Kitabı oku: «Manimals»

Yazı tipi:

Jens van Nimwegen

Manimals

Roman

Nimwegen 2012

MANIMAL-Trilogie:

Manimals (2012)

Ein Entwicklungsroman

Wie sich Jens, Rotz, Drexau, Porco, Ratte, das Ferkel und Phallc kennenlernten und ihren Weg im Leben fanden.

Ratte, Rotz und Radu (2012)

Ein Kriminalroman

Drei Freunde und zwei oder drei Morde

Die artgerechte Haltung des Homo manimalis (2012)

Ein Zukunftsroman

Zwei Freunde im dreigeteilten Deutschland 2034

© Jens van Nimwegen, Nijmegen 2016

manimal.eu/manimals

Vierte Auflageh

Inhalt

Schweine müssen nackt sein

Ich bin ein Schwein. In meinem Nacken steht MANIMAL tätowiert. Ein Hemdkragen mit Krawatte würde es verbergen; aber ich besitze keine Hemden mit Kragen. Jeder kann es lesen. MANIMAL. MAN-ANIMAL. Es steht auch groß, in Stachelnieten, quer über den Rücken meiner Lederjacke geschrieben. Das ist die einzige Jacke, die ich besitze, und solange es nicht eiskalt ist, trage ich sie offen auf der bloßen Haut. Ich muss den Wind fühlen, und die Blicke der Spießer, und die geilen Blicke von anderen Manimals.

Schweine müssen nackt sein, und ich bin es am liebsten. Das geht hier in Berlin nur, wenn es warm genug ist, und fast nur im Tiergarten. Also ist Kleidung nötig. Manimals brauchen aber nur sehr wenig Kleidungsstücke, und alle müssen dazu ausgesucht sein, die Geilheit zu erhöhen. Ich muss immer meinen Schweinekörper fühlen. Was ich zwischen den Beinen habe, mein Knüppel und mein Sack, darf nie und nirgendwo aus meinem Bewusstsein verdrängt werden. Jeder muss immer ran können. Adrenalin muss fließen, weil ich mich nie verstecken kann. Weil jeder sieht, dass ich ein Schwein bin. Mehr Männer als man glaubt sind auch Manimals, nur trauen die meisten sich nicht, immer zu sich selbst zu stehen. Sie schauen wissend, oft neidisch. Ihre Blicke machen mich geil. Vielleicht bringt unsere Begegnung sie ja auf die richtigen Gedanken. Vielleicht trauen sie sich mal, etwas an ihrem Leben zu ändern.

Man darf bekanntlich nicht überall mit nacktem Oberkörper herumlaufen. Darum habe ich eine Lederweste, ganz roh aus drei Stücken dickem Leder zusammengenietet. Vorne lässt sie sich nicht schließen. Ein Schwein ist so gut genug angezogen für die S-Bahn oder um Läden zu besuchen. Brust und Bauchnabel sind immer sichtbar, und beim Bewegen lassen sich die Tittenringe nicht immer verbergen. Andere Manimals haben einen Blick dafür und werden raschelig. Diese Ringe sind groß, dick und schwer. Sie schlackern bei jeder Bewegung. Wo ich auch gehe, werden meine Titten erregt, und deren Nerven sind mit meinem Knüppel verbunden. Mein Körper spielt mit meinen Titten, und dabei habe ich die Hände frei. Einen dritten solchen Ring trage ich im linken Ohr, einen vierten in der Nase. Wenn der richtige Mann Macht über mich bekommt, kann er mich an der Nase führen. Aber die meisten haben Respekt.

Mein Schädel ist geschoren bis auf einen schmalen Schweinestreifen oben von der Stirn bis in den Nacken. Mit dieser Bürste kann man den Sack von anderen Manimals verwöhnen. Auch die Augenbrauen sind abrasiert. Und alle Körperhaare. Schweine müssen nackt sein.

In der S-Bahn halte ich mich gern so an der Stange fest, dass ein anderer Mann meine verschwitzte Achselhöhle vor seiner Fresse hat. Da zeigt sich, wer auch ein Manimal ist. Spontan losgeleckt hat leider bisher nur einmal jemand, ein Punker.

Die einzigen Hemden, die ich besitze, sind zwei ehemals weiße T-Shirts. Eines trage ich unter der Lederjacke, wenn es kühl ist. Es ist am Hals tief ausgeschnitten und an den Seiten von den Schultern bis fast zur Hüfte offen. Eigentlich nur zwei Bahnen Stoff, vorne und hinten, die oben durch die Träger und unten durch den Bund zusammengehalten werden. Vorne gerade so breit, dass sich die beiden Tittenringe nicht zugleich verdecken lassen. Wer gut hinschaut, kann unter der Jacke immer etwas entdecken. Manche Männer verwirrt das. „Is Ihnen det nich zu kalt?” – „Nein, sonst würde ich die Jacke ja zu machen.” – „Det stimmt ooch wieda.” Das zweite Hemd reicht nur bis zum Nabel. Das habe ich hinten links im Hosenbund, wenn ich mit freiem Oberkörper unterwegs bin. Wenn einer meckert, kann ich es ihm zuliebe anziehen, aber dann sehe ich eigentlich nackter aus als ohne. Zwei Hemden, eine Weste, eine Jacke, das ist genug für den Oberkörper. Ein Schwein braucht keinen Kleiderschrank.

Ich besitze drei Paar Jeans, eine Lederhose, und sonst keine weiteren Hosen. Unterhosen schon mal gar nicht. Ein Paar Jeans ist knall-eng und zeigt immer eine deutliche Beule, denn ich bekomme die Knöpfe nur zu, wenn ich alles ins rechte Hosenbein stecke. In so einer engen Hose sind die Weichteile immer erregt und zeichnen sich sichtbar ab. Das hält mich geil. Die Hosenbeine sind so verschlissen, dass man auf den Oberschenkeln nur noch die weißen Querfäden sieht. Hinten ist eine Tasche oben ausgerissen, sodass der Kenner sieht, dass ich unter diesen Jeans nichts trage. Schweine müssen so nackt sein, wie es die Polizei zulässt, und das muss jedem deutlich sein.

Das zweite Paar ist weit, dreiviertellang und reicht nicht ganz bis zu den Stiefeln. Auch dieses ist verschlissen und hat große Löcher. Ein Knie liegt ganz frei, eines halb. Hinten zeigen zwei Risse den linken Arschbacken. Jedenfalls denen, die so versaut sind, dass sie hingucken. Spießer schauen weg. Es ist herrlich, den Wind zu fühlen. Diese Hosen haben keine Innentaschen. Meine Hände haben immer Zugang. Ich kann mit mir spielen wo ich gehe und stehe, auch in Läden. In der S-Bahn kann ich so prima abspritzen. Ich wasche diese Hose nie, halte sie höchstens mal beim Schwimmen an. Sie ist schön speckig, wodurch die Wixflecken nicht besonders auffallen.

