Kitabı oku: «Der Nachsuchenführer»

Yazı tipi:

Helmut Huber

Der Nachsuchenführer

Von der Arbeit mit dem Schweißhund



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Bildnachweis: Foto Umschlag-Vorderseite

und Fotos auf den Seiten 5, 18, 23, 26, 34, 35, 90, 143: Desiree Schweers

Alle übrigen Fotos wurden vom Autor zur Verfügung gestellt.

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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ISBN 978-3-7020-1888-7

eISBN 978-3-7020-1988-4

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© Copyright by Leopold Stocker Verlag, Graz 2020

Layout und Repro: Ecotext-Verlag Mag. G. Schneeweiß-Arnoldstein, Wien

Inhalt


Vorwort

Die gerechte Ausbildung und Führung eines Schweißhundes

Das erwartet Sie als Nachsuchenführer

Welche Rasse?

Besonders geeignete Hunde für erschwerte Nachsuchen

Vom Welpen zum guten Nachsuchenhund

Welpenerziehung – Grundlegendes

Regeln sind wichtig

Bindung schaffen

Das Wesen

Gesundheit

Ausrüstung für den Nachsuchenführer

Ausrüstung für den Nachsuchenhund

Erfahrung macht den Meister

Nachsuchen – eine Herausforderung

Wie werden Sie „anerkannter Nachsuchenführer“?

Voraussetzungen, Prüfungen & Jagdhundeorganisationen

Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn

Vom Junghund zum erwachsenen Hund

Undank ist des Menschen Lohn

Die „Talibanhütte“

Total verzwickt!

Fichtennadelbad

Von Stolz und Überheblichkeit

Nachträgliche Gedanken

Hauptsaison

Gedanken

Anhang – Jagdhundewesen in D, A, CH

DEUTSCHLAND

Jagdgebrauchshundeverband e.V. (JGHV e.V.)

Prüfungen

ÖSTERREICH

Österreichischer Jagdgebrauchshunde-Verband (ÖJGV)

Prüfungen

SCHWEIZ

Arbeitsgemeinschaft für das Jagdhundewesen (AGJ)

Vorwort


„Wenn Dein Mut sich Dir verweigert, geh über Deinen Mut hinweg!“

(Emily Dickinson)

Ich brauchte für dieses Buch viel Zeit, sehr viel Zeit, unzählige Male löschte ich, fing wieder an, um schließlich zu erkennen, dass alles nur Quatsch war, was da stand. Worte, die keine Sätze ergaben, Sätze, die so verdreht waren, dass sie keinen Sinn hatten.

Erlebnisse und Erinnerungen hatte ich genügend, die Leichtigkeit aber, sie in Worte zu fassen, war nicht mehr abrufbar.

Ich bat meine Frau, meine Kinder, aber auch Freunde, die überhaupt nichts mit der Jagd am Hut haben, meine Geschichten zu lesen. Ihr Nachfragen setzte mich nur unter Druck, es half mir nicht.

Orgo auf einer Wundfährte

„Dieses Buch gehört mit zu den besten Jagderzählungen, die es gibt!“ Mit solchen und vielen anderen Kritiken wurde ich für mein erstes Buch mit Lob überhäuft. Aber was hilft alles Lob und Wollen, wenn die Inspiration fehlt, wenn man nächtelang auf ein leeres Blatt Papier starrt und den Glauben an sein Können verloren hat. Hatte ich mit meinem ersten Buch nur ein Strohfeuer entfacht? Ich wollte keinen „One-Night-Stand“, ich dachte, dass ich Talent hätte, und jetzt war alles weg.

Lob war nie meine Motivation. Es hilft zwar, sich in einem nie dagewesenen Selbstbewusstsein als jemand Besonderes zu fühlen, aber ich wollte gar nicht jemand Besonderes sein. Ich wollte authentisch sein, jemand, mit dem man sich identifizieren kann, der anders schreibt, nämlich einfach.

So banal es klingen mag, der Verlust eines lieben Menschen, die Erinnerungen an ihn und die Verarbeitung des Schmerzes halfen mir, wieder den Glauben an mich selbst zu finden. Stundenlange spirituelle Gespräche mit meiner Frau fachten wieder ein Feuer in mir an.

Es öffneten sich Tore, die verschlossen gewesen waren, geistige Blockaden, die mir wie riesige Hindernisse meinen Geist nahmen, waren wie weggeblasen.

Ich fand wieder meine Inspiration.

So schrieb ich wieder über die alltägliche Arbeit als anerkannter Nachsuchenführer, über die Arbeit mit dem „roten Hund“, die viele meiner Kollegen tagtäglich tun.

Für mich ging schon mit meinem ersten Buch ein Traum in Erfüllung, ich wollte die Jägerschaft für die Nachsuche sensibilisieren. Und das will ich auch mit diesem zweiten Band. Jäger sollen nicht wegschauen, nicht sagen: „Ach, das Stück hat ja nur einen Kratzer!“

Nein, Jäger sollen Rückgrat zeigen, Achtung vor der Kreatur haben und sagen: „Jetzt brauchen wir einen Spezialisten, das sind wir dieser Kreatur schuldig.“

Mit meinem ersten Buch ist mir dies offensichtlich gelungen, es gab viele, die mich anriefen und sagten: „Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, ich habe es an einem Tag gelesen, schade, dass es nur 144 Seiten hat!“

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Lesern und ihren zahlreichen begeisterten Rückmeldungen, denn sie waren der Grund für dieses weitere Buch.

Seit 15 Jahren bin ich anerkannter Nachsuchenführer in Bayern. Mit meinem Hannoverschen Schweißhund „Orgo“ habe ich jedes Jahr 100 bis 150 Nachsucheneinsätze (hauptsächlich Sauen und Rotwild). Mein Arbeitgeber hat für meine ehrenamtliche Tätigkeit im Sinne des Tierschutzes sehr großes Verständnis, hinzu kommt, dass mein Chef selbst Jäger ist. So habe ich die Möglichkeit, fast alle anfallenden Nachsuchen annehmen zu können. Mein Einsatzgebiet erstreckt sich vom Truppenübungsplatz Hohenfels in der Oberpfalz über die Bayerischen Forstbetriebe Allersberg und Rothenburg in Mittelfranken bis an die Weinberge in Unterfranken. In den „Schonzeitmonaten“ halte ich Referate in den Jägervereinigungen, Hegeringen und Jagdschulen zum Thema Nachsuche sowie zur Auswahl und Ausbildung von Nachsuchehunden.

Ich bin also ein Praktiker durch und durch, ich arbeite bereits mit dem zweiten Hannoverschen Schweißhund, davor habe ich einen Bayerischen Gebirgsschweißhund geführt. Von meinen Erfahrungen bei Nachsuchen, aber auch bei der Erziehung und Führung von Nachsuchehunden handeln meine Empfehlungen, Anregungen und Erzählungen.

Manche Geschichten mögen etwas übertrieben klingen, aber sie sind alle wahr. Selbst auf die Gefahr hin, dass eine Suche wie die andere klingt, ist jede für sich einzigartig und etwas Besonderes, denn es geht immer um ein Tier, das mit großen Schmerzen und Leid alleine in irgendeiner Dickung qualvoll sterben muss – oder noch schlimmer, nicht sterben kann.

Ich schreibe meine Erfahrungen und Erlebnisse auf, nicht weil ich ein Buch schreiben oder den Finger heben will, sondern weil ich zum Glück die Gabe habe, einen Hund so auszubilden, dass er unter extremen Bedingungen seine Fährte halten kann und wir beide als „Gefährten“ im Auftrag des Tierschutzes arbeiten. Nichts anderes treibt mich an als die Achtung vor der Kreatur und Weidgerechtigkeit!

Ein sehr kluger Mann, den ich nicht persönlich kenne, aber sehr schätze, sagte einmal: „Um ein Amt brauchst du dich nicht bewerben, es kommt auf dich zu!“ So ist dieses Amt auf mich zugekommen, nicht, weil ich mich darum beworben hätte, nein, einfach so. Jeder von uns hat eine Einzigartigkeit, und jeder hat ein Talent. Es liegt an jedem selbst, sein Talent herauszufinden und es zu fördern. Nicht was wir beruflich tun, spielt eine Rolle im Leben, sondern nur das, was wir aus freiem Antrieb tun, aus Überzeugung. Das Leben wird durch ein Wertesystem, ein Ethos bestimmt. Ich habe das Glück, so von meinem Wertesystem überzeugt zu sein, dass ich es auch lebe.

Ich bin nichts Besonderes, einfach nur einer von Ihnen. Auf jeden Fall ist eines meiner Talente der Hund, ich bin ein Rudelführer, der keine Worte braucht, um mit Hunden zu sprechen.

Ich werde Ihnen Geschichten erzählen, die ich mit meinem HS-Rüden Orgo in vielen Revieren erlebt habe, ich werde aber auch Tipps geben, wie Sie mit Ihrem Hund arbeiten können. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, welche Rasse Sie führen: Jeder von Ihnen, egal ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, kann einen Hund ausbilden, wie Sie ihn haben wollen, Sie brauchen nur GEDULD!

Damit meine ich nicht, dem Hund irgendwelche Kunststücke beizubringen, nein, ausbilden bedeutet zusammenzuwachsen, sich zu vertrauen.

Sollte mir entgegengehalten werden, dass ein Buch niemals die Praxis ersetzen kann, so kann ich dem nur zustimmen. Aber mit meinen Erfahrungen möchte ich jene unterstützen, die bereits einen Welpen haben und sich manchmal fragen, ob sie alles richtig machen oder ob es auch andere Ansätze und Möglichkeiten gibt, seinen künftigen Nachsuchenhund bestmöglich auszubilden. Und für jene, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Welpen zuzulegen oder Nachsuchenführer zu werden, kann es ein erster Einblick und eine Hilfe und Stütze sein.

