Kitabı oku: «Opa, wie funktioniert das Internet?»
HORST RITTENBRUCH
Opa, wie funktioniert das Internet?
Opa Horst und Enkel Nico
sprechen über das Computernetz
und das World Wide Web
Eine Einführung für Jung und Alt

© 2014 unibuch Verlag bei zu Klampen!
Röse 21 · 31832 Springe
www.unibuchverlag.de
Umschlaggestaltung, Satz: thielen VERLAGSBUERO · Hannover
Bildmotiv/Illustration: Nicolas Grätz
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014
ISBN 9783934900318
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im
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Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Vorwort und Dank
Auftakt
1. Netze
1. 1. Telefonnetze
1. 2. Computernetze
1. 3. Internet
2. Computer
2. 1. Hardware
2. 2. Eingabe- und Ausgabegeräte
2. 3. Speicher
2. 4. Die Schalter
2. 5. Das Betriebssystem
2. 6. Programme
2. 7. Die Kommunikation zwischen Computern
2. 8. Die Datenorganisation
3. Nachtrag
4. Das World Wide Web
4. 1. Einführung
4. 2. Überblick
4. 3. Der Eintritt in das Internet
4. 4. Die Adressen der Server und der Dokumente
4. 5. Hypertext
4. 6. Google und Co
4. 7. Anwendungen im Internet
5. Web 2.0
6. Zusammenfassung und Ausblick
Literatur
Über den Autor
Vorwort und Dank
Wenn man das Glück hatte, in einem aufregenden technologischen Umfeld zu arbeiten, bleibt dieses auch nach dem Ende des beruflichen Wirkens im Visier.
Wenn man das Glück hat, aufgeweckte Enkel betreuen zu dürfen, erzählt man natürlich von diesem Umfeld, das auch die heutige Generation stark beeinflusst.
Wenn man gelernt hat, mit Textverarbeitungsprogrammen zu arbeiten, ist es keine Mühe, Gelerntes und Erzähltes auch bei vielen Korrekturen und Ergänzungen elektronisch festzuhalten.
Wenn man einen zeichnerisch begabten Enkel hat, entstehen zu dem Geschriebenen spaßvolle erklärende Bilder.
Wenn man eine Tochter hat, die als Journalistin tätig ist, findet man Unterstützung zur Gestaltung und Herausgabe eines Buches, in dem auch einige autobiographische Anmerkungen Platz finden.
Wenn man eine Frau hat, die einem Zeit und Gestaltungsraum für die Arbeit an einem solch interessanten Thema gibt, findet man Ruhe und Muße zur Ausarbeitung.
Wenn man einen Sohn hat, der im gleichen technologischen Umfeld arbeitet, wird man allein durch Diskussionen mit ihm auf dem neuesten Stand gehalten.
Wenn das alles gelungen ist, soll Dank all diesen beteiligten Mitgliedern der Familie ausgesprochen werden.
Solange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln.
Wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel.
Aus Indien
Auftakt
Mit sieben Jahren, er hatte gerade ein wenig lesen gelernt, besuchte uns Enkel Nico. Wir kauften Zirkuskarten, weil er ein großer Tierliebhaber und Freund von Clowns ist. Vorher wollte er über den Zirkus Näheres wissen und bat den Opa, einmal im Internet zu surfen. Als Datenverarbeitungsopa, der ich vor über fünfzig Jahren bereits Großcomputer programmiert habe, war ich durchaus in der Lage, entsprechend zu googeln. Was mich aber überraschte, war die Reaktion des kleinen Bengels. Obwohl er kaum richtig lesen konnte, erklärte er mir, wie das doch alles viel besser und schneller gehen könnte. Flugs hatte er die Zirkus-Seite mit den entsprechenden Videos aufgerufen.
Schlagartig wurde mir klar, wie tief das Internet bis in alle Altersschichten eingedrungen war, wie einfach jeder damit umgehen kann und was es alles leistet.
Einige Jahre später, die Eltern hatten inzwischen einen Tablet-PC, kam Nico – nun bereits auf dem Gymnasium – auf mich zu und sagte:
Opa, du hast doch viel mit Computern gearbeitet. Kannst du mir nicht mal erklären, wie das Internet funktioniert?
Nun, Nico, das Internet ist zunächst einmal ein großes Netz, mit dessen Hilfe du nahezu alles an Informationen aus allen Computern auf der Welt holen kannst. Du kannst surfen und mit allen möglichen Leuten kommunizieren. Da gibt es Hardware, das sind Millionen Router, Clients und Server, die durch ein die ganze Welt verbindendes Netz aus Kupfer- und Glasfaserkabeln verkoppelt sind, erweitert um Erdfunkstrecken und Satellitenfunkstrecken. Es gibt eine mehrschichtige Software, die Datenpakete automatisch vom Sender zum Empfänger schickt. Und es gibt unzählige durch »Hyperlinks« verknüpfte Informationsfelder.
Das versteht doch kein Mensch, Opa! Das sieht nach einer Definition im Lexikon aus. Ich möchte wissen, wie das wirklich funktioniert, was dahinter steckt. Wie geht das mit den Computern, wer ist der Google, wieso klappt das in einem so großen Netz über die ganze Welt? Warum geht das alles so schnell und wer bezahlt diese ganze Entwicklung? Und das möchte ich bitte in einer Sprache erklärt bekommen, die ich auch verstehe.
Mir wurde klar: Ich muss mein in Jahren erworbenes Wissen über all diese Dinge strukturieren und so darstellen, dass ohne große Vorkenntnisse Schritt für Schritt in diese phantastische Internet-Welt spaziert werden kann. Also verabredete ich mit meinem Enkel, dass bei jedem Treffen ein Kapitel dieses umfangreichen Themas behandelt werde.
Nebenbei empfand ich diese Lehraufgabe als eine schöne Möglichkeit, vieles von dem zusammenzutragen, was ich in langer Berufstätigkeit gelernt, erarbeitet und angewendet habe. Also sollten diese Informationsrunden auch ein wenig Autobiographisches enthalten und dem Enkel sowie der übrigen Familie einen kleinen Einblick darin geben, was mich an meinem Beruf so fasziniert hat.
Also Nico, es geht los. Wir sprechen über Netze. Wie sind die aufgebaut, wie kommt man über sie überall hin und wie kommt man in sie hinein? Da sich im Netz Millionen von Computern befinden, muss ich dir erklären, was ein Computer eigentlich ist, wie er funktioniert und wie er sich im Netz verhält. Da das alles mit Strom läuft, müssen wir auch lernen, wie der Strom sich die vielen Informationen schnappt und überall hin- und herschickt und wie das mit den Speichern ist.
Danach kommen wir in unser eigentliches Thema. Wie findet man im Internet alles, was man sucht? Damit wir uns in den vielen Texten, Bildern und der Musik zurechtfinden, müssen wir lernen, wie die Verbindungen aufgebaut werden und mit welchen Techniken wir es dabei zu tun haben.