Das dritte Paar ist weit, sehr kurz und stark ausgefranst. Die langen, unregelmäßigen Fransen machen viele Männer raschelig, und auch ich selbst bin in so einer Hose dauergeil. Ich weiß, dass ich mich mit einer so kurzen, weiten Hose nicht hinsetzen kann, ohne dass alles heraushängt. Der Zwang, in der S-Bahn zu stehen, erregt mich. Wenn ich zu geil werde, muss ich den obersten Knopf aufmachen und die Jeans sacken lassen. Manimals dürfen keine Scham kennen. Aber in der Öffentlichkeit müssen sie dauernd aufpassen, dass sie nichts Illegales tun. Das lässt das Adrenalin kreisen.

Ich besitze ein paar Gummistiefel ohne Innenfutter und ein Paar Soldatenstiefel, sonst kein Schuhwerk. Im Sommer gehe ich gern in diesen Gummistiefeln durch die Stadt, in der kurzen Hose, das kleinste Hemd hinten im Bund.

Stall

In der Nacht werde ich ein paar Mal wach, weil mein Knüppel steif ist. Das kommt vom Bett. Mein Bettzeug ist aus Leder. Seit zehn Jahren schlafe ich textilfrei. Eine schwarze Kuhhaut liegt auf der Matratze, eine zweite ist zusammengenäht zu einem Oberbett. Im Sommer ist es leer, im Winter enthält es zwei Militär-Wolldecken. „Aber ist Leder denn nicht viel zu kalt?” höre ich die Spießer fragen. Ja, wenn man in so ein Bett steigt, ist das Leder erst einmal kalt. Aber das dauert nur Sekunden. Da muss man durch, dann wird man reich belohnt. Leder auf der Haut fühlt sich immer geil an, und das Deckbett ist schwer und glatt und schiebt sich einem von selbst zwischen die Beine. Eigentlich bin ich in so einem Bett dauergeil, und jedesmal, wenn ich kurz wach werde, fühle ich meinen Knüppel und meine Tittenringe und weiß, dass ich eine Ledersau bin. Und dann dämmre ich wieder ein.

Morgens werde ich wach in rotem Licht. Die Fensterscheiben sind rot gestrichen. Auch die einzige Glühbirne ist rot, aber die wird heute nicht gebraucht. Rotlicht macht geil. Als ob das noch nötig wäre.

Erst geile ich mich im Halbschlaf langsam weiter auf am Gefühl des Lederbettes. Dabei denke ich darüber nach, wie nackt ich heute leben kann. Schweine müssen nackt sein, aber es wird wohl nicht sehr warm. Das Außenthermometer zeigt jetzt sechzehn Grad. Ich bringe mich langsam zum Abspritzen. Die Tropfen lasse ich auf der Brust eintrocknen.

Ich mag meinen Stall. Ein Raum in einem Hinterhof. Wenn man die Türe aufmacht, steht man sofort drin. Im Steinfußboden ist ein Scheißloch aus Edelstahl, mit Wasserspülung und einem Schlauch. Mit dem kann man sich den Arsch abspritzen und braucht kein Klopapier. Auch kann man mit diesem Schlauch den ganzen Fußboden reinigen. Oder sich selbst. Das Bett steht auf Stahlfüßen. Lederweste und Lederhose hängen an der Wand. Da stehen auch die Gummistiefel. Die Lederstiefel brauche ich als Kopfkissen. Die zwei Hemden und drei Paar Jeans liegen auf dem Boden. Auf einem grobschlächtigen Heizkörper trocknet mein einziges Handtuch. Er ist stabil genug, dass man bei Bedarf ein Manimal daran anketten kann. Es gibt auch noch ein Matratzenlager, zwei mal zwei Meter, unter starkem Industriegummi, am Boden gut abgedichtet. Das kann man einfach mit abspritzen. Hinter einer Tür ist ein kleiner Verschlag, dort kann man sich was kochen, und dort steht auch ein Kühlschrank. Mehr braucht ein Schwein nicht.

Ich scheiße, reinige meinen Arsch, lege mich auf das Gummi und spritze mir eine weitere Ladung auf den Bauch. Dann ziehe ich Lederhose, Lederweste und Schnürstiefel mit Socken an. Die Hose ist geschnitten wie eine Militär- oder Cargohose und hat vier aufgesetzte Taschen oben und unten an der Seite für alles Nötige. Vorn hat sie einen breiten, unverdeckten Reißverschluss bis hinunter in den Schritt. Ein großer Ring lädt zum Öffnen ein. Die gleichen breiten Reißverschlüsse mit Ringen gibt es an den Taschen. An den Seiten hat die Hose bequeme Eingriffe. So kann ich immer meine wichtigsten Organe in den Händen halten.

Draußen ist es immer noch nicht richtig warm. Das ist gut so: die Hose hält mich warm genug, und meine nackten Arme und mein nackter Bauch unter der Weste fallen auf, weil fast alle anderen etwas langärmeliges, geschlossenes tragen. So fühle ich mich wohl. Wer verdorben genug ist, genau hinzuschauen, erkennt die eingetrockneten Tropfen auf meinem Bauch.

Bis zum Abend werde ich ich so in der Stadt herumtreiben.

Streunen

Mich herumtreiben, das tat ich schon vor Jahren hin und wieder. So schrieb ich nach einem Tag im Hochsommer dies auf:

Es ist heiß. Seit dem Aufwachen bin ich geil, und das muss ich den ganzen Tag bleiben. Verpisst, verschwitzt, halbnackt muss ich meiner Geilheit bis zum Abend ausgesetzt sein. Nicht im stillen Kämmerlein: unter Menschen, mich treiben lassen in der Großstadt, weit weg von sicheren Zufluchtsorten, gezwungen, zu meiner Versautheit zu stehen. Jeder, der einen Blick dafür hat, soll sehen dass ich eine perverse Gummisau bin. Ich will nichts verbergen, Blicke und Bemerkungen ertragen. Mit klopfendem Herzen. Oder stumpf. Oder stolz. Nur Gummi auf der Haut, und nur Gummi das widernatürlich aussieht.

Nein: ein einziges Stück Textil erlaube ich mir: ein Schweinehemd aus schmutziger Baumwolle, das die Titten nicht bedeckt, das mich nackter und obszöner erscheinen lässt als ein nackter Oberkörper. An Orten, wo ein nackter Oberkörper nicht akzeptiert wird, will ich zu diesem Hemd gezwungen sein.

Ich rasiere meinen Schädel, lasse aber einen Schweinestreifen stehen. Jeder soll sehen, dass ich nicht kahl bin, sondern freiwillig geschoren. Außerdem finde ich, dass es geil aussieht zu dem großen, schweren Ohrring.

Ich kleide mich an.

Cockring, Metall, dick, 600 Gramm.

Radlerhose aus schwarzem Gummi, mit gelben Streifen an den Seiten, dünn, eng, ohne Reißverschluss. Alles zeichnet sich deutlich im rechten Hosenbein ab: Eichel, Cockring, Eier. Der Gedanke, dass ich nicht einfach den Knüppel rausholen kann zum Pissen, macht mich noch geiler. Ich trinke zwei Liter Wasser.

