Kitabı oku: «Das große Buch der Bienen»
Das große Buch der
BIENEN
Lernen Sie die faszinierende Welt der Bienen kennen!
Der prächtige Bildband gibt Einblick in die spannendsten Themen: vom Aufbau und Alltag des Bienenstaates über die pflegende und heilende Wirkung des Honigs bis hin zu der enormen Bedeutung der Biene für Umwelt und Natur. Außerdem wird ausführlich über die vielen verschiedenen Bienenarten, die Geschichte der Imkerei und das Bienensterben informiert.
Viel Information, spannende Lektüre und spektakuläre Fotos
Spannende Texte, farbige Themenkästen, Original-Zitate und über 350 Abbildungen werden abwechslungsreich präsentiert. Spektakuläre Fotos zeigen die Biene und ihren Lebensraum aus nie gesehenen Perspektiven. Die Mischung aus Wissensvermittlung, spannender Lektüre und faszinierendem Bildmaterial schafft ein einzigartiges Werk über die Welt der Bienen.
eISBN 978-3-6251-6109-7
© Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH
Emil-Hoffmann-Straße 1
D-50996 Köln
Autorinnen: Jutta Gay, Inga Menkhoff
Redaktion: Iris Glahn, Oliver Christian Weber
Satz und Layout: e.s.n Agentur für Produktion und Werbung GmbH, Düsseldorf
Umschlagmotive:
Vorderseite: dpa Picture-Alliance/dpa – Report Rückseite (v. l. n. r.): dpa – Report, picture alliance, picture alliance/chromorange (alle dpa Picture-Alliance); © Subbotina Anna – Fotolia.com
Gesamtherstellung: Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln
Alle Rechte vorbehalten




Jutta Gay und Inga Menkhoff, Jahrgang 1971 und 1972 und beide Germanistinnen, gehen seit Jahren gemeinsam auf Expedition. Sie entdecken Flüsse und Städte, beobachten Tiere und Pflanzen und schreiben als freie Autorinnen darüber Bücher und Artikel für verschiedene Verlage und Medien.
Nicht weit reisen müssen sie, um auf ihre Bienen achtzugeben: In einem Vorort Kölns kümmern sie sich seit Jahren um einen Bienenstock. Hier können sie die Insekten bei der Brutpflege, beim Sammeln und Einbringen von Pollen und Nektar beobachten und sich jedes Jahr über reiche Erträge an Honig freuen.
Jutta Gay & Inga Menkhoff
Das große Buch der Bienen

»Mein Freund, ich will der Honigbiene gleichen, Die bald die rote Blume mag erreichen Und bald die gelbe; fort von einer Wiesenwelt Hinaus zur nächsten streift, wie´s ihr gefällt, Für ihren Winter Proviante pflückend; So bin auch ich, glaub mir, wenn ich entzückt in Den Büchern blättre, sammle, Schönes zähle, Dass hundert Farben ich für ein Bild wähle Und gleichviel für das andere, begeistert Und ohne Zwang: nach der Natur – dein Malermeister …«
PIERRE DE RONSARD (1521–1585): AN JEAN PASSERAT, ÜBERTRAGUNG RALPH DUTLI

»Während die Königin eifrig Eier legt und die Arbeitsbienen aus- und einfliegen, um Nahrung herbeizuschaffen, die Brut füttern, Zellen bauen und den Bau reinigen, gibt es in jedem Stock ein paar hundert Insassen, die nichts tun, sondern faul ihre Zeit hinbringen. Das sind die Drohnen, die männlichen Bienen.«
WILHELM BÖLSCHE: DAS LIEBESLEBEN IN DER NATUR

INHALT
I. Porträt einer Großfamilie
1.Die große, bunte Welt der Bienen
2.Auf und unter den Pelz geschaut – Körper der Bienen
3.Alltag und Sozialverhalten der Bienen
II. Die Honigbiene
1.Die neun Honigbienenarten der Welt
2.Von Königinnen, Jungfrauen und Faulpelzen – die Bienenkolonie
3.Arbeit und Fürsorge – das Leben in der Bienenkolonie
4.Die Biene in Mythologie und Geschichte
III. Gesundheit aus dem Bienenstock
1.Kein gewöhnlicher Süßstoff – Honig als Nahrungs-, Heil- und Schönheitsmittel
2.Natürliche Arzneien aus dem Bienenstock
3.Stärkender Werkstoff – Bienenwachs
IV. Biene und Mensch
1.Im gemachten Nest – die Biene in der Imkerei
2.Weltweit im Einsatz – Bienen als Bestäuber
3.Der Bienenstaat macht es vor – was wir von der Biene lernen können
V. Völker in Not
1.Vom Sterben der Bienen
2.Kampf an allen Fronten – die Veränderung der Lebensbedingungen für Honig- und Wildbienen
3.Feinde und Krankheiten der Honigbiene
4.Den Helfern helfen – was wir für Bienen tun können
Ausgewählte Literatur
Register
Bildnachweis
Porträt einer Großfamilie

Die große, bunte Welt der Bienen
»Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen.«
DEUTSCHES SPRICHWORT
Unser Bild von Bienen ist das von Honigbienen. Wir kennen und schätzen sie als fleißige, emsige Insekten, die von Blüte zu Blüte fliegen, farbige Pollenbällchen an ihren Beinen sammeln und diese in die von Imkern errichteten Bienenstöcke tragen, wo eine Königin, viele Arbeiterinnen und männliche Drohnen einen Staat mit zehntausenden Bewohnern bilden. Verborgen vor unseren Augen füllen sie Waben mit einem süßen Saft an, den auch wir Menschen seit Jahrtausenden lieben und schätzen: Honig. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 90.000 Tonnen des begehrten Bienenprodukts konsumiert! Die Biene – ein domestiziertes Gemeinschaftswesen mit Arbeitsteilung und Hofstaat? All das ist richtig und doch nur Teil der Wahrheit. Tatsächlich ist die Welt der Bienen tausendmal bunter, vielfältiger und anders, als die meisten von uns denken.
APIS MELLIFERA – NUR EINE UNTER TAUSENDEN BIENENARTEN
Die uns vertraute Westliche Honigbiene Apis mellifera dürfte das am besten erforschte Insekt der Welt sein. Körperbau, Ernährung, Schlafgewohnheiten, Lebenszyklen, Kommunikation, Fortpflanzung und Nestbau – nichts, was nicht bis ins kleinste Detail untersucht worden wäre. Jedes Jahr kommen weitere Erkenntnisse hinzu, immer wieder werden neue Aspekte entdeckt, die es zu erforschen gilt. Die Gründe für das intensive Interesse und die Popularität der Honigbiene liegen auf der Hand: Apis mellifera versorgt uns mit Honig und ist jedes Jahr milliardenfach auf Feldern und Obstplantagen überall auf der Welt im Einsatz, womit sie einen entscheidenden Anteil an der Bestäubung und Verbreitung von Blütenpflanzen hat und ertragreiche Ernten möglich macht. Ihr Leben in komplexen Sozialverbänden gilt als vorbildlich und nicht zuletzt ist sie als Vorlage für die wohl berühmteste Biene der Literatur- und Fernsehgeschichte, die Biene Maja, den meisten vertraut, auch wenn das gezeichnete Objekt nur ansatzweise seinen real existierenden Vorbildern gerecht wird. Es gibt also genug Gründe, die Honigbiene auch in den Mittelpunkt dieses Buchs zu rücken. Doch Honigbienen bilden nur einen winzigen Ausschnitt aus der Welt der Bienen, die mehr als 20.000 Arten umfasst. Um diese Vielfalt zu erleben, muss man sich nicht in ferne Länder begeben: Rund 560 verschiedene Arten, meist Wildbienen, sind alleine in Deutschland beheimatet. Sie tragen wie die Honigbiene einen wichtigen Anteil bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen, bereichern die Welt der Insekten mit mannigfachen Farben und Formen und faszinieren nicht zuletzt durch ihre Unterschiede im Sozialverhalten und Nestbau. Auch sie sollen in diesem Buch in angemessener Weise gewürdigt werden.
Eine in Europa weit verbreitete Wildbienenart ist die Rotpelzige Sandbiene, Andrena fulva. Insbesondere die bis zu 14 Millimeter großen Weibchen machen mit einer fuchsroten, dichten Behaarung an der Oberseite des Körpers ihrem Namen alle Ehre.
In der farben- und formenreichen Welt der Bienen zählen die Agapostemon-Bienen aus der Familie der Halictidae dank ihres metallisch glänzenden, grün-goldenen Körpers zweifelsohne zu den auffälligsten Arten.
Rund ein Kilogramm Honig konsumiert jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr und belegt damit im weltweiten Vergleich einen der Spitzenplätze.
Sinnbild des sprichwörtlichen Bienenfleißes: In ihren Pollenkörbchen sammeln die Arbeiterinnen den Pollen der Blütenpflanzen und transportieren ihn in den Bienenstock, wo er als Nahrungsmittel dient.
GESCHICHTE UND EVOLUTION DER BIENEN
In den 1920er-Jahren machte Alfred Cary Hawkins in einem Steinbruch bei Kinkora im US-Bundesstaat New Jersey einen bedeutenden Fund. Der engagierte Geologe und Mineraloge entdeckte einen Bernstein, der in seinem Inneren ein knapp sechs Millimeter langes Insekt enthielt. Untersuchungen ergaben, dass es sich hierbei um eine Arbeiterbiene der Gattung Trigona handelte und dass dieses Exemplar vor rund 65 bis 45 Millionen Jahren in einem Harztropfen eingeschlossen wurde. Trigona prisca galt seitdem als älteste fossile Biene der Welt. Da die Gattung Trigona zu der rund 370 Arten umfassenden Gruppe der Meliponini gezählt wird – stachellose Bienen, die wie Honigbienen dauerhafte, über mehrere Generationen bewohnte Kolonien mit Arbeitsteilung gründen –, war überdies der Beweis erbracht, dass seit vermutlich mehr als 50 Millionen Jahren Bienenarten auf der Erde existieren, die sich durch eine soziale Lebensweise auszeichnen.
Fossile Biene
Wie in goldgelben Honig eingetaucht und dort auf ewig konserviert – so sehen die ältesten, in Bernstein eingeschlossenen Exemplare von Bienen aus. Die fossilen Insekten liefern den Beweis dafür, dass die Erde schon vor Jahrmillionen von Bienen bevölkert war, die neben Käfern und Schmetterlingen für die Verbreitung und Diversifikation von Blütenpflanzen sorgten.
2006 wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Bienen aufgeschlagen. In einer Mine im nördlichen Myanmar entdeckte man ebenfalls eine in Bernstein eingeschlossene fossile Biene. Das knapp drei Millimeter kleine Insekt konnte als Exemplar einer bislang unbekannten, nicht mehr existierenden Bienenart identifiziert werden, das in anatomischer Hinsicht Merkmale sowohl mit fleischfressenden Wespen als auch mit pollensammelnden Bienen aufweist. Die wichtigste Erkenntnis diverser Untersuchungen des Fossils jedoch war: Das Alter von Milittosphex burmensis, so der wissenschaftliche Name der fossilen Biene, wurde auf 100 Millionen Jahre geschätzt. Dies entspricht dem erdgeschichtlichen Zeitraum, in dem auch Blütenpflanzen, sogenannte Bedecktsamer, in Erscheinung traten. Dies legt die Annahme nahe, dass die Entwicklung und Verbreitung von Blütenpflanzen die Voraussetzung für die Ausbildung pollensammelnder Bienenarten war. Doch auch der umgekehrte Fall ist denkbar: Bienen könnten die Erde schon vor der Ausbreitung von Blütenpflanzen bewohnt haben, wobei Windblütlerpollen bereits existierender Nadelbäume oder Sporen der Samenfarne ihre Nahrungsgrundlage gebildet hätten. Möglicherweise ist es also die Biene gewesen, die aufgrund ihres pollenbindenden Haarkleids den Impuls zur Entwicklung von Blütenpflanzen gab. Unstrittig ist auf jeden Fall, dass vor 100 Millionen Jahren Bienen und Blütenpflanzen die Vorteile eines Zusammenspiels entdeckten. »Nahrung gegen Verbreitung« heißt das Credo des symbiotischen Verhältnisses, das sich evolutionsgeschichtlich betrachtet schon bald als Erfolgsmodell erwies und zu entsprechenden Koevolutionen führte. Bei den Bienen zeigten sich unter anderem Veränderungen der Mundwerkzeuge sowie Optimierungen der Transportorgane, um Pollen und Nektar effektiver befördern zu können. Blütenpflanzen wiederum entwickelten süßen Nektar als Nahrungs- und Energiequelle, um Bienen und andere potenzielle Bestäuber anzulocken, oder bildeten sogenannte Saftmale aus, die es den Insekten erleichtern, den Nektar und die Bestäubungsorgane zu finden.
Möglicherweise trugen Bienen dazu bei, dass sich vor 100 Millionen Jahren insektenbestäubte Pflanzen (links) gegenüber den Koniferen (rechts) durchsetzten und sich zur artenreichsten aller Pflanzengruppen entwickelten.
Die Maskenbiene (Hylaeus)
Maskenbienen bilden eine Gattung innerhalb der Unterfamilie der Hylaeinae. Sie sind in Europa mit knapp 80 Arten vertreten, wobei einige in ihrer Existenz als bedroht gelten und entsprechend auf der Roten Liste geführt werden. Ihren Namen verdanken die verhältnismäßig klein gewachsenen Bienen einer gelben oder weißen Gesichtsmaske, die insbesondere bei den Männchen ein hervorstechendes Merkmal ist. Ansonsten zeigt die Maskenbiene einen fast durchgängig schwarzen, unbehaarten Körper. Gemeinsames Kennzeichen aller Arten ist das Fehlen von äußeren Transportorganen für Pollen: Bauchbürsten oder Pollenkörbchen wie etwa bei den Honigbienen sind nicht vorhanden. Aus diesem Grund nehmen Maskenbienen den Pollen über einen Borstenkamm auf, verschlucken ihn und würgen ihn im Nest zusammen mit dem aufgenommenen Nektar wieder aus.
Doch damit nicht genug: Als Reaktion auf den starken Selektionsdruck und ein beständiges Konkurrenzverhältnis im »Werben« um Bestäuberinsekten entwickelten Pflanzen immer neue Methoden, um ihren Fortbestand zu sichern: Das Absondern von Sexuallockstoffen, das Vortäuschen einer üppigen Nahrungsquelle, die faktisch gar keinen oder nur wenig Nektar bereithält, oder das vorübergehende Festhalten des Insekts im Blütenkelch, um die Bestäubungswahrscheinlichkeit zu erhöhen, sind einige dieser Überlebensstrategien.
Diese Anpassungsmechanismen erwiesen sich als ungemein erfolgreich: Gegen Ende der Kreidezeit setzten sich insektenbestäubte Pflanzen (Angiospermen) mehr und mehr gegenüber den bis dahin vorherrschenden Koniferen durch und entfalteten sich zur artenreichsten aller Pflanzengruppen. Und auch der Fortbestand und die Weiterentwicklung der Bienen wurde durch das Prinzip »Nahrung gegen Verbreitung« gesichert: Bienen fliegen heute auf jedem Kontinent der Welt. Sie sind insbesondere seit der kommerziellen Nutzung durch den Menschen die mit Abstand wichtigsten Bestäuberinsekten. Und: Sie konnten im Laufe der Jahrmillionen zigtausende Arten ausbilden, die zusammengenommen die große, bunte Familie der Apiformes bilden.
Mit 23 bis 28 Millimetern Körperlänge ist die Blaue Holzbiene die größte in Deutschland ansässige Bienenart. Ihr schwarzer Körper und die blau schimmernden Flügel machen die solitär lebende Wildbiene, die blütenreiche Gegenden mit viel Totholz als Nistplätze bevorzugt, unverwechselbar.
Die Verbreitung von Pflanzen und die Sicherung landwirtschaftlicher Erträge ist maßgeblich von der Bestäubungsleistung der Wildbienen abhängig, hier eindrucksvoll zu sehen an einer Agapostemon splendens aus der Familie der Halictidae, die Pollen aus einem Stachel-Nachtschatten befördert.
VON DER VIELFALT DER BIENEN
Das Farbenspektrum ihrer Körper reicht von metallisch-leuchtendem Grün und Blau über Rot und Schwarz bis hin zu den charakteristischen braun-gelben Mustern. Die einen zeigen gewölbte, knubbelige und mit einem dichten Haarpelz versehene Körper, die anderen präsentieren sich schlank, durchgehend schwarz und unbehaart. Doch die Unterschiede beschränken sich nicht nur auf das Äußere. Von der Honigbiene wissen wir, dass sie in Kolonien von bis zu 100.000 Tieren lebt, mit einer klar definierten Ordnung und Hierarchie zwischen Königin, Arbeiterinnen und Drohnen. Diese Lebensweise in Staaten mit Arbeitsteilung, Brutfürsorge und Futteraustausch bildet jedoch die Ausnahme unter den Bienen. Nicht wenige Arten sind parasitär, schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen sammelnder und nestbauender Bienen und lassen sie dort aufziehen, nicht selten tötet die Schmarotzerlarve die Wirtslarve und verzehrt deren Futtervorräte. Etliche andere Arten wiederum zählen zu den sogenannten Solitär- oder Einsiedlerbienen. Sie leben nicht in Sozialverbänden, sondern kümmern sich allein und ohne Arbeitsteilung um den Bau von Nestern und die Anreicherung eines Futtervorrats. Und auch in der Frage, welches der beste Schlafplatz ist, sind sich die (männlichen) Vertreter der einzelnen Arten durchaus uneins: Die einen machen es sich in Blütenkelchen bequem, andere versammeln sich mit mehreren Artgenossen an Fruchtständen, wieder andere beißen sich in Pflanzenhalmen fest oder ziehen die gemütliche Enge eines Bienenstocks vor.
