Kitabı oku: «Eines Tages hol’ ich sie mir!»

Yazı tipi:

Heidemarie Pläschke

»EINES TAGES HOL’

ICH SIE MIR«

Ist Liebe vergänglich?

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2015

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Handlungen und Personen in diesem Roman sind erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen

Personen sind rein zufällig.

Allerdings hat das Geschriebene einen wahren Hintergrund.

Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Coverfoto © tinica10 - Fotolia.com

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

www.engelsdorfer-verlag.de

Dieses Buch widme ich meiner

viel zu früh verstorbenen Freundin

Ruth Schümann.

DANKSAGUNG/​VORWORT

Dankeschön sage ich allen Personen, die mir immer wieder mit Rat und Tat geholfen haben. Ohne sie wäre es mir nicht möglich gewesen, diesen Roman zu veröffentlichen.

Alle verwendeten Fotos sind meine eigenen, die lediglich die Aufgabe haben, einen Einblick in die sechziger Jahre zu geben, in der die Geschichte ihren Anfang nimmt. Bei allen hier angegebenen Liedern, die nicht ursprünglich meine eigenen sind, habe ich die Quelle bzw. den Urheber angegeben. In den Fällen, in denen noch ein Urheberrecht besteht, habe ich es mir vom Urheber eingeholt.

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Danksagung / Vorwort

Zwei unterschiedliche Elternhäuser

Zum ersten Mal verliebt zu sein ...

Stines drei Fünfen im 1. Zeugnis

Pilze-Essen

Die erste Klassenfahrt

Ausflug nach Kiel

Laras zwei neue Lieben

Klassenfahrt nach Altenau

Radtour der Mädels

Laras fünfzehnter Geburtstag

Stine gibt eine Party

Konfirmation

Trennung der Freundinnen, weil Stine wegzieht

Lara hat ihre Freundin eingeladen

Gegenbesuch von Lara bei Stine und Höhner in Gummigaloschen

Ach was, ist Lara etwa verliebt – wie kommen die Männer ins Kornfeld?

Viele »Puddinge« zu probieren, nimmt Lara ziemlich wörtlich

Stine tröstet sich mit Wolfgang

Amerika – eine Verlockung für Lara

Stines Hochzeit

Stine und ihr Mann besuchen Lara

Laras Ankunft in London

Überfahrt nach Amerika und Ankunft in New York

Lara feiert Weihnachten und Silvester in Deutschland

Palm Beach

Wieder in New Canaan

Stine ist nicht wirklich glücklich

Laras Sehnsüchte

Martha’s Vineyard

Herbst in New Canaan

Kreuzfahrt zu den Bermudas

Jahreswende in Deutschland

Zurück in Canaan

Sommer in Deutschland

Zurück in den USA

Hochzeit von Lara und George

In Washington

Weihnachten zu zweit

Lara ganz häuslich, aber dann …

Laras Leben mit George

Geht Laras Ehe baden?

Laras Flucht zu ihrer Mutter

Lara zieht aus

Hopplahopp – Laras Leben schlägt Purzelbäume

Die Geständnisse

Arme Stine

Franz besucht Lara in den USA

Entscheidung

Lara packt es an – Ehe auf Probe mit Franz

Lara ist zurück in den USA

Deutschland – eine neue Heimat für Marie und Brad

Ankommen in Deutschland

Regenwetter kann auch von Vorteil sein

Der neue Kindergarten und die neue Schule

Erste Freunde

Der Alltag beginnt

Der Umzug und das »neue« Zuhause

Daddy, Daddy, Daddy, …

Ausflug mit Daniel

Oh, wie ist es am Rhein so schön …

Die Abreise in die USA

Lara und Franz heiraten

Marie und Brad werden getauft

Lara will wieder zurück nach Schleswig-Holstein

Hurra, ein eigenes Haus

Traumhaus und dann …

»EINES TAGES HOL’ ICH SIE MIR«
IST LIEBE VERGÄNGLICH?

»Lass uns spazieren gehen«, sagt die hübsche Lara an einem lauen Frühlingstag zu ihrer Freundin Stine, mit der sie seit ihrem 12. Lebensjahr befreundet ist.

Lara ist zum ersten Mal verliebt, und hat Stine viel zu erzählen …

Doch nun alles der Reihe nach:

ZWEI UNTERSCHIEDLICHE ELTERNHÄUSER

Stine wächst mit ihrem Bruder in Warnsdorf am Hemmelsdorfer See auf in eher bescheidenen Verhältnissen.

Ihr Vater arbeitete sich vom einfachen Landarbeiter zum angelernten Maurer hoch und ist stets bemüht, seinen Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Er kam während des 2. Weltkrieges aus Ostpreußen über die Ostsee nach Dänemark. Seinen Eltern und 13 Geschwister gelang die Flucht auf anderen Wegen in den Westen. Erst mit den Jahren fanden einige Familienmitglieder wieder zusammen, andere blieben verschollen.

Seine Eltern trennte die Flucht ebenfalls. Sie landeten bei verschiedenen Kindern in unterschiedlichen Orten und nutzen diesen Zufall, sich aus dem Weg zu gehen, denn so gut war ihre Ehe nicht.

Stines Mutter ist Hausfrau und erwarb sich, wie zu damaliger Zeit viele Mädchen, ihre Fähigkeiten bei »in Stellung gehen«. Nein, bitte nicht wörtlich nehmen. »In Stellung gehen«, so hieß es früher, wenn ein Mädchen zu anderen Leuten, die meist besser gestellt waren, zur Ausbildung in den Haushalt ging. Meistens wohnte es in der herrschaftlichen Familie und erlernte dort alles was es selber einmal brauchen könnte, wenn es später eine eigene Familie gründen würde. Das war zunächst einmal die Fähigkeit, den Tag zu strukturieren, der damit begann, dass sie der Hausdame behilflich war, deren Kinder zu wecken und für den Tag zu richten. Dann kam das Frühstück auf den Tisch, das nach dem Essen wieder alles weggeräumt werden musste und natürlich abgewaschen, denn Geschirrspüler kannte zu der Zeit noch niemand. Es wurde aufgeräumt, geputzt und das Mittagessen vorbereitet. Das alles genau und einzeln betrachtet war viel Arbeit.

Das Einkaufen erledigte die Hausherrin meistens selber. Gemüse wurde stets frisch gekauft, von Hand geputzt, zerkleinert und verarbeitet. Essen hatte noch vor einem halben Jahrhundert einen sehr hohen Stellenwert. Heute wäre es sicherlich auch gesünder. Na ja, so langsam werden sich die Menschen ihres Frevels mit der Gesundheit bewusst und denken um. Das Mittagessen musste fertig sein, wenn die Kinder aus der Schule kamen. Oft gab es auch erst warmes Essen, wenn der Mann von der Arbeit zurückkehrte; also gegen Abend.

Am Nachmittag wurde sich um die Kinder gekümmert; d. h. die Mittagsruhe einhalten, die Hausaufgaben überwachen und je nach Wetter gemeinsam etwas unternehmen drinnen oder draußen. Abends gab es oft Milchsuppe, dazu Bratkartoffeln oder Brot mit dem was aus eigener Schlachtung zur Verfügung stand.

Lara hingegen kommt aus einer bessergestellten Familie, die ein recht großes altbäuerliches Anwesen mit einem ertragreichen Handel besitzt.

Eine Hausangestellte gibt es dort allerdings auch nicht, aber zwei ältere Männer, die die Hausherrin durch eine Erbschaft übernehmen musste. Das hat den Vorteil, dass sie den Garten machen.

Die Garderobe wird selten fertig gekauft; eine hauseigene Schneiderin kommt wochenweise ins Haus und näht für alle.

Im Sommer leistet sich die Familie einen Strandkorb in Travemünde, verbringt aber auch oft den Urlaub auf Sylt.

Natürlich haben beide Elternteile ein Auto im Gegensatz zu Stines Eltern, die immer per Fahrrad unterwegs sind. Später fährt ihr Vater einen roten Motor-Roller der Marke Bella mit einer weißen Blume auf dem rechten Beinschutz-Schild. Laras Vater besitzt sogar einen Mercedes und ist Eigentümer eines nicht gerade kleinen Segelbootes.

In dem Elternhaus von Lara gibt es ein Gäste-Klo … und nicht so ein Plumps-Klo draußen wie bei Stine, … wau … und ganz viele kleine Handtücher, was Stine entzückte und sich jedes mal ein neues gönnte … wollte es richtig machen. Da war der kleine Korb mit gebrauchten Handtüchern schnell voll und der Vorrat mit frischen erschöpft. Laras Mutter musste erklärend eingreifen, so vornehm war es nun doch wieder nicht; und diese kleinen Tücher durften schon mehrmals benutzt werden.

Für Laras Zimmer steht eine Renovierung und Erneuerung an. Es bekommt einen für heranwachsende Teenager angemessenen Touch mit richtiger Frisierkommode, mit Schreibtisch und … ja, da wird sichtbar, wie eng die beiden Mädels befreundet sind … ein Klappbett extra für Stine, wenn sie über Nacht bleibt. Dann plaudern die Freundinnen vor dem Einschlafen oft stundenlang. Natürlich geht es dabei auch um Jungens. Soviel haben die beiden Freundinnen sich schon anvertraut.

ZUM ERSTEN MAL VERLIEBT ZU SEIN …
DAS IST SOOO SCHÖÖÖN

Auf diesem Spaziergang heute gesteht Lara ihrer Freundin, dass sie in einen Mann verliebt ist, den sie bislang nur von einem Foto kennt. Er ist etwas älter als Lara und ahnt nichts von ihren Gefühlen. Sein Name ist Max.

Bei einer Freundin ihrer Mutter entdeckte Lara ein Foto von ihm. Sie sah diesen zuckersüßen Mann, sein Lächeln und rums war es um Lara geschehen. Natürlich fiel es der Tante von Max auf, dass Lara ganz hin und weg war vom Antlitz ihres Neffen. Irgendwie hat sie es geschafft, dieses Foto der Tante von Max abzugaunern. Vielleicht hat sie es sich auch nur ausgeliehen. Ja, so war es wohl, um sich ein Bild von diesem Bild machen zu lassen. Diesem Mann müssen die Ohren klingeln, so wie Lara von ihm schwärmt. Noch hat sie ihn kein einziges Mal persönlich gesehen, aber Stine hat den Eindruck, als sei Lara schon lange mit ihm zusammen.

»Wenn wir nachher in meinem Zimmer sind«, sagt Lara, »werde ich dir das Foto zeigen.« Lara scheint es gar nicht abwarten zu können und beschleunigt ihren Schritt.

Zuhause angekommen, bringt sie schnell die beiden Dackel in die Küche zu ihrer Mutter.

Dann geht Lara mit Stine nach oben in ihr Zimmer und holt das postkartengroße Foto von Max aus seinem Versteck. Vor Verliebtheit strahlend reicht sie dann ihrer Freundin dieses Foto von Max, das sie vorher mit zärtlichen Küssen bedeckt hat.

Stine sagt: »Ja, Lara, der sieht wirklich sehr nett aus. Hoffentlich hat er keine Freundin.«

»Und wenn schon«, antwortet Lara, »dann werde ich ihn abwerben. Kann doch nicht so schwer sein.«

»Das glaube ich dir gerne, Lara«, lässt Stine verlauten.

»Nun musst du ihn aber erst einmal zu Gesicht bekommen.«

»Mal sehen, wenn ich Glück habe, lädt ihn seine Tante zum Kaffee ein und mich auch.«

»Na, da bin ich aber gespannt, was dabei herauskommt. Auf jeden Fall wünsche ich dir ganz viel Glück.«

Dann nimmt Lara das Foto ihres Angebeteten wieder an sich und versteckt es wie einen Schatz in ihrem Zimmer. Was aus dieser Schwärmerei geworden ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben oder …?

STINES DREI FÜNFEN IM 1. ZEUGNIS

In der Schule ist es nicht wirklich ein Zuckerlecken.

Mit etwas Nachhilfestunden kommt Lara jedoch über die Runden der Jahre.

Stine ist gut in Mathe; deshalb will ihr Vater, dass sie auf die Mittelschule Travemünde kommt; jedoch erst nach der 5. und nicht schon nach der 4. Klasse. Der Grund ist, dass sie sich aus Unkenntnis zu spät angemeldet hat. So absolviert sie noch die 5. Klasse in der kleinen Dorfschule in Häven. Dort gibt es zwar zwei Klassenräume für neun Schuljahre, aber nur einen Lehrer, was nicht ungewöhnlich ist. Auch ist es üblich, dass Schüler ab der 5. Klasse in die erste und zweite Klasse geschickt werden, um die jüngeren Mitschüler nach Anweisung des einzigen Lehrers und Schulleiters zu unterrichten.

Nun trifft es auch Stine, weil Lehrer Müller meint, dass in Travemünde etwas ganz Anderes in Physik gemacht werden würde. Deshalb könnte Stine in diesen Stunden »rüber«, d. h., in den kleineren Klassenraum zu den Schülern der 1. und 2. Klasse. Stine fühlt sich geehrt und hat mächtig viel Freude am Unterrichten. Schon nach der ersten Stunde steht für sie fest, dass sie einmal Lehrerin werden möchte.

Das verkündet sie auch unverzüglich zu Hause, was ihrem Vater sehr gefällt Seine Devise ist, dass ein Mensch alles verlieren könnte, aber das, was er in seinem Kopf hätte, das könnte ihm niemand wegnehmen oder verloren gehen. Nur Stines Mutter fühlt sich bereits bei dem Gedanken überfordert, da sie ihr doch nicht helfen könnte.

Stines Oma meint: »Wat sall de Deern mit de höheren School, wenn se doch mal freit und Supp koggen mütt (Was soll das Mädchen mit der höheren Schule, wenn sie doch mal heiratet und Suppe kochen muss).«

Na ja, nun ist erst einmal die Mittelschule geplant nach der 5. Klasse.

