Kitabı oku: «Bitcoin, Blockchain & Co. — Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (überarbeitete Ausgabe 2021/22)»

Yazı tipi:

Bitcoin, Blockchain & Co. —

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Informationen über Bitcoin, Ethereum, Blockchain und andere Krypto-Währungen für Interessierte, für Anfänger und Fortgeschrittene

vollständig überarbeitet im September 2021

© 2017/2021 Joe Martin

Originalausgabe vollständig überarbeitet

Stand September 2021

Der Inhalt dieses Buches ist urheberrechtlich geschützt. Die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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1. gedruckte Taschenbuchauflage

September 2021

Copyright © 2018-2021 by

Joe Martin & Co-Autoren

auch als eBook in allen gängigen Formaten erhältlich

ISBN 978-3-947921-08-9

Für ihren Einsatz und ihre Unterstützung bedanke ich mich besonders bei Jenni, Mariana, Luccia und vielen anderen, die dieses Werk erst möglich gemacht haben.



Der Bitcoin-Preis

Während der Entstehung dieses Buches stieg der Kurs des Bitcoins gegenüber dem Dollar, dem Euro und allen anderen Währungen enorm: von ca. 1.000 Dollar bis auf über 15.000 Dollar pro Bitcoin. Das war bei Drucklegung der ersten Auflage. Am Ende des Jahre 2018 stand er Kurs bei 19.783,21 Dollar. Das war das sogenannte all time high (allzeit hoch auch ATH abgekürzt) bevor es dann bergab ging.

Runter bis 3.867,09 Dollar am 8. März 2020. Das war das neue Tief. Dann ging es gemächlich bergauf. Die Welt war verunsichert, weil ein Shutdown nach dem nächsten verkündet wurde. Die Welt wurde vom Coronavirus in Schach gehalten. Eine Pandemie war ausgebrochen und die Politik überrascht und überfordert. Die Wirtschaft brach zusammen, keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Keiner ahnte, was noch kommen kann.

Beim Überarbeiten der ersten Auflage im August 2021 war die Pandemie noch nicht vorbei und Bitcoin hat erneut alle überrascht. Im Dezember 2020, als irgendwie erkennbar war, dass die Noten-banken die Druckerpressen angeworfen hatten und auch nicht zu stoppen planten und in USA die Wahl von dem radikalen Donald Trump nicht anerkannt wurde und als das Capitol gestürmt wurde, flüchteten die Anleger in eine sichere Währung. Nicht in Gold, sondern in Bitcoin.

Der Kurs stieg und stieg. Bitcoin war der sichere Hafen für die großen Anleger. Die Notenbanken produzierten Billiarden von Dollars und Milliarden von Euros, der Zinssatz schlug ins Negative und die Reichen brachten ihre Schäfchen ins Trockene. Sie kauften Bitcoin. Allen voran Michael Saylor von der Firma Micro Strategie. Hunderte von Millionen investierte er in Bitcoin. Dann Elon Musk, der Chef von Tesla und Space X. Über 1,5 Milliarden steckte er mit seinen Firmen in Bitcoin. Gleichzeitig teilte er mit, dass man nun Tesla Autos mit Bitcoin kaufen kann.

Der Kurs stieg und stieg. FOMO setzte ein: fear of missing out. Also die Angst den Zug zu verpassen. Alle sprangen auf. Der Kurs gipfelte auf 63.562,67 Dollar. Ein neues ATH am 15. April 2021.

Dann meldete sich Musk wieder zu Wort. Man könne doch keine Teslas mit Bitcoin zahlen. Bitcoin sei nicht umweltfreundlich. Der Kurs stürzte ab. Die Menschen mit schwachen Nerven ließen sich mit runterreißen und verkauften. Am 15. Juli 2021 waren nach weiteren zwei Monaten 29.608,60 Dollar erreicht.

Der letzte Tiefstand.

Seitdem geht es wieder aufwärts. Im Moment, in dem ich diese Änderungen schreibe, steht der Bitcoin zwischen 38.000 und 40.000 Dollar. Wer weiß wie hoch der Bitcoin notiert, wenn Sie dieses Buch lesen.

Das alles ist ganz toll auf der einen Seite, bereitete mir aber ein paar Probleme auf der anderen Seite, denn ich habe in diesem Buch einige Berechnungen angestellt, die den jeweiligen Umrechnung-skurs berücksichtigten.

Zum Beispiel, ob es sich lohnt selbst Krypto-Währungen zu minen, wie viel für eine Pizza nach aktuellem Kurs bezahlt wurde oder wie hoch die Transaktionskosten sind. Durch den stark steigenden Kurs waren die Ergebnisse aber jeweils schon wieder überholt, wenn ich das Kapitel zu Ende geschrieben hatte, denn der Bitcoin legte im Lauf des Jahres 2017 teilweise stündlich zu. Um diesem „Problem” zu begegnen habe ich mich nun bei Drucklegung im Dezember 2017 entschieden ganz einfach 10.000 Dollar/Euro als Kurs festzu-legen.

Deshalb sei hier angemerkt, das sich, sofern nicht anders erläutert, alle Berechnungen auf diesem Umrechnungskurs beziehen. Ich habe die Zahlen auch für diese neue Auflage nicht überall angepasst. Wenn Sie auf eine stoßen, die ich nicht angepasst habe, multiplizieren Sie sie einfach mit vier - oder fünf oder zehn.

Je nachdem wie der Kurs steht.

Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannte

Bitte teilen Sie die Informationen über dieses Buch auch mit anderen. Ihre Freunde und Bekannte werden es Ihnen danken, wenn Sie sie auf eine Möglichkeit hinweisen, wie auch sie sich informieren können. Auch Ihre Freunde und Ihre Familie sollten anhand des Wissens aus diesem Buch mit Bitcoin, Ethereum und anderen Krypto-Währungen Geld verdienen können und sich gegen die vielen Betrüger wappnen können, die Unwissenden das Geld aus der Tasche ziehen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter

https://times-ahead.de

www.bitcoin-knowhow.com

Twitter: @JoeMartinDE

https://twitter.com/JoeMartinDE

Medium: https://medium.com/@bitcoinknowhow



Inhalt

Das Wichtigste

Glossar

Das sollten Sie unbedingt wissen

Kapitel 1 — Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Kapitel 2 — Wie die Bitcoin-Blockchain funktioniert

Kapitel 3 — Wallets, Exchanges und das P2P-Netz

Kapitel 4 — Die Wahrheit

Kapitel 5 — Geld und Werte

Kapitel 6 — Die Buchhaltung und der Leger

Kapitel 7 — Kriminelle, Betrüger und die Behörden

Kapitel 8 — Andere Kryptos und Blockchains

Kapitel 9 — Nodes, Konsensus und Mining

Kapitel 10 — In ICOs investieren

Empfehlungen: Bücher und Podcasts

Das Wichtigste

Um in der Krypto-Welt dabei zu sein, die Systeme zu verstehen und so die Zukunft mitzugestalten, sind drei grundlegende Infor-mationen für Sie essenziell. Ohne diese drei Grundüberlegungen, können Sie die Krypto-Welt nicht verstehen und Sie laufen daher große Gefahr, eine Menge Geld zu verlieren, falls Sie ohne dieses Wissen aktiv werden.

Es sind haufenweise unseriöse Angebote rund um das Thema „Bitcoin & Co.“ zu finden — von Menschen, die das schnelle Geld machen wollen, bis hin zu Betrügern, die sowohl hinter Ihrem Geld als auch hinter Ihrem Krypto-Guthaben her sind.

Diese Kriminellen agieren zum Teil professionell, sehr professio-nell. Deshalb müssen Sie unbedingt und ständig auf der Hut sein. Das beste Mittel, um diese Betrüger zu entlarven, ist das eigene Wissen.

Deshalb sollten Sie diese Hinweise immer wieder lesen, sich einprägen und tief in Ihr Bewusstsein einsinken lassen. Die folgenden Gebote müssen Sie intuitiv anwenden können. Messen Sie alles, aber wirklich alles, an diesen Geboten. Dann kann Ihnen nichts passieren und Sie verstehen, wie unsere Welt in naher Zukunft funktionieren wird.

1 Stellen Sie sicher, dass nur Sie alleine die „Private Keys” zu Ihren Krypto-Werten (also Bitcoin und Co.) besitzen. Immer. Nur Sie alleine!

1 Nur einer echten Public Blockchain mit vielen völlig unab-hängigen Nodes (Computern, die die jeweilige Blockchain speichern) können Sie bedingungslos vertrauen.

1 Der Computer Source Code eines vertrauenswürdiges Block-chain-Systems ist immer öffentlich zugänglich und kann von jedem eingesehen und genutzt werden.

Auch wenn Sie jetzt noch nicht verstehen, was „Private Keys” sind und auch nicht wissen, was eine echte Public Blockchain ist, vergessen Sie niemals diese Gebote. Analysieren Sie jedes noch so attraktive Angebot unter diesen Gesichtspunkten. Lassen Sie sich nie dazu verleiten, gegen diese Gebote zu verstoßen. Lesen Sie dieses Buch sorgfältig, um die Bedeutung dieser Gebote zu verstehen und hinterfragen Sie jedes Angebot anhand dieses Wissens. Denn nur dann ist Ihr Vermögen geschützt, dann steht Ihre Zukunft auf einem festen Fundament und nur dann sind Sie handlungsfähig. Sie können mit diesem Wissen die Zukunft so gestalten, dass es Ihnen und Ihrer Familie gut geht und Sie erfolgreich mit Krypto-Währungen und anderen Blockchain-Systemen umgehen können.