Die Sandbiene
Zahlreiche Arten der Sandbiene erinnern in ihrem äußeren Erscheinungsbild an die Westliche Honigbiene. Doch im Gegensatz zu der in Staaten organisierten Apis mellifera führt die Sandbiene ein Leben als Einzelgänger: Von wenigen Fällen abgesehen, in denen sich meist Schwestern einer Generation ein Nest teilen, bauen die Weibchen der Sandbiene ihre Nester im Alleingang. Dazu graben sie eine bis zu 60 Zentimeter tiefe Niströhre in den Boden, legen Nistkammern an, die mit Pollen und Nektar aufgefüllt werden, platzieren dort jeweils ein Ei und verschließen die Brutzellen. Die aus den Eiern geschlüpften Larven bedienen sich des angelegten Nahrungsmittelvorrats und verpuppen sich. Bis zum Spätsommer haben sich daraus erwachsene, geschlechtsreife Bienen entwickelt, die das Nest allerdings erst im darauffolgenden Frühjahr verlassen. Einige Arten wie die Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes) bringen innerhalb eines Jahres auch zwei Generationen hervor.
Um all diesen Unterschieden gerecht zu werden, gab es in der Vergangenheit mehrere Versuche einer Klassifizierung von Bienen. Bis heute in der Forschung anerkannt und vertreten ist jene Systematisierung durch Charles Duncan Michener, die er in seinem umfassenden Standardwerk »The Bees of the World« vorgenommen hat und die sich im Wesentlichen an den unterschiedlichen Mundwerkzeugen der Bienen orientiert. Hiernach lassen sich die Apiformes (Bienen) in sieben Familien einteilen, von denen sechs in Mitteleuropa beheimatet sind.
Auch Hummeln mit ihrem dichten Haarpelz zählen zu der großen Familie der Bienen. Im Gegensatz zu Honigbienen fliegen sie bereits bei geringen Temperaturen aus und zählen dank der Vibrationsbestäubung, bei der Pollen durch Kontraktion der Flügel regelrecht aus der Blüte herausgeschüttelt wird, zu den besonders effektiven Bestäuberinsekten.
DIE SIEBEN BIENENFAMILIEN NACH CHARLES D. MICHENER
Familie Stenotritidae: Stenotritidae ist die kleinste der insgesamt sieben Bienenfamilien. Lediglich 21 verschiedene Arten der schnell fliegenden, meist behaarten Biene verteilen sich auf zwei Gattungen. Die Familie nimmt auch dahingehend eine Sonderstellung ein, dass sie ausschließlich in Australien beheimatet ist.
Familie Colletidae: Die Unterschiede zwischen den Vertretern der Colletidae sind so groß, dass die einzelnen Unterfamilien auch eigenständige Familien darstellen könnten. Der überwiegende Teil der mehr als 2000 Arten umfassenden Colletidae-Bienen ist in Südamerika und Australien beheimatet, lediglich die Masken- (Hylaeus) und Seidenbienen (Colletes) sind auf der Nordhalbkugel zu finden. Colletidae-Bienen leben stets als Solitärbienen. Sie variieren in ihrer Größe zwischen 3 und 15 Millimetern.
Die Hosenbiene gehört der Familie Melittidae an. Die Weibchen sind gut durch ihre charakteristischen Haarbürsten an den Hinterbeinen zu erkennen. Außerdem weisen sie auffällige weiße Haarbinden an ihrem Hinterleib auf.
Familie Andrenidae: Die meist solitär lebenden Vertreter dieser Familie, zu der u.a. Sand-, Erd- und Zottelbienen zählen, sind bis auf Australien, Neuseeland und Madagaskar überall auf der Welt zu finden. Bemerkenswert ist die große Artenvielfalt: Allein in der zur Unterfamilie Andreninae gehörenden Gattung der Sandbienen (Andrena) sind über 1400 verschiedene Arten bekannt, von denen mindestens 120 in Deutschland beheimatet sind.
Familie Halictidae: Halictidae-Bienen fliegen abgesehen von Antarktika auf jedem Kontinent der Welt. Charakteristische Mundwerkzeuge weisen die rund 2000 Arten dieser Familie einer gemeinsamen Gruppe zu, die sich im Hinblick auf ihr Sozialverhalten alles andere als einheitlich zeigt: Viele Halictidae-Vertreter leben als Solitärbienen, andere gründen temporäre Zweckgemeinschaften, wieder andere zählen zu den staatenbildenden Bienen mit hochsozialer Lebensweise. Doch es gibt auch parasitär lebende Arten wie die mit einem auffälligen roten Hinterleib versehene Blutbiene: Sie dringt in die Nester anderer Bienen ein, tötet eventuell vorhandene Wächter, bricht die Brutzellen der Wirtsbiene auf, verzehrt das dort befindliche Ei und legt an dessen Stelle ein eigenes Ei ab. Die sich daraus entwickelnde Larve verzehrt den vorhandenen Proviant und verpuppt sich. Zählt die Blutbiene aufgrund ihres rot gefärbten Hinterleibs bereits zu den optisch auffälligeren Bienen, so stechen die metallisch funkelnden Körper manch anderer Halictidae-Vertreter noch weit mehr ins Auge. Das gilt zum Beispiel für die zur Unterfamilie der Halictinae zählenden Augochloropsis metallica, bei der Kopf, Brust und Hinterleib metallisch-grün glänzen, oder die Schmalbiene Lasioglossum pilosum, die durch ihren gold-schimmernden Körper auffällt.
Familie Melittidae: Die Familie der Melittidae umfasst rund 200 Arten, die alle solitär ohne Arbeitsteilung leben und nicht selten zu den Pollenspezialisten zählen, die sich bei der Nahrungssuche auf eine bestimmte Pflanzenart oder -familie beschränken. Einige Vertreter der Melittidae zeichnen sich dadurch aus, dass sie Pflanzenöle, sogenannte Lipide, statt Nektar für die Aufzucht ihrer Larven verwenden, die mit Pollen vermischt werden. Ein Beispiel für dieses Sammel- und Fütterverhalten ist die in Südafrika beheimatete Rediviva emdeorum. Die meisten Arten der Melittidae sind auf dem afrikanischen Kontinent zu finden, in Deutschland beheimatet sind die zur Unterfamilie der Melittinae zählenden Sägehorn- (Melitta), Schenkel- (Macropis) und Hosenbienen (Dasypoda). Die Männchen dieser Gattungen sind zumeist Einzelschläfer, finden sich aber zuweilen auch in friedlichen Schlafverbänden zusammen: So kann man mit einigem Glück mehrere Exemplare schlafend in einer Malve oder Glockenblume finden oder zusammengeknubbelt an Fruchtständen, wo sie sich mit ihren Mundwerkzeugen festbeißen.
Familie Megachilidae: So unterschiedlich die Lebensformen der Megachilidae-Bienen sein mögen – es gibt ein Merkmal, das alle Weibchen der nichtparasitären Arten teilen: Sie verfügen über ein auffälliges Haarpolster an der Unterseite des Hinterleibs. Diese Bauchbürste wird zum Sammeln von Pollen genutzt. Darüber hinaus zeichnen sich zahlreiche Vertreter dieser großen Gruppe durch ein ausgefallenes Nestbauverhalten aus: Osmia papaveris beispielsweise, die Mohn-Mauerbiene, gräbt mehrere, rund vier Zentimeter lange Röhren in Sandböden. Den Erdaushub belässt die extrem scheue und selten gewordene Biene dabei nicht rund um das gegrabene Loch, sondern verteilt diesen im Umkreis von rund einem Meter. Um die Nisthohlräume auszukleiden, fliegt sie die purpurfarbenen Blütenblätter des Klatschmohns an, beißt kleine Stücke ab und transportiert diese zu den Nestern. Da auch das Eingangsloch nach der Eiablage mit Blütenblättern und grobem Sand verschlossen wird, sind die Nester der Mohn-Mauerbiene nur sehr schwer zu entdecken. Auch die Blattschneiderbiene (Megachile) beißt Stücke aus Blättern zur Auskleidung der Nester aus. Im Gegensatz zur Mohn-Mauerbiene zerknüllt sie diese jedoch nicht, sondern transportiert diese ovalen oder runden Stücke zu den Nestern, die sie in Mauerspalten, Erdhöhlen, Hohlräumen von Baumstümpfen und Pfosten oder gar in hohlen Stängeln verschiedener Pflanzen anlegt. Der Flug mit den im Vergleich zur Körpergröße der Bienen oft beeindruckend großen Blattstücken ist ein sehenswertes Schauspiel, das wir auch in unseren Breitengraden genießen können, da die Blattschneiderbiene weit verbreitet und zudem häufig nahe menschliche Behausungen anzutreffen ist.
Die Pelzbiene
Mit ihren gedrungenen, zwischen 8 und 18 Millimetern langen und mit einem dichten Haarpelz versehenen Körpern weisen Pelzbienen auf den ersten Blick durchaus Ähnlichkeiten mit einigen Hummelarten auf, mit denen sie im Übrigen auch die Fähigkeit teilen, bereits in der Morgendämmerung oder zur fortgeschrittenen Abendzeit, wenn die meisten anderen Bienen ihre Schlafstätten bereits angeflogen haben, noch Pollen zu sammeln. Die Nester der Pelzbiene befinden sich an lehmverfugten Gemäuern, zuweilen in Totholz, doch vor allem an Steilwänden und Hängen aus Lehm und Löss, wo die Insekten einfache oder mehrfach verzweigte Gänge graben und dort bis zu zehn hintereinander liegende Brutzellen anlegen. Pelzbienen beeindrucken zudem durch eine überraschend hohe Flug- und Sammelgeschwindigkeit, wobei sie in ihrem Flug oft abrupte »Bremsmanöver« und rasante Drehungen vollführen.
Familie Apidae: Mit geschätzten 14.000 Arten bildet die Familie der Apidae die mit Abstand größte Gruppe unter den Bienen. Wer glaubt, dass die uns so vertraute Honigbiene einen bemerkenswerten Anteil an dieser Vielfalt trägt, täuscht gewaltig: Die Honigbiene Apis ist weltweit mit nur neun Arten vertreten, von denen acht im asiatischen Raum beheimatet sind. Bleibt demnach nur eine einzige, in 30 Rassen zu differenzierende Honigbienenart, Apis mellifera, die auf der Nordhalbkugel und in Afrika beheimatet ist. Sie wird von Imkern zur Honigproduktion und zur Bestäubung von Kulturpflanzen eingesetzt. Daneben zählen die mit über 50 Arten in Europa vertretenen Hummeln ebenso zur Gruppe der Apidae wie stachellose Bienen, die dauerhafte Kolonien gründen und ihre Nester über mehrere Generationen bewohnen.
Blattschneiderbienen bauen ihre Nester in Baumlöchern, Mauerspalten, Erdhöhlen und anderen vorhandenen Hohlräumen oder sie graben ihre Nester selbst in markhaltigen Stängeln, Totholz oder im Boden. Die Brutzellen werden mit abgeschnittenen Blattstücken verschlossen.
Systematisierung von Bienen in Familien und Unterfamilien nach Charles D. Michener (2007)
Hornissen stechen durch ihre enorme Größe hervor: Sie können zwischen 18 und 25 Millimeter lang werden, die Königin sogar bis zu 35 Millimeter. Entgegen dem Irrglauben, Hornissen seien aggressive, angriffslustige Insekten, zeigen sie sich tatsächlich friedliebend und scheu.
Ein anderer Zweig – Wespen und Hornissen
Manche Tiere haben das, was man ein Imageproblem nennen könnte. Anlässe für die fehlende Sympathie des Menschen gewissen Tieren gegenüber gibt es genug: Aussehen oder Geruch, Haptik oder Verhalten. Es ist in erster Linie die Angewohnheit, sich »ungefragt« über nichtgesicherte Lebensmittel herzumachen und ggf. einen Stachel zur Abwehr einzusetzen, die der Wespe ihren schlechten Ruf eingebracht hat. Die markanten, gelb-schwarz gemusterten Insekten gelten gemeinhin als lästig und überflüssig, ihre größten Vertreter, die Hornissen, gar als gefährlich. Doch wer macht sich da eigentlich genau über unser Essen her? Teilen alle Wespen unsere Vorliebe für Zucker und Fleisch? Und was haben Bienen damit zu tun? Der Versuch einer Aufklärung – und Rehabilitation:
Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen teilen sich in der Systematik der Insekten die Zugehörigkeit zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) und zur Teilordnung der Stechimmen (Aculeata). Die Differenzierung erfolgt auf der Ebene der Überfamilie: Während Bienen zu den Apoidea zählen, gehören Wespen und Hornissen ebenso wie Ameisen zur Überfamilie Vespoidea, die sich in zehn Familien aufteilt und rund 24.000 Arten umfasst. Im Gegensatz zu den meisten Vertretern der Vespoidea, die solitär leben, gründen Wespen und Hornissen Staaten mit mehreren Tausend Bewohnern. Darüber hinaus zeichnet sich ihr Leben durch klare Arbeitsteilung und intensive Brutpflege aus.
Im Frühjahr beginnt die junge Wespenkönigin mit dem Bau des Nestes und der Gründung des Staates, bei der sie ganz auf sich allein gestellt ist. Zunächst schabt sie Fasern von morschem, trockenem Holz ab, vermischt diese mit Speichel und verwendet dann das Material zum Bau von zehn bis 20 Brutwaben, in die sie jeweils ein Ei legt und die sie mit Spermien aus der Samentasche befruchtet. Sind die Larven geschlüpft, übernimmt die Königin auch die Fütterung mit toten Insekten. So wächst eine erste Generation an Arbeiterinnen heran, die fortan für die Erweiterung und Pflege des Nestes sowie die Versorgung der Larven verantwortlich ist. Die Königin verlegt ihr »Kerngeschäft« indes auf die Eiablage und Vergrößerung des Staates. So wächst im Laufe von Monaten ein Wespenstaat heran, der bis zu 10.000 Tiere, in warmen Regionen fremder Kontinente sogar 50.000 Insekten umfasst.
Im Frühjahr beginnt die junge Wespenkönigin mit dem Bau des Nestes. Ausgangsmaterial für die Wespennester ist morsches, trockenes Holz, das zu Kügelchen zerkaut wird. Die Nester sind stets nach unten hin geöffnet.
Wespen gehören zusammen mit Bienen und Hummeln zu der Ordnung der Hautflügler. Wie bei der Honigbiene zeichnet sich auch das Leben im Staat der Echten Wespe nach dem Schlüpfen der ersten Generation durch klare Arbeitsteilung und intensive Brutpflege aus.
Während die Königin das Nest nun nicht mehr verlässt, schwärmen die Arbeiterinnen auf der Suche nach Nahrung aus. Und hier kommt es zu den ungeliebten Zusammenstößen zwischen Mensch und Wespe, wobei es lediglich zwei Arten sind, die uns das Essen streitig machen: die Deutsche Wespe (Paravespula germanica) und die Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris). Beide Arten legen ihre Nester gerne in der Erde an, wo sie vorhandene Mäuse- oder andere Tierlöcher nutzen. Doch auch menschliche Behausungen dienen diesen Wespenarten als Nistplatz, hier vor allem dunkle Hohlräume, wie sie sich etwa auf Dachböden oder an Rollladenkästen befinden. Da die Deutsche Wespe ebenso wie die Gemeine Wespe Populationen mit vielen Tausend Tieren ausbilden kann, fallen sie uns Menschen aufgrund ihrer Stückzahl zuweilen unangenehmer auf als andere Insekten.
Um ihre Brut zu versorgen, sind die Arbeiterinnen auf der Suche nach zwei Grundstoffen: Proteine zur Fütterung der Larven und zuckerhaltige Säfte als Energielieferant für den eigenen Körper. In der freien Natur findet sie beides in Gestalt von kleinen Insekten wie Mücken oder Wanzen bzw. Blütennektar oder dem Saft reifer Früchte. Mit unseren Ess- und Trinkgewohnheiten liefern wir Menschen den Wespen jedoch ebenso einen idealen Futterplatz: Fruchtsäfte und Limonaden auf der einen Seite, Aufschnitt und andere Fleischsorten auf der anderen Seite bieten den Insekten alles, was sie suchen. Wen mag es da verwundern, dass die Tiere mit Vorliebe unsere gedeckten Tische anfliegen? Das macht sich besonders im Spätsommer bemerkbar, wenn die Populationen von Gemeiner und Deutscher Wespe ihren Höchststand erreichen und mit dem Tod der Königin zugleich die allmähliche Auflösung des Staates beginnt: Da über die Königin keine weiteren Eier im Nest ausgelegt werden, fehlen den Arbeiterinnen auch die kohlehydratreichen Speicheltropfen, die sie von den Larven während der Brutpflege als Energielieferant erhalten. Nahrungsknappheit tritt auf, sodass die Arbeiterinnen verstärkt gezwungen sind, außerhalb des Nestes nach Energiequellen zu suchen. Zudem schwärmen geschlechtsreife Wespen aus, um einen Platz zum Überwintern zu finden. Nur ein Bruchteil von ihnen überlebt die kalten Monate und beginnt dann im Frühjahr mit dem Bau eines Nestes, das zum Grundstock für die nächste Wespenpopulation wird.
Die Wespenkönigin legt zunächst zehn bis 20 Brutwaben an, in die sie jeweils ein Ei legt und die sie mit Spermien aus der Samentasche befruchtet.
Neben Deutscher Wespe und Gemeiner Wespe gibt es eine weitere Gattung Echter Wespen, die den meisten Menschen die größte Freude bereitet, wenn sie sich erst gar nicht zeigt. Hornissen lassen sich aufgrund ihrer Größe recht einfach von anderen Mitgliedern der Familie unterscheiden: Die Arbeiterinnen erreichen eine Körpergröße zwischen 18 und 25 Millimetern, die Königin wiederum sticht mit 35 Millimeter deutlich hervor. Da natürliche Baumhöhlen als ursprüngliche Nistplätze sehr selten geworden sind, lassen sich Hornissen mittlerweile oft in Holzschuppen nieder, in Nischen an Dachböden und Balkonen oder an Hausverkleidungen aus Holz, wo sie bis zu 700 Tiere umfassende Nester bilden. Selten stößt dieses Vordringen in den menschlichen Siedlungsbereich auf die Gegenliebe der Anwohner. Die Insekten gelten als gefährlich und aggressiv, das Sprichwort »Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind« hält sich hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Aus Sorge vor Stichen wurden Hornissennester lange Zeit vorsorglich vernichtet, wodurch sich der Bestand in vielen Regionen dramatisch reduzierte. Seit 1987 steht die einheimische Vespa crabo unter Naturschutz. Wer sich den Tieren behutsam und mit der nötigen Ruhe nähert, wird feststellen, dass Hornissen friedfertige Tiere sind und sogar scheuer als Honigbienen. Ihr Gift ist zudem nicht toxischer als das von Wespen, das Sprichwort ein seit Langem widerlegter Irrglaube.