Aber Stine nutzt schon am nächsten Tag die große Pause, um mit Lehrer Müller zu sprechen, wie sie ihren Plan, Lehrerin zu werden, verwirklichen könnte.

Nach der Mittleren Reife könnte sie noch drei Jahre das Wirtschaftsgymnasium besuchen und das Abitur ablegen, was erforderlich wäre, um studieren zu dürfen. Danach müsste sie einen Studienplatz an der PH (Pädagogischen Hochschule) bekommen, um weitere drei Jahre auf Lehramt zu studieren.

Na, das wäre schon mal geklärt; und Stine freut sich immer wieder auf die Stunde, wenn sie »rüber« darf, immerhin einmal in der Woche.

Inzwischen ist sie Schülerin der 5. Klasse in der Mittelschule Travemünde und erwartet das erste Halbjahreszeugnis. Mann oh Mann, das sieht nicht so rosig aus. Einige Mitschüler hatten schon in der Grundschule etwas Englisch und waren schnell vorne an, aber Stine eben nicht und bekommt eine Fünf in Englisch, was ja nur heißt, dass es mangelhaft ist.

Das ist leider noch nicht alles. Eine Fünf gibt es auch in Sport trotz der schlanken sportlichen Figur und dass sie jeden Tag ca. 5 km mit dem Fahrrad zur Schule hin und wieder zurück radelt. Ihre Sportlehrerin meint, dass Stine »steif« wäre, was auch immer das heißen mag.

Oh weia, da hagelt es auch noch eine weitere Fünf in Musik, obwohl Stine gerne singt, aber eben nicht immer die richtigen Töne trifft. So was Blödes aber auch. Bei dem Anblick dieses Zeugnisses, scheint ihr ehrgeiziger Plan Lehrerin zu werden, sehr gefährdet. Nachhilfestunden kann Stines Vater nicht bezahlen. So bittet Stine um eine Beratung mit ihren Lehrern und erklärt ihr Ziel. Sie stößt auf offene Ohren und bekommt Hilfsangebote.

In Musik die Fünf wegzubekommen, sei unproblematisch. Stine könnte doch im Chor singen und somit jeden Dienstag eine Stunde früher in die Schule kommen. Dadurch würde sie automatisch eine Drei in Musik bekommen, denn das Theoretische hat sie immer brav gelernt.

Sport sei auch nicht die Katastrophe, wenn sie schwimmen lernen würde. Wer seinen »Freischwimmer« hat, das heißt, dass er sich 15 Minuten über Wasser halten kann, bekäme für immer eine Vier in Sport.

Nun sollt Stine in den Sommerferien, egal bei welchem Wetter, jeden Tag in die Badeanstalt Mövenstein nach Travemünde radeln und am Schwimm-Unterricht teilnehmen.

An so manchem Morgen kommt Stine schon schlotternd in der Badeanstalt an. Dann rein in den Badeanzug und raus, Gymnastik machen zum Warmwerden. Danach müssen alle ins Wasser, das mit 13 Grad nicht gerade kuschelig ist. Immer schön üben mit den Armen weit auseinander, dann unter die Brust und wieder nach vorne. Na ja, so schwer ist das eigentlich gar nicht; aber auch die Beine müssen bewegt werden. Sollte aussehen wie bei einem Frosch; ist schon etwas schwieriger … Beine anziehen bis zum Po, dann weit auseinander stoßen und wieder zusammenführen am Po. So, diese Trockengymnastik muss täglich geübt werden; danach geht es dann ins kalte Nass. Und das ist wirklich kalt mit nur 13 Grad Celsius. Arme und Beine sollen synchron bewegt werden. Nur so wäre richtiges Schwimmen möglich. Stine ist unermüdlich, fährt bei jedem Wetter in die Badeanstalt und übt bis es wie geschmiert klappt. Diese Übungen saßen so fest, dass sie noch 20 Jahre später ihren Kindern in dieser Weise das Schwimmen lehrte. Irgendwie klappt es aber nicht mit der Abnahme der Schwimm-Prüfung, die nach den Sommerferien vorgelegt werden muss. Stine absolviert die Freischwimmer-Prüfung im Hallenbad in Lübeck, was allerdings ihren Schwimmlehrer etwas ärgert, war er es doch, der sich abgemüht hat, es ihr beizubringen.

Später macht sie auch den Fahrtenschwimmer, was beinhaltet, dass sie sich 30 Minuten über Wasser halten kann und einen Sprung vom Drei-Meter-Turm schafft.

Lara und Stine fahren manchmal auch gemeinsam zum Schwimmen nach Lübeck ins Hallenbad. Hinterher gönnen sich die Jugendlichen in der Bar des Schwimmbades einen Milch-Shake. Mann oh Mann, das war aber etwas und lässt die Mädels größer werden. Ja, auf diese Weise hat es sich mit den Fünfen in Musik und Sport erledigt.

Nun ist da nur noch die Fünf in Englisch, wobei es keine Nachhilfestunden gibt. Also versucht Stine, selber Abhilfe zu schaffen, indem sie täglich lernt und übt. Obwohl ihre Mutter kein Englisch versteht, muss sie Stine abhören, wenn es los geht: Peter spills the milk … and so on … (Peter verschüttet die Milch usw.). Während Stines Eltern und Bruder im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzen, paukt Stine in der Küche Vokabeln und übt das Lesen. Ihre viele Mühe trägt Früchte. Stine bekommt das Versetzungszeugnis in die 6. Klasse mit einem gigantischen Notensprung in Englisch von Fünf auf Drei; auf Zwei war leider nicht zulässig. Ja, da steigen Stine die Tränen in die Augen; und die ganze Klasse freut sich mit ihr.

Wenige Tage später folgt noch eine weitere Überraschung. Der Klassenlehrer sagt zu Stine, dass sie sich beim Rektor eine Zigarre abholen soll. Stine kann mit diesen Worten nichts anfangen. Sie eilt die Treppen nach unten ins Erdgeschoss und klopft an die Tür zum Rektor, der sie herein bittet. Dann dankt er Stine für ihr vorbildliches Verhalten (auch immer trotz Schnee zur Schule usw.) und ihre guten Leistungen, indem er ihr ein Buch überreicht mit dem Titel »Shakespeare und seine Zeit«. Darin befindet sich auch noch ein kleiner Zettel mit dieser Anmerkung. Stine, den Tränen nahe und platt, bedankt sich herzlich. Auch Lara hat Erfolg durch die Nachhilfestunden und wird versetzt. Beide Mädels verbringen nach wie vor viel Zeit miteinander. Aber nicht nur was Spaß macht, sondern es wird auch gemeinsam für bevorstehende Arbeiten gelernt. So spornen sie sich gegenseitig an.

Im Sommer treffen sie sich oft am Freistrand, weil es dort keine Kurtaxe kostet und lieben es, sich von der Sonne bräunen zu lassen. Die Sportlehrerin hat es ihren sogar geraten, die Sonne an ihre Körper zu lassen, denn nur so könnte Vitamin D umgewandelt werden, was wichtig für die Knochen sei.

Stine hat dabei auch die frühere Krankheit ihrer Mutter vor Augen, die Rachitis (Knochenweiche) als Kind hatte und dadurch krumme Beine bekommen. Natürlich wird am Strand reichlich Ausschau nach den Jungs gehalten und gelächelt was das Zeug hält. Beide Mädels haben schlanke Top-Figuren und lange dunkelblonde Haare. So liegen sie auf ihren Handtüchern, lassen ihre Rücken bräunen und beäugen vorbeigehende Sommerfrischler.

Hin und wieder kommt es zu unverfänglichen Bekanntschaften und leichten Flirts:


So liegen sie am Strand, lassen sich bräunen und flirten gelegentlich.

PILZE-ESSEN

Lara kocht leidenschaftlich gerne.

Als eines Tages ihre Mutter länger abwesend ist, will sie mit Stine Champignons suchen und braten.

Lara sagt zu Stine: »Auf dem Grünstreifen an der Bundesstraße wachsen Champignons. Ich weiß genau, dass diese echt sind und wie daraus eine leckere Mahlzeit zubereitet wird.«

Gut, gesagt, getan. Reichlich dieser weißen Knollen werden in einen Korb gesammelt. Zuhause angekommen, stellt Lara die große Pfanne auf den Herd, gibt reichlich Butter hinein und dann die abgespülten geschnittenen Pilze. Diese zunächst einmal riesige Menge verringert sich während des Bratens heftig. Stine schaut etwas beängstigt, dass womöglich doch nicht alle Pilze zum Verzehr geeignet sein könnten. Deswegen sucht Lara sicherheitshalber die Telefonnummer des Rettungswagens raus und opfert sich, zuerst davon zu essen. Sollte es ihr nicht gut gehen, dann könnte Stine gleich Hilfe rufen. Da Lara die Pilze offensichtlich unbeschadet übersteht, kostet nun auch Stine mit bangem Gefühl in der Magengegend.

Zum Glück geht alles gut; doch richtig genießen konnte nur Lara diese Köstlichkeit.

DIE ERSTE KLASSENFAHRT

Noch in der 5. Klasse steht eine Klassenfahrt auf dem Lehrplan. Es geht für fünf Tage nach Plön an den schönen Plöner See, der zur 5-Seen-Platte in der Holsteinischen Schweiz gehört. Die Jugendherberge liegt direkt am See, was wirklich traumhaft ist. Jeden Tag wird gewandert; und Stine läuft sich schnell die ersten Blasen. Es gibt aber keine Gnade, Pflaster drauf, und weiter geht es am folgenden Tag. Schön ist es, an den Seen entlangzugehen und die vielen Segel- und Ausflugsboote zu bestaunen. Besonders genießen alle Schüler die 12 Kilometer lange »5-Seen-Fahrt« mit der weißen Flotte durch die schöne Holsteinische Schweiz über Dieksee, Langensee, Behlersee, Höftsee und Edebergsee. Diese Minikreuzfahrt führt entlang an stillen Buchten, Landzungen, Brutstätten für Seevögel und herrlichen Buchenwäldern.

Während der Fahrt können sich auch die vielen Blasen ein wenig erholen.

Ach, gibt es da viel zu sehen, sogar kleinere Inseln, wo nur Vögel und Enten wohnen. Einfach herrlich, auf dem Wasser zu sein und von einem See in den anderen zu gleiten. Mit ihren Augen möglichst viel zu erfassen, nimmt die Schüler gefangen.

Auf dem Weg nach Bosau entdecken sie diesen Turm, den Stine für einen Leuchtturm hält und fotografiert:


Uralter »Leuchtturm« auf dem Wege nach Bosau

Abends werden die Schuhe geputzt unten am See; zumindest die Mädchen halten es so. Die männlichen Mitschüler staunen und meinen, dass sie keine Schuhe zu putzen hätten, weil gar kein Putzzeug im Gepäck sei. Na, da sind die Mädels aber schnell dabei und helfen gerne aus. Einige Jungens putzen dann wirklich auch ihre Schuhe und andere suchen schnell das Weite. Dabei geht es lustig zu. Es werden Späße gemacht und gelacht. Natürlich wird sich gegenseitig fotografiert, was lustig ist.

Nach dem Abendessen in der Jugendherberge werden Spiele gespielt, Karten gekloppt, gequasselt und Pläne für den nächsten Tag gemacht.

Die acht Mädels teilen sich ein Zimmer mit vier Etagenbetten. Zum Glück darf Stine unten schlafen.

Die zehn Jungens haben zwei Zimmer. Lange werden Witze erzählt und Reime gemacht bis endlich Ruhe einkehrt … das dauert. Ärger gibt es aber keinen.

Eines Morgens meint Stine, ihre langen Haare mit hundert Bürstenstrichen kopfüber bürsten zu müssen, wie sie es einmal gelesen hatte. Kopfüber lässt sie die ganze Pracht ihrer langen Haare ins Treppenhaus fallen.

Darüber wundert sich ein Klassenkamerad und fragt: »Was machst du da?«

»Ich spiele Rapunzel«, entgegnet Stine.

Sie erntet nur Kopfschütteln.

Dann bürstet sie, was das Zeug hält, weiter und zählt bis 100 Bürstenstriche voll sind.

Oh, jetzt aber dalli, dalli, neue Pflaster auf die aufgestochenen Blasen und runter, denn eine weitere Wanderung nach Malente steht auf dem Plan, aber erst noch zum Plöner Schloss.

Ja, zu sehen gibt es auf so einer Klassenfahrt recht viel. Für den Klassenverband und das Sozialverhalten sind diese gemeinsamen Tage mit Sicherheit auch sehr nützlich. Schließlich werden ja alle 18 Schüler, ja, das war noch eine Traum-Klassengröße, möglichst bis zum Ende der 10. Klasse bei einander bleiben.

Mit wehen Füssen, bester Laune und viel Erinnerungen im Gepäck geht es nach fünf Tagen wieder zurück nach Travemünde. Schnell holt der Schulalltag die Schüler wieder ein und verlangt nach Leistung.

AUSFLUG NACH KIEL

Stine ist bei Lara zu Besuch.

Eines Tages macht Laras Vater den Teenagern ein Angebot. Wenn die Mädels sein Auto putzen würden, könnte er sie mit nach Kiel nehmen. Er hätte dort etwas zu erledigen.

In der Zwischenzeit könnten sich beide ein wenig die Stadt anschauen. An einem warmen Sommertag eine Fahrt nach Kiel; das sei schon was. So schnell kämen sie dort nicht wieder hin. Für die Rückfahrt stellt Laras Vater noch in Aussicht, seinen Schwager bei Stockelsdorf zu besuchen. Der hätte dort einen großen Bauernhof und würde sich bestimmt freuen, die Mädels mächtig zu bewirten. Ja, diese Aussichten gefallen den Teenagern. Also, ran an die Arbeit.