Eines jedoch kann es auf jeden Fall: Mein Buch erzählt von der Praxis, und lernen kann man auch aus der Erfahrung und aus der Praxis anderer! Und es zeigt hoffentlich eindrucksvoll, dass die Ausbildung eines Nachsuchenhundes/Schweißhundes etwas völlig anderes ist als die eines Hühnerhundes.

In diesem Buch steckt unendlich viel Zeit, nehmen Sie sich die Zeit, um es aufmerksam zu lesen. Ohne meine Familie, meine beiden Jungs und meine Frau, die mir immer den Rücken freigehalten haben, damit ich seit Jahrzehnten meine Berufung leben darf, würde es dieses Buch nicht geben.

„Im Leben gibt es zwei Dinge, die man nicht vorhersagen kann, wie sie enden: eine Nachsuche und eine Ehe!“

Helmut Schock-Huber

Merkendorf, Sommer 2020

Die gerechte Ausbildung und Führung eines Schweißhundes


Was bedeutet eigentlich „gerechte Ausbildung?“ Ich verstehe im überlieferten Sinn darunter die artgerechte Führung eines Hundes, der intensiv als Jagdhund eingesetzt wird. Ein guter Jagdhund ist einer, der gesund ernährt wird, einer, der „sportlich“ topfit ist, einer, der auch mal in einer Winternacht nicht vor dem Ofen liegt, einer, der seinem Instinkt folgen kann, einer, der einen ausgeprägten Beutetrieb und Finderwillen hat, und einer, der scharf und anhaltend stellt. Vieles bringt er bereits bei seiner Geburt mit, das muss ich nur aus ihm herauslocken und fördern. Für das Übrige, wie Gesundheit, Sport und Vertrauen zueinander, bin ich verantwortlich.

Das erwartet Sie als Nachsuchenführer

Wenn Wild von einem Jäger angeschossen wird, so ist dieser verpflichtet, eine Nachsuche zu veranlassen, d. h. das Wild im Idealfall mithilfe eines Hundeführers mit einem gut ausgebildeten Nachsuchenhund zu verfolgen, zu finden und zur Strecke zu bringen. Ziel ist es, das verletzte Wild vor langem Leiden zu bewahren und möglichst rasch zu erlösen. Es geht aber auch um die Bergung von bereits verendetem Wild. Jagdgesetze sind zwar Ländersache und variieren von Bundesland zu Bundesland (egal ob in Deutschland oder Österreich), die Verpflichtung (bzw. das Gebot) für den Jäger zur Nachsuche ist jedoch überall enthalten.

In Deutschland gibt es den Begriff „anerkannter Nachsuchenführer“, in Österreich sind es die „Jagdgebrauchshundeführer“, die im Ehrenamt mit ihren ausgebildeten und vom jeweiligen Jagdhundeverband geprüften Hunden verletztes Wild suchen und tierschutzgerecht von seinem Leid erlösen. Und wie das so bei Ehrenämtern ist: Ohne Ihre absolute Begeisterung für die Sache brauchen Sie erst gar nicht mit dem Gedanken spielen, Nachsuchenführer zu werden.

Nachsuche – dieses Wort ist ein recht allgemeiner Begriff, der jedoch verschiedenste Facetten haben kann. Die Nachsuchen, die ich durchführe und in diesem Buch beschreibe, sind meistens solche auf Wildschweine und auf Rotwild. Manche Nachsuchen sind einfach, und das verwundete Wild ist bald gefunden. Es gibt aber auch immer wieder erschwerte Nachsuchen, und zwar meist, wenn es um Sauen geht. Diese sind das einzige wirklich wehrhafte Wild in Europa, und zwar besonders dann, wenn sie verletzt sind! Das kann nicht nur für Ihren Hund gefährlich werden, sondern auch für Sie!

Extrem lange dauernde Nachsuchen durch Dickicht und Dornengestrüpp können Sie als Nachsuchenführer schon mal an die Grenzen Ihrer physischen Leistungsfähigkeit bringen! Und vergessen Sie nicht, selbst nach solchen physischen Anstrengungen müssen Sie psychisch noch in der Lage sein, das leidende Tier zu erlösen bzw. im schlimmsten Fall mit einer annehmenden Sau zu kämpfen!

Als Nachsuchenführer bzw. Jagdgebrauchshundeführer in einer Gebirgsregion werden Sie zwar nicht das Problem mit Sauen haben (zumindest nicht häufig), bei Ihnen können jedoch andere Umstände zu erschwerten Nachsuchen führen: Kilometerlange Märsche bergauf und bergab, steiles oder gar felsiges Gelände oder auch extreme Wetterverhältnisse wie meterhoher Schnee oder plötzlich einsetzender Nebel u. Ä. sind für Gebirgsjäger Herausforderungen, die eine Nachsuche enorm erschweren können.

Wo Sie auch leben und jagen: Auf keinen Fall dürfen Sie sich diese zukünftige Aufgabe zu leicht vorstellen. Nachsuche bedeutet meistens nicht nur schnell 100 Meter im Wald für einen Freund ein angeschossenes Stück Wild zu suchen, um mehr oder weniger Bergehilfe zu leisten. Nachsuche kann auch oft totale Erschöpfung bedeuten. Kilometerlanges Durchschlagen in unwegsamem Gelände, durchgeschwitzte Klamotten, zerfetzte Jacken sind keine Seltenheit. Manchmal ist Ihr Gesicht wochenlang dornenzerkratzt, und Ihre Frau schämt sich, wenn sie mit Ihnen irgendwo hingehen will. Manchmal müssen Sie sogar mit Verletzungen oder Blutergüssen am ganzen Körper rechnen, weil Sie in steilem Gelände gestürzt sind oder ein Wildschwein Sie überrascht und durch die Büsche geworfen hat.

Nachsuchenführer zu sein kann Streit und Ärger mit Ihrer Frau bedeuten, weil Sie nie sagen können, wann Sie wieder nach Hause kommen. Und bedenken Sie bitte: Ein guter Nachsuchenführer wird zu vielen Nachsuchen gerufen werden!

Als guter Nachsuchenführer werden Sie dieser Sucht total verfallen, nach spätestens fünf erschwerten Nachsuchen werden Sie diesen Urinstinkt aufgesogen haben und sich danach sehnen, dass Ihr Handy klingelt und Sie zur Nachsuche gerufen werden.

Keiner, mit dem Sie darüber sprechen, wird Sie verstehen, jeder wird sagen, dass es keinen Spaß machen kann, mit einer angeschossenen Wildsau irgendwo in einer Dickung zu raufen oder über Stock und Stein eine angeschossene Gämse zu verfolgen.

Und ob das Spaß machen kann, wenn Sie es wollen! Nicht nur ein bisschen, nein, ein bisschen Nachsuchenführer zu sein, das gibt es nicht.

Deshalb rate ich Ihnen eindringlich: Bevor Sie mit Ihrer Familie die Entscheidung treffen, sich einen Nachsuchenhund zuzulegen und Nachsuchenführer zu werden, müssen Sie bereit sein, das alles auf sich zu nehmen.

Wenn nicht, holen Sie sich einen kleinen süßen Welpen, der einfach nur Ihr Jagdbegleiter wird. Daran ist nichts Negatives, nicht jeder Mensch kann und will das auf sich nehmen. Für ein angeschossenes Wildschwein in einer Dickung geht es um Leben und Tod. Es kostet schon Überwindung, auf allen Vieren in eine Brombeerhecke zu kriechen, in der Ihr Hund eine 60 Kilogramm schwere Sau stellt. Mut ist das sicher nicht, es ist das Wollen, es ist der uralte Trieb, Beute zu machen. Es geht um Gemeinsamkeit, es geht darum, Gefährten zu sein, miteinander zu jagen und miteinander Beute zu machen. Ihr Hund wird alles für Sie tun, wenn er weiß, dass Sie sein Gefährte sind.

Worte zu lesen, die spannend geschrieben sind, ist einfach. Aber können Sie sich auch vorstellen, in diese Dickung hineinzukriechen? Ja? Na, dann kann es losgehen, werden Sie Nachsuchenführer!

Welche Rasse?

Grundsätzlich ist es völlig egal, welche Hunderasse Sie führen! Mit Ihrer Leidenschaft und Ihrem unbedingten Willen bringen Sie jeden Welpen dazu, nach einer langen Ausbildung eine erschwerte Nachsuche zu meistern.

Ich schreibe bewusst nicht über den Schweißhund, sondern über Nachsuchenhunde, ich schreibe über Nachsuchenführer, nicht über Schweißhundeführer. Ganz bewusst stelle ich mich nicht hin und halte, wie Sie es so oft lesen oder hören, das Fähnlein der etablierten Schweißhundefraktion hoch, obwohl ich überzeugter Hannoverscher Schweißhundemann im Verein Hirschmann bin.

Ob Sie einen Dackel oder einen Wachtelhund, einen Deutsch Drahthaar oder Retriever führen, ist völlig egal. Wichtig ist, er muss gültige Papiere haben!

Ohne diese elementare Voraussetzung können Sie nie ein anerkannter Nachsuchenführer (bzw. Gebrauchshundeführer in Österreich, diese sind dann regionsweise sogenannten Bereichshundestationen zugeteilt) werden. Sie werden nie die Möglichkeit haben, Ihrem Hund die Anzahl an Suchen zu bieten, die er braucht, um firm zu werden und zu bleiben. In den meisten Bundesländern können Sie mit einer „Schwarzzucht“ nicht einmal die Brauchbarkeitsprüfung (Anlagenprüfung in Österreich) ablegen, geschweige denn eine Verbands-Schweißprüfung.