Wespen zeichnen sich durch ihre kontrastreiche schwarz-gelbe Färbung aus, die Warnzwecken dient.
10 Tipps zum Umgang mit Wespen und Bienen
Es ist ein Schauspiel, das sich Jahr für Jahr auf Balkonen und Terrassen, auf Wiesen und in Gärten wiederholt: Kaum ist der sonntägliche Kaffeetisch gedeckt oder der Grillteller angerichtet, nähert sich aus der Luft ungebetener Besuch. Und schon ist der Kampf zwischen Mensch und Insekt eröffnet. Was tun? Vertreiben, selbst auf die Gefahr hin, mit den Abwehrmechanismen der Tiere konfrontiert zu werden? Geduldig ertragen und mitansehen, wie sich die Wespen auf den frisch servierten Pflaumenkuchen stürzen oder mit Feuereifer über das Fleisch hermachen? Oder doch besser gleich den Rückzug in sichere Innenräume antreten?
Die Beantwortung dieser Frage hat schon mehr als eine Kaffee- oder Grillgesellschaft entzweit. Doch wenn man die folgenden Verhaltensregeln beachtet, hat man gute Chancen, dass der Konfrontationskurs durchaus in gegenseitiger Duldung münden kann.
• Vermeiden Sie abrupte Bewegungen, denn Hektik und Stress setzen die Verteidigungsmechanismen der Tiere erst recht in Gang. Ruhe zu bewahren, ist der größte Schutz vor einem Stich, zumal der Angstschweiß des Menschen die Alarmbereitschaft und damit die Aggressivität der Tiere erhöht.
• Decken Sie Gläser, die süße Getränke beinhalten, ab, und trinken Sie nicht direkt aus Flaschen oder Dosen. Benutzen Sie entweder einen Strohhalm oder füllen Sie das Getränk in ein Glas um.
• Offen liegendes Fleisch oder Süßwaren sind eine wahre Einladung für Wespen. Decken Sie auch diese Lebensmittel ab und entsorgen Sie etwaige Reste möglichst schnell.
• Pusten Sie Wespen nicht weg, denn das in unserem Atem enthaltene CO2 ist im Nest ein Alarmstoff und löst entsprechende Verhaltensmuster bei den Bienen aus.
• Machen Sie sich nicht selbst zu einer Blumenwiese, indem Sie bunte Kleidung und süße Parfüms oder Hautcremes benutzen. Auch wenn die Wespen den Unterschied von Nahem erkennen: Angeflogen werden Sie trotzdem!
• Fünf bis zehn Meter vom Essplatz entfernt können Ablenkungsfutterplätze eingerichtet werden. Als Lockmittel eignen sich reife Früchte mit einem hohen Fruchtzuckeranteil, insbesondere Weintrauben.
Da sich Wespen gerne an süßen Getränken laben, sollte man nicht direkt aus der Dose oder Flasche trinken. Gläser sollten abgedeckt werden. Auch offenliegendes Fleisch oder Süßwaren locken Wespen an.
• Laufen Sie nicht barfuß über Blumen- und Kleewiesen. Hier tummeln sich besonders gerne Bienen, Hummeln und Wespen.
• Ernten Sie in Ihrem Garten rechtzeitig das Obst und entfernen Sie vor allem Fallobst von der Wiese. Auch hier lassen sich Wespen mit Vorliebe nieder.
• Bringen Sie Fliegengitter an Fenstern und Türen an. Das schützt in erster Linie vor lästigen Mücken, hält aber auch jene Bienen- und Wespenarten – insbesondere Hornissen – ab, die noch in der Abenddämmerung unterwegs sind und Lichtquellen ansteuern.
• Und nicht zuletzt: Halten Sie einen gebührenden Abstand von mindestens drei Metern zu Wespennestern und versperren Sie die Flugbahnen der Tiere nicht.
Der Wabenbau der Honigbiene wird seit jeher als ein Wunderwerk der Natur bestaunt. Der Bauplan, das An- und Ineinanderfügen der sechseckigen Zellreihen beiderseits der Mittelwand, gewährt bei geringstem Materialaufwand das größtmögliche Fassungsvermögen und Stabilität.
Auf und unter den Pelz geschaut – Körper der Bienen
»Was dem Schwarm nicht nützt, das nützt auch der einzelnen Biene nicht.«
MARC AUREL
In Deutschland sind rund 560 Bienenarten beheimatet. Der mit Abstand größte Teil der Apiformes zählt zur Gruppe der Wildbienen, die im Gegensatz zur Westlichen Honigbiene, aber auch einigen anderen Arten nicht gezielt in der Landwirtschaft zur Bestäubung von Kulturpflanzen oder zur Gewinnung von Honig eingesetzt und von Imkern in eigens dafür eingerichteten Nisthöhlen gehalten werden. Die Unterschiede in der äußeren Erscheinung von Bienen sind gewaltig und beginnen schon bei der Größe: Manche Arten sind mit 3 Millimeter Länge nur schwer auszumachen, andere erreichen mit 30 Millimeter durchaus das Format von Hornissen. Und doch gibt es Grundzüge im Körperbau, die Bienen unabhängig von ihrer Art und dem Geschlecht auszeichnen.
GLIEDERUNG DES KÖRPERS
Der Körper von Wild- wie auch Honigbienen ist mehr oder weniger eindeutig in die Segmente Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) eingeteilt. Das kleinste Segment, der Kopf, ist Sitz für die wichtigsten Sinnesorgane und die Mundwerkzeuge. Vom Thorax, der als Bewegungszentrum der Biene bezeichnet werden kann, gehen drei Beinpaare und zwei Flügelpaare ab. Der Abdomen beherbergt die meisten inneren Organe und – zumindest bei den weiblichen Bienen – den Stachelapparat. Anstatt eines Knochenskeletts verfügen Bienen über einen dünnen, aber sehr harten Chitinpanzer, der den Körper des Insekts stützt und schützt. Nicht zuletzt ihr ökonomischer und ökologischer Nutzwert hat vor allem die Honigbiene in den vergangenen Jahrzehnten zu einem viel und intensiv erforschten Objekt gemacht. Seitdem 2006 das Erbgut der Apis mellifera entschlüsselt wurde und nun mit dem Genom anderer Insekten verglichen werden kann, sind weitere Erkenntnisse über die biologischen Grundlagen oder die Herkunft und Abstammung der Honigbiene hinzugekommen. Doch unabhängig vom Wissen um den genetischen Code sind Bienen ausführlich untersuchte Tiere, die mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis an Faszination gewinnen.
Der Kopf der Biene wird von zwei Komplex- bzw. Facettenaugen dominiert, die ein Bild der Umgebung erzeugen, das sich aus vielen Bildpunkten zusammensetzt und die Auflösung des menschlichen Auges nicht erreicht. Die Geruchswahrnehmung wiederum wird durch die Fühler gewährleistet, die paarig am Kopf entspringen und dank ihres segmentartigen Aufbaus aktiv bewegt und exakt ausgerichtet werden können.
KOPF (CAPUT)
Mittig auf dem Kopf der Biene befinden sich, kaum sichtbar, drei Punktaugen, auch Ocellen genannt. Sie sind kleiner als der Kopf einer Stecknadel und verfügen über nur jeweils eine Linse, hinter der sich hunderte Sinneszellen zur Erfassung der Lichtstärke befinden, die wiederum ein Gradmesser zur Einschätzung der Tageslänge ist. Die Sinneseindrücke, die über die Punktaugen an das Gehirn weitergeleitet und dort zu Informationen verarbeitet werden, steuern vermutlich die innere Uhr von Insekten und könnten zudem als eine Art Licht-Kompass die Navigation und Orientierung der Insekten unterstützen.
Das den Kopf dominierende Sinnesorgan der Biene sind die zwei großen Facettenaugen, auch Komplexaugen genannt. Dieser Begriff trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich hierbei nicht um ein einzelnes Auge, sondern vielmehr um einen Komplex aus mehreren Tausend Einzelaugen, sogenannte Ommatidien, handelt, die alle mit einem eigenen Nervenende verbunden sind. Jedes dieser Ommatidien registriert nur jeweils einen winzigen Bildpunkt mit einer eigenen Linse, die vollkommen unbeweglich ist. Im Gehirn der Biene werden die Signale der Einzelaugen zu einem pixeligen, mosaikartigen Gesamtbild zusammengefügt. Bienen überblicken im Vergleich zum Menschen einen weitaus größeren Bildwinkel, besitzen dafür jedoch kein nennenswertes räumliches oder gegenständliches Sehvermögen. Und noch eines ist erwiesen: Bienen können Farben sehen und unterscheiden. Diese Erkenntnis ist vor allem dem österreichischen Zoologen Karl Ritter von Frisch zu verdanken, dessen wissenschaftliches Interesse insbesondere der Erforschung der Sinneswahrnehmungen von Honigbienen galt. »Bienen-Frisch« entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein ebenso einfaches wie gelungenes Verfahren, um die Frage nach der Farbwahrnehmung zu untersuchen: Hierfür legte er Tafeln mit unterschiedlichen Graustufen aus und platzierte zwischen diese eine blaugefärbte Tafel. Auf ihr befand sich ein Schälchen mit Zuckerwasser. Der Vorteil dieser Futterquelle: Bienen können Zuckerwasser nicht über den Geruchssinn orten, sondern orientieren sich über die visuellen Eindrücke. Sobald die Versuchsbienen gelernt hatten, dass Blau identisch ist mit einer Futterquelle, steuerten sie gezielt die blaue Tafel an, auch wenn sich hier kein Zuckerwasser befand und die Karten neu verteilt wurden. Die grauen Tafeln hingegen lösten kein Futtersuchverhalten aus. Damit war der Beweis erbracht, dass Bienen nicht, wie damals hinlänglich angenommen, farbenblind sind.
Sobald es um die Aufnahme von Flüssigkeiten wie Blütennektar und Wasser oder den Austausch von Futter geht, kommt der Rüssel der Biene zum Einsatz. Er wird aus den paarig angelegten Unterkiefern und Lippentastern gebildet, die eine Art Röhre bilden, in der sich die Zunge auf und ab bewegt. Das Löffelchen, eine Ausstülpung am Ende der Zunge, erleichtert dabei die Aufnahme der Flüssigkeit.
Die Facetten- bzw. Komplexaugen, hier am Beispiel einer Rasterelektronenaufnahme des Kopfbereichs einer Deutschen Wespe (Vespula germania), setzen sich bei der Biene aus jeweils rund 6000 Einzelaugen zusammen, die dem Insekt ein Umgebungsbild mit mosaikartiger Grundstruktur liefern.
Bienen riechen mit ihren Fühlern, auch Antennen genannt. Gut sichtbar ist deren segmentartiger Aufbau: Auf den längeren Schaft folgt ein Wendeglied, dem sich 10 und bei Drohnen 11 Glieder anschließen. Im Wendeglied sitzt das Johnstonsche Organ, ein Vibrationssensor, mit dem das fliegende Insekt nicht nur die Eigengeschwindigkeit, sondern auch die Körperlage bestimmen kann.
Heute wissen wir es genauer: Während der Mensch zur Wahrnehmung von Farben über drei Arten von Zapfen-Fotorezeptoren – Blau, Grün und Rot – verfügt, haben sich bei den Bienen UV-Rezeptoren anstatt der Rot-Rezeptoren entwickelt. Die Insekten sind also rotblind, nehmen die Blütenblätter des Klatschmohns beispielsweise als dunklen Fleck wahr. Dafür vermögen sie ultraviolettes Licht zu sehen. Hintergrund dieser Fähigkeit ist: Bienen orientieren sich beim Flug am Stand der Sonne bzw. am Polarisationsmuster des Himmels, das im kurzwelligen, ultravioletten Bereich die größte Stabilität aufweist und damit der wichtigste Wegweiser für die Insekten ist. Durch das veränderte Farbspektrum, das sich durch eine grundsätzliche Verschiebung des langwelligen Bereichs in Richtung kurzwelligen Bereich auszeichnet, nehmen Bienen ihre Umwelt also anders wahr als der Mensch. Diesen Umstand wissen Blütenpflanzen durchaus für sich zu nutzen: Sie weisen Pigmente auf, die ultraviolettes Licht reflektieren, für das menschliche Auge also unsichtbar sind, von Bienen jedoch erkannt werden. Kronblätter zahlreicher Blüten beispielsweise, die für uns eine durchgängig gelbe Fläche aufweisen, offenbaren mit den Komplexaugen eines Insekts betrachtet klare Muster und Zeichnungen. Sie signalisieren zum Beispiel, dass sich hier üppige Nektarquellen befinden, oder wirken wie Markierungen, die den optimalen Landeplatz anzeigen.
Die Regeln der Farbwahrnehmung gelten jedoch nur unter einer Voraussetzung: Die maximale Fluggeschwindigkeit von bis zu 30 km/h muss deutlich gedrosselt sein, denn nur im Schleichflug unter 5 km/h nehmen Bienen Farben wahr. Fliegen sie hingegen mit normaler Geschwindigkeit, erscheint ihnen die Umwelt als grob gerastertes, schwarz-weißes Bild. Zum Ausfindigmachen und Orten von Blüten als Nahrungsquelle dient ihnen dann auch ihr ausgeprägter Geruchssinn.
Die mit Sinnesborstenfeldern ausgestatteten Antennen sind mit einem Kugelgelgenk in der Kopfkapsel verankert.
Doch spätestens hier drängt sich die Frage auf, womit Bienen eigentlich riechen. Selbst bei genauem Betrachten des Insektenkopfes unter einer Lupe wird man keine Nase finden können, die als solche klar identifizierbar wäre. Dabei zeigen Untersuchungen, dass Bienen über ein deutlich sensibleres Riechorgan verfügen als der Mensch. Doch wo sitzt es? Die Antwort: Bienen riechen mit ihren Fühlern, die auch als Antennen bezeichnet werden. Sie sind paarweise angelegt und identisch im Aufbau: Direkt vom Kopf geht ein beweglicher Schaft ab, dem ein sehr kurzes Wendeglied folgt. Diesem wiederum schließen sich bei den Arbeiterinnen und der Königin zehn weitere Glieder, bei Drohnen elf Glieder an, die unter dem Mikroskop klar zu definieren sind. Auf ihnen befinden sich Tausende Tasthaare und Rezeptoren, die auch auf Duftstoffe reagieren und einen entsprechenden Informationsfluss Richtung Gehirn freisetzen. Doch damit nicht genug: Mithilfe ihrer Fühler vermögen Bienen Temperaturunterschiede von weniger als 0,1 °C ebenso wahrzunehmen wie Veränderungen der Luftfeuchtigkeit oder des Kohlenstoffdioxidgehalts. Und bei der Ortung von Blütenpflanzen über Duftstoffe erhält die Biene nicht nur die Information, dass sich irgendwo im Umkreis eine Futterquelle befindet. Dank der Beweglichkeit ihrer Antennen ist sie zudem in der Lage, räumlich zu riechen, sie kann also bestimmen, aus welcher Richtung der Duft der Blütenpflanze verströmt wird und damit direkt das Zielobjekt ansteuern.
Bienen auf Sprengstoffsuche
Ihr hochsensibles Geruchsorgan gepaart mit einem großen Lerneifer wird Bienen möglicherweise in naher Zukunft ein Aufgabenfeld bescheren, das fernab der Bestäubung von Nutzpflanzen liegt. Die Wahrnehmung auch geringster Duftkonzentrationen hat vor einigen Jahren Forscher auf die Idee gebracht, den Einsatz von Bienen als Sprengstoffsucher zu testen. Dabei durchlaufen die Bienen zunächst einen Konditionierungsprozess, bei dem sie immer dann Zuckerwasser erhalten, wenn sie zuvor geringen Mengen an gasförmigem TNT ausgesetzt waren (s. Foto: Konditionierung im Forschungszentrum für Insektenbiotechnologie in Gießen). Nach nur drei Trainingsdurchgängen haben die Bienen die Information gespeichert: Wo Sprengstoff ist, befindet sich auch eine Futterquelle. Nun können sie, mit winzigen Sendern ausgestattet, in von Sprengstoff durchsetzten Gebieten ihrer Arbeit nachgehen. Dank ihrer Fähigkeit, auch kleinste Duftmoleküle in einem Meer von Gerüchen zu sondieren und zu identifizieren, steuern sie gezielt auch im Boden vergrabene Minen an. Die Erfolgsquote liegt bei mehr als 90 Prozent.
Die Ausbildung von Bienen zu »Antiterroreinheiten« steckt bislang noch in den Kinderschuhen. Doch alle Experimente in diese Richtung erwiesen sich bislang als sehr vielversprechend, sodass Überlegungen reifen, die »Spürnasen« oder besser »Spürantennen« auch bei der Suche nach gefährlichen Chemikalien und anderen Substanzen einzusetzen.
Der Saugrüssel der Arbeiterinnen ist deutlich länger als der von Königinnen und Drohnen. Diese anatomische Besonderheit trägt dem Umstand Rechnung, dass die Arbeiterinnen für die Nahrungsbeschaffung innerhalb des Bienenstocks zuständig sind und deshalb auch an den tiefer in Blütenkelchen liegenden Nektar gelangen müssen.