Eimerweise wird warmes Wasser mit Spülmittel aus der Küche in den Hof geschleppt. Dann die Schwämme rein und runter mit dem Staub und Schmutz auf dem schwarzen Mercedes. Nun noch einmal das Ganze mit klarem Wasser und mit Lederlappen hinterher gewienert. Oh, là, là, da strahlt die Karosse, dass die Mädels sich drin spiegeln können. Der Chef ist sehr zufrieden und bittet sie, einzusteigen.

Da Stine zu ihrem 12. Geburtstag von ihren Eltern einen Fotoapparat bekommen hat, trägt sie ihn möglichst immer bei sich; … man kann nie wissen, ob nicht ein Motiv auftaucht oder ein Moment um die Ecke kommt zum Festhalten. Ach, ist das schön, mit so einem frisch geputzten großen Auto durch Schleswig-Holstein zu fahren. Kiel ist ja nicht gleich um die Ecke.

Eine hübsche Strecke durch die Seenlandschaft der Holsteinische Schweiz und den vielen Äckern mit lauter Knicks. Das sind lange Erdanhäufungen zwischen den einzelnen Ackerflächen und mit Büschen bepflanzt, damit das Land dazwischen nicht so leicht durch den Wind austrocknet, denn in diesem nördlichsten Bundesland gibt es wenig Waldflächen.

Nach ca. zwei Stunden Fahrt kommt die Landeshauptstadt in Sicht. In der Nähe des Marktplatzes lässt Laras Vater die Mädchen aussteigen. Nach zwei Stunden würde er sie dort wieder abholen. Schön ist der große Platz mit Bäumen drauf, unter denen jeweils Bänke zum Verweilen stehen. Die beiden Mädels verspüren Lust auf Torte und suchen nach einer Bäckerei. Auf der anderen Straßenseite springt ihnen die Reklame einer solchen in die Augen. Sie spazieren geradewegs drauf zu. Lara drückt gegen eine große metallene Brezel, und die Tür öffnet sich. Nein, Sitzplätze können sie hier nicht entdecken. Egal, nichtsdestotrotz entscheiden sie sich für zwei Stücke Nusstorte mit Marzipan und zwei Sahneschnitten mit Früchten. So ziehen die Mädels mit ihrem Tortenpaket in den Park und machen es sich auf einer Bank unter einem Baum bequem. Na ja, und nun? Ohne Bestecke müssen sich die beiden jungen Damen ganz undamenhaft die Torten mit den Händen in den Mund stopfen.

Dabei fotografieren sie sich gegenseitig und haben mächtig viel Spaß:


Lara hat das Tortenstück in der Hand beißt genussvoll hinein.


Stine hat schon den Mund voller Torte und greift gerade mit ihren Fingern in das Tortenstück.

Danach machen sie einen kleinen Spaziergang durch Kiel.

Schnell vergeht die Zeit und schwups steht Laras Vater wieder mit seinem Mercedes an verabredeter Stelle. Er will wissen, was seine Mädels denn unternommen hätten und hört erstaunt, dass sie Torten gegessen hätten. »Wie, Torten? Ihr hattet doch gar keine Löffel oder Kuchengabeln.«

»Stimmt, Pappi«, entgegnet Lara, »wir haben sie mit den Fingern gegessen und davon Fotos gemacht.«

Lara Vaters schüttelt voller Erstaunen seinen Kopf und meint: »Früher haben die Menschen nur mit den Händen gegessen. So, dann wollen wir mal. Da wir eine recht weite Fahrt vor uns haben, werden wir einen Zwischenstopp machen. Da könnt Ihr dann bei Laras Onkel wieder Euren riesigen Appetit bändigen, der hat nämlich einen Bauernhof.«

Da Herrn Stockborn ständig der Besuch bei seinem Vater durch den Kopf geht, muss er loswerden, dass dieser ihn immer noch wie einen kleinen Jungen behandelt, obwohl er schon so alt ist.

Bei den Verwandten angekommen, geht es dann gleich los mit dem Abendessen, denn, dass die Damen hungrig sind, wird noch in der Tür lautstark verkündet. Es kommt reichlich auf den Tisch und jeder langt tüchtig zu, während alle Neuigkeiten ausgetauscht werden. Gut gesättigt treten die Drei die Heimfahrt Richtung Travemünde an und lassen diesen Tag immer wieder Revue passieren. Nach einem so ereignisreichen Tag fällt das nötige Bettgeflüster mal etwas kürzer aus.

LARAS ZWEI NEUE LIEBEN

Mal wieder machen die Mädels gemeinsam einen langen Spaziergang. Sie nehmen den kleinen Dackel mit und schlendern zum hübschen im Schilf gelegenen See auf dem Anwesen von Laras Familie.

Lara hat das dringende Bedürfnis, ihrer Freundin Stine zwei neue Lieben zu gestehen. Uff!

Da gibt es einmal den Sohn eines Angestellten, der in einem winzigen Häuschen in der Nähe wohnt. Oh, oh, das knistert … nur Lara meint, dass dieser junge Mann ihrem Vater wohl nicht passend erscheinen würde. Vielleicht ja doch, denn er will studieren. »Was denn«, fragt Stine neugierig. »Tiermedizin«; er will Tierarzt werden.

Na ja, dadurch könnte das Ganze eine andere Dimension erreichen, sind sich die Freundinnen einig.

»Hattest du nicht etwas von zwei Lieben gesagt?«

»Ja, schon, aber weißt du, das wird auch nicht wirklich einfacher«, sagt Lara.

»Wieso?«

»Dieser junge Mann ist leider schon etwas älter.«

»Älter, okay. Wie alt denn?«

»Halt dich fest. Er ist bereits 26 Jahre alt; das ist immerhin ungefähr doppelt soviel als wir.«

»Aber, weißt du, Stine«, schwärmt Lara, »er ist die rechte Hand meines Vaters und hat im Geschäft den totalen Überblick. Nur, das wird meinem Vater nicht genügen, denn er ist unvermögend.«

»Ups«, rutscht es Stine heraus. »Ist das denn so wichtig?«

»Für meinen Vater schon. Er legt eben Wert darauf, dass ich einen gut situierten Mann bekomme, der etwas darstellt und nicht von meinem Vermögen leben muss.«

»Na ja«, meint Stine, das würde er ja auch nicht. Er arbeitet und verdient eigenes Geld.«

»Ja, schon«, entgegnet Lara, »aber er hat eben nichts an den Hacken wie es in unseren Kreisen so heißt.«

»Und nun? Wen magst du denn mehr?«

»Schwierig, aber genau betrachtet doch den Franz, aber eben zu alt und unvermögend. Die Zeit wird es zeigen.«

Jens, der noch Tiermedizin studieren will, wird durch seinen alleinerziehenden Vater sehr streng erzogen. Er hat nur wenige Möglichkeiten, sich heimlich mit Lara zu treffen. Trotzdem ist es möglich, dass Lara durch Jens ihre Unschuld verliert, wodurch ihre Beziehung eine andere Dimension annimmt.

Lara verstrickt sich im Chaos ihrer Gefühle. Mehr oder weniger sind es alles Schwärmereien, denn sie selber muss noch die Schule beenden und eine Ausbildung machen. Somit entwickelt sich zunächst einmal weder mit Jens noch mit Franz eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Jens nimmt sein Studium auf und zieht nach Kiel, wodurch beide sich zunehmend aus den Augen verlieren.

Franz spürt Gefühle tiefer Zuneigung zu Lara, bedrängt sie aber nicht. Er respektiert ihre Jugend und dass sie die Tochter seines Chefs ist. Sie können sich nur ganz heimlich treffen. So ist es auch an diesem Tag.

Lara macht abends einen Spaziergang und kommt »ganz zufällig« dort vorbei, wo Franz wohnt. Ihr Herz bubbert mächtig und überschlägt sich fast bei jedem Schritt, mit dem sie sich seiner Wohnung nähert. Da Franz kein Telefon hat, kann sie ihn nicht anrufen.

»Ob er überhaupt zu Hause ist?«, geht es Lara durch den Kopf.

Oh, sie sieht, dass Franz ein Fenster geöffnet hat.

»Dann wird er auch da sein«, denkt sie hoffnungsvoll.

Jetzt hört Lara, dass Franz Musik an hat.

»Was ist das denn für ein Lied?«, überlegt Lara und versucht, es zu verstehen während sie sich dem Fenster weiter nähert. Melancholische Töne dringen zu ihren Ohren.

Lara denkt: »Ist das nicht dieses Lied von Francoise Hardy?«

»Ja, das ist es – Frag den Abendwind – was für ein wunderschönes Chanson. Das höre ich auch immer, wenn mich die Gedanken der Traurigkeit überkommen. Manchmal frage ich sogar den Abendwind und warte auf eine Antwort. Dann meine ich, genau das zu hören, was ich fühle. Das tut richtig gut«, denkt Lara und singt ganz leise mit.

Jetzt hat sie das offene Fenster erreicht und schaut hinein. Da sieht sie ihren Franz etwas traurig auf dem Sofa sitzen mit geschlossenen Augen. Lara beugt sich durch das Fenster und singt mit. Franz macht seine Augen auf, die zu strahlen beginnen, und ruft erfreut:

»Larachen, ist das schön, dass du kommst und mich auch noch mit deinem Gesang erfreust. Ich lass dich eben rein.«

Kaum hat Franz die Tür geöffnet, fällt Lara ihm um den Hals; und ihre Lippen berühren sich sanft, dann immer liebevoller. Heute traut sich Franz sogar, Lara einen Zungenkuss zu geben. Beide spüren ihre Sehnsucht und können nicht mehr voneinander lassen.

Sie liebkosen und streicheln sich, wobei das Verlangen immer größer wird. Vorsichtig fasst Franz unter Laras Bluse und fühlt ihre seidige Haut. Dann öffnet er den Verschluss des Büstenhalters. Nun spürt er ihre Brüste an seinem Körper. Mit einer Hand nimmt er behutsam eine Brust und streichelt sie, wobei er bemerkt, dass Laras Brustwarzen vor Erregung hart werden. Franz küsst und saugt daran, während auch Laras Sehnsucht immer stärker wird.

Sie traut sich, vorsichtig, etwas zögernd, mit ihrer Hand Franz an seiner Hose entlang zu berühren. Dann fühlt sie etwas Hartes und versucht von oben in seine Hose zu gelangen. Alles ist so herrlich erregend, dass sie nicht mehr an sich halten können und die Klamotten Stück für Stück auf den Boden fallen bis beide, immer noch im Flur stehend, nackt sind.

Franz schnappt nun seine Lara und lässt sie in seinem Bett nieder. Hingebungsvoll lieben sie sich, bis Lara plötzlich sagt: »Oweia, schon so spät. Ich sollte längst zu Hause sein. Meine Eltern werden sich sorgen, denn es ist schon dunkel.«

Franz: »Schade, aber so ist es nun mal. Du, ich ziehe mich auch eben an und werde dich bis kurz vor eurem Haus begleiten, damit dich der böse ›Wolf‹ nicht frisst.«

Fest umschlungen machen sie sich auf den Weg und küssen sich immer wieder bis sie sich verabschieden müssen.

Glückselig geht Lara nach Hause und Franz tritt den Rückweg an während seine Gedanken und Gefühle noch bei Lara sind.

Leider kommt es nur selten zu diesen Treffen, denn sonst hätten Laras Eltern Lunte gerochen.

Einmal begegnen sich beide zufällig auf dem Gelände. Mehr als ein rascher Kuss im Vorbeigehen liegt nicht drin. Selbst da müssen sie noch schauen, dass es niemand sieht.

Ja, und dann kommt diese eine laue Sommernacht. Franz geht zu Laras Elternhaus in der Hoffnung, seine Angebetete zu sehen. In der Dunkelheit schleicht er sich vorsichtig und leise durch den Garten, um die Rückseite des Hauses zu erreichen. Franz hat Angst, dass die Hunde anschlagen könnten, sein Herz bubbert und schlägt immer schneller. Zum Glück bleibt alles ruhig, Er kann sehen, dass bei Lara Licht brennt und das Fenster weit geöffnet ist. Franz versucht unauffällig zu pfeifen, um Laras Aufmerksamkeit zu erlangen. So dauert es eine Weile bis seine Herzallerliebste ans Fenster kommt. Welche Freude, als sie ihren Franz entdeckt, aber zu sagen traut sich keiner etwas, sonst hätten Laras Eltern es womöglich gehört. Auch das Haus verlassen darf Lara so spät nicht mehr.

Da kommt sie auf den Gedanken, dass sie sich Zettel schreiben könnten.

Sie gibt Franz zu verstehen, dass sie eine Idee hat und sucht nach Papier und zwei Stiften.

Was nun? Wie soll der Zettel mit ihrer Nachricht zu Franz gelangen?

Sie versucht es, ihn aus dem Fenster fallen zu lassen, aber ihre Botschaft flattert sonst wo hin; und ist im Dunkeln nicht mehr zu finden.

Dann entdeckt Lara einen kleinen Korb mit Henkel, in dem sie Wolle aufbewahrt. Jupps, das ist die Lösung. Von der Wolle wickelt sie so viel ab, dass es locker so an die zehn Meter sind … besser mehr als zu wenig. Dann knotet sie dieses wollene Band an den Korb, in den sie einen kleinen Schreibblock mit ihrer Botschaft und einen Kugelschreiber für Franz legt.

Lara geht ans Fenster und lässt diesen Korb mit dem Band langsam nach unten gleiten.

Glücklicherweise scheint der Mond und Franz kann lesen:

»Schön, dich zu sehen, mein Liebling,

Schade, dass ich nicht runterkommen kann.

Sende dir liebevolle Küsse.

