Kitabı oku: «Empty Nest Blues»
JILL SAVAGE

SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
ISBN 978-3-7751-7495-4 (E-Book)
ISBN 978-3-7751-6057-5 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck
© der deutschen Ausgabe 2021
SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH ·
Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen
Internet: www.scm-haenssler.de; E-Mail: info@scm-haenssler.de
Originally published in English under the title: Empty nest, full life
This book was first published in the United States by Moody Publishers, 820 N. LaSalle Blvd., Chicago, IL 60610 with the title Empty Nest, Full Life, copyright © 2019 by Jill Savage. Translated by permission. All rights reserved.
Die Bibelverse sind, wenn nicht anders angegeben, folgender Ausgabe entnommen: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Übersetzung: Silvia Lutz
Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de
Titelbild: Shutterstock.com: Mybona, Makmur Jaya
Autorenfoto: © Moody Publishers
Satz: τ-leχιs, Heidelberg
Meinen Eltern, Duane und Patsy Fleener.
Danke, dass ihr mir vorgelebt habt,
wie man mit leerem Nest ein schönes,
erfülltes Leben haben kann.
Inhalt
Über die Autorin
Vorwort
Es geht los: Die Achterbahn der Gefühle
TEIL 1: Loslassen!
1. Lassen Sie Ihre Erwartungen los
2. Lassen Sie Ihre Schuldgefühle los
3. Lassen Sie den Wunsch los, Ihre Meinung zu äußern
4. Lassen Sie Traditionen los
5. Lassen Sie die Probleme Ihres Kindes los
6. Lassen Sie Ihre Götzen los
TEIL 2: Anpacken!
7. Packen Sie Ihr neues Missionsfeld an
8. Packen Sie neue Leidenschaften an
9. Packen Sie neue Freundschaften an
10. Packen Sie Ihre Ehe an
11. Gottes Hand festhalten
12. Ihre Zugabe
Danksagung
Anmerkungen
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Über die Autorin

Jill Savage ist eine bekannte Autorin und gefragte Referentin. Sie gründete die Organisation »Hearts at Home« und spricht jährlich zu Tausenden Frauen über Prioritäten, Leidenschaft und Ziele. Sie lebt mit ihrem Mann in Illinois, USA und hat fünf Kinder, die alle nicht mehr zu Hause wohnen. Außerdem ist sie Oma von drei Enkeln.
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Liebe Mama, die ihre Kinder loslassen muss,
ich weiß, dass es schwer ist. Ich weiß, dass es sich anfühlt, als würden Sie einen Teil von sich selbst verlieren.
Egal, ob ein kleines Kind in den Kindergarten kommt oder ein erwachsenes Kind zum Studium wegzieht: Es ist schwer, unseren Kindern Flügel zu geben und sie wegfliegen zu lassen.
Ich weiß, dass Sie an all das denken, was Sie ihnen nicht beigebracht haben, an die ganzen Bastelarbeiten, für die Sie sich nicht die Zeit genommen haben, an die ganzen Kuchen, die Sie nicht gebacken haben, und an die ganzen Brote, die Sie nicht geschmiert haben. Sie denken an die vielen Male, als Sie die Geduld verloren haben, und an die vielen Momente, als Sie nicht gut genug zugehört haben.
Ich weiß, dass Ihnen das alles schwer auf der Seele liegt, weil es jeder Mutter so geht. Eine Mutter ist sehr streng mit sich selbst. Wenn es an der Zeit ist, die Kinder fliegen zu lassen, stehen uns unsere Versäumnisse besonders deutlich vor Augen.
Ich will Ihnen etwas sagen, meine liebe Freundin: Sie haben Ihre Sache gut gemacht. Sie waren nicht perfekt, aber Sie haben Ihr Möglichstes getan. Unsere Kinder brauchen ein unvollkommenes Vorbild, weil sie selbst auch unvollkommen sind. Gott hat Ihre Unvollkommenheiten benutzt, um Sie und Ihre Kinder perfekt zu machen.
Winken Sie Ihren Kindern nach, wenn sie ausziehen. Danach klopfen Sie sich selbst auf die Schulter.
Sie haben auf diesen Tag hingearbeitet. Ihre Aufgabe war es, Ihren Kindern zu helfen, ohne Sie zurechtzukommen. Zuerst für ein paar Stunden am Tag, wenn sie in den Kindergarten oder zur Schule gehen, und später, wenn sie erwachsen sind und ausziehen.
Machen Sie sich bewusst: Sie sind eine Mutter, aber Sie sind auch eine Frau, die Gott mit Leidenschaft und einzigartigen Gaben beschenkt hat. Das haben Sie im Laufe der Jahre vielleicht aus den Augen verloren, aber das heißt nicht, dass diese Frau heute nicht mehr in Ihnen steckt. Sie müssen sie nur wieder finden!
Jetzt geben Sie Ihren Kindern Flügel und schauen Sie ihnen nach, wenn sie wegfliegen. Sie haben Ihre Sache gut gemacht. In Ihrem Leben beginnt jetzt eine neue Zeit, in der Sie viel Schönes erwartet!
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Es geht los:
Die Achterbahn der Gefühle
Bei uns Müttern dreht sich alles um den Nestbau. Sobald der Schwangerschaftstest positiv ist oder die Adoptionspapiere unterschrieben sind, fangen die meisten von uns an, alles für das neue Familienmitglied vorzubereiten. Wir richten das Kinderzimmer ein, wir füllen Schubladen mit Babykleidung, wir legen ein Fotoalbum an. Wir ordnen fast jeden Aspekt unseres Lebens unserer Mutterrolle unter.
Ungefähr 20 Jahre lang bemühen wir uns nach Kräften, unserem Kind ein erfülltes Leben und ein liebevolles Zuhause zu schenken. Wir unterschreiben Tausende Formulare, helfen den Kindern, für zig Prüfungen zu lernen, schauen uns unzählige Sportwettkämpfe an und hören uns jede Menge Musikproben und Chordarbietungen an. Wir fahren sie zur Jugendgruppe, ins Sommerlager, zu Tanzstunden und zu Fußballspielen. Wir trocknen ihre Tränen, wir feuern sie an, wir korrigieren und ermutigen sie. Daneben versorgen wir sie mit Essen und Kleidung, was keine geringe Leistung ist, wenn man bedenkt, wie schnell die Kinder wachsen. Wir investieren unser ganzes Leben in diese Kinder und dann … DANN ERLAUBEN SIE SICH, ERWACHSEN ZU WERDEN UND AUSZUZIEHEN!
Unser Jüngster und seine damalige Verlobte wählten den 21. Dezember für ihre Hochzeit. Zwei Wochen vorher hatte er sein Studium abgeschlossen und im darauffolgenden Mai würde sie ihr Studium beenden. Diese Zeremonie besiegelte ihre gemeinsame Zukunft und eröffnete für meinen Mann und mich offiziell die Lebensphase ohne Kinder im Haus.
Als einige Tage später Weihnachten kam und das neue Jahr anbrach, nahm ich meine wiedergefundene Freiheit fröhlich an. Von Januar bis Juli genoss ich diese neue Lebensphase sogar. Doch der August warf mich völlig aus der Bahn.
Ich erinnere mich noch gut, wie es dazu kam: Ich saß in unserem Wohnzimmer und scrollte durch Facebook. Alle tauschten sich über den Beginn des neuen Schuljahrs aus. Es gab Tipps zu Schreibheften, Zeichenblöcken, Filzstiften, Füllern und Bleistiften. Mir wurde plötzlich bewusst: Für mich waren die Tage, in denen ich alles für das neue Schuljahr vorbereitete, endgültig vorbei.
Die Tränen begann zu fließen und ich musste mir eingestehen: Das gefällt mir nicht. Absolut nicht. Ich habe es geliebt, alles für das neue Schuljahr vorzubereiten. Ich liebte den Rhythmus des Schuljahrs. Bei genauerem Nachdenken begriff ich, dass ich es liebte, für meine Kinder verantwortlich zu sein, gebraucht zu werden, den Neuanfang zu spüren, wenn im Herbst ein neues Schuljahr begann. Kurz gesagt: Ich liebte es, Mutter zu sein!
Ja, es hatte Tage gegeben, an denen ich am liebsten das Handtuch geworfen hätte. An manchen Tagen hatte ich mich gefragt, ob eine Mutter ihre Stelle kündigen könne. Jetzt vermisste ich die angenehmen Seiten des Mutterseins. Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Eine Mutter hat beschrieben, dass es sich anfühlt wie eine ungewollte Versetzung in den Ruhestand ohne Abschiedsfeier. Das trifft den Nagel auf den Kopf!
Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir das Leben unserer Kinder gesteuert und waren für sie verantwortlich. Jetzt sind sie erwachsen und sollen ihre Entscheidungen selbst treffen. Wie in aller Welt gelingt Eltern dieser Übergang? Bei einigen Kindern ist es leicht, sie allein ins Leben ziehen zu lassen, und bei anderen … nun ja, es ist ein bisschen so, wie würde man ein Kleinkind Auto fahren lassen. Wie soll eine Mutter damit umgehen?
Willkommen auf der Achterbahn der Gefühle, wenn die Kinder ausgeflogen sind und das Nest leer ist! Sie haben dieses Buch vermutlich aufgeschlagen, weil Sie dieses erdrückende Gefühl kennen. Ihr Leben fühlt sich gerade an wie auf dem steilen Anstieg einer Achterbahn, vielleicht ist es auch schon am obersten Punkt angekommen. Mit einem Kribbeln im Bauch wagen Sie einen kurzen Blick nach unten, bevor es mit halsbrecherischer Geschwindigkeit, viel schneller, als Ihnen lieb ist, abwärts geht. Der Wind der Veränderung schlägt Ihnen ins Gesicht und die emotionale Achterbahn schlägt Loopings und lässt Sie ganz ungeahnte Orte entdecken.
Eine der vielen Kurven auf der Achterbahn sieht so aus: Ich bin erleichtert, dass ich nicht mehr jeden Tag für andere Menschen verantwortlich bin, aber ich vermisse es so sehr, mich um die Menschen zu kümmern, die ich liebe. Kurz nach dieser Kurve folgt die nächste: Ich liebe es, dass unser Geld jetzt nur noch für zwei Personen und nicht mehr für sieben reichen muss. Aber ich habe es geliebt, meine Kinder mit den Dingen zu versorgen, die sie brauchten und wollten. Bei diesen emotionalen Loopings auf der Gefühlsachterbahn würde ich manchmal am liebsten rufen: »ANHALTEN! ICH WILL AUSSTEIGEN!«
Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die solche Gefühle kennt. Wie soll eine Mutter mit diesen ganzen verrückten Gefühlen umgehen? Wie kann sie aus dieser Achterbahn aussteigen, ihre Gefühle stabilisieren und nicht mehr darauf schauen, dass sie etwas verloren hat, sondern sich freuen, dass sie etwas gewonnen hat? Eine neue Gelegenheit! Eine Zugabe, die sie genießen kann!
Bei meinem Bemühen, den emotionalen Tsunami zu bewältigen, schlug ich meine Bibel auf. Ich suchte das Buch Prediger, da ich in Erinnerung hatte, dass darin die Verse »Alles hat seine Zeit« stehen, die verschiedene Lebensphasen beschreiben. Ich befand mich definitiv in einer neuen Lebensphase. Mir stand nicht nur die Zeit ohne Kinder im Haus bevor, ich war auch schon Oma. Da unsere fünf Kinder 13 Jahre auseinander sind, wurde ich schon Großmutter, bevor unsere jüngeren Kinder erwachsen waren.
An jenem Morgen nahm ich eine andere Bibelübersetzung als die, die ich normalerweise lese. Ich blätterte zum dritten Kapitel. Bei Vers 6 hielt ich abrupt inne. Hier stand: »Festhalten hat seine Zeit wie auch das Loslassen« (frei übersetzt aus dem Englischen). Diese Worte FESTHALTEN und LOSLASSEN sprangen mir ins Auge und ich flüsterte: »Herr, das brauche ich, um diese Achterbahn aufzuhalten. Ich muss erkennen, was ich festhalten und was ich loslassen soll. Wenn mir das klar ist, schaffe ich es vielleicht, positiv in die Zukunft zu blicken.«
Darum kreisten meine Gebete, während ich mich auf der emotionalen Achterbahn dieser neuen, beunruhigenden Lebensphase befand. In jeder neuen Situation, mit der ich konfrontiert wurde, betete ich: Welchen Teil dieser Situation soll ich festhalten und welchen Teil soll ich loslassen, Herr? Im Laufe der Zeit gab mir Gott Klarheit. Diese Fragen für mich zu klären, hat mein Denken revolutioniert. Es hat mich von unrealistischen Erwartungen befreit und mir einen Blick für das volle Leben geschenkt, das immer noch vor mir liegt.
