Kitabı oku: «Verwandlung feiern»
KONKRETE LITURGIE
herausgegeben von Guido Fuchs
HELMUT SCHLEGEL OFM
Verwandlung feiern
Kreative Gottesdienste
in der Fasten- und Osterzeit

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© 2021 Verlag Friedrich Pustet, Regensburg
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ISBN 978-3-7917-3240-4
Reihen-/Umschlaggestaltung und Layout: Martin Veicht, Regensburg
Satz: Medienbüro Monika Fuchs, Hildesheim
Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg
Printed in Germany 2021
eISBN 978-3-7917-6202-9 (epub)
Unser gesamtes Programm finden Sie im Webshop unter
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INHALT
VORWORT
WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE
Aschermittwoch
IN SACK UND ASCHE GEHEN?
Aschermittwoch
GOTTES NAME IN DEN STAUB GESCHRIEBEN
Aschermittwoch
UND FÜHRE UNS DURCH DIE VERSUCHUNG
Erster Fastensonntag
VERWANDLUNG FEIERN
Zweiter Fastensonntag
IM SCHAUEN AUF DEIN ANTLITZ
Zweiter Fastensonntag
GOLDKÖRNER DES HERZENS
Dritter Fastensonntag
UMARMT VOM GEKREUZIGTEN
Vierter Fastensonntag
PROPHETEN GESUCHT
Fünfter Fastensonntag
„JA, UND“ STATT „JA, ABER“
Umkehrfeier
DAS RECHT STRÖME WIE WASSER
Solidarisches Nachtgebet
ECCE HOMO – SEHT DA DIE FRAU!
Passion der Frauen
DIE KRAFT DER PALME
Palmsonntag
WENN WIR DAS BROT BRECHEN, REICHT ES FÜR ALLE
Gründonnerstag
AUCH DU EINE*R VON IHNEN?
Karfreitag
DEIN LICHT VERKLÄRT UNSRE SCHATTEN
Osternacht
DIE ERDE-HIMMEL-BRÜCKE
Christi Himmelfahrt
UM FEUER AUF DIE ERDE ZU WERFEN
Pfingsten
QUELLENVERZEICHNIS
VORWORT
Verwandlung ist mehr als Bewegung. Unser inneres Leben bewegt sich nicht linear wie ein Strahl, es entwickelt sich wie eine Spirale. Die Spirale kehrt immer wieder zurück und beginnt von Neuem. In der christlichen Liturgie wird diese Entwicklung vor allem im Kirchenjahr sichtbar. Jahr um Jahr wiederholen sich dieselben Feste – und doch sind wir jedes Jahr weiter. Die Bewegung der Verwandlung zeigt sich vor allem in der Fasten- und Osterzeit: Sie beginnt als ein Umkehrweg, durchschreitet die Passion, in der Gott mit uns die Tiefenerfahrungen des Lebens und Sterbens teilt, bis er uns hinführt zur befreienden Klarheit des Ostermorgens und weiter zum inspirierenden Geschehen der Geistsendung.
Möge dieses Buch dazu beitragen, dass sich Menschen im Glauben, Beten und Feiern hineinnehmen und verwandeln lassen in das Christusereignis, das uns befreien will aus der Müdigkeit und Resignation hin zu einem erlösten Glauben. Das Bild auf dem Cover dieses Buches – der Schmetterling, der nach einer Zeit der inneren Verwandlung aus dem Kokon hervorgeht, mag ein Symbol sein für das Geschehen, das wir jedes Jahr im Osterfestkreis feiern.
Allen, die mir bei der Erstellung und Durchsicht der Texte geholfen haben – vor allem Dr. Rudolf Zwank von Verlag Friedrich Pustet und Ricarda Moufang – sowie all jenen, mit denen ich einen Teil dieser Gottesdienste in Heilig Kreuz, Frankfurt, vorbereiten und feiern durfte, sage ich Dank.
Helmut Schlegel
WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE
ASCHERMITTWOCH
Vorbereiten
Vor der Kirche: eine Wanne mit Palmzweigen vom letzten Jahr
In der Kirche: ein Bild des „Phönix in den Flammen“ (12. Jahrhundert, Aberdeen Bestiarium)
Alle versammeln sich vor der Kirche und bilden einen Kreis. Die Zweige werden angezündet. Alle verweilen in Stille.
Einstimmen
Hier vor der Kirche begrüße ich Sie. Das mag Sie verwundern, gewöhnlich treffen wir uns nur in der Osternacht um das Feuer vor der Kirche. Heute verbrennen wir die Palmzweige vom letzten Jahr. Was vom Feuer bleibt, ist nur Asche. Beides gehört zusammen – Feuer und Asche. Und beide sind urreligiöse Symbole. Das Feuer steht für Energie und Leidenschaft. Und auch für den Heiligen Geist. Die Asche steht für Vergänglichkeit und Tod. Aber auch in der Asche steckt Zukunft. Darin sind wertvoll Mineralien enthalten. Viele Menschen tragen Asche in ihre Gärten und düngen damit den Boden. So wird aus Totem neues Leben.
Segnen
Gott, im Feuer hat dich Mose erkannt, als du im brennenden Dornbusch deinen Namen geoffenbart hast: Ich bin der ICH-BIN-DA. Im Zeichen des Feuers ist am Pfingstfest der Heilige Geist über die Jüngerinnen und Jünger gekommen. Für uns wird im Feuer das Geheimnis deiner Kraft und deiner Wärme spürbar. Segne dieses Feuer.
