Kitabı oku: «Pétanque»

Yazı tipi:


Ich danke meiner Frau Carmen für ihre verständnisvolle Begleitung des Buches, obwohl sie keine Kugelspiele spielt.

Meinem Boulefreund Walter Sick (†) danke ich für seine Unterstützung.




Der Diplom-Volkswirt und Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) Joachim Kopp war über zwölf Jahre in der Führung eines großen und traditionsreichen Pétanque-Vereins in Freiburg tätig, davon fünf Jahre als Vorsitzender. Als langjähriger Wettkampfspieler tritt er für seinen Club mit unverminderter Begeisterung in Ligawettbewerben an.

Impressum

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Copress Verlag

erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1245-8).

Produktion (Printauflage):

VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten

Reproduktion: Pix + Print, Markt Indersdorf

Illustrationen: Anneli Nau, München

Umschlaggestaltung: Stiebner Verlag

Abbildung Umschlagvorderseite: Imago

Abbildung Umschlagrückseite: Fotolia/lilufoto

Abbildungen Innenteil:

Alle Abbildungen – sofern nicht anders vermerkt – sind aus dem Archiv des Autors, außer:

Guillaume Samama (S. 4/5); matmoon (S. 6/7); Emmanuel Marzin (S. 14); lightpoet (S.26); cedricruffini (S. 30); lilufoto (S. 52/53); Vely (S. 58/59); momsarev (S. 110/111); Christian Villes (S. 126/127) alle Fotolia.

Bibliografische Information der

Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Die Ratschläge in diesem Werk sind vom Autor sorgfältig erwogen und geprüft worden. Für die Richtigkeit der Angaben kann jedoch keine Haftung vom Autor bzw. Verlag und deren Beauftragten übernommen werden.

2., erweiterte Neuauflage 2019

© 2012, 2019 Copress Verlag

in der Stiebner Verlag GmbH, Grünwald Alle Rechte vorbehalten.

Wiedergabe, auch auszugsweise,

nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.

Gesamtherstellung: Stiebner, Grünwald

ISBN 978-3-7679-2081-1

www.copress.de

Inhalt

Vorwort zur 2. Neuauflage

Entstehung des Pétanque-Spiels

Das Handwerkszeug

Die Kugel

Die Zielkugel

Der Lappen

Die Messgeräte

Die Kugeltasche

Kleidung und Utensilien

Der Spielablauf

Erste Regeln

Die Mannschaften

Die Triplette (3:3)

Die Doublette (2:2)

Das Tête-à-tête (1:1)

Die Wurftechniken

Die Haltung

Das Kugelfassen

Der Wurf

Das Legen (pointer)

Das Schießen (tirer)

Das Terrain

Das Relief

Auf Terrain libre

Im Boulodrome

In der Halle

Die Taktik

Das mentale Spiel

Auf dem Platz

Das Training

Übungen

Legeübungen

Der gerade Lauf der Kugel

Der kurze Lauf der Kugel

Legespezialitäten wie Drücken, Sau ziehen und Bec

Schießübungen

Die Anordnung der Übungsaufgaben

Die Durchführung und Wertung der Schüsse

Ergebnisprotokoll

Taktik

Die Ernährung

Vereine und Verbände

Die Wettbewerbe

Im Turnier

Das Ligaspiel

Meisterschaften und Pokale der Verbände

Der Schiedsrichter

Selbst ein Turnier veranstalten

Rundenturnier

Poule A-B k. o.

Anhang

Nützliche Internet-Adressen

Deutsche Verbände

Internationale Verbände

Bezugsquellen für Bouleartikel

Bouleschulen

Sonstiges

Glossar


Linke Seite: Hierzulande machen Frauen derzeit im organisierten Pétanque knapp 30 Prozent der Mitglieder aus. Der Deutsche Pétanque Verband fördert den Frauenanteil nach der Idee des Gender Mainstreaming.

Vorwort zur 2. Neuauflage

Vorliegender Band richtet sich in erster Linie an Spieler, die im Urlaub oder auf andere Weise Gefallen an dem Kugelspiel Pétanque gefunden haben und jetzt mehr darüber wissen wollen. Er kann den Spieler begleiten bis zu einem gehobenen Spielniveau. Erfahrene Turnier- und Ligaspieler der oberen Spielklassen können sich mittels dieser Schrift nicht weiterentwickeln. Diese Spieler gehören in die Betreuung lizenzierter Trainer des Deutschen Pétanque Verbandes e. V.

Das Buch gibt Antworten auf typische Fragen, die am Beginn einer Spielerlaufbahn auftreten können:

•Wie spielt man Pétanque?

•Welches Handwerkszeug brauche ich?

•Wo spielt man das Spiel?

•Wie finde ich Mitspieler?

•Wie verhalte ich mich im Spiel?

•Kann ich das Spiel steuern?

•Gibt es den »idealen« Wurf?

•Was bringt mir ein Training?

•Beeinflusst meine Ernährung meine Spielqualität?

Natürlich sind das nicht alle Fragen, die sich stellen, und die meisten können auch nicht erschöpfend beantwortet werden. Aber solche Fragen machen Probleme bewusst, die nicht nur Anfänger haben, und eine Problemlösung beginnt immer mit der richtigen Frage. Und das Wichtigste ist natürlich: spielen, spielen, spielen …

Leser des ersten Auflage äußerten den Wunsch nach umfangreicheren Ausführungen über Übungen; dem will ich in dieser erweiterten Neuausgabe nachkommen.

Neu hinzugekommen ist auch das Kapitel »Auf dem Platz« über die Positionierung des Spielers und das Verhalten im Wettkampf auf dem Platz.

Zwei abschließende Bemerkungen: Ich versuche Dinge wie die ausführlichen Spielregeln oder ein komplettes Adressenverzeichnis der Verbände und Vereine durch Links auf kompetente und in der Regel aktuelle Websites zu ersetzen, um Raum zu haben für die wichtigsten Fakten des Spiels. Und ich bitte die Boulespielerinnen um Nachsicht, dass ich im Folgenden für beide Geschlechter die männliche Ansprache verwende, um den Lesefluss nicht dauerhaft zu stören.

