Kitabı oku: «Der Schuh der Diva»

Yazı tipi:

Irene Dorfner

Der Schuh der Diva

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum

Vorwort

Anmerkung

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

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17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

Liebe Leser!

Von der Autorin sind bisher folgende Bücher erschienen:

Über die Autorin Irene Dorfner:

Impressum neobooks

Impressum

Copyright © Irene Dorfner 2021

www.irene-dorfner.com

Irene Dorfner, Postfach 1128, 84495 Altötting

All rights reserved

Probelesung/Lektorat: Sabine Thomas, Stralsund

EarL und Marlies Heidmann, Spalt

Rita und Manfred Schönig, Seligenstadt

FTD-Script, Altötting

Kein Teil dieses Buches darf ohne ausdrückliche schriftliche

Genehmigung des Herausgebers reproduziert oder in einem

Abrufsystem gespeichert oder in irgendeiner Form

oder auf irgendeine Weise elektronisch, mechanisch,

fotokopiert, aufgezeichnet oder auf andere Weise

übertragen werden.

Vorwort

Fall 39 – der fünfte Fall während der Corona-Pandemie…

Vielen, vielen Dank an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben und immer ein offenes Ohr für mich hatten:

Meine Lektoren Marlies und Klaus Heidmann, Sabine Thomas, Rita und Manfred Schönig, und natürlich die Jungs von FTD-Script.

Vielen Dank auch an meinen Sohn Thomas, der wie immer als Probeleser zur Verfügung stand.

Natürlich darf ich meinen Mann nicht vergessen, der mit Leo und seinen spannenden Geschichten mitfiebert und mich während meiner Schreibwut unterstützt und erträgt.

Selbstverständlich danke ich meinen treuen Lesern! Ohne euch würde die Reise mit Leo & Co. nicht so viel Spaß machen – ihr seid die Besten!!

Ich wünsche spannende Unterhaltung mit diesem spannenden Fall!!

Grüße aus Altötting – und bleibt’s gsund!!

Irene Dorfner

Anmerkung

Die Personen und Namen in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig – bis auf Jörg Greisinger, sein Einverständnis liegt vor!

Der Inhalt des Buches ist reine Fantasie der Autorin. Auch hier sind Ähnlichkeiten rein zufällig. Die Örtlichkeiten wurden den Handlungen angepasst.

*****

„Demokratie ist anstrengend. Sie muss geschützt und immer wieder neu erstritten werden. Aber die Anstrengung lohnt sich. Denn es ist besser, Konflikte zu akzeptieren und zu lösen.“

Manuela Schwesig

…und jetzt geht es auch schon los:

1.

„Wenn du deine Süße wiedersehen willst, machst du genau das, was wir von dir verlangen. Hast du verstanden?“

Jörg Greisinger war nach dem späten Feierabend vor dem BKA-Gebäude in der Wiesbadener Rosselstraße von zwei Unbekannten abgefangen worden. Grob zogen sie ihn zur Seite hinter einen Lieferwagen, wo sie von niemandem gesehen werden konnten. Einer der Männer schlug ihm heftig ins Gesicht, das Knacken des Nasenbeins konnte man in der menschenleeren Straße gut hören. Das Blut rann aus der Nase übers Gesicht und verfärbte das weiße Hemd. Unwillkürlich nahm er die Hände vors Gesicht, wodurch er einen weiteren Schlag abfing. Warum hatte er seine Waffe nicht mitgenommen?

Greisinger war erst vor einem Jahr von München nach Wiesbaden gezogen, da sich ihm hier eine Chance auftat, die er nicht verstreichen lassen wollte. Er war Mitte vierzig und das war die Möglichkeit, auf die er lange warten musste, denn solche Stellen wurden nur sehr selten vergeben. Die Arbeit war super, die Kollegen waren schon fast zu Freunden geworden. Die anfängliche Skepsis über seinen Schritt war längst verflogen. Er hatte nach der Scheidung, die gut zwei Jahre zurücklag und nach der er auf eine weitere Beziehung verzichtete, eine neue Freundin gefunden. Alles lief prima – und jetzt das! Die Männer bedrohten nicht nur ihn, sondern auch seine Kirsten!

„Ob du verstanden hast, will ich wissen!“, bohrte der Fremde nach. Dessen Aftershave brannte in Greisingers Augen, der strenge Tabakgeruch löste einen Würgereiz aus.

„Ja, habe ich“, murmelte Greisinger. Was hätte er auch sonst tun sollen? Der Mann vor ihm sah bedrohlich aus, was an sich schon gereicht hätte, denn gegen ihn hatte er keine Chance. Dessen Kollege richtete eine Waffe auf ihn, was ihm überhaupt keine andere Wahl ließ, als zu kooperieren. In dieser Straße war um diese Uhrzeit nichts los, niemand würde ihm zu Hilfe kommen. In seiner ausweglosen Situation hätte er alles versprochen.

„Wiederhole, was ich gesagt habe!“

„Ich soll die Ermittlungen im Fall Paul Walter einstellen.“

„Du gibst nichts weiter und unternimmst nichts. Keine Zusammenarbeit mit dem Scotland Yard, am besten sprichst du mit denen kein Wort mehr. Wenn du dich geschickt anstellst, wird Kirsten und dir nichts geschehen. Kein Wort über unser Gespräch! Keine unüberlegten Handlungen, wir haben dich im Auge! Solltest du dich nicht an unsere Anweisungen halten, wirst du es bitter bereuen. Verstanden?“

Jörg Greisinger nickte. Er wurde von dem Mann rüde auf den Asphalt geworfen. Erleichtert sah er zu, wie die Männer in den Lieferwagen stiegen und davonfuhren. Fürs Erste hatte er es geschafft. Aber wie ging es jetzt weiter? Er rappelte sich auf und setzte sich auf die Mauer des Nachbargrundstückes. Mit einem Taschentuch wischte er das Blut ab. Dass ihm das nicht wirklich gelang und er dadurch noch erbärmlicher aussah, war ihm egal. Dass er starke Schmerzen hatte, merkte er nicht. Er konzentrierte sich auf das, was die Fremden von ihm verlangten. Es ging um Paul Walter – den Fall, den Scotland Yard bearbeitete und der bis nach Deutschland führte. Die ganze Sache war ihm vor einigen Wochen übertragen worden. Nach anfänglicher Routine hatte er Dinge herausgefunden, die beängstigend waren und die ihm nicht gefielen. Gerne hätte er seinen Vorgesetzten gesprochen und ihm alles mündlich mitgeteilt, aber der war im Urlaub. Er hätte sich dem Stellvertreter anvertrauen können, aber der hatte ihn abgewimmelt. Greisinger setzte alles auf den schriftlichen Bericht, den er ursprünglich morgen abgeben wollte, denn dann würde der Mann sofort seine Meinung ändern und ihn anhören. Der Bericht! Er lag fix und fertig auf seinem Schreibtisch. Das Vorhaben konnte er unter den gegebenen Umständen vergessen. Oder doch nicht? Sollte er trotzdem seinen Job machen? Eine Gruppe Krimineller war dabei, die bevorstehende Bundestagswahl und damit die Wahl des neuen Bundeskanzlers mit Gewalt zu beeinflussen. Dabei gingen diese Leute offenbar sehr geschickt vor. Dass das kaum zu begreifen war, konnte Greisinger verstehen, er glaubte anfangs selbst nicht daran – aber er hatte Beweise, die nur diesen Schluss zuließen. Das durfte er doch nicht zulassen! Je länger er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm klar, wofür er sich entschied: Die Demokratie Deutschlands durfte nicht gefährdet werden, krimineller Gewalt und Drohungen durfte man nicht nachgeben. Er musste Kirsten in Sicherheit bringen, für sich selbst wäre unter den gegebenen Umständen Personenschutz kein Problem. Konnte er wirklich dieses Risiko eingehen? Er mochte seinen Job und hatte sich immer für die richtige Seite eingesetzt – und das sollte auch so bleiben. Mit zitternden Händen rief er Kirsten an, danach musste er dringend mit seinem Chef sprechen – irgendjemand wusste sicher, wo er zu erreichen war. Der würde ihm helfen, die richtigen Schritte zu tun.

Er wählte Kirstens Nummer. Es klingelte lange, was ihn panisch werden ließ. Dann ging sie endlich ran.

„Wie geht es dir, mein Engel?“, preschte Greisinger vor.

„Ich bin…“

„Deiner Kirsten geht es blendend. Aber nur, solange du dich an unsere Abmachung hältst.“ Die Worte des Mannes schockierten Greisinger. „Du machst genau das, was wir von dir verlangen. Und du hältst den Mund.“

„Was habt ihr mit Kirsten gemacht? Wo ist sie? Ich möchte mir ihr sprechen!“

„Du hast keine Forderungen zu stellen, Greisinger! Wenn alles vorbei ist, bekommst du deine Freundin in einem Stück zurück. Wenn nicht, werden wir sie dir scheibchenweise zusenden. Es ist deine Entscheidung, was mit ihr passiert.“

Das Gespräch wurde unterbrochen.

Greisinger weinte und schrie, er war verzweifelt. Was sollte er jetzt tun? Für einen kurzen Moment wurde er wütend und wählte die Nummer seines Vorgesetzten, legte aber sofort wieder auf. Nein, das durfte er nicht tun. Die Männer hatten ihn und Kirsten in der Hand, er musste sich fügen.

2.

Einige Stunden später im oberbayerischen Mühldorf am Inn:

Die Septembernacht war schwülwarm, aber die Temperaturen interessierten sie nicht. Auch, dass ein Gewitter aufzog, war ihr nicht wichtig. Sie hatte nur ihr Ziel vor Augen, sie musste schneller vorankommen. Vor den hellen Mond schob sich eine Wolke, was ihr nicht unangenehm war – je dunkler, desto besser. Die hohen Absätze ihrer Sommerschuhe klapperten auf dem Asphalt – warum hatte sie gerade heute diese unbequemen Teile anziehen müssen? Daran war jetzt nichts mehr zu ändern. Dass sie sich Blasen lief, bemerkte sie nicht. Halb drei, das Display ihres Handys erhellte für einen Moment die dunkle Bahnhofsstraße Mühldorfs. Das Polizeigebäude war nicht mehr weit entfernt, sie musste durchhalten. In einem unbeobachteten Moment konnte sie fliehen, hoffentlich hielt ihr Glück an. Nur noch einige Minuten, mehr verlangte sie nicht. Ein Wagen näherte sich und sie versteckte sich hinter Mülltonnen, die zur Leerung bereitstanden. Die Scheinwerfer blendeten sie. Auch wenn es nichts brachte, hielt sie den Atem an. Erleichtert registrierte sie, dass der Wagen weiterfuhr. Das waren nicht diejenigen, die hinter ihr her waren und die sie am liebsten tot sehen wollten. Alles um sie herum lag wieder im Dunkeln. Sie musste weiter, richtete sich auf und lief los. Jetzt rannte sie, denn ihr Ziel war jetzt nicht mehr weit. Sie bog rechts um die Ecke. Nur noch einige Schritte und sie war in Sicherheit. Da vorn links und sie stand quasi direkt vor der Polizei, dort konnte ihr nichts mehr geschehen.

Noch bevor sie die letzten Schritte gehen konnte, tauchte erneut ein Wagen hinter ihr auf. Sie suchte hektisch nach einem Versteck, aber hier war nichts. Was sollte sie jetzt tun? Wenn das die Typen waren, war sie geliefert. Panisch lief sie um ihr Leben. Würde sie es schaffen, die Beweise in ihrer Tasche der Polizei ausliefern zu können? Sie musste, sonst wäre alles umsonst gewesen. Tapfer lief sie weiter. Dann geschah das Unglück, mit dem sie nicht gerechnet hätte: Einer ihrer Absätze brach ab und sie fiel der Länge nach auf die Straße. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten, aber sie musste sich zusammenreißen. Sie hatte es fast geschafft und durfte jetzt nicht aufgeben.

