Kitabı oku: «Was sagen Sie, wenn ...? (E-Book)», sayfa 3
1.9 FÜR SICH SELBST SPRECHEN

Es geschieht mir ziemlich oft, dass in einer Gesprächsrunde andere an meiner Stelle antworten, wenn ich etwas gefragt werde. Das nervt mich sehr. Ich fühle mich dann nicht ernst genommen. Ich kann doch für mich selbst antworten. Wie wehre ich mich am besten und setze mich durch?
Manchmal geschieht alles so schnell. In einer Gesprächsrunde wird angeregt diskutiert. Da kann es sein, dass man manchmal ein bisschen mehr Zeit benötigt, um seinen Beitrag spruchreif zu formulieren. Andere hingegen sind Schnelldenkerinnen oder Schnellsprecher und haben die Antworten sofort parat. Dies rechtfertigt es jedoch nicht, Ihnen den Raum zu nehmen, wenn Sie direkt angesprochen und um eine Antwort gebeten werden. Hier heißt es Grenzen zu setzen, «Nein» zu sagen und für sich einzustehen. Wir alle haben unsere Grenzen, unser persönliches Hoheitsgebiet. Innerhalb dieses Hoheitsgebiets bestimmen wir, was erlaubtes oder unerlaubtes Verhalten ist. Sobald jemand unsere Grenze verbal oder körperlich überschreitet, merken und fühlen wir – wenn auch manchmal erst im Nachhinein –, dass wir dann unangenehm berührt sind, uns nicht ernst genommen fühlen, uns nerven oder ärgern.
Grenzen setzen und verteidigen ist wichtig. Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, damit die Menschen um uns herum wissen, wen sie vor sich haben. Es ist wichtig, für sich und die eigenen Bedürfnisse und Werte einzustehen.

KURZ UND KNAPP
— Die eigenen Gefühle wahrzunehmen ist wichtig. Negative Gefühle weisen auf ein Bedürfnis hin, das nicht erfüllt ist.
— Haben Sie den Mut, für Ihre nicht erfüllten Bedürfnisse einzustehen und Grenzen zu setzen.

BUCHTIPPS
— Merkle, Rolf (2019): Lass dir nicht alles gefallen. PAL, Mannheim.
— Merkle, Rolf (2019): So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen. PAL, Mannheim.


LÖSUNGSSTRATEGIEN
Nehmen Sie Ihre Grenzen wahr
Vermeiden Sie, dass sich negative Gefühle anstauen oder falsches Verhalten verfestigt wird. Eine Partnerin oder ein Partner, die/der jahrelang unbeanstandet für Sie mitgedacht, geredet und entschieden hat, kann dieses eingeschliffene Verhaltensmuster nur noch schwer ändern. Setzen Sie hingegen von Anfang an klare Grenzen, kann sich eine übertriebene Dominanz gar nicht erst entwickeln. Mit Stillschweigen und Lächeln tun wir uns nichts Gutes, sondern wir senden folgendes Signal aus: «Es ist okay, dass du mir keinen Respekt entgegenbringst». Wenn wir keine Grenzen setzen, erlauben wir anderen, dass sie uns verletzen und zu nahe treten.
Gerade in Gesprächsrunden werden Grenzen oft nicht mit böser Absicht, sondern aufgrund von Unachtsamkeit oder Übereifer überschritten. Wenn wir die Grenzüberschreitung nicht mitteilen, kann die Gesprächspartnerin oder der Gesprächspartner gar nicht wissen, wie es uns geht, und hat dadurch keine Chance, das Verhalten zu ändern. Wir lassen das Gegenüber im Glauben, alles sei in Ordnung und berauben es der wahren Anteilnahme. Haben Sie den Mut, sich selbst beziehungsweise Ihre Gefühle wichtig zu nehmen und für sich einzustehen! Sie sind es wert.
Sprechen Sie das Verhalten mit einer Ich-Botschaft an
Nach der direkten Wortmeldung Ihrer Gesprächspartnerin oder Ihres Gesprächspartners an Ihrer Stelle können Sie zum Beispiel sagen: «Ja, das mag sein. Ich möchte noch richtigstellen, dass …». So gelingt es Ihnen, sich wieder ins Gespräch zu bringen und Ihre persönliche Sichtweise kundzutun.
Sprechen Sie die Person nach der Gesprächsrunde auf ihr Verhalten an. Bleiben Sie dabei bei sich selbst, anstatt sich auf sie zu konzentrieren und sie mit Du-Botschaften anzugreifen. Teilen Sie ihr mit, welche Gefühle das Verhalten bei Ihnen auslöst. Dies ist das Geheimnis von guter Abgrenzung.
Sagen Sie zum Beispiel: «Ich mag nicht, wenn du für mich sprichst, weil ich mir dann klein vorkomme.» Oder: «Es ist nicht in Ordnung für mich, wenn du für mich sprichst, weil ich mich dann übergangen fühle. Ich benötige Zeit, um meine Gedanken zu sortieren und zu formulieren. Bitte lass mir in Zukunft den Raum, damit ich für mich selbst antworten kann.» Nehmen Sie sich vor, das nächste Mal spontan zu reagieren oder den Satz: «Lass mich kurz überlegen …» zu sagen. So gewinnen Sie einen kurzen Moment, um in sich zu gehen und Ihre Antwort vorzubereiten.