Locker schräg über den Hüften ein schwerer Gürtel aus Industriegummi, ohne Zweck.

Waders aus schwarzem Gummi, ungefüttert, innen und außen noch dreckig vom letzten Schlammbad. Wenn ich sie nicht umschlage, gehen sie bis zur Hose und sehen für die Stadt viel zu extrem aus. Umgeschlagen sind sie so hoch wie normale Gummistiefel, aber viel auffälliger. Und zeigen dass sie auch innen verschlammt sind.

Als einziges Gepäck genehmige ich mir einen schwarzen Baueimer. Jeder soll meine wenigen Habseligkeiten sehen können: eine Handvoll Münzen, lose im Eimer, das Hemd, eher ein kleiner Fetzen, und zwei halb-lange schwarze Gummihandschuhe. Anderthalb Meter durchsichtiger Aquariumschlauch. Später wird der Autoschlüssel und ne Fahrkarte dazukommen.

Ich fahre mit dem Auto ins Ruhrgebiet, barfuß, Eimer und Stiefel neben mir. Schon am Morgen ist die Hitze drückend. Meine Blase wird langsam voll.

In Duisburg parke ich in irgendeiner Vorstadtstraße und kaufe eine Tageskarte für die Straßenbahn. Erster Kontakt mit Menschen, nur bekleidet mit Cockring und Hose; Eimer und Stiefel bleiben noch im Auto. „Mann, hiea laufen se schon baahfuß, so wahm isset.“

Am Kiosk die ersten glotzenden Blicke; ich gewöhne mich schon daran.

Zurück zum Auto und dann mit Eimer und Stiefeln zur Straßenbahnhaltestelle. Das Hemd ziehe ich an: in Düsseldorf bin ich schon mal vom Sicherheitsdienst angemacht worden, weil man in Straßenbahnen nicht mit nacktem Oberkörper fahren darf. Im Eimer sind Handschuhe, Münzen und die Fahrkarte gut sichtbar. Jetzt erst mal weit weg vom Auto, dem letzten Zufluchtsort!

In Marxloh steige ich um. Hier sind viele Leute. Als ich an der Haltestelle warte, beginnt der Fahrer eines Lieferwagens an zu schreien und schimpfen. „Schwule Sau“ und schlimmeres. Er kommt ins kreischen und kann gar nicht mehr aufhören. Niemand an der Haltestelle lässt sich was anmerken, aber ich fühle mich unwohl. Nun ja, da muss ich durch, und hoffentlich war das dann auch schon das Schlimmste für heute.

Die Duisburger Straßenbahnlinien sind lang. Ich dämmere in der Hitze dahin, und das Rütteln der Bahn erregt mich.

Ich muss pissen. In einer öden Hafengegend steige ich aus. Die nächste Bahn kommt in 20 Minuten. Die verlassene Haltestelle ist auf dem Mittelstreifen vor einer Kreuzung. Dauernd halten Autos vor der roten Ampel neben einem. Die Stiefel habe ich ausgezogen. Barfuß stehe ich auf dem heißen Asphalt. Ich lasse die Pisse laufen, stehe in einer Pfütze die langsam Richtung Rinnstein sickert. Ich habe doch ein wenig Herzklopfen. Aber kein Autofahrer schaut her.

Dann erscheint ein Skater und kommt auf die Haltestelle zu. Ich stelle mich ans andere Ende, weg von der Pfütze. Er soll sich ruhig wundern wo die in dieser staubigen Hitze herkommt, aber ich wage es doch nicht, darin stehen zu bleiben. Muss ich noch lernen.

Die Straßenbahn kommt, und ich steige barfuß ein, den Eimer in der einen, die Stiefel in der anderen Hand. Ich setze mich irgendwo hin, breitbeinig, Eimer und Stiefel zwischen den Beinen, und nehme mir vor, bis zur Endhaltestelle einfach zu dösen und nicht auf die Leute zu achten.

In der Innenstadt wird die Bahn sehr voll. Ein Türke von ungefähr achtzehn Jahren schaut immer wieder auf meine Hose. Dann fasst er sich ein Herz: „Wollen Sie schwimmen?“ Ich schaue durch ihn hindurch und reagiere nicht. „Schwimmen? Schwimmen?“ Er macht Schwimmbewegungen um sich zu verdeutlichen. Soll er!

Die Bahn wird wieder leer, und an der Endhaltestelle steige ich um in die nach Düsseldorf. U-Bahn nennen die das hier, weil diese stinknormale Straßenbahn unterm Bahnhof ein paar hundert Meter eingegraben ist. Sie taucht bald wieder auf und zuckelt durch trostlose Vororte, bis sie auf einmal durch menschenleere Weiden am Rheinufer fährt. Adieu Ruhrgebiet, wir nähern uns der Landeshauptstadt.

Aber erst Kaiserswerth. Ich ziehe die Stiefel an, das Hemd aus, steige aus und gehe durch das verschlafene Örtchen mit seiner nach Drittem Reich muffender Kaiserpfalz und überall reichen Rentnern vor den Schaufenstern und in Cafés.

Ich habe Hunger und Durst. In Kaiser’s Supermarkt kaufe ich zwei Liter Saft und einen Liter Yoghurt mit Haferflocken. Die Kassiererin schaut auf meinen Eimer und die Gummihandschuhe und fragt: „Wollen Se wirklich die Fische hier aus dem Fluss essen?“ Sieh da, ich bin ein Angler, niemand ahnt was Böses.

Draußen schütte ich mir den Yoghurt in den linken Stiefel, den ganzen Saft in den rechten und werfe die Verpackung in den Papierkorb. Ich gehe zum Fluss. Ich muss den richtigen Rhythmus finden damit rechts nichts heraus schwappt und damit es nicht all zu laut gluckst. Das kühle Zeugs an den Füßen tut gut. Die glitschigen Haferflocken zwischen den Zehen geben ein beinahe psychedelisches Gefühl, und der Gedanke, dass ich das bald irgendwie essen muss, ohne jegliche Hoffnung auf Würde, macht mich ganz kirre. Mitten unter den Leuten werde ich es nicht wagen, also muss ich einen geeigneten Platz suchen, während ich bei jedem Schritt mein Essen zwischen den Zehen fühle.

Erst mal setze ich mich auf dem Rheindeich auf eine Bank. Überall schlurfen Rentner herum. Egal! Ich stecke den Schlauch, der immer noch im Eimer liegt, in den rechten Stiefel und gebrauche ihn als Trinkhalm. Der Saft tut gut, und wenn ich ihn ganz auftrinke, kann ich wieder gehen ohne bei jedem Schritt zu glucksen.