Nachdem sie sich aufgerappelt hatte, stolperte sie weiter. Sie biss die Zähne zusammen. Hektisch sah sie sich um, der Wagen war nicht mehr weit. Sie erkannte das Kennzeichen nicht, rechnete aber mit dem Schlimmsten. Dort hinten war der Eingang der Polizei, sie konnte das blaue Schild bereits sehen. Ob sie hier schon im Bereich des markanten Wasserturms von den Kameras erfasst wurde?

Es wurde knapp, sie musste sich etwas einfallen lassen. Sie griff in ihre Tasche und zog den Umschlag hervor. Sie war jetzt genau auf Höhe des Wasserturms, der sich direkt neben dem Gebäude der Polizei befand. Die Scheinwerfer des nachfolgenden Wagens kamen immer näher. Der Umschlag flog über den Zaun. Sollte sie es bis zur Polizei schaffen, konnte sie in Begleitung von Polizisten zurückkehren und ihn holen. Wenn nicht, musste sie hoffen, dass er von jemandem gefunden wurde, der dann die weiteren Schritte in die Wege leitete.

Sie hörte nur noch den Motor hinter sich aufheulen, den Aufprall konnte sie nicht mehr verhindern. Dass sie unsanft in den Wagen gezerrt wurde, merkte sie nicht mehr.

Der Lärm wurde von diensthabenden Polizisten wahrgenommen. Als einige vor das Gebäude traten, konnten sie nur noch mit ansehen, wie Autotüren zuschlugen, das Fahrzeug den Rückwärtsgang einlegte und sich mit hoher Geschwindigkeit entfernte.

Kriminalhauptkommissar Leo Schwartz hatte endlich Feierabend. Verwundert beobachtete er die Kollegen, die fast geschlossen nach draußen liefen. Er hatte vorher gemeint, etwas gehört zu haben, schob das dann aber auf die Müdigkeit. Der sechsundfünfzigjährige Leiter der Mühldorfer Mordkommission hatte noch Schreibkram zu erledigen gehabt, zu dem er in den letzten Tagen nicht gekommen war. Durch den Weggang der Kollegin Godau war seine Abteilung immer noch unterbesetzt, was ihm langsam echt auf die Nerven ging. Er musste darüber dringend mit dem Chef sprechen, aber der war heute den ganzen Tag nicht im Haus gewesen. Ob er sich vor dem Gespräch drückte?

Leo Schwartz trat vor die Polizeiinspektion und versuchte zu begreifen, was hier gerade passierte. Scheinwerfer eines Wagens, der sich mit dem Rückwärtsgang vom Gebäude entfernte, konnte er gerade noch erkennen.

„Das ist eine Einbahnstraße!“, rief einer der Männer, auf dessen Brust der Name Ochsenberg stand. War das tatsächlich der kleine, untersetzte Ochsenberg? Das konnte doch nicht sein, denn der Mann vor ihm war deutlich erschlankt. Leo hatte den Kollegen schon lange nicht mehr gesehen, schob die Gedanken aber zur Seite, denn jetzt gab es Wichtigeres.

„Das ist doch jetzt völlig egal, ob das eine Einbahnstraße ist“, schrie Leo Schwartz. „Los! Hinterher!“

Einige Polizisten rannten los, andere blieben wie angewurzelt stehen.

Leo lief voraus, auch wenn er nicht der Sportlichste war. Das Vorhaben, den flüchtenden Wagen zu Fuß zu erreichen, war zwar schwachsinnig, trotzdem wollte er es wenigstens versuchen. Das Kennzeichen war nicht zu entziffern, zumal das Fahrzeug jetzt auch noch das Fernlicht einschaltete. Es war eine Limousine der gehobeneren Klasse, mehr konnte er nicht erkennen. Der Wagen wendete schließlich und verschwand in der Dunkelheit. Völlig außer Atem mussten Leo und die Kollegen aufgeben. Zwei Einsatzfahrzeuge fuhren an ihnen vorbei und nahmen die Verfolgung auf.

Auf dem Rückweg hob Leo einen Damenschuh auf, daneben lag der dazugehörige Absatz.

„Haben Sie eine Tüte für mich?“, sprach er Ochsenberg an, der schon sehr viel früher die Verfolgung aufgegeben hatte, wofür Leo Verständnis hatte. Der Kollege war noch sehr viel unsportlicher als er selbst.

„Wofür eine Tüte? Für den Schuh? Der liegt hier sicher schon sehr lange“, keuchte Ochsenberg.

„Nein, das tut er sicher nicht! Haben Sie eine Tüte für mich?“ Leo wurde ungeduldig.

„Woher wollen Sie wissen, dass der Schuh nicht schon lange hier liegt?“

„Weil ich Augen im Kopf habe. Ein Schuh quasi direkt vor der Polizei wäre mir aufgefallen.“ Leo drehte sich um und sprach einen anderen Kollegen an, der ihm sofort bereitwillig eine Tüte gab. Dann wandte er sich wieder Ochsenberg zu. „Und Sie zeigen mir die Überwachungsbilder.“

„Die Kamera deckt nur den Bereich vor der Tür ab, das müssten Sie eigentlich wissen.“

„Ja, das weiß ich, trotzdem möchte ich mir die Bilder ansehen.“

„Jetzt? Ich habe gleich Feierabend.“ Ochsenberg war müde. Er hatte eine Doppelschicht hinter sich, die nicht ohne war. Außerdem wurde er von den Medikamenten, die er wegen seiner Krankheit nehmen musste, sehr müde. Aber das wusste niemand und das ging auch niemanden etwas an. Es wäre zwar seine Pflicht gewesen, seinen Arbeitgeber zu informieren, aber er entschied sich dagegen. Er wollte kein Mitleid – und vor allem wollte er in seiner Arbeit nicht eingeschränkt werden. Alles sollte während seiner Therapie genau so weiterlaufen wie bisher.

Ochsenberg war sauer. Mit Schwartz wollte er sich nicht anlegen, dafür hatte er schon zu viel von ihm gesehen und gehört. Fluchend ging er ins Präsidium.

Leo sah Ochsenberg hinterher und schüttelte den Kopf. Er hatte kein Verständnis für diese Arbeitsauffassung.

„Was ist los mit ihm?“, wandte er sich an den Kollegen Dornhobel, den er ziemlich gut kannte. Marcel Dornhobel war ein Polizist wie aus dem Bilderbuch. Leo hatte dessen Potenzial erkannt und unterstützte das Vorhaben des Polizeichefs, Dornhobel zur Weiterbildung zu motivieren, um ihn dann später in die Kriminalpolizei zu integrieren. Noch sträubte sich Dornhobel dagegen, denn das würde einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Außerdem hieße das, dass er wieder die Schulbank drücken müsste, und darauf hatte er so gar keine Lust.

„Keine Ahnung.“ Dornhobel hielt sich mit dem Weitertragen der Gerüchte zurück, die seit vielen Wochen unter den Kollegen kursierten. Spekulationen waren nicht sein Ding und deshalb hielt er sich raus.

„Hat er private Probleme?“, bohrte Leo weiter.

Dornhobel zuckte nur mit den Schultern und ging davon. Er kannte den Kollegen Schwartz. Der würde so lange keine Ruhe geben, bis er ihm alles aus der Nase gezogen hatte – und das wollte er auf keinen Fall.

Das Verhalten Dornhobels kam Leo seltsam vor. Irgendetwas war mit Ochsenberg, und das würde er herausfinden. Aber erst waren die Aufzeichnungen der Kamera dran, die waren jetzt wichtiger. Ochsenberg hatte alles vorbereitet. Er bot Leo Platz an, damit der in Ruhe die Aufzeichnungen ansehen konnte. Der setzte sich, wobei er die Tüte mit dem Damenschuh auf den Tisch legte, was der Kollege zwar nicht gerne sah, aber nichts dazu sagte. Leo starrte gespannt auf den Bildschirm, als die Bilder vor ihm abliefen. Er wusste, in welcher Reichweite die Kameras ausgerichtet waren und dass vermutlich nichts von dem, was passiert war, aufgenommen wurde.

Tatsächlich sah man außer dem Licht der Scheinwerfer nichts. Trotzdem wiederholte Leo ständig dieselben Aufnahmen. Die Geräusche waren es, auf die sich Leo konzentrierte. Hinter ihm standen Ochsenberg und Dornhobel, alle anderen saßen wieder an ihren Plätzen.

„Das war vielleicht nur ein privater Streit zwischen einem Pärchen, das hatten wir während des Lockdowns sehr, sehr oft. Auch danach ebbt das nicht merklich ab“, winkte Ochsenberg ab und sah auf die Uhr. Seine Frau wartete zuhause und er wollte zu ihr. Sie war die Einzige, die über ihn Bescheid wusste und nur sie machte sich Sorgen. Solange er nicht bei ihr war, konnte sie nicht schlafen – das wusste er und auch deshalb wollte er nach Hause. „Wenn es diese Frau wirklich gegeben hat, ist sie schon lange wieder zu Hause. Wir kümmern uns hier um einen Vorfall, der eigentlich keiner ist.“

„Sie ging ohne den zweiten Schuh?“ Dornhobel war skeptisch. Welche Frau würde ohne einen verlorenen Schuh einfach nach Hause gehen?

„Das sehe ich ähnlich.“ Leo nahm sein Handy und rief die Spurensicherung. Friedrich Fuchs war zwar nicht begeistert, mitten in der Nacht gestört zu werden, aber die Arbeit hatte bei ihm immer Vorrang. Er versprach, mit seinem Team in wenigen Minuten im Präsidium zu sein.

Während Leo Schwartz auf die Spurensicherung wartete, zog ein heftiges Gewitter auf, wie es sie in diesem Jahr sehr oft gab. Der plötzlich eintretende Sturm riss nach Blättern auch dünnere Äste von den Bäumen, denen einige dickere folgten. Fassungslos starrten die Polizisten nach draußen, denn es folgten auch noch Hagelkörner, die immer größer wurden. Polizei- und Zivilfahrzeuge, die auf dem Parkplatz standen, waren schutzlos den Naturgewalten ausgeliefert. Leo überschlug grob die Kosten, die auf die Polizei zukommen könnten, auch wenn ihn die nichts angingen. Das wären sicher einige zig-tausend Euro. Wahnsinn!

Friedrich Fuchs und einige seiner Mitarbeiter der Spurensicherung fuhren während des Hagelschauers auf den Parkplatz. Dornhobel reagierte sofort und öffnete das Tor für die Garagen, damit wenigstens deren Fahrzeuge vor Schäden verschont blieben. Fuchs und seine Leute verstanden und brachten sich und die Autos in Sicherheit.

„Wahnsinn!“, murmelte Leo, der jetzt eigentlich schon fast zuhause wäre, wenn es diesen Vorfall nicht gegeben hätte. Ob Ochsenberg mit seiner Annahme richtig lag, dass vermutlich überhaupt nichts dahintersteckte? War es nicht völlig überzogen, die Zeit der Kollegen zu beanspruchen und Kosten zu verursachen, wo es außer diesem Schuh nicht einen einzigen Hinweis auf ein Verbrechen gab? Sein Bauchgefühl, auf das er sich fast immer verlassen konnte, sagte ihm, dass da etwas nicht stimmte.

