen der möglichen Reparatur- oder Herstellungswege dar, oftmals führen auch andere Methoden zum Ziel oder das Ergebnis kann durch den Einsatz von speziellem Werkzeug verbessert werden – etwa durch eine Vakuumpumpe bei Laminierarbeiten. Die Anschaffung solch teurer Gerätschaften lohnt sich für den Laien aber kaum, daher haben wir die einfachste Vorgehensweise gewählt und auf Spezialwerkzeuge verzichtet oder günstige Leihoptionen angegeben.
Zum Ende jeder Arbeit am Boot entschädigt das Ergebnis mehrfach für die aufgewendete Mühe. Und kann zu einem Phänomen führen, von dem viele Hobbyhandwerker berichten: Dass ihre Saison nicht im Herbst endet, sondern dass sie sich im Herbst auf die zweite Saison freuen – die Saison der Winterarbeit.
HAUKE SCHMIDT UND LARS BOLLE
Übrigens: Für ausgewählte Projekte dieses Buches gibt es Videoanleitungen im TV-Portal des Internetauftrittes des Magazins YACHT.
RUMPF & DECK
SANDWICH – REPARATUR

Einsichtnahme. Die Außenhaut wird großflächig abgenommen
KERNSANIERUNG
Bei älteren Schiffen mit Sandwich-Decks gibt es häufig Probleme durch DELAMINATION und eingedrungenes Wasser. Ein kapitaler Schaden, der sich aber durchaus in Eigenregie beheben lässt. So wird’s gemacht
Decks in Sandwich-Bauweise sind eine feine Sache. Die Konstruktion, bei der die äußere und innere Laminatschicht durch einen Kern aus Balsaholz oder Schaum getrennt sind, ist nicht nur leicht, sondern auch sehr biegesteif. Ganz nebenbei isoliert der Verbund auch deutlich besser als ein massives Laminat, was die Temperaturen im Sommer senkt und in der Nebensaison vor Schwitzwasser schützt.
Doch wo viel Licht ist, sind auch die Schattenseiten nicht weit. Bei Sandwich-Decks beginnen die Probleme mit dem Alter. Sobald sich der Verbund aus Laminat und Kern löst, verliert die Konstruktion rapide an Festigkeit. Das Tückische dabei: Ist das Deck erst an einer Stelle geschwächt, arbeitet es beim Darüberlaufen und Segeln stärker, und der Schaden kann sich umso leichter ausbreiten. Viele Eigner älterer Boote kennen das, es beginnt mit einem harmlosen Knirschen oder Quietschen. Nach kurzer Zeit federt das Deck dann immer stärker, und man sackt beim Laufen regelrecht ein, so dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Dies war auch bei einem gebrauchten H-Boot aus den 70er-Jahren der Fall. Der Aufbau beulte sichtbar ein und federte stark. Schließlich brach das Deck beim Aufriggen hinter dem Mastfuß ein. Dieser war bereits vom Voreigner mit einem Ringspant als Unterzug verstärkt worden.
JEDES LOCH EIN LECK
Abgesehen von Fehlern bei der Dimensionierung oder der Verarbeitung von Harz und Kernmaterial ist eingedrungenes Wasser die Hauptursache für das Versagen von Sandwich-Decks. Die Feuchtigkeit gelangt in der Regel durch schlecht abgedichtete Schraublöcher von Beschlägen ins Deck. Kritisch sind auch ältere Teakdecks. Oft wurde nur sehr wenig Dichtungsmasse verwendet, und die Verschraubung der Stäbe summiert sich leicht auf einige hundert Bohrungen.
Am anfälligsten sind Sandwich-Konstruktionen mit einem Kern aus Balsaholz. Das Material saugt sich vom Leck ausgehend voll und verrottet großflächig. Hier hilft nur Aufsägen und Austauschen des Kerns, von dem meist nur noch schwarzer Torf übrig ist.
Doch auch bei den vielgerühmten geschlossenporigen Schaumkernen, wie Airex oder Divinycell, ist Vorsicht geboten. In solchen Decks kann sich das Wasser zwar nicht so leicht ausbreiten, und der Kern verrottet auch nicht. Das heißt aber nicht, dass es nicht zu Problemen kommt.
Je nach Qualität des eingesetzten Polyesterharzes kann die Feuchtigkeit quasi zu Osmose von innen führen, in deren Folge das Laminat vom Kern reißt. Es reicht aber auch schon ein Frostwinter, um den nassen Verbund regelrecht zu sprengen, was vermutlich bei dem hier behandelten H-Boot der Fall war.
Die Reparatur eines delaminierten Decks ist ein massiver Eingriff und erfordert Überwindung – wer sägt schon gern große Löcher in sein Boot? Die größte Herausforderung ist aber, nach dem Entfernen des alten Kernmaterials wieder eine belastbare Struktur zu schaffen.
Bei größeren oder stark gewölbten Bereichen wäre eine Vakuumpumpe ideal, um Kern und Decksschale gleichmäßig zu verkleben. Da diese Technik in der Regel nur professionellen Betrieben zur Verfügung steht, wurde bewusst darauf verzichtet und stattdessen mit Gewichten gearbeitet.
Oft ist die innere Lage des Decks sehr dünn und weich. Um die Deckskontur zu erhalten, muss sie eventuell vor dem Aufsägen von unten mit einer Hilfskonstruktion abgestützt werden. In vorliegenden Fall genügte der zur Verstärkung des Mastfußes bereits eingebaute Ringspant.
Da Rumpf und Deck sowieso lackiert werden sollten, wurde nur bis zum Primer gearbeitet. Durch diese Vereinfachung war das H-Boot nach einer knappen Woche wieder segelfertig. Soll auch lackiert werden, muss die doppelte Zeit veranschlagt werden.
WEICHES DECK – WAS NUN?
Die ersten Schritte: zunächst den SCHADEN EINGRENZEN, dann das Deck AUFSÄGEN

1 Die Latte macht deutlich, wie stark der Aufbau beim Betreten durchfedert. Hier haben sich die Glasfaserlagen vom Kern abgelöst

2 Am Übergang zum Mastfuß ist das Deck bereits gebrochen. Um den Schaden einzugrenzen, wird der gesamte Aufbau abgeklopft

3 An Stellen, an denen es dumpf klingt, ist der Kern abgerissen. Um den beschädigten Bereich herum wird mit etwas Zugabe abgeklebt

4 Mit einer Oszillationssäge wird dann das etwa vier Millimeter starke Außenlaminat rundherum bis zum Kern durchtrennt

5 Anschließend kann der Deckel mithilfe eines Stecheisens abgehebelt werden. In der Regel trennt er sich problemlos vom Kern

6 Wenn dem so ist, kann er abgehoben werden. Er haftet nur noch an wenigen Stellen. Bei Balsaholz ist mehr Krafteinsatz erforderlich
ENTKERNEN
Der feuchte SCHAUM und der Mastfuß werden entfernt

1 Das alte Kernmaterial kann mit der Oszillationssäge oder per Stechbeitel herausgebrochen werden. Bei Balsaholz ist etwas mehr Arbeit nötig. Das nicht verrottete Material lässt sich mit einem Stecheisen entfernen

2 Am Mastfuß ist das Außen laminat beim Abnehmen gebrochen. Augenscheinlich wurde hier in der Vergangenheit bereits repariert, allerdings nicht gut. Die Sperrholzunterlage ist nass und muss ebenfalls entfernt werden

3 Beim früheren Reparaturversuch wurde das Außenlaminat lediglich mit Polyesterspachtel aufgeklebt. Dieser haftet schlecht und lässt sich mit dem Stechbeitel ohne größere Probleme abschlagen

4 Schaum- und Spachtelreste werden mit 36er-Papier abgeschliffen. Dank der groben Körnung entsteht eine sehr raue Oberfläche, auf der sich das Epoxidharz beim Einkleben des neuen Kerns optimal verkrallen kann

5 Da eine Oszillationssäge verwendet wurde, sind die Schnittkanten recht sauber. Sie sollten aber noch einmal begradigt und geschliffen werden. Dann fällt später das Einpassen des neuen Kernmaterials leichter

6 Damit beim Verschließen des Decks keine Restfeuchte einlaminiert wird, sollte die Reparaturstelle gut abtrocknen. In der Zwischenzeit können der Deckel vorbereitet und das neue Kernmaterial angepasst werden
VORBEREITEN DER DECKSSCHALE
Wie Löcher und Ausschnitte VERSCHLOSSEN werden