Deine Lara«

Franz reißt diesen Zettel vom Block und steckt ihn in seine Hosentasche. Dann schreibt er:

Meine Süße, ich hätte dich so gerne in meine Arme genommen.

Schade, aber gut, dass ich dich wenigstens sehen kann und mit dir auf diese Weise schreiben.

Fühle dich gedrückt und ganz doll geküsst

von Deinem Franz

Franz legt den Block mit seiner Botschaft in den Korb; und Lara zieht ihn nach oben. So wird der Korb noch einige Male rauf und runter gezogen.

Dann liest Franz:

Ich habe jetzt Hunger auf ein paar Würstchen.

Franz antwortet:

Ich hole dir welche. Bin gleich zurück.

Franz eilt nach Hause. Er schnappt zwei Wiener Würstchen, die er noch in seinem Kühlschrank hat, und Senf. Dann rast er durch die Dunkelheit.

Lara schaut immer wieder aus dem Fenster, ob sie Franz schon sehen kann. Nun hört sie ganz leises Knistern und erkennt ihren Liebsten, der bereits das kleine Körbchen füllt. Hoch erfreut zieht sie die Würstchen nach oben und bleibt am Fenster stehen. Ganz in Gedanken beißt sie Stück für Stück ab. Dabei spürt sie, dass Franz seine Blicke auf sie richtet. In Laras Bauch fliegen die Schmetterlinge Achterbahn.

»Was ist das denn«, denkt Lara, als sie ein »Klopf, klopf, klopf«, an ihrer Fensterscheibe vernimmt. Besorgt schaut sie aus dem Fenster. Mit Handbewegungen gibt sie ihrem Liebsten zu verstehen, dass er nach Hause gehen soll. Noch schnell ein paar Luftküsse von unten nach oben und zurück. Jedoch hat Franz Probleme, mit der zunächst einmal aussichtslosen Situation umzugehen. Er will aus seinem Herzen keine Mördergrube machen. Somit beschließt er, das Feld zu räumen, und sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Nur so kann er Abstand gewinnen und seine Gefühle im Zaum halten.

Noch einmal geht Franz in der Dunkelheit zu dem Haus seiner Angebeteten. In der Hand hält er eine kleine rote Rose. Da es noch warm ist, geht er davon aus, das Lara wieder ihr Fenster geöffnet hat. Wieder schleicht er sich in den Garten bis unter das geöffnete Fenster seines Larachens und beginnt zu pfeifen. Lara vernimmt das leise Pfeifen, schaut aus dem Fenster und entdeckt ihren Liebsten, der ihr Zeichen gibt, den Korb herunter zu lassen.

Schnell hat Lara ihr »Liebeskörbchen« zur Hand, bindet das Band an den Fenstergriff und schon gleitet es zu Franz. Franz legt die Rose hinein und schaut wie sein Larachen den Korb nach oben zieht. Mit Tränen in den Augen saugt er das hübsche Gesicht seiner Liebsten ein letztes Mal tief in sich ein. Herzzerreißend traurig und Tränen überströmt verlässt er den Garten. Franz hat nun für sich Abschied genommen, doch sein Larachen ahnt noch nichts.

Inzwischen hat Lara die wunderschöne Rose aus dem Körbchen genommen. Voller Freude schaut sie aus dem Fenster, aber kann Franzi nicht erkennen. Lara versteht nicht was gerade passiert ist. Da sie so spät das Haus nicht mehr verlassen darf, sucht sie vergeblich nach Antworten. Sie nimmt die hübsche Vase, ein Geschenk ihrer Freundin Stine, lässt Wasser hinein und stellt traurig die schöne rote Rose hinein.

In dieser Nacht macht Lara so gut wie kein Auge zu und grübelt und grübelt.

Am nächsten Tag muss sie zunächst einmal zur Schule. Im Treppenhaus trifft sie wie gerufen auf Stine, der sie kurz erzählt was geschehen ist.

Ihre Freundin meint, dass Franz evtl. Angst bekommen haben könnte, dass jemand in den Garten kommt. Bestimmt würde es sich bald aufklären. Die Stunden des Unterrichts gleiten an ihr vorbei. Auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause kommt Lara an dem Betriebsgelände ihres Vaters vorbei. Sie sieht ihren Vater und hat keine Chance, nach ihrem Franzi zu suchen.

Beim Mittagessen erzählt ihr Vater, dass er es bedauern würde, dass Franz nicht mehr in seiner Firma arbeitet und es eigentlich schade ist, denn er hätte immer den Überblick gehabt.

Lara fällt es wie Schuppen von den Augen: »Ach, Franz arbeitet nicht mehr bei uns. Warum, was ist passiert?«

Herr Stockborn meint: »Soviel wie ich weiß, wollte er sich verändern, um beruflich weiterzukommen.«

Lara versucht, ihre Tränen zu unterdrücken, was ihr aber nicht gelingen will. Sie täuscht vor, sich verschluckt zu haben, steht auf und verlässt das Esszimmer. Heulend geht sie auf ihr Zimmer, wirft sich auf ihr Bett und schluchzt.

Dann klopft es an der Tür. Es ist ihre Mutter, die nach ihr sehen will. Erst jetzt vertraut sich Lara ihr an. Frau Stockborn versucht, ihre Tochter zu trösten und sagt, dass es noch viele Männer in ihrem Leben geben wird. Sie sei doch noch so jung. Das erste Verliebtsein ist immer stark und der Liebeskummer heftig. Sie hätte doch ihr Leben noch vor sich. Außerdem sei es besser, nicht gleich den Erstbesten zu nehmen. »Stell es dir so vor, meine Süße; wie willst denn wissen, welcher Pudding dir am besten schmeckt, wenn du nur einen probiert hast?«

Ein wirklicher Trost war es in diesem Moment auch nicht.

Am Abend geht Lara noch einmal hoffnungsvoll zu dem Haus, in dem sie sich mit ihrem Liebsten so hingebungsvoll geliebt hat, in der Hoffnung, Franz doch noch dort anzutreffen. Sie schaut durch das Fenster und sieht, dass das Zimmer leer ist.

Warum hat er sich nicht von ihr verabschiedet? Nicht einmal einen Abschiedsbrief hat Franz ihr hinterlassen. Nur eben diese Rose gestern Abend.

Weinend geht Lara noch lange ziellos durch die Gegend. Mit voller Wucht hat der erste Liebeskummer sie erwischt. Diese Rose der Liebe behütet Lara noch sehr lange wie ihren Augapfel.

Franz heuert bei einer Fernfahrer-Firma an. Eines Tages begegnete er einer Frau, die sich in ihn verliebt und schwanger wird. Aus Anstand heiratet er sie, aber in seinen Gedanken ist er oft bei Lara, die er in seinem Herzen fest verankert hat. Tief in seinem Innern meldet sich eine Stimme, die sagt: »Mein Larachen, die Liebe meines Lebens. Eines Tages hol’ ich sie mir …« So gehen die Monate dahin.

KLASSENFAHRT NACH ALTENAU

In der 7. Klasse ist wieder eine Klassenfahrt angesagt. Die Fahrt geht nach Altenau im Harz, nicht zu verwechseln mit Altona, einem Stadtteil von Hamburg, was sicherlich auch spannend geworden wäre. Eines der Mädels hat die Idee, dass sich alle die gleichen Kniestrümpfe kaufen sollten und diese während der Fahrt tragen. So wie sie es von Fußball-Mannschaften kannten, sollte es aussehen, aber niemand spielt Fußball. Der Vater einer Mitschülerin, der alleinerziehend ist und nur wenig Geld hat, weigert sich. Lara schlägt vor, einfach zwei Paar Kniestrümpfe von ihrer Mutter kaufen zu lassen, denn könnte sie Siglinde ein Paar abgeben. Frau Stockborn zeigt sich verständnisvoll und großzügig.

Dann kommt der Tag der Abreise. Alle Mädels erscheinen in dunkelblauen Kniestrümpfen mir roten Ringeln oben. Das sieht wirklich witzig aus und amüsiert die ganze Klasse!

Na denn, ab in den Harz.

Ganz schön hoch geht es hier bis zur Jugendherberge. Für »Flachlandtiroler« aus dem relativ flachen Norden der Republik ist es fast eine Herausforderung. Die Räume werden aufgeteilt, die Betten bezogen und sich flott gemacht für einen Gang in das Städtele.

Altenau liegt mitten im Oberharz. Richtung Westen ist Clausthal-Zellerfeld nach etwa 10 Kilometer zu erreichen. Im Norden liegt in ca. 15 Kilometer Entfernung Goslar. Wer nach Südwesten fährt, erreicht nach ca. 25 Kilometer Osterode am Harz. Nur 12 Kilometer ist der Gipfel des Brockens in Richtung Osten entfernt, den man von vielen Stellen Altenaus aus sehen kann. Durch Altenau fließt die Oker. Sie, weitere Bäche im Stadtgebiet und die stark bewaldete Umgebung geben Altenau »Das gewisse Etwas« mit zahlreichen Tälern und Hügelkuppen.

Auch, wenn der Brocken zum Greifen nach scheint, ist es in den Sechziger Jahren noch nicht möglich, ihn von Altenau aus zu besteigen, denn er liegt im Ost-Harz in der damaligen DDR.

Auf dem Weg ins Tal, kommen sie an einem Holzschnitzer vorbei und betreten voller Neugier Laden und Werkstatt. Sie bewundern wunderschöne Holzschnitzarbeiten. Es gab kleine Altäre, Krippenfiguren und Holzlaternen in allen Größen. Auch Stine kommt aus dem Staunen nicht heraus und will sich doch wenigstens ein ganz kleines Schnitzwerk leisten als Erinnerung.

Da das Budget des Taschengeldes stark begrenzt ist, entschließt sie sich für einen Brieföffner, der ja auch noch nützlich ist. Stolz schaut sie zu sie wie dieser in eine kleine hübsche Papiertüte wandert und ihr übergeben wird, um sich ab dann in ihrem Besitz zu befinden.

An vielen Ecken im Ort gibt es Läden mit Schnitzereien und mit Gewürzen, was gerade die Mädels immer wieder in Erstaunen versetzt. Altenau wird sogar mit, »da, wo der Pfeffer wächst«, näher beschrieben. Auch andere Gewürze finden in dieser Gegend offenbar die erforderlichen Voraussetzungen für Wachsen und Gedeihen. Ja, dieser Bergort zeigt in jeder Beziehung einen starken Kontrast zu Travemünde an der Ostsee.

Da der Brocken noch unerreichbar ist, wird am nächsten Tag eine Wanderung zur »Wolfswarte« unternommen. Von hier aus kann bei schönem Wetter der Brocken im Ostharz gesehen werden. Die Schüler lauschen auf der im Westen liegenden Wolfswarte gespannt den Ausführungen ihres Lehrers.

Auf dem Rückweg laben sie sich an einer Quelle mit kristallklarem Wasser. Was für eine wunderbare Erfrischung.

Am anderen Tag geht es nach Bad Harzburg. Mit der Seilbahn fahren sie auf den Wurmberg, der höchsten Erhebung im West-Harz und Niedersachsens. Eujeujeu, ist das ein sagenhaftes Gefühl, in dieser kleinen Gondel in der Luft zu hängen.

Dann geht es weiter zur Iberger Tropfsteinhöhle:

Diese Höhle nahe Osterode war vor fast 3000 Jahren das Grab eines Familienclans. In Teilen wurde sie originalgetreu rekonstruiert und schwebt nun – begehbar – unter der Museumsdecke. In der Ausstellung werden das Leben und Sterben des bronzezeitlichen Familienclans und sogar dessen heute lebende Nachfahren vorgestellt – und damit nicht nur der älteste, sondern auch der bislang längste genetisch belegbare Stammbaum der Menschheitsgeschichte.

Im »Museum im Berg«, einem neu in den Fels gesprengten, 160 Meter langen Hohlraum, werden die Erdgeschichte, die Geologie und Mineralogie des Ibergs auf sinnliche Weise vermittelt. Vor 385 Millionen Jahren war er ein Korallenriff in der Südsee. Erst die Kontinentalbewegungen brachten ihn auf die Nordhalbkugel der Erde. Hier schließt sich die viele Millionen Jahre alte Iberger Tropfsteinhöhle an – faszinierendes Erdinneres und vielbesuchte Schauhöhle seit 1874.


Seilbahn von Bad Harzburg

Ihre seltene Entstehungsgeschichte und die Verknüpfung mit dem Bergbau machen sie europaweit einzigartig. In einer Höhlenführung wird den Schülern die geheimnisvolle Unterwelt nahe gebracht. So können sich die Kinder auch im Reich des Zwergenkönigs Hübich erleben. Im »Backofen« des Zwergenkönigs ist sogar noch ein versteinertes Brötchen zu sehen. Die Stalaktiten, von der Decke wachsende Tropfsteine, und Stalagmiten, vom Boden wachsende Tropfsteine, bilden in einigen Fällen sogar Säulen bzw. Stalagnaten. Bis dahin noch nicht gekannte und faszinierende Horizonte öffneten sich ihnen. Die Iburger Tropfsteinhöhle ist im Verhältnis zu anderen auf der Welt, z. B. Postojna-Grotte in Slowenien, relativ klein.

In der Jugendherberge werden am Abend verschiedene Spiele gespielt. Dieses ist besonders beeindruckend: Der Klassenlehrer erklärte den Schülern ein Sitzspiel im Kreis. Dazu wurden Stühle im Kreis aufgestellt, so dass jeder sitzen kann, aber zusätzlich gibt es noch einen leeren Stuhl. Nun wird im Uhrzeigersinn immer weiter auf den leeren Stuhl gehüpft und dabei gesagt: »Ich sitze«, dabei muss sich diese Person auf den freien Stuhl setzten und die nächste Person sagt: »im Grünen« und wieder die nächste muss dann sagen: »und liebe« … wer dann dran war, muss sagen wen er liebt, der sich dann neben ihn zu setzen hat.

