Kitabı oku: «Dein innerer Heiler», sayfa 2

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EINFÜHRUNG

„Jede Wahrnehmung der Wahrheit besteht in der Entdeckung einer Analogie.“

Henry David Thoreau

PROLOG

In der Geschichte erwogen Ärzte, Wissenschaftler, Philosophen und Denker aller Art die erstaunliche Heilungsfähigkeit des Körpers. Einige haben sich darum bemüht, über den physischen Aspekt hinaus die mentalen und spirituellen Dimensionen von Heilung zu untersuchen. Das vorliegende Buch verbindet die gesammelte Weisheit vieler Zeitalter, Kulturen und Studienbereiche mit modernen Forschungsergebnissen. Zumeist lassen wir die Theoretiker in ihrer eigenen Sprache zu Wort kommen, um ein Missverständnis ihrer Botschaften zu vermeiden. Letztlich strebt unser Buch nach einem Set von Prinzipien, die einen allgemeinen Kontext für die unterschiedlichen Ansätze der Gesundheitsfürsorge zur Verfügung stellen können.

Die Motivation zu diesem Buch verdanken wir den außerordentlichen Schriften von Dr. med. Andrew Taylor Still, DO, dem Gründer der osteopathischen medizinischen Profession. In seinen zahllosen Aufsätzen, Artikeln und Büchern förderte Still einen revolutionären holistischen Ansatz der Gesundheitsfürsorge. Seine Grundkonzepte sind auch heute noch gültig. Sie stellen den Schlüssel dar, um die verschiedenen Ansätze der Gesundheitsfürsorge zu integrieren. Wir werden sehen, in welcher Weise seine Konzepte auf die Fragen nach dem Wer, Was, Wie und Warum bei der Untersuchung der Gesundheitsfürsorge und der Behandlung antworten.

Zurzeit ist die osteopathische Profession so angewachsen, dass sie inzwischen zwanzig Colleges umfasst. Die wachsende Popularität dieser Schulen können wir ihrer Betonung der Behandlung der ganzen Person zuschreiben: von Körper, mentalen Prozessen und Geist. Offensichtlich wissen die heutigen Anwender genug über Psychologie oder besitzen genug Erfahrung, um zu verstehen, dass Heilung – und daher medizinische Ausbildung – die Interaktionen von Körper, mentalen Prozessen und Geist einschließen sollte.

Wie war es möglich, dass ein Landarzt im Herzen Amerikas während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein derartig umfassendes Behandlungssystem entwickelte? Unsere einzige Spur besteht darin, dass er fortwährend nach medizinischen Büchern fragte und behauptete, er habe alles über Gesundheitsfürsorge von den frühen Griechen bis in seine Zeit gelesen. Wenn man Stills Philosophie untersucht, erscheint es seltsam, dass er anscheinend Lehren rezipierte, die von den traditionellen Interpretationen bedeutender medizinischer Philosophen unterschieden sind. Dies befeuerte die Untersuchung einiger Originalschriften von Hippokrates, Galen, Virchow, Pasteur, Darwin und anderen. Dabei stellte sich heraus, dass Still nicht nur genau war, sondern auch die populären Deutungen dieser Texte die wesentlichen Punkte verfehlt zu haben scheinen.

Das vorliegende Buch handelt vom Verstehen – gelegentlich zum ersten Mal – der wahren Bedeutung mancher hervorstechenden medizinischen Entdeckungen der Menschheit. Ebenso handelt es von einer der bedeutendsten Synthesen der Medizingeschichte, in der Andrew Still manche der vergangenen Einsichten in Grundprinzipien integrierte.

Dieses Buch untersucht Ergebnisse aus verschiedenen Studienbereichen, darunter auch der jüngsten Forschung, um einen Überblick über Ansätze in der Gesundheitsfürsorge von der Ayurveda und dem Buddhismus bis hin zu Ansätzen wie dem Entspannungstraining und der Naturheilkunde zur Verfügung zu stellen. Eine derartige Verbindung wird in wachsendem Maß erforderlich, insofern Ärzte und andere, die in der traditionellen Medizin ausgebildet sind, sich selbst als begrenzt empfinden, wenn sie auf Patienten reagieren müssen, die sich Heilkräutern, der Meditation und anderen östlichen bzw. alternativen Ansätzen der Gesundheitsfürsorge zugewandt haben. Daher sollte sich dieses Buch als hilfreich für Berufstätige im Gesundheitsbereich und für Menschen im Allgemeinen erweisen, die nach einem grundlegenden, allgemeinen Verständnis der Gesundheitsfürsorge suchen.