1 Um zu sehen, was einen erwartet, wurde zu Beginn der Reparatur eine kleine Pilotöffnung ins Deck gesägt. Dieser Ausschnitt wird nun wieder einlaminiert

2 Nachdem der Deckel von Schaumresten befreit und gesäubert wurde, werden die Kanten der Pilotöffnung und des Ausschnitts von unten schräg geschliffen

3 Damit das Harz beim Einkleben des Ausschnitts nicht weglaufen kann, das Loch von oben verschließen. Dafür reicht einfaches Klebeband oder eine Kunststofffolie

4 Den Ausschnitt von unten einlegen und die Fuge mit angedicktem Harz füllen. Hier wurde SIX10 aus der Kartusche verwendet. Normales Harz mit Baumwollflocken tut es auch

5 Zur Stabilisierung wird noch eine Lage 163-Gramm-Glasfasergewebe aufgelegt. Nach dem Aushärten wird die Unterseite des Deckels mit 36er-Papier grob angeschliffen

6 Die endgültige Festigkeit erhält die Reparatur durch das von oben aufgebrachte Laminat. Dazu wird der Bereich etwa 0,6 Millimeter tief ausgeschliffen. Das entspricht …

7 … der Dicke von 430-Gramm-Biaxialgelege und einer Lage 163-Gramm-Glasseide. Das Glas wird zu Lochgröße passend zugeschnitten, die Decklage etwas größer

8 Den Reparaturbereich mit Harz benetzen; die Glasfasern auflegen und gut durchtränken. Das Harz mit einem Spachtel einmassieren. Wenn das Glas klar geworden ist, folgt …

9 … Abreißgewebe. Es nimmt überschüssiges Harz auf und sorgt somit für eine gleichmäßige Oberfläche, auf der ohne Zwischenschliff weitergearbeitet werden kann
DER MASTFUSS
SPEZIALSCHAUM statt Sperrholz und Spachtel

1 Der Mastfuß soll eine stabile Unterfütterung erhalten. Dazu muss ein Keil eingeklebt werden. Als Erstes wird die Unterseite des Decksstücks von Spachtelresten gesäubert

2 Der nötige Kiel wird ausgemessen und aus Coosa-Schaum angefertigt. Das Material ist glasfaserverstärkt, sehr druckfest und lässt sich mit Holzbearbeitungswerkzeugen schneiden

3 Die Keilform wird nach dem Verkleben mit der Decksschale zurechtgeschliffen. Daher muss der Schaumrohling zunächst nur grob angepasst werden

4 Die Klebeflächen mit Epoxidharz bestreichen. Als Kleber wird ein Gemisch aus Harz und Baumwollflocken verwendet. Es sollte eine Konsistenz wie Mayonnaise haben

5 Beim Einsetzen des Schaumstücks sollte der Kleber überall herausquellen. Das überschüssige Material danach sauber abziehen, sonst muss später mühsam geschliffen werden

6 Fertig ausgehärtet wird die Unterseite plan geschliffen und das Laminat der Decksschale zum Schäften angeschrägt. Die Schräge sollte etwa der zwölf fachen Materialstärke entsprechen
DEN NEUEN KERN EINSETZEN
Das Kernmaterial muss an die KRÜMMUNG des Aufbaus angepasst werden

1 Mastfuß und Beschläge warden mit Coosa-Schaum unterfüttert. Das Material ist leichter als Sperrholz und wasserbeständig. Die Dicke entspricht der des Originalkerns

2 Die Verstärkung für den Fallumlenker muss an die Rundung des Decks angepasst werden. Dazu wird die Kontur übertragen und der Schaum zurechtgeschliffen

3 Für die beschlagsfreien Flächen kommt 20 Millimeter starker Airex-Schaum zum Einsatz. Die Platten sollten möglichst passgenau zugeschnitten werden

4 Um der Kontur des Aufbaus zu folgen, muss das Material an den Ecken um etwa zwei Zentimeter gebogen werden. Um die Spannung in der Platte zu verringern, wird sie …

5 … von unten geschlitzt. Der Tiefenanschlag der Oszillationssäge wird auf drei Viertel der Materialstärke gestellt. Die Schnitte folgen der Außenkontur der Platte

6 Da der Aufbau auch in Längsrichtung gewölbt ist, folgen um 90 Grad versetzte Schnitte. Zudem bohrt man vier Millimeter große Löcher in den Schaum. Sie füllen sich …

7 … beim Verkleben mit Harz und bilden Brückenpfeiler. Wenn alle Segmente fertig sind und sich mit wenig Druck in Form bringen lassen, kann das Einkleben beginnen

8 Die Schaumoberfläche nimmt viel Harz auf. Damit die Verklebung nicht zu trocken wird, Schaum und Aufbau mit Harz benetzen. Dabei die Kanten nicht vergessen

9 Zum Kleben wird wieder eine mayonnaiseartige Mischung aus Epoxidharz und Baumwollflocken verwendet. Sie wird mit einem Zahnspachtel gleichmäßig aufgetragen

10 Die Kernsegmente auflegen und in den Epoxidkleber drücken. Dabei von einer Kante zur anderen arbeiten. So kann überschüssiger Kleber entweichen

11 Die Ränder der Platten lassen sich gut mit Klebeband fixieren. Zum flächigen Anpressen eignen sich Sandsäcke sehr gut. Werden wie in diesem Fall Autoakkus verwendet, …

12 … muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die in der Regel weiche Innenlage des Decks nicht durchbiegt. Im Zweifel sollte das Deck von unten abgestützt werden
DECKEL DRAUF
Wie die Decksschale AUFGEKLEBT wird

1 Selbst wenn die Materialstärke mit der des Originals übereinstimmt, muss der Kern in der Regel noch geschliffen werden

2 Trockenprobe. Die Decksschale wird aufgelegt, um zu prüfen, wo die Dicke des Kerns noch korrigiert werden muss

3 Die Ecken und Kanten des Kerns lassen sich schlecht dünner schleifen, daher sollte dort die Oszillationssäge verwendet werden

4 Wenn alles passt, wird der Kern mit Harz benetzt. Dann werden die Spalten und Einschitte mit einer dünnen Mischung aus Harz …

5 … und Microballoons ausgespachtelt, hier braun zu sehen. Anschließend wird eine Klebemischung aufgetragen

6 Dafür wird das Harz wie zuvor mit Baumwollflocken angedickt und mit einem feinen Zahnspachtel aufgetragen

7 Die Unterseiten von Decksschale und Mastfuß werden ebenfalls mit Harz benetzt und die Teile aufgesetzt und angedrückt

8 Wie beim Einkleben des Kernmaterials werden die Kanten mit Klebeband fixiert, der Rest wird mit Gewichten …

9 … beschwert. Der eingeklebte Kern hat die Beulsteifigkeit des Aufbaus erhöht, trotzdem sollte das Deck abgestützt werden
FUGEN VERSCHLIESSEN
Damit die FESTIGKEIT des Decks wieder gegeben ist, werden die Trennstellen angeschäftet

1 Um das Außenlaminat wieder kraftschlüssig zu verbinden, wird die Trennstelle zunächst rundherum ausgeschliffen. Das Tal muss so tief sein, wie das neue Laminat aufträgt

2 Für zwei Lagen 430-Gramm-Biaxialgelege und eine Lage 163-Gramm-Glasseide muss das Deck etwas mehr als ein Millimeter ausgeschliffen werden

3 Vermutlich treten durch das Schleifen Lufteinschlüsse zutage. Sie werden zusammen mit eventuell vorhandenen Fugen mit einer Microballoon-Mischung verspachtelt

4 Wenn keine großen Flächen laminiert werden müssen, sind sogenannte Gelege- und Gewebetapes praktisch. Sie ersparen das Zurechtschneiden von der breiten Rolle

5 Bei Epoxid muss das Mischungsverhältnis zwischen Harz und Härter genau eingehalten werden. Für größere Projekte empfiehlt es sich, in Dosierpumpen zu investieren

6 Die beiden 430-Gramm-Streifen und die 163-Gramm-Glasseide werden übereinander gelegt und getränkt. Dazu eignet sich eine Glasplatte oder …

7 … die mit Folie abgedeckte Werkbank. Das Harz mit einem Spachtel in die Streifen einarbeiten, bis keine Lufteinschlüsse mehr zu sehen und die Fasern durchsichtig sind

8 Bevor die vorgetränkten Glasfasern aufgebracht werden, sollte der Untergrund noch einmal mit Harz benetzt werden. Die Glasstreifen von der Mitte aus andrücken