Dann suche ich mir einen Platz in der Nähe der Pfalz, etwas außerhalb des Blickfeldes der Rentner, und ziehe den linken Stiefel aus. Zuerst nehme ich mit der Hand was an meinem Fuß klebt, auch zwischen den Zehen, und schiebe es mir in den Mund. Dann esse ich direkt aus dem Stiefel. Ich habe Herzklopfen, schaue mich immer wieder um, ekelhaft finde ich es nicht. Ich beginne mich ganz natürlich zu fühlen in meiner Versautheit. Ich nehme mir vor, bei nächster Gelegenheit in einer perversen Kneipe auch mein Bier aus dem Stiefel zu saugen. So brauche ich nicht immer ne Flasche herumzutragen, und keiner kann mir was wegnehmen.

Dann lege ich mich auf den Waldboden und schlafe etwas. Meine Pisse lasse ich einfach laufen.

Ich kaufe ein paar Brötchen, werfe sie unverpackt in meinen Eimer und gehe wieder zur Straßenbahn.

Auf in die Landeshauptstadt! Ich habe da meine Erfahrungen.

Voriges Jahr hatte ich im Industriegebiet am linken Rheinufer zu tun. Gummishorts, Schwerer Gummigürtel mit kleinem Täschchen für Geld und Schlüssel, BW-Stiefel, kein Hemd, kein Gepäck. Es war warm, nicht heiss. Und auf einmal hatte ich Lust auf Innenstadt. Ich fuhr mit der Straßenbahn in die Altstadt. Saugutes Gefühl: fast nackt unter all diesen Touristen. Ich beschloss, einen Headset für mein Handy zu kaufen. Musste zum dritten Stock. Schwer war es, als mir mit der anderen Rolltreppe eine gackernde Mädchenklasse entgegenkam. Durch sowas muss man durch. Die Entschädigung: so ne Düsseldorfer Edeltucke mit gefärbten Haaren und gebügelter Lederhose. Dem fielen vor Schreck die Augen aus dem Kopf. Na ja, dann hat er in der Oper heute Abend was zu erzählen.

Ja, und als ich unterirdisch wieder auf die Straßenbahn wartete, kamen die Wachmänner. Ein blockwartmäßiger Typ und ein verhuschter. Ob ich mit der Straßenbahn wahren wolle? Ja, hier mein Fahrschein. Dann ziehen Sie bitte ein Hemd an. Es ist unhygienisch, mit freiem Oberkörper zu fahren.

Es war schon lächerlich. Jeder konnte sehen, dass ich bestimmt ganz und gar kein Hemd irgendwo versteckt haben konnte. Ich fühlte, wie mein Knüppel anwuchs. Der verhuschte schaute hin.

Der Blockwart wurde immer lauter. Ich zischte ihn an. Ob er nun als professioneller Wachmann hier unbedingt alle auf uns aufmerksam machen wolle. Und wo das stünde, dass ein nackter Oberkörper unhygienisch sei. Der verhuschte zog ihn am Arm. Dann kam der Kompromissvorschlag. Wo ich denn hin wolle. Fünf Haltestellen. Ja, dann fahren Sie. Ausnahmsweise. Aber setzen sie sich nicht hin und lehnen Sie sich nirgendwo an.

Düsseldorf halt. Das sollte in Berlin mal einer probieren… Nun gut, statt unauffällig zu sitzen stand ich nun bei der Rückfahrt in voller Größe in der Bahn.

Heute habe ich keine Lust auf sowas. Darum das tittenfreie Hemd.

Es ist zu heiss um in der Landeshauptinnenstadt rumzulaufen. Ich steige in die S-Bahn nach Essen. Die ist fast leer, ich kann die Landschaft genießen, dösen und durch die Hose meinen Knüppel steif halten. Der Ring hilft dabei. Als der Schaffner kommt, hab ich ne knallharte Erektion.

Villa Hügel. Da war ich im Frühjahr mit dem Köter 26-43. Am Parkeingang störte sich der Pförtner gar nicht an dessen Aufzug. Wir wollten nur in den Park, aber er sagte, für den Euro Eintritt können Sie sich auch in der Villa umschauen. Ich schickte den Köter rein, liess ihn aber doch seine Lederjacke anziehen. Er hatte es an dem Tag schon schwer genug gehabt in seinem neuen Schweinehemd und den zerrissenen Siffjeans.

Heute setze ich mich nur in den Garten der Kneipe am Bahnhof, trinke Kaffe, genieße die Aussicht über den Baldeneysee und lasse meine Pisse in die Stiefel laufen.

Weiter Richtung Essen. Mehr Natur, dösen, entspannen.

Essen ist ätzend wie immer. Leider scheint es diese marode Kneipe nicht mehr zu geben, wo einem fiese Pötter direkt an die Hose greifen. Löschzug oder so, unter dem Bahndamm. Heute wäre ich da mal gerne reingegangen und hätte mich begrapschen lassen. Es ist heiß. Zu heiß für Gummistiefel. Ich nehme sie in die Hand. In den Eimer passen sie ja nicht. Das Hemd liegt da inzwischen aber wieder drin.

In der sogenannten U-Bahn nach Mülheim esse ich meine Brötchen. Dazu ziehe ich die Gummihandschuhe an, denn meine Hände sind klebrig vom Schweiß.

Zu sehen gibt es neben den Bahngleisen wenig. Nach den blasierten Düsseldorfern beginne ich die abgestumpften Pötter mit ihren Bierwampen fast zu mögen. Ein paar junge Türken schauen mir ausgesprochen neidisch auf die Beule, trauen sich aber nicht, über mich zu reden.

Die Bahn von Mülheim nach Duisburg führt über eine uralte Landstraße zwischen den beiden Stadtzentren. Es ist wie eine Reise durch verschiedene Jahrhunderte. Ne Tanzschule im Stil der Fünfziger Jahre. Das älteste Wirtshaus des Ruhrgebietes. Fachwerkhäuser, misslungene Villen. Zoo mit Delphinen. Fickwald.

Dann eine Baustelle. Zwei junge Männer fallen mir auf: perfekter Körperbau, Millimeterhaarschnitt, großer Ohrring, nackter Oberkörper, schwarze Zimmermannshose mit breiten Lederriemen, schwere Arbeitsstiefel. Ich steige aus und gehe zurück. Setze mich hin und schaue zu.

Ein Kanalisationsrohr wird gelegt. Ungefähr zwanzig Arbeiter murksen herum, unauffällig, in langweiligen Arbeitsklamotten, träge in der Hitze des Spätnachmittags. Und dazwischen diese zwei Götter. Sie sehen viel zu gut aus für Kanalarbeiter, aber sie scheinen die ganze Baustelle zu regeln. Machen andauernd was anderes: Bagger fahren, Lastwagen rangieren, Kabel ziehen. Es sind deutlich die Körper von Bodybuildern. Aber sie verstehen auch die schwere Arbeit und das Fach. Sie sind die einzigen mit freiem Oberkörper. Ihre Hosen sitzen perfekt.

Ich fahre erst weiter als sie beginnen zusammenzupacken. Werde nie wissen wie dieses Wunder zustande kam und was für Männer das waren. Später werde ich SQ6351 davon erzählen, und er wird eine Geschichte aus diesem Stoff schreiben. Aber die Wirklichkeit war schön genug.

