Kitabı oku: «Die Verlobte seines Bruders»
Die Verlobte seines Bruders
Die Verlobte seines Bruders
Copyright © 2020 von Jessa James
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, elektronisch, digital oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder durch irgendeine Art von Datenspeicherungs- und Datenabfragesystem ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Autors.
Veröffentlich von Jessa James
James, Jessa
Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author
Images/Photo Credit: Deposit Photos: VitalikRadko
Hinweis des Herausgebers:
Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.
Inhalt
1. Effie
2. King
3. Effie
4. King
5. Effie
6. King
7. Effie
8. King
9. Effie
10. King
11. Effie
12. King
13. Effie
14. King
15. Effie
16. King
17. Effie
18. King
19. Effie
20. King
21. Effie
22. King
23. Effie
24. King
25. Effie
Bücher von Jessa James
Also by Jessa James (English)
Über die Autorin
1
Effie
Das Leben ist nicht fair, oder?, dachte Effie, während sie mit ihren Fingern durch das hasenähnliche Fell der alten Ragdoll-Katze strich. Jedenfalls nicht für diesen Kater.
Effie beugte sich über das kühle Plastik der Maschine, während sie Dr. Yung beobachtete, die den Bildschirm anstarrte. Bei den meisten Aspekten ihres Jobs als Tierarzthelferin gab sich Effie cool, aber sie war nervös, als Dr. Yung das MRT beendete.
„Immer noch gleich?“, fragte Effie.
„Leider. Er hat noch keine Herzinsuffizienz entwickelt, aber die Arrhythmie ist gleichgeblieben. Aber wenigstens können wir seiner Familie sagen, dass er stabil ist.“
Dr. Yung streifte ihre Handschuhe ab, während Effie den trägen Kater hochhob. Der alte Kater blinzelte suchend in Effies Augen.
„Er hat die wundervollsten Augen. Wie eine Galaxie.“
„Tatsächlich finde ich, dass seine Augen deinen ziemlich ähnlich sehen“, meinte Dr. Yung.
Effie spähte zu der älteren Frau hoch. „Meinen Sie damit, meine Augen sehen wie die einer Katze aus, oder anders herum?“
„Beides, nehme ich mal an. Geh ruhig schon und stemple dich aus, wenn du ihn wieder in seiner Box verstaut hast. Ich werde mit der Familie reden. Der nächste Kunde hat abgesagt, also sind wir für heute fertig.“
Effie lockte den Kater in die Transportbox, die für kleine Hunde gedacht war. Er schien froh darüber zu sein, wieder in die abgeriegelte Sicherheit zurückkehren zu können.
Sie zog den Haargummi vom Ende ihres Zopfes, sowie sie in ihren Explorer rutschte. Sowohl die zweite als auch dritte Sitzreihe war nach hinten geklappt und auf dem gesamten taupefarbenen Interior gab es Beweise verschiedenster Tierhaare. Effie seufzte, während sie mit den Fingern durch ihren geöffneten Zopf kämmte und ihre dichten mahagonifarbenen Locken ausschüttelte.
Sobald sie das Auto angelassen hatte, vibrierte ihr Handy.
„Hi, Yaya“, sagte sie mit einem Lächeln, während sie den Lautsprecher anschaltete und vom Parkplatz der Tierklinik fuhr.
„Hi, Baby. Pós eísai? Gut?”
„Eímai kalá“, erwiderte Effie, sich bewusst, wie steif und unbeholfen ihr Griechisch klang.
„Ah! Du hast geübt!“, lobte ihre Oma in ihrem starken griechischen Akzent.
„Frag mich aber bloß nichts anderes, das ist so ziemlich das Einzige, das ich auf Lager habe“, sagte Effie lachend.
„Okay, okay. Ich war mir nicht sicher, ob ich dich noch erwischen würde. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, um wie viel Uhr du fertig bist.“
„Ich bin heute ein bisschen früher fertig geworden. Ein Kunde hat abgesagt.“
„Ich verstehe. Also was machst du gerade? Fährst du zu Thorne?“
„Wie hast du das nur erraten?“
„χρυσό μου, wo solltest du sonst hingehen? Zu deinem Freund oder zur Arbeit, das ist alles. Und das ist gut, so wie es sein sollte. Ich bin mir sicher, King wird sich freuen.“
„Tho – egal, vergiss es“, sagte Effie.
Sie biss sich auf die Lippe. Sie verspürte immer noch einen Stich in ihrem Herzen, wann immer jemand Kings Namen erwähnte. Es half auch nicht, dass es die ganze Zeit geschah.
Selbst wenn Yaya nicht auf dem Weg zu einer Demenz wäre, bedeutet, mit dem Bruder deines Ex‘ verlobt zu sein, nicht unbedingt, dass du seinen Namen nie wieder hörst, rief sie sich ins Gedächtnis.
„Wie geht’s dir, Yaya?“
„Oh, prima. Ganz prima. Denk dran, wir brauchen mehr Thymian. Kannst du welchen mitbringen? Clem, vergiss es dieses Mal nicht, ja?“
„Yaya, hier ist… okay, ja. Ich werde welchen besorgen.“
Sie schluckte die Proteste, die in ihr hochstiegen, als Yaya sie Clem nannte. Es war nicht das erste Mal, dass Effie mit dem Namen ihrer Mutter angesprochen worden war, und es würde auch nicht das letzte Mal sein.
Effie brauste an dem WILLKOMMEN IN GLENCO, ILLINOIS Schild vorbei und tastete in der Mittelkonsole blind nach einem Papierzettel. Während sie die Abfahrt zu Thorne nahm und an einem Stoppschild hielt, kritzelte sie sich eine Notiz.
Thymian kaufen.
Effie hatte keine Ahnung, ob ihnen der Thymian wirklich ausgegangen war, aber wenn Yaya in Kochlaune war, war fehlender Thymian ein ausgewachsenes Desaster. Sie zermarterte sich das Gehirn, wie das Gewürzregal das letzte Mal, als sie es gesehen hatte, ausgesehen hatte, aber sie konnte sich nicht daran erinnern.
„Und Oregano. Dieses Mal den in der Glasflasche. Plastik und Glas, das macht einen Unterschied, weißt du.“
„Ja, Yaya, ich weiß“, entgegnete Effie.
„Effie?“
„Ja?“
„Was ist los?“ Sie hörte die Sorge in Yayas Stimme, den Hauch von Klarheit, der ihr verriet, dass Yaya – zumindest für den Moment – einen klaren Kopf hatte.
„Nichts. Was meinst du?“
„Du klingst… ich weiß nicht. Traurig vielleicht. Was stimmt nicht?“
„Nichts, Yaya, wirklich.“
„Effie, ich kenne dich. Welchen Grund gibt es, traurig zu sein? Du hast einen perfekten Verlobten, der so höflich ist. Einen guten Job –“
„Yaya, mir geht’s gut. Wirklich. Ich bin nur müde. Es war ein langer Tag auf der Arbeit.“
Yaya seufzte. „Traurigkeit ist nicht hübsch.“
Effie fuhr fast geradewegs in den Kofferraum eines kleinen Mercedes Cabriolet, der in Thornes Einfahrt parkte. „Mist!“
„Effie!“
„Sorry, Yaya, ich muss Schluss machen. Ich bin gerade bei Thorne angekommen.“
„Nur, wenn du mir versprichst, dass du nicht traurig bist.“
„Das bin ich nicht. Ich verspreche es. Hab dich lieb.“
Effie beendete das Telefonat, während sie auf den Gehweg fuhr in dem Versuch, den SUV auf den begrenzten Platz zu lenken, der für das Parken am Straßenrand reserviert war. Sowie sie den Motor ausschaltete, öffnete sich der graue Himmel und ein Regenschauer setzte ein.
„Die Sonne wird rauskommen… irgendwann, richtig?“, murrte sie vor sich hin.
Der Regenguss kam plötzlich und heftig. Wegen der starken Wind- und Regenböen konnte sie die Tür kaum öffnen. Effie zog sich die Kapuze ihrer Jacke über den Kopf, ein dunkelbrauner Trenchcoat, der mit weißen Katzenhaaren übersät war.
Sie sprintete die maßgefertigte Steintreppe von Thornes nagelneuer Eigentumswohnung hoch, die mit bodentiefen Fenstern im Mid-century modern Stil gebaut worden war. Selbst in dem wohlhabenden Vorort Chicagos am Nordufer war das Gebäude von Thornes Wohnung ein architektonisches Schmuckstück. Und ihm – nun, schon bald würden es ihnen heißen – gehörte das gesamte Penthouse und ein exklusiver Aufzug.
Effie überprüfte ihr Aussehen im Spiegel des Aufzugs, während dieser sie gen Himmel beförderte. Sie hasste es, dass sie sich darum Gedanken machte, aber Thorne hatte mehr als einmal klargestellt, dass er, oder vielmehr seine Eltern, gewisse Dinge von ihr erwarteten.
Wie zum Beispiel nicht voller Tierhaare nach Hause zu kommen, dachte sie.
Als die Aufzugtüren aufglitten, griff ihre Hand automatisch nach dem vertrauten Bronzegriff, doch die Wohnungstür stand sperrangelweit offen.
„Thorne?“, rief sie. In einem der hinteren Zimmer konnte sie das Hämmern von Musik hören. Dua Lipa stöhnte aus Thornes Stereosystem. Das dämliche Teil, das mit einem Preis kam, der so hoch war, dass es Effie kaum ertragen konnte, von den Kosten zu hören. Vor allem wenn Thorne dann auch noch vor Freunden mit seinen neuesten Käufen prahlte oder auf Instagram Fotos mit zu vielen Filtern postete.
„Thorne!“, rief sie erneut.
Sie lief durch den Flur, dessen eine Seite mit Spiegeln dekoriert war und die andere mit einer Mischung von Fotografien in Sterlingsilber- und Kristallrahmen. Sie kannte jedes der Fotos in- und auswendig und wusste auch genau, wo sie nicht hinschauen sollte.
Auf zwei der Fotos war King zu sehen. Eines der Fotos war aufgenommen worden, als sie noch zusammen gewesen waren, aber natürlich war sie nicht auf diesem Foto zu sehen. Es war von einem Familienosterbrunch im Alinea in der Stadt. Aber King hatte das Hemd getragen, das sie ihm gekauft hatte, kurz bevor sie miteinander Schluss gemacht hatten.
Das passiert nun mal, wenn man zwei Männer aus der gleichen Familie datet, dachte sie müßig. Es machte Familienfotos unangenehm, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Effie ließ ihre Augen über die förmlichen Verlobungsfotos von sich und Thorne schweifen. Ihre Mom und Yaya hatten die gleichen Fotos in ihrem kleinen, unscheinbaren Häuschen. Es waren wunderschöne Fotos, aber sie hätte schwören können, dass ihr das Paar auf den Fotos völlig fremd war. Ihre zueinander passenden falschen Lächeln sahen allerdings absolut perfekt aus.
Die Musik wurde lauter, als sie sich dem Schlafzimmer näherte, dessen Tür leicht geöffnet war.
„Thorne?“, fragte sie, während sie die Tür aufstieß. Sie sah seinen breiten, nackten Rücken, der über die Bettkante gebeugt war. „Was machst du –“
Er drehte sich abrupt um, gerade als eine Frau ihren Kopf zwischen seinen Beinen hervorzog. Die Frau wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, während Thorne ihre Haare aus seiner Faust entließ.