9 An den Ecken werden die Streifen nicht auf Stoß gelegt, sondern die Lagen abwechselnd übereinander sortiert. Sonst entsteht eine Sollbruchstelle

10 Um eine bessere Oberfläche zu erzielen und die Reparatur nach dem Aushärten gleich in Form schleifen zu können, wird noch eine Schicht Microballoons aufgespachtelt

11 Anschließend wird die Naht mit Abreißgewebe abgedeckt. Es nimmt überschüssiges Harz auf und hinterlässt eine klebefreie Ober fläche, was das Schleifen erleichtert

12 Das Abreißgewebe wird vorsichtig mit einem Spachtel angedrückt. Dabei immer am Ende gegenhalten, sonst kann leicht das gesamte Laminat verrutschen
MATERIAL UND KOSTEN
Der finanzielle AUFWAND für die Sanierung hält sich in Grenzen – solange man selbst arbeitet

Die hier gezeigte Reparatur des Decks ist nicht sehr anspruchsvoll. Man benötigt lediglich Stecheisen, eine Schleifmaschine mit guter Absaugung und eine Oszillationssäge. Es sollte aber genügend Zeit eingeplant werden. Häufig treten beim Öffnen des Decks weitere Schäden zutage oder der betroffene Bereich erweist sich als größer als gedacht. Für die etwa einen Quadratmeter große Reparatur war der Bootsbauer vier Tage im Einsatz, und das, obwohl nur bis zur Grundierung gearbeitet wurde. Der Materialbedarf hielt sich dagegen in Grenzen. Epoxidharz, Glasgelege, Füllstoffe und Kernmaterialien schlugen mit etwa 600 Euro zu Buche. Passende Materialpakete stellt die Firma M. und H. von der Linden zusammen.
ENDARBEITEN
Mit SPACHTEL und Primer verschwinden die Narben der Operation

1 Die Festigkeit des Aufbaus ist wieder hergestellt. Damit die Spuren der Reparatur verschwinden, ist noch etwas Arbeit notwendig

2 Die braune Mischung aus Microballoons und Silica-Pulver lässt sich gut schleifen. Bis zur perfekten Oberfläche fallen aber noch …

3 … diverse Spachtel- und Schleifgänge an. Wenn die gröbsten Unebenheiten ausgeglichen sind, folgt eine Schicht Primer

4 Die Grundierung muss nach dem Anmischen der Komponenten in der Regel 10 bis 15 Minuten ruhen, bevor sie verarbeitet wird

5 Das dickflüssige Material schließt kleine Poren, und auf der einfarbigen Fläche treten Unebenheiten und Lunker deutlich hervor

6 Das Klebeband entfernen, solange die Grundierung noch frisch ist. Später lässt es sich nur noch mühsam abziehen

Auch wenn mit einer Schablone gut gespachtelt wurde: Schleifen bleibt eine Fleißarbeit
HAARRISSE ENTFERNEN
Feine Furchen in der Gelcoat-Schicht können entstehen, wenn das darunter liegende Laminat ÜBERLASTET wird – dann sind sie mehr als ein optischer Makel. Wie man die Schadstellen dauerhaft saniert
Schönheitsfehler, ein Zeichen für geringe Bauqualität oder gar ein ernsthafter Schaden? Nicht nur Gebrauchtbootkäufer stehen bei der Beurteilung von Haarrissen vor einer schwierigen Aufgabe. Auch für Eigner stellt sich angesichts von plötzlich auftretenden, schwarzen Äderchen die Frage: Hat mein Boot ein Problem? Muss ich was tun oder gar einen Bootsbauer beauftragen?
Wie so oft gibt es auf solche Fragen keine einfache und allgemeingültige Antwort. Grundsätzlich können Haarrisse auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. Die einfachste Erklärung ist ein leichter Schlag, wie er beispielsweise von einer fallengelassenen Winschkurbel herrührt. Bilden sich an der Einschlagstelle spinnennetzförmige Risse im Gelcoat, handelt es sich in der Regel um ein optisches Problem, bei dem nur die Polyester-Feinschicht selbst beschädigt ist. Hierfür reicht eine kleinräumige Gelcoat-Reparatur aus.
Komplizierter wird es, wenn die Risse an Kanten, Rundungen oder im Umfeld von Klampen, Relingsstützen oder Winschen auftreten. Dort sind sie zumeist ein Zeichen für Überlastung des Laminats – sprich, der Glasfaserverbund arbeitet so stark, dass die Feinschicht reißt. Sie besteht aus Polyesterharz und enthält keine Faserverstärkung. Daher ist das Gelcoat generell spröder und anfälliger als das darunter liegende Laminat. Mit der Zeit verstärkt sich das Problem: Zum einen härtet das Gelcoat nach und wird immer spröder, zum anderen kann das Laminat durch häufige Wechselbelastung mit den Jahren weich werden und noch stärker durchbiegen.
Dieser Prozess ist bei den Decks von älteren Jollen häufig zu beobachten: Die Boote sind in der Regel aus relativ dünnem Massivlaminat gebaut und entsprechend weich. Meist treten die Haarrisse dann, wie im vorliegenden Fall, der betagten Conger-Jolle, an Kanten oder Übergängen zu Unterzügen auf. Dort treffen flexible und steife Laminatbereiche aufeinander, und es entstehen besonders hohe Materialspannungen.
MEHR ALS KOSMETIK
Bei derartigen Symptomen reicht die oberflächliche Reparatur mit Gelcoat nicht aus. Ohne die Ursachen, sprich die Bewegung des Laminats zu beseitigen, würden schon nach kurzer Zeit neue Haarrisse auftreten.
Die Sanierung beginnt mit dem Abschleifen des Gelcoats. Bei stark ausgeformten Bereichen, wie der Fußleiste im Beispiel, ist es hilfreich, zuvor eine Spachtel-Schablone aus Pappe oder dünner Hartfaserplatte abzunehmen.
Nach dem Abtragen der Feinschicht lässt sich erkennen, wie aufwendig die Reparatur wird. Wenn das Laminat unbeschädigt ist, reicht es, eine Lage 85-Gramm-Glasseide mit Epoxidharz aufzubringen. Anschließend kann die Reparaturstelle wieder in Form gespachtelt, geschliffen und lackiert werden. Sollen nur kleinere Bereiche ausgebessert werden, ist alternativ ein Neuaufbau der Gelcoat-Schicht möglich.
Wenn beim Laminieren mit Abreißgewebe gearbeitet wurde und keine glänzenden Stellen zu sehen sind, sollten auch keine Aminrückstände auftreten, die das Polyester-Gelcoat am Aushärten hindern.
DIE STRUKTUR VERSTÄRKEN
In vorliegenden Fall waren die Schäden so großflächig, dass nur eine Komplettlackierung in Frage kam. Zudem setzten sich die Risse an einigen Stellen als weiße Adern im Laminat fort. Ein Zeichen dafür, dass die Struktur deutlich unterdimensioniert ist und verstärkt werden muss.
Dazu wird so tief geschliffen, bis kein Weißbruch mehr zu sehen ist. Anschließend wird das Laminat mit neuen Glasgelegen wieder auf die ursprüngliche Dicke aufgebaut. Die Vorgehensweise entspricht der Lochreparatur, wie sie auf Seite 20 zu sehen ist.
Damit ist das Deck zwar schon etwas fester als zuvor, wirklich steif lässt sich die Fläche aber erst durch zusätzliche, von unten anlaminierte Verstärkungen bekommen.
Eine der einfachsten und effizientesten Möglichkeiten dazu ist das Einbauen von Decksbalken oder Stringern in Form von vorgefertigten Schaumprofilen. Diese unter dem Namen Prisma-Beam angebotenen Verstärkungen sind bereits mit Glasfasergelege versehen und können sehr einfach zugeschnitten und anlaminiert werden.
GELCOAT ABTRAGEN
Die SCHADSTELLEN müssen komplett freigelegt werden

1 Ein unschönes Bild: In den Rundungen des Vordecks und der Relingsleiste ist das Gelcoat von feinen Rissen durchzogen. Derart großflächig tritt das Problem zum Glück selten auf

2 Um das Profil der Fußleiste später zu rekonstruieren, wird eine Schablone aus dünner Hartfaserplatte angefertigt. Der keilförmige Verlauf der Leiste kann durch Kippen der Schablone erreicht werden

3 In diesem Fall muss das beschädigte Gelcoat großflächig bis aufs Laminat abgetragen werden. Sind die Risse lokal begrenzt, genügt es, etwa zwei Zentimeter größer zu schleifen, als der Schaden zu sehen ist

