Kitabı oku: «Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung»

Yazı tipi:

Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung
Skandal Literatur aus alter Zeit

IMPRESSUM

Autor: Honoré-Gabriel Riquetti Mirabeau

Herausgeber:

Jürgen Prommersberger

Händelstr 17

93128 Regenstauf

delsalvs160571@web.de



Laura an Eugenie

Weicht von mir, ihr einfältigen Vorurteile! Ihr seid nur etwas für furchtsame Seelen. Eugenie fordert, ihrer Einsamkeit überdrüssig, von ihrer Laura diesen kleinen Liebesdienst. Nichts kann mich zurückhalten, ihn ihr zu leisten, ja, meine liebste Eugenie, diese kostbaren Augenblicke, die ich in Deinen Armen erfahren durfte, diese Leidenschaft der Sinne, die jede von uns dazu getrieben hat, in den Armen der anderen ihr Vergnügen zu suchen, diese Gemälde unserer Jugend, aus denen wir den Rauschtrunk unserer Wollust keltern wollten, ich werde sie, um Dich zufrieden zu stellen, alle vor Dir ausbreiten. Du solltest alles erfahren, was ich seit den Tagen meiner zartesten Kindheit gedacht und erfahren habe. Alles, was ich je empfunden habe, wird vor Deinen Augen wieder lebendig werden. Ich werde vor Dir diese lebhaften Gefühle wiedererstehen lassen, die kostbare Bewegtheit, diese reizvolle Trunkenheit. Und jedes Wort, das ich Dir sage, wird aus den Quellen der Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit gespeist werden. Ich werde meine Hand alle jene Ornamente meines Lebens nachzeichnen lassen, die Deiner entflammten Begierde würdig sind. Ich fürchte nicht, daß es mir an Kraft dazu mangeln wird. Denn Du selbst inspirierst und begeisterst mich ja. Du bist mir Venus und Apoll in einem.

Doch hüte Dich wohl, mein Herz, daß dieses Geständnis meines Lebens je Deinen Händen entgleite! Bedenke, Du befindest Dich in einem Heiligtum des Aberwitzes und der Torheit. Diese Nonnen sind alle zu fürchten, jene, die guten Glaubens sind, wie jene, die unter einem Schleier von Scheinheiligkeit die exquisitesten und raffiniertesten Lüste verbergen. Die Frauen lieben ganz allgemein den Schatten des Geheimnisvollen. Doch geben sie nur zu oft Furcht und Anstand ihrem Vergnügen preis. Dieses Werk darf niemals das Tageslicht sehen. Es ist nicht für die Augen des Pöbels gemacht, der die Aufrichtigkeit einer Frau nicht begreifen kann und den seine nichtswürdige Leichtgläubigkeit vor der nackten Natur zurückschrecken läßt.

Du glaubst nicht, meine teure Eugenie, wie uns die Männer — sogar die freizügigsten unter ihnen — um die Freiheit unserer Einbildungskraft beneiden. Sie wollen uns nur jene Freuden zubilligen, die ihnen selbst dienen. Wir sind in ihren Augen nichts als Sklavinnen, die es nicht wagen dürfen, die Hand der mächtigen Herren zu halten, die uns unterdrücken. Alles gehört ihnen, sie sind die Tyrannen, deren Vergnügen wir dienen müssen. Sie sind eifersüchtig, wenn wir unsererseits jemanden anschauen. Egoisten sind sie, die immer nur ihr eigenes Selbst im Auge haben. Am besten sollte niemand außer ihnen existieren.

Nur wenige von ihnen denken daran, uns an den Vergnügungen, die wir ihnen bereiten, teilnehmen zu lassen, ja, sie versuchen sich sogar Vergnügungen zu schaffen, indem sie uns quälen und den schmerzhaftesten Prozeduren unterziehen.

Welche bizarren Spielereien hat ihre Extravaganz nicht erfunden! Ihre Einbildungskraft, die nie zur Ruhe kommt, erlischt ebenso rasch, wie sie sich entzündet. Ihre Anstrengungen, ihre Perfidie und ihre unbeständigen Begierden irren von einem Objekt zum nächsten. Durch eine seltsame Perversion der Gefühle gestehen sie uns keinen der Genüsse zu, die sie sich anmaßen. Und das uns, deren Empfindsamkeit um so viel größer, deren Phantasie um so viel lebhafter und leichter entflammbar ist als die ihre.

Ah, diese grausamen Ungeheuer! Sie wollen unsere Sinnenfreudigkeit vernichten, und doch wäre unsere Kälte ihre Marter und ihr Unglück. Nur wenige spielen, um der Wahrheit die Ehre zu geben, mit offenen Karten. Aber es wäre selbst ihnen gegenüber unklug, wenn wir uns ihnen ganz enthüllen wollten.

Indessen wäre dieses Werk in den Händen jener Unglücklichen nicht weniger deplaziert, die nicht einmal die Liebe wärmen kann. Ich spreche von jenen phlegmatischen Frauen, die selbst die Aufmerksamkeit liebenswürdiger Männer nicht erregen kann, und von jenen schwerblütigen Männern, die nicht einmal die Schönheit zu begeistern vermag. Es gibt viele dieser unentschlossenen und trägen Tiere, die sich mit dem hochtrabenden Titel eines Künstlers oder Philosophen schmücken und deren geistige Ergüsse doch nur das Resultat einer Gallenkolik, eines melancholischen Anfalls und anderer Mißgeschicke sind. Kein Wunder, daß sie der Welt entfliehen, in der sie sich so wenig wohlbefinden.

Diese Leute verdammen natürlich ebenso wie das nutzlose Alter alle Vergnügungen, die ihnen verwehrt sind. Es gibt andere, die von leidenschaftlichem Temperament sind. Doch die Vorurteile ihrer Erziehung und ihre Schüchternheit haben sie für eine Tugend begeistert, deren Wesen ihnen doch gänzlich unbekannt ist. Sie unterdrücken die natürlichen Ergüsse des Menschen und laufen einem Phantom nach. Die Liebe ist ihnen eine profane Gottheit, die es nicht verdient, daß sie ihr ihren Weihrauch streuen. Höchstens, daß sie ihr in Gestalt des Hymen etliche Male opfern. Ferner gibt es Fanatiker, die unter dem Vorwand der Ehre ihre Eifersucht verbergen. Das ist ein Verrat an der Liebe und eine Blasphemie gegen die liebenswürdigste aller Gottheiten.