Jetzt kann eigentlich nicht mehr viel geschehen. Ich fahre zum Landschaftspark, verstecke die Stiefel im Gebüsch und klettere nur mit der Hose bekleidet auf den Hochofen, um die Abendsonne und die Aussicht zu genießen. Langsam wird es kühler, und da oben ist Wind. Auf der Treppe, beim Steigen, lasse ich meine Pisse laufen.

Leider kommen hier heute keine interessanten Männer rauf. Inzwischen bin ich so geil dass mein Knüppel von selbst steif bleibt. Ich hocke mich in eine Ecke mit Aussicht und döse weg. Bei der geringsten Berührung könnte ich abspritzen, aber das will ich nicht, solange ich unterwegs bin.

Ich wache auf. Es dämmert und ist kühler. Ich fahre nach Hause, geil und glücklich.

Das war vor einigen Jahren. Inzwischen ist viel geschehen.

Artgerechte Schweinehaltung

Diese Ausflüge im Ruhrgebiet, halbnackt, in Gummistiefeln allen Blicken ausgesetzt, wurden häufiger. Eines Tages war ich sicher, dass ich immer als Schwein leben wollte, ohne Rückweg ins Bürgerliche. Immer nackt, oder jedenfalls nackter als üblich. Im Besitz nur weniger Kleidungsstücke, alle so ausgesucht, dass sie meine perverse Geilheit erregen und jedem zeigen, was ich bin. Ketten und Ringe, die mich immer meinen Schweinekörper fühlen lassen. Mein Hirn immer, ununterbrochen, eine Einheit mit meinem Knüppel. Und das zusammen mit anderen Schweinen und solchen, die eines werden wollen oder sollen.

Also erst mal alles verkaufen bis auf die paar Schweineklamotten. Einen perversen Roman schreiben, der monatlich etwas Geld einbringt. Sich herumtreiben in Berlin, die richtigen Leute kennenlernen. Ein meiner Art angemessenes Unterkommen suchen.

Alles ging ganz leicht, als ich in einer Kneipe mit dem Professor ins Gespräch kam. Er fand interessant, dass ich mit nicht mehr auf der Haut als Gummistiefeln und einer schlabberigen, ungefütterten Militärturnhose hereinkam, und fragte mich aus. Er ist ein wirklicher Philosophieprofessor, beschäftigt sich aber auch praktisch mit Grenzgebieten des Lebens. So besitzt er eine Lederkneipe, einen sehr teuren Edelpuff mit Restaurant und einen Internetserver mit Qualitätspornograhie. Alles im Rahmen der Gesetze, aber alles ziemlich krass.

Er ist Eigentümer des alten Fabrikskomplexes in Lichtenberg mit verschachtelten Hinterhöfen. Reizvoll sind die unterschiedlichen Eingänge. Einer liegt an einer besseren Straße. Von dort aus erreicht man die Lederkneipe und über einen Hof, in dem man auch parken kann, das perverse Luxusrestaurant mit Puff. Es wird gern von reichen Ausländern besucht. In diesem Komplex wurde mein Stall eingerichtet, aber so, dass er nur vom rückseitigen Eingang erreichbar ist. Ich kann Männer mitbringen und Besuch empfangen, aber der Zugang zu mir ist sehr weit vom anderen Eingang entfernt: an der einen Seite des Blockes versperrt der Bahndamm den Weg, an der anderen muss man um ein Firmengelände herumlaufen. Die beiden Tore liegen in verschiedenen Welten, aber mein Stall grenzt an den Darkroom der Kneipe und an einen exklusiven Speiseraum des Restaurants. In beiden Wänden sind halbdurchsichtige Scheiben. In meinem Stall weiß man nie, wer einen beobachtet. Und man kann sich nicht verstecken, auch nicht beim Scheißen und Wixen. Dieser Gedanke des Professors machte mich sofort geil, und der entsprechende Umbau war nach ein paar Wochen fertig.

Wer weiß, welche Luxustucken oder Ölscheichs an weiß gedeckten Tischen Austern geschlürft haben, während ich gestern mit dem kleinen Punker und dem Pissschwein rumsaute? Oder während ich mich neulich vor dem Ausgehen vollspritzte? Ich will es nicht wissen, aber ich höre gern, dass auf diese Weise auch noch Geld reinkommt. Vor allem hoffe ich, dass so mehr Männer sich trauen als Schweine zu leben.

In meinem Stall hängen auch überall Kameras. Die Bilder werden verkauft. Je nachdem, wie viel man zahlt, bekommt man gespeicherte Aufnahmen zu sehen oder kann live zuschauen. Wer sehr viel zahlt, darf von seinem PC irgendwo auf der Welt aus die Kamera unter der Decke steuern. Wir finden es geil, wenn sie sich herumdreht und einzoomt. Aber wir schauspielern nicht. Der Professor verlangt das auch nicht. Wir dürfen wir selbst sein und machen, was wir wollen, notfalls gar nichts. Meistens denken wir gar nicht an die Kameras und Wände.

Das Wissen, dass viele Perverse meine Schweinefresse kennen und wissen, wie ich lebe, lässt mein Adrenalin kreisen. Wer, weiß, welcher Blick auf der Straße oder im Tiergarten ein Kennerblick ist?

Scham

Seit gestern Abend sind Rotz und Drexau wieder da.

Nach einem Besuch im Restaurant hatte ein Freund des Professors sein Lustobjekt Drexau für einen Sommer hergeschickt. Er hält sich Drexau in seinem Landhaus, findet aber bei ihm trotz aller Versautheit noch Reste von Scham. Er selbst kann ihn im Moment nicht weiter abrichten, weil er für drei Monate nach Amerika musste. Drexau wurde nach Berlin geschickt nur in Gummistiefeln, Gummishorts, einem Shirt mit obszönen Aufdruck, einer Dauerkarte für die S-Bahn und seinem Personalausweis. Kein Geld. Auf meinen Vorschlag wurden Fahrkarte und Ausweis hinter durchsichtigem Gummi innen in der Gummihose befestigt, über der Schwanzwurzel. Drexau muss bei einer Kontrolle die ohnehin kurze Hose umklappen.

Neulich lief uns ein kleiner Punker zu. Als wir ihn in die Mangel nahmen, hatte er erst solche Angst, dass er Rotz heulte. Darum nennen wir ihn so. Inzwischen bewundert er uns und kommt immer wieder. Er lernt schnell. Wir haben ihn so abgerichtet dass er geilt, wenn man ihm in die Fresse rotzt.

Kennzeichen

Drexau soll von mir lernen. In der Öffentlichkeit müssen die letzten Reste von Scham abtrainiert werden. Er hat außerdem den Auftrag, sich wie auch immer Geld zu verdienen, damit ganz groß COXUQR quer über seinen Rücken tätowiert wird. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie er das verdienen kann, und will ihn überraschen.