In den letzten acht Jahren habe ich viel an meiner inneren Einstellung gearbeitet. Das gab mir ein gutes Fundament für diese Veränderungen. Ich möchte Sie ermutigen, das auch so zu machen. Bevor wir betrachten, was wir konkret festhalten und loslassen sollten, brauchen wir ein festes Fundament.
Die Achterbahn des falschen Denkens
Das, was in unserem Kopf abgeht, macht uns mehr Probleme, als vielen bewusst ist. Es hat einen guten Grund, warum uns die Bibel auffordert, »alles Denken in den Gehorsam gegen Christus gefangen zu nehmen« (2. Korinther 10,5; LUT). Zu oft lassen wir zu, dass unsere Gedanken außer Kontrolle geraten und einen Buschbrand aus Angst und Sorgen entfachen, der unser Leben bedroht. Wenn wir nicht lernen, unsere Gedanken gefangen zu nehmen, landen wir in einer desolaten geistlichen Wüste ohne Hoffnung. Wir begeben uns in eine emotionale Achterbahn, die nicht nötig ist. Unsere Gedanken geraten aus drei Gründen aus dem Gleichgewicht: durch eine falsche Brille, durch Lügen und durch ein falsches Verantwortlichkeitsgefühl. Wir wollen uns diese drei Bereiche genauer ansehen.
Unsere Brille
»Wir sehen die Dinge oft nicht so, wie sie sind, sondern so, wie wir sind.« Mit dieser aufrüttelnden Aussage konfrontierte mich meine Freundin Doris. Damit verhalf sie mir bei einem Problem mit einem Gemeindeleiter zur richtigen Perspektive.
Über diese Worte habe ich oft nachgedacht. Ich überlege häufig, durch welche Brille ich oder eines meiner Kinder eine Situation betrachten, oder durch welche Brille jemand, mit dem ich einen Konflikt habe, vielleicht sieht. Unsere Brille entwickelt sich durch unsere Erziehung und unsere Erfahrungen. Sie ist durch unsere eigenen Vorlieben und Vorurteile beeinflusst. Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus sagt: »Wir nehmen die Dinge so wahr, wie es unser Verstand unseren Augen befiehlt.«
Wir müssen uns klarmachen, dass uns unsere Brille nicht immer die Wahrheit zeigt. Wenn Sie zum Beispiel in einer Umgebung des Misstrauens aufgewachsen sind, sehen Sie vielleicht jede schwierige Situation durch die Brille des Misstrauens. Möglicherweise gibt es überhaupt keinen logischen Grund dafür, Ihrem Gegenüber zu misstrauen, aber wenn Ihr Verstand Ihnen unbewusst sagt, dass Sie niemandem trauen können, sehen Sie andere Menschen ständig durch die Brille des Misstrauens. Das führt zu unnötigen Problemen in Ihren Beziehungen.
Einige Brillen schließen sich gegenseitig aus: Sie können das Leben zum Beispiel entweder durch eine optimistische Brille sehen oder durch eine pessimistische. Einige Brillen liegen übereinander; man kann zum Beispiel sowohl durch die Brille der Dankbarkeit als auch durch die Brille des Mitgefühls blicken. Was hat das alles mit dem Auszug Ihrer Kinder zu tun? Sehr viel! Unsere Brille ist die Perspektive, durch die wir unsere neue Lebensphase sehen. Wenn wir die Brille des Mangels aufhaben, sehen wir nur, was uns fehlt. Wenn wir die Brille des Reichtums aufhaben, sehen wir neue Gelegenheiten.
Einige von uns haben immer noch die Brille ihrer Ursprungsfamilie auf. Tatsächlich! Sie sind vielleicht 40, 50 oder schon über 60, aber wenn Sie nichts unternommen haben, um sich vom falschen Denken Ihrer Eltern zu befreien, sehen Sie das Leben immer noch durch diese Brille. Wenn diese Brille nicht positiv und hilfreich ist, sollten Sie sich eine neue »Lebensbrille« verschreiben lassen. Ich weiß: Sie sind es nicht gewohnt, auf sich selbst zu schauen. Sie haben sich in den letzten 20 oder 30 Jahren völlig auf die Bedürfnisse Ihrer Kinder konzentriert. Aber jetzt ist es Zeit, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen.
Ich habe diesen Schritt vor mehreren Jahren gewagt. Als Mark und ich bei der Eheberatung waren, stellte mir der Eheberater eine Frage, auf die ich von selbst nie gekommen wäre: »Jill, wann wurde die Lüge, dass Gefühle angeblich keine Rolle spielen, zum ersten Mal in Ihr Herz gepflanzt? Das ist ein falsches Denken«, forderte er mich heraus. Tatsächlich führten mein mangelndes Mitgefühl und fehlende Barmherzigkeit in unserer Ehe zu Problemen. Ich hatte als Ehefrau und als Mutter die Devise: »Kopf hoch!« Wenn es Probleme gab, sah ich sie durch diese Brille. Hier war kein Platz für Mitgefühl für mich selbst und für andere. Diese Brille versucht, Dinge in Ordnung zu bringen, statt Gefühle zuzulassen. Das ist im Geschäftsleben praktisch, aber in Beziehungen kann sie extrem schädlich sein.
Ich setzte mich mit der Frage auseinander, was meine Gedanken in diese ungesunde Richtung gelenkt hatte. Das war eines der besten Geschenke, die ich mir selbst, meiner Ehe und meinen Kindern je gemacht hatte. Natürlich wäre es noch besser gewesen, wenn ich das getan hätte, solange unsere Kinder noch bei uns wohnten. Aber damals hatte ich weder die Zeit noch das Wissen oder auch nur die Erkenntnis, dass mit meiner Brille etwas nicht stimmte. Jetzt hatte ich beides: die Zeit und die Erkenntnis. Und die Eheberatung lieferte mir das Handwerkszeug für die dringend benötigte Korrektur meiner Perspektive. Das gehört zu dem Leben in Fülle, das Gott für mich und für Sie bereithält!
Wollen Sie von dem Denken befreit werden, das Ihnen nicht guttut? Wollen Sie sich bewusst machen, durch welche Brillen Sie die Welt sehen, und etwas gegen die Brillen unternehmen, die Ihren Beziehungen und Ihren Gefühlen schaden? Denken Sie nicht, dass es dafür zu spät wäre. Jetzt ist gerade die richtige Zeit, um die Weichen für die zweite Hälfte Ihrer Ehe zu stellen. Und um etwas für eine gesunde Beziehung zu Ihren erwachsenen Kindern zu tun. Um dafür, dass Sie als Großmutter das Leben Ihrer Enkel positiv beeinflussen. Und um selbst die Freiheit zu erfahren, nach der Sie sich sehnen!
Ich habe erlebt, welchen Unterschied diese Veränderungen machen können. Ich lade Sie ein, diesen Weg ebenfalls zu gehen. Hier sind einige Fragen, über die Sie nachdenken sollten. Vielleicht machen Sie das zuerst allein. Wenn Sie wollen, bitten Sie später Ihren Mann oder eine gute Freundin, Ihnen offen zu sagen, wie sie Sie in Bezug auf diese Fragen sehen. Falls Sie noch nie mit einem professionellen christlichen Therapeuten gesprochen haben und das Gefühl haben, dass das Ihnen helfen könnte, sollten Sie sich einen solchen Therapeuten suchen. Lassen Sie sich helfen, Ihre alte Brille abzulegen und eine neue, gesündere Brille aufzusetzen, durch die Sie die Welt in dieser Zugabe-Phase Ihres Lebens besser sehen können. Wenn Sie Ihr falsches Denken ändern wollen, machen Sie damit sich selbst und Ihrer Familie ein großes Geschenk!
* Neige ich eher zu Pessimismus oder zu Optimismus?
* Neige ich eher zu passiv-aggressiver Kommunikation oder zu einer ehrlichen, direkten Kommunikation? (Anmerkung: Auch Sarkasmus kann passiv-aggressiv sein.)
* Versuche ich eher, Probleme zu lösen, als Gefühle zuzulassen?
* Kommt es oft vor, dass ich mich schäme und mich minderwertig fühle?
* Habe ich das Gefühl, nie »genug« zu sein?
* Tue ich alles, damit »alle anderen zufrieden sind«?
* Neige ich eher dazu, mich zu isolieren, als auf andere zuzugehen?
* Habe ich das Gefühl, dass Gott von mir enttäuscht sein muss?
* Fühle ich mich hoffnungslos?
* Frage ich mich, was ich der Welt jetzt noch zu bieten habe?
* Fällt es mir schwer, meine Aufgabe zu erkennen?
Die Antworten auf diese Fragen können Ihnen helfen, einige Stellen zu identifizieren, an denen Ihre Brille Ihnen vielleicht nicht die Wahrheit sagt. Haben Sie Mut, gehen Sie diesen Fragen auf den Grund und bemühen Sie sich um emotionale Gesundheit. Das ist ein wichtiger Teil Ihres Weges in diese neue Lebensphase.
Lügen
Wie sehen Ihre Selbstgespräche aus? Das, was wir zu uns selbst sagen, zeigt uns ganz deutlich, was wir über uns glauben.
»Ich bin so eine Idiotin.«
»Ich mache nie etwas richtig.«
»Ich bin keine gute Freundin.«
»Das könnte ich nie!«
»Ich bin eine Chaotin!«
»Ich habe der Welt nichts zu bieten.«
»Ich werde nicht gebraucht.«
Wir sehen uns selbst entweder durch die Brille der Wahrheit oder der Lüge. Unsere Sichtweise ist entweder gefärbt von den falschen Dingen, die wir glauben, oder von der Wahrheit, die uns von diesen Lügen befreit. Lügen halten uns gefangen; die Wahrheit befreit uns dazu, ganz das zu sein, wozu Gott uns geschaffen hat.
Oft sind uns die Lügen, die jahrelang Teil unseres Denkens waren, so vertraut, dass wir sie gar nicht mehr als Lügen erkennen. Sie haben sich zu negativen, sich selbst erfüllenden Prophezeiungen entwickelt. Diese Lügen zerstören uns von innen heraus und sorgen dafür, dass Angst und Hoffnungslosigkeit uns lähmen.
Diese Lügen drehen sich meistens um unseren Wert oder darum, wie andere uns unserer Meinung nach sehen. Sie drehen sich um unsere Fähigkeiten oder Unfähigkeiten. Wenn wir es versäumen, uns selbst zu definieren, geben wir den Lügen Raum. Oft erzeugen sie Scham, die uns isoliert und von der Gemeinschaft fernhält, die uns Gott schenken will.
Was hat das mit dem Auszug der Kinder zu tun? Sehr viel! Unsere Lügen machen uns blind für das, was wir der Welt zu bieten haben. Sie rauben uns unsere Freude und machen uns einsam. Lügen machen uns unsicher. Wir resignieren und sind nicht mehr fähig, das zu tun, wofür wir geschaffen wurden. Sie sind ein Werkzeug des Feindes, der uns davon abhalten will, in dieser Welt einen Unterschied zu machen.