„Effie! Was zum Henker – warum bist du nicht auf der Arbeit?“
„Ich?“, fragte sie, überrascht, wie leise und angespannt ihre Stimme klang. „Was machst du… wer ist sie?“
„Was ist hier los?“, wollte die Frau wissen, während sie hastig nach etwas suchte, mit dem sie sich bedecken konnte. Effie konnte einfach nicht den Blick von ihr abwenden. Es war, als würde sie in einen Spiegel schauen. Die gleichen dichten, rötlich braunen Haare. Die strahlend blauen Augen. Die gleichen vollen Brüste.
„Thorne, was zum Teufel?“, kreischte die Frau. „Du hast gesagt, ihr habt euch getrennt!“
„Ich – ich hab das nie gesagt“, widersprach Thorne. Er blickte von einer zur anderen. „Effie, du musst mir glauben, ich habe nie gesagt, dass –“
„Mir ist schnuppe, was du gesagt hast“, entgegnete Effie. Sie wollte schreien, weinen, aber es fühlte sich an, als würde alles in ihrer Brust feststecken. „Mir ist egal, was du ihr erzählt hast! Warum hast du… wie lange… egal“, sagte sie. „Vergiss es.“
Effie drehte sich um und knallte die Tür hinter sich zu. Als sie durch den Flur hastete, konnte sie die Frau schreien und Glas zerbrechen hören.
Mach ihn fertig, dachte sie bei sich. Wenn sie sich nicht dazu bringen konnte, den Zorn auszudrücken, den er verdiente, dann sollte das ihre Doppelgängerin übernehmen.
Sie schloss sich in der Bibliothek ein und zerrte eine der Ledertaschen aus dem Schrank. Effie war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, dass die Dinge, die wirklich ihr gehörten und die sie am meisten mochte, Thorne in das kleinste Zimmer der Wohnung verbannt hatte. Es war im Grunde genommen nur ein Schrank, wenn auch ein hübscher. Sie stopfte ihre USB-Sticks und Laptop in die Tasche, die Flasche Parfüm, die ihre Yaya vor Jahren aus Griechenland mitgebracht hatte, und den Stapel ihrer Lieblingsliebesromane.
Vergiss die Klamotten und das Make-up, dachte sie. Verschwinde einfach.
Als sie den Reißverschluss der Tasche zuzog und die Bibliothek verließ, konnte sie hören, dass die zwei im Schlafzimmer nach wie vor zu Gange waren. Sie konnte nicht sagen, ob sie stritten oder vögelten, aber es interessierte sie auch nicht. Sie musste von hier wegkommen, so schnell wie möglich.
Effie hämmerte mit dem Daumen auf den Aufzugknopf. Tränen fingen an, in ihren Augen zu brennen, aber sie wollte verdammt sein, wenn sie weinen würde, ehe sie es zu ihrem Auto geschafft hatte.
„Effie!“, hörte sie Thorne brüllen, als er ansetzte, ihr durch den Flur mit schweren Schritten hinterherzurennen. „Effie, stopp! Lass uns darüber reden, das Ganze ist total aus dem Zusammenhang gerissen –“
Bitte geh zu, betete sie, während sie beobachtete, wie er um die Ecke zum Aufzug bog, nackt und immer noch halb-steif. Bitte geh zu.
Als befände sie sich in einem perfekt getimten Film, glitten die Aufzugtüren zu, als er nur noch Zentimeter entfernt war.
Effie rannte zum Auto, die Kapuze abgesetzt und ließ den starken Illinois Regen auf ihren Kopf trommeln. Sie schloss sofort die Tür ab und fuhr, ohne nachzuschauen, vom Straßenrand weg. Hinter ihr hupte es laut und sie sah einen weißen Escalade, der scharf nach links schwenkte, damit er nicht in sie krachte.
„Drei Jahre“, sagte sie laut, während sie die Tränen, die über ihre Wangen strömten, wegwischte. „Drei gottverdammte Jahre.“
Das war eine lange Zeit, um sie mit jemandem zu verbringen und zu verschwenden. Und das nachdem sie ihre gesamte Highschoolzeit mit King zusammen gewesen war!
Oh, die Jahre, die ich an die Smith Brüder verschwendet habe. Sollen sie doch beide zur Hölle fahren.
„Ich bin eine verfluchte Idiotin“, schimpfte sie und dachte sich, dass sie einen Drink brauchte.
Effie suchte in dem kleinen Arsenal an Boutiquen in Thornes Viertel nach irgendeiner Art von Bar. Irgendetwas, das keine zwanzig Dollar Cocktails und Entrees, die einen Tageslohn kosteten, anbot, würde ihr genügen. Doch in Thornes schickimicki Viertel gab es nichts, das auch nur annähernd an das herankam, was sie jetzt brauchte.
Was sie eigentlich am meisten brauchte, war ein Ort, an den sie verschwinden konnte.
Schließlich fuhr sie zu einem kleinen Tapas-Laden, der mit seiner Happy Hour warb. Effie parkte ganz hinten auf dem Parkplatz und beobachtete, wie ein makellos gekleidetes Paar kreischte, als der Valet die Türen mit gigantischen schwarzen Regenschirmen öffnete.
Sie konnte das Bild dieses Betrügers einfach nicht aus ihrem Kopf kriegen. Der Gedanke an ihre Doppelgängerin, die über Thornes Schenkel spähte, trieb ihr die Tränen in die Augen. Sie spürte, wie Zorn in ihrer Brust anschwoll, an der Innenseite ihrer Kehle kratzte und verzweifelt versuchte, zu entwischen.
„Wie konntest du mir das antun?“, schrie sie in der leeren Fahrerkabine des Autos. Endlich hatte sie ihre Stimme wiedergefunden.
Sie war nicht dumm gewesen. Als Thorne sich anfangs an sie rangemacht hatte, hatte sie gewusst, dass er es nur tat, um King eins auszuwischen. Immerhin hatten sie und King sich erst einen Monat zuvor getrennt.
Da war sie gewesen, hatte in einem Starbuck‘s gesessen und in ihr Getränk gestarrt. Hatte darüber nachgedacht, dass King sie kein einziges Mal angerufen oder ihr geschrieben hatte in dem Monat, seit er gegangen war.
Er hatte sie vollkommen vergessen, obwohl er sie die Liebe seines Lebens genannt hatte. Als sie an jenem Tag also seine große Gestalt gesehen hatte…
Sie konnte sich eingestehen, dass sie mehr als ein wenig deprimiert gewesen war, als sie realisiert hatte, dass es sich um Thorne handelte. Und er war auf der Suche nach ihr gewesen, um ihr einen Vorschlag zu unterbreiten.
Effie musste zugeben, dass ein Teil von ihr die Idee gemocht hatte. Sie hatte sich sogar ein wenig daran erfreut. Wenn sie und Thorne gemeinsam King verärgern konnten, warum nicht?
Es war ja nicht so, als würde King herumstehen und auf sie warten. Er war längst fort.
Sie hatten diesbezüglich nie etwas laut besprochen, aber es war eine Art stillschweigendes Einverständnis. Dann war die Sache komplizierter geworden. Chaotischer.
Als Thorne ihr nach drei Monaten gestanden hatte, dass er sie liebte, hatte sie das erwidert, weil sie bereits mitten in einer Beziehung gesteckt hatten. Außerdem hatte ihre Mom sie beharrlich in seine Richtung gedrängt.
„Aber er ist Kings Bruder!“, hatte sie protestiert. Sie erinnerte sich noch deutlich an jene Nacht. Effie hatte noch immer ihre Robe von der Highschoolabschlussfeier getragen.
„Ja und?“, hatte ihre Mom gefragt. „Du und King, das war nichts. Eine Schwärmerei. Thorne ist der Respektable. Der Erwachsene. Und seine Familie liebt dich bereits!“
„Mom –“
„Bei Beziehungen geht es nicht nur um zwei Leute“, hatte ihre Mom gesagt, was Effie dazu gebracht hatte, den Mund zuzuklappen.
Drei Jahre später hatte Thorne ihr einen Antrag gemacht. Thorne hatte sie, ihre Mom und Yaya zu einem edlen Restaurant ausgeführt, wo er für alle bestellt hatte. Bevor die Appetizer serviert worden waren, hatte sich Thorne über den Tisch gebeugt und die Hand ihrer Mom genommen.
„Ich möchte, dass du weißt, dass Effie und ich heiraten? Das bedeutet, dass ich mich auch dir verpflichtet habe. Und Yaya. Ihr müsst euch um nichts mehr Sorgen machen. Ich werde mich um euch kümmern.“
Als ihrer Mom Tränen in die Augen getreten waren, hatte Effie gewusst, dass sie das Richtige tat. Außerdem war Thorne ein ganz anständiger Kerl. Zumindest hatte sie das gedacht.
„Kümmerst du dich etwa so um mich? Um uns?“, fragte sie, doch das leere Auto gab ihr keine Antwort. „Arschloch!“
Das Wort, das nur selten über ihre Lippen kam, ließ sie erschaudern.
Wag es ja nicht, wegen ihm zu weinen, schimpfte sie sich. Keine einzige Träne!
Effie schniefte und blickte durch den Regenvorhang auf das Restaurant. So richtig es sich momentan auch anhörte, sie konnte sich nicht dazu überwinden, jetzt etwas zu trinken. Am allerwenigstens an einem öffentlichen Ort umringt von glücklichen Pärchen.
Stattdessen nahm sie ihr Handy in die Hand und scrollte zu MOM.
„Mom?“, fragte sie, als ihre Mom ein verschlafenes „Hallo?“ ins Handy nuschelte. „Wo bist du?“
„Auf einem Debütantinnenball, wo denkst du denn?“
Effie hörte den Ärger in der Stimme ihrer Mom.
„Mom, ich muss auf eine Geschäftsreise zu einer Konferenz. Es ist wirklich kurzfristig, ich habe erst heute davon erfahren. Kannst du dich um Yaya kümmern? Wir… wir haben keinen Thymian mehr. Und vielleicht auch keinen Oregano.“
„Effie, ernsthaft? Jetzt ist kein guter Zeitpunkt. Du wohnst noch nicht bei Thorne, weißt du. Du wohnst hier. Bei uns. Wo du gewisse Verantwortungen zu übernehmen hast.“
Was zum Teufel machst du denn sonst noch, außer dich den ganzen Tag im Haus einzuschließen und fernzusehen?
„Es tut mir leid, aber das ist wirklich wichtig für meine Karriere –“
„Du bist eine glorifizierte Tierfriseurin, Effie. Was für einen Notfall könnte es da schon geben?“ Effie hörte, wie der Hörer auf der anderen Seite auf die Gabel geknallt wurde. Manchmal glaubte sie, dass ihre Mom nur zu diesem Zweck das Festnetztelefon behielt.
„Scheiß drauf“, sagte sie. Sie startete ihren Wagen und versuchte, zu entscheiden, wohin sie fahren sollte.
Es wurde dunkel und die Straßen zurück zu ihrer Wohnung wären mittlerweile von der Rush Hour verstopft. Sie brauchte einen Ort, an den sie gehen konnte und der außerhalb der Stadt lag. Sie erwog, ein Hotelzimmer zu mieten, aber die Vorstellung, so viel Geld auszugeben, wenn die Zukunft so ungewiss war, machte sie nervös. Sie ging ein paar Ideen durch und verwarf einige Orte und dann kam ihr ganz plötzlich eine mögliche Lösung.
Die Smith Familienhütte.
King hatte sie in der Highschool unzählige Male zu dem kleinen, nicht weit entfernten Rückzugsort in den Hügeln mitgenommen. Dort hatte sie ihre Jungfräulichkeit verloren.
Effie durchwühlte das Handschuhfach und hoffte entgegen aller Vernunft, dass in der kleinen Ersatzschlüsselschachtel der Hüttenschlüssel lag. Sie schnappte sich die Schlüssel und seufzte fast vor Erleichterung, als sie ihn sah.
