Kitabı oku: «Für immer und ewig?»

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Hermann Wohlgschaft
Hermann Wohlgschaft

Dank

Für hilfreiche Impulse danke ich Joachim Böhm, Anni Eschenbach, Marianne Hermann, Judith Jäger, Sigrid Pflug, Franz Ruf, Peter Seidel, Gretl Uhl, Heidi Weitmann und Brigitte Wendl.

Günzburg, im Januar 2013

Hermann Wohlgschaft

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über ‹http://dnb.d-nb.de› abrufbar.

1. Auflage 2013

© 2013 Echter Verlag GmbH, Würzburg

www.echter-verlag.de

Umschlag: Peter Hellmund

© Titelbild / Foto: Heidrun Bauer SDS, anlehnungsbedürftig (Variante ROT), 2007, Acryl-Mischtechnik auf Leinwand, 40 × 80 cm

Satz: Hain-Team, Bad Zwischenahn (www.hain-team.de)

Druck und Bindung: CPI – Clausen & Bosse, Leck

ISBN

978-3-429-03587-7 (Print)

978-3-429-04697-2 (PDF)

978-3-429-06091-6 (ePub)

Inhalt

Einführung

1. Die Realität in der Partnerbeziehung

2. Die grundlegende Gottesbeziehung

3. Die Zielbestimmung der Partnerliebe

Kapitel I

Die erotische Partnerliebe

1. Zur gesunden Selbstliebe

2. Zur notorischen Bindungsangst

3. Zur Geschlechterbeziehung

4. Zum kirchlichen Eheverständnis

5. Zum kirchlichen Sexualkomplex

6. Zur sinnlichen Lust in protestantischer Sicht

7. Zur Sexualität als Quelle der Spiritualität

8. Zu den Maßstäben und Werten

9. Zur eschatologischen Perspektive

Kapitel II

Für immer und ewig

1. ›Same Same But Different‹

2. Das umfassende Ja

3. Die Facetten des Intimen

4. Die Seelenfreundschaft

5. Das Sakrament der Treue

6. Fußangeln der Liebe

7. Nähe und Distanz

8. Die bleibende Bindung

Kapitel III

Wenn die Ehe zerbricht

1. Ohne Wenn und Aber

2. Trennungsgründe

3. Das katholische Eherecht

4. Biblische Einwände

5. Lösungsvorschläge

6. Zur reformatorischen Ehepastoral

7. Wider die neue Spaltung

8. Getrennt und wieder verbunden

Kapitel IV

Der unendliche Horizont

1. Zur ›Vergänglichkeitsbewältigung‹

2. Die »Scheunen der Vergangenheit«

3. Die unbegrenzte Hoffnung

4. ›Die Schöne und das Biest‹

5. Die größere Liebe Gottes

6. Im göttlichen Licht

7. Zum Erlösungsgedanken

8. Vom Fragment zur Vollendung

Kapitel V

Ehelosigkeit und Partnerbeziehung

1. Der Pflichtzölibat

2. Gesetz und Charisma

3. »… um des Himmelreichs willen«

4. Die Sadduzäerfrage

5. Keine Ehe im Himmel

6. »Die Menschen werden sein wie die Engel«

7. Die Sehnsucht ohne Ende

8. Der Eros und die ›Gottesminne‹

Kapitel VI

Unbeschränkte Kommunikation

1. ›Bin ich, wenn ich nicht mehr bin?‹

2. Ein Plädoyer für das ›Ich‹ und das ›Wir‹

3. Die personale Vollendung

4. Die Auferstehung zum Leben

5. Die himmlische ›Hochzeit‹

6. Zur neuen Leiblichkeit

Kapitel VII

Mann und Frau – sub specie aeternitatis

1. Sinnlichkeit als Verheißung

2. Intimes im Himmel?

3. Zur Vielfalt der Beziehungen

4. Das göttliche Fest

Anmerkungen

Personenregister

Die Liebe allein versteht

dies Geheimnis,

andere zu beschenken

und dabei selbst reich zu werden.

Clemens Brentano

Einführung

Leben heißt immer in Beziehungen leben. Ich lebe, wenn ich in Beziehung lebe zu mir selbst, zu anderen Geschöpfen, zu Gott. Beziehungen aber können gut sein oder auch schlecht. Leben im Vollsinn können wir nur, wenn wir in guten Beziehungen leben. Anders gesagt: Leben im eigentlichen Sinne können wir nur, wenn wir lieben, wenn wir Gott und die Schöpfung, wenn wir bestimmte Menschen und uns selbst wirklich lieben.

Über die Liebe wurde, auch von mir, schon sehr viel geschrieben. Was Liebe eigentlich ist, ist freilich umstritten. Nicht jeder versteht unter Liebe dasselbe. Ob es eine verlässliche, eine wirklich dauerhafte oder gar eine ewige Liebe gibt, ist erst recht eine Streitfrage. Die Beantwortung dieser Frage wird mit persönlichen Erlebnissen und mit der religiösen Einstellung zusammenhängen.

Wer Gott nie wirklich erfahren hat (oder wer meint, dass er Gott nie erfahren hat), wird wohl nicht an die ewige Liebe und nicht an das ewige Leben glauben. Aber auch der Atheist, der Skeptiker, der an keine unsterbliche Seele, an keine Auferstehung der Toten, an keine Art des Weiterlebens glaubt, wird einräumen müssen: Zumindest als literarisches Thema ist die Liebe unsterblich und unerschöpflich. Für mich als Christ allerdings ist die Liebe als solche die belebende Energie, die göttliche Kraft, die unser Leben unsterblich macht.

Warum nun schreibe ich ein weiteres Buch über die Liebe, warum lässt mich dieses Thema nicht los? Die Antwort ist einfach: Es gibt noch so vieles zu sagen! Ich werde nie an ein Ende kommen, alles was über die Liebe geschrieben wird, bleibt immer ein Stückwerk. Aber gerade das macht die Liebe so schön! Sie hört nie auf, unser Leben zu bereichern, zu erneuern, zu inspirieren.

Ich schreibe gern über die Liebe, weil ich vieles erlebt habe und weil es auf diesem Gebiet stets neue Überraschungen gibt. Die Liebe ist das tiefste Geheimnis des Lebens und das tiefste Geheimnis der Lebensfreude. Sie ist die größte Gabe und die größte Aufgabe des Menschen. Für mich jedenfalls kann es nichts Schöneres geben als Liebe zu schenken und dabei auch selbst sehr beschenkt zu werden. Schon so oft habe ich dies an Leib und Seele erfahren. Ich hoffe, dass dies auch künftig so bleiben wird, dass ich in der Liebe noch wachsen werde und dass in der Ewigkeit Gottes diese Liebe zum endgültigen Ziel kommen wird.

1. Die Realität in der Partnerbeziehung

Nun gibt es bekanntlich sehr viele und sehr unterschiedliche Arten der Liebe. Warum schreibe ich als ›Single‹, als zölibatärer Priester ausgerechnet über die Liebe von Mann und Frau? Warum schreibe ich nicht ausschließlich über die Liebe zu Gott bzw. über die Liebe Gottes zum Menschen?

Ich schreibe gerne auch über die Partnerliebe, weil ich als katholischer Pfarrer, als Seelsorger und Konfliktberater ja nicht auf einem anderen Stern lebe. Ich schreibe über die Partnerbeziehung, weil ich viele Ehepaare (oder Paare, die in einer eheähnlichen Beziehung leben) seelsorglich oder privat sehr gut kenne und weil ich als Theologe der Meinung bin, dass die Partnerliebe von anderen Arten der Liebe – etwa der Seelenfreundschaft, der intensiven Nächstenliebe und vor allem der Gottesliebe – zwar zu unterscheiden, aber nicht wirklich zu trennen ist.

Wenn ich über die ›Partnerliebe‹, ihre vielfältigen Aspekte und Dimensionen schreibe, kann es realistischerweise nicht ausschließlich um die Ehe gehen. Zwar weiß ich als Christ um den hohen Wert der sakramental geschlossenen Ehe, die es zu schützen und zu fördern gilt. Als praktizierender Seelsorger weiß ich aber zugleich, dass es alternativ zur Ehe, zur Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, ja nicht nur die Lebensform der Ehelosigkeit (des freiwilligen oder des unfreiwilligen Zölibats) gibt. Nein, es gibt neben der Ehe auch andere Arten der Partnerbeziehung. Es gibt andere, nichteheliche Formen der Liebe von Mann und Frau. Und es gibt auch die gleichgeschlechtliche Paarbeziehung.

Solche Fakten müssen die christlichen Kirchen zur Kenntnis nehmen. Und sie müssen, über Kritik und Klage hinaus, nach hilfreichen Antworten suchen. Außerdem müssen wir uns der Tatsache stellen, dass eine Ehe (bzw. eine andere Form der Paarbeziehung) auch scheitern kann, dass es oft zu Trennungen kommt und anschließend – oder auch schon parallel zur ›offiziellen‹ Beziehung – zu anderen Bindungen.