Wie können wir diesen Lügen die Macht über uns nehmen? Wir müssen ihnen die Wahrheit entgegensetzen! In der folgenden Liste finden Sie einige häufige Lügen, die durch Gottes Wahrheit widerlegt werden. Machen Sie ein Foto von dieser Liste oder schreiben Sie die Lügen und die dazugehörigen Wahrheiten auf Karten, damit Sie sie jederzeit vor Augen haben. Wenn sich die Lügen dann wieder in Ihr Denken einschleichen wollen, haben Sie etwas in der Hand, um Ihre Selbstgespräche in eine andere Richtung zu lenken. Fangen Sie heute damit an!
| LÜGEN DES FEINDES | GOTTES ANTWORT |
| Das kann ich nie! | »Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche.« Philipper 4,13 |
| Ich bin nicht gut genug. | Ich bin gut genug, denn der Heilige Geist gibt mir Kraft.»Aber wenn der Heilige Geist über euch gekommen ist, werdet ihr seine Kraft empfangen.« Apostelgeschichte 1,8a |
| Ich bin wertlos. | Ich bin Gottes wertvolles Eigentum.»Er hat euch unter allen Völkern der Erde zu seinem Eigentum erwählt.« 5. Mose 14,2b |
| Ich bin hässlich – innerlich und äußerlich. | Ich bin Gottes Schöpfung.»Denn wir sind Gottes Schöpfung. Er hat uns in Christus Jesus neu geschaffen, damit wir die guten Taten ausführen, die er für unser Leben vorbereitet hat.« Epheser 2,10 |
| Ich wäre glücklich, wenn … | Meine Freude kommt vom Herrn.»Ja, der Herr hat Herrliches für uns getan und wir waren fröhlich!« Psalm 126,3 |
| »Die Freude am HERRN ist eure Stärke.« Nehemia 8,10 (LUT) | |
| Ich kann mir nicht vergeben. | Ich kann mir vergeben.»Also gibt es jetzt für die, die zu Christus Jesus gehören, keine Verurteilung mehr.« Römer 8,1 |
| Ich kann dieser Person nicht vergeben. | Ich kann anderen vergeben, weil Jesus mir vergeben hat.»Seid stattdessen freundlich und mitfühlend zueinander und vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.« Epheser 4,32 |
| Ich kann nicht … | Ich kann, weil ich durch Christus einen überwältigenden Sieg davontrage!»Aber trotz all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch Christus, der uns geliebt hat.« Römer 8,37 |
| Ich fühle mich hoffnungslos. | In Gott ist Hoffnung!»Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt.« Römer 8,28 |
| Gott liebt mich nicht. | »Ich bin überzeugt: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder unsere Ängste in der Gegenwart noch unsere Sorgen um die Zukunft, ja nicht einmal die Mächte der Hölle können uns von der Liebe Gottes trennen. Und wären wir hoch über dem Himmel oder befänden uns in den tiefsten Tiefen des Ozeans, nichts und niemand in der ganzen Schöpfung kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus, unserem Herrn, erschienen ist.« Römer 8,38-39 |
| Ich bin nicht klug genug. | Ich »aber denke im Sinne von Christus«. 1. Korinther 2,16b |
| Ich fühle mich abgelehnt. | Ich bin erwählt.»Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war.« Epheser 1,4a (LUT) |
| Ich habe Angst. | »Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.« Josua 1,9 |
Lassen Sie nicht mehr zu, dass Ihnen Lügen die Freude rauben oder Ihr Selbstwertgefühl sabotieren. Werden Sie ab heute Ihr eigener Lügendetektor. Wenn Sie eine Lüge entlarvt haben, wenden Sie Kopf und Herz davon ab und konzentrieren Sie sie auf die Wahrheit, die Sie befreien will!
Verantwortlichkeitsgefühl
Ein übertriebenes Verantwortlichkeitsgefühl schadet uns. Wenn wir fälschlicherweise die Verantwortung für Dinge übernehmen, für die wir überhaupt nicht verantwortlich sind, können wir uns für Konsequenzen verantwortlich fühlen, die eigentlich unser Kind tragen sollte. Wenn unser Kind zum Beispiel im Gefängnis landet, können wir uns selbst die Verantwortung dafür aufladen, indem wir an all das denken, was wir falsch gemacht haben und was zu dieser Situation geführt haben könnte. Aber eigentlich sollten wir unser Kind die Konsequenzen für sein Tun tragen lassen.
Verantwortlichkeit kann auch falsch verstanden werden, wenn wir dem, was andere Menschen tun oder nicht tun, eine falsche Bedeutung beimessen. Erinnern Sie sich an die Brille? Wir neigen dazu, Dinge nicht so zu sehen, wie sie sind, sondern so, wie wir sind. Wenn wir unsicher sind, neigen wir dazu, die fehlende Kommunikation unseres erwachsenen Kindes auf etwas zurückzuführen, das wir getan haben. Wenn wir dazu neigen, andere zu verurteilen, führen wir die Vergesslichkeit unseres Mannes in Bezug auf besondere Termine fälschlicherweise auf einen Mangel an Liebe zurück. Wir sehen Dinge durch die Brille unserer eigenen Erfahrungen, unserer Geschichte, unseres Temperaments, unserer Persönlichkeit und unserer Herkunftsfamilie. Und wir interpretieren, was andere mit ihren Worten oder ihrer Körpersprache meinen. Das Problem ist, dass unsere Deutung oft nicht richtig ist.
Dann sind wir beleidigt, obwohl der andere uns überhaupt nicht beleidigen wollte. Oder wir gehen in die Defensive, weil wir seine Körpersprache falsch deuten. Oder wir brechen mit einem Familienmitglied einen Streit vom Zaun, weil wir seine Worte missverstanden haben.
So ging es meinem Mann Mark jahrelang mit mir. Wenn ich in einer Krise steckte und kaum Gefühle zeigte und ihn nicht in die Verarbeitung meiner Trauer einbezog, schloss er daraus: »Du brauchst mich nicht.« Das war Teil meines »Kopf hoch!«-Denkens, das ich schon erwähnt habe. Der einzige Grund dafür war, dass ich glaubte, Empfindungen wären unwichtig. Es hatte absolut nichts mit meinen Gefühlen gegenüber Mark zu tun. Aber er lud mir die Verantwortung für etwas auf, wofür ich gar nichts konnte – nämlich seine Interpretation der Ereignisse.
Umgekehrt geht es mir so, wenn Mark Bedenken zu etwas äußert. Ich deute seine Bedenken als: »Er ist nicht bereit, etwas Neues zu versuchen.« Dabei bringt er einfach seine Gedanken oder Gefühle zum Ausdruck. Er sagt damit nicht, dass er nicht bereit wäre, diese Sache zu tun. Er spricht nur laut über seine Gefühle.
Das Gleiche kann bei unserer Körpersprache passieren. Wenn jemand nicht sehr gesprächig ist, können wir das als Ablehnung missverstehen. Oder wir vermuten irrtümlich, der andere wäre uns böse, obwohl er in Wirklichkeit nur seine Gefühle verarbeitet und über etwas nachdenkt. Eine Bekannte erzählte, dass sie Schweigen oft falsch gedeutet hat. »Wenn mein Stiefvater nicht mit mir sprach, bedeutete das normalerweise, dass er wütend war. In meinem Erwachsenenleben deutete ich vieles aufgrund dieser Erfahrungen aus meiner Kindheit. Das Problem ist, dass meine Kinder und mein Mann normalerweise nicht aus diesem Grund schweigen und ich ihrem Schweigen eine völlig falsche Bedeutung zumesse!«
Was können wir mit dieser schlechten Angewohnheit machen, die bei fast jedem irgendwann auftaucht? Wir können nachfragen! Wenn wir den anderen fragen, was er denkt, sprechen wir damit auch offen an, was wir denken. Die oben erwähnte Mutter hat zum Beispiel gelernt, in ihrer Familie zu sagen: »Wenn mein Stiefvater schwieg, war er normalerweise sauer auf mich. Du sprichst heute nicht viel. Bist du sauer?« Oder ich könnte zu Mark sagen: »Du äußerst Bedenken zu diesem Projekt. Willst du damit sagen, dass du es nicht machen willst? Oder willst du mich nur an deinen Gefühlen und Gedanken teilhaben lassen?« Wenn wir nachfragen, entmachten wir falsche Annahmen und klären, was der andere denkt, fühlt oder kommunizieren will.
Versuchen Sie es! Damit werden Sie Konflikte reduzieren und Ihre Kommunikation verbessern. Nachfragen wird Ihnen auch helfen, besser damit umzugehen, dass Ihre Kinder ausgezogen sind. Dann verkomplizieren Sie Ihre Beziehungen nämlich nicht unnötig mit Problemen, die gar nicht da sind. Es wird Ihnen sogar helfen, aus der emotionalen Achterbahn auszusteigen. Sie können die Vergangenheit hinter sich lassen und mit Weitblick und Hoffnung in die Zukunft sehen.
Was die Zukunft bereithält
Es war mein erster Hauptvortrag bei einer Frauenkonferenz. Ich bat die circa 5000 Mütter, auf einem Blatt Papier einen Zeitstrahl ihres Lebens zu erstellen. Ich wollte ihnen bildhaft vor Augen führen, dass es ein Leben nach der Kindererziehung gibt. Auch wenn es natürlich von der Anzahl ihrer Kinder abhängt und dem Alter, in dem sie Mutter wurden, haben die meisten Mütter rund 15–20 Lebensjahre nach der Kindererziehung, bevor sie ins Rentenalter kommen. Vielleicht sind Sie in den Jahren, in denen Sie Kinder hatten, zu Hause geblieben. Vielleicht haben Sie auch in Voll- oder Teilzeit gearbeitet. Wie auch immer Ihre persönliche Situation aussieht – die Kinder ziehen ja nicht alle auf einmal aus –, wird sich Ihr Leben ändern, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Aber das ist nicht das Ende. Es ist der Anfang von etwas Neuem!
Frau, die mit 22 geheiratet hat, 2 Kinder

In meinem Fall habe ich, da zwischen meinem ältesten und meinem jüngsten Kind 13 Jahre liegen, ungefähr 15 Jahre lang ein leeres Nest, bevor ich ins Rentenalter komme.
Jills Zeitstrahl

Erstellen Sie jetzt einen Zeitstrahl für Ihr Leben. Wie viele Jahre mit leerem Nest haben Sie, bevor Sie ins Rentenalter kommen?

Die meisten von uns haben (oder hatten) eine Vision für die Jahre, in denen wir unsere Kinder aufzogen. Wir trafen Entscheidungen aufgrund dieser Vision und der Ziele, die wir erreichen wollten. Aber diese Vision endete, als die Kinder aus dem Haus waren. Welche Vision haben Sie jetzt? Wie wollen Sie diese Zugabe-Jahre bewusst nutzen?
Ich werde Ihnen gleich einige Fragen stellen, die Ihnen helfen können, diese Vision zu finden. Eine Warnung möchte ich jedoch vorausschicken: Machen Sie nicht den Fehler, sich nur um Ihre Erwartungen zu drehen. Eine Vision hilft Ihnen, Ihren Mitmenschen durch Ihre Weisheit, Erfahrungen und Leidenschaft zu dienen. Sie ist ein Bild davon, was Sie der Welt als Ganzes bieten können, nicht nur Ihren erwachsenen Kindern oder Enkeln.
Eine Vision verrät, wer Sie sind und was Ihnen wichtig ist. Wenn Sie nur darüber nachdenken, wie die Jahre nach den Kindern für Sie persönlich aussehen werden, sind Sie wahrscheinlich enttäuscht, weil das, was Sie Ihren Kindern und Enkeln bieten können, von diesen vielleicht nicht geschätzt wird. Das kann am Ende zu Enttäuschung führen, weil Ihre Realität ganz anders aussieht als Ihre Erwartungen.
Aber wenn Sie sich auf Ihre Vision konzentrieren, denken Sie nicht nur im Rahmen Ihrer Familie. Sie vergrößern Ihr Blickfeld und lassen Ihre Weisheit, Erfahrungen und Leidenschaft einem größeren Umfeld zugutekommen. Das ist der Sinn einer Vision.
Wo fangen wir also an? Wie erkennen wir, was wir unserer großen, kraftvollen und schönen Welt in dieser Zugabe-Phase unseres Lebens geben können? Fangen wir mit einer Lebensbilanz an. Nehmen Sie ein Tagebuch oder Notizbuch und stellen Sie sich folgende Fragen:
Weisheit
* Welche Lektionen haben Sie im Laufe der Jahre über Gott gelernt?
* Wenn Sie verheiratet sind oder waren: Welche Lektionen haben Sie über die Ehe gelernt?
* Was haben Sie über Freundschaften gelernt?
* Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich Erziehungsratschläge geben könnten, wie sähen diese aus?
* Was haben Sie zum Thema Selbstliebe gelernt?
Erfahrungen (füllen Sie die Lücken aus)
In meiner Kindheit und Jugend habe ich _______________ erfahren; deshalb verstehe ich _______________.
(bedingungslose Liebe; ein ermutigendes Umfeld; körperliche Behinderung; Abwesenheit der Mutter; Abwesenheit des Vaters; Mitgefühl; Kritik; Suchtprobleme eines Elternteils; sexuellen Missbrauch; Misshandlung durch einen Elternteil; Passivität; Wut eines Elternteils; einen Elternteil, der seine Gefühle nicht gezeigt hat; wenig Familienbezug; einen Elternteil, den man wie ein rohes Ei behandeln musste; eine starke geistliche Erziehung; keine geistliche Erziehung; Gesetzlichkeit in der geistlichen Erziehung; psychische Erkrankungen; Depressionen; Sorgen; Adoption und so weiter)
In unserer Ehe gab es _______________; deshalb verstehe ich _______________.
(Pornografie; Untreue; Vergebung; Kritikgeist; ADS/ADHS; geistliche Uneinigkeit; Wut; Missbrauch; Passivität; gesundheitliche Herausforderungen; Depressionen; Angst; das Leben einer Alleinerziehenden; Trennung; Scheidung; Gesundheitsprobleme eines Kindes; Verlust eines Kindes und so weiter)
Als Mutter habe ich _______________ erlebt; deshalb verstehe ich _______________.