Das geht bis zu den sogenannten Suchmaschinen. Das Internet erstreckt sich über die ganze Welt, also muss man eine gemeinsame Sprache finden, damit sich diese unterschiedlichen Techniken verstehen.
Wie in der Diplomatie, also im Umgang der Nationen untereinander, Regeln gelten, die man Protokolle nennt, so gibt es auch technische Protokolle oder Vereinbarungen für das Zusammenwirken der Netz- und Computertechnik. Die Grundprinzipien dazu musst du kennen, wenn du die Basis des Internets verstehen willst.
Wir haben jetzt für viele Monate unser Programm. Du stellst die Fragen und ich versuche, sie zu beantworten.
1. Netze
1.1. TELEFONNETZE
Opa, ich kann etwas Englisch: Internet heißt doch Netz, nicht wahr?
Nicht ganz richtig, Nico. Man versteht unter Internet noch viel mehr, nämlich neben dem technischen Netz noch die Methoden oder Anwendungen, mit denen man in den Netzen herumreisen kann. Vielleicht hast du schon einmal vom WWW, dem World Wide Web, gehört oder bei Papa E-Mails gelesen. Das gehört auch dazu und ist Gegenstand des zweiten Teils unseres Gespräches.
Na klar, habe ich davon gehört. Papa und Mama reden dauernd darüber. Immer müssen sie erst ihre E-Mails lesen, bevor der Tag richtig beginnt. Wie das alles im Kern funktioniert, das mir zu erklären, dazu fehlt Ihnen die Zeit. Möglicherweise wissen sie es nicht einmal genau.
Deswegen sitzen wir zusammen, Opas haben für ihre Enkel immer Zeit. Also, es geht los mit dem Netz, das wir auch von der Spinne kennen. Viele Ecken und Enden sind miteinander verbunden; wichtig ist dabei, dass man mindestens auf zwei Wegen von einem zum anderen Punkt kommt. Es könnte ja mal eine Verbindung, also ein Knoten oder eine Leitung gestört oder kaputt sein.
Das ist doch nichts Besonderes, das gibt es mit dem Telefonnetz schon lange. Damit kann ich in der ganzen Welt herumtelefonieren und das heute ohne Leitung, denn wir sprechen meistens inzwischen mit dem Handy.
Richtig, Nico, das Telefonnetz ist die Basis für alles, was wir besprechen werden, was uns zum Verständnis des Internets führt. Sicher weißt du, dass jeder Telefonanschluss eine Nummer hat und auch eine Vorwahlnummer für die Orte und zusätzlich für die Länder. Diese Nummern führen zu sogenannten Vermittlungsstellen. Die stellen die Weichen, wohin die Verbindung geschaltet werden soll. Als man noch nicht die Techniken für das Schalten hatte, machte dies das »Fräulein vom Amt«. Früher hat man die Telefonscheibe gedreht, dann wusste der Strom, welche Zahl man wollte. Heute tippt man die Ziffern ein. Das ergibt unterschiedliche Stromsignale, die als Zahlen verstanden werden und die Schaltung aufbauen.
Wie kann denn aus der Sprache beim Telefonieren Strom werden?
Die Sprache wird beim Telefonieren in unterschiedliche Stromsignale übersetzt. Du weißt sicher, dass die Sprache Schallwellen sind, also Druckwellen in der Luft. Diese Druckwellen bringen beim Auftreffen auf das Trommelfell oder die Membran eines Mikrofons Schwingungen hervor. Das Mikrofon erzeugt einen Stromfluss, dessen Spannungsschwankungen den Druckschwankungen der Schallwellen entsprechen. Dieses Wellenmuster kann auch, wie du sicher schon erlebt hast, auf einem Tonband oder in Tonrillen gespeichert werden. Wenn man mehrere tausend Mal pro Sekunde diese Spannungen misst, und diesen Messwerten eine Zahl zuordnet, dann hat man Töne in Zahlen ausgedrückt. Ein Bild zeigt dir, wie das in etwa aussieht.

Abb. 1 Digitalisierung
Ich habe mal vom digitalen Telefonieren gehört, ist das etwas anderes?
Nein, das ist genau das, was ich gerade beschrieben habe. Diese Stromschwankungen werden im Telefonhörer wieder in die Sprache zurückversetzt. Man baute sozusagen kleinste Stufen für die Lautstärke und die Tonhöhe, für die man Zahlen definierte. Zahl oder Stelle heißt im Englischen digit. Daher kommt der Begriff digital, wenn es nicht stufenlos, sondern in durch Zahlen gesetzte Schritte rauf und runter geht. Ansonsten nennt man die Signale analog.
Und was ist analog?
Analog ist die Eigenschaft einer Sache, sich im Hinblick auf die Größe oder Stärke nicht schrittweise, sondern kontinuierlich zu verändern. Zur Verdeutlichung nimm eine Tür. Analog ist sie »ein wenig« oder »fast halb« auf oder »nahezu« geschlossen. Ein anderes Beispiel ist der Dimmer, dessen Einstellung sich stufenlos ändern lässt. Neulich habe ich einen anderen Vergleich gelesen: Analog ist wie ein Wasserstrahl, mit kontinuierlichen Schwingungen, digital wie ein Maschinengewehr, das einzelne Impulse erzeugt. Digital kann man nur sagen, die Tür ist offen oder geschlossen. Diese digitalen Zustände sind eindeutig definiert, deswegen kann man sie mit Zahlen belegen. Offen oder geschlossen kann man auch mit nur zwei Zahlen belegen, zum Beispiel mit 0 oder 1. Auf diese Art der Darstellung kommen wir zurück, wenn wir uns mit den Computern beschäftigen.
Du hast früher erzählt, dass ihr in eurer Firma bereits in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also vor vierzig Jahren Datenfernverarbeitung betrieben habt, als man noch nicht digital telefonieren konnte. Wie habt ihr denn das hingekriegt?
Das hast du dir gut gemerkt, Nico. Das war genau die Problematik. Die Computer, das werden wir bald sehen, können nur mit digitalen Daten zurechtkommen, während die Telefone und die dafür erforderlichen Leitungen analog arbeiteten. Also mussten die Signale und die Daten umgesetzt werden. Dafür hatten die Ingenieure eigene Geräte entwickelt, sogenannte Modems. In sich ganz schön raffinierte Geräte; wenn du so willst, waren das auch kleine Computer. Zu Anfang konnte man damit nur ganz langsam arbeiten, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts konnten wir lediglich pro Sekunde so an die 1200 Zeichen über die Leitungen jagen. Vielleicht hast du gehört, dass man heute Millionen Daten pro Sekunde schafft, wenn man zum Beispiel an die Leistungen des Kabelfernsehens denkt. In der gesamten Internetwelt hat sich technisch ein unglaubliches Wachstum abgespielt.
Kann man das nicht auch umgekehrt sehen, Opa? Hat sich das Internet vielleicht so gewaltig entwickelt, weil man immer schnellere und größere Möglichkeiten hatte, Daten zu verarbeiten?