Glossar
Wichtige verwendete Begriffe

„Bitcoin“ und „Blockchain“ sind englische Begriffe, die inter-national in englischer Sprache genau so genutzt werden. Sie ins Deutsche zu übersetzen, wäre genauso sinnlos wie Wörter wie „Computer“, „Software“, „Smartphone“ oder „App“ ins Deutsche zu übertragen und in einem Buch zu verwenden. Deshalb werden in dieser Publikation an den entsprechenden Stellen regelmäßig die englischen Begriffe benutzt.

Es sind erfreulicherweise nur ein paar Fachwörter, die man kennen sollte, damit man mitdiskutieren kann. Diese werden im folgenden kleinen Glossar zunächst erläutert. Weitere Begriffe werden dann sukzessive im Text eingeführt und ausführlich erklärt. Dieses Buch richtet sich an jedermann und vermittelt Wissen leicht verständ-lich, ohne dass der Leser englische Sprachkenntnisse haben muss.

Public Blockchain: steht übersetzt für „öffentliche Blockchain“, was die Bedeutung aber nicht vollständig wiedergibt. Eine Public Blockchain im Sinne einer wahren, echten Blockchain im Gegen-satz zu einer privaten Blockchain oder der Blockchain eines Konsortiums oder Verbundes, ist eine öffentliche Blockchain. Die Besonderheit einer Public Blockchain besteht darin, dass jeder, der über einen Computer verfügt, die entsprechende Software herun-terladen und ein Teil des Blockchain-Systems werden kann. In der Regel sind zudem die Daten, welche in dieser Blockchain stehen, öffentlich einsehbar, was aber nicht zwingend gegeben sein muss. Jene Computer, die die Blockchain erstellen, können überall auf der Welt stehen und beim Erstellen und beim Verwalten dieser Blockchain völlig unabhängig voneinander mitwirken.

„Öffentlich“ bedeutet also nicht zwingend, dass alle Daten trans-parent sind, sondern nur, dass jeder mitmachen kann.

Eine Public Blockchain ist die einzige Blockchain, die wirklich manipulationssicher ist. Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Die Unterschiede sind maßgeblich.

Nodes: Ein Node ist ein Knotenpunkt in einem verteilten Computernetzwerk. Ein Node ist auch selbst ein Computer, der eben mit seinen Nachbarn verbunden ist. Dabei müssen die Nachbarn nicht gleich nebenan stehen. Der Computer in München kann auch mit einem Nachbarn in New York oder Tokio verbunden sein. In der Regel speichert ein Node die gesamte Blockchain des jeweiligen Systems auf seiner lokalen Festplatte ab und hängt neue Datenblocks die verteilt werden, an die gespeicherte Datenkette an. Dadurch wird die Blockchain auf den Nodes (Computern) immer länger.

Miner: Ein Miner ist im weitesten Sinne auch kein Computer, mindestens ein Chip in einem Gehäuse mit entsprechender Lüftung und Stromversorgung. Ein Miner speichert die Blockchain nicht lokal ab, sondern erstellt Datenblocks, die er an die Nodes übermittelt. Die Nodes nehmen diese neuen Blöcke und prüfen ob der Miner alles richtig zusammen gestellt hat. Wenn alles passt, dann hängen sie den Block an die Blockchain an. Wenn der Miner einen Fehler gemacht hat, löschen die Nodes den Block und nehmen einen Block von einem anderen Miner.

Es ist ein sehr weiterverbreiteter Irrtum, dass die Miner bestim-men, was in der Bitcoin-Blockchain geschieht. Das machen ausschließlich nur die Nodes. Die Miner haben kein Mitsprache-recht und agieren nur als simple Datenlieferanten. Dieser Irrtum wird auch von „Fachleuten“ regelmäßig verbreitet.

Ledger: bedeutet eigentlich „Hauptbuch“ und könnte auch so übersetzt werden. Es ist die Liste beziehungsweise das Buch, im Falle der Blockchain eine Datei, in der alle Transaktionen chronologisch gespeichert sind, und zwar von der ersten bis zur aktuellen Transaktion. Dieser Ledger wird dadurch zwangsweise immer umfänglicher. Der Ledger der Bitcoin-Blockchain umfasste im Sommer 2021 schon über 380 GB.

Krypto: alle Systeme, die Verschlüsselungstechniken verwenden, um Daten dem Zugriff oder zumindest der Auslesung durch einen fremden Dritten zu entziehen oder um die Authentizität von Daten zu signieren. Diese Systeme sind unter dem Oberbegriff „Krypto" zusammengefasst. In der Regel sind heutzutage mathematische Verschlüsselungstechniken im Einsatz. Schon lange vor dem Computerzeitalter wurden Verschlüsselungen mit anderen — heute leicht zu knackenden — Methoden vorgenommen.

Krypto-Währung: Wenn ein „Coin“ (eine Münze) von Computern mithilfe eines Algorithmus errechnet wird, dann ist es eine Krypto-Münze („Crypto Coin“). Die verwendeten Algo-rithmen und die daraus resultierenden Rechenleistungen sind sehr komplex und aufwendig, weil durch mathematische Verschlüssel-ungstechniken nicht nur die Coins geschaffen werden, sondern auch andere Funktionen er- beziehungsweise berechnet werden müssen. Die Computer selbst, die diese Berechnungen ausführen, schützen dadurch auch gleichzeitig die Netzwerke gegen Miss-brauch und Manipulation. Dieser Schutz wird durch angewandte Kryptografie erreicht. Die bekannteste Krypto-Währung der Welt ist Bitcoin, dicht gefolgt von Ethereum.

Fiat-Währungen: Fiat-Geld ist ein Objekt ohne inneren Wert, das als Tauschmittel dient. Das Gegenteil von Fiat-Geld ist Waren-geld, das zum Beispiel als Tabak, Reis, Gold oder Silber neben dem äußeren Tauschwert auch einen inneren Wert hat, der unabhängig von Regierungserlässen ist, solange damit bezahlt werden darf.

Im Grunde sind Euro, Dollar, Schweizer Franken, Yen und alle anderen Papiergelder Fiat-Währungen und besitzen keinen echten inneren Wert. Kritiker behaupten sogar, dass sie wertlos seien. Fiat-Währungen können mithilfe beliebigen Nachdruckens durch Zentralbanken und Regierungen jederzeit inflationiert und dadurch tatsächlich wertlos werden, so zum Beispiel die Reichsmark im Deutschland der 1920er Jahre und der Venezolanische Bolivar seit 2014.

Im Gegensatz zum Bitcoin, der zwar auch keinen echten inneren Wert besitzt, den aber auch keine Regierung nachdrucken oder manipulieren kann. Der Bitcoin unterliegt deshalb nicht dieser Art der Inflation und wird nicht als Fiat-Währung, aber auch nicht als Warengeld angesehen, sondern als Krypto-Währung.

Sein intrinsischer Wert kann am besten in der nötigen elektrischen Energie gemessen werden, die Computer aufbringen müssen, um das Netzwerk abzusichern und am Laufen zu halten. Man kann getrost festhalten: Wenn Unternehmen mehr elektrischen Strom als ganz Island pro Jahr verbrauchen, kaufen und bereitstellen, um dieses Netz am Laufen zu halten, dann muss Bitcoin einen Wert darstellen.

Digitales Geld: In den letzten Jahren wurde immer wieder von dem digitalen Euro gesprochen und von digitalem Geld. Beides kann nicht mit Krypto-Währungen gleichgesetzt werden. Nur dass der Euro digital versendet wird, qualifiziert ihn nicht als Krypto-Währung, solange er nicht von einem unabhängigen, fälschungs- und manipulationssicheren Computernetzwerk bereitgestellt wird.

Das wollen die Zentralbanken natürlich nicht, denn sie wollen die Geldmenge ja steuern, um das auf schuldenbasierte Wirtschafts-system weiter zu kontrollieren. Außerdem gibt es den digitalen Euro schon im Online-Banking. Jede Online-Banking-Transaktion und jedes Mal, wenn Sie mit ApplePay zahlen, wird digital in Euro überwiesen.

Open Source: Mit diesem Fachbegriff bezeichnen man Software, deren Programmierung für jeden zugänglich offen lesbar ist. Man spricht auch von „quelloffener Software“. Wenn eine Software open source ist, kann jeder andere Experte sie lesen und auf Funktion überprüfen. Dabei werden immer wieder Fehler entdeckt, die die ursprünglichen Programmierer übersehen haben. Für Blockchains ist das eigentlich ein Muss, denn die Sicherheit kann nur gewähr-leistet werden, wenn genügend Fachleute die Programmierung und jede Änderung immer wieder überprüfen.

1944

schrieb George Orwell, dass Gewinner (in Hinblick auf einen möglichen Sieg Hitlers) die Geschichte der Menschheit nach Gutdünken und nach ihrem Gusto jederzeit neu schreiben könnten, um die eigene Zukunft zu gestalten und an der Macht zu bleiben. Die Wahrheit würde dadurch relativiert, was eine große Gefahr sei.

2014

erklärte Julian Assange, dass die wichtigste Funktion von Bitcoin der unveränderbare Zeitstempel sei, der gewährleiste, dass Nachrichten der Wahrheit entsprechen und für alle Zeiten festgeschrieben sind. Damit werde jeder Art der Geschichts-fälschung durch die Herrschenden — eine Gefahr, die Orwell zu Recht 70 Jahre zuvor schon identifiziert hatte — endgültig ein Riegel vorgeschoben.