Die Möglichkeit des nur unzureichenden Gelingens oder des vollständigen Scheiterns besteht freilich nicht nur bei Partnerbeziehungen und intimen Freundschaften. Sie besteht auch im Falle der Ehelosigkeit als frei gewählter Lebensform. Natürlich kann es sein, dass ein Mann oder eine Frau sich für den Zölibat entscheidet und erst später begreift, dass er/sie diese Lebensform nicht wirklich und nicht glaubwürdig realisieren kann. Ist es dann in jedem Fall Untreue, ist es in jedem Fall ein persönliches Versagen, eine Schuld gegenüber Gott und den Menschen, wenn jemand die Konsequenzen zieht und sich neu orientiert?

2. Die grundlegende Gottesbeziehung

Was mich über solche Fragen hinaus berührt und existenziell bewegt, ist die fundamentale, die philosophisch-anthropologische Frage: Hat die liebevolle Partnerbeziehung, trotz ihrer Gefährdung und trotz ihres potentiellen Scheiterns, ihrem eigentlichen Wesen nach eine Bestimmung zur Dauer, zur Verlässlichkeit, zur Nachhaltigkeit? Ja hat die Partnerliebe – sofern sie echt ist und sich auf Erden bewährt – eine Ewigkeitstiefe, eine eschatologische Relevanz?

Einem Jesuswort zufolge wird es in der Ewigkeit Gottes keine Ehe mehr geben (Mk 12,25). Gilt dieser eschatologische Vorbehalt Jesu nur für die Ehe als einer vorübergehenden Einrichtung, als einer kulturgeschichtlich bedingten Institution? Oder gilt dieser Vorbehalt Jesu auch für jede andere Art der Geschlechterbeziehung? Mit anderen Worten: Ist die Partnerliebe, von den Aussagen Jesu her gesehen, in jedem Fall etwas rein Irdisches und folglich Vergängliches? Auf diese, in meiner Sicht wichtigen und theologisch brisanten, Fragen werde ich – ebenso wie auf die Problematik der Scheidung und Wiederverheiratung – in den folgenden Kapiteln ausführlicher eingehen.

Wie gesagt, mein Thema ist nicht nur die Ehe, mein Thema ist die leib-seelische Partnerliebe in ihren vielen Facetten: die Partnerliebe, die sich ausstreckt nach einem menschlichen Du, die sich verschenkt und die selbst aufs reichste beschenkt wird. Diese – durchaus erotische – Liebe hat eine Tiefendimension, die das Nachdenken und die theologische Erhellung verdient.

Die zwischenmenschliche Liebe und somit auch die Geschlechterbeziehung sehe ich in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Gottesbeziehung.1 Wie eng die Gottesbeziehung und die Geschlechterbeziehung miteinander verknüpft sein können, ist seit langem ein Brennpunkt meines theologischen Fragens und Suchens. So zweifle ich nicht daran: In jeder Krise, in jedem Scheitern liegt auch eine neue Chance, eine Möglichkeit der Heilung und des neuen Beginns! Diese umfassende Chance hat – nach dem Zeugnis der Bibel – ihren letzten und eigentlichen Grund in Gott, der die Liebe ist (1 Joh 4, 8).

Wenn eine Freundschaft, eine Liebesbeziehung, eine Ehe zerbricht, kann es einen neuen Anfang geben. Dieser neue Anfang kann, theologisch gerechtfertigt,2 mit einem anderen Partner gefunden werden. Er kann aber, in manchen Fällen, auch mit dem ›alten‹ Partner gefunden werden. Im Vertrauen auf die unbegrenzte Liebe Gottes jedenfalls kann die irdische Partnerbeziehung, durch manche Niederlagen und manche Brüche hindurch, neu gefestigt und neu belebt werden. Ja sie kann verewigt und vervollkommnet werden im Gottesreich!

3. Die Zielbestimmung der Partnerliebe

Es war für mich eine bedeutsame Entdeckung, dass ich mit dieser – die jetzige Welt überschreitenden – Lebensauffassung durchaus nicht allein stehe.3 Zwar schreiben viele Autoren in erster Linie über die Vergeblichkeit, das Elend, das Scheitern der Liebe. Nicht selten wird dieses Scheitern auch dargestellt in der bildenden Kunst. Eine mögliche Rettung aber, eine innere Heilung der Partnerbeziehung scheint in Kunst und Poesie – zumal in neuerer und neuester Zeit – kein häufiges Thema zu sein. Und eine Transzendenz, eine Ewigkeitsrelevanz der Partnerliebe ist erst recht kein bevorzugtes Motiv.

Man kann auch nicht sagen, dass allen, die über die Liebe schreiben (oder sie künstlerisch darstellen), die Frage nach einem göttlichen Grund der Liebe besonders wichtig sei. Immerhin aber ist mir beim Nachforschen in der Kulturgeschichte eine ansehnliche Reihe von – sehr hochrangigen – Vertreter/innen der Weltliteratur, der Schönen Künste und der Philosophie begegnet, die genau um diese eine besondere Frage kreisen: Gibt es einen göttlichen Urgrund, der der zwischenmenschlichen Liebe – die Freundes- und die Partnerliebe mit eingeschlossen – eine letzte Tiefe, ja einen Ewigkeitscharakter verleiht?

Als Christ darf ich glauben: Der Grund und das Ziel jeder Liebeserfahrung ist Gott. Da Gott den Menschen aber »nach seinem Bilde« erschaffen hat (Gen 1,26 f.) und da Gott selbst, in Jesus Christus, Mensch geworden ist, lassen sich göttliche und menschliche Liebe im Grunde nicht trennen. Eben deshalb brauchen ja alle Menschen, auch »Gott geweihte« Priester und Ordensfrauen, ›intime‹ Beziehungen: das heißt menschliche Wärme und Geborgenheit (die es, wie ich aufzeigen will, auch in Seelenfreundschaften geben kann).

Warum aber kann sich die Liebe, gerade auch die Geschlechterliebe, nicht wirklich abfinden mit der Vergänglichkeit? Ist es nur Dummheit und Trotz, nur kindische Unreife, nur fehlende Einsicht in die Endlichkeit des Lebens? Oder hat das Verlangen nach Ewigkeit, nach »tiefer, tiefer Ewigkeit« (Nietzsche),4 einen ganz anderen Grund? Beruht die Liebe, als Sehnsucht nach Unendlichkeit, auf einem heimlichen ›Wissen‹, auf einer Glaubensgewissheit – begründet im Urvertrauen auf Gott, der das Leben »in Fülle« (Joh 10,10) ist?

Was eigentlich ist das Wesen der Liebe von Mann und Frau? Was ist das Wesen der Liebe überhaupt, unabhängig von ihren unterschiedlichen Arten und Formen? Wo kommt die Liebe her, worauf will es mit ihr hinaus? Diese ›Menschheitsfragen‹ stehen im Fokus der folgenden Buchkapitel. Die irdische Liebe also mit ihren vielfachen Begrenzungen, speziell aber die Partnerliebe mit ihren weitreichenden Unzulänglichkeiten ist mein durchgängiges Thema.

Nicht zuletzt aber steht das Ziel, die tiefere Sehnsucht, die himmelwärts gerichtete Grundbestimmung der Liebe im Blickfeld meiner Betrachtungen. Die eschatologische Hoffnung also, die Hoffnung auf Unsterblichkeit auch der Liebe von Mensch zu Mensch – und von Mann und Frau – ist ein wichtiger Beweggrund für meine Überlegungen.

Nichts auf der Welt ist schwieriger

als die Liebe,

aber ein Leben ohne Liebe

heißt sterben vor dem Tod.

García Márquez

Kapitel I
Die erotische Partnerliebe

Die Liebe ist allgegenwärtig. Sie hat viele Gestalten und begegnet uns überall. Sie schaut uns an im normalen Alltag, in herausgehobenen Glücksmomenten und in den Werken der Kunst. Sie macht uns lebendig, sie gibt unserem Dasein den Sinn und den bleibenden Wert. Ohne Liebe wäre unser Leben erbärmlich, ja ohne die Liebe wären wir »nichts« (1 Kor 13,2).

Ob bewusst oder unbewusst, nach Liebe sehnen sich alle. Natürlich setzt auch die Paarbeziehung, die echte, tragfähige Verbindung zwischen den Partnern, immer schon Liebe voraus – eine wechselseitige Zuneigung, die den anderen als wirklichen ›Schatz‹ erlebt. Zwar ist diese Art der Liebe noch keineswegs die Seligkeit. Und sie ist, mit ihrem Geben und Nehmen, gewiss nicht der einzige Weg zum Glück. Aber sie ist ein Weg, ein möglicher Weg zum Himmel.

In jedem Fall hat die Partnerbeziehung eine existentielle Bedeutung. Das wissen besonders die Schriftsteller und Dichter, die das Leben in verdichteter Form auf den Punkt bringen. Es versteht sich von selbst, es entspricht dem Wesen des menschlichen Daseins, wenn die Partnerbeziehung das Thema in der Literatur aller Regionen und aller Zeiten ist. So gibt es wohl keinen Roman, fast keine Märchen oder Legenden, kaum ein lyrisches Gedicht oder sonstige Werke der Weltliteratur, in denen die Liebe – meist als Liebe von Mann und Frau – keine tragende Bedeutung hat und keine maßgebliche Rolle spielt.

Die Liebe ist die Energie, die treibende Kraft, die alles Leben hervorlockt. Sie ist, wie die Musik, eine Himmelsmacht. Auch in den Opern, Operetten und Musicals, in den volkstümlichen Liedern und oft auch in der bildenden Kunst – und natürlich im Kino oder Fernsehen – geht es zentral um die Liebe: um die Paarbeziehung, um die erotisch-sinnliche Liebe, die ja nicht selten als ›ewige‹ Liebe verherrlicht und in allen Tonarten beschworen wird.