Doch, meine liebe Eugenie, wir wollen doch niemanden schockieren. Bewahren wir unsere freimütigen Geständnisse deshalb so gut wie möglich. Nur für Dich öffne ich mein Herz. Es ist nur Deinetwegen, daß ich alle Schleier von dem Gemälde hinwegziehe, das vor Deinen Augen auszubreiten ich im Begriff bin. Möge es für die anderen verborgen bleiben, genauso wie die Freiheiten, die wir uns genommen haben.

Und so seien die folgenden Blätter nur der Freundschaft und der Liebe gewidmet. Mögen diese mit Wohlgefallen auf die schlüpfrigen Bilder blicken, die meine Feder nur zögernd enthüllt.

1. Kapitel

Ich beginne meine Geschichte mit meinem zehnten Lebensjahr. Meine Mutter starb an einer langwierigen Krankheit, die sie nach acht Monaten des Leidens zu Grabe brachte. Mein Vater tröstete mich über einen Verlust, den ich täglich mit bitteren Tränen beweinte. Seine Zuneigung, seine Gefühle, die mir so teuer waren, wurden ihm von meiner Seite auf das lebhafteste vergolten.

Ich war stets der Gegenstand seiner zärtlichsten Liebkosungen gewesen. Es verging kein Tag, an dem er mich nicht in seine Arme schloß und mich mit den süßesten Küssen überhäufte. Ich erinnere mich noch daran, wie meine Mutter ihm eines Tages Vorhaltungen machte, daß er mich auf diese Weise verwöhnte. Er gab ihr eine Antwort, die mir später noch viel zu denken gab, obwohl seither bereits einige Zeit vergangen war.

„Worüber beklagen Sie sich, Madame? Ich habe keinen Grund zu erröten. Wenn sie meine Tochter wäre, so wären diese Vorwürfe vielleicht begründet, aber so fühle ich mich nicht in der Situation, das Beispiel Lots nachzuahmen. Ich bin glücklich, diese Zärtlichkeit für sie zu empfinden, die Sie so tadelnswert finden. Das, was Konvention und Gesetze bestimmen, ist keine Forderung der Natur. Es fällt daher dem denkenden Menschen leicht, sich darüber hinwegzusetzen.“

Diese Antwort habe ich nie wieder aus dem Gedächtnis verloren. Das Schweigen meiner Mutter, das darauf folgte, ließ sie mir noch bedeutungsvoller erscheinen, ja, ich glaube, daß dieses Gespräch, das ich zufällig belauschte, und die Gedanken, die ich mir darüber machte, mich noch fester an meinen Vater banden. Ich begriff wohl, daß ich alles in meinem Leben seiner Freundschaft verdankte. Dieser Mann, der so liebenswürdig, geistvoll und weise war, vermochte wahrhaftig die zärtlichsten Gefühle zu erwecken. Die Natur hatte mich begünstigt, als ob die Liebe selbst mich geformt hätte. Du weißt, meine liebe Eugenie, daß ich in diesem Punkt nicht übertreibe. Von Kindheit an hatte ich eine hübsche und ebenmäßige Figur, eine schlanke Taille und einen ausgezeichneten Teint. Die Lebhaftigkeit meiner braunen Augen wurde durch einen sanften und zärtlichen Blick gemäßigt, und mein Haar fiel in schönen Locken auf meine Schultern. Ich hatte ein fröhliches Gemüt, wenn ich auch ein wenig zur Nachdenklichkeit neigte.

Mein Vater studierte meine Neigungen und meinen Geschmack, und er kultivierte meine Anlagen mit der größten Sorgfalt. Die größte Mühe verwandte er darauf, mich zur Wahrheitsliebe anzuhalten. Er wollte, daß ich nichts vor ihm verberge, und er erreichte dies auch mit Leichtigkeit. Denn es war unmöglich, ihm etwas zu verschweigen. Seine strengste Strafe bestand darin, mir seine Zärtlichkeit zu verweigern. Ah, wie habe ich die wenigen Male, da dies geschah, darunter gelitten! Einige Zeit nach dem Tod meiner Mutter schloß mich dieser hervorragende Mann eines Tages besonders innig in seine Arme.

„Laurette, mein liebes Kind“, sagte er, „Du bist nun beinahe elf Jahre alt, und Deine Tränen über den Verlust deiner Mutter sollten nun aufhören. Ich habe Dir genügend Zeit zur Trauer gelassen. Nun wollen wir durch vernünftige Beschäftigung für Deine Zerstreuung sorgen.“

Tatsächlich habe ich eine brillante Erziehung genossen. Ich hatte nur einen einzigen Lehrmeister: Meinen Vater. Aber er unterrichtete mich in allem. In Malerei, Tanz, Musik und allen Wissenschaften war er gleicherweise ein Meister. Es war ihm nicht schwer gefallen, sich über den Tod meiner Mutter hinweg zu trösten. Ich wunderte mich darüber, und eines Tages konnte ich mich nicht enthalten, mit ihm darüber zu sprechen.

„Du mußt wissen, daß in einer Gemeinschaft, in der sich Charaktere und Temperamente ähneln, der Augenblick, in dem diese Übereinstimmung zerbricht, die Herzen der Einzelwesen zerreißt, die sich auf solche Weise miteinander verbunden fühlten. Weder Charakterstärke noch irgendeine Art von Philosophie helfen einem sensiblen Menschen, dieses Übel ohne Kummer zu ertragen. Auch die Zeit, von der es heißt, daß sie alle Wunden heilt, kann da nur wenig Linderung verschaffen. Wenn wir nicht durch die Bande der Sympathie mit einigen unserer Mitmenschen verbunden wären, gäbe es auf dieser Welt keine Trennung außer der, die durch die unvermeidlichen Naturgesetze verursacht wird, denen alles Leben unterworfen erscheint. Ein vernünftiger Mensch wird sich deshalb früher oder später mit dem Schmerz abfinden müssen, der keinem menschlichen Wesen erspart bleibt. Doch soll ich Dich in einem so wichtigen Punkt etwa täuschen, mein Kind? Gewiß nicht. Dies ist vielmehr ein Gegenstand, um darüber zu reden. Du kannst Dir selbst ein Urteil bilden. Stell dir also zwei Wesen vor, die in ihrer Veranlagung ganz verschieden sind, sich aber durch eine fragwürdige äußere Macht, sei es nun durch Konvention oder auch durch materielle Erwägungen, auf das intimste miteinander verbunden haben. Nimm an, diese Menschen haben durch eine flüchtige Täuschung ihrer Sinne zueinandergefunden. Oh, sie brauchen nur kurze Zeit, um zu erkennen, daß sie einer Illusion zum Opfer gefallen sind. Es dauert nicht lange, so lassen beide die Masken sinken, durch die sie einander getäuscht haben, jene Masken also, die ihren natürlichen Charakter verdecken. Wie glücklich werden diese beiden sein, sich wieder zu trennen!

Welch ein Glück bedeutet es, eine Kette zu sprengen, die durch die Gewohnheit zur Tortur wurde. Welch ein Glück, sich dann mit jemandem zu vereinen, der dem eigenen Charakter entspricht! Denn, meine Laurette, während zwei Menschen, deren Neigungen und Charaktere ganz und gar nicht zusammenpassen, ihre gegenseitige Gesellschaft fliehen, fühlen sie sich zu einem Wesen, das dem ihren kongenial ist, um so heftiger hingezogen. Glaube mir, die Übereinstimmung des Geschmacks und des Geistes ist für den Menschen ungleich wichtiger als der flüchtige Rausch der Sinne. Und ein Wort, eine gewisse Gedankenassoziation, ja selbst eine Gebärde kann die Übereinstimmung der Gefühle wie der Gedanken bezeugen. Überlege Dir nun, welche Qualen zwei Menschen leiden müssen, die durch die Ketten der Konvention und des gesellschaftlichen Scheins aneinander gefesselt sind, während doch alles in ihnen nach Trennung schreit. Welch eine Verstellung, welch schmerzliche Selbstbeherrschung!“

„Mein teurer Papa, Du nimmst mir alle Lust darauf, je zu heiraten. Ist das Deine Absicht?“ warf ich zutiefst betroffen ein.

„Ah nein, mein Kind. Ich wollte Dir nur eine Situation vor Augen führen, die mir nur zu gut bekannt ist. Und damit Du die Natürlichkeit und Vernunft meiner Ansichten besser verstehst, empfehle ich Dir zu lesen, was der Präsident von Montesquieu in seinen „Nachdenklichen Briefen“ darüber geschrieben, hat. Wenn Alter und Vernunft Dich in die Lage versetzen, gegen unwürdige Vorurteile anzukämpfen, wird es Dir ein Leichtes sein, das richtig zu erkennen. Ich könnte Dir leicht Rechenschaft ablegen über alle Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe. Aber Deine Jugend erlaubt es mir nicht, mehr darüber zu sagen.“

Damit beendete mein Vater dieses Gespräch. Und nun, meine teure Eugenie, siehst Du die Szene sich verwandeln. Eugenie, liebste Eugenie, was soll ich Dir sagen? Die Schreie, die ich um mich zu hören glaube, der Zwiespalt unter den Menschen, den die Worte meines Vaters vor mir heraufbeschworen, lassen meine Feder sich sträuben. Aber die sanften Stimmen der Liebe und Freundschaft beruhigen mich wieder. Ich fahre also mit meiner Geschichte fort.

Wiewohl mein Vater ausschließlich mit meiner Erziehung beschäftigt schien, entdeckte ich doch nach etlichen Monaten eine gewisse Verwandlung an ihm. Er schien zerstreut und unruhig. Irgendetwas, von dem ich nicht wußte, was es war, schien ihn zu beschäftigen. Nach dem Tod meiner Mutter hatte er jeden gesellschaftlichen Verkehr abgebrochen, um sich ganz der Sorge um mich zu widmen. Wir lebten in einem großen und sehr bequemen Landhaus völlig für uns. Ich hatte wenig Ablenkung, und so nahm ich seine Ideen mit großem Eifer entgegen. Die Liebkosungen, die er mir zuteilwerden ließ, verdoppelten sich mit der Zeit und schienen ihn zu beleben. Seine Augen bekamen dann einen lebhaften Glanz, seine Wangen röteten sich, seine Lippen brannten auf den meinen. Er liebkoste meinen Hintern, er legte seine Hand zwischen meine Schenkel und küßte meine Lippen und meinen Busen. Einmal tauchte er mich splitternackt in ein Bad. Ah, es war köstlich! Nachdem er mich am ganzen Körper mit einer duftenden Essenz eingerieben hatte, überhäufte er mich mit seinen Küssen. Sein Busen bebte, und seine Hände taten desgleichen. Niemals zuvor hatte ich ein so köstliches Bad gehabt. Diese himmlische Unordnung hinter uns! Aber mitten in den lebhaftesten Zärtlichkeiten verließ er mich und schloß sich in seinem Zimmer ein.

Wenige Tage später hatte ich plötzlich unter seinen brennenden Küssen ein Gefühl, wie ich es noch nie gehabt hatte. Unsere Lippen hatten einander wohl unzählige Male berührt, ja selbst seine Zunge berührte meinen in Zärtlichkeit hinschmelzenden Mund. Da fühlte ich das Feuer dieser Küsse in meine Adern dringen. Aber wieder löste sich mein Vater aus meinen Armen und enteilte. Ich blieb verstört und neugierig zurück. Auf jeden Fall wollte ich entdecken, was meinen Vater dazu veranlaßte, just nach einem Augenblick solcher Zärtlichkeiten in sein Zimmer zu eilen und sich dort einzuschließen. Ich versuchte hinter das Geheimnis zu kommen, indem ich durch die Fensterscheiben spähte. Aber der Vorhang, der auf der Innenseite der Fenster angebracht war, verhinderte die Sicht, so daß ich nicht entdecken konnte, was sich dort abspielte. Wenige Tage darauf bekam er einen Brief der ihn zu erfreuen schien. Nachdem er ihn gelesen hatte, zog er mich beiseite und sagte:

„Meine liebe Laura, Du kannst nicht ohne Gouvernante bleiben, und nun teilt man mir mit, daß morgen eine kommen wird. Sie soll ausgezeichnete Qualitäten haben, man widmet ihr förmlich Elogen. Wir werden sie uns ansehen, um uns selbst ein Urteil zu bilden.“

Das war eine Neuigkeit, die mir nicht im Geringsten gefiel. Ich muß Dir gestehen, meine liebe Eugenie, daß mich ihre Ankunft jetzt schon störte, ohne daß ich hätte sagen können, warum. Diese in Aussicht gestellte Gouvernante mißfiel mir schon, obwohl ich sie noch gar nicht gesehen hatte. Doch zurück zu den Tatsachen. Lucette kam an dem Tag, den sie angekündigt hatte. Sie war ein großes, sehr hübsches Mädchen, neunzehn oder zwanzig Jahre alt. Ihre Vorzüge waren ganz offensichtlich: Ein schöner, schneeweißer Busen, eine wundervolle Figur, an der nichts niedlich war. Unregelmäßige, aber höchst pikante Züge. Ein schöner Mund, hinreißende Lippen, kleine Zähne von einem schimmernden Emailweiß. Ich war überrascht. Mein Vater hatte mich gelehrt, einen hübschen Mund zu erkennen, indem er unzählige Male den meinen gelobt hatte. Lucette fügte übrigens all diesen Vorzügen einen ausgezeichneten Charakter hinzu, in dem sich Sanftmut, Güte und ein charmantes Wesen mischten. Ich wurde ungeachtet des Unbehagens, mit dem ich ihrer Ankunft entgegengesehen hatte, fast augenblicklich gut Freund mit ihr. Und das, obwohl ich begriff, daß mein Vater ihre Erscheinung mit einer Befriedigung zur Kenntnis nahm, die offensichtlich war.

Ach, meine Liebe, wie gut, daß Neid und Eifersucht meinem Herzen fremd sind! Überdies ist es weder unsere Schönheit noch unser Verdienst, was das Begehren der Männer entfacht. Ihre Unbeständigkeit entzündet vielmehr einen flüchtigen Funken, der in Sekundenschnelle zu einem alles verzehrenden Brand anwachsen kann. Wenn sie darüber nachdächten, wie eilends kehrten sie zu einer Frau zurück, deren Sanftmut und Anpassungsfähigkeit es ihnen einst unmöglich erscheinen ließ, ohne sie zu leben. Wenn sie indessen nicht denken, was meist der Fall ist, geraten sie schnell auf Abwege. Ah — wie unsinnig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen! Natürlich dachte ich damals noch nicht mit so viel Scharfsinn über diese Dinge nach. Ich bemerkte wohl, daß mein Vater sich intensiver mit meiner neuen Gouvernante beschäftigte, als dies im Allgemeinen üblich sein mochte. Trotzdem empfand ich keine Eifersucht gegen Lucette. Ihre Zärtlichkeiten, die sich denen meines Vaters zugesellten, hielten jede unerfreuliche Regung von mir fern.

Mein Vater zeigte sich mir gegenüber unverändert, und heute schreibe ich dieses Betragen seiner Klugheit zu. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich bemerkte, daß er sich keine Gelegenheit entgehen ließ, um in Lucettes Nähe zu sein. Doch traf sich meine Vorliebe für Lucette mit der seinen, und so hatte ich daran nichts auszusetzen. Lucette schlief in meinem Zimmer, das unmittelbar neben dem meines Vaters lag. Doch am Morgen, gleich nach dem Erwachen, kam er meistens herüber, um uns zu umarmen und mit uns ein wenig zu scherzen. Wir lagen in einem riesigen Bett nebeneinander. So hatte er genügend Möglichkeit, sich nach Belieben mit uns zu amüsieren. Ich weiß heute, daß er Lucette eine ganze Reihe von Avancen machte, und natürlich wies sie diese nicht gerade zurück. Aber sie ermutigte ihn auch nie in meiner Gegenwart, wie ich es gerne gesehen hätte. Ich wunderte mich im Stillen über ihre Zurückhaltung. Da ich nach mir selbst urteilte, dachte ich, daß alle Welt diesem so liebenswürdigen Mann gegenüber, den ich so leidenschaftlich liebte, ganz ähnlich wie ich empfinden müsse. Ich brachte es niemals fertig, ihm etwas zu verwehren oder ihm Vorwürfe zu machen. Eines Tages fragte ich Lucette:

„Warum, meine Teure, lieben Sie Papa nicht, wo er doch so von Freundschaft zu Ihnen erfüllt scheint? Wirklich, Sie sind sehr undankbar.“

Sie lachte zu diesen Vorwürfen und versicherte mir, daß sie ungerecht seien. Doch es sollte anders kommen, als ich es erwartet hatte. Eines Abends nach dem Souper zogen wir uns in mein Zimmer zurück. Mein Vater schenkte uns noch einen Liqueur ein, der offenbar die Eigenschaft hatte, den Schlummer zu begünstigen. Ich fühlte mich bald schlaftrunken, obwohl ich nur wenig davon genommen hatte, und kaum daß eine halbe Stunde vergangen war, so schien auch Lucette eingeschlafen zu sein. Mein Vater nahm mich nach einer Weile in seine Arme, trug mich in sein Zimmer und legte mich dort auf sein Bett. Darauf verließ er mich wieder. Ich wunderte mich über dieses neue Arrangement und war im Nu wieder wach. Mit einem raschen Schritt eilte ich zu der Glastür, die unsere Zimmer trennte, und lüftete das Ende des Vorhangs ein wenig, der mir den Blick nach drüben verwehrte. Ich war sehr erstaunt, geradewegs auf Lucettes völlig entblößten Busen zu sehen. Welch schöne Brüste! Zwei Halbkugeln von schneeigem Weiß, auf denen sich zwei reizende, rosig schimmernde Erdbeeren erhoben, bewegten sich im Rhythmus ihrer Atemzüge. Mein Vater betrachtete sie, nahm sie in die Hand, küßte sie leidenschaftlich und begann daran zu saugen. Umsonst, nichts weckte Lucette. Schließlich zog er sie an den Rand des Bettes, und zwar so, daß sie mir zugewandt war. Er schob ihr Hemd nach oben, und ich sah zwei alabasterweiße Schenkel, rund und wohlgeformt. Er zog sie behutsam auseinander, so daß ich ihr hübsches Kraushaar und die rosenfarbene Furche dazwischen sehen konnte. Sanft zog er die rosigen Lippen auseinander und legte die Finger dazwischen. Aber trotz aller Bemühungen seiner Hand blieb sie unbeweglich. Erregt durch den Anblick, der sich mir bot, und durch sein Beispiel belehrt, imitierte meine Hand die Bewegungen, die ich ihn vollziehen sah. Das Resultat war eine Empfindung, die mir bis dahin völlig unbekannt war.

Mein Vater legte Lucette nun auf das Bett zurück und ging dann zur Tür, um sich zu vergewissern, daß sie verschlossen sei. Ich floh ins Bett zurück und stellte mich schlafend. Er kehrte zurück, und ich probierte mein neues Wissen aus, indem ich meine Hand wieder in jene verborgenen Regionen führte. Ich geriet in Glut, und es dauerte nicht lange, so empfand ich ein so leidenschaftliches Vergnügen, daß meine Seele darin hinzuschwinden drohte. Ich versank in einen Zustand, der mir bisher völlig unbekannt gewesen war und den ich deshalb umso eifriger genoß. Als ich aus meiner süßen Betäubung wieder erwachte, stellte ich mit Erstaunen fest, daß ich an einem gewissen Ort ganz feucht geworden war. Das beunruhigte mich für einen Augenblick sehr, doch bald fiel ich in einen erquickenden Schlaf, der durch die angenehmsten Träume versüßt wurde. Das Bild meines Vaters, wie er Lucette liebkost hatte, stand mir noch immer vor Augen, und als ich am anderen Morgen selbst unter seinen Liebkosungen erwachte, gab ich sie ihm mit doppeltem Eifer zurück.

Ich bewunderte die Klugheit dieser beiden schönen Menschen, die sich untertags so außerordentlich zu beherrschen wußten, eine unzweifelhafte Gemeinsamkeit zu verbergen. Ich malte mir aus, wie sie das wiederholten, was ich gestern durch einen Zufall gesehen hatte. Es war mir unmöglich, mich von diesem Gedanken loszureißen. Ich starb vor Begierde, Zeuge dieses Schauspiels zu werden. Du kannst Dir das leidenschaftliche Verlangen, das mich beseelte, wohl ausmalen, meine Liebe. Doch gemach! Der Augenblick, in dem ich alles erfahren sollte, kam unweigerlich näher. Einige Tage nach diesem Ereignis fand ich eine Gelegenheit, meine Begierde zu stillen. Mein Vater war ausgegangen, Lucette beschäftigt. Das gab mir Zeit genug, in Papas Zimmer zu schlüpfen und den bewußten Vorhang so zu befestigen, daß er eine Ecke freiließ. Von diesem Arrangement wollte ich profitieren. Am nächsten Morgen geschah es dann. Mein Vater, der nur einen leichten seidenen Hausmantel trug, zog die gleichfalls nur nachlässig bekleidete Lucette mit sich. Sie waren vorsichtig genug, die Tür zu schließen und den Vorhang zuzuziehen. Doch meine kleine Vorsichtsmaßnahme war erfolgreich. Der bewußte Winkel blieb frei. Ich eilte an die Tür und spähte hindurch. Ich entdeckte Lucette. Ihre Brüste waren völlig entblößt. Mein Vater hielt sie in seinen Armen und bedeckte sie mit Küssen. Dann schienen die beiden von ihrem Verlangen überwältigt. Unterröcke, Korsett, Hemd, alles flog auf den Boden. Oh, wie schön erschien mir Lucette in diesem Zustand, in dem ich sie niemals zuvor gesehen hatte. Sie strahlte die Frische und Anmut der Jugend wider.

Liebe Eugenie, die Schönheit der Frauen ist doch eine wundersame Macht, der sogar wir Frauen uns nicht ganz entziehen können, ja, meine Liebe, sie ist lockend selbst für unser eigenes Geschlecht. Diese sanft gerundeten Formen, der Samt und die reizenden Farben einer gepflegten Haut sind schlechthin unwiderstehlich. Du hast mich in den Armen gehalten und weißt das. Es ist Dir nicht viel anders als mir ergangen. Mein Vater befand sich übrigens in einem ganz ähnlichen Zustand wie jenem, in den er Lucette gebracht hatte, und das war für mich ein völlig neuer Anblick. Er trug sie auf sein Bett, und ich unternahm alle Anstrengungen, die beiden weiter zu beobachten, obwohl das gar nicht so einfach war, weil der Vorhang meine Sicht behinderte. Da sie sich ungestört glaubten, erlegten sie sich nicht die geringste Hemmung auf. Lucette lag auf ihm, ihr hübsches Hinterteil ragte in die Luft, ihre Schenkel waren gespreizt. So ließ sie mich, ohne es zu wollen, die ganze Öffnung ihrer Spalte sehen, die sich dunkel zwischen zwei hübschen Schamlippen hinzog. Diese Situation schien ganz geeignet, meine Neugier zu befriedigen. Mein Vater, dessen Kniee nach oben ragten, präsentierte meinen Blicken ein erstaunliches Objekt: Ein mächtiges Glied, das prall und steif aus dem Haarwald hervorstach, der seine Wurzel umgab. Der Kopf dieses Instruments war rötlich gefärbt und zur Hälfte mit einer Haut bedeckt, die sich anscheinend mühelos zur Seite schieben ließ. Ich sah diesen erstaunlichen Gegenstand in Lucettes Spalte verschwinden und wieder auftauchen. Sie küßten sich, und die Seufzer, die ihren Lippen entflohen, bewiesen, daß sie dabei ein überaus großes Vergnügen empfanden. Schließlich sah ich dieses prächtige Instrument wieder auftauchen. Karmesinrot und ganz feucht von einer weißlich schäumenden Flüssigkeit, die sich ungestüm auf Lucettes Schenkel ergoß. Du kannst dir vorstellen, meine liebe Eugenie, in welcher Situation ich mich befand, mit einem solch eindrucksvollen Gebilde vor Augen.

Leidenschaftlich erregt und von bisher unbekannten Gefühlen durchdrungen, bediente ich mich meiner vorwitzigen Finger, um wenigstens auf diese Weise an einer Lust teilzunehmen, die ich so leidenschaftlich gern in ihrem vollen Umfang erfahren hätte. Es kam, wie es kommen mußte: Meine Unklugheit verriet mich. Mein Vater, der während der verflossenen halben Stunde bestimmt keinen Gedanken an mich verschwendet hatte, entdeckte plötzlich den gelüfteten Vorhangzipfel. Er löste sich aus Lucettes Armen, legte seinen Morgenrock an und näherte sich der Tür. Ich versuchte mich vorsichtig zurückzuziehen. Er untersuchte den Vorhang und entdeckte natürlich mein kleines Manöver. Doch wartete er, bis Lucette sich angezogen hatte. Ich wunderte, mich, wo er blieb, und kehrte, von Neugier getrieben, auf meinen Beobachtungsposten zurück. Wie erschrak ich doch, als ich das Gesicht meines Vaters unmittelbar vor mir auf der anderen Seite des gelüfteten Vorhangs entdeckte. Der Schreck nagelte mich beinahe auf der Stelle fest. Ich wußte nicht, sollte ich bleiben oder fliehen. Ich bemerkte wohl, daß Lucette mit ihrer Toilette fast fertig war. Er kehrte zu ihr zurück und gab ihr Anweisungen für den Haushalt. Sie verließ das Zimmer durch die entgegengesetzte Tür, und ich fand mich mit ihm allein.

Ah, in welchem Zustand befand ich mich! Zitternd und bleich konnte ich nicht verbergen, was mit mir vorgegangen war. Doch mein teurer Vater nahm mich, anstatt zu schelten, in die Arme und überhäufte mich mit hundert Küssen.

„Beruhige Dich, meine teure Laura“, sagte er. „Wie könntest Du auch bei meinem Anblick erschrecken. Fürchte nichts, meine geliebte Tochter! Du weißt wohl, was ich Dir immer gesagt habe. Ich fordere von Dir nichts als die Wahrheit. Ich möchte, daß Du in mir mehr Deinen Freund siehst als Deinen Vater. Wirklich, ich bin nichts als Dein Freund, und ich möchte, daß Du Dir dessen allzeit bewußt bleibst. Darum bitte ich Dich, mein Kind, verschweige mir nichts. Sag mir, was Du durch diesen Vorhang gesehen hast, während ich mit Lucette zusammen war. Ich beschwöre Dich, sag mir die Wahrheit! Du hast keinen Grund, etwas zu befürchten. Doch wenn Du es nicht tust, wirst Du damit rechnen müssen, daß ich Deine Erziehung in einem Konvent beenden lasse.“

Diese Institutionen haben für mich von jeher einen intensiven Schrecken gehabt. Dabei wußte ich doch wenig genug davon. Doch es mußte ein schrecklicher Unterschied bestehen zwischen dem Leben einer solch unglücklichen Eingeschlossenen und dem erfreulichen Dasein, das ich bei meinem Vater führte. Im Übrigen zweifelte ich nicht daran, daß er überzeugt war, ich hätte alles gesehen. Und schließlich — hatte ich denn je ein Geheimnis vor ihm gehabt?

Ich erzählte ihm also von Anfang an alles, und er schien darüber gar nicht böse zu werden. Wirklich, er geriet nicht im Geringsten in Zorn, so genau ich ihm auch die Bilder, die ich gesehen hatte, ausmalte. Vielmehr ermutigte er mich durch seine Zärtlichkeiten, und ich verlor schließlich alle Scheu und sprach ganz offen über jene Dinge, die meine Phantasie so sehr beschäftigten.

„Meine teure Laurette“, sagte er schließlich, „Du hast mir noch nicht alles gesagt.“

Seine Hand ruhte auf meinen Lenden, und seine Lippen berührten die meinen.

„Komm, sag mir alles, versuch nicht, mir etwas zu verbergen.“

Ich gestand ihm, daß ich durch eine gewisse Reibung an meinem Körper versucht hatte, dasselbe zu tun, was ich ihn mit Lucette hatte tun sehen, und daß ich dabei eine Art von Vergnügen empfunden habe, das mir bisher ganz fremd gewesen sei. Auch verschwieg ich ihm nicht, daß ich davon ganz feucht geworden war und daß ich dieses aufregende Spiel seither etliche Male wiederholt hatte.

„Aber, mein teures Kind, als Du gesehen hast, wie ich in Lucette eindrang, bist Du da nicht auf die Idee gekommen, Deinen Finger auf eine ähnliche Weise zu verwenden?“

„Nein, liebster Vater, dieser Gedanke ist mir wirklich nicht gekommen“, versicherte ich ihm.

„Nimm Dich in Acht, Laura, täusche mich nicht, denn Du kannst dies nicht vor mir verbergen. Es ist dies eine sehr ernste Angelegenheit.“

Ich versicherte ihm wahrheitsgemäß und mit allem Nachdruck, daß ich nichts dergleichen getan hätte. Er schien beruhigt und umarmte mich auf das herzlichste. Wir gingen in sein Zimmer, und er legte mich auf sein Bett, zog mich aus und betrachtete mich mit großer Aufmerksamkeit. Seine Hände öffneten die zwei fleischigen Lippen zwischen meinen Schenkeln, und er versuchte mit seinem kleinen Finger dazwischen einzudringen. Ein heftiger Schmerz erfaßte mich, und ich brach in Tränen aus. Er hielt augenblicklich inne.

„Sie ist ganz entzündet, meine teure Kleine. Ich sehe wohl, daß Du mich nicht getäuscht hast. Diese Rötung kommt ohne Zweifel von der Reibung, mit der Du Dich vergnügt hast, während Du mich bei Lucette gesehen hast.“

Ich gestand ihm, daß es mir nicht gelungen sei, dieses Vergnügen zu vervollständigen. Meine Wahrhaftigkeit wird durch einen Kuß an einer höchst merkwürdigen Stelle belohnt. Seine Zunge beginnt mich zu liebkosen und verursacht mir eine köstliche Sensation. Solche Zärtlichkeiten sind für mich neu, und um ihn dafür zu belohnen, tasten meine Hände nach diesem wundervollen Instrument, das ich vorhin gesehen hatte und das sich nun unter seinem Morgenrock bemerkbar macht. Ich nehme es unwillkürlich in die Hand und öffne mit der anderen seinen Hausmantel, so daß ich es sehen kann. Er läßt mich gewähren, und ich habe nun das Vergnügen, dieses kostbare Instrument aus der Nähe zu besichtigen. Oh, wie liebenswürdig und einzigartig erscheint es mir! Ich dachte in diesem Augenblick, daß dies die wahre Triebfeder allen Vergnügens sei. Oh, diese Haut, die sich mit meinen Bewegungen hob und senkte und den Kopf dieses köstlichen Gliedes einmal auftauchen und dann wieder verschwinden ließ! Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich mich nach etlichen Augenblicken, in denen ich dieses heiß pulsierende Instrument in meinen Händen liebkost hatte, von demselben brennenden Tau besprengt fühlte, der die blendenden Schenkel meiner schönen Gouvernante besprüht hatte!

Ich schmolz in leidenschaftlichen Seufzern hin, und er verdoppelte die Zärtlichkeiten, die er mir entgegenbrachte. Das Vergnügen zeitigte in mir die lebhaftesten Empfindungen. Schließlich bereitete er mir eine unerhört köstliche Sensation: Seine Zunge vollführte die Übungen, die sein Finger schon so virtuos durchgeführt hatte. Ich fühlte mich erschöpft.

„Ah . . . mon cher papa. Ich fühle mich sterben . . .“

Halb ohnmächtig lag ich in seinen Armen. Von diesem Tage an wurde alles für mich zu einer Quelle der Erkenntnis. War ich vorher unwissend gewesen, so wuchs mein Wissen nun mit jedem Tag. Es schien, als sei das Instrument, das ich berührt hatte, der wunderbare Schlüssel zu allen Weisheiten der Welt. Mein teurer Vater erschien mir noch einmal so liebenswert, und meine Zärtlichkeit für ihn kannte keine Grenzen. Sein ganzer Körper fand sich bald meinen liebkosenden Händen ausgeliefert. Meine Küsse und Zärtlichkeiten duldeten keine Unterbrechung, und das Feuer, das sie in ihm entfachten, verdoppelte meine Leidenschaft für ihn.

Doch zurück zu jenem denkwürdigen Tag! Er führte mich in mein Zimmer, wohin meine Gouvernante wenige Augenblicke später nachfolgte. Ich wunderte mich, daß er ihr unser Einverständnis sogleich eröffnete.

„Lucette“, sagte er, „es ist unnötig, daß wir uns wegen Laura genieren. Sie weiß alles über uns.“

Er wiederholte ihr, was ich ihm gesagt hatte, und zeigte ihr, was ich mit dem Vorhang gemacht hatte. Sie schien betroffen. Aber ich setzte mich auf ihren Schoß, und meine Zärtlichkeiten beruhigten sie rasch und fegten den kleinen Ärger hinweg, den sie darüber empfand, daß sie so entdeckt worden war. Mein Vater umarmte uns beide und verließ uns. Etwa eine Stunde später kam er wieder, mit einer Frau, die mich völlig entkleiden ließ und von mir gewisse Maße für einen Gegenstand nahm, den ich mir nicht vorstellen konnte.

Als es Zeit zum Schlafen war, legte ich mich wie gewöhnlich neben Lucette zur Ruhe. Aber eine gewisse Unruhe hinderte meinen Vater, seinerseits sein Schlafzimmer aufzusuchen, und schließlich legte er sich zu uns ins Bett. Ich befand mich also zwischen den beiden. Er hielt mich in seinen Armen, legte seine Hand zwischen meine Schenkel und duldete es nicht, daß ich auch meine dorthin führte. Da ergriff ich sein Instrument und war sehr erstaunt, es in einem ganz anderen Zustand zu finden, als ich es zuvor gesehen hatte. Ich wußte natürlich noch nichts von den merkwürdigen Veränderungen, welchen dieses wundervolle Werkzeug unterworfen ist, sondern ich dachte, es bliebe immer gleich groß, stark und schwellend. Es dauerte auch nicht lange, so nahm es unter der Berührung meiner Hand wieder jene Festigkeit und jenen Umfang an, den ich so gut kannte. Lucette, die uns beobachtete, wunderte sich über sein Benehmen und konnte schließlich gewisse Vorhaltungen nicht mehr zurückhalten.

„Wirklich, Monsieur, die Art, wie Sie mit Laurette umgehen, setzt mich in Erstaunen. Sie behandeln das Kind, wie Sie es mit mir zu tun pflegen. Bedenken Sie doch, es ist Ihre eigene Tochter!“

Doch mein Vater ließ sich dadurch nicht aus der Fassung bringen.

„Sie ist es, und sie ist es auch wieder nicht“, gab er zur Antwort.

„Dies ist ein Geheimnis, das ich ihrer Diskretion und der unserer kleinen Laurette anvertraue, in deren Interesse es bewahrt werden soll. Aber die Umstände machen es notwendig, daß ihr darüber Bescheid wißt. Ich kannte ihre Mutter ganze vierzehn Tage, als ich sie heiratete. Schon am ersten Tag entdeckte ich, daß sie schwanger war. Ich sagte mir aber, daß es, nachdem diese Heirat einmal vollzogen war, klüger sei, nichts darüber verlauten zu lassen. Also entführte ich sie in ein kleines, entlegenes Provinznest, wo uns keiner kannte. Nach vier Monaten kam Laura zur Welt und bewies durch ihr gesundes Aussehen und ihre Lebhaftigkeit nur zu deutlich, daß sie keine Frühgeburt war. Ich blieb danach noch sechs Monate in der Provinz und sorgte dafür, daß niemand von dem Mißgeschick meiner jungen Ehe erfuhr. Ihr seht wohl, daß dieses Kind, das mir so teuer ist, eben doch nicht meine leibliche Tochter ist. Sie ist mir dem Blut nach völlig fremd, doch umso teurer wurde sie meinem Herzen. Kein innerer Zweifel kann mich hindern, sie zu lieben, und alle anderen Erwägungen lassen sich nicht mit der Vernunft vereinen, der ich ein Leben lang gedient habe.“

Ich erinnerte mich in diesem Augenblick der Antwort, die er einst auf die Vorwürfe meiner Mutter gefunden hatte. Das also war des Rätsels Lösung! Nun verstand ich auch, daß meine Mutter darauf geschwiegen hatte. Auch Lucette schien von der Tragweite dieser Eröffnung betroffen.

„Aber wie haben Sie mit Ihrer Gattin gelebt, nachdem dies zutage gekommen war?“ wollte sie wissen.

„Ganz einfach, wir waren uns völlig gleichgültig, und bis auf das eine Mal, von dem Laura eben berichtete, haben wir niemals über diesen Vorfall gesprochen. Der Comte de Norval, der leibliche Vater Laurettes, ist ein liebenswürdiger Kavalier, interessant, eine hervorragende Erscheinung und mit allen jenen Eigenschaften begabt, die ihn einer Frau begehrenswert erscheinen lassen müssen. Ich konnte unmöglich erstaunt sein, daß ein junges Mädchen sich von ihm verführen ließ. Andererseits konnte sie ihn nicht heiraten, denn er war ihrer Familie weder wohlhabend noch einflußreich genug. Wenn nun auch Laura nicht meine natürliche Tochter ist, so steht sie meinem Herzen doch so nahe, als ob sie es wäre, ja, vielleicht bringe ich ihr ohne diese natürliche, durch Blut und Herkommen bestimmte Bindung sogar noch eine zärtlichere Zuneigung entgegen. Aber nichtsdestoweniger machte es dieses Ereignis unmöglich, mich ihrer Mutter jemals zu nähern. Ich empfand gegen sie eine sehr starke Abneigung und hätte sie ohne Zweifel verlassen, wenn ich es nicht gescheut hätte, Laurette diesen Schmerz zuzufügen. Ihr Charakter und ihr Temperament waren für mich eine ständige Herausforderung zum Streit, und ich bedurfte oft großer Selbstbeherrschung, dies zu verbergen.“

Meine schöne Gouvernante war von dieser Erzählung fast ebenso betroffen wie ich. Sie umarmte mich zärtlich und erwies mir tausend Artigkeiten, die mir bewiesen, daß sie ihre Bedenken überwunden hatte. Ich erwiderte ihre Liebkosungen auf das lebhafteste, indem ich nach ihren reizenden Brüsten faßte, sie küßte, wie ich es bei meinem Vater gesehen hatte, und an ihren Spitzen zu saugen begann.

Mein Vater — ich nenne ihn noch immer so, obwohl er es ja nicht ist — legte seine Hand auf die meine und ergriff sie, um sie auf dem schönen, sanft gerundeten Leib Lucettes spazieren zu führen. Behutsam glitten meine Finger über Lucettes Schoß und die Innenseite ihrer Schenkel entlang. Ihre Haut war samtig weich. Die starke Hand, die mich führte, lenkte meine Finger, bis sie sich in der Furche zwischen ihren Schenkeln befanden. Ich bemerkte wohl, daß ich ihr Vergnügen bereitete, wenn ich einen bestimmten Punkt berührte, der sich schwellend und hart aus dieser Furche erhob.

„Gut, ausgezeichnet! Laurette, laß Deine Hand da, wo sie ist, und hör nicht auf mit ihrer Klitoris zu spielen, während ich meinen Finger in ihrer hübschen kleinen Grotte spazieren gehen lasse“, ermutigte mich mein Vater.

Lucette zog mich in ihre Arme und liebkoste meinen Hintern. Sie nahm das Glied des Mannes, der uns beiden so teuer war, und führte es zwischen meine Schenkel. Aber er versuchte nicht einzudringen, wie ich es bei Lucette gesehen hatte, sondern verharrte da, warm, groß und schwellend, doch ohne sich zu bewegen. Lucette stieß währenddessen die leidenschaftlichsten Bezeugungen ihrer Wollust aus. Ihre Küsse vervielfachten sich, ihr Atem begann zu fliegen:

„Hola . . . hola! Schnell, Laurette, schnell! Teure Freundin, noch . . . noch! Ah, es kommt mir . . . ich sterbe!“

Oh, wie schmeichelhaft waren diese kleinen Entzückungsschreie der Wollust für mich! Ich spürte, wie sich ihr kleines Tal vom Tau der Lust befeuchtete. Auch die Finger meines Vaters waren ganz feucht von dieser magischen Flüssigkeit. Ah, teure Eugenie, wie erregt ich war! Ich ergriff Lucettes Hand und führte sie zwischen meine Schenkel, in dem leidenschaftlichen Begehren, sie möge mit mir dasselbe tun, was ich zuvor mit ihr getan hatte. Aber mein Vater, der mit seiner Hand meine kleine Grotte bedeckte, hinderte ihre Bewegungen und durchkreuzte so meine Absicht. So wollüstig er auch war, wollte er meine Vergnügungen doch sparsam dosiert wissen. Er mäßigte sein Verlangen und besänftigte meine Ungeduld. So lagen wir lange Zeit ganz still einer im Arm des andern und gaben uns den Nachwirkungen einer angenehmen Trunkenheit hin. Ah, niemals habe ich mehr eine Nacht wie diese erlebt!

2. Kapitel

Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet, die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an, die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen, sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels.

„Meine teure Laura, geliebtes Kind“, sagte mein Vater und schloß mich in seine Arme, „glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande, die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten zu durchkreuzen.“

Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen. Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht, die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen, daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach Kräften unterdrückt.

Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen. Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis, in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt. Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte. Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm:

„Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu handeln, wie Sie es taten!“

Mein Vater zog mich in seine Arme.

„Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun. Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden entstehen. Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein, schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs, Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit sterben.“

Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten.

„Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt“, fuhr mein Vater fort, „und bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt sind.“

Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen.

„Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was Sie mir verweigern?“

„Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine Art von sinnlicher Raserei entfacht werden. Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben, beachten diesen Punkt viel zu wenig.Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und zeugungsunfähig. Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht, soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt verschiedene Mittel dazu. Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend. Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen. Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als gegen Dich.“

„Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe, werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück, denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht befriedigen kann.“

„Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast. Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe. Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.“

Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich, weitere an ihn zu stellen. Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte.

„Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur die Schlafende?“ wollte ich wissen.

„Ganz und gar nicht, meine Liebe“, versicherte mein Vater. „Sie hat wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette, sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern, ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte, sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst erwünscht erscheinen. Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete sie — angespornt von ihrem eigenen Verlangen — ihre Schenkel und bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie — ganz und gar nicht egoistisch — teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht enttäuschen?“

„Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber. Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?“

„Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus. Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses glauben. Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen. Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten, sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten. Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind empfangen könnte.“

Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene, die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein kleines Beispiel dafür berichten. Er fragte mich eines Tages:

„Kannst Du, meine geliebte Laura, in der Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt, und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu verändern. Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich, daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen. Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen. Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen? Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen. Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die Probleme des Lebens. Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten könnten?“

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