Seit 2009

versiegeln Public Blockchains die Wahrheit in Datenblocks und sorgen dafür, dass niemand — keine Regierung, keine mit Geld, Waffen oder mit was auch immer ausgestattete Lobby diese Daten jemals ändern kann. Damit ist zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gewährleistet, dass diese Daten und damit die Geschichte der Wahrheit und nichts als der Wahrheit entsprechen — für jetzt und für alle Zeit.

Das sollten Sie unbedingt wissen
Was Sie in diesem Buch erfahren und wie Sie es lesen sollten

Ich bin spät über Bitcoin gestolpert. Erst 2016. Sie vielleicht noch später oder vielleicht auch früher als ich. Ich bin mir aber sicher, dass Sie noch ein paar Fragen zum Thema haben, die Ihnen bisher noch niemand zufriedenstellend beantwortet hat. Ich bin mir auch sicher, dass Sie das Themenfeld interessiert, sonst würden Sie diesen Text ja nicht lesen. Mich fasziniert das Thema Krypto als Autor und Journalist und ich habe versucht, es zu verstehen, es zu begreifen, nachzuvollziehen, wie das alles funktioniert. Ich fand mich im tiefen, dunkeln Wald wieder.

Irgendwann, nachdem ich Dutzende von Berichten gelesen, noch mehr Podcasts angehört, Konferenzen besucht und mit vielen Experten gesprochen hatte, befand ich mich immer noch im Wald. Mein Problem hatte sich jedoch gewandelt: Es war nicht mehr dunkel im Wald. Im Gegenteil, die Sonne schien meinen Weg zu erleuchten. Ich jedoch sah den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Totaler Informationsüberfluss.

Mehr Gespräche, mehr Reports, mehr Artikel, mehr Podcasts machten es nicht wirklich besser — allerdings fand ich immer mehr Menschen, denen es genauso erging. Es gab mehr Verwirrung als Expertentum in diesem neuen Fachgebiet. Immer wieder landeten meine Gesprächspartner und ich am Ende der Logik. Warum war das so und wie war es zu lösen?

Ich denke, dass jeder, der sich mit Bitcoin, Blockchain und anderen Krypto-Währungen beschäftigt hat, tief in sich spürt, dass diese neue Technologie die Welt maßgeblich und nachhaltig verändern wird. Viele erfassen intuitiv, dass wir vor einer neuen industriellen Revolution stehen oder womöglich schon mittendrin sind. Aber, die Welt der Krypto-Währung und der Blockchain ist eben alles andere als intuitiv. Sie ist das Gegenteil von dem, was wir kennen. Sie ist in weiten Teilen kontra-intuitiv, irgendwie schräg, unbekannt, außerirdisch und oft standen mir buchstäblich die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Meine Lippen formten ein erstauntes „Wie bitte?“ nach dem anderen. Von Freunden hörte ich immer wieder den einen Standardsatz: „Ich glaube das jetzt nicht.“

Bitcoin und die Blockchain zu verstehen, wider-spricht dem, was wir kennen

Es war nicht nur das nötige veränderte Denken, um zu verstehen, was vor sich geht. Es war die übergeordnete Klammer, die mir fehlte. Der übergeordnete Bezugsrahmen, vielleicht — so denke ich heute — der tiefere Sinn.

Immerhin, nachdem ich erkannt hatte, dass mir dieser tiefere Sinn fehlte, suchte ich nach besagter Klammer. Ich suchte nach einem neuen Paradigma.

Viele, die mit Krypto in Berührung kommen, sehen es als eine Möglichkeit zu zocken. Geld verdienen mit Bitcoin, dessen Kurs von ein paar Hundert Euro innerhalb eines Jahres auf über 9.000 Euro hochgeschossen war, von 4.000 Euro auf 40.000 Euro innerhalb des letzten Jahres. Mit wilden Zacken, hoch und nieder, immer wieder. Geld verdienen mit der Krypto-Währung Ethereum, deren Kurs von unter 10 Euro auf fast 400 Euro hoch geschossen war, mit noch wilderen Zuckungen. Zocken mit den sogenannten „AltCoins“ und durch ICOs — dazu mehr, etwas später im Buch.

Ach ja, und das alles innerhalb von neun bis zwölf Monaten. 1.333 Prozent in zwölf Monaten (Bitcoin von Dezember 2016 bis Dezem-ber 2017 — von 750 Dollar auf 10.000 Dollar). 5.300 Prozent in zwölf Monaten (Ethereum von Dezember 2016 bis Dezember 2017 — von 8 Dollar auf 420 Dollar). Beim Bearbeiten der aktualisierten Auflage im August 2021 steht Ethereum bei knapp 3.000 Dollar und Bitcoin bei rund 40.000 Dollar.

Fast jedes Krypto-Portfolio ließ die Gewinne von Warren Buffet, dem besten Investor der Welt der letzten 40 Jahre, alt aussehen. Zigtausend Prozent Gewinne waren und sind neu für alle, selbst für die Vollprofis, die täglich mit irgendwelchen Finanzinstrumenten zocken und Milliarden hin und her bewegen.

Andere, die mit der Blockchain in Berührung kamen, sehen allerdings noch mehr darin. Sie sehen bessere Workflows in Unternehmen, mehr Frieden für die Menschheit, die Lösung aller Probleme, den universellen Weltcomputer.

Wahrscheinlich liegt — wie so oft — die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Diese Erkenntnis hilft aber nicht, zu verstehen, was das alles zu bedeuten hat. Was sind die langfristigen Implikationen der Blockchain? Gibt es überhaupt welche? Ist das alles nur ein Hype, eine neue Software? So etwas wie Windows 10, 11 oder 12?

Verstehen, ohne programmieren zu können — das ist das Ziel

Ich fühlte mich an meine Vorträge aus der Vergangenheit erinnert. Ich bin ein Kind des Computerzeitalters. Mein erster Heim-computer war ein Commodore VIC-20 — das war das Vor-gängermodell des revolutionären C 64.

Ich bin damit groß geworden und habe als Entrepreneur, Autor und Journalist die ganze Entwicklung in vorderster Reihe mitgemacht. Ich stand in der Warteschlange in San Diego, Kalifornien, um das erste iPhone zu ergattern und bekam keines, weil, bis ich es endlich ans Ende der Schlange geschafft hatte, schon alle verkauft waren.

Ich habe in der Technologie-Branche viel erlebt und vieles mitge-macht. Dennoch habe ich nie selbst programmiert und bin auch kein Mathematiker. Das sind gute Nachrichten für Sie, denn dieses Buch ist für Technik-Laien geschrieben. Kein Computer-Code. Alles so erklärt, dass es der Normalsterbliche, der interessierte Laie, verstehen kann.

Es ist aber auch für die, die schon mitmachen; die, die schon dabei sind in dieser wilden Krypto-Welt. Es ist sogar für die Software-experten geschrieben, die vielleicht nachher noch besser verstehen können, welche Probleme sie in der realen Welt überhaupt lösen und warum das so wertvoll und so wichtig ist.

Aber mir fehlte damals, als ich begann, mich mit der Materie zu beschäftigen, noch die übergeordnete Klammer. Ich wusste, dass da etwas ist und konnte es viele Monate lang einfach nicht greifen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso öfter erlebte ich, dass viele, selbst diejenigen, die auf der Bühne standen und sowieso die, die im Publikum saßen, es auch nicht wussten. In den Kaffeepausen wurde über alles Mögliche gesprochen, geschickt um Themen herum navigiert und cool eine Art Pseudo-Wissen ohne echte Ahnung von der Materie präsentiert. Vielleicht, weil die Klammer fehlte.

Ich erinnere mich: Mitte der 1990er stand ich auf der Bühne und sprach über das Internet. Große Augen, Stirnrunzeln, Unglaube und dann: „Ach, dieses Internet, das ist doch nur eine Modeerschein-ung. Das geht wieder weg.“

Nicht, dass es mich gestört hat, mir war es egal, ob man mir glaubte oder nicht, aber es hat mich natürlich verwundert. Nun ja, wie wir wissen, ist das Internet nicht wieder verschwunden. Keine Modeerscheinung. Vielleicht Neuland, wie die deutsche Kanzlerin Frau Merkel noch im Jahre 2015 postulierte, aber das Internet hat unser Leben ganz wesentlich verändert.

Um die Jahrtausendwende stand ich wieder auf Bühnen. Mein neues Thema war nun E-Commerce. Was musste ich hören: „Keiner wird je seine Zahlungsdaten auf einer Website eintragen, viel zu gefährlich.“ Nun denn, 2016 erzielte Amazon allein 136 Milliarden Dollar Umsatz mit Menschen, die ihre Zahlungsmittel nicht im Internet hinterlegen. So viel dazu.

Fünf Jahre später sprach ich dann über das Thema Soziale Medien. “Keiner wird private Daten über sich ins Internet stellen”. Nun, es hat sich gezeigt, dass alleine bei Facebook über zwei Milliarden Menschen genau dies tun. So viel dazu.

Jetzt Krypto-Währungen und die Blockchain. Dieses Mal ist es anders. Man ist sich der Veränderung bewusst und man ist wissbegieriger. Das ist gut. Es gibt natürlich immer noch die Skeptiker. Das ist die größte Gruppe — interessiert, aber doch skeptisch und nicht wirklich motiviert, etwas zu tun.

Warum eine Blockchain?