Damit wirst du wohl recht haben, Nico. Die Daten, die wir auch damals schon über die Leitungen geschickt haben, hatten zumeist kaufmännische Bedeutungen, mit denen zum Beispiel Rechnungen geschrieben wurden. Daher mussten die Methoden zur Übertragung natürlich sicher sein, es durften keine Zeichen verloren werden, wenn die Leitung etwa nicht stabil war. Die Modems an beiden Enden der Leitung prüften durch Programme, ob alles richtig angekommen war. Ich sagte dir, dass diese Geräte kleine Computer waren. Wenn die Prüfungen Unregelmäßigkeiten zeigten, wurden die Daten noch einmal übertragen.
Wie kann man prüfen, ob die Übertragung richtig und vollständig war?
Man bildete aus den Daten Summen, die zu Kontrollzwecken am Anfang und Ende der Übertragung errechnet und abgeglichen wurden.
Also hattet ihr damals auch schon ein Netz für die Datenübertragung?
Stimmt so gesehen schon, wir benutzten das Telefonnetz in seiner damaligen Form. Später wurden die Leitungen schneller, wir nannten sie »dicker«, weil mehr Stromimpulse pro Sekunde auf die Reise geschickt werden konnten. Da wir Wachstum hatten und mit den Daten immer mehr zusätzliche Anwendungen programmierten, wurden die Datenmengen immer größer. Da die Bildschirme an entfernten Orten immer mit dem Computer verbunden sein mussten, haben wir fest geschaltete Leitungen benutzt, sogenannte Standleitungen zwischen den Standorten überall in Europa und dem zentralen Rechner in Hannover. Diese fest verbundenen Leitungen standen nur uns und unseren Kunden zur Verfügung, da konnte uns keiner dazwischenfunken. Wenn eine solche feste Leitung kaputt war, wenn etwa im Neubaugebiet ein Bagger die Leitung in der Erde hochriss, dann ging nichts mehr. Daher musste man über eine Ersatzleitung verfügen, die man im Notfall schaltete. Dieser Gesichtspunkt ist für das Internet von erheblicher Bedeutung, wie wir noch sehen werden.
Wenn ich das richtig verstehe, ist das Internet also doch schon sehr alt?
Wenn wir den technischen Teil des Internets betrachten, dann hast du recht. Die Anfänge dazu gab es bereits vor fünfzig Jahren. Denke aber bitte daran, dass das Netz nur ein Teil des Internets ist. Die heute so populären Anwendungen über das Netz kamen erst so ab 1990. Um das Netz so zu realisieren, wie wir es heute kennen, mussten die Ingenieure viel Entwicklungsarbeit leisten. Es kamen immer neue, schnellere Geräte auf den Markt. Die Bildschirme waren zu Anfang »dumm«, das heißt, sie hatten keine eigenen Programme. Dann kamen die PCs, schließlich, das siehst du heute, die iPhones. Und was das bedeutet, wird Gegenstand unserer nächsten Runde sein.
1.2. COMPUTERNETZE
Und worum geht es heute, Opa?
Jetzt nähern wir uns dem eigentlichen Internet. Dazu gibt es einen guten Vergleich, den du in vielen Büchern über das Internet findest. Stell dir vor, die Welt besteht aus ganz vielen Millionen Inseln, auf denen es Verkehrsnetze mit Straßen, Eisenbahnen, Brücken und vielen kleinen Wegen gibt. Auf all diesen Inseln gibt es Banken, Bibliotheken, Büros, Fabriken, Schulen und vieles andere mehr. Wenn du überall hinkommen willst, benötigst du ein Wegenetz von einer Insel zur anderen und auf den Inseln selbst und einen zweiten Weg, falls mal eine Straße oder eine Brücke nicht zur Verfügung steht. Dieses Wegenetz ist sozusagen die technische Basis. Nun musst du die gesuchten Stellen aber auch finden. Also muss beschrieben sein, was sich wo befindet, und es muss Navis geben, um dahin zu finden und es muss Systeme geben, mit denen man herauskriegt, welche Akte oder allgemeiner, welches Dokument sich in welcher Institution befindet.
Klar, Opa, das verstehe ich im Prinzip schon. Ein Navi hat Papa in seinem Auto oder auch in seinem Tablet-PC. Jetzt muss ich mir anstelle der Wege die Leitungen und anstelle der Kreuzungen die Knoten aus Computern vorstellen, nicht wahr?

Abb. 2 Inselwelt
Ganz richtig, Nico, wir können den Vergleich aber noch erweitern. Du hast Opa vor einiger Zeit einen Brief geschrieben. Damit die Post weiß, wohin der Brief transportiert werden soll, hast du Opas Adresse auf den Umschlag geschrieben, nämlich den Ort, die Straße und zusätzlich die Hausnummer. Damit es noch einfacher geht, hat die Post sich dazu eine Leitzahl ausgedacht. Damit kann man die Post vorsortieren, damit der erste große Postberg in der Sammelstelle für die verschiedenen Bereiche verkleinert wird. Damit die Post weiß, woher der Brief kommt, hast du sicher deine Adresse angegeben. Es könnte ja sein, dass irgendetwas schief geht und der Brief zurück muss.
Was passiert, wenn in einem Haus mehrere Familien wohnen?
Na, Nico, das ist wohl klar, dann muss es mehrere Briefkästen geben, willst du mich etwa aufs Glatteis führen? Eine Eindeutigkeit kann ich erzielen, indem ich eine zusätzliche Ebene einführe.
Kommen wir zurück zu unseren Inseln und den vielen Institutionen darauf und ersetzen sie durch die Millionen von Computern, wobei auch die Knoten letztlich Computer sind, wie du richtig vermutet hast. Dann bilden, wie du richtig gesagt hast, die Leitungen die Straßen und fertig ist das Netz. Natürlich benötigen wir jetzt auch die Adressen und Absenderangaben. Dabei nutzen uns aber nicht die üblichen Postadressen, alle diese vielen Computer müssen eine unverwechselbare Kennnummer haben, die man auch Adresse nennt. Wegen der riesigen Computeranzahl, im Netz befinden sich bereits über eine Milliarde Computer, ist die Adresse sehr groß, sie besteht natürlich aus Zahlen. Einzelheiten dazu behandeln wir im zweiten Teil, wenn wir uns mit der Anwendung beschäftigen. Einen so gewaltigen Nummernberg kann sich keiner merken.
Im Handy habe ich die Telefonnummern mit den Namen gespeichert. So wie ihr früher brauche ich mir die Nummern schließlich nicht mehr zu merken. Das nennt ihr wohl technischen Fortschritt? Da wird die Technik mit den Computernummern wohl auch so etwas hinkriegen. Außerdem finde ich beim googeln ohnehin alles, was ich suche, ohne dass ich deinen Nummernberg durchflöhen muss, oder?