Das Buch geht induktiv vor, insofern Allgemeinheiten in verschiedenen Fällen aufgesucht werden. Schrittweise entfaltet es Schlüsseleinsichten und lässt den Lesern Zeit, sie auf ihre eigene Weise zu koordinieren. Wenn die Menschen Beziehungen auf ihre eigene Weise stiften, formen ihre Gehirne Verbindungen, die dazu verwendet werden können, sich zu erinnern, zu verändern und weitere Beziehungen abzuleiten. Da Lernen ein individueller Prozess ist, werden wir einsehen, dass die Naturgesetze, darunter auch die des menschlichen Körpers, der mentalen Prozesse und des Geistes, aufeinander bezogen sind. Ebenso werden wir einsehen, dass diese Beziehungen schwer erreichbar sind.

Wir beginnen eine kumulative Suche in den Ergebnissen aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Menschen, auf die wir Bezug nehmen, gehören zu den subtilsten Intellektuellen in der Geschichte der Menschheit. Insofern die verschiedenen Ansätze der Gesundheitsfürsorge (Ayurveda, Chinesische Medizin, Naturheilkunde usf.) und die verschiedenen Behandlungsarten (soziale Netzwerke, Haustier-Therapie, Entspannungstraining usf.) bestimmte Elemente zu unserem abschließenden Modell beigetragen haben, werden sie nicht in ihrer individuellen Charakteristik diskutiert. Sie wurden aus vielen Möglichkeiten ausgewählt, um zu illustrieren, wie unser Modell und unsere Theorie universal angewendet werden können.

Zurzeit werden jeden Monat eine große Anzahl an Büchern zur Selbsthilfe und Verbesserung der Gesundheit veröffentlicht. Das vorliegende Buch vermag einen vereinheitlichenden Kontext für die verschiedenen Ansätze und Behandlungsweisen zur Verfügung zu stellen. Das Buch sollte ebenfalls persönlich hilfreich sein. Auf diese Weise kann das Buch zur persönlichen Fortentwicklung und zur Fortentwicklung von anderen gelesen werden.

Wir wollen beginnen und ein Auge offen halten für nützlichen Analogien, von denen Thoreau sagte, dass sie so nahe an der Wahrheit sind, wie wir ihr uns nähern können.

James McGovern,

Rene McGovern,

Kirksville, MO., USA, 2003


KAPITEL 1
DIE FRÜHE GESCHICHTE DER MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE

„Es gibt weniger Menschen, welche die Wahrheit wissen, als Menschen, die sie genießen.“

Konfuzius

In diesem Kapitel eröffnen wir eine Perspektive auf einige Schlüsselereignisse der Medizingeschichte. Wir beabsichtigen, einen kurzen Einblick in die Einsichten einiger Philosophen der Gesundheitsfürsorge zu präsentieren und auf diese Skizzen in den späteren Kapiteln aufzubauen.

FRÜHGESCHICHTLICHE KULTUREN

Die Geschichte der Medizin und der Gesundheitsfürsorge ist so alt wie die Menschheit. Die erste wesentliche Lehre über frühgeschichtliche Praktiken besteht darin, dass einige davon zu funktionieren scheinen. Wenn wir heute Gesänge, Tränke, Selbstverletzungen, Rituale und andere frühgeschichtliche Ansätze betrachten, schließen wir, dass viele von ihnen eigentlich nicht funktioniert haben können. Dies weist darauf hin, dass Autosuggestion offenbar eine große Rolle in den heilenden Künsten spielt.