Unterhalb der Antennen, Punkt- und Facettenaugen befinden sich die Mundwerkzeuge der Biene, die sich aus Mandibeln (Oberkiefer) und Maxillen (Unterkiefer) zusammensetzen. Da Bienen ihre Nahrung auch leckend und saugend aufnehmen, wurden die Mundwerkzeuge im Verlauf der Evolution entsprechend optimiert: Die Maxillen bilden zusammen mit der Unterlippe bzw. den Lippentastern einen Saugrüssel, in dem sich eine behaarte Zunge bewegt. Mithilfe dieses Rüssels (Proboscis) werden nicht nur Blütennektar und Wasser aufgesaugt: Auch der Futteraustausch mit Stockbienen findet über dieses Mundwerkzeug statt, das bei Nicht-Gebrauch in einer Furche an der Unterseite des Bienenkopfes eingeklappt wird und somit nicht sichtbar ist.
Die kräftigen Mandibeln hingegen setzen die Insekten wie Zangen ein. Mit ihnen formen sie Wachs zum Bau von Waben und sammeln Pflanzenharze ein. Sie gebrauchen das Werkzeug aber auch, um Feinde festzuhalten, bevor sie ihren Stachel ausfahren, und um Blüten aufzuschneiden, damit sie Zugang zum begehrten Nektar finden, oder – wie die Blattschneiderbiene – Stücke aus Blättern herauszuschneiden, die zur Auskleidung des Nestes dienen.
Und schließlich ist der Kopf der Biene Sitz mehrerer Drüsen, die Sekrete zum Teil nach außen, zum Teil nach innen abgeben. Arbeiterinnen verfügen über sogenannte Futtersaftdrüsen, die paarweise im Kopf angelegt sind und eine verstärkte Aktivität in jenem Lebensabschnitt aufweisen, den die Tiere mit der Versorgung der Larven und der Königin zubringen. Dann produzieren die Drüsen ein Sekret aus Vitaminen und Mineralstoffen, Eiweißen und Fetten, das direkt in den Mund der als Ammen tätigen Bienen gelangt und von dort weitergegeben wird. Mit fortschreitendem Alter der Arbeiterinnen bilden sich die Futtersaftdrüsen zurück und vermindern ihre Aktivität. Dieser Prozess ist jedoch umkehrbar: Mangelt es im Bienenstock an Ammenbienen, werden die Drüsen über eine entsprechende Hormonausschüttung wieder zu verstärkter Abgabe von Futtersaft angeregt.
Wichtige Funktionen übernehmen zudem die oberhalb der Mandibeln sitzenden Mandibel- bzw. Oberkieferdrüsen, die zwei Tage vor dem Schlüpfen der Biene aktiv werden. Dann produzieren die Drüsen ein Sekret, mit dessen Hilfe die Bienen den Wachsdeckel ablösen können, der ihre Brutzelle verschließt. Die Eigenschaft der Drüsensubstanz, Wachs weich und damit formbar zu machen, nutzen die Arbeiterinnen auch in ihrer dritten Lebenswoche, in der sie überwiegend mit dem Bau von Waben und dem Verdeckeln von Brutzellen beschäftigt sind. In dieser Zeit sondern die Bienen über Wachsdrüsen im Abdomen verstärkt Wachsplättchen ab, die zunächst dank des Mandibeldrüsensekrets geschmeidig gemacht und anschließend mit den Mundwerkzeugen bearbeitet werden können. Darüber hinaus konnte eine antiseptische Wirkung nachgewiesen werden, womit sich erklärt, warum Arbeiterinnen die Zellen mit diesem besonderen Sekret auskleiden.
Die paarig angelegten Mandibeln seitlich des ausgefahrenen Saugrüssels sind ein wichtiges Werkzeug, um Nahrung oder Baustoffe zu zerkleinern, Blüten zu öffnen oder Wachs zu formen, aber auch um Feinde festzuhalten.
Damit aus Nektar und Pollen wertvoller Honig entsteht, bedarf es verschiedener Sekrete, die Bienen in den Drüsen ihres Körpers produzieren. Die Umwandlung beginnt bereits im Honigmagen der Sammelbienen und wird dann im Bienenstock durch weitere Arbeiterinnen fortgesetzt.
Die Flügel der Bienen sind von Adern durchzogen, die die Flügelhaut in einzelne Zellen teilen und den muskellosen Flügeln Stabilität verleihen.
Während die Königin alleine für die Bestiftung der Zellen zuständig ist, übernehmen die gesamten Arbeiterinnen abwechselnd die Brutpflege.
Allein der Königin ist es vorbehalten, über ihre Mandibeldrüsen ein öliges Sekret zu produzieren, das als »Königinnensubstanz« bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um eine Pheromon-Mischung, die bei staatenbildenden Bienenarten gleich mehrere Funktionen übernimmt: Das über den Körper der Königin verteilte Pheromon wird von den Arbeiterinnen durch Betasten und Ablecken aufgenommen, im Bienenstock verteilt und sichert als gemeinsames Identifikationsmerkmal das soziale Gefüge des Volkes, zumal junge Bienen dadurch angelockt und zur Brut- und Nestpflege ermuntert werden. Darüber hinaus hemmt das Sekret die Ausbildung von Eierstöcken bei den Arbeiterinnen, die damit nicht in Konkurrenz zur Königin treten und die Ordnung durcheinanderbringen können. Auf die männlichen Bienen übt das Sekret gewissermaßen eine umgekehrte, nämlich aphrodisische Wirkung aus: Es regt den Geschlechtstrieb an. Mit zunehmendem Alter der Königin und wenn die Bienenpopulation am größten ist, verringert sich die Wirkung der »königlichen« Pheromon-Mischung, wodurch die allmähliche Auflösung des Bienenstaats eingeleitet wird.
Bei Honigbienen und Hummeln ist erwiesen, dass die Drüsen, die sich an ihren Füßen befinden, eine faszinierende Rolle bei der Nahrungssuche spielen. Landet die Biene auf einer Blüte, hinterlässt sie einen chemischen Fußabdruck. Nachfolgende Insekten erkennen diese Duftmarkierung und steuern andere Blüten an, denn die markierte Nahrungsquelle verspricht eine geringe Ausbeute, da sie gerade »geerntet« wurde. Bienen und Hummeln nehmen dabei nicht bloß die Existenz des Fußabdrucks wahr, sondern registrieren ebenso, ob er von artverwandten oder fremden Insekten stammt. Binnen einer Stunde verflüchtigt sich die Markierung – und bis dahin hat sich die Blüte wieder mit Nektar gefüllt.
BRUSTSTÜCK (THORAX)
Die von zahlreichen Muskeln durchsetzte Brust der Biene ist Sitz der Bewegungsapparate. Sie besteht aus drei Segmenten, die miteinander verwachsen und als solche nur schwer zu erkennen sind. Von jedem der Segmente geht jeweils ein Beinpaar ab, auf den zweiten und dritten Abschnitt verteilen sich zusätzlich zwei durchscheinende Flügelpaare, die von Adern durchzogen sind. Diese teilen die Flügelhaut in einzelne Zellen und wirken wie Rippen, die den ansonsten muskellosen Flügeln Stabilität verleihen. Am äußeren Rand der Flügel zeichnen sich sogenannte Pterostigmata ab, schmale, eingefärbte Zellen, die – zusammen mit der Äderung der Flügel – bei der Unterscheidung einzelner Wildbienenarten von Bedeutung sind. Dass es sich tatsächlich um zwei Flügelpaare handelt, lässt sich bei ruhenden Tieren nur sehr schwer, bei fliegenden Bienen gar nicht ausmachen. Der Grund hierfür: Während des Fluges bilden Vorder- und Hinterflügel eine geschlossene Einheit. Dies geschieht mithilfe von Häkchen, die sich an der vorderen Kante des Hinterflügels befinden und sich beim Flug in der Haftfalte am Vorderflügel einhaken.
Nach der zielsicheren Landung auf einer Blüte bricht die Biene mithilfe ihrer Mundwerkzeuge die Staubbeutel auf. Die dort befindlichen Pollen bleiben am behaarten Körper des Insekts haften und werden bei der weiteren Nahrungssuche von Blüte zu Blüte getragen.
Den gesammelten Blütenstaub legen die Arbeiterinnen in den sogenannten Körbchen ab, die sich am dritten Beinpaar befinden. Zusammen mit Speichelsekret und Nektar aus der Honigblase bilden sich kompakte Pollenhöschen, die beeindruckende Ausmaße annehmen können.
Der Hinterleib der Biene ist der Sitz der meisten inneren Organe. Bei Arbeiterinnen und Königin gliedert er sich in sechs Segmente, bei Drohnen in sieben.
Die Beine der Bienen bestehen aus Muskeln, Sehnen und Nervenbahnen, die von einer robusten Chitinhülle umgeben sind. Sie sind weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. So verfügt beispielsweise das erste Beinpaar zusätzlich über eine mit einem beweglichen Dorn versehene Putzscharte, die stark behaart ist und den Insekten bei der Säuberung ihrer Fühler als Bürste dient. Alle drei Beinpaare werden darüber hinaus als Werkzeuge zum Aufnehmen, Sammeln und Transportieren von Pollen genutzt.
Die typische Nahrungsaufnahme einer zu den Körbchensammlern zählenden Biene gestaltet sich in groben Zügen so: Angelockt vom Duft der Blumen setzt das Insekt zur Landung an und kriecht zielsicher zur Blüte, wo es mithilfe der Kiefernwerkzeuge die Staubbeutel aufbricht, um an den eiweißhaltigen Pollen zu gelangen. Je nach Ausbeute versinkt die Biene bald darauf geradezu in einem Meer aus Pollen, das trotz seiner staubartigen Konsistenz zum Teil am behaarten Körper des Insekts haften bleibt. Mehr oder minder stark gepudert, macht sich die Biene bald darauf an die Säuberung ihres Körpers. Dazu holen die Vorder- und Mittelbeine den Pollen von Kopf und Brust und befördern ihn weiter an die mit Haarbürsten versehenen Innenseiten der Hinterbeine. Mithilfe eines Kamms streicht die Biene nun die Bürste des jeweils gegenüberliegenden Beins ab und legt daraufhin den gewonnenen Blütenstaub, der mit Nektar und Speichel befeuchtet und mithilfe der Mittelbeine festgedrückt wird, in dem außen liegenden Körbchen ab. Mit stetigem Auffüllen der Körbchen bilden sich an den Hinterbeinen sogenannte Pollenhöschen, die verglichen mit dem Umfang der Beine beeindruckende Ausmaße annehmen können und dank des farbintensiven Blütenstaubs ein nahezu leuchtendes Fluggepäck bilden.
Das Innere des Thorax wird von Muskelsträngen dominiert, die in erster Linie die Bewegung der Flügel ermöglichen: Bis zu 240 Schläge pro Sekunde (!) vollführt die Biene – eine Leistung, die nur mithilfe kräftiger Muskelpakete zu bewältigen ist. Ansonsten verlaufen hier neben Nervensträngen auch die Hauptschlagader sowie die Speiseröhre, in deren unmittelbarer Nähe sich die paarig angelegten Brustspeicheldrüsen befinden.
HINTERLEIB (ABDOMEN)
So wie der Kopf Sitz für die Sinnesorgane ist, so ist der Hinterleib der Biene der Bereich für die meisten inneren Organe. Streng genommen ist der häufig verwendete Fachbegriff Abdomen bei der Beschreibung des hinteren Körperteils falsch. Dies liegt darin begründet, dass im Laufe der Evolution das erste Segment des Hinterleibs mit dem letzten Brustsegment verwachsen ist. Die Einschnürung, die wir bei vielen Bienenarten sehr deutlich ausmachen können, trennt demnach nicht Thorax und Abdomen voneinander, sondern ist eine Einschnürung des Hinterleibes selbst, dessen hinterer Teil deshalb eigentlich als Metasoma bezeichnet werden müsste.
Von außen betrachtet gliedert sich der Hinterleib bei Arbeiterbienen und Königin in sechs Segmente bzw. Ringe, bei Drohnen in sieben. Die Beweglichkeit des Hinterleibs wird dadurch gewährleistet, dass sich diese Leibesringe jeweils aus einer Bauchplatte (Sternum) und einer Rückenplatte (Tergum) zusammensetzen, die durch elastische Zwischenhäute verbunden sind. Doch was verbirgt sich im Innern dieser muskelarmen Körperzone?
Nahe der Einschnürung liegt die Honigblase. Da der Speiseplan der Bienen mehr als den außen am Körper transportierten Blütenstaub umfasst, benötigt die Biene ein entsprechendes innen liegendes Transportorgan – diese Funktion übernimmt die Honigblase. Nimmt die Biene nun Nektar, Honigtau oder Wasser über den Schlund am Kopf auf, werden die flüssigen Substanzen über die Speiseröhre in die Honigblase befördert, sicher zum Nest transportiert und dort wieder ausgewürgt – sofern es sich um in Staaten lebende Sammelbienen handelt. Nahrung zum Selbstverbrauch hingegen gelangt über einen Ventiltrichter in den Mitteldarm, wo die Verwertung der Nährstoffe und die Verdauung stattfindet. Unverdauliche Reste landen schließlich im Dünndarm bzw. in der Kotblase. Dieser extrem dehnbare Teil des Dünndarms spielt beim Überwintern von Bienen eine entscheidende Rolle: Er ermöglicht es den Tieren, Kot monatelang zu speichern und erst außerhalb des Überwinterungsplatzes abzugeben. Auf diese Weise wird die Gefahr von Bakterienbefall deutlich reduziert.
Der Hinterleib der Bienen setzt sich äußerlich aus sechs und bei Drohnen aus sieben Segmenten zusammen. Der Eindruck eines Streifenmusters entsteht weniger durch Farbunterschiede der Segmente, sondern vor allem durch die Filzbinden, also Härchen, deren Farbe von Grau und Gelb bis hin zu Rot, Braun und Schwarz reicht.
Die Arbeiterinnen der Honigbiene besitzen an ihrem Unterleib Wachsdrüsen, die ausschließlich in der Phase aktiv sind, in der sie als Baubienen tätig sind, also etwa vom 12. bis 18. Tag. Zur Formung des Wachses setzen sie ihre Mundwerkzeuge ein.
Grundsätzlich unterscheidet man bei Bienen zwei Geschlechter: Weibchen und Männchen. Entsprechend ihrer sozialen Aufgaben sind drei sogenannte Wesen zu differenzieren: Königin (links), Arbeiterin (rechts) und Drohn (Mitte).
Neben dem Verdauungsapparat sind es Luftsäcke, die als Bestandteil des Atmungssystems Bereiche des Hinterleibs ausfüllen. Wie alle anderen Insekten atmen auch Bienen, indem sie Sauerstoff über kleine Öffnungen aufnehmen, die sich paarweise an beiden Seiten des Chitinpanzers befinden. Diese Atemlöcher, die auch Stigmen genannt werden, sind durch ein System von Röhren bzw. Tracheen mit den inneren Organen verbunden. Über die weit verzweigten Tracheen gelangt Sauerstoff zu den Geweben, umgekehrt wird Kohlendioxid über dieses System aus dem Körper abtransportiert. Atmung ist bei Bienen kein aktiver Vorgang wie beim Menschen. Regulativ kann das Insekt nur eingreifen, indem es mit einem Schließmuskel zumindest die Atemöffnungen am Hinterleib verschließt oder aber den Hinterleib bewegt, wodurch Tracheen und Luftsäcke erst zusammengepresst werden – verbrauchte Luft dringt nach außen – und sich dann dank ihrer Eigenelastizität wieder ausdehnen, wodurch der Luftaustausch verstärkt wird.
Auch der Blutkreislauf von Bienen unterscheidet sich grundlegend von dem des Menschen: Zum einen vermischen sich Blut und Gewebsflüssigkeit (Lymphe) bei den Insekten zu einer farblosen, als Haemolymphe bezeichneten Flüssigkeit. Zum anderen verfügen Bienen über kein geschlossenes, sondern ein offenes Gefäßsystem: Im oberen Teil des Hinterleibs verläuft der Herzschlauch, dessen fünf Kammern durch Klappenventile miteineinander verbunden sind. Über seitlich liegende Öffnungen wird die im Bereich der Verdauungsorgane mit zahlreichen Nährstoffen angereicherte Haemolymphe aufgenommen, durch die Kammern nach vorn gepumpt und gelangt schließlich über eine durch den gesamten Körper führende Aorta bis in den Kopf des Insekts. Dort tritt die Körperflüssigkeit aus und strömt frei über den Bauchraum in den Hinterleib zurück, wobei sie alle Organe umspült und bis in die Beine und Flügel des Insekts gelangt.
Die Arbeiterinnen im Bienenstaat sind auch für die Nahrungssuche verantwortlich. Sie verlassen den Bienenstock, sammeln Pollen und Nektar ein und bringen diese zurück in den Stock, wo die Drohnen an dem System des sozialen Futteraustauschs partizipieren.
Durch ein aus Muskulatur und Bindegewebe bestehendes Häutchen wird der obere Bereich des Hinterleibs mit dem Herzschlauch vom Hauptraum getrennt, in dem sich neben dem Verdauungsapparat auch die Geschlechtsorgane befinden. Grundsätzlich unterscheidet man bei Bienen zwei Geschlechter – Weibchen und Männchen. Die Einteilung in Arbeiterin, Königin und Drohn für sozial lebenden Arten wie die Honigbiene suggeriert zwar das Vorhandensein eines dritten Geschlechts, kennzeichnet aber vielmehr die Rollenverteilung, die in einem Bienenstock vorherrscht. Man spricht in diesem Zusammenhang von den drei Wesen: Arbeiterin und Königin sind weiblich, der Drohn ist männlich.
Weibliche Bienen entwickeln sich aus befruchteten Eiern. Bei solitär lebenden Wildbienen, die mit Abstand die größte Gruppe unter den Bienenarten ausmachen, gibt es nur eine weibliche Erscheinungsform: Alle Weibchen verfügen über ausgebildete, paarweise angelegte Eierstöcke, zwei Eileiter und eine Geschlechtsöffnung. Sie sind gewissermaßen ihre eigene Königin, kümmern sich – sofern es sich nicht um parasitäre Arten handelt – nach der Begattung um den Nestbau und die Errichtung von Brutzellen, in die sie jeweils ein Ei legen.
