Kitabı oku: «Eine Stunde hinter Mitternacht», sayfa 7

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Der Traum vom Ährenfeld.

Einmal hab’ ich Dich schon geträumt, mein Traum vom Ährenfeld! Überflute mich wieder mit deinem rot und goldenen Leuchten! Tritt wieder über die Schwelle meiner Nacht und sei wieder der Vorbote eines neuen Glückes!

Siehe, er tritt hervor, aus dem verschlossenen Garten meiner Frühe, dessen Luft voll Silbers und dessen Schatten voll Zukunft ist. Ich meine das Rauschen seiner Bäume zu vernehmen und den Geruch seiner Wiesen zu spüren; mein Heimweh sättigt sich an seiner Fülle, mein Auge verwandelt sich und ruht ungebrochenen Blicks auf den Frühlingen meiner frühesten Jugend. Der Traum wird mächtig und breitet ein gelbes Ährenfeld vor mir in sonnenheller Weite aus.

Ein Ährenfeld in heller Sonne! Eine Flut gelbroter Farben, eine Fülle stetigen Lichtes, in der Tiefe rötlich verklärt, an den Rändern von Glanzwellen und rastlosen Wechselfarben lebendig! Ein endloser Anblick voll Ruhe und Genügen, ein Born des Glückes und der Schönheit, ein angehäufter Schatz alles Dessen, was urprächtig, unberührt, in sich beschlossen, und unwiederbringlich ist. Dieses alles senkt sich in mein Herz, findet alle leeren Kammern, füllt und füllt und fliesst über wie ein Strom aus einem tiefen See.

Wie vermöchte ich zu sagen, was mein kindgewordenes Herz nun erfüllt, was mein Blut so milde erwärmt und mein Auge so offen, still und glänzend macht! Erfüllt und eins mit dem Licht der Sonne und des stillen Feldes kehrt mir Auge und Herz unter die Brüder meiner Kindheit zurück, zu dem wogenden Feld, zu dem reinen Himmel, zu den geschwisterlichen Bäumen, Bächen und Winden.

Ich grüsse euch, Brüder und Schwestern! Verzeihet, was in der Fremde geschehen ist! Ich war lange Zeit krank, mein Ohr und Auge reichte nimmer zu euch, mein innerster Grund war mir fremd geworden. Das in mir, was von Ewigkeit und Muttergeschenk ist, war in Ketten gelegt, sein schweres Atmen reichte nur in den stillsten Mitternächten noch zu mir herauf. Nun atmet es befreit, und atmet mit meiner Brust, und erschliesst alles in mir der entschleierten Gegenwart.

Du leuchtendes Ährenfeld! Tränkst du mein Auge mit deiner ruhigen Klarheit, oder ist es das Licht meines Glückes, das aus meinem Auge überquellend dich glänzen macht und die Sonne entzündet? Reich und nehmend, bedürftig und austeilend, zweieins, süsser Kern eines ewigen Rätsels, so ist meine Liebe und deine. Wie bin ich befreit von allen Massen und Mittelpunkten! Wo ist noch Anfang oder Ende, wo ist noch Wille und Ziel, oder Ursprung und Brücke?

Du leuchtendes Ährenfeld, bist du nicht ein Bild meiner befreiten Seele? Du und ich, beide in flutender Helle, beide reich an Unaussprechlichem, beide einander beschenkend, und beide sich neigend unter einer süssen Last?

Hergestellt von W. Drugulin in Leipzig im Juni des Jahres 1899.

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
18 ocak 2025
Hacim:
71 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
4064066115890
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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