Das Studium der antiken Medizin veranschaulicht ebenfalls, dass sie lange auf Tradition und wenig auf Fortschritt beruhte. Das bedeutet, in jedem Jahrhundert und jeder Kultur empfahlen Heiler vertrauensvoll Verfahren der Gesundheitsfürsorge, die sich aus heutiger Sicht allerdings als nutzlos herausstellen. Gleichwohl war der Umfang der Anstrengung, um Heilmittel zu suchen, phänomenal. Wahrscheinlich trieb die Bedeutung der Gesundheit die kontinuierliche Suche nach Heilmitteln an. Wahrscheinlich förderte die Wirkung der Autosuggestion zudem das Vertrauen als Bestandteil einer guten Praxis.

In ihrer Frühphase waren die medizinischen Praktiken mit einer Mischung aus Mythen, Aberglauben und Traditionen beladen. Dadurch war es schwierig, die tatsächlichen Ursachen der Krankheit zu klären. Da viele Erklärungen, wie die Gesundheit wieder hergestellt worden sei, völlig spekulativ und ohne physikalische Kontrolle waren, konnten diese Mythen wiederholt für Heilmittel glaubhaft gemacht werden, ohne kaum befürchten zu müssen, dass dies auf andere Weise widerlegt werden könnte. Weil sich Spekulation ohne mögliche Kontrolle bewusst jenseits der Kritik ansiedelt, ist sie für allmählich verbesserte Erklärungen nicht zugänglich.

Die Verbindung der spirituellen und physischen Aspekte der Krankheit stellt einen prominenten Trend in der frühen Gesundheitsfürsorge dar. Die Tatsache, dass Aspekte des Wohlbefindens über den Körper hinaus während der Geschichte diskutiert wurden, weist darauf hin, dass Gesundheitsfürsorge mehrdimensional ist. Tatsächlich erklärt die Aufmerksamkeit auf den Körper und den Geist in der Gesundheitsfürsorge die Verbindung von Heilern und Priestern in der frühen, der mittelalterlichen und der jüngsten Zeit. So war es z. B. im alten Ägypten ausschließlich den Priestern gestattet, Menschen zu behandeln.4 Solche geschichtlichen Tatsachen können auf die Gegenwart bezogen werden, um anzuzeigen, dass ein spiritueller Aspekt bei der Gesundheitsfürsorge benötigt wird oder zumindest hilfreich sein kann.

Das Studium der Frühgeschichte der Medizin enthüllt, dass naturalistische und supra-naturalistische Ansätze der Gesundheitsfürsorge seit den frühesten Tagen koexistiert haben.

Eine sorgfältige Untersuchung zeigt jedoch, dass ihre relative Bedeutung in wechselseitiger Abhängigkeit variierte: Lag die naturalistische Medizin im Trend, ging der supra-naturalistische Ansatz zurück.5

Das Studium der Medizin und der Praxis der Gesundheitsfürsorge vieler Jahrhunderte erbringt verschiedene allgemeine Einsichten. Manche subtilere Einsichten können aber nur durch eine genauere, detailliertere Inspektion entdeckt werden. So bleibt bei Generalisierungen in einem zu weiten oder zu distanzierten Rahmen die Tatsache unbemerkt, dass wichtigere Entdeckungen weithin das Ergebnis individueller Einsichten sind. Die folgenden Abschnitte stellen Individuen vor, die bedeutendere Entdeckungen im Blick auf die Rätsel menschlicher Funktionen machten. Bedauerlicherweise können wir angesichts des begrenzten zur Verfügung stehenden Rahmens nur einige Beiträge zu den Grundlagen der Gesundheitsfürsorge diskutieren.

DIE CHINESISCHE CHOI-MEDIZIN (500 V. CHR.)

Das Ziel der Chinesischen Medizin bestand darin, die Harmonie mit der Natur wiederherzustellen (Tao). Obgleich die alte Chinesische Medizin viele Modelle entwickelte, um Gesundheit und Krankheit zu erklären, darunter die Verbindung bestimmter Gefühle zu bestimmten Organen, bestand eines ihrer stabilsten Muster in der Verbindung von Typen des Pulsschlags mit körperlichen Gebrechen. Krankheit galt als Störung eines oder mehrerer Organe und entsprechend sollten die Pulsschläge gestört sein. In einer Untersuchung wurden zehn Bände dazu benötigt, um die große Anzahl von Pulstypen zu erklären, von denen unterstellt wurde, dass sie eine umfassende Bewertung des gesamten menschlichen Körpers gewährleisteten.6 Die unterschiedlichen Pulstypen erhielten aussagekräftige Namen wie ‚Weiden-Brise‘ oder ‚Blubbernder Bach‘, um Studenten und Praktikern sortieren und erinnern zu helfen. Mit anderen Worten: Die Sprache war wichtig für die Konzeptualisierung und Kodifizierung der Unterschiede.