Das ist schon recht lustig und führt oft zu schallendem Gelächter.

Besonders als Susanne dran ist zu sagen, wen sie liebt und sie dann »Jockel«, den Spitznamen des Lehrers, der mit Vornamen Joachim heißt, nennt. Der weiß offenbar, dass er gemeint ist und setzt sich auf den freien Stuhl neben Susanne mit der Bemerkung, dass er darauf aber nur dieses eine Mal hören würde.

Das war jedenfalls etwas, was den Schülern wohl für sehr lange Zeit im Gedächtnis bleibt.

Nach fünf erlebnisreichen Tagen heißt es nun »Koffer packen«, tschüss und Abfahrt nach Hause.

RADTOUR DER MÄDELS

An einem Tag im Sommer verabreden sich alle Mädchen der Klasse zu einer Radtour um den Hemmelsdorfer See. Getroffen wird sich bei Stine, da sie in Warnsdorf am Hemmelsdorfer See wohnt. Dort bestaunen sie zuerst das Warnsdorfer Schloss, das sich schon einige Jahre als Kurklinik für reiche Übergewichtige im Privatbesitz befindet. Nicht selten sind hungrig gekurte Gäste im Restaurant Warnsdorfer Hof anzutreffen, wo sie sich erst einmal mit einem großen Jägerschnitzel und entsprechenden Bieren den Hunger vertreiben. Die Dorfbewohner schmunzeln sehr oft darüber.

Vor dem Schloss gibt es einen riesigen Park mit herrlichen Bäumen um eine riesige Grasfläche, die exakt gemäht einem Golfrasen gleicht. Ganz rechts das Gebäude zeigte einen kleinen Vorbau, so eine Art Terrasse, mit einer Bank. Darüber hängt ein echter Elchkopf. Jedes mal, wenn Stine diesen sieht, ist sie sehr beeindruckt, dass der mal zu einem echten Elch gehörte.

Neben dem Schloss führt ein Rosenweg, der wie ein Tunnel aussieht, zum Hemmelsdorfer See, wo es eine Badestelle gibt. Oft gehen die Kinder aus Warnsdorf dort entlang und genießen Nachmittage in der Sonne oder badend im See.

Dann geht es weiter über Ovendorf, Kreuzkamp und Offendorf bis nach Hemmelsdorf, von wo aus genau gegenüber das Warnsdorfer Schloss zu sehen ist. Dieser See beeindruckt nicht nur durch seine Schönheit, sondern auch dadurch, dass Napoleon aus ihm mal einen Kriegshafen machen wollte. Seine geschützte Lage macht ihn uneinsehbar und das kleine Flüsschen Aalbek verbindet ihn mit der Ostsee. Aber dieser Plan wurde allerdings nicht realisiert. An seiner tiefsten Stelle misst der Hemmelnsdorfer See eine mächtige Tiefe von 46 Metern. Zwar fror er in den damals recht kalten Wintern zu, aber durch seine vielen warmen Stellen ist er recht tückisch und kostete vor vielen Jahren einigen Warnsdorfern das Leben auf dem Weg zum Bäcker nach Offendorf.

Von Hemmelsdorf sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Timmendorfer Strand. Im alten Kurpark wird Rast gemacht. Viele Teiche dick voll mit Seerosen in verschiedenen Farben zieren diesen einzigartigen Park.

Danach fahren sie weiter in den Ortskern von Timmendorfer Strand, wo es einen neueren kleinen Kurpark gibt mit eckigen Teichen, die von Sitzbänken umrahmt sind. Im Wasser prunken zwei Seepferdchen aus Metall und es gibt Wasser, das hoch spritzt. Das hatten die Mädels noch nirgends gesehen und erfahren später, dass diese »Spritzwasser-Anlage« Fontäne genannt wird. Hübsches Gras ziert das Wasser. Einige Enten schwimmen darin herum und streiten sich um von den Gästen herein geworfene Brotkrumen. Ach, was sind denn das für besondere Vögel im Wasser? Sie haben fünf kleine Jungen, um die sie sehr besorgt zu sein scheinen. Die Enteneltern haben knallrote Schnäbel. Das ist echt entzückend. Später stellt sich heraus, dass es hier um Teichhühner handelt.

Nun japsen die Mädels erst einmal nach einem großen Eis in einer leckeren Waffel … hm, echt lecker … sahnig.

»Schaut mal, dort sind die beiden Maritim-Hotels, wovon es doch in Travemünde auch eines gibt«, bemerkt Lara.

»Toll«, meint Stine, »ob ich mal reingehen kann und mich aufs Klo schleichen?«

Allgemeine Tendenz: »Ach, ich weiß nicht.«

Nur Lara und Stine haben den Mut hineinzugehen. Sie fragen nach einem Hausprospekt und ob sie mal auf die Toilette gehen dürften. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis vorbei an all den Glas-Vitrinen mit edlem Schmuck und Kunstgegenständen. Der dicke rot gemusterte Teppichboden dämpft jeden Schritt und das Ambiente des Hotels macht ihnen teilweise das Atmen schwer. Das stille Örtchen ist super fein und von erhabener Eleganz mit richtigen Handtüchern, vielen Spiegeln und eleganten Kacheln. Oh lala, was für eine piekfeine Toilette. Mittendrin prunkt ein großer Blumenstrauß. Hier und da ziehen hübsche Hingucker ihre Blicke auf sich.

»O Mann o Mann«, schwärmen Lara und Stine in den anderen Mädels vor, »da habt Ihr aber etwas versäumt. Noch nie haben wir so ein pompöses Klo gesehen.«

Doch keine der anderen Jugendlichen bringt den Mut auf, ebenfalls das Hotel zu betreten.

»So, nun aber rauf auf die Brücke, Mädels«, hört Stine sich sagen. Diese Seebrücke zeigt schon eine beachtliche Länge; und da die Sicht gut ist, können sie links rüber bis Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf und mindestens bis Grömitz schauen; rechter Hand ist Niendorf zu sehen und dahinter das Brodtener Steilufer. Neben der Promenade prunken vielen hübsche Villen zwischen den Pinien.

Nun führt der Weg weiter nach Niendorf, wo sie den idyllischen Fischereihafen bestaunen. Der ist aber auch etwas ganz Besonderes mit seinem urigen alten Fischerbooten und den nostalgischen Fischbuden, in denen die Fischer am Morgen ihren Fang feilbieten. Eine lange Steinmole aus wunderschönen riesigen Felsen ragt in die Ostsee. Wie oft ist Stine schon auf ihnen gelaufen, ja gelaufen, denn durch tägliches »Darauffortbewegen« übt sich die Schnelligkeit.

Direkt auf der Promenade dürfen sie radeln zwischen den Fußgängern, aber sie nicht behindern, was kein Problem ist. Auch die Hunde leben dabei nicht gefährlich, denn jeder nimmt Rücksicht. Nur ist es verboten, hier zu klingeln. Dass es dabei zu Unfällen kommt, war weder zu hören noch zu lesen; also wird es keine gegeben haben.

Ihr Weg führt sie weiter nach Warnsdorf zurück, wo sich die Mädchen verabschieden und nach Hause radeln.

LARAS FÜNFZEHNTER GEBURTSTAG

Ein Spätsommertag wie er im Buche steht. Dazu noch ein besonderer Tag, denn Lara feiert heute ihren fünfzehnten Geburtstag. Alle Klassenkameradinnen sind eingeladen zu Lara nach Hause in die stattliche Villa ihrer Eltern in der Nähe von Travemünde.

Die Teenager putzen sich heraus, ziehen ihre Sonntags-Garderobe an und frisieren sich ihre Haare hübsch.

Männliche Mitschüler sind nicht eingeladen; das schickt sich in dieser Zeit noch nicht.

So schlagen die adretten jungen Damen der Reihe nach auf. Kaum ist eine im Haus, klingelt es wieder und so fort bis alle nach herzlicher Begrüßung und Gratulation im Esszimmer des Hauses Platz genommen haben. Ach, was ist der Tisch nett gedeckt mit frischen Blumen, Kerzen und edlen Servietten. Und dann der Kuchen und die Torten, alles hatte Laras Mutter, die eine sehr gute Hausfrau und Köchin ist, selber hergestellt. Heute achtet nicht eine auf ihre Figur. Jedes der Mädels langt kräftig zu und probiert mit großem Vergnügen eine Torte nach der anderen. Alles ist einfach zu köstlich. Dabei wird erzählt und herzlich gelacht.

Nach dem Kaffeetrinken schlägt Lara vor, einen kleinen Spaziergang auf dem Gelände zu machen und an den Teich zu gehen, damit Kuchen und Torten besser rutschen können.

Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Vögel zwitschern, und auf dem Teich schnattern die Enten um die Wette.

»Eigentlich müssten wir noch Fotos machen«, meint Lara und hat auch schon eine Idee, wo. Da steht doch der Volkswagen ihrer Mutter auf dem Hof. Die am wenigsten auf die Waage bringen, könnten sich auf den Wagen setzen und die anderen rundherum. Laras Mutter ist von der Idee begeistert und wird gebeten, ein Erinnerungsfoto zu schießen. Später bekommt jede der jungen Damen einen Abzug und kann sich immer wieder über dieses hübsche Foto freuen in Erinnerung an diesen tollen Tag.

Aber noch ist er ja nicht zu Ende. Lara hat die Idee, Schlagerstar zu spielen. Ganz oben im Haus unter dem Dach gibt es ein unbewohntes, aber möbliertes kleines Zimmer. Dorthin verziehen sich die Teenager. Jede von ihnen kennt mindestens einen Schlagertext auswendig. Diesen soll sie nun auf dem Tisch stehend, wie auf einer Bühne, präsentieren. Total angesagt ist 1966 »Ich will ’nen Cowboy als Mann …« von Gitte.

Stine ist mutig, wird von Lara anmoderiert, steigt auf den Tisch und beginnt zu trällern was das Zeug hält während jemand den breiten mit Stoff bespannten Lampenschirm dreht wie einen Scheinwerfer. Das ist doch schon fast wie auf einer richtigen Bühne und macht riesigen Spaß. Lara kommt ebenfalls mit diesem Song auf die Bühne und erntet tosenden Beifall. Nicht alle Mädels sind für einen Auftritt bereit.

Stine will noch einmal mit »Abends in der Mondscheinallee wird so viel geküsst …« von Connie Francis, weil es so gut passen würde und sie den Text kennt. Die jungen Mädchen sind in ihrem Element.

Thomas Fritsch ist bei den jungen Damen sehr angesagt; der sieht ja auch echt smart aus. Die Mädels schwärmen in höchsten Tönen nur so von diesem Typ. Einige haben schon ein ausgeschnittenes Foto von ihm in ihrem Portemonnaie; Stine auch … so ein ganz kleines. Immer, wenn sie etwas bezahlen muss, blitzt es, aufgeklebt auf eine Innenseite ihrer kleinen Geldbörse, hervor.

Dann kam jemand auf die Idee, doch einen Thomas-Fritsch-Fan-Club zu gründen. Die Treffen könnten dann doch regelmäßig hier in diesem Zimmer stattfinden. Das begeistert alle und Lara ist sich sicher, dass ihre Mutter nichts dagegen haben wird.

Da klopft es auch schon an der Tür und Laras Mutter tritt ein, die sofort mit der neuen Idee konfrontiert wird und sich freut, dass die Mädels so kreativ sind. Sie hätte die Singerei gehört und sei neugierig. Nun noch einige kleine Auftritte für Laras Mutter, damit sie sehen und hören kann, wie toll das ist. Laras Mutter ist begeistert und regt an, den Mädels Getränke hoch zu bringen. Sie sieben jungen Damen schmieden Pläne und bringen ihre Ideen zu Papier. Gegen 18 Uhr klopft es wieder und Laras Mutter sagt: »Nun wird es aber Zeit für das Abendessen. »Erst einmal allesamt bitte Hände waschen.«

Gesagt – getan. Dann nehmen sie wieder im Esszimmer Platz und laben sich bei selbst gemachten Kartoffelsalat und heißen Würstchen.

Danach regt Lara an, doch etwas zu tanzen und fragt: »Könnt ihr twisten?«.

Lara hat eine Schallplatte mit entsprechender Musik: »Let’s twist again …« von Chubby Checker. Nicht alle sind darin geübt, aber Lara macht es ihnen vor. Dann versucht es eine nach der anderen und siehe da, es geht und macht mächtig Spaß. Die Mädels werden immer besser, drehen ihre Knie und ziehen die Beine wieder an …, twisten eben … Dabei wird der Text wieder und immer wieder mitgesungen.

Irgendwann ist Schluss mit Feiern. Einige Mädels lassen sich abholen, andere bringt Laras Mutter nach Hause. Artig wird sich bedankt für »Speis’ und Trank« sowie für die herrlichen Stunden.