Ein großer goldener Schlüssel mit dem Schildchen „Hütte“ hing an einem kleinen Kiefernschlüsselring.
Sie fuhr vom Parkplatz, ihr Ziel in Stein gemeißelt.
Zu dem Zeitpunkt, als sie auf den Schotterparkplatz fuhr, war es dunkel. Doch als sie in die vertraute Hütte mit ihrer himmelhohen Kathedralendecke trat, wurde sie sofort von der Wärme getröstet. Effie entzündete ein Feuer und suchte im Weinlager nach einem vollmundigen Dessertwein. Etwas, das sie betrunken machen und zugleich mit Zucker versorgen würde.
Sie ringelte sich neben dem Feuer ein und wickelte sich in eine dicke Pendleton Wolldecke. Doch gerade, als sie es sich gemütlich gemacht hatte, tauchte das Bild von Thorne, der irgendeine fremde Frau vögelte, in Effies Gehirn auf und ging einfach nicht wieder.
In Ordnung, sagte sie sich widerwillig. Du kannst ein bisschen weinen. Nur für ein paar Minuten.
Sie begann, darüber nachzudenken, wie sehr sie und Thorne miteinander verbunden waren, wie sehr sie sich erlaubt hatte, sich auf ihn zu verlassen in Bezug… nun, auf alles. Das Ganze zu klären würde so gut wie unmöglich werden.
Und das schloss noch nicht einmal ihre bevorstehenden Eheversprechen mit ein. Erst letzte Woche hatten sie eine Anzahlung für einen Veranstaltungsort für die Feier geleistet.
Meine Güte, was für ein Schlamassel!
Als sie schließlich die halbe Flasche getrunken hatte, hatte sie sämtliche Tränen vergossen. Erschöpft schlief sie ein, während das Licht der Flammen über ihr geschwollenes Gesicht leckte.
2
King
King ächzte und rollte sich im Bett herum. Die Kühle der Seidendecke konnte seine Schmerzen nicht lindern. Er verzog schmerzerfüllt das Gesicht, als er die blauen Flecken, frisch und neu, auf seinen Rippen erblühen spürte. Während er sich nach oben stemmte, verflog die Taubheit, die der Schlaf geboten hatte, vollständig.
King stellte sich vor den Spiegel, der mit dickem Holz umrahmt war, um zur Familienhütte zu passen, und begutachtete seine Rippen. An manchen Stellen bedeckten die Blutergüsse einen Teil seiner Tinte fast vollständig und verwandelten seine Tattoos in Schemen.
Während er mit seiner Hand über die Wölbungen seines Bauches strich, verspürte er einen Hauch Lust, der sich mit dem Schmerz vermischte.
„Das ist der Preis, den du bezahlen musst“, teilte er seinem Spiegelbild mit.
Die grauen Augen im Spiegel starrten ihm entgegen. Effie hatte ihm früher immer gesagt, „Der Himmel ist heute wütend“, wenn sie zu ihm aufgeblickt hatte. Er hasste es, dass sie ihn so mühelos hatte lesen können.
King betrachtete sich noch eine Minute im Spiegel, dann ging er ins Bad. Die Dielen unter seinen nackten Füßen knarzten wie das Jammern weitentfernter Gespenster.
Er drehte den Wasserhahn über der Badewanne auf in der Absicht, sich kurz zu Duschen. Doch während er darauf wartete, dass das Wasser warmlief, konnte er nicht aufhören, über die Vergangenheit nachzudenken.
Als King die Mafiabosse in L.A., für die er die vergangenen Jahre gearbeitet hatte, verlassen hatte, hatte er gewusst, dass er einen Preis dafür bezahlen würde. Er hatte nur nicht gewusst, wann diese Bezahlung eingefordert werden würde. Doch sowie er die Schlägertypen auf dem Parkplatz gesehen hatte, hatte er es gewusst.
Er hatte einst einen Anzug getragen, der genau wie die ausgesehen hatte, die sie getragen hatten.
„King Smith?“, hatte einer gefragt.
King hatte nicht geantwortet. Er hatte sich einfach nur umgedreht, um in Empfang zu nehmen, was auch immer sie für ihn bereithielten.
Der erste Schlag war immer der schlimmste. Derjenige, der sich nach seinem Namen erkundigt hatte, war jung gewesen, gerade mal achtzehn, und mehrere Zentimeter kleiner als King, aber gebaut wie ein Stier. Sowie er die harten Knöchel an seinem Kiefer gespürt hatte, hatte sich ein Kupfergeschmack in seinem Mund ausgebreitet.
„Was zum Teufel stimmt mit dem Typen nicht?“, hatte er einen der anderen fragen gehört, als seine Knie auf dem Asphalt aufgeschlagen waren.
Er hatte nicht mehr zwischen Fäusten und Tritten unterscheiden können, sie waren auf seinen ganzen Körper niedergeprasselt. Ein Schauer wütender Schläge und Hiebe. Es hatte sich angefühlt, als würde sich sein ganzer Kopf mit Blut füllen, und das Geräusch einer Rippe, die gebrochen wurde, hatte wie das Knacken eines Astes geklungen.
Aber King hatte sich geweigert, sich zu wehren. Das hätte es nur noch schlimmer gemacht. Selbst durch den zugeschwollenen Spalt seiner Augen hatte er den jüngeren innehalten sehen können, als sie fertig gewesen waren.
King kannte diesen Blick. Der Kerl fragte sich, ob er noch einen letzten guten Treffer platzieren sollte, wie es die Bösewichte in den Filmen immer taten. Der Treffer, der Kings Kiefer ausrenken oder seine Nase zertrümmern würde.
Er war sich nicht sicher, ob er sich richtig daran erinnerte, oder ob er sich einfach nur wünschte, dass er es getan hätte – aber er glaubte, dass er seinen Kopf gerade so weit angehoben hatte, um dem Kerl ein gutes Ziel zu bieten. Doch letzten Endes war der junge Mann mit dem Rest der Crew davongegangen.
King erschauderte in dem Bad, während er sich aus seinen Klamotten schälte und in die dampfende Dusche trat. Draußen war es arschkalt, eine Art finales Fick dich, weil er in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Heute Abend wurde mit heftigem Schneefall gerechnet.
Was überhaupt erst der Grund dafür gewesen war, dass er sich dazu entschieden hatte, zur Hütte zu fahren. Das und es war das einzige Wohneigentum, das er theoretisch gesehen besaß. Selbst wenn Thorne oder seine Eltern herausfänden, dass er hier war, gab es rein gar nichts, das sie deswegen unternehmen könnten.
Er seifte sich ein, anstatt sich über Thorne aufzuregen und darüber was für ein stehlender, hinterhältiger Drecksack sein kleiner Bruder war. Von Thorne und ihrem Politiker-Vater wegzukommen, war das Beste, das King hatte tun können. Auch wenn es ihn einige Dinge gekostet hatte.
Wie beispielsweise Effie, dachte er.
Er schnitt eine Grimasse. Er strengte sich an, an etwas anderes, irgendetwas anderes zu denken. Er ertappte sich dabei, wie er sich abermals die Vergangenheit durch den Kopf gehen ließ.
Beinahe zwei Jahre lang war King ein Mittelsmann für die Bosse gewesen. Das war seine Rolle gewesen. Er war lang genug der Bösewicht, das Schreckgespenst gewesen, dem niemand in einer dunklen Straße begegnen wollte. Und anfangs war es auch aufregend gewesen.
King konnte sich noch immer an das erste Mal erinnern, als er sich persönlich mit einem der Bosse getroffen hatte. Es hatte Wochen gedauert, in denen er sich mit rangniedrigen Mitgliedern getroffen hatte, während diese ihn überprüften und versuchten, hinter seine Motive zu kommen. Als King dem dickbäuchigen Mann mittleren Alters in dem privaten Esszimmer im Everest, von dessen Existenz er nicht einmal gewusst hatte, gegenüber gesessen hatte, war das eine kleine Enttäuschung gewesen. Der Boss hatte milchig blaue Augen gehabt und eine Haut wie Krepppapier. Kein bisschen wie Marlon Brandos Der Pate.
„King Smith. Was für ein Name ist das?“, hatte der Mann gefragt.
„Das ist der Name, den mir meine Eltern gegeben haben. Sir“, hatte er noch schnell angehängt.
„Ja, deine Eltern. Die modernen Kennedys Chicagos“, hatte der Boss mit einem leisen Lachen erwidert, dass sich leicht mädchenhaft angehört hatte. „Ich habe schon so einige reiche Privatschüler gesehen, die darauf aus waren, die andere Seite auszuprobieren. Geht es hier darum? Musst du deinem Daddy etwas beweisen? Bist du zu gut für sein Geld?“
Kings Gesicht war heiß geworden. Er hatte gehofft, dass es im Dämmerlicht des Restaurants, ein Bodyguard auf jeder Seite des Bosses, niemand bemerkt hatte.
„Nein, Sir“, hatte er erwidert. „Ich möchte einfach mein eigenes Geld verdienen.“
„Beste Schuldbildung. Belesen, gute Abstammung. Ich könnte mir vorstellen, dass du ein sehr angenehmes Leben führen könntest, indem du für das Familiengeschäft arbeitest. Wie ich höre, ist es sogar auf einem aufsteigenderen Ast als meines. Vetternwirtschaft einmal ausgenommen, aber in jedem Geschäft gibt’s Politik. Familie hin oder her.“
Der Boss hatte genickt, als der Kellner eine Flasche Scotch präsentiert hatte. Zwei Fingerbreit waren elegant in Kristalltumbler gegossen worden.
„Macallan 1952“, hatte der Boss gesagt, während er das Kristall an seine Lippen geführt hatte.
King war seinem Beispiel gefolgt und hatte das bernsteinfarbene Feuer durch seine Kehle brennen lassen, nachdem er es sechs Sekunden auf seiner Zungenspitze behalten hatte, um es dämpfen.
„Gut und selten“, hatte King entgegnet.
Der Boss hatte gelächelt. „Du bist vertraut mit dem Jahrgang.“
„Es ist Macallans bester.“
„Das hat man mir zumindest erzählt. Wenn es nicht darum geht, deinem Daddy eins auszuwischen, worum geht es dann? Warum möchtest du für mich arbeiten?“
Genau darauf hatte sich King vorbereitet.
„Sie haben recht“, hatte er eingeräumt, nachdem er tief Luft geholt hatte. „Es hat etwas mit meinem Vater zu tun, aber es ist kein Racheakt. Ich… ich will nicht wie er sein.“
Der Boss hatte sich nach hinten gelehnt, während Kaviar an den Tisch gebracht worden war. „Und warum ist das so?“
„Ich habe einen Bruder“, hatte er erklärt, aber sich gerade noch gestoppt, bevor er Thornes Namen ausplaudern konnte. Nicht, dass er das hätte tun müssen. Der Boss wusste alles über ihn. „Und in unserer Familie waren wir immer Yin und Yang.“
„Der Engel und der Teufel“, hatte der Boss gesagt, während er einen kleine Klecks Kaviar auf seine Faust gelöffelt hatte. „Wie originell. Und lass mich raten, wer du bist.“
King hatte nichts gesagt. Der Boss hatte ihm keinen Kaviar angeboten. Stattdessen sah King dabei zu, wie der Boss ein vollständiges Viergänge-Menü genoss, während ihm nichts angeboten wurde, nicht einmal ein zweites Glas des vierzigtausend Dollar teuren Scotch.
Als der Boss zufrieden gewesen war, hatte er zu King geschaut.
„Du fängst heute Abend an“, hatte er verkündet und sich erhoben.
Und so begann es, dachte King. Die ganzen Erpressungen, Bestechungen, Nötigungen, von denen man nur träumen konnte, haben einfach nur darauf gewartet, dass ich diesen Anzug anlegte.