In diesem Sinne: Allez les boules,

Joachim Kopp, im Frühjahr 2019

Entstehung des Pétanque-Spiels

Im Mittelmeerraum sind seit dem Altertum Kugelspiele gespielt worden. In Frankreich lässt sich das Boulespiel aufgrund von Verboten seit 1319 belegen. 1894 wird das erste Turnier im »Boule Lyonnaise« ausgetragen, ein kompliziertes Spiel auf speziell präparierten Bahnen, das viel Training erfordert. Das »Boule Lyonnaise« verbreitete sich die Rhone abwärts. In der Folge entwickelte sich in der Provence das »Jeu Provençal« mit kleineren und leichteren Kugeln. Das »Jeu Provençal« benötigt keine speziellen Bahnen mehr. Gelegt wird mit Ausfallschritt, geschossen mit drei Schritten Anlauf auf einem Bein.

Die Schöpfungssage des Pétanque-Spiels geht zurück in die Jahre 1907 beziehungsweise 1910. Der Ort der Handlung ist die südfranzösische Siedlung La Ciotat bei Cassis in der Nähe von Marseille. Der Hauptdarsteller des Geschehens ist Jules Le Noir; er leidet an Rheuma und ist daher nicht mehr in der Lage, die drei Anlaufschritte zu machen, die das Jeu Provençal verlangt. Sein Freund Ernest Pitiot erfindet daraufhin ein Spiel auf kürzere Entfernung, ohne Anlauf und mit geschlossenen Füßen. Daraus wird der Name des Spiels abgeleitet. Die Bezeichnung für »geschlossene Füße« heißt auf französisch pieds tanqués, auf provenzalisch ped tanco.

Das Pétanque-Spiel hat gegenüber seinen Vorläufern »Boule Lyonnaise« und »Jeu Provençal« entscheidende Vorteile, die zum Siegeszug dieser Kugelspiel-Variante führten:


Mit Nägeln beschlagene Holzkugeln aus dem frühen 19. Jahrhundert.

•Pétanque kann auf praktisch jedem Gelände gespielt werden und braucht keine teuren Spezialbahnen.

•Es wird auf kürzere Entfernung gespielt und ermöglicht deshalb mehr Erfolgserlebnisse.

•Der Spieler muss keine athletische Konstitution haben, um einen Turnier-Spieltag von 10 Stunden und mehr durchzustehen.

Boule bretonne ist in der Bretagne sehr populär.

•Der Bewegungsablauf ist unkomplizierter als beim »Boule Lyonnaise« und »Jeu Provençal«.

Das Pétanque bahnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst über französische Garnisonen seinen Weg nach Deutschland. In Bad Godesberg bei Bonn wurde 1963 der erste Pétanque-Club gegründet, 1966 zog Saarlouis an der französischen Grenze nach. Neben Bonn und dem Saarland, wo weitere Vereine entstanden, etablierte sich Freiburg im Breisgau als weitere Keimzelle des Pétanque. In der Folge emanzipierte sich die deutsche Pétanqueszene von der »militärischen Geburtshilfe« und es gründeten sich ab den 80er-Jahren bis heute zahlreiche weitere Bouleclubs in Deutschland. Ende 2016 gab es deutschlandweit 20 935 Pétanquespieler in 722 Vereinen (Quelle: Deutscher Pétanque Verband). Hierin nicht erfasst sind unorganisierte Freizeitspieler. Im Übrigen schätzt der Deutsche Pétanque Verband anhand der verkauften »Freizeitkugeln«, dass es etwa eine Million Freizeitspieler in Deutschland gibt.*

Ein Rückblick in die Entstehung des Pétanque-Spiels klärt auch anschaulich den teilweise verwirrenden Begriff »Boule«. Boule ist – wie fast alle Bezeichnungen im Pétanque – französisch und heißt Kugel. Folglich wäre eine Boulekugel eine »Kugelkugel«, was natürlich Unsinn ist, denn Boule bedeutet einerseits Kugel, andererseits werden damit Kugelspiele bezeichnet. Das wiederum führt zum Umstand, dass viele zwar »Boule« sagen, aber »Pétanque« meinen. Hierzulande wird überdies oft die Ansicht vertreten, dass Boule die gemütliche Variante des Spiels beschreibt und Pétanque den sportlichen Wettkampf.

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* Unter Verwendung von Texten aus Wikipedia

Das Handwerkszeug
Die Kugel

Im Sommer 2009 ist in der Schweiz ein Billigfabrikat völlig überraschend explodiert. Die Kugel lag in einem Schrank und hat glücklicherweise nur Materialschaden verursacht. Am 4. September 2016 meldet rponline.de: Bei einem Nachbarschaftsfest in Lobberich (Viersen) in der Nähe des Wasserturms ist am Samstag eine Boule-Kugel explodiert. Dabei riss sie ein Loch in die Decke des Zeltes, unter dem gespielt wurde, und hinterließ einen Krater im Boden.

Alle stählernen Pétanquekugeln sind innen hohl und aus zwei Hälften zusammengeschweißt. Billigkugeln werden, um Material zu sparen, mit dünnerer Metallwand als bei zugelassenen Wettkampfkugeln gefertigt. Um dennoch ein normales Gewicht zu erreichen, wird in die Kugeln Füllmaterial eingebracht. Das war im Schweizer Fall ein mörtelähnliches Gemisch. Der Füllstoff enthielt Feuchtigkeit, die zur Korrosion der inneren Metallwand führte und Wasserstoffgas unter hohem Druck erzeugte. Zusätzlich schwächte eine schlechte Schweißnaht die Festigkeit der Kugel. Die Folge war eine Explosion von enormer Wucht, die zu lebensbedrohlichen Verletzungen hätte führen können. (Quelle: Schweizer Fernsehen SF: »Ist Pétanque gefährlich?« in »Einstein« vom 10. Juni 2010, 21:06 Uhr)


Billigkugel nach der Explosion;

Quellen: SF, www.polizeibericht.ch 10. 07. 2009

In Kontrast zur Billigkugel steht die Beschreibung einer zugelassenen Wettkampfkugel. Das Reglement des Deutschen Pétanque Verbandes legt in Artikel 2 fest:

Eigenschaften der zugelassenen Kugeln

Pétanque wird mit Kugeln gespielt, die von der F.I.P.J.P.* zugelassen sind und folgenden Eigenschaften entsprechen:

1.Sie müssen aus Metall sein;

2.Einen Durchmesser zwischen 70,5 mm (Minimum) und 80 mm (Maximum) haben;

3.Ein Gewicht zwischen 650 Gramm (Minimum) und 800 Gramm (Maximum) besitzen; Logo (Marke des Herstellers) und Gewichtsangabe müssen auf den Kugeln eingraviert und immer lesbar sein. Bei Wettkämpfen, bei denen lediglich 11 Jahre alte und jüngere Jugendliche startberechtigt sind, dürfen Kugeln mit einem Gewicht von 600 Gramm und einem Durchmesser von 65 mm eingesetzt werden, vorausgesetzt, sie wurden von einem zugelassenen Kugelhersteller gefertigt.

4.Sie dürfen weder durch Hinzufügen von Metall noch durch Einbringen von Sand verändert worden sein. Generell dürfen die Kugeln nach der Fertigstellung (nur durch zugelassene Hersteller) auf keine Art gefälscht und keiner Verformung oder Veränderung unterzogen werden. Insbesondere darf die vom Hersteller vorgegebene Härte durch nachträgliches Ausglühen nicht abgeändert werden. Name und Vorname des Spielers (oder die Initialen) dürfen jedoch eingraviert werden, ebenso verschiedene Logos, Siegel und Kürzel gemäß dem Pflichtenheft (»Cahier des Charges«) zur Herstellung von Kugeln.

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*Die Féderation Internationale de Pétanque et Jeu Provençal [F.I.P.J.P.] wurde am 8. März 1958 in Marseille gegründet. Sie richtet die Weltmeisterschaften aus. Ihr Reglement wurde vom Deutschen Pétanque-Verband e. V. im Wesentlichen übernommen.


Billigkugeln (B) sind im Vergleich zu Qualitätsfabrikaten (A; hochwertige Freizeitkugeln ohne die für Wettkampfkugeln vorgeschriebene Gewichtsangabe) häufig gefüllt, haben eine geringere Wandstärke und bestehen zumeist aus minderer Stahlqualität.

Im Kern sagt der Artikel aus, dass eine gültige Wettkampfkugel

•ein Herstellerlogo trägt von einem zugelassenen Hersteller,

•das eingestanzte Gewicht der neuen Kugel in Gramm zeigt.

Beide Angaben müssen lesbar sein.

Wenn Sie neue Kugeln kaufen, dann entdecken Sie noch eingestanzte Zeichen (z. B. »5F34«). Mit dieser individuellen Seriennummer (repère) kennzeichnet der Hersteller einen Kugelsatz, das heißt alle 3 Kugeln tragen die gleichen Zeichen. Damit können Sie ähnliche Kugeln auseinander halten. Weiter stanzt der Hersteller noch das Kugelmodell ein. Meine Kugeln tragen fünf unterschiedliche Prägungen:

•OBUT® (Hersteller)

•700 (Gewicht einer Kugel in Gramm)

•5F34 (Seriennummer des Satzes)

•MATCH+ (Kugelmodell)

•Joachim Kopp (mein voller Name, es sind auch Initialen üblich)

Diese Kugeln habe ich im Herbst 2018 gekauft. Sie haben 165 Euro zuzüglich 20 Euro für die Namensprägung (alles inklusive MWSt) gekostet. Es sind gute Kugeln aus halbweichem Stahl, aber nichts Exklusives. Ich habe den Namen einprägen lassen, weil Kugeln gerne verwechselt werden. Wenn auf einem Turnier eine meiner Kugeln verwechselt werden sollte, dann kann anhand der Einschreibeliste sofort festgestellt werden, in welchem Verein ich spiele. Von Zeit zu Zeit schmiere ich Farbe in meine Namensprägung, damit das Erkennen der Kugel im Spiel erleichtert wird, denn es ist lästig, nach jeder Aufnahme das Spiel »meine Kugel – deine Kugel« zu spielen. Manche nehmen einfach einen dicken Flipchart-Marker und markieren ihre Kugeln auf diese Weise. Eigentlich soll diese Funktion die Riffelung einer Kugel übernehmen, aber in der Praxis sind oft nur noch blanke oder einstreifige Kugeln zu sehen.


Die vorgeschriebenen Prägungen der Wettkampfkugeln sind gut zu erkennen: Notwendig sind Angaben zu Gewicht (720 g) und Hersteller (OBUT).

Die Riffelung (la strie = Rille, Riefe) der Kugel beeinflusst das Spielverhalten in der Praxis nicht. Allerdings gleitet das sogenannte »Waffeleisen«, eine Kugeloberfläche, die durch die Riffelung in kleine Felder aufgeteilt ist, schwerer aus der Hand als eine glatte Kugel.

Die Größe der Kugel muss zur eigenen Hand passen. Eine zu kleine Kugel reagiert beim Wurf sehr nervös auf den geringsten Haltungsfehler, während eine zu große Kugel sich nicht richtig steuern lässt (Rückdrall, Effet). Wenn die Kugel in der Hand kein gutes Gefühl vermitteln kann, dann stimmt die Größe nicht. Bei einer passenden Kugel reichen die Fingerkuppen knapp über den »Äquator« der Kugel.

Was die Größenklassen der Kugeln für »Tireurs«, »Milieus« oder »Pointeurs« (Schießer, Mittelspieler, Leger) betrifft, hält sich folgende Legende mitunter noch zäh: Ein Tireur soll Kugeln von 75 mm Durchmesser aufwärts haben, damit das größere Geschoss eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit aufweist. Im Gegenzug soll der Pointeur mit möglichst kleinen Kugeln spielen, um dem Tireur ein schwierigeres Ziel zu bieten und um die Kugel schlanker durch Kugelhaufen steuern zu können.