STINE GIBT EINE PARTY

Zwar haben Stines Eltern ein kleines Haus gemietet, in dem es zwei Kinderzimmer gibt, aber trotzdem muss Stine sich mit ihrem fast zwei Jahre jüngeren Bruder ein winziges Zimmer teilen. Es ist so klein, dass beide Betten an den Fußenden zusammenstoßen. Jeder hat nur den Platz, der neben seinem Bett zur Verfügung steht. Das sind nicht mehr als zwei Quadratmeter. Stine hat mit den Jahren die Puppenstube und den Kaufmannsladen gegen einen kleinen Tisch mit zwei Korbsessel ausgetauscht, die in der Wohnung ihrer Eltern übrig wurden. An der Wand neben dem Fenster hängt ein kleines Regal, welches ihre Mutter aus dickem Draht und zwei kleinen Brettern gebastelt hat. Darauf finden die wenigen Bücher Platz, die Stine immer wieder liest. Ihr Bett ist ein platzsparendes Klappbett. Somit entsteht wenigstens tagsüber etwas mehr Bewegungsfreiheit. Das alte Metallbett ihres Bruders nimmt ein Viertel der Fläche der gesamten kleinen Dachmansarde ein. An der gegenüberliegenden Wand gibt es eine kleine Kommode, die unten zwei Türen hat und darüber zwei kleine Glasscheiben zum Aufschieben sowie zwei kleine Schubladen. Dieses Möbelstück stand vorher im Wohnzimmer ihrer Eltern und hat einen ideellen Wert. Wie oft hat Stines Mutter erzählt, dass sie damals dieses kleine Schränkchen von einem Tischler in Travemünde hat fertigen lassen und es mit Wurst und Speck nach und nach abgezahlt wurde. So ist auch Stine in gewisser Weise stolz auf diese kleine Kommode, welche sie zusammen mit ihrem Bruder benutzen darf.

Auch für den großen Teddy und einige Spielsachen ihres Bruders ist noch Platz.

Das Zimmer daneben, quasi das 2. Kinderzimmer, haben Stines Eltern aus Kostengründen an den jüngeren Bruder ihres Vaters untervermietet. Da gibt es sogar einen kleinen Ofen, der zum Glück in der Ecke zu ihrem Kinderzimmer steht und somit indirekt wenigstens etwas Wärme abgibt. Trotzdem bleibt es ein kalter Raum. Im Winter kann nicht aus dem Fenster geschaut werden, denn Eiskristalle versperren den Blick. Manchmal pustet Stine solange an der Scheibe bis sich ein kleines Loch zeigt und dort eine Eisblume durch ihren Atem schmilzt und einen Mini-Blick nach draußen ermöglicht. Auf dem nicht ausgebauten Teil des Bodens steht ein großer Kleiderschrank, der ausreichend Platz bietet für die Garderobe von Stine, ihren Bruder und Onkel Fritz. Isoliert ist nichts und die Dachpfannen sichtbar.

Natürlich hat es nicht nur Nachteile, dass der Onkel nebenan wohnt. Außer, dass er durch seinen »Kanonenofen« für etwas Wärme sorgt, beschenkt er Stine und ihren Bruder immer reichlich zu Geburtstagen und zu Weihnachten. So sind u. a. Märchenbücher der Gebrüder Grimm und Andersen ins Haus gekommen. Stines Eltern bekamen von ihm Kaffeebestecke in Silber mit 90er Auflage.

Onkel Fritz arbeitet auf dem Golfplatz in Travemünde und wollte, dass auch in seiner Familie etwas Luxus einzieht. Abends sitzt er mit am Tisch, wenn es warmes Essen gibt. In der »feinen Gesellschaft« in Travemünde hat sich Onkel Fritz viele Benimmregeln abgeschaut, die er während des Essens Stine und ihrem Bruder lehrt.

In seinem Zimmer gibt es ein Regal, das war so voll mit Reader's Digest Büchern, dass sich die Bretter biegen, was Stine imponiert. Onkel Fritz ist sehr auf Bildung bedacht. Er sich freut, dass auch Stine Interesse an seinen Büchern bekundet und erlaubt es ihr, diese zu lesen.

Nachdem Onkel Fritz schon mindestens ein Jahr lang eine Freundin hat, die er heiraten will, kommt der Tag, an dem er auszieht. Besonders freut sich Stine, dass sie nun ein eigenes Zimmer kriegen soll; und dann noch das mit dem Ofen. Kommode, Tisch und Sessel samt Klappbett ziehen nun um in das Zimmer, das durch den Auszug von Onkel Fritz frei geworden ist. Da Stine dringend einen neuen Schreibtisch benötigt, bekommt sie einen ganz neumodischen, der sich durch das Anheben der mittleren Platte in einen Frisiertisch mit Spiegel verwandeln lässt.

Das Zimmer ist einfach ausgestattet, aber hübsch hergerichtet.

Nun darf Stine eine Party feiern. Alle Klassenkameradinnen und ihre Cousine Helma, die im Ort wohnt, sind eingeladen.


Stine ist mächtig stolz in ihrem neuen Zimmer mit dem ganz besonderen Schreibtisch

Stine hat ein neues kornblumenblaues Kleid bekommen, das einen weißen Webpelzkragen hat und dadurch vornehm aussieht. Sie trägt schwarze Pumps und kommt sich richtig damenhaft vor. Sowieso fühlen sich gerade an diesem Tag alle Mädchen trotz ihrer 15 Jahre schon richtig »groß«. Helma zählt allerdings schon 17 Lenze.

Zu Trinken gibt es zur Feier des Tages, außer des sonst üblichen selbsthergestellten Safts, auch Brause und Cola. Oh, und lange Strohhalme, solche ganz modischen mit Knick, durfte Stine sogar einkaufen. Es gibt belegte Brote und allerlei Knabbereien. Stine hat sogar einen Plattenspieler und zwei kleine Schallplatten (Singles), die nun immer und immer wieder abgespielt werden.

So erklingt: »Abends in der Mondscheinallee wird so viel geküsst, weil …« von Connie Francis.

Dann noch dieses: »Peter und Lou, die so alt sind wie ich gehen träumend verliebt …« von Francoise Hardy.

Stine hat diese beiden Platten bestimmt schon hundert Mal gehört und kann die Texte mitsingen. Im Nu sind alle angesteckt und singen was das Zeug hält. Dazu tanzen die Mädels und freuen sich über diesen schönen Tag.

Stine genießt ihr neues Zimmer in vollen Zügen und freut sich jeden Tag aufs Neue, dass sie nun ein so schickes Zimmer hat.

KONFIRMATION

Wenige Monate später haben beide Mädels Konfirmation.


Stine ist konfirmiert

Auch Stines Tante, eine Schwester ihres Vaters, und deren Sohn, Stines Cousin, sind eingeladen. Schon im Sommer zuvor ist dieser mit seinem Freund zu Besuch gewesen und hat sich offensichtlich in Stines Mutter verliebt, die mit Stines Vater nicht glücklich ist. Auch Stine leidet schon jahrelang sehr unter der Disharmonie zwischen ihren Eltern. Sie selber sagte ihrer Mutter schon Monate vorher, dass sie den Vater doch verlassen sollte, weil es hier nicht auszuhalten ist. Stine kann schlecht einschlafen wegen des Kraches zwischen ihren Eltern. Trost findet sie in einem winzigen Teddybären. Durch Kratzen an der Bettdecke verschafft sie sich monotone Geräusche, auf die sie sich zu konzentrieren versucht, um überhaupt in den Schlaf zu kommen.

Was Stine an diesem Tag noch nicht ahnt ist, dass es die letzte Feier mit der Familie ist.

Sie bekommt herrliche Azaleen geschenkt, die sie liebevoll in ihrem Zimmer platziert. Sie stehen noch in voller Blüte als Stines Mutter eines Morgens verkündet, dass sie ausziehen will. Wer will, könnte mitkommen. Gleich käme Opa mit dem Gummiwagen und würde alles zu Oma in das Siedlungshaus bringen. Natürlich will Stine mit und ihr Bruder Holly auch. Damit ist der Traum vom eigenen Zimmer schnell ausgeträumt.

Stines Mutter und ihr Bruder teilen sich jetzt ein Zimmer im Hause der Großeltern. Stines Tante Emma, die jüngste Schwester ihrer Mutter und fünf Jahre jünger als Stine, muss sich nun ihr Zimmer mit Stine teilen. Das ist aber kein Problem, denn beide Mädels verstehen sich prächtig. Sie hätten ja auch Schwestern sein können statt Tante und Nichte.

TRENNUNG DER FREUNDINNEN, WEIL STINE WEGZIEHT

Die letzten zwei Schuljahre sind nicht einfach. Sie sind von zwei Kurzschuljahren geprägt, weil der Termin für den Schuljahreswechsel auf vor die Sommerferien verlegt wird. Auch in Schleswig-Holstein gibt es ein einziges langes Schuljahr, das zwei Klassenstufen auf einmal erfasst ohne Einschulung und Versetzung am 01. Dez. 1966. So kommt es, dass Schulanfänger Ostern 1966 in die Klasse »1/​2«, aus der im Herbst 1967 in die Klasse 3 versetzt werden. Die Schulabgänger haben zwei kurze Schuljahre, wodurch erforderlich wird, den Unterrichtsstoff zu straffen. Zum Glück wird den Schülern der 10. Klasse die sonst übliche Jahresarbeit erlassen. Ungeschickt ist nur, dass in jedem Bundesland andere Prioritäten gelten.

Das bekommt auch Stine zu spüren, denn sie wechselt wenige Monate vor Erlangen der Mittleren Reife (heute Realschulreife) das Bundesland, d. h., dass sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Niedersachsen zieht. Gut, sie hätte auch bei ihrer Oma bleiben können bis zum Ende der Schulzeit. Allerdings wollte Stine das nicht und lieber mit ihrer Mutter umziehen.

So setzt sich an einem kalten Februartag der große Umzugswagen in Bewegung und bringt Stine, ihren Bruder und ihre Mutter samt ihrer bescheidenen Habseligkeiten nach Hardegsen am Solling.

Dort haben sie zusammen mit Stines Cousin, dem Freund ihrer Mutter, den unteren Teil eines Hauses gemietet. Leider gibt es nur ein etwas größeres Kinderzimmer, das Stine sich nun wieder mit ihrem Bruder teilen muss. Es wird aber zweckmäßig zu Stines Gunsten eingerichtet, denn als Mädchen, das fast erwachsen ist, hat sie einfach Mehrbedarf.

Die für sie zuständige Schule befindet sich in Moringen und ist mit einem Schulbus gut zu erreichen. Nur schließt sich der Unterrichtsstoff nicht dem in Travemünde an, was besonders in Mathematik problematisch wird. Die Lücken, bedingt durch die Kurzschuljahre und den Umzug, sind einfach zu gravierend. Na gut, Stine boxt sich durch, kann aber ihre Zwei in Mathe nun nicht mehr halten. Zwar schade, aber nicht den Abschluss gefährdend. Stine bekommt das Zeugnis ihrer Mittleren Reife in Moringen. Lara erreicht ihre Mittlere Reife in Travemünde.

Eigentlich ist es Stines Plan, nach der Mittelschule aufs Wirtschaftsgymnasium zu wechseln, um dort das Abitur zu erlangen, welches für das Studium auf Lehramt erforderlich ist.

Stines Mutter macht ihr weiterhin Angst, dass sie doch schwanger werden könnte und sowieso sei ein Studium nicht nötig. Die Gesamtsituation zwingt Stine indirekt dazu, ihren Plan zu ändern. Sie lässt sich dazu überreden, doch eine Ausbildung in einer Bank zu machen. Durch eine Lehrerin erfährt Stine, dass deren Ehemann, Geschäftsführer einer Spar- und Darlehnskasse, eine Auszubildende gebrauchen könnte.

Am 01. August 1967 beginnt Stines dreijährige Ausbildung zum Bankkaufmann-Gehilfen. Gleichzeitig startet auch ihre Freundin Lara eine Bankausbildung in einer Handelsbank, weil ihr Vater es für sinnvoll hält. Beide junge Damen finden sich mit ihrem Schicksal ab und machen das Beste aus der Situation.

Briefe flattern hin und her, in denen sich beide allerlei Privates mitteilen. Auch telefonieren sie mal, was aber nicht so einfach ist, denn in Stines Zuhause gibt es leider kein Telefon. In der Wohnung über ihnen wohnt ein pensionierter Major, der über ein Telefon verfügt und nichts dagegen hat, wenn Lara mal bei ihm anruft um mit Stine zu sprechen.

Im darauf folgenden Jahr planen Lara und Stine ihren Urlaub so, dass sie eine Woche gemeinsam haben. In dieser Woche soll Stine Lara besuchen.

LARA HAT IHRE FREUNDIN EINGELADEN

Stine packt mit massiger Vorfreude ihre große Tasche, um für eine Woche ihre Freundin Lara, die bei Travemünde wohnt, zu besuchen.

Die inzwischen jungen Damen haben sich schon über ein Jahr nicht mehr gesehen und beide fiebern dem Wiedersehen neugierig entgegen.

Endlich ist der lange herbeigesehnte Tag gekommen. Die Fahrkarte ist gekauft und Stine parat für die große Reise. Es ist erst die zweite Reise in ihrem Leben, denn Stines Familie hatte für Reisen leider kein Geld. Die erste Reise machte Stine ca. 14 Jahren. Damals noch mit der vollständigen Familie inklusive ihres Vaters von Warnsdorf in den Solling, um die Familie der Schwester ihres Vaters zu besuchen.

Ja, und nun kommt ihre zweite Reise und dann noch ganz alleine. Zum Glück ist es nicht weit bis zum Bahnhof. Die 300 Meter wird sie von ihrer Mutter begleitet. Ach, was ist Stine aufgeregt und fiebert der Ankunft des Zuges entgegen. Wird auch alles klar gehen? Immerhin muss sie in Northeim, in Hamburg und in Lübeck umsteigen. Das ist schon kritisch, denn Stine kennt sich eben nicht aus. Zum Glück hatte ihr Stiefvater ihr genau erklärt wie es so ist mit dem Umsteigen.

Auf dem Bahnhof hat sie sich alle Umsteigezeiten und die Bahnsteige der Ankunft und Abfahrt aufschreiben lassen.

»Tschu, tschu, Tschu« und das ihr bekannte »Tuuuut« erklingen, als der Zug in den Bahnhof einrollt.

»Nicht so dicht an die Kante«, ermahnt Stines Mutter, »sonst reißt dich der Zug noch mit.«

»Drrrrrrrrrrrr«, erklingt es, als die Eisenbahn stoppt.