Bei sozial lebenden Bienenarten verhält es sich anders: Hier ist es zunächst ausschließlich die Königin, die über voll entwickelte Geschlechtsorgane verfügt und mit der Abgabe von bis zu 1600 Eiern täglich die Voraussetzungen für den Fortbestand bzw. die Erweiterung des Bienenvolks schafft. Auch Arbeiterinnen verfügen über Eierstöcke. Solange die Königin jedoch über die Mandibeldrüse eine Pheromon-Mischung – die sogenannte Königinnensubstanz – produziert, die von allen Arbeiterinnen aufgenommen wird, sind deren Eierstöcke verkümmert und als solche funktionslos. Stirbt die Königin oder verliert die Königinnensubstanz an Wirkung, werden Arbeiterinnen binnen drei bis vier Wochen geschlechtsreif und können Eier legen, die aufgrund fehlender Begattung allerdings immer unbefruchtet sind und damit ausschließlich Drohnen hervorbringen.
Die männlichen Bienen verfügen über ein Paar Hoden, in denen Sperma produziert wird, zwei Samenleiter und einen Penis. Die Aufgabe der Drohnen ist klar und einfach definiert: Sie kümmern sich um die Befruchtung der Weibchen. Verglichen mit dem anstrengenden Arbeitsalltag der Weibchen klingt das Leben der männlichen Bienen in hochentwickelten Bienenstaaten geradezu paradiesisch: Brutfürsorge ist den Drohnen der Honigbiene ebenso fremd wie Nahrungssuche. Stattdessen partizipieren sie an dem System des sozialen Futteraustauschs. Doch Vorsicht: Mit der Geschlechtsreife wendet sich das Blatt und schon bald zahlen die Männchen einen hohen Preis für ihr »Lotterleben«. Der Ärger beginnt zu Beginn des Hochsommers. Dann werden die Männchen, indem sie von Arbeiterinnen aus dem warmen Nest befördert werden, unsanft daran erinnert, dass ihre Lebensaufgabe außerhalb des Stockes liegt. Einem bislang nicht entschlüsselten Pfad folgend, sammeln sich bis zu 20.000 Männchen an einem Drohnensammelplatz, wo sie auf Jungköniginnen warten, die sich von mehreren Drohnen begatten lassen. Die eigentliche Paarung findet im Flug statt. Hierbei stülpt der Drohn seinen ansonsten innen liegenden Penis nach außen und pumpt seinen Samen in die Königin – ein Vorgang, der ihn sein Leben kostet, denn der Penis reißt ab. Der Drohn stirbt an Haemolymph-Verlust und fällt von der Jungkönigin ab. Von den rund 100 Millionen Spermien, die eine Königin während des Hochzeitsflugs insgesamt aufnimmt, gelangen etwa 6 Millionen in die Samenblase, wo sie sich mit den Spermien anderer Drohnen vermischen. Dieser Vorrat reicht für alle Lebensjahre der Königin.
Arbeiterinnen verbringen die ersten 18 Tage ihres Lebens überwiegend im Bienenstock. Dort sind sie u.a. mit dem Bau von Wabenzellen beschäftigt, die mit einem Wachsdeckel verschlossen werden, nachdem die Königin sie mit einem Ei bestiftet hat.
Nur weibliche Bienen besitzen einen Stachelapparat, der sich aus einem Organ zur Eiablage, dem sogenannten Legebohrer, entwickelt hat.
Der Stachel der Biene befindet sich am unteren Ende des Hinterleibs und ist mit einer Giftblase verbunden. Wenn sich eine Biene bedroht fühlt, nutzt sie ihn als Wehrstachel und treibt ihn in den Körper des Angreifers und injiziert ein giftiges Sekret.
Die Biene bezahlt den Stich in die Haut eines Menschen mit ihrem Leben. Der Stachel bleibt samt Stachelapparat in der elastischen Haut stecken, sodass die Biene an ihren inneren Verletzungen stirbt.
Ein weiteres geschlechtsspezifisches Merkmal ist der Stachelapparat, der den Männchen gänzlich fehlt. Dies liegt darin begründet, dass sich der Stachel aus dem sogenannten Legebohrer entwickelt hat, einem Organ zur Eiablage, das bei Schlupf- und Gallwespen oder anderen zu den Legimmen zählenden Insektenarten noch heute in seiner ursprünglichen Funktion benutzt wird. Der Stachel befindet sich am unteren Ende des Hinterleibs und ist mit einer Giftblase verbunden. Im Gegensatz zu Grab- und Wegwespen, die ihre Waffe einsetzen, um ihre Beute zu lähmen, benutzen ihn die meisten Bienenarten als Wehrstachel. Und das geschieht in erster Linie, wenn sich die Tiere durch Angriffe individuell bedroht fühlen oder aber Räuber, Parasiten oder Konkurrenten der eigenen Art ins Nest einzudringen versuchen. Dann treiben die Weibchen ihren Stachel in den Körper des Angreifers und injizieren ein giftiges Sekret, das in der Giftdrüse produziert und in der Giftblase gesammelt wird. Königinnen wiederum setzen den Stachel sehr gezielt ein, um Rivalinnen, die noch nicht geschlüpft sind, in der Wabe zu töten.
Bienen können den Stachel durchaus mehrmals in ihrem Leben einsetzen. Das gilt im Übrigen auch für Honigbienen, sofern es sich bei ihrem Gegner um ein Insekt handelt. In diesem Fall versenken Honigbienen ihren Wehrstachel geschickt in die empfindlichen Häute, die sich zwischen den einzelnen Segmenten des Chitin-Außenskeletts befinden, und können ihn danach wieder herausziehen. In der dicken, elastischen Haut des Menschen hingegen bleibt der Stachel aufgrund von Widerhaken hängen. Versucht die Biene, sich zu befreien, reißt sie sich den gesamten Stachelapparat aus dem Körper und stirbt bald darauf an ihren Verletzungen.
Den Stich einer Honigbiene empfinden wir Menschen als besonders unangenehm, weil mit dem Herausreißen des Stachelapparats sämtliches in der Giftblase vorhandene Sekret in die Haut injiziert wird. Die Giftmenge ist größer und damit auch die Wirkung. Wildbienen hingegen, deren Stachel keine Widerhaken besitzen und die ihn daher problemlos wieder herausziehen können, geben bei Stichen nur einen Teil ihres Giftes ab. Doch bis es dazu kommt, muss schon einiges passieren. In aller Regel sind Wildbienen außerordentlich friedlich, verteidigen mitunter nicht einmal ihre Brut. Gegen Menschen können sie oft gar nichts ausrichten, denn nicht selten ist ihr Stachel zu schwach, um in unsere Haut einzudringen.
Mit diesem Problem werden Vertreter der rund 370 Arten umfassenden Gruppe der Meliponini erst gar nicht konfrontiert: Hier teilen Männchen wie Weibchen das Schicksal, stachellos zu sein. Wehrlos sind diese in tropischen und subtropischen Regionen beheimateten Bienen jedoch nicht: Sie verteidigen sich durch Bisse und die Absonderung ätzender Flüssigkeiten.
Willkommener Bienenstich
Wohl jeder kennt den Blechkuchen aus Hefeteig, der mit einer süßen Vanille- oder Sahnecreme gefüllt und mit einer karamelisierten Mandelschicht bedeckt ist – Bienenstich. Kaum jemand kennt jedoch die Legende, die der Namensgebung des Kuchens zugrunde liegt und die bis in das 15. Jahrhundert zurückreicht.
1474 planen Einwohner von Linz am Rhein einen Angriff auf die verfeindete Nachbarstadt Andernach. Im Morgengrauen nähern sie sich den Stadttoren, darauf hoffend, dass sie die für ihre Feierlust bekannten Andernacher im Schlaf überrumpeln können. Und tatsächlich: Die Bewohner der linksrheinischen Gemeinde einschließlich der Torwächter sind in tiefem Schlaf versunken – bis auf zwei Bäckerjungen, die sich an den Stadtmauern herumtreiben, um an Bienenkörbe zu gelangen, die dort aufgereiht sind. Die einen behaupten, Honig sei das Objekt ihrer Begierde gewesen, andere meinen, dass die Jungen dem schlafenden Imker einen Streich spielen wollten, indem sie die Bienenkörbe verkleben und die Bienen damit am Ausschwärmen hindern wollten. Wie dem auch sei. Während sich die zwei Bäckerjungen an den Bienenkörben zu schaffen machen, bemerken sie die zum Angriff gerüsteten Linzer. Für das Alarmieren der Bevölkerung ist es zu spät. Und so greifen sich die Jungen beherzt die Bienenkörbe und schleudern sie von den Stadtmauern direkt in die dichtgedrängte Feindesschar. Tausende verschreckte Bienen setzen daraufhin ihren Stachel gegen die vermeintlichen Angreifer ein und zwingen die Linzer zum Rückzug. Andernach indes feiert seine beiden Helden mit einem großen Fest, zu dem ein besonderer Kuchen gebacken wird, der in Anlehnung an das Ereignis den Namen »Bienenstich« erhält.
Arbeiterinnen sammeln Pollen, Nektar und Honigtau, um den Ertrag bald darauf in den Bienenstock zu transportieren, wo er von anderen Bienen weiterverarbeitet wird.
Alltag und Sozialverhalten der Bienen
»Die Biene sammelt ihren Nektar, ohne der Blüten Schönheit, Farbe oder Duft zu stören. So wandere auch du als schweigender Weiser.«
DHAMMAPADA, PFAD DER NATÜRLICHEN WAHRHEIT, 49
Die Vielfalt, die sich unter den Tausenden Bienenarten im Hinblick auf die äußere Erscheinung zeigt, setzt sich in der Lebensweise der Insekten durchaus fort. Sei es im Umgang mit Artgenossen, beim Nestbau oder bei der Wahl des Schlafplatzes: Von Einzelgängern bis hin zu in Staaten organisierten Bienen sind alle Lebensformen zu finden, manche bevorzugen als Nistplätze leere Schneckenhäuser oder hohle Pflanzenhalme, andere graben im Erdboden ihr Nest. Einzig in der Frage der Versorgung herrscht unter den Bienen weitgehende Einigkeit: Pollen, Nektar und Wasser geben den Insekten alles, was sie zum Überleben benötigen.
ERNÄHRUNG
Bienen sind Vegetarier. Dieses Merkmal verbindet Wildbienen und Nutzbienen miteinander und grenzt sie zugleich deutlich von der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe ab, die sich im Spätsommer auch gerne über Wurstplatten und Grillfleisch hermachen. Alle Bienen ernähren sich von Pollen und süßen Pflanzensäften, mitunter auch von Honigtau. Nur einige wenige Arten wie die in Europa beheimatete Schenkelbiene ergänzen ihren Nahrungsplan zudem um besondere Pflanzenöle. Doch welche Blütenpflanzen angesteuert werden, ob sie einer oder mehrerer botanischer Familien angehören – das liegt ganz im Ermessen oder Geschmack der einzelnen Arten. Und auch beim Transport von Pollen haben die Insekten je nach anatomischen Besonderheiten ganz eigene Methoden entwickelt, um die eiweißhaltige Nahrung sicher in den Bienenstock zu bringen.
SPEISEPLAN
Bienen lieben Blütennektar. Die Insekten nehmen das kohlenhydratreiche, wässrige Drüsensekret der Blütenpflanzen mithilfe ihres Saugrüssels auf. Ist der Rüssel nicht lang genug, wissen sich insbesondere einige Hummelarten durchaus zu helfen: Sie stoßen ihre Mundwerkzeuge in die Blüten- oder Kronröhren und gelangen so an den begehrten Nektar. Insekten nutzen Blütennektar in erster Linie als Energielieferant, weswegen sie den größten Teil auch direkt verschlucken, um ihn vor allem als Kraftstoff für ihre Flüge zu verbrauchen. Ein kleinerer Teil wandert für den Transport in den Vorderdarm, auch Kropf oder Honigblase genannt, und wird im Nest wieder hervorgewürgt.
Bienen sind Vegetarier und damit weder an unserem Grillfleisch noch an der Wurstplatte interessiert. Sie ernähren sich von Pollen, süßen Pflanzensäften, Honigtau oder in seltenen Fällen von Pflanzenölen.
Pollengeneralist oder Pollenspezialist?
Es ist eine interessante Beobachtung, dass Bienen in der Auswahl der Blüten, die dem Pollenerwerb dienen, weitaus wählerischer sind als in der Auswahl ihres Nektarlieferanten. Dieses Verhalten führte in der Vergangenheit zu einer Differenzierung der Bienen in oligolektische bzw. polylektische Arten.
Oligolektische Bienen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ausschließlich Pollen einer Pflanzenart bzw. derer nahen Verwandten sammeln, auch wenn sich andere Pollenquellen im Umfeld befinden. Etwa 30 Prozent der nestbauenden Bienenarten in Deutschland gehören zu diesen »Pollenspezialisten« und tragen nicht selten entsprechende Namen wie Glockenblumen-Mauerbiene oder Heidekraut-Seidenbiene. Ganz anders hingegen das Verhalten von sogenannten Pollengeneralisten: Diese polylektischen Arten fliegen ihre Nahrungsquellen zwar nicht nach dem Zufallsprinzip an, sind aber bei Weitem nicht so wählerisch wie ihre oligolektischen Verwandten. Staatenbildende Bienenarten wie die Honigbiene oder zahlreiche Hummelarten sind dazu prädestiniert, als Pollengeneralisten zu sammeln. Sie sind darauf angewiesen, auch nach Beendigung der Blühdauer einer bestimmten Pflanze auf eine andere umsteigen zu können – ein Verhalten, das beim kommerziellen Einsatz der Bienen als Bestäuber entscheidend ist, denn nur so ist gewährleistet, dass sie beispielsweise nach der Mandelblüte auch Kirsch- und Apfelblüten ansteuern.
Honigbienen weichen zuweilen auf ein anderes kohlehydratreiches Produkt aus: Honigtau. Dabei handelt es sich um ein Ausscheidungsprodukt verschiedener Insekten wie Blatt- oder Schildläuse, die dem Saft der Pflanzen einen Teil ihrer Nährstoffe entziehen und umwandeln. Honigtau ist im Übrigen die Grundlage für den von Blütenhonigen klar abgrenzbaren Waldhonig.
Im Gegensatz zum Nektar, der von den sammelnden Bienen auch selbst verwertet wird, ist der Pollen fast ausschließlich den Larven vorbehalten, die dadurch mit wertvollen Proteinen, Kohlehydraten und Fetten, aber auch Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt werden. Pollen weisen einen ölhaltigen, harzigen Überzug auf, der von den Bienen zu sogenanntem Pollenbalsam verarbeitet wird und zur Desinfektion von Brutzellen eingesetzt wird. Pollenbalsam ist auch Bestandteil des Propolis.
Manche Blütenpflanzen bilden keinen Nektar aus, sondern produzieren fette Öle, die von einigen wenigen Bienenarten bevorzugt werden. Lange Zeit glaubte man, dass der Verbreitungsraum ölproduzierender Pflanzen auf Südamerika und den südlichen Teil Afrikas beschränkt ist. Mit dem Gewöhnlichen Gilbweiderich ist jedoch auch in unseren Breitengraden eine Pflanzenart vertreten, deren Lipide in erster Linie von der Schenkelbiene (Macropis labiata) gesammelt, mit Blütenpollen vermischt und als Brutnahrung eingesetzt werden.
Während langrüsselige Hummelarten wie die Acker- oder Gartenhummel problemlos auch den Nektar der Blüten mit langen Kronröhren aufnehmen können, wenden kurzrüsselige Arten wie die Dunkle Erdhummel den Trick des Nektarraubs an, bei dem Teile der Blüte aufgebissen werden.
Wespen verfügen im Gegensatz zu Honigbienen mit ihren leckendsaugenden Mundwerkzeugen über beißend-kauende Mundwerkzeuge. Sie sind kürzer, sodass die Wespe bei ihrer vegetarischen Nahrungssuche auf Blütenstände mit leicht erreichbarem Nektar angewiesen ist.
Blatt- und Schildläuse sowie andere pflanzensaftsaugende Insekten scheiden mit Honigtau ein zuckerund aminosäurehältiges Sekret aus, das nicht nur von Ameisen, sondern auch von Bienen als Nahrungsquelle genutzt und zu Honig umgewandelt wird. Dieser im Handel als Tannen- oder Waldhonig angebotene Honig sticht vor allem durch seine dunkle Farbe und seinen würzigen Geschmack hervor.
Die von Blüten gesammelten und in den Bienenstock eingetragenen Pollen werden – nach Sorten sortiert – von den Arbeiterinnen in die Vorratszellen gestampft, mit einer dünnen Schicht Honig bedeckt und verschlossen.
POLLENSAMMELMETHODEN
Beine, Bauch, Kropf – dies sind die drei Regionen, die den Bienen zum Transport von Pollen zur Verfügung stehen. Ausschlaggebend für die Wahl des Transportorgans sind anatomische Feinheiten wie die Ausbildung einer Haarbürste am Unterleib oder behaarte Einkerbungen an den Hinterbeinen.
1. Beine: Zahlreiche Bienenarten befördern den gewonnenen Blütenstaub an unterschiedlichen Beingliedern ihrer Hinterbeine. Die bekannteste Gruppe ist die der Körbchensammler. Die Vorrichtung zum Eintragen des Pollens zeigt sich an der äußeren, konkav geformten Seite der Schiene, die mit langen, nach innen gebogenen Randborsten bestückt ist. Sie wird als Körbchen bezeichnet und wächst mit zunehmender Ansammlung von Blütenstaub zu einem sogenannten Pollenhöschen heran. Nicht nur Hummeln und die rund 370 Arten umfassende Gruppe der Stachellosen Bienen (Meliponini) zählen zu den Körbchensammlern, sondern auch alle honigliefernden Bienenarten (Apis) inklusive der in unseren Breitengraden vertretenen Apis mellifera.