Das gehört, mit Verlaub gesagt, ins Reich der Fabeln, denn das einzig wahre Maß für einen guten Spieler ist genau an die Hand angepasst und sonst nichts. Wenn mir die Kugel gut in der Hand liegt, dann kann ich auch gut spielen. Ich kenne eine Frau mit einer kleinen Hand, die deshalb 72 mm führt – sie schießt gut.

Große Kugeln haben eine bessere Überschreitfähigkeit über kleine Bodenunebenheiten beim Legen, das bedeutet, sie laufen besser geradeaus als kleine. Aber das kann man nicht unabhängig vom Gewicht sehen, weil große und schwere Kugeln (schwerer als 710 g) noch besser geradeaus laufen. Somit sind wir beim Gewicht angelangt.

Eine Kugel kann laut Reglement zwischen 650 g und 800 g wiegen. Das ist ein enormer Unterschied von 150 g. Beim Gewicht (poids) ist jetzt wirklich die hauptsächliche Funktion des Spielers zu berücksichtigen:

•Der Leger bevorzugt schwere Kugeln, weil diese besser mit kleinen Unebenheiten fertig werden. Auch verspringen schwere Kugeln weniger beim Aufprall als leichte. Ab 710 g aufwärts.

•Der Schießer muss bei einem Turnier viele Stunden lang vorrangig schießen. Das braucht bei einer leichten Kugel unter 700 g einfach weniger Kraft und vermindert über die Jahre auch die Beanspruchung für Bänder und Gelenke.

Welche Kugel passt zu Ihnen?

Für die richtige Größe kann als Näherung der Abstand zwischen der ersten Handwurzelfalte und der Fingerspitze des Mittelfingers dienen.

Daraus können folgende Werte resultieren (nach www.planetboule.de):


gemessener Abstand / Durchmesser der Kugel (diametre)

ab 135 mm / 71 mm

ab 150 mm / 72 mm

ab 165 mm / 73 mm

ab 180 mm / 74 mm

ab 195 mm / 75 mm

ab 210 mm / 76 mm

ab 225 mm / 77 mm

ab 240 mm / 78 mm

Aber bitte: Das ist nur eine Näherung. Sie und Ihr Gefühl für die Kugel sind der wirkliche Maßstab. Gehen Sie auf einen Bouleplatz und fragen Sie Spieler nach der Größe ihrer Kugel und nehmen Sie verschiedene Größen in die Hand. Ihr Gefühl sagt Ihnen dann schnell, was für Sie passt. Falls Sie sich bezüglich des Kugeldurchmessers unsicher sind, dann nehmen Sie die Kugel lieber 1 mm kleiner. Fast alle Boulistes fangen mit größeren Kugeln an und nehmen später dann kleinere.


Legen aus der Hocke – der hintere Arm macht eine Ausgleichsbewegung zum Wurf; das gesenkte Knie stabilisiert den Oberkörper nach hinten.

•Der Milieu legt und schießt und macht deshalb einen Kompromiss. Seine Kugeln bewegen sich zwischen 690 und 710 g, ich spiele 700 g.

Jetzt kommt die finale Eigenschaft: das Metall. Um es gleich vorweg zu sagen, es gibt gegossene Kugeln aus Messinglegierungen (Allergiker!) von guter Qualität, die sich jedoch schneller abspielen als weicher Stahl. Die Stanzungen sind dann nicht mehr lesbar, was die Kugeln im Wettkampf ungültig macht – allerdings sind meine Kugeln in den letzten 25 Jahren nie geprüft worden.

Das Metall der Kugel ist zumeist Stahl in verschiedenen Härten und mit unterschiedlichen Eigenschaften:

•Ab 130 kg/mm2 Härtegrad aufwärts ist die Kugel hart (dure) und hat deshalb einen hohen Abprall-Effekt. Für den Leger ist dies von Vorteil, weil die Schusskugel dann weniger im Umfeld der Zielkugel liegen bleibt. Außerdem nützen sich harte Kugeln kaum ab und sind deshalb sehr langlebig.

•Bei ca. 110 kg/mm2 Härtegrad spricht man von weichen (tendre) Kugeln, die der Schießer bevorzugt. Eine weiche Kugel hat einen geringeren Rebond (Abprall-Effekt) als eine harte. Das erhöht die Chance, dass die Schusskugel im Zielbereich liegen bleibt. Weiche Kugeln nutzen sich naturgemäß stark ab. Das ist angenehm, weil die Kugel Struktur bekommt und sich dadurch besser anfühlt. Dafür ist eine weiche Kugel kurzlebiger.

•Der Milieu hat Kugeln von 115 bis 120 kg/mm2 Härtegrad, das sind halbweiche (demi-tendre) Kugeln. Sie stellen analog zur Gewichtsfrage einen Kompromiss dar und sollen für das Legen und Schießen gleichermaßen brauchbar sein.

Aufpassen sollten Sie, wenn Hersteller aufgrund von speziellen Bearbeitungen des Stahls und der Kugeloberfläche Versprechungen zu einem geringen Rebond machen: So sollte eine halbweiche Kugel durch solche Behandlungen das Verhalten einer weichen aufweisen. Ein lizenzierter Trainer hat zu Vergleichszwecken weiche und halbweiche Kugeln mit angeblich reduziertem Rebond aus gleicher Höhe auf planen Stein fallen lassen: Die halbweichen Kugeln seien eindeutig höher zurückgeprallt als die weichen.


Der Bouliste wirft eine rot markierte Kugel (im Flug rechts neben der blaugrünen Anzeigetafel).

Weiter werden rostende oder nichtrostende Kugeln angeboten (nichtrostende Inox-Kugeln fühlen sich glatter an als Karbonstahl). Ich persönlich bevorzuge Kugeln, die rosten können und reibe diese ab und zu mit einem Tropfen Waffenöl ein. Verchromte »Christbaumkugeln« rosten. Mit Rostbefall müssen Sie besonders in Meeresnähe rechnen, da können Ihre Kugeln innerhalb einer Nacht im Freien rostrot werden. Neue Kugeln können auch farbig grundiert sein (meist schwarz oder blau). Diese Grundierung geht ab und Sie haben nach einiger Zeit die normale Farbe des Stahls vor sich.