Er stieg aus der Dusche und schaltete das Wasser ab. Nachdem er sich in ein Handtuch gewickelt hatte, eilte er zurück zum Schlafzimmer, um sich anzuziehen.
Jetzt wurden die blauen Flecken nicht mehr von Schnitten und offenen Wunden begleitet. Sie hatten diese Phase dumpfen Schmerzes erreicht. Die Mittelsmänner des Bosses hatten sechs Monate gebraucht, um seine Schulden einzutreiben.
Die Blutergüsse standen ihm besser, als er zugeben wollte. Wenigstens konnte man auf diese Weise den Schaden sehen, anstatt ihn sich nur vorzustellen.
Der Bad Boy zu sein, war alles, was er jemals gekannt hatte, und er hatte diese Rolle sein Leben lang gespielt.
Thorne war immer der Gute gewesen, der Verantwortungsbewusste, derjenige, der alle Regeln befolgte und den Erwartungen der Familie so wunderbar gerecht wurde.
King seufzte. Gott sei gedankt für Melatonin, dachte er.
Das war das Einzige, das ihm auch nur die geringste Chance auf Schlaf bot, ohne dass er am nächsten Tag wie ein Zombie umherlief. Die ganze früh morgens aufstehen Geschichte war nichts für ihn.
Er brachte einige Minuten damit zu, im Schlafzimmer alles aufzuräumen. Das war eines der Dinge, die King an sich mochte. Pingeligkeit.
In Ordnung lag Trost. Seine Mundwinkel hoben sich, als er daran dachte, dass es nicht jeder zu schätzen wusste, wie sehr er es liebte, wenn alles seine Ordnung hatte. Das war etwas an ihm, das Effie nie verstanden hatte.
Es war eines der Dinge, die ihn wahnsinnig gemacht hatten. Dass sie ihre Handtasche auf die erste verfügbare Fläche hatte fallen lassen, wenn sie in ein Zimmer gelaufen war, oder dass sie ihre Schuhe einfach von den Füßen getreten hatte und sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, sie ordentlich an der Wand aufzureihen. Die Liebesromane, die sie überall mit Eselsohren hatte herumliegen lassen.
Aber dennoch. Es war Teil des Gleichgewichts, das Yin und Yang.
„Liebe ist eine Schwäche. Schwäche ist für Loser“, erinnerte er sich.
Jetzt zieh dich an, um Himmels willen.
King realisierte, dass er noch nicht ganz bereit war, seine Kleider anzuziehen. Er brauchte den nagelneuen Deoroller, den er auf seinem Weg hierher im Gemischtwarenladen gekauft hatte. Er befand sich noch in einer Plastiktüte, die an der Eingangstür hing.
Er befestigte das Handtuch wieder um seine Taille und machte sich auf den Weg durch den Flur. Der Geruch eines Holzfeuers flutete seine Nasenlöcher.
„Was zum Teufel?“ Er hätte schwören können, dass er das Feuer gestern Abend gelöscht hatte, aber als er das Wohnzimmer betrat, toste es wild im Kamin. „Scheiße!“
Ein Kopf schoss auf der anderen Seite der Couch in die Höhe. Kings Herz setzte beinahe aus. Er war sich sicher, dass das das Ende war.
Die letzten Prügel waren nur eine Aufwärmübung gewesen. Bei dieser würden sie nicht bei Blutergüssen aufhören, dessen war er sich sicher.
Und dann realisierte er, dass es sie war.
„Effie?“, fragte er unsicher. „Was…“
Sie schaute mit großen Augen zu ihm.
„King?“
Aus irgendeinem Grund fühlte er sich schrecklich entblößt, so wie er in nichts außer einem Handtuch dastand.
„Was zum Henker machst du hier?“, verlangte er zu wissen.
Es kam wütender heraus, als er beabsichtigt hatte.
„Sorry, ich… ich wusste nicht, dass du hier bist. Oder überhaupt jemand hier ist. Da war kein Auto – was ist mit dir passiert? Geht’s dir gut?“
Ihre Augen waren weit aufgerissen, während sie die Blutergüsse auf seiner Brust musterte.
„Was machst du hier?“, wiederholte er.
„Ich… ich weiß nicht“, antwortete sie leise.
Was hatte das zu bedeuten?
„Wie bist du reingekommen? Warte, vergiss das. Wo ist Thorne?“
„Er ist… nicht hier?“
Es war eine Frage, keine Antwort. Das verwirrte ihn nur noch mehr.
King verlagerte leicht sein Gewicht. Effies plötzliches Erscheinen hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. Natürlich hatte er Effie im Verlauf der Jahre einige Male gesehen. Er konnte ihr schließlich nur ein gewisses Maß aus dem Weg gehen, da sie die Person war, die praktisch an Thornes Seite klebte.
Er starrte sie an und sie starrte zurück.
„Bleib hier“, sagte er. „Ich bin gleich zurück.“
Während er sich anzog, ging er eine Liste an Dingen durch, die er sagen sollte. Dass sie hier war und ihn so überraschte, war das Letzte, das er brauchte.
Als er zurück ins Wohnzimmer stürmte, saß Effie auf der Couch mit einer dicken Decke um die Schultern. Er konnte das tief ausgeschnittene Satincamisole darunter sehen. Es war ziemlich weit in gefährliche Regionen hinabgerutscht, aber er weigerte sich, sich davon ablenken zu lassen.
Wen interessiert es schon, dass sie heißer ist als in der Highschool?
„Wo ist Thorne?“, fragte er.
Klasse. Das ist ein wirklich super Einleitungssatz.
„Er ist… er ist…“ Effie fuchtelte durch die Luft und brach dann in Tränen aus.
King sah sich im Zimmer um, doch da war niemand, der hätte helfen können.
Das ist genau das, was ich brauche, dachte er.
„Was ist los?“, wollte er wissen.
„Er betrügt mich!“, sagte sie zwischen Schluchzern.
Unbeholfen streckte er seine Hand aus und tätschelte ihre Schulter.
„Es ist okay“, sagte er. „Er ist –“
„Es ist nicht okay! Ich habe ihn verdammt nochmal mit einer anderen im Bett erwischt! Einer, die übrigens genauso wie ich aussieht.“
„Oh“, sagte er stirnrunzelnd. „Tja, ich schätze, das ist irgendwie gut.“
„Gut?“, fragte sie verärgert.
„Ich meine, wenigstens fühlt er sich zu dir hingezogen, oder?“ King konnte die Selbstgefälligkeit in seiner Stimme hören, aber kam nicht dagegen an. „Ich meine, so bleibt es irgendwie in der Familie. Darin seid ihr beide ja so gut.“
Er konnte sich einfach nicht stoppen. King war bis zu diesem Moment gar nicht klar gewesen, dass er während der vergangenen drei Jahre so viel Wut darüber gehegt hatte, dass sie mit seinem Bruder zusammen war.
„Du bist ein Arsch, weißt du das?“, fragte sie.
Effie stand auf und ließ die Decke auf die Couch fallen. Sie schnappte sich ihre Jacke, aber nicht ehe er sehen konnte, dass sie ihren BH zum Schlafen ausgezogen hatte. Die plötzliche Kälte, weil sie die Decke verloren hatte, ließ ihre Nippel unter dem dünnen Stoff sofort hart werden. Er spürte, wie sich sein Schwanz weiter unten regte, aber schob den Drang beiseite.
Sie verdiente das.
King hörte die Eingangstür knallen und ein Auto in der Einfahrt anspringen. Langsam schlenderte er auf die Terrasse. Seine Erektion weigerte sich sogar dann noch, sich zu legen, als ihr SUV außer Sicht verschwand.
Was zur Hölle soll ich jetzt tun?
3
Effie
Effie hatte gedacht, dass sie sämtliche Tränen vergossen hätte, doch zu dem Zeitpunkt, als sie das Ende der Einfahrt zur Hütte der Smiths erreichte, blendeten ihre Tränen sie.
Ich kann mich auf keinen Fall in der Nähe von so jemandem aufhalten.
Sie musste nicht einmal darüber nachdenken. Effie lenkte den SUV zum Startpunkt der vertrauten Wanderwege, die sie mit King während ihrer gesamten Highschoolzeit erkundet hatte.
Er tröstete sie, der Klang ihrer Schritte in der Wildnis. Genau wie als Teenager konnte sie mühelos die Laute im Wald, der die Außenbezirke der Stadt umgab, auseinanderhalten. Winterammer. Goldzeisig. Roter Kardinal.
Genau an diesem Ort hatte sie King während ihres Junior Years zum ersten Mal erzählt, dass sie Tierarzthelferin werden wollte. Er hatte gelacht und gescherzt, dass es gut sei, dass sich das unermüdliche Auswendiglernen der Vogellaute bezahlt machen würde.
Sie wusste, dass ihre Dansko Arbeitsschuhe mit Matsch verschmiert wurden, aber sie lief dennoch weiter. Dr. Yung würde ihr die Hölle heiß machen, wenn sie sie sähe, aber im Wald schien die Arbeit ein Leben entfernt zu sein. Effie hörte nicht zu laufen auf, bis sie bemerkte, dass die Sonne bald untergehen würde. Sie war erschöpft, aber ruhig.
Als sie sich dem Explorer näherte, begannen die Wolken am Himmel eine bedrohliche tiefgraue Farbe anzunehmen. Effie schaffte es kaum von dem verlassenen Parkplatz, bevor die ersten Regentropfen fielen.
Frierend hämmerte sie auf den Knopf für die Sitzheizung, bis diese auf voller Pulle lief. Sie brauchte eine Meile, bis sie in eine Gegend mit Handyempfang kam und ihr Handy erbebte zum Leben unter einer Flut angestauter SMS.
Die von Thorne löschte sie, ohne sie zu lesen. Ihre Mom hatte widerwillig zugestimmt, sich um Yaya zu kümmern.
„Wir haben keinen Thymian mehr“, hatte ihre Mom hinzugefügt.
„Dann kümmre dich drum“, schimpfte Effie leise, ehe sie mit einem schlichten gereckten Daumen antwortete.
Da waren keine Nachrichten von King.
Keine große Überraschung. Er war noch nie ein großer Fan von Handys gewesen, nicht einmal bevor er ihr ein Ultimatum gestellt und dann allein nach L.A. verschwunden war.
Der Regen hatte sich zu einer wahren Sturzflut entwickelt. Obwohl die Scheibenwischer auf die höchste Stufe gestellt waren, konnte Effie nicht weiter als ein paar Meter sehen.
Sie bog um eine Ecke, nur um von einem wild schwankenden Sedan mit Fernlicht begrüßt zu werden. Er hupte laut, während Effies Herz erstarrte. Instinktiv steuerte sie an den Straßenrand und stoppte nur Zentimeter von einer steilen Böschung entfernt, die zu einem Bach führte.
„Vergiss das“, sagte sie. Bei diesem Wetter würde sie Stunden brauchen, um nach Hause zu kommen – vorausgesetzt, sie brachte die Fahrt sicher hinter sich.
Nachdem sie das Auto gewendet hatte, fuhr sie langsam zurück zur Hütte.
„Bitte sei fort“, flüsterte sie, während sie den SUV auf die lange Einfahrt der Hütte lenkte. „Bitte sei fort.“
Was machte King überhaupt hier oben bei der Hütte? Laut ihren letzten Informationen hatte er die Kurve gekriegt und arbeitete in einem normalen, professionellen acht Stunden Job. Sie hatte sich auf die Zunge beißen müssen, um nicht los zu prusten, als sie davon erfahren hatte.