Neben dieser klar zu definierenden Gruppe gibt es unzählige weitere Bienenarten, die den Blütenstaub zwar an den Hinterbeinen transportieren, aber nicht wie Honigbienen über ein Körbchen als Pollensammelapparat verfügen. Differenzierungen in dieser Gruppe werden anhand der Beschaffenheit und Lage der Haarbürste vorgenommen. Die durch ihre dichte Behaarung an Hummeln erinnernde Pelzbiene zum Beispiel befördert den Pollen an den Schienen ihrer Beine (»Schienensammler«), während die weiblichen Sandbienen eine dichte Haarlocke am Schenkelkopf nutzen, die sie zu den »Schenkelsammlern« macht.
2. Bauch: Viele Bienen befördern den gesammelten Pollen nicht an ihren Beinen, sondern an der Unterseite ihres Hinterleibs, wo sich lange, borstige und schräg nach hinten verlaufende Haare befinden. Sie dienen dem Sammeln und Eintragen des Blütenstaubs. »Bauchsammler«, zu denen unter anderem die heimischen Wollbienen, Harzbienen, Mauerbienen, Mörtelbienen, aber auch Blattschneiderund Steinbienen gehören, lassen sich dabei beobachten, wie sie ihren Hinterleib innerhalb der Blüte auf und ab bewegen. Dieser Vorgang beschleunigt das Abfegen des Pollens.
3. Kropf: Fast alle Bienenarten befördern den Pollen am und nicht in ihrem Körper. Ausnahmen bilden die kaum behaarten Maskenbienen (Hylaeus), aber auch Holzbienen (Xylocopa) und Keulhornbienen (Ceratina). Sie verschlucken den Pollen, transportieren ihn zusammen mit Nektar in ihrem Kropf und würgen ihn später wieder aus.
Oligolektische Bienen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ausschließlich Pollen einer Pflanzenart sammeln, auch wenn sich andere Pollenquellen im Umfeld befinden. Diese »Pollenspezialisten« tragen nicht selten entsprechende Namen wie die Efeu-Seidenbiene.
Zahlreiche Bienenarten sind Körbchensammler. Das Körbchen, also der Sammelapparat für den Blütenstaub, befindet sich an den Außenseiten des dritten Beinpaars. Indem die Biene Pollen aus ihrem Haarkleid abstreift und im Bereich des Körbchens zu Pollenpaketen verklebt, entstehen die sogenannten Pollenhöschen.
FREMD- ODER EIGENVERSORGUNG ?
Wildbienen und Honigbienen sind in ihrer Leidenschaft für Pollen und Nektar als Nahrungsgrundlage vereint. Doch wer sorgt für volle Bienenmägen? In diesem Punkt unterscheiden sich die Bienenarten durchaus.
Erwachsene Wildbienen leben nach dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit. Männchen wie Weibchen sind selbst dafür zuständig, dass sie ausreichend Nektar und auch Pollen aufnehmen. Die Weibchen müssen, sofern sie nicht zu den parasitischen Arten zählen, zusätzlichen Proviant zur Versorgung ihrer Brut sammeln und anlegen.
Ein ganz anderes Bild bietet sich bei unserer hochentwickelten heimischen Honigbiene. Die Verantwortung für die Versorgung aller Bewohner des Bienenstocks liegt bei den Arbeiterinnen. Sie sammeln nicht nur für die Larven und die Königin, sondern auch für alle im Staat lebenden Drohnen, die aufgrund anatomischer Gegebenheiten nicht selbst Vorräte sammeln und anlegen können.
Harz- und Wollbienen, aber auch Kegel-, Filz- und Wespenbienen schließen sich zuweilen zu Schlafgemeinschaften zusammen. Dabei suchen die Insekten nah beieinander liegende Pflanzenhalme auf, in die sie sich mit ihren Mandibeln verbeißen.
Weitaus bequemer als Pflanzenhalme muten Blüten als Schlafplatz an. Malven oder Glockenblumen werden dabei durchaus als Sammelschlafplatz gleich mehrerer Wildbienen genutzt.
SCHLAFEN
Bienen schlafen. Das scheint selbstverständlich, doch wer sich des Nachts einem Bienenstock nähert, kann es hören: Auch nach dem Einsetzen der Dunkelheit geht es hier betriebsam zu, das Volk scheint nie zu ruhen. Heute wissen wir: Honigbienen benötigen nur ein Drittel der Schlafmenge eines Menschen. Sie verteilen ihren Schlaf auf mehrere Etappen, holen mangelnden Schlaf durch tiefere und längere Ruhephasen nach und reagieren auf Schlafentzug mit Verständigungsproblemen: Unausgeschlafene Honigbienen weisen ihren Artgenossen beim Schwänzeltanz einen falschen Weg zur Futterquelle, scheinen unkonzentriert.
Doch wie sieht es mit den Schlafplätzen der Bienen aus? Bei der Westlichen Honigbiene lässt sich die Frage leicht beantworten: Sie ruhen, nach Berufsgruppen getrennt, in leeren Zellen des Brutbereichs oder am Rand des Bienenstocks. Wildbienen hingegen zeigen sich im Hinblick auf ihre Vorliebe für Schlafplätze sehr vielfältig und ideenreich. Grundsätzlich gilt: Die Weibchen nestbauender Arten, die fast 70 Prozent der Bienenfauna ausmachen, verbringen ihre Nächte im selbst errichteten Nest. Männchen dieser Arten sowie parasitische Bienen bzw. Kuckucksbienen, die keine eigenen Nester bauen, müssen hingegen auf andere Schlafplätze ausweichen. Mitunter sind es dünne Zweige oder Grashalme, in die sich die Insekten dank ihrer Mandibeln festbeißen, um kopfüber, nach unten gestreckt, gekrümmt oder gar in erstarrter horizontaler Position den Schlaf einzuläuten. Dieses Ruheverhalten an Halmen und Ästen ist zum Beispiel bei den artenreichen Wespenbienen (Nomada), aber auch bei Kegelbienen (Coelioxys) und Filzbienen (Epeolus) zu beobachten. Besonders schön anzusehen sind Schlafgemeinschaften, wie man sie mit Glück an Fruchtständen verschiedener Pflanzenarten oder aber in Blüten vorfinden kann. Beliebte Sammelschlafplätze sind zum Beispiel die Blüten der Malve und Glockenblume. Letztere wird, wie der Name schon vermuten lässt, gerne von männlichen Glockenblumen-Scherenbienen (Osmia rapunculi) aufgesucht, aber durchaus auch von anderen Arten, die sich mit mehreren Exemplaren zu einem dicht gedrängten Schlafverband zusammenfinden. Interessanterweise ist diese Gruppenbildung nicht zwangsweise auf eine Art beschränkt, sondern kann zwei oder mehr Arten umfassen.
Mitunter verraten Namen wie Sandbiene schon etwas über die Vorliebe für bestimmte Nistplätze.
Wespenbienen beißen sich mithilfe ihrer Mandibeln an Grashalmen fest, um in horizontaler Position zu schlafen.
Die Frühlings-Pelzbiene gräbt verzweigte Röhren mit bis zu zehn Zentimetern tief liegenden Brutzellen.
Schwer vorstellbar, dass es sich in dieser Position gut schlafen lässt, doch nicht wenige Bienen bevorzugen diese Schlafhaltung, bei der sie sich mit den Mundwerkzeugen festbeißen und den Rest des Körpers während der Schlafphase einfach »hängen« lassen.
Ein Großteil der Wildbienen, zumindest deren weibliche Vertreter, bevorzugt als Schlafplatz jedoch das eigene Nest. Wo dieses errichtet wird, hängt ganz von der Spezialisierung der jeweiligen Bienenart ab, wobei Kriterien wie Bodenbeschaffenheit oder die umliegende Vegetation ausschlaggebend sind. Mitunter verraten Namen wie Sandbiene, Mauerbiene oder Kliffhonigbiene schon etwas über die Vorliebe für bestimmte Nistplätze.
Die Eichengallwespe platziert mithilfe ihres Legebohrers Eier im Gewebe eines Eichenblattes, woraufhin Eichengallen entstehen. Die sich hier entwickelnde junge Wespe verlässt zwischen Dezember und Februar die Galle und hinterlässt ein Bohrloch, das wiederum von anderen Bienenarten zur Eiablage gewählt wird.
Fast Dreiviertel aller weiblichen Wildbienen legen ihre Nester im Erdboden an. Meist sind es vegetationsarme, trockene Böden aus Sand, Löss oder Lehm mit nicht allzu verdichtetem Material, die von den Insekten bevorzugt werden. Manche Gattungen wählen für ihre Brutstätten ebene Flächen, andere schwach geneigte Hänge und Böschungen, wieder andere errichten ihre Nistgänge an Steilwänden oder benutzen bereits vorhandene Hohlräume im Mauerwerk von Gebäuden. Die unterschiedliche Vorgehensweise – aktiver Nestbau oder Nutzung bereits bestehender Gänge – zeigt sich zum Beispiel bei der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) und der Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum). Erstere gräbt verzweigte Röhren mit bis zu zehn Zentimeter tief liegenden Brutzellen, wobei sich unter besonderen Umständen Ansammlungen, sogenannte Aggregationen, von 100 Nestern und mehr in direkter Nachbarschaft befinden. Die Weibchen der solitär lebenden Garten-Wollbiene bedient sich dann später dieser bereits gegrabenen Nester, sofern sie verlassen sind.
Auch Bienenarten, die morsches und totes Holz zum Standort für ihrer Nester machen, überlassen die Vorarbeit oftmals anderen Insekten, in aller Regel Käfer oder Holzwespen. Ausnahmen bilden zum Beispiel verschiedene Arten von Holzbienen (Xylocopa), die ursprünglich in den warmen Gebieten der Tropen und Subtropen beheimatet sind, mittlerweile aber auch mit drei Arten im deutschsprachigen Raum zu finden sind. Dank ihrer kräftigen Oberkiefer sind die knubbeligen, mit schwarzen Haaren und schwarzen Flügeln versehenen Insekten selbst in der Lage, Gänge in mürbes Holz zu nagen und dort ihre Nester anzulegen. Diese Fähigkeit bringt ihnen nicht unbedingt die Sympathie des Menschen entgegen, der die Entstehung von Bohrlöchern in den Holzverkleidungen seines Hauses mit Unwillen verfolgt und nicht selten mit dem Einsatz von Gift beantwortet.
Vorgebohrte Bohrgänge im Längsholz werden von zahlreichen Wildbienenarten gerne zur langfristigen Besiedlung angenommen, denn nur wenige Arten wie die Holzbiene sind in der Lage, die Bohrgänge selbstständig anzulegen.
Kleine Hohlräume im Mauerwerk, wie sie oftmals im Bereich des Mörtels zu finden sind, bieten nicht nur der Mauer- und Mörtelbiene einen idealen Nist- und Schlafplatz.
Auch markhaltige oder hohle Stängel werden von einigen wenigen Bienenarten als Nistplatz genutzt. Keulhornbienen (Ceratina) beispielsweise nagen in die Stängel von Rosen, Brombeeren oder Königskerzen Hohlräume für die Brutzellen, die aufgrund der Gegebenheiten im Stängel linienförmig angelegt sind. Auch einzelne Arten der Mauerbiene (Osmia) sind hier zu finden, wobei der bevorzugte Niststandort – der Name lässt es bereits vermuten – Hohlräume oder Ritzen im Mauerwerk sind.
Die wohl ungewöhnlichsten Nistplätze sind indes Schneckenhäuser, die von einigen Mauerbienenarten zur Pollen- und Eiablage genutzt werden, sowie Pflanzengallen. Letztere bilden sich beispielsweise an Eichenblättern, nachdem die Eichengallwespe (Cynips quercusfolii) mithilfe ihres Legebohrers ein Ei im Gewebe des Blattes platziert hat. Die sich hier entwickelnde junge Wespe verlässt zwischen Dezember und Februar die Galle und hinterlässt ein Bohrloch, das wiederum von Maskenbienen und anderen Arten zur Eiablage genutzt wird.
Wer wachsam und mit geschärftem Blick durch die Welt geht, kann sich von der Vielfalt der Wildbienennist- und schlafplätze überzeugen – einer Vielfalt, die sich nicht auf die Schlafgewohnheiten der Insekten beschränkt, sondern ebenso im Hinblick auf ihr Sozialverhalten anzutreffen ist.
SOZIALVERHALTEN
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass sich die Lebensweise der uns vertrauten Honigbiene auf die Zehntausenden anderen Bienenarten übertragen lässt. Das Gegenteil ist der Fall. Apis mellifera stellt mit ihrer arbeitsteiligen, staatenbildenden Lebensweise die große Ausnahme dar. Die meisten Bienen führen ein Einsiedlerdasein. Doch Gemeinschaftsbienen mit Populationen von bis zu 100.000 Tieren auf der einen und Solitärbienen auf der anderen Seite sind lediglich die zwei Außenpositionen eines Sozialverhaltens, das faktisch mehrere Entwicklungsstufen aufweist. Die Zuordnungen in diese Kategorien lassen sich nicht immer exakt vornehmen und doch vermitteln sie einen Eindruck davon, welchen Umgang Vertreter einzelner Bienengattungen mit ihren Artgenossen pflegen.
AUF SICH SELBST GESTELLT – SOLITÄRBIENEN
Solitär lebende Bienen stellen mit Abstand die größte Gruppe unter den Wildbienen dar. Ihr Einsiedlerdasein bedeutet nicht, dass sie jeglichen Kontakt untereinander meiden würden. Männliche Solitärbienen schließen sich durchaus zu Schlafverbänden zusammen und teilen sich eine Blüte oder einen Fruchtstand als Schlafplatz. Solitäre Bienen zeichnen sich vielmehr dadurch aus, dass die Weibchen ihre Nester alleine errichten und auch bei der Versorgung ihrer Brut auf sich selbst angewiesen sind. Typische Vertreter solitär lebender Wildbienen sind Maskenbienen (Hylaeus) und Seidenbienen (Colletes) aus der Familie der Colletidae, Blattschneider- und Mörtelbienen (Megachile) sowie Mauerbienen (Osmia), aber auch Sandbienen, die allein in Deutschland mit knapp 120 Arten vertreten sind. Der Lebenszyklus einer typischen Solitärbiene verläuft in Grundzügen in etwas so: Zwischen März und Ende Juni schlüpfen mit einem kurzen zeitlichen Vorsprung zunächst die Männchen, die sich auf die Suche nach den bald folgenden fruchtbaren Weibchen machen. Nach dem Begattungsakt begibt sich das Weibchen sofort an die aufwendige Brutvorsorge. Im Alleingang richtet sie einen Nistplatz ein, wobei sie mitunter auf bereits vorhandene Hohlräume zurückgreift. Der Bauvorgang folgt bei Solitärbienen einem strikten Plan: Erst wenn eine Brutzelle vollständig errichtet, mit Larvenproviant in Form von Pollen und Nektar aufgefüllt und mit einem Ei versehen ist, verschließt die Biene die Zelle und beginnt mit dem Bau der nächsten. Wenn alle Brutzellen fertig und aufgefüllt sind, verlässt die Biene das Nest ohne weitere Fürsorge. Bald darauf stirbt das Weibchen. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich von dem bereitgestellten Proviant ernähren, einspinnen und überwintern. Erst im darauffolgenden Frühjahr erfolgt die Verpuppung und eine neue Generation junger Solitärbienen erwacht zum Leben.
Solitärbienen wie die Mauerbiene leben allein und bauen ihr eigenes kleines Nest. Für jede Eizelle legt die Mauerbiene eine geeignete Brutzelle an, die sie durch senkrechte Wände aus Lehm und Speichel gegen andere Brutzellen abgrenzt.
Die Weibchen der solitären Mörtelbiene bauen je ein eigenes Nest aus Lehm und Steinchen, das an Felsen oder Hauswänden angeheftet wird. Dieses enthält in der Regel fünf bis zehn Brutkammern, in denen sich die Larven entwickeln.
Die Larven ernähren sich nach dem Schlüpfen wochenlang vom Pollen, bevor sie als Vorpuppe in eine mehrmonatige Ruhephase übergehen.
Nachdem die Biene ausreichend Pollen in die Brutzelle eingetragen hat, erfolgt die Eiablage. Danach wird die Brutzelle mit einem Deckel aus Naturmaterialien verschlossen, der bei Linienbauten zugleich den Boden für die nächste Brutzelle bildet.
LEBEN IN DER WOHNGEMEINSCHAFT – KOMMUNALE BIENEN
Eine Vorstufe zum sozialen Verband findet sich unter anderem bei einigen Vertretern aus der Familie der Andrenidae, so zum Beispiel bei der Sporn-Zottelbiene (Panurgus calcaratus) oder einigen Sandbienenarten. Diese kommunalen Bienen zeigen in ihrem Sozialverhalten große Ähnlichkeiten mit Solitärbienen – alle Weibchen sind fruchtbar, alle erledigen die Brutvorsorge im Alleingang. Allerdings werden die Brutzellen in einem gemeinsamen Nest angelegt, das sich zwei oder mehrere Weibchen einer Generation teilen. Einer der Vorteile dieser Wohngemeinschaft, in der die Bienen fast immer einen gemeinsamen Eingang benutzen, ansonsten aber ihren eigenen, autarken Bereich bewohnen, zeigt sich im Fall einer Bedrohung durch artfremde Eindringlinge: Im Nest anwesende Bienen verteidigen dann nicht nur ihre eigene Brut, sondern auch automatisch die ihrer Mitbewohnerinnen.
Nach dem Begattungsakt – hier am Beispiel von Mauerbienen – macht sich das Weibchen sofort an die aufwendige Brutvorsorge.
Solitäre Bienen wie die Blattschneiderbiene zeichnen sich dadurch aus, dass die Weibchen ihre Nester allein errichten und auch bei der Versorgung ihrer Brut auf sich selbst angewiesen sind.