Zusammenfassend kann man sagen:

•Der Leger spielt mit schweren harten Kugeln (schwerer 710 g, Härtegrad ab 130 kg/mm2).

•Der Schießer spielt leichtere weiche Kugeln (ab 700 g abwärts, Härtegrad 110 kg/mm2).

•Der Milieu bevorzugt mittleres Gewicht und Härte (Gewicht 690 bis 710 g, Härte 115 oder 120 kg/mm2).

Die Zielkugel

Sie wird auch Cochonnet oder Schweinchen, But (Ziel) oder Bouchon (Korken) genannt. Manche sagen auch einfach die »Sau«. Es gibt weitere Bezeichnungen, aber das ist hier nicht das Thema. Das Reglement des Deutschen Pétanque Verbandes EV legt in Artikel 3 fest:

Eigenschaften der zugelassenen Zielkugeln

Die Zielkugeln sind aus Holz oder aus synthetischem Material. Zielkugeln aus synthetischem Material müssen das Herstellerlogo tragen, durch die F.I.P.J.P. zugelassen sein und den Normen entsprechen, die im Pflichtenheft (»Cahier des Charges«) festgelegt sind.

Der Durchmesser muss 30 mm Toleranz ± 1 mm betragen. Das Gewicht muss zwischen 10,0 Gramm (Minimum) und 18,0 Gramm (Maximum) liegen.

Gefärbte Zielkugeln, gleich in welcher Farbe, sind zulässig, aber weder diese, noch Zielkugeln aus Holz dürfen mit einem Magneten aufzuheben sein.

Eine gefärbte hölzerne Zielkugel aus dem Automaten kostet bei uns im Klubheim einen Euro. Es gibt auch neonfarbene Zielkugeln mit Holzkern, die sind ziemlich weich und nach wenigen Sauschüssen eiförmig. Ich mag diese neonfarbenen Zielkugeln mit ihren aufdringlichen Farben nicht, denn sie saugen den Blick förmlich an und lassen das direkte Umfeld der Sau nicht mehr richtig zur Geltung kommen. Prüfen Sie vor einem Spiel den Zustand der Zielkugel. Ist sie deformiert, dann läuft sie nicht mehr oder nur unberechenbar auf dem Boden. Dann ist es sehr schwer, die Sau zu »ziehen« (Sau ziehen heißt, mit einer Kugel die Lage des Schweinchens verändern). Kunststoff-Zielkugeln halten zwar Schüsse aus, dafür verschwinden diese gerne nach einem Schuss auf Nimmerwiedersehen im Gelände, weil sie schwerer sind als Holz und deshalb weit fliegen können – was nebenbei nicht ungefährlich sein kann. Kunststoffschweinchen kosten etwa drei Euro das Stück. Zielkugeln sind im Handel in Päckchen zu ca. drei bis fünf Stück aufwärts zu kaufen.

Der Lappen

Es geht die Sage um, dass Spieler mit kleinen Lappen besser spielen als die mit großen … Auf jeden Fall ist der Lappen für mich inzwischen ein wichtiges Utensil. Er sorgt nämlich dafür, dass die Kugel sich in meiner Hand konstant verhält. Wenn die Kugel oder die Hand feucht oder schmutzig sind, ist das Abwurfverhalten anders als gewohnt. Sie merken es spätestens, wenn Ihnen ein Wurf misslingt. Außerdem wird das Säubern der Kugel Teil des Wurfrituals und trägt so zur Konzentration bei. Wobei schmutz- und wasserabweisende Lappen nicht geeignet sind (z. B. Nanoimprägnierung). Bei Regen sollte man mehrfach am Tag den Lappen wechseln können. Es gibt allerdings auch Spieler die den Lappen und damit die Hand anfeuchten um besseren Grip für den Rückdrall oder Effetwurf zu haben; das ist im Turnier verboten. Manche Spieler spucken stattdessen in die Wurfhand …


Trockene Lappen sind heiß begehrt.

Die Messgeräte

Zuerst ist das ganz normale Maßband zu nennen, das praktisch jeder Spieler hat. Man muss Millimeter ablesen können. Diese Rollbänder von 2 m Länge, die es in jedem Baumarkt gibt, sind beim Ausziehen leicht konkav und deshalb steif, und das ist prima. Man kann es über einen Meter an die Kugel reichen lassen und trotzdem das prüfende Auge senkrecht über Skala und Zielkugelkante haben, was bei einiger Übung ziemlich genaue Messungen zulässt. Man muss aber aufpassen, dass man kein Maßband erwischt, das an der Spitze einen Magnet trägt, denn das kann dazu führen, dass die zu messende Kugel bewegt wird und dann ist der Punkt verloren. Haben Sie ein Band mit Magnet, dann kann man den Magnet stark erhitzen damit er nicht mehr wirkt.


Messwerkzeuge und Zielkugeln

Es gibt besonders schmale (6 mm, bei zwei Metern Länge) und leichte Maßbänder für Boulespieler im Handel, von denen ich jedoch abrate. Die Bänder sind nicht steif und ohne fremde Hilfe kann man damit nicht gut messen. Außerdem ist die Lesbarkeit der kleinen Skala erschwert, was bei schlechten Lichtverhältnissen nachteilig ist. Ganz zu schweigen, wenn man mit der Brille für die Ferne im Scheinwerferlicht auf dem Platz steht. Dazu muss ich sagen: Ich kann mit einer Gleitsichtbrille auf dem Bouleplatz nichts anfangen.

Man kann sich auch das Profiwerkzeug »Tirette« besorgen, aber das ist am Anfang eindeutig zu weit gegriffen. Sie müssen jedoch wissen, was eine Tirette ist. Sie kennen doch die Klappmeter aus Holz, die jedem Handwerker aus der Schenkeltasche gucken. Wenn Sie das einschrumpfen auf eine Länge von 13,5 cm, dann sind sie schon nahe dran. Jetzt kommt die Besonderheit: Der oberste Schenkel enthält eine Zunge in einer Führung. Diese schwergängige Zunge kann vorsichtig herausgeschoben und mit einer Schraube arretiert werden. Damit sind Sie in der Lage Differenzen von unter einem halben Millimeter festzustellen. Die Tirette ist aus Metall oder Kunststoff. Alles was besser messen kann ist Schiedsrichterwerkzeug.