„Was liegt an?“ Fuchs sprach Leo direkt an, nachdem er einen kaum hörbaren Gruß gemurmelt hatte. Der sechsundvierzigjährige, kleine Mann war meist mürrisch, außerdem verlangte er von seinen Leuten sehr viel. Aber er war der Beste auf seinem Gebiet, ihm konnte niemand so schnell das Wasser reichen. Leo zog seine Jacke aus. Jetzt konnten alle dessen T-Shirt sehen, das bis jetzt unter der alten Lederjacke weitgehend verborgen blieb. Darauf abgebildet war eine witzige Möwe und der Spruch: Sei Möwe – scheiß drauf! Fuchs rümpfte die Nase. Ja, ein solches Statement war witzig – aber gehörte das zur Polizei? Zum Leiter der Mordkommission? Fuchs starrte einen Moment zu lange auf das T-Shirt.

„Klasse, nicht wahr? Das war ein Geschenk…“, strahlte Leo, der sehr stolz darauf war, aber nicht mehr sagen konnte, dass er das von seiner Verlobten Sabine bekam.

„Warum bin ich hier?“, drängelte Fuchs, der nicht wissen wollte, woher das in seinen Augen unangemessene Kleidungsstück stammte. Das war Privatsache.

„Diesen Damenschuh haben wir vor dem Wasserturm gefunden.“

Fuchs nahm den Beutel mit dem Schuh an sich.

„Verstehe“, brummte er. Er interessierte sich nicht für die Hintergründe, die gingen ihn und seine Mitarbeiter nichts an. Er machte sich auf den Weg zum Ausgang.

„Sie gehen da jetzt nicht raus, Fuchs!“, bestimmte Leo.

„Und warum nicht?“

„Warten Sie, bis der Hagelschauer vorbei ist und sich das Gewitter verzogen hat.“

„Meinetwegen“, stöhnte Fuchs, während seine Mitarbeiter erleichtert waren. Sie kannten Fuchs sehr gut, der würde sich von einem Gewitter nicht stören lassen. Zum Glück war Schwartz hier, der ihren Chef zur Vernunft brachte. „Zeigen Sie mir die Bilder der Überwachungskamera.“ Fuchs wollte die Zeit sinnvoll nutzen.

Leo machte ihm Platz und Fuchs studierte die Bilder. Er war enttäuscht, die hätten sehr viel mehr hergeben müssen. Nach einem Blick aus dem Fenster wandte er sich an Leo. „Wir sollten beantragen, dass vor dem Gebäude weitere Kameras installiert werden. Die Bilder zeigen nur den Eingangsbereich und einen kleinen Teil des Parkplatzes, das ist zu wenig.“

Leo nickte nur. Er war müde und hatte keine Lust auf eine Diskussion über Kameras – vor allem nicht mit Fuchs, der heute wieder äußerst charmant war und ihn dadurch beleidigte, dass er ihn vorhin nicht ausreden ließ.

Endlich hatte das Gewitter nachgelassen. Fuchs trieb seine Leute nach draußen, wo es immer noch stark regnete. Nach einer halben Stunde kamen alle völlig durchnässt wieder zurück.

„Keine Chance. Wenn es Spuren gab, hat das Gewitter alles weggeschwemmt. Ich nehme mir den Schuh vor.“ Fuchs war enttäuscht, konnte aber an der Situation nichts ändern. Wenn sie etwas schneller hier gewesen wären, hätten sie dieselbe Situation vorgefunden.

Leo sah auf die Uhr. Inzwischen war es kurz nach fünf. Jetzt nach Hause zu fahren, lohnte sich auch nicht mehr. Er konnte im Präsidium duschen, an frische Wäsche hatte er wieder nicht gedacht, obwohl ihn die Kollegen ständig daran erinnerten. Er borgte sich ein T-Shirt der Polizei und hielt es ins Licht. Das war ziemlich langweilig gegen das mit der Möwe. Er roch an seinem T-Shirt – das musste heute noch gehen. Das Deo sprühte er großzügig unter seine Achseln und über das T-Shirt – damit war er für den heutigen Dienst gewappnet.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Kantine trat Hans Hiebler ein. Der neunundfünfzigjährige Hauptkommissar und Leos bester Freund setzte sich zu ihm.

„Ich sehe, dass du nicht zuhause warst“, stellte er mit Blick auf das T-Shirt fest, das er ebenfalls nicht mochte. Warum musste ein Mann in Leos Alter so einen Mist tragen?

Leo nickte. Er hatte den Mund voll und wusste schließlich, was sich gehörte.

„Gibt es dafür einen triftigen Grund?“, bohrte Hans nach.

Leo berichtete ausführlich.

„Ein Damenschuh und du machst so einen Aufriss? Darüber wird der Chef nicht erfreut sein.“

„Er ist heute wieder im Haus?“

„Ja, das habe ich eben auf dem Flur erfahren. Krohmer wird sich über dein T-Shirt freuen, das kannst du mir glauben.“

Leo winkte ab. Was sollte der Chef dagegen haben? Das war nur ein Spruch, der vielen ein Lächeln entlockte – was sollte daran falsch sein? Er holte sich einen weiteren Kaffee, der für seine Begriffe viel zu dünn war.

„Eine schreckliche Plörre“, murmelte er.

„Warum trinkst du ihn dann?“

„Weil ich keine andere Wahl habe.“

„Draußen steht ein Automat mit weitaus besserem Kaffee.“

„Aber den muss ich bezahlen, der hier ist umsonst.“

Hans musste lachen. Leo war gebürtiger Schwabe und das merkte man auch. Neben dem Dialekt war ihm die Sparsamkeit, die manchmal in Geiz ausartete, geblieben. Hans ging nach draußen und zog zwei Kaffees, einen davon stellte er Leo hin.

„Eine kleine Spende für meinen Vorgesetzten. - Hat sich die nächtliche Sonderschicht wenigstens gelohnt?“ Hans war zufrieden, dass er sich vom Chef nicht für den Posten des Leiters der Mordkommission hatte überreden lassen. Seit Leo diesen übernommen hatte, musste der sehr viel mehr arbeiten, was ihn zum Glück nichts anging. Er hätte mit Leo Mitleid haben können, aber das hatte er nicht. Warum auch? Leo hatte sich dafür entschieden und jetzt musste er auch die Konsequenzen tragen.

„Ich bin soweit mit dem Schreibkram durch. Du solltest dir einen deiner Berichte nochmals ansehen, darin gibt es Unklarheiten.“

„Mein Gott, du wirst ja echt pedantisch! Gut, ich sehe ihn mir an, kann aber nicht garantieren, dass ich ihn ändern werde.“

Es entbrannte ein kleiner Streit, wie es sie in letzter Zeit immer öfter gab.

„Entweder tut dir der neue Job nicht gut, oder du bist zu viel allein“, brummte Hans. Er wusste, dass Leos Verlobte einen Job in den Staaten angenommen hatte, der sie einige Wochen dort festhielt. Aber es gab noch zwei Damen, auf die Leo momentan verzichten musste. „Wann kommen Tante Gerda und Christine zurück?“

„Keine Ahnung.“ Leo hatte keine Lust auf dieses Thema, das ein rotes Tuch für ihn war. Seit sich seine ehemalige Ulmer Kollegin und älteste Freundin Christine Künstle dazu entschlossen hatte, zu ihm und seiner Vermieterin und Ersatzmutter Tante Gerda zu ziehen, war nichts mehr wie vorher. Während Leo immer noch darauf hoffte, dass sich das Vorhaben in Luft auflöste, hielten die beiden alten Damen eisern daran fest. Sie waren vor über einer Woche nach Ulm aufgebrochen, um den Umzug sowie den Verkauf von Christines Haus abzuwickeln. Nicht mehr lange, und Christine und er lebten tatsächlich unter einem Dach. Ob das gutgehen würde? Er glaubte nicht daran.

„Leo? Hörst du mir überhaupt zu?“

In dem Moment kam die Kollegin Diana Nußbaumer in die Kantine. Da sie auch heute wieder blendend aussah, zog sie sofort wieder alle Blicke auf sich.

„Der Chef will uns sprechen“, rief sie Hans und Leo zu.

Der neunundfünfzigjährige Rudolf Krohmer saß im Besprechungszimmer und bereitete sich auf das bevorstehende Gespräch mit seiner Mordkommission vor – endlich gab es etwas Positives zu berichten. Der Staatsanwalt und er hatten die Zusage für die längst überfällige Verstärkung. Wer es sein wird und wann der- oder diejenige den Dienst antritt, stand zwar noch nicht fest, aber eine Zusage war mehr, als man erwarten konnte. Corona und die damit zusammenhängenden Einsätze hatten eine riesige und immer noch andauernde Krankheitswelle zur Folge, außerdem war es mit dem Nachwuchs schwierig. Nach den schrecklichen Bildern der letzten Monate wollte kaum noch jemand zur Polizei und sich von Demonstranten anpöbeln, bespucken, beleidigen oder gar schlagen lassen. Krohmer schob diese Zustände nicht Corona zu, sondern der zunehmenden Gewaltbereitschaft Polizisten gegenüber. Aber das war ein anderes Thema.

Zuerst trat die neunundzwanzigjährige Diana Nußbaumer ein. Krohmer persönlich gefiel die Erscheinung zwar, er hatte aber große Bedenken, dass die junge, hübsche Frau mit dem perfekten Äußeren und den waffenscheinpflichtigen Schuhen als Kriminalkommissarin nicht ernst genug genommen wurde. Ob sie Angreifern in diesem Outfit überhaupt standhalten konnte? Hans Hiebler durchbrach seine Gedanken. Krohmer musterte ihn von oben bis unten. Er sah zwar aus, als käme er direkt aus dem Urlaub, war aber präsent und strahlte eine Dominanz aus, die ihm gefiel. Dasselbe galt für den gebürtigen Schwaben Leo Schwartz, der eigentlich immer dieselben Klamotten anhatte – bis auf diese schrecklichen T-Shirts, an die er sich einfach nicht gewöhnen konnte. Als Krohmer die Möwe und den dämlichen Spruch sah, rümpfte er die Nase. Nach der Besprechung musste er mit Schwartz ein ernstes Wort sprechen!

„Was ist denn nun mit dem neuen Kollegen?“, preschte Leo hervor.

Krohmer war sauer, denn so etwas mochte er überhaupt nicht.

„Guten Morgen, allerseits“, missachtete er Leos Frage. „Da momentan nichts anliegt, möchte ich, dass Sie die alten Fälle durchgehen.“

„Nicht schon wieder!“, maulte Hans, der diese Arbeit nicht mochte.

„Das ist eine Arbeit, die getan werden muss. Mich fragt auch niemand, wenn auf mich etwas Unangenehmes wartet“, konterte Krohmer, der dabei an das bevorstehende Gespräch mit dem Bürgermeister dachte, wobei es um ein Fest zu Ehren der griechischen Partnerstadt ging. Nach der langen Zeit des Lockdowns und den jetzt endlich genehmigten Lockerungen standen wieder Großveranstaltungen an, auf die Krohmer nicht scharf war. Wie ruhig war es doch während der Pandemie, wenn man von Demonstrationen und der zunehmenden Gewaltbereitschaft mal ganz absah! Großveranstaltungen waren immer anstrengend und mussten gut vorbereitet werden, vor allem nach dem Lockdown. Er kannte seine Pappenheimer und ahnte, dass eine solche Feier voll ausgenutzt werden würde und es jede Menge Probleme gab, die er und seine Polizei ausbaden mussten. Aber darum musste er sich später kümmern.

„Es gibt da etwas, dem wir nachgehen sollten“, unterbrach Leo Krohmers Gedanken, noch bevor der die gute Nachricht bezüglich der Verstärkung mitteilen konnte.