ERKENNTNISSE FÜR MICH
1.10 DAUERNDES ZUSPÄTKOMMEN ANSPRECHEN

Es passiert mir immer wieder, dass Arbeitskollegen und -kolleginnen zu spät zu verabredeten Sitzungen kommen oder mich sogar versetzen. Sie spielen es dann stets herunter und entschuldigen sich kaum dafür. Mich aber verletzt dieses Verhalten, ich fühle mich nicht respektiert. Oder bin ich hier zu empfindlich?
Sie haben sich mit einer Person verabredet, und diese lässt Sie lange warten oder erscheint nicht zum vereinbarten Termin. Das irritiert und enttäuscht. Sie haben ein anderes Verhalten von dieser Person erwartet.
Dass Sie sich geringgeschätzt, missverstanden und nicht ernst genommen fühlen, ist ganz normal. Gefühle sind auch nie falsch. Sie weisen uns auf ein Bedürfnis hin, das nicht erfüllt wurde. Bedürfnisse nach Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und Wertschätzung entsprechen unseren persönlichen Werten. Um die Balance wiederherzustellen, ist es wichtig, für sich einzustehen und seinen Unmut in einem Gespräch zu klären. Zugegeben, das ist nicht immer leicht.

KURZ UND KNAPP
— Versetzt zu werden tut weh.
— Nutzen Sie das 4-B-Modell zur Selbstklärung und Gesprächsführung.

BUCHTIPP
— Rosenberg, Marshall B.(2013): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Junfermann, Paderborn.

LÖSUNGSSTRATEGIEN
Folgende vier Schritte des 4-B-Modells bieten sich an
1. Beobachtung:
Was haben Sie konkret beobachtet? Etwa: «Wir hatten uns zum Arbeitstreffen verabredet und du bist nicht gekommen.»
2. Befinden:
Fühlen Sie in sich hinein: Wie geht es Ihnen, wenn die Person zu spät kommt oder Sie stehen lässt? Beispielsweise: «Das ärgert mich.»
3. Bedürfnis:
Überlegen Sie: Warum taucht dieses Gefühl auf? Welches Bedürfnis wird nicht erfüllt? Das nach Verbindlichkeit, Pünktlichkeit? Teilen Sie dies Ihrem Gegenüber mit: «Mir ist wichtig, dass Verabredungen eingehalten werden.»
4. Bitte:
Sagen Sie anschließend, welches Verhalten Sie sich stattdessen wünschen: «Ich hätte mir eine Benachrichtigung gewünscht, dass du zu spät kommst oder gar nicht kommen kannst. Wie siehst du das?»
Diese vier Schritte helfen nicht nur zur Selbstklärung, sondern können auch im klärenden Gespräch angewendet werden. Beginnen Sie das Gespräch etwa mit «Lieber Kollege, mich beschäftigt etwas, das ich gerne mit dir besprechen möchte. Es fällt mir nicht leicht, doch ich merke, dass es für mich wichtig wäre, dir das zu sagen. Wärst du bereit, mir zuzuhören?»
Erlauben Sie mir noch ein paar Gedanken:
— Nur wenn wir unsere Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, können sich unsere unangenehmen Gefühle beruhigen.
— Nur wenn wir der anderen Person mitteilen, was ihr Verhalten in uns auslöst, hat sie die Chance, sich zu erklären oder zu verändern. Tun wir dies nicht, brodelt der Unmut in uns weiter. Wir sprechen plötzlich abwertend über die Person oder begegnen ihr ablehnend.
— Haben Sie den Mut, für sich einzustehen und Ihren Unmut auszusprechen. Das befreit.
— Tun Sie sich etwas Gutes, indem Sie sich wertschätzen. Wenn wir gut auf uns selbst schauen, sind wir gegenüber Geringschätzung besser geschützt.
— Bestimmt meinte es die Person nicht böse. Vielleicht hat sie selbst Sorgen und Nöte, ist mit sich selbst beschäftigt und vergisst dadurch die andern. Doch dies finden wir erst in einem klärenden Gespräch heraus.