Das ist leider so, in Deutschland braucht man unbedingt einen „Zettel“, auch wenn dieser an und für sich noch nichts über die zukünftige Qualität des Nachsuchenhundes aussagt. In Österreich ist es ähnlich, zwar können auch Hunde ohne Papiere zu hervorragenden Nachsuchenhunden ausgebildet werden, eine Gebrauchshunde-Prüfung oder gar die Zucht für den Verband, also damit man Papiere für die Welpen bekommt, ist allerdings auch nur „mit Zettel“ möglich.

Ein gutes Beispiel sind die sogenannten „Heideterrier“, diese sind von keinem Jagdhundeverband anerkannt, sind aber gefragte Meute- und Stöberhunde bei Jägern, die viel auf Wildschweine jagen.

Wie auch immer, manche Dinge darf man nicht hinterfragen, sie sind nicht änderbar, hier und jetzt zumindest nicht. Da das Jagdhundewesen bzw. der Einsatz von Jagdgebrauchshunden im jeweiligen Landesjagdgesetz festgelegt ist und es beinahe für jede Jagdhunderasse eigene Vereine gibt, die Prüfungs- und andere Bestimmungen für die jeweilige Rasse festlegen, informieren Sie sich am besten im jeweiligen Landesjagdverband über die zuständigen Stellen. Einen groben Überblick von Adressen und grundlegenden Informationen über die Bestimmungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie ab S. 140.

Nach welchen Kriterien treffen Sie also Ihre Auswahl? Ich bin der Ansicht, Ihr Hund findet Sie, nicht umgekehrt. Die wichtigste Frage, die Sie sich stellen müssen, ist: Welche Rasse passt zu mir, zu meinem Revier und zu meiner Familie?

Sprechen Sie mit Ihrer Familie offen darüber, bestimmt haben Sie ja schon einen Favoriten, nehmen Sie sich Zeit, und wenn Ihre Frau oder Ihre Kinder diese Rasse nicht kennen, schauen Sie sich mit ihnen Bilder im Internet an. Glauben Sie mir, jeder Zuchtverband schreibt sich auf seine Fahne, dass diese bestimmte Rasse total familienfreundlich und kinderlieb ist. Alles Quatsch! Familienfreundlich und kinderlieb wird der Hund nur durch Ihre Erziehung. Kein Welpe wird „familienfreundlich“ geboren. Lassen Sie die Finger von Züchtern, die solche Behauptungen aufstellen, das hat nichts mit Leistungszucht zu tun. Ebenso brauchen Sie keinen Welpen, der Ihnen von einem Händler irgendwo in Europa für viel Geld vermittelt wurde. Kein Jagdhundewelpe mit anerkannten Jagdgebrauchshundeverbandspapieren darf in Deutschland mehr als 1000 € kosten (in Österreich und in der Schweiz sind die Preise für Jagdhunde erheblich höher, deshalb informieren Sie sich wiederum am besten beim Verband der jeweiligen Rasse).

Die nächste Frage ist: Was wollen Sie mit diesem Hund machen? Für ein Niederwildrevier werden Sie sich logischerweise einen Vorstehhund zulegen. Für ein Bergrevier mit Reh-, Rot- und Gamswild wird es eher ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, eine Bracke oder ein Hannoverscher Schweißhund sein. Für die Baujagd sind natürlich Terrier oder Dachshunde besonders gut geeignet. Und wenn Sie so wie ich vorrangig Schwarz- und Rotwild nachsuchen, sollte es eine Jagdhunderasse sein, die vom Stockmaß nicht größer als 55 Zentimeter ist, denn vor allem für Nachsuchen auf Schwarzwild ist ein zu langbeiniger Hund eher nicht so gut geeignet, weil er in einer Dickung schlechter vorankommt. Er sollte aber auch nicht kleiner als 30 Zentimeter sein. Bestimmt kommt jetzt von allen Dackelführern der große Aufschrei! So gut ein Dackel auch auf der Wundfährte sein kann, hat er doch ein großes Handikap, das ihn als Nachsuchenhund für erschwerte Nachsuchen ausschließt. 80 % aller erschwerten Nachsuchen enden mit einer Hatz, allein diese Tatsache macht ihn dafür unbrauchbar. Ein Dackel kann niemals ein laufkrankes Stück Rot- oder Rehwild fangen. Das ist bei diesen Wildarten ein absolutes Muss, denn diese werden sich niemals einem Hund stellen. Durch seine kleinen Beinchen ist er beim Stellen von wehrhaftem Wild viel zu unbeweglich, ein Alttier würde ihn mit den Vorderläufen erschlagen, ein Wildschwein würde mit ihm in der Dickung kurzen Prozess machen.

Für die Nachsuche von Reh-, Rot- und vor allem Schwarzwild brauchen Sie einen vom Wesen ruhigen, von seiner Statur schlanken, nicht zu kleinen, aber auch nicht zu großen, im Kopf klaren Hund, der schnell und beweglich ist und ausdauernd jagen kann. Keinen „Killer“, wie es oft unsere Vorstehhunde sind, wobei ich diese hier nicht ausschließen will. Auch unsere Vorstehhunde können unter Umständen richtig gute Nachsuchenhunde sein, oft jedoch schießen sie durch ihre große Passion übers Ziel hinaus, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Besonders geeignete Hunde für erschwerte Nachsuchen

Nachdem ich nun sowieso schon bezüglich Dackeln und Vorstehhunden ins Fettnäpfchen getreten bin, kann ich jetzt ruhig ein paar meiner bevorzugten Jagdhunderassen nennen, die ich für die Nachsuche schätze.

• Der Hannoversche Schweißhund ist natürlich meine erste Wahl, hier aber nicht der schwere Schlag, der Gott sei Dank fast nicht mehr gezüchtet wird (mit seinen über 50 Kilogramm ist er viel zu schwer und unbeweglich).

• Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ebenfalls ohne Einschränkung die richtige Wahl.

• Auch die Dachsbracke ist hervorragend dafür geeignet.

• Der Wachtelhund kann richtig gut werden, wenn man ihn nicht zum Stöberhund ausbildet.

• Die Steirische Rauhaarbracke ist ebenfalls ein sehr guter Nachsuchenhund.

• Der Schwarzwälder Schweißhund ist eine Kreuzung zwischen Hannoverschem Schweißhund und Plott Hound und gut geeignet für die Nachsuche. Obwohl er schon seit 1994 als eigenständige Rasse gezüchtet wird, kennen viele ihn nicht. Hier haben wir aber das Problem mit der Anerkennung der Papiere.

• Der kleine Münsterländer ist auch ein sehr brauchbarer Hund rund um die Nachsuche.

Erkennen Sie, was ich meine? Nicht die Größe und Stärke eines Hundes sind hier gefragt, für die erschwerte Nachsuche braucht man einen Leichtathleten.

Übrigens, was ich über den Wachtelhund gesagt habe, gilt für jede Rasse, für die Sie sich entscheiden: Jeder Hund kann zum Nachsuchenhund ausgebildet werden. Jedoch sollte meiner Meinung nach ein Nachsuchenhund wirklich nichts anderes machen, nein, auch keine Ente aus dem Wasser holen. Denn ein Nachsuchenhund, der auch noch Wasserarbeit leisten muss, wird meiner Ansicht nach in keinem Bereich hervorragend werden. Sie müssen sich das etwa so wie bei den Diensthunden vom Zoll vorstellen: ein Hund, der auf Drogen abgerichtet ist, riecht keinen Sprengstoff oder kein Geld. Zollhunde werden auch niemals für mehrere Dinge ausgebildet. Meine Nachsuchenhunde haben deshalb immer nur Schalenwild nachgesucht, und alle waren außerordentlich erfolgreich!

Natürlich will und kann ich andere Jagdhunderassen nicht ausschließen, weil es immer Ausnahmen gibt. Auch ein Terrier kann unter Umständen ein guter und ruhiger Sucher sein, meistens jedoch ist er ein guter Jäger, und so einen können wir nicht brauchen.

Ob ein Jagdhund zum Nachsuchenhund, Stöberhund oder Vorstehhund wird, das hat nicht der Zuchtverband, seine Eltern oder der Züchter entschieden. Sie machen Ihren Hund durch die Ausbildung dazu!

Vom Welpen zum guten Nachsuchenhund

Es gibt viele Methoden oder Rituale, wie sich ein Jäger seinen Welpen aussucht. Nehmen Sie den, der Ihrer Frau oder den Kindern gut gefällt. Es ist total egal, ob er beim Händeklatschen zusammenzuckt oder ob er freudig auf Sie zukommt. Ob der Züchter ein Berufsjäger ist oder nicht, ob der fünf Wochen alte Welpe schon mal auf einer Sau herumgeturnt hat oder nicht, ob er mit seiner Mutter und den Wurfgeschwistern schon mal im Wald und im Wasser war oder nicht – ganz egal. Hat der Rüde, den sich Ihre Tochter/Ihr Sohn/Ihre Frau ausgesucht hat, nur einen Hoden – total egal, nehmen Sie ihn.

Wichtig ist jedoch, ob Kinder ausgiebig mit den kleinen Welpen gespielt haben, immer wieder, täglich, danach sollten Sie sich erkundigen.

