Kitabı oku: «Engelstunden»

Yazı tipi:

Iris Paxino

Engelstunden

Gespräche mit der Engelwelt

Verlag Freies Geistesleben

2. Auflage 2021

Verlag Freies Geistesleben

Landhausstraße 82, 70190 Stuttgart

www.geistesleben.com

ISBN 978-3-7725-4644-0

Copyright © 2021 Verlag Freies Geistesleben

& Urachhaus GmbH, Stuttgart Umschlaggestaltung

& Satz: Bianca Bonfert Umschlagfoto: Dirk

Wustenhagen / Trevillion Images Druck: Friedrich

Pustet GmbH, Regensburg

INHALT

COVER

TITEL

IMPRESSUM

EINLEITUNG

ENGEL, WER SEID IHR?

Die Erscheinung der Engel

Über das Wesen der Engel

Der Aspekt der Freiheit

Die Gefühle der Engel

Die Sprache der Engel

DIE PERSÖNLICHEN ENGEL DES MENSCHEN

Der Schutzengel

Geschwächte Schutzengel

Der Führungsengel

Weitere persönliche Engel

Der Engelring

Über Schicksalsbildung und das Höhere Ich

DIE SCHATTENENGEL

Der luziferische Doppelgänger

Der ahrimanische Doppelgänger

Umgang mit den persönlichen Doppelgängern

Schatten zwischen Mensch und Licht

ENGELWIRKEN IM SOZIALEN GEFÜGE

Über Familienengel und Gemeinschaftsengel

Engel in unseren Lebenszusammenhängen

Über den sozialen Organismus

Das Erzengelwirken im Sozialen

ENGEL ZWISCHEN TOD UND NEUGEBURT

Über das Nachtodliche

Über die Weltenmitternacht

Der Bereich der Tierkreisbilder

Über die Planetensphären

Die Sonnensphäre als Umwandlungssphäre

Von der Sonnensphäre zur Mondensphäre

Die Erdengeburt

DIE MENSCHHEITSAUFGABE DER ENGELHIERARCHIE

METHODISCHES

Voraussetzungen schaffen

Die Seelenstille

Das Herz als Wahrnehmungsorgan

Die Wesensbegegnung

Das Nachklingen der Meditation

SCHLUSSWORT

ANMERKUNGEN

LITERATUR

Allen wunderbaren Engeln dieser Welt gewidmet

Ein Engel ist

der für dich ficht

sacht wie der Mond aufgeht.

Er schweigt und steht,

er hält dich aus,

er bleibt und trägt

dein irdisches Gewicht.

Kein Mensch ist irgendwo allein

und nirgends ohne Licht.

Markus Schrauth

EINLEITUNG

«Ich gehe jetzt und werde

wiederkommen.

Und doch bin ich stets bei dir.»

Der Lehrerengel

Alles begann mit einer kleinen, weißen Feder. Es war ein nasskalter, weiß-gräulicher Februartag. Eilig stieg ich aus dem Auto aus, nahm meine Tasche mit und schlug die Autotüre zu. Ich wollte schnell noch einige Besorgungen machen und drehte mich um, um loszulaufen. Der Wind pfiff und wirbelte die letzten trockenen Blätter des vergehenden Winters durch die feuchte Luft. Die Atmosphäre war seltsam unruhig, als ob die Luft sprechen würde. Kurz blieb ich stehen und schaute mir dieses wundersame Schauspiel an. Und auf einmal, ganz unerwartet, flog eine kleine, weiße Feder heran und blieb, direkt in Herzhöhe, an meinem Mantel hängen. Ich war völlig erstaunt und hatte zugleich das Empfinden, als ob jemand sanft mein Herz berührt hätte. Ich stand noch kurz da, doch Kälte und Wind waren zu ungemütlich, als dass ich diesen Eindrücken hätte länger nachgehen können. Ich nahm die Feder, steckte sie in die Manteltasche und ging eilig meiner Wege.

Zwei Tage später, in einem ruhigen Moment, holte ich die kleine Feder wieder hervor und schaute sie mir an. Strahlend weiß war sie und wunderschön-flaumig. Ich hielt sie behutsam in meiner Hand, schloss die Augen und spürte mit dem Herzen zu ihr hin. Nach einigen Augenblicken erschien im Raum ein weißer Engel. Ganz licht war er und von kraftvoller Gestalt, sein warmes Weiß war durch und durch geformt. Er strahlte eine würdevolle Klarheit aus. Überrascht wandte ich mich meinem Schutzengel zu und schaute, wie er auf diese Anwesenheit reagierte. Er trat vertrauensvoll einen Schritt zur Seite, öffnete also den Raum, wies auf den neuen Engel und sagte: «Höre ihm zu.» Der weiße Engel begann zu sprechen:

«Du hast so viele Fragen zu unserer Engelwelt. Wer wissen will, darf auch erfahren. Wir verstecken uns nicht vor den Menschen. Ihr dürft mit uns lernen und wachsen, ihr könnt eure Seelen weiten und fliegen lassen. Seite an Seite mit uns könnt ihr euch über diese, eure, wunderbare Welt erstrecken und sie liebend, verstehend, mitfühlend sehen lernen. Wir raunen euch Himmelsworte zu, ihr könnt sie erlauschen und beginnen zu begreifen. Es ist die Zeit gekommen, in der die Menschen aus ihrer Egoität aufwachen müssen. Ihr seid eins mit der Welt, sie ist euer tragender Grund und zugleich eure Entwicklungsaufgabe. Sie ist und wird durch euch.

Wir stehen euch zur Seite, damit wir gemeinsam, Engel und Menschen, als Brüder, diese Erdenwelt durchlichten, durchlieben und erlösen. Es ist eure Welt. Der Vater im Himmel hat sie euch geschenkt – werdet ihrer würdig! Und wenn ihr gemeinsam mit uns wirken wollt, so könnt ihr das tun. Jeder in eurer Zeit kann beginnen, mit den Engeln zu arbeiten. Ihr müsst euch nur entscheiden, und dann wird sich euch der Weg auch zeigen.» Der Engel machte eine kurze Pause und sagte dann abschließend: «Wenn du lernen willst, so darfst du lernen. Ich gehe jetzt und werde wiederkommen. Und doch bin ich stets bei dir.» Er verbeugte sich leicht und entschwand meiner Wahrnehmung. – Erstaunt, ergriffen und tief berührt blieb ich in Gedanken versunken zurück.

Ich kannte bereits Engel, dies war nicht meine erste Begegnung mit einem solchen Wesen. Und doch schien diese Begebenheit eine andere Signatur, eine andere, neue Bedeutung für mich zu haben. Meinen Schutzengel kannte ich schon lange. Über Jahre hinweg hatte ich mir schrittweise eine bewusster werdende Verbindung zu ihm aufgebaut; anfangs mich immer und immer wieder an ihn wendend, ihn einladend, ihn fragend, ihm dankend, aber ihn dabei nur ‹erspürend›. Mit den Jahren konnte ich ihn dann klarer wahrnehmen, konnte seinen Rat und seine Antwort auf Fragen vernehmen und ihn konkreter in meine Arbeit einbeziehen.

Auch die Schutzengel meiner Patienten und Klienten wurden mir mit der Zeit immer vertrauter, sie gaben wertvolle Hinweise für die gemeinsame Arbeit. Aus der Beschäftigung mit Verstorbenen waren mir Engel, die ihre Menschen über die Schwelle und durch die nachtodlichen Geistbereiche begleiten, ohnehin geläufig. Stufenweise hatte ich zudem erleben dürfen, dass Familien, Gemeinschaften und soziale Zusammenhänge von Engeln gehalten, getragen und geführt werden. Begegnungen mit Engeln, die Landschaften hüten und betreuen, kannte ich ebenfalls aus einzelnen Begebenheiten heraus. Doch durch die überraschende Begegnung mit diesem weißen Engel hatte ich den Eindruck, dass hier etwas Neues beginnen würde. Seine Worte klangen tief in mir nach: «Wenn du lernen willst, so darfst du lernen», hatte er gesagt. Ja, natürlich wollte ich lernen, seit Jahren bewegten mich unzählige Fragen über die Engelwelt.

Es begann von da an ein reger, intensiver Austausch mit diesem und mit vielen anderen Engeln, die mir Einblicke in ihr Wirken gaben. Ich verstand, dass unsere Welt viel unmittelbarer und intensiver von Engeln begleitet wird, als uns dies bewusst ist. Wir sind es gewohnt, vom Schutzengel zu sprechen und ihn zu ‹denken›. Darüber hinaus ahnen wir, dass es vielleicht noch andere Engel geben müsste, wahrscheinlich viele. Wir erfahren von ihnen in biblischen Geschichten, in Legenden und Märchen. Sie treten uns entgegen in den Kirchengemälden unserer christlichen Kultur und in zahlreichen Kunstdarstellungen. Allerdings bleibt unser Verständnis hier sehr diffus. Weder fragen wir innerlich weiter nach, noch suchen wir in diesen Zusammenhängen Begegnung und konkrete Erkenntnis. In der Regel stellen wir uns über dem Bereich der Schutzengel gleich die höheren Hierarchien vor, ohne wahrhaftig bei der Engelwelt zu verweilen und uns einen tieferen Einblick in ihre Wirklichkeit zu erarbeiten.

Es gibt jedoch Myriaden von Engeln, die mit unserer Erden- und Menschenwelt verbunden sind. Nicht ein Engel begleitet einen jeden Menschen, sondern mehrere, und zwar in ganz unterschiedlicher Weise und mit jeweils verschiedenen Aufgaben. Darüber hinaus sind alle unsere Lebens- und Seinsbereiche vom Engelwirken durchdrungen. Im Leben aller Menschen auf Erden werden Geburten und Übergänge, Krisen- und Heilungsvorgänge, Gefahrensituationen und Todesprozesse von einer Vielfalt von Engeln begleitet. In jeglichem gemeinschaftlichen Geschehen, in allen sozialen Abläufen wirken Engel begleitend und leitend mit. In allen Naturvorgängen, in Landschaftsbildungen und Wetterphänomenen bringen sich Engelkräfte zum Ausdruck. Die Engel sind diejenigen, die uns die Schicksalstore öffnen und die Geschicke unserer Leben so gestalten, dass Schicksalsbegebenheiten möglich werden. Sie inspirieren uns in unserem Denken, impulsieren uns in unserem Fühlen und bestärken uns in unserem Handeln. Sie umhüllen uns in ihrem milden Licht und wachen liebend über uns. Sie fördern Wachstum und Bewusstwerdung des Menschen und ermöglichen geistige Verbrüderung auf Erden.

Die Anthroposophie gibt uns hierzu kostbare Hinweise, denn Rudolf Steiner hat mit einem überragenden Weitblick und in einer unvergleichlichen Konkretheit eine weltumspannende Landkarte der geistigen Welten aufgezeichnet. Alle Kategorien geistiger Wesen hat er aus eigener, lebendiger Anschauung beschrieben. Diesen Indizien können wir, meditativ übend, folgen. Auch wenn wir mit unserer Wahrnehmung nicht sehr ‹weit› kommen, so beginnt doch die entworfene Landkarte in den kleinen Bereichen, die wir uns erobern, für uns lebendig zu werden. Persönliche Begegnungserlebnisse mit unterschiedlichen Wesen dieser Welten werden möglich, die anfänglichen Einblicke eröffnen uns weitere Erfahrungsfelder.

Wir Menschen sind ohnehin aus einer Vielzahl von Wesen ‹beschaffen›, die wir selbst nicht im Geringsten überschauen können. Alle diese Wesen wirken an uns, mit uns, durch uns, auf der geistigen, astralischen und ätherischen Ebene, bis in unser Physisches hinein. Die Engel selbst sind nur eine Wesensart von diesen vielen. Wenn wir lernen, uns ihnen in der eigenen Herzensstille zuzuwenden, dann merken wir, dass sie immer bei uns sind. Wenn wir bereit sind, ihnen zuzuhören, dann sprechen sie unmittelbar zu uns. Entsprechend unserem Schicksalsweg geben sie uns stets Geleit und Hilfestellung. Sie sind die Freunde unseres Werdens, die innigsten Weggefährten auf dem Schicksalspfad der Menschheit. – Wir haben so viele, unzählige lichte Helfer, deren Existenz wir noch nicht einmal erahnen. Und sie stehen uns seit jeher unermüdlich und unverbrüchlich, in jedem Augenblick unseres Seins, zur Seite. Auf allen Ebenen des himmlischen und irdischen Lebens wirken sie, bei Tag und bei Nacht, in unserer Existenz auf Erden und in unserem nachtodlichen Sein.

Viele Herzensfragen, die mich persönlich bewegten, entwickelten sich mit der Zeit zu immer vertrauter werdenden Gesprächen mit den Engeln. Ich durfte erfahren, dass Engel selbst beten und dass sie singen; dass sie Humor haben und sich an unserer Herzensfreude freuen; dass sie uns manchmal Grüße schicken durch Federn, die wir einfach auf der Straße finden; dass sie am tiefen Leid der Erde selbst mitleiden und uns in allen Finsternissen unseres Menschseins beistehen. Trotz alledem verurteilen sie uns nicht und lieben uns so hingegeben, wie wir es kaum ermessen können.

Natürlich sind die Einblicke, die ein einzelner Mensch hier haben kann, nur winzige Mosaiksteine in einem unermesslich vielfältigen kosmischen Geschehen. Durch meine persönliche Arbeit und meinen psychologisch-therapeutischen Schwerpunkt bin ich mit der Welt des Seelischen vertraut. Entsprechend waren auch meine Fragen an die Engelwelt gestellt. So zeigte sich durch diesen Austausch vorwiegend das Engelwirken ins Menschenseelische hinein. Ganz anders hätte sicherlich ein Arzt gefragt. Der Blick auf Wirkungen des Geistigen ins Menschenleibliche hinein hätte ganz andere Facetten des Engel-Tuns beschrieben. Und wieder anders würde es etwa bei einem Landwirt sein oder bei einem Pädagogen. Die Wege, die das Ich des Menschen sucht, um Wirkungen des Geistigen zu erforschen, sind also individuell verschieden. So kann auch dieses Buch nur einzelne Aspekte der wunderbaren, lichten Engelwelt umgreifen – mehr nicht.