4 Bei der groben Arbeit mit der Flex entstehen leicht scharfe Kanten. Sie werden per Hand rundgeschliffen, damit sich das Glasfasergewebe beim Laminieren besser anlegt und sich keine Lufteinschlüsse bilden

5 Erst wenn das Gelcoat abgetragen ist, lässt sich erkennen, wie groß der Schaden ist. Hier reichen die Risse bis ins Laminat. Daher muss weitergeschliffen werden, bis kein Weißbruch mehr zu sehen ist

6 Von unten gut auszumachen ist, wo das Gelcoat entfernt wurde und das Laminat durchscheint. Ebenfalls zu erkennen: Die Risse sind vornehmlich an den Übergängen zu den Unterzügen entstanden
ÜBERBRÜCKEN UND VERSTÄRKEN
Damit die Risse nicht wieder auftreten, müssen die URSACHEN beseitigt werden

1 Haarrisse sind ein Zeichen für Überlastung des spröden Gelcoats. Damit sie nicht wieder auftreten, werden die beschädigten Bereiche mit Glasgelege überbrückt. Zusammen mit Epoxidharz reicht meist schon eine Lage …

2 … Glasseide mit einem Gewicht von 85 Gramm pro Quadratmeter. Erstrecken sich die Risse bis ins Laminat, muss dieses ersetzt und entsprechend mehr Glas vor bereitet werden. Die Lagen werden abgestuft

3 Damit das Laminat gut klebt und nicht zu trocken gerät, sollten die geschliffenen Bereiche satt mit Epoxidharz eingestrichen werden. Oft werden beim Einziehen des Harzes weitere Risse sichtbar

4 Solange es nur wenige sind, kann man auf die Klebkraft des Harzes vertrauen. Hier wird das Deck zudem von unten verstärkt und daher nur mit einer Lage Glas earbeitet. Diese wird in das Harz gelegt …

5 … und mit einem Pinsel durchtränkt. Anschließend wird Abreißgewebe aufgebracht. Es lässt sich mit einem ebenfalls aus Abreißgewebe gebildeten Knäuel gut faltenfrei andrücken

6 Damit das Deck nicht mehr so stark arbeitet, werden Unterzüge eingebaut. Dazu werden vorgefertigte Profile aus mit Glasfasern belegtem PU-Schaum verwendet. Diese Prisma-Beams lassen sich einfach zuschneiden

7 Die Klebefläche auf der Unterseite ist mit einem Kunststofffilz versehen, der das Harz gut aufnimmt. Die Glasgelege auf der Oberseite werden ebenfalls mit Epoxid vorgetränkt

8 Das Deck wurde von unten grob angeschliffen und mit Epoxid bestrichen, nun können die Beams angedrückt werden. Sie reichen von der Bordwand bis zur Decksmitte. Eine Holzstütze dient als Sicherung

9 Nun die schräg geschnitten Enden der Profile mit einer Lage 430-Gramm-Glasgelege verschließen und alles mit Abreißgewebe versehen. Die Stützstäbe entfernen, bevor das Harz vollständig durchgehärtet ist
Je nach Querschnitt kosten die Beams etwa 11 Euro pro Meter. Das Selbstherstellen der Unterzüge, zum Beispiel per Papprohr oder Hartschaum und Glasfasergelege, lohnt also kaum.
EINE HAND SCHLEIFT, EINE FÜHLT
Ist die Struktur versteift, beginnt der langwierigste Reparaturabschnitt, das Schleifen und Spachteln. Vor allem an den Rundungen sind Geduld und im Wortsinne Fingerspitzengefühl gefragt. Die unterschiedlichen Farben von Gelcoat, Laminat und Spachtel irritieren das Auge. Beulen und Abplattungen lassen sich daher schlecht erkennen, sie können aber gut erfühlt werden, daher heißt die Devise: Eine Hand schleift, eine fühlt.
Durch formschlüssige Schablonen, große und kleine Spachtel sowie eine angepasste Spachtelmasse lässt sich die mühsame Arbeit vereinfachen. Der hier verwendete Microlight-Füllstoff von West-System ergibt eine sehr dünn ausziehbare Masse und lässt sich hervorragend schleifen.
Diese angenehmen Verarbeitungseigenschaften erkauft man sich allerdings mit der geringen Härte des Produkts. Damit eine robuste Grundlage für den Lackaufbau entsteht, muss die Spachtelmasse zum Schluss mehrfach mit unangedicktem Epoxidharz eingestrichen werden. Dabei ist es sinnvoll, das Harz mit Pigmenten einzufärben. So entsteht eine hochglänzende, einfarbige Fläche, auf der sich eventuell noch vorhandene Uneben heiten deutlich abzeichnen.
Damit es bei der nachfolgenden Lackierung keine Haftungsprobelme durch Aminrückstände aus dem Epoxidharz gibt, ist noch etwas Arbeit nötig. Bevor Primer oder Lack aufgetragen werden, sollte die Fläche zunächst mit einem Schleifschwamm und Wasser abgerieben werden. Greift man sofort zur Schleifmaschine werden die Amine nur verteilt, und die wachsartigen Rückstände setzen das Papier schnell zu. Anschließend vollständig matt schleiffen. Die dazu verwendete Körnung richtet sich nach den Vorgaben des Lacksystems.
SPACHTEL, SCHLEIFEN UND VERSIEGELN

1 Nach dem Aushärten des Laminats wird das Abreißgewebe entfernt. Es hinterlässt eine raue Oberfläche, auf der direkt weitergearbeitet werden kann. Das zahlt sich auch beim Schleifen aus, da das Papier nicht so schnell verklebt

2 Mit der Schablone wird die Kontur der Fußleiste geprüft. Es sollte überall etwas Untermaß vorhanden sein, damit Platz für die Spachtelmasse ist. Überstehende Laminat-Berge sollten abgeschliffen werden. Das gilt vor allem für die Ränder

3 Nur wenn sich die Schablone gleichmäßig und ohne Hakeln an der Fußleiste entlangziehen lässt, produziert sie eine gleichmäßige und glatte Spachtelkontur. Daher die Auflagefläche am Rumpf von eventuell vorhandenen Harzresten befreien

4 An den flächigen Reparaturstellen wird die Höhe des Laminats mit einem großen Rakel überprüft. Es darf nichts emporstehen, und die Spachtelklinge muss sich gleich mäßig über den Arbeitsbereich ziehen lassen. Meist sind die Ränder etwas zu schleifen

5 Die Spachtelmasse wird aus Epoxidharz und Microlight-Füller angemischt. Er produziert nicht nur viel Volumen, sondern lässt sich auch fein ausziehen und leicht schleifen. Die Konsistenz sollte so eingestellt werden, …

6 … dass die Masse cremig ist. Im ersten Arbeitsgang wird der Spachtel satt aufgetragen. Auf ebenen Flächen oder leichten Wölbungen kann das überschüssige Material anschließend mit dem Rakel abgezogen werden
SO WIRD DIE FORM WIEDER HERGESTELLT
Die Endarbeiten erfordern GEDULD und bei stark konturierten Bereichen auch Geschick. Die passende Spachtelmasse erleichtert das Vorankommen

7 Bei komplizierteren Rundungen wie der der Fußleiste wird die Spachtelmasse per Schablone in Form gebracht. Ist ein längeres Stück zu modellieren, muss die Schablone zwischendurch abgesetzt und die überschüssige Masse abgestreift werden

8 Nach dem Aushärten des Spachtels wird zunächst mit einem langen Schleifbrett und 80er-Papier gearbeitet, und zwar sowohl bei den ebenen Decksbereichen als auch an der Fußleiste. Hier wird allerdings nur die Oberkante in den Strak gebracht

9 Anschließend wird mit einem kleinen Klotz weitergeschliffen. Dieser wird im flachen Winkel schräg von außen nach innen über die Oberkante geführt, um die Flanken der Fußleiste zu glätten und gleichzeitig die Rundung nachzuschleifen

10 Für die engen Radien an der Unterkante der Fußleiste wird das Schleifpapier einfach zu einer Rolle mit passendem Durchmesser aufgewickelt. Nachdem die gröbsten Wellen entfernt sind, hilft das bloße Auge beim Schleifen nicht mehr weiter

11 Die Unebenheiten lassen sich aber sehr gut erfühlen. Nachdem die Berge abgetragen sind, werden die zu tief liegenden Bereiche und eventuell vorhandene Lunker per Bleistift markiert. Die Lunker noch einmal anschleifen, bis keine glänzenden Stellen …