Deutliche Rückenaufschriften sind immer geil, auf Jacken und Overalls ebenso wie auf der Haut von Nacktschweinen. Warum MANIMAL bei mir nur im Nacken steht und nicht groß auf den Schultern? Weil ich noch nach dem Entwurf für eine Ganzkörpertätowierung suche.

Auf einem Bild von Bastille hat ein Schwein eine Schlange auf dem Unterleib. Wenn das Schwein eine kurze Hose trägt, ist ein Stück sichtbar, das sich um sein rechtes Bein schlingt. Wenn es eine Hose, aber kein Hemd trägt, sieht man ein Stück um den Bauchnabel. Je knapper die Bekleidung ist, desto deutlicher wird, dass der Kopf der Schlange die Eichel des Schweines ist. Je mehr man sieht, desto mehr ahnt man, wie obszön das Tattoo ist. So etwas will ich auch, aber dann bis zum Hals. Auch im Winter soll etwas aus dem Kragen der Lederjacke ragen und neugierig machen. Bei offener Jacke soll es vielversprechend auf der Brust sichtbar sein. So ähnlich wie bei Logan McCree, bei dem die Ausläufer sogar bis auf die Stirn ragen und sich nicht ganz von seinen Haaren bedecken lassen. Wenn man Logan im Anzug sieht, fällt erst beim zweiten Blick auf, dass sein Schädel tätowiert sein muss, und man fragt sich, wo es aufhört. Was ich brauche, soll genau so schön sein und den ganzen Körper umschlingen und hervorheben wie bei Logan, aber verdorbener. Und wenn ich mal zum Arzt muss oder ins Krankenhaus? Na, dann sollen die entweder glotzen oder geilen.

Aber noch ist es nicht so weit. Nur im Nacken steht MANIMAL.

Rotz will morgen tätowiert werden.

Schweinefrühstück

Wir haben den ganzen Abend zu dritt auf dem Gummilager rumgesaut und sind dann eingeschlafen, kreuz und quer übereinander und einigermaßen verklebt.

Ich werde wach von warmem Regen. Drexau, trotz Scham von Natur aus ein richtiges Pissschwein, liegt auf dem Rücken und leert seine Blase im hohen Bogen über uns. Geil! Rotz fängt im Halbschlaf an, meine Achselhöhle zu lecken. Ich lasse meine Pisse auch laufen. Rotz traut sich nicht, oder kann einfach nicht. Da sagt Drexau: „nun lass schon laufen, Kleiner”, nimmt den Punkknüppel in den Mund und trinkt die Blase leer. „Jungschweinpisse am Morgen ist immer lecker.” – „Ey, oller, ick bin volljährig.” Der Kleine wird immer frecher, ein Zeichen dass er sich an uns gewöhnt hat.

Nach so einer Nacht brauchen wir ein eiweiß- und zinkhaltiges Frühstück. Rotz soll sich anziehen und einkaufen. Ich gebe ihm Geld mit und schicke ihn ins KaDeWe: drei Dutzend Austern und ein Pfund Gehacktes zum roh essen. Den Rest habe ich im Kühlschrank.

Als Rotz zurückkommt, zieht er sich sofort aus, wie er es von uns gelernt hat. Es geht schnell: seine Stiefel schnürt er ohnehin nie zu, und außer seiner engen Siffjeans mit Nietengürtel und Lederjacke sind ihm keine Kleidungsstücke erlaubt. Den Gürtel braucht er nicht zu öffnen, der geht nur durch eine Schleife, links, und hängt ihm locker um die Hüften. Und als er mal lahmarschig war beim Ausziehen, hatte ich alle Knopflöcher aufgerissen bis auf das dritte von oben. Sein Hosenbund steht immer obszön halboffen: allzeit bereit! Jetzt im Sommer macht ein kleines Schloss am Reißverschluss das Schließen der Lederjacke unmöglich. So sieht er genau so verdorben aus, wie er ist.

Drexau hat inzwischen einen seiner Gummistiefel mit Bier gefüllt, den anderen mit Sekt. Ich häufe das rohe Fleisch aufs Gummilager, Drexau öffnet geschickt die Austern und drapiert sie daneben. Dann sagt er: „leg dich mal hin, Kleiner, und zieh den Bauch ein! Wir wollen Eier zum Frühstück.” Rotz kennt das schon. Sein Bauch wird eine Grube, und Drexau lässt sechs rohe Eier hineinlaufen. Wir schlürfen sie abwechselnd auf und lecken zwischendurch den Sack des Punkers. Da lässt der seine Bauchdecke auf einmal los, und alles spritzt herum. Nun muss er die Spritzer auflecken. Zwischendurch saufen wir Bier und Sekt aus den Stiefeln.

Dann schlürfen wir die Austern. Rotz darf sich seinen Anteil aus unseren Mäulern holen. Seine Zunge fühlt sich gierig an, und sein Knüppel ist die ganze Zeit hart. Zwischendurch saufen wir weiter Bier und Sekt.

Als die Austern alle sind, verkündet Drexau, dass rohes Fleisch am geilsten schmeckt, wenn es auf Körpertemperatur ist, und pisst den Fleischhaufen warm. Wir schmieren Rotz damit ein und lecken ihn ab. Wenn er selbst was will, reißt er sein Maul auf, und wir rotzen eine Ladung hinein.

Danach muss Rotz uns zum Abspritzen bringen und darf dann selbst, während er mir wieder die Achsel ausleckt. Dann dösen wir noch ein paar Stunden.

Klartext

Wir scheißen, rasieren uns gegenseitig bis auf unsere Schweinestreifen und Rotz’ Augenbrauen und spritzen uns selbst, das Gummilager und den Fußboden mit dem Schlauch ab. Rotz zieht seine Kluft an, Drexau seine Radlershorts aus Gummi und steigt in seine Gummistiefel. Er stöhnt und lässt seine Pisse an seinen Beinen entlang in die Stiefel laufen. Er zieht sein kurzes T-Shirt an. Vorn links steht von oben nach unten: LIVING IN PISS. Von weitem sieht es wie ein senkrechter Streifen aus. Er kniet sich hin: „Jungs, macht mich mal nass. Es ist so warm draußen.” Wir pissen ihn ein. Hier drinnen traut er sich, auch wenn er weiß, dass er sich gleich draußen wieder schämen wird.

Ich ziehe Schürstiefel, meine kurze Jeans und die Lederweste an. Rotz muss meine Stiefel noch auf Hochglanz putzen, im Unterschied zu seinen abgewetzten Punkstiefeln, die schon Jahre nicht mehr gepflegt wurden.

So gehen wir zum Tätowierer. Rotz ist mächtig aufgeregt. Aber er will es. Er hat extra einen älteren Herrn verführt um das Geld zu verdienen.