Deshalb suchte ich die Klammer. Für die Skeptiker und die Wissbegierigen suchte ich nach dem wirklichen Zweck einer Blockchain, der wirklichen Daseinsberechtigung eines dezentralen Systems. Ich suchte nach dem Grund, warum Krypto-Währungen einen solchen Hype erzeugen, warum sich große Industrieunter-nehmen, Banken und Versicherungen und sogar Regierungen strategisch mit dem Thema beschäftigen. Ich suchte nach dem Grund, warum viele dieser Akteure zusammenarbeiteten, wo sie doch in der realen Wirtschaft zum Teil erbitterte Konkurrenten sind. Warum diese Co-Opetition? Dieses: Wir stehen im Wettbe-werb und wir kooperieren zur gleichen Zeit …

Irgendwann war es für mich klar. Ich war bei Sonnenschein im Wald und konnte die Bäume klar erkennen, sah die Stämme, die Blätter, die Farne und die ganze Flora und Fauna. Ich hatte sie gefunden: die Wahrheit!

Ok, das klingt jetzt ein bisschen theatralisch und möglicherweise sogar etwas esoterisch, ist es aber gar nicht. Die Wahrheit ist ein integraler Bestandteil einer bestimmten Art von Blockchain. Um es anders zu formulieren:

Wir können uns auf die Informationen einer Public Blockchain zu einhundert Prozent verlassen.

Die Bitcoin-Blockchain etwa, diese erste und die bisher stärkste Blockchain, beinhaltet eine unveränderbare Aufzeichnung aller Transaktionen, die seit dem ersten jemals entstandenen Bitcoin gemacht wurde. Keine Intelligenz auf dieser Welt kann diese jemals wieder verändern: egal, ob es ein einzelner Mensch, eine Personen-gruppe, ein Computersystem oder sogar eine künstliche Intelligenz versucht.

Das war der Wow-Moment. Na gut, werden Sie denken, das wuss-ten Sie bereits. Denn eine Blockchain ist eine Aufzeichnung aller Vorgänge und immun gegen Änderungen. Es ist eine solide Daten-bank. So werden Blockchains oft charakterisiert.

Ja, so wird sie beschreiben, was aber in der Regel nicht beschreiben wird, ist, was das bedeutet.

Es wird beschrieben, wie eine Blockchain funktioniert. Es wird beschrieben, was man alles mit der Blockchain machen kann. Aber es wird nicht wirklich beschrieben, warum man das alles mit einer Blockchain machen sollte. Es wird nicht beschrieben, warum die Wahrheit, die durch die Daten, die in einer Public Blockchain unveränderlich gespeichert sind, unsere Welt verändern wird. Zwingend und zwangsläufig.

Deshalb habe ich mich entschlossen, dieses Buch, ein Buch über das neue Zeitalter der Wahrheit, des grenzenlosen Vertrauens zu schreiben, welches den Leser gleichzeitig in die faszinierende Welt der Kryptos einführt.

Was es bedeutet, die Wahrheit zu kennen

Was bedeutet es, wenn Sie sich zu einhundert Prozent auf die Angaben, die in einer Blockchain verankert sind, verlassen können? Das ist zunächst einmal eine schwer zu beantwortende Frage. Eine für uns neue Frage, denn wir sind einfach nicht daran gewöhnt, uns auf Daten zu einhundert Prozent verlassen zu können. Wir machen es zwar ganz ohne Scheu und überlassen all unsere Daten unserer Bestellungen, unserer Bankkonten und unserer Bewegungen Amazon, Facebook, Google, Apple und Co. Meistens denken wir auch gar nicht daran, was diese Firmen mit unseren Daten machen oder machen könnten. Manchmal werden wir aufgeschreckt. Aufgeschreckt etwa durch einen Hacker, der 140 Millionen Daten-sätze von der Firma Equifax gestohlen hat. Ich habe für dieses Buch einige dieser Schreckensnachrichten recherchiert.

Aber im Grunde vertrauen wir den Unternehmen, diesen zentralen Verwaltern und Vermarktern, unsere Daten an. Wie verlassen uns auf sie. Die werden schon wissen, wie man die Privatsphäre des Kunden schützt. (Ha ha ha.)

Wie dem auch sei, irgendwo ist natürlich Schluss und wir verlassen uns nur noch auf uns selbst oder vielmehr auf Institutionen, denen wir vertrauen. Das wird sich durch die Blockchain ändern.

Wenn Sie sich zu einhundert Prozent auf Einträge in einer Datenbank verlassen können, können Sie dann etwas von einem fremden Dritten kaufen, ohne zu wissen, wer er oder sie ist?

Woher wissen Sie, dass diese Person zahlen kann? Woher wissen Sie, dass diese Person der rechtmäßige Eigentümer des zu verkaufenden Gegenstandes ist? Bisher wusste Sie das nicht. Bisher brauchten Sie schon ein bisschen Gottvertrauen oder eine bestim-mte Portion Ignoranz und Desinteresse.

Aber, trotz aller Ignoranz, wenn Sie von einem völlig Fremden, den Sie nur einmal kurz am Telefon gesprochen haben, ein gebrauchtes Auto ankaufen, dann wollen Sie den Kfz-Brief. Sie möchten einen Kaufvertrag, Sie möchten das Geld in bar und dann am besten mit dem Verkäufer gemeinsam das Geld auf der Bank einzahlen, um sicher zu sein, dass es kein Falschgeld ist. Besonders dann, wenn es ein Ausländer ist. Sie wollen am liebsten eine Kopie seines Ausweises. Wie können Sie ihm vertrauen? Stimmt das denn alles, was er Ihnen erzählt? Kennen Sie die Wahrheit?

Was ist, wenn es um mehr geht? Wenn Sie eine Immobilie kaufen möchten. „Kein Problem“ sagen Sie, dafür gibt es Notare. Stimmt. Auch eine Berufsgruppe, die die Blockchain-Technologie arbeitslos machen wird. Was? Wie bitte? Notare werden arbeitslos?

Viele Arbeitsplätze fallen weg — die Blockchain erledigt das

Das ist es, was die Blockchain-Technologie verändern wird: Wir brauchen niemandem mehr zu vertrauen, weil in der Blockchain die Wahrheit für alle Zeiten unveränderbar verankert ist.

Was in einer Public Blockchain steht, stimmt. Sie können sich blind darauf verlassen. Sie können ein Haus ohne Notar kaufen, ja sogar ohne eine Kopie des Passes des Verkäufers. Sie können den Daten in der Public Blockchain vertrauen, dass der Betreffende wirklich der Besitzer ist. Wenn die Transaktion dann abgeschlossen ist, sind Sie der neue Eigentümer und das ist dann ebenfalls in der Public Blockchain zu finden. Für alle Zeiten, bis Sie in die Public Blockchain den Verkauf an jemand anderen eintragen. Sicher und risikolos. Ohne Notar und vielleicht sogar ohne Gebühren oder nur sehr geringen.

Die Public Blockchain hat Sie automatisch als Eigentümer eingetragen, wenn alle Voraussetzungen, die in der Public Block-chain als intelligenter Vertrag hinterlegt wurden, erfüllt sind. Die Public Blockchain sperrt Ihnen sogar die Tür auf, weil nun Ihr kryptografischer Schlüssel passt und der des ehemaligen Besitzers nicht mehr. (Achten Sie bitte darauf, dass ich ganz bewusst immer wieder den Begriff „Public Blockchain“ benutze und nicht „Blockchain“. Dazu mehr in späteren Kapiteln.)

Das ist natürlich ein futuristisches Beispiel und ich weiß, dass es weit hergeholt scheint. Wenn ich Ihnen aber nun sage, dass die Technologie dafür schon da ist? Wenn ich Ihnen nun sage, dass die ersten Projekte, in denen Grundstücke über eine Blockchain verwaltet werden, schon laufen? In Costa Rica und in Schweden? Wenn das Beispiel für uns in Deutschland ein bisschen weit hergeholt ist, weil wir ein sehr gut funktionierendes Grundbuchamt mit einem außerordentlichen Notarwesen nutzen können, dann heißt das aber nicht, dass die Blockchain-Technologie deshalb wieder verschwindet, weil sie eine Modeerscheinung wäre.

Ich habe bewusst dieses Beispiel gewählt, weil es sehr provokativ ist. Es gibt jede Menge Beispiele, die weniger provokant sind: internationale Sofortüberweisungen ohne Gebühren1, Eheschließ-ungen über die Blockchain, automatische Stromlieferungen von Nachbar zu Nachbar, automatische Wetten auf alles Mögliche, eine 100-Millionen-Euro-Anleihe von Mercedes Benz über die Block-chain — diese Anleihe gibt es schon seit Juni 2017.

Die Blockchain-Technologie ist da und wird auch nicht mehr verschwinden — weder über Nacht und auch nicht übers Wochen-ende. Dazu ist es zu spät.

Ein gewisses Grundverständnis zu haben, ist hilfreich und notwendig

Um zu verstehen, was das für uns alle bedeutet, ist es notwendig, sowohl die Technologie dem Grunde nach zu verstehen als auch die Konzepte, die dahinterstehen. Das erkläre ich in diesem Buch.

Vergleichen Sie es mit der Zeit, als Sie Ihren Führerschein erworben haben. Sie lernten die Regeln des Straßenverkehrs und Sie erfuhren Grundsätzliches über die Technik des Autos. Der Fahrlehrer hat erklärt, dass manche Autos mit Diesel betankt werden müssen und andere mit Benzin. Sie haben auch gelernt, wie Sie den Bremsweg kalkulieren müssen, damit Sie nicht zu schnell fahren und rechtzeitig anhalten können. Ein wenig Theorie musste sein.