(ein eigensinniges Kind; ein Kind, das auf Abwege gerät; die Herausforderungen der Adoption; ein Kind mit psychischen oder körperlichen Problemen; ein Kind mit ADS/ADHS; Autismus; gleichgeschlechtliche Attraktion; ein Kind, das unehelich schwanger wurde oder ein Kind gezeugt hat; ein Kind im Gefängnis; das Leben einer Alleinerziehenden; Behinderung; Enkelkinder aufziehen; Verlust eines Kindes; Fehlgeburt; Unfruchtbarkeit; Kaiserschnitt; Probleme beim Stillen und so weiter)
In meinem Leben habe ich _______________ erlebt; deshalb verstehe ich _______________.
(Verlust eines Elternteil;, Betreuung eines Elternteils oder eines behinderten erwachsenen Kindes; Krebs; Verlust des Arbeitsplatzes; das Leben als berufstätige Mutter; das Leben als Mutter, die von zu Hause aus arbeitet; das Leben als Vollzeitmutter; Wochenbettdepressionen; Essstörungen; Depressionen; Angst; Abtreibung; die Auseinandersetzung mit einer schweren Kindheit; sexuelle Belästigung; Verrat; Bruch einer Freundschaft; berufliche Selbstständigkeit; ehrenamtliche Mitarbeit und so weiter)
Leidenschaften und Begabungen
Mehr als alles andere sehne ich mich danach, dass Menschen _______________.
Ich freue mich, wenn _______________.
Ich habe eine Leidenschaft dafür, Müttern/Frauen/Menschen/Kindern zu helfen, dass sie _______________.
Ich sehe die Welt unweigerlich durch die Brille _______________.
_______________ fällt mir ganz leicht. Anderen fällt das vielleicht schwer, aber für mich ist es einfach.
Ich bekomme von anderen Komplimente dafür, dass ich _______________. Für mich ist das keine große Sache, aber für andere offensichtlich schon.
Was habe ich auf Eis gelegt, als ich meine Familie gründete? _______________
Habe ich dafür immer noch eine Leidenschaft?
_______________
Wenn ja, was steht mir im Weg?
_______________
Falls es Ihnen schwerfällt herauszufinden, wofür Sie eine Leidenschaft haben, helfen Ihnen vielleicht folgende Fragen:
Was mache ich gern?
_______________
Wobei fühle ich mich wirklich lebendig?
_______________
Was erfüllt mich?
_______________
Ich verliere jedes Zeitgefühl, wenn ich _______________.
Sehen Sie, wie viel Sie der Welt zu bieten haben? Ihre Weisheit, Ihre Erfahrungen, Ihre Leidenschaften und Begabungen, das alles zusammen macht Sie zu einem einzigartigen Menschen, den Gott geschaffen hat. Niemand ist so wie Sie. Auf dieser Erde gibt es niemanden, der die gleichen Lektionen gelernt hat, die gleichen Lebenserfahrungen gemacht, die gleichen Gaben, Neigungen und das gleiche Wissen hat wie Sie.
Vielleicht kommt bisher erst Ihre Familie in den Genuss Ihrer reichen Erfahrung und Ihres vielen Wissens. Aber ich möchte Ihren Blick weiten und Ihnen bewusst machen, dass vielleicht auch andere davon profitieren können. Sie sind eine Mutter, die Menschen versorgt, eine Frau, für die Gott einen Plan hat, sich in der Welt einzubringen. Gott schenkt Ihnen diese Zeit. Es ist keine Zeit des Mangels, sondern eine Zeit der Fülle. Während wir betrachten, was wir festhalten und was wir loslassen sollten, betrachten Sie bitte alles durch die Brille der Fülle und der Chancen. Für dieses erfüllte Leben wurden Sie geschaffen!
Dieses Buch ist für Sie!
Ich habe es fünfmal gemacht: Kinder ins Erwachsenenleben begleitet. Mein Mann und ich durften fünf Kinder aufziehen. Sie sind inzwischen 34, 32, 28, 25 und 23 Jahre alt. Drei Jungen und zwei Mädchen. Drei sind verheiratet und zwei von ihnen haben uns Enkel geschenkt, die schon zur Schule gehen. Das Leben ist reich, verrückt, wunderbar und manchmal schwer. Alles auf einmal!
Es war nicht leicht, aber es war erfüllend. Es war auch traurig, aufregend, verwirrend, beängstigend und befreiend. Wenn Sie diese Gefühle kennen: willkommen im Klub!
Steht der Auszug Ihres jüngsten Kindes bevor? Kommt er früher, als Ihnen lieb ist? Dann ist dieses Buch für Sie.
Fällt es Ihnen schwer, loszulassen? Versuchen Sie, eine neue Normalität zu finden? Dann ist dieses Buch für Sie.
Sind einige Ihrer Kinder schon ausgezogen und einige wohnen noch zu Hause? Dann ist dieses Buch für Sie.
Ist Ihr Nest leer, aber Sie kämpfen immer noch darum, das »volle Leben« zu finden? Dann ist dieses Buch für Sie.
Auf den Seiten dieses Buches will ich Ihnen helfen, neue Seiten in Ihrem Leben aufzuschlagen. Sie schlagen ein neues Kapitel auf, aber Sie sind immer noch Mutter. Daran wird sich nie etwas ändern. Ihre Kinder brauchen Sie immer noch, aber sie brauchen Sie jetzt auf eine andere Weise. Sie sollten mit realistischen Erwartungen in diese neue Phase der Elternschaft gehen. Dabei will ich Ihnen helfen.
Sie sind nicht allein. Auf den Seiten dieses Buches werden Sie Ihren eigenen Weg finden. Sie werden merken, was normal ist. Sie werden neue Gelegenheiten entdecken, die sich Ihnen bieten. Aber vor allem werden Sie herausfinden, woran Sie festhalten sollten und was Sie loslassen müssen, um das Leben in Fülle zu erfahren, das Gott in der nächsten Phase des Mutterseins für Sie bereithält. Ich hake mich bei Ihnen unter und wir gehen diesen Weg gemeinsam!

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1.
Lassen Sie Ihre Erwartungen los
Ich hatte unseren jüngsten Sohn mehrere Monate nicht gesehen. Es war sein erstes Jahr am College und ich musste mich immer noch daran gewöhnen, dass ich nicht mehr Teil seines täglichen Lebens war. Als er nach Hause kam und seine Haare so lang waren, dass er sie zu einem Pferdeschwanz zusammenbinden konnte, war ich darauf absolut nicht vorbereitet. Ich war nicht mehr an den Entscheidungen beteiligt, die er in Bezug auf sein Äußeres traf. Es mag albern klingen, aber ich fühlte mich ausgeschlossen.
Erwartungen bringen uns immer wieder in Schwierigkeiten. Durch Erwartungen sind Enttäuschungen und das Gefühl, ausgeschlossen zu werden, vorprogrammiert. Wir waren ungefähr 20 Jahre lang Teil des Lebens unserer Kinder. Dadurch sind wir es gewohnt, über ihr Leben Bescheid zu wissen und uns in manchen Bereichen auch einzumischen. Aber wenn unsere Kinder von zu Hause ausziehen, müssen sich diese Erwartungen ändern. Mit dem Rat des Predigers im Hinterkopf, dass Festhalten wie auch Loslassen seine Zeit hat (Prediger 3,6), wollen wir vier Erwartungen betrachten, die Eltern loslassen müssen, wenn sie diese neue Lebensphase antreten.
Lassen Sie die Erwartung los, Bescheid zu wissen
Es war Thomas’ erstes Jahr am College. Da er zwei Stunden von seinen Eltern entfernt studierte, mussten er und sie sich mit einer neuen Lebensphase anfreunden. Thomas hatte an der Highschool Football gespielt; deshalb waren seine Eltern gewohnt, im Herbst jeden Freitagabend ins Footballstadion zu gehen. Obwohl Thomas nicht mehr da war und seine Eltern niemanden kannten, der in der Mannschaft spielte, beschlossen sie, zum ersten Heimspiel zu gehen, um diese Tradition fortzusetzen. Als sie auf der Tribüne saßen, machte sein Vater ein Foto von der Mannschaft auf dem Spielfeld und schickte es Thomas. »Wir denken heute Abend an dich. Wir vermissen dich«, lautete die Nachricht, die er mit dem Bild schickte. Ungefähr 20 Minuten später kam Thomas’ Antwort. Es war ein Foto vom selben Spielfeld mit der Nachricht: »LOL … Ich bin auch hier!«
Mutter und Vater waren nicht sicher, was sie davon halten sollten. Einerseits waren sie enttäuscht, dass ihr Sohn nach Hause gekommen war, ohne ihnen Bescheid zu geben. Andererseits waren sie erleichtert, dass sie wenigstens wussten, wo er war. Wenn sie ganz ehrlich waren, fühlten sie sich ein wenig ausgeschlossen. Willkommen im Grundkurs für Eltern, deren Kinder ausgezogen sind! Sie müssen die Erwartung loslassen, dass Sie über Dinge Bescheid wissen, die Sie in der Vergangenheit gewusst haben.
Ihr Sohn oder Ihre Tochter treffen ihre Entscheidungen jetzt unabhängig von Ihnen. Sie entscheiden selbst, womit sie ihre Zeit verbringen. Sie entscheiden selbst, wie sie ihr Geld ausgeben. Sie treffen Entscheidungen, bei denen Sie in der Vergangenheit mitgeredet hätten. Thomas’ Eltern mussten sich erst noch an diese neue Lebensphase gewöhnen. Sie beschlossen, aus dieser Mücke keinen Elefanten zu machen, aber sie baten Thomas trotzdem, ihnen Bescheid zu geben, wenn er weitere Fahrten unternahm, da das Auto, mit dem er fuhr, ihnen gehörte.
Manchmal sind es keine weiten Autofahrten, sondern alberne Dinge wie das äußere Erscheinungsbild, das uns beunruhigt. Als der Sohn meiner Freundin Marci ihr ein Foto von sich und seiner Freundin schickte, war Marci sehr überrascht, dass ihr Sohn plötzlich einen Bart trug. Früher hatte er nie einen Bart getragen. Das war neu. Dieses Bild gab ihr ein wenig das Gefühl, ihn nicht zu kennen. Sie gab zu, dass sie sich ein bisschen aus seinem Leben ausgeschlossen fühlte.
Wir müssen die Erwartung loslassen, Dinge zu wissen, die wir früher wussten. Wir müssen die Erwartung loslassen, bei den Entscheidungen unserer erwachsenen Kinder mitzureden. Wenn Sie das Studium Ihrer Kinder finanzieren, können Sie sich in einigen Bereichen natürlich noch ein Mitspracherecht vorbehalten, aber spätestens wenn die Kinder auf eigenen Füßen stehen und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, haben Sie kein Mitspracherecht mehr. Selbst wenn Sie Ihre Kinder immer noch unterstützen, müssen Sie Ihre Erwartungen anpassen und ihnen die dringend benötigte Unabhängigkeit gewähren. Erlauben Sie ihnen, ihre Flügel auszubreiten und zu fliegen.
Lassen Sie die Erwartung los, dass Ihre Kinder die gleichen Prioritäten haben wie Sie
Wenn sich unsere Kinder ein eigenes Leben aufbauen, haben sie die Freiheit, auch ihre Prioritäten selbst festzulegen. Sie haben das Fundament gelegt, aber welches Haus die Kinder darauf bauen wollen, entscheiden sie selbst. Mir gefällt das Bild, das Sara, die Frau unseres Pastors, gebraucht: »Wenn die Kinder beschließen, auf das Fundament, das du gelegt hast, eine schäbige Hütte zu bauen, ist es deine Aufgabe zu beten, dass sie irgendwann die Hütte einreißen und das schöne Schloss bauen, für das du das Fundament vorbereitet hast.«
Wir müssen lernen, dass nicht mehr wir die Prioritäten unserer Kinder festlegen. Fast 20 Jahre lang haben Sie ihnen geholfen, gute Entscheidungen zu treffen und vernünftige Prioritäten zu setzen. Jetzt müssen die Kinder das selbst machen. Es ist gut möglich, dass Sie mit ihren Prioritäten nicht einverstanden sind. Dieser Abnabelungsprozess kann schrittweise geschehen, solange die Kinder noch unter Ihrem Dach wohnen und erwachsen werden. Er sollte aber spätestens dann abgeschlossen sein, wenn die Kinder ihre eigene Wohnung haben und ihre eigene Familie gründen.