Donnerwetter Nico, jetzt bist du schon weit vorgeprescht. Überlege mal, wie kommt die Telefonnummer mit den Namen in euer Handy?
Aber Opa, das ist wirklich eine einfache Frage, die hat Papa natürlich eingetippt. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, wie das im Internet passiert, aber eins ist mir klar: Am Anfang muss das irgendjemand eintippen oder vielleicht auch mit technischen Geräten lesen.
Sehr gut, ich freue mich, dass du so gut mitdenkst. Wie das geregelt wird, ist wieder Teil zwei, denn da sprechen wir über die Anwendung. Hier halten wir fest, dass es eine einheitlich aufgebaute, aber natürlich für jeden Computer eine andere Nummer oder Adresse gibt.
1.3. INTERNET
Bisher haben wir uns in bekannten alten Bahnen bewegt; nun wird es langsam spannender, aber zunehmend auch etwas komplizierter. Wir erinnern uns, dass es überall Computer gibt: in allen Firmen, Behörden, Schulen und und und. Alle diese vielen Computer sind in einem internen Netz zusammengeschaltet. Dazu kommen die PCs und Handycomputer. Nach Angaben der Gartner Group, einer Beratung für Computereinsatz gibt es im Jahre 2013 fast zwei Milliarden Smartphones, 200 Millionen Tablet-PCs und über 300 Millionen PCs, wobei inzwischen mehr Tablet-PCs als PCs verkauft werden. Alle wollen miteinander verbunden und permanent im Netz aktiv sein. Die internen Netze werden nach und nach mit den externen Netzen verbunden. Kein Nutzer will lange Wartezeiten, alle wollen unabhängig von der Entfernung in der ganzen Welt überall herumspringen. Wir haben schon gelernt, dass es immer mehrere Wege geben muss, weil es bei jeder Technik manchmal Ausfälle gibt. Natürlich müssen auch die Computer, die du besuchst, einen Ersatz – technisch sagen wir ein Backup – in Gang setzen, wenn sie mal nicht mehr funktionieren.
Ich erinnere mich, dass du mal erzählt hast, dass ihr in eurem Rechenzentrum zwei Großrechner und auch zwei Netzrechner für die Steuerung der Leitungen hattet. Wenn der Strom ausfällt, läuft aber trotzdem nichts und dann?
Dann haben wir eine kurze Zeit mit großen Batterien weiter gearbeitet, die automatisch den Strom lieferten, so lange, bis wir unser Notstromaggregat angeworfen hatten. Die wichtigen Rechner im Netz müssen alle so abgesichert sein. Deswegen sind in den letzten Jahren riesige Rechenzentren entstanden. Wenn bei dir zu Hause der Computer kaputt ist, ist das vielleicht nicht ganz so schlimm. Oder doch? Inzwischen hat man sogar durch Gerichte festgestellt, dass das Internet zum täglichen Leben gehört.
Ein Ausfall kann zu Ansprüchen an den Netzbetreiber führen. Nun haben die Ingenieure bei der Telekom und den anderen Netzanbietern noch ein Riesenproblem. Sie wissen niemals, wie viele Daten durch das Netz jagen und wie viele oder wie starke (dicke) Leitungen benötigt werden und wie sie überall eventuell eine Ersatzleitung zur Verfügung stellen können. Bei der zu Anfang erwähnten Leitungsvermittlung wird zwischen den Teilnehmern eine Leitung geschaltet und bleibt solange bestehen, bis das Telefonat oder auch die früher übliche blockweise Datenübertragung beendet ist. Dabei gibt es ja auch nur kurze Sprechpausen. Bei der Datenkommunikation ist das völlig anders. Es gibt mal eine riesige Datenmenge, dann wieder nur sehr wenige Übertragungen. Die Leitungen wären möglicherweise ganz schlecht ausgelastet oder überlastet. Es gibt eventuell riesige Stauprobleme.
Dann bräuchte man, könnte ich mir denken, so etwas wie ein Verkehrsleitsystem.
Richtig, Nico. Es kommt aber noch ein anderes Moment hinzu. Die ersten Rechnernetze entstanden in den USA zwischen den Computern in den Universitäten im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Darin sollte natürlich keiner lauschen, also arbeitete man zusätzlich an Verschlüsselungssystemen. Und so ging 1969 eine erste Lösung dieser Probleme in Betrieb, die man »Arpanet« nannte und die heute als Keimzelle für das Internet gilt. Ingenieure sind oft sehr erfinderisch. Herausgekommen ist eine tolle Lösung, die man Paketvermittlung nennt.
Macht man dabei aus all den Daten etwa Pakete?
So ist es. Diese Technik ist im Kern sehr kompliziert, im Prinzip ähnelt sie der Paketauslieferung der Post, daher auch der Name. Die Post muss in Deutschland täglich mehrere Millionen Pakete über das ganze Land verteilen und bündelt sie in den einzelnen Regionen nach Transportrichtungen. Dann werden die Pakete mit großen Lkws in die über das ganze Land verteilte Unterzentren transportiert, dies zumeist über die schnellen Autobahnen. Wenn die Autobahn wegen eines Unfalls gesperrt ist, gibt es, wie du bestimmt schon erlebt hast, eine Umleitung. Das geht häufig über kleine Straßen, die auch anschließend benutzt werden müssen, wenn die Pakete in die kleinen Orte und in die Straßen gebracht werden müssen. Dazu werden die Pakete neu sortiert und mit kleineren Auslieferungswagen zur endgültigen Adresse gebracht. Also: In den großen und kleinen Verteilstellen werden die Adressen (meistens natürlich technisch) gelesen und die Pakete über Sortiermaschinen und Förderbänder auf die bereitstehenden Lkws transportiert. Dieses wird heute natürlich alles über Computerprogramme gesteuert, ich habe viel damit zu tun gehabt.
Diese Verfahren haben sich die Netzingenieure und Telekomexperten als Vorlage genommen und sich überlegt, wie man die zu transportierenden Daten in Pakete, also in kleine Abschnitte aufteilen kann und mit welchen Steuerungsprogrammen die Teildaten, also die Pakete durch das Netz gejagt und wie sie wieder zusammengesetzt werden können.
Gibt es im Netz auch Zwischenlager oder Unterzentren wie im Paketdienst?
Gibt es. Die Datenpakete werden unabhängig voneinander über ganz verschiedene Zwischenstationen zum Empfänger geleitet. Bei jedem Stopp wird die Empfängeradresse des Paketes gelesen und mithilfe einer Routingtabelle geprüft, auf welcher Strecke das Paket die nächste Station am schnellsten erreichen kann.
Opa, das ist sicher wieder die gleiche Logik wie beim Navisystem, nicht wahr?
Genau. Die Paketvermittlung benutzt also keine fest geschalteten Leitungen wie wir das früher bei stark benutzten Wegen gemacht haben. Sie sucht sich immer neue freie Wege. Das geht auch deswegen so gut, weil die Datenautobahnen mehrere Übertragungen gleichzeitig bewerkstelligen können.