Diese neun, zehn oder elf Wochen, die ein Welpe bei seiner Mutter und seinen Wurfgeschwistern ist, prägen ihn überhaupt nicht. Er lernt Fressen, Sehen, Gehen und dass er sich nicht in den Wurfkessel lösen darf. Das ist alles! Erst wenn er nach diesen Wochen in sein neues Zuhause kommt, wird er so, wie Sie ihn später einmal haben. In Ihrem Hund wird sich Ihre Erziehung/Ausbildung widerspiegeln. Geben Sie später nicht dem Züchter die Schuld, wenn Sie mit Ihrem Hund nicht zufrieden sind.

Welpenerziehung – Grundlegendes

Eines habe ich in den vielen Jahren der Schweißhundeausbildung gelernt: „Ein guter Jäger macht einen guten Hund und ein guter Hund einen guten Jäger!“

Schon auf dem Weg nach Hause sind Sie der Rudelführer, und das muss dieser kleine Welpe wissen, immer und zu jeder Zeit.

Nicht Härte und Brutalität zeichnen eine gute Erziehung aus, sondern Konsequenz, Zurückhaltung, Überlegenheit, Geduld, und wieder Konsequenz. Das muss der Geist sein, der Sie bei der Ausbildung Ihres Welpen antreibt und Ihren kleinen Zögling zu Ihnen aufschauen lässt. Seien Sie positiv arrogant in Ihrer Erziehung, finden Sie eine innere Ruhe und Gelassenheit, nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit! Das alles fängt bereits im Auto auf dem Heimweg an, und das prägt von Anfang an das Wesen Ihres Hundes.

In dieser Phase, die ich bis hierher beschrieben habe, können Sie nicht mehr zurück.

Sie haben eine Entscheidung getroffen, Sie sind bereits Nachsuchenführer, auch wenn der Kleine (oder die Kleine, das gilt auch für das restliche Buch, der Einfachheit halber weise ich nicht jedes Mal darauf hin, dass der Hund/die Hündin oder der Kleine/die Kleine gemeint sein können) erst zehn Wochen ist.

Zwischen der 9. und 12. Lebenswoche bekommen die meisten Hundeführer ihren Welpen nach Hause. Dass jetzt erst mal die Familie den Kleinen in Beschlag nimmt, ist völlig normal und muss sogar gefördert werden. Bis jetzt ist Ihr Welpe wohlbehütet bei seinen Wurfgeschwistern und seiner Mutter in wohliger Wärme aufgewachsen. Es ist schwer genug für den Kleinen, seine Mutter und Geschwister nicht mehr zu haben. Sorgen Sie dafür, dass er die ersten Wochen im neuen Rudel ohne Angst verbringen kann und nie alleine ist. Er soll in einem intakten „Rudel“ aufwachsen, zumindest während seiner Kindheit. Lassen Sie in den ersten Wochen so viele Kinder wie möglich mit Ihrem Hund spielen. Das soll nicht heißen, dass Ihr Welpe alles darf, nein! Er soll nicht im Ehebett schlafen, auch nicht bei den Kindern im Kinderzimmer spielen und in den Betten rumtoben, zum Toben ist der Garten da. Die Wohnung/das Haus ist ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit, hier wird auch nicht gefressen. Je früher Sie diese einfachen Regeln und Gesetze einführen, umso leichter wird der tägliche Umgang miteinander. Auch in einem richtigen Rudel gibt es diese und andere Regeln/Gesetze, die eine Alphahündin ohne Kompromiss durchsetzt. Überlegen Sie gut, was Sie Ihrem Hund als Welpe erlauben. Es ist unglaublich schwer, ihm Gewohntes wieder zu nehmen bzw. wieder abzugewöhnen. Niemals darf sich der Hund Ihnen, Ihrer Frau und den Kindern gegenüber gleichwertig sehen. Das darf auf keinen Fall geschehen, die wichtigste aller Regeln in einem „Familienrudel“ ist: Der Hund ist in der „Hackordnung“ ganz hinten, er ist nicht der Vorletzte, weil da vielleicht die Oma oder Schwiegermutter ist, nein, der Hund ist an letzter Stelle!

Regeln sind wichtig

Jedes Wort, egal von wem es kommt, hat für den Welpen Gültigkeit. Dieser kleine, süße, putzige, mit seinem Unschuldsblick sich in die Herzen schleichende Welpe bekommt es sofort mit, wenn die Frau sagt, der Hund darf nicht mit aufs Sofa, und Sie nehmen ihn trotzdem mit.

Gespielt und gefressen wird nur draußen, auch Wasser gibt es in der „Höhle“ nicht, und es wird schon gar nicht gepinkelt oder gekackt. Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, die Schweinereien zu beseitigen, sondern auch, dem Kleinen begreifbar zu machen, dass sowas in der Höhle nicht passieren darf. Auch nicht am ersten Tag, seine Mutter hat ihm das beigebracht! Machen Sie jetzt nicht den Fehler, das rückgängig zu machen.

Natürlich wird es passieren, dass er mal in die Ecke pinkelt oder mehr. Dann haben Sie sein Zeichen, das seine Mama immer verstanden hat, nicht erkannt, weil er erst zu kurz bei Ihnen ist, oder Sie haben nicht gelernt, Ihren Welpen zu beobachten. Laut schimpfen hilft gar nichts, wenn Sie ihn jetzt beobachten, sehen Sie, dass er genau weiß, dass er etwas gemacht hat, was er nicht darf. Durch Schreien und lautes Schimpfen verängstigen Sie Ihren Welpen nur, das kann so weit führen, dass er dadurch Angst bekommt und sich verkrümelt, sobald Sie den Raum betreten. Packen Sie ihn am Genick, nicht zu fest, aber auch nicht zärtlich, er soll schon wissen, dass was im Busch ist. Ein kurzes Schütteln in Verbindung mit einem grimmigen „Pfui“ wirkt Wunder.

Leider werden Sie jetzt wahrscheinlich ein Problem mit Ihrer Frau und den Kindern haben, ganz besonders, wenn Sie Töchter haben. Aber nur so geht’s und Sie werden als Rudelführer akzeptiert. Ihr Welpe wird sich in Zukunft auf irgendeine Art und Weise mit Ihnen in Verbindung setzen, um Ihnen zu sagen „Ich muss mal!“

Für Sie als Rudelführer bleibt in den ersten Wochen wenig zu tun, aber das Wenige ist unheimlich wichtig. Grenzen Sie sich nicht selber aus, sondern nehmen Sie ihn mit ins Revier, unbewusst fängt hier bereits die Phase der Ausbildung an. Er wird, anders als bei Ihren Kindern oder der Ehefrau, Sie als Rudelführer erkennen und wahrnehmen. Immer mehr wird er erkennen, dass er zu Hause spielen kann, aber bei Ihnen gibt es etwas, das tief in diesem kleinen Wesen schlummert und dem er sich nicht entziehen kann, weil er ein Wolf ist: Bei Ihnen gibt es die Jagd!

Ihr Hund wird alles, was Sie ihm beibringen, gerne annehmen, wenn es in seinem Sinne ist und eine Erleichterung im täglichen Leben bringt. Zum Beispiel muss mein Hund noch immer (mittlerweile ist er fünf) vor mir „Sitz“ machen, bevor ich ihm die Halsung überstreife. Er weiß genau, wenn er stehen bleibt, gibt es keine Halsung, also auch kein Gassigehen. Nur durch eiserne Konsequenz lernt Ihr Zögling schnell, sich in seinem neuen Rudel zurechtzufinden.

Bindung schaffen

Geben Sie Ihrem Welpen einen Platz in Ihrer Wohnung/im Haus, am besten Sie kaufen einen Korb, nicht zu groß, sodass er sich zusammenkuscheln muss. Eine einfache Decke oder ein Teppichstück, das Sie anpassen, reicht vollkommen aus. In den ersten Tagen legen Sie ruhig die obligatorische Wurfdecke oder den Stofffetzen, den Ihnen der Züchter im Idealfall mitgegeben hat, in seinen Korb. Spätestens aber nach einer Woche ersetzen Sie diese Erinnerung an seine Wurfgeschwister und Mutter mit einem gebrauchten T-Shirt von Ihnen. Am besten jeden zweiten Tag, als Ersatz können Sie auch Ihre Socken nehmen. Socken haben aber den Nachteil, dass der Kleine sie zerbeißen wird, und wenn er keine mehr bekommt, wird er sich selber Schuhe holen. Ich weiß, wovon ich rede, diese Erfahrungen habe ich schmerzlich machen dürfen. Also bleiben Sie beim T-Shirt, das wird er auch nicht zerbeißen.

Innerhalb kürzester Zeit hat Ihr Hund Sie in sein Herz geschlossen und wird Sie, auch ohne dass er Sie sieht, überall finden, nur alleine Ihr Geruch reicht, um Sie unter hunderten Menschen zu erkennen oder, wenn der Wind günstig steht, über viele Kilometer zu finden.

Nach der 15. Lebenswoche fängt es an, für Sie interessant zu werden. Ihr Hund hat sich in Ihrem Familienrudel eingefunden, kennt alle Rituale und Gesetze innerhalb seiner neuen Familie und hat seinen Platz hinter dem der Schwiegermutter gefunden. Er kennt Ihr Revier, war bei unzähligen Spaziergängen dabei, und wenn Sie ihn genau beobachtet haben, hat er Ihnen schon jede interessante Fährte im Wald gezeigt. Vielleicht hat er schon auf einem erlegten Wildschwein gesessen oder hat Ihnen zugeschaut, wie Sie ein Reh aufbrechen.