Segne auch die Asche, die von den brennenden Zweigen übrigbleibt. Sie erinnert uns daran, dass alles vergänglich ist und sich wandelt.
Im Zeichen des Kreuzes wird Asche auf unser Haupt gestreut. So erinnern wir uns an Jesus Christus, der wie wir den Weg alles Vergänglichen ging und den Tod auf sich nahm, um der Welt das Leben zu schenken. Er sei mit uns in den heiligen vierzig Tagen, die heute beginnen.
Segne auch uns und erneuere uns in Jesus Christus, deinem Sohn, damit wir ihm ähnlich werden.
Alle gehen schweigend in die Kirche und nehmen ihre Plätze ein.
Hören
Joh 12,20–26
Vertiefen
Dazu kann das Bild vom „Phönix in den Flammen“ ausgeteilt werden.
In der Antike wurde in verschiedenen Kulturen – so in Ägypten, China und Griechenland – die Geschichte von einem wundervollen, einzigartigen Vogel erzählt. Der Vogel heißt Phönix. Er wird, so die Legende, aus den reinigenden Flammen des Feuers geboren. Das flammende Gefieder leuchtet in seinen goldenen, feuerroten und blauen Tönen. Der Vogel ist ein Symbol von Weisheit, von Gelassenheit und Urvertrauen. Aber auch der Phönix ist vergänglich. Wenn sich die Zeit seines Lebens zum Ende neigt, fliegt der Vogel am Abend in die Wüste hinaus und bereitet sich ein Nest in den grünen Wedeln der größten Palme. Zum Bau des Nestes verwendet er kostbare Gewürze und duftende Harze. Die ganze Nacht baut er und vollendet sein Nest mit der Morgendämmerung. Er beginnt zu singen, und der Gesang zieht die Strahlen der Sonne in seinen Bann. Diese aber entflammen das Nest und den unermüdlich singenden Feuervogel, der eingebettet in den Gerüchen aus Zimt, Weihrauch und Myrrhe unter Schmerzen dieses Leben verlässt. Schon nach drei Tagen wird aus der Asche ein neuer Phönix geboren. Der junge Vogel entsteigt ihr in strahlender Schönheit und fliegt in seine Heimat zurück.
Warum erzähle ich Ihnen diese Legende? „Wie Phönix aus der Asche steigen“ – dies ist eine bekannte Redewendung. Sie besagt, dass es immer Hoffnung auf einen neuen Anfang gibt. Ja, dass sogar das Tote – dafür steht das Symbol der Asche – fruchtbar werden kann.
Es wundert nicht, dass diese Legende von den Christen der ersten Jahrhunderte aufgegriffen wurde. Der wahre Phönix, sagten sie, ist Christus. Er hat sein Leben hingegeben. Er ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt, seine Gestalt verliert und stirbt. Aber das ist nicht das Ende. Christus steigt aus dem Grab und verheißt uns allen neues Leben. Wer ihm nachfolgt, wer wie er die Verwandlung auf sich nimmt, der geht mit ihm auch den Weg der Auferstehung.
Um Erbarmen bitten
Du, unser Gott, gib uns reinen Geist;
gib uns deinen Atem, damit wir in allem dich sehen. Herr, erbarme dich.
Du unser Gott, gib uns demütigen Geist;
gib uns deine Liebe, damit wir uns öffnen und dich hören.
Herr, erbarme dich.
Du unser Gott, gib uns liebenden Geist;
gib uns dein Wort, damit wir dir glauben und dich lieben.
Herr, erbarme dich.
(nach einem Text von Dag Hammarskjöld)
Bezeichnung mit dem Aschenkreuz
Die aus der Wanne vor der Kirche entnommene Asche wird vor den Augen der Gläubigen mit einem Sieb gereinigt und in eine oder mehrere Schalen gefüllt. Der*die Leiter*in zeichnet den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn und spricht jedem*jeder zu:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14)
Bitten
Christus, um eines bitten wir dich vor allem: Bleibe bei uns!
Bleibe bei uns! Wir sind müde vom Weg. Du bestärkst uns durch dein gutes Wort.
Bleib bei uns! Entmutigung schleicht in unsere Herzen ein. Du entflammst in uns neuen Mut durch die österliche Gewissheit.
Bleibe bei uns! Wir können oft nicht an unsere Berufung glauben. Du sendest uns, Zeugen deiner Auferstehung zu sein.
Bleibe bei uns! Wir wissen um die Menschen, die in unserer Gesellschaft am verwundbarsten sind. Du ermutigst uns zu heilen.
Bleibe bei uns! Wir haben Sorge um die Kinder und Jugendlichen, die in eine ungewisse Zukunft gehen. Du festigst in uns die Verantwortung für unsere Erde.
Bleibe bei uns, Herr! In unserer Stadt / unserem Dorf leben Menschen, die alt und krank sind. Viele fühlen sich einsam. Du gibst uns die Kraft, sie aufzurichten.
Mit dir, Christus, rufen wir zu deinem Gott und zu unserem Gott:
Vaterunser
Segnen
Meister Eckhardt hat die Seele des Menschen als einen großen Raum beschrieben, den Gott mit seiner Gegenwart erfüllen möchte. Mit den Worten von Meister Eckhardt bitten wir um Gottes Segen.
Wäre ich so bereit und fände Gott so weit Raum in mir wie in Jesus Christus, er würde mich ebenso völlig mit seiner Flut erfüllen.
