Kitabı oku: «Massenanfall von Verletzten»

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[1]Rotes Heft 90

von Jörg Rühle Brandamtsrat Notfallsanitäter Berufsfeuerwehr Hannover

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Die Bilder stammen – sofern nicht anders angegeben – von der Feuerwehr Hannover.

2. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© 2010/2021 W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

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ISBN 978-3-17-037770-7

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pdf: ISBN 978-3-17-037772-1

epub: ISBN 978-3-17-037773-8

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[3]Vorwort

Der Massenanfall von Verletzten ist keine isolierte Problemstellung des Rettungsdienstes. Kommt die Feuerwehr mit zum Einsatz, hat sie in solch einer Einsatzlage Aufgaben zu übernehmen und Verantwortung zu tragen. Die Führungsaufgaben werden der Feuerwehr durch Landesgesetze zugewiesen. Dieses Rote Heft enthält kein allgemeingültiges »Kochrezept« zum Beherrschen einer MANV-Lage. Vielmehr soll es die Grundbegriffe und Grundlagen aus Sicht der Feuerwehr und für die Feuerwehr erläutern sowie Interesse für dieses Thema wecken. Die Kenntnis von regional vorhandenen Konzepten, Strukturen und auch von handelnden Personen ist für einen erfolgreichen Einsatz unabdingbar.

[5]Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  1 Massenanfall von Verletzten: Was ist das? 1.1 Ursachen des MANV 1.2 Verschiedene Stufenkonzepte des MANV

3  2 Begriffe 2.1 Rettungseinheiten 2.1.1 Einheiten des Regelrettungsdienstes 2.1.1.1 Krankentransportwagen (DIN EN 1789, Typ A2) 2.1.1.2 Rettungswagen (DIN EN 1789, Typ C) 2.1.1.3 Notarztwagen/Notarzt-Einsatzfahrzeuge (DIN 75079) 2.1.1.4 Rettungstransporthubschrauber 2.1.1.5 Sonstige 2.1.2 Sondereinheiten 2.1.2.1 Feuerwehrfahrzeuge 2.1.2.2 Schnelleinsatzgruppen (SEG) 2.1.2.3 Katastrophenschutzeinheiten 2.2 Verletzte/Erkrankte/Patient und Betroffene 2.3 Leitender Notarzt 2.4 Organisatorischer Leiter Rettungsdienst 2.5 Patientenablagen 2.6 Sichtung 2.7 Registrierung 2.8 Behandlungsplatz 2.9 Bereitstellungsraum Rettungsdienst 2.10 Ladezone 2.11 Behandlungskapazitätsnachweis

4  3 Ausbildung im Sanitäts- und Rettungsdienst 3.1 Medizinische Ausbildungen 3.1.1 Sanitätshelfer 3.1.2 Rettungshelfer 3.1.3 Rettungssanitäter 3.1.4 Rettungsassistent 3.1.5 Notfallsanitäter 3.1.6 Organisatorischer Leiter Rettungsdienst 3.1.7 Arzt/Notarzt 3.1.8 Leitender Notarzt 3.2 Fachausbildung im Bereich der Hilfsorganisationen 3.2.1 Sanitätsdienst 3.2.2 Betreuungsdienst 3.2.3 Technischer Dienst 3.3 Strategisch-taktische Ausbildung

5  4 Aufgaben der Feuerwehr im Management des MANV 4.1 Gesetzgebung 4.2 Führungsaufbau/Einsatzleitung 4.3 Unterstützung des Rettungsdienstes 4.3.1 Rettung aus dem Gefahrenbereich 4.3.2 Patiententransport und Patientenshuttle 4.3.3 Technische Unterstützung

6  5 Einsatztaktische Varianten 5.1 Variante Rettungsmittel 5.2 Variante mit Patientenablage 5.3 Variante mit Behandlungsplatz 5.4 Variante mit Notfallkrankenhäusern

7  6 Ablauf aus Sicht der Feuerwehr 6.1 Führungsebene 6.1.1 Lageermittlung und -meldung 6.1.2 Abschnittsbildung 6.1.2.1 Ordnen des Raumes 6.1.2.2 Ordnen der Kräfte 6.1.3 Kommunikation 6.2 Einsatzmaßnahmen 6.2.1 Rettung aus dem Gefahrenbereich 6.2.2 Ressourcen bündeln 6.2.3 Versorgungs- und Betreuungskapazität schaffen 6.2.4 Patiententransfer 6.3 Presse-, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 6.4 Nach dem Einsatz 6.4.1 Nachsorge 6.4.2 Einsatznachbesprechungen

8  7 Schnellübersicht der Einsatzmaßnahmen

9  Fazit

[9]1 Massenanfall von Verletzten: Was ist das?