12 … mehr zu sehen sind, auf ihnen würde die Spachtelmasse schlecht haften. Anschließend werden die markierten Täler aufgefüllt. Dabei ist etwas Augenmaß nötig, denn die Schablone hilft kaum weiter. Je genauer der Spachtel aufgetragen wird, desto weniger …

13 … muss anschließend wieder abgeschliffen werden. Man beginnt stets aufs Neue mit dem langen Brett, diesmal aber mit 100er- oder 120er-Körnung. Die letzten Kanten lassen sich am besten nach Gefühl mit der bloßen Hand abrunden

14 Der verwendete Microlight-Füllstoff lässt sich zwar gut schleifen, ist aber relativ weich. Um eine robuste Oberfläche zu erhalten, muss er mit Epoxidharz überstrichen werden. Es empfiehlt sich, das Harz einzufärben, denn erst auf der einfarbigen, …

15 … hochglänzenden Fläche lassen sich die letzten Beulen erkennen. Wenn der Anstrich so weit angezogen hat, dass er nicht mehr klebt, aber noch ein Fingerabdruck zurückbleibt, wird eine weitere Schicht aufgetragen. Nach dem Schleifen folgt der Lackaufbau
LÖCHER VERSCHLIESSEN

Über Kopf. Als vorgetränkter Flicken kann das neue Laminat gut aufgebracht werden
WEG MIT DEM LECK
Ob Ramming, alter Borddurchlass oder das nicht mehr benötigte Stevenrohr – selbst große LÖCHER im GFK lassen sich leicht in Eigenregie verschließen. Wie die STRUKTUR so fest wird wie zuvor
Kaum ein Eigner sägt oder bohrt gern Löcher in sein Boot. Nicht nur, weil sie potenzielle Leckagen darstellen, sondern auch, weil sich sofort die Frage stellt: Was passiert mit dem Ausschnitt, wenn das Bauteil, wie beispielsweise ein defekter Loggeber oder ein nicht mehr benötigtes Anzeige-Instrument, wieder entfernt werden soll?
Dabei ist das Stopfen von Löchern oder Bohrungen in Kunststoffbooten keine große Herausforderung. Selbst sehr goße Ausschnitte lassen sich wieder verschließen, ohne das die Struktur das Rumpfes leidet.
Die Vorgehensweise richtet sich nach der Größe der Öffnung und der Position im Schiff. Bei einem kleinen Schraubloch im Deck oder Cockpit genügt es in der Regel, die Bohrung mit angedicktem Epoxidharz zu füllen. Dazu wird das Loch mit einem etwas größeren Bohrer gesäubert und die Öffnung mit einem Senker kegelförmig geweitet. Anschließend befördert man das mit hochdichtem Füller angedickte Harz mit einer Spritze in die Bohrung und lässt die Reparatur aushärten. Der Rest ist nur noch Kosmetik: Die verschlossene Bohrung wird erneut angesenkt. Mit ein wenig Reparatur-Gelcoat, verschwindet der Krater endgültig, und die Reparatur wird unsichtbar.
Deutlich aufwendiger wird es bei größeren Öffnungen wie Borddurchlässen im Unterwasserschiff. Schließlich sind die Folgen einer misslungenen Reparatur auch unterschiedlich zu bewerten. Im ersten Fall dringt vielleicht Feuchtigkeit ins Kernmaterial, oder es tropft durchs Deck. Ärgerlich genug, aber einfach wieder zu beheben.
AUF DIE GRÖSSE KOMMT ES AN
Versagt jedoch die Reparatur unter Wasser, ist sogar die Schwimmfähigkeit des Bootes und damit das Leben der Crew in Gefahr. Zudem spielt die Dicke des umgebenden Laminats eine Rolle. Je größer die Öffnung im Verhältnis zur Materialstärke ist, desto stärker wird die Reparaturstelle beansprucht, und die Arbeiten müssen entsprechend sorgfältig ausgeführt werden.
Um die nötigen Schritte zu demonstrieren, war das Refitprojekt für einen betagten, 7,25 Meter langen Kleinkreuzer hierfür perfekt geeignet. Der Voreigner hatte bereits die defekte Einbaumaschine entfernt. Das Stevenrohr war aber nur notdürftig mit einem Holzkeil und einem Wellenstummel verschlossen worden – keine vertrauenswürdige Lösung die für Dauer ausgelegt ist.
VORBEREITUNG
Die Ränder werden ANGESCHRÄGT und das Loch mit einem Passstück verschlossen

1 Nach dem Ausbau der Maschine wurde das Stevenrohr nicht entfernt, sondern nur notdürftig mit einem Holzstück verschlossen. Ein potenzielles Leck

2 Die alten Verschraubungen sind nicht mehr zu lösen. Daher die Ecken des Flansches von oben mit Löchern markieren. Anschließend wird die Stichsäge …

3 … an einem der Bohrlöcher angesetzt und das nicht mehr benötigte Stevenrohr möglichst sauber und vollständig aus dem Rumpf herausgeschnitten

4 Um das Laminat wieder kraftschlüssig zu verbinden, wird im Verhältnis von 1:12 geschäftet. Bei einer Rumpfstärke von etwa 16 Millimetern sind das 20 Zentimeter

5 Der Gelcoathobel ist eigentlich zur Osmosesanierung gedacht, eignet sich aber auch gut zum Abtragen des Laminats. Alternativ kann eine Flex verwendet werden

6 Die Feinarbeit erledigt man mit 40er-Papier. Die Schäftung sollte möglichst gleichmäßig sein und das Laminat am Loch fast auf null heruntergeschliffen werden

7 Nachdem die Schäftung vorbereitet ist, wird das Loch verschlossen. Dazu eine transparente Folie auf den Rumpf kleben und den Umriss des Lochs anzeichnen, …

8 … so lässt er sich gut auf das Kernmaterial übertragen. Anstelle von Sperrholz wird Coosa-Schaum verwendet. Er ist wasser- und verrottungsfest und lässt sich einfach bearbeiten

9 Den Ausschnitt so anpassen, dass er ins Loch gekantet werden kann und stramm sitzt. Gelingt das nicht, kann er von innen geheftet werden, oder man fixiert ihn mit Keilen

10 Um das Stevenrohr herum ist der Rumpf von innen aufgedoppelt. Bevor der Spalt und das Loch verschlossen werden, alle Klebeflächen mit Epoxidharz benetzen

11 Damit sich das mit Microballoons angedickte Harz leichter verarbeiten lässt, wurde ein Spritzbeutel aus Folie angefertigt. So lässt es sich gut in die Spalten pressen

12 Das Passstück wird ebenfalls mit angedicktem Harz eingesetzt, die Konsistenz sollte wie Erdnussbutter sein. Wenn alles richtig sitzt, den überschüssigen Kleber abziehen
LAMINIEREN
Die Glasgelege werden VORGETRÄNKT und als Flicken in zwei Durchgängen aufgebracht

1 Für den Zuschnitt der Glasgelege wird eine Schablone aus Folie angefertigt. Dabei sowohl die Außenkontur als auch die Form des Lochs anzeichnen. Sie legen die größte und kleinste Gelege-Lage fest

2 Die Anzahl der Lagen richtet sich nach der Stärke des Rumpfes und dem verwendeten Material. Man sollte mit 600-Gramm-Gelegen arbeiten, diese tragen etwa 0,8 Millimeter pro Schicht auf, daher sind 20 Lagen nötig, …

3 … um die Rumpfstärke von 16 Millimetern zu erreichen. Damit das Laminat in alle Richtungen die gleiche Festigkeit bekommt, werden abwechselnd sogenannte 0/90-Grad- und +/−45-Grad-Gelege verwendet

4 Da über Kopf gearbeitet werden muss, werden die Glasgelege in zwei Pakete zu je zehn Lagen geteilt und auf der Folie vorgetränkt. Es wird mit der kleinsten Lage des zweiten Pakets begonnen und die nächstgrößere …

5 … darübergelegt. Das Harz wird mit einem Spachtel eingearbeitet, bis das Glas transparent ist. Der größte Lappen ist oben und liegt so direkt am Rumpf an; die Reparaturstelle ist mit durchlaufenden Fasern bedeckt

6 Für den Transport zum Rumpf wird das fertige Paket auf eine Papprolle gewickelt und an der Reparaturstelle wieder abgerollt. Dabei lässt sich das Laminat gut mit einem Spachtel festmassieren