„Aha. Sie haben meine volle Aufmerksamkeit.“

„Es gab heute Nacht einen Vorfall vor der Polizei, genauer gesagt vor dem Wasserturm. Es geht dabei um eine Frau.“

„Und?“, bohrte Krohmer nach, der sich zurücklehnte und die Arme vor der Brust verschränkte. War das wieder einer von Schwartz’ kümmerlichen Versuche, sich vor der stumpfsinnigen Arbeit alter Fälle zu drücken?

„Viele der Kollegen, die zu der Zeit Dienst hatten, haben Schreie einer Frau gehört. Leider waren wir zu spät, um einschreiten zu können. Mehr als Scheinwerfer konnten wir nicht sehen und mehr ist auch auf den kümmerlichen Kameraaufzeichnungen nicht drauf.“

„Und? Das ist alles?“

„Wir konnten einen Schuh sicherstellen. Weitere Spuren waren durch das Gewitter vernichtet worden.“

Krohmer sah Leo fragend an.

„Mehr haben wir momentan zwar nicht, wir sollten der Sache trotzdem nachgehen.“

„Warum? Und kommen Sie mir nicht mit Ihrem Bauchgefühl.“

„Mehr habe ich aber nicht.“

Krohmer versuchte, ruhig zu bleiben und Leo zu erklären, dass sein Bauchgefühl für Ermittlungen nicht ausreichte. Aber der blieb stur.

„Ich weiß, dass da etwas nicht stimmt, Chef. Geben Sie uns zwei Tage.“

„Nein, das werde ich nicht tun. Geben Sie mir einen einzigen handfesten Grund für Ermittlungen. Bis ich den nicht habe…“

In dem Moment ging die Tür auf und Friedrich Fuchs trat ein. Er grüßte knapp und setzte sich.

„Schön, dass Sie doch noch Zeit für uns finden, Doktor Fuchs“, blaffte Krohmer ihn an, da er Verspätungen nicht mochte.

„Hier ist die Analyse des Schuhs, den mir der Kollege Schwartz heute Nacht übergab“, sagte Fuchs, ohne auf die Bemerkung des Chefs einzugehen. Er reichte seine Mappe an ihn weiter und wartete gespannt auf die Reaktion.

Krohmer las die Auswertung. Anfangs war er immer noch verärgert, aber das verflog sehr schnell.

„Wollen Sie behaupten, dass dieser Schuh Ilona Baumgartner gehört?“

„Das behaupte ich nicht, das ist bewiesen.“

„Ilona Baumgartner? Wer ist das?“ Leo sah die Kollegen an.

„Du kennst sie nicht? Sie ist eine berühmte Schauspielerin und hat schon in vielen Filmen und TV-Serien mitgespielt.“ Hans musste sich ein Lachen verkneifen. Es war typisch für Leo, dass er Berühmtheiten nicht kannte.

„Frau Baumgartner ist eine Mühldorferin, die trotz ihrer nationalen und internationalen Erfolge bodenständig geblieben ist und ihren Erstwohnsitz immer noch in unserem schönen Mühldorf hat“, sagte Krohmer nicht ohne Stolz, der die Frau und ihr schauspielerisches Talent bewunderte.

Leo war die Berühmtheit egal. Wichtig war für ihn nur, dass der Schuh, den er heute Nacht sichergestellt hatte, ihr gehörte.

„Und Sie sind sich ganz sicher?“, wandte er sich deshalb an Fuchs.

„Ja. Da die Frau aktenkundig ist, haben wir ihre DNA in der Datenbank. Sie stimmt mit der auf dem Schuh überein.“

„Aktenkundig?“

„In früheren Jahren war die Frau auffällig geworden. Partys, Fahren unter Alkoholeinfluss, und schließlich Beamtenbeleidigung mit Körperverletzung – das war im Jahr 2008. Damals ging Frau Baumgartner auf einen Polizisten los. Sie hat ihn nicht nur geschlagen, sondern auch gekratzt, was eine Anzeige nach sich zog.“ Fuchs teilte sein Wissen nicht ganz emotionslos mit, denn er mochte die Frau schon allein wegen dieses Übergriffes nicht, auch wenn er sie noch nie hatte spielen sehen. Angriffe gegen Polizisten nahmen in den letzten Jahren zu, und das konnte er nicht leiden.

„Wer hat sie denn wegen ein paar Kratzern angezeigt?“ Leo lächelte, denn das war für ihn geradezu lächerlich.

„Das waren nicht nur ein paar Kratzer. Schauen Sie sich die Bilder an, dann denken Sie anders darüber“, konterte Fuchs.

Leo war erschrocken und wurde wütend. Wann hatte es begonnen, dass man dermaßen respektlos und brutal mit Polizisten umging?

„Ich hoffe doch, dass die gute Frau angemessen bestraft wurde?“

„Angemessen ist relativ. Ein Jahr auf Bewährung, außerdem musste sie einen Anti-Aggressions-Kurs absolvieren.“

„Lächerlich“, schüttelte Leo den Kopf und sprach das aus, was die Kollegen dachten. „Hat die Strafe wenigstens geholfen? Gab es danach noch Auffälligkeiten?“

„Nein, nichts dergleichen. Frau Baumgartner hat sich öffentlich zu ihrem Vergehen geäußert und sich mehrfach entschuldigt“, mischte sich jetzt Krohmer ein, der den Vorfall damals bearbeitet hatte. Er kannte auch das Opfer, das nicht mehr in Mühldorf arbeitete. „Sie hat sich bei dem Kollegen öffentlich entschuldigt und sich mit ihm versöhnt, was ihr sehr viele Pluspunkte einbrachte. Seitdem engagiert sie sich für Gewaltopfer, was ich sehr gut finde.“

„Das macht die gute Frau sicher auch nicht ohne die Presse, nehme ich an.“ Leo mochte solche Menschen nicht, für ihn war so ein Verhalten nicht ehrlich. Warum machte man solche Dinge nicht still und heimlich nur für sich? Warum öffentlich und immer mit der Presse an der Seite? Krohmer ging darauf nicht ein.

„Der Karriere der Frau hat dieser Vorfall nicht geschadet, im Gegenteil. Frau Baumgartner hat einen Fehler gemacht und sich dafür entschuldigt. Mehr kann man nicht verlangen. Was verlangen Sie denn noch?“

„So, wie ich Fuchs verstanden habe, war das nicht nur ein Fehler“, maulte Leo.

„Wie dem auch sei: Wir wissen jetzt, wem der Schuh gehört. Sie wissen, was Sie zu tun haben.“ Krohmer stand auf.

„Das heißt, dass wir ermitteln dürfen?“

„Selbstverständlich.“

„Nur, weil es sich um eine berühmte Schauspielerin handelt?“

„Das verbitte ich mir, Kollege Schwartz! Hier werden alle Bürger gleich behandelt! Oder wollen Sie mir unterstellen, dass dem nicht so ist?“

„Nein, natürlich nicht. Was ist mit der versprochenen Unterstützung? Wir können nicht ewig nur zu dritt arbeiten!“

Krohmer hatte das, was er eigentlich zu berichten hatte, völlig vergessen.

„Hilfe wurde angekündigt. Wann wir damit rechnen können, steht in den Sternen. Geduld, Kollege Schwartz!“, brummte er.

Alle waren enttäuscht, was Krohmer verwunderte. Hatte denn niemand verstanden, was er und der Staatsanwalt geschafft hatten? Der Antrag auf Verstärkung wurde genehmigt und viele Stellen taten alles, um den Wunsch umzusetzen – das war mehr, als man erwarten konnte.

„Ach – und ich darf nicht mit?“ Diana Nußbaumer war enttäuscht, als Leo ihr mitteilte, dass Hans und er zu der berühmten Schauspielerin fuhren und sie die Stellung halten sollte.

„Ja, das ist so.“

„Warum?“

„Weil ich das so entschieden habe.“ Leo lächelte und nahm seine Jacke, auch wenn es dafür viel zu warm war. Nach dem nächtlichen Gewitter strahlte die Sonne wieder und für Mitte September war es wieder außergewöhnlich warm.

„Lässt du den Chef nicht zu sehr raushängen?“ Hans zog die Sonnenbrille auf und startete den Wagen.

„Findest du? Das ist nicht meine Absicht. Trotzdem hat diese Position etwas für sich: Ich kann lästige Diskussionen problemlos abwenden.“ Auch Leo zog seine Sonnenbrille auf und stellte die Klimaanlage höher.

„Spinnst du? Wir werden uns beide erkälten! Wenn es dir zu warm ist, zieh deine Jacke aus!“

„Damit mich die Mücken stechen? Nein, darauf habe ich keine Lust. Nach dem letzten Gewitter war ich leichtsinnig und wurde von den Biestern regelrecht überfallen, das passiert mir nicht noch einmal. Die Jacke bleibt diesmal an.“

Hans drehte die Klimaanlage wieder runter, was Leo sofort wieder korrigierte. Grinsend sah er Hans an.

„Schon vergessen, dass ich der Chef bin und das letzte Wort habe?“

„Noch ein Wort, und du darfst aussteigen. Schon vergessen, dass der Fahrer den Ton angibt?“

Das Haus der Schauspielerin lag am Rande Mühldorfs. Hans war beeindruckt und pfiff durch die Zähne. Schon allein die beiden Fahrzeuge vor der Tür überstiegen den Wert seines eigenen Hauses um einiges. Leo war das alles egal. Er wollte mit der Frau sprechen und sich von ihrem Zustand persönlich überzeugen, nur deshalb war er hier. Er drückte die Klingel drei Mal hintereinander.

„Musst du so drängeln?“ Hans sah sich um. Warum hielt sich Leo nicht einfach zurück?

„Was hast du denn? Sonst stört dich das doch auch nicht! – Ah, ich verstehe! Du willst einen guten Eindruck hinterlassen und möchtest dich bei der Frau einschleimen. Machst du jetzt auch einen Knicks und bittest um ein Autogramm, wenn die Frau gleich erscheint?“

„Halts Maul!“

„Du spinnst doch! Nur, weil die Frau in der Öffentlichkeit steht und das spielt, was andere ihr sagen, ist sie nichts Besonderes.“ Leo schüttelte den Kopf. Er hatte noch nie vor irgendjemandem gekuscht und wollte sich das auch nicht mehr angewöhnen.

Eine Frau öffnete ihnen, die offensichtlich nicht Frau Baumgartner war, denn Hans reagierte sofort.

„Kriminalpolizei. Wir möchten mit Frau Baumgartner sprechen.“

„Sie ist nicht hier.“

„Und wo finden wir sie?“

„Das weiß ich nicht, da müssen Sie ihren Manager fragen.“

„Und wo ist der zu finden?“

„Er schläft noch. Herr Märklstuber ist Ilonas Gast, und das schon seit Monaten. Gewöhnlich steht er gegen Mittag auf.“ Leo und Hans spürten den leisen Unterton.

„Wecken Sie ihn, wir warten.“

„Das wird Herrn Märklstuber nicht gefallen.“

„Das ist uns egal, Frau?“

„Linda Fischer, ich bin die Haushälterin und arbeite seit sechs Jahren für Ilona. Ist etwas passiert?“

„Das wissen wir nicht. Wann haben Sie Frau Baumgartner das letzte Mal gesehen?“

„Gestern Abend. Sie hatte einen Termin mit einem Regisseur wegen des neuen Filmes, der gerade gedreht wird. Ilona sagte, dass es da etwas gibt, das ihr nicht gefällt, und das wollte sie mit ihm besprechen.“

„Name?“

„Bernd Wachenberg.“

„Und wo sollte das Treffen stattfinden?“

„Im Hotel Fürsthof.“

„In Mühldorf?“

Linda Fischer nickte.

„Über den genaueren Grund des Treffens können Sie nicht mehr sagen?“

„Nein, den hat sie mir nicht verraten, aber darüber wollte sie später ausführlich mit mir sprechen. Ich habe gespürt, dass es um etwas Ernstes ging.“ Linda Fischer fuhr sich nervös durchs Haar, außerdem zitterte sie, was sie nur schlecht verbergen konnte.