Von einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten – kurz MANV – spricht man, wenn die Anzahl der zu Versorgenden die Anzahl der sofort verfügbaren Rettungsmittel und/oder die Versorgungskapazitäten der Notfallkrankenhäuser übersteigt. Es ist also keine sofortige Versorgung aller Patienten nach individualmedizinischen Gesichtspunkten, wie es sonst im regulären Rettungsdienst der Fall ist, möglich. Es handelt sich um den Bereich zwischen Überlastung des Regelrettungsdienstes und der Notwendigkeit, eine Katastrophe festzustellen (siehe auch Bild 1).

Bild 1: Einordnung des MANV in die verschiedenen Versorgungsstufen (Quelle: Jörg Rühle) [zurück]

[10]Es gibt keine allgemeingültige Aussage, ab welcher Anzahl zu Versorgender von einem Massenanfall von Verletzten gesprochen wird. Es ist leicht absehbar, dass Faktoren wie Rettungsmitteldichte, Anzahl und Kapazität der Notfallkrankenhäuser und auch die unterschiedliche Rettungsmittelvorhaltung zu verschiedenen Tageszeiten einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit im Bereich MANV haben. So kann z. B. eine Großstadt einen Verkehrsunfall mit fünf Verletzten zur Mittagszeit ungleich besser bewältigen als ein ländlicher Bereich dies um Mitternacht könnte.

1.1 Ursachen des MANV

Schon beim Betrachten der Ursachen des MANV fällt auf, dass dieser keine isoliert den Rettungsdienst betreffende Problemstellung ist. Denn in der überwältigenden Mehrzahl der MANV-Lagen sind neben dem Rettungsdienst auch Feuerwehr, Polizei und andere Rettungskräfte am Einsatzgeschehen beteiligt. Häufige Ursachen für das Auftreten eines MANV sind:

 Verkehrsunfälle,

 Brände,

 Terroristische Anschläge,

 Massenerkrankungen,

 Planbare Einsätze (z. B. Großkonzerte).

Durch Verkehrsunfälle kommt es schnell zum Erreichen der regionalen unteren MANV-Grenze. Schon ein Unfall mit einem vollbesetzten Pkw kann taktische Herangehensweisen aus der [11]MANV-Konzeption (z. B. Sichtung) erforderlich machen. Insbesondere Schadenereignisse mit Bussen können zu einem MANV-Szenario führen. Hierbei ist, ähnlich wie bei Eisenbahn- oder Verkehrsflugzeugunfällen, bedingt durch die große Anzahl von Insassen zunächst – sofern keine anderen gesicherten Erkenntnisse vorliegen – von einem MANV-Einsatz auszugehen.


Bild 2: Verkehrsunfall mit einem Bus

[12]Bekanntermaßen kommt es bei Bränden immer wieder zu Personenschäden, besonders durch die Ausbreitung von Rauchgasen. Vor allem in Objekten mit vielen Bewohnern kommt es so schnell zu einer großen Anzahl Betroffener. Bedrohte Objekte sind unter anderen: Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Hotels und Hochhäuser. Daher empfiehlt es sich bereits im Rahmen der Einsatzvorbereitung entsprechende Maßnahmen auch zur Beherrschung eines MANV zu planen.