Es ist klar, dass all diese Pakete Absender und Adresse benötigen, damit sie im Ankunftsort wieder zusammengesetzt werden können und, falls ein Fehler auftritt, zurück zum Absender geleitet werden können. In diesem Fall wird ein neuer Absendeversuch gestartet. Wenn eine Leitung die vielen Datenpakete nicht mehr schafft, errechnet ein Computer eine Umleitung, also eine neue Route. Daher heißen diese speziellen Computer auch Router. Sie befinden sich in den Knoten.
Das klingt sehr einfach, wenngleich ich ahne, dass dahinter sehr ausgeklügelte Programme stehen. Die vielen Computer und die Netze sind nicht alle gleich, wenn ich zum Beispiel an japanische Entwicklungen denke, wie kriegt man das denn übereinander, das heißt, wie verstehen sich die unterschiedlichen Techniken?
Nico, erinnerst du dich an die Diplomatie und deren Protokolle? Es ist äußerst mühsam, die vielen Techniker in den vielen Ländern zusammenzubringen, damit sie sich auf einheitliche Verfahren einigen. Techniker sind keine Politiker, also kriegen sie eine Lösung der Probleme über die Grenzen hinweg besser und schneller zustande. Ein internationales Protokoll für Datenpaketnetze ist nach langen Diskussionen in den Organisationen der Internationalen Fernmeldeunion unter der Leitung der UNO entstanden. Das war im Jahre 1976.
Und wer betreibt das riesige Netz? Ist das die Telekom?
Zum Teil schon. Die Telekom betreibt ein großes eigenes Netz, das wiederum nur ein Teil des riesigen Internets ist. Das Netz der Netze, das ist ja das Internet, wie du weißt, wird von keiner eigenen Organisation betrieben. Nur die Standards werden von privaten Gruppen gesetzt. Du kannst das auch so formulieren: Das Internet ist ein Chaos ohne eigene Verwaltung und funktioniert trotzdem. Es ist ein sich selbst organisierendes System oder ein freiwilliger Zusammenschluss unterschiedlicher Netzwerke von Firmen, Behörden, Instituten, Telekomunternehmen, Informationsdiensten und sonstigen Organen. Es ist dies die reinste Form elektronischer Demokratie.
Also läuft das ohne Mitwirken der Politik?
Im Prinzip schon. Wir werden später über das Schützen der vielen Daten sprechen, die überall im Netz herumschwirren. Da ist die Politik gefordert. Kehren wir nun zurück zum Telefonnetz.
Wie alle Telefone eine Nummer haben, gilt das dann natürlich auch für alle Computer, wenn sie sich im Netz befinden, wie wir schon gehört haben. Diese Nummer ist natürlich ziemlich lang, weil es eben Millionen Computer und noch vielmehr Kleincomputer, also Handys oder Tablet-PCs in der Welt gibt.
Opa, du hast doch einmal erzählt, dass du die Uni gewechselt hast, weil es in der neuen Uni einen Computer gab. Waren denn damals die Computer ganz seltene Exemplare?
Das war in der Tat so, Nico. Anfang der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts glaubte man sogar, dass es auf der ganzen Welt nur eine Handvoll Computer geben wird. Zehn bis zwanzig Jahre später hatten dann doch viele Hochschulen einen Computer. Das waren riesige Schränke mit gewaltigen Klimaanlagen, weil der Strom die damaligen Bauteile so sehr erhitzte. Einer der ersten großen Universalcomputer mit dem Namen ENIAC aus dem Jahre 1947 war dreißig Meter lang und hatte einen Stromverbrauch wie heute 15 000 PCs. Er bestand aus 17 000 Röhren. Wenn wir also heute feststellen, dass es Milliarden Computer gibt, muss man sagen: Das war damals eine gewaltige Fehleinschätzung.
Damit man mit diesen Computeradressen überhaupt umgehen kann, gibt es dafür Namen, die man sich viel besser merken kann, die es natürlich auch nur einmal geben darf. Man nennt diesen Namen auch Internetadresse, beispielsweise FC Bayern für deinen Lieblingsverein. Dahinter kommt dann noch .de, woraus man erkennen kann, dass diese Adresse aus Deutschland kommt. Davor findest du weitere Bezeichnungen wie http://www. Das ist für technische Identifizierungen erforderlich, dazu erzähle ich später noch eine ganze Menge.
Das klingt in der Tat alles sehr technisch, normalerweise braucht man das nicht zu wissen. Über Google finde ich schließlich alles ohne diese Adressen. Das ist viel einfacher.
Aber Nico, du wolltest doch wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt, denn bevor Google seine wirklich großen Fähigkeiten ausspielt, muss die Basis gelegt werden, um die wir uns hier kümmern.
Ich verstehe das Netz jetzt schon ganz gut, vor allem nach deinem Vergleich mit den Inseln und Brücken und Straßen mit den Häusern. Wenn die Daten durch das Netz flitzen, ist das sicher so ähnlich wie mit dem Auto- und Bahnverkehr. Das muss geregelt werden durch Ampeln, durch Umgehungsleitungen bei Staus und Fahrpläne bei den Bahnen, damit nicht alle Züge gleichzeitig auf die Schienen kommen.
Sehr gut beobachtet, Nico, das ist ganz wichtig. In diesem Netz muss es ein Navi geben. Es muss gezählt werden, wie viele Daten sich im Netz befinden, damit die Daten so gesteuert werden, dass es keine Staus gibt und dass möglichst viele Daten über die Datenautobahnen geleitet werden. Du erinnerst dich, das sind die dicken Leitungen. Diese Steuerungen werden erledigt durch ganz spezielle Computer, die Router, von denen ich vor kurzem gesprochen habe. Das kannst du dir sicher gut merken. Vielleicht hast du schon mal mitgekriegt, dass die Firma, in der Papa arbeitet, die Router und dabei vor allem die Steuerprogramme entwickelt hat, sie heißt Cisco.
Jetzt weiß ich endlich ein wenig, was ein Router ist. Kann ich das mit einer Weichenstellung bei der Eisenbahn vergleichen?
Das ist gut erkannt, Nico. Wir haben gelernt, dass die einzelnen Pakete ihre gesamten Steuerinformationen mit sich schleppen. In denen steht, woher die Pakete kommen und wohin sie gehen, damit kann der Knotencomputer die Weichen stellen. Er kann die Pakete auch in Warteräume schicken, wenn zu viele Pakete gleichzeitig anmarschieren. In der Computerwelt nennen wir das Puffern. Diese Paketvermittlung ist ähnlich der Sendungsverfolgung, die von Speditionen oder, wie man heute sagt, Unternehmen der Logistikbranche eingerichtet worden ist, um den Kunden immer sagen zu können, wo sich ihr Paket oder die Wagenladung gerade befindet und wann sie voraussichtlich ankommt.