Sie mussten aber nicht wirklich lernen, wie eine Motorsteuer-ungssoftware geschrieben wird oder aus welchem Material die Kardanwelle hergestellt wurde. Das muss man nicht wissen, um mit einem Auto von A nach B zu fahren. Deshalb müssen Sie auch nicht wissen, wie die Software genau funktioniert, um die Krypto-Welt zu verstehen. Sie müssen die Straßenschilder kennen, damit Sie nicht in eine Sackgasse fahren oder in die falsche Richtung in einer Einbahnstraße. Im ersten Fall bleiben Sie stecken, im zweiten Fall könnte es mit einem Unfall enden. Beides ist unangenehm oder sogar gefährlich.

So ist es auch in der Krypto-Welt. Sie können sich leicht in eine Sackgasse manövrieren, stecken bleiben oder gar einem Betrug aufsitzen, was einem Unfall gleichkommt. In diesen Buch lernen Sie die Schilder kennen und Sie lernen, wie Sie sich im „Krypto-Straßenverkehr“ verhalten müssen, damit Sie sicher ankommen.

Wenn Sie die Grundregeln beherrschen, dann können Sie sich mithilfe der erlernten Fähigkeiten nachher auch schneller bewegen und souverän mit Krypto-Währungen handeln, so es denn Ihr Bedürfnis ist oder Sie können sich einer Blockchain-Firma oder -Bewegung anschließen. Auf jeden Fall werden Sie derjenige in Ihrer Firma sein, der fahren kann. Sie werden auch verstehen, wie Sie mit Bitcoin Geld verdienen, wie Sie sparen können und wie Sie sich vielleicht von der sowieso nicht mehr zu finanzierenden Rente unabhängig machen können.

Deshalb erfahren Sie im ersten Teil des Buches, nach einer kurzen Einleitung, wie die Bitcoin-Blockchain funktioniert, welche verschiedenen Blockchain-Varianten es gibt, wie Sie mit Bitcoin handeln oder einen Sparplan auflegen können, welche anderen Krypto-Währungen es gibt und wie Sie in diese Währungen und in neue Geschäftsmodelle investieren und gute Gewinne erzielen können. Im zweiten Teil erfahren Sie dann, wie Sie viel Geld verlieren können, aber auch, wie Sie auf Betrüger hereinfallen und wie Sie sich ungeschickt anstellen können und Ihre Bitcoins oder andere Krypto-Währungen dadurch verlieren.

Den ersten Teil sollten Sie genau studieren, damit Ihnen die Ungeschicke, die im zweiten Teil besprochen werden, nicht widerfahren können.

Sie werden, nachdem Sie die grundlegenden Verfahren und Techniken kennengelernt haben, verstehen und schätzen lernen, was es bedeutet, wenn wir die Wahrheit in relevanten Bereichen unseres Lebens kennen, weil sie in der Public Blockchain für immer und ewig verankert ist. Sie werden für sich selbst, für Ihre Firma und für Ihre Branche erkennen, ob für Sie die Gefahr einer massiven Veränderung, einer Erschütterung Ihrer Branche durch eine Blockchain Anwendung besteht und Sie werden entsprechend handeln können. Sie werden verstehen und vorhersehen, was kommen wird. Sie können sich vorbereiten und sich entsprechend erfolgreich positionieren und verhalten.

Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben, damit Sie nicht von einer neuen Welle der Automatisierung überrascht werden — denn eines ist sicher: Die Welt wird sich massiv verändern.

Die Wahrheit der Daten, auf die wir uns in naher Zukunft verlassen werden, wird Millionen von Arbeitsplätzen überflüssig machen und gleichzeitig völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen und diese auch erfordern. Seien Sie dabei.

Wie Sie dieses Buch lesen sollten

Ich habe lange an der Struktur dieses Buches gearbeitet und vieles hin- und hergeschoben. Wie bei jedem Buch ist es empfehlenswert, von vorne nach hinten zu lesen. Ich habe die einzelnen Teile so aufeinander aufgebaut, dass Sie auch wirklich das gesamte System verstehen können.

Sie werden am Ende des Buches nicht nur wissen, wie man ein Auto lenkt, um in der Analogie der Fahrschule zu bleiben, und welche Straßenschilder was bedeuten, sondern Sie werden auch verstehen, wie Autos unsere Gesellschaft verändern werden. Sie werden verstehen, was es bedeutet, dass Autos schneller als Pferde Waren und Personen von A nach B transportieren können und wie Sie einer der ersten sein können, die sich entsprechend positionieren und gewinnbringend handeln können.

Wenn Sie nicht der Reihe nach lesen, gewinnen Sie durchaus wichtige Erkenntnisse, die Ihnen weiterhelfen, aber Sie sind und bleiben unter Umständen nur einer von vielen Tausend Verkehrs-teilnehmern, die es als selbstverständlich erachten, dass Waren im Supermarkt im Regal stehen. Wenn Sie das ganze System und die dahinterstehenden Konzepte und Modelle kennen, dann wissen Sie, warum die Waren im Supermarkt sind und wie sie dort hin-kommen. Dann verstehen Sie die übergeordneten Prinzipien und können wesentlich mehr in der Krypto-Welt erreichen. Sie können kompetent und in Ruhe die Zukunft für sich und Ihre Familie gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr

Joe Martin

Miami im Janaur 2018

München September 2021

Kapitel 1 — Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit
Warum die Blockchain unsere Welt und unser Zusammenleben verändern wird und wie wir damit umgehen sollten

Wenn die Zahnpasta erst einmal aus der Tube raus ist, das wissen wir alle, kann sie nie mehr zurück. Die Zeit zurückzudrehen, verstößt gegen so viele physikalische Gesetze, dass es einfach nicht möglich ist. Wer würde heute wieder Musik per Audiokassette aus dem Radio aufnehmen, wenn man die gute Qualität von digital-isierter Musik von der CD oder von iTunes und Spotify kennt?

Errungenschaften, die es geschafft haben, von einer breiten Masse von Menschen angenommen zu werden, werden einfach nicht mehr verschwinden. Sie gehen nicht mehr verloren.

Wissen hingegen kann verloren gehen. Gerade erst konnten wir erstaunt erfahren, warum die alten Römer in der Lage waren, besseren und haltbareren Beton herzustellen als die Baumeister heutzutage. Deshalb brechen unsere Autobahnbrücken nach 50 Jahren zusammen und das Kolosseum steht immer noch. Mehr oder weniger.

Wissen kann manipuliert werden. Gerade im Zeitalter der „Fake News“ ist das scheinbar ein Leichtes. Scheinbar. Denn tatsächlich war es noch nie anders. Manipulation jeder Art, von gefälschten Nachrichten bis hin zu gefälschten Geldscheinen, gefälschte Aufzeichnungen bis hin zu gefälschten Unterschriften — all das hat unsere Vergangenheit bestimmt und unser Zusammenleben geformt.

Warum können wir uns auf Daten und Informationen nicht blind verlassen?

Eine Analyse zeigt, warum das so ist und das Ergebnis ist eindeutig: weil Wissen und Informationen bisher immer nur zentral verwaltet werden konnten.

Zentrale Verwaltung, zentrale Aufbewahrung, zentrale Steuerung. Alles, was zentralisiert ist, kann verändert, kann manipuliert werden und kann durch Destruktion abhanden kommen. Die große Bibliothek von Alexandria, die im 3. Jahrhundert zerstört wurde, enthielt womöglich wertvolles Wissen, welches für immer verloren ist. Das hat die Entwicklung der westlichen Welt wahrscheinlich erheblich zurückgeworfen. Genau wie das Wissen der Inka verloren ist und von anderen Kulturen möglicherweise noch viel mehr. Keiner weiß das genau. Was jedoch jeder kennt, sind Festplatt-enfehler und Abstürze des eigenen Computers. Auch das bedeutet Wissensverlust. Wenn etwa die Excel-Tabelle oder das Dokument weg sind und man von vorne beginnen muss — die sorgfältig formulierten Gedanken sind verloren, die geschickt gestaltete Tabelle ist verloren. Ärgerlich.

Die zentrale Verwaltung war bisher das beste bekannte System. Staaten waren und sind zentrale Strukturen. Ob das ein König war, der ein Königreich leitete oder heutzutage eine demokratische Regierung, die den Staat lenkt und führt. Alles ist letztendlich zentral geordnet und verwaltet, auch wenn es unterstellte, lokale Verwaltungen gibt.

Auch wenn man in einer Demokratie oder in einem föderal-istischen Staat lebt, sollte man sich nicht täuschen lassen. Die wichtigsten Informationen wie zum Beispiel unsere Steuernummer, unsere Sozialversicherungsnummer und unsere Kfz-Zulassungen sind auf höchster Datenebene doch wieder zentralisiert und steck-en in irgendwelchen verknüpften Datenbanken. In Datenbanken, die ausfallen oder gehackt werden können, die permanent von Computerviren und Trojanern bedroht werden und die auch jederzeit manipuliert werden können.

Wenn Zentralität aber nun das Problem ist, wenn Zentralität die Sollbruchstelle ist, gibt es dann keine Lösung?

Doch, es gibt sie. Eine Lösung aus dem Jahre 2008, entstanden durch das Auftauchen eines Konzepts namens „Bitcoin“.