Auf dem Weg fasse ich Drexau immer wieder zwischen die Beine, und er mir. Ich weiß, dass Drexau darauf geilt, wie seine dünnen Gummishorts seinen Knüppel und seine Eier zwar, wie in der Öffentlichkeit vorgeschrieben, vor Blicken verbergen, aber gleichzeitig deutlich hervorheben. Je steifer man ihn hält, desto mehr Adrenalin kreist in seinen Adern. Er dagegen probiert mich so geil zu machen, dass meine kurzen, abgerissenen Jeans den meinen nicht mehr bedecken können. Ich muss dann entweder meinen Knüppel durch eine Hosentasche in der Hand halten oder den Bund öffnen, um die Hose sacken zu lassen. Dann kann ich aber meine rasierte Schwanzwurzel kaum verbergen. Erregend! Und Rotz, der junge, halbnackte Punker, steht sowieso voll unter Adrenalin, weil er gleich seine erste, erniedrigende, obszöne Tätowierung erhalten soll.

Er soll Schwein auf die Brust bekommen, über dem Herzen zwischen Brustbein und Titte auf die schönste Stelle, leicht schräg. Unter der offenen Jacke wird man immer die ersten Buchstaben sehen und neugierig werden. Darum herum ein schwarzer Kreis wie bei Poststempeln, in dem eine Umschrift offen gelassen ist. Oben: ABRICHTUNG ZUM und unten: SEIT und das Datum an dem er mir zugelaufen war. Wenn seine Abrichtung mal abgeschlossen ist, kann man diese Umschrift schwärzen.

Der Tätowierer, verantwortungsbewusst wie immer, nimmt Rotz mit nach hinten, um herauszubekommen, ob er das wirklich will, nicht besoffen oder bekifft ist und so weiter. Auch muss er beweisen, dass er volljährig ist. Bevor er sich in den Stuhl setzt, öffnet er seinen einzigen Hosenknopf: „Ey, Drexau, komm mal mit deinem Maul und lenk mir ab.” Er macht wirklich nicht den Eindruck als ob wir ihn zu einer Dummheit angestiftet hätten.

Als er sich danach im Spiegel sieht, wird er von selbst wieder steif. Er zieht die Lederjacke an, die er nicht schließen kann. Man sieht ABRI… Schw… SEIT… – genug um neugierig zu machen.

Und dann entdeckt Rotz neben dem Spiegel ein Foto und ruft: „Det wil ick ooch! Berlin braucht mündije Bürjer. Ick loofe dafür jern Reklame.“

Wir erinnern ihn daran, dass er kein Hemd tragen darf und seine Jacke meistens offen lassen muss. Es ist ihm egal. Die Leute sollen mündiger werden. Also lässt er sich noch MAUL AUF! in einem Halbkreis um die Schwanzwurzel tätowieren, so, dass seine knappen Jeans es nicht verbergen können. Dabei braucht Drexau ihn diesmal nicht steif zu halten, das geht ganz von selbst.

Rotz strahlt. Er sieht ungeheuer verdorben aus und ist darauf mächtig stolz. Das Adrenalin kreist, weil es nun kein Zurück mehr gibt.

Leider muss aber erst einmal ne Frischhaltefolie drauf. Wir schicken ihn ein paar Tage in seine WG, zum Abheilen. Drexau und ich verbringen den Rest des Tages im Tiergarten.

Proviant

Auf dem Weg dahin bekommt Drexau Hunger. Da er kein eigenes Geld hat, ist er auf mich angewiesen. An der Frittenbude auf dem Wittenbergplatz bestelle ich für mich eine Currywurst mit Pommes zum Mitnehmen und für Drexau eine Portion Pommes mit extra viel Mayonnaise und eine Currywurst mit extra viel Soße. Drexau muss beide Gummistiefel ausziehen, und ich schütte seine beiden Portionen hinein. Er wird knallrot und beginnt zu zittern. Der Kerl in der Bude grinst.

Hinter geschlossenen Türen ist Drexau hemmungslos in seiner Versautheit. Auf der Straße fasst er mir und Rotz an die Eier, sobald niemand hinschaut. Aber wenn „normale” Leute zusehen, hemmen ihn Reste von Menschenwürde.

Unter Kopfschütteln der Leute und allerlei Bemerkungen zieht er seine Stiefel wieder an, und wir fahren mit dem Bus zum Tiergarten. Auf dem Weg von der Haltestelle esse ich meine Portion genüsslich auf, während Drexaus Stiefel bei jedem Schritt schmatzen und blubbern. Er gewöhnt sich daran und, wie man durch seine Gummihose sieht, gefällt es ihm immer besser. Aber er hat Hunger. Ich sage, dass er erst auf der Männerliegewiese fressen darf.

Nicht ohne Hintergedanken wähle ich unseren Lagerplatz auf der Wiese. Es gibt zwei Trampelpfade, auf denen Männer im Gebüsch verschwinden, wenn sie pissen wollen. Vor dem einen lassen wir uns nieder, neben einer Gruppe ziemlich derber Skinheads, denen offenbar ein Spanier und ein Amerikaner zugelaufen sind, die allerlei Fragen über Berlin stellen, ein jeglicher in seiner Art Englisch. Ich ziehe mich aus und gebrauche meine Stiefel als Kopfkissen.

Drexau darf sich nun die seinen ausziehen. Er soll erst fressen, was an seinen Füßen klebt, und danach die Stiefel leeren. Dazu hat er nur seine Hände und sein Maul. Er schämt sich. Nicht so sehr vor den Skinheads als vor den ziemlich spießigen Tucken die hier auch liegen, mit viel Gepäck, und sich ständig mit Sonnencreme einreiben, und vor den Touristen, die sich hin und wieder hier her verirren und entweder glotzen und zeigen oder krampfhaft wegschauen. Vielleicht schämt er sich auch nicht, ist aber jedenfalls unsicher. Er muss lernen, dass nicht er, sonder ich darüber nachdenken muss, ob man das hier machen kann. Er muss lernen, sich wohl zu fühlen im Zustand totaler Würdelosigkeit: eine entmenschte Sau, die geilt, weil sie nicht tiefer sinken kann.

Die Ausländer nebenan glotzen auch, und die Skinheads lachen. Ich sage: „We are pigs. You may take photos if you like. You may also piss on him. He kicks on piss. It’s written on his shirt, as you see.” Drexau wird schon wieder rot. Zugleich rührt sich sein Schweinepimmel. Die Skinheads lachen, und der Spanier errötet ebenfalls. Interessant…

Tier-Garten

“Warme un kalte Jetränke” – der Mann mit dem Kastenrad. Ich kaufe mir ein Bier. Drexau hat auch Durst, nach all dieser salzigen Soße sowieso, bekommt aber vorläufig kein Bier. Als wieder einmal ein Mann ans uns vorbei will um im Gesträuch sein Wasser zu lassen, spreche ich ihn an: „Das Pissschwein hier neben mir hat Durst. Wollen Sie ihm nicht in die Fresse pissen? Oder sich tropffrei die ganze Blase leertrinken lassen? Wär’ doch schade, wenn alles hier im Boden versickert.” Der Mann ist zuerst überrascht, fängt sich aber schnell und sagt: „Na dann komm mit!” Beide verschwinden im Gebüsch. Nach kurzer Zeit lässt sich Drexau mit nassem Hemd neben mich fallen und rülpst.