Effie wusste, dass er unter keinen Umständen eine solche Scharade würde aufrecht halten können. Das war er einfach nicht. Aber sie hatte nicht gehört, dass er gekündigt hätte.
Sie schaltete die Lichter aus, während sie zum Haus rollte. Die Außenlichter waren hell genug, um den gesamten, großzügigen Parkbereich zu erhellen. Es war keine Spur von Kings Auto zu entdecken, aber sie hatte ihn gestern Nacht auch nicht gesehen.
„Hallo?“, rief sie, während sie die Tür sachte aufstieß. „Irgendjemand da?“
Sie kräuselte die Nase, als sie bemerkte, dass King die wenigen Dinge, die sie mit in die Hütte gebracht hatte, aufgeräumt hatte. Er hatte ihre Tasche neben die Tür gestellt und den Cardigan gefaltet obenauf gelegt.
„Ordnungsfanatiker“, sagte sie flüsternd.
„Du weißt sehr gut, dass ich hier bin“, hörte sie King aus der Küche rufen. „Wessen Haus denkst du, ist das hier?“
Effie öffnete den Mund, um eine giftige Antwort zurück zu feuern, doch klappte ihn wieder zu. Sie war am Verhungern, sie war am Erfrieren und der Geruch von Steak, der aus der Küche wehte, war unwiderstehlich.
King sah nicht einmal zu ihr, als sie sich in der Tür zur Küche herumdrückte. Stattdessen hob er die Pfanne, um die Fleischstücke in der Butter zu schwenken.
„Also, was ist hier los?“, fragte er, die Augen nach wie vor auf die Pfanne geheftet. „Du tauchst in meiner Hütte auf – genau genommen, bist du eingebrochen –“
„Entschuldige bitte, aber ich habe einen Schlüssel?“, sagte sie, sofort wütend. „Und es ist nicht deine Hütte, sie gehört deiner Familie –“
„Tatsächlich wird sie in meinem Namen geführt. Außerdem dachte ich, dass du inzwischen der ganzen Nummer, dir von meiner Familie zu nehmen, was und wie du es willst, entwachsen wärst.“
Effie schaute ihn giftig an. Damals, als sie miteinander Schluss gemacht hatten, hatten sie nie die Art heftigen Streit geführt, der sich hätte abspielen sollen. Als King ihr den Laufpass gegeben hatte, war es ein sauberer Schnitt gewesen und schnell gegangen. Effie dachte oft, dass sie in Schock und unfähig, zu reagieren, gewesen war. Als sie schließlich angefangen hatte, mit seinem Bruder auszugehen, war King in L.A. gewesen, praktisch auf der anderen Seite des Staats.
Der nahtlose Übergang von King zu Thorne war beinahe zu einfach gewesen.
„Ich –“, begann sie, doch King hielt seine Hand hoch.
„Vergiss es. Also, hast du ihn aus deinen Gedanken gekriegt?“
„Wen?“, fragte sie, nur um Zeit zu schinden.
Sie betete, dass er seinen Namen nicht aussprechen würde. Allein Thornes Namen zu hören, würde eine erneute Zorneswelle durch ihren Körper schicken, aber sie war wie eine Strömung. Tief vergraben. Vielleicht hatten all die Tränen und der Spaziergang durch den Wald ihr wirklich beim Heilen geholfen.
King ließ ein grausames Lachen verlauten. „Dreimal darfst du raten.“
„So einfach ist das nicht“, widersprach sie.
„Das habe ich auch nie behauptet.“
Das gedämpfte Gemurmel des örtlichen Nachrichtensenders im Wohnzimmer wurde plötzlich drängender.
„Das ist eine Notfallankündigung“, sagte eine mechanische Stimme.
Ohne zu sprechen, eilten sie beide ins Wohnzimmer. Durch die Panoramafenster konnten sie sehen, dass dicke Schneeflocken wütend gegen das Glas prasselten.
„Oh mein Gott“, wisperte Effie.
„… Reisewarnung ausgesprochen…“, warnte der Fernsehsprecher.
„Er bleibt bereits liegen“, stellte King fest, als er aus dem Fenster spähte. „Scheiße.“
„Nein, nein, nein“, sagte Effie. „Das kann nicht sein, das kann nicht –“
„Worüber zum Teufel regst du dich auf?“, fragte King. „Du bist diejenige, die einfach hoch in den Wald gefahren ist, obwohl du weißt, dass das der Ort ist, der den ersten Schneefall abbekommt –“
„Ich konnte nirgendwo anders hin!“, brüllte Effie.
Sie überraschte sie beide damit und schlug sich die Hand vor den Mund, während King die Augen aufriss.
„Okay, ich kapier’s ja. Meine Fresse“, sagte er.
Der Fernseher flackerte kurz und wurde dann schwarz.
„Der Strom –“, setzte sie an, doch King schüttelte den Kopf.
„Das Licht brennt noch, es ist nur der Fernseher. Ich werde das Notfallradio holen.“
Effie kämpfte sich aus ihrem Mantel und ließ ihn auf einen der dicken Ledersessel fallen. Sie trat ihre Schuhe aufs Geratewohl von ihren Füßen. King, das Radio in der Hand, stoppte und reihte ihre Schuhe unter viel Aufhebens fein säuberlich an der Wand auf.
„Wir haben einen Schrank für die Mäntel. Nur für den Fall, dass du es vergessen hast“, sagte er und schaute bedeutungsvoll auf den Mantel.
„Es tut mir leid, wie unhöflich von mir. Ich wollte nicht dein blitzsauberes Cottage ins Chaos stürzen, während wir hier mitten in einem verflixten Blizzard festsitzen.“
Dennoch hob sie den Mantel auf und stapfte zum Schrank im Flur. Sie wusste, dass sie sich wie eine verwöhnte Göre benahm, aber sie konnte einfach nicht anders.
Zuerst hatte King sie stinksauer gemacht, indem er sie heute Morgen dermaßen in Angst und Schrecken versetzt hatte. Indem er sich wie ein selbstgerechtes Arsch aufgeführt hatte, wo sie doch so verletzlich gewesen war.
Aber sie wusste, dass es in Wahrheit Thorne war, der ihren Zorn verdiente, auch wenn sie nicht sagen konnte, dass sie überrascht war. Es hatte Anzeichen gegeben, sie hatte sie nur ignoriert.
Er hatte beispielsweise ständig sein Handypasswort gewechselt und es mit sich ins Bad genommen. Er hatte Kellnerinnen unverhohlen abgecheckt oder ihr nie sofort zurückgeschrieben, wenn er auf einer so genannten Geschäftsreise gewesen war.
Ich bin eine Vollidiotin und Ignoranz ist wirklich ein Segen. Oder zumindest ist es leichter, als aufzupassen.
Sie konnte die Worte ihrer Mutter einfach nicht aus dem Kopf kriegen.
„Thorne ist so respektvoll!“, hatte ihre Mutter stets geschwärmt. „Stell dir das nur vor. Er hat angeboten, sich um uns alle zu kümmern. Was für ein Gentleman –“
„Würg“, sagte Effie, während sie sich auf die Couch sinken ließ.
King drehte an den Radioknöpfen auf der Suche nach dem besten Empfang. „…ermutigen diejenigen im Chicagoer Bereich, insbesondere in höheren Lagen, mindestens die nächsten vierundzwanzig Stunden die Schotten dichtzumachen…“
„Tja“, meinte King, während er aufstand. „Sieht so aus, als gäbe es jetzt nur dich und mich, Kleines. Es ist zu spät, um jetzt noch irgendwohin zu fahren“, erklärte er und schaute zurück zum Fenster. „Dort draußen schneit es wirklich wie verrückt.“
„Ich soll morgen um sieben Uhr auf der Arbeit sein“, sagte sie. „Die Tierärztin wird stinksauer sein, wenn ich nicht auftauche –“
„Dann hättest du vielleicht nicht in die Berge flüchten sollen“, entgegnete er und schaute über seine Schulter zu ihr. „Wenn ich du wäre, würde ich deinen Boss anrufen und Bescheid geben, dass du mindestens ein paar Tage hier festsitzen wirst.“
Das Letzte, das ich will, ist hier mit dir festzusitzen, dachte sie. Gott. Und der ganze Mist, über den ich mir in der echten Welt klarwerden muss. Yaya, meine Mom, Thorne…
Allein der Gedanke an all das machte sie müde.
Sie kaute auf ihrer Lippe und betrachtete seinen breiten Rücken, während er sich von ihr abwandte und nach draußen auf den Blizzard starrte. Es war so lange her, seit sie ihn einfach nur auf diese Weise begutachtet hatte. Er war zugleich vertraut und fremd.
Gewisse Dinge, die tief in ihrem Gedächtnis vergraben waren, tauchten urplötzlich wieder an der Oberfläche auf, wie der kleine Leberfleck hinter seinem rechten Ohr. Oder die unglaubliche V-Form, die seine Hüften einrahmten und die noch deutlicher zu Tage getreten war, je erwachsener er geworden war.
Es gab auch neue Dinge. Details, die ihr beinahe den Atem raubten. Er hatte schon in der Highschool immer einen leichten Bartwuchs gehabt, doch der hatte sich zu einem vollständigen und permanenten Bartschatten ausgewachsen. Sein Kiefer war sogar noch kantiger geworden.
Wenn das nicht King wäre, der gleiche King, der ihr das Herz gebrochen hatte, würde sie sofort hinter ihm her lechzen.
Reiß dich zusammen, Effie, schalt sie sich. Du liest zu viele Liebesromane.
Das behaupteten zumindest ihre Mom und Yaya.
Bei Beziehungen geht es nicht nur um zwei Leute, rief sie sich ins Gedächtnis. Vielleicht hatten sie recht. Sie war jemand, der sich schnell verliebte und ausmalte, zu welcher Sorte Märchen die Wahl eines bestimmten Pfades führen könnte.
Und wohin hatte sie das gebracht? Zu ihren Mittzwanzigern und Beziehungen mit nur zwei Männern – zwei Brüdern, um genau zu sein.
Sie hatte zugesehen, wie ihre Collegefreundinnen zwanglose Affären und One-Night-Stands gehabt hatten. Sie hatten sich immer über sie lustig gemacht wegen ihrer stabilen Fernbeziehung, aber als sie Thorne kennengelernt hatten, hatte sie das zum Schweigen gebracht.
Wie viele von ihnen hatten einen umwerfenden, reichen Goldjungen gedatet? Keine von ihnen.
„… bis zu ein Meter zwanzig in höheren Lagen…“, fuhr das Radio fort.
Plötzlich fühlte sie ein Gewicht auf ihren Schoß fallen. Effie hatte gar nicht bemerkt, dass sich King an sie angeschlichen hatte.
„Du kannst genauso gut die Zeit mit etwas Unterhaltsamem verbringen“, sagte er. Sie blickte nach unten und sah einen der Liebesromane, die sie aus Thornes Wohnung mitgenommen hatte, auf ihrem Schoß. „Ich kann nicht fassen, dass du diesen Scheiß noch immer liest.“
„Hey“, sagte sie aufgebracht. Effie sah hoch in diese stahlgrauen Augen. „Wenigstens lese ich.“
King lachte. „Du weißt nichts über mich, Effie. Nicht mehr.“
„Und du denkst, du kennst mich?“
„Ich weiß, dass du immer noch den gleichen Schund liest wie schon in der Highschool. Ich weiß, dass du den Tag damit verbracht hast, die Wege am Bach entlangzulaufen –“
„Woher weißt du das?“
„Weil ich dich kenne“, erwiderte er spitz.
King beugte sich nach unten. Das sorgte dafür, dass Effie der Atem stockte, aber sie weigerte sich, wegzurücken oder wegzuschauen.