Veröffentlicht wurde es von einem gewissen Satoshi Nakamoto, von dem bis heute niemand weiß, wer sich eigentlich hinter diesem Pseudonym verbringt. Es kann ein Einzelner sein, eine Einzelne oder eine Gruppe von Computersoftwareexperten.

Nakamoto beschreibt, wie man technologisch eine Gruppe von Computern dazu verpflichtet, die Wahrheit zu liefern und nichts als die Wahrheit.

Eine Wahrheit, die für alle Zeiten festgeschrieben wird und auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Eine Wahrheit, auf deren Basis man blind seine Zukunft aufbauen kann und die vollständig ohne Vertrauenspersonen oder Vertrauen an sich funktioniert.

Damals wurde ein spannendes Konzept geboren, das heute eine immer größere Gruppe von Enthusiasten begeistert, welches immer schneller und effizienter die Massen erreicht und unsere Gesell-schaft und deren Verwaltung, massiv verändert. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man diese Technologie von Grund auf kennt — sonst steht man plötzlich vor vollendeten Tatsachen und wundert sich womöglich, wie man schnell noch auf den abfahrenden Zug, der in Richtung Zukunft fährt, aufspringen kann.

Daten, auf die wir uns blind verlassen können?

Wenn man sich blind auf Daten verlassen kann, dann hat das enorme Konsequenzen und wird unsere Zukunft massiv verändern. Man kann, ohne zu übertreiben, von der vierten industriellen Revolution sprechen — der vertrauensvollen Gesellschaft.

Einer Gesellschaft, in der man sich blind auf ein Angebot verlassen kann, selbst wenn es von einer völlig unbekannten, dritten Person kommt. Eine Gesellschaft, in der man per Handy eine Immobile kaufen kann, ohne dass ein Notar benötigt wird. Eine Gesellschaft, in der man seine Krankenakte dabeihat und jeder Arzt sich zu einhundert Prozent auf die Informationen verlassen kann und damit schneller und sicherer behandeln kann. Diese Art von Gesellschaft.

Im Folgenden wird geschildert, wie das funktioniert und welche technischen Entwicklungen nötig waren, um sicherzustellen, dass Daten immer integer sind und immer die Wahrheit widerspiegeln — ohne Ausnahme. Es wird erklärt, wie diese Systeme aufgebaut sind und warum sie die Wahrheit bereitstellen können. Man erfährt ganz nebenbei auch, unter welchen Umständen sie angreifbar und manipulierbar sind. Selbstverständlich so dargestellt, dass es jeder, auch ohne selbst Softwareprogrammierer zu sein, leicht nachvoll-ziehen kann.

In diesem Buch geht es um Beispiele aus privaten und beruflichen Bereichen, in denen eine vertrauensvolle Applikation, in der die Wahrheit dominiert, Nutzen stiftet und wie diese neuen Anwend-ungen die Zukunft beeinflussen werden. Es wird erläutert, warum es so kommen wird und warum die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Die Zahnpaste kann eben nicht mehr zurück in die Tube.

Was ist das Geheimnis einer solch vertrauensvollen Anwendung, in der die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verzeichnet ist?

Wenn das Problem der Wahrheit, der Integrität der Daten, die Zentralität ist, dann kann die Lösung folglich nur in einer dezentralen Anwendung liegen. Das waren wahrscheinlich auch Nakamotos Gedanken.

Immerhin baute er — vorausgesetzt, es handelt sich um einen Mann — mit Bitcoin eine echte dezentrale Anwendung, in der Daten dezentral auf vielen Computern gleichzeitig aufbewahrt werden. Dieses Netzwerk von einzelnen Computern, die auch jeweils als „Nodes“ (dt. „Knoten“) bezeichnet werden, optimiert sich immer so, dass Ausfälle einzelner Nodes automatisch ausge-glichen werden. Im Ergebnis verfügen jeweils die Mehrheit der Nodes über die Wahrheit. Dadurch wird ein solches Netzwerk zunächst einmal ausfallsicher.

Zusätzlich müssen die Daten eine bestimmte Struktur aufweisen und in bestimmter Art und Weise gespeichert werden, damit nachträgliche Änderungen und Manipulationen unmöglich sind. Durch geschickte Verknüpfung der einzelnen Datensätze in einer Abfolge von Datenblocks, die miteinander verbunden sind, entst-eht eine unveränderbare Aufzeichnung, die immer der unverän-derten Wahrheit entspricht.

Daten, die für alle Zeiten unveränderbar, manipulations- und zensursicher gespeichert werden sollen, müssen auf vielen, vonein-ander völlig unabhängigen Computern (Nodes bzw. Knoten-punkten) gleichzeitig gespeichert sein. Sie müssen zudem so mit-einander verknüpft sein, dass eine nachträgliche Änderung durch einen Manipulator von der Mehrheit der unabhängigen Computer abgelehnt und ignoriert wird.

Hausbesitzer können das nachvollziehen, denn wenn das Grund-buchamt manipuliert werden würde, dann besitzt plötzlich jemand anderes das eigene Grundstück. Das könnte mittels einer bösartigen Kollaboration eines Notars mit einem Mitarbeiter des Grundbuchamtes durchaus bewerkstelligt werden. Es wäre aber nicht mehr möglich, wenn die Grundstücksübertragung im ersten Schritt schon gleichzeitig bei vielen Hundert, unabhängigen Stellen registriert und beurkundet worden wäre. Dann müssten schon Hunderte von Notaren und Grundbuchämtern zusammenarbeiten. Das ist praktisch unmöglich. Zugegeben, so etwas kommt in der Praxis — zumindest in Deutschland — sicher nicht vor. Es besteht jedoch konstant die theoretische Möglichkeit. Dessen sollte man sich immer bewusst sein.

Transaktionen ohne Zeugen

Im Grunde dient die Grundstücksmetapher ja auch nur als Beispiel, dass es theoretisch möglich ist, Informationen zu verändern, wenn nur wenige Beteiligte und Zeugen involviert sind.

Wenn man jemandem 100 Euro in bar gibt und er später behauptet, das Geld nie erhalten zu haben, dann ist das die gleiche Manipulation in einer einfacheren Variante — innerhalb eines zentralen Systems ohne Notar, also ohne Zeugen. Selbst wenn man einen Freund darum bittet, dabei zu sein, wenn man den anderen bezahlt, selbst dann kann man nicht zu einhundert Prozent sicher sein, dass der Freund ein verlässlicher Freund ist und nachher bestätigt, dass man dem anderen die 100 Euro gezahlt hat. Er kann es vergessen haben oder behaupten, er habe es vergessen, weil er von dem anderen bestochen wurde.

Zu diesem Thema gibt es tonnenweise Literatur und viele Wissen-schaftler an Universitäten und anderen Hochschulen rund um die Welt beschäftigen sich mit diesen Zusammenhängen. Die Spiel-theorie ist eine Wissenschaft, die versucht, Systeme zu verstehen, die aufgrund verschiedener Incentives das Verhalten von Menschen, die interagieren, vorherzusagen. Die Spieltheoretiker möchten verstehen, wie viel Geld ein Empfänger, der einem Freund 100 Euro zahlen muss, damit er sich “nicht mehr erinnert” und damit als Zeuge ausfällt. Es gibt in der Theorie immer einen Betrag, der es für beide lukrativ macht, zu manipulieren. Vielleicht nicht gerade bei 100 Euro, aber bei Millionenbeträgen sind das sicher keine seltenen Ausnahmen.

Wenn die Übergabe der 100 Euro nun aber von 1.000 Freunden beobachtet wird und alle 1.000 als Zeugen zur Verfügung stehen, dann wird jeder Richter glauben, dass die 100 Euro bezahlt wurden, auch wenn einer, zehn oder sogar 200 der Zeugen das Gedächtnis verlieren. Deshalb gilt: Je größer die Zahl der Zeugen ist, desto geringer die Gefahr der Manipulation.

Transaktionen mit Zeugen und einem Diktator

Die Grundstückseigentümer in Deutschland können also aufatmen. Auch wenn Grundstücksübertragungen nicht bei allen deutschen Grundbuchämtern parallel verzeichnet werden, ist es unwahr-scheinlich, dass die Eigentumsverhältnisse durch den Notar und das jeweilige Amt manipuliert werden.

Was aber ist mit dem Staat? Der Staat ist in letzter Konsequenz die höchste zentrale Instanz. Ein Grundbuchamt ist auch nur eine staatliche Stelle. Ein Amt. Der Notar ist an die Gesetze gebunden. Droht den Grundbesitzern also doch Ungemach?

Wie in allen zentralen Systemen ist die Gefahr der Manipulation auch innerhalb eines Staats gegeben. In einer funktionierenden Demokratie durch Politiker, die die Gesetze beschließen. Je nach Staat ist das mehr oder weniger einfach oder manipulativ. In Deutschland streitet man sich seit Jahren über die Zahlung der GEZ-Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Der Staat, als zentrale Stelle, hat ein System eingeführt, welches jeden zwingt, Geld für etwas zu zahlen, was nicht jeder nutzt. Beispiele für Zentralisierung und dadurch Manipulationen durch den Staat — je nach Budgetlage und Interessen — gibt es zur Genüge, auch wenn man denkt, dass man in einem freien, demokratischen Staat lebt. Anliegerkosten für die neue Straße, Müllabfuhrgebühren, Kirchensteuer und so weiter und so weiter.

In einer Diktatur können sich Hausbesitzer gleich gar nicht mehr wohlfühlen. Wenn der Schwager oder Neffe des Diktators zum Beispiel den Wunsch äußert, ein schönes Anwesen zu besitzen, welches noch jemand anderem gehört, dann werden sich die Besitzverhältnisse schnell ändern. Das ist in der Geschichte mehr als einmal passiert. Die zentrale Instanz — der Diktator — verändert dann einfach die Regeln.