Vor allem Leo spürte, dass die Haushälterin nicht die ganze Wahrheit sagte, dafür kannte er Menschen und deren Körpersprache zu gut. Auch Hans hatte bemerkt, dass Frau Fischer etwas verbarg. Leo setzte nochmals nach, aber Linda Fischer bedauerte erneut, den Grund des Treffens nicht zu kennen. Was für eine sture Frau!

„Würden Sie bitte den Manager für uns wecken?“

Frau Fischer zögerte. Man konnte ihr ansehen, dass ihr das sehr unangenehm war.

„Wenn Sie wollen, könnte ich das für Sie übernehmen“, bot Hans ihr lächelnd an.

„Herr Märklstuber kann sehr ungehalten reagieren, wenn ihm etwas nicht passt“, versuchte sie Hans zu warnen.

„Damit komme ich zurecht. Wo ist das Schlafzimmer?“

Frau Fischer trat einen Schritt zur Seite und bat die beiden Kriminalbeamten ins Haus. Hier war alles vom Feinsten, was Hans genau so erwartet hatte. Die Haushälterin zeigte die Treppe nach oben.

„Die zweite Tür rechts.“

„Gab es in letzter Zeit irgendwelche Drohungen gegen Frau Baumgartner? Hat sie Feinde?“

„Nein, da war nichts, alles war wie immer. Wie gesagt, gab es Probleme mit dem neuen Film, mehr weiß ich wirklich nicht.“

„Worum geht es in dem Stück?“

„Eine Love-Story in den bayerischen Bergen, die bis nach Berlin führt. Nichts Besonderes. Ilona gab mir das Drehbuch, ich fand es gut.“

„Macht sie das immer so?“

„Ja, sie bat mich schon immer um Rat.“

„Schon immer? Sie arbeiten erst seit sechs Jahren hier.“

„Vorher waren wir befreundet. Als mein Mann mich verließ, stand ich mittellos da – ohne Geld und ohne Job. Ilona hat mich sofort eingestellt, sie behandelt und bezahlt mich sehr anständig. Ich habe ihr viel zu verdanken.“

Leo sah die Frau an und bemerkte ein Zucken um die Mundwinkel – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass nicht alles so rosig war, wie sie behauptete.

„Was ist mit dem Manager? Warum mögen Sie ihn nicht?“

„Ist das so offensichtlich?“

„Allerdings.“

Linda Fischer biss sich auf die Unterlippe. Ob sie dem Polizisten die Wahrheit sagen sollte? Warum nicht!

„Herr Märklstuber nutzt Ilona nur aus. Vor Monaten erschien er einfach vor unserer Tür und erzählte eine rührende Geschichte, die ich ihm nicht geglaubt habe, Ilona aber schon. Sie hat sofort reagiert und ihm ihre Hilfe angeboten.“

„Was hat er erzählt?“

„Seine Frau hätte ihn auf die Straße gesetzt und dadurch wäre er obdachlos. Und nicht nur das. Sie hätte ihm alle Konten gesperrt und dadurch sei er momentan auch mittellos. Ilona hat ihm sofort angeboten, bei ihr einzuziehen und unterstützt ihn seitdem auch finanziell. Immer wieder habe ich versucht, Ilona zur Vernunft zu bringen, aber sie wollte mir nicht zuhören. Da sie keine eigene Familie hat, zählt sie Märklstuber und mich zu ihrer Familie. Das ist schmeichelhaft, aber auch ziemlich naiv. Je länger Märklstuber hier ist, desto fester nistet er sich hier ein. Er spielt sich inzwischen auch als Hausherr auf und kommandiert nicht nur mich, sondern auch Ilona herum. Die lässt sich das gefallen. Oft merkt sie es nicht einmal, wenn sie fremdbestimmt wird. Märklstuber ist raffiniert und weiß, wie er mit ihr reden muss, um seinen Willen zu bekommen. An seiner finanziellen Lage hat sich seitdem nichts geändert, obwohl er anfangs versprochen hatte, dass das nur ein momentaner Engpass sei und er sich darum bemühe, sich mit seiner Frau zu einigen. Märklstuber ist ein Lügner, dem darf man kein Wort glauben. Ich traue ihm zu, dass längst alles geregelt ist und er weiterhin auf Ilonas Kosten lebt.“

Das Gespräch beider wurde jäh unterbrochen, denn von der ersten Etage drangen Schreie bis zu ihnen. Linda Fischer zuckte zusammen.

„Aha, der Herr Manager ist offenbar aufgewacht“, lächelte Leo.

Hans konnte dem Wasserglas gerade noch ausweichen. Noch bevor Märklstuber die dazugehörige Flasche nach ihm werfen konnte, war Hans bei ihm und verhinderte das. Da Märklstuber immer noch aufgewühlt und gewaltbereit war, zog Hans den schmächtigen Mann aus dem Bett und legte ihm Handschellen an.

„Sie beruhigen sich jetzt erstmal“, sagte Hans und zeigte ihm seinen Ausweis.

„Was fällt Ihnen ein? Das ist Hausfriedensbruch und Körperverletzung! Ich werde Sie anzeigen, darauf können Sie sich verlassen! Ich werde dafür sorgen, dass Sie Ihren Job verlieren!“

„Atmen Sie tief durch, bevor Sie mich auch noch beleidigen, denn das kann teuer werden.“

„Was erlauben Sie sich? Sie sind in mein Haus eingedrungen und haben mir Gewalt angetan! Nehmen Sie sofort die Handschellen ab!“

„Erst, wenn Sie sich beruhigt haben.“ Hans nahm einen Stuhl und setzte sich. Nach einigen Minuten schien der Mann ruhiger zu sein. „Geht es wieder? Können wir uns wie Erwachsene unterhalten?“

Märklstuber nickte, auch wenn er Hans am liebsten immer noch den Hals umdrehen würde.

„Wenn Sie vernünftig sind und mir versprechen, dass Sie ruhig bleiben, nehme ich Ihnen die Handschellen ab.“

„Ja, Mann, Sie haben gewonnen.“

Hans blieb vorsichtig, diesem Mann traute er einiges zu.

„Ich werde mit meinem Anwalt sprechen. Hausfriedensbruch und Körperverletzung stehen immer noch im Raum.“

„Machen Sie, was Sie nicht lassen können. Sie sollten bei Ihrem Anwalt in dem Zusammenhang zur Sprache bringen, dass uns die Haushälterin der Eigentümerin ins Haus gelassen hat und ich Sie mit deren Einverständnis geweckt habe, da sie selbst Angst vor Ihnen und Ihren Gewaltausbrüchen hat.“

„Das hat Linda gesagt? Die Alte spinnt doch!“

„Wir wollen doch nicht vergessen, dass Sie mich tätlich angegriffen haben. Außerdem ist die Tatsache, dass das hier nicht Ihr Haus ist, nicht unerheblich. Welche Rolle Sie hier innehaben, werden wir klären. Gehen wir.“

„Darf ich mich wenigstens duschen und anziehen?“

„Anziehen ja, duschen nein, wir haben unsere Zeit nicht gestohlen.“

„Was ist denn eigentlich los? Warum sind Sie hier? Warum diese Dringlichkeit?“

„Wir sehen uns unten, dann klären wir Ihre Fragen.“

Linda Fischer hatte für alle Kaffee gemacht, aber nicht für sich selbst. Für die Polizisten hatte sie eingeschenkt, für Märklstuber selbstverständlich nicht. Sie war Ilonas Angestellte, nicht die von dem Kotzbrocken. Während die Herren im Salon Platz nahmen, blieb sie neben der ausladenden Sitzgarnitur stehen. Sie vermied auch sonst den Kontakt zu Märklstuber und daran änderte sich auch heute nichts.

„Wir sind auf der Suche nach Ilona Baumgartner. Wann haben Sie sie zum letzten Mal gesehen?“

„Warum? Was wollen Sie von ihr? Alle Fragen, die sie beruflich und auch privat betreffen, können Sie auch gerne an mich stellen. Ich bin ihr Manager und weiß alles“, prahlte Märklstuber, der sich für den Besuch fein angezogen hatte. Der Anzug hatte sicher ein Vermögen gekostet, was Hans sofort bemerkte. Schon allein die Krawatte war mehr wert als seine eigene Uhr. Leo war das Aussehen des Mannes egal, auch weil er die Werte von Kleidung und Accessoires noch nie einschätzen konnte.

„Beantworten Sie einfach nur unsere Fragen“, drängelte Leo, der den Mann nicht mochte. Auch die Haushälterin kam ihm suspekt vor.

„Ilona ging gestern Abend ohne eine Erklärung aus dem Haus. Ich vermute, dass sie shoppen wollte.“

Linda Fischer konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ilona hatte diesen Widerling also nicht ins Vertrauen gezogen. Leo und Hans war diese kurze Regung nicht entgangen.

„Sie kennen Bernd Wachenberg?“

„Den Regisseur? Selbstverständlich! Ich verstehe nicht…“

„Sehen Sie sich bitte das Foto an. Ist das der Schuh von Frau Baumgartner?“

„Keine Ahnung. Ilona hat sehr viele Schuhe, für meine Begriffe zu viele.“

Leo zeigte Linda Fischer das Foto auf seinem Handy.

„Ja, das ist ihr Schuh. Was ist passiert?“ Die Frau war aschfahl geworden und zitterte jetzt noch mehr. Leo ging nicht auf die Frage ein.

„Wo waren Sie beide heute Nacht gegen drei Uhr?“

„In meinem Bett, wo sonst?“ Märklstuber wurde langsam ungeduldig und sah auf die Uhr.

„Und Sie, Frau Fischer?“

„Ich auch, allerdings wurde ich von dem Gewitter geweckt. Ich war wach und kontrollierte alle Fenster im Haus. Das dauerte etwa bis halb vier Uhr, danach habe ich mich wieder ins Bett gelegt.“

„Sie wohnen hier?“

„In der Einliegerwohnung über der Garage. Ilona hat mir damals die Wohnung zur Verfügung gestellt. Eigentlich sollte das nur eine Übergangslösung sein, bis ich etwas anderes gefunden habe.“

„Und trotzdem bist du immer noch hier“, maulte Märklstuber.

Linda überhörte den Kommentar.

„Ilona und ich kamen überein, dass es sehr praktisch ist, dass ich in der Wohnung bleibe. Sie fühlte sich in dem riesigen Haus manchmal sehr einsam und war froh, dass ich in der Nähe war.“

„Aber jetzt bin ich hier und du könntest langsam wieder verschwinden. Ich denke, dass du Ilonas Gutmütigkeit lange genug ausgenutzt hast.“ Märklstubers Augen strahlten blanken Hass aus.

„Wenn es um das Ausnutzen von Ilonas Gutmütigkeit geht, stehst du doch ganz oben auf der Liste“, konterte Linda. Man konnte die Feindseligkeit zwischen den beiden förmlich greifen.

„Gab es in der letzten Zeit Drohungen oder nervende Fans?“ Leo wollte weg hier und stellte die Fragen, die ihn interessierten. Ob sich die beiden mochten oder sogar anfeindeten, war ihm gleichgültig.

„Nein, nichts dergleichen. Ilona ist überall beliebt.“ Märklstuber trank einen Schluck Kaffee. „Darf ich jetzt endlich erfahren, worum es eigentlich geht?“

„Sie haben sich keine Sorgen gemacht, dass Frau Baumgartner heute Nacht nicht zuhause war?“, fuhr Leo unbeirrt fort.

„Nein, warum sollte ich? Sie ist eine erwachsene Frau und muss sich mir gegenüber nicht rechtfertigen.“ Märklstuber gab sich gelassen, was ihm die Kriminalbeamten nicht abnahmen.