Denn der Heilige Geist kann sich nicht enthalten, in all das zu fließen, wo er Raum findet und so weit, wie er Raum findet. Nie hat ein Mensch nach irgendetwas so begehrt, wie Gott danach begehrt, den Menschen dahin zu bringen, dass er ihn erkenne.
Wir bitten darum, dich, Gott, in allem zu erkennen. Schenke uns deinen Segen und deine Kraft. Amen.
IN SACK UND ASCHE GEHEN?
ASCHERMITTWOCH
Vorbereiten
Asche auf einem oder mehreren Tabletts
Wasser zum Händewaschen
Einstimmen
Staub und Asche – Symbole der Vergänglichkeit. Dass alle Dinge vergänglich sind, wissen wir: Unsere Mülleimer und Schutthalden zeugen davon. Dass wir selbst vergänglich sind, tut uns weh und bedroht uns. Und doch ist es die Wahrheit – die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte heißt: Aus dem Staub wächst neues Leben. Gottes Leben.
Um Vergebung bitten
Asche und Staub – Vom abendlichen Feuer im Kamin bleibt am nächsten Tag nur kalte Asche. Auch unsere Tage werden zu Staub. Auch von unseren glühenden Worten bleibt nicht viel. Ja, manche Liebe, die einmal Menschenherzen erwärmte, stirbt und erkaltet.
Ach Mensch, erkenne, wer du bist.
Asche und Staub – Zeichen verlorener Kriege. Zeichen für Dresden, Sarajewo und Hiroshima. Schuld der Geschichte und auch unsere persönliche Schuld. Ach Mensch, erkenne, wer du bist.
Asche und Staub – Wie das Erz im Feuer geläutert wird, damit es Silber und Gold freigibt, so wird vieles in uns geprüft und ausgebrannt, damit aus der Asche der neue Mensch in uns geboren wird.
Ach, Mensch, erkenne, wer du bist: für das Leben bist du bestimmt.
Beten
Jesus Christus, wir brauchen dich als unseren Lehrer, tagtäglich brauchen wir dich. Gib uns die Klarheit des Gewissens, die allein deinen Geist erspüren kann. Unsere Ohren sind taub, wir können deine Stimme nicht hören. Unser Blick ist getrübt und wir können deine Zeichen nicht sehen. Du allein kannst unser Ohr schärfen, unseren Blick klären und unser Herz reinigen. Lehre uns, zu deinen Füßen sitzen und auf dein Wort hören.
(nach John Henry Newman)
Hören
Ester 4,1–4
Vertiefen
In Sack und Asche gehen – ein Sprichwort, das alle kennen. Sein Ursprung liegt in einer biblischen Geschichte, die uns im Buch Ester erzählt wird. Es handelt sich um eine Art Mahngeschichte, die die Hörenden anregt, mit drohender Gefahr und vor allem mit Ängsten umzugehen. In der Zeit, da Israel von dem Perserkönig beherrscht wurde, geschah es, dass eine junge schöne Frau – Ester – zur Königin aufstieg. Sie verhinderte eine furchtbare Katastrophe, da von einem persischen Großwesir, Haman mit Namen, ein Genozid, die Vernichtung der Juden, geplant wurde. Haman spann eine Intrige und erwirkte vom König den Erlass, die jüdische Bevölkerung auszurotten. Ester wird von ihrem Vetter Mordechai verständigt, sie betet inständig zu Gott um Hilfe und hat dann den Mut, zum König zu gehen und die Intrige aufzudecken.
Die Geschichte findet im Buch Ester eine gute Wendung. Der gottgläubigen und mutigen Frau Ester gelingt es, den König von den verbrecherischen Absichten abzubringen und das Blatt zu wenden. Er geht – wie es in der Geschichte heißt – in Sack und Asche. Dies war der Anfang einer wunderbaren Wendung. Und so ist das In-Sack-und-Asche-Gehen der Beginn einer Hoffnungsgeschichte. Diese Erzählung wird bis heute am Purimfest in den jüdischen Gemeinden vorgelesen. Purim ist das Fest der Befreiung, ein sehr ausgelassenes Fest, bei dem die Gläubigen sich verkleiden und die Kinder allerlei Streiche spielen. In Sack und Asche gehen – ein Wendepunkt. Ein Zeichen zum Aufbruch. Und die Aufforderung, der Freiheit und Gerechtigkeit freie Bahn zu geben.
Dies ist ein wichtiger Gedanke für den Aschermittwoch. Bis heute hat die Ester-Geschichte einen politischen Hintergrund. Antisemitismus – Genozid – Ausgrenzung von Minderheiten – Schuldzuweisung an Fremde: Wir kennen das nur zu gut.
Der Aschermittwoch ist kein Trauertag, sondern ein Tag der Neuorientierung. Das Lebenszeichen, das mit Jesus Christus in die Welt kam, das Kreuz, wird uns auf die Stirn gezeichnet. Es sagt uns: Bedenke, der Gott des Lebens hat dich gezeichnet mit dem Zeichen der Erlösung.
Segnen
Gott, du willst nicht, dass wir ins Nichts gehen, du willst, dass wir die Fülle des Lebens finden in dir. So kehren wir um in deiner Kraft und gehen den Weg der Liebe. Segne diese Asche, mit der wir uns bezeichnen. Das Zeichen der Vergänglichkeit werde für uns zum Zeichen deiner lebendigen Kraft. Erneuere uns in Jesus Christus, deinem Sohn, und lass uns ihm ähnlich werden.