Meist halten sich Diktatoren nicht sehr lange und treten irgend-wann ab oder werden entfernt. Dann beginnt das große Aufräumen und jetzt stellt sich die Frage, welches Gebäude, wem, wann gehört hat. Herr Müller behauptet, es sei seins, Herr Maier behauptet dasselbe. Herr Maier habe Herrn Müller schließlich bezahlt. Zeugen gibt es nur wenige, wenn überhaupt, und jeder hat eine andere Erinnerung. Das zuvor geschilderte simple Problem der Zahlung von 100 Euro ist plötzlich auch das Problem eines durch den Staat enteigneten Hausbesitzers. Es gibt keine verlässlichen Aufzeichnungen und keine verlässlichen Zeugen. Was ist zu tun?

All diese oben genannten Probleme sind durch dezentrale Systeme elegant und zuverlässig zu lösen.

In einem echten dezentralen System gibt es immer genügend Zeugen und alle Aufzeichnungen aus der Vergangenheit sind für alle Zeiten unveränderlich. Deshalb kann man sich auch blind auf diese Daten verlassen.

Ein solches System hat Nakamoto mit Bitcoin erschaffen. Bitcoin ist das erste dezentrale System, mit dem man Werte einhundert Prozent fälschungssicher von einem Eigentümer zu einem anderen transferieren kann. Das ist nur innerhalb eines dezentralen Systems möglich.

Dezentralität kann leider auch nur scheinbar vorherrschen

An dieser Stelle entstehen oft schon die ersten Missverständnisse. Der Unterschied zwischen zentralem und dezentralem System ist ein ganz entscheidender. Ein zentrales System ist einfach zu definieren. In einem Netzwerk ist es die eine Stelle, auf der alles gespeichert wird und wo entschieden wird. In einem Computer-netzwerk ist das ein zentraler Computer, auch Server genannt.

Ein zentraler Server kann aber natürlich, wie jedes andere Gerät auch, aus vielfältigen Gründen ausfallen. Dann hat man keinen Zugriff mehr auf die Informationen und Entscheidungen können nicht mehr getroffen werden. Deshalb stattet man in der Regel diese Server so aus, dass alle wichtigen Teile mehrfach vorhanden sind. Das Ersatzsystem übernimmt, wenn das Original ausfällt.

Das nennt man ein redundantes System. Redundante Systeme sind, unter anderem, in der Luftfahrt Standard, denn wenn eine Signalleitung Richtung Triebwerk ausfällt, darf der Flieger nicht abstürzen, sondern sollte in jedem Fall die Steuerungsimpulse zu steigen oder zu sinken über eine parallele Leitung empfangen können.

Datenverluste können katastrophale Folgen haben

Wenn Entscheidungen vorübergehend nicht getroffen werden können, ist das in vielen Fällen unerfreulich, wenn aber die Festplatte des zentralen Servers beschädigt ist und damit die Daten verloren sind, ist das in den meisten Fällen eine Katastrophe. Deshalb sind Back-ups auch unerlässlich. Back-ups sind aber allenfalls eine Teillösung, denn sie müssen erst einmal zurück-gespielt werden und der Server muss wiederhergestellt werden. Besser als nichts, aber keine befriedigende Lösung.

Deshalb kamen Ingenieure auch schnell auf das Konzept der sogenannten Spiegelplatten. Dabei werden die Daten nicht nur auf einer, sondern gleichzeitig auf weiteren Festplatten gespeichert. Die Mischung aus diesen Festplatten sorgt für einen reibungslosen Datenzugriff.

Jedoch ist auch damit der Bestand der zentralen Einheit nicht wirklich garantiert, denn der komplette Standort könnte ausfallen. Ursachen könnten etwa ein Erdbeben oder eine Flut sein oder noch trivialer: ein Stromausfall, der länger anhält als die Notfallbatterien durchhalten.

Einbruch mit Sachbeschädigung und Diebstahl des Computers sind weitere Gefahrenquellen. Aus diesem Grund ist man dazu über-gegangen, Daten auf verteilten Systemen zu speichern, also die Spiegel quasi auch lokal zu trennen. Das können auch ganze Rechenzentren sein, die als Spiegel agieren und zum Teil Tausende Kilometer voneinander entfernt sind und heutzutage sogar in verschiedenen Ländern stehen können, um zusätzlich „politische Erdbeben“ unbeschadet zu überstehen.

Fällt ein Rechenzentrum aus, übernimmt das andere. Das geschieht meistens reibungslos, in manchen Fällen dauert die Synch-ronisierung zwar eine kurze Zeit, aber das Internet fällt eigentlich nie aus, wie wir aus Erfahrung wissen. Diese verteilten Daten-systeme sind also durchaus als sicher einzustufen.

Aber! Es sind eben keine dezentralen Systeme, sondern nur verteilte Systeme und hier liegt der kleine, aber entscheidende Unterschied.

Verteilte, sichere Systeme sind zwar ausfallsicher, aber nicht gegen Manipulation geschützt. Dezentrale Systeme sind ausfallsicher und gegen Manipulation immun. Das wird oft verwechselt.




Manipulation durch den Betreiber

Zentrale oder auch verteilte Systeme werden von jemandem betrieben. Irgendjemand, in der Regel ein Unternehmen, program-miert diese Systeme und kontrolliert damit gleichsam die Art und Weise, wie Daten in diesen Systemen gespeichert werden und noch wichtiger: welche Daten gespeichert werden. Wenn ein bösartiger Akteur Daten bei der Speicherung verändert, dann sind diese Daten zwar sicher aufgehoben, aber eben nicht mehr integer. Die Wahrheit kann niemals in einem zentralen oder verteilten System garantiert werden. Es wird immer nötig sein, den Wahrheitsgehalt der Daten auf vielfältigste Art zu überprüfen.

Hierin liegt auch das größte Arbeitsaufkommen in unserer moder-nen Welt. Millionen Menschen sind mit nichts anderem beschäf-tigt, als Daten auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wem das zu abstrakt erscheint, der kann ja beispielsweise einmal versuchen, ein Sparbuch aufzulösen, welches verwittert und nur schwer lesbar ist, oder versuchen, ein Kraftfahrzeug ohne Unterlagen zuzulassen.

Historisch gesehen war es schon immer ein Problem, dass wir uns auf Aussagen oder Aufzeichnungen anderer verlassen mussten. Wie viele Kriege, Kleinkriege oder lokale Streitigkeiten sind wohl entstanden, weil die Nachricht, auf deren Basis die Streitereien entstanden sind, falsch war?

Falsche Informationen wurden genutzt, um Kriege anzuzetteln, Kriege zu gewinnen und immer wieder, um sich gegenüber anderen einen Vorteil zu verschaffen. Das war damals so und ist heute noch ganz genauso. Gefälschte Gutachten, gefälschte Doktortitel, gefäl-schte Erlasse. Alles schon mal da gewesen.

Die Frage, die sich immer wieder gestellt hat, ist die nach der Überprüfbarkeit der Information. Wenn ein Siegel gebrochen war, dann konnte man der Information nicht trauen. Wenn das Siegel in Ordnung war, dann schon. Oder doch nicht? Wurde das Siegel vielleicht gefälscht?

Über Hunderte von Jahren wurden Methoden ersonnen, um Fälschungen zu entlarven. In den neuesten Euro-Banknoten sind deshalb rund 50 Sicherheitsmerkmale enthalten, um sicherstellen zu können, dass es sich um echte Banknoten handelt. Sicherheits-merkmale, wie zum Beispiel ein Siegel und neuerdings Holo-gramme, sind aber immer nur so weit nützlich, bis sie entweder gefälscht werden können oder viel häufiger — weshalb man am Ende auch wieder auf sie verzichtet hat — weil sie zu teuer werden.

Computer konnten das Problem bisher nicht lösen

Auch durch das Aufkommen der EDV wurde dieses Problem nicht behoben. Es wurde nur auf ein anderes Medium übertragen. Malware, Viren und Hacker-Angriffe bedrohen unsere Infor-mationen Tag für Tag aufs Neue. Computerisierte Siegel können sehr leicht gebrochen werden, indem Insider zum Beispiel einfach in einer Bankensoftware den Betrag nach der dritten Stelle nach dem Komma an sich selbst überweisen — Rundungsfehler. Die fallen gar nicht auf und damit können Betrüger viele Millionen abschöpfen.

Es müssen aber gar keine Betrüger im herkömmlichen Sinne sein. Es kann auch das Management selbst oder der Staat sein. Beispiele gibt es wahrlich mehr als genug. Informationen können, um Vorteile zu erlangen, systematisch verändert werden. Wahlbetrug ist nur die prominente Spitze des Eisberges.

Dazu kommen noch die Daten, die durch simple Fehler verändert wurden. Zahlendreher sind wohl der Klassiker. Unleserliche Zahlen aus einem Fax, die in eine Tabelle getippt wurden, fehlende Belege, bei denen Beträge ausgebucht werden, damit es am Ende wieder stimmt.

Viele Millionen Sachbearbeiter sind tagein, tagaus mit nichts anderem befasst, als Daten von einem Medium auf ein anderes zu übertragen: von Papier in die EDV eintippen oder von einer Software in ein anderes Programm zu übertragen. Schreibfehler, Tippfehler und falsch verstandene Daten finden sich zu Millionen in unseren Datenbanken.