Bild 3: Brand in einem Wohnkomplex

Terroristisch motivierte Anschläge oder auch Amoklagen stellen eine besondere Herausforderung dar. Derartige Ereignisse [13]verfolgen die Zielsetzung, möglichst viele Menschen gleichzeitig zu treffen. Bei der Verfolgung dieses Zieles wird auch vor Kräften der Gefahrenabwehr nicht haltgemacht. Solche als Polizeilage bezeichneten Einsätze erfordern eine von der gewohnten Einsatztaktik abweichende Herangehensweise. Die in solch einer Situation meist unklare eigene Sicherheitslage macht eine sehr enge Abstimmung mit den Kräften der polizeilichen Gefahrenabwehr notwendig. Hier gilt es unbedingt zu vermeiden, dass Einsatzkräfte in aus polizeilicher Sicht unsichere Bereiche gelangen. Um dies sicherzustellen, sind insbesondere in der Frühphase eines Einsatzes und bei dynamischen Lagen Bereitstellungsräume deutlich außerhalb des unsicheren Bereiches erforderlich. Anschläge mit ABC-Gefahrstoffen bedürfen einer besonderen Logistik, hier sei auf die Notwendigkeit der (Verletzten-)Dekontamination für eine große Personenzahl hingewiesen.


Bild 4: Verletztendekontamination

[14]Auch eine größere Anzahl von Erkrankten kann die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr fordern. Denkbare Szenarien sind: Lebensmittelvergiftungen vieler Personen (z. B. Salmonellen in einer Großküche), Pandemien (pandemische Auswirkungen wurden durch den Erreger SARS-CoV-2 deutlich) oder Explosivepidemien (z. B. verunreinigtes Trinkwasser). Auch hier kommt dem Schutz der Einsatzkräfte, insbesondere bei unbekannten Krankheitserregern, eine große Bedeutung zu.

Unter planbaren Einsätzen sind alle Situationen zusammengefasst, die eine gründliche, vorhergehende Organisation ermöglichen. Solche Situationen können Sportveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen oder sonstige Großveranstaltungen sein. Natürlich kommt es nicht bei jeder dieser Veranstaltungen zu einem MANV. Die große Anzahl von Menschen auf kleinem Raum erhöht jedoch das Risiko, dass es bei einem Schadenereignis (z. B. Panik, Brand, terroristischer Anschlag) zu einer erhöhten Anzahl von Betroffenen kommt. [15]Aus diesen Gründen ist die Gestellung einer Brandsicherheitswache und/oder eines Sanitätsdienstes bei solchen Veranstaltungen notwendig. Darüber hinaus sollten weitere Maßnahmen, wie z. B. die Definition einer Einsatzmittelkette, das Festlegen von Bereitstellungsräumen und Entwicklungsflächen sowie das Erstellen eines Kommunikationsplanes für nachrückende Kräfte, bereits im Vorfeld einer Großveranstaltung ergriffen werden. Nur so kann der Vorteil der Planbarkeit auch im eintretenden Schadenfall genutzt werden.


Bild 5: Demonstrationen können aufgrund der beteiligten Personenanzahlen zu einem MANV führen.

1.2 Verschiedene Stufenkonzepte des MANV

Angelehnt an die üblichen Alarmstufen im Bereich des Brandschutzes gibt es diese auch im Bereich des Rettungsdienstes und damit auch für den MANV-Einsatz. Bewährt hat sich hier die Benennung der Alarmstufe nach der maximal zu bewältigenden Patientenzahl:

 MANV 10: bis max. 10 Patienten

 MANV 20: > 10 bis max. 20 Patienten

Somit ist für jeden, auch für überregionale Kräfte, ersichtlich um welche Größenordnung MANV es sich handelt. Die Abstufungen müssen in der Alarm- und Ausrückeordnung eingepflegt und mit entsprechenden Einsatzmittelketten versorgt sein. Es gibt jedoch keine bundeseinheitliche Aussage über die Zuordnung der maximalen Patientenzahlen in eine MANV-Stufe. Dies ist wie bereits beschrieben von regionalen Faktoren [16]– Rettungsmitteldichte, Krankenhauskapazitäten etc. – abhängig und im Rahmen der Einsatzvorbereitung zu definieren. Leitgröße hierfür ist die schnellstmöglich klinische Versorgung der Patienten. Insbesondere Traumapatienten bedürfen einer schnellen klinischen Diagnosestellung und gegebenenfalls einer chirurgischen Intervention, um ihr Überleben zu sichern.