Bezeichnung mit dem Aschenkreuz
Der*die Leiter*in zeichnet den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn und spricht:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14)
Bitten
Herr Jesus Christus, dein Evangelium bewirkt, dass wir uns dir anvertrauen und uns hinwenden zur Liebe Gottes. Deshalb bitten wir dich:
Um genügend Zeit zur Stille und Einkehr für uns und alle, die nach der Tiefe des Lebens suchen.
Um den Glauben an die Möglichkeit des Neuanfangs für uns und alle, die am Sinn ihres Lebens zweifeln.
Um offene Augen für uns und alle, die in unserer Gesellschaft und unserer Welt Verantwortung tragen.
Um wache Ohren für uns und alle, die mit den Sorgen und Nöten ihrer Mitmenschen konfrontiert sind.
Um ein liebevolles Herz für uns und alle, denen es gegeben ist, den Armen und Bedrängten zu helfen.
Vaterunser
gemeinsam beten
Beten
Du, Gott, wirst uns nicht verurteilen, wenn wir mit unseren Brüchen zu dir kommen. Du wirst uns freisprechen, wenn wir uns dir zuwenden und unser Herz dir öffnen. So heile uns und lass uns mit frohem Herzen Christus, den Auferstandenen erwarten. Amen.
GOTTES NAME IN DEN STAUB GESCHRIEBEN
ASCHERMITTWOCH
Vorbereiten
Eine große Schale mit Staub (möglichst breit verteilt) steht in der Mitte des Raumes, daneben ein kleiner Stock.
Schalen mit Staub auf dem Altar, Blumen in einer Vase
Singen
Gott wohnt in einem Lichte (GL 429)
Einstimmen
Mit dem aussagestarken Lied von Jochen Klepper haben wir die Liturgie am heutigen Aschermittwoch begonnen, zu der ich Sie herzlich begrüße.
Ich möchte die fünfte Strophe wiederholen:
„Nun darfst du in ihm leben
und bist nie mehr allein,
darfst in ihm atmen, weben
und immer bei ihm sein.
Den keiner je gesehen
noch künftig sehen kann,
will dir zur Seite stehen
und führt dich himmelan.“
So ist es: Wir suchen Gott, brauchen ihn, wollen an ihn glauben. Aber wir sehen ihn nicht, hören ihn nicht, begreifen ihn nicht. In dieser Spannung beginnen wir heute eine Zeit der Vergewisserung. Ohne zu wissen, glauben wir: Wir leben in Gott. Die vierzig Tage vor Ostern sind auch eine Zeit der Läuterung, so viel Unerlöstes ist noch in uns.
Das Aschenkreuz ist ein Symbol für beides: Die Asche bezeichnet Vergänglichkeit und Sterben. Das Kreuz bezeichnet die Erlösung, die uns in Jesus geschenkt ist.
Vor Gott bringen
Gott, wir tasten nach dir und wagen, dir zu vertrauen. So beginnen wir die 40 Tage der Unterbrechung und Umkehr. Wir bitten um das Staunen und die Ehrfurcht vor deiner Schöpfung. Wir bitten um den Mut, uns dir zu öffnen und deinen Geist in uns wirken zu lassen. Dann werden wir auch Wege finden, die der Welt dienen und den Geschöpfen dieser Erde ein gutes, würdiges Leben ermöglichen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Hören
Joh 8,1–11
Vertiefen
Ich möchte in diesem Evangelium einer Spur nachgehen, die nur am Rand aufgezeigt wird: Jesus schreibt auf den Boden. Zwei Mal steht es da. Was hat er wohl geschrieben? Manche meinen, er wollte sich einfach von der Gruppe der Schriftgelehrten abwenden und schweigen.
Andere weisen auf einen Vers hin, der beim Propheten Jeremia steht: „Die sich von mir abwenden, werden in den Staub geschrieben, denn sie haben den Herrn verlassen, den Quell lebendigen Wassers“ (Jer 17,13b). Alle Namen also, der Name der Ehebrecherin, der Name der Schriftgelehrten, mein Name, Ihr Name – in den Staub geschrieben. Damit wir uns „aus dem Staub machen“ und zur Quelle zurückkehren. Dorthin, wo Gott sprudelt.
Ich finde, das ist eine schöne Deutung des Aschenkreuzes: Wir machen uns aus dem Staub. Wir verlassen das unfruchtbare Land: das Land der schnellen Urteile; das Land der bloßen Bedürfnisse; das Land der abwertenden Gesten; das Land der Gottferne; das Staubland. Gott sei Dank sind unsere Namen nicht in Stein gemeißelt. Sie sind nur in den Staub geschrieben und das Geschriebene wird wieder vom Wind zugeweht. Wir können aufstehen und wegziehen aus dem Staubland. Zurück zur Quelle.
Der Wind der Vergebung wird über den Staub wehen. Wir werden aufbrechen. „Auch ich verurteile dich nicht“, sagt Jesus zu der Ehebrecherin. Geh durch die Wüste – 40 Tage lang. Geh hin zur Quelle. Erfrische dich am Wasser. Trinke.
Das ist unser Programm für die Zeit bis Ostern. Fastenzeit ist die Zeit der Quellensuche. Zeit für Gott. Vielleicht reicht es nur für ein paar Gebetsminuten am Tag. Aber es reicht für ein 24-Stunden-Leben mit Gott. Für ein 24-Stunden-Vertrauen-auf-Jesus.