Der weiße Engel kam, nach dieser ersten Februarbegegnung, erneut; von da an stets in Begleitung eines weiteren, großen, grün-goldenen Engels. Gemeinsam mit meinem Schutzengel haben mir diese beiden unerwartete Zusammenhänge aufgezeigt und mich durch viele lehrreiche und zutiefst berührende Erlebnisse geführt. Von allen Begegnungen, die ich mit der Engelwelt haben durfte, waren die Zusammenkünfte mit ihnen die für mich prägendsten. Mit ihnen konnte ich die innigsten Gespräche führen, von ihnen konnte ich am meisten lernen. So nenne ich sie ‹meine Lehrerengel› und danke ihnen für diese unaussprechlich kostbaren Geschenke mit aller Liebe meines Menschenherzens.

ENGEL, WER SEID IHR?

«Aber in dem Augenblicke,

wo das Bewusstsein aufwacht

und imaginativ wird,

erfüllt sich diese ganze Sinneswelt,

oder besser gesagt sogar,

sie verwandelt sich

in eine Welt webender Bilder.

Diese Welt webender Bilder,

sie zeigt sogleich

in sich eingewoben die Welt der

Angeloi, der Engel.»1

Rudolf Steiner

In der Rangordnung der himmlischen Wesen, die sich aus dem Schoße der Trinität entfalten, bilden die Engel die neunte Hierarchie. Neun Chöre in jeweils drei Gruppierungen gestalten die geistigen Entwicklungsstufen zwischen der Göttlichen Dreifaltigkeit und der Erdenwelt der Menschen. Alle Himmelschöre, aus dem göttlichen Schöpfungsprinzip geboren, zugleich aus dem Wirken der jeweils Höheren ‹herausgesetzt›, lassen unterschiedliche Prinzipien des Werdens walten. Sie vertreten unterschiedliche Stufen geistiger Bewusstheit und somit geistigen Daseins.

Die Engelhierarchie gab es bereits vor der Schöpfung des Menschen, sie vollzog und vollzieht auch weiterhin Schritte eines eigenen Entwicklungsgangs. Die Menschheit folgt ihr in einem sie selbst charakterisierenden Reifezyklus, bei dem sie zugleich von allen höheren Hierarchien durchdrungen und getragen wird.

In dieser überaus weisheitsvoll gewebten kosmischen Architektur sind die Engel die den Menschen am nächsten stehende Wesensordnung. Sie auf der einen Seite und die Elementarwesen auf der anderen Seite sind unsere nächsten Gefährten und Helfer. Innig mit unserer Welt verbunden sind auch die Verstorbenen und die Ungeborenen, doch diese bilden keine für sich selbst stehende Hierarchie. Sie sind Menschenwesen, nur eben in einem nicht inkarnierten Zustand; sie sind ‹wir selbst›, nur auf der ‹anderen Seite›. Wenn wir also die Menschheit in all ihren Entwicklungsstadien als eine Gesamtheit denken, so sind die unmittelbar an sie angrenzenden Hierarchien die Engel auf der geistig-himmlischen Ebene und die Elementarwesen auf der geistig-irdischen Ebene.

Auch wenn die neun Himmelschöre eine ‹hierarchisch› gegliederte Struktur haben, so bedeutet das nicht, dass die Engel als neunte Hierarchie lediglich der darüberstehenden Stufe der Erzengel dienen. Sie sind allen Hierarchien hingegeben und haben teilweise einen unmittelbaren Bezug zu viel höheren Sphären. Es gibt beispielsweise ‹Engel des Christus›, also solche, die direkt dem Christus dienen, ‹Engel der Himmelsmutter›, ‹Engel des Vatergottes›, also Engel, die direkt einem bestimmten Aspekt der Trinität unterstehen. Durch ihr eigenes Sein repräsentieren sie einen bestimmten geistigen Zusammenhang, wirken ganz in seinem Sinne und vermitteln zwischen ihm und den anderen Seinsebenen. Wenn wir uns zum Beispiel in einem innigen Gebet an das Wesen des Christus wenden, dann erscheinen ganz unmittelbar um uns herum Engel, die dem Christus dienen. Wenn wir existenzielle Fragen in Bezug auf Leben und Tod stellen, und das in einer zutiefst aufrichtigen, demutsvollen Haltung tun, dann kann, in einem Gnadenmoment, ein Engel des Vatergottes vor uns aufleuchten. Die Hierarchien der Himmelswesen stellen demnach nicht eine rigide lineare Struktur dar, sondern bilden Welten gegenseitiger Durchdringung, die wie ein lebendiges Wasser sich in harmonischer Bewegung fließend bedingen. Ein Wesen wirkt stets durch das andere hindurch, eine Realität bildet sich durch eine andere ab, jede der anderen dienend, sich gegenseitig offenbarend und darstellend. Und so ist es auch mit den Engeln: Sie sind den höheren, sie lenkenden Hierarchien hingegeben, und zugleich dienen sie auch uns, denn auch wir sind Teil dieser Geisteswelten, die in einer weisheitsvoll abgestimmten Wechselbeziehung zueinander stehen.

Das Sein und Wirken der Engel ist also stets eingebettet in ihren Zusammenklang mit der höheren geistigen Welt. Sie agieren aus einem inneren Licht heraus, welches kosmischer Natur ist und zugleich ihre eigene Seinssubstanz bildet. Sie selbst konstituieren gesamte Welten selbstloser, unmittelbarer Hingabe, die von geistigem Licht und von Himmelsliebe durchwoben sind. Ihre Verbundenheit mit der Erdenwelt ist Bestandteil dieser kosmischen Gesamtkomposition; zugleich stellt sie eine selbst auferlegte Hinwendung zu uns dar. Die Anteilnahme der Engel und ihr von Liebe getragenes Wirken uns gegenüber ist bedingungslos. Weisheit, Liebe und Licht sind ihre Wirkungsprinzipien und zugleich auch die realen Schöpfungssubstanzen allen Seins. So entsprechen die Engel ganz dem Strom der reinen, ewigen Wirklichkeit und umschließen uns als Menschheit in diesem mannigfaltigen, wunderbaren Schöpfungsgebilde.

Wenn wir die Engel selbst fragen, wer sie sind, dann können wir, als Fragment, folgende Antwort vernehmen:

«Unsere Hierarchie ist die Hierarchie des Weisheitslichtes, von Liebe durchdrungen sind unsere Wesen. Unsere Welten leuchten in allen Farben der himmlischen Harmonien. Liebe, Licht und Weisheit, im Eins-Sein des Vatergottes verbunden, bilden das Schöpfungsprinzip dieses Kosmos. Dieses Schöpfungsprinzip der Einheit entfaltet sich als Heilige Dreiheit, die sich dann selbst in manigfaltige Aspekte und Entwicklungsstufen ergießt. All diesen Stufen des Himmlischen dienen wir ganz aus unserer Wesenhaftigkeit heraus, die erhabenen Impulse der Höheren durch uns selbst euch weiter vermittelnd. Auch sind wir diejenigen, die eure Impulse den Höheren, dem Kosmos übermitteln. Vermittler sind wir also – doch nicht nur: Substanz aus unserer Substanz haben wir geopfert, damit ihr, Menschheit, zu dem gelangen könnt, was ihr ‹die Menschenwürde› nennt. Ja, eines Tages wird sie eure sein. Bis dahin jedoch pflegen wir sie euch, tropfenweise, liebend, ein. Mit ihr, durch sie gelangt ihr zu den Christus-Kräften, die eure Iche Seiner würdig werden lassen. Geschenkt wird euch vom Kosmos euer ganzes Sein, und wir vertrauen darauf, mit Christus uns vorausschreitend, dass auch ihr selbst Geschenk einst werdet: Ihr könnt die Erde, durch euch selbst erlöst, den Himmeln übergeben. So schließt sich dann ein Ring des Seins, den ihr, mit uns und allen Himmlischen, aus eurer selbst errungenen Freiheit neu gebildet habt.

Wir sind mit euch auf diesem langen Weg des Werdens. Wir tragen euch, und segnen euch, und hören niemals auf, euch wahr und licht zu lieben. – So sei es, bis ans Ende der Zeiten.»

Die Verbindung der Engel zu uns Menschen ist eine besondere, denn sie lassen durch sich selbst den Himmel in uns gegenwärtig sein. Sie vermitteln die Wirkungen aller Hierarchien, und zwar in spezifischer Weise für jeden einzelnen Menschen. Sie durchweben unsere Wesensglieder, stützen uns in unserer geistigen Aufrichtekraft, durch die unser Menschenwesen mit der Zeit zu seiner wahrhaftigen Würde gelangen kann. Dadurch ‹erheben› sie uns ein Stück weit und befähigen uns, nicht nur Erdenmenschen, sondern zugleich auch Himmelswesen zu sein.

Der Blick der Engel ist stets auf das Gute gerichtet, auf das Zukunftspotenzial eines jeden von uns und auf die Entwicklungschancen eines jeglichen Geschehens. Sie begleiten uns in immerwährender Treue, impulsieren und durchlichten uns. Zugleich lassen sie uns Menschen ganz frei. Entsprechend dem Charakteristikum aller lichten geistigen Wesen greifen sie niemals in unseren freien Willen ein. Sie dienen uns voller Vertrauen in die sich entwickelnde Kraft der menschlichen Freiheit – doch stets nur im Rahmen derjenigen Gegebenheiten, die wir selbst bilden.

Es gibt natürlich auch dunkle oder gleißend helle Engelgestalten, die nicht unsere Freiheit achten – diese sind Boten ganz anderer Kräfte. Solche Kategorien von Wesen werden ‹Widersacher› genannt. Sie bieten dem fließenden Lebensfluss der kosmischen Harmonien Widerstand und bilden somit Gegenpole zu den lichten Welten der sich gemäß der geistigen Ordnung entwickelnden Hierarchien. Diese Mächte suggerieren dem Menschen Ziele einer Selbstwerdung, die ihn vom mittigen Pfad zwischen Himmel und Erde abbringen wollen. Sie stehen ihm nicht selbstlos und freilassend zur Verfügung, sondern wickeln ihn gerne ein in Täuschung und Macht. Durch Verführung und Anziehung, durch Überhöhung oder Erniedrigung versuchen sie, ihn in die Extreme des Daseins zu locken. Ihr Spiel ist gekonnt in Szene gesetzt und taktisch exzellent gestaltet. – Doch wenn wir ganz genau hinschauen, stellen wir fest, dass auch diese Wesen nicht gegen unsere Entwicklung, sondern, lediglich in einer ganz anderen Weise, für unsere Menschwerdung arbeiten. Ihre Bestimmung ist es, uns kunstvoll Aufgaben zu stellen, um uns zu schulen und uns zu prüfen. Gerade sie sind diejenigen, die den Reifegrad unseres Menschseins veranschaulichen und uns die Möglichkeit geben, unser Bewusstsein weiter auszuformen.

Am innigsten mit dem Menschenwesen verbunden sind hier die sogenannten Doppelgänger, die ‹Schattenengel›. Ähnlich den Schutzengeln wachen und agieren sie beständig an unserer Seite. So wie der Schutzengel unser Licht trägt, tragen diese Gestalten unsere Dunkelheiten. Doch auch sie sind Teil unseres eigenen Wachstums, auch sie sind uns treu ergebene Entwicklungsbegleiter: durch Hürden, die sie uns stellen, durch dunkle Kräfte, die sie sich für uns ‹einverleiben›. Sie hüten unser eigenes Unerlöstes und halten es uns durch Spiegelbilder und Entsprechungen vor. – So rufen uns Licht und Schatten dazu auf, Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Menschenwesens und somit der gesamten Erde zu übernehmen.

Wenn wir den Blick erneut auf die lichtvoll sich entfaltenden Hierarchien wenden, erkennen wir, dass sie Strukturen bilden, die sich in vielfältigen Strömungen des Geistigen offenbaren. Durch jeweils eigene Impulse bringen sie die Reifungsprozesse der Erdentwicklung voran. Diese Strömungen werden von Erzengeln geleitet, welche gesamte ‹Schulen› von Wesenheiten dirigieren. Jeder Erzengel hat also seine ‹Schule›, die am Bau unserer Welt wirkt. Es gibt Erzengel, die das Göttliche der Himmel vertreten, wie auch Erzengel, die das Göttliche der Erde vertreten. Die vielen Erzengel der Erde haben die Aufgabe, den Leib der Erde zu bilden und ihn als Inkarnationsort für den Menschen zu gestalten. Die ausführenden Organe dieser Erzengel sind die Natur- und Landschaftsengel, die wiederum die Elementarwesenreiche dirigieren. Die unvergleichliche Schönheit unseres Planeten ist das gemeinsame Werk dieser Wesenheiten, die das Göttliche durch den Erdenleib hindurch offenbaren.

Die Erzengel, die das Himmlische vertreten, sind ebenfalls zahlreich. Von ihnen kennen wir vorwiegend die großen Haupterzengel, die sogenannten planetarischen Erzengel. Diese haben unterschiedliche Ausprägungen und Aufgabenschwerpunkte. Dadurch ergänzen sie sich und sind, als Gesamtheit, dem Christus-Wesen als Sonnenzentrum, als Herz unseres planetarischen Systems hingegeben. Auch sie bilden jeweils ‹Schulen› von Wesenheiten, bestehend aus Engeln und Menschen, die in ihrem Sinne an der Erdentwicklung arbeiten. Manche dieser Erzengelschulen haben die Aufgabe, das Geisteslicht auf die Erde hinunter zu bringen. Andere wiederum wirken dafür, dass die Erde sich wieder ins Geisteslicht erhebt. Einige haben die Aufgabe, sich der Dunkelheit zu stellen und zu kämpfen. Bei anderen wiederum geht es darum, das Geisteslicht unter den Menschen zu vermehren. Es sind also jeweils unterschiedliche, ganz charakteristische und sich gegenseitig ergänzende ‹Gesten› im Tun dieser Erzengelschulen. Die übergeordnete Führung der Erzengel wechselt sich in größeren Zeitrhythmen untereinander ab und prägt der Erdentwicklung die entsprechende Gebärde, die Ausrichtung des leitenden Wesens ein. Zugleich wirken die anderen Erzengel durch ihren Einfluss beständig weiter und ermöglichen auf diese Weise ein gemeinsames Ganzes.