Doch die Welt des Musiktheaters und der klassischen Liebesromane scheint vom heutigen Leben weit entfernt. Vor allem dann, wenn die Liebe – wie in den Opern Verdis oder in den Romanen Dostojewskis – mit Gott in Verbindung gebracht wird. Denn von der großen Mehrzahl der Leute, jedenfalls im ›christlichen‹ Abendland, wird die Beziehung zwischen Mann und Frau als etwas rein ›Weltliches‹ angesehen. Die Partnerliebe gilt als etwas nur Diesseitiges, das mit dem ›Ewigen‹, dem ›Heiligen‹ oder gar mit dem Glauben an Gott, an den Gott der biblischen Offenbarung, überhaupt nichts zu tun hat.

Entgegen dieser Auffassung, und mag sie noch so verbreitet sein, glaube ich an die Ewigkeit der Liebe. Ich will gewiss nicht bestreiten, dass die Liebe auch scheitern kann und dass es schwierig ist, sie zu ›lernen‹. Dennoch glaube ich an die Liebe, auch an die Liebe von Mann und Frau, die uns zutiefst beglücken kann, die uns mit Gott in Berührung bringt und die nach Unsterblichkeit verlangt.

1. Zur gesunden Selbstliebe

Wir müssen jedoch unterscheiden. Nicht alles was sich Liebe nennt, ist Liebe. Es gibt auch Vorformen und gewiss auch Fehlformen der Liebe. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und ernsthaft bedenken.

Im Brennpunkt meiner Überlegungen, ja in der Mitte meines Lebens steht freilich die Hochform der Liebe, die in meiner Sicht der Sinn und das eigentliche Ziel des menschlichen Daseins ist. Diese Hochform der Liebe sollte einerseits ein Leben lang angestrebt und schrittweise gelernt werden. Doch andererseits ist sie ein Geschenk der Liebe Gottes, das wir nicht herbeizwingen können und über das wir niemals verfügen können.

Die Hochform der Liebe kann (muss aber nicht) in der Partnerbeziehung gesucht und gefunden werden. Ganz leicht oder gar billig ist die Liebe in der Paarbeziehung allerdings nicht zu bekommen. Die erotische Liebe kann – ebenso wie der zölibatäre Verzicht – misslingen. Es ist eine bedauerliche, aber nicht zu leugnende Tatsache: Schon viele Freundschaften, schon viele Liebesbeziehungen und viele Ehen haben sich abgenützt und verbraucht. Sie verlaufen im Sande und sterben den Tod der inneren Auszehrung.

Es kann ganz unterschiedliche Gründe geben, die eine stabile Paarbeziehung erschweren oder verhindern. Ein häufiger Grund für das Scheitern sind zu hohe, unrealistische Erwartungen an den Partner. Wer den anderen ›vergöttert‹, ihn verabsolutiert, ihn gleichsam an die Stelle Gottes setzt, ihm also keine menschlichen Schwächen mehr zugesteht, der überfordert den Partner total und programmiert die Beziehungsprobleme schon voraus.

Manchmal zerbrechen Paarbeziehungen auch am fehlenden Selbstvertrauen, am zu geringen Selbstwertgefühl eines Partners oder auch beider Partner. Denn wer zum eigenen Ich eine gestörte Beziehung entwickelt, wer von sich selbst sehr wenig hält, wer sich selbst im Grunde nicht mag, wer also das Gebot der Selbstliebe (Mt 19,19) missachtet, ist auch nicht fähig zur Partnerbeziehung.

Warum aber lehnen viele Menschen sich selbst mehr oder weniger ab? Letztlich wohl deshalb, weil sie nicht spüren, dass sie bedingungslos gewollt und geliebt sind. Sie verneinen sich selbst, sie finden sich ungenügend und minderwertig, weil sie nicht wahrnehmen, dass sie geliebt sind von Gott, dem Urgrund des Seins. Umgekehrt aber gilt dann genauso: Aus einem Grundgefühl des Bejahtseins durch Gott heraus könnte ich zu mir selbst eine gute Beziehung finden und ein positives Selbstbild entfalten. Das heißt natürlich nicht, dass ich in narzisstischer Selbstverliebtheit die eigenen Schwächen und die eigenen Fehler nicht wahrnehmen soll. Aber es heißt, dass ich trotz meiner Fehler ja sagen darf zu mir selbst.

Die echte Partnerliebe setzt eine gesunde Selbstliebe der Partner voraus. Nur wer zu sich selbst eine gute Beziehung hat, kann auch andere bejahen und eine gute Beziehung zu ihnen knüpfen. Denn er sucht die ›Erlösung‹ jetzt nicht mehr in der Zuwendung durch andere Menschen, sondern er weiß sich erlöst durch die göttliche Liebe. Folglich kann er ohne überzogene Erwartungen an andere, also ohne andere zu überfordern, auf andere Menschen zugehen. Somit aber wird er beziehungsund liebesfähig.

2. Zur notorischen Bindungsangst

Ein schlechtes Selbstbild und eine zu hohe, ja maßlose Erwartung an den Lebenspartner sind oft nur zwei Seiten derselben Medaille. Selbstverachtung und psychische Abhängigkeit vom menschlichen Partner können die Folgen desselben Grundphänomens sein: die Folgen einer defizitären Gottesbeziehung, eines mangelnden ›Urvertrauens‹ in die tragende und Leben spendende Kraft des göttlichen Geistes. Doch wie schon gesagt, es kann für das Misslingen – oder das Nichtzustandekommen – einer Paarbeziehung auch noch weitere, ganz verschiedenartige Gründe geben.

Manche finden nie einen Partner, weil ihnen keiner gut genug oder klug genug oder schön genug ist. Sehr oft auch lässt die Bindungsangst ein gemeinsames Leben nicht zu. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zum Beispiel schrieb als 24-Jährige an den Lyriker Paul Celan: »Du wirst dir ja denken können, dass die Zeit seit dir für mich nicht ohne Beziehungen zu Männern vergangen ist … Aber nichts ist zur Bindung geworden, ich bleibe nirgends lang, ich bin unruhiger als je und will und kann niemandem etwas versprechen.« Zwei Jahre später erklärte sie ihrem Freund und Liebhaber Celan: »Ich liebe dich und will dich nicht lieben, es ist zu viel und zu schwer.«5

Für eine Bindungsangst im Sinne Ingeborg Bachmanns fehlt mir nicht jedes Verständnis und nicht jegliche Sympathie. Nein, ich kann das durchaus verstehen. Sich für immer für einen bestimmten Menschen zu entscheiden ist ja nun wirklich keine Kleinigkeit. Es ist vielmehr ein Wagnis.

Was mir gefällt, ist die absolute Ehrlichkeit, mit der sich Ingeborg Bachmann (die zeitweilig, 1958 bis 1962, auch mit dem Dichter Max Frisch eine Liebesbeziehung hatte) zu ihrer Bindungsangst bekennt. Ob die Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan – bzw. Bachmann und Frisch – vielleicht dennoch auf wirklicher Liebe beruhte, dies zu bewerten steht mir nicht zu. Worauf ich hinaus will, ist vielmehr die These: Suchende wie Ingeborg Bachmann stehen exemplarisch für viele Frauen und Männer in der heutigen Zeit, die sich mit einer dauerhaften Beziehung, aus welchen Gründen auch immer, sehr schwer tun.

Ein Kulturkritiker, ein Pessimist könnte nun klagen: In sehr vielen Fällen bleibt die Begegnung der Geschlechter ein Intermezzo. Nicht selten auch bleibt die ›Liebe‹ etwas Banales, etwas rein Oberflächliches, etwas sehr Kurzweiliges, das über Spaß und sexuelles Vergnügen kaum hinausreicht. Wenn ein junger Mann und eine junge Frau sich heftig verlieben und anschließend ›zusammen‹ sind, so dauert das oft nur wenige Wochen. Lebendige Paarbeziehungen auf Lebenszeit sind eher die Ausnahme. Denn die hohen Scheidungsraten in den westlichen Industrieländern sind ja sicherlich nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Sehr häufig kommt es nach kurzer Zeit – manchmal auch nach sehr langer Zeit – zur äußeren oder inneren Trennung, auch ohne förmliches Scheidungsverfahren.

Oftmals, so könnte der Kritiker hinzufügen, wird eine feste Beziehung – eine Eheschließung oder ein eheähnliches Zusammenleben – von Anfang an gar nicht angestrebt. Die ›Liebesbeziehung‹ wird von vornherein als Episode, als vorübergehendes Abenteuer betrachtet. Man trennt sich im gegenseitigen Einvernehmen (oder auch gegen den Willen des anderen), sobald es die ersten Schwierigkeiten gibt. Oder man bleibt zwar nach außen hin ein Paar, hat sich aber schon längst entfremdet und auseinandergelebt.