Eines habe ich nun überhaupt nicht verstanden. Der PC, mit dem man ins Internet geht, ist mit dem Telefon verbunden. Das leuchtete mir ein, doch meine Eltern gehen fast immer mit ihrem Handy, also Smartphone, ins Internet. Jetzt haben sie natürlich bereits einen Tablet-PC. Permanent kommt da was Neues. Wie geht das denn nun?
Du denkst schon wieder gut mit, Nico. Bisher haben wir nur das Netzwerk betrachtet, das mit Leitungen aufgebaut worden ist, das also aus Drähten und dazwischen liegenden Vermittlungsstellen und Computern besteht. In den letzten Jahren hat sich auch dieses Gebiet unheimlich schnell weiterentwickelt. Ich denke häufig daran, dass vor zwanzig Jahren ein tragbares Telefon, besser gesagt ein Autotelefon, den halben Kofferraum ausfüllte. Dauernd fuhr man damit in ein Funkloch, die Verbindung brach zusammen, alles musste von vorne losgehen. Man kann kaum begreifen, dass diese Geräte heute sehr leistungsfähige Computer sind, und dass außerdem die Netze um den gesamten mobilen Bereich erweitert wurden. Das Mobilfunknetz arbeitet im Prinzip wie das Radio oder das Fernsehen mit sogenannten elektromagnetischen Wellen, die durch die Luft flitzen und dann mit den anderen Teilen des Netzes zusammengeschaltet werden können. Leider kann keiner diese elektromagnetischen Wellen sehen, sie entstehen aus dem Zusammenwirken von Strom und Magnetismus. Da das so wichtig ist für die Kommunikation, hören wir später davon noch etwas mehr.
Kannst du dazu nicht jetzt etwas erklären? Mit Radio- und Fernsehwellen haben wir täglich zu tun. Sie spielen, wie du gerade sagst, eine große Rolle beim Mobilfunk. Was diese Wellen aber wirklich sind, das weiß ich nicht. Ich möchte gerne meinen Freunden erklären, wie ein Handy funktioniert.
Wir haben schon gehört, dass beim Telefonieren Schallwellen in elektrische Wellen umgesetzt werden. Zwischen den elektrischen Wellen und dem Magnetismus gibt es einen Zusammenhang, den wir bei den Schaltern der Computer noch genauer besprechen werden. Diese elektrischen Wellen sind schwankende Signale, die eine Sendeantenne schwingen lassen. Daraus entstehen die elektromagnetischen Wellen, die sich vom Dipol der Antenne nach außen ausbreiten. Wenn die Signale auf diesen Wellen weit transportiert werden, verlieren sie unterwegs immer ein wenig die Puste, werden also schwächer. Daher braucht es Verstärker in gewissen Abständen, etwa alle dreißig bis fünfzig Kilometer. Nachdem man die in der Welt sehr verbreitet eingerichtet hat, kommen die Signale überall klar und deutlich an. Außerdem mussten die Experten bereits für die Fernseh- und Radiowellen ein ganz einfaches Problem lösen. Du weißt, dass die Erde eine große Kugel ist. Da die Wellen sich geradlinig ausbreiten, hauen sie bei großen Entfernungen zum Beispiel über die Ozeane in den Weltraum ab, sie kriegen die Kurve nicht.
Opa, das verstehe ich nicht, es gibt doch genug Satelliten?
Du hast recht, Nico. Dieses Problem konnte erst gelöst werden, nachdem im Weltraum die Satelliten als Verstärker einerseits und Richtungsumlenker andererseits zur Verfügung standen. Du warst vor einiger Zeit mit deinen Eltern in Cape Canaveral. Dort wurde in 1962 eine Delta-Rakete gestartet, die einen 75 Kilo schweren Satelliten in eine Erdumlaufbahn trug. Der war eine Relaisstation für eine transatlantische Übertragung. Wenn der Satellit die Erde in genau derselben Zeit einmal umrundet, in der sich die Erde einmal um die eigene Achse dreht, dann hat er in Relation zur Erde eine feste Position. Das schafft man, wenn man eine Umlaufbahn in etwa 36 000 km Höhe wählt. So viel im Augenblick zum drahtlosen Teil des Netzes, später erzähle ich mehr zu den Grundlagen.

Abb. 3 Kommunikationssatellit
Eine kleine Skizze zeigt dir das, obwohl ich denke, dass du dir das sowieso vorstellen kannst.
Wenn in kleinen Zellen überall die Signale verstärkt werden, dann muss das System wissen, wo sich die Handys befinden. Also ist auch bekannt, wo ich mich befinde, wenn ich das Handy benutze, oder?
Das ist so, ja. Du hast sicher in Krimis schon einmal gesehen, dass die Handys geortet werden. Das wird in der Zukunft noch viel besser. Vielleicht hast du schon einmal von dem neuen System Galileo gehört. Das ist viel genauer als das bisherige amerikanische System zur Navigationsunterstützung, das auch mit Hilfe der Satelliten arbeitet. Das Galileo-System kann bis auf einige Zentimeter die Position bestimmen. Über die Handys weißt du dann immer ganz genau, wo sich deine Freunde befinden oder wo der nächste Laden ist.
Die neuen sogenannten Endgeräte, die am Ende des Netzes wirken, die modernen Smartphones sind aus den Minicomputern entstanden. Daher wird es Zeit, dass wir über die Computer und ein wenig auch über die Entwicklung dieser Wunderwerke sprechen. Das tue ich natürlich besonders gern, weil ich die Entwicklung vom riesengroßen Schrank zu den Kleingeräten so hautnah miterlebt habe.
Ich kann es gar nicht abwarten, zu erfahren, wie ein Computer arbeitet. Ich habe nicht mal eine Ahnung, wie mein Taschenrechner funktioniert, denn das ist ja schließlich auch ein Computer oder?
Ein Rechner ist das schon, doch wenn man vom Computer spricht, meint man eigentlich, dass er von einem Programm gesteuert ist, das in ihm liegt. Aber fangen wir von vorne an.
2. Computer
Computer sind Rechner, das ist nur eine Übersetzung. Sie sind schnelle Rechner, weil sie mit schnellem Strom arbeiten. Sie sind immer schneller geworden, weil die Bauteile immer kleiner geworden sind und der Strom daher immer kürzere Wege zurücklegen muss. Computer haben ein Gedächtnis, das wir Speicher nennen. Die Speicher können eine permanent größere Kapazität erhalten, ohne dass ihre Größe steigt, weil die Bauteile für die Speichereinheiten immer kleiner werden. Ganz wesentlich ist, wie ich gerade gesagt habe, dass die Computer durch ein Programm selbsttätig gesteuert werden. Die Programme werden auch Software genannt, also weiche Ware im Gegensatz zur Hardware, das ist der Rechner an sich, den man anfassen kann. Es gibt die Software, die die Rechner steuert und die Software für die Anwendungen, inzwischen unermesslich viele. Die Hardware besteht aus Leitungen, Speicherplatten, ganz vielen Schaltern, Tastaturen, Ein- und Ausgabegeräten und vielem mehr.