„Und ich weiß, dass keiner von uns überrascht davon ist, was mein Arschloch von einem Bruder getan hat. Du verdienst etwas Besseres.“
„Du kennst mich nicht“, widersprach sie. „Du kanntest ein kleines Mädchen, vor langer Zeit.“
King betrachtete sie einen langen Moment.
„Das spielt keine Rolle“, sagte er schließlich und erhob sich langsam.
„King?“, fragte sie. „Ich, ähm. Ich weiß, du schuldest mir nichts, okay? Aber ich wäre wirklich dankbar, wenn du niemandem erzählen würdest, dass ich hier war.“
„Wem sollte ich es schon erzählen?“, wollte er wissen. „Und wie? Denkst du, ich werde eine Brieftaube in die Stadt schicken?“
King begann, in dem schwindenden Orange im Kamin herumzustochern, während Effies Augenlider schwer wurden. Als das Feuer schließlich wieder hell loderte und ihr Gesicht in Hitze hüllte, fühlte sie sich beinahe wie unter Drogen.
Der Wald, der Blizzard und King hatten ihr alles abverlangt.
Während sie fühlte, wie sie ins Vergessen glitt, meinte sie, eine warme Decke zu spüren, die über ihren Körper drapiert wurde.
4
King
King lag im Bett und beobachtete, wie die Dunkelheit draußen Pastelltöne annahm. Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, weil es ihn nervös machte, zu wissen, dass sich Effie nur wenige Schritte entfernt von ihm befand.
Er schlüpfte aus dem Bett und blickte hinaus auf das glitzernde Wunderland unter ihm. Es war trockener, als er erwartet hatte. Nicht so viel Schnee am Boden, wie die Wetterberichte prophezeit hatten. Aber es schneite nach wie vor.
Und so wie ich Effie kenne, hat sie keine Winterreifen drauf, Stollen oder Schneeketten.
Trotzdem ließ King einen Seufzer entweichen. Vielleicht würde der Sturm ja nur von kurzer Dauer sein.
„Und dann kann ich die Biege machen“, brummelte er leise.
Er war hierhergekommen, um sich zu entspannen, nicht um mit der einen Person festzusitzen, mit der er die meiste Zeit in der gemütlichen kleinen Hütte verbracht hatte.
Oder vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass du immer wieder hierher zurückkommst, dachte er bei sich, während er die Dusche anschaltete.
Als er sich streckte und darauf wartete, dass das Wasser warm wurde, zuckte er vor Schmerz zusammen. Die Blutergüsse waren nach wie vor offensichtlich, auch wenn sie zu verblassen begonnen hatten.
King lehnte sich an den Quarzwaschtisch und spähte in seine Augen.
„Denk daran, warum du hierhergekommen bist“, sagte er sich.
Aber warum war er hierhergekommen?
Vielleicht hatte Effie ein klitzekleines bisschen damit zu tun. In der Highschool, wenn sie sich in die Hütte zurückgezogen hatten, war er glücklich gewesen. Hatte sich sicher gefühlt. War sich sicher gewesen, wohin die Dinge führten.
Und jetzt wusste er nicht, was zum Teufel er mit seinem Leben anfangen sollte.
Konzentrier dich darauf, nicht auf sie, erinnerte er sich, während er die Flanellpyjamahose auszog und in die beinahe kochende Hitze trat.
Die Augen geschlossen, konnte er nur sie sehen. Wie natürlich es gewirkt hatte, als er sie im Wohnzimmer gefunden hatte, beinahe so, als hätte er sie erwartet. Beinahe so, als würde sie hierhergehören.
King fühlte, dass er bei der Erinnerung an sie und ihre bronzefarbene Haut im Licht des Feuers steif zu werden begann. Sie war sogar noch schöner, als sie es in der Highschool gewesen war.
Sie hatte vollere Brüste und breitere Hüften, aber noch die gleiche makellose Haut und Ansammlung mädchenhafter Sommersprossen. Doch zwischen ihnen gab es einfach so viele unbeantwortete Fragen.
Er drehte seinen Rücken in den Wasserstrahl und weigerte sich, seine Hand zu seiner Länge wandern zu lassen.
Aber warum mein Bruder?, dachte er zum gefühlt millionsten Mal. Warum hat sie sich nicht jemand anderen gesucht?
Er verstand es ja, den ganzen Reiz daran, ihn eifersüchtig zu machen, aber für so lange Zeit? Und um sich zu verloben? King hatte Jahre mit dem Versuch zugebracht, Löcher in ihrer Beziehung zu finden, Hinweise darauf, dass sich Effie zu Thorne hingezogen fühlte.
Es war immer offenkundig gewesen, dass Thorne auf Effie gestanden hatte, aber das hatte ihn nie gestört. Doch sie? Es passte einfach nicht.
Und viel wichtiger, warum hat sie nicht einfach mein Ultimatum akzeptiert?, fragte er sich.
Aber das war eine Frage, die er niemals stellen konnte. Das Ablaufdatum war längst vergangen.
King schaltete die Dusche aus und trat auf den beheizten Boden. Während er sich abzutrocknen begann, blieb die gleiche vertraute Melodie, die ihn immer in ihren Bann schlug, in seinem Kopf hängen.
Er summte Gershwins Rhapsody in Blue, den Song, der ihn zurück in seine Kindheit versetzte und einfach nicht losließ, ganz gleich wie sehr er es versuchte.
King konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie viele Nachmittage er am Klavier verbracht hatte, während der Lehrer ihm mit einem Lineal für jede falsche Bewegung auf die Knöchel geschlagen hatte. Thorne war in der Nähe gesessen, steif auf der hölzernen Bank, und hatte darauf gewartet, dass er an der Reihe war. Bei jedem Schlag des Lineals hatte King sehen können, wie Thorne seine Augen schloss, als würden ihm die Schläge genauso wehtun.
Er zog ein abgetragenes Paar Jeans und ein dickes Flanellhemd an. Sowie er die Schlafzimmertür öffnete, lief er beinahe in Effie.
Sie kam gerade aus dem Gästebad, die Haare feucht und dabei sich zu kräuseln. Der vertraute Rosenduft, der von ihr und dem Badezimmer ausging, haute ihn fast um. Er fühlte sich, als wäre er wieder siebzehn und sie beide frisch verliebt.
King hatte bis zu diesem Moment nicht realisiert, dass es nicht nur an dem Shampoo lag, es lag an dem Shampoo und ihr. Das Rosenöl, das er sich in seine eigenen Haare massiert hatte, war kein Vergleich zu der Magie, die vonstattenging, wenn sie es benutzte.
Effie biss auf ihre Lippe und sah nach unten. Sie steckte in einem der dicken Frotteebademäntel, die die Raumreiniger makellos gebleicht und fluffig auf Vorrat hielten. Da er für sie zu groß war, obgleich sie ihn zweimal um ihre Taille gewickelt hatte, klaffte er an ihrer Brust auf.
King kannte die Linien, das Gefälle ihrer Brüste gut. Und er wusste, dass sich nur zwei Zentimeter unterhalb diese perfekten rosa Nippel befanden, die bei der leichtesten Berührung sofort hart werden würden.
„Wir benutzen das gleiche Shampoo“, stelle Effie fest.
„Was?“
Sie gestikulierte zum Bad. „Es ist verrückt. Das Shampoo dort drinnen ist das gleiche, das ich benutze.“
„Oh. Ich schätze, das ist merkwürdig. Ich weiß es nicht, die Reinigungskräfte statten hier alles aus.“
Yeah, sie war immer noch heiß. Daran gab es nichts zu rütteln. Aber das macht nicht wieder gut, was sie getan hat, sagte er sich.
Ohnehin, was erwartete er? Selbst wenn jetzt etwas passieren würde, ja und?
Und das könnte es ohne Weiteres. Sie war erschüttert, verletzlich und vermutlich erpicht darauf, es Thorne heimzuzahlen.
Aber das war ein Kreislauf, den er durchbrechen würde. Er würde nicht die abgelegte Frau von Thorne nehmen, selbst wenn sein Bruder kein Problem damit gehabt hatte.
Dennoch… er konnte einfach nicht aufhören, auf ihre perfekten, beinahe entblößten Brüste zu starren. Oder das Schlüsselbein mit den Vertiefungen. Er konnte sich noch daran erinnern, wie salzig diese im Sommer geworden waren, nachdem sie den Tag mit Wandern verbracht hatten –
„Hey!“ Effie schnippte mit den Fingern und seine Augen schnellten zu ihr. „Meine Augen sind hier oben. Oder hast du das vergessen?“
„Sei nicht so selbstgefällig“, sagte er und schob sich an ihr vorbei, aber nicht ehe er sie ihre Augen verdrehen sah.
„Bitte“, sagte sie. Er hörte, wie sie ihm durch den Flur in die Küche hinterhertapste. „Willst du mir etwa weißmachen, dass du nicht geschaut hast?“
„Das habe ich nicht.“ King machte sich an der Keurig Kaffeemaschine zu schaffen.
„Männer schauen immer.“ Er hörte ein Schaben, als sie einen der schweren Stühle herauszog. King holte tief Luft und zwang sich dazu, ihr nicht zu sagen, mal halblang zu machen.
„Wie ich sehe, bist du ziemlich eingebildet geworden.“
„Ich meine nicht nur mich“, sagte sie. „Alle Frauen. Wir sind Objekte, Schmuckstücke.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Objekte und Schmuckstücke nicht reden.“
„Egal.“
King beobachtete sie in der Spiegelung im Glas der französischen Küchenschränke, während er darauf wartete, dass seine Tasse volllief. Effie hatte einen Liebesroman rausgezogen und sich bereits darin vertieft.
Als er sich umdrehte, hegte er die Absicht, seinen Kaffee im Wohnzimmer zu trinken, doch irgendetwas daran, sie so zu sehen – genauso wie es in der Highschool gewesen war – verpasste ihm eine frische Dosis Zorn.
„Diese scheiß Bücher haben immer noch die gleichen Eselsohren und versauten Cover wie in meiner Erinnerung“, stellte er fest. „Tatsächlich… hast du nicht genau dieses Buch in der Highschool gelesen?“
Sie starrte finster zu ihm hoch. „Als ob du das wüsstest. Oder dich erinnern würdest.“
„Natürlich erinnere ich mich.“
Effie senkte das Buch. „Nenn mir einen, einen Liebesroman, den ich gelesen habe und an den du dich erinnerst. Nicht diesen. Nur den Titel, das ist alles.“
„Meine Fresse, Effie, du erwartest, dass ich mich –“
„Ich erwarte gar nichts von dir. Du bist derjenige, der meinte, er würde sich daran erinnern, welche Bücher ich in der Highschool gelesen habe.“
„Ich wollte damit nur sagen, dass sie alle gleich sind. Es könnte genauso gut dasselbe sein. Nimm doch nicht immer alles so wörtlich.“
Sie lachte kurz auf. „Weißt du, wenigstens kümmern sich die Helden in Liebesromanen immer um ihre Frauen. Echte Männer könnten von ihnen lernen.“
King konnte einfach nicht anders. Er schluckte den Köder und setzte sich ihr gegenüber. In diesem Winkel, auf einem ausgeglichenen Spielfeld, war es wenigstens nicht ganz so leicht, von oben in ihren Bademantel zu linsen.
„Und du bist eine Expertin in Sachen Männern, hm?“
Effie schaute ihn finster an. „Wann denkst du, werden wir gehen können?“
„Geschickter Themenwechsel. Vielleicht morgen. Hast du’s eilig? Hast du herausgefunden, wo du hingehen wirst?“
Effie lief rot an. Es war die gleiche, niedliche beschämte Röte, an die er sich erinnerte von dem Tag, als sie sechzehn gewesen war und auf dem Sommerfest den ersten Platz in ihrer Altersklasse belegt hatte.