Vor mehreren Jahren schrieb ich zusammen mit Pam Farrel das Buch Got Teens?. Bei unseren Recherchen stießen wir auf eine interessante Studie zur Hirnentwicklung. Dr. Jay Giedd vom amerikanischen National Institute of Mental Health schreibt: »Der letzte Teil des Gehirns, der seine endgültige Form und Dimension annimmt, ist der präfrontale Cortex, in dem die sogenannten ausführenden Funktionen sitzen – planen, Prioritäten setzen, Gedanken ordnen, Impulse unterdrücken, die Konsequenzen des eigenen Handelns abwägen. Mit anderen Worten, der Teil des Gehirns, der als Letztes erwachsen wird, ist der Teil, der für Entscheidungen zuständig ist. Entscheidungen wie zum Beispiel: Ich mache zuerst meine Hausaufgaben, dann bringe ich den Müll hinaus und erst dann schreibe ich meinen Freunden, ob wir ins Kino gehen wollen.«1 Studien legen nahe, dass das Gehirn erst im Alter von 25 Jahren voll entwickelt ist. Ja, das heißt, dass unsere Kinder jetzt ihre Prioritäten selbst festlegen, obwohl sie dafür noch gar nicht vollständig ausgerüstet sind.
Doch auch ohne Berücksichtigung der Hirnforschung sind unsere jungen Erwachsenen einfach andere Menschen als wir. Was uns wichtig ist, ist ihnen vielleicht nicht wichtig. Oder es dauert seine Zeit, bis ihnen diese Dinge wichtig werden. Zum Beispiel kann es sein, dass ihnen Familie erst wieder wichtig ist, wenn sie selbst Eltern werden.
Es ist unsere Aufgabe, ihnen die Freiheit zu geben, andere Prioritäten zu haben als wir. Wir müssen dem Drang widerstehen, ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie anders sind als wir. Wir dürfen kommunizieren, was uns wichtig ist, aber es nicht persönlich nehmen, wenn unsere Kinder andere Prioritäten haben als wir. Hier geht es nicht darum zu jammern: »Was haben wir bei der Erziehung dieses Kindes falsch gemacht?«, sondern ruhig zu bleiben und zu sagen: »Ich weiß, dass er versucht, sich im Leben zurechtzufinden, und ich werde ihm dafür den nötigen Raum geben.«
Lassen Sie die Erwartung los, dass Ihre Kinder so mit Ihnen kommunizieren, wie Sie es gern hätten
Ich habe fünf erwachsene Kinder und jedes von ihnen kommuniziert auf andere Weise mit mir. Mit zwei von ihnen spreche ich fast täglich. Entweder ich rufe sie an oder schreibe ihnen oder sie melden sich. Ich weiß meistens, was in ihrem Leben los ist. Von Kind Nummer drei höre ich ungefähr einmal in der Woche und von Nummer vier und fünf höre ich ungefähr einmal im Monat. Jeder dieser Gesprächsabstände ist völlig normal.
Das gilt auch für den Kontakt unserer Kinder zu ihren Geschwistern. Sie wünschen sich vielleicht, dass Ihr Kind eine enge Beziehung zu seinen Geschwistern hat. Aber Ihre Kinder müssen selbst entscheiden, wie intensiv sie ihre Beziehungen pflegen. Sie haben das Fundament gelegt, aber die Kinder entscheiden selbst, wie viel sie als Erwachsene in ihre Beziehungen investieren.
Übrigens leert sich bei den meisten Eltern, die mehr als nur ein Kind haben, das Nest schrittweise. Wenn das erste Kind auszieht, ist plötzlich ein Stuhl am Esstisch leer. Vielleicht sind Sie versucht, oft darüber zu sprechen, wie sehr dieser leere Stuhl Sie schmerzt. Dabei vergessen Sie, dass die Kinder, die noch zu Hause wohnen, Sie auch brauchen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Kindern, die noch zu Hause wohnen, nicht unabsichtlich vermitteln, sie wären Ihnen weniger wichtig. Unterlassen Sie deshalb Bemerkungen wie: »Ich vermisse Sophie so sehr; ohne sie ist es hier nicht mehr so wie früher.«
Jedes Kind ist anders. Auch das Bedürfnis der Kinder, mit Ihnen und anderen Familienmitgliedern Kontakt zu haben, ist verschieden. Von einigen hören Sie nur, wenn sie etwas brauchen. Andere beziehen Sie in fast jeden Bereich ihres Lebens ein. Es ist Ihre Aufgabe, sich an den Takt anzupassen, den die Kinder vorgeben.
Sie denken jetzt vielleicht: »Und was ist mit meinen Wünschen? Was ist mit meinem Bedürfnis, Kontakt zu meinem Kind zu haben?« Natürlich können Sie Ihren Kindern sagen, dass Sie gern jede Woche mit ihnen sprechen würden, aber wenn die Kinder den Wunsch haben, sich nur einmal im Monat zu melden, müssen Sie einen Kompromiss finden, mit dem Sie beide leben können. Ihre Aufgabe ist es, Ihren Wunsch offen zu kommunizieren (»Ich würde gern einmal in der Woche mit dir sprechen«) und nicht indirekt auf passiv-aggressive Weise (»Es wäre echt schön, öfter als einmal im Jahr von dir zu hören«). Sie sollten keine Schuldgefühle erzeugen, keine sarkastischen Bemerkungen machen und auf unterschwellige Manipulationsversuche verzichten. Direkte, ehrliche Kommunikation mit Liebe und Freundlichkeit bringt Sie in der sich verändernden Beziehung zu Ihrem Kind am besten weiter.
Lassen Sie die Erwartung los, Sie könnten Ihre Kinder ändern
Wir Mütter sehen ganz genau, in welchem Bereich unsere Kinder reifen müssen. Wir hatten einen Blick dafür, als sie unter unserem Dach lebten. Das ändert sich auch nicht, wenn sie ausziehen und sich ihr eigenes Leben aufbauen: Wir sehen immer noch ganz genau, was sie ändern müssten. Allerdings haben wir nun nicht mehr die Autorität, diese Punkte anzusprechen, solange wir nicht gefragt werden. Das ist sehr schwer. Wenn unsere Kinder fragen, können wir ihnen natürlich Ratschläge geben und ihnen unsere Bedenken mitteilen. Aber wenn sie nicht fragen, müssen wir unsere Bemerkungen für uns behalten und unsere Sorgen im Gebet zu Gott bringen.
Meine Freundin Becky handhabt das so: Wenn sie versucht ist, ihren erwachsenen Sohn auf etwas anzusprechen, überlegt sie, wie sie diesen Punkt bei einer Freundin ansprechen würde. Meistens erkennt sie dann, dass sie ihn bei einer Freundin überhaupt nicht thematisieren würde! Das hilft ihr, sich in Selbstbeherrschung zu üben und lieber zu beten.
Das Gebet ist keine Lösung zweiter Wahl. Im Gegenteil, Gebet sollte unsere erste Option sein. Schließlich ist Gott viel mächtiger als Sie und ich! Warum bringen wir das immer wieder durcheinander? Unser Kontrollwunsch meldet sich öfter, als wir wahrhaben wollen. Nicht nur das, wir versuchen auch, Gott unser Timing aufzudrängen. Im Grunde läuft es auf Vertrauen hinaus: Vertraue ich Gott wirklich und lege meine Kinder und die Dinge, die sie ändern müssen, in seine Hände?
Hier geht es auch darum, um das zu trauern, was nicht ist, und das zu akzeptieren, was ist. Wenn Sie Ihre Kinder in einem gläubigen Elternhaus aufgezogen haben, die Kinder sich aber von Gott abgewandt haben, dann trauern Sie, denn Sie sind enttäuscht. Sprechen Sie mit Gott offen über Ihren Schmerz und akzeptieren Sie dann die Realität, dass Sie im Moment vielleicht der einzige Mensch sind, der Ihrem Kind Jesus vorleben kann. Akzeptieren Sie die Realität, dass Ihr Kind seinen eigenen Glaubensweg geht. Vertrauen Sie, dass Gott Ihrem Kind nachgeht und dass er es noch viel mehr liebt als Sie. Beten Sie jeden Tag für Ihre Kinder.
Egal, wie Ihre Enttäuschungen oder die ungesunden Lebens- und Beziehungsbereiche Ihrer Kinder aussehen: Erlauben Sie sich, um unerfüllte Wünsche zu trauern. Reden Sie den Schmerz in Ihrem Herzen nicht klein. Kehren Sie die Sache nicht unter den Teppich und verdrängen Sie den Schmerz und die Enttäuschung nicht. Vergießen Sie Tränen. Sprechen Sie Ihre Enttäuschung aus. Bringen Sie Ihre Wut über diesen Verlust zum Ausdruck. Schütten Sie vor Gott Ihre Gefühle aus. Wenn Sie der Trauer Raum gegeben haben, kommt als nächster Schritt das Annehmen. Bitten Sie um Weisheit, wie Sie die Tatsachen annehmen können. Machen Sie sich bewusst: Annehmen bedeutet nicht Zustimmung. Annehmen heißt, dass Sie anerkennen, dass Ihr Kind kämpft.
Was am Leben Ihres erwachsenen Kindes enttäuscht Sie? Wo würden Sie gern Veränderungen sehen, obwohl Sie wissen, dass Sie diesen Punkt nicht mehr ansprechen können? Worüber müssen Sie trauern und es dann akzeptieren?
Passen Sie Ihre Erwartungen der Realität an
Erwartungen führen in allen unseren Beziehungen zu Schwierigkeiten. Wenn wir mehr Freude im Leben haben wollen, müssen wir aufhören, Erwartungen an andere Menschen zu stellen. Wir können beten, träumen und hoffen, aber wir sollten nichts erwarten. In diesem Kapitel ging es um Erwartungen an unsere erwachsenen Kinder. Die gleichen Prinzipien gelten auch in Bezug auf unseren Ehepartner, unsere Verwandten, unseren Arbeitsplatz, unseren sich verändernden Körper und so weiter. Auf den kommenden Seiten sprechen wir viele dieser Bereiche an.
Wenn wir lernen, Erwartungen als solche zu erkennen und sie loszulassen, können wir der Liebe und Freundlichkeit mehr Raum in unserem Leben geben. Wenn wir die Erwartung loslassen, Dinge zu wissen, die wir in der Vergangenheit gewusst haben, sind wir für Neues offen. Wenn wir die Erwartung loslassen, dass unsere Kinder die gleichen Prioritäten haben wie wir, sind wir nicht beleidigt, wenn unsere Unterschiede sichtbar werden. Wenn wir die Erwartung loslassen, dass sich unsere Kinder so oft bei uns melden, wie wir das gern hätten, können wir die Momente, in denen wir mit ihnen sprechen, viel mehr wertschätzen. Und wenn wir die Erwartung loslassen, dass wir sie ändern könnten, können wir sie so annehmen, wie sie sind, und uns über das freuen, was Gott in ihrem Leben tut (auch wenn es vermutlich nicht so schnell geht, wie wir es gern hätten!). Wenn Sie Ihre Erwartungen der Realität anpassen oder Erwartungen an andere vollständig loslassen, werden Sie feststellen, dass Ihre Zufriedenheit zunimmt, Ihre Liebe wächst und dass Ihre Beziehung zu Ihren unvollkommenen Kindern gestärkt wird.
Vers für heute:
»Denn alles ist mir möglich durch Christus, der mir die Kraft gibt, die ich brauche.«
Philipper 4,13
Der nächste Schritt:
Achten Sie auf Ihre Erwartungen (Tipp: Sie kommen meist dann zum Vorschein, wenn Sie enttäuscht oder frustriert sind). Fangen Sie an, andere von Ihren Erwartungen zu befreien, damit Sie selbst mehr Zufriedenheit und Freude in dieser neuen Lebensphase erfahren.
Gespräch mit Gott:
Herr, ich bekenne, dass ich viele Erwartungen habe. Einige sind unrealistisch, einige sind mir gar nicht bewusst und die meisten habe ich nie ausgesprochen, aber sie sind da. Ich weiß, dass ich mit deiner Hilfe anfangen kann, Erwartungen loszulassen, damit ich einen Blick für den Segen bekomme, den du mir schenkst. Mehr als alles andere möchte ich immer erwarten, dass du in meinem Leben und im Leben meiner Kinder am Werk bist. In Jesu Namen. Amen.
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2.
Lassen Sie Ihre Schuldgefühle los
Ich las im Internet einen Artikel darüber, wie man mit seinen Kindern über Sex spricht. Ich fand den Artikel gut und schickte ihn meiner Tochter, die ein achtjähriges Kind hat, das anfängt, Fragen zu stellen, die für Eltern nicht immer leicht zu beantworten sind. Als ich auf »Weiterleiten« klickte, befielen mich plötzlich Schuldgefühle. Ich wünschte mir aufrichtig, wir wären mit dem Thema Sex besser umgegangen, als unsere Kinder jünger waren. Ich würde viel geben, wenn ich die Zeit zurückdrehen und es besser machen könnte. So geht es mir bei vielen Dingen!