„Das war es vorerst“, entschied Hans, der den Mann inzwischen auch nicht besser leiden konnte. „Sie halten sich zu unserer Verfügung – beide.“

„Aha. Und warum sollte ich Ihrer Anweisung Folge leisten?“

„Weil ich es sage.“

„Was wollte Ilona mit Wachenberg besprechen?“ Märklstuber war Linda Fischer bedrohlich nahe gekommen. „Los, raus mit der Sprache! Du steckst doch deine Nase in alles, was dich nichts angeht und hast sicher wieder gelauscht.“

„Das habe ich nicht nötig!“ Linda baute sich vor dem verhassten Mann auf, vor dem sie keine Angst hatte. „Im Gegensatz zu dir vertraut mir Ilona.“

„Jetzt sag schon! Was ist mit diesem Film?“

Linda grinste nur überlegen und ließ Märklstuber stehen. Der war wütend. Er hätte Wachenberg anrufen und ihn fragen können, aber die beiden hatten sich überworfen und sprachen kein Wort mehr miteinander. Wo war dieses verdammte Drehbuch, für das er sich bisher nicht interessiert hatte? Die Tür zum Büro war zugeschlossen. Linda! Sie würde ihm niemals den Schlüssel geben. Ob das Drehbuch überhaupt im Büro lag? Er fing an, alle Schubladen zu durchwühlen.

Linda beobachtete das Treiben Märklstubers und grinste. Sie wusste, wonach er suchte. Dass sie das Drehbuch an sich genommen hatte, würde sie ihm nicht auf die Nase binden. Sollte er doch danach suchen!

Sie ging in ihre Wohnung und schloss die Tür hinter sich ab, Märklstuber vertraute sie nicht. Sie setzte sich. Die Polizei suchte Ilona! Warum hatte sie nicht die Wahrheit gesagt? Sie war feige gewesen, was sie jetzt bereute. Wo war Ilona? Ging es ihr gut?

„So ein Arschloch“, schimpfte Hans, als er sich in den Wagen setzte. „Ein Weiberer, wie er im Buche steht!“

„Ein was?“

„Ein Weiberer. Hast du den Ausdruck noch nie gehört?“

„Sonst würde ich nicht fragen.“

„Einer, der bei den Frauen nichts anbrennen lässt und sie nach Strich und Faden ausnutzt.“

„Also so einer, wie du einer früher warst?“

„Das verbitte ich mir!“ Hans war sauer. „Ich war nie ein Weiberer! Ich habe Frauen nie ausgenutzt. Nimm das zurück!“

„Ist ja gut, beruhige dich wieder.“ Leo musste sich ein Lachen verkneifen – er hatte den Unterschied verstanden.

„Märklstuber steht für mich ganz oben auf der Liste, solche Typen kann ich auf den Tod nicht ausstehen.“

„Das sehe ich ähnlich. Allerdings ist die gute Frau Fischer auch nicht ohne. - Könntest du dir vorstellen, bei mir als Angestellter zu arbeiten?“

„Niemals! Dieses schwäbische Gesabbel den ganzen Tag – das erträgt doch keiner!“

„Du Weichei! Ich muss diesen bayrischen Dialekt schon seit Jahren ertragen, und zwar von allen Seiten. Da sieht man mal, wie geduldig und tolerant ich bin.“

Hans musste lachen, von der Seite hatte er es noch nie gesehen.

„Könntest du dir vorstellen, für mich privat zu arbeiten und auch bei mir zu wohnen?“

„Nein, niemals. Allerdings war ich auch noch nie in einer Notlage, die mich dazu gezwungen hätte. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, für einen Freund oder eine Freundin zu arbeiten und in deren Garagenwohnung zu leben. Es gibt so viele andere Jobs, die nicht so demütigend für mich wären.“

Für beide war klar, dass sie nicht nur Märklstuber, sondern auch Linda Fischer überprüfen mussten.

Leo brauchte nicht zu fragen, wohin die Fahrt ging – es war klar, dass das nächste Ziel das Hotel Fürsthof in Mühldorf war. Danach war der Regisseur Wachenberg dran, der in Erding kurz vor München lebte. Das war zwar eine Strecke von rund einer Stunde, aber die nahmen die beiden gerne auf sich.

Das junge Mädchen hinter der Rezeption erschrak und wurde knallrot, als sie die Ausweise der Kriminalbeamten sah.

„Ich hatte noch nie mit der Polizei zu tun.“

„Das ehrt Sie, aber wir sind nicht wegen Ihnen hier“, beschwichtigte Hans lächelnd.

„Das hätte mich auch gewundert, denn ich habe keinen Führerschein.“

„Führerschein?“

„Sie sind doch Polizisten.“

„Und Sie meinen, dass wir wegen eines Verkehrsvergehens hier sind?“

„Ja.“

„Wir sind keine Verkehrspolizisten, sondern von der Kriminalpolizei.“ Hans versuchte, der jungen Frau den Unterschied zu erklären, aber die hörte nicht richtig zu.

„War diese Frau gestern Abend bei Ihnen?“, schritt Leo schließlich ein, da das Gespräch nur unnötig Zeit kostete und sowieso nichts brachte.

„Bei mir?“

„Nein, in diesem Hotel.“ Mein Gott, war das Mädl dämlich.

„Das weiß ich nicht. Fragen Sie bitte meine Kollegin, die hatte gestern Abend Schicht. Doriiiiiiiiis!“, rief sie quer durch die Halle. Einige drehten sich um, andere schüttelten den Kopf. Besonders eine Frau regte sich tierisch auf. Sie kam schnurstracks auf die Rezeption zu.

„Bitte etwas leiser, Ingrid! Hab ich dir nicht gesagt, dass bei uns nicht geschrien wird?“ Sie versuchte, ruhig zu sprechen, was ihr nicht gelang. Es war offensichtlich, dass das nicht das erste Mal war, dass über dieses Thema gesprochen wurde. „Ich bin die Managerin des Hotels, mein Name ist Neumaier, Gisela Neumaier“, wandte sie sich an Hans. „Kann ich helfen?“

„Wir sind von der Kriminalpolizei. Mein Name ist Schwartz, das ist der Kollege Hiebler. Nach unseren Informationen war diese Frau gestern Abend hier“, hielt Leo ihr sein Handy vor die Nase.

„Das ist Frau Baumgartner, die berühmte Schauspielerin und eine Berühmtheit in Mühldorf.“

„Richtig. War sie gestern hier?“

„Ja, das war sie. Sie kommt oft und gerne in unser Haus, was uns natürlich sehr freut. Sie kam gestern Abend gegen zwanzig Uhr, ich habe sie persönlich begrüßt. Wann sie gegangen ist, weiß ich nicht. Sicher ist, dass sie um zweiundzwanzig Uhr nicht mehr hier war. Ich habe vorhin von unserer Doris erfahren, dass Frau Baumgartner nichts gegessen hat, auch ihr Glas hat sie nicht ausgetrunken, was sehr ungewöhnlich ist. Vielleicht hatte sie es eilig.“

„Mit wem war sie hier?“

„Das weiß ich nicht, ich habe sie nach der Begrüßung nicht mehr gesehen.“

Leo wunderte sich, dass die Frau trotzdem so genau Bescheid wusste.

„Können wir mit Doris sprechen?“

„Selbstverständlich. Wenn Sie mir bitte folgen würden?“

Eine junge Frau im Dirndl deckte die Tische für den Mittag ein, wobei sie sehr routiniert vorging.

„Das ist unsere Doris“, stellte Gisela Neumaier die Mitarbeiterin vor. Es war offensichtlich, dass sich die beiden Damen nicht mochten, denn die Blicke sprachen Bände. Leo bekam eine Gänsehaut, als er das bemerkte. „Beantworte bitte die Fragen der Polizisten“, wies die Neumaier nicht gerade freundlich an.

Doris verschränkte die Arme vor der Brust.

„Danke, Sie können gehen, Frau Neumaier“, entschied Leo, der sofort verstand, dass Doris ohne sie gesprächiger war.

Die Managerin zog davon, was Doris mit einem hämischen Lächeln quittierte.

Leo und Hans wiesen sich formell aus – so, wie sich das gehörte.

„Wie ist Ihr Name?“

„Doris Bednarek. Weshalb sind Sie hier? Hat mich die alte Neumaier schon wieder angeschwärzt?“

„Nein, deshalb sind wir nicht hier. Es geht um Frau Baumgartner. Wie wir eben erfuhren, haben Sie die Frau gestern Abend bedient?“

„Ja, das habe ich. Ich habe Frau Baumgartner bedient so wie jeden anderen Gast, ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Das habe ich der Neumaier gesagt. – Hat sich die Frau über mich beschwert?“

„Nein, darum geht es nicht. Kommen wir auf den gestrigen Abend zurück. Mit wem saß Frau Baumgartner am Tisch?“

„Mit einem Mann um die fünfzig. Die beiden haben sich sehr angeregt unterhalten. Vor allem der Mann hat sehr eindringlich auf Frau Baumgartner eingeredet. Worum es ging, habe ich nicht mitbekommen, das ist auch nicht mein Job. Die Neumaier hatte mir befohlen, die Frau bevorzugt zu behandeln. Ich nehme die Bestellungen auf und bediene die Gäste, wobei ich alle gleich behandle. Mir ist es egal, ob jemand berühmt ist oder nicht. Das habe ich auch der Neumaier gesagt.“

„Das glauben wir Ihnen gerne“, lächelte Hans. „Wann ging Frau Baumgartner?“

„Gegen zweiundzwanzig Uhr stand sie auf und ging schnurstracks zum Ausgang. Ihr Begleiter ging ihr hinterher, kam aber kurz darauf wieder zurück.“

„Hat sie bezahlt, bevor sie ging?“

„Nein, das hat ihr Begleiter übernommen. Einen Euro Trinkgeld bei einer Rechnung von vierundsechzig Euro.“

„Wie hat der Mann bezahlt?“

„Mit Kreditkarte.“

„Könnten Sie uns den Beleg zeigen?“

„Selbstverständlich.“

„Bernd Wachenberg“, las Leo ab und verglich den Namen mit denen seiner Liste. „Das muss der Regisseur sein, mit dem sie verabredet war.“

„Kann sein, ich kenne den Mann nicht.“

„Ist Ihnen an Frau Baumgartner irgendetwas aufgefallen?“

„Nein. – Doch! Sie sah immer wieder auf ihr Handy. Das ist nicht ungewöhnlich, das machen viele Gäste, aber sie schien auf etwas zu warten. Außerdem kam sie mir sehr nervös vor, beinahe ärgerlich.“

„Kennen Sie Linda Fischer?“

„Nein, der Name sagt mir nichts.“

„Was ist mit Franz Märklstuber?“

Bei dem Namen hellte sich ihr Gesicht auf, sie strahlte geradezu.

„Ja, den kenne ich. Herr Märklstuber ist einer unserer Dauergäste, immer sehr zuvorkommend und auch sehr großzügig. Solche Gäste sind mir die Liebsten.“

Gisela Neumaier sah immer wieder zu den Dreien.

„Die Alte spioniert schon wieder“, murmelte Doris.

„Was ist das zwischen Ihnen?“

„Das ist nichts.“ Doris war niemand, der andere anschwärzte. Sie klärte Probleme gerne persönlich und nicht über Dritte. Das war auch der Grund, warum sie sich nicht dem Chef anvertraute. Die Neumaier und sie hatten ihre Differenzen, die irgendwann eskalierten, darauf wartete Doris – denn dann würde sie der verhassten Frau endlich die Meinung geigen können. Aber noch hielt sich die Managerin zurück und ging, sobald ein Gespräch unangenehm wurde.