Die Theorie der Pulstypen unterstellt, dass das Blut zu und von allen Organen des Körpers fließt. Daher können Anomalien oder Probleme in einem Organ bestimmte Veränderungen im Blutkreislauf verursachen, die durch Fühlen des Pulsschlages beobachtet werden. Den Puls zu fühlen, um eine ‚Lektüre‘ aller Organe des Körpers durchzuführen, passte zu einer Kultur, die Bescheidenheit schätzte. So fühlten Priester (Behandler) den Puls einer Frau beispielsweise zuweilen durch einen Vorhang oder stellten eine kleine Puppe zur Verfügung, um den Körperteil zu zeigen, der verletzt war.

Eine Beziehung zwischen den Veränderungen des Blutflusses und Problemen in unterschiedlichen Organen wurde mit höchst deskriptiven Begriffen ausgedrückt, um ein umfassendes Modell der Gesundheitsfürsorge auszubilden. Das Beispiel zeigt ebenso, wie die üblichen Sitten bzw. die kulturellen Muster die Typen der anerkannten Modelle und Praktiken ‚färben‘ können. Mit anderen Worten, derartige Formulierungen verwenden die gewöhnlichen Gedanken, Überzeugungen und Sitten.

DIE GRIECHISCHE MEDIZIN DES HIPPOKRATES (400 V. CHR.)

Die Werke des Hippokrates stammen aus der Hippokratischen Sammlung, die in der Bibliothek von Alexandria (Ägypten) zu Beginn des dritten Jahrhunderts v. Chr. zusammengestellt wurde. Allerdings ist es nicht sicher, ob alle oder einige dieser Bücher tatsächlich von Hippokrates geschrieben worden sind. Dennoch sind sie während seiner Lebenszeit geschrieben und sie sind zumindest von seiner Lehre beeinflusst.

Hippokrates war Lehrer am Tempel des Äskulap in Kos, der nach Äskulap benannt wurde, dessen Existenz unbestimmt ist. Es kann sich um einen Gott, einen Mythos oder um eine Person handeln. Das Wichtige an den Äskulapischen Tempeln besteht darin, dass es sich um Kliniken oder Orte handelte, in denen Menschen ihren Körper, die mentalen Prozesse und den Geist stärkten. Man hat oft gesagt: Die Kunst des Äskulap entwickelte sich zur Wissenschaft des Hippokrates.7

Hippokrates, der ‚Vater der Medizin‘, entfernte die Mythen und abergläubischen Überzeugungen aus medizinischen Bewertungen, indem er Ursachen und Wirkungen verband. Die moderne Gesundheitsfürsorge ist ihm darin verpflichtet, genaue Beobachtungen und genaue Interpretationen von Symptomen vorzunehmen. Er verstand Krankheit als Abweichung von der natürlichen Funktion und unterstellte, dass die natürlichen Gesetze bei voller und richtiger Funktionsweise die Gesundheit wieder herstellen könnten: „Die natürlichen Kräfte sind die Heiler der Krankheiten.“8 Hippokrates unterstellte vier Stimmungen bzw. Einstellungen und schrieb ihnen körperliche Pendants zu: Blut, Schleim, gelbe Gallenflüssigkeit und schwarze Gallenflüssigkeit. Seiner Ansicht nach war ein Mensch gesund, wenn die Stimmungen im richtigen Verhältnis zu einander standen. Andernfalls war der Mensch krank. Er glaubte zudem, dass jede Person und jeder Fall so voneinander verschieden waren, dass es nicht möglich sei, eine allgemeine Medizin für Individuen vorzuschreiben.