Das ist mir nun zu allgemein. Ich kann den Computer bedienen, also die Eingabe machen und den Druck aufrufen. Doch wie es drinnen aussieht, das sollst du mir bitte erklären. Das ist wie beim Radio oder Fernsehen. Wie die funktionieren, das wissen die meisten Leute auch nicht.
Natürlich, das war auch nur die Einleitung. Wir wollen tiefer einsteigen, das wird wohl etwas anstrengender, du musst gut aufpassen. Fangen wir mit der Hardware an, um danach in die Grundzüge der Programme einzusteigen.
2.1. HARDWARE
Natürlich ist ein Computer im Kern ein Rechner wie dein Taschenrechner. Du sagtest, dass du nicht weißt, wie der arbeitet. Du vermutest zu Recht, dass die meisten Menschen das nicht so genau wissen. Zunächst müssen Zahlen und Buchstaben in den Rechner hinein und die Ergebnisse wieder heraus. Dazu gibt es die Ein- und Ausgabegeräte, das ist logisch. Es gibt eine vielfältige Anzahl von diesen Geräten.
Opa, mein Taschenrechner hat auch Programme, ich kann mit einem Tastendruck beispielsweise die Quadratwurzel errechnen.
Richtig Nico, auch dein Taschenrechner hat Programme, die sind allerdings festgezurrt; die Experten sagen: verdrahtet. Das betrifft die wesentlichen Rechenarten, wie Addition, Multiplikation, Subtraktion und Division. Auch kleine Speicher hat der Taschenrechner, die sind vorgesehen für Zwischen- und Endergebnisse. Einige Taschenrechner haben auch kleine Drucker zur Ausgabe der Ergebnisse. Was aber den eigentlichen Computer auszeichnet, ich sagte es schon, ist die Steuerung durch ein variables Programm, das nach Eingabe der Daten alles ohne Eingriff abarbeitet.
Einer der ersten Ingenieure oder Mathematiker, die das realisiert haben, war der Deutsche Konrad Zuse. Das war Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er entwickelte ein Steuerwerk, das die Befehle, aus denen ein Programm besteht, der Reihe nach abwickelte. Die Programme hatten sogenannte Sprungbefehle, mit denen sie an den Anfang zurückspringen konnten, wenn sie z. B. mit einer Anfangszahl eine komplizierte Berechnung erledigt hatten und dasselbe mit der nächsten Zahl machen sollten. Wir werden später ein schönes Programmbeispiel durchsprechen. Man bezeichnet das erste Vorliegen dieser sogenannten programmgesteuerten Rechner als die Geburtsstunde der Computer. Konrad Zuse baute seinen ersten Computer in seiner Wohnung und musste dauernd seinen Tisch erweitern, wie dein Onkel bei seiner Eisenbahn. Er verlor seinen Computer durch den Krieg und musste danach von vorne anfangen.
Du hast früher einmal erzählt, dass du in der Firma Zuse gearbeitet hast, als du noch Student warst. Habe ich das richtig behalten?
Ja, ich hatte die einmalige Chance, im Jahre 1958 bei der Firma Zuse – als Werkstudent – den Umgang mit den Computern, vor allem das Programmieren zu lernen. Damals gab man die Daten mit Hilfe von Lochstreifen ein, das sind Papierstreifen, in denen nach einem bestimmten System Löcher gestanzt wurden. Die Löcher erlaubten dem Strom zu fließen. Wie daraus Zahlen und Buchstaben wurden, werden wir bald lernen.
Das verstehe ich nicht, wieso kann der Strom durch Löcher fließen? Der Strom benötigt doch eine Leitung?
Schon. In den Lesegeräten gibt es feine Drahtbürsten. Wenn die Löcher in den Lochstreifen oder den Lochkarten daran vorbeigleiten, schließen sie Kontakte mit den darunter liegenden metallischen Seiten. Der Strom fließt ganz kurz und abhängig von der Stelle, an der sich das Loch befindet, kann die Maschine erkennen, welche Ziffer sich dahinter verbirgt. Es gibt aber auch die Möglichkeit mit Licht zu arbeiten. Licht kann natürlich durch Löcher dringen. Licht kann mit entsprechenden Sensoren auch Kontakte schließen.
Das war sicher eine ausgeklügelte Technik, anhand derer man auch gut das Prinzip verstehen kann. Heute gibt es so etwas aber nicht mehr, oder?
Heute findest du das bereits im Museum. Es gibt sogar ein eigenes Computermuseum in Paderborn seit etwa zwanzig Jahren. Dort hat ein anderer deutscher Computerpionier, Heinz Nixdorf, ein großes Unternehmen aufgebaut. Ich habe viel mit dieser Firma zusammengearbeitet.
Zurück zu unserem Strom, Nico. Wir sehen wieder, ohne Strom geht bei der Technik nichts. Du weißt es, Strom kann fließen oder nicht. Wenn er durch ein bestimmtes Loch dringt, kann daraus eine Zahl erzeugt werden, natürlich muss ein Programm oder eine Schaltung dazu eine Umrechnung vornehmen.
Das ist mir nicht genau genug. Ich habe schon verstanden, der Computer kann nur ja und nein, wie du sagst, der Strom fließt oder nicht. Wie können daraus eine Zahl oder ein Buchstabe oder sogar Musik entstehen?
Eigentlich ist das nicht so schwer zu verstehen, wenn du dich konzentrierst. Wir sagen, wenn der Strom fließt, ist das eine »Eins« und wenn nicht eine »Null«, das heißt, wir bauen uns aus diesen beiden Zahlen all die anderen Ziffern und danach die Buchstaben und schließlich die Bilder und die Musik auf. Eine solche Darstellung nennt man Code.
Was ist denn ein Code, ich denke dabei an Verschlüsselungen. Ist das richtig?
Ganz allgemein ist ein Code eine Vereinbarung zur Nachrichtenübermittlung, die mit Gebärden, mit der Sprache und durch Schrift geschieht. Auch Lichtzeichen und Funksignale gehören dazu. Auch beim Fahnenschwenken oder bei der Festlegung von Verkehrszeichen müssen Vereinbarungen getroffen werden. All diese Regeln bezeichnet man als Code.
Fangen wir mit dem Code an, mit dem der IBM-Computer arbeitete, den ich an der Uni programmierte. Das war eine IBM-Maschine vom Typ 650, die 1954 entwickelt wurde. Sie war für damalige Verhältnisse ein gewaltiger Renner, die fast 2000-mal verkauft wurde. Auch bei IBM im Rechenzentrum konnte ich an der Maschine programmieren. Ich komme auf den Speicher in dieser Maschine, eine Magnettrommel, später noch einmal zu sprechen.