Sie zeigen damit Ihrem Hund, warum nachgesucht wird. Beute machen bedeutet nicht vordergründig zu töten, sondern Futter zu haben. Er soll lernen, dass das, was Sie als Gefährten machen, nicht nur Umbringen ist. Darum dürfen Sie, wenn Sie bei einer Nachsuche ein Stück erlegt oder auch tot aufgefunden haben, niemals das Stück alleine im Wald liegen lassen, den Hund abziehen und zum Auto bringen, um danach das Stück zu holen. Denn dann wird der Hund damit nicht Beutemachen/Futter verbinden. Lassen Sie ihn am Stück abgelegt zurück, holen Sie in aller Ruhe Ihr Fahrzeug und zeigen Sie ihm: „Das nehmen wir jetzt mit, das essen wir!“

Das Wesen

Eingesperrt kann sich kein Säuger entwickeln. Natürlich ist es ab und zu unumgänglich, dass Ihr Hund mal für ein paar Stunden in den Zwinger muss. Das sollte aber die Ausnahme sein. Auf keinen Fall dürfen Sie Ihren Welpen oder Junghund einsperren! Ein Hund, der lange oder immer eingesperrt ist, wird sich zunächst mit allen Mitteln dagegen wehren, solange er die Kraft und den Willen hat. Irgendwann wird er sich mit der Situation abfinden und er wird abstumpfen, ein geistiger Krüppel werden. Wir brauchen für die Jagd jedoch einen vollkommen normal entwickelten Hund, der auch geistig voll ausgereift und hellwach ist.

Lassen Sie ihm seine Freiheiten, toben und spielen gehören zu seiner Entwicklung dazu wie das Futter. Hunde sind spielverrückt bis ins hohe Alter, und Kinder sind die besten Spielgefährten. Lassen Sie zu, dass Ihr Welpe von Anfang an so viele Eindrücke wie möglich sammeln kann, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf, um die verrücktesten Dinge mit Ihrem Hund zu tun. Das gehört ebenso zur Ausbildung wie das Fährtenlegen. Und es hat noch einen entscheidenden Vorteil: Sie können es mit der Familie tun, diese sollten Sie neben der Beschäftigung mit dem Welpen nicht vernachlässigen.

Jagdhunde brauchen viel Bewegung.

Spaß ist ein wichtiger Faktor, auch beim Erziehen eines Welpen! Machen Sie alles nicht nur mit Passion, sondern haben Sie Spaß an dieser schönen und verantwortungsvollen Aufgabe.

Dieser Spaß an der Ausbildung Ihres Hundes wird auch Ihre Familie anstecken und vor allem Ihrem Hund zeigen, dass Sie gerne bei jeder Gelegenheit mit ihm zusammen sind. Es ist nichts anderes als eine Beziehung, auch die funktioniert nur, wenn beide Spaß daran haben. Ihre Frau und Kinder lieben Sie nicht, weil Sie zur Arbeit gehen und Geld verdienen. Sie lieben Sie, weil Sie verständnisvoll, hilfsbereit, ein guter Kerl und gerne mit Ihnen zusammen sind. Genauso wird Ihr Hund Sie lieben, wenn Sie ihn konsequent erziehen, dabei das Spiel und die Geborgenheit nicht zu kurz kommen lassen und ihm vermitteln, trotz der Regeln, die er befolgen muss, gut im Rudel aufgehoben zu sein.

Ihr Hund muss wissen, dass es auch andere Artgenossen gibt. Suchen Sie sich, solange er noch ein Welpe ist, in Ihrer Umgebung einen Besitzer oder Züchter, der auch einen Welpen hat und lassen Sie die Kleinen spielen. So oft es geht, soll Ihr Hund auch mit anderen Hunden zusammenkommen.

Später, nach der Geschlechtsreife, wird das nicht mehr so leicht sein, sofern Sie einen Rüden haben. Rüden sind aber nicht anders als junge Männer, die imponieren, angeben, sich messen wollen. Auch das gehört dazu, und Sie werden es nicht verhindern können, dass Ihr Hund manchmal rauft. Haben Sie keine Angst davor, Hunde bringen sich nicht um. Ihr Drohen, Zähnefletschen, grimmiges Brummen oder Bellen, das alles macht uns Menschen Angst. Ihr Rüde kommuniziert aber nur mit seinem Gegenüber, auch wenn Sie sich kurz angehen, das gehört dazu. Dieses Spiel ist aber nach wenigen Sekunden vorbei, und jeder der beiden kennt dann seinen Platz im Rudel. Natürlich passiert es, dass einer oder beide eine Blessur davontragen, meistens werden die Ohren in Mitleidenschaft gezogen, aber es gehört zum Erwachsenwerden dazu. War es bei uns nicht genauso?

Gesundheit

Grundsätzlich sind alle Jagdhundewelpen gesund! Sie wurden zigmal vom Tierarzt untersucht und haben beim Züchter und seiner Familie wohlbehütet die ersten Lebenswochen verbracht. Kein Züchter von Jagdhunden wird Ihnen bewusst einen kranken Hund verkaufen.

Übertreiben Sie daher die Fürsorge um seine Gesundheit nicht unnötig. Sie brauchen Ihren Welpen nicht gleich Ihrem Tierarzt vorstellen, regelmäßiges Entwurmen ist allerdings eine Selbstverständlichkeit und sollte alle sechs Wochen erfolgen.

Sie müssen auch nicht das gleiche Futter kaufen, das der Welpe beim Züchter bekommen hat. Brauchen Sie den Sack, den er Ihnen mitgegeben hat, ruhig auf, mischen Sie aber schon das Futter unter, das Sie ihm künftig geben wollen. Über Hundefutter könnte man ein extra Buch schreiben, nicht umsonst ist das ein Milliardengeschäft. Meiner Meinung nach ist das beste Futter rohes Futter, es muss nicht täglich sein, aber ein- bis zweimal die Woche gebe ich meinem Hund Rohfutter, zum Beispiel ungereinigte Kutteln (Pansen) vom Rind oder Rotwild, Sehnenabschnitte, Drossel, Herz vom Rind oder was ich sonst von meinem Metzger bekomme. Ich koche diese „Hundeleckereien“ nicht, sondern gebe sie ihm roh, und zwar nicht in kleine Stücke geschnitten, sondern in richtig großen Fetzen. Ich sehe den Hund mit seinen Reiß- und Fangzähnen als „Raubtier“ und empfinde deshalb Rohfutter als artgerecht. Wenn Sie Ihrem Welpen erstmals rohes Futter geben, sollten Sie am Anfang nur wenig zum Trockenfutter dazugeben, nach etwa vier Wochen können Sie ihm ein Stück hartes Schwarzbrot anstatt des Trockenfutters dazugeben, Hunde lieben hartes Brot, und es ist gut für die Verdauung.

Natürlich können Sie Ihrem Hund jedoch auch herkömmliches Trocken- oder Dosenfutter geben, das es in allen Variationen im Einzelhandel gibt, ich allerdings finde, dass dieses übertrieben teuer ist. Vom Handel wird dieses Trocken- bzw. Dosenfutter als ausgewogene und artgerechte Ernährung beworben. Meiner Meinung nach ist das falsch, viele Produkte sind mit Füllstoffen, wie Soja, Mais, Getreide, Kartoffeln usw. gepanscht. Der Fleischanteil ist oft viel geringer als die Füllstoffe. Es gibt Trockenfutter bzw. Dosenfutter mit weniger als 15 % Fleischanteil. Hunde sind keine Pflanzenfresser, deshalb gebe ich meinem Hund Fleisch. Das bedeutet nicht, dass ich für ihn teures Fleisch kaufe; beim Metzger oder im Schlachthof bekomme ich „Schlachtabfälle“, die nicht verarbeitet werden, für ein paar Euro. Da rohes Fleisch natürlich nicht lange gelagert werden kann, mache ich Portionsbeutel und friere diese ein. Rinder- bzw. Schweineohren lasse ich trocknen, das ist für den Hund eine Leckerei wie Schokolade für uns.

Manche vertreten die Meinung, dass Schweinefleisch wegen der Aujeszkyschen Krankheit nicht roh an Hunde verfüttert werden soll. Allerdings gelten in Deutschland Hausschweine seit 2003 als AK-frei, jedoch gibt es jährlich zwei bis drei Fälle bei Wildschweinen. Übrigens hat nicht nur der Wildkörper den Erreger in sich, sondern alles, was damit in Berührung gekommen ist (Losung/Kot, Fährte, Schweiß, Borsten, sogar auf Sträuchern und dem Waldboden ist der Erreger einige Stunden nachweisbar). Alle meine Hunde, die ich bisher geführt habe, haben kein Wildschweinfleisch gemocht, nicht einmal beim „Genossenmachen!“

Zu einem gesunden Hund gehört aber auch, dass er es gewohnt ist, bei jedem Wetter draußen zu sein, dass er auch mal alleine im Garten ist, auch wenn’s regnet oder schneit. Gewöhnen Sie den Welpen langsam daran, anfangs lassen Sie ihn 10 Minuten draußen, im Laufe der vergehenden Wochen und Monate wird die Zeitspanne immer größer, sodass er nach acht bis neun Monaten falls nötig ein paar Stunden alleine im Zwinger sein kann. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Freund von Zwingerhaltung, aber das gehört zur Erziehung Ihres Jagdhundes dazu und ist ein wichtiger Baustein für die spätere Zusammenarbeit. Irgendwann muss Ihr Hund Ihnen blind gehorchen und vertrauen, dazu gehört auch, warten zu können mit der Zuversicht, dass Sie, sein Rudelführer, ihn wieder abholen. Mitleidiges Bellen, Heulen, Fiepen wird anfangs die Begleitmusik dieses „Alleinseins“ sein, Ihre Kinder und Ihre Frau werden Sie als Tyrannen und unmenschlich hinstellen. Geben Sie nicht nach! Und vor allem lassen Sie nicht zu, dass ein anderer außer Ihnen den Kleinen „erlöst“.