Stines Mutter hilft, die Tür zu öffnen, geht doch etwas schwer.

Nun aber »tschüüüsss, viel Spaß und komm heil wieder«, hörte sie ihre Mutter sagen.

Nun steigen Stine aber doch Tränen des Abschieds in die Augen, und sie bringt keinen Ton heraus. Rein in den Wagon »Nichtraucher« und schnell einen Platz am Fenster. Gleich darauf ertönt die Pfeife des Schaffners, was besagte, dass alles klar zur Abfahrt wäre.

»Tschu, tschu, tschu«, ertönte es von der Lokomotive, und dann das ihr vertraute »Tuuuuuuut«, denn das konnte Stine stets zu Hause hören.

Stine und ihre Mutter winken sich zu bis ihre Mutter nicht mehr zu sehen ist.

Bis Northeim sind es nur wenige Kilometer.

Stine steht schon lange vor der Ankunft an der Tür, um ja schnell aus dem Zug zu kommen. Okay, nun zum Bahnsteig Richtung Hamburg. Das ist einfach, denn der Bahnsteig liegt gegenüber. Der Zug kommt bald und Stine nimmt wieder am Fenster Platz, denn sie will etwas sehen, wenn sie schon mal unterwegs ist.

Bis Hamburg, das dauert schon etwas länger. Dann kommt der Bahnhof. Oh weia, wie groß der ist, staunt Stine und hat doch etwas Mühe, das Gleis für den Anschluss-Zug nach Lübeck zu erreichen. Auch noch die Treppe hoch, dann weitere 100 Meter und wieder die Treppe runter zum Gleis 13. Ach, da steht er schon, der Zug, der in Richtung Lübeck fährt.

Sicherheitshalber schaut Stine, ob die Verbindung oben an der Tafel angezeigt wird und auf dem Zug auch wirklich »Lübeck« steht. Sie hievt ihre schwere Tasche die Stufen hoch und findet ein Nichtraucher-Abteil mit freiem Fensterplatz. Das letzte Umsteigen in Lübeck, um in den Zug nach Travemünde zu gelangen, ist einfacher.

Mit jedem Meter steigt in Stine die Spannung, Würde sie auch abgeholt werden? Lara hat doch zugesagt, dass ihre Mutter und sie mit dem Auto in Travemünde am Hafen-Bahnhof, der sich hinter ihrer früheren Schule befindet, abholen würde.

»Drrrr«, macht der Zug und hält.

Stine entdeckt schnell ihre Freundin und deren Mutter, denn dieser Bahnhof ist klein und übersichtlich. Sie fallen sich in die Arme und freuen sich alle, dass es so gut geklappt hat. Natürlich wollen sie wissen, wie denn die Reise war und ob Stine die Umsteigereien gut bewältigt hat.

Laras Mutter öffnet den Kofferraum ihres VW’s, lädt Stines Tasche ein und ab geht es zum Anwesen von Laras Eltern, das ein paar Kilometer außerhalb von Travemünde liegt.

Dann bringt Stine ihr Gepäck in das Zimmer ihrer Freundin, wo ja immer noch das Klappbett für sie parat steht. Danach gibt es lecker Essen, denn Laras Mutter ist eine ausgezeichnete Köchin. Immer wieder werden gegenseitig Fragen gestellt und muss alles ganz genau erzählt werden. Die Freundinnen verbringen die Tage mit an den Strand fahren, gemeinsam kochen und ausgiebigen Spaziergängen. Einen Regentag genießen beide in Lübeck in der Schwimmhalle. Es muss doch noch etwas geben, was nicht alltäglich ist, denn schließlich haben sie Urlaub. Somit überlegen die jungen Damen, was nach »Urlaub« schmecken könnte und beschließen, mit dem Fährschiff Gedser von Travemünde nach Rodby in Dänemark zu fahren. Dann weiter mit einer anderen Fähre von Rodby nach Puttgarden/​Fehmarn, auf der dann ein Büfett an Bord gegessen werden könnte.

Zurück von Puttgarden auf der Vogelfluglinie über die Fehmarnsund-Brücke mit dem Zug nach Lübeck. Dann wieder mit dem Bus Richtung Travemünde.

Laras Vater hat gleich einen Auftrag, in Rodby auf Lolland unbedingt nach seinem Segelschiff zu sehen, ob es noch gut angetaut sei und alles okay ist. Das verspricht, eine tolle und interessante Reise zu werden. Somit wird nun genau festgelegt, an welchem Tag es los gehen soll und die Karten besorgt.

Dann ist der Tag der Seereise gekommen. Zu Fuß geht es zunächst einmal zur etwa zwei Kilometer entfernten Bushaltestelle. Der Bus bringt sie nach Travemünde zum Skandinavien-Kai, wo schon das große Schiff angetaut auf Reisende nach Gedser wartet. So ein riesiges Schiff! Gesehen hatte Stine diese Fährschiffe ja fast täglich, war aber noch nie mitgefahren. Das Gefühl, das die Mädchen befällt, ist unbeschreiblich. Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was gibt da alles zu sehen? Riesige Restaurants und so viele Decks. Immer die Treppen rauf und runter wird alles erkundet.

»Ach, was ist das denn?«, staunt Stine, »da sind ja so viele Autos unten im Schiff. Toll, da lassen wir uns gleich mal fotografieren vor den Autos, dass das unsere Freunde auch glauben.«

Lara hält es für besser, die bis dahin zusammengebundenen Haare nun zu lösen, offen zu tragen und mit einem breiten Stirnband zu halten. So würden sie erwachsener aussehen. Was haben die Freundinnen damit ihr Vergnügen.

Das Auslaufen durch die Trave in die Ostsee, vorbei an Travemünde, all den Brücken mit kleineren Schiffen, der Halbinsel Priwall, wo das wunderschöne ehemalige Segelschulschiff »Passat« liegt, den alten Leuchtturm, das Maritim und die lange Mole, das allein ist schon ein Erlebnis vom Schiff aus gesehen.

Es wird heftig gewinkt und Passagiere anderer Schiffen winken zurück, auch die Touristen in Travemünde, die am Kai spazierengehen, grüßen bzw. erwidern den Gruß der Passagiere auf dem auslaufenden Fährschiff, das von Lotsenschiffen durch die Trave begleitet wird.


Unten im Schiff bei den Bussen und Autos

In Höhe der Mole hupt das große, weiße Fährschiff zum Abschied.

Weiter und weiter entfernt sich die Gedser vom Ufer und vom Strand. Die Möwen haben noch eine Zeitlang Vergnügen, in dem aufgewirbelten Fahrwasser nach Fischen zu schnappen. Dann fliegen sie zurück. Immer kleiner werdend verschwindet auch langsam die Silhouette des Maritims am Horizont. Nun sind sie mitten auf der Ostsee und lassen sich an Deck den Wind um ihre Nasen wehen, was die beiden Freundinnen jedenfalls sehr genießen.

Dann »Land in Sicht«, allgemeine Aufregung. Wir sind in Dänemark.

Nach einer Weile enttäuschte Gesichter, denn Rodby auf Lolland in Dänemark hört sich zwar gewaltig an, aber zeigt nichts her. Eine öde und langweilige Anlegestelle mit einer mittelmäßigen Marina, wo Segelboote liegen.

Die Mädels steigen aus und suchen das Segelboot von Laras Vater.

»Ach, das liegt aber weit hinten«, verkündet Lara und Stine fragt: »Weißt du denn wie es heißt?«

»Ja, Seewind.«

Da ist es endlich, und alle Taue sind zum Glück fest. Auch sonst scheint alles in Ordnung zu sein.

»Wo ist denn nun das Schiff, mit dem wir von Rodby nach Puttgarden wollen?«, fragt Stine, da sie es nicht sehen kann.

Okay, Lara weiß den Weg, und die Mädels schlendern zum Kai … und siehe da, da liegt es schon erwartungsvoll. Die Mädels gehen an Deck und suchen sich einen schönen Platz am Fenster, denn inzwischen ist es kühler geworden. Endlich »Leinen los« und volle Fahrt auf Puttgarden, einem kleinen Ort im Norden der Ostseeinsel Fehmarn, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden zu einer Halbinsel wurde. Die Mädels freuen sich mächtig auf das nordische Büfett, das es jetzt gibt. Der leckere Anblick des mächtigen Büfetts sorgt dafür, dass sich bei den Freundinnen mehr und mehr der Hunger einstellt. Lara belehrt ihre Freundin, dass es nicht erlaubt ist, sofort darauf loszustürzen. Erst muss es eröffnet werden. Mit weiteren duftenden Speisen werden die vielen Tische des Büfetts bestückt. H’m, und wie köstlich alles aussieht.

Endlich ist es soweit und ein Stuart verkündet: »Das Büfett ist eröffnet.«

Das wird aber auch höchste Zeit, denn lange hätten die knurrenden Mägen es nicht mehr ausgehalten.

Lara gibt Stine nun Anweisungen, wie es geht mit dem Essen vom Büfett. »Stine, du kannst so oft gehen wie du willst. Deshalb packe dir nicht den Teller so voll; außerdem sieht es nicht gut aus und schmeckt dann durcheinander, weil zu viel übereinander liegt.«

»Okay, muss ja ‘nen Dummen erst einmal gesagt werden«, bedankt sich Stine.

Dann pirschen sich beide an das Büfett heran. Zunächst einmal bestaunen die Mädels all die feinen Köstlichkeiten. Ganze Fische mit großem Maul thronen über dem langen Tisch. So viele leckere Salate, Fisch und Fleisch in allen Variationen, gar nicht so einfach, etwas auszuwählen. Natürlich wollen die Mädels das essen, was es zu Hause nicht gibt, besonders die leckeren Fische. H’m, lecker, lecker, lecker … Immer wieder gehen die »jungen Damen« in Richtung Büfett und suchen sich weitere Leckereien aus bis aber auch wirklich nichts mehr hineinpasst … auch, wenn die Augen noch so viel gerne hätten.

Stine, als Fan von Wilhelm Busch, denkt dabei an Max und Moritz, die alle Hühner der armen Witwe Bolte vertilgt haben bis oben durch den Hals aus dem Munde noch jeweils ein Bein herausschaute.

So vergeht die Zeit auf hoher See nach Puttgarden schnell. Runter vom Schiff und den Bahnhof suchen, denn von hier wollen sie den Zug nach Lübeck nehmen. Die Fahrt hatten sie schon von zu Hause aus gebucht.

»Ach, da ist er ja schon, der Bahnhof … welcher Zug … wo fährt er ab?«

Lara kennt sich aus und findet schnell das richtige Gleis mit dem entsprechenden Zug.

»Supi, nun kann ja nicht mehr viel schief gehen«, freut sich Stine und setzt sich zu ihrer Freundin Lara in ein Eisenbahn-Abteil.

Beide schwärmen während der ganzen Fahrt von dem wunderbaren und ereignisreichen Tag.

In Lübeck müssen sie noch einmal umsteigen in den Bus, der sie in Richtung Travemünde bringt. Die letzten zwei Kilometer ist wieder Fußmarsch angesagt, was gerade noch so zu mit fast letzter Kraft schaffen ist.

Die gemeinsamen Tage vergehen wie im Fluge.

Der Tag der Abreise von Stine ist gekommen. Im Auto von Laras Mutter geht es zum Bahnhof.

»Ja, echt schade, dass du schon wieder weg musst«, sagt Lara traurig.

Stine entgegnet: »Wir schreiben uns doch wieder; und telefonieren können wir auch ab und zu. Und im nächsten Urlaub, liebe Lara, kommst du mich in Hardegsen besuchen.« Mit diesem Lichtblick verabschieden sich die Freundinnen.

Stine steht noch im Abteil des Zuges am Fenster und winkt bis Lara und ihre Mutter sich scheinbar aufgelöst haben.

Die Rückfahrt ist wesentlich entspannter für Stine, denn durch das viele Umsteigen auf der Hinreise hatte sie Übung bekommen.

Nach stundenlanger Fahrt mit x-maligem Umstiegen hält der Zug endlich in Hardegsen, wo Stine von ihrer Mutter auf dem Bahnsteig schon erwartet wird.

Noch tagelang erzählt Stine von den ereignisreichen Tagen bei Lara.

Nichts desto trotz hat der Alltag mit all seinen Pflichten sie wieder voll im Griff.

Lara wird von ihren Eltern ins gesellschaftliche Leben eingeführt und besucht einen Presseball, wie aus einem ihrer Briefe zu entnehmen ist.

Von einem Bernhard hat sie sich getrennt und wieder dem Werben ihres Kollegen Bert nachgegeben, der nun in die Sparkassen-Filiale zurückgekommen ist.

In einem Brief schreibt Lara ihrer Freundin Stine, dass sie ihn immer noch sehr nett findet. Sie hätten sich ausgesprochen und nun wieder versöhnt. Auch liest Stine, dass Lara schon einige Male im Kino gewesen sei und immer denselben Film angeschaut hat: »Vom Winde verweht«. Stine sollte ihn sich unbedingt anschauen und auch das Buch lesen. Lara schreibt, dass es der beste Film sei, den sie in ihrem Leben gesehen hat.

Endlich ist es wieder die Zeit, dass beide Freundinnen ihren Urlaub planen. Dieses Mal kommt Lara zu Stine.

GEGENBESUCH VON LARA BEI STINE UND HÖHNER IN GUMMIGALOSCHEN

Stine bereitet mit ihrer Mutter alles für den Besuch ihrer Freundin Lara vor. Es ist nicht nötig, Stines Bruder aus dem gemeinsamen Zimmer auszuquartieren, denn der macht glücklicherweise Urlaub bei seinem Freund in Warnsdorf und hilft dort bei der Ernte.