Alle Engel, die unter der Führung dieser Erzengel stehen, agieren im Dienste der Trinität. In einer ganz besonderen Weise sind sie voller Hingabe und Liebe dem Wesen des Christus hingegeben. Sie alle arbeiten, entsprechend ihren jeweiligen Aufgabenbereichen, in Seinem Sinne an der Durchchristung der Welt:

«Wir dienen Christus in der seienden, tätigen, alles durchlebenden Liebe für die Welt. Er ist die Sonne als geistiger Ursprung. Aus Ihm, durch Ihn, für Ihn, in Seinem Dienste handeln wir alle weiß-golden-durchwobenen Wesen. Alle!»

Die Engel haben in ihrer eigenen Wesensentwicklung ihre ‹Menschheitsstufe› lange vor uns durchgemacht. Ganz eigene Erfahrungen haben sie geprägt, andere Ziele verfolgte ihr Werden. Doch, als die uns am nächsten stehende Hierarchie, verstehen sie uns, wie auch den Schmerz unserer Selbstwerdung, und stehen uns darin bei:

«Mensch und Engel sind in diesem Erdenzyklus in einer besonderen Weise miteinander verbunden. Nie war das ‹Mensch-Sein›, also die Etappe der Menschenstufe, so nah am Abgrund der Dunkelheit wie jetzt bei euch. Das ist der Preis für die Freiheit, die ihr euch zu erringen habt. Der Himmel schaut auf diese Entwicklung mit großer Geistesgegenwart, alle Hierarchien wissen um die Bedeutung dieses Geschehens. Alle wünschen der Menschheit das Gelingen, das Bewältigen dieser großen Hürde. Und wir alle, groß bis klein, wirken mit euch daran.

Wir Engel sind diejenigen, die unmittelbar über euch stehen: Mit euch gehen wir jeden dieser Schritte am Abgrund. Wir halten euch und reichen euch rettend die Hand, wie ein Freund den anderen festhält, wenn er im Gebirge ausrutscht und droht abzustürzen. Die Landschaften eurer Seelenwege sind steil, wie hohe, scharfe Klippen. Ihr lauft fast blind, wie Bergsteiger in der finsteren Nacht, und entgeht oft nur knapp den lauernden Gefahren. Wir schützen euch, hüten jeden eurer Schritte, lenken eure Blicke zum nächsten Lichtstrahl, zur nächsten sicheren Stelle.

Den Wanderweg geht ihr stets Hand in Hand mit uns, wir sind euch stets Gefährten, und manchmal Träger eurer Lasten. Wir leuchten euch voraus, bereiten euch den Pfad, besänftigen Natur- und Schicksalsmächte, damit ihr weiterlaufen könnt, damit die wilden Tiere in der Finsternis euch nicht ergreifen und vernichten können. Wir glauben unabdingbar an euer inneres Wesen, wissen darum, wie mühsam, schmerzhaft, schwierig diese Wege sind.

Als wir in unserem Zyklus ‹Menschen-Bewusstsein› hatten, waren unsere Hürden ganz andere. Nie kannten wir die Finsternis wie ihr, nie hätten wir uns selbst vernichten können. Und doch fühlen wir euren Schmerz tief mit, ‹Prüfung› ist uns noch nah genug als Seins-Empfinden. So sehr wünschen wir euch das Licht, die Überwindung alles dessen, was euch vom lichten Himmel trennt. Und wir erfüllen uns von neuem immer wieder mit Liebe, Hoffnung, Zuversicht, und senden diese an euch weiter, damit der Stern der Zukunft für euch leuchten kann.

Wir lieben euch, ihr Menschenkinder, wie man nur lieben kann in diesem Kosmos! Von Gott dem Vater, von der Himmelsmutter, vom Sohn sind wir zu euch hinabgesandt und tragen Ihre Liebe weiter, durch alle Zeiten, Räume, Weiten, zu euch, ihr Menschenkinder, die ihr die Brücke bilden sollt zwischen Vergangenem und Künftigem der Schöpfung. Ihr seid der Schlüssel dieser Welt, mit euch beginnt die Zukunft! Mit euch weint alles Höhere Sein – mit euch erstrahlt die Sonn' von morgen! So sei es! Segen mit euch, Kinder dieser Welt!»

Die Erscheinung der Engel

Bewahr in deiner Seele dir

die reine Kraft – zu staunen:

von Geistes-Wunderwelten raunen

doch alle Dinge hier.

Herbert Hahn

Aus vielzähligen Engeldarstellungen der christlichen Kultur kennen wir Engel als schöne, erhabene, geflügelte Gestalten. Auch wurden Engel in der früheren religiösen Kunst als ‹Kinder› dargestellt. Viele Maler hatten damals noch ein lebendiges Seelenempfinden für die Wirklichkeit der Engel, die Kindgestalt war Ausdrucksmittel für den Reinheitscharakter ihrer Wesen. Die Qualität der Unverfälschtheit, des Himmlisch-Reinen, sollte dadurch vermittelt werden. Doch wie wirkt ihr Anblick auf uns, wenn wir sie geistig schauen?

Ein Erstes: Engel sind heilig, und das vernimmt man ganz unmittelbar in ihrer Gegenwart. Wenn man sie selbst danach fragt, was ‹heilig› ist und warum sie ‹heilig› wirken, dann antworten sie: «Heilig bedeutet: ‹Aus der Kraft des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes›. Das ist heilig: ‹aus der Kraft der Trinität›.»

Ein Weiteres: Engel sind lichtvoller, schöner, erhabener, vielgestaltiger und in ihrer Ausstrahlung ergreifender als alle Gemälde und bildlichen Darstellungen, die wir kennen. Wenn wir uns innerlich auf sie einstimmen, sehen wir sie als innig-anmutige Lichtwesen in mannigfaltigen Ausdifferenzierungen, in unterschiedlichen Größen, in differierenden Haltungen, Merkmalen und Physiognomien. Keinesfalls sind die Engel ‹gleich›. So wie wir Menschen in der Gesamtgestalt immer als ‹Mensch› wahrgenommen werden können, so zeigen sich auch die Engel in einer erkennbaren ‹Engelgestalt›. Doch wie jeder Mensch auf Erden sein ganz eigenes, individuelles Aussehen hat, so zeigen sich Engel auch in ganz vielseitigen, ausdifferenzierten Ausdrucksgestalten.

Sie erscheinen uns, als ob sie in wunderschönen ‹Lichtschleiern› gekleidet wären, die in ganz feinen, durchscheinenden Farben leuchten. Diese ‹Schleier› sind nicht etwas ‹außerhalb› des jeweiligen Engels, sondern stellen die eigene Seelenleiblichkeit der Engel dar, sie gehören ganz unmittelbar zu ihrem Wesen dazu. Die Gewandfarben der Engel sind zugleich Ausdruck ihrer individuellen Aufgabe und ihres Wirkungsbereiches. Ein Friedensengel zum Beispiel erscheint immer weiß, oder in einem Weiß, welches ganz leicht gelb-gold durchsetzt ist. Ein solcher Engel könnte nicht rötlich erscheinen, denn das würde nicht seiner charakteristischen Natur entsprechen. Die Farbigkeit der Engel spiegelt also ihren Auftrag und ihre Bestimmung wider.

Manche Engel sind in einer einheitlichen Farbe ‹eingekleidet›. Bei den meisten kann man jedoch mehrere Farben wahrnehmen, die in sanften Verläufen ineinander übergehen. Einige Engel haben um ihr Haupt ein besonderes Leuchten, wie einen goldscheinenden Aura-Kranz andere nicht. Von den für uns gewohnten irdischen Eindrücken ist das feine, durchschimmernd-lebendige Leuchten der Regenbogenfarben das Einzige, das man mit den Farbgebungen der Engelgewänder vergleichen könnte. In der geistigen Welt gibt es jedoch in einer gleichen Farbnuance weit mehr Differenzierungen, als wir das von unserer irdischen Sinneswelt her kennen. Es gibt zum Beispiel Weißtöne, die sich in ihrer ‹Gestimmtheit› unterschiedlich anfühlen, obwohl sie alle ganz weiß ‹aussehen›. Christus dienende Engel sind in ihren Gewandfarben strahlend weiß, und die Engel der Himmelsmutter sind ebenfalls strahlend weiß, und trotzdem trägt ihre Farbigkeit eine etwas anders geartete Wirkung in sich, an welcher man sie unterscheiden kann.

Wenn Engel gleichen Aufgabenbereichen unterstehen und in Gruppen tätig sind, dann erstrahlen sie auch entsprechend in der gleichen Farbe. Durch unseren ungeübten Blick können wir dabei den Eindruck haben, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sind. Doch wenn wir unsere innnere Aufmerksamkeit länger darauf richten, bemerken wir, dass auch diese gruppenbildenden Engel durchaus unterschiedlich sind. Ihr Antlitz und ihre Haltung haben immer auch etwas Individuelles, und die Gewänder weisen, obwohl sie sich in den genau gleichen Nuancen zeigen, doch feine Detailunterschiede auf.

Es gibt nicht männliche und weibliche Engel, wie wir es vom Menschengeschlecht her kennen. Es gibt jedoch Engel, die überaus kraftvoll, groß, aufrecht und sehr entschieden bis streng wirken können und die wir eher als ‹männlich› bezeichnen würden. Und es gibt Engel, die in ihrer Wirkung vorwiegend eine berührende, verständniserfüllte Milde und eine sanfte, umhüllende Wärme ausströmen. Diese würden wir dann eher als ‹weiblich› bezeichnen. Engel verkörpern durch ihre Gestalt also unterschiedliche Aspekte des Geistigen, denen sie entsprechen. Diese Merkmale bilden zugleich die Grundqualitäten ihres eigenen Wirkens ab.

Auch können wir bei den Engeln feststellen, dass ihr Inneres und ihr Äußeres immer im Einklang miteinander sind. Das ist anders als bei uns Menschen, denn wir können durchaus etwas nach außen darstellen, was sich in unserem Inneren ganz anders gestaltet. Ein Mensch kann zum Beispiel überaus freundlich wirken und sprechen, dabei aber etwas Abfälliges denken, etwas Negatives empfinden, sogar etwas Böses tun. Bei den Engeln ist es nicht so. In ihrem Wesen gibt es keine Widersprüche und Diskrepanzen, keine ‹Brüche›. Rudolf Steiner beschreibt es folgendermaßen: «Der Mensch ist fähig, etwas wahrzunehmen und andere Vorstellungen in seinem Inneren zu erwecken, auch zu äußern, als sie den Wahrnehmungen entsprechen. Die Möglichkeit der Lüge besteht bei den Wesenheiten der dritten Hierarchie, wenn sie ihre Natur beibehalten, nicht. (…) Diese Wesenheiten müssen im Reich der absoluten Wahrheit leben, wenn sie sich überhaupt erleben wollen. (…) Und jede Abweichung von der Wahrhaftigkeit würde diese Wesenheiten betäuben, ihr Bewusstsein herabstimmen.»2

Wesen und Erscheinung der Engel sind also übereinstimmend und bilden zugleich eine Einheit mit ihrer Mission. Ihr unterstes Wesensglied ist ihr ätherischer Leib, der jedoch feiner gewebt ist als der menschliche. Ihr astralischer Leib ist ihr eigentlicher ‹Lebensleib›, also das, was bei uns das Lebendige unseres Ätherleibes ausmacht.

Auf die Frage nach ihrer Erscheinung und Beschaffenheit geben die Engel folgende Hinweise:

«Wir sind aus Licht gewebt.»

«Was bedeutet das?»

«Eure Substanzialität ist aus den vier Elementen gewoben, die dem Irdischen eigen sind, aus unterschiedlichen Ätherqualitäten und aus sehr ausdifferenzierten Astralsubstanzqualitäten. Bei uns ist es so, dass wir nicht einfach aus ‹Äther› sind, sondern vorwiegend aus Lichtäther, aber mit weiteren Ätherqualitäten gemischt, die unserer jeweiligen Natur und Beschaffenheit entsprechen. Das Seelische, das uns belebt und sich in unserer ‹Farbigkeit› darstellt, ist ein weit durchgeistigteres, reineres Astralisches als bei euch, es ist ein ‹höheres›, ‹geläutertes› Seelisches. Und dieses macht gar nicht unser ‹Empfinden› aus, sondern ist uns nur Lebensleib. Unser ‹Empfinden› und ‹Denken›, unser inneres Sein ist bereits geistig.

Das Seelische ist euch Innenleben, uns ist es – in einer geläuterten Qualität – Lebensleib, wie euch der Ätherleib. Du siehst einem Engel an seiner Erscheinung sofort sein ‹Seelisches› an, weil das schon sein ‹lebendiger Leib› ist. Und darin drückt sich zugleich sein Geistiges aus, weil er eins ist mit sich selbst.

Ihr seid das noch nicht, werdet es aber im Laufe eurer Entwicklung durch die Inkarnationen. Einige geistige Wesen können sich durchaus verstellen, aber wenn man sie in ihrer eigentlichen Gestalt sieht, erkennt man sofort ihre Geistigkeit, da diese eins ist mit ihrer seelischen Erscheinungsform. Bei euch Menschen spiegeln sich in den jeweiligen Inkarnationen jeweils nur bestimmte Aspekte eures Wesens in eurer Erscheinung wider. Das Geschulte, das Erlittene, das Erarbeitete sieht man einem Menschen auch an. Aber er kann sich noch sehr verbergen und verstecken, wie Luziferische auch. Das wird in einigen Jahrtausenden nicht mehr möglich sein. Euer Antlitz wird sichtbar die Außenseite eurer Innenseite werden.»

Die luziferischen Engel können also anders erscheinen, als sie sind, sie können sich verstellen, die Gestalt eines anderen Wesens annehmen, können uns etwas vormachen und uns hereinlegen. Auch die ahrimanischen Wesen können diese Eigenschaften haben, doch nur sehr bedingt, denn sie sind nicht Meister im Spiel mit dem Licht.

Ganz anders ist es bei den Engeln des wahrhaftigen Lichts. Ihr Äußeres entspricht ihrem Inneren in harmonischer Übereinstimmung, sie bilden eine völlige Einheit und stellen somit als Gesamtgestalt eine ‹verkörperte Wahrhaftigkeit› dar. Zugleich ist ihre Erscheinung nicht so unveränderlich wie unsere physische Gestalt. Sie ist wandlungsfähig und bringt dadurch unterschiedliche Ebenen des Eingebunden-Seins in ihren jeweiligen Wirkungsfeldern zum Ausdruck.

Bei Festlichkeiten des geistigen Geschehens, wie zum Beispiel in den Heiligen Nächten, erscheinen die Engel in prächtigeren, feierlicheren Gestalten, so als ob ihre Gewänder ‹fedriger›, eindrücklicher und leicht ausladender wären. Immer wieder erstaunte und bewegte mich diese Wahrnehmung.

Eines Tages schaute ich mir eine weiß-hellgräuliche Vogelfeder an, die ich im Garten gefunden hatte. Sie war vom Ansatz her bis zu ihrer Hälfte ganz flauschig und weiß; ab der Hälfte zur Spitze hin war sie ausladender und von der Struktur her glatt. Auch verdunkelte sich ihre Farbigkeit nach außen hin. Erneut entstand in mir die Frage nach der sich verändernden Erscheinung der Engel:

«Wie wundersam diese Federn als Teil des ‹Vogelkleides› sind. Wie ist es mit euren ‹Engelkleidern›?»

«So ähnlich ist es mit unseren ‹Gewändern› auch. Es gibt eine innere Seite, die ganz ‹fedrige›, ‹flauschige›, wie ihr sie nennen würdet. Diese entfalten wir in besonderen, bestimmten Augenblicken und Zusammenhängen. Und es gibt die äußere Seite, die ‹glattere›, ‹fließendere› und ‹farbendurchwobenere›, in der wir euch in der Regel sichtbar werden. Unsere ‹Gewänder› sind Teil unsere Wesens, wir ziehen sie nicht ein und aus, wie ihr das mit euren Gewändern macht. Sie spiegeln ausdruckshaft unsere Aufgabenbereiche, unser Wirken, unseren ‹Charakter› – wobei auch der Charakter nicht so ist wie bei euch. Bei euch kann er von Leben zu Leben wechseln, wie auch das Erdenkleid, das ihr von Inkarnation zu Inkarnation wechselt – wenn auch euer Kern der gleiche ist. Bei uns ist der ‹Charakter› das, was unseren Kern darstellt und charakterisiert. Und das ist etwas Durchtragendes, Stetiges – nicht starr, denn auch wir befinden uns in Entwicklung, aber auch nicht wechselhaft, sondern strömend sich formend.»

«Wie sind eure Farben ‹vergeben›, was ist ihre Bedeutung?»

«Lediglich für den Blick aus eurer Welt darauf: Weiß ist die obere himmlische Welt, das reine Licht aus den höheren Sternensphären. Gold ist aus dem Zentrum, es ist die geistige Sonne eures Kosmos. Alle explizit sonnenhaften Wesen haben das himmlische Gold in sich, es erscheint in ihren Gewändern, um ihren sonnengebundenen Ursprung und ihre Aufgabe darzustellen. Oder es erscheint in ihrer Aura, was ihre Verbundenheit mit der Sonne aufzeigt und darauf hinweist, dass sie im Auftrage, im Sinne, im Dienste der Sonne handeln.»

«Wie ist die Farbigkeit der Wesen, die dem Gottvater direkt unterstellt sind?»

«Das könnt ihr kaum erfassen. Aber wenn, dann erscheinen Seine Engel im weiß-grünlichen Spektrum, zumindest meistens. Bei manchen ist da auch etwas ‹Ehernes›, aber nicht im metallischen Sinne, sondern als Abbild der Urgrundsubstanz der Schöpfung, die aus dem Licht entstanden ist.»

«Wie ist es mit den anderen Farben?»

«Sie wirken zusammen als sich gegenseitig ergänzende, sich unterstützende Aspekte des Schöpfungs-Seins. Sie dienen unterschiedlichen Aufgabenbereichen in der Gesamtheit der Schöpfung. Alle zusammen, wenn sie harmonisch miteinander ‹klingen›, erstrahlen wieder im heiligen Weiß, im Schöpfungslicht des Anfangs. Aber es ist ein Weiß, das alle Farben in sich trägt. Es hat sich der Welt in all seinen Facetten verschenkt, damit all diese Facetten auf ihre Weise wirken können und in der Ergänzung zu den anderen heilend, heilsam werden können. – Aus der Einheit die Vielheit, aus der Vielheit eine neue, selbst errungene Einheit. Darin ist die gesamte Entwicklung eurer Welt, eures Kosmos zusammengefasst!»

Durch die ‹Farbigkeit› der Engelerscheinungen können wir also einen Abglanz derjenigen Wirklichkeiten erleben, in deren Wirksamkeiten diese Wesen jeweils stehen. Unsere Wahrnehmungen sind hier jedoch nur ein anfängliches ‹Erspüren›, ein ‹seelisches Ertasten› dieser mannigfaltigen Realitäten der Geistwelten.

So wie die Engel uns in unterschiedlicher Gestalt, Farbigkeit und Größe erscheinen, so treten sie auch in unterschiedlicher Weise an uns heran. Hier stellt sich immer die Frage: ‹Wo› erlebe ich den jeweiligen Engel? Erlebe ich ihn zum Beispiel von vorne auf mich zukommend, erlebe ich ihn hinter mir oder vielleicht seitlich von mir stehend? Natürlich sind die Engel nicht an die irdischen Raumverhältnisse des ‹Hier› und ‹Dort› gebunden, wie wir es innerhalb der physischen Verhältnisse sind. Doch wir Menschen sind daran gebunden, und unsere Wahrnehmungen geschehen stets durch uns selbst. Rudolf Steiner stellt diesen Zusammenhang in wunderbarer Weise dar: «Man müsste also immer sagen – nicht: Ich nehme einen Engel wahr – denn das entspricht nicht ganz genau dem Erleben –, sondern man müsste sagen: Ich spüre, ich empfinde, dass ich von einem Engel wahrgenommen werde.»3 Hier geht es also darum, in welcher Weise ich ein ‹Gegenüber› in einem Engel erlebe. Wie nehme ich wahr, dass mich der Engel wahrnimmt?

Das, was für uns die ‹Verortung› eines Engels ist, also die ‹örtliche› Wahrnehmung der Engelgestalt, deutet bereits auf einen geistigen Sinnzusammenhang hin. Unser Erleben ist hier lediglich die ‹Übersetzung› eines bestimmten Aspektes des Verhältnisses zwischen dem Engel und mir. Wenn ich mich zum Beispiel von einem Engel eingehüllt erlebe, deutet dies auf ein anderes Verhältnis zwischen uns beiden hin, als wenn ein Engel unmittelbar vor mir erscheint und mich dadurch direkt anspricht. Diese Unterschiede sind uns bereits aus unseren physischen Verhältnissen vertraut: Wenn eine Mutter ihr Kind in liebevoller Umarmung hält, drückt sich darin eine andere seelisch-geistige Geste aus, als wenn jemand entschieden auf mich zuschreitet. Wiederum anderes spricht sich aus, wenn jemand geduldig neben mir steht und wartet, bis ich mich ihm zuwende, als wenn jemand mich frontal und eindringlich anblickt. Diese Begegnungsgesten innerhalb der Raumverhältnisse sind auch für unser normales Tageserleben niemals rein physisch, sondern bereits Ausdruck einer seelisch-geistigen Sprache. Und so ist es auch mit der Erscheinung der Engel: Natürlich ‹steht› der Engel nicht ‹hinter› mir, weil er selbst weder ‹steht› noch örtlich an meinen Rückenraum gebunden ist. Aber wenn ich ihn dort erlebe, dann weist dieses erlebte Bild auf einen bestimmten Aspekt unseres gemeinsamen Bezuges hin.

Zeit- und Raumverhältnisse erscheinen uns im Irdischen als durchaus abgegrenzt und somit auch als recht starr. Im Lebendigen des Geistigen sind sie das aber überhaupt nicht. Dadurch, dass wir in diesen Zusammenhängen noch ungeübt sind, denken wir beispielsweise die Engel eher als ‹statische› Gestalten, Gemälden oder Statuen gleich. Doch das sind sie nicht, ganz im Gegenteil. Sie sind sehr beweglich und wandlungsfähig, sie können – physisch gedacht – gleichzeitig an mehreren Orten agieren, können – zeitlich gedacht – gleichzeitig mehrere Tätigkeiten ausführen und können sich uns auch unter unterschiedlichen Aspekten ihres Wirkens zeigen.

Da wir selbst der schwere Klotz am Bein unserer Wahrnehmung sind, können wir schrittweise lernen, uns innerlich etwas beweglicher zu machen. In der Sinneswelt machen wir zum Beispiel die Erfahrung, dass wir jemanden, der uns gegenübersteht, deutlicher, ichhafter erfassen können als jemanden, den wir hinter uns erspüren. Der vordere Raum ist für unser Bewusstein nicht nur der ‹sichtbarste›, sondern auch der ‹wachste› und ‹klarste›. Nun können wir versuchen, diese klarere Wahrnehmungsqualität auch im Geistigen anzustreben. Ein geistiges Wesen, welches uns beispielsweise von der Seite erscheint, können wir bitten, dass es sich vor uns hinstellt. Dabei werden wir bemerken, dass wir es auf diese Weise viel deutlicher erkennen können. Übend können wir hier Verschiedenes experimentieren, um die Qualitäten unserer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit kennenzulernen.

In einem unserer Seminare reagierte ein Teilnehmer recht aufgebracht bei einer solchen Übung. Es ging darum, den eigenen Schutzengel aus dem hinteren Rückenraum nach vorne hin zu bitten, damit wir ihn bewusster wahrnehmen. Dieser Teilnehmer empfand es als Anmaßung, ein geistiges Wesen zu ‹bewegen›. Doch eine solche Betrachtungsweise ist sehr irdisch geprägt. Die Interaktion zwischen einem Menschen und einem Engel findet im Menschen statt, innerhalb seines eigenen Herzensraums, sie ist kein äußeres, physisches Geschehen. Der Mensch ‹scheucht› dabei nicht den Engel hin und her, sondern erübt dadurch nur seine eigene seelische Beweglichkeit. Wenn wir die Engel ernsthaft und liebevoll darum bitten, uns hier zu unterstützen, sind sie gerne bereit, es zu tun. Durch lebendige Seelenbilder veranschaulichen sie uns die hier bestehenden Unterschiede zwischen unseren Welten:

«Unsere Welt, das Reich der Engel, ist in einer gewissen Weise ganz anders gestaltet als eure Welt. Ihr erlebt euch umgeben von einer Außenwelt, die euch als ‹Objekt› erscheint. Für uns ist dies nicht so, für uns ist alles ‹Subjekt›, wenngleich auch nicht ‹unser› Subjekt.»

«Ich kann das ‹denken›, für uns Menschen ist es aber nicht leicht, es wirklich nachzuvollziehen.»

«Gut, schaue: Ein Schäfer blickt auf seine Schafherde und auf seinen Hund, auf die Wiesen, den Wald, die ihn umgebenden Berge. Zugleich ist jedes Schaf schon Teil seines Wesens, er ist ‹ausgedehnt› und umfängt sowohl ätherisch als auch seelisch die gesamte Herde. Auch der Hund ist Teil seines Wesens, wie der verlängerte Arm bestimmter Willensimpulse von ihm. Auch die Landschaft mit ihrer Charakteristik ist wie ‹in› ihm. Er umspannt mit seinem Ätherwesen auch diese, und sie prägt sich ihm so ein, dass sie sein Inneres formt. Kannst du das nachempfinden?»

«So weit schon, ja. Aber wie ist es genau bei euch?»

«So ähnlich und doch ganz anders. Der Engel erlebt sich gleich in der Ausdehnung und Umgreifung seines Wirkungsfeldes. Er hat seine Aufgabe, zum Beispiel den Menschen, den er zu hüten hat, in sich. Der Mensch ist nicht außerhalb seiner, sondern innerhalb seines eigenen Wesens.»

«Ja, ich verstehe. Aber warum sehen wir euch ‹neben› uns?»

«Weil das euer Blick des Getrennt-Seins ist. Zunächst könnt ihr nur auf diese Weise Wesenheiten voneinander unterscheiden. Das wird sich mit der Zeit auch verändern, je mehr ihr lernt, geistig zu schauen. Die ‹Trennung› und das ‹Nebeneinander-Hinstellen› helfen euch, überhaupt das Vorhandensein mehrerer Ebenen und mehrerer Wesenheiten wahrzunehmen.»

«Noch eine ganz andere Frage: Warum können Menschen bei eurer Erscheinung ‹Furcht› empfinden? Was bedeutet dieses ‹Fürchte dich nicht›?»

«Das ‹Fürchte dich nicht› ist zunächst der Hinweis auf ein geistiges Schauen. Einen Engel wahrzunehmen bedeutet, zumindest für euch als heutige Menschen, herauszugehen aus der Sicherheit eurer Sinneswarnehmung. Eure Sinne sind für euch, in der Burg eures Getrennt-Seins von der Außenwelt, wie die Brücken über den Wassergraben, der eure Festung umringt. Ihr könnt diese Brücken herunterlassen oder hochziehen. Eure Sinneswahrnehmungen bringen euch Eindrücke von außen, wie wenn eure Reiter euch über die heruntergelassenen Brücken etwas von der Welt außerhalb eurer Burg hereintragen würden. – Eure Selbst- und Weltwahrnehmung war nicht immer so und wird auch nicht immer so bleiben, aber in dieser Zeit eurer Entwicklung ist sie so.

Auch die geistige Welt erscheint euch in eurer Welt des Getrennt-Seins als etwas außerhalb eurer Burg Seiendes, wie eine in weiten Fernen sich abzeichnende Landschaft. Nun, die Wahrnehmung eines Engels vollzieht ihr nicht über eure gewohnten Sinne, da fehlen euch die vertrauten Brücken. Es ist dabei so, wie wenn der Berg, den ihr am Horizont erahnt habt, auf einmal auf euch zuschreitet oder gar plötzlich vor eurer Burg auftaucht. Die ‹Überbrückung› fehlt euch, die Unmittelbarkeit des Erlebnisses erschreckt euch. Denn: Einen Engel nehmt ihr mit dem Herzen wahr, dabei kennt ihr die ‹Herzensbrücke› eurer Festung noch gar nicht. – Dies ist der eine Aspekt.

Der andere Aspekt ist die ‹geistige Kraft› eines Wesens, und dieser hat zu allen Zeiten gegolten. Vor einem Wurzelzwerg erschrickt fast niemand. Vor dem eigenen Schutzengel auch nur wenige. Doch vor einem großen Vatergott-Engel oder vor einem Erzengel ist die empfundene Ehrfurcht größer, da diese Wesen auch eine andere Substanzialität des Geistigen verkörpern. Vor einem grünen Hügel stehend, empfindet ihr auch etwas anderes, als wenn ihr unmittelbar am Fuße der Himalaya-Berge steht. Die Furcht ist hier ein Hinweis auf eine bestimmte Qualität der Ehrfurcht gegenüber der auftretenden geistigen Größe. Und beachtet dies: Ein erfahrener Bergsteiger verliert zwar die Furcht vor dem großen Gebirge, doch niemals seine Ehrfurcht davor. So könnt ihr auch, mit der wachsenden Erfahrung, zwar nicht die Ehrfurcht, aber die Furcht vor der höheren Geistigkeit verlieren.»

Über das Wesen der Engel

«Diejenigen Wesenheiten, die zu der nächst

höheren Kategorie gehören –

wir nennen sie im allgemeinen die Wesenheiten

der sogenannten dritten Hierarchie –,

haben statt des Wahrnehmens die Offenbarung,

und im Offenbaren erleben sie sich.

Statt des Innenlebens haben sie das Erlebnis

höherer geistiger Welten, das heißt,

sie haben statt des Innenlebens Geist-Erfüllung.

Dies ist der wesentlichste Unterschied

zwischen dem Menschen und den Wesenheiten

der nächsthöheren Kategorie.»4

Rudolf Steiner

Engel zeichnen sich durch Eigenschaften aus, die wir als die schönsten und reinsten Wesensqualitäten bezeichnen würden. Unsere kostbarsten Werte, unsere heiligsten Prinzipien formen ihr eigenes Sein und sind ihnen gelebte Wirklichkeit. Viele der Vorstellungen, die wir uns von ihnen bilden, entsprechen auch in der Tat ihrer Wesenhaftigkeit. Güte, Wohlwollen und Verständnis gehören zu ihrem Charakteristischen, genauso Hingabe, Geduld und Selbstlosigkeit. Stets durchstrahlen sie uns mit lichter Positivität und mit stärkender Zuversicht.

Zugleich vereinen sie in sich unterschiedliche Aspekte, die wir Menschen nicht unbedingt als zusammengehörig betrachten würden. Strenge und Heiterkeit zum Beispiel empfinden wir annähernd als Gegensätze. Doch die Engel können beides vermitteln. Ihr heiliger, tiefer Ernst lässt uns vor der Unermesslichkeit des geistig Hohen in Ehrfurcht niederknien. Gleichermaßen können sie uns durch ihren weisen und hoffnungsvollen Weitblick eine heiter-beschwingte Daseinsfreude zufließen lassen, die ganz und gar erhebend wirkt. Unverbrüchlich ist ihre Treue und unerschütterlich ihr Vertrauen, doch nie vermitteln sie Erstarrung oder Unbeweglichkeit. Sie sind beharrlich, zugleich freilassend, sie erziehen uns, ohne lehrhaft zu sein, sie vertreten das Licht, ohne das Dunkle zu verurteilen. Außerdem weisen sie auch Merkmale auf, die wir ihnen nicht unbedingt zuordnen würden. Die Begegnungen mit ihnen sind für uns stets prägende, uns beflügelnde Erfahrungen; dabei können wir auch viel Überraschendes erleben.

Engel sind zum Beispiel höflich. Ein jeder Akt bewusster Interaktion mit einem Engel wird von einer Begrüßung und einer Verabschiedung umrahmt. Der Engel empfängt uns im Raum der gegenseitigen Wahrnehmung, man könnte sagen, er heißt uns darin willkommen. Er ist ohnehin derjenige, der diesen Raum hält und bildet. Sein an uns gerichteter Gruß kann von einem Kopfnicken oder einer leichten Verbeugung begleitet sein. Vor höheren hierarchischen Wesen verbeugen sich die Engel tief oder knien nieder. Diese Gesten, die wir in unserer Welt als Höflichkeits- und Verehrungsgesten kennen, sind bei ihnen in einer bemerkenswerten Weise ausgeprägt. Auch die Verabschiedung wird seitens der Engel von einem Gruß begleitet, sehr häufig auch von einem Segen, der uns gegenüber ausgesprochen wird.

Und ja, Engel können lächeln. Überhaupt sind Engel freundlich, wenn auch bestimmt und klar. Engel singen. Engel eurythmisieren. Engel beten, und zwar voller hingebungsvoller Liebe, voller ergebener Andacht gegenüber dem Heiligen des Himmelsgeschehens. Engel danken uns auch, sie schenken uns Zuspruch und Lob, vorausgesetzt, wir geben ihnen Gelegenheit dazu. – Natürlich sind solche Eindrücke ‹imaginative Übersetzungen› des stattfindenden geistigen Geschehens, doch sie weisen auf die Wesensgeste, auf die Haltung der Engel hin. Diese von aufrichtigem Wohlwollen, von offenherziger Hingabe und Wertschätzung geprägte ‹Umgangsweise› erinnert uns an frühere Zeiten unseres Mensch-Seins, als die Begrüßungs- und Umgangsrituale noch einen ganz lebendigen Ausdruck zwischenmenschlicher Verhältnisse darstellten. Damals waren wir mit der Geistwelt weit stärker verbunden als heute und das menschliche Verhalten entsprach noch mehr dem himmlischen Geschehen.

Eines der manifestesten Charakteristika von Engeln ist die ganz wahrhaftige und umfassende Liebe, die ihr Wesen ausströmt. Diese Qualität der Liebe in dieser so reinen Form kennen wir aus unserem Mensch-Sein kaum. Und ja, die Begegnung mit einem Engel kann so ergreifend sein, dass ein Mensch auch dabei weinen kann. Doch wenn wir in diese Begegnung etwas ‹Sentimentales› hineininterpretieren, dann zeugt dies nur von unserem recht undifferenzierten Umgang mit unserem eigenen Seelenerleben. Engel sind nicht ‹seelisch› im Sinne von ‹gefühlsbetont›, sie haben gar nichts Rührseliges an sich. Nur wir sind nicht darin geschult, in der gleichen Weise mit der Liebe umzugehen. Das eigene Herz wirklich zu öffnen, bedingungslose Liebe zu empfangen und sie auch willentlich auszuströmen ist uns wenig vertraut. Hierbei erschrecken unsere Wesen. Umso mehr ermutigen uns die Engel, dies zu üben – auch an den allerschwierigsten Menschen:

«Liebe doch diese Menschen! Das kannst du doch tun – warum auch nicht? Ihr könnt doch einfach Liebe ausströmen lassen, ohne zu selektieren, wer sie nicht bekommt. Schenkt sie allen, und sie können dann entscheiden, ob sie sie annehmen oder nicht.»

«Wie wahr!»

«Ja, lass sie doch als Ressource in die Welt hineinfließen, sie ist eine unerschöpfliche Ressource des Höchsten Geistigen, des Schöpfungsprinzips. Sie wird euch unerschöpflich geschenkt, lasst sie weiterfließen. Hört auf, mit ihr zu geizen, als ob ihr sie mühsam erschaffen würdet, als ob sie nur tropfenweise zu vergeben wäre. Kostbar ist sie, ja, das Kostbarste überhaupt! Ohne sie gäbe es nichts: nicht euch, nicht uns, nicht die Erde, nicht dieses Universum. Aber sie ist auch so kostbar in ihrer Unerschöpflichkeit, in ihrer Unendlichkeit.»

Was hindert uns eigentlich daran, mit der Substanz der Liebe in dieser Weise umzugehen? Der Blick in den Spiegel der eigenen Seele zeigt uns Verstrickungen und Wirrnisse unseres persönlichen Astralischen auf. In unzähligen Alltagssituationen steuern unkontrollierte Gefühle unsere Gedankenbildungen; eingefahrene Gedankenstrukturen formen wiederum unsere Empfindungsmuster; Willensimpulse manifestieren sich ungegriffen. Unsere Seele ist das Lebensfeld vieler zwielichtiger Wesen, die sich in jedem von uns eingenistet haben. Dank unserer ‹Gastfreundschaft› können sie sich von dort aus in unserem Namen zum Ausdruck bringen. Doch gerade mithilfe der Engel können wir eine immer größer werdende Klarheit in Bezug auf unser Innenleben erlernen. Ihr kristallklares Wesenslicht reflektiert uns in einer frappierend unverfälschten Weise den Gehalt und die Struktur unserer Gedanken und Gefühle.

Ich hatte es eines Tages in meiner Praxis mit einem ungewöhnlich schwierigen, kaum zugänglichen und biografisch sehr schwer belasteten Menschen zu tun. Die Begegnung mit ihm hinterließ in mir ein außergewöhnlich drückendes Gefühl, so als ob mein Herz ‹ersticken› würde. Ich wandte mich, Hilfe suchend, an seinen Engel und fragte ihn:

«Was ist mit deinem Menschen los, was ist passiert, dass er so geworden ist? Was braucht sein Wesen, welche Aufgabe liegt bei ihm vor?»

Der Engel entgegnete klar und ruhig:

«Das sind vier Fragen gleichzeitig – auf die du eine Antwort erwartest?»

Sogleich wurde mir deutlich, dass ich innerlich noch völlig unsortiert war, sowohl gedanklich als auch gefühlsmäßig. Ich musste meine Eindrücke erst bewusst strukturieren, um wahrnehmen zu können, welche Empfindungsqualitäten durch diese Begegnung in meiner Seele entstanden waren. So kristallisierten sich konkrete inhaltliche Leitmotive heraus, an denen ich klar gefasste Fragen bilden konnte.

Im späteren Verlauf des Gesprächs stellte ich eine weitere umfangreichere Frage, doch auch dieses Mal bot mir der Engel Einhalt:

«Achte darauf: Fragst du für ihn oder fragst du für dich?»

Dezidiert Bewusstsein für den Inhalt und die Struktur unserer Gedanken und Gefühle zu entwickeln, darüber hinaus auch auf die tatsächlichen Absichten und Impulse, die in uns leben, zu achten ist etwas, was unabdingbar zur Schulung des eigenen inneren Wesens gehört. All diese ‹Seelentätigkeiten› haben Bedeutung im Geistigen, sie sind für sich selbst stehende Kräfte, die entsprechende Auswirkungen haben. Für alles, was in uns vorgeht, wie auch für alles, was wir aus uns heraussetzen, tragen wir selbst Verantwortung. Darauf machen uns die Engel stets aufmerksam. Ihr klarer und präziser Blick auf jegliche Vorgänge, die in uns stattfinden, bringt Licht in Bereiche hinein, für die wir selbst noch nicht ausreichend Bewusstsein aufbringen. Klarheit ist immer mit Licht verknüpft, und zu diesem inneren Licht verhelfen uns die Engel.

Dabei sind sie die wundervollsten ‹Pädagogen›, die man sich vorstellen kann, denn sie urteilen und verurteilen uns nicht. Vielmehr lenken sie unentwegt unsere Aufmerksamkeit auf das Potenzial einer jeden Situation. Sie machen uns Mut, aus allem zu lernen, und zeigen uns auf, dass wir bei jeder neuen Gelegenheit die Möglichkeit haben, Ungenügendes besser zu machen. Wenn wir zum Beispiel jemandem gegenüber einen Fehler begangen haben, dann reagieren die Engel nicht in einer moralisierenden oder lehrhaften Weise, sondern stets auf das Positive gerichtet, auf die Zukunftsmöglichkeiten hinweisend:

«Vergib dir selbst und lerne daraus. Schaue aufmerksam hin, was in dir in dieser Weise reagiert hat. Und versuche, dich beim nächsten Mal bewusst daran zu erinnern.»

Ihr Fingerzeig ist niemals vorwurfsvoll, sondern deutet auf die für uns bestehenden Handlungsmöglichkeiten hin. Niedergeschlagenheiten und Selbstvorwürfe bringen in den Augen der Engel nichts, denn sie verdunkeln nur unsere Seele und blockieren die eigene weitere Entwicklung. Aus der Perspektive der Engel heraus ist es viel sinnvoller, an den eigenen innerseelischen Prozessen bewusst zu werden und in der Folge den Umgang damit entsprechend zu gestalten:

«Nicht jammern, das bringt nichts. Lerne doch einfach daraus. Achte mehr auf solche Zustände und versuche, sie bewusst zu lenken.»

«Da bin ich aber noch weit davon entfernt, das zu können!»

«Schritt für Schritt. Eure Entwicklung ist kein Eroberungszug, sie ist eine Pilgerreise.»

Und hier fällt ein weiteres Charakteristikum der Engel auf, vielleicht das überraschendste: Sie haben Humor, und zwar einen ganz feinen, leichten und liebevollen Humor. Niemals sind Engel flapsig, auch machen sie keine Scherze, bei denen man sich auf die Schenkel klopft. Doch durch ihre souveräne Pointiertheit können sie unsere Herzen regelrecht heiter stimmen und uns so zum Schmunzeln bringen:

Ich versuchte, eine schwierige Klaviersonate zu erlernen und meine Ungeduld kam mir in die Quere. So beklagte ich mich:

«Ich komme mir vor wie eine Schildkröte.»

Die Engel merkten nur sachlich an:

«Sei unbesorgt, Schildkröten könnten das nicht.»

Ein anderes Mal hatte ich vergessen etwas zu tun, was ich unserem Sohn ausdrücklich versprochen hatte. Ich erschrak regelrecht vor Scham und sagte vor mich hin:

«O Gott, ich würde am liebsten im Erdboden versinken!»

Die Reaktion der Engel erfolgte sogleich:

«Das brauchst du nicht, Gott findet dich auch dort. Er ist überall.»

Es ist wunderschön zu erleben, wie die Engel unseren kleinen menschlichen Dramen den Zahn ziehen und wie sie uns zeigen, dass es für unsere Probleme eigentlich stets geradlinige und somit leichte Lösungen gibt.

Eines Tages empfand ich mich in einem inneren Konflikt wegen eines mir lieben Freundes. Er hatte sich beruflich in eine Auseinandersetzung verstrickt, die jedoch völlig absurd war. Ich konnte ihm das kaum spiegeln, da er nicht gewillt war, sich aus seiner subjektiven Perspektive zu lösen. So sprach ich mit meinen Engeln:

«Was mache ich mit ihm?»

«Keine Spiele spielen.»

«Was bedeutet das?»

«Bleibe bei dir. Wenn du etwas anderes denkst oder willst als er, tue deins, nicht seins.»

«Aber ich kann ihn doch nicht links liegen lassen!»

«Nein, links nicht. Aber rechts.»

Ich musste hier laut lachen. Mit einer solchen Antwort hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Ich fragte dann weiter:

«Soll ich kein Mitleid mit ihm empfinden, wenn er leidet?»

«Vertraue lieber in seinen Weg, das hilft seinem inneren Wesen mehr. Du kannst ihm Freundschaft schenken, aber nicht sein selbst gemachtes Leben verändern.»

Auf diese unmittelbar klare und auch heitere Weise führen uns die Engel vor Augen, wie sich unser Seelisches in Sorgen verfängt und wie wir uns in unnötigen Reaktionen verheddern. Nach solch einem kleinen, aber durchaus ernüchternden Hinweis kann unser Wesen wieder aufatmen.

Fasziniert von ihrer so mühelosen ‹Himmelslogik› und von ihrer ungebrochen befreienden Positivität fragte ich die Engel ein anderes Mal:

«Kritisiert ihr uns eigentlich nie?»

«Engel ‹kritisieren› nicht. Sie ‹bringen zu Bewusstsein›.»

«Ihr seid immer so unglaublich diplomatisch!»

Wohlwollend und lächelnd erwiderten sie:

«Das Diplomatische habt ihr von uns gelernt, nicht wir von euch!»

Losgelöst von der Erdenschwere, die unser eigenes Sein prägt, wirkt das Naturell der Engel ganz leicht und feinsinnig-unbefangen. Und in der Tat, sie sind auch nicht durch Verstrickungen des Seelischen ‹gefangen›, wie wir es sind. Von ihrer höheren Warte aus weiten sie unseren Blick und lenken ihn auf das Wesentliche, auf die Sinnhaftigkeit von Zusammenhängen. So weisen sie uns klare Wege aus unseren eigenen Seelenfallen heraus.

Eines Tages war ich aufgewühlt und wütend, eine Freundin hatte mich durch eine offensichtliche Unehrlichkeit sehr verletzt; und sie gab diese noch nicht einmal zu. Das machte mich fassungslos, ich wandte mich anklagend an die Engel:

«So kann man doch nicht miteinander umgehen, das geht so nicht! Ich habe doch recht, oder?»

Die Engel antworteten ruhig und klar:

«Was bringt es dir, dass du recht hast? Geistig gesehen gar nichts.»

Da musste ich kurz innehalten, diese Antwort hatte ich nicht erwartet. Ich fragte weiter:

«Und was soll ich machen?»

«Wenn du etwas Sinnvolles tun willst, dann beruhige dich erst. Deine Seele ist aufgewühlt und verdunkelt. Also durchlichte dein Herz und bringe Vergebungskräfte für diesen Menschen auf. Erst dann beginnst du, geistig etwas Sinnvolles zu tun, nicht dadurch, dass du recht hast.»

Nicht ‹recht haben›, sondern ‹recht tun›. Das verstand ich gut, und trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, noch weiter zu meckern:

«Verletzungen sind ein richtig blödes Menschenspiel, ich habe keine Lust darauf!»

Darauf die Engel in stoischer Ruhe:

«Eines Tages wird es zwischen euch Menschen auch ohne Verletzungen möglich sein. Dieser Tag ist aber noch nicht heute.»

Wie einfach und zugleich wie weisheitsvoll sie uns zeigen, dass es in jeglichen Zusammenhängen auf uns selbst ankommt, wie wir mit dem Leben umgehen. Es gibt keine Situation, aus der nicht auch gute Wege herausführen. Das Schöne dabei ist, dass die Engel eine unendliche Geduld mit unseren doch sehr kleinen Entwicklungsschritten haben. Sie haben Verständnis für unseren Schmerz, verurteilen uns nicht für unsere Verwicklungen, für die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler. Sie nehmen uns aber auch nicht parteiisch in Schutz, wenn wir meinen, wir hätten ein Recht darauf, verletzt oder entrüstet zu sein. Sie überblicken immer die Gesamtheit von Geschehnissen und erkennen somit auch stets den Sinn und die Entwicklungschancen, die in allem Schwierigen enthalten sind. Ihr Weitblick verleiht jeder ihrer Haltungen und Äußerungen eine edle und erhebende Würde.

Das bedeutet aber nicht, dass es für die Engel keinen Unterschied macht, wie wir Menschen uns verhalten. Ihre Positivität ist keinesfalls mit einer undifferenzierten Bejahung gegenüber unserem Tun gleichzusetzen. Unsere Fehler schmerzen sie sehr, unsere Dunkelheiten sind ihnen eine große Last. So können sie uns auch durchaus streng den Spiegel vorhalten und uns dabei auf unsere falschen Selbstbilder, auf die Widersprüchlichkeiten unseres Wesens aufmerksam machen:

«Widersprüche in euch sind ‹Brüche› eures Wesens, ihr kokettiert damit. Solange ihr euch noch selbst sucht, dürft ihr es auch machen, der junge Mensch darf das machen. Doch dann entscheidet sich der Lebensweg: Die Wege ‹scheiden› sich, und ihr müsst eins werden in euch selbst! Man kann nicht in der ‹Zweiheit› laufen, so könnt ihr den lichten Weg nicht halten, ihr stürzt ab. Wähnt euch nicht sicher davor, keiner von euch ist es; noch nicht einmal wir sind davor gefeit.»

«Das sind ungewöhnliche Worte von eurer Seite aus.»

«Das ist kein Spiel. Wenn Menschen sich in verzerrten Spiegeln betrachten, helfen wir ihnen nicht, wenn wir nicht darauf aufmerksam machen. Das Niederreißen des falschen Selbstbildes ist die allererste Voraussetzung der Begegnung mit dem eigenen Selbst. Da gibt es keine anderen Wege.»

Ohne uns zu erniedrigen oder uns zu erdrücken, zeigen uns die Engel das oft so wirre Spiel unseres Innenlebens auf. Wenn wir bereit sind, unsere Seelenräume anzuschauen und das Geschehen darin selbstgestaltend zu ergreifen, helfen sie uns bei jedem kleinsten Schritt. Denn um das Gute in der Welt wirksam werden zu lassen, müssen wir es zunächst tatsächlich in uns selbst erzeugen.

Ich frage die Engel nach den Zusammenhängen des Seelischen in Bezug auf unser Mensch-Sein:

«Wie erlebt ihr das Seelische und das Geistige von uns Menschen?»

«Das Seelische ist bei den Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Doch auch bei denjenigen, die das Geistige anstreben, hinkt die Seelenschulung meist hinterher. Sie muss sich aber auch bewegen, selbst wenn es wehtut. Und dann erst geht das Geistige wirklich weiter.»

«Konkret?»

«Denkt das Böse gut! Bleibt nicht in der Empörung, im Urteil, im Entsetzen oder gar in der Wut. Entsetzen erstickt und lähmt euch, in Empörung kocht ihr selbst, im Urteil verletzt, verwundet ihr selbst, in der Wut zerstört ihr. – Alles kommt zu euch zurück. Also arbeitet noch daran, überall Milde, Güte, Befriedung hineinzutragen. Seelenschulung ist das. Sie ist unabdingbar für die Geistesschulung, geht Hand in Hand mit ihr. Eure Schulung ist zugleich auch euer Gewinn: eine immer mehr durchreinigte, durchlichtete Seele, aus welcher Liebe in die Welt ausströmen kann. Das verändert die Welt zum Guten, nichts anderes!»

Wenn wir als Menschen von ‹Fortschritt› sprechen, meinen wir selten die Entwicklung dieser seelischen Qualitäten und Werte. Doch unsere Innenwelt gebiert und gestaltet unser gesamtes Erdensein. Wir haben es demnach in der Hand, in welcher Weise wir die Welt voranbringen. Wenn wir unser Wesen weniger eng, weniger egoistisch, weniger selbstbezogen formen, beginnen Selbstbezug und Weltbezug sich gegenseitig zum Guten zu befruchten. Dann können wir, gemeinsam mit den Engeln, vom Fortschritt unseres Menschseins sprechen.

«Menschenkind, achte die Menschen, wie wir dich achten. Gehe sorgsam, lichtvoll, freudetragend mit ihnen um. Sie haben vergessen, dass das der Umgang der Lichtwesen miteinander ist. Kostbar ist jede Begegnung, heilig ist jede Schicksalsberührung mit einem anderen Wesen, sei sie noch so unscheinbar in eurer Welt. Staune daran, dann entdeckst du auch mit der Zeit die Geheimnisse, die hinter jeder Wesensbegegnung bestehen. Der Sinn der Dinge und der Begebenheiten ist immer in ihnen selbst enthalten, man muss ihn nur ‹entzaubern› vom Schleier, der in eurer Welt darauf liegt. Für uns ist all dies sichtbar, da wir selbst Licht sind. So erkennen wir das Licht der Dinge, ihre Essenz, ihren Gehalt und somit ihren Sinn. Für uns ist nichts ohne Sinn, weil sich der Sinn selbst zeigt in den Dingen, er spricht aus ihnen, offenbart sich schon selbst aus ihnen heraus. Das könnt ihr Menschen Schritt für Schritt erlernen. Die Dinge des Lebens sprechen zu euch, lernt doch nur hinzuschauen und hinzulauschen. Werdet still in euren Gedanken, haltet eure Vorstellungen und selbst erschaffenen Gefühle zurück, und staunt und betrachtet und nehmet jede Begebenheit auf wie ein Kind. Dann werden die Dinge von selbst zu euch sprechen. Alles ist durchwebt von Wesenhaftigkeit, alles ist lebendig und in einem Austausch mit allem anderen. Alles, alles gehört zum Ganzen dazu, ist Teil der Welt und somit Teil eures Lebens und eures eigenen Wesens. Die Welt ist in euch für euch da! Nehmt ihren Reichtum wahr, entschleiert sie vom Schein der Schatten. Liebet sie lauschend, aufnehmend, an ihr lernend. Dann antwortet sie euch, indem sie sich euch in ihrer Sinnhaftigkeit offenbart!»

Der Aspekt der Freiheit

Wir wandeln auf Erden,

dass Neues erstehe

aus Freiheit und Liebe

im Gang der Äonen

und einmal in unsern

Gestaltungen gerne

die Göttlichen wohnen.

Erika Beltle

Sosehr uns die Engel hinsichtlich einer Bewusstwerdung unserer Gedanken und Gefühle impulsieren, sosehr sie uns auf die unabdingbare Schöpfung der Außenwelt durch unsere eigene Innenwelt aufmerksam machen, in Bezug auf unseren Willen greifen sie niemals ein. Der Wille des Menschen ist frei. Alle lichte Himmelswelt achtet dieses geistige Gesetz. So geben uns auch die Engel niemals vor, was wir tun sollen oder zu tun haben. Sie stehen uns immer zur Seite, unterstützen und begleiten uns auf jedem Weg, den wir wählen. Doch wir müssen unseren Weg wählen.

Wenn ich meine Engel zum Beispiel frage: «Soll ich das machen?», antworten sie stets mit einer Gegenfrage: «Willst du das machen?» Wenn ich mich zwischen zwei Optionen nicht entscheiden kann und mich an sie wende, welche von den beiden ich wählen soll, dann schweigen sie. Erst wenn ich selbst eine Entscheidung getroffen habe, können sie mir für den entsprechenden Weg Rat geben.

«Für das ‹Wie› eures Tuns ist euch Freiheit geschenkt worden, und gerade deswegen gibt es auch mehrere Möglichkeiten des Vorankommens. Es gibt nichts mit nur einer Lösung, mit nur einem Weg. Das gibt es nicht. Das wäre fatal, weil es unfrei wäre. Zu eurer Freiheit gehört es, dass ihr immer mehrere Wegmöglichkeiten habt.»

«Wie wirkt das für euch?»

«Wir achten alle Entschlüsse der Menschen und begleiten sie mit all unserer Kraft und mit unserem Licht.»

Häufig bedauern es Menschen, dass der eigene Engel ihnen bei bestimmten Lebensfragen nicht mit deutlichen Hinweisen hilft. Wenn man genauer hinschaut, trifft man da auf Situationen, in denen Unentschlossenheit vorliegt. Die Menschen fragen: «Was soll ich tun, lieber Engel, dies oder jenes?», «Wie soll ich wählen?», «Was ist das Richtige, sag du es mir.» Doch bei Zweifel, Wankelmütigkeit und Unschlüssigkeit können die Engel nicht agieren, denn sie dürfen es nicht. Sie würden dabei das heilige Gesetz der Freiheit übertreten, und die Lichten tun dies nicht. In solchen Momenten stehen sie neben ihren Menschen und warten ab, bis ein konkreter Willensentschluss gefasst wird. Sobald sich der Mensch aber entscheidet, beginnen seine Engel entsprechend kraftvoll zu wirken. Unsere Freiheit ist wirklich heilig, denn sie ist ein substanzielles Geschenk des Vatergottes an uns Menschen. Zugleich bedeutet sie Verantwortlichkeit, und diese müssen wir erlernen.

«Jedem von euch ist von den Allerhöchsten ein Tropfen Freiheitssubstanz eingeflößt worden, der ihn dazu befähigt, ‹Mensch› im wahren Sinne des Wortes zu werden. Euer Mensch-Sein bedeutet: ein Träger der Freiheit zum Licht hin zu werden. Und eure Aufgabe ist es, dies zu erkennen und selbst zu bestimmen, wem ihr dienen wollt. Dies ist das Grundprinzip eurer Freiheit. Auf beiden Seiten habt ihr unzählige ‹Helfer›, sowohl im Dunklen als auch im Lichten. Entscheidet euch! Doch wachet auf, bevor ihr euch entscheidet; damit ihr wisst, wofür ihr euch entscheidet!»

Freiheit ist also nicht ein ‹Gefühl›, sie ist kein ‹Zustand› und auch nicht lediglich ein ‹Ideal›. Sie ist reale Geistsubstanz, die wir durch das Erüben von Verantwortung selbst weiter bilden, reifen, wachsen lassen können. Das Straucheln und Stolpern, das Stürzen und Fallen sind Teil dieses Lern- und Entwicklungsprozesses der Menschheit. Gerade das Scheitern ist uns die ‹Schule›, die uns ermöglicht zu lernen, aus eigenen Kräften wieder aufzustehen. Wir sind allen Kräften der Schöpfung ausgesetzt und können die Freiheit nicht erlernen, ohne uns auszuprobieren, ohne Fehler zu machen. Demnach gibt es im Irdischen auch keinen ‹falschen› Weg. Alles, was wir erleben, ist uns Erfahrung. Der einzig gültige Bezugspunkt ist die Unterscheidung zwischen Licht und Dunkel, denn daran zeigt sich, mit welcher Geistigkeit wir uns verbinden.

Die Freiheit ist an unseren Willen geknüpft, und dieser ist die gestaltende Kraft der Welt. Hier ringen alle Geister um den Menschen, denn er ist zugleich das Sein der ganzen Erde. Die Dunklen wollen Einfluss nehmen und gebieten durch Vereinnahmung. Die Lichten bieten uns dagegen ihre Kräfte an. Sie mahnen uns mit ernsten Worten, zugleich stärken sie uns, indem sie uns Vertrauen, Mut und Zukunftswillen schenken:

«Eure Erde ist sehr gefordert und geplagt in diesen Zeiten. Es finden große Kämpfe statt um ihre weitere Entwicklung. Die Dunklen versuchen, alles Licht in den Herzen der Menschen niederzureißen und die Menschenseelen in ihre Abgründe abstürzen zu lassen. Der Kampf findet auf der gesamten Erde statt, auf allen Ebenen eurer Seelen, eures Bewusstseins, eurer Erdverbundenheit, eures Miteinander-Seins. In alle Schlupflöcher und in die hintersten, verstecktesten Winkel eures Wesens kriechen sie hinein und treiben euch an zu Egoismus und Engherzigkeit, zu Habgier und zu Selbstsucht. Sie halten euren Blick nach unten gerichtet, wo die weiten Horizonte einer lichten Zukunft nicht gesehen werden können. Kurzatmig und angsterfüllt wollen sie euch halten, damit ihr nicht entdeckt, dass ihr euch lediglich zu weiten braucht, um schon unsere Hände zu ergreifen, um vereint zu sein mit all den Helfern, die euch zur Seite stehen und euch stützen auf dem Pfad des Lichts. – Ja, voller Grauen ist der Anblick der Erde, wenn man diese Seite innerhalb eurer Welt anschaut.

Und doch ist auch zugleich ein vollkommen anderes Bild da, eine andere Ebene der Wirklichkeit, die eine Welt ‹im Werden› zeigt. Schmerzen hat sie, wie bei jeder Erdgeburt, zugleich ist sie umringt von Helfern voller Licht, die sie besingen, segnen und sie in ihrer Hoffnung halten. Das ‹zu Gebärende›, der ‹Christus im Menschen›, ist ein hochheiliges Kind der Erde, und alle Lichten freuen sich auf sein Geboren-Werden. Jede Wehe ist ein Vorankommen, ist aber auch eine Prüfung, eine Enge und eine Gefahr. Zugleich geht aus ihr hervor eine neue Öffnung zum Lichten hin, eine neue Ausdehnung ihres eigenen Seins.

Ja, geboren wird aus eurer Erde immer von neuem eure Zukunft. Dies ist ‹der Mensch›, der ihr, der Zukunft, entgegenschreitet und sich selbst in diesen Wehen seiner Welt vervollkommnet. Wir sehen eines jeden Schmerz und auch den Schmerz der Erde. Doch wir sind da für euch, Hebammen gleich, die voller Zuversicht einen Handgriff nach dem anderen tun, darauf vertrauend, dass dieses Wunder erneut gelingt, wie alle Wunder der Geburt ‹in sich› bereits gelungen sind.

Hoffet mit uns, glaubet mit uns, bauet mit uns an diesem Geboren-Werden eurer Erde zum Christus hin! Ihr habt die kraftvollsten und leuchtendsten Helfer auf eurer Seite. Ihr könnt nicht verlieren – außer ihr wollt verlieren. Die Freiheit der Entscheidung ist euch geschenkt worden, und entscheiden müsst ihr selbst. Doch den Weg müsst ihr nicht alleine gehen. Wir sind mit euch, und alle unsere höheren Brüder. Erkennet dies. – Segen mit euch, Menschen auf Erden!»

Mensch zu sein bedeutet also, verantwortlich zu sein: ein jeder für sich, für den anderen und für die ganze Welt. Auf der Ebene der Freiheit sind nicht mehr wir diejenigen, die nach dem Weg fragen, sondern die, welche seitens aller anderen Hierarchien befragt werden, für welchen Weg wir uns entscheiden. Der Mensch gestaltet diese Welt durch seinen freien Willen, es mangelt dabei nicht an Gefahren und an Schmerz. Die Engel wissen dies und sind bereit, den Weg mit uns zu gehen:

«Wir halten uns an den Händen in diesem gemeinsamen Wirken und verstärken die Kräfte des himmlischen, kosmischen Lichts auf der Erde. Verbündet und verbrüdert sind wir mit euch in all diesem Tun, liefern uns selbst eurem Mittun aus. Vergesst das nicht: Ihr seid uns allen Verderben oder Glück! Ihr tragt die Weltentwicklung weiter, und euer Wille ist uns Gesetz darin. Dies ist kein Spiel mit Kräften, Bauklötzen gleich. Es ist die Weltenwerdung!»

Die Gefühle der Engel

«Es sind nicht bloß die Dinge,

die wir lernen, die Erkenntnisse,

sondern es sind die Wesen der

höheren Hierarchien selber,

die uns helfen, wenn wir von ihnen

wissen.»5

Rudolf Steiner

Unser Selbsterleben wird für uns, als heutige Menschen, in einem ausgeprägten Maße von unseren Gefühlen gebildet. Wir identifizieren uns ganz unmittelbar mit dem, was wir empfinden. Dabei ist es uns nicht bewusst, dass Gefühle, geistig betrachtet, ‹Wesenheiten› sind, mit welchen sich unser Herzensbereich verbindet. Freude und Hoffnung, Trauer oder Angst sind nicht einfach ‹Stimmungen› im Sinne von ‹fluktuierenden Energien›, die durch uns hindurchströmen, sondern sie sind jeweils ganz konkrete astrale oder geistige Wesen, die wir in uns ‹einlassen›, die zeitweise in unserem Seelenraum wohnen und dort wirken. Noch haben wir kaum gelernt, uns von der Identifikation mit diesen Seelenkräften, die wir ‹Gefühle› nennen, zu lösen und sie als etwas zu betrachten, was nicht wir selbst sind.

Diesen Bereich unserer Gefühle und Empfindungen erleben wir ganz unmittelbar mit unserem Herzen verbunden. Das Herz als das zentrale Organ unseres Mensch-Seins bildet unseren intimsten Innenraum; zugleich vermittelt es zwischen unserem Denken und Wollen, und ist gleichermaßen Tor sowohl zur Außenwelt hin als auch zum eigenen Innenleben. Es ist ein sich in Entwicklung befindendes Sinnesorgan, welches durch ‹erlebte Erkenntnis› immer mehr in eine bewusste Beziehung mit der geistigen Wirklichkeit treten wird.

Ganz in diese Überlegungen vertieft, tausche ich mich mit meinen zwei Lehrerengeln darüber aus. Dabei frage ich sie:

«Habt ihr ‹Gefühle› so wie wir, oder wie sind eure Gefühle?›

Als ich diese Frage stelle, senkt einer der beiden Engel sein Haupt. Zunächst verstehe ich nicht, was das bedeuten soll. Ich schaue länger hin und begreife auf einmal, dass so ein Engel aussieht, wenn er traurig ist. Ich frage ihn:

«Bist du traurig? Oder willst du mir nur zeigen, wie Traurigkeit bei einem Engel aussieht?»

Da hebt der Engel den Kopf und lächelt sofort. Der andere Engel spricht:

«Auch wir haben Gefühle. Aber sie überwältigen uns nicht wie euch. Sie sind für uns nur innere Gesten, die man uns unmittelbar ansieht.»

«Könnt ihr mir das bitte genauer erklären?»

«Beispielsweise bei ‹Erfüllung›, was für uns gleichbedeutend mit ‹Gottes-Schau› ist, singen wir. Das ist unser Ausdruck dafür.»

«Was macht ihr bei Freude?»

«Wir strahlen stärker und dehnen uns ein wenig aus. Für euch wirkt es so, als ob wir einen halben Schritt nach vorne gehen würden, aber wir dehnen uns einfach aus.»

Ich frage weiter:

«Wir empfinden unsere Gefühle in unseren Herzen. Wie ist das bei euch? Was empfindet ihr in euren Herzen?»

«Weltgeschehnisse! Sie haben ihr Echo in unseren Herzen. Unser Herz pulsiert mit der gesamten Welt mit, es schlägt mit dem Weltgeschehen – sowohl mit dem himmlischen als auch mit dem irdischen, da beide zusammengehören. Dadurch sind wir mit allem verbunden, tragen alles in uns, ‹wissen› alles – im Sinne von ‹miterleben›.»

«Wie schön! Aber bitte noch mal zurück zu den Gefühlen, erklärt mir das genauer.»

«Gefühle sind für uns der Nachklang des Weltgeschehens vor dem Hintergrund des Göttlichen. Wie das Weltgeschehen mit dem Göttlichen übereinstimmt oder davon abweicht, das bildet unsere Gefühle. Von daher sind es keine ‹persönlichen› Gefühle, wie ihr sie als Menschen habt, sondern ‹Weltengefühle›: ein gemeinsames Empfinden vor dem Weltengrund.»

«Was für ein Unterschied! Und die einzelnen Empfindungsqualitäten, wie sind diese bei euch? Kennt ihr so etwas wie Sorge?»

«Anspannung, Sorge ist die Diskrepanz zwischen Verlauf und Möglichkeit einer Situation.»

«Was ist Trauer für euch?»

«Trauer ist das Bedauern von nicht genutzten Möglichkeiten seitens der irdischen Welt.»

«Verzweiflung – kennt ihr das?»

«Ja und nein. Wir ‹zweifeln› nicht, wir sind nie ‹ohne Aussicht›, nie ohne Blick auf das Lichte, so wie ihr. Aber wir kennen das Gefühl von Ohnmacht, zum Beispiel am Karfreitag gegenüber dem stattfindenden geistigen Geschehen – und das fühlt sich in etwa so an wie Verzweiflung bei euch.»

«Wie ist es mit der Hingabe?»

«Da gehen wir unmittelbar auf die Knie.»

«Und Verehrung?»

«Auch da gehen wir unmittelbar auf die Knie, nur verbeugen wir uns da zusätzlich.»

«Seid ihr auch mal ärgerlich?»

«Nein, das ist zu astralisch und zu persönlich für uns. Aber das scharfe Empfinden für Ungerechtigkeit, das kann wie ein Schwert sein.»

«Wie kämpft ihr?»

«Mit Liebe.»

«Wie geht das?»

«Mit Liebe für das Höchste Göttliche. Wir tragen die Liebe nach vorne, wir tragen sie vor uns her, wir tragen sie durch Weltenräume und nähern uns so den ‹anderen Wesen›. Wir tragen die Allliebe zu ihnen hin.»

«Aber die Michaeliten kämpfen. Wie machen sie das?»

«Sie haben Lichtschwerter. Damit verletzt man niemanden. Man durchschneidet nur die Dunkelheit.»

«Was passiert da?»

«Wenn Licht die Dunkelheit durchschneidet, hat die Dunkelheit die Möglichkeit, sich an das eigene ursprüngliche Licht, aus dem sie kommt, zu erinnern. Man durchschneidet kurz die Verbindung der Dunkelheit mit dem Dunklen, und man nimmt so dem Dunklen einen Teil seiner Macht ab.»

«Wie schön! – Noch einmal zur Freude: Was ist, wenn ihr Freude empfindet?»

«Wenn wir uns mit und über einen Menschen freuen, dann ‹umarmen› wir ihn, das bedeutet, wir umhüllen ihn. Untereinander ‹strahlen› wir gemeinsam, da umarmen wir uns nicht – nur wenn wir Engel von Liebenden sind.»

«Wenn wir Menschen uns begegnen, fragen wir den anderen nach seinem Befinden. Bei jeder Begrüßung fragen wir ihn, wie es ihm geht. Warum eigentlich?»

«Damit ihr den anderen ‹empfinden› könnt. Ihr könnt dies nicht mehr unmittelbar erleben, wisst aber noch unbewusst, dass darin, also im ‹gegenseitigen Empfinden›, Begegnung stattfindet: ‹Wenn ich schon nicht empfinden kann, wie der andere empfindet, dann kann ich es zumindest noch wissen, indem ich es erfrage.› – So in etwa könnte man es sagen. Natürlich ist dies bei euch zu einer Floskel geworden, und trotzdem ist darin noch der Zugang zu einem Begegnungsraum enthalten, und das wissen eure Seelen.»

«Wie ist das bei euch Engeln?»

«Bei uns ist das anders. Unser ‹Befinden› ist nicht so sehr persönlicher Art wie bei euch. Wir empfinden größere Zusammenhänge als zu uns gehörig, besser gesagt: uns als zu ihnen gehörig. Wir erleben größere ‹Wellen› von energetischem Geschehen, die das Sein und Werden weben. Wir sind mit weiteren Bezügen verwoben als zum Beispiel mit nur einer sich uns stellenden Aufgabensituation. Und diesen Bezügen passen wir uns an, daran und darin wirken wir. Dabei haben wir ein stärkeres Zusammengehörigkeitsempfinden innerhalb der geistigen Ströme, zu denen wir gehören: Erzengelstrom, höhere hierarchische Einflüsse, der jeweilige Bezug zu einem der Trinitarischen Aspekte, dem wir primär dienen, das Zusammenwirken mit bestimmten, in gleicher Weise wirkenden Engeln – all dies gehört zu uns als unser eigenes Selbstempfinden. Von daher könntet ihr nicht so unmittelbar begreifen, wie es einem Engel wirklich ‹geht›, wenn er sein Selbsterleben in einem bestimmten Moment eurer Zeit darstellen würde.»

«Wenn ihr in all diesen Zusammenhängen so anders seid als wir, habt ihr dann auch ganz andere ‹Herzen› als wir? Wie sind eure Herzen?»

«Ja, schau.»

Die Engel zeigen mir in ihrer Gestalt ein wundersames Gebilde aus Licht, wie ein mehrdimensionales, labyrinthisches Organ. Auf den ersten Blick ähnelt es einer hochkomplexen Lichtstadt in Miniatur. Ich schaue noch länger und noch genauer hin und erkenne die atemberaubend schöne Struktur eines spiralförmigen Strudels aus unzähligen, lebendig leuchtenden und strahlenden Lichtern. Es ist ein regelrechtes Wunder! Doch was ist das? Der eine Engel erklärt:

«Es ist reine Energie, aber ganz lebendig.»

«Ist das so etwas wie eine kleine Sonne in euch?»

«Nein, keine Sonne. Ihr Menschen habt eine kleine Sonne im Herzen. Bei uns … ist es eine kleine Galaxie!»

Ich muss gestehen, dieser Moment war und ist mir aus allen Engelbegegnungen als einer der eindrücklichsten und überwältigendsten geblieben: ein Engelherz geschaut zu haben. Das Menschenherz ist also eine geistige Sonne, das Engelherz eine geistige Galaxie – welch gewaltig großer Unterschied zwischen uns Menschen und dieser uns allernächsten Hierarchie besteht! Und wenn wir uns bewusst machen, dass diese Wesen uns dienen …

Die Sprache der Engel

Wie können die Engel

zum Menschen sprechen?

Wenn wir nur zum Guten

das Schweigen brechen.

Herbert Hahn

Die ‹Sprache› der Engel ist nicht unsere Sprache. Unser Austausch mit ihnen findet auf der Ebene der Inspiration statt, das bedeutet, sie offenbaren uns ihr Wesenhaftes, indem sie sich durch uns selbst ausdrücken. Sie teilen sich so mit, dass wir sie durch unsere eigenen ‹Wahrnehmungsfilter›, also durch unsere persönlichen Empfindungs- und Gedankenstrukturen, durch unsere eigenen Begriffsbildungen, vernehmen können. Durch die Beschaffenheit unseres Wesens ‹übersetzen› wir die aufgenommenen Inhalte anhand derjenigen Vorstellungen und Begriffe, die uns selbst eigen sind. So ist die Kommunikation zwischen Mensch und Engel stets von der individuellen ‹Färbung› des jeweiligen Menschenwesens geprägt.

Obwohl Engel in unterschiedlichen Wirkungsströmungen stehen, die eine eigene Charakteristik, einen eigenen ‹Duktus› haben, so haben sie nicht ein bestimmtes ‹geistiges Vokabular› wie wir Menschen. Sie nehmen die geistige Wirklichkeit unmittelbar wahr. Wir dagegen nähern uns dem Geistigen mit unserem Bewusstsein nur an. Dabei ‹verhelfen› wir uns mit unterschiedlichen Weltanschauungskonzepten, die sich im Laufe der Menschheitsentwicklung verändern und weiter entfalten. Diese Anschauungsweisen konzentrieren sich auf bestimmte Teilaspekte des Geistigen und stützen sich jeweils auf bestimmte Vorstellungen und Begriffsbildungen. Ein Buddhist zum Beispiel hat andere spirituelle Termini als ein durch den Katholizismus geprägter Mensch, ein Hinduist pflegt einen anderen geistigen Wortschatz als ein mit der Anthroposophie verbundener Mensch. Wenn also im Gespräch mit einem Engel etwa der Begriff ‹Geistselbst› fällt, so drückt sich darin nicht die weltanschauliche Charakteristik des Engels aus. Dies ist lediglich ein Hinweis dafür, dass dieser Ausdruck Teil der Denk- und Vorstellungsstrukur des sich im Gespräch befindenden Menschen ist. Rudolf Steiner macht darauf aufmerksam, dass ‹Begriffe› in der geistigen Welt nicht die Berechtigung haben, die sie im Irdischen haben: «Es kann nicht oft genug betont werden, dass wir die Begriffe, die mit Recht für die sinnliche Welt Gültigkeit haben, nicht mit hinübernehmen in die geistige Welt, dort könnten sie uns gefährlich werden.»6

Engel denken und sprechen also nicht in Begriffen, überhaupt ist ihr Wesen in diesen Zusammenhängen ganz anders geartet, als wir es sind. Unser menschliches Denken zum Beispiel verläuft in der Zeit. Um einen Gedankengang aufbauen zu können, müssen wir einen schrittweisen Verlauf von Gedankensuche, Gedankenfindung, Gedankenbildung vollziehen. Bei den Engeln ist es nicht so, sie können einen kompletten Gedankenbau auf einmal, also ganz unmittebar, erfassen. Ähnlich einem instinkthaften Wahrnehmen und Begreifen «haben diese dhyanischen Wesenheiten oder Angeloi unmittelbares geistiges Denken, unmittelbares geistiges Vorstellen. Durch dieses instinktive Vorstellungs-Innenleben sind sie wesentlich anders geartet als die Menschen. (…) Sie müssen einen ätherischen Leib benutzen, weil ein menschlicher Leib und ein menschliches Gehirn die Gedanken nur in der Zeit vermitteln, während diese Wesenheiten nicht die Gedanken in der Zeit ausbilden, sondern gleichsam wie von selbst die ihnen zukommende Weisheit in sich aufblitzen fühlen. Sie können unmöglich in dem Sinne Falsches denken wie der Mensch. Ihr Gedankenablauf ist eine unmittelbare Inspiration.»7

Durch diese anders geartete Weise des Denkens und Erfassens haben die Engel auch eine ganz andere Art des gegenseitigen Austauschs. Ihre Sprache besteht, ähnlich dem Denken, nicht aus einer Aneinanderreihung von Begriffen oder aus einem Aufbau von sich bildenden Zusammenhängen, sondern ist ein ganz direktes ‹wissendes Erleben›, ein unmittelbarer ‹Transfer von Erkennen› im Verhältnis zu einem anderen Wesen.

Ich frage meine Lehrerengel dazu:

«Wie sprecht ihr miteinander, wie ist bei euch das, was wir ‹Kommunikation› nennen? Könnt ihr mir das vielleicht zeigen oder erklären?»

«Ja, schaue genau hin.»

Ich sehe, wie die zwei Engel sich voreinander hinstellen und sich gegenseitig, vom Brustraum ausgehend, ‹etwas› hin- und herschicken. Es ist eine reine ‹Energie›, wie Wellen von Informationen, die gleichzeitig von dem einen zum anderen ausströmen. Mir wird bewusst, dass ich dabei gar nichts ‹höre›; die Engel ‹sagen› auch gar nichts, und trotzdem merke ich, dass da ein klarer, fließender, umfassender Austausch zwischen ihnen stattfindet. Sie schicken eigentlich nur ‹Impulse›, ‹Absichten› hin und her, diese enthalten Informationen, Wissen, Austausch. Dadurch entsteht und besteht bereits ein ganz unmittelbares und vollständiges gegenseitiges Verstehen. Ganz erstaunt frage ich sie:

«Wie macht ihr das, wie geschieht das?»

«Schaue noch genauer hin.»

Das tue ich und kann dann wie in Zeitlupe beobachten, wie das Herz des einen Engels, welches als goldenes, lebendiges Gebilde erscheint, einen Impuls, eine Lichtwelle in Richtung des anderen Engels schickt. Dessen Herz und Wesen schwingt sofort mit, und seine Reaktion darauf bildet eine neue goldene Welle, die als Antwort zurückschwingt. In dieser Gleichzeitigkeit des Geschehens, wenn man überhaupt hier von ‹Zeit› sprechen kann, können unendlich viele ‹Informationen› ausgetauscht werden. Eine Welle kann unbegrenzte Mitteilungen in sich bergen beziehungsweise Inhalte übermitteln.

Ich frage die Engel, ob sie dabei denken oder fühlen. Sie antworten:

«Denken und Fühlen und Wollen sind bei uns viel mehr eine Einheit als bei euch. Sie sind eins und doch nicht ganz. Bei uns ist alles mit unserem Herzen verbunden, und das Herz ist mit dem Kosmos verbunden. So können wir alle mit dem Kosmos mitschwingen und dadurch mit jedem anderen Engel – auch mit anderen Wesenheiten, doch untereinander ist es für uns am selbstverständlichsten.»

«Und was konkret ist das, was in ‹Wellen› zwischen euch schwingt?»

«Weltsubstanz.»

«Was ist das genau?»

«Weltenwille. Das ist Väterliche Geistsubstanz, Urschöpfungssubstanz des Vatergottes.»

«Verzeiht mir, ich kann es noch nicht ganz begreifen.»

«Das ist Substanz des ‹Miteinander-Seins›. Alles ist ‹Miteinander-Sein› im Vater, auch wenn ihr es nicht merkt. Alles kann miteinander schwingen – oder gegeneinander, je nachdem, welchen Grundimpuls man in sich trägt.»

«Wie ist das zwischen den Hierarchien?»

«Ähnlich, nur die Höheren haben ganz andere Schwingungskräfte. Da kann der Kosmos beben. Daneben sind wir Engel sehr, sehr klein und schwingen wie Schmetterlinge im Vergleich zu den Adlern der Lüfte. Sie sind Giganten, eine Schwingung von ihnen kann den halben Kosmos bewegen.»

«Wow!»

«Ja, wir sagen zwar nicht ‹wow›, aber auch wir empfinden die gleiche Ehrfurcht und Demut davor wie ihr. Nur bewusster und unmittelbarer, viel direkter.»

«Macht ihr das auch mit den Menschen so in der ‹Kommunikation›? Also ‹schwingt› ihr da auch mit uns so?»

«Ja und nein. Ja, weil wir ständig Schwingungen und Impulse zu euch hinschicken. Nein, weil wir differenzierter Impulse schicken: jeweils in das Denken, Fühlen und Wollen der Menschen. Ihr braucht das so, sonst könntet ihr nicht ‹aufnehmen›. Wir schwingen ‹nach unten› zu euch hin, das bedeutet in gröberen und direkteren Schwingungen. Ihr könnt das noch sehr wenig wahrnehmen, von daher versuchen wir, es so gut wie möglich an eure Möglichkeiten anzupassen.»

«Wie ist es bei Kindern?»

«Sie sind noch sehr offen dafür, da müssen wir noch kaum ‹Trennung› zwischen den Bereichen des Denkens, Fühlens und Wollens durchführen. Kinder nehmen noch mit dem ganzen Wesen wahr und sind selbst noch kaum ‹unterteilt› wie ihr.»

«Wie können wir eure Impulse noch besser auf- und wahrnehmen?»

«Eure Herzen ständig öffnen, wie einen ‹Kanal› öffnen.»

«Darf ich hierzu noch etwas anderes fragen?»

«Frage.»

«Habt ihr eine eigene ‹Welt›, so wie wir die Erdenwelt haben?»

«Ja, unsere Welten sind anders als eure.»

«Und ‹wo› sind diese eure Welten?»

«Im gleichen Kosmos, aber ‹anderswo›. Nicht auf der Erde. Wir haben eine eigene Welt.»

«Wie ist eure Welt?»

«Unsere Welt besteht aus Frieden, Licht und Liebe. Alles, was hier ist, ist aus diesen Substanzqualitäten heraus gewebt. Wir grenzen an die Reiche anderer Hierarchien an, können uns dort eingebettet erleben, zugleich aber auch ein Bewusstsein für unseren eigenen Bereich haben. Es gibt keine ‹Grenzen›, nur Übergänge zwischen den Lichtwelten. Wir sind gleichzeitig verbunden mit allem und können doch auch für uns sein. Das ist unser ‹Zuhause› auf dieser Entwicklungsstufe; und doch wissen wir, dass es nur eine Welt des Durchgangs ist.»

«Wie meint ihr das?»

«Wir bleiben hier nicht, unsere Welten wandeln sich auch, nur dass wir einen weiteren Blick haben als ihr. Und dadurch halten wir nicht an Zuständen fest wie ihr. Für euch ist die Erde, beziehungsweise euer Bewusstsein von ihr, ein recht fester ‹Zustand›, der sich nur unendlich langsam wandelt; und das auch nur mehr in eurem Bewusstsein als in eurem Erleben. Wir sind beweglicher im Blick und im Erleben.»

«Doch wie könnt ihr uns so gut verstehen in all unserem Sein, wenn eure Welten so anders sind als unsere, wenn eure Art der Verständigung so anders ist als unsere?»

«Das Engelgeschlecht und das Menschengeschlecht sind sich so nah wie Eltern ihren Kindern, wie Ammen ihren Zöglingen, wie Lehrmeister ihren Schülern. Unser Bestreben ist es, euch zu befähigen, zu einer Reife zu kommen, die eure Wesen zu eigenständigen, bewussten Gestaltern eurer Welten macht. Wir sind in der Einheit verbunden. In der Einheit vereint sich alles – das kannst du aber nur erleben. Euer Bewusstsein lebt in einer Welt des Getrennt-Seins. Allein schon in eurem Denken bist du bereits ein Gegenüber und somit nicht in der Einheit. Vieles ist euch noch nicht so möglich wie uns, später wird aber auch euch das anders möglich sein.»

«Was können wir dafür tun, damit es anders wird?»

«Ihr könnt immer mehr lernen, mit euren Herzen zu leben und zu üben. Eure Herzen können ‹denken› und ‹fühlen›, sie können ‹sehen› und ‹verstehen›. Sie können das Eins-Sein erleben lernen. Das ist die Sprache aller geistiger Wesen.»

Immer und immer wieder sprechen die Engel unser Herz an und machen uns auf die lebendige Wirklichkeit und auf die Bedeutung dieses zentralen geistigen Organs aufmerksam. In allem, was sie erklärend darstellen, bedienen sie sich aufschlussreicher Vergleiche. Ihnen ist ein sehr bildhafter, schöner und lebendiger Ausdruck, eine zum Teil fast schon poetische Sprache eigen. Es geht ihnen niemals darum, dass wir etwas nur verstandesmäßig begreifen, sondern dass wir mit unseren Herzen erkennen, dass unser gesamtes Wesen angesprochen und berührt wird von dem, was sie uns vermitteln:

«Wenn jemand mit uns in seinem Herzen lebt, spüren es die anderen Menschen um ihn, auch wenn sie es nicht ‹wissen›. Ihre Seelen ‹sehen› das mit Seelenaugen und erinnern sich an den Himmel. Euer Herzorgan vernimmt uns, hört uns und kriegt Mut, lebendig zu pulsieren und sich wieder aus seiner Erstarrung herauszutrauen. Schenket eurem Herzen ‹Weite› und ‹Leben›; es wird dann wieder lieben und sich geistig öffnen können.»

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