Leo und Hans gingen zu Gisela Neumaier, die ständig irgendwo herumschlich und versuchte, einige Worte aufzuschnappen. Jetzt tat sie so, als sei sie beschäftigt und hätte die Kriminalbeamten nicht gesehen.

„Konnte Doris helfen?“

„Ja, das konnte sie. Kennen Sie Linda Fischer?“

„Ich kenne Linda sehr gut. Linda und ich gingen in dieselbe Schule. Sie war eine Klasse über mir, obwohl sie zwei Jahre älter ist. Sie hatte immer Glück im Leben, während ich mir alles erarbeiten musste. Aber so ist das nun mal.“

„Sie wissen, dass Frau Fischer und Frau Baumgartner befreundet sind?“

„Als Freundschaft würde ich das nicht bezeichnen, eher als Arbeitsverhältnis. Linda hatte Pech mit ihrem Mann. Sie müssen wissen, dass er sie von heute auf morgen wegen einer Jüngeren verlassen hat. Linda war damals mittellos und stand quasi auf der Straße. Sie hat nie gearbeitet, das hatte sie nicht nötig gehabt. Ihr Mann verdiente genug und ihr ging es blendend – und damit war es dann plötzlich vorbei. Ohne Geld, ohne Ausbildung und ohne Job stand sie quasi auf der Straße. Wer stellt denn so jemanden ein? Ich war schon immer selbstständig und war noch nie auf einen Mann angewiesen, darauf habe ich immer großen Wert gelegt. Frau Baumgartner hat ein riesiges Herz bewiesen und hat sie bei sich aufgenommen. Linda hat wirklich sehr viel Glück gehabt. Andere Leute müssen für ihr Geld hart arbeiten, während sie bei Frau Baumgartner ein beschauliches, luxuriöses Leben führt.“

Gisela Neumaier war neidisch auf Linda Fischer, das lag auf der Hand.

„Kennen Sie auch Franz Märklstuber?“

Die Mundwinkel gingen nach unten und die Augen wurden kleiner. Sie schüttelte zwar den Kopf, aber Leo und Hans war klar, dass die Frau den Mann besser kannte, als sie zugeben wollte.

Als die Polizisten außer Sichtweite waren, griff Gisela Neumaier zum Telefon. Sie hatte seit einigen Monaten Kontakt zu einem Journalisten namens Jonas Griebl, dem sie gerne einen Gefallen tun wollte, da er ihr persönlich gefiel. Griebl war zwar über zehn Jahre jünger als sie, aber das war ihr gleichgültig. Jonas war nach langer Zeit wieder ein Mann, mit dem sie sich eine Zukunft vorstellen könnte.

„Gisela? Schön, dass du dich meldest“, schmeichelte ihr Griebl, der sich nur dunkel an die unscheinbare Frau erinnerte. Er hatte in verschiedenen Bereichen Kontakte geknüpft und auch Gisela war ein solcher Kontakt.

„Ich habe eine interessante Information für dich. Es geht um Ilona Baumgartner.“

„Um die Schauspielerin?“

„Genau um die. Ich habe eben mit der Polizei gesprochen. Bist du interessiert?“

„Und ob ich das bin! Worum geht es?“

„Nicht am Telefon, Jonas. Treffen wir uns heute Abend um zwanzig Uhr, dann ist meine Schicht zu Ende.“

„Einverstanden.“ Griebl war enttäuscht, dass er so lange warten musste. Er verstand sofort, dass die Neumaier mehr wollte, als nur Informationen weiterleiten. Er sah sich in der Redaktion um. Alle arbeiteten an kleineren Geschichten, da schon lange nichts passiert war. Ihm wurde die Berichterstattung über die heutige Veranstaltung zu Ehren der griechischen Partnerstadt übertragen, die er jetzt an einen Kollegen weiterleiten musste. Hoffentlich lohnte sich das!

„Wir brauchen mehr Informationen über Linda Fischer und Franz Märklstuber“, sagte Hans, als er mit Leo das Hotel verließ. „Außerdem sollten wir herausfinden, was Märklstuber mit der Managerin und Doris zu tun hat.“

„Auf jeden Fall!“

Die Fahrt ging jetzt direkt zum Regisseur Bernd Wachenberg nach Erding, das sie nach einer reibungslosen Fahrt nach knapp einer Stunde erreichten. Das Haus war unscheinbar, der Vorgarten mäßig gepflegt.

„Nach Reichtum sieht es hier nicht gerade aus“, murmelte Hans, der sichtlich enttäuscht war. Das Anwesen eines Regisseurs hatte er sich anders vorgestellt. Leo war das egal. Er wollte nur mit Wachenberg sprechen. Wie der lebte, interessierte ihn nicht.

Die beiden Kriminalbeamten mussten lange klingeln, bis ihnen endlich geöffnet wurde. Ein Mann in einem abgewetzten Morgenmantel öffnete ihnen.

„Was gibt es?“, fragte er mürrisch. „Ich habe eine anstrengende Nacht hinter mir und würde gerne noch etwas schlafen. Hoffentlich haben Sie einen guten Grund für Ihren penetranten Auftritt!“

„Bernd Wachenberg?“

„Ja. Und Sie sind?“

Leo und Hans wiesen sich aus.

„Kriminalpolizei Mühldorf? Was ist passiert? Ist etwas mit Ilona?“

„Dürfen wir reinkommen?“

Wachenberg drehte sich um und ging ins Haus, dabei ließ er die Tür auf. Leo und Hans folgten dem Mann, der sich keine Mühe machte, auch nur den Hauch von Höflichkeit aufkommen zu lassen. Wachenberg stand in der Küche und drückte auf die Taste eines Kaffeeautomaten.

„Wollen Sie auch Kaffee?“

„Nein, danke. Sie waren gestern Abend mit Ilona Baumgartner im Hotel Fürsthof in Mühldorf?“

„Ja, das war ich. Warum fragen Sie?“ Wachenberg löffelte jede Menge Zucker in die kleine Tasse und lehnte sich dann lässig an die Küchenzeile, die vermutlich aus den 50er-Jahren stammte. In dem Haus war alles alt, aber auch sauber und aufgeräumt.

„Wenn Sie einfach unsere Fragen beantworten, sind wir schnell wieder weg, versprochen“, sagte Hans lächelnd, auch wenn ihm das schwerfiel. Er mochte den Mann nicht. Warum das so war, konnte er nicht begründen.

„Ich traf mich mit Frau Baumgartner, um Einzelheiten unseres gemeinsamen Filmes zu besprechen. Das Gespräch war aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ilona bekam einen Anruf, sprang auf und lief einfach davon. Ich wollte ihr noch hinterher, aber da war sie bereits verschwunden. Nachdem ich noch eine Stunde vergeblich auf sie gewartet habe, fuhr ich zurück nach Erding. Hier wartete noch jede Menge Arbeit auf mich, die mich bis fünf Uhr auf Trapp hielt.“

„Kann das jemand bezeugen?“

„Nein, natürlich nicht! Wie stellen Sie sich das vor? Denken Sie, dass ich einfach so nachts Mitarbeiter zu mir rufen kann? Das funktioniert vielleicht in Hollywood, aber nicht bei uns in Deutschland. Hier gibt es Arbeitsvorschriften, an die ich mich halten muss!“ Wachenberg war sauer und sah auf seine Armbanduhr.

„Wir dachten eher an eine Ehefrau, Lebensgefährtin, oder dergleichen“, warf Leo ein.

„Damit kann ich leider nicht dienen.“

„Haben Sie eine Ahnung, von wem Frau Baumgartner angerufen wurde?“

„Nein! Der Anruf kam und Ilona ging – ich habe kein Wort mitgehört. Kann ich jetzt endlich erfahren, was eigentlich los ist? Die Dreharbeiten mit Ilona gehen nächste Woche weiter. Der Film hätte längst fertig sein sollen – verdammtes Corona! Sagen Sie mir endlich, was mit Ilona los ist. Muss ich mir Sorgen machen?“

„Nur noch eine Frage: Hatte Frau Baumgartner mit irgendjemand Ärger? Gab es Drohungen oder dergleichen?“

„Warum fragen Sie mich das? Ilona und ich haben eine Geschäftsbeziehung – nicht mehr und nicht weniger. Fragen Sie doch den schönen Franz, ihren Manager. Der scharwenzelt doch den ganzen Tag um sie herum, wenn er nicht gerade hinter einer Frau her ist.“

„Sie sprechen von Franz Märklstuber?“

„Selbstverständlich! Der Mann ist unmöglich. Ich hatte zwei Mal das Vergnügen mit ihm und verzichte auf ein weiteres. Bei mir hat er Hausverbot, das habe ich Ilona auch gesagt.“

„Warum? Was ist vorgefallen?“

„Er hat drei meiner Mitarbeiterinnen angegraben, sie benutzt und dann fallengelassen. Franz hat ein Durcheinander unter meinen Leuten verursacht, das ich nicht dulde. Es hat lange gedauert, bis endlich wieder Ruhe einkehrte. Ilona ist eine sympathische Frau und eine tolle Schauspielerin, mit ihr arbeite ich sehr gerne. Aber dieser Märklstuber ist ein Arschloch, das können Sie mir glauben. Warum sich Ilona mit diesem windigen Typen abgibt, werde ich nie verstehen. Aber das ist ihr Problem und nicht meines. Was ist denn nun? Ist die Produktion meines Filmes in Gefahr?“

Leo sagte nichts darauf, denn noch hatte er nicht alle Fragen gestellt.

„Kennen Sie Linda Fischer?“

„Nein, der Name sagt mir nichts.“

„Gisela Neumaier und Doris Bednarek?“

Wachenberg schüttelte den Kopf.

„Ich habe immer noch keine Antwort auf meine Frage: Ist mein Film in Gefahr?“

„Das wissen wir noch nicht.“

„Ich glaube nicht, dass Wachenberg etwas mit dem Verschwinden von Frau Baumgartner zu tun hat.“ Hans startete den Wagen und lenkte ihn durch die engen Straßen des Wohngebietes.

„Glauben heißt nicht wissen. Wir sollten seine Angaben überprüfen. Anhand seiner Handydaten finden wir heraus, ob er die Wahrheit sagt. Bei der Gelegenheit werden wir auch die Handydaten von Märklstuber und die der Damen überprüfen“, bestimmte Leo.

„Ein ziemlicher Aufwand für einen Vermisstenfall, der eigentlich noch keiner ist. Was wohl der Chef und der Staatsanwalt dazu sagen?“

„Das werden wir sehen.“

Hans sah seinen Freund und Kollegen an.

„Du lässt den Chef echt raushängen.“

„Mag sein. Weißt du, warum ich das mache?“

„Nein.“

„Weil ich es kann!“

Wachenberg traute sich nicht zu telefonieren, denn er war nicht der Mutigste. Erst, als er sicher war, dass die Polizisten auch wirklich weg waren, brachte er den Mut auf. Schließlich nahm er eines der Prepaid-Handys und wählte die ihm vertraute Nummer.