ERKENNTNISSE FÜR MICH
1.11 HÖFLICH «NEIN» SAGEN

Meine Arbeitskollegin fährt demnächst in die Ferien. Sie hat mich gebeten, mich während ihrer Abwesenheit um ihre vielen Pflanzen zu kümmern. Ich habe ihr schon häufig diesen Freundschaftsdienst erwiesen. Um das bisher gute Arbeitsverhältnis nicht zu gefährden, habe ich auch diesmal «Ja» gesagt, obwohl ich keine Lust und Zeit habe. Wie gelingt es mir, dass ich in Zukunft nicht immer zu allem vorschnell «Ja» sage?
Sie scheinen erneut in die Falle des «Ja»-Sagens getreten zu sein. Das «Ja» auf die kollegiale Bitte kam Ihnen leichter über die Lippen als ein verbindliches «Nein», obwohl Letzteres Ihnen in Ihrer persönlichen Situation viel angenehmer gewesen wäre. Auch wenn Sie in der Vergangenheit immer mit «Ja» geantwortet haben, brauchen Sie diesem Gewohnheitsrecht nicht weiterhin Gültigkeit zu geben. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Bedürfnisse wahrnehmen, respektieren und sich für deren Erfüllung einsetzen.
Ein «Ja» sollte von ganzem Herzen kommen und Sie sollten sich mit dieser Antwort wohlfühlen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie sich im Nachhinein über Ihre Entscheidung ärgern, sich belasten, unzufrieden werden und unter Umständen diese Unzufriedenheit auf andere übertragen. Sie leben nicht, sondern lassen ihr Leben von anderen steuern, weil Sie sich stets wieder in Verpflichtungen und Zusagen verstricken.

KURZ UND KNAPP
— Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahr und vertreten Sie diese. Sie können es nicht allen recht machen, nur sich selbst.
— Formulieren Sie Ihre Absage ehrlich, höflich und begründet.

BUCHTIPPS
— Merkle, Rolf (2019): Lass dir nicht alles gefallen. PAL, Mannheim.
— Merkle, Rolf (2019): So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen.
— PAL, Mannheim.
WEB
— Merkle, Rolf (2021): Warum wir uns mit dem Nein sagen schwertun.
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LÖSUNGSSTRATEGIEN
Antworten Sie reflektiert und ruhig
Wird eine Bitte an Sie herangetragen, antworten Sie zukünftig nicht vorschnell und unreflektiert. Verschieben Sie Ihre Antwort lieber auf einen späteren Zeitpunkt und verschaffen Sie sich so Zeit, um darüber nachzudenken, was Sie wirklich wollen und was gut für Sie ist. Wenn Sie Ihr «Ja» bewusst äußern, können Sie die Konsequenzen viel besser abschätzen.
Fürchten Sie sich nicht vor der Reaktion des Gegenübers
Falls Sie sich für ein «Nein» entschieden haben, dürfen Sie sich nicht vor der Reaktion Ihres Gegenübers fürchten. Wenn Sie meinen, dass die Reaktion Ihres Gegenübers das Problem ist, dann legen Sie Ihr Wohlbefinden in die Hände Ihres Gegenübers. Sie können es nicht allen recht machen. Grundsätzlich sollte der Fokus der Bitte auf dem Erhalt einer guten Beziehung und der Befriedigung aller Bedürfnisse liegen. Ein «Nein» ist nicht als ein definitives Nein, sondern als ein «Nein, nicht jetzt» zu verstehen und bezieht sich rein auf das Anliegen, nicht auf die Person.
Achten Sie auf die Formulierung
Ein erfolgreich verbalisiertes «Nein» ist vor allem eine Frage der Verpackung. Formulieren Sie Ihre Absage sozialverträglich, damit sich Ihre Arbeitskollegin nicht im Stich gelassen fühlt. Seien Sie ehrlich, anstatt nach Ausreden oder Notlügen zu suchen. Sprechen Sie freundlich und bestimmt. Begründen Sie, warum Sie den Freundschaftsdienst nicht machen können oder wollen. Ein guter Grund ist wirkungsvoller als 1000 erklärende Worte. Je nachvollziehbarer Ihre Begründung ist, desto leichter wird sich Ihre Arbeitskollegin mit Ihrer Absage abfinden. Und da niemand über eine abgeschlagene Bitte erfreut ist, helfen Sie der Arbeitskollegin, wenn möglich, eine Alternative zu finden.


ERKENNTNISSE FÜR MICH
1.12 LÄSTERMAUL BREMSEN

Mein lieber Arbeitskollege hat die Angewohnheit, ständig über andere Personen zu lästern. Mir ist das sehr unangenehm. Eigentlich will ich das gar nicht hören. Wie mache ich das meinem Arbeitskollegen höflich klar?
Üble Nachrede ist das Sprechen über die Fehler und Schwächen anderer in deren Abwesenheit mit dem – oft unbewussten – Ziel, sie kleiner zu machen und ihnen etwas von ihrem Glanz zu nehmen. Diese Art, jemanden schlechtzumachen, ist weit verbreitet. Wir Menschen neigen dazu, alles und jeden zu beurteilen, zu bewerten, in Schubladen zu stecken oder andere Menschen teils sogar so darzustellen, als wären sie nicht vertrauenswürdig oder liebenswert.
Üble Nachrede entsteht oft aufgrund von Neid, Verletzungen oder ungerechten Behandlungen, die wir selbst erfahren mussten. Jemand, der lästert, sucht eigentlich Bestätigung für seine Meinung. Leider werden wir hier als Zuhörerin oder Zuhörer oft missbraucht, indem wir ungefragt erfahren, was andere über eine bestimmte Person denken. Wir fühlen uns befangen und begegnen der Person, über die gelästert wurde, etwas anders als bisher.

KURZ UND KNAPP
— Üble Nachrede will die andere Person kleinmachen und ihr den Glanz nehmen.
— Gehen Sie als Vorbild voran. Stellen Sie sich nicht zum Lästern zur Verfügung oder führen Sie bewusst und gekonnt vom Thema weg.

WEB
— Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion (2019): Von Gerüchten bleibt immer etwas im Gedächtnis.
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LÖSUNGSSTRATEGIEN
Die folgenden Möglichkeiten bieten sich Ihnen an, um sich übler Nachrede zu entziehen.
Stellen Sie sich nicht zur Verfügung
Stellen Sie sich in Zukunft für diese Art von Gesprächen nicht mehr zur Verfügung und sagen Sie Ihrem Arbeitskollegen offen: «Ich möchte das nicht hören. Mir tut es nicht gut. Es belastet mich.» Oder: «Ich möchte meine eigenen Erfahrungen mit den Menschen machen.» Oder: «Wenn du etwas Gutes zu erzählen hast, dann höre ich dir gerne zu. Ansonsten behalte es lieber für dich, weil es mich sonst belastet.» Wenn Ihr Arbeitskollege wieder damit beginnt, können Sie auch fragen: «Muss ich das wissen?»
Hören Sie den Appell heraus
Versuchen Sie herauszuhören, ob Ihr Arbeitskollege nur über die Schwächen anderer reden will oder ob er bei Ihnen Hilfe sucht, um herauszufinden, was sein Anteil an den Schwierigkeiten mit der anderen Person ist. Bei Letzterem ist es möglich, dass er selbst verstanden hat, dass der Fehler nicht nur bei der/dem anderen liegt, sondern möglicherweise mit seiner eigenen Wahrnehmung zu tun hat. Hier könnte Ihre Unterstützung bereichernd sein.
Führen Sie von übler Nachrede weg
Falls Sie nicht aus einem Gespräch aussteigen können oder wollen, können Sie zumindest versuchen, nicht vorrangig über die Person nachzudenken, über die geredet wird. Konzentrieren Sie sich stattdessen voll und ganz darauf, Ihren Arbeitskollegen zu verstehen, indem Sie versuchen, seine Gefühle wahrzunehmen. Auf diese können Sie dann eingehen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Auch so können Sie von übler Nachrede wegführen.
Seien Sie ein Vorbild
Und zu guter Letzt: Seien Sie selbst ein Vorbild und stehen Sie für eine positive Lebenshaltung ein, indem Sie selbst es vermeiden, über andere Menschen zu lästern.


ERKENNTNISSE FÜR MICH
1.13 RATSCHLÄGE ERTEILEN

Kürzlich habe ich eine Enttäuschung erlebt, die ich mit meiner Freundin besprechen wollte. Doch es kam nicht wirklich dazu. Relativ schnell erzählte sie mir, wie sie eine schwierige Situation gemeistert hatte, und riet mir, es ähnlich wie sie zu machen. Ich war konsterniert und enttäuscht. Ihre Ratschläge fand ich unangebracht, wollte ich doch bloß gehört werden. Wieso haben mich ihre Ratschläge so irritiert? Sind Ratschläge manchmal wirklich Schläge?
Ratschläge sind auch Schläge – so der Volksmund. Es gibt zwei Formen von Ratschlägen: die erbetenen und die nicht erbetenen. Letztere sind, was sie wörtlich aussagen: Rat-Schläge. Diese werden von oben nach unten erteilt. Das tut dem oder der Ratschlagenden gut, dem oder der «Geschlagenen» aber nicht. Denn ein solch unerbetener Ratschlag wirkt wie eine Bevormundung, und das ist selten das, was man sich im Gespräch mit einer vertrauten Person erhofft. Kein Wunder, dass viele Menschen allergisch auf ungebetenen Rat reagieren. Bei ihnen läuten die Alarmglocken, sobald sie Formulierungen hören wie: «Wenn ich du wäre …», «Ich rate dir …», «An deiner Stelle würde ich …» oder «Du solltest mal …».
Zugegeben, Ihre Freundin meinte es wahrscheinlich gut und wollte nur helfen. Erreicht hat sie aber das Gegenteil. Denn die Botschaft lautet: «Ich weiß genau, was für dich gut ist. Dein Problem ist einfach zu lösen, da muss ich dir gar nicht zuhören.»
Leider ist es Ihrer Freundin nicht gelungen, sich in Ihre Lage zu versetzen, sondern sie hat Ihre Situation mit ihrer eigenen gleichgesetzt. Sie hat offenbar nicht erkannt, was Sie wirklich bedrückt, sondern hat eine Ausgangsbasis geschaffen, die Ihrem Problem nicht gerecht wurde. Fazit: Sie fühlen sich nicht ernst genommen, unverstanden oder ungerecht behandelt. Dabei hätten Sie sich gewünscht, für einen Augenblick im Mittelpunkt zu stehen und die volle Aufmerksamkeit für sich und Ihr Anliegen zu erhalten.

KURZ UND KNAPP
— Nur wer aktiv zuhört, hat die Chance, sein Gegenüber tatsächlich zu verstehen.
— Zeigen Sie Respekt und Wertschätzung für die andere Person und deren Anliegen.

WEB
— Absolventa (2020): Aktives Zuhören: So geht’s.
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LÖSUNGSSTRATEGIEN
Aktiv zuhören
Als bessere Möglichkeit würde sich die Idee des «Aktiven Zuhörens» anbieten. Ihr Gespräch hätte damit eine ganz andere Qualität erreicht. Denn nur wer aktiv zuhört, hat die Chance, das Gegenüber tatsächlich zu verstehen. Zuhören hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. Das erfordert, dass man sich Zeit für die andere Person nimmt, sich auf sie einlässt, sich selbst zu ihren Gunsten zurückstellt und Anteil nimmt an dem, was sie im Augenblick beschäftigt.
Die Perspektive der/des Betroffenen zählt
Es spielt dabei keine Rolle, ob das Problem aus der Zuhörenden-Perspektive klein oder groß erscheint. Für die Betroffene oder den Betroffenen ist es riesig und nur das zählt. Bleiben Sie als Zuhörerin/Zuhörer beim Thema. Versuchen Sie eine Vorstellung oder ein Bild davon zu bekommen, was Ihnen die andere Person sagen will.
Der betroffenen Person vermitteln, dass Sie sie ernst nehmen
Offene Fragen zu stellen, um Ihr Verständnis zu vertiefen, kann dabei hilfreich sein. Aussagen mit «Das verstehe ich …» quittieren, ebenfalls. Ziel ist es, im Dialog Lösungsmöglichkeiten zu erörtern und/oder der betroffenen Person zu helfen, das Problem selbst zu klären und eine Lösung zu finden. Wenn Sie diese Anregungen annehmen, werden Sie Ihrem Gegenüber den Eindruck vermitteln, dass Sie ihn oder sie ernst nehmen. Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen, ernst genommen zu werden, ist dann erfüllt.
Respekt und Wertschätzung zeigen
Die meisten Missverständnisse oder Kommunikationsblockaden entstehen, wenn es der Zuhörerin oder dem Zuhörer nicht gelingt, mit den inneren Erfahrungen des Gegenübers in Kontakt zu treten, oder wenn sie/er die eigenen Gefühle und Erlebnisse in die Botschaft des Gegenübers hineinprojiziert. Bevor Sie also mit Ihrer Klugheit beeindrucken, sollten Sie zuerst den Sachverhalt zu verstehen versuchen, indem Sie Respekt und Wertschätzung für die andere Person und ihr Anliegen zeigen.

ERKENNTNISSE FÜR MICH
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