Gemessen wird genau auf Höhe des Äquators der Kugel, sonst vergrößert sich die gemessene Distanz.

Es gibt auf dem Bouleplatz oft längere Diskussionen, ob eine Kugel den Punkt hat. Da gibt es nur eine Zeit und Nerven sparende Methode: messen! Dabei bin ich immer wieder verblüfft, wie man sich täuschen kann. Also: bei Unklarheit sofort messen. Und zwar mit dem Metermaß.Übrigens muss die Partei messen, die zuletzt gespielt hat. Das ist deshalb wichtig, weil es passieren kann, dass beim Messen die Kugel oder das Schweinchen bewegt wird, dann wird zum Nachteil der messenden Mannschaft entschieden.

Die Kugeltasche

Ich rate dringend davon ab, die Kugeln einzeln im Auto herumkullern zu lassen. Außerdem ist meist der Parkplatz nicht auf dem Bouleplatz, also braucht man einen Transportbehälter. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vom Aluminiumkoffer über das rindslederne Etui bis hin zur Jute-Einkaufstasche gibt es alles, was Sie sich nur denken können. Ich habe auch schon einen handgestrickten Strumpf als Kugelbehältnis gesehen. Hauptsache ist, man kommt gut zum Turnier und die Verwechslungsgefahr ist gebannt.

Kleidung und Utensilien

In schlechter Kleidung spielt man mit Handicap! Das beginnt mit den Schuhen. In offene Schuhe oder Sandalen schleichen sich kleine Steinchen vom Bouleplatz ein. Wenn Sie sich dann konzentrieren wollen, bekommen Sie die Meldung von der Fußsohle: es piekst! Das stört die Konzentration – und sich alle fünf Minuten die Sandalen auszuschütteln, lenkt einfach vom Spiel ab. Der Boulespieler trägt also geschlossene Schuhe (im Turnier Pflicht), im Winter mit dicken Sohlen gegen die Bodenkälte.

Hose und Oberkörperbekleidung sollen einerseits nicht zu weit sein, sonst kann man beim Wurf in der Kleidung hängen bleiben. Andererseits darf die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt sein: Mit elastischen Stoffen sind Sie gut beraten. Das Spielen mit freiem Oberkörper ist im Wettbewerb nicht gestattet.


Angenehm trocken im Regen spielen ...

Ein Regenschutz braucht eine gewisse Fülle und einen guten Schnitt, weil wasserdichte Kleidung selten elastisch ist. Außerdem soll die Oberbekleidung lang sein, weil sonst bei jedem Wurf die Hüfte frei liegt. Auch ist wichtig, dass der Hosenbund nicht den Bauch einschnürt. Ich trage deshalb eine Hose ohne Gürtel mit Hosenträgern und darüber das Trikot.

Alle Vereine haben eigene Trikots, Westen und Anoraks, die bei Turnieren, Ligaspielen und Meisterschaften zum Einsatz kommen. Diese sind dann gleichfarbig und tragen ein Emblem.

Eine Kopfbedeckung gegen die Sommersonne ist unabdingbar. Wenn Sie beim Turnier viele Stunden in der Sonne stehen, brauchen Sie diesen Schutz. Oft hat die Kopfbedeckung einen Schirm gegen Blendung. Brillenträger brauchen den Schirm gegen Spiegelung und bei Regen wird die Brille nicht mit Wasser bespritzt. Spezialkleidung für Boulespieler vertreiben Kugelhersteller und deren Händler zu vernünftigen Preisen.

Folgende Utensilien können das Boulerleben ebenfalls angenehmer gestalten:

•Cremes für die Hände, Gesicht und Lippen halten die Haut in Schuss und vermitteln beim Spiel ein angenehmes Gefühl. Bei starker Sonneneinstrahlung ist auf entsprechenden Lichtschutzfaktor zu achten.

•Eine Sonnenbrille hilft gegen Blendung durch reflektierendes Sonnenlicht auf hellen Spielbahnen (Sand).

•Eine Thermosflasche sorgt im Sommer für kühlen Zitronentee und im Winter für ein heißes Getränk. Besonders gefragt, wenn die nächste Kneipe weit weg ist oder man sich aus sonstigen Gründen selbst versorgen muss. Ein Riegel hilft gegen Hungergefühle.

•Im Winter kann die freie Hand, die die Kugeln hält, einen Handschuh tragen. Beim Wurfarm ist ein Taschenwärmer gefragt (Handofen mit Holzkohle, Feuerzeugbenzin u. a.), so dass zwischen den Würfen die Finger gewärmt werden können. Eine winterkalte Stahlkugel zieht Ihnen rasant die Wärme aus der Hand ab, das ist sehr unangenehm*.

•Und dann brauchen Sie natürlich einen Regenschirm, wenn es richtig schüttet. Am besten wechselt man sich mit seinen Partnern ab, so dass man jeweils nach dem Wurf wieder geschützt ist. Bei richtigen Unwettern wird das Spiel oft unterbrochen. Wenn der Platz sich als unbespielbar erweist, kann auch ein Abbruch erfolgen.

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*Winterturniere im Freien werden immer seltener, weil inzwischen viele gut ausgestattete Boulehallen entstanden sind, die Turniere auch bei Minusgraden in angenehmer Umgebung gestatten.


Wärmeschutz versus Wurfgefühl: Die Wurfhand ist nackt – die andere behandschuht.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es zugelassene Abwurfkreise aus rotem Kunststoff gibt. Die Kreise sind flach mit breitem Rand und haben einen Innendurchmesser von 50 cm. Diese Kunststoffkreise haben ihren Charme. Man muss nie mehr fragen, welches der richtige Kreis ist, weil keiner die alten Einritzungen glättet. Und man muss natürlich nicht ritzen. Nur im Turnier, da sollte man die Vorderkante anzeichnen, falls jemand die Position des Kreises verändern sollte. Der Turnierveranstalter entscheidet, ob er die Kunststoffkreise zulässt.

Bei Rückenproblemen ist man dankbar für einen magnetischen Kugelaufheber.