Der Klassiker: „Sehr geehrte Frau Klaus Müller“.

Wir können Daten einfach nicht trauen! Wir mussten uns bisher damit dennoch irgendwie arrangieren. Das gelingt in der westlichen Welt leidlich gut. Anders sieht es in weniger demokratischen Systemen aus, wie man zum Beispiel an den offensichtlichen Wahlmanipulationen in Venezuela oder in manchen afrikanischen Staaten und davor im geteilten Deutschland gesehen hat. Millionen Stimmen wurden manipuliert. Das ist ein Problem eines jeden zentralen Systems, innerhalb dessen ein Einzelner oder eine Gruppe von Menschen andere durch manipulierte Informationen, Fake News und Zensur unterdrücken.

Ein weltweites Problem, welches gelöst werden muss, um die Wahrheit als Grundlage zu erhalten und eine friedliches Gesell-schaftsordnung zu errichten: einhundert Prozent manipulations-sichere und vertrauenswürdige Datenbestände.

Satoshi Nakamoto’s Konzept hat das auf der Ebene einer hundert-prozentig manipulationssicheren Währung mit einhundert Prozent vertrauenswürdigen Transaktionen gelöst. Hundertprozentig ver-trauenswürdige Transaktionen sogar dann, wenn sie von völlig Unbekannten stammen. Im Kern dieser Lösung — die als Bitcoin bekannt ist — befindet sich, neben effizienter Verschlüsselungs-technologie, eine Blockchain.

Es ist an der Zeit, dieses geniale Konzept zu verstehen.

Kapitel 2 — Wie die Bitcoin-Blockchain funktioniert
Die Erfindung des Bankwesens

Eine scheinbare Lösung für die vorhandenen Probleme in den internationalen Finanzmärkten kam im Mittelalter auf, als das Bankwesen erfunden wurde. Der Bankier wurde zum Überbringer der Wahrheit. Es waren die Ritter des Templerordens, die in den frühen Jahren des vorletzten Jahrtausends über ein großes Netz von Filialen den Transfer von Werten organisierten. Bis dahin musste der Eigentümer seine Werte tatsächlich mit sich führen. Ein sehr gefährliches Unterfangen, denn nicht nur Robin Hood lag auf der Lauer, sondern auch wirklich böse Buben. Unabhängig von der Boshaftigkeit der Wegelagerer, zu denen auch die Obrigkeit selbst gehören konnte — in Gestalt vielfältiger Steuerformen — waren die Werte in der Regel verloren. Das haben die Tempelritter mit ihrem Netzwerk an Niederlassungen geändert.

Ein Edelmann, der in Paris ein Kilo Gold hinterlegte, konnte durch ein entsprechendes Papier an anderer Stelle den Gegenwert erhalten. Die Templer unterhielten dazu ein Botennetzwerk, welches über den jeweiligen Transfer berichtete. Kein wirklich vertrauensvolles System, weil auch hier und da mal ein Siegel gefälscht werden konnte, Boten die falschen Nachrichten übermit-teln konnten und alle möglichen anderen Tricks und Manipu-lationen zu falschen Informationen führen konnten. Es funkt-ionierte redlich und zwar auch deshalb, weil kein anderes, besseres System vorhanden war und weil man den Templern als vertrauens-würdigen Dritten vertraute. Immerhin waren sie in der Regel schwer bewaffnet und arbeiteten für Gott — damals ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der vertrauenswürdige Dritte

Historisch betrachtet ist dieses System eines der ersten, in dem der vertrauenswürdige Dritte eine Rolle in einem größeren System spielt. Der vertrauenswürdige Dritte hat die Jahrhunderte überlebt und sich in unserer modernen Gesellschaft etabliert. Wir könnten unser Geld auch unter dem Kopfkissen aufbewahren, aber wir bringen es zum vertrauenswürdigen Dritten, der Bank oder der Sparkasse. Wir leihen unseren Rasenmäher an Klaus, weil er ein Freund unseres Freundes ist.

Unser Freund, der vertrauenswürdige Dritte. Der Staat hat den vertrauenswürdigen Dritten in Form des Notarwesens institut-ionalisiert. Wer eine Firma gründen oder wer eine Immobilie kaufen möchte, der wendet sich an den vertrauenswürdigen Drit-ten, den Notar. Eine andere große, weltweite Branche vertrauens-würdiger Dritter sind die Wirtschaftsprüfer, die die Abschlüsse von Unternehmen prüfen und attestieren, dass die Unternehmen wirklich soundsoviele Werte und Anlagen besitzen, woraus sich in letzter Konsequenz zum Teil auch der Börsenwert ermittelt. Repräsentiert der vertrauenswürdige Dritte aber wirklich die Wahrheit? Wer hat sich nicht schon geärgert, dass er seinen Rasenmäher an diesen, diesen … äh, verliehen hat?

Wer hat sich nicht schon mal über seine Bank geärgert, die plötzlich Gebühren abgerechnet hat? Stand doch groß im Klein-gedruckten und wurde Ihnen als Änderung der AGBs zugesandt.

Wer hat nicht schon einmal beim Notar den Kopf geschüttelt, wenn er eine Immobile ge- oder verkauft hat? Unklare Besitzver-hältnisse sind nicht ungewöhnlich.

Jetzt noch die Wirtschaftsprüfer: Wirecard, CumEx und viele andere Skandale, bei denen Anleger Milliarden verloren haben, lassen grüßen.

Daten in zentralen Systemen können leicht verändert werden

Informationen und Daten, die in verteilten und zentralen Systemen festgehalten werden, können von den Betreibern dieser Systeme verändert werden und die Wahrheit ist somit nicht gewährleistet. Damit müssen wir eben leben. Müssen wir?

Nein, in der Tat ist es wiederum diesem mysteriösen Satoshi Nakamoto zu verdanken, dass wir das eben nicht mehr so hin-nehmen müssen. Sein Konzept zeigt, wie wir mit einem echten dezentralen System die Wahrheit durch die Integrität der Daten gewährleisten können. Sein Konzept, welches erst jetzt langsam das Bewusstsein der Massen erreicht, ist ideal, um unsere Systeme zu verändern: die der Daten- und Informationsverarbeitung sowieso, aber damit einhergehend auch unsere gesamtgesellschaftlichen Strukturen.

Im Wesentlichen hat Nakamoto einige, schon bekannte Ansätze so zusammengesetzt, dass diese Kombination mit besagter Wahrheits-garantie einhergeht. Ein Kernbestandteil ist die Computerver-schlüsselung. Aber das alleine reicht nicht aus, ein weiterer Baustein ist vonnöten: die Verknüpfung älterer Daten mit neuen, sodass eine Kette von Datenblocks entsteht, in der aktuelle Daten sich immer auf vorherige beziehen und diese wieder auf deren Vorgänger. Das ist das Grundprinzip der inzwischen bekannten Blockchain — einer Kette von Datenblocks, die miteinander verlinkt sind.

Eine Kette, bestehend aus Datenblocks, ergibt die legendäre Blockchain

Diese Kette an sich ist allerdings auch nur ein weiterer, wenn auch wichtiger, Teil des ganzen Systems und an und für sich aber auch wieder nichts wert, denn sie kann verändert und vernichtet werden. Man kann sie einfach vom Server löschen und durch einen andere Kette ersetzen, in der andere Daten stehen. Beides gilt es zu verhindern, wenn man sich blind auf Daten verlassen will oder muss.

Aus diesem Grund hat Nakamoto diese Datenkette — die im folgenden als Blockchain bezeichnet wird — zusätzlich auf viele verschiedene, völlig unabhängige Computer verteilt.

Aber auch das alleine genügt noch nicht. Unter gewissen Um-ständen kann man die Blockchain an einer Stelle ersetzen und mit Lichtgeschwindigkeit auf die anderen Computer übertragen und dadurch Daten manipulieren.

Manipulieren muss nicht unbedingt heißen, dass auf einmal Millionenbeträge verschwinden. Wie bereits ausgeführt, reicht es schon aus, die dritte Nachkommastelle zu manipulieren, um auf lange Sicht sehr reich zu werden. Um diese Gefahr zu entschärfen, baute Nakamoto eine Bremse in das gesamte System ein, welche die schnelle Verbreitung manipulierter Daten verhindert.

Im Folgenden werden nun diese einzelnen Bestandteile einer nach dem anderen vorgestellt. Man erkennt dann schnell, wie wirksam die Kombination ist. Man darf sich aber nicht von dem Begriff „Blockchain“ alleine täuschen lassen, deshalb wird gezeigt, an welchen anderen Stellen Gefahren lauern. Man darf dem inzwischen modischen Begriff Blockchain alleine nicht automatisch vertrauen.

Nicht überall, wo „Blockchain“ drauf steht, ist die Wahrheit drin

Nakamoto hat zunächst das System in einzelne Transaktionen aufgeteilt und diese dann zu Datenblocks zusammengeführt. Das Ganze wird dann immer mehr oder wenig verschlüsselt. Die Transaktionen selbst zwar nicht, aber die Art und Weise wie sie genehmigt werden und wie die Datenblöcke miteinander verknüpft sind. Damit betreten wir das Gebiet der Kryptografie.

Im Folgenden verwenden wir deshalb die übliche Nomenklatur der Kryptografie-Branche und nennen die Beteiligten „Alice“ und „Bob“ - anstelle A und B - und verwenden als Währung die virtuelle Währung Bitcoin oder deren Kürzel BTC. Alice und Bob sind