3. Zur Geschlechterbeziehung

Solche oder ähnliche Analysen werden im Kern ja wohl zutreffen. Dennoch wende ich ein: Was als Abenteuer, was als Flirt, als unverbindliches Spielchen beginnt, kann immer noch Liebe werden. Das Leben insgesamt ist ja Übung. Gerade auch die Liebe will eingeübt sein – oft über tragische Umwege, manchmal über längere Irrwege und schwerwiegende Fehler. Es kann dann unter Umständen sein, dass eine Paarbeziehung als zerrüttet, als nicht mehr lebbar erscheint und deshalb beendet wird – um mit einem anderen Partner eine neue Chance zu erleben und mit ihm einen neuen Anfang zu suchen.

Dem Bruch oder der inneren Aushöhlung einer Partnerbeziehung geht meist ein mehr oder weniger schuldhaftes Verhalten auf beiden Seiten voraus. Das heißt aber nicht, dass die Trennung vom Partner in jedem Fall etwas Verwerfliches wäre. Es kann – wie noch genauer zu erörtern ist6 – Situationen geben, in welchen die Trennung um der Würde der Partner willen sogar zwingend erforderlich ist.

Aber ihrem eigentlichen Wesen nach ist die Liebe von Mann und Frau, das ist meine innerste Überzeugung, auf Dauer hin angelegt. Dieses Wesen der Partnerliebe kann zwar nicht immer realisiert werden. Umso wichtiger aber ist es, dieses eigentliche Ziel der Liebe nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.

Die tiefe, der Herzensmitte entspringende Partnerliebe ist etwas Großes. Sie ist etwas wunderbar Schönes, ja Heiliges, das von Gott kommt und zu Gott hinführt. Eine derartige Paarbeziehung ist ein kostbares Gut, viel zu kostbar, als dass es fremden Interessen geopfert werden dürfte. Nein, der Partnerliebe eignet eine unantastbare Würde und sie hat ihren Wert durchaus in sich selbst.

Freilich will ich keiner ›losgelösten‹ Zweierbeziehung das Wort reden, keinem verantwortungslosen, allein auf sich selbst bezogenen ›Egoismus zu zweit‹. Denn Liebe besteht – um ein bekanntes Wort von Antoine de Saint-Exupéry etwas abzuwandeln – nicht nur darin, »dass man einander ansieht«, sondern zugleich auch darin, »dass man in die gleiche Richtung blickt«.7

Was Paare nachhaltig und auf Dauer verbindet, sind vor allem die gemeinsamen Ziele und Aufgaben. Paarbeziehungen dürfen sich also nicht isolieren von der Welt und von der Gesellschaft. Selbstverständlich müssen sie – anders könnten sie gar nicht gelingen – fest eingebunden sein in ihre soziale Umgebung, in Freundeskreise, ja in das Ganze der Schöpfung. Und die Paare müssen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung übernehmen in der Gesellschaft und in ihrem besonderen Umfeld.

Was aber zurückgewiesen, was kritisiert und bekämpft werden müsste, sind soziale Rahmenbedingungen, die die Möglichkeit einer personalen Liebesbeziehung von Mann und Frau nicht fördern, sondern eher behindern. Ich denke – um ein extremes Beispiel zu bringen – an autoritäre Strukturen, an totalitäre, inhumane Systeme, die die individuelle Person und ihre Privatsphäre zu entmündigen und zu reglementieren versuchen. Auch die Ehen und die Familien können in solchen Systemen – unter entsprechenden Umständen, wenn die Ideologie es verlangt – dem Kollektiv oder der Staatsräson zum Opfer gebracht werden.

Individuelle Personen und somit auch Partnerbeziehungen dürfen in keinem Fall zum Spielball werden für ›höhere‹ Mächte. Paarbeziehungen sind zwar ein Teil der Gesellschaft, aber die Gesellschaft darf über sie nicht bestimmen. Genau dies aber geschieht in manchen politischen, kulturellen oder religiösen Systemen – wenn z. B. festgelegt wird, wer wen heiraten darf. Oder wenn sogar festgelegt wird, wer wen heiraten muss (zum Beispiel aufgrund einer Schwangerschaft)! Ganz zu schweigen von den Kinder-Ehen, wie sie in europäischen Adelshäusern lange Zeit üblich waren und wie sie teilweise noch heute in manchen Ländern und Kulturen der Brauch sind: eine Praxis, die personale Geschlechterliebe schon im Ansatz erstickt und (innerhalb der Ehe) gar nicht erst aufkommen lässt.

4. Zum kirchlichen Eheverständnis

Bei solchen ›Ehen‹ ging bzw. geht es natürlich in keiner Weise um die wirkliche Liebe von Mann und Frau, sondern einzig um die Interessen der Familienclans. Die Eheschließungen wurden bzw. werden von anderen gesteuert und einem bestimmten Zweck unterworfen. Sie dienen allein dem Willen der Familien, ihre politische Macht oder ihr materielles Vermögen zu festigen und möglichst noch zu vergrößern. Die Liebe, die leiblich-seelische Zuneigung der Partner ist bei solchen ökonomischen oder gesellschaftspolitischen Arrangements allenfalls eine Nebensache. Für Zärtlichkeit, für wahre Partnerbeziehung oder gar für ›romantische‹ Liebe bleibt hier wenig oder keinerlei Raum.

Jahrhundertelang wurde auch im Eheverständnis der katholischen Kirche die Partnerliebe als etwas Unwichtiges oder (wenn es hoch kommt) Sekundäres betrachtet. Denn im Wesentlichen ging es – bis zum Vaticanum II, also bis in die 1960er Jahre hinein – lediglich um die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft sowie um die gesetzliche Regelung des Geschlechtstriebs.8

Freilich erst seit dem Mittelalter wurde in der Kirche die Frage nach den Merkmalen einer christlichen Ehe bzw. nach den Bedingungen für die Gültigkeit einer Ehe intensiver und dringlicher gestellt.9 Es war dann immerhin ein wichtiger Schritt, dass die kirchliche Rechtsauffassung den freien Konsens der erwachsenen Partner zur Voraussetzung für die Gültigkeit einer sakramental geschlossenen Ehe erklärte. Wobei mir die Festlegung des ehemündigen Alters auf die Vollendung des 16. Lebensjahres bei Männern bzw. des 14. Lebensjahres bei Frauen allerdings erschreckend niedrig erscheint. Diese im Prinzip noch immer geltende Rechtsbestimmung10 der Kirche verrät ganz offenkundig ein biologistisches, allein an der Zeugungsfähigkeit orientiertes Eheverständnis. Dass Teenies im fast noch kindlichen Alter grundsätzlich in der Lage sein sollen, eine unwiderrufliche Lebensentscheidung zu treffen und sich gegenseitig auf Lebenszeit die eheliche Liebe und Treue zu versprechen, ist schlichtweg nicht nachzuvollziehen.

Auf der anderen Seite gibt es eine durchaus erfreuliche Weiterentwicklung des katholischen Eheverständnisses. So ist es sehr zu begrüßen, dass im heutigen Kirchenrecht – im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil11 – das beiderseitige »Wohl der Ehegatten« an erster Stelle genannt wird.12 Doch in mehrfacher Hinsicht halte ich das kirchliche Eheverständnis, die jetzige Doktrin über die Partnerbeziehung von Mann und Frau, noch immer für unzureichend, für sehr weltfremd und dringend reformbedürftig.

Mit Recht zwar wird die Ehe in den christlichen Kirchen, einschließlich der Kirchen der Reformation,13 sehr wertgeschätzt. Theologisch zu Recht auch wird der – auf freier Entscheidung basierende – Ehebund in der katholischen Kirche und in der ostkirchlichen Orthodoxie als Sakrament angesehen: als wirksames und erfahrbares Zeichen für die Liebe Gottes zur Welt und zum Menschen. Gleichwohl scheinen mir die kirchliche Sexualmoral und auch das derzeitige kanonische Eherecht (ganz abgesehen von der antiquierten und verrechtlichten Diktion) viel zu einseitig und menschenfern.

›Erlaubte‹ und nicht von vornherein ›sündhafte‹ Partnerbeziehungen kann es nach der herkömmlichen Lehre der katholischen (wie auch der evangelischen) Kirche ja ausschließlich im Rahmen der ehelichen Verbindung geben. Eine echte, von Gott gesegnete und geheiligte Geschlechterliebe auch vor oder außerhalb der kirchenrechtlich ›gültigen‹ Ehe ist nach der traditionellen katholischen Lehre absolut nicht vorgesehen, jedenfalls nicht für getaufte Christen.