Sportliche Fitness ist für einen gesunden Nachsuchenhund ebenso Voraussetzung wie für Sie als Nachsuchenführer. Nicht nur Ihr Hund muss in der Lage sein, eine erschwerte Nachsuche über viele, viele Kilometer zu meistern, sondern auch Sie!

Sie und Ihr Hund müssen so fit sein, dass Sie beide problemlos zwei erschwerte Nachsuchen am Tag durchführen könnten. Nachsuchen heißt auch Hatz, Ihr Hund muss ausdauernd hetzen können. Fit wird er nur durch tägliches Lauftraining. Und wenn ich sage täglich, meine ich auch täglich. Wie gesagt, wenn Sie dafür nicht die Zeit aufbringen können, sollten Sie sich lieber nicht das Ziel setzen, Nachsuchenführer zu werden, denn Sie werden mit Ihrem Hund mehr Zeit verbringen als mit Ihrer Frau.

Ausrüstung für den Nachsuchenführer

Um einen Nachsuchenhund ausbilden und führen zu können, brauchen Sie eine gewisse Ausrüstung, bei vielen Dingen können Sie improvisieren, andere müssen Sie sich nach und nach zulegen. Aber Vorsicht, nicht alles, was teuer ist, ist auch praktisch.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder alles und noch mehr hat, die „Freizeit- und Jagdindustrie“ suggeriert uns jeden Tag, dass wir unbedingt dieses oder jenes Produkt brauchen. Tatsächlich brauchen Sie als Nachsuchenführer nur sehr wenig. Aber das, was Sie brauchen, ist essenziell. Meine Devise ist: so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

Ein Quantensprung in der Hundearbeit allgemein war die Erfindung der GPS-Ortung, hier speziell die „Garmin“-Geräte, die es mittlerweile in verschiedenen Modellen gibt.

Durch die Ortung ist man in der Lage, jederzeit, bei jedem Wetter punktgenau den Standort seines Hundes zu finden. Und nicht nur das, das Gerät führt einen auch hin. Schnell und sicher zu seinem geschnallten Hund zu kommen, ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Nachsuche. Zusatzfunktionen wie Wegepunkte zu markieren oder das eigene Fahrzeug, bevor man eine Nachsuche beginnt, sind ebenfalls enorm hilfreich.

GPS-Geräte sind nicht ganz billig, aber ohne (ich verwende ein Garmin) würde ich keine Nachsuche mehr durchführen wollen.

Unbedingt nötig ist auch eine Büchse, im Kaliber nicht unter 8 mm, das Alter ist völlig egal. Am vordersten Ende des Laufes sollte eine Öse angebracht sein, damit die Waffe beim Tragen über der Schulter bzw. als Rucksack (ich bevorzuge die Rucksack-Position) nicht über den Kopf hinausragt. Lassen Sie sich bei dieser Waffe den Lauf von Ihrem Büchsenmacher entsprechend kürzen. Dies verhindert beim Gehen und fallweise nötigen Kriechen das Hängenbleiben an Ästen, Zweigen oder Ranken. Das Gewehr sollte kein herausnehmbares Magazin haben, dieses könnte sich unter Umständen lösen, verlorengehen und bei einem eventuellen Fangschuss hätten Sie keine Patronen mehr. Eine zusätzliche Fluchtvisierung, wie es sie in allen Arten und Formen gibt, würde ich ebenfalls nicht empfehlen, denn sie verschmutzt schnell, und Schnee, Wasser, Laub und vieles mehr machen eine Zielansprache unmöglich. Außerdem haben Sie ein Anbauteil mehr an Ihrer Waffe, das in Dickungen leicht abreißen kann. Kimme und Korn sind völlig ausreichend, Fangschüsse werden in der Regel auf höchstens 20 Meter angetragen. Allerdings sollte es ein Leuchtkorn sein, das garantiert eine schnelle Zielerfassung auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Als optimale Nachsuchenbüchse hat sich das System 98 bewährt, die Flügelsicherung funktioniert bei jedem Wetter, selbst wenn die Waffe und das System vereist sind. Hier gleich ein paar wichtige Tipp nebenbei:

• Gehen Sie niemals mit einer fertig geladenen Waffe auf Nachsuche, auch wenn Sie die Flügelsicherung ganz nach rechts haben.

• Tragen Sie die Waffe immer unterladen, wenn es zum Fangschuss kommen soll, haben Sie genügend Zeit, eine Patrone ins Patronenlager zu repetieren.

• Wichtig ist auch, die Mündung immer mit Tape abzukleben oder Gehörschutzpfropfen, die man zusammenknüllen muss, ins vorderste Ende des Laufes zu stecken, beides kann bei einem Fangschuss heraus- bzw. durchschossen werden.

• Das Geschoss sollte sich nicht zerlegen, wählen Sie solche Laborierungen, die sich nur aufpilzen. Bestens dafür geeignet ist die „Norma Orix“. Ein Vollmantelgeschoss hat den Nachteil, dass es eine geringe Wundwirkung erzielt.


Wenn Sie keine Möglichkeit haben, Ihre Waffe zu gebrauchen, sind wir schon beim nächsten Ausrüstungsgegenstand – vielleicht sogar dem wichtigsten: Das Nachsuchenmesser bzw. Abfangmesser sollte nicht länger als 35–40 Zentimeter insgesamt haben. Von Vorteil ist ein schweres Blatt, das mit dem Griff ausgewogen ist und beidseitig, also oben und unten geschliffen ist, das Griffende muss eine Parierstange haben, um ein Abrutschen in die Klinge zu verhindern. Damit müssen Sie in der Lage sein, einem Stück Schwarzwild auch mal eine Rippe zu durchstoßen. Bei zu langen Messern wie Hirschfängern sind Sie zu unbeweglich, die Handhabung ist zu umständlich. Weiterhin besteht bei zu langen Kaltwaffen die Gefahr, dass Sie durch den ungewohnten und nicht einfachen Gebrauch sich selbst oder Ihren Hund verletzen.

Kurzwaffen sind meiner Meinung nach für die erschwerte Nachsuche völlig ungeeignet. Die Gefahr, damit den eigenen Hund zu gefährden, ist exorbitant hoch, eine angeschweißte Sau mit dem ersten Schuss zu strecken, ist auf zehn Meter selbst für mich als Schießausbilder fast unmöglich. Ein weiteres Problem ist das Kaliber: Die üblichen Kurzwaffenkaliber haben mit dem ersten Schuss keine Stoppwirkung auf eine Sau.

Hinzu kommt, dass eine Kurzwaffe beim Durchstreifen von Dickicht leicht verloren gehen kann und deshalb gut eingepackt getragen werden muss. Dementsprechend lange brauchen Sie, um sie herauszuholen, viel schneller haben Sie die wesentlich effektivere und sicherere Waffe, das Abfangmesser, zur Hand.

Verletzungen bei Ihnen und Ihrem Hund können jederzeit vorkommen, deshalb gehört zur Nachsuche auch ein Notfallset, das Sie immer bei sich haben müssen. Keine Pflaster, sondern sterile Wundauflagen, Mullbinden, um eine Blutung zu stoppen. Was ich sehr empfehlen kann, ist das „Israeli Bandage“, die beste und schnellste Art, einen Druckverband anzulegen. Außerdem muss in diesem Notfallset eine Rettungsdecke vorhanden sein.

Mit der Bekleidung ist das so eine Sache, sicherlich kann man hier eine Menge Geld ausgeben für Dinge, die keiner braucht. Eines kann ich jedoch wärmstens empfehlen: eine strapazierfähige Hose. Ich trage seit vielen Jahren eine speziell für Nachsuchenführer entwickelte Nachsuchenhose von „Pfanner“ (ein Schutzbekleidungshersteller aus Österreich), die zwar nicht ganz billig, aber wirklich empfehlenswert ist. Anders als bei herkömmlichen Schnittschutzhosen sind bei diesen Nachsuchenhosen die Oberschenkelarterie und der Genitalbereich speziell durch Kevlar geschützt.

Ebenso wichtig ist eine für den „Busch“ taugliche Jacke: Sie muss reißfest sein, viele Taschen und Warnfarben haben.

Schuhe sind oft Ihre „Lebensversicherung“. Am Anfang habe ich einfach jene genommen, mit denen ich am besten laufen konnte, aber das ist nicht ganz richtig. Sie brauchen feste Schnürschuhe, die bis über die Knöchel reichen, eine grobe Sohle haben und mit denen Sie im Notfall auch kräftig „zutreten“ können. Die beste Möglichkeit, eine annehmende Sau abwehren zu können, ist ein Fußtritt mit einem schweren Schuh auf den Wurf. Es wird die Situation kommen, in der Sie nicht mehr die Zeit haben, die Waffe oder das Abfangmesser schnell griffbereit zu haben, dann bleibt Ihnen als „Erstwaffe“ nur Ihr Schuh.

Dornenfeste Handschuhe, mit denen Sie sicher und ohne Verletzungen zu riskieren, Brombeerranken niederdrücken können, gibt es in jedem Baumarkt für wenig Geld.