Manche Theologen meinen, Jesus habe den Gottesnamen in den Sand geschrieben. Das Tetragramm. Die vier hebräischen Buchstaben JHWH. Der Name, der sagt: Ich bin der Ich-bin-da. Oder auch: Ich bin da, wo du bist. Auch das ist eine Einladung für diese 40 Tage.
Gottes Name geschrieben in die Asche meines Alltags. Gottes Name geschrieben in den Staub der Geschichte, in den Staub der Politik, der Fluchtgeschichten, der fake news, der Machtspiele, der zerstörten Natur, der Menschenängste. Gottes Name geschrieben in meine Ängste, in meine Staubgeschichten. Gottes Name in mein Herz geschrieben.
Die große Schale in der Mitte ist mit Staub gefüllt. Lasst uns den Namen Gottes hineinschreiben, damit er unter uns gegenwärtig ist. Und wir alle legen unsre Namen, unser Wesen, unsere Sehnsucht Gott ans Herz.
Stille – Jemand schreibt in der meditativen Stille den Gottesnamen Jahwe in hebräischen Buchstaben in die Asche (von rechts nach links):

Währenddessen können die Mitfeiernden in Stille ihre Gebete und Anliegen in dieses Symbol hineingeben.
Segnen
Gott, du willst nicht unseren Tod. Du willst, dass wir umkehren und leben.
Segne die Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen. Erneuere uns durch Jesus Christus, deinen Sohn, und lass uns ihm immer ähnlicher werden. Schenke uns durch seine Auferstehung unvergängliches Leben bei dir.
Der*die Leiter*in zeichnet den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn und spricht die Zusage:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14)
Ermutigen
Auf die Asche in der großen Schale werden bunte Blumen gelegt.
Leben, wachsen, blühen, wach sein.
Mit der Asche den Boden düngen.
Aufstehen und aufbrechen.
Sich korrigieren lassen,
ohne zurückzuschlagen.
Mit einem weiten Herzen leben.
Ein Herz, wie es Jesus hatte.
Ein Herz für die anderen,
die Gemütlichen und die Ungemütlichen,
die Geliebten und die Gefürchteten.
Jesus, berühre mein Herz
mit der Kraft deines Herzens
und lass daraus
die Heilkraft des Friedens fließen.
Mit Jesus lasst uns beten:
Vaterunser
gemeinsam beten
Segnen
einander still segnen
UND FÜHRE UNS DURCH DIE VERSUCHUNG
ERSTER FASTENSONNTAG
Einstimmen
Wer bin ich? Bewusst oder unbewusst bewegt mich diese Frage jeden Tag. Manchmal freut sie mich, manchmal ärgert sie mich. In der Bibel finden wir die Frage schon auf der ersten Seite. Die Schöpfungsgeschichte versucht eine Antwort. Die Erzählung, wie Gott den Menschen aus Erde bildet und ihm seinen Atem einhaucht, meint, dass wir beides sind: Erde und Geist, sterbliche Wesen und Gottes geliebte Kinder. Mit der Frage „Wer bin ich?“ gehen wir durch die Fastenzeit. Wir tun es in aufrechtem Gang, also im Bewusstsein, dass wir eine göttliche Würde in uns tragen. Wir tun es auch im Bewusstsein unserer Schwäche und in der Sehnsucht nach Vergebung.
Beginnen wir im Zeichen des Kreuzes, das uns Halt und Erlösung gibt, und im Namen des dreifaltigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Um Vergebung bitten
Ich möchte, dass mein Kopf frei wird von den quälenden Gedanken, in denen ich mich nur um mich selbst drehe. Herr, erbarme dich.
Ich möchte, dass meine Augen gütig werden, frei von Neid und Eifersucht, neugierig auf alles Schöne um mich. Christus, erbarme dich.
Ich möchte, dass meine Ohren hellhörig werden und durch die vielen Töne und Geräusche hindurch das Wort Gottes vernehmen. Herr, erbarme dich.
Vor Gott bringen
Gott des Lebens, wir kommen zu dir am Beginn der Fastenzeit. In unsere leeren Hände legst du eine Zeit, die wir gestalten und feiern dürfen. Vierzig Tage, die uns spüren lassen, wonach wir hungern. Vierzig Tage, die unsere Sinne schärfen für das, wonach andere dürsten. Begleite uns in der Zeit der Stille und des Verzichts und gib uns die Kraft, Raum zu schaffen für deine Gegenwart.
Hören
Gen 2,7–9; 3,1–7 und Mt 4,1–11
Vertiefen
Vor vielen Jahren habe ich den Roman von Werner Bergengruen „Der Großtyrann und das Gericht“ gelesen. Der Großtyrann ist Herr der Stadt Casano. Er führt ein strenges Regiment, aber, so meint er es jedenfalls, nur zum Besten seiner Stadt. Eines Tages will er seine Untertanen auf die Probe stellen. Er inszeniert einen Mord und streut jeden Tag ein anderes Gerücht in der Bürgerschaft, wer der Mörder gewesen sein könnte. Er führt die Leute bewusst in Versuchung. Er will herausfinden, wie sie in ihrer Angst reagieren. Nach einer schlimmen und heillosen Zeit, in der sich alle gegenseitig bezichtigen, um die eigene Haut zu retten, beruft der Großtyrann eine Gerichtsverhandlung ein. Er deckt alles auf, die Meineide, die Intrigen, den Verrat an den besten Freunden, die dunklen Machenschaften, mit denen sich die Bürger seiner Stadt aus der Affäre ziehen wollten. Der Großtyrann schließt mit der Feststellung: „Ich habe gesehen, dass der Mensch nur in Versuchung geführt zu werden braucht, um in Schuld zu fallen.“ Da steht ein beherzter Bürger auf und sagt es dem Großtyrannen ins Gesicht: „Du bist der schlimmsten Versuchung erlegen, nämlich der, andere in Versuchung zu führen.“
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!“ Wir beten diesen Satz tagtäglich. Wenn wir genau darüber nachdenken, stockt uns der Atem: Ist das möglich? Kann Gott uns in Versuchung führen? Was könnte er damit wollen? Kann es sein, dass Gott uns auf die Probe stellt? Will er wissen, wie weit wir treu sind und wo wir schwach werden?