Hinterher ist man immer klüger. Im Rückspiegel des Lebens sehen wir die Dinge immer klarer. Dank unserer heutigen Erfahrung sehen wir die Situation aus einer umfassenderen Perspektive. Damals steckten wir mittendrin. Heute betrachten wir sie von außen. Wir haben auch den nötigen Abstand zu unseren damaligen Gefühlen; unser Blick ist nicht durch die Gefühlsbrille getrübt.
Es gibt immer Dinge, bei denen wir wünschen, wir hätten sie anders angepackt. Dieses Gefühl kennen alle Eltern, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Wir müssen die Schuldgefühle loslassen, die sich einschleichen und uns die Freude rauben wollen. Wie schaffen wir das?
Der Ankläger
»Also gibt es jetzt für die, die zu Christus Jesus gehören, keine Verurteilung mehr« (Römer 8,1). Wir sind frei von Sünde und Tod, wenn wir Jesus als unseren Erlöser annehmen. Trotzdem geht der Kampf um unseren Kopf und unser Herz weiter. Es ist ein Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, Wahrheit und Lügen. Jesus sagt: »Ein Dieb will rauben, morden und zerstören. Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken« (Johannes 10,10). Die Bibel sagt, dass Satan der Ankläger ist (Offenbarung 12,10). Petrus fordert uns auf: »Seid besonnen und wachsam und jederzeit auf einen Angriff durch den Teufel, euren Feind, gefasst! Wie ein brüllender Löwe streift er umher und sucht nach einem Opfer, das er verschlingen kann« (1. Petrus 5,8).
Wenn uns dieser geistliche Kampf nicht bewusst ist, fallen wir zu leicht auf die Lügen herein, die uns aufgetischt werden. Wir glauben diese Anschuldigungen und leben in Scham und Vorwürfen statt in Freiheit und Gnade. Das lähmt uns in unseren Beziehungen und macht uns im Glauben ohnmächtig. Es raubt unsere Freude, tötet unsere Beziehungen und zerstört unseren von Gott gegebenen Auftrag in dieser Welt. Das dürfen wir nicht zulassen.
Was soll eine Mutter also machen? Wie wehrt sie die Anklagen ab? Wie hört sie auf, sich schuldig zu fühlen, und verwandelt Schuldgefühle in Gnade und Dankbarkeit? Wie erreichen wir durch den Blick in den Rückspiegel den dringend benötigten Sieg?
Die Perfektionskrankheit
Die Perfektionskrankheit bewirkt, dass wir unrealistische Erwartungen an uns selbst stellen und uns ungerechtfertigt mit anderen vergleichen. Sie raubt uns unsere Freude und Zufriedenheit und lädt unserem manchmal empfindlich schwachen Selbstwertgefühl schwere Schuldgefühle auf.
Die sozialen Medien können das noch verstärken, denn es entsteht ein gewisser Konkurrenzdruck, wenn wir das Leben anderer Eltern in den sozialen Medien sehen. Wir müssen uns bewusst machen, dass ihre Onlinefotos normalerweise nicht die harten Seiten ihres Lebens darstellen. Wenn ich versucht bin, mich mit einer anderen Frau zu vergleichen, sage ich mir oft: »Sie hat eine private Geschichte, die ich nicht kenne.« Diese einfache Erinnerung bewahrt mich davor, mich mit anderen zu vergleichen, und holt mich auf den Boden der Realität zurück.
Es gibt keine Mutter und keinen Vater, die als Eltern perfekt sind. Wir sind unvollkommene Menschen, die ihr Bestes geben, um die nächste Generation gut zu erziehen. Wir sind selbst Lernende und haben manchmal das Gefühl, dass wir einige Lektionen leider zu spät lernen, um sie noch in unseren Erziehungsstil einbauen zu können. Aber es ist nicht zu spät, unser Wissen als Mentorin, als Schwiegermutter oder als Großmutter weiterzugeben. Es ist auch nicht zu spät, die gelernten Erkenntnisse in unserem eigenen Leben umzusetzen.
Mir gefällt der weise Satz von Nelson Mandela: »Ich verliere nie. Entweder ich siege oder ich lerne.« Im Laufe der rund 20 Jahre, in denen wir unsere Kinder erzogen haben, haben wir viele Erziehungssiege erlebt. Aber wir haben als Eltern auch viel gelernt. Wenn Sie mehr als ein Kind haben, können Sie das Gelernte bei den jüngeren Kindern umsetzen, aber trotzdem können Sie nie alles richtig machen. Auf dieser Erde werden wir keine Perfektion erlangen. Ich habe einige wichtige Gegenmittel gegen diese Perfektionskrankheit entdeckt. Diese wichtigen Gegenmittel helfen uns, Mama-Schuldgefühle zu erkennen und abzulegen, damit wir frei werden und die bestmögliche Version unserer selbst sein können.
Demut
Eines Morgens war ich emotional am Ende. Ich hatte das Gefühl, dass jedes Einzelne meiner Kinder und auch mein Mann etwas von mir wollten. Ich hatte keine Kraft mehr, um noch irgendjemandem zu helfen. Plötzlich tauchte das Muttermonster auf: In einem Versuch, noch ein wenig Kontrolle zu behalten, begann ich zu schreien. Wenn ich ehrlich bin, trat dieses Monster in den Jahren, in denen ich meine Kinder aufzog, öfter zutage, als mir lieb ist.
Wünsche ich, ich könnte die Zeit zurückdrehen und in diesen Situationen anders reagieren? Ja, natürlich. Kann ich die Zeit zurückdrehen? Nein. Das kann ich nicht. Und Sie können es auch nicht. Demut ermöglicht uns einen anderen Blick auf diese unvollkommenen Momente, die wir alle hatten.
Wenn wir mit den Schuldgefühlen nicht richtig umgehen, wecken sie einen ungesunden Wunsch, unsere Fehler »wiedergutzumachen«. Das tut Beziehungen überhaupt nicht gut. Dadurch haben wir ständig das Gefühl, den Menschen, an denen wir irgendwie versagt haben, etwas schuldig zu sein. Aber Demut hilft uns zu sagen: »Wir machen alle Fehler. Keiner von uns ist vollkommen. Ich habe mein Möglichstes getan und ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Ich schulde vielleicht jemandem eine Entschuldigung, aber mehr nicht.«
Ob Sie es glauben oder nicht: Schuldgefühle sind eigentlich ein Nebenprodukt des Egos. Demut hilft uns, unser Ego nicht zu ernst zu nehmen. Das lateinische Wort für Demut, humilitas, bedeutet »niedrig oder der Erde nahe«. Wenn wir dem Erdboden nahe sind, also geerdet sind, fallen wir nicht so leicht um. Wir stehen fest in dem, wer wir sind, wem wir gehören und auf wen wir zugehen. Eine geerdete, demütige Person sucht keine Anerkennung, weil sie Frieden hat über ihren Wert, den sie in Gottes Augen hat. Demut hilft, uns von den Mama-Schuldgefühlen zu befreien, die uns gefangen halten wollen.
Selbstvertrauen
»Fehler« können unser Selbstvertrauen sabotieren. Unsere »unvollkommene« Seite tritt öfter zutage, als uns lieb ist. Wenn wir auf unsere Erziehungsjahre zurückblicken, fungiert die Perfektionskrankheit sozusagen als Vergrößerungsglas. Unser Versagen wird vergrößert dargestellt, während unsere Erfolge in unserer Erinnerung immer kleiner werden oder sogar ganz fehlen. Doch wenn wir aus diesen Situationen lernen, baut das unser Selbstvertrauen auf.
Wir können lernen, uns mit Gottes Augen zu sehen, da wir wissen, dass seine Gnade dort mächtig ist, wo wir versagt haben. Seine Gnade überwindet unsere Unvollkommenheiten. Das schenkt uns neues Selbstvertrauen.
Wahres Selbstvertrauen ist im Grunde Gottvertrauen. Es geht dabei nicht so sehr um den Glauben an uns selbst als vielmehr um den Glauben an das, was Gott durch uns getan hat und tut. Es geht darum, dass wir lernen, uns selbst nicht immer einzureden: »Ich kann nicht.« Vielmehr sollten wir uns bewusst machen: »Gott kann!« Im Rückblick können wir aus dem »Ich habe nicht« ein »Gott hat« machen.
Ich habe meine Tochter Erica in ihrer Kindheit nicht nur einmal, sondern sogar zweimal vergessen. Einmal habe ich sie nach der Schule vom Training nicht abgeholt und einmal habe ich sie nach dem Sportunterricht vergessen. Beide Male habe ich mich entschuldigt und um Vergebung gebeten. Gott hat diese Fehler benutzt, um mein Mädchen zu lehren, was es heißt, sich zu entschuldigen und zu vergeben. Das ist ein Beispiel für »Ich habe nicht«, aber »Gott hat«.
Erica hatte während ihrer Schulzeit geistliche und psychische Probleme. Sie beschreibt ihre Probleme und den Umgang ihrer Schule und Jugendgruppe mit ihrer Rebellion folgendermaßen: »Mama, in mir brannte ein Feuer. In der Kirche und in der Schule hat man mir nur gesagt, dass ich ›Rauch verbreite‹. Aber du und Papa habt versucht herauszufinden, was dieses Feuer in mir auslöste. Ihr habt tiefer gesehen.« Erica zu erziehen, war nicht leicht, aber in diesem Fall haben wir es anscheinend richtig gemacht. Und sicher gab es auch andere Situationen, in denen wir richtig gehandelt haben, auch wenn unsere Kinder uns das nicht gesagt haben. Ja, viele Fehler, aber auch viele Erfolge.
Das Gegenmittel Selbstvertrauen erlaubt uns zu sehen, wie Gott uns geführt hat, wie er unsere Mängel ausgefüllt und wie er unsere Fehler benutzt hat. Wenden Sie den Blick von sich selbst ab und richten Sie ihn auf Gott. Selbstvertrauen schenkt uns die Freiheit, den unvollkommenen Menschen, der wir sind, anzunehmen, da wir wissen, dass Gott in uns und in unseren inzwischen erwachsenen Kindern immer noch am Werk ist!
Gnade
Unsere Sehnsucht, im Leben »perfekt« zu sein, zwingt uns, es immer wieder zu versuchen. Wir haben versucht, unseren Kindern die bestmögliche Mutter zu sein. Wir versuchen jetzt, die bestmögliche Mutter unserer erwachsenen Kinder zu sein. Wir reden uns vielleicht ein, wir hätten mehr Erfolg, wenn wir uns ein wenig mehr anstrengen würden. Selbstverständlich müssen wir unser Bestes geben und das Bestmögliche anstreben, aber Perfektion gibt es nicht. Es ist dringend nötig, dass wir die Gnade annehmen und zur Ruhe finden.
Wenn wir Strafe verdienen, aber stattdessen Barmherzigkeit erfahren, ist das Gnade. Gnade bildet den Mittelpunkt unserer Beziehung zu Gott. Gottes Gnade müssen wir uns nicht verdienen. Wir bekommen sie geschenkt. Wir müssen das Geschenk der Gnade nur annehmen.
In menschlichen Beziehungen bedeutet Gnade, dass wir anderen erlauben, menschlich zu sein und Fehler zu machen, und dass wir sie nicht für jede Kleinigkeit kritisieren, die sie falsch oder anders als wir gemacht haben. Manchmal vergeuden wir so viel Zeit und Energie damit, an den kleinsten Kleinigkeiten bei unserem Mann, unseren Kinder, Freunden und Nachbarn herumzunörgeln. Wir ziehen voreilige Schlüsse über Menschen, die wir nicht kennen. Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir Verurteilung durch Gnade ersetzen würden? Welche Freiheit würden wir erleben, wenn wir Gnade schenken, statt Urteile zu verhängen? Damit sollten wir bei uns selbst anfangen.
Es ist so wichtig, dass wir Schuldgefühle durch Gnade ersetzen. Was würde passieren, wenn Sie beim nächsten Mal, wenn Sie sich an einen Fehler erinnern, zu sich sagen: »Ich war nicht perfekt, das stimmt. Jeder macht Fehler. Deshalb bin ich gnädig zu mir und gehe weiter«? Das ist alles. Sie machen sich nicht selbst fertig. Sie spielen die Situation nicht ständig im Kopf durch. Sie lassen sich nicht von einer Stimme in Ihrem Kopf beschimpfen. Können Sie sich vorstellen, mit welcher Freiheit Sie dann nach vorne gehen?