Als etwas später ein geiler Punker auf das Gebüsch zusteuert, springt Drexau auf und kniet sich mitten auf den Trampelpfad, nur teilweise von Sträuchern verdeckt. Seine Scham beginnt sich zu verlieren. Der Punker zögert nicht lange, lässt sich tropffrei leertrinken und sagt dann: „So, Alter! Jetzt leck mir noch die Eier. Die schwitzen so.” Drexau gehorcht sofort und bleibt knien, wo er ist, als der Punker wieder zurückgeht. Nun spricht sich herum, was da im Busch kraucht, und bald kommen zwei Kumpels des Punkers. Einer lässt sich leertrinken, während der andere Drexau von hinten einpisst. Auf dem Rückweg fragt er mich: „Darf so ne Sau ihr Hemd eigentlich waschen? Es stinkt kaum nach Pisse.” Ich antworte: “Er darf machen, was er will, hat aber kein Geld und keine Waschmaschine.” Der Kerl fragt, ob er das Hemd mal ne Stunde ausleihen darf. Er bekommt es, wringt es aus, zieht sich seine Hose an und fährt mit dem Fahrrad weg. Er scheint hier in der Nähe zu wohnen.

Als er wiederkommt, sind auf dem Hemd schön sichtbar die Pflegesymbole für „nicht waschen” und „nicht chemisch reinigen” aufgetragen: hinten, oben im Nacken, und vorne, unten am Bund. Nicht zu groß. Die Botschaft ist unaufdringlich, aber deutlich. Ich sage: „Klasse! Da braucht man nicht mehr umständlich nachzudenken.” Wieder mal einer, der mitdenkt.

Er schaut sich meine Weste genau an, denn sie gefällt ihm, und er will sich auch so eine machen.

Zulauf

Inzwischen wird überall geredet und zu uns hergeschaut. Und dann sammeln sich auf einmal zehn, zwölf Männer, kommen heran, stellen sich um uns herum und pissen uns alle zugleich ein. Sie stehen dicht an dicht, vielleicht kann man von außen nicht sehen, was geschieht, aber dann sickert es zwischen ihren Stiefeln hindurch. Ich räkle mich genüsslich. Ich spritze mir meinen Saft auf die Brust. Da fangen ein paar auch an zu wixen und spritzen den ihren dazu. Es ist schön, ein Schwein zu sein!

Die Skinheads von nebenan brechen auf. Der Ami ist schon eher verschwunden. Nun schaut der Spanier schüchtern zu uns her. “Come here, if you like.” Er strahlt, hockt sich neben uns, heißt Rico und tut, als ob er nicht merkt, dass er in einer Pisspfütze kauert. “We will stay here some more time. Lay down.” Er legt sich neben Drexau ins nasse Gras. Er hat überall schwarze Haare: auf dem Kopf halblang, einen dichten Dreitagebart mit Schnurrbart, aber auch auf Brust, Rücken, Armen und Beinen wachsen sie üppig. Ich kraule seine Brust. Drexau fängt an, unauffällig seine Weichteile zu streicheln.

Rico reist diesen Sommer durch Europa und war zuletzt in Amsterdam. Hier gefällt es ihm besser. Aber sein Geld ist alle, und er will morgen nach Hause trampen. Für einen Schlafplatz im Billighotel fehlen ihm noch zehn Euro. Er erwähnt das immer wieder. Aber ich lasse mich nicht anbetteln. Ist er wirklich ein Student, dem aus Geilheit das Geld ausgegangen ist, oder ein abgezockter Bettler oder gar Räuber? Die gibt es im Tiergarten angeblich auch. Man muss schon aufpassen.

Als die Sonne untergeht und er immer noch bei uns ist, stelle ich ihm ein Ultimatum: er darf mitkommen, auch mehrere Tage, aber dann wird er, wenn wir schlafen wollen, über dem Pissloch angekettet, damit er uns in der Nacht nicht meucheln oder berauben kann. Und er muss hier sofort sein Gepäck kontrollieren lassen.

Nun bekommt er es mit der Angst zu tun. Mitgehen mit Unbekannten? In der fremden Metropole? Aber sein Knüppel wird immer steifer. Für einen professionellen Schurken ist er eigentlich zu aufgegeilt.

Aber wir haben ja die moderne Technik. Er darf einem Freund in Spanien per MMS Fotos schicken vom Straßenschild und dem Haus, in das wir ihn mitnehmen. Und er darf ihm eine Internetadresse mitteilen, unter der der Freund online in meinen Stall schauen kann. Rico zittert vor Aufregung, telefoniert mit dem Freund und geht darauf ein.

Die Kontrolle von Ricos Rucksack bringt keine Überraschungen. Das typische Gepäck eines Studenten auf Reisen. Ich zerreiße alle vier Unterhosen und zwei ungeile T-Shirts: “Real men and pigs do not need such.” – “Yes, Sir. No Sir.” Er ist ziemlich durcheinander, aber immer noch steif. Er hat geile Schnürstiefel, aber auch ein Paar ausgelatschte Turnschuhe. Die muss er zusammen mit den Lumpen zum Papierkorb am Rand der Wiese bringen. Während er das tut, reiße ich das Hinterteil seiner einzigen Hose ein: ein Riss quer unter der linken Tasche bis zur Mittelnaht. Ich will immer eine Arschbacke sehen.

Dann zieht er auf Geheiß diese halblange Hose, seine Schnürstiefel und ein weißes Unterhemd an. Er fühlt immer wieder nach dem Riss, sagt aber nichts. Auch ich ziehe meine Hose, Weste und die Stiefel wieder an, und wir brechen auf.

An der Bushaltestelle bei den nordischen Botschaften setzt Rico sich auf die Bank. Ich trete hinter ihn und massiere seine Schultern. Er stöhnt genüsslich und merkt erst gar nicht, dass ich meine Pisse in seinen Halsausschnitt laufen lasse. Dann lehnt er sich zurück und schlägt seine Arme um meinen Rücken. Als Drexau seine Achselhöhlen sieht, fängt er sofort an zu lecken. Außer uns wartet niemand auf den Bus, da traut er sich. Ich reiße Ricos Unterhemd ein, sodass ich seine linke Titte kneten kann.

Als der Bus kommt, ist er voll Japaner. Wir stehen. Ich bugsiere uns so hin, dass Drexau die Achselhöhlen von Rico und mir dicht vor seiner Fresse hat, während wir uns an der Stange festhalten. Aber hier im Bus traut er sich wieder nicht, zu lecken. Er kommt ganz nahe, wahrscheinlich, um die Aufschrift auf seinem Pisshemd zu verbergen. Meinetwegen braucht er auch kein Kinderschreck zu werden, aber es sind gar keine Kinder im Bus, und die Japaner wissen doch bekanntlich sowieso, dass wir Schweine sind.

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