GEMEINSCHAFTLICHES LEBEN MIT ARBEITSTEILUNG – SOZIALE BIENEN
Bei allen sozialen Bienenarten, die Staaten bilden, unterscheiden wir eine auf dem Prinzip der Arbeitsteilung beruhende Differenzierung in drei Wesen: Es gibt eine – optisch meist hervorstechende – Königin und viele Arbeiterinnen, die sich um die Brut kümmern, Nahrung beschaffen und den Nestausbau und -schutz übernehmen. Aus unbefruchteten Eiern entstehen später wiederum männliche Drohnen, die sich weder an der Nahrungssuche noch am Nestausbau beteiligen.
Doch auch dieses Gemeinschaftsleben kennt durchaus unterschiedliche Entwicklungsstufen. So sprechen wir beispielsweise von primitiv-eusozialen Gemeinschaften (eu = griech.: gut, wohl), wenn die eigentliche Nestgründung samt Eiablage und Proviantansammlung von einem einzelnen Weibchen durchgeführt wird. Mit dem Schlüpfen der ersten Tochtergeneration wird jedoch diese an Solitärbienen erinnernde Lebensweise durch arbeitsteiliges Gemeinschaftsleben mit engen Bindungen abgelöst, wobei in aller Regel kein Futteraustausch zwischen den erwachsenen Bienen stattfindet. Die Lebensdauer der primitiv-eusozialen Staaten ist meist auf die Zeit von Frühjahr bis Herbst beschränkt, denn mit dem Ausschwärmen geschlechtsreifer Männchen und Weibchen zerfällt die alte Ordnung, und alle Bienen der Gemeinschaft – abgesehen von den befruchteten Jungköniginnen – sterben. Die wichtigsten Repräsentanten dieser primitiv-eusozialen Lebensweise sind Hummeln.
Den höchsten Grad in der Entwicklung ihres Sozialverhaltens haben unbestritten die Honigbienen erreicht. Ihre hoch-eusoziale Lebensweise ist die Grundlage für das Bestehen von Kolonien, die in ihrer Komplexität und Organisationsweise eine unendliche Faszination ausüben.
Mit dem Schlüpfen der ersten Tochtergeneration entsteht eine arbeitsteilige Lebensgemeinschaft, deren Lebensdauer auf ein Jahr begrenzt ist.
Die bekanntesten Vertreter der primitiv-eusozialen Lebensweise sind Hummeln. Bei der Nestgründung, dem Sammeln von Proviant und der Versorgung der Brut ist das Weibchen komplett auf sich alleine gestellt.
Die Düsterbiene zählt zu den Brutschmarotzern. Die Weibchen suchen meist die Nester der Löcherbiene auf und legen ihre Eier in dem dort vorhandenen Futterbrei ab. Die Larve der Düsterbiene schlüpft vor der Wirtslarve, tötet sie und ernährt sich von dem Pollen-Nektar-Vorrat.
UNGEBETENE GÄSTE – PARASITISCHE BIENEN
Ob Solitärbienen, kommunale oder soziale Bienen – alle diese Bienen verbindet ein wesentliches Merkmal: Die Weibchen legen eigene Nester samt Proviant für ihre Brut an, unabhängig davon, ob sie dies im Alleingang oder gemeinschaftlich tun oder ob sie dafür bereits angelegte Hohlräume nutzen. Dieses Verhalten trifft bei Weitem nicht auf alle Weibchen zu. Im Gegenteil: Je nach Region macht der Anteil parasitischer Bienen, die auch als Kuckucksbienen bezeichnet werden, bis zu 25 Prozent aus. Sie sind in allen Bienenfamilien zu finden, oft schmarotzen sie bei verwandten Arten. Das zeigt sich zum Beispiel bei Trauerbienen (Melecta), die bei Pelzbienen (Anthopora) schmarotzen. Beide Gattungen zählen zur Familie der Apidae. Im Frühjahr, wenn die Pelzbienen ihre Nester an lehmigen Steilwänden, vegetationsarmen Bodenstellen oder in Totholz angelegt haben und die Eiablage erfolgt ist, suchen die Trauerbienen nach einem geeigneten Moment, um in die Nester einzudringen und in bereits verschlossene Brutzellen ihre eigenen Eier abzulegen. Die Larve frisst nach dem Schlüpfen zunächst das Wirtsei, bedient sich dann der angelegten Vorräte und überwintert auch in der Brutzelle. Ganz offensichtlich weiß die Pelzbiene um die Gefahr, die von außen in Gestalt von Kuckucksbienen droht, denn nicht selten finden sich im Eingangsbereich der Nester Brutzellen, die mit nur wenig Proviant angereichert sind und in denen keine Eiablage erfolgt ist. Selbst wenn die parasitische Biene hier ihre Eier ablegt, wird die Brut der Wirtin dadurch nicht gefährdet – ein cleveres Täuschungsmanöver.
Die Weibchen parasitischer Arten haben trotz aller Unterschiede im Hinblick auf Form und Farbgebung ein gemeinsames Merkmal. Sie verfügen im Gegensatz zu ihren solitär, kommunal oder sozial lebenden Verwandten über keine Sammelvorrichtungen und haben meist ein nur sehr spärliches Haarkleid. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Da sie keinerlei Brutvorsorge betreiben, also auch keinen Proviant sammeln müssen, sind diese anatomischen Voraussetzungen entsprechend zurückgebildet.

Honig entsteht, indem Bienen den Nektar von Blütenpflanzen mit körpereigenen Stoffen anreichern und in Waben speichern. Wichtig ist hierbei, dass die Biene dem Nektar ihren Speichel und damit Enzyme hinzufügt. Im Bienenstock findet die Reduzierung des Wassergehalts statt, wodurch der Honig eingedickt wird.
Die Hornissen und die Bienen
Am Werke kann den Meister man erkennen.
Ein paar Honigwaben waren herrenlos; Hornissen
hatten sie an sich gerissen,
doch auch die Bienen wollten sie ihr eigen nennen.
Vor eine Wespe kam der Streit, die sollt' ihn schlichten;
allein es ward ihr schwer, nach Fug und Recht zu richten.
Die Zeugen sagten, daß sie um die Wabe her
geflügeltes Getier, das braun und länglich wär'
und summte, oft bemerkt. Das sprach wohl für die Bienen;
jedoch was half's, da die Kennzeichen ungefähr
auch den Hornissen günstig schienen?
Die Wespe wußte nun erst recht nicht hin und her,
und sie beschloß – die Sache wirklich aufzuklären –,
der Ameisen Meinung anzuhören.
Umsonst! Denn alles blieb, wie's war.
»Auf diese Art wird's nimmer klar!«
sprach eine Biene, eine weise.
»Sechs Monde schleppt sich schon der Streit im alten Gleise,
und wir sind weiter um kein Haar.
Will sich der Richter nicht beeilen,
verdirbt der Honig mittlerweilen.
Am Ende frißt der Bär ihn gar!
Erproben wir jetzt drum ohn' Advokatenpfiffe
und ohne Krimskrams der Juristenkniffe
nur durch die Arbeit unsre Kraft!
Dann wird sich's zeigen, wer von uns den süßen Saft
in schöne Zellen weiß zu legen.«
Durch der Hornissen Weig'rung war
gar bald ihr Unrecht sonnenklar.
Der Bienen Schar gewann den Streit von Rechtes wegen.
O würde jeder Streit doch nur auf diese Art
entschieden und, wie man im Morgenlande richtet,
nach dem Buchstaben nicht, nein, nach Vernunft geschlichtet!
Was würd' an Kosten dann gespart,
statt daß mit endlosen Prozessen
man jetzt uns zur Verzweiflung treibt!
Wozu? Die Auster wird vom Richter aufgegessen,
während uns die Schale bleibt.
JEAN DE LA FONTAINE: FABELN
Am Ende des fünften und letzten Larvenstadiums verpuppt sich die Hornissenlarve und verschließt zugleich die Zelle mit einem dichten Geflecht aus Fäden.
Knapp 70 Hummelarten sind auf dem europäischen Kontinent beheimatet, doch neueste Studien zeigen, dass ein Viertel dieser Arten vom Aussterben bedroht ist. Nahrungsmangel aufgrund intensiver Landwirtschaft, Klimawandel und der Einsatz von Chemikalien machen den pelzigen Bestäubern ebenso zu schaffen wie den Honigbienen.
Sympathische Brummer–Hummeln
Die Sympathie des Menschen den Tieren gegenüber scheint zuweilen ungerecht verteilt. Das zeigt sich auch im Vergleich von Wespen und Hummeln. Während Erstere gemeinhin mit den Attributen »lästig«, »aggressiv«, »unnütz« versehen werden, treibt der Anblick von Hummeln nicht selten ein wohlwollendes Lächeln in das Gesicht des Betrachters. Vielleicht liegt es an dem überaus friedfertigen Wesen dieser Tiere, vielleicht an ihrer knubbeligen, pelzigen Erscheinung oder aber an dem tiefen, sonoren Brummton, den sie von sich geben. Tatsache ist: Hummeln kennt jeder, Hummeln mag (fast) jeder.
Aller Sympathie zum Trotz ist es um die Artenvielfalt von Bombus, so der wissenschaftliche Name, nicht gut bestellt – und das fällt bei weniger als 300 weltweit vertretenen Arten schwer ins Gewicht. Alpenhummeln (Bombus alpinus) und Berghummeln (Bombus mesomelas) gelten in Deutschland bereits als ausgestorben, Samthummeln (Bombus confusus), Deichhummel (Bombus distinguendus), Mooshummeln (Bombus muscorum) und Obsthummel (Bombus pomorum) sind in ihren Beständen stark gefährdet und werden auf der Roten Liste bedrohter Tierarten geführt. Der Populationsrückgang insbesondere langrüsseliger Hummelarten ist deshalb besorgniserregend, da sie als Bestäuberinsekten unschätzbaren Dienst leisten. Das liegt nicht zuletzt an ihrer robusten Art: Hummeln bevorzugen zwar gemäßigte Klimazonen, sind aber bei der Pollen- und Nektarsuche alles andere als zimperlich. Niedrige Temperaturen, auf die Honigbienen empfindsam reagieren, hindern Hummeln ebenso wenig am Verlassen des Nestes wie extreme Luftbedingungen: So sind Bombus-Arten selbst auf dem Mount Everest in Höhen von über 5500 Metern bei der Arbeit zu beobachten.
Hummeln sind, sofern es sich nicht um parasitische Kuckuckshummeln handelt, soziale Insekten mit Staatenverband. Die Voraussetzung zur Gründung eines Staates wird im Herbst mit der Begattung von Jungköniginnen eingeleitet, die sich bald darauf ins Erdreich eingraben oder unter Moose und Graslagen kriechen und dort überwintern. Sofern sie die kalte Jahreszeit überleben, kommen sie zwischen Anfang März und Ende April wieder ans Tageslicht, gehen direkt auf Nahrungssuche und erkunden dabei bereits geeignete Nistplätze. Manche Arten halten Ausschau nach vorhandenen Hohlräumen unter der Erde – zum Beispiel Maus- oder Maulwurfsgänge, die nach Bedarf erweitert werden –, andere errichten ihr Nest überirdisch in Moospolstern und Grasbüscheln, Felsspalten und Löchern im Mauerwerk. Ist ein geeigneter Standort gefunden, legt das auf sich allein gestellte Hummelweibchen innerhalb des Nestes einen sogenannten Honigtopf an. Hierbei handelt es sich um zwei Zentimeter große, oben geöffnete Behälter, die mit Blütennektar als Larvenproviant gefüllt sind. Pollen und Nektar, die mit Drüsensekreten zu »Bienenbrot« fermentiert werden, bilden wiederum die Unterlage für einen Wachsring, in den mehrere Eier gelegt werden. Rund drei Wochen nach der Eiablage schlüpft die erste Generation weiblicher Arbeiterinnen, die aufgrund einer Pheromonabsonderung der Königin alle unfruchtbar sind. Ab jetzt gleicht das Leben der Hummeln dem der Honigbienen: Die Arbeiterinnen sind mit Zellenbau, Nahrungssuche, Brutversorgung sowie Klimatisierung und Verteidigung des Baus beschäftigt. Die Königin hat ihren solitären Status verloren, wird von einem Hofstaat versorgt und kümmert sich fortan um die Eiproduktion und die Erhaltung des Staates, der auf bis zu 1000 Tiere anwachsen kann. Frühestens im Hochsommer schlüpfen geschlechtsreife Hummeln, zunächst Männchen aus unbefruchteten Eiern, dann begattungsfähige Weibchen. Wenn sie das Nest dauerhaft verlassen, beginnt der Untergang des Hummelstaats. Es mangelt an Arbeiterinnen und die Königin selbst gibt nicht mehr genug Pheromone ab, um die verbliebenen Arbeiterinnen an der Ablage eigener Eier zu hindern. Dadurch zerbricht die alte, auf einer klaren Aufgabenteilung bestehende Ordnung. Die Weibchen konkurrieren fortan untereinander in dem Bestreben, möglichst viele eigene Nachkommen zu produzieren. Von diesem Kampf bleibt auch die Königin nicht verschont: Sie wird von Arbeiterinnen aus dem Nest verstoßen oder getötet. Auch die unbefruchteten Weibchen sterben, wie die Drohnen, noch vor Einbruch des Winters. Allein die befruchteten Jungköniginnen haben eine Chance, das kommende Frühjahr zu erleben und einen neuen, einjährigen Hummelstaat zu gründen.
Die Hummel gehört zu den staatenbildenden Insekten. Je nach Art bilden neben der Königin zwischen 50 und maximal 1000 Bewohner den einjährigen Hummelstaat. Die Mehrzahl der Tiere sind Arbeiterinnen, daneben besteht das Volk aus Drohnen und Jungköniginnen.
Die Honigbiene

Die neun Honigbienenarten der Welt
»Der Weiser rief darauf den Rest der Untertanen,
Um sie zur Eintracht zu ermahnen.
›Der Unterschied in eurer Pflicht
Erzeugt‹, sprach er, ›den Vorzug nicht.
Nur die dem Staat am treusten dienen,
Dies sind allein die bessern Bienen.‹«
CHRISTIAN FÜRCHTEGOTT GELLERT: DIE BIENEN
AUS: FABELN UND ERZÄHLUNGEN
Unter all den Bienengattungen der Welt bilden die der Honigbienen, lat. Apis, eine recht kleine Gruppe. Lediglich neun Arten weltweit zählt sie der allgemeinen Auffassung nach, doch gibt es Meinungen, dass beispielsweise die Kliffhonigbiene nur eine Unterart der Riesenhonigbiene sei. Von neun Arten ausgehend, sind allein acht ausschließlich auf dem asiatischen Kontinent beheimatet. Einzig Apis mellifera, die Westliche Honigbiene, also unsere »Hausbiene«, ist auch in Afrika ansässig und konnte bis in gemäßigte Klimazonen vordringen. Bemerkenswert ist, dass diese wenigen Arten weltweit eine so wichtige Rolle für die Ökosysteme einnehmen: Obwohl sie mit anderen staatenbildenden Insekten wie Termiten und Ameisen gerade einmal zwei Prozent der bekannten 900.000 Insektenarten ausmachen, sind die Honigbienen beispielsweise in Europa für die Bestäubung von rund 80 Prozent aller Blütenpflanzen, die durch Insekten bestäubt werden, verantwortlich.
WAS ZEICHNET DIE HONIGBIENE AUS?
Ihren Namen haben die Honigbienen nicht deshalb erhalten, weil ihnen Honig als Nahrung bzw. Energielieferant dient – das haben sie mit allen Bienen gemein –, sondern weil sie große Mengen an Honigvorräten anlegen. Weit mehr als sie in der Regel verbrauchen, sodass der Mensch einen Teil davon ernten kann.
Allen Honigbienenarten sind einige wesentliche Eigenschaften und Merkmale gemeinsam: Sie bilden Staaten und bauen aus einer oder mehreren Waben ihre Nester, deren einzelne sechseckige Zellen als Brutzellen und als Honig- und Pollenlager dienen. Sie leben in selbstorganisierten Kolonien, verwenden vielschichtige Arbeitsteilungs- und Kommunikationssysteme und sie sind in der Lage, sich zu einem Großteil von ihrer Umwelt unabhängig zu machen, indem sie etwa die Baustoffe ihrer Nester selbst produzieren oder fähig sind, die Temperatur innerhalb der Kolonie zu regulieren. Bei den Westlichen Honigbienen bedeutet das beispielsweise, dass es im Winter mancherorts einen Unterschied zwischen der Außentemperatur und der Kerntemperatur innerhalb des Stockes von 60 °C gibt, den die Insekten allein mit ihren Körpern und dem Honig als Energielieferanten erzeugen. Außerdem bilden die Honigbienen eusoziale Gemeinschaften, haben eine Königin, die ausschließlich Eier legt, und eine Arbeiterinnenkaste, die alle anderen Arbeiten erledigt. Und sie zeigen alle Voraussetzungen eines sogenannten Superorganismus, dessen Grundelemente nicht wie bei einem Organismus Zellen und Gewebe sind, sondern einzelne, miteinander kooperierende Individuen, die in ihrer Gesamtheit Wirbeltieren und sogar Säugetieren ähneln.
Die abgerundeten, hexagonalen Zellen der Bienenwabe gelten als die am besten untersuchten Strukturen der Natur. Sie zeichnen sich trotz ihres weichen, zerbrechlichen Materials durch eine außerordentliche Stabilität bei ungeheurer Leichtigkeit aus, sodass ihr Aufbau zunehmend als Vorbild technischer Materialien dient.
Der Mythos von der Killerbiene
Ihre Geschichte klingt wie die eines Science-Fiction-Horrorfilms: 26 Bienenschwärme der Ostafrikanischen Hochlandbiene (Apis mellifera scutellata) brechen wegen der Unachtsamkeit eines Mitarbeiters 1956 aus einem brasilianischen Versuchslabor aus. Sie paaren sich mit den eingebürgerten europäischen Honigbienen und so entsteht die afrikanisierte, amerikanische Honigbiene. Unaufhaltsam dringt diese Biene, die im tropischen und subtropischen Klima bestens in freier Wildbahn überleben kann, nach Mittelamerika und in den Süden der USA vor. Im Jahr 2014 ist sie in San Francisco angelangt. Soweit stimmt die Geschichte.