Hippokrates lehrte, dass Medizin sekundär sei, Übung und Ernährung dagegen primär seien. Als Grieche in einer Zeit des großen philosophischen Erwachens führte er logische Analyse ein und schlug vor, dass die Prognose bzw. Projektion zukünftiger Entwicklungen das Ziel des Arztes sei.9 Hippokrates war der Überzeugung, der Arzt solle mit den natürlichen Prozessen des Körpers arbeiten. Er beobachtete die Verbindung zwischen Struktur und Funktion im Körper und betonte stark die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat System.10

Hippokrates fasst seine Beobachtungen und Diagnosen zusammen, indem er eine ‚Sprache der Medizin‘ ausbildete, die von anderen benutzt und verbessert werden konnte. Anstatt isolierte Spekulationen zu äußern, begann Hippokrates mit einem System, das direkt auf Beobachtungen bezogen war. Daher konnten seine Schlussfolgerungen durch nachfolgende Beobachtungen und Analyse verfeinert und verbessert werden.

DIE GRIECHISCHE MEDIZIN DES ARISTOTELES (350 V. CHR.)

Aristoteles wird gewöhnlich nicht im Zusammenhang der Entwicklung der Gesundheitsfürsorge genannt. Weil wir uns mit der philosophischen Entwicklung der Gesundheitsfürsorge beschäftigen, nimmt Aristoteles mit Recht hier eine zentrale Rolle ein. Dante und nahezu allen mittelalterlichen Wissenschaftlern galt Aristoteles als DER Philosoph. Er ist der Begründer der wissenschaftlichen Methode, nämlich des abwechselnden Gebrauchs der induktiven und deduktiven Formen der Logik. Diese Methode hat über 23 Jahrhunderte große Entdeckungen hervorgebracht. Anders als Platon, der lehrte, Erkenntnis komme von innen, lehrte Aristoteles, dass sie von außen komme, von den Sinnen zu den mentalen Prozessen vermittelt. Zudem lehrte er, dass wir zunächst eine allgemeine Vorstellung der Phänomene gewinnen sollten und dann die Besonderheiten untersuchen.11

Es gelang Aristoteles den offenkundigen Streit von vier früheren Philosophen über das Wesen der Kausalität zu schlichten. Das Konzept der Kausalität antwortet auf die Frage, wodurch ein Ereignis verursacht sei. Thales lehrte, dass es sich um eine materielle Ursache handele: Ein Ding verursachte die Veränderung. Heraklit nahm an, dass es sich um eine Wirk-Ursache handele: Ein Macher verursachte die Veränderung. Pythagoras unterstellte, dass Veränderung durch eine Veränderung der Form verursacht sei: Eine neue Formation war verantwortlich. Plato lehrte, es gebe eine Finalursache in jeder Veränderung: Ein Ziel trieb bzw. verursachte die Veränderung. Aristoteles erklärte, dass diese vier Philosophen jeweils über einen Aspekt einer Ursache sprachen: über die Dinge, die daran beteiligt sind, die Macher, die Formationen bzw. die Ziele, die hinter einer Veränderung stehen.12

Alexander der Große, ein Schüler des Aristoteles, eroberte einen großen Teil Asiens und sandte Exemplare der Flora und Fauna der eroberten Gebiete an ihn. Diese Geschenke ermöglichten es Aristoteles, außergewöhnlich stark Sektionen an einer großen Zahl von Tieren vorzunehmen und über Ähnlichkeiten und Unterschiede der Arten zu schreiben. Er schrieb 50 Bücher über vergleichende Anatomie und Naturgeschichte, indem er Organe wie die Nerven, das Herz, die Blutgefäße, die Membranen des Gehirns und den Magen beschrieb. Dazu entwickelte er Modelle für ihr inneres Funktionieren. Seine Bücher waren die ersten Bücher der Bibliothek von Alexandria. Sein Enkel Erasistratos schloss sich Herophilos an, um Hunderte von menschlichen Leichen zu sezieren und so das Wissen über den Körper beachtlich zu erweitern. Doch bald wurden die Sektionen von religiösen Autoritäten in Ägypten und Europa verboten, sodass der Fortschritt in dieser Richtung endete.