Wenn es so wäre, dann müssten wir ihn als eine Art Großtyrann betrachten, wie ihn Bergengruen im Roman vorstellt. Nein! Gott hat es nicht nötig, uns auf die Probe zu stellen. Und er tut es auch nicht.
Gott führt uns Menschen. Er führt uns durch unsere persönliche Lebensgeschichte. Er führt uns durch unsere Zeit, durch die Situationen unseres Alltags. Gott bietet sich uns immer als Weggefährte an. Nun ist aber das Leben nicht nur gut. Auf unserem Weg gibt es, das ist die konkrete Erfahrung, Stolpersteine und Schlaglöcher. Es gibt, vom Leben vorgegeben, Umwege, Irrwege, Abwege. Es gibt, wenn wir im Bild bleiben, Wegelagerer und Räuber. Ich kann mich als Mensch auf meinem Lebensweg verlaufen, ich kann fallen, ja sogar abstürzen. Das Leben selbst ist Versuchung, ja mein eigenes Herz ist Versuchung, ich kann mir zur Gefahr werden. Auch andere Menschen können mir zur Gefahr werden, sogar die Nächsten und Liebsten. Es gibt Angst, Misstrauen und Enttäuschung. Es gibt das Böse, das auf uns lauert. Jesus kennt das Leben, er kennt das Herz des Menschen. Jesus weiß, dass wir Menschen in Versuchungen geraten, oft, ohne uns dessen bewusst zu sein. Er weiß, dass nicht Lust oder Luxus die größten Versucher sind, sondern die Angst.
Ich denke an einen Jugendlichen, der von seinen Kameraden als Feigling gehänselt wurde. Sozusagen als Mutbeweis stahl er in einem Geschäft eine Schachtel Zigaretten. Aber er war kein Dieb. Er wollte sich nur die Anerkennung seiner Kameraden erbetteln.
Ich denke an jenen Mann, der seit Jahren wusste, dass man in seiner Firma Steuern hinterzog. Er machte das Spiel sogar mit – mit schlechtem Gewissen. Der Mann war kein Betrüger. Er hatte Angst, seine Arbeit zu verlieren. Die Angst macht zum Mitläufer. – Vielleicht ist das die übelste aller Versuchungen.
Was wir im Vaterunser erbitten, bedeutet: Gott möge uns nicht in der Versuchung fallen lassen. Er möge uns im Gegenteil unbeschadet herausführen. Deswegen der wichtige Nachsatz: Erlöse uns von dem Bösen. Der Beter will sagen: Gott, löse uns aus der Fessel des Bösen, an die wir durch die Versuchungen des Lebens immer wieder gebunden werden. Bewahre uns davor, dass wir dem Bösen erliegen.
Der Versucher sagt zu Jesus: „Befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird!“ (Mt 4,3) Es ist die Versuchung jedes Menschen. „Du sollst satt werden, du sollst alles haben“, sagt uns eine innere diabolische Stimme. Und die Werbeplakate sagen es uns auch. Nicht nur der Magen will satt werden. Auch die Augen und die Ohren, ja alle Sinne. Auch die Konten wollen satt werden, die Terminkalender, die Auftragsbücher. Wir sind nie ganz zufrieden. Wir sind nahezu unersättlich. Im Grunde wollen wir unsere verletzte und sehnsüchtige Seele sättigen.
Wir sehnen uns im Grunde nach einem sinnvollen und glücklichen Leben und tun uns doch so schwer, den Sinn und das Glück zu genießen. Unser Lebenshunger will uns in Wahrheit zum Wesentlichen hinführen, zu einem bewussten Leben, zur Liebe, zu Gott. Das ist die Chance des Fastens und der Fastenzeit. Wer seinen Konsum einschränkt, wird seinen tieferen Hunger spüren. Und er kann zu den Quellen gelangen, die ihm wirkliches Leben schenken.
Unsere zweite Versuchung heißt: Ich will etwas Besonderes sein. Auch diese Versuchung entspringt einem gesunden Bedürfnis. Wir brauchen Ansehen und Selbstwertgefühl, um leben zu können. Ein Kind kann sich nur gesund und gut entwickeln, wenn es angesehen wird. Und vom guten Blick leben auch wir Erwachsene. Wenige Menschen leiden an zu viel Selbstbewusstsein, die meisten an zu wenig. Wahrscheinlich ist ebendies der Grund, warum unser Streben nach Ansehen zu einer gefährlichen Versuchung werden kann.
Jesus sagt zum Versucher nur einen Satz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ (Mt, 4,7) Gott will auch nicht, dass wir ihm etwas vorspielen. Die Lebensregel Jesu heißt: Sei ganz du selbst. Spiele dir und anderen kein Theater vor. Du hast es nicht nötig. Im Innersten weißt du, wer du bist. Und deine Mitmenschen spüren, ob deine Worte und Taten von Herzen kommen.