Was ansonsten in aller Welt über die Killerbiene beziehungsweise »the assasin«, den Attentäter, wie sie in Brasilien genannt wird, geschrieben, berichtet und in Hollywoodfilmen »dokumentiert« wird, gehört eher ins Reich der Mythen. Äußerst aggressiv und stechlustig sei sie, ein erbarmungsloser Killer, der allenthalben Todesopfer zurücklassen würde.
Es stimmt, dass Apis mellifera scutellata und mit ihr auch die afrikanisierte Honigbiene eine andere Verteidigungsstrategie verfolgt als die europäischen Rassen. Durch ihren ostafrikanischen Lebensraum an eine wesentlich höhere Prädatorenmenge angepasst, reagieren die Insekten bereits bei Annäherung an das Nest, greifen dann in Schwärmen an und verfolgen den Feind über weite Strecken hinweg. Doch zum einen zeigt sich darin ein Notwehr-, nicht ein Killerinstinkt, zum anderen ist die Biene deutlich kleiner, die Stärke ihres Giftes um 30 Prozent geringer als die der europäischen Rassen. Rund eintausend Stiche sind nötig, um einen gesunden erwachsenen Menschen zu töten. Und die Biene greift nicht etwa im freien Feld an, selbst dann nicht, wenn sie gerade schwärmt. Sie ist allein bei der Nestverteidigung stechfreudig.
Was die Imker Süd- und Mittelamerikas aber längst für die »Killerbienen« eingenommen hat, sind die enormen Honigerträge, die Resistenz der Insekten sowohl gegenüber der Varroamilbe als auch gegenüber der Amerikanische Faulbrut, die hervorragende Bestäubungsleistung und die allgemeine Entwicklungsfreudigkeit der Völker. Die Arbeit mit den Bienen erforderte eine Umstellung der Arbeitskleidung und der Arbeitsweise, doch die Mühe lohnte sich: Statt 20 Kilogramm Honig mit den europäischen Honigbienen liegen die Ernteerträge mit der »Killerbiene« bei etwa 60 Kilogramm Honig pro Jahr und Volk.
Aber natürlich gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten, in körperlicher Hinsicht ebenso wie in Bezug auf Lebensraum und Lebensweise. Die Körpergröße ist hier ganz entscheidend, die Färbungen des Körpers und der Haare und – als eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der Arten – die Genitalorgane der Königinnen und Drohnen. Grob lassen sich auch die freibrütenden Honigbienen, die an Ästen oder im Busch nisten, von den Höhlenbrütern, die ihre Kolonie in einer schützenden Höhle ansiedeln, unterscheiden.
DIE RIESENHONIGBIENE, APIS DORSATA
Bis zu zwei Meter breit können ihre spektakulären Nester, die nur aus einer einzigen frei an einem dicken Baumast hängenden Wabe bestehen, werden. Und an solch einem Baum hängt nicht nur eines der halbmondförmigen bis dreieckigen Apis-dorsata-Nester, es können Dutzende sein. Bis zu 100.000 Bienen bilden eine Kolonie, schnell kommen an einem der sogenannten »Bienenbäume« also mehrere Millionen Individuen zusammen. Warum die Riesenhonigbienen – zwischen Pakistan und Vietnam, in Indien und auf den indonesischen Inseln beheimatet – in Gruppen siedeln, ist noch ungeklärt. Auch ist nicht klar, warum manche Bäume in Scharen besiedelt werden und andere, völlig gleich erscheinende Bäume, gar nicht. Fest steht, dass die einzelnen Völker gänzlich unabhängig voneinander leben und keinerlei Nutzen daraus ziehen, dass in ihrer unmittelbaren Nähe ein anderes Volk ihrer Art lebt. So verteidigen sie nicht etwa gemeinsam ihre Nester vor Feinden, sondern verharren ungerührt, solange nicht das eigene Volk bedroht ist. Fest steht auch, dass die Riesenhonigbienen Wanderbienen sind: Sie haben Winter- und Sommerquartiere und je nach Lebensraum wandern sie zwei- bis viermal im Jahr. Das erfordert ein wesentlich längeres Leben als bei anderen Bienenarten: In den Sommern vor allem in höheren Lagen (bis maximal 2000 Meter) anzutreffen, verlassen die Bienen beispielsweise bei Abklingen des Monsuns ihre Wabe. Die Königin hat schon vor einer Weile die Eiablage eingestellt, die Bienen bereiten sich auf die Wanderung vor, die Brut ist meist geschlüpft und neue wird nicht mehr herangezogen. Die Wanderung kann bis zu 200 Kilometer weit sein und bis zu sechs Wochen dauern, denn spätestens nach fünf Kilometern müssen die Bienen ruhen und frischen Nektar und Pollen suchen. Sind sie am Ziel ihrer Wanderung angekommen, müssen neue Nester gebaut, Honigvorräte angelegt und die neue Brut betreut werden – erst dann hat eine Bienengeneration ihre Pflicht erfüllt und die nächste übernimmt deren Aufgaben. Die Riesenhonigbiene wird also in der Regel mehrere Monate alt – im Vergleich dazu wird unsere »Hausbiene« im Sommer nur etwa 42 Tage, im Winter sechs bis sieben Monate alt.
In Süd- und Westindien gehören die gewaltigen Banyanbäume zu den wichtigsten Nistbäumen der Riesenhonigbiene. Weil sie und andere wichtige Nistplätze in Südostasien immer häufiger großflächig abgeholzt werden, weicht Apis dorsata beim Bauen ihrer Nester zunehmend auf das Balkenwerk menschlicher Gebäude aus und wird damit ganz allmählich zum Kulturfolger.
Auf einem Banyanbaum im südwestindischen Bundesstaat Bangalore wurden im Jahr 2005 insgesamt 625 Bienennester gezählt. Der Baum ist umgeben von Eurkalyptusbäumen, deren Blüten den Insekten eine exzellente Futterquelle bieten.
Jedes Jahr kehrt ein Großteil der Bienenvölker im Zuge ihrer Wanderung zu ihrem Baum zurück, was Forscher des Institute for Natural Resources Conservation, Education, Research and Training (INCERT) dazu bewog, den Bienenbaum für das UNESCO-Naturerbeprogramm vorzuschlagen. Und auch die Einwohner der benachbarten Dörfer erkannten seinen Wert: Sie stellten die Honigernte an diesem Baum ein, als bekannt wurde, dass durch sie die Zahl der Nester stetig dezimiert wurde.
Kennt man die Westliche Honigbiene in ihren Bienenbeuten, so bietet die frei brütende Riesenhonigbiene in ihrer ganzen Lebensweise einen spektakulären Kontrast dazu. Die riesige Wabe wird an eine breite waagerechte Fläche angebaut und besteht aus einem Vorratsspeicher und einem Brutbereich, die sich durch ihre Zellentiefe deutlich voneinander unterscheiden. Die gleich großen, aber sehr viel tieferen Honigzellen nehmen bei großen Völkern bis zu 50 Kilogramm Honig auf, in sehr viel flacheren Zellen wird die Brut herangezogen. Auf der senkrecht hängenden Wabe selbst sind etwa zehn Prozent des Bienenvolks mit der Brut- und Zellenpflege, mit dem Beheizen oder Kühlen der Wabe und mit der Honig- und Pollenverarbeitung beschäftigt. Ein ebenso kleiner Teil sammelt Blütenpollen und Nektar. Die übrigen Bienen aber hängen dicht an dicht neben- und übereinander, halten sich an den anderen Bienen fest und bilden so einen dichten Schutzmantel um die Wabe. Ihr Hinterleib ist dabei frei beweglich, der Kopf fast gänzlich unter den Hinterlieb der darüberhängenden Biene geschoben, die Flügel leicht ausgebreitet. Gegen Regen, der an ihren Leibern und Flügeln abläuft wie an Dachziegeln, bilden sie so einen ebenso wirksamen Schutz wie gegen kleinere Feinde. Kommt beispielsweise eine Wespe in die Nähe des Stockes, so schnellen die Hinterleiber der Bienen in die Höhe und es entstehen sensationelle Wellenbewegungen, die den Angreifer verscheuchen und verwirren sollen. Größere Feinde greift Apis dorsata in Mengen an, sticht sofort zu und gilt daher – besonders bei den einheimischen Honigjägern – als aggressivste Biene überhaupt.
In einem dichten Vorhang hängt ein Großteil der Apis-dorsata-Arbeiterinnen über der Wabe, um sie nach außen zu schützen. Ammen- und Baubienen, die Königin und ihr Hofstaat verrichten ihr Tagewerk unter diesem Vorhang, Sammelbienen dagegen können ihn durchschreiten, um Pollen, Nektar und Wasser einzutragen. Ihre Kommunikationstänze aber führen die Riesenhonigbienen außen auf den vertikal hängenden Leibern ihrer Schwestern aus, wo sie andere Sammlerinnen über einträgliche Nahrungssquellen informieren. Dabei nutzen sie, wie die Westliche Honigbiene, die Schwerkraft sowie den Stand der Sonne, um die Lage der Futterquelle in Bezug zum Nest zu setzen und mithin die Lage anzugeben.
(K)ein Bienenfreund – der Blaubartspint
Eine ganze Familie tropischer Vögel, wie der Böhmspint, der Smaragd- und der Regenbogenspint, die sogenannten Bienenfresser (Meropidae), hat sich die Biene als Hauptnahrungsmittel ausgesucht. Zu ihnen gehört auch der Blaubartspint (Nyctyornis athertoni), der eine besondere Taktik entwickelt hat, die Riesenhonigbiene erst von ihrem Nest wegzulocken und sie dann zu vertilgen. Der hübsche grasgrüne Vogel mit hellblauer Kehle streift im Flug den Mantel aus Bienen, der das Nest schützt. Sogleich löst sich von diesem eine ganze Reihe an Bienen, verfolgt den Blaubartspint und versucht, ihn zu stechen. Doch der pickt die einzelnen Insekten aus seinem Gefieder, knipst mit seinem Schnabel den Giftstachel ab und verspeist die Biene anschließend.
Ihren Namen tragen die Riesenhonigbienen übrigens, weil sie im Vergleich zu anderen Bienenarten gigantisch sind: Bis zu 25 Millimeter, also so groß wie eine europäische Hornisse, können die Arbeiterinnen werden, die Königin und Drohnen sind nur unwesentlich größer. Ihre äußere Gestalt zeichnet sie durch einen dunklen Kopf mit dunklen Haaren, einen bernsteinfarbenen Leib und rauchig getönte Flügel aus.
DIE RIESENBERGBIENE, APIS LABORIOSA
Noch größer und an noch spektakulärerem Ort siedelnd als die Riesenhonigbiene, hat man die Riesenbergbiene, Apis laboriosa, lange Zeit für eine Unterart von Apis dorsata gehalten. Trotz aller Gemeinsamkeiten (beispielsweise in den Geschlechtsorganen) tendiert die Wissenschaft aber heute dazu, sie als eigene Art anzusehen und die beiden Arten stattdessen zur Untergattung Megapis, also den »Riesen-Honigbienen«, zusammenzufassen. Die Riesenbergbiene siedelt hauptsächlich in den Himalayaregionen von Nepal und Buthan, in Höhen zwischen 1500 Metern im Winter und bis zu 3500 Metern im Sommer. Sie ist um etwa zehn Prozent größer als Apis dorsata, mit einem schwarz gefärbten Körper, aber bernsteinfarbenen Haaren, die etwa 0,4 Millimeter lang und damit fast dreimal länger als die der Riesenhonigbiene sind. Ein wärmender Pelz also in dem rauen Gebirgsklima.
Die Nester gleichen denen der Riesenhonigbiene, hängen aber an Felswänden. Ansonsten ist ihre (sommerliche) Lebensweise recht ähnlich: Die Völker siedeln in Gruppen zusammen, aber ohne Austausch untereinander, die Waben sind etwas größer, aber genauso aufgebaut. Auch die Verteidigungsstrategie ist dieselbe wie bei Apis dorsata. Im Winter (Dezember und Januar) hingegen wandern die Riesenfelsenbienen ins bewaldete Tal hinab, sammeln sich dort – ohne eine Wabe zu bauen – zu Wintertrauben, die sie nicht beheizen, und verharren dort, bis sie ab Februar wieder zu ihren angestammten Felswänden zurückkehren.
Dass man sie heute als eigene Art bezeichnet, liegt einerseits an den körperlichen Unterschieden wie Farbe und Größe zu Apis dorsata, andererseits aber auch an genetischen Unterschieden und an Differenzen ihrer Verhaltensweisen. So unterscheiden sich die Kommunikationstänze von Apis dorsata und Apis laboriosa deutlich voneinander, die Alarmpheromone stimmen nicht überein (bzw. bei der Riesenbergbiene fehlt dies im Stachelapparat und wird durch ein Mandibulardrüsensekret ersetzt) und auch die Hochzeitsflüge der Königinnen finden zu anderen Uhrzeiten statt, sie begatten sich also zu unterschiedlichen Zeiten – eines der wesentlichen Kennzeichen für eine eigenständige Art.
Die Lebensbedingungen von Apis laboriosa sind extrem. In bis zu 3500 Metern Höhe fallen die Nachttemperaturen in der Regel unter den Gefrierpunkt. Auch die Nahrung im Gebirge ist recht einseitig, sind es doch vor allem die giftigen Blüten des Rhododendron, die den Insekten als Trachtquelle dienen. Stellt dieses Gift für die Bienen kein Problem dar, so erntet man in den Himalayaregionen den Honig nicht zuletzt wegen seiner halluzinogenen Wirkung.
Eine eiweiß- und kohlenhydratreiche Kost: Auf den Märkten Asiens werden die Nester der Zwerghonigbiene mitsamt Honig und Bienenbrut zum Verzehr angeboten.
DIE ZWERGHONIGBIENE, APIS FLOREA
Nicht größer als eine Stubenfliege, also etwa neun bis zehn Millimeter groß, ist die asiatische Zwerghonigbiene und auch ihre frei bebrütete Wabe erreicht kaum je einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Die meist in dichtem Buschwerk an einem Ast »aufgehängte« Wabe, die auch häufig in Dörfern und Großstädten zu finden ist, besteht aus einem wulstigen Honigspeicher, dessen tiefe Zellen sich um den gesamten Ast herumbilden, und einer senkrecht in einem gleichförmigen Halboval hängenden Brutwabe. Im Unterschied zu allen anderen Honigbienenarten besitzt der Wulst des Honigraums keine Mittelwand, die Waben werden strahlenförmig um den Ast herumgebaut. Wie bei den Riesenhonigbienen umhüllt die Mehrheit der nur 15.000–20.000 Individuen eines Volkes die gesamte Wabe mit einem dichten Schutzmantel, ein kleinerer Teil fliegt zur Pollen- und Nektarsuche aus und betreibt Nest- und Brutpflege.
Zusammen mit den Zwergbuschbienen, Apis andreniformis, wird die Zwerghonigbiene, Apis florea, inzwischen der gemeinsamen Untergattung Micrapis, den Zwerg-Honigbienen, zugeordnet. Zusammen mit den beiden Riesen-Honigbienen, Apis dorsata und Apis laboriosa, zählen sie zu den frei brütenden Honigbienen.
Was die Biene an Größe entbehrt, macht sie an anderer Stelle wieder wett. Zum einen ist sie zu einer unglaublichen Anpassung an extreme Wetterbedingungen fähig. So findet man sie nicht nur in den südasiatischen Tieflandgebieten unterhalb von 500 Metern zwischen Nordindien und den indonesischen Inseln, sondern auch rund um den Persischen Golf und seit wenigen Jahrzehnten sogar im östlichen Afrika, wo sie sommerlichen Tagestemperaturen von teilweise 50 °C und winterlichen Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt sowie extremer Trockenheit standhalten kann. Sie hat darüber hinaus ein sehr ansprechendes, auffälliges Äußeres: Ihr schwarzer Kopf und Thorax sind von einem leichten Silberpelz umgeben, was einen schönen Kontrast zum kräftig orange-schwarzen Hinterleib mit silberweißen Filzbinden bildet. Der kaum ein Millimeter lange Stachel ist nicht sehr wirksam gegen größere Feinde, auf die die Zwerghonigbiene zunächst auch kaum reagiert. So kann der Mensch ein Florea-Nest an seinem Ast herumtragen, ohne gestochen zu werden. Fühlt sich die Zwerghonigbiene bedroht, gibt sie ihr Nest lieber auf und siedelt an einem anderen Ort – was ihr den Namen Nomadenbiene eingebracht hat –, als es zu verteidigen. (Es mag aber auch daran liegen, dass man bei der Zwerghonigbiene bislang kein Alarmpheromon feststellen konnte. Ihre vermeintliche Sanftmut ist also vielleicht nur das Fehlen einer wirksamen Gefahrenkommunikation gegen einen übermächtigen Feind.) Da der Hauptfeind der Zwerghonigbiene in der Tat der Mensch ist, für den ihr Stich nicht einmal die Auswirkung eines Mückenstichs hat und der die kleinen Wachswaben inklusive Brut und Honig auf den Märkten Asiens zum Verzehr anbietet, muss sie recht oft ein neues Nest bauen.
Die Zwerghonigbiene wandert periodisch zwischen dem tropischen Flachland und nahen Mittelgebirgen, die Tiere verlassen dazu ihre Nester und errichten in beachtlicher Geschwindigkeit neue.
Gegen kleinere, nicht fliegende Feinde aber, wie Ameisen, hat die Zwerghonigbiene eine interessante Verteidigungsstrategie entwickelt: Den Ast, um den ihre Wabe gebaut wird, streicht sie rechts und links komplett mit Propolis ein und hält dieses stets weich. In dem weichen Kittharz bleiben die Angreifer kleben und können so weder zum Nest vordringen noch den Rückzug antreten.
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