Der berühmte Aphorismus des Aristoteles lautet: „Der Philosoph soll mit der Medizin beginnen. Der Arzt soll mit der Philosophie enden!“13 Es scheint, dass er keine substanzlose Spekulation billigte. Seine Philosophie basierte auf der Sammlung empirischer Daten und dem Herleiten allgemeiner oder letzter Ursachen (Prinzipien). Diese wissenschaftliche Methode blieb über viele Jahrhunderte verborgen. Es gab gelegentliche Ausnahmen wie Roger Bacon (13. Jahrhundert n. Chr.) und Francis Bacon (16. Jahrhundert n. Chr.). Der Letztere machte sie den medizinischen Forschern der vergangenen 400 Jahre zugänglich. Zusammenfassend: Der Beitrag des Aristoteles zur Medizin und der Gesundheitsfürsorge besteht darin, dass der Menschheit die Methode zu lernen und Wissen anzusammeln eröffnet wurde. Darüber hinaus werden wir einen weiteren umfassenden Beitrag des Aristoteles kennen lernen.

DIE HINDUISTISCHE SUSRUTA-MEDIZIN AUS INDIEN (200 N. CHR.)

Susruta verstand sich selbst als Fortschreiber des alten Ayurveda (Wissenschaft vom Leben), die wahrscheinlich von der brahmanischen Hindu-Religion inspiriert war.14 Die Brahmanen glaubten, dass der Arzt theoretisch ausgebildet und praktisch erfahren sein müsse. Dabei galten ihnen Hygiene und Ernährung als mindestens so wichtig wie Arzneimittel. Susrutas Buch Sammlung listete über 1.000 Krankheiten und natürliche Heilmittel auf.15

Susruta gelang es örtliche Führer davon zu überzeugen, dass Sektion und Chirurgie angemessen waren. Er entwickelte viele Arten von Operationsinstrumenten und schrieb Verfahren für verschiedene Operationen vor. Er benutzte erinnerungsfreundliche Namen für die Operationsinstrumente, die auf ihre Form bezogen waren: Adler, Reiher und Löwenkiefer.16 Die Chirurgie konstituierte das Äußerste in der Indischen Medizin und war – ihrem Wesen entsprechend – frei von Spekulation.17 Sie hatte lange Bestand vor der Ankunft anderer Nationen.18 Das System der Chirurgie blieb über Jahrhunderte in Indien auf einem hohen Niveau der Entwicklung. Sie basierte auf kühnem Eingreifen, genauer Diagnose und durchdachter Nachsorge.19

Aus welchem Grund war die Chirurgie in der Frühzeit Indiens so sorgfältig entwickelt und warum verfiel sie möglicherweise? Obgleich die Chirurgie nur einen kleinen Teil der Gesundheitsfürsorge darstellt, kann die Antwort auf diese beiden Fragen instruktiv für alle Teile der Gesundheitsfürsorge ausfallen. Der Grund, der gewöhnlich für den Erfolg der Chirurgie in den frühen Jahrhunderten genannt wird, lautet, dass Indische Regierungen Verbrecher durch Verstümmelungen bestraften. Daher seien Chirurgen nötig gewesen, um diese Menschen zu reparieren.20 Auf der anderen Seite kann der Grund für den Verfall der Indischen Chirurgie am besten so ausgedrückt werden:

„Die Indische Medizin besaß einen beeindruckenden Schatz an empirischem Wissen und technischem Können. Sie erreichte die Höhe einer systematisierenden, theoretisierenden Schule des Denkens. Gleichwohl fehlte ihr die Freiheit der individuellen Aktion, die für den Fortschritt der wirklichen Wissenschaft erforderlich ist. Ebenso fehlten ihr unvoreingenommenes Urteil und die Möglichkeit der Kritik, die nicht kurz vor ehrwürdigen Lehren aufhört. In den fremdartigen repressiven kulturellen Bedingungen war es grundlegend, dass der Evolutionsprozess verkürzt wurde und zu einer scholastischen Petrifikation führte.“ 21

Obgleich dieser Abschnitt die Bedeutung einer angemessen beschreibenden Sprache verdeutlicht, um Verfahren bzw. Instrumente zu differenzieren, besteht die zu notierende Hauptbotschaft darin, dass der Mangel an Freiheit zur Petrifikation führen kann. Insbesondere Vorurteile, das Verbot von Kritik und die Verehrung gegenwärtiger Meinungen sind als Samen der Selbstzerstörung erkannt.

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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
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9783941523753
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