Das Zimmer wird gründlich geputzt, das Bett für Lara frisch und hübsch mit einem geblümten Bezug bezogen. Im kleinen Kleiderschrank wird Platz geschaffen für Laras Sachen; und ein Teil der Garderobe ihres Bruders vorübergehend in den Keller gebracht. Auf den kleinen Tisch kommen frische Blumen aus dem Garten.

Nun ist der Tag gekommen, an dem sich die Freundinnen endlich wieder in die Arme schließen können. Stines Mutter hat Kartoffelsalat vorbereitet. Gegen Mittag klingelt es an der Tür und Lara steht da in Begleitung ihrer Mutter, die sie mit dem Auto gebracht hat. Gemeinsam wird Kartoffelsalat mit Würstchen gegessen. Stine zeigt Laras Mutter stolz ihre schöne Wohnung. Nach einer lockeren Plauderei verabschiedet sich Laras Mutter.

Die Mädels räumen Laras Sachen in den Schrank und machen zunächst einmal einen Spaziergang in den ganz in der Nähe liegenden Wildpark. Dabei tauschen sie alle Neuigkeiten aus.

Am Abend dürfen sie in die, in der Nachbarschaft gelegene, Diskothek am Bahnhof. Das ist ganz in der Nähe. Nun ja, und so klein sind die Mädels inzwischen auch nicht mehr mit ihren 18 Jahren. Natürlich treffen sich dort viele Jugendliche des Ortes und auch aus der Nachbarortschaften.

Lara wirft gleich ein Auge auf Holger, der nicht abgeneigt ist. Stine tanzt mit einem jungen Mann aus Moringen. Es ist ein amüsanter Abend; und alle verstehen sich prächtig. So kommt es, dass sie sich für den übernächsten Tag verabreden. Gemeinsam wollen alle in die Weper, einen Höhenzug von Hardegsen, gehen.

Die jungen Damen kleiden sich zweckmäßig und trotzdem nett. Es ist ja Sommer und lange hell.

Somit sind sie zu 19 Uhr in der Stadt verabredet. Lara und Stine können schon aus der Ferne die jungen Männer sehen. Alle freuen sich über das Wiedersehen. Stine kennt sich gut aus und übernimmt die Führung. Es geht zum Ortsausgang Richtung Lutterhausen, aber nicht auf der Hauptstraße, sondern zur sogenannten Zwetschgen-Allee an der Zement-Fabrik vorbei. Auf halber Strecke biegen sie links ab in den Wanderweg, der in die Weper führt. Stine liebt diesen Weg, denn von da oben werden sie mit einem herrlichen Blick auf die Stadt belohnt.

»Ach nee«, staunt Holger, »hier steht ja sogar eine Bank und dann noch so versteckt.«

Stine will gerne weitergehen, aber Lara und Holger müssen zunächst einmal die Bank ausprobieren. Stine kann sehen, dass sie sich umarmen und eventuell sogar küssen. »Wir wollen aber noch weiter«, ermahnt Stine.

Langsam kommen Lara und Holger angetrottet, um gemeinsam den Weg fortzusetzen. Es gibt noch viel zu sehen. Zum Beispiel die Falkenburg, die eine kleine Ecke hinter dem Bahnhof liegt.


Die Falkenburg mit ihren gigantischen Felsen

Es ist keine richtige Burg, eher eine Höhle im Berg und von hohen Hängen umgeben. Manchmal sind hier Falken zu sehen. Dieses Glück haben die jungen Leute allerdings heute nicht. Aber allein die Vorstellung, dass es hier Falken gibt, ist einfach märchenhaft.

Der Rundweg endet am Wildgehege, das in der Nähe von Stines Zuhause liegt. Sie verabreden sich für Donnerstag.

Stine meint, dann könnten sie doch mal nach Ertinghausen gehen. Das sei ein Dorf, das in einer Sackgasse liegt, aber sogar einen Bahnhof hat.

Für Mittwoch ist ein Ausflug nach Göttingen angesagt. Lara ist ganz angetan von der langen herrlichen Fußgängerzone mit vielen interessanten Geschäften. Die jungen Damen schnüffeln die Kaufhäuser und kleineren Läden durch, ob etwas besonders Hübsches zum Anziehen zu finden ist. Und siehe da, sie werden fündig. Lara kann sich von einem roten Sommerkleid mit großem Ausschnitt nicht trennen und investiert dafür einen großen Teil ihres Urlaubsbudgets. Stine gönnt sich eine Rüschenbluse mit Blütenmuster, weil sie so schön romantisch aussieht. Auch die Fachwerkhäuser ziehen ihre Aufmerksamkeit an.

»So ein wunderschönes Rathaus mit einem Gänseliesel-Brunnen davor«, staunt Lara. Stine lässt Lara wissen, dass jeder Student das Gänseliesel küssen muss, weil es Glück bringen soll.

Dieser Marktplatz lädt zum Verweilen ein mit seinen hübschen Bänken und bunten Blumen. Daran finden die Freundinnen Gefallen und holen sich jede eine Riesen-Waffeltüte mit leckerem Eis.

Die Sonne und das Ambiente genießend finden sie es auch interessant, die vorüber gehenden Leute zu beobachten.

»Schau mal, wie findest du den denn?«, fragt Lara, als ein äußerst gut aussehender junger Mann die Straße passiert.

»Ach nee«, antwortet Stine, »der ist nicht mein Typ mit seinem Bart und den rötlichen Haaren. Ich stehe auf Männer mit schwarzen Haaren und etwas bräunlichem Teint.«

So schauen sie sich die vorbeischlendernde Männerwelt an und geben entsprechende Kommentare ab.

Am späten Nachmittag wird es Zeit, zur Bushaltestelle zu gehen, um die Rückfahrt anzutreten. Während der Fahrt lassen die Mädels noch einmal alles Gesehene und Erlebte Revue passieren. Zufrieden erreichen sie Hardegsen und bummeln nach Hause.

Vor dem Einschlafen wird immer viel gequatscht über die Familie, die Arbeit und was jede so alles im Alltag erlebt hat. Stine wundert sich, dass Laras Mutter einmal zu Lara gesagt hat:

»Mit den Männern ist es wie mit dem Pudding. Wie willst du wissen, welcher dir am Besten schmeckt, wenn du nur einen probiert hast?«

Die Zeiten, sich für den »Richtigen« aufzusparen, gehören schon damals der Vergangenheit an.

»Woher sollen wir auch wissen, welcher Mann der ›Richtige‹ für uns ist, wenn wir gleich den Erstbesten nehmen und behalten würden«, ergänzt Stine.

»Gute Nacht und schlafe gut.«

»Du auch.«

Heute ist Donnerstag; und der Fußmarsch nach Ertinghausen in männlicher Begleitung steht auf dem Plan. Pünktlich klingeln die jungen Männer; und die Vier machen sich auf den Weg. Zunächst einmal gehen sie durch den Wildpark. Das große Gehege mit den Wildschweinen, die gerade Junge haben, ist einfach toll anzusehen. »Ach, die süßen Kleinen, die sind noch ganz gestreift, freut sich Lara, »und schaut doch mal, wie die drängeln, um bei der Mutter-Sau Milch zu bekommen.«

Nun über den Bach mit den Forellen. »Die können mit der Hand gefangen werden«, sagt Stine. Die beiden jungen Männer stecken doch tatsächlich ihre Hände ins fließende Wasser und versuchen, einen Fisch zu schnappen. »Geht heute wohl nicht«, meint Stine, »sehen Euren Schatten. Kommt, lasst uns weitergehen.«

Nun entdeckt Lara ein Wasserbecken in der Landschaft und ist ganz erstaunt, als Stine erklärt, dass es ein Fußtretbecken sei. Nee, so etwas hatte sie noch nie gesehen. Ist schon verlockend, aber niemand hat Lust, nach dem Wassertreten mit nassen Füßen in Socken und Schuhen zu laufen.

»Da hinten der Wald«, sagt Stine, »das ist ein Märchenwald mit ganz vielen nachgebauten Märchen.«

»Wirklich«, staunt Lara, »dann lass uns doch gleich hingehen.«

»Okay«, antwortet Stine, »nach Ertinghausen sind es ‘eh nur zwei Kilometer, das schaffen wir noch.«

Nur etwa 200 Meter in den Wald hinein und schon ist das erste aufgebaute Märchen zu sehen. »Tatsächlich«, staunt Lara«, das ist Schneewittchen mit den sieben Zwergen.«

»Das ist aber zauberhaft.«

Nach wenigen Schritten bestaunen sie das Märchen »Hänsel und Gretel«. Lara ist ganz entzückt und kann sich kaum trennen von diesem Anblick.

»Ach, schaut doch mal«, ruft sie, als sie das Märchen vom »Rotkäppchen« entdeckt, »und da ist ja noch eines versteckt; das sind doch die ›Sieben Geißlein‹. Das ist so süß dargestellt.«

Die beiden jungen Männer hatten diesen Anlagen zwar schon einmal gesehen, aber sind genau wie Stine erneut entzückt.

Nachdem sie alles wieder und wieder bestaunt haben, verlassen die Vier den Wald, erreichen zügig die Straße und passieren nach wenigen Metern den Tunnel unter der Eisenbahn. Rechts und links wird ihr Weg von Tannenwäldern begleitet, was wieder etwas Märchenhaftes hat. Ein paar Kurven weiter liegt das Dorf Ertinghausen vor ihnen mitten im Wald und an einen Hang gekuschelt. Die wenigen Häuser sind leicht zu zählen.

»Ach was«, lässt Lara verlauten, »die haben doch tatsächlich eine Gaststätte hier. Und das soll sich lohnen?«

Stine erwidert, dass dort auch Zimmer vermietet werden. Dieser Ort in der Sackgasse ist ein Geheimtipp für Gestresste und Verliebte, weil sie hier ihre absolute Ruhe haben.

Irgendwie macht der Gasthof einen urigen Eindruck. Da alle durstig sind, öffnen sie die schwere quietschende Eichentür und betreten die etwas dunkel wirkende Gaststube. Gleich rechts kommen sie an eine Theke mit Zapfhähnen vorbei und steuern auf die wenigen Tische mit Stühlen zu, die alle leer sind. »Komisch, dass keiner zu sehen ist«, wundert sich Lara.

Aber Stine meint, dass es auf den Dörfern nicht ungewöhnlich ist, dass alle Türen offen sind und niemand in Sicht. »Hallo, ist da denn niemand?«, ruft Stine in den Raum hinein.

Nach einer Weile schlurzt ein schon älterer Mann, der offensichtlich die Füße nicht mehr richtig heben kann, von hinter der Theke kommend in die Gaststube und grüßt mit: »Gooden Dach, wat kann ick för sei dohn (Guten Tag, was kann ich für sie tuen?)?«

Stine fragt: »Könnt we wat to drinken hem (Können wir etwas zu Trinken bekommen?)?«

»Wat sall dat denn sinn (Was darf es denn sein?)?«, will der merkwürdig ausschauende Gastwirt wissen.

Stine fragt ihn, ob er Cola hätte. »Dat hebt wi (Das haben wir)«, entgegnet der Wirt brummig; und Stine bestellt vier Cola mit Strohhalmen, denn sie hat Bedenken, dass die Gläser nicht besonders sauber sein könnten und sie dann Gefahr laufen würde, Herpes zu bekommen, da sie dafür sehr empfänglich ist. »Dor möt ick mal kieken, ob dor noch Halms tou finden sünd (Da muss ich mal sehen, ob ich noch Strohhalme finde).«

Lara, die sich sichtlich unwohl fühlt, steht das Entsetzen im Gesicht geschrieben, sagt aber nichts. Die Vier setzen sich an einen dunklen Holztisch mit Plastikblumen in einer nicht mehr ganz heilen Vase. Sie blicken etwas irritiert umher und beobachten gespannt den Wirt. Dieser trägt eine dunkle Manchester-Arbeitshose, die schon etwas mitgenommen aussieht und ein kariertes halb offenes Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln. Seine Füße stecken in alten löchrigen Pantoffeln. Mit schlurzigen Beinbewegungen und einem Tablett mit vier Gläsern Cola drauf nähert sich dieser dem Tisch. Er stellt die Gläser, sogar mit Strohhalmen drin, auf den Tisch und fragt: »Sünd jou ut Hardegsen or anderswo her? (Seid ihr aus Hardegsen oder woanders her)«, was dieses Mal sogar die anderen Drei verstehen bzw. vermuten.

Es entwickelt sich eine lockere Unterhaltung, die dem Wirt zu gefallen scheint.

Stine fragt ihn, ob er denn seine Zimmer alle vermietet hätte. »Nee, vun Tog nich, för Sünabend hebt sick aber Lüe anmeld (Nein, heute nicht, aber für Samstag haben sich Leute angemeldet)«, brummelt er aus seinem unrasierten Gesicht, auf dem die Haare wie gerade aufgestanden wirken. Mit seiner befleckten alten Hose, über die sein Bauch, wie ihn fast alle Gastwirte haben, etwas rüberhängt, dem karierten Hemd, das leicht geöffnet ist und den alten durchlöcherten Hausschuhen sieht er wirklich gewöhnungsbedürftig aus. Er scheint ihre Blicke zu spüren und erklärt, dass er in erster Linie Landwirt sei und das kleine Wirtshaus nebenbei betreibt, um besser über die Runden zu kommen. Gerade wäre er noch im Stall gewesen, denn eine seiner fünf Kühe ist am Kalben. Da muss er hin und wieder schauen, ob alles okay ist. »De Stadtlü kömmt gern tou mi, denn bi mi hebt sei dat Gefeul, in ne all lang trüchleigende Tied to kummen (Die Stadtleute kommen gerne zu mir, denn bei mir haben sie das Gefühl, in eine schon lange zurück liegende Zeit zu kommen). Hier hebt se ok Rou, hört den Hahn kreien und ock mal de Kou muhen.«

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22 aralık 2023
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