Jesus erlebt in der Wüste eine dritte Versuchung: Macht! Satan bietet ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht an. Unsere persönliche Versuchung zur Macht kommt meist nicht so laut daher, sie ist viel subtiler. Oft merken wir die kleinen Machtspiele gar nicht. Mit ein paar gut platzierten Worten kann ich mich geschickt in Szene setzen. Macht ist die heimlichste und die unheimlichste aller Versuchungen.
Die Bibel zeigt uns etwas sehr Tröstliches: Unsere Versuchbarkeit ist auch unsere Gnade. Es ist unsere Gnade, dass wir unstillbare Sehnsüchte haben. Die Ohnmacht ist die Macht des Kindes. Es lässt sich bedingungslos lieben. So wird es erwachsen. Welch eine Chance, wenn wir in den kommenden Wochen ganz tief die Stellen unserer Seele berühren dürfen, wo unsere Sehnsüchte und unsere Versuchbarkeit liegen. Welch eine Chance, wenn wir Gott in dieser Mitte unserer Seele Wohnrecht geben. Der große französische Philosoph Blaise Pascal sagt es so: „Der Mensch ist ein Abgrund, der nur mit Gott gefüllt werden kann.“
Bitten
Nicht nur unsere Bitten bringen wir vor dich, Gott, sondern auch uns selbst. Wir kommen mit unseren Sorgen, Fragen und Wünschen. Und auch mit unserer Kraft und Energie. Du sprichst dein ja zu uns und der Welt und gibst uns den Auftrag, in Gerechtigkeit und Frieden zu leben.
Nicht wenige Menschen, zunehmend auch Kirchenferne, nutzen diese Zeit, um 40 Tage lang etwas anders zu machen: Sie suchen Zeiten und Räume, um wieder zur Ruhe zu kommen. Oder sie verzichten auf Konsumgüter wie Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch. Wir wünschen uns selbst und einander Mut und Fantasie, die Zeit bis Ostern mit Leben zu füllen. – Stille
In unserem Alltag halten wir vieles für selbstverständlich – sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, gesunde Lebensmittel, gute Menschen an unserer Seite. Es tut uns gut, immer wieder anzuhalten, zu staunen und dankbar zu werden. – Stille
Wir sind auf der Suche nach einem guten Leben – für uns selbst, für unsere Familien und Freunde, aber auch für die Fremden, deren Kultur und Lebensgewohnheiten wir kaum kennen. Mit unseren Grenzen, aber auch mit unserer Sehnsucht stehen wir hier. – Stille
Wir denken an die vielen Menschen, deren Grundbedürfnisse und Grundrechte nicht erfüllt werden: Menschen, die wegen ihrer Religion oder Herkunft verfolgt werden, Menschen, die keine Arbeit haben oder denen gerechte Löhne verweigert werden. Oft fühlen wir uns ohnmächtig und überfordert angesichts der riesigen Herausforderungen. – Stille
Wir erleben am eigenen Leib die Vergänglichkeit. Unsere Gesundheit hält nicht ewig, wir werden jeden Tag älter. Einmal werden wir sterben. Es fällt uns schwer, das wahrzuhaben. Viele Angehörige, Freunde und Nachbarn sind bereits verstorben. Mit dem Blick auf das Kreuz erfahren wir immer wieder Hoffnung und Zuversicht. – Stille
Noch vieles mehr beschäftigt uns. Du, Gott, weißt darum, ehe wir es aussprechen. Wir bringen dir – mit unseren Stärken und Schwächen, unseren Talenten und Grenzen – unsere Sehnsucht nach der Fülle des Lebens, die nur du schenken kannst. Amen.
Meditieren
Jesus – alles ist dir bekannt.
Alles hast du mit uns geteilt:
Den Leib und die Seele,
die Freude und den Schmerz,
das Leben und den Tod.
Auch die Versuchung kennst du.
Auf den Berg wurdest du gestellt –
auf den Berg der Macht,
des Ansehens, des Erfolgs.
„Du hast alles in der Hand“,
hat dir der Versucher zugeflüstert,
„alles liegt dir zu Füßen“.
Du hast um die Gefahr gewusst:
Berge ragen hoch auf,
fallen aber auch steil ab.
Der Fels ist glatt,
der Abgrund ist tief und tödlich.
Du hast gewusst:
Die Macht versucht uns, sie festzuhalten,
die Hände zur Faust zu ballen
und gewalttätig zu werden.
Du hast gewusst:
Unser Ansehen kann
zu einem Spiegel werden,
vor dem wir uns drehen und bewundern,
und dabei alle und alles vergessen.
Du hast gewusst:
Erfolg kann süchtig machen,
immer höher zu klettern,
bis die Spitze abbricht.
Jesus, gib uns den Mut,
deinem Beispiel zu folgen.
Wir wissen, dass wir versuchbar sind.
Gib uns die Kraft der Unterscheidung,
dass wir die trügerischen Stimmen
in uns durchschauen,
dass wir die Sehnsucht
nach wahrhaftigem Leben spüren
und die Liebe zum Guten.
Nimm uns an der Hand
und geh mit uns den Weg durch die Wüste.
Dann erreichen wir sicher unser Ziel.
