Kitabı oku: «Hermann Lauscher», sayfa 9

Letzte Gedichte.
(Sommer und Herbst 1900.)
Meiner Liebe.
I.
An meine Schulter lehne
Dein schweres Haupt und schweige
Und koste jeder Träne
Wehsüße, lasse Neige.
Es werden Tage kommen,
Da du nach diesen Tränen
Verdürstend und beklommen
Dich wirst vergebens sehnen.
II.
Leg mir aufs Haar
Die Hand; schwer ist mein Haupt.
Was meine Jugend war,
Hast du geraubt.
Unwiederbringlich ist dahin
Der Jugend Glanz, der Freude Born,
Der mir so unerschöpflich golden schien,
Und überblieben Weh und Zorn
Und Nächte, Nächte ohne End,
In denen wild und fieberheiß
Der alten Liebeslüste Kreis
Mein waches Träumen wund durchrennt.
Nur noch in Stunden seltner Rast
Tritt manchmal meine Jugend her
Zu mir, ein scheuer blasser Gast,
Und stöhnt, und macht das Herz mir schwer . . .
Leg mir aufs Haar
Die Hand. Schwer ist mein Haupt.
Was meine Jugend war,
Hast du geraubt.

Dennoch.
Dennoch von meiner Jugend Stunden
Genoß ich jede. Soll ich klagen,
Daß die gehegte Blust nur Wunden
Und Bitternis und Weh getragen?
Wenn sie noch einmal wiederkäme
Und trüge alle holden Züge
Von ehmals – fänd ich mein Genüge,
Wenn sie ein andres Ende nähme.

Philosophie.
Vom Unbewußten zum Bewußten,
Von da zurück durch viele Pfade
Zu dem, was unbewußt wir wußten,
Von dort verstoßen ohne Gnade
Zum Zweifel, zur Philosophie,
Erreichen wir die ersten Grade
Der Ironie.
Sodann durch emsige Betrachtung,
Durch scharfe Spiegel mannigfalt
Nimmt uns zu frierender Umnachtung
In grausam eiserne Gewalt
Die kühle Kluft der Weltverachtung.
Die aber lenkt uns klug zurück
Durch der Erkenntnis schmalen Spalt
Zum bittersüßen Greisenglück
Der Selbstverachtung.

Marienlied.
Ohne Schmuck und Perlenglanz
Laß mich auf die Stufen legen,
Stumm erflehend deinen Segen,
Meiner Jugend welken Kranz.
Kämpfe, Fahrten, Wunden viel,
Ungenossene herbe Siege
Ruhmlos durchgekämpfter Kriege
Finden müde nun ihr Ziel.
Lüste bunt und freudefarb
Senken müdgewordene Hände,
Ihr Gelächter ist zu Ende,
Ihre rote Flamme starb.
Sterbend, blaß und fieberwund
Wollen sie, der Welt vergessen,
Müd auf harte Stufen pressen
Den verblühten Liebesmund.

Das ist mein Leid.
Das ist mein Leid, daß ich in allzuvielen
Bemalten Masken allzu gut zu spielen
Und mich und andre allzu gut
Zu täuschen lernte. Keine leise Regung
Zuckt in mir auf und keines Lieds Bewegung,
In der nicht Spiel und Absicht ruht.
Das muß ich meinen Jammer nennen:
Mich selber so ins Innerste zu kennen,
Vorwissend jedes Pulses Schlag,
Daß keines Traumes unbewußte Mahnung
Und keiner Lust und keines Leides Ahnung
Mir mehr die Seele rühren mag.

Spielmann.
Frühlinge und Sommer steigen
Grün herauf und singen Lieder,
Schmücken bunt die Welt, und neigen
Müde sich zur Erde wieder.
Träumend aus dem Kranz der Tage
Grüßen flüchtig helle Stunden
Mir herauf wie schöne Sage,
Lächeln, leuchten, sind verschwunden.
Schauernd in der Tage Wende,
Mag auch Gold und Liebe winken,
Lassen traurig meine Hände
Die geschmückte Leier sinken.

Italienische Nacht.
Ich liebe solche bunt beglänzte Nächte
Im Flackerlicht der Lampen, und ich flechte
Gern meiner Lieder fiebernd Rot darein.
Sieh, Liebste, wie sich dort die Jugend drängt
Im späten Tanz, und wie für uns allein
Der Sichelmond im Rauch der Fackeln hängt.
In solchen Nächten lauscht mein zitternd Herz
Mit Qual und Lust heimat- und jugendwärts,
Und schlägt im Takt verliebter Melodien.
Mein Auge aber schaut den fremden Mond
Im Silberkahn auf sichern Wegen ziehen
Und ist wie er der Einsamkeit gewohnt.
Sieh, meine Jugend war ein farbig Spiel,
Ein Tanz im Fieber, wild und ohne Ziel
Und schwand verknisternd wie ein Meteor.
Dann kreuzt’ ich unstät durch die Welt und fand
Dem Haupt kein Lager, meinem Lied kein Ohr,
Und nur im Traum ein blasses Heimwehland.
Schau dort! Die heiße Menge wogt im Tanz
Und glüht vor Lust und wirft den Loderkranz
Der kurzen Freude jauchzend in die Lüfte.
Ists doch, als spielte meine Jugend dort
Im süßen Rausch fremdländisch heißer Düfte
Das alte Spiel in neuen Tänzen fort.
Das alte Spiel! Nur daß ich jetzt abseits
Zuschauend lehne und den süßen Reiz
Des Taumeltranks auf kühler Lippe wäge,
Und daß mein Geist gleichgültig Umschau hält
Und meines Herzens heimwehrasche Schläge
Lächelnd wie Takte eines Liedes zählt.

Der schwarze Ritter.
Ich reite stumm aus dem Turnier,
Ich trage aller Siege Namen,
Ich neige mich vor dem Balkon der Damen
Tief. Aber keine winkt nach mir.
Ich singe zu der Harfe Ton,
Aus der die tiefen Laute steigen.
Alle Harfner lauschen und schweigen,
Aber die holden Frauen sind entflohn.
In meines Wappens schwarzem Feld
Sind hundert Kränze aufgehangen,
Die gold von hundert Siegen prangen.
Aber der Kranz der Liebe fehlt.
An meinem Sarge werden sich bücken
Ritter und Sänger und werden ihn
Mit Lorbeer bedecken und bleichem Jasmin.
Aber keine Rose wird ihn schmücken.

Marienlied.
Deinem Blick darf meiner nicht begegnen,
Meine Seele, die so viel gelitten,
Darf gebeugt nicht mehr die deine bitten:
Wolle die verlorene Schwester segnen!
Leise nur im allertiefsten Innern
Will sie der gewesenen Schwesterzeiten,
Der in Schmach verspielten Seligkeiten
Schweigend und mit Schmerzen sich erinnern.