7 Nun muss die Folie vorsichtig abgezogen werden. Damit das Laminat sich nicht vom Rumpf löst, werden die Kanten der Lagen mit dem Spachtel von der Folie gepult und an die Reparaturstelle gedrückt

8 Anschließend werden die zweiten zehn Gelege-Lagen vorbereitet. Diesmal kommt zuunterst ein großes Stück Abreißgewebe, dann wird wieder mit der kleinsten Lage des Pakets begonnen

9 Auch das zweite Paket wird mithilfe der Papprolle zum Rumpf transportiert und angedrückt. Mit einer Velourrolle arbeitet man das Laminat an, bis die Lufteinschlüsse unter dem Abreißgewebe verschwunden sind
Da sich die Verschraubungen des Stevenrohrs im Rumpf nach über 40 Jahren nicht mehr lösen ließen, half nur noch der brachiale Weg mit der Säge weiter. Anschließend klaffte ein etwa ein Meter langes und 20 Zentimeter breites Loch im Rumpf, das es wieder zu verschließen galt. Zudem sollte ein inzwischen überflüssiger Borddurchlass entfernt werden.
Die Reparaturen stellen weder beim Material (siehe Seite 25) noch bei den benötigten Werkzeugen besondere Ansprüche. Außer einer kräftigen Schleifmaschine mit Absaugung und einer Flex sind keine speziellen Gerätschaften nötig.
KOPFÜBER OHNE UNTERDRUCK
Damit die Arbeiten auch von Hobby-Bootsbauern durchgeführt werden können, wurde auf den Einsatz von Vakuumtechnik verzichtet. Mit einer entsprechenden Ausrüstung ließen sich Qualität und Festigkeit des Laminats allerdings enorm verbessern. Gegenüber dem ursprünglichen Rumpfmaterial des mit Schnitzelmatte und zwei Lagen Gewebe laminierten Kleinkreuzers dürfte das Handlaminat aus Biaxialen-Glasgelegen und Epoxidharz aber bereits eine deutlich höhere Festigkeit besitzen.
Auch das Arbeiten über Kopf stellt keine Hürde dar. Dank der vorgetränkten Glasgelege gelingt es auch ohne Vakuum problemlos. Einmal gut angedrückt, genügte die Adhäsion des Harzes, um das neue Laminat sicher am Rumpf zu halten.
Aufsägen, schleifen und verschließen des Lochs gehen zügig vonstatten und lassen sich an einem langen Tag erledigen. Dennoch sollte genügend Zeit eingeplant werden. Bedingt durch die Aushärtintervalle des Expoxidharzes, ziehen sich vor allem die aufwendigeren Spachtelarbeiten in die Länge. Bis die Löcher verschlossen waren, der Rumpf wieder sauber strakte und mit Primer für den Antifoulinganstrich vorbereitet war, waren die beiden Bootsbauer etwa drei Tage beschäftigt.
GLÄTTEN UND VERSIEGELN
Die Struktur ist wiederhergestellt, die FORM wird angepasst

1 Nach dem Aushärten wird das Abreißgewebe entfernt. Dann kann das Einebnen des Laminats beginnen. Zuerst die über den Strak des Rumpfes hinausragenden Erhebungen markieren. Dazu eignet sich eine große Spachtelklinge oder eine Segellatte

2 Mit grobem Schleifpapier auf der Flex oder einem Exzenterschleifer werden die Ränder des Flickens geglättet und die markierten Erhebungen abgetragen. Durch das Abreißgewebe ist die Oberfläche rau, und die Täler müssen nicht angeschliffen werden

3 Nachdem die groben Erhebungen eingeebnet sind, folgt das Ausspachteln der Täler. Tipp: Damit die Spachtelmasse gut haftet und nicht zu trocken wird, den gesamten Reparaturbereich dünn mit einer Lage Epoxidharz benetzen

4 Als Spachtelmasse kommt mit Microballoons eingedicktes Epoxidharz zum Einsatz, da es sich gut verarbeiten und schleifen lässt. Das Material wird zunächst großzügig aufgetragen, sodass eine gleichmäßige Schichtstärke entsteht

5 Mit einer großen, leicht flexiblen Spachtelklinge oder Rakel wird die Reparaturstelle abgezogen und die Masse in Form gebracht. Anschließend von der Seite peilen, um eventuelle Beulen im Strak zu erkennen

6 Das Unterwasserschiff ist aufgekimmt, daher die Mittellinie mit Klebeband markieren. Anschließend die Seiten nacheinander schleiffen. Der Exzenter erledigt die Arbeit schnell, es entstehen aber auch leicht neue Wellen

7 Diese lassen sich durch Darüberstreichen mit der flachen Hand erfühlen. Die betroffenen Bereiche werden per Bleistift markiert und erneut ausgespachtelt. Wer ein besonders gutes Ergebnis erzielen will, arbeitet von nun an mit einem großen Schleifbrett

8 Wird wie in diesem Fall maschinell weitergeschliffen, ist sehr viel Fingerspitzengefühl und häufiges Kontrollieren des Straks nötig. Die relativ geringe Auflagefläche des Schleiftellers lässt die Maschine leicht kippen und erzeugt so Beulen. Bis die Reparaturstelle …

9 … wieder perfekt strakt, sind eventuell noch weitere Spachtel- und Schleifgänge nötig. Ist die gewünschte Güte er zielt, wird der Reparaturbereich mit Epoxidprimer versiegelt. Dieser schließt die letzten Poren und dient als Haftgrund fürs Antifouling
SO VERSCHWINDET DER ALTE BORDDURCHLASS
Die Laminierarbeiten sind der großen Reparatur sehr ähnlich, aber überschaubarer. Das kleinere Loch lässt sich einfach mit einer FLEXIBLEN Platte schließen

1 Bei alten Borddurchlässen sind die Verschraubungen meist festgegammelt, daher schleift man den außen überstehenden Teil einfach mit der Flex ab. Abrutschen ist kein Problem, das Loch muss sowieso noch weiter aufgeschliffen werden

2 Anhand des herausgedrückten Innenteils lässt sich die Materialstärke des Rumpf laminats leicht bestimmen. In diesem Fall sind es etwa acht Millimeter. Dieses Maß gibt vor, wie groß die Schäftung rund um das Loch aufgeschliffen werden muss

3Damit der Rumpf die volle Festigkeit zurückerhält, sollte die Länge der Schäftung zwischen altem und neuem Laminat der zwölffachen Materialstärke entsprechen. Dazu wird um das Loch ein etwa zehn Zentimeter breiter Kegel in den Rumpf geschliffen

4 Auf einer Folie wird die Außenkontur der Reparaturstelle und die Größe des Lochs angezeichnet. Anhand der Schablone werden die Glasgelege für den Flicken zugeschnitten. Die Anzahl ergibt sich aus der Materialstärke des Rumpfes und dem verwendeten Glas

5 Hier wird mit 600-Gramm-Gelegen und zehn Lagen gearbeitet. Ihre Größe wird gleichmäßig abgestuft, wobei immer abwechselnd Gelege mit +/–45-Grad-Faserverlauf und solche mit 0/90-Grad-Faserverlauf verwendet werden

6 Um das Loch des Borddurchlasses zu verschließen, wird eine Scheibe aus dünnem GFK verwendet. Dazu wurde eine Lage 163-Gramm-Glasgewebe auf einer mit Trennwachs behandelten Glasplatte vorlaminiert. Der Durchmesser der Scheibe sollte …

7 … etwas größer ausfallen als das Loch. Eine in der Mitte hineingedrehte Holzschraube dient als Griff. Damit zügig weitergearbeitet werden kann, wird zum Einkleben des Pfropfens schnellhärtendes Fünf-Minuten-Epoxid verwendet

8 Die dünne GFK-Scheibe ist so flexibel, dass sie sich ohne Probleme durch das Loch drücken lässt. Dank des zähen Fünf-Minuten-Epoxids muss sie nur kurz festgehalten werden. Das Aushärten kann mit einem Heißluftfön weiter beschleunigt werden

9 Das Laminat wird auf einer Folie vorgetränkt. Zuunterst kommt ein großes Stück Abreißgewebe, dann werden die Glaslagen vom kleinsten Stück beginnend aufgelegt und mit Harz durchtränkt. Die größte Lage sollte oben liegen, so hat sie direkten Kontakt …

10 … zur Schäftung, und die Reparaturstelle ist mit durchlaufenden Glasfasern bedeckt. Das Laminat wird an den Rumpf gedrückt und die Folie abgezogen. Dann rollt man den Flicken mit einer Velourrolle an – und geschlossen ist das Loch
MATERIAL