Danken
Bruder Jesus, dein Leben war tief verwurzelt in Gott, der unser aller Vater ist. Auch den Armen und Bedrängten hast du Leben in Fülle versprochen und sie einen Vorgeschmack des Himmels kosten lassen. In deinen Worten und Taten hast du den Menschen aller Zeiten einen Weg zum Leben geöffnet. In diesen 40 Tagen rufst du uns zur Umkehr. Alle sollen Gottes Ja-Wort hören und spüren dürfen. Das dürfen wir zeichenhaft in dieser Stunde erleben, in der du bei uns bist. Sei du auch in unserem Alltag Hilfe und Stärkung.
Segnen
Seid gesegnet mit der Liebe Gottes. Seine schöpferische Kraft ruft euch jeden Tag neu ins Leben.
Seid gesegnet mit dem Wort Gottes, in dem ihr sein unverbrüchliches Ja hören sollt.
Seid gesegnet mit der Weisheit Gottes, an der ihr Anteil habt, um in Verantwortung zu leben.
Seid gesegnet mit der Stärke Gottes, die euren Händen die Kraft gibt zu trösten, aufzurichten und eine lebenswerte Welt aufzubauen.
VERWANDLUNG FEIERN
ZWEITER FASTENSONNTAG
Vorbereiten
Drei verschiedene Stationen in der Kirche, um die sich die Mitfeiernden versammeln können
Liedblätter mit Gebet und Segen
Abspielgerät für Tonträger mit dem Lied „Leg mein Gesicht frei“ (youtube)
kleine Spiegel
Ikone der Verklärung Christi (im Internet sind zahlreiche Darstellungen zu finden)
Klangschale
Einstimmen
Bei seiner letzten Rede am 3. April 1968 am Abend vor seiner Ermordung sprach Martin Luther King folgende Worte:
„Ich bin auf dem Gipfel des Berges gewesen. Ich mache mir keine Sorgen. Ich möchte nur Gottes Willen tun. Er hat mir erlaubt, auf den Berg zu steigen. Und ich habe hinübergesehen. Ich habe das Gelobte Land gesehen. Ich fürchte niemanden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.“
Die Erfahrung Martin Luther Kings erinnert an die Erfahrung, die Jesus kurz vor seinem gewaltsamen Tod auf dem Berg Tabor gemacht hat. Es ist die Erfahrung einer inneren Verwandlung. In der Nachfolge Jesu mag auch an uns Verwandlung geschehen.
STATION 1
Besinnen
Die Mitfeiernden werden eingeladen, einen der kleinen Spiegel in der Mitte zu holen und sich damit an einen stillen Platz zu setzen. Zwei Sprecher*innen tragen abwechselnd den Text vor:
I
Einem anderen Menschen
den Spiegel vorhalten –
mit Worten, mit einer Geste –
wer tut das nicht gern?
Mir selbst den Spiegel vorhalten –
mit einer ehrlichen Prüfung
meines Denkens und Tuns –
das mache ich nicht so gern.
II
Genau dazu bin ich jetzt eingeladen.
Vermutlich habe ich schon heute Morgen
in den Spiegel geschaut.
Ein kritischer Blick auf die Augen,
den Mund, die Frisur.
Vielleicht ganz schnell, um mich
zu schminken oder zu rasieren.
Jetzt habe ich Zeit, mich anzuschauen.
I
Der Blick in den Spiegel
lässt keine Täuschung zu.
Ich sehe mich so, wie ich bin.
Hier brauche ich mich nicht zu verstellen,
keine Maske aufzusetzen.
Ich sehe nicht nur mein Gesicht,
ich sehe auch etwas von meiner Seele.
Ich komme in Berührung mit meinen Gefühlen.
Mit meinem Glücklich- oder Traurigsein.
Mit meiner Zuversicht und meinen Ängsten.
II
Vielleicht neige ich dazu,
zuerst das Unansehnliche zu sehen,
meine Fehler und Macken,
meine zu harten oder zu weichen Züge;
meine Kritik an meiner Figur
oder meinem Charakter.
Vielleicht neige ich auch dazu,
nur das Gute zu sehen,
mein gutes Aussehen, meine Erfolge,
meine Energie.
I
„Du bist das, was du vor Gott bist,
nicht mehr und nicht weniger“.
Dieser Satz wird
Franz von Assisi zugeschrieben.
Wie geht es mir damit?
Weiß ich, wie Gott mich sieht?
II
Es gibt Sätze in der Bibel, die es uns sagen.
Im Buch des Propheten Jesaja sagt Gott
zu Israel – damit sind wir alle gemeint:
„Weil du in meinen Augen
teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe,
gebe ich Menschen für dich
und für dein Leben ganze Völker.
Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! (Jes 43,4 f.)
Ich lasse diesen Satz einfach in meine Seele sinken.
Singen
Das Lied kann entweder von einer CD o. Ä. eingespielt oder solistisch oder von einer Schola / einem Chor gesungen werden.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer mich entlarvt hat, wird mich finden.
Ich hab Gesichter, mehr als zwei.
Augen, die tasten vor im Blinden.
Herzen aus Angst, die vor Angst vergehn.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden
und wird ganz neu sich selbst verstehn,
wird leben, offen, unumwunden
und nirgends hin verloren gehn.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
(Huub Oosterhuis)
Beten
Gott, Geheimnis von Schönheit und Liebe, du hast uns Menschen nach deinem Abbild geschaffen. In deinen Augen sind wir schön, denn wir sind, was wir vor dir sind. Dein Licht möge unsere Schatten durchdringen und unsere Schönheit aufleuchten lassen. Dein Glanz möge durch uns hindurchstrahlen und die Welt mit Liebe berühren.
STATION 2
Hören
Mk 9,2–10
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