„Die Polizei war bei mir und hat Fragen zu Ilona gestellt. Was ist da los, Raimund?“

„Verdammter Mist!“ Es entstand eine längere Pause. „Hast du dichtgehalten?“

„Natürlich! Was denkst du denn?“

„Was haben sie gesagt?“

„Nicht viel.“

„Vielleicht vermisst sie jemand und deshalb wurde die Polizei eingeschaltet.“

„Warum dann gleich die Kriminalpolizei? Die wissen etwas!“

„Nein, das kann nicht sein. Wenn die die Unterlagen hätten, hätten Sie dich gleich mitgenommen. Die Kameras vor der Polizei haben ganz sicher nichts aufgezeichnet, ich habe mich persönlich davon überzeugt. Trotzdem ist es merkwürdig, dass die Kriminalpolizei Fragen stellt.“

„Es ging nicht nur um Ilona, sondern auch um Märklstuber, Linda Fischer und zwei Frauen mit Namen Doris Bednarek und Gisela Neumaier. Kennst du die Namen?“

„Wiederhole nochmals die Namen.“ Raimund machte sich Notizen. „Ich kümmere mich darum.“

„Was machen wir? Ich habe kein gutes Gefühl, Raimund!“

„Wir machen nichts, hörst du? Wir bleiben schön ruhig und tun so, als wäre nichts passiert.“

„Und was ist, wenn Ilona geplaudert hat? Vielleicht hat sie sich ihrer Freundin Linda Fischer anvertraut, könnte doch sein.“

„Ich kümmere mich auch darum. Du hättest besser aufpassen müssen, Bernd!“

„Glaubst du, ich weiß nicht, dass das meine Schuld ist? Wie hätte ich damit rechnen können, dass Ilona meine Schubladen durchwühlt?“

„Es ist jetzt nun mal, wie es ist, auch wenn dein Versagen für uns zur Katastrophe hätte werden können. Vielleicht kommen wir auch mit einem blauen Auge davon.“

Wieder entstand eine längere Pause.

„Mach jetzt keine Dummheiten, Bernd, du hast uns schon genug Ärger gemacht. Ich kläre die offenen Punkte ab und melde mich wieder. In der Zwischenzeit verhältst du dich ganz normal, verstanden?“

„Ja, mache ich. Was ist mit Ilona? Geht es ihr gut?“

Statt einer Antwort wurde die Verbindung unterbrochen. Wachenberg wurde übel. Alles lief doch prima. Warum hatte Ilona seine Schubladen durchwühlt und den Umschlag an sich genommen? Und warum wollte sie alles verraten? Man konnte sich immer auf Ilona verlassen. Sie war keine Verräterin, aber gerade jetzt hatte sie ihr Gewissen entdeckt. Wenn sie nicht bei ihm gewesen wäre, wäre alles gut und alles würde problemlos nach Plan laufen. Aber jetzt war nichts mehr so, wie es vorher war, und daran war nur Ilona schuld! Sie hatte eine Strafe verdient.

Wenig später dachte er anders darüber. Je länger er sich über Ilona und die vielen Begegnungen Gedanken machte, desto mehr veränderte sich seine Sichtweise. Wie es ihr wohl ging? Und warum hatte er vorhin Raimund gegenüber Linda Fischer erwähnt? Hätte er nicht einfach den Mund halten können? Was hatte Raimund vor? In Wachenbergs Kopf entstanden die schrecklichsten Bilder. Er rannte ins Bad und übergab sich. Mehr und mehr reifte in ihm der Wunsch, dass er sich niemals auf diesen Mist eingelassen hätte. Aber jetzt war es zu spät, er kam aus der Sache nicht mehr raus.

3.

Kirsten wachte langsam auf. Sie verstand nicht, wo sie war. Alles war dunkel, kalt und feucht. Ihre Augen gewöhnten sich nur langsam an die Dunkelheit. Stück für Stück schaffte sie es, Umrisse zu erkennen. Sie lag auf einer Matratze auf dem blanken Boden, sie war mit einer Decke zugedeckt. Alles roch muffig und alt. Ihre Hände und Füße waren nicht gefesselt, was ihr trotz der Lage ein Lächeln entlockte. Mit der Hand tastete sie die Wand, danach den Boden vorsichtig ab. Da standen zwei Plastikflaschen und ein Teller mit Brot. Als sie den Deckel der einen Flasche öffnete, bemerkte sie zufrieden, dass es sich um eine frische Flasche handelte – gierig trank sie. Was war geschehen? Wie kam sie hier her? Nur langsam erinnerte sie sich an das, was geschehen war. Zwei Männer standen vor ihrer Tür und überwältigten sie. Sie konnte noch kurz mit Jörg sprechen, dann wurde alles dunkel. Wo war sie hier? Und was sollte das alles? War es Tag oder Nacht?

Plötzlich hörte sie ein leises Wimmern, woraufhin sie zusammenzuckte.

„Hallo? Ist da jemand?“ Ihre eigenen Worte erschreckten sie, denn sie hörten sich sehr laut an. Da war doch jemand! Sie spürte, dass sie nicht allein war. „Hallo?“

Es folgte ein Stöhnen, das eindeutig von einer Frau kam. Für einen kurzen Moment freute sich Kirsten, sie war also nicht allein. „Hallo? Sagen Sie doch etwas!“

Wieder ein Stöhnen, das eindeutig von der anderen Seite kam. Vorsichtig stand Kirsten auf. Sie hatte nur Strümpfe an, durch die sie die Kälte des Bodens spürte.

„Hallo?“

Der Raum war nicht klein, außerdem standen einige Möbel im Weg. Sie konnte einen Tisch und zwei Stühle erkennen. Dann fand sie schließlich, wonach sie suchte: Hier am Boden, am anderen Ende des Raumes, lag eine weitere Frau auf einer Matratze.

„Was ist mit Ihnen? Geht es Ihnen nicht gut?“

Die Tür ging auf, das grelle Licht blendete Kirsten.

„Ihr habt euch schon bekannt gemacht, sehr gut.“ Die drohende Stimme des Maskierten erfüllte den Raum. „Sie ist verletzt, kümmere dich um sie.“

„Was fehlt ihr?“

„Ein kleiner Unfall. Sieh dir alles genau an. Wenn du Probleme machst, siehst du genau so aus.“

Kirsten besah sich die Frau, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Solange das Licht brannte, konnte sie die Wunden sehen, die echt nicht gut aussahen.

„Ich brauche Verbandsmaterial, Desinfektions- und Schmerzmittel.“

„Du hast hier nichts zu verlangen, verstanden?“

„Wie soll ich die Frau denn versorgen?“ Kirsten war mutig. Woher das kam, konnte sie sich selbst nicht erklären. „Außerdem brauche ich Licht, damit ich etwas sehen kann.“

„Kannst du vergessen! Du willst doch nur Dummheiten damit machen! Ich kenne euch Weiber, euch ist nicht zu trauen.“

„Wenigstens ein paar Kerzen, gegen die wird doch nichts einzuwenden sein. Sicher haben Sie irgendwo einen Jogginganzug, denn die Kleidung der Frau ist nicht mehr zu gebrauchen.“

„Sonst noch etwas? Du spinnst doch!“

„Die Kleidung ist dünn und zerschlissen, sie wird sich hier den Tod holen!“ Kirsten sah den Mann mit großen Augen an. Ob er auf ihre Forderungen einging? Er musste, denn sonst konnte sie nichts für die Verletzte tun. „Sie wird das hier ohne Versorgung nicht überleben. Eine Blutvergiftung, eine ordentliche Grippe und es ist vorbei!“, setzte sie nach.

Brummend ging der Mann davon, ließ aber das Licht an. Jetzt konnte sich Kirsten die Frau in Ruhe ansehen. Es gab neben drei offenen Wunden, die echt übel aussahen, auch einige Prellungen, die dick angeschwollen waren. Vorsichtig zog sie die Frau aus. Wenn der Mann zurückkam, hatte sie gute Vorarbeit geleistet. Wenn nicht, musste sie sie eben wieder anziehen. Vor allem musste sie verbergen, dass die Frau jetzt nackt war, bevor der Mann noch auf dumme Gedanken kam. Dafür stopfte sie die Kleidung unter ihre eigene Decke. Jetzt galt es zu warten. Sie stand auf und machte sich mit allen Kleinigkeiten des Raumes vertraut, bevor das Licht wieder gelöscht wurde. Neben der Tür standen zwei Sixpack mit Wasser, ein Eimer Wasser und ein Eimer mit Deckel. Sie kombinierte, dass der eine wohl fürs Waschen und der andere für die Notdurft gedacht war. Widerlich, aber machbar.

Irgendwann tauchte der Mann tatsächlich wieder auf. Er legte einen Verbandskasten, einen Jogginganzug und eine Tüte ohne Kommentar auf den Tisch. Dann zog er einige dünne Kerzen und ein Päckchen Streichhölzer aus der Tasche. Er kam dem provisorischen Bett der Frau sehr nahe, was Kirsten unruhig werden ließ. Zum Glück gab er sich mit einem Blick auf sie zufrieden.

„Du machst keine Dummheiten, verstanden? Ihr werdet hier einige Tage verbringen müssen, geht sparsam mit den Kerzen um. In der Tasche ist euer Essen, teilt es euch gut ein.“

„Wann kommen Sie zurück? Wann dürfen wir hier raus?“

Der Mann drehte sich um und ging, nachdem er das Licht wieder ausgedreht hatte. Kirsten zündete eine der Kerzen an und kümmerte sich um die Frau. Nachdem sie es geschafft hatte, sie anzuziehen, flößte sie ihr etwas Wasser ein. Sie trank nur wenige Schlucke, aber das war besser als nichts. Kirsten pinkelte in den Eimer und kontrollierte den Deckel, der fest aufsaß. Dann nahm sie die Kerze und die Streichhölzer und setzte sich auf ihre Matratze. Es war Zeit, die Kerze auszublasen, denn damit musste sie sparsam umgehen.

Sie dachte an Jörg. Ging es ihm gut? Sie kannte ihn, er machte sich sicher Sorgen. Aber das war jetzt ihr kleinstes Problem. Viel wichtiger war: Kam sie jemals wieder hier raus?

4.

Die Kriminalkommissarin Diana Nußbaumer war froh, als die Kollegen endlich anriefen. Sie hatte nur wenig zu tun. Sobald der Chef in der Nähe war, tat sie ganz geschäftig, damit er nicht auf die Idee kam, ihr irgendwelche Aufgaben zu geben. Sie kannte Krohmer. Wenn er merkte, dass jemand Zeit hatte, kam er immer mit den alten Fällen um die Ecke. Die waren nicht nur gähnend langweilig, sondern brachten auch immer jede Menge Ärger mit sich. Kollegen fühlten sich auf den Schlips getreten, was sie sehr gut nachvollziehen konnte.

„Was habt ihr herausgefunden?“

„Überprüf bitte die Handydaten von Bernd Wachenberg und Franz Märklstuber. Sie behaupten beide, zur fraglichen Zeit nicht in Mühldorf und an der Polizei gewesen zu sein.“

„Und du glaubst das nicht?“

„Ich zweifle von Haus aus, das müsstest du eigentlich wissen.“

„Gut, mache ich. Eine Frau Fischer hat angerufen, sie möchte eine Aussage machen.“

„Linda Fischer?“

„Ja. Sie sagte, dass sie in einer Stunde hier sei.“

„Super. Danke für die Info.“

„Wann seid ihr zurück?“

„In gut einer Stunde.“

„Dann sage ich Frau Fischer, dass sie auf euch warten soll.“

„Danke, Diana. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten bezüglich Frau Baumgartner?“

„Nein.“

„Bis später.“

Die Anforderung der Handydaten drang leider bis zu Krohmer durch.

„Wer hat das autorisiert?“, wandte er sich an Diana, da sonst niemand her war.

„Das war Leo.“

„Aha.“ Mehr sagte Krohmer dazu nicht. Jetzt, da Schwartz Leiter der Mordkommission war, konnte er ihn vor den Kollegen nicht bloßstellen. Warum dieser Aufwand? Was war da los? Schwartz war für sein Bauchgefühl bekannt. Konnte er sich auch diesmal darauf verlassen, oder ging die neue Verantwortung mit ihm durch?

Sobald Schwartz zurück war, musste er ihm Rede und Antwort stehen.

Aber dazu kam es nicht mehr, denn die Ereignisse überschlugen sich.

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