Es werden 600-Gramm-Biaxial-Glasgelege in den beiden Ausrichtungen 0/90- und +/–45-Grad für die Reparatur benötigt, der Quadratmeter kostet etwa 5 Euro. Pro Quadratmeter Gelege muss mit 600 Gramm Epoxidharz gerechnet werden; da es auch zum Spachteln verwendet wird, ist großzügig zu planen. Der Spachtel wird mit Microballoon-Füllstoff angemischt. Das Material vergrößert das Volumen des Harzes deutlich und ist sehr ergiebig. Die benötigte Menge hängt von der Größe der Reparatur ab. Individuelle Materialpakete können über die Firma von der Linden bezogen werden
OSMOSE-SANIERUNG

Den Elektrohobel zum ersten Schnitt anzusetzen kostet Überwindung
MIT HARZ UND HOBEL
Kaum ein Phänomen wird unter Eignern älterer Kunststoffyachten kontroverser diskutiert als der langsame ZERFALL von Polyesterlaminaten. Wie Sie OSMOSE-Schäden in Eigenarbeit sanieren
Jede Polyesteryacht ist von Osmose betroffen! Diese Aussage haben die Oberlandesgerichte in Celle (Az 7U230/09) und in Schleswig (Az 11U135/10) vor einigen Jahren für rechtens erklärt. Hinter ihren Urteilen verbirgt sich allerdings eine starke Vereinfachung, denn der Begriff Osmose beschreibt lediglich einen physikalischen Prozess, und dieser setzt aus Sicht der Richter bei ungeschützten Polyesterlaminaten mit dem Wasserkontakt ein. Unter Seglern hat sich Osmose als Synonym für die dadurch entstehenden Schäden eingebürgert.
Polyesterharze, egal ob als Gelcoat oder Laminierharz angemischt, sind weder zu 100 Prozent wasserundurchlässig noch dauerhaft wasserbeständig. Besonders die in den Anfangszeiten des GFK-Bootsbaus eingesetzten Orthophthalharze gelten als anfällig. Doch auch Isophthalsäure-Verbindungen sind betroffen.
DAS PROBLEM NIMMT SEINEN LAUF
Latent ist das Risiko also immer vorhanden. Ob und in welchem Umfang ein Schaden auftritt, hängt davon ab, welche Harze und Verstärkungsfasern die Werft verwendet hat und wie sorgsam beim Verarbeiten der Materialien vorgegangen wurde. Je leichter Feuchtigkeit durch das Gelcoat, die Feinschicht, diffundieren kann und je mehr Lufteinschlüsse sich im Laminat befinden, desto schneller schreitet der Zerfall voran.
Einmal durch die Feinschicht gewandert, sammelt sich das Wasser in Poren und Hohlräumen. Dort löst es nicht reagierte Reste der Polyesterhärtung, und es bilden sich Säuren, die das Harz weiter zersetzen. Zusätzlich erzeugt die Säurebildung ein Konzentrationsgefälle zwischen der im Rumpf gefangenen Feuchtigkeit und dem umgebenden Wasser, wodurch der osmotische Prozess beginnt. Das Gelcoat fungiert dabei als trennende Membran. Es lässt Wasser hindurch, die Harz-Wasser-Lösung jedoch nicht. Um die unterschiedlichen Konzentrationen zwischen innen und außen auszugleichen, diffundiert mehr und mehr Wasser in den Rumpf. Der Druck im Hohlraum steigt und reißt das angelöste Laminat auch mechanisch auseinander – es entstehen sichtbare Blasen.
WIE DIE SCHÄDEN ENTSTEHEN
Material, Verarbeitung, Alter und Revier beeinflussen, in welchem Umfang sich OSMOSEBLASEN bilden. Die Diagnose des Schadens ist nicht immer eindeutig
WACHSTUM

Das Problem beginnt mit Lufteinschlüssen im Polyesterlaminat. Durch das mäßig wasserdichte Gelcoat dringt Feuchtigkeit ein und sammelt sich in den Hohlräumen. Dort lösen sich Teile des Polyesterharzes oder Bindemittel. Die erhöhte Konzentration in diesem Hohlraum lässt weiteres Wasser von außen einwandern. Die Blasen wachsen, werden außen sichtbar und können das Laminat sprengen
UNDEUTLICH

Der relative Feuchtigkeitsgehalt des Laminats lässt sich messen, die richtige Interpretation der Ergebnisse erfordert aber viel Erfahrung
MEHRDEUTIG

Solch großflächige Krater im Unterwasserschiff sind verdächtig, können aber auch durch Ablösungen im Antifoulinganstrich entstehen
EINDEUTIG

Das Antifouling ist entfernt, im Gelcoat sind Krater vorhanden. Die dunklen Ränder zeigen an, dass noch Feuchtigkeit austritt
DIE ZEICHEN RICHTIG DEUTEN
Frühestens in diesem Stadium ist der Schaden von außen zu erkennen. Bei älteren Yachten werden die Gelcoatblasen oft durch eine dicke Schicht Antifouling verdeckt, die ihrerseits uneben ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der Rumpf an Land wieder austrocknet – dabei schrumpfen die Blasen. Steht eine Yacht mehrere Wochen oder Monate an Land, so sind möglicherweise keine Anzeichen für einen Osmose-, besser: Hydrolyseschaden zu erkennen, der Zerfall im Inneren des Laminats kann aber weit fortgeschritten sein. Das Tückische: Der Prozess setzt sich beim nächsten Wasserkontakt fort.
Die Beurteilung eines Bootes in puncto Osmose sollte daher direkt nach dem Auskranen stattfinden. Frisch aus dem Nass gehoben, lassen sich Unebenheiten am Unterwasserschiff gut mit einer starken, flach an den Rumpf gehaltenen Taschenlampe ausfindig machen. Jede Erhebung wirft einen Schatten. Werden Pickel entdeckt, geht es an die Ursachenforschung, denn es muss sich nicht unbedingt um Osmose handeln. Es kann auch ein Problem im Antifoulinganstrich vorliegen.
Die rabiateste Methode, den Ursprung der Beulen zu klären, ist das Anstechen mit einem Stechbeitel. Dringt das Werkzeug deutlich in den Rumpf ein und tritt auch noch eine stinkende Flüssigkeit aus, handelt es sich um eine Osmoseblase. Deutlich schonender ist es, das Antifouling zunächst abzuschaben und das Gelcoat mit einem ebenen Schleifklotz anzuschleifen. Dabei werden zunächst die vorhandene Erhebungen abgetragen, sodass selbst kleine Blasen Sichtbar werden.
Die vielfach gerühmten Feuchtigkeitsmessgeräte eignen sich kaum zur Diagnose. Mit ihnen kann lediglich im Laminat vorhandenes Wasser aufgespürt werden. Selbst das gelingt nur relativ zu einem vermutlich trockenen Bereich, beispielsweise am Überwasserschiff. Da ein nasser Rumpf zu den Voraussetzungen für einen Osmoseschaden gehört, werden die Feuchtemesser von Gutachtern gern angewendet, sie liefern aber nur einen Anhaltspunkt und sind speziell für Laien kein Diagnosewerkzeug.
Wirklich hilfreich ist ein Messgerät erst bei der Sanierung. Mit einem kapazitiv arbeitenden Instrument lässt sich der Trocknungsprozess des freigelegten Laminats überwachen.
SO WIRD SANIERT
Ist die Diagnose eindeutig, geht es an die Reparatur. Für die beispielhafte Sanierung ein 7,15 Meter langes Kielboot vom Typ Dyas gewählt. Das Exemplar stammt aus der Mitte der Siebzigerjahre und ist im damals hochmodernen Deposchaumverfahren von der Fritzmeier-Werft gebaut worden. Wie viele der betagten Regattaboote war sie von Osmose befallen, zudem hatte der Schaumkern des Sandwichrumpfes etwa 80 Liter Wasser aufgenommen.
Die Reparatur wurde in den Werfträumen von Jens Leicher in Koblenz durchgeführt (www.shortys-shipshop.de). Der kleine Betrieb hat sich auf den Refit von Kielbooten spezialisiert und trocknet auch den Sandwichkern wieder aus. Durch das professionelle Umfeld mit Kran und verschiedenen Böcken ging die Sanierung zügig voran. Denn die Dyas konnte bequem auf die Seite gelegt werden, und es gab keine Probleme mit Pallstellen. Die Arbeiten selbst lassen sich aber auch in fast jedem Winterlager erledigen.
GELCOAT UND BESCHÄDIGTES LAMINAT ABTRAGEN