Diese rigorose Auffassung, die sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe strengstens verbietet und in jedem Falle als schwere Sünde verurteilt, korreliert zugleich mit einem sehr verengten Eheverständnis. Sie entspringt einem überholten Konzept, das die Ehe auf eine biologische Zweckgemeinschaft reduziert und den Eheleuten das exklusive, mit dem Willen zur Fortpflanzung verknüpfte »Recht auf den Körper« (ius in corpus) des anderen gewährt. Das Ehesakrament wird in diesem Verständnis primär als juristischer Vertrag angesehen, in welchem sich die Partner – wie der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff kritisch bemerkt – »gegenseitig das Recht zum Geschlechtsverkehr übertragen. Unter dieser Voraussetzung ist es allerdings konsequent, allen unverheirateten Paaren (…) das Recht zur sexuellen Gemeinschaft abzusprechen.«14

Die sehr mangelhafte und ungenügende Konzeption der Ehe als einem vertraglichen Rechtsverhältnis wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil zwar überwunden: zugunsten eines personalen Verständnisses, das in der Ehe eine partnerschaftliche, von wechselseitiger Liebe getragene Lebensgemeinschaft sieht. Doch diese weiterführende Sichtweise des Konzils wurde im neuen kirchlichen Gesetzbuch (1983) nicht konsequent übernommen. Denn der § 2 des Kanon 1055 fällt wieder ganz in das vertragsrechtliche Schema zurück, »als sei auf dem Konzil nichts geschehen«.15

Auch in anderen Punkten empfinde ich das Eheverständnis der katholischen Kirche als nach wie vor zu eng, als zu weit entfernt von den vielfältigen Wirklichkeiten des Lebens. So hätte z. B. die kirchliche Position zur Empfängnisverhütung schon längst korrigiert werden müssen. Außerdem wäre es aus mehreren – später noch zu erörternden16 – theologischen Gründen überfällig, wiederverheiratet Geschiedenen die Sakramente nicht generell zu verweigern, d. h. sie nicht auf Dauer als Christen ›zweiter Klasse‹ zu behandeln.

5. Zum kirchlichen Sexualkomplex

In der praktischen Seelsorge findet sich in Konfliktfällen zwar meist eine vernünftige Lösung, ein gangbarer Weg. Aber es bleibt ein Zwiespalt, ein Unbehagen, ein schaler Geschmack. Wenn Theorie und Praxis zu weit auseinanderklaffen, liegt ja der Vorwurf der Doppelmoral und der fehlenden Glaubwürdigkeit auf der Hand.

Das von Walter Kardinal Kasper vermutete bzw. befürchtete »vertikale Schisma«,17 d. h. die Kluft zwischen feudal-hierarchischen Strukturen der Kirche und dem modernen Lebensgefühl in den Industrienationen Europas und Amerikas, die Differenz auch zwischen ›amtskirchlicher‹ Lehre und dem tatsächlichen Verhalten des Gottesvolks scheint immer größer zu werden. Gerade was die Bereiche Ehe, Familie und Sexualität betrifft, weicht das Glaubens- und Moralbewusstsein der meisten – auch der kirchlich engagierten – Katholiken sehr deutlich ab von manchen Rundschreiben der Päpste oder anderen Lehrdokumenten der römischen Glaubensbehörden. Allein schon diese Tatsache ist theologisch relevant und sollte uns zu denken geben.

Das Thema ›Kirche und Sexualität‹ ist überhaupt ein sehr heikles Kapitel. Wie die russisch-orthodoxe Journalistin Anna Galperina – mit Bezug auf die christlichen Ostkirchen – bemerkt,18 ist die Distanz vieler Jugendlicher und Erwachsener zum kirchlichen Leben wesentlich mitbedingt durch das Unverständnis vieler Kleriker und vieler Kirchenführer im Blick auf Liebe und Sexualität. Anna Galperina warnt vor einer despektierlichen Sichtweise, die die menschliche Sexualität von Haus aus verdächtigt, sie kurzschlüssig auf Sünde und Unzucht reduziert. Eine kirchliche Sexuallehre, in der die Perspektive des Verbotenen und Beargwöhnten vorherrscht, fördert – so die russische Journalistin – die Entfremdung zwischen der Kirche und den Menschen.

Für die katholische Kirche trifft Galperinas Kritik gewiss nicht weniger zu. In ihrem Bestseller ›Eunuchen für das Himmelreich‹ (1988)19 hat die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann aus bibelexegetischer, aus kirchenhistorischer und ethischer Sicht die römisch-katholische Sexualmoral, zum Beispiel das Kondomverbot, sehr scharf attackiert – im Ton leider oft zu polemisch und überspitzt, in der Sache aber weitgehend zu Recht.

Ohne hinreichende Begründungen und ohne das Gewissen des einzelnen Christen genügend ernst zu nehmen, wird in der katholischen Kirche eine sehr enge Sexualmoral offiziell noch immer vertreten. Es kann aber nicht genügen, wenn die kirchliche Obrigkeit eine rigide Morallehre nur immerfort wiederholt und autoritär verordnet. Das unermüdliche Einschärfen von fragwürdigen und längst überholten Lehrmeinungen (etwa im Blick auf die Empfängnisverhütung) könnte außerdem die Autorität untergraben, die die Kirche in ethisch wesentlich wichtigeren Bereichen, z. B. in der Soziallehre oder in der Friedenspolitik, so dringend brauchen würde.

Nur nebenbei gesagt: Dass der kirchliche Einfluss in Politik und Gesellschaft immer geringer wird, liegt zum Teil an der Kirche selbst. »Ein schwerwiegendes Problem insbesondere der katholischen Kirche ist«, so der katholische Publizist Johannes Röser, »dass sie in der Art, wie sie sich in Ämtern, Strukturen, Kult, Frömmigkeit und dogmatischen wie moralischen Aussagen präsentiert, von sehr vielen Menschen nur noch als exotisch wahrgenommen wird.«20

Nicht der einzige, aber ein wesentlicher Grund für den Autoritätsverlust der katholischen Kirche in unserer heutigen – zunehmend aufgeklärten, auf plausible Argumente setzenden – Gesellschaft ist zweifellos die Sexuallehre. Noch weitaus gravierender jedoch als der kirchliche Autoritätsverlust ist das katastrophale (aber hoffentlich rückläufige) Phänomen: Es gab und es gibt noch immer Frauen und Männer, die durch eine verengte, ja skrupulöse Sexualerziehung erheblich geschädigt wurden! Sie verstehen zum Beispiel die Onanie als Todsünde und leben in ständiger Angst vor der Hölle. Oder sie betrachten allein schon die sexuelle Phantasie als Teufelswerk und kommen sich als schwere, von Gott in alle Ewigkeit verdammte Sünder vor.

Der katholische Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller, der sich in zahlreichen Publikationen intensiv mit dem Themenfeld ›Kirche und Sexualität‹ auseinandersetzt, bringt seine vielfältigen Eindrücke von Gesprächskreisen und einschlägigen Vorträgen auf den kritischen Punkt:

Es ist oft erschreckend, dabei zu erfahren, wie tief verletzt sich Menschen fühlen von dem, was ihnen durch ihre Kirche oder ihre Vertreter anscheinend im Namen Gottes über Sexualität und den persönlichen Umgang mit ihrer Sexualität gesagt worden ist. Nicht wenige (…) klagen über negativ geprägte Erfahrungen ihrer Kindheit, die (…) es ihnen nahezu unmöglich machen, ein normales und freies Verhältnis zu ihrer Sexualität zu entfalten. (…) Diese Menschen haben den Eindruck, dass ihnen die Kirche eine Wunde zugefügt hat, indem sie ihnen ein Bild von Sexualität vermittelte, das Sexualität als etwas Schmutziges, Unkeusches darstellte. Das führte dazu, dass sie, wenn sie ihre Sexualität überhaupt leben, diese nicht wirklich genießen können.21

6. Zur sinnlichen Lust in protestantischer Sicht

Nicht nur in der römisch-katholischen Kirche und nicht nur in der ostkirchlichen Orthodoxie, auch in den reformatorischen Kirchen können wir noch heute auf sehr negative Einstellungen zur Sexualität treffen. Dies hat natürlich geschichtliche Hintergründe, die weit zurückreichen.

Nicht grundsätzlich anders als im traditionellen Katholizismus sah auch Martin Luther im Ehestand einen doppelten Sinn: Kinder zu zeugen und in Keuschheit, d. h. frei von Unzucht, zu leben. Diese Auffassung der Ehe ist nun zwar – so der dänische Lutheraner Knud Løgstrup – »nicht so zu verstehen«, dass nicht »auch herzliche Hingabe und gegenseitige Rücksichtnahme« für Luther bedeutsam waren.22 Aber die einseitig funktionale, an der Zeugung von Nachkommenschaft und an der Zähmung des Geschlechtstriebs orientierte Deutung von Ehe und Partnerliebe bleibt bei Martin Luther doch unverkennbar.

Mit den asketischen Vorstellungen der frühchristlichen und mittelalterlichen Mönche hat der Wittenberger Reformator nie vollständig gebrochen. Luther, der öffentlich zugab, dass er »weder Holz noch Stein« sei,23 baute zur Sexualität eine ambivalente Beziehung auf. Einerseits sah er im Sexualtrieb eine in der Schöpfungsordnung begründete, also gottgewollte Energie. Andererseits aber erklärte er die sinnliche Lust als solche für sündhaft! Diesen Widerspruch glaubte er dadurch zu lösen, dass er zwischen Fortpflanzungstrieb (instinctus procreandi) und sexueller Lust (libido) unterschied. Aber diese theoretisch zwar richtige Unterscheidung bringt wenig. Sie führt eher zu kuriosen Konstrukten, aber wohl kaum zu einer positiven Wertung der sinnlich-erotischen Liebe und der spielerischen, zweckfreien Zärtlichkeit.

Fatalerweise bezeichnete Luther die Ehe als »Spital der Siechen«!24 Womit er wohl sagen wollte, dass Gott mit der Sündhaftigkeit des Geschlechtstriebes insofern Erbarmen und Nachsicht übe, als ja die Ehe vor der noch größeren Sünde der Unzucht und der Hurerei bewahren werde – sofern nur die Geschlechtslust gemäßigt und einigermaßen beherrscht wird.