Die terroristischen Anschläge der letzten Jahre, aber auch die Vorbereitung auf Großereignisse in Deutschland (z. B. EXPO 2000 in Hannover, Weltjugendtag in Köln oder die FIFA- Fußballweltmeisterschaft) haben gezeigt, dass man die zur Bewältigung solch großer Patientenzahlen notwendigen Kräfte und Mittel nicht mehr allein regional vorhalten kann. Hier werden überregionale Einheiten fest in ein System zur Bewältigung eines großen MANV-Ereignisses eingebunden. Die hier angenommenen Größenordnungen von MANV 250 bis hin zu MANV 1000 bewegen sich schon deutlich außerhalb des gängigen MANV-Rahmens im Bereich einer Großschadenlage. Damit ein solches System im Ernstfall möglichst reibungslos funktionieren kann, sind etliche Vorbereitungsmaßnahmen notwendig, so z. B. die Festlegung von Alarmierungswegen, die Gestellung von Lotsenfahrzeugen bzw. Kartenmaterial, die Einrichtung von Sammelplätzen und der Aufbau der Kommunikationsstruktur. Auch unterhalb solcher Größenordnungen kann die gegenseitige Unterstützung benachbarter Gebietskörperschaften im Einsatzfall erforderlich sein. Um dies so reibungslos wie möglich zu gestalten, bietet es sich an, zumindest auf Landesebene einheitliche Strukturen vorzugeben.

[17]2 Begriffe

Um die Erläuterungen zum Einsatzablauf des MANV besser verstehen zu können, ist es zunächst einmal notwendig, einige Begriffe darzustellen, die im Feuerwehralltag nicht unbedingt geläufig sind.

2.1 Rettungseinheiten

Zur Bewältigung des MANV werden Rettungseinheiten des regulären Rettungsdienstes sowie Sondereinheiten eingesetzt. Diese Einheiten werden im Folgenden vorgestellt.

2.1.1 Einheiten des Regelrettungsdienstes

Als Einheiten des Regelrettungsdienstes sind alle Einheiten anzusehen, welche zur Abwicklung des normalen Rettungsdienstes eingesetzt werden, also einzelne Rettungsfahrzeuge:

2.1.1.1 Krankentransportwagen (DIN EN 1789, Typ A2)

Der Krankentransportwagen (KTW) ist die »niedrigste« Stufe der Rettungsdienstfahrzeuge. Diese Fahrzeugart dient zur Durchführung von Krankentransporten. Hier werden Patienten transportiert, die nicht vital bedroht sind, aber medizi[18]nischer Betreuung bedürfen. Die Ausstattung besteht hauptsächlich aus Material zum schonenden Transport von Patienten (z. B. Tragestuhl und Krankentrage), aber auch Ausrüstung für erweiterte Erstmaßnahmen bei Notfällen ist auf diesen Fahrzeugen vorhanden. Die Besatzung besteht (abhängig von den landesrechtlichen Voraussetzungen) aus mindestens einem Rettungssanitäter sowie einem Rettungshelfer.

2.1.1.2 Rettungswagen (DIN EN 1789, Typ C)

Rettungswagen (RTW) sind das Standardfahrzeug in der Notfallrettung. Die Ausstattung ist darauf ausgelegt, Notfalleinsätze jeglicher Art durchzuführen. An Bord befinden sich neben Verbrauchsmaterial (z. B. Verbandstoffe und Medikamente) und medizinischem Gerät (z. B. Blutdruckmessgerät, EKG/Defibrillator und Blutzuckermessgerät) auch Geräte zur Rettung und zum Transport von Patienten (z. B. Krankentrage, Schaufeltrage und Vakuummatratze). Aufgabe der Fahrzeugbesatzung ist das Wiederherstellen und Aufrechterhalten der Transportfähigkeit des Patienten auch in Zusammenarbeit mit dem Notarzt. Die Besatzung setzt sich (abhängig von den landesrechtlichen Voraussetzungen) mindestens aus einem Notfallsanitäter und einem Rettungssanitäter zusammen.