Da wir zehn Ziffern haben, nämlich 0 bis 9, könnte man sich vorstellen, für jede Ziffer einen Speicherplatz mit zehn Stellen einzurichten und für jede Stelle einen Schalter vorzusehen. Wenn also der 3. Schalter umgelegt oder geöffnet wäre, bedeutet das die Zahl 3 und so weiter. Dabei braucht man eine Riesenmenge an Schaltern und das war vor allem früher sehr teuer. Es geht auch mit weniger Schaltern. Bei dem oben erwähnten IBM-Computer brauchte man nur noch sechs Elemente, das System benutzte fünf Schalter und einen Oberschalter. Wenn der Oberschalter an war, stellten die fünf anderen Schalter die Zahlen 0 bis 4 dar, im anderen Fall die Zahlen 5 bis 9. Technisch nannte man das den biquinären Code, das heißt 2 aus 5. An der Konsole des Computers, also am Bedienungspult konnten wir erkennen, welche Zahl sich im Speicher befand, denn es leuchteten immer zwei kleine Lämpchen für jede Zahl auf.
Das hat man sicher abgeguckt von unseren zwei Händen. Der eine Schalter wäre für die linke oder rechte Hand und die anderen für die Finger, nicht wahr? Aber geht das denn nicht viel einfacher? Unser Mathelehrer hat neulich das Dualsystem erklärt, das habe ich ein wenig verstanden. Mir ist klar geworden, dass ich mit 0 und 1 alle Zahlen und Buchstaben darstellen kann. Da du aber ein studierter Meister der Mathematik bist, erkläre es bitte mit deinen Worten.
Na toll, Nico, nun willst du mich wohl testen. Ganz nebenbei: Zu meiner Zeit waren wir keine Master, wir machten schlicht und einfach ein Diplom und mussten unsere Diplomarbeit ohne Computerhilfe schreiben, denn es gab noch keine Textverarbeitungsprogramme.
Nun zurück zu den Zahlencodes. Auch ich habe bereits früh in der Schule das Dualsystem kennen gelernt. Das bedeutet sicher, dass es ziemlich einfach ist, nicht wahr? Auch der Computer, mit dem ich in der Firma Zuse gearbeitet habe, arbeitete mit dem Dualsystem, die elektrischen Schalter waren damals Elektronenröhren so groß wie Glühbirnen. Mit einem speziellen Gerät, das man Oszillograph nennt, konnten wir erkennen, ob in der Röhre die »Null« oder »Eins« angezeigt wurde.
Du hast gerade von den Röhren als elektrische Schalter gesprochen. Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert.
Auf die Röhre kommen wir später zurück, ich habe für die Schalter ein eigenes Kapitel vorgesehen. Die elektrischen Schalter sind die wesentlichsten Bausteine für den Aufbau der Computer.
Gut, dann warte ich noch ein wenig. Warum musstet ihr erkennen, ob die Röhre eine »Null« oder eine »Eins« zeigte?
Die Anzeige der einzelnen Zeichen war eine große Hilfe bei den Probeläufen für die neu geschriebenen Programme. Wenn wir einen Fehler im Programm suchen mussten, konnten wir Schritt für Schritt jede einzelne Zahl und auch jeden Befehl verfolgen. Wie können wir nun alle Zahlen unseres bekannten Dezimalsystems durch »Null« und »Eins« darstellen? Du hast ganz früh gelernt, was die Darstellung im Dezimalsystem bedeutet. Es gibt für uns zehn Ziffern, viele sagen, weil wir zehn Finger haben. Wenn wir weiter zählen, benötigen wir einen Übertrag in die nächste Stelle nach links und wir wissen von Jugend an, dass dort die Zehner stehen. Gehen wir zur nächsten Stelle, dann stehen dort die Hunderter oder die 10 mal 10er und so fort. Die Stelle gibt die Wertigkeit in Zehnermultiplikationen an, besser schreibt man das oft in Hochzahlen oder Potenzen.
Das ist doch einfach, Opa, warum erzählst du denn das, das weiß doch jeder!
Eben, weil wir es von Kindheit an gewöhnt sind. Wenn du nun aber nur die Zahlen 0 und 1 zur Verfügung hast, mit denen du ja sehr einfach die zwei Vorgänge »ein« und »aus« darstellen kannst, muss dir sicher ein kleines Zauberkunststück einfallen, Nico.
Das finde ich nicht. Die Computerbauer sind doch Ingenieure und keine Zauberer. Und da ich eben nur zwei Zahlen habe, sollte es einfach und übersichtlich sein.
Das ist klar. Ich habe bereits in der Schule mitgekriegt, dass man mit jeder Zahl als Basis ein System aufbauen kann, daher kommt zum Beispiel aus alter Zeit das Dutzend oder der Zwölf-Stunden-Rhythmus für Tag und Nacht.
Du hast das doch gerade erklärt, Opa. Die Stelle, an der die Zahlen stehen, geben genau die Wertigkeit in Form der Basiszahl an. Beim Dezimalsystem rückst du eine Stelle nach links, wenn die nächste Zehnerwertigkeit kommt, also wenn du vom Einer zu Zehner und dann zum Hunderter und so weiter kommst.
Genauso ist es, Nico. Die Zahl 123 heißt danach, dass du 3-mal die Einerstelle, 2-mal die Zehnerstelle und 1-mal die Hunderterstelle hast. Das ist nun für uns doch wirklich super einfach, Mathematiker nennen das trivial. Man kann auch sagen 1-mal 10 hoch 2 (das ist ja 100) und 2-mal 10 hoch 1 (das ist ja 10) und schließlich 3-mal 10 hoch 0 (das ist nämlich genau 1).
Opa, ich kann nur wieder sagen: Das weiß doch jeder.
Nun also nehmen wir jetzt die Basis 2, dann haben wir halt eben wieder nur zwei Zahlen, nämlich 0 und 1 zur Verfügung. Dabei waren wir eben schon. Doch jetzt kommt der Pfiff. Wenn ich nur zwei Zahlen zur Verfügung habe, also 0 und 1, was mache ich, wenn ich nun aber eine dezimale Zwei vor mir habe? Ich gebe dir eine Hilfe: Das ist so, als wenn du im Dezimalsystem eine größere Zahl als neun haben willst.
Ich mache einen Übertrag in die nächste linke Stelle, also wird die dezimale 2 dual durch 10 dargestellt und die 3 durch 11 und die vier, weil ich schon wieder einen Übertrag habe, ist 100 in dualer Form. Das bedeutet, wir haben einmal 2 mal 2 in der linken Stelle, eben 4 und 0 mal 2 in der mittleren Stelle und noch die 0 in der letzten Stelle. Wenn ich noch eins weiter zähle, bekomme ich dual 101, das ist 5 in dezimaler Schreibweise. Wenn ich dein System mit den Hochzahlen ansetze, muss ich sagen 100 dual bedeutet 1-mal 2 hoch 2 und 0-mal 2 hoch 1 und 0 mal 2 hoch 0 (das ist per Definition die 1), oder umgerechnet 1 mal 4 (eben 2 hoch 2) und 0 mal 2 (also 2 hoch 1) und 0 mal 1 (eben 2 hoch 0). 100 dual ist also 4 dezimal, wie wir gerade schon gesehen haben.
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