Die Abwertung von Sexualität und erotischer Leidenschaft wurde in der evangelischen Christenheit nur partiell überwunden Gewiss nicht im gesamten Protestantismus, aber in sehr konservativen und evangelikalen Zirkeln, zum Teil auch in pietistischen Kreisen, ganz besonders auch in manchen evangelischen Freikirchen wird die gelebte Sexualität – in domestizierter und lustloser Form – allein in der Ehe zugelassen. Jeder »Sex vor der Ehe« und jede Intimbeziehung nicht verheirateter Paare werden verteufelt.

7. Zur Sexualität als Quelle der Spiritualität

Viele Menschen, innerhalb wie außerhalb der Kirchen, haben zur Sexualität ein gestörtes Verhältnis. Negativ besetzten Vorstellungen von Sexualität ist aber strikt entgegenzuhalten: Die Geschlechtlichkeit des Menschen ist zwar im Höchstmaße anspruchsvoll, sie ist ein hoch sensibler Bereich und sie kann auch zur Falle werden. Das sexuelle Leben ist immer schon gefährdet und anfällig für den Missbrauch. Die sexuelle Intimität kann aber auch bestens gelingen und zum Segen für beide Partner werden. Grundsätzlich ist die Geschlechtlichkeit eine höchst wertvolle Gabe Gottes. Sie ist eine der wichtigsten Energiequellen, sie gehört wesentlich zur Schöpfung und sie gehört essentiell zum Menschen in seinem Mann- oder Frausein.

Auch durch das geistliche Leben, durch die persönliche Gottesbeziehung kann die menschliche Sexualität nicht einfach verdrängt oder ersetzt werden. Im Gegenteil: Das sexuelle Erleben ist, mit Wunibald Müller gesprochen, geradezu eine »Quelle der Spiritualität«.25 Ja das Dasein mit allen Sinnen, also auch den sexuellen Gefühlen, ist der normale, der natürliche Weg zur Gotteserfahrung!

Die Fähigkeit, Gott und die Menschen aus ganzer Seele und mit ganzem Herzen zu lieben, beruht – wie die amerikanische Theologin und Ordensfrau Sandra M. Schneiders unterstreicht – auf der Fähigkeit zur »menschlichen Intimität«. Sr. Sandra Schneiders wagt sogar die Bemerkung: Wer niemals die erotische Liebe erlebt hat, »wer nie mit den echten, wahren, menschlichen, sexuell lebendigen und lebendig machenden Gefühlen einen realen, konkreten, einzigartigen Menschen geliebt hat und von ihm geliebt worden ist, kann zwar endlos über die Schönheit und Freude göttlicher Liebe reden, wird jedoch auf jemanden, der Agonie und Ekstase der Liebe in der Realität erlebt hat, nicht sehr überzeugend wirken«.26

Viele erfahrene Seelsorgerinnen und Seelsorger werden hier zustimmen: Wer sich nie einem anderen Menschen in personaler Liebe geöffnet hat und wer nie ein positives, ein beglückendes, ein unvergessliches sexuelles Erlebnis (oder eine tiefe Erfahrung von seelischer Intimität und zärtlicher Körpernähe) hatte, kann natürlich trotzdem ein sehr guter Mensch sein. Aber als Verkünder der göttlichen Liebe, als ›mystagogischer‹ Wegbegleiter, als Zeuge für die Geheimnisse Gottes wird er den Großteil der Menschen nicht erreichen.

Auch wenn wir das sexuelle Leben verdrängen oder sublimieren, wirklich ausblenden und ›wegstecken‹ lässt sich die Sexualität niemals. Sie würde sich auf Umwegen zurückmelden, vielleicht in problematischen Formen, in unreifer Manier. In schlimmeren Fällen könnte die unterdrückte, die nicht ins Leben integrierte Sexualität auch zu infantilen, zu krankhaften, zu sozial nicht verträglichen Verhaltensweisen mutieren. Was aber andererseits noch lange nicht heißen soll, dass es geglückte Formen der ›sublimierten‹ Sexualität überhaupt nicht geben könne. Zweifellos gibt es kulturelle Hochleistungen, vorbildliches soziales Engagement, echte Hingabe und spirituelle Glaubwürdigkeit in Verbindung mit einem zölibatären Charisma (das nicht zu verwechseln ist mit dem umstrittenen Zölibats-Gesetz in der heutigen katholischen Kirche).27

Immer aber bleibt die Sexualität eine wichtige Kraft von elementarer Bedeutung. Da auch in den folgenden Buchkapiteln das Thema ›Sexualität‹ zumindest indirekt präsent ist, sei schon im vorhinein klargestellt: Ob ich verheiratet bin oder nicht, ob ich in einer Paarbeziehung lebe oder nicht, in jedem Fall erlebe ich mich als sexuelles, nach leiblicher Nähe und intimer Berührung verlangendes Wesen. Und ob ich es mir eingestehe oder nicht, immer ist die Sexualität eine spirituelle Herausforderung, eine machtvolle Wirklichkeit, die verantwortlich gestaltet sein will – nicht bloß im ›Gehorsam‹ gegenüber den kirchlichen Institutionen, sondern in freier Entscheidung aufgrund des personalen Gewissens.

8. Zu den Maßstäben und Werten

Ganz auf der Linie des reformwilligen – von vielen kirchlichen Amtsträgern inzwischen vergessenen oder im restaurativen Sinne ›uminterpretierten‹ – Zweiten Vatikanischen Konzils28 bekräftigt die katholische Theologin Lydia Bendel-Maidl die Mündigkeit der individuellen Person. Aufgrund seines Gewissens nämlich und aufgrund seiner unmittelbaren Beziehung zu Gott hat jeder Einzelne »teil an einer letzten Verbindlichkeit und Würde«, die von der Kirche unbedingt »zu achten ist (…), selbst im Fall des Irrtums«.29

Das eigene Gewissen also ist die höchste Instanz, der Maßstab meines Verhaltens. Allerdings ist das Gewissen nicht bloß ein vages Gefühl. Vielmehr bedarf das Gewissen der ›Schulung‹, der stetigen Justierung mit Herz und Verstand. Anders gesagt: Die subjektive Gewissensbildung muss sich an bestimmten, überprüfbaren, Kriterien orientieren.

Sinnvoll und absolut angebracht ist somit die Frage: Welche Voraussetzungen müssen in einer guten, in einer ethisch verantworteten Partnerbeziehung erfüllt sein? Ein mit mir befreundeter Jesuitentheologe und Priesterseelsorger gab mir vor Jahrzehnten die folgenden Beurteilungshilfen: Eine intime Beziehung ist gut, wenn sie auf wechselseitiger Liebe beruht, wenn sie für beide Partner eine Glücksquelle ist, wenn sie keinem anderen schadet und wenn die Gottesbeziehung darunter nicht leidet, sondern eher gestärkt wird.

Diese vier Kriterien, die stets neu zu überdenken sind, nehme ich als Seelsorger und geistlicher Begleiter sehr ernst. Ich habe sie mir verinnerlicht und um einen weiteren Punkt noch ergänzt: Eine Paarbeziehung – oder auch eine Seelenfreundschaft30 – finde ich besonders gut, wenn die Hoffnung auf das ewige Leben, wenn die Vorfreude auf den Himmel durch die liebevolle Beziehung der Partner noch vergrößert und neu beflügelt wird.

An dieser Stelle scheint mir eine Zwischenbemerkung erforderlich: Sofern die genannten Kriterien für eine gute Partnerbeziehung erfüllt sind, dürfen auch gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht diskriminiert werden. Man kann solche Beziehungen nicht rundherum verurteilen und als ›Todsünde‹ betrachten. Denn die zuständigen Natur- und Humanwissenschaften belegen ja zweifelsfrei: Es gibt unterschiedliche sexuelle Prägungen.

Jeder Mann und jede Frau muss – wie Wunibald Müller betont – seine/ihre Prägung entdecken und zu dieser Prägung auch stehen.31 Besonders die katholische Kirche wird mit gleichgeschlechtlich geprägten Menschen in Zukunft anders umgehen müssen als bisher: vor allem dann, wenn es sich um Paare handelt, die wechselseitig Verantwortung übernehmen und folglich in einer durchaus eheähnlichen Beziehung leben.

Zurück zur Gewissensbildung: Ob jedes der oben genannten Bewertungskriterien in einer (gleich- oder gegengeschlechtlichen) Paarbeziehung erfüllt ist, wird nicht immer leicht zu beurteilen sein. Es kann da auch Irrtümer und Selbsttäuschungen geben. Sensibilität, selbstkritische Feinfühligkeit, gewissenhaftes Nachdenken sind also angesagt. Aber diese Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit sollten nicht umschlagen in übertriebene, in krank machende Ängstlichkeit.

Schließlich dürfen wir nicht vergessen: Zur Realität des Lebens und jeder Partnerbeziehung gehört auch die Möglichkeit des Versagens und des Schuldigwerdens. Aber auch in diesen Fällen wird es – bei gutem Willen aller Beteiligten – gangbare Wege geben, Wege zu einem neuen Beginn. Denn bei Gott ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung (vgl. Ps 130,7)! Freilich sollten auch wir barmherzig sein. Paarbeziehungen – und überhaupt Beziehungen jeglicher Art – können nur gelingen, wenn wir bereit sind, einander von Herzen zu vergeben und immer wieder einen neuen Anfang zu wagen.