Gehen Sie nie ohne Markierungsband auf eine Nachsuche, auch bei einer Suche auf einer Kunstfährte sollten Sie immer markieren. So lernt Ihr Hund, dass es nicht ständig vorwärts geht, dass der Rudelführer sich mal hinknien muss, um Pirschzeichen zu untersuchen und diese zu markieren. Auf der Wundfährte wird es immer wieder mal vorkommen, dass Ihr Hund unsicher wird, dann müssen Sie in der Lage sein, zur letzten Bestätigung zurückzufinden. Glauben Sie mir, das ist oft selbst mit Markierungsband nicht einfach. Eine Fährte zu markieren, ständig daran zu denken, weil man sich ja immerzu auf den Hund und Pirschzeichen konzentriert, muss man lernen. Spätestens dann, wenn Sie wegen Dunkelheit eine Suche abgebrochen haben und am nächsten Tag Ihre Fährte wieder aufnehmen wollen, werden Sie feststellen, dass es fast unmöglich ist, diese wieder zu finden. Wenn Sie einen guten Draht zu Ihrem Förster oder Forstmeister haben, bekommen Sie diese Markierungsbänder aus Papier umsonst.

Ausrüstung für den Nachsuchenhund

Der Schweißriemen sollte eine Länge von etwa zwölf Metern haben, bei zu kurzen Riemen kann es sein, dass Sie Ihren Hund gerade in der Anfangsphase, wenn er Platz und Raum zum Festsaugen braucht, stören. Ein zu langer Riemen „verwurschtelt“ sich noch leichter in einer Dickung, Sie haben schon mit einem Zwölf-Meter-Riemen genug damit zu tun, Ihren Hund zu befreien. Der Riemen sollte aus festem, aber leichtem Material sein, auf keinen Fall aus Leder. Dieses Relikt aus früheren Zeiten darf man getrost aufgedockt zu Hause ins Jägerzimmer hängen, denn Lederriemen werden bei Nässe viel zu schwer und zu rutschig. Manche wenige Hundeverbände erwarten bei verschiedenen Prüfungen oder Veranstaltungen, dass man seinen Hund am aufgedockten Schweißriemen führt, hierfür taugt er gerade noch. Ich persönlich habe mir vor kurzem einen aus einer Art weichem Kunststoff gekauft, er ist wunderbar leicht, verhakt sich nicht und hat eine orangene Warnfarbe, wobei der letzte Meter blau ist.

Ihr Hund braucht keine Schweißhalsung, mit dem Riemen an der Halsung ist der Riemen immer unmittelbar vor den Vorderläufen des Hundes, und er hat ausschließlich damit zu tun, diesem auszuweichen, um nicht auf den Riemen zu steigen, außerdem hat er sowieso schon eine Warnhalsung und den GPS-Empfänger um den Hals.

Ein einfaches, günstiges Brustgeschirr, das schnell auf einer Seite zu öffnen ist, kostet nicht mehr als 25 € und erfüllt seinen Zweck. Ich weiß, dass man alleine für diese beiden Dinge richtig viel Geld ausgeben kann, das meiste sieht zwar gut aus, ist aber im praktischen Einsatz unbrauchbar. Ein guter Schweißriemen mit Brustgeschirr kostet nicht mehr als 60 €.

Was sich für mich als Nachsuchenführer sehr bewährt hat, ist eine einfache Warnweste für den Hund, diese gibt es in Gelb und Orange mit Reflektionsstreifen. Fangschüsse auf Schwarzwild finden in der Regel auf sehr engem Raum in einer Dickung statt, durch diese Warnweste können Sie die Bail problemlos auseinanderhalten.

Hundeschutzwesten sind für den Nachsuchenhund ungeeignet, sie engen ihn beim Stellen zu sehr ein. Bei langen Suchen, vor allem im Sommer, führen sie dazu, dass der Hund schnell überhitzt.

Für die Ausbildung Ihres Hundes brauchen Sie einen Fährtenschuh. Auch hier gibt es im Handel unzählige Modelle, wobei ich noch keines gefunden habe, das mich wirklich überzeugt hat. Das Modell, das ich seit 15 Jahren benutze, ist vom Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde e.V.

Bei einem Fährtenschuh ist es wichtig, dass Sie die Witterung der Schale auf die Fährte bringen, bei den angesprochenen Modellen wird der Schwarzwild-, Rotwild- oder Rehwildlauf hinten am Schuh montiert. Sie hinterlassen also auch Ihre Witterung auf dem Waldboden. Ihr Hund wird nicht die Witterung der Wildschale aufnehmen, sondern Ihre und die dazugehörige Bodenverwundung, was für ihn ein leichtes Spiel ist.

Erfahrung macht den Meister

Für den praktischen Nachsucheneinsatz werden Sie Ihre Ausrüstung so weit optimieren, dass es für Sie und Ihren Hund passt und damit Sie beide wieder gesund nach Hause kommen. Das, was ich hier beschrieben habe, kann und soll nur ein roter Faden sein, an dem Sie sich entlanghangeln können. Sie werden Ihre eigenen Erfahrungen sammeln und erkennen, was für Ihren Einsatz sinnvoll ist und was Sie überhaupt nicht gebrauchen können. Das ist es nämlich, was einen Nachsuchenführer ausmacht: aus seinen eigenen Erfahrungen zu lernen.

Alles, was ich Ihnen hier und in meinem vorigen Buch über Hundeausbildung beschrieben habe, beruht natürlich auf meinen Erfahrungen und meiner ganz persönlichen Überzeugung und soll Ihnen als „Richtschnur“ dienen. Sie werden Ihre eigenen Erfahrungen machen, die ebenfalls richtig und gut sind. Lernen Sie daraus und erobern Sie das Herz Ihres Hundes, sodass er Sie als Rudelführer akzeptiert. Aber das alles können Sie nur machen, wenn Sie aktiv mit Ihrem Hund arbeiten. Lassen Sie jeden Tag neu beginnen, nehmen Sie keine schlechten Erfahrungen mit in den neuen Tag, bauen Sie auf Erfolgen auf. So wird aus Ihnen ein guter Nachsuchenführer.

Von einem alten, sehr lieben Förster habe ich vor vielen Jahren, als dieser in den Ruhestand ging und sein Büro ausräumte, einen wirklichen „Nachsuchenschatz“ bekommen. Ein Büchlein aus dem Jahre 1887, geschrieben von einem Oberförster Drömer aus Oranienburg. In diesem Buch geht es um den Hannoverschen Schweißhund, von seiner Zucht bis zur Führung. Ein Schatz ist das Büchlein deswegen, weil dieser Mann vor über 100 Jahren die Arbeit mit dem Schweißhund genauso gesehen hat wie ich heute, leider sind viele dieser Grundsätze in der Neuzeit bei fast allen Zuchtverbänden verlorengegangen. Selbstverständlich sind einige seiner Methoden überholt, aber im Geiste der Nachsuchenarbeit sind diese Regeln immer noch gültig.

„Niemand wohl, der die Lockung gefühlt des herrlichen Waidwerks, sagte mit Willen sich los, ihn hält allmächtige Fessel!“

Nachsuchen – eine Herausforderung

Wenn Sie Ihren Welpen erfolgreich zu einem Nachsuchenhund ausgebildet haben und mit ihm auf der Wundfährte arbeiten, werden Sie früher oder später erkennen, dass diese Art des Jagens Sie nicht mehr loslässt. So sehr die Ausbildung und später die Einsätze Sie auch zeitlich beanspruchen, bleiben Sie dran, hören Sie nicht auf, unterscheiden Sie sich von den vielen anderen, die diese ehrenvolle Aufgabe nur als „Hobby“ sehen. Leben Sie diese „Berufung als Nachsuchenführer“ zusammen mit Ihrem Hund und Ihrer Familie und haben Sie Geduld. Lassen Sie sich Zeit, damit Sie mit Ihrem Hund zusammenwachsen können.

Das nämlich ist die wichtigste Lektion: Nur als Team werden Sie erfolgreich sein, also behandeln Sie Ihren Gefährten wie einen Teampartner.

Nicht jede Suche ist spektakulär. Ehrlich gesagt, sind es die wenigsten, aber die, die Ihnen alles abverlangen, machen Sie zu einem Nachsuchenführer. Und glauben Sie mir, wenn Sie während einer schwierigen Nachsuche meinen, dass Sie bereits alles gegeben haben und nass, dreckig und erschöpft sind, dann ist Ihr Hund erst richtig warm geworden. Natürlich werden Sie nicht jedes Stück bekommen, und irgendwann müssen Sie die Entscheidung treffen, weiterzumachen oder aufzuhören. Eines jedoch müssen Sie wissen, wenn Ihr Hund weitermachen will, dann dürfen Sie nicht aufhören. Und noch eines ist wichtig: Wenn Ihr Hund die Beute stellt, die Dickung noch so undurchdringlich oder das Wildschwein noch so gefährlich ist, lassen Sie ihn nicht alleine, überwinden Sie sich, gehen Sie über Ihre Angst hinweg, er braucht Sie.

Wie werden Sie „anerkannter Nachsuchenführer“?