Der Spielablauf

•Die Zielkugel und die (Stahl-)Kugeln werden aus einem Kreis (cercle) von 35 bis 50 cm Durchmesser geworfen.

•Der Werfer muss mit beiden Fußsohlen den Boden berühren bis seine Kugel aufschlägt. (Wichtig!)

•Die hölzerne Zielkugel von 30 mm Durchmesser wird zu Beginn einer Aufnahme auf eine Distanz zwischen 6 bis 10 m vom Rand des Abwurfkreises entfernt geworfen.

•Einen Punkt erhält jede Kugel die näher an der Zielkugel liegt als die beste gegnerische Kugel.

•Die Mannschaft, die keinen Punkt liegen hat, ist an der Reihe zu spielen.

•Das Spiel gewinnt, wer 13 Punkte erreicht.

Zwei Mannschaften aus Leipzig und Stuttgart wollen gegeneinander ein Spiel austragen. Ein Leipziger zieht eine Münze aus der Tasche, fragt die Stuttgarter: »Kopf oder Zahl?« und wirft dann die Münze. Die Leipziger gewinnen die Platzwahl, bestimmen somit das Spielgelände und eröffnen das Spiel. Ein Leipziger Spieler ritzt einen Kreis in den Boden und wirft daraus die hölzerne Zielkugel, das Schweinchen, auf eine Distanz zwischen 6 und 10 m.

Ein beliebiger Leipziger Spieler wirft die erste stählerne Kugel in Richtung hölzerne Zielkugel. Die Stuttgarter antworten mit einer Kugel und müssen so lange weiter werfen, bis eine Stuttgarter Kugel näher am Schweinchen liegt als die bestplatzierte Kugel der Leipziger Mannschaft. Dann sind die Leipziger wieder am Zug. Das geht hin und her, bis alle Kugeln geworfen sind, dann ist die Aufnahme beendet und die Punkte werden gezählt. Dazu wird festgestellt, welche Kugel am nächsten an der Zielkugel liegt und zu welcher Mannschaft sie gehört. Dann wird geprüft, ob außer dieser nächsten Kugel noch weitere Kugeln besser als die beste gegnerische Kugel platziert sind; zusammen können das im Extremfall sechs Kugeln und damit sechs Punkte (»das Sixpack« genannt) sein.


Konzentrierte Anspannung des Schießers


1: Das Team B hat im linken Beispiel einen Punkt gemacht. Die beste Kugel gehört dem Team B. Erst an Platz drei und vier kommen weitere Kugeln aus dem Team. Dazwischen reiht sich eine Kugel vom Team A ein, die als zweitnächste an der Zielkugel liegt.


2: Das Team A macht in dieser Situation einen Punkt, da die nächste Kugel an der Zielkugel zu Team A gehört. An Platz zwei liegt eine Kugel vom Team B.


3: Das Team B macht in diesem Beispiel drei Punkte. Die beste, die zweitbeste und die drittbeste Kugel gehören dem Team B. Somit werden drei Punkte verbucht.

Wer die letzte Aufnahme gewonnen hat, der beginnt eine neue indem er um die Zielkugel einen Kreis zieht und das Schweinchen wirft. Die Aufnahmen wiederholen sich so lange, bis eine Mannschaft 13 Punkte erreicht hat und damit den Sieg einfährt.

Halten wir fest, dass ein Spiel aus mehreren Aufnahmen besteht. Eine Aufnahme (la mène) setzt sich aus Würfen, das ist gleich der Anzahl der Kugeln beider Mannschaften, zusammen. Sind alle Kugeln geworfen, dann ist die Aufnahme beendet.

Die Anzahl der Aufnahmen in einem Spiel kann sehr stark variieren. Wenn pro Aufnahme nur ein Punkt gewonnen wird, dann können 13 bis 25 Aufnahmen notwendig sein um ein Spiel zu beenden. Das andere Extrem können im Falle einer »Fanny« (siehe unten) ganze drei Aufnahmen sein: Wenn eine Partei mit z. B. 4 plus 4 plus 5 Punkten das Spiel 13 zu null für sich entscheidet. Der Unterschied in der benötigten Spielzeit ist dann enorm.

»Einen Fanny bekommen« bedeutet bei Boulern einfach nur, dass man eine 13:0-Niederlage hinnehmen musste, also eine kleine Schmach erlitten hat. Man erzählt, zwei Spieler hätten gewettet, dass derjenige, der eine 13:0-Niederlage erleidet, das Hinterteil der Fanny küssen müsse. Wobei die einen behaupten, dass Fanny eine südfranzösische Kuh, die anderen, dass sie eine südfranzösische Kellnerin gewesen sei. Da den meisten die Version mit der Kellnerin wohl am besten gefallen hat, ist man bei dieser Version geblieben. Heute hängt in fast jeder Boule-Bar eine Karikatur der Fanny als Bild oder Ikone – mit hoch gehobenen Rock, versteht sich – und der liebevollen Aufforderung »Baiser la Fanny!«*


Plastik der Fanny, die ein 0:13-Verlierer scherzhaft küssen soll (siehe Seite 29)

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* Zitiert aus der Augsburger Allgemeinen; Blog vom 20. Oktober 2011

Erste Regeln

Als wichtigste Regel gilt im freien Spiel: Alles, was beide Spielparteien akzeptieren, ist gültig. Das bedeutet, wenn die gegnerische Partei geworfen hat und Sie im Anschluss werfen, dann haben Sie alles, was zuvor geschehen ist, mit Ihrem Wurf anerkannt. Wenn Sie mit etwas nicht einverstanden sind, dann müssen Sie das Problem vor Ihrem Wurf aus der Welt schaffen.

Bei Spielen mit Schiedsrichter hingegen ist das Reglement bindend. Das bedeutet, dass z. B. die Lage des Schweinchens nicht mit dem Fuß korrigiert werden darf, auch wenn beide Spielparteien dies wollen.

Verändern Sie nichts auf dem Spielfeld ohne das Einverständnis der gegnerischen Mannschaft.