1 Der Gelplane arbeitet wie ein Elektrohobel, nur dass die Schneiden vorn liegen. Mit zwei seitlichen Platten kann die Schnitttiefe eingestellt werden

2 Der Hobel wird so angesetzt, dass die Hälfte der Schneidtrommel auf dem Gelcoat läuft. Hier ist der Abtrag zu gering. Es bleiben Gelcoatreste zurück

3 Rechtshänder arbeiten von links nach rechts. Der linke Anschlag wird auf Höhe der Schneiden fixiert, mit dem rechten die Schnitttiefe einstellen

4 Richtig justiert und mit etwas Übung geführt, trägt der Hobel das Gelcoat in einem Arbeitsgang ab. Hier wird der ganze Rumpf geschält. In der Regel …

5 … wird nur das Unterwasserschiff bearbeitet. Kräftiges Schleifen ist die Ausnahme. Gut justiert folgt der Hobel der Rumpfkontur …

6 … und hinterlässt kaum Kanten. Die entstehenden Ansätze werden mit 80er-Schleifpapier geglättet. Dann ist der Rumpf zum Trocknen bereit
Antifouling, Gelcoat und die erste Laminatschicht wurden mit dem Gelplane abgehobelt. Dieses etwa 4,5 Kilogramm schwere Gerät wurde speziell zur Osmosesanierung entwickelt und arbeitet sehr effizient. Mit etwas Übung lässt sich das Material gleichmäßig abtragen. Durch die integrierte Absaugung entsteht dabei wenig Staub. Da in einem Arbeitsgang mehrere Millimeter GFK abgeschält werden können, ist ein entsprechend potenter Industriesauger mit möglichst dickem Schlauch nötig. Zudem ist es unbedingt erforderlich einen Gehörschutz zu tragen.
Etwa 2700 Euro muss man für einen Gelplane investieren. Leihgeräte sind schon für 180 Euro pro Wochenende bei von der Linden erhältlich. Zu zweit und entsprechend vorbereitet schafft man in dieser Zeit die Arbeiten an einem 30-Fuß-Schiff. Man sollte dabei die eigene Ermüdung einkalkulieren, gerade das Arbeiten über Kopf kostet mit dem Gerät einige Kraft.
DAS WASSER MUSS RAUS!
Sind die befallenen Laminatschichten entfernt, ist Geduld gefragt, denn vor der weiteren Sanierung muss der Rumpf austrocknen. Der einfachste und günstigste Weg ist die Lufttrocknung. Dazu muss das Boot einige Monate an Land stehen und gut belüftet sein. Gegen Regen beziehungsweise Schnee abgedeckt funktioniert das natürliche Ablüften im Freilager teils besser als in einer windgeschützten Halle.
Selbst wenn viel Laminat abgehobelt wurde, können Säurereste im Rumpf zurückbleiben. Daher sollte das Unterwasserschiff in der Trocknungsphase mehrmals mit Frischwasser gespült werden. Das klingt zunächst kontraproduktiv, doch tatsächlich gibt das Laminat die Feuchtigkeit deutlich schneller ab, wenn Säurerückstände und Salze abgewaschen sind.
Wann der Trocknungsprozess beendet ist, lässt sich am besten mit einem Feuchtigkeitsmessgerät feststellen. Dazu markiert man in einem gleichmäßigen Raster über den Rumpf verteilt Messpunkte und protokolliert die Werte alle paar Wochen. Entsprechen die Messungen am Unterwasserschiff denen am Überwasserschiff, kann mit dem Neuaufbau begonnen werden.
Wer weniger Zeit hat, kann die Feuchtigkeit auch per Vakuum aus dem Rumpf saugen. Dazu ist allerdings eine sehr kostspielige Ausrüstung nötig. Der weitere Arbeitsablauf richtet sich danach, wie stark die Osmose fortgeschritten war und wie viel Material abgetragen wurde. Sind nur Gelcoat und die erste, dünne Laminatschicht entfernt worden, genügt es in der Regel, den Rumpf mit Epoxidspachtel zu glätten und anschließend mit einer Sperrschicht zu versiegeln. Wenn das Laminat wie bei der Dyas insgesamt sehr dünn ist oder tiefer gehobelt werden musste, ist Laminieren angesagt.
NACH DEM TROCKNEN: LAMINAT AUFBRINGEN

1 Das Trocknen des Rumpfes dauert zu lange für diese Produktion, weshalb auf eine andere Dyas gewechselt wird. 80er-Papier sorgt für tragfähigen Untergrund

2 Es soll eine Lage 390-Gramm-Glasgewebe auflaminiert werden. Dazu im Abstand der Rollenbreite die benötigten Bahnlängen ausmessen …

3 … und der Reihenfolge nach auf dem Schneidetisch notieren. Dann kann beim Zuschneiden der Bahnen nichts durcheinandergeraten

4 Der zu laminierende Bereich wird satt mit Harz grundiert. Es füllt kleine Poren, und das Glasgewebe lässt sich besser durchtränken

5 Wenn genügend Helfer vorhanden sind, kann Hand in Hand gearbeitet werden. Ist man zu zweit, schneidet man die Gewebebahnen besser vorher zurecht

6 Die Bahn von oben möglichst faltenfrei auflegen. Das frische Harz hält das Glas am Rumpf. Zum vollständigen Tränken ist zusätzliches Harz nötig …

7 Es wird von der Mitte aus eingearbeitet. Dabei Luftblasen aus dem Gewebe streichen, entweder mit einem Kunststoffspachtel oder …

8 … mit einer Veloursrolle. Mit ihr lässt sich das Harz gut ins Gewebe walken. Am Steven wird das Glas etwa zehn Zentimeter auf die andere Seite laminiert

9 Die nächste Bahn wird aufgerollt und so angelegt, dass der Stoß fünf Zentimeter überlappt. Dann von oben herunterrollen, glattstreichen und tränken

10 Wenn die Rumpfseite beschichtet ist und das Harz leicht angezogen hat, kann gespachtelt werden. Die Masse wird mit Microlight-Füllstoff angemischt

11 Der Spachtel füllt die Gewebestruktur und gleicht die Stöße grob aus. Nachdem er angezogen hat, wird eine weitere Schicht mit Harz aufgerollt, …

12 … die nötig ist, da hier mit Abreißgewebe gearbeitet wird. Es verhindert Probleme durch die beim Aushärten von Epoxidharz auftretende Aminröte

13 Das Abreißgewebe wird wie das Glas angelegt. Es muss ohne Falten und Lufteinschlüsse angedrückt werden. Dazu eignet sich ein Knäuel des Materials

14 Überschüssiges Abreißgewebe abschneiden und die Ränder gut andrücken. Anschließend lässt man die Rumpfseite über Nacht aushärten

15 Zum Laminieren der zweiten Seite das Abreißgewebe an der Mittschiffsnaht entfernen, damit das Glas etwa zehn Zentimeter überlappen kann
Um den Rumpf wieder auf die ursprüngliche Materialstärke und Festigkeit zu bringen, werden eine oder mehrere Lagen Glasgewebe aufgebracht. Für die Dyas genügte eine Schicht 390-Gramm-Köpergewebe, das in überlappenden Bahnen auflaminiert wurde. Damit die unvermeidbaren Unebenheiten an den Dopplungen ausgeglichen werden, wurde auf das frische Laminat eine dünne Schicht Spachtelmasse aufgetragen. Hierfür eignet sich eine mit Microlight-Füller angemischte Masse sehr gut. Sie kann fein ausgezogen werden und lässt sich sehr gut schleifen.
Auf den Spachtel folgt Abreißgewebe. Dieses Nylonmaterial verbindet sich nicht mit dem Harz und kann, wie der Name sagt, nach dem Aushärten des Laminats wieder abgezogen werden. Selbst wenn nur geschliffen werden soll: ein lohnender Schritt.
Es hinterlässt eine gleichmäßige Oberfläche, auf der ohne Vorbehandlung weitergearbeitet werden kann. Zudem erspartman sich das mühsame Entfernen eventuell vorhandener Aminröte, die das Schleifpapier schnell verkleben würde.
Wie viel Aufwand für das anschließende Straken des Unterwasserschiffs nötig ist, hängt vom persönlichen Anspruch ab. Da der Hobel das Material sehr gleichmäßig abgetragen hat, ist das neue Laminat schon recht gut. Für ein perfekt glattes Unterwasserschiff sind trotzdem mehrere Spachtelund Schleifgänge nötig.
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