Mehrzweckfahrzeuge (MZF) sind Rettungswagen, welche auch die Möglichkeit zum qualifizierten Krankentransport (z. B. Tragestuhl) bieten.

[19]2.1.1.3 Notarztwagen/Notarzt-Einsatzfahrzeuge (DIN 75079)

Der Notarztwagen (NAW) ist ein ständig mit einem Notarzt besetzter Rettungswagen. Auf diesen Fahrzeugen wird noch Zusatzausrüstung für den Notarzt mitgeführt. Da nach einer Behandlung häufig keine Transportbegleitung durch den Notarzt notwendig ist, wird aus Gründen der Flexibilität überwiegend das Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) eingesetzt. Auf diesem Fahrzeug, meist ein Pkw- Kombi oder Kleinbus, werden [20]alle für den Notarzteinsatz benötigen Materialien mitgeführt. Dieses Fahrzeug trifft sich mit dem RTW im sogenannten »Rendezvousverfahren« an der Einsatzstelle. So ist ein flexibleres Einsetzen des Notarztes möglich. Der Fahrer des NEF ist (abhängig von den landesrechtlichen Voraussetzungen) Rettungssanitäter oder Notfallsanitäter und unterstützt den Notarzt bei seinem Einsatz.


Bild 6: Notarzt-Einsatzfahrzeug Außenansicht (Quelle: Jochen Rühle)


Bild 7: Notarzt-Einsatzfahrzeug Innenansicht (Quelle: Jochen Rühle)

[21]2.1.1.4 Rettungstransporthubschrauber

Rettungstransporthubschrauber (RTH) – kurz Rettungshubschrauber – erfüllen, egal von welchem Betreiber sie bereitgestellt werden, grundsätzlich folgende Aufgaben:

 schneller Transport von Notarzt, Notfallsanitäter und Material zur Notfallstelle,

 schneller und schonender Transport von Notfallpatienten auch über größere Entfernungen,

 Durchführen von Interhospitaltransfers,

 Personensuche aus der Luft.


Bild 8: Start eines Rettungshubschraubers

Um diese Aufgaben erfüllen zu können, verfügen die Rettungshubschrauber über eine umfangreiche medizinische Ausstattung, vergleichbar mit der eines Notarztwagens.

[22]Die Besatzung besteht aus einem Notarzt, einem Notfallsanitäter, einem Piloten und ggf. aus einem Bordwart.

Luftrettungsfahrzeuge unterscheiden sich jedoch im Einsatz deutlich von bodengebundenen Rettungsmitteln. Der Einsatz von Hubschraubern ist stark witterungsabhängig, so ist ein Anflug z. B. bei Nebel oder starkem Schneefall nicht möglich. Zurzeit gibt es nur wenige Maschinen, die auch bei Nacht einsatzbereit sind. Die Entscheidung, ob ein Rettungshubschrauber anfliegt oder nicht und die Auswahl des Landeplatzes trifft der Pilot. Es ist zwar möglich, dem Piloten vom Boden aus eine Empfehlung auszusprechen und Landeplätze für RTH zu sperren, aber die letzte Entscheidung über die Landung kann nur der Pilot selbst treffen.


Bild 9: Landung eines RTH auf der Autobahn

[23]Bei Nachteinsätzen ist die Beleuchtung des Landeplatzes zwingend erforderlich. Zweckmäßig ist es auf vorhandene, beleuchtete Flächen zurückzugreifen (z. B. Sportanlagen). Ist ein behelfsmäßiges Ausleuchten mit Mitteln der Feuerwehr notwendig, so ist diese Maßnahme möglichst blendfrei für den Piloten zu gestalten.

Der Platzbedarf für die Landung eines Rettungshubschraubers differiert je nach Hubschraubertyp und Tag- oder Nachtlandung zwischen 30 m x 30 m und 80 m x 80 m. Grundsätzliche Anforderungen an einen Landeplatz sind:

 fester Untergrund,

 keine losen Gegenstände in der Umgebung,

 Hangneigung von nicht mehr als zehn Grad,

 keine Hindernisse im An- und Abflugbereich, insbesondere auf Freileitungen ist zu achten,

 Anfahrtsmöglichkeit für Rettungsfahrzeuge.