Auch bei schwierigen Bedingungen gilt: Mit dem Wurf seiner eigenen Kugel hat man alles, was in dieser Aufnahme zuvor gespielt wurde, akzeptiert.

Es haben sich schon unschöne Szenen abgespielt, weil nach einer Aufnahme ein Spieler eine in den Augen des Gegners unklare Kugel aufgehoben hat. Beide Mannschaften besprechen nach der Aufnahme wer wie viele Punkte erhält und man fragt danach die gegnerische Mannschaft, ob man die eigenen Kugeln aufheben darf. Sollen fremde Kugeln während des Spiels berührt werden, z. B. um zu sehen, wem sie gehören, dann ist noch mehr Vorsicht geboten. Das Gleiche gilt, wenn Kugeln im Aus waren und ins Spielfeld zurückgeprallt sind (sogenannte tote Kugeln) und »entsorgt« werden sollen.

Wenn ein gegnerischer Spieler im Kreis steht, dann verstummt die eigene Mannschaft und verharrt regungslos, bis der Wurf erfolgt ist. Es ist äußerst unhöflich und unfair, den Gegner in der Konzentrationsphase des Wurfs zu stören. Im Falle einer Störung ist seitens des gegnerischen Spielers mit harschen Reaktionen zu rechnen.

Seien Sie im Spiel höflich und zuvorkommend und verkneifen Sie sich alles, was der Gegner als »unsportliches Verhalten« auslegen kann. Dazu zählen neben andauerndem Hadern mit sich oder anderen auch theatralisch übertriebene Freude über Punkte oder einen Sieg. Niemand will Ihnen jedoch Ihre ganz natürliche Freude nehmen. Wir wollen mit netten Leuten in angenehmer Weise unsere wertvolle Freizeit verbringen.

Wenn Sie diese »weichen« Regeln beachten, dann können Sie sicher sein, dass Sie von den anderen Spielern akzeptiert werden.

Daneben gibt es einige »harte« Regeln, die man für den Anfang kennen sollte:

•Wie schon erwähnt berührt der Spieler im Kreis mit beiden Fußsohlen den Boden bis seine geworfene Kugel aufschlägt.


Auf vollen Bahnen ist es oft schwierig Regelabstände einzuhalten – Toleranz ist in diesen Fällen dann oberstes Gebot.

•Die Fußsohlen des Spielers sind vollständig im Kreis und ragen nicht darüber hinaus.

•Eine Kugel gilt als gespielt, wenn der Spielende aus dem Wurfkreis erkennbar eine Kugel in Richtung der Zielkugel bewegt.

•Verlässt eine Boulekugel vollständig das definierte Spielfeld, so ist diese ungültig. Liegt die Kugel nur teilweise im Aus, so ist sie gültig.

•Liegt eine ungültige Kugel im Spielfeld und die Parteien spielen weiter, dann ist diese Kugel wieder gültig (siehe 1. Absatz). Also: ungültige Kugeln gleich entsorgen, aber erst fragen!

•Wenn die Zielkugel beim Anwurf unter 6 m oder über 10 m geworfen wurde oder der Anwurf sonst ungültig ist wird die Zielkugel dem Gegner ausgehändigt, der sie auf jede gültige Position der zugewiesenen Bahn legen darf.

•Eine Zielkugel, die weniger als 3 m und weiter als 20 m vom Kreis entfernt ist, ist ungültig. (Ein Schweinchen kann während des Spiels von Kugeln über mehrere Meter »gezogen« werden.) Ebenso wenn die Zielkugel das definierte Spielfeld verlässt oder nicht mehr zu sehen ist.

•Wird die Zielkugel ungültig, dann ist die Aufnahme beendet und die noch nicht gespielten Kugeln werden gezählt. Besitzen beide Parteien noch Kugeln oder beide Parteien haben keine Kugeln mehr, so wird die Aufnahme nicht gewertet und wiederholt. Besitzt jedoch nur noch eine Mannschaft Kugeln, dann zählen diese als Punkte in einer gewonnenen Aufnahme.

•Für einen Wurf steht eine Minute Zeit zur Verfügung.

Das vollständige Reglement des Deutschen Pétanque-Verbandes finden Sie auf der Website www.petanque-dpv.de unter Downloads (»Die Pétanque-Regeln«) als PDF-Datei.

Die Mannschaften

Um es gleich klarzustellen:Wer gefragt werden will, ob er in einer Mannschaft (l’équipe) an einem Turnier teilnehmen möchte, der muss mindestens eine Grundausstattung an Technik, Taktik und »Biss« mitbringen. Ohne das läuft nichts. Pétanque-Spieler beobachten sehr genau, wer aktuell in welcher Form ist. Daraus bildet sich längerfristig ein Ruf, der dem Spieler anhaftet und bestimmt, in welche Spielerkategorie er von den anderen eingeordnet wird. Nach dieser Vorbemerkung sprechen wir jetzt über Mannschaften.

Das Reglement des Deutschen Pétanque-Verbandes legt in Artikel 1 fest:

Die Mannschaften

Pétanque ist eine Sportart, in der zwei Mannschaften gegeneinander spielen:

•3 Spieler gegen 3 Spieler (Triplette).

Es können sich ebenfalls gegenüberstehen:

•2 Spieler gegen 2 Spieler (Doublette),

•1 Spieler gegen 1 Spieler (Tête-à-tête).

Bei der Triplette hat jeder Spieler zwei Kugeln zur Verfügung, bei der Doublette und beim Tête-à-tête hat jeder Spieler drei Kugeln.

Jede hiervon abweichende Spielweise ist verboten.


Eine Triplette am Feldrand beobachtet den spielenden Gegner.

Mit diesen dürren Worten ist das Thema jedoch noch lange nicht erschöpft. Triplette und Doublette können bei Turnieren in verschiedenen Formen auftreten, wie

•Formée – Eine eingeschriebene Mannschaft bleibt während eines Turniers zusammen.

•Mêlée – Die Spieler werden einer Mannschaft zugelost und spielen so ein ganzes Turnier.

•Super-Mêlée – Zu jedem neuen Spiel werden die Spieler den Mannschaften neu zugelost.

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189 s. 100 illüstrasyon
ISBN:
9783767920811
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