„Nicht ganz“, erwiderte sie. „Ich meine, Thor – tja, du weißt schon. Wir haben nicht richtig zusammengewohnt. Nicht offiziell.“
„Warum zum Teufel denkst du, dass ich das weiß?“
„Redest du gar nicht mehr mit deiner Familie?“
„Nicht, wenn ich es vermeiden kann. Und wir sitzen ganz bestimmt nicht rum und tratschen über dich, falls du das gedacht hast. Glaub es oder nicht, du bist nicht das faszinierendste Thema.“
„Aber ich bin ein Schmuckstück, das reden kann. Was ist daran nicht faszinierend?“
Er war sich nicht sicher, ob er ein verschmitztes Funkeln in ihren Augen sah, ehe der Strom ausfiel.
„Fuck“, fluchte King und stand brüsk auf, um sich um das Feuer zu kümmern.
Effie hielt sich die Hände über die Ohren. „Lass es ruhiger angehen mit dem Stuhl-Kratzen, okay?“
King machte sich nicht die Mühe, darauf zu antworten. Sie hatten Glück, dass noch Tageslicht vorhanden war und dass er das vergangene Wochenende mit Holzhacken verbracht hatte. Nicht, dass es die Hütte brauchte.
Gerade außerhalb der Hintertür befand sich ein dauerhafter Feuerholzvorrat, der für ein Jahr reichen würde. Das war einer der „bürgerlichen“ Wesenszüge, den sich seine Mom zugestand. Sie konnte den Gedanken, nicht immer einen vollständigen Vorrat an Zünd- und Feuerholz zu haben, nicht ertragen.
Er spürte Effies Präsenz, als er die Flammen anfachte.
„Kannst du wegen dem Strom irgendetwas unternehmen?“, erkundigte sie sich.
„Nope. Tut mir leid, Prinzessin. Es sieht so aus, als wäre das Schloss, in das du geplatzt bist, nicht das schönste im Land.“
„King, hör auf.“ Für einen Augenblick hörte er die echte Effie. Die, die er kannte, die, die immer noch ein Teil von ihr war.
Er seufzte. „In Ordnung. Das Einzige, das wir tun können, ist, es uns gemütlich zu machen und es auszusitzen. Kannst du die Decken aus dem Schrank im Flur holen?“
Ein paar Sekunden, in denen sie nicht direkt neben ihm stand, waren alles, das er brauchte. Dann konnte er sich aus der Semi-Trance, in die sie ihn befördert hatte, reißen.
Aber so einfach war es nicht. Sie kam mit den Armen voller Woll- und Steppdecken zurück.
„Ich hab die mit den Daunenfedern nicht mitgenommen, ich bin allergisch“, erklärte sie. „Weißt du noch?“
„Was für ein Tierarzt ist allergisch auf Federn?“
„Äh, die Art, die sich nicht auf Vögel spezialisiert? Und ich bin eine Tierarzthelferin, keine Tierärztin.“
Als sie sich leicht bückte, um die Decken auf dem Sofa zu stapeln, hätte er schwören können, dass er alles sah. Und er konnte nicht sagen, ob das Absicht war oder nicht.
„Du, äh – du ziehst dich besser um, solange wir noch gutes natürliches Licht haben“, sagte er. „Wir können uns das Bett teilen, es ist groß genug.“
Er sah, wie sie sich sichtlich versteifte.
„Keine Sorge, ich werde nichts versuchen. So verführerisch bist du nun auch wieder nicht und ich werde den Teufel tun und auf diesem Sofa schlafen. Ich passe nicht einmal darauf.“
Sie kaute auf ihrer Lippe und schaute zu ihm. „Ich habe nichts zum Anziehen.“
„Was meinst du?“
„Ich – ich habe einfach wahllos irgendwelches Zeug gepackt, als ich gegangen bin. Ich habe aus irgendeinem Grund einen Bleistiftrock und ein Tank Top dabei. Das Zeug von gestern ist zu eklig.“
„Gottverdammt, Effie, geh… geh einfach in mein Schlafzimmer und nimm dir etwas. Da sind Pyjamahosen und T-Shirts.“
„Du hast nichts dagegen?“
„Nein, aber ich werde dich nicht anflehen.“
Sie ließ ein Stöhnen entweichen, aber machte auf dem Absatz kehrt und stapfte zu seinem Zimmer. Während er die Decken entfaltete, um ihre Lage einzuschätzen, registrierte er, dass da mehr Überwurfdecken als alles andere waren. Die richtigen Ersatzdecken waren alle aus Daunenfedern. Die einzige ausreichend große, angebrachte, nicht-Daunendecke in der ganzen gottverdammten Hütte befand sich in seinem Zimmer.
King wurde mit schneller schlagendem Herz klar, dass er vermutlich direkt neben ihr schlafen würde müssen.
Das ist okay, du bist okay, redete er sich ein.
Aber das war es nicht und er war es ganz bestimmt auch nicht.
Er hatte seit der Highschool nicht mehr neben Effie geschlafen und was sie getan hatten, war weit von Schlafen entfernt gewesen. Bei dem Gedanken schnitt er eine Grimasse.
Ein lauter Knall ertönte von der Tür. King sprang auf seine Füße und Effie lachte laut auf. Sie trug seine grüne Flanellpyjamahose, die an ihr so lang war, dass sie wie eine Strampelhose aussah. Sie versank in seinem alten, abgetragenen Grafik-T-Shirt aus der Highschool, auf dessen Vorderseite stolz das Schulmaskottchen prangte.
Effie hielt die Champagnerflasche hoch, die sie gerade entkorkt hatte.
„Schau, was ich gefunden hab“, verkündete sie. „Und ich kann übrigens nicht fassen, dass du immer noch dieses Shirt hast.“
„Ich bewahre hier die Sachen auf, bei denen es mir egal ist, ob ich sie vergesse oder verliere“, entgegnete er. Es war gemein und er bereute seine Worte, sobald sie seine Lippen verlassen hatten. Falls Effie verletzt war, verbarg sie es gut.
„Willst du trinken oder nicht?“, fragte sie, während sie es sich auf dem Sofa gemütlich machte. In einer Hand hielt sie zwei schlanke Champagnerflöten.
Während der ersten Runde wusste King nicht, wohin er schauen sollte. Er war dankbar für das Glas, für etwas, das seine Hände beschäftigte. Die Wolken verdichteten sich und verdunkelten die Hütte. Bei der zweiten Runde begannen sich die Bläschen auf ihn auszuwirken.
„Erinnerst du dich an das erste Mal, als wir Champagner getrunken haben?“, fragte er sie.
„Wir?“
„Yeah, wir haben es zusammen gemacht.“
„Prom?“, fragte sie. „Dein Senior Year?“
„Yeah. Verdammt, das war übles Zeug. Ich dachte, den ältesten aus dem Weinkeller – tatsächlich diesem Weinkeller – zu holen, würde bedeuten, dass es der beste ist. Ich habe mich geirrt.“
Effie ächzte. „Yeah und ich wollte einfach nur, dass du mich für knallhart hältst. Weißt du? Also hab ich das Zeug runtergewürgt. Ich meine, ich wusste es nicht besser. Ich dachte, dass es so schmecken sollte.“
King lachte. „Du wolltest, dass ich dich für knallhart halte? Effie, du warst in der FFA. Du warst stolz darauf, dass dein Meerschweinchen das blaue Band gewonnen hat und du hast die Lehrer immer um Zusatzaufgaben gebeten. Ein bisschen Champagnertrinken hätte dich auch nicht knallhart gemacht.“
„Tja, wenigstens hab ich es versucht“, sagte sie mit einem Lächeln, während sie ihr zweites Glas leertrank. „Mehr?“, fragte sie. „Ich meine, bei Champagner heißt es irgendwie alles oder nichts.“
„Klar. Was haben wir sonst zu tun. Also verrat mir, warum du wolltest, dass ich dich für cool halte. Wir waren zusammen, du musstest keine Show aufführen.“
Selbst in dem flackernden Licht des Feuers sah er sie erröten. „Ich… okay, das ist der Champagner, der da aus mir spricht. Okay? Und wir werden nie wieder darüber sprechen. Aber ich hatte immer das Gefühl, als wärst du, du weißt schon, außerhalb meiner Liga.“
„Ich?“
„Still oder ich werde dir nichts mehr erzählen.“
„Sorry, ich kann es nur nicht glauben.“
Es stimmte. King hatte immer gedacht, dass es anders herum wäre. Er war derjenige, der das große Glück hatte, mit ihr zusammen zu sein.
„Tja, glaub es. Wow, vielleicht war diese ganze Macho Bad Boy Masche, die du in der Highschool am Laufen hattest, echt. Der Rebell ohne einen Grund. Vielleicht ist es auch jetzt wahr, wer weiß?“
„Da wir gerade ehrlich sind“, sagte er, während er sein drittes Glas in die Hand nahm, „verrat mir eines.“
„Was wäre das?“
„Warum bist du in einer Beziehung mit Thorne gelandet?“
Effie räusperte sich. Sie stellte ihr volles Glas mit Bedacht ab.
„Ich bin irgendwie müde“, sagte sie. „Ich denke, es ist Zeit fürs Bett.“
„Ich… ich werde dich hinbringen“, erwiderte er.
Sie sagte nichts mehr, aber folgte ihm durch den Flur zu seinem Schlafzimmer. Schweigend schlüpfte sie in das king-sized Bett und blieb dabei so nahe an der Bettkante wie möglich. Effie wandte sich sofort ab.
King starrte auf ihre Gestalt, auf das stetige Heben und Senken ihres Körpers und wünschte sich mit aller Macht, er wüsste, was sie nicht erzählte.
5
Effie
Effie erwachte mit verschlafenen Augen und presste ihre Fäuste auf ihre Augenlider.
Sie konnte nicht abschätzen, wie spät es war, aber die Helligkeit, die von draußen hereindrang, war fast schon blendend. Sie vergrub sich tief in den Decken und schob sich nach hinten, um ihren Rücken an Thornes zu pressen. Da war eine kühle Stelle zwischen ihnen, bevor ihr Hintern auf sein Glied in seinen Pyjamas traf.
Warum ist er so weit weg?, wunderte sie sich kurz, aber der Gedanke währte nicht lange.
Sie war sofort feucht, da sie es nicht gewöhnt war, dass er am Morgen hart war und sie wollte.
Sie spürte die Hand über ihren Bauch und unter ihr Shirt gleiten. Effie ließ ein tiefes Stöhnen entweichen, als die rauen Finger ihren Weg zu ihrem Nippel fanden und leicht zudrückten. Mit seiner anderen Hand zog er ihre Hose gerade so weit nach unten, dass er in sie dringen konnte.
Effie stieß ein Keuchen aus und er zwirbelte ihren Nippel fester. Sie war voll, fast zu voll, bereits kurz davor, zu kommen.
Er vögelte sie härter, rammte sich in sie. Seine Zähne bissen in die Weichheit ihres Halses zwischen Küssen und Saugen, von dem sie wusste, dass es ein Mal hinterlassen würde.
„Du wirst mich zum Höhepunkt bringen“, flüsterte sie.
Sein Finger fand ihre Klit und er begann, sie zu stimulieren wie noch nie zuvor.
„Komm mit mir“, verlangte sie. Effie stieß einen Schrei aus, als sie seine heiße Erlösung in sich fühlte.
Das trieb sie zu einem Orgasmus, wie sie ihn noch nie zuvor gehabt hatte, beförderte sie in eine andere Welt. Sie griff hinter sich und drehte sich, um mit ihrem Mund nach seinem zu suchen. Erst da realisierte sie, dass es King war –
Effie wachte schlagartig auf, schwitzend und mit feuchten Schenkeln wegen ihres Traumorgasmus.