Merke: Im Umgang mit Hubschraubern gelten folgende, überlebenswichtigen Verhaltensregeln: Immer erhöhte Aufmerksamkeit im Gefahrenbereich des Hubschraubers! Annäherung an die Maschine erst, wenn die Rotoren stehen, nur von vorne und nach Sichtkontakt und Aufforderung durch die Besatzung! Nicht den Heckbereich der Maschine betreten, der Heckrotor ist aufgrund der schnellen Rotation nicht sichtbar!

Werden an einer Einsatzstelle mehrere Rettungshubschrauber eingesetzt, ist es sinnvoll, den Piloten der zuerst eingetroffenen [24]Maschine mit der Koordination der Luftbewegungen zu beauftragen. Sollte hierfür Unterstützung notwendig sein, ist diese selbstverständlich zu gewähren. An großen, unübersichtlichen Einsatzstellen kann ein Rettungshubschrauber ein wertvolles Instrument zur Lageerfassung sein. So kann eine im Anflug befindliche Maschine aufgefordert werden, eine »Lage auf Sicht« abzugeben oder eine Führungskraft wird mit dem Hubschrauber über die Einsatzstelle geflogen und gewinnt so eigene Eindrücke.


Bild 10: RTH nach einer Landung auf der Autobahn. Die Rotorblätter ragen weit in die Fahrbahn hinein.

2.1.1.5 Sonstige

In einigen Rettungsdienstbereichen werden spezielle Fahrzeuge zum Transport von infektiösen Patienten vorgehalten.

[25]Um den Reinigungsaufwand hier gering zu halten, verfügen diese Fahrzeuge nur über die notwenigste Ausstattung und sind nur bedingt in der Notfallrettung einsetzbar.

Da in den letzten Jahren der Interhospitaltransfer – Transporte von intensivpflichtigen Patienten zwischen zwei Krankenhäusern – deutlich zugenommen hat, wurden in einigen Rettungsdienstbereichen Intensivtransportwagen (ITW) stationiert. Sie führen alle Materialien mit, um die intensivmedizinische Betreuung des Patienten auf dem Sekundärtransport aufrecht zu erhalten. Die Besatzung dieser Fahrzeuge ist unterschiedlich, häufig werden zwei besonders geschulte Notfallsanitäter und ein Notarzt eingesetzt. Je nach Konzeption und Bauart des Fahrzeugs ist dieses nur bedingt für den Einsatz in der Notfallrettung geeignet. Bei einem MANV-Ereignis ist es aber möglich, dass solch ein Fahrzeug auch [26]direkt an der Einsatzstelle eingesetzt wird. In diesem Falle ist der ITW als NAW mit besonderer Ausstattung anzusehen.


Bild 11: ITW Außenansicht (Quelle: Jochen Rühle)


Bild 12: ITW Innenansicht: Erkennbar ist, dass die Spezialtrage nicht zum Einsatz im Gelände geeignet ist.

Auch in der Luftrettung haben sich spezielle Verlegungshubschrauber durchgesetzt. Diese Intensivtransporthubschrauber (ITH) sind im Bereich der Notfallrettung und bei einem MANV wie ein Rettungstransporthubschrauber zu werten.

[27]2.1.2 Sondereinheiten

Zur Bewältigung eines größeren MANV-Ereignisses ist eine Vielzahl von Kräften sowie andere Ausstattung notwendig, als sie der reguläre Rettungsdienst vorhalten kann. Diese Ressourcen werden unter dem Begriff »Sondereinheiten« geführt und im Folgenden beschrieben.

2.1.2.1 Feuerwehrfahrzeuge

Auch »normale« Feuerwehrfahrzeuge können im MANV-Fall zum Einsatz kommen. Hier kann die technische Ausrüstung der Fahrzeuge (Beleuchtung, Stromerzeuger o. ä.) oder deren Personal gefragt sein. Auch als Lotsenfahrzeuge für auswärtige Kräfte können Fahrzeuge und Personal der Feuerwehr herangezogen werden.