9. Zur eschatologischen Perspektive

So viel dürfte nun klar sein: Es geht mir in meinen Ausführungen nicht primär um die Kirchenkritik und schon gar nicht um einen ›Ausverkauf der Werte‹. Die Kirche ist ja keine politische Partei, die eine Wahl gewinnen will und deshalb ihre Angebote an aktuellen Umfragewerten orientiert. Vielmehr hat die Kirche von Christus her eine Sendung, einen Auftrag für das Heil der Welt – unabhängig von wechselnden Meinungen und wechselnden Mehrheiten unter den Menschen.

Ich bin ein katholischer und zugleich ein ökumenisch denkender Christ, dem die christlichen Kirchen in der Welt von heute sehr wichtig sind. Dabei geht es mir nicht um eine Anbiederung ans allgemeine Bewusstsein, nicht ums ›Moderne‹ um des Modernen willen, nicht um die wohlfeile Anpassung an den (üblicherweise negativ gewerteten) ›Zeitgeist‹. Nein, es geht um den befreienden Geist der Botschaft Jesu, um die Vertiefung und Verlebendigung des kirchlichen Eheverständnisses bzw. um eine realistischere, d. h. menschlichere Einstellung der kirchlichen Institutionen zur – ehelichen oder nichtehelichen – Partnerliebe.

Es geht mir, gerade im Blick auf ›heikle‹ Themen und ›heiße Eisen‹, ganz und gar nicht um Polemik, sondern um die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Geistesströmungen, um das Anschauen von offenen Fragen, um anthropologische Einsichten und theologische Argumente. Es geht mir vor allem um die Liebe, die größer ist als alles andere und die, wenn sie echt ist und in Gott ihren Ursprung hat, niemals aufhören wird (vgl. 1 Kor 13,1–8).

Und um es nochmals ganz klar zu sagen: Wenn im Folgenden sehr viel, ja deutlich überwiegend von der Liebe zwischen Mann und Frau die Rede ist (einfach auch deshalb, weil die Mehrzahl der Menschen heterosexuell geprägt ist), so ist dies nicht in einem ausgrenzenden Sinne gemeint. Es darf ja angenommen werden: Was ich über die Beziehung von Mann und Frau schreibe, ist zumindest teilweise übertragbar auch auf gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Mein Thema, das ich im Folgenden entfalten werde, ist (weitgehend unabhängig von der jeweiligen sexuellen Prägung) die elementare Bedeutung der Geschlechterbeziehung im irdischen Dasein, sei es nun in der Ehe oder in einer anderen Lebensform. Mein Thema ist die tiefe, unendlich facettenreiche Liebe – ohne die das Leben nur schrecklich wäre. Und mein Thema ist zugleich die eschatologische Hoffnung: die Hoffnung, dass die gesamte Lebensgeschichte jedes einzelnen Menschen – einschließlich seiner echten Liebesbeziehungen – auch über den Tod hinaus eine Zukunft in der Ewigkeit Gottes hat.

Wie schon in früheren Büchern32 interessiert mich auch diesmal die Frage: Ist die Partnerbeziehung, die gewachsene und gereifte Liebe zwischen zwei Menschen, etwas nur Irdisches, mit dem Tode Abgeschlossenes und Beendetes? Oder könnte es ein ›Danach‹ geben, eine jenseitige Erfüllung, eine von Gott geschenkte Vollendung auch der intimen Freundschaften und der Partnerbeziehungen?

Nur eines möcht ich nicht: daß du mich fliehst.

Ich will dich hören, selbst wenn du nur klagst.

Denn wenn du taub wärst, braucht ich, was du sagst

Und wenn du stumm wärst, braucht ich, was du siehst

Und wenn du blind wärst, möcht ich dich doch sehn.

Du bist mir beigesellt als meine Wacht:

Der lange Weg ist noch nicht halb verbracht

Bedenk das Dunkel, in dem wir noch stehn!

Bertolt Brecht

Kapitel II
Für immer und ewig

Was ist Liebe? Carlo Martini, der frühere Erzbischof von Mailand, schrieb über das Wesen der Liebe: »Die Liebe ist eine Begegnung, in der der andere für mich Bedeutung gewinnt und in gewissem Sinn für mich bedeutender wird, als ich mir selbst bin. Er wird so bedeutsam, dass ich – im Extremfall – will, dass er lebt, selbst wenn ich dafür mein eigenes Leben hingeben muss.«33

Ich denke, Martini hat in diesen Sätzen einen zentralen Aspekt, ein wesentliches Moment der Liebe angesprochen: Die geliebte Person ist dem Liebenden absolut wichtig. Wenn es um dieses Gefühl der Wichtigkeit speziell nun in der Paarbeziehung geht, denke ich gerne – mit gewissen Zweifeln allerdings – an den altgriechischen Mythos von Orpheus und Eurydike.34 Die schöne Nymphe ist dem Sänger so wichtig, dass er sich um ihretwillen in die Unterwelt, in den ›Abgrund‹ begibt. Aber ist er auch bereit, für sie das eigene Leben zu riskieren?

In der Sicht des griechischen Philosophen Platon war Orpheus ein Schwächling, der sich selbst geschont hat. In Platons ›Symposion‹ jedenfalls wird die Orpheus-Sage mit einer anderen Geschichte verglichen, die über Alkestis, die Gattin des Königs Admetos, erzählt wurde: Alkestis opferte für ihren Mann das eigene Leben. Dieser Liebesbeweis hat den Göttern so gefallen, »dass sie aus freien Stücken die Frau aus dem Hades gehen ließen, aus Freude an der Tat«. Den Orpheus aber schickten sie unverrichteter Dinge zurück. »Er schien ihnen weichlich zu sein wie ein Spielmann und nicht das Herz zu haben, der Liebe wegen zu sterben wie Alkestis, sondern sich lieber ausgedacht zu haben, lebend in die Unterwelt einzugehen.«35

Zwar scheint mir diese Interpretation durch Platon überspitzt und sehr missgünstig. In der späteren Deutung durch den römischen Dichter Ovid wird immerhin geklärt: Im Falle einer Ablehnung seiner Bitte durch die Götter würde Orpheus lieber im Hades verweilen, als ohne Eurydike ins irdische Leben zurückkehren. Andererseits hat Platon wohl richtig erkannt: Des Orpheus Beziehung zu seiner Gattin war eine leidenschaftliche, aber noch unreife Verliebtheit. Zur wirklichen Liebe fehlt da noch Vieles.

Schon als jüngerer Mann – als ich die Oper von Christoph Willibald Gluck zum ersten Mal im Theater erlebte – habe ich mich gefragt: Was wäre aus Orpheus und Eurydike geworden, wenn es dem Künstler gelungen wäre, die attraktive Gattin ins Diesseits zurückzuholen? Was wird aus ›Traumpaaren‹ wie Orpheus und Eurydike, wenn sie in die Jahre kommen, wenn sie gebrechlich werden und der Eros seine Kraft verliert? Werden sie sich dann weiterhin lieben? Werden sie sich auch im Alter noch etwas zu sagen haben? Werden sie sich bis zum Lebensende wechselseitig ergänzen und bereichern?

1. ›Same Same But Different‹

Der junge Orpheus und die bezaubernde Eurydike stehen weniger für die Liebe, umso mehr aber für die Verliebtheit. Der Zustand des Verliebtseins ist an sich freilich nichts Schlechtes. Die Verliebtheit kann zur verwandelnden Kraft werden, zu einer Quelle des Glücks, der Lebenslust und der Kreativität. Sie kann ein großes spirituelles Wachstumspotential enthalten,36 sie kann eine Vorform der Liebe sein, eine Brücke zu jener größeren Liebe, die von Gott kommt und die den Tod überwindet.

Der mögliche Übergang vom bloßen Verliebtsein zur wirklichen Liebe zeigte sich mir besonders schön im Filmdrama ›Same Same But Different‹ von Detlev Buck. Das Drehbuch folgt dem autobiographischen Roman ›Wohin du auch gehst‹ (2007) von Benjamin Prüfer. Der Filmtitel ›Same Same But Different‹ ist eine thai-englische Redewendung für »ganz gleich und doch anders«. Was ist gemeint, worum geht es in dieser Geschichte? Und was will sie uns sagen?

Da es im Film wie im Roman ja nicht nur um fremde Kulturen geht, sondern um das innerste Wesen der Partnerliebe, sei die Story hier, so kurz wie möglich, wiedergegeben: Ben, ein deutscher Abiturient, ist mit einem Freund als Rucksacktourist in Kambodscha unterwegs. Die beiden suchen zuerst nur den Spaß, sie denken an Abenteuer und besonders an Sex. In einer Diskothek lernt der lebenshungrige Ben das Bargirl Sreykeo (»Frau aus Glas«) kennen. Bald wird ihm klar, dass das Mädchen eine Prostituierte ist. Trotzdem verliebt er sich in sie und haust mit ihr in einem halb verfallenen Wohnblock. Wegen ihres chronischen Hustens bringt er sie zum Arzt und schenkt ihr einen Ring.