Scheiße, es war nur ein Traum, dachte sie.
Sie brauchte einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Um zu registrieren, dass Thorne fort war oder zumindest so gut wie. Die Jahre, in denen sie gedacht und gehofft hatte, dass seine wandernden Augen nur reines Schauen waren, waren alle zur Hölle gefahren.
Und jetzt saß sie hier mit seinem Bruder fest. Ihrem Ex.
Fuck.
Vorsichtig spähte Effie über ihre Schulter, sich beinahe sicher, dass er dort sein würde. Immerhin hatte er gesagt, dass sie sich wahrscheinlich ein Bett teilen würden – oder vielleicht hatte er sich auch nur einen Scherz mit ihr erlaubt. Dafür sorgen wollen, dass sie angespannt blieb. Vielleicht hatte er es auch nur gesagt, um zu sehen, wie sie darauf reagierte.
Doch King war nirgends zu sehen. In dem Zimmer war keine Spur von ihm und ihrer Einschätzung nach würde der Tag jeden Moment anbrechen. Während sich ihre Augen an das Mondlicht gewöhnten, konnte sie sehen, dass er einige Dinge aufgeräumt hatte. Falls er mit ihr ins Bett geschlüpft war, hatte er seine Seite des Bettes so perfekt gemacht wie beim Militär und es war keine einzige Falte zu sehen.
Effie glitt aus dem Bett und rollte seine Pyjamahose wieder hoch. Sie merkte, dass ihre Unterhose von ihrem Traum durchgeweicht war, aber in ihrer Eile, Thornes Wohnung zu entkommen, hatte sie nicht die Weitsicht besessen, sich zusätzliche Unterhosen oder BHs mitzunehmen. Die würden reichen müssen, bis sie sie diskret von Hand waschen konnte.
Nach kurzer Überlegung machte sie das Bett so gut sie konnte, wobei sie versuchte, Kings Präzision nachzuahmen. Sie richtete sich wieder auf und betrachtete ihr Werk, konnte aber noch immer sagen, welche Seite ihre gewesen war.
Sie schüttelte den Kopf. Wenigstens hatte sie sich bemüht.
Sie schlich in den Flur des viel zu ruhigen Hauses. Licht strömte aus der Küche, aber sie hörte nichts.
Wie lange habe ich geschlafen? Hat er mich hier draußen allein gelassen?
Doch gerade, als sie sich der Tür zur Küche näherte, tauchte King mit zwei Tassen Kaffee in der Hand auf. „Meine Fresse, Effie, du bist wie eine Katze. Ich bin fast gegen dich gelaufen.“
„Ich bin hier die Ruhige? Ich dachte, du hättest mich hier zurückgelassen!“
„Und wohin würde ich gehen? Falls du es nicht bemerkt hast, ich habe mein Auto nicht mit hier hoch genommen, sondern ein Lyft gerufen. Hast du etwa gedacht, ich wäre mit deinem Tierhaarverseuchten Auto geflohen?“
Sie sog scharf die Luft ein und zwang sich dazu, nichts Giftiges zu erwidern. „Ist der für mich?“, fragte sie und deutete auf den Kaffee.
„Einer von ihnen.“
Ihre Hände streiften sich, als er ihr die dampfende Tasse reichte. Sie hatte ganz vergessen, wie lang und elegant diese Hände waren – die eines Künstlers oder Klavierspielers. King hatte gelacht, als sie ihm das als Teenager erzählt hatte.
„Ich wäre liebend gern ein Künstler“, hatte er ihr anvertraut. „Aber glaub mir, das Klavier lasse ich nur allzu gerne hinter mir.“ Dunkelheit hatte seine Augen umwölkt, doch sie war zu jung und zu verzaubert von ihm gewesen, um tiefer zu graben.
Effie blickte in den trüben Kaffee, überrascht, dass er sich daran erinnerte, wie sie ihn trank. Oder zumindest wie sie ihn früher getrunken hatte.
„Ein Drittel Sahne, kein Zucker“, sagte er. Es war keine Frage.
„Yeah“, stimmte sie leise zu. Sie wich beinahe zurück vor der Elektrizität, die von seiner Haut auf ihre übersprang.
Während der vergangenen zwei Jahre hatte Thorne sie dazu gedrängt, Espresso zu trinken, schwarz und bitter. Er hatte gesagt, dass sei niveauvoller, dass ihr Kaffee eher einem Nachtisch glich und verraten würde, wie amerikanisch sie war.
„Aber ich bin Amerikanerin“, hatte sie widersprochen. „Genauso wie du.“
Er hatte nur gelacht.
Jetzt, während sie sich mit King am anderen Ende auf dem Sofa einkringelte, führte sie die Süße an ihre Lippen und schloss voller Genuss die Augen. Es war zu lange her, seit sie etwas so Einfaches gehabt hatte, das sie mochte. Sie hatte fast vergessen, wie wundervoll das sein konnte.
Sie konnte Kings Augen auf sich spüren. Dass er sie beobachtete, weckte in ihr den Wunsch, Haltung anzunehmen, und sie wünschte sich verzweifelt, dass sie so umsichtig gewesen wäre, sich die Haare zu kämmen und Wasser ins Gesicht zu spritzen.
Ich muss beschissen aussehen. Sie versuchte, diskret mit ihren Fingern durch ihre Haare zu streichen, aber das führte nur dazu, dass sie sich ihres Aussehens noch bewusster war. Was ist das nur an den Smith Männern, von dem ich nicht loskommen kann?
King trat eine der Überwurfdecken über seine Füße.
„Ich hab dein Handy im Waschraum gefunden. Ich hab es für dich an die Steckdose gehängt“, sagte er, während er es ihr zuwarf.
„Danke“, erwiderte sie.
Sie wollte es nicht, aber sie warf einen Blick auf das Display und sah eine Million verpasste Anrufe und Nachrichten von Thorne. Da waren auch ein paar von ihrer besten Freundin Renee. Effie stöhnte.
„Du hast wohl immer noch nicht gelernt, dein Handy rechtzeitig aufzuladen, hm?“, fragte King.
„Ich habe es nicht vergessen. Ich wollte… entkommen.“
„Sich vor der echten Welt in der Hütte eines anderen zu verkriechen und die Nase in diese Liebesromane zu stecken, wird dir auch keinen Gefallen tun.“
„Okay, okay! Ich kapiere es, das hier ist nicht meine Hütte. Meine Güte, gib endlich Ruhe damit. Was willst du tun, mich raus in den Blizzard werfen?“
„Es ist wohl kaum ein Blizzard.“
Sie konnte nur Bruchstücke von Thornes Nachrichten sehen, aber das reichte aus, um zu wissen, dass sie zutiefst entschuldigend begonnen hatten und dann dazu übergegangen waren, ihr die Schuld für das zu geben, was passiert war. Effie kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf.
„Dein Bruder ist ein verfluchtes Arschloch“, sagte sie und warf das Handy in die Tiefen des Sessels gegenüber vom Tisch.
King zog seine Brauen hoch. „Du wirst dich irgendwann mit ihm auseinandersetzen müssen.“
„Irgendwann. Nicht jetzt.“ Effie blickte nach draußen auf die gefrorene Landschaft. Schnee fiel weiterhin stetig vom Himmel.
„Wir werden hier noch mindestens einen Tag festsitzen“, meinte King. „Eine Menge Zeit, um dir deinen nächsten Zug zu überlegen.“
„Und was bitteschön soll das heißen?“
King zuckte mit den Schultern. „Fass es auf, wie auch immer du willst.“
Sie beäugte ihn, dann sprang sie auf und ging ins Badezimmer.
Effie schlüpfte aus den zu großen Klamotten und stellte die Dusche auf die heißeste Stufe. Unter dem Regenduschkopf neigte sie ihren Kopf nach oben und ließ die Klebrigkeit, die sich so ausgebreitet hatte, dass sie den Großteil ihrer Schenkel bedeckte, vom Wasser wegwaschen.
Es wird wehtun, mich von Thorne zu lösen, wurde ihr bewusst.
Es lag nicht so sehr an ihm, sondern eher an der Logistik. Effie war nicht klargewesen, wie sehr ihre Leben miteinander verschmolzen waren.
Besser gesagt, sein Leben hat meines verschlungen, dachte sie verbittert.
Da war natürlich die Wohnung, aber die war zumindest in seinem Namen. Sie war überrascht gewesen, als Thorne sie gebeten hatte, einen Teil der Nebenkosten zu bezahlen – und wie viel er verlangt hatte. Ihm hatte von Anfang an die komplette Wohnung gehört und er war bestimmt nicht knapp bei Kasse.
„Ich nahm an, du würdest es aus Prinzip tun wollen“, hatte Thorne erklärt. „Ich meine, du willst doch keine Frau sein, die sich aushalten lässt, oder?“
Das war nicht das gewesen, was sie gewollt hatte, aber sie datete einen der reichsten Männer in Chicago. Bei dem Lohn einer Tierarzthelferin bedeutete die Summe, die er von ihr verlangt hatte, jeden Monat einen großen Batzen. Und das kam zu den Kosten für die Versicherung und Nebenkosten von Yayas Haus und dem ihrer Mom noch hinzu.
Unserem Haus, erinnerte sie sich. Sie würde unter keinen Umständen jemals wieder einen Fuß in Thornes Wohnung setzen.
Während sie Shampoo in ihre Haare massierte, blieb eine Locke an dem Verlobungsring hängen. Sie hatte ihn beinahe ausgezogen, als sie wütend von Thornes Wohnung zur Hütte gefahren war, und war in Versuchung gewesen, ihn aus dem Fenster zu werfen.
Der sentimentale Wert war sofort verpufft, aber sie konnte sich nur ausmalen, wie viel er gekostet hatte. Vermutlich mehr als genug, um ihre Yaya und Mom für den Rest ihres Lebens gut zu versorgen.
Effie blickte hinab auf den Ring und zog ihn vom Finger. Vorsichtig beugte sie sich aus der begehbaren Dusche und legte den Ring auf die Granitplatte. Ohne ihn fühlte sich ihre Hand nackt und zu leicht an.
Was ist mein Leben schon ohne Thorne?
Sicher, er hatte nur angefangen, mit ihr auszugehen, um King zu verletzen, aber war es nicht darüber hinausgewachsen? Er würde sie nicht nur heiraten, um seinen Bruder zu verärgern, oder?
Und Thornes Angebot, die Hypothek für das Haus ihrer Mom zu begleichen, sicherzustellen, dass ihre Familie immer einen Platz zum Wohnen hatte? Es bestand keine Chance, dass sie das jemals allein würde tun können. Nicht mit dem Gehalt einer Tierarzthelferin.
War es das nicht wert, sein Verhalten zu dulden? Wenn es bedeutete, dass ihre Yaya und Mom versorgt waren?
Das letzte Mal, als sie mit ihrer Mom über die Hypothek geredet hatte, war immer noch fast eine Viertel Million übrig gewesen. Dann waren da noch die Grundstückssteuern, die Erhaltungskosten, sämtliche Nebenkosten und die zunehmenden Arztrechnungen für beide. Yayas Gesundheitsprogramm war ziemlich gut, aber ihre Mom war noch Jahre davon entfernt, sich für das Programm zu qualifizieren.
Effie trat aus der Dusche und erschauderte in der plötzlichen Kälte. Sie streifte sich den flauschigen Bademantel über und kämmte ihre feuchten Haare mit dem Holzkamm mit den großen Zacken, der in der obersten Schublade aufbewahrt wurde. Die Lippen schürzend begutachtete sie sich im Spiegel.
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