Insbesondere Feuerwehren mit hauptberuflichem Personal verfügen über eigene, speziell für den MANV ausgelegte Einheiten. Neben rettungsdienstlich ausgebildetem Personal sind hier auch Fahrzeuge der Feuerwehr eingebunden. Die Fahrzeuge zum Materialtransport können von einem Gerätewagen Logistik (welcher im Alarmfall beladen wird) über Gerätewagen Rettungsdienst bis hin zu Wechselladefahrzeugen, z. B. mit einem Abrollbehälter Rettung, differieren.

[28]2.1.2.2 Schnelleinsatzgruppen (SEG)

Der Begriff SEG- Rettung oder ähnliche Namen sind mittlerweile sehr verbreitet. Der nachfolgende Abschnitt soll einen Überblick über diesen Bereich geben:

Was ist eine SEG?

Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass es rettungsdienstlich orientierter Versorgungseinheiten für Großschadenlagen bedarf. Die bis dahin vorhandenen Katastrophenschutzeinheiten wurden für diesen Einsatzzweck als zu unflexibel, zu langsam und zu schlecht ausgerüstet angesehen.

Aus diesen Überlegungen entwickelten sich die Schnelleinsatzgruppen (SEG), welche sich in Ausrüstung und Ausbildung an individualmedizinischen Gesichtspunkten orientieren und zeitlich schneller einsetzbar sind. Definiert ist der Begriff SEG als taktische Einheit mit gesondert ausgebildeten Helfern für spezielle Versorgungsaufgaben.

Die Schwierigkeit bei der Darstellung dieses Themenfeldes ist die Uneinheitlichkeit auf diesem Sektor. Es gibt für eine SEG keinen bundes- oder landeseinheitlichen Standard analog der Rettungsmittel des Regelrettungsdienstes. Das Resultat daraus ist eine Vielfalt an Einheiten mit unterschiedlicher Stärke, Ausbildung und Ausrüstung. Hieraus leitet sich ein höchst differierendes Leistungsniveau ab, was es nahezu unmöglich macht, aus dem Begriff SEG einen taktischen Begriff zu machen. Kommt im Schadenfall die SEG aus XY, kann ein Einsatz- oder Abschnittleiter ohne weiteres Nachfragen be[29]züglich Stärke, Ausbildung und Ausrüstung dieser, ihm unbekannten Einheit, keinen Einsatzauftrag erteilen.

Um bei einem Einsatz sinnvoll mit einer SEG zusammenarbeiten zu können, ist es empfehlenswert, sich bereits im Vorfeld ein Bild über das Leistungsvermögen in Frage kommender Einheiten zu machen.

Was tut eine SEG?

Das Aufgabenspektrum, also die speziellen Versorgungsaufgaben, einer SEG setzte sich aus nachfolgenden Teilbereichen zusammen:

 Rettung,

 Versorgung,

 Behandlung Verletzter,

 Betreuung Betroffener,

 Transport.

Die Rettung von Patienten aus dem Gefahrenbereich durch SEG- oder Rettungsdienstpersonal ist durchaus kritisch zu sehen. Hier ist eine Gefährdung der Einsatzkräfte durch mangelnde Schutzausrüstung unbedingt auszuschließen.

Da nicht jede SEG in der Lage ist, alle Teilbereiche dieses Aufgabenspektrums abzudecken und es auch Einsatzsituationen gibt, in denen nicht alle Bereiche abgedeckt werden müssen, haben sich Teileinheiten entwickelt. So gibt es z. B. eine SEG-Transport, eine SEG-Betreuung oder eine Behandlungsplatzeinheit (BHP 25 oder BHP 50, die Zahlen geben die maximale Patientenkapazität an). Sind diese Einheiten sauber aufeinander abgestimmt, so erhält man aus diesen Teilen ein funktionierendes Ganzes. Es ist durchaus denkbar, die Teil[30]einheiten innerhalb eines Einsatzbereiches auf die verschiedenen Hilfsorganisationen zu verteilen und so eine Überlastung der Einsatzkräfte zu vermeiden. Trotzdem steht so eine vollständige Einheit zur Verfügung. Dieses Vorgehen ist auch als Modulkonzept bekannt.


Bild 13: Transportkomponente einer SEG

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19 aralık 2025
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ISBN:
9783170377738
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