Zurückgekehrt nach Deutschland, bleibt Ben mit Sreykeo in Kontakt. Er sendet ihr Geld für wichtige Arztbesuche. Eines Tages erhält er einen Anruf von seiner Freundin Sreykeo. Sie teilt ihm mit, dass ihr HIV-Status positiv sei. Ihr Telefonat beendet sie mit den Worten »see you next life«, »auf Wiedersehen im nächsten Leben«. Ben selbst ist nicht infiziert. Um Sreykeo eine Therapie zu finanzieren, fliegt er erneut nach Kambodscha. Trotz der Krankheit des Mädchens macht er sich Gedanken über eine baldige Heirat. In Deutschland aber rät ihm ein Freund zur Trennung von Sreykeo: Sie sei dem Tode geweiht, eine Eheschließung mit ihr wäre verrückt. Ben ist verunsichert. Zuletzt jedoch reist er nach Kuala Lumpur, um die Freundin wiederzusehen. Im Hotel freilich wird Sreykeo als HIV-infizierte Prostituierte des Hauses verwiesen. Ben indessen bekennt sich als ihr Verlobter und will künftig in Kambodscha leben.

Mit einem religiösen Hochzeitsritual endet das Filmgeschehen. Ein buddhistischer Mönch gießt Wasser über das mutige Brautpaar. Und am Ende des Abspanns erfahren die Kinobesucher: Ben und Sreykeo leben heute in Deutschland. Sie haben ein gemeinsames Kind, einen gesunden Jungen.

Wie ist die Story zu bewerten? Von grenzenloser Naivität eines verliebten Paares könnte man reden. Denn nach menschlichem Kalkül wird diese Ehe in die Brüche gehen. Oder sie wird so enden wie die ›Love-Story‹ (1970), das berühmte, von dem Literaturwissenschaftler Erich Segal geschriebene Filmmelodram über die Liebe von Jenny und Oliver: Die beiden heiraten, allen Widerständen zum Trotz. Zuletzt aber stirbt die krebskranke Jenny in den Armen ihres jungen Ehemannes Oliver.

Handeln Paare wie Jenny und Oliver oder Sreykeo und Ben ›vernünftig‹? Hat ihre Liebe eine Zukunft? Die bekannten Verse Erich Frieds37 fallen mir ein:

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Was also ist von der Liebesbeziehung zwischen Sreykeo und Ben zu halten? »Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt«, heißt es in den religiösen Notizen des Philosophen und Mathematikers Blaise Pascal.38 Ben und Sreykeo verhalten sich wie alle Verliebten – »und doch anders«. Allein nur von der Ratio her beurteilt, gehen sie einen problematischen Weg. Aber die Liebe sieht tiefer. Sie ist »ohne Berechnung und ohne Logik«,39 d. h. sie folgt einer anderen, metaphysischen, ›Logik‹.

Was aus meiner Sicht zählt, ist die Echtheit der Liebe. Eines ist den Filmdramen ›Love Story‹ und ›Same Same But Different‹ gemeinsam: Es wird gezeigt, wie sich die Verliebtheit zur Liebe entwickeln kann. Was mir speziell in ›Same Same But Different‹ imponiert: Ben entscheidet sich konsequent für Sreykeo. Sie ist ihm unbedingt wichtig, um ihretwillen ist er bereit, alles Oberflächliche, alles Minderwertige aufzugeben, das sein Leben bisher bestimmte. Das aber ist Liebe – zumindest in anfanghafter Gestalt.

Im übrigen wird der Transzendenzbezug in der Filminszenierung offenkundig: Es geht nicht nur um dieses Leben, es geht zugleich um das künftige, das postmortale Leben. Sreykeos Bemerkung »see you next life« lässt zwar – angesichts des buddhistischen Hintergrunds in Kambodscha – an die Reinkarnationslehre denken, also an die verbreitete Vorstellung einer Kette von immer neuen Geburten. Doch die metaphysische Komponente der Story könnte auch im Sinne des biblischen Glaubens an die Auferstehung der Toten gedeutet werden: Die Ehe von Ben und Sreykeo ist transparent für eine Liebe, die auf Erden schon anfanghaft gelebt wird und die in der Jenseitigkeit Gottes – unwiderruflich – ans Ziel kommt.

2. Das umfassende Ja

Ich bin überzeugt: Die Liebe, auch die Partnerliebe, ist ihrem Wesen nach transzendent. Auch die erotische Liebe weist über sich selbst hinaus, sie verweist letztlich auf Gott.40

»Was bleibt, stiften die Liebenden.« So lautet der Titel eines Buches von Jörg Zink, dem vielgelesenen evangelischen Theologen. Für alle Liebenden, also nicht nur für Braut- oder Ehepaare oder Blutsverwandte, ist dieses Buch geschrieben! Denn relevant für die Ewigkeit, ist – nach der Verkündigung Jesu – nicht die leibliche Verwandtschaft und nicht die Einrichtung Ehe, sondern die verinnerlichte, institutionell nicht eingeengte Liebe zu Gott und den Menschen. Stärker als der Tod ist die personale Liebesbeziehung, nicht aber die Lebensform der Ehe oder das Band der Blutsverwandtschaft (vgl. Mk 3,33–35).41

Zweifellos kann es sein, dass zwei Menschen weder verwandt noch miteinander verheiratet sind und sich dennoch lieben – bis zum Tod und über den Tod hinaus. Was aber ist der Wesenskern der Liebe, der Liebe im Allgemeinen und der Partner- oder Freundesliebe im Besonderen? Im Folgenden sei erläutert, was ich unter Liebe bzw. Seelenfreundschaft verstehe – im Bewusstsein allerdings, dass die vollkommene Liebe oder Freundschaft in der Realität eher selten gelingt.

Meine persönliche Erlebnis- und Wissensgrundlage ist eine Zusatzausbildung in der Psychotherapie (einschließlich Paartherapie), vor allem aber die praktische Erfahrung in der Partner- und Lebensberatung im Rahmen der Pfarr- und der Klinikseelsorge. Ich selbst lebe zwar ehelos – aber nicht beziehungslos und vor allem nicht ›liebelos‹. Es gibt Menschen, die mir vertraut sind, mit denen ich Freude und Leid gerne teile, die ich liebe und von denen ich geliebt werde. Vor dem Hintergrund dieser subjektiven Erfahrungen, in Verbindung auch mit einschlägiger Literatur, sind meine folgenden Ausführungen entstanden.

›Liebe‹ ist ein viel gebrauchtes und zugleich sehr missverständliches Wort. Die deutsche Sprache verwendet es in verschiedenster Bedeutung, zum Beispiel: Vorliebe für bestimmte Künstler oder Autoren, Zuneigung zu einem Haustier, barmherzige Hinwendung zu Kranken und Armen, mütterliche Hingabe für das schutzbedürftige Kind, selbstlose Treue der Gatten und Freunde, erotische Anziehung von Mann und Frau, allgemeine Nächstenliebe, persönliche Bindung des Menschen an Gott.

Dies alles kann mit Liebe gemeint sein. Wie Josef Pieper, einer der bedeutendsten christlichen Philosophen, in seinem Buch ›Über die Liebe‹ (1972) hervorhebt,42 ist diese Mehrdeutigkeit des Begriffs weder zufällig noch kommt hier eine besondere ›Armut‹ der deutschen Sprache zum Ausdruck. Denn bei aller Verschiedenheit in der Bedeutung meint das Wort ›Liebe‹ etwas Gemeinsames, das allen Bedeutungen zukommt: das Gutheißen, die engagierte Zustimmung zum Sein und zum Wert eines Objekts. »Jemanden oder etwas lieben heißt«, so Josef Pieper, »diesen Jemand oder dieses Etwas ›gut‹ nennen und, zu ihm gewendet, sagen: Gut, dass es das gibt; gut, dass du auf der Welt bist!«

Für mich ist Liebe in erster Linie das unbedingte Ja zu einer anderen Person. So umschreibt Carlo Martini die Liebe als Begegnung von Du zu Du:

Liebe ist jene intensive, unvergessliche und unzerstörbare Erfahrung, die nur in der Begegnung mit einer anderen Person erlebt werden kann. (…) Liebe braucht (…) Geschenke, die in ihrer Begrenztheit doch Symbol sind für die volle Hingabe einer Person an die andere.43

Liebe also ist ein personales Geschehen in wechselseitiger Hingabe. Sofern diese Hingabe mit der Schließung einer Ehe verknüpft wird, bringe ich – in Brautgesprächen oder Hochzeitsansprachen – die Grundaussage der Liebe gerne auf die summarische Formel: »Ich meine dich ganz und für immer.«

»Ich meine dich« heißt: Ich liebe nicht irgendwelche Bilder, die ich mir von dir gemacht habe, nicht nur die eigenen Wunschträume, die ich auf dich übertrage, sondern dich selbst, so wie du bist in deiner Einmaligkeit und Besonderheit.

»Ich meine dich ganz« heißt: Ich liebe nicht nur die strahlenden Seiten an dir, sondern dich selbst mit allem, was zu dir gehört, auch mit den Schattenseiten, den Schwächen und Unzulänglichkeiten.

»Ich meine dich ganz und für immer« heißt: Ich liebe dich nicht nur, solange du meinen jetzigen Vorstellungen entsprichst. Ich liebe dich auch dann, wenn du müde und alt wirst, auch dann, wenn ich manches an dir als schwierig empfinde und dein Verhalten mir nicht immer verständlich erscheint.

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