Gott sieht uns mit Augen der Gnade. Seine Botschaft ist: Hör auf, dich fertigzumachen und in deinen Fehlern zu leben. Lebe stattdessen in meiner Gnade. Ich liebe dich so, wie du bist. Du brauchst nicht »vollkommen« zu sein. Komm und suche zuerst in einer authentischen Beziehung zu mir und dann in einer authentischen Beziehung zu anderen Menschen Freiheit.
Vergebung
Wir müssen eine Entscheidung treffen: Die Entscheidung, uns selbst und anderen zu vergeben. Gnade verlangt Vergebung. Wenn wir wünschen, wir könnten »es wiedergutmachen«, oder auf die Situationen zurückblicken, in denen wir »gelernt« haben (vergessen Sie nicht: Wir sprechen nicht von Fehlern!), ist es vermutlich nötig, dass wir uns entscheiden, uns zu vergeben. Das Schlüsselwort hier ist entscheiden. Uns ist vielleicht nicht nach Vergebung zumute. Wir müssen uns entscheiden, uns selbst zu vergeben.
Wir sind nicht perfekt. Wir hatten in der Situation nicht das Wissen, anders damit umzugehen; deshalb werden wir daraus lernen und in unserem Kopf und in unserem Herzen nach vorne gehen. Wenn wir eine Situation im Rückspiegel betrachten, sehen wir sie durch eine andere Brille und in einem anderen Kontext als damals, als wir mitten in dem Schlamassel steckten. Wenn wir das verstehen, fällt es uns leichter, uns zu vergeben.
Vergebung ist keine einmalige Angelegenheit. Es kann sein, dass wir in Zukunft wieder über diese Erinnerung stolpern. In diesem Fall machen wir uns bewusst, dass uns vergeben ist, und lassen uns erneut von Vergebung und Gnade reinwaschen. Vielleicht sehen wir eine Situation dann auch aus einem anderen Blickwinkel, weil wir jetzt wissen, wie sie ausging. Deshalb beschleichen uns Schuldgefühle. Wenn das der Fall ist, müssen wir uns erneut für die Vergebung entscheiden. Die Situationen, in denen wir »gelernt« haben, sind Punkte, die der Feind benutzen will, um uns anzuklagen. Wir müssen also der Versuchung widerstehen, uns für alles schuldig zu fühlen, was uns vor die Füße geworfen wird. Wenn die Schuldgefühle anklopfen, müssen wir uns aktiv für Vergebung und Gnade entscheiden.
Wie sieht es mit unserer Beziehung zu anderen aus? Anderen zu vergeben, ist auch eine Entscheidung, die wir treffen müssen. Genauso wenig, wie wir uns danach fühlen, uns selbst zu vergeben, fühlen wir uns danach, anderen zu vergeben. Wir können vielleicht nicht vergessen, aber wir können uns dafür entscheiden, nicht an unserer Verletzung festzuhalten. Wir können uns entscheiden, die Sache in Gottes Hände zu legen, damit wir heilen und in unseren Beziehungen vorwärts gehen können.
Wir müssen lernen zu vergeben, wenn wir unsere erwachsenen Kinder begleiten wollen. Denn einige ihrer Entscheidungen werden uns unweigerlich verletzen. Vergebung ist auch für eine Schwiegermutter wichtig, denn auch die Ehepartner, die sich unsere Kinder aussuchen, sind nicht perfekt. Großeltern müssen vergeben können. Wenn die Enkel älter werden, geben sie uns vielleicht das Gefühl, dass sie uns immer weniger brauchen. Oder sie entscheiden, dass sie nicht mehr so viel mit uns unternehmen wollen. Falls Sie sich entscheiden, in Ihrer neuen Lebensphase als Mentorin andere Menschen zu begleiten, hilft Ihnen Vergebung, das Geschehene abzuhaken und Gott Ihr Herz zur Verfügung zu stellen, damit er es nach seinem Willen gebrauchen kann. Wenn Verletzungen geschehen, können wir zurückschlagen, leise schmollen oder vergeben. Die beste Entscheidung ist Vergebung.
Mut
Der Feind ist der Ankläger und wird oft besonders aktiv, wenn der Auszug unserer Kinder näher rückt. Er setzt alles daran, uns unsere Freude zu rauben. Wir müssen den Mut haben, die Verantwortung für uns zu übernehmen und unsere Kinder die Verantwortung für ihr Leben selbst tragen zu lassen. Warum neigen wir Mütter dazu, uns für mehr verantwortlich zu fühlen, als wir müssen? Warum geben wir uns die Schuld für die Sünden unserer Kinder? In der Erziehung kombiniert sich unsere Unvollkommenheit mit der Unvollkommenheit unserer Kinder und dann fühlen wir uns für alles schuldig!
Natürlich kann unsere Führung oder fehlende Führung in einem gewissen Maß das Leben unserer Kinder beeinflussen. Deshalb haben wir uns nach Kräften um eine gute Erziehung bemüht. Ja, es gab Zeiten, in denen wir zu müde oder zu gestresst waren, um es richtig zu machen, aber insgesamt haben wir mit dem Wissen und den Fähigkeiten, die uns zur Verfügung standen, das Bestmögliche getan. Wir haben das Fundament gelegt. Wenn unsere Kinder nun ins Erwachsenenleben eintreten, müssen sie selbst ihr Haus darauf bauen. Sie allein sind verantwortlich für ihre weiteren Entscheidungen, wie sie es übrigens auch als Kinder und Jugendliche in vielen Fällen schon waren. Darauf gehen wir später noch genauer ein.
Wir brauchen außerdem den Mut, unsere erwachsenen Kinder nicht zu verwöhnen. Das ist ein weiterer Grund, warum wir unsere Schuldgefühle loslassen müssen. Wir dürfen uns nicht »verpflichtet« fühlen, ihre Fehler auszubaden. Wir müssen unsere erwachsenen Kinder die Konsequenzen für ihre Entscheidungen fühlen lassen. Widerstehen Sie der Versuchung, ihnen aus der Patsche zu helfen. Verlangen Sie, dass sie Miete zahlen, falls sie noch zu Hause wohnen. Fordern Sie sie auf, auszuziehen, wenn sie sich weigern, sich an die Regeln in Ihrem Haus zu halten. Dazu ist Mut nötig.
Verwandeln Sie Schuldgefühle in Dankbarkeit
Wenn wir die Gegenmittel für die Perfektionskrankheit einsetzen – Demut, Selbstvertrauen, Gnade, Vergebung und Mut –, verwandeln wir den Ansturm der Schuldgefühle immer mehr in Dankbarkeit. Demut hilft uns zu verstehen, dass kein Mensch perfekt ist und dass nicht Gott von uns erwartet, dass wir perfekt sind. Selbstvertrauen hilft uns, nicht bei den Schuldgefühlen und dem »Ich kann nicht« stehen zu bleiben, sondern dankbar zu sagen: »Gott kann!«. Wir nehmen dankbar das Geschenk der Gnade an, durch das Gott uns von unberechtigten Schuldgefühlen befreit. Durch Vergebung werden wir frei von den Ketten der Schuldgefühle. Und wir brauchen Mut, um das Gefühl der Verantwortung für Dinge loszulassen, für die wir gar nicht verantwortlich sind. Wir helfen damit auch unseren Kindern zu wachsen und die Verantwortung für die Dinge zu übernehmen, die sie verschuldet haben. Wenn wir uns von der Perfektionskrankheit befreien, können wir unsere Schuldgefühle loslassen und sie ersetzen durch Dankbarkeit für die 18 oder mehr Jahre, in denen wir dieses Kind führen, lieben und uns an ihm freuen durften.
Vers für heute:
»Also gibt es jetzt für die, die zu Christus Jesus gehören, keine Verurteilung mehr.«
Römer 8,1
Der nächste Schritt:
Wenn Sie versucht sind, sich mit einer anderen Mutter in den sozialen Medien, in Ihrer Gemeinde, an Ihrem Arbeitsplatz oder in Ihrer Nachbarschaft zu vergleichen, dann sagen Sie sich: »Sie hat eine persönliche Geschichte, die ich nicht kenne.« Das befreit Sie vom Zwang, sich mit anderen zu vergleichen, und stellt Sie auf das Fundament der Realität.
Gespräch mit Gott:
Herr, manchmal erdrücken mich Schuldgefühle. Ich weiß, dass du nicht willst, dass ich so lebe. Hilf mir, mich nicht länger mit anderen zu vergleichen und mich nicht zu verurteilen. Zeige mir, wie ich Schuldgefühle in Gnade und Dankbarkeit umwandeln kann. Danke für die Jahre, in denen ich dieses Kind führen, lieben und mich an ihm freuen durfte. Danke für die kommenden Jahre, in denen ich es weiterhin lieben, ermutigen und mich an ihm freuen kann, während es ins Erwachsenenleben eintritt. In Jesu Namen. Amen.
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3.
Lassen Sie den Wunsch los, Ihre Meinung zu äußern
Es war kurz nach der Hochzeit unserer ältesten Tochter, als mich jemand fragte, wie es sei, Schwiegermutter zu sein. Ich antwortete, dass ich bei meinen erwachsenen Kindern gelernt habe, den Mund zu halten. »Man muss oft mit Hmm und Aha antworten, wenn man hört, welche Entscheidungen sie treffen«, ergänzte ich.
So ist es tatsächlich. Ihre Kinder führen jetzt ihr eigenes Leben und treffen ihre Entscheidungen selbst. Diese Entscheidungen gefallen uns vielleicht nicht und wir stimmen ihnen vielleicht auch nicht immer zu. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir den Wunsch loslassen, zu allem unsere Meinung zu äußern.
Meinungen und Erwartungen
Wenn wir erwarten, dass unser Kind eine Miniversion von uns selbst wird, werden wir schmerzlich enttäuscht werden. Unsere Kinder haben ihren eigenen Stil, ihren eigenen Geschmack und ihre eigenen Vorstellungen. Wenn unsere Kinder ihr eigenes Leben aufbauen, kann es leicht passieren, dass wir die »So habe ich dich nicht erzogen!«-Karte ausspielen wollen. Gewiss gibt es Zeiten, in denen wir unsere erwachsenen Kinder an ihre Herkunft und an ihre Erziehung erinnern können, aber diese Karte sollten wir sehr sparsam einsetzen, wenn sie etwas bewirken soll.
Ihnen gefällt der Bart Ihres Sohnes nicht? Sagen Sie nichts.
Ihnen gefällt die Haarfarbe Ihrer Tochter nicht? Sagen Sie nichts.
Ihnen gefällt der Erziehungsstil Ihres Kindes nicht? Solange Ihre Enkel nicht in Gefahr sind, müssen Sie lernen, den Mund zu halten. Sagen Sie nichts.
Ihnen gefällt die Arbeitsstelle nicht, die Ihr Kind hat? Sagen Sie nichts.
Ihnen gefällt nicht, wie Ihr Kind mit seinem Geld umgeht? Sagen Sie nichts. Und laufen Sie nicht los, um ihm aus der Patsche zu helfen! Lassen Sie es die Konsequenzen spüren, wenn es schlechte Entscheidungen getroffen hat, damit sich Fehler nicht wiederholen.
Wenn Ihr junger Erwachsener immer noch von Ihnen abhängig ist, haben Sie natürlich ein gewisses Mitspracherecht. Aber diese Option sollten Sie sich für Bereiche aufheben, die wirklich wichtig sind. Und die Haarfarbe gehört definitiv nicht dazu! Ja, selbst wenn sie blau ist. Und ja, selbst auf Ihren Familienfotos.
Ich spreche hier aus Erfahrung. Unser mittleres Kind Erica ist unsere Künstlerin. »Freigeist« wäre auch eine gute Beschreibung. Ihre Haare waren schon rosa, blau, silberfarben, rot und vieles andere. Meine Freundin Brenda Garrison fordert mich in ihrem Buch Love No Matter What an dieser Stelle heraus: »Wenn ich mich wegen lila Haaren aufrege, werde ich in ihrem Leben zum Hintergrundgeräusch. Ich habe als Mutter nicht so viel investiert, um jetzt zum Hintergrundgeräusch zu werden.«2
Deshalb müssen wir dem Wunsch widerstehen, zu allem unsere Meinung zu äußern. Wir wollen, dass unsere Stimme Gewicht hat. Dass sie im Leben unserer Kinder etwas bewirkt. Wir wollen nicht, dass sie uns ausblenden. Deshalb müssen wir unsere Worte gut einsetzen. Mehr als alles andere müssen wir unsere Kinder bestätigen und loben. Wenn sie uns nach unserer Meinung fragen, dürfen wir sie (freundlich und vorsichtig) kundtun. Und wenn sie uns nicht fragen? Dann beten wir für die Veränderungen, die wir gern sehen würden, und halten den Mund. Das fällt den meisten Müttern sehr schwer. Deshalb wollen wir uns ein wenig ausführlicher damit beschäftigen.