Es gibt nicht das ganze Jahr über gleich viele Nachsuchen, natürlich ist das in erster Linie vom Revier und vom Wild, das dort bejagt wird, abhängig. Für mich und Orgo fällt ein Großteil unserer Nachsuchenarbeit bei den Drück- und Treibjagden auf Schwarz- und Rotwild im Herbst und Winter an. September bis Februar ist unsere Hauptsaison, das restliche Jahr werden wir nur vereinzelt zu Nachsuchen gerufen. Ich nutze die übrigen Monate, um mich als „anerkannter Nachsuchenführer“ vorzustellen. Von Februar bis April finden die meisten Jahreshauptversammlungen in den Hegevereinen oder Jägervereinigungen statt, es gibt Trophäenschauen von Hegeringen oder Hegebezirken u. v. m. Auch Sie können diese Gelegenheiten nutzen und auf solchen und ähnlichen jagdlichen Veranstaltungen in Ihrer Region sich und Ihren Hund vorstellen. Rufen Sie z. B. die Vorsitzenden von Jagdvereinen, Hegemeister oder Hegeringleiter an, stellen Sie sich kurz am Telefon vor und sagen Sie geradeaus, dass Sie gerne einen kleinen Vortrag über Nachsuchen halten würden. Vortragende sind eigentlich immer gerne gesehen, und Sie haben die Möglichkeit, sich einer breiten Jägerschar vorzustellen. Seien Sie bei Ihren Vorträgen selbstbewusst, ohne dabei arrogant zu wirken. Sie müssen gleichzeitig glaubwürdig wie auch vertrauenswürdig rüberkommen, einfach authentisch. Wenn Sie noch jung in diesem „Geschäft“ sind, sagen Sie das auch. Sie dürfen sich auf keinen Fall selbst in den Himmel loben und können dann womöglich das Versprochene nicht halten.

Voraussetzungen, Prüfungen & Jagdhundeorganisationen

Bevor Sie jedoch bei solchen Veranstaltungen als anerkannter Nachsuchenführer auftreten können, müssen Sie mit Ihrem Hund alle Prüfungen, die dafür notwendig sind, abgelegt haben, so sind die Bestimmungen in den meisten Bundesländern Deutschlands. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Dachverbände für Jagdgebrauchshunde und Vereine für fast jede Jagdhunderasse, die Prüfungsund Zuchtrichtlinien festlegen. In Österreich wird teilweise auch der Einsatz von Nachsuchengespannen in Bereichshundestationen, Jagdhundestationen oder Nachsuchenstationen organisiert, im Kanton Schwyz gibt es z. B. die Nachsuchenorganisation (NAORG), die den Einsatz von Schweißhunden im ganzen Kantonsgebiet organisiert. Nachsuchen werden über die im Gebiet zuständigen Wildhüter oder die Polizeizentrale gemeldet. Genaue Regelungen und Informationen bezüglich des Einsatzes oder der Organisation von Nachsuchengespannen für Ihr jeweiliges Gebiet erfahren Sie über die Dachverbände bzw. die Vereine (siehe z. B. ab S. 140).

Bei den Schweißhundevereinen (z. B. Verein Hirschmann und Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde) ist für eine Anerkennung eine Vorprüfung, eine Hauptprüfung und eine Formbewertung notwendig, bei allen anderen Jagdhunderassen sind im deutschen und österreichischen Jagdgebrauchshundeverband (JGHV; ÖJGV) bzw. in der Arbeitsgemeinschaft für das Jagdhundewesen (AGJ) die jeweiligen Richtlinien festgelegt; die einzelnen Jagdhundeverbände organisieren und führen die Prüfungen durch (siehe auch Informationen ab S. 140). Jetzt kommt das wieder zu tragen, was ich eingangs schon erwähnt habe: Grundvoraussetzung, damit Sie überhaupt mit Ihrem Hund zur Prüfung antreten dürfen, ist eine gültige Ahnentafel, die durch den JGHV anerkannt ist.

In Deutschland brauchen Sie als Nachsuchenführer eine Jägervereinigung (Zusammenschluss mehrerer Hegeringe), die für Sie beim Landesjagdverband bürgt. Wenn Sie diese Voraussetzungen alle haben, dann suchen Sie Kontakt zu diesen Vorsitzenden der Jägervereinigungen, diese Leute helfen gerne weiter.

In Österreich und der Schweiz gibt es, wie schon erwähnt, regionale Stationen bzw. Organisationen, wo Nachsuchenführer mit geprüften Hunden aufgenommen werden und für die Nachsuchenarbeit zur Verfügung stehen.

Eines müssen Sie als anerkannter Nachsuchenführer auf jeden Fall ansprechen und bei jedem Einsatz beachten, damit Sie rechtlich fest im Sattel sitzen: Die Wildfolge ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, nachdem das Bundesjagdgesetz ein Rahmengesetz ist, können die einzelnen Bundesländer diesen Rahmen nach ihren Bedürfnissen ausfüllen. Auf allen Internetseiten der Landesjagdverbände gibt es Vordrucke für die Wildfolgevereinbarung, werben Sie dafür, sprechen Sie die Vorteile dieser freiwilligen Wildfolgevereinbarung an. Nachteile gibt es für die Jagdpächter nicht, zumal das Tierschutzgesetz seit 2002 im Artikel 20a im Grundgesetz verankert ist.

Ich glaube, ich konnte Ihnen mit diesem Überblick über die Ausbildung und Führung eines Nachsuchenhundes vermitteln, dass Nachsuchenarbeit Fleißarbeit ist. Ohne sich und Ihren Hund ständig in Übung zu halten, können Sie nicht bestehen. Und auch die ethische und moralische Verantwortung, die Sie mit diesem Ehrenamt übernehmen, muss Ihnen jederzeit bewusst sein.

Suchen Heil!

Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn


Langsam bricht die Dämmerung herein, ein kalter Westwind weht mir ins Gesicht, und der leichte Schneefall, der vor zehn Minuten angefangen hat, verzaubert diesen Januarabend in ein Wintermärchen. Wie jeden Abend bin ich um diese Zeit mit meiner Frau bei unseren Pferden im Stall, um diese zu versorgen. Wenn mein „Part“ der Stallarbeit erledigt ist, gehe ich oft noch hinter die Maschinenhalle, dorthin, wo meine Frau und ich vor fast vier Jahren unseren Gero beerdigt haben. Dann sitze ich auf der Steinplatte, die ich neben seinem Grab hingestellt habe, und genieße den Augenblick. Mittlerweile weiß auch mein Kleiner, der jetzt schon ein Großer ist, wo er mich findet. Lautlos, jetzt im Schnee gut sichtbar, sonst durch seine Zeichnung (gestromt) meist unsichtbar, schleicht er plötzlich um mich herum. Für meinen Orgo ist das kein Platz für Gedanken, er weiß nicht, was mich mit diesem Stein, auf dem „Gero vom Gahrenberg“ steht, verbindet. Er sitzt neben mir, und ich streiche ihm übers Haupt. Mit dem Rauchen habe ich aufgehört, obwohl ich in Augenblicken wie diesen gerne eine hätte. Wenn ich da sitze, denke ich manchmal gar nicht an meinen Gero. Alltägliche Dinge, Erlebnisse, Sorgen, Wünsche, aber auch Nachsuchen verarbeite ich an diesem Platz, im Sommer länger und im Winter kürzer. Klar denke ich mir auch manchmal: „Helmut, das ist jetzt vier Jahre her“, und dann ertappe ich mich wie letzten Sonntag beim Mittagessen im Wintergarten dabei, dass ich plötzlich zu meiner Frau sage: „Im Februar würde unser Gero schon zwölf Jahre werden!“ Worauf sie geantwortet hat: „Ja mein Schatz, und dein Orgo wird im Februar vier!“ Gott sei Dank, dass ich dieses Mädel gefunden habe!

Ja, sie hat recht, vier Jahre intensive Arbeit, fast jeden Tag kreisen die Gedanken um den Hund, seine Ausbildung und die Nachsuche. Fährten legen, Verweiserpunkte in Feld und Flur ausbringen, endlose Spaziergänge, die ich oft mit Ausritten meiner Frau verbunden habe: meine Frau auf dem Pferd, ich nebenher auf dem Fahrrad (bei jedem Wetter) und mein Orgo zu Fuß.

Ich genieße diese Augenblicke und bin froh, dass wir so unsere doch verschiedenen Hobbys verbinden können. Ich kann zumindest sagen, dass meine Frau alle heimischen Baumarten und jede Rückegasse in unserer Umgebung kennt. Sie unterscheidet problemlos eine Saufährte von der eines Rehs (selbstverständlich zeigt diese auch brav mein „Kleiner“, der vor uns den Weg erkundet, immer an). Sie kennt den Jagdruf eines Habichts und das Gekicke vom Sperlingskauz. Sie kennt alle Hauptwechsel der Wildschweine und ihre Einstände. Das kann nicht jeder Jägersmann von seiner Frau behaupten.

Ich habe für meine Leidenschaft, die Nachsuche v. a. von Sauen und Rotwild, den richtigen Hund gefunden. Für mich persönlich steht fest, dass ich nie mehr eine andere Hunderasse als den Hannoverschen Schweißhund führen werde. Wobei ich immer noch der Meinung bin: Jeder Führer kommt zu seinem Hund und umgekehrt!

Diese Ruhe und die Überlegenheit des Blickes eines Hannoverschen, wie oft sie auch schon mit Worten beschrieben wurden, sind in Wirklichkeit ein Erlebnis. Die Art und Weise, eine Wundfährte von der einer gesunden auszuarbeiten, ist ein Augenschmaus. Fährtensicher und unbeirrt folgt er dieser für uns Menschen unsichtbaren Spur bis zum Ende.

Immerhin arbeiten wir jetzt schon vier Jahre zusammen. Am Anfang noch recht zögerlich, um nicht zu sagen langsam, aber im Laufe seiner Ausbildung wurde Orgo immer freudiger und neugieriger. Genau das muss man bei seinem jungen Hund ausnutzen, die Neugierde. Etwa nach eineinhalb bis zwei Jahren sind die „Flegeljahre“ vorbei, und mit jeder Woche merkt man, dass ein Jagdhund heranwachsen will.

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