Die Macht des Lobens
Ich saß einer Frau gegenüber, die wegen eines Gesprächs mit ihrer Mutter weinte. Unter Tränen sagte sie: »Nur ein einziges Mal! Nur ein einziges Mal würde ich gern hören, dass meine Mutter sagt: ›Gut gemacht!‹ Stattdessen höre ich immer nur, dass mein Bruder mit der Situation viel besser umgegangen wäre oder dass ich etwas hätte anders machen sollen.« Die Mutter dieser Frau muss unbedingt lernen, den Mund zu halten. Aber noch mehr muss sie lernen, welche Macht Lob hat.
Wir laufen Gefahr, zu negativ zu sein. Wir laufen Gefahr, zu kritisch zu sein. Zu positiv können wir kaum sein. Wir können selten mehr Lob austeilen, als unsere Kinder brauchen. Als Eltern wollen wir, dass unsere Kinder ihr Potenzial voll ausschöpfen. Oft meinen wir, wir würden das erreichen, wenn wir sie auf ihre Defizite hinweisen. Auf die Bereiche, in denen sie noch wachsen müssen. In Wirklichkeit aber erreichen wir durch Loben viel mehr in ihrem Leben. Damit helfen wir ihnen viel eher, die nötigen Veränderungen vorzunehmen. Lob ist am besten, wenn es konkret ist. Je konkreter, umso besser kommt es an. Statt zu sagen, dass unser Kind »gut« ist, sollten wir ihm sagen, was gut ist – seine Ordentlichkeit, sein Blick fürs Wesentliche, seine Effizienz, seine Freundlichkeit oder seine Ehrlichkeit. Gebrauchen Sie die Worte »weil« oder »und« und konkretisieren Sie Ihr Lob.
Unseren Kindern zu sagen, welche positiven Menschen sie sind, ist ein wertvolles Geschenk:
»Du bist ein herzensguter Mann und mir gefällt, wie du mit deiner Tochter in dieser Situation umgegangen bist.«
»Du hast Weisheit und Taktgefühl gezeigt, denn dieses Problem mit deinem Kollegen war wirklich knifflig.«
»Du bist eine sehr begabte Künstlerin und ich kann über die schönen Dinge, die du schaffst, nur staunen.«
»Du bist so aufmerksam. Danke, dass du auf mein Leben achtest und mir ein so sinnvolles Geschenk machst.«
Für ein Lob von unseren Eltern sind wir nie zu alt. Meine Freundin, die in Tränen aufgelöst war, ist Mitte fünfzig. Wenn ihre Mutter anfinge, ihre beißenden Bemerkungen, Andeutungen und kritischen Worte durch Ermutigung und Lob zu ersetzen, würde das meine Freundin von innen heraus verändern. Auch ihre Mutter-Tochter-Beziehung würde selbst in diesem Alter noch verändert werden!
Beten, nicht reden
Im Galaterbrief werden uns die sogenannten Früchte des Geistes vorgestellt. Wir erleben sie, wenn wir Zeit mit Gott verbringen und ihm die Führung in unserem Leben überlassen. Stellen Sie sich einen Apfelbaum vor. Wenn er Wasser, Sonne und Dünger bekommt, bringt er schöne, köstliche Früchte hervor. So sind wir auch. Wenn wir uns von Gottes Wahrheit ernähren und uns von Jesus führen lassen, bringen auch wir Früchte hervor. Wir erleben »Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung« (Galater 5,22-23). Die Früchte, die wir besonders brauchen, wenn wir gegen die Versuchung ankämpfen, ungebeten unsere Meinung kundzutun, sind Liebe, Geduld, Freundlichkeit, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Wenn wir versuchen, mit etwas aufzuhören, genügt das Aufhören normalerweise nicht, um Erfolg zu haben. Bessere Chancen haben wir, wenn wir mit etwas aufhören und etwas anderes an seine Stelle setzen. Deshalb müssen wir in den Momenten, in denen wir versucht sind, etwas zu sagen, das wir wahrscheinlich nicht sagen sollten, lieber beten. Nehmen Sie sich vor: Beten, nicht reden!
Gott ist viel mächtiger als Sie oder ich. Er hat die Fähigkeit, unsere Kinder innerlich zu verändern. Natürlich ist seine Zeit nicht unsere Zeit und seine Wege sind nicht unsere Wege. An diesem Punkt brauchen wir Geduld. Wir müssen vertrauen, dass Gott uns und unsere Kinder mehr liebt, als wir begreifen oder uns auch nur vorstellen können. Deshalb hat er seinen Sohn auf diese Erde geschickt, damit er für uns am Kreuz starb. Und weil er uns so liebt, ist es in vielen Fällen die viel bessere Entscheidung, zu beten, statt etwas zu sagen. Auf jeden Fall sollten wir immer beten, bevor wir etwas sagen.
Wenn Sie verheiratet sind und Sie beide an Jesus glauben und bis jetzt als Ehepaar nicht viel miteinander gebetet haben, ist jetzt die perfekte Zeit, um damit anzufangen! Jetzt ist Gebet Ihre wichtigste Aufgabe als Eltern. Ihr Einfluss durch Gebet ist viel stärker als Ihr Einfluss durch Worte. Da inzwischen meist nur noch Mark und ich im Auto sitzen, wenn wir irgendwohin fahren, nutzen wir diese Zeit gern, um zu beten. Einer von uns sagt: »Wir könnten für die Kinder beten.« Dann beten wir abwechselnd einen oder zwei Sätze und so geht es hin und her, bis wir für jedes unserer Kinder und Enkel gebetet haben.
Jedes Mal, wenn wir beten, geben wir unsere Sorge und unsere Lasten an Gott ab. Er kann viel mehr tun als wir. Er gibt uns Erkenntnis und die nötige Kraft, das loszulassen, was wir loslassen müssen. Gleichzeitig schenkt er uns einen Blick dafür, was in dieser neuen Lebensphase ansteht!
Lassen Sie die Autorität los
Sie waren 20 Jahre lang die Autorität im Leben Ihres Kindes. Deshalb sind Sie es gewohnt, Ihre Gedanken und Ihre Meinung zu äußern und Ratschläge zu erteilen. Wenn Ihre Kinder auf eigenen Beinen stehen, haben Sie den Stab weitergereicht. Ihre Kinder unterstehen natürlich weiterhin Gottes Autorität und auch menschlicher Autorität: Vorgesetzten, Gesetzen und so weiter. Aber sie stehen nicht mehr unter Ihrer Autorität. Die Autorität loszulassen, fällt uns sehr schwer. Noch schwerer wird es, wenn unsere Kinder selbst Eltern werden. Wenn Ihre Kinder selbst Kinder haben, haben sie bei ihren Kindern das Sagen und nicht Sie als Großeltern! Lassen Sie mich genauer darauf eingehen:
Am Sonntag nach der Geburt meines dritten Enkelkinds in Texas fragte mich eine Nachbarin, ob ich die junge Familie in den nächsten Tagen besuchen würde. Ich antwortete, dass ich das gern tun würde, aber Erica und Kendall hatten mich gebeten zu warten, bis Marie, die acht Wochen zu früh geboren wurde, zu Hause war. »Hast du ihr nicht gesagt, dass Omas das Recht haben zu kommen, wann sie wollen?«, entgegnete sie. Ich lächelte und erklärte, dass ich Ericas und Kendalls Wünsche respektieren wollte.
Dieses Gespräch beunruhigte mich, aber ich konnte nicht genau sagen, warum. Mehrere Gespräche mit meinen beiden Töchtern haben mir geholfen, meine Gefühle in Worte zu fassen. Sie erzählten mir enttäuschende Geschichten, die Freundinnen mit ihren Müttern und Schwiegermüttern nach der Geburt eines Babys erlebt hatten. Zum Beispiel:
* Die Mutter einer jungen Mutter bestand darauf, in der Woche zu kommen, in der das Baby geboren wurde. Diese Oma meinte es wörtlich, als sie sagte, dass sie nur hier sei, um das Baby zu halten. Sie sagte, sie halte das Baby, damit ihre Tochter kochen und Wäsche waschen könne. So egoistisch.
* Die Verwandten einer anderen jungen Mutter – alle acht! – kamen an dem Tag, an dem die Mutter und das Neugeborene aus dem Krankenhaus nach Hause kamen, für eine Woche zu Besuch. Sie übernachteten nicht in einem Hotel. Sie wohnten in dem kleinen Haus des jungen Paares. So unsensibel.
* Eine andere Freundin einer meiner Töchter erzählte: Wenn sie ihre Schwiegereltern besuchen oder wenn die Schwiegereltern kommen oder auf die Kinder aufpassen, halten sich Oma und Opa nicht an die Schlafenszeiten und an die Grenzen, die die jungen Eltern für ihre Kinder aufgestellt haben. Die Großeltern geben ihnen zu verstehen, dass sie so wenig Zeit mit den Enkeln haben, dass sie die extra Zeit mit den Kindern »verdienten«; außerdem sähen die Kinder sowieso nicht müde aus. Insgesamt geben sie (durch ihre Einstellung und ihr Tun) zu verstehen, dass sie die Regeln, Grenzen und gewohnten Abläufe der jungen Eltern für sinnlos halten. So respektlos.
* Eine andere junge Mutter klagte: Wenn ihre Schwiegereltern zu Besuch kommen, nehmen sie ihr keine Arbeit ab, sondern machen ihr zusätzlich Arbeit. Sie bieten selten ihre Hilfe an und bestehen darauf, essen zu gehen, statt selbst zu kochen. Diese junge Mutter findet es anstrengend, mit kleinen Kindern essen zu gehen, ganz zu schweigen davon, dass Restaurantbesuche das Budget der jungen Familie sprengen. So anstrengend.
* Wieder eine andere Mutter machte ihrer Frustration über eine Großmutter Luft, die raucht und Katzen hat. Diese Mutter will ihre Kinder nicht dem Rauch aussetzen und zwei ihrer Kinder haben eine Katzenallergie. Die Großmutter beschwert sich, dass ihre Schwiegertochter sie von ihren Enkeln fernhält, obwohl das nicht stimmt. Die Schwiegertochter bietet großzügig an, sich mit der Oma in einem Park zu treffen, und sie lädt sie zu sich nach Hause ein (wo Rauchen verboten ist). Aber statt dafür dankbar zu sein, ist die Großmutter beleidigt und weigert sich, die Kinder zu treffen, solange es nicht nach ihren Bedingungen geschieht. So eigensinnig.
Es gibt keine »Omarechte«. Die Mutter und der Vater haben das Sagen. Aufgabe der Großeltern ist es, zu helfen und zu ermutigen und im Rahmen des Lebensstils und der gewohnten Abläufe der jungen Familie ihre Unterstützung anzubieten.
Meine Eltern haben mir diese Stabübergabe an die nächste Generation vorgelebt. Als Großeltern haben sie immer viel Liebe weitergegeben und waren bereit zu helfen, aber sie haben kein einziges Mal auf »Großelternrechte« gepocht. Wenn ich meine Kinder ihrer Obhut überließ, musste ich mir nie Sorgen machen, dass sie meine Regeln über Bord werfen würden. Wenn sie uns besuchten, boten sie an, beim Kochen, Geschirrspülen oder Wäschewaschen zu helfen oder die Kinder zur Musikprobe oder zum Sport zu fahren. Wenn sie zu Hochzeiten kamen und unser Haus mit unseren erwachsenen Kindern und ihren Familien voll war, boten sie an, in einem Hotel zu übernachten.
Wenn Ihre Kinder selbst Kinder haben, dann überprüfen Sie Ihre Erwartungen und denken Sie daran, dass es Ihre Aufgabe ist, die Wünsche der jungen Eltern zu respektieren. Selbst wenn Sie damit vielleicht nicht einverstanden sein sollten! Seien Sie ein guter Gast, wenn Sie bei Ihren Kindern übernachten. Bauen Sie Vertrauen auf, indem Sie das tun, worum Ihr Kind oder Schwiegerkind Sie bittet.
Wenn (und falls) Enkel kommen, sollten Sie eine gute Beziehung zwischen Mama und Papa und Oma und Opa anstreben. Zu verstehen, dass wir die Autorität abgegeben haben und dass es keine »Großelternrechte« gibt, ist ein guter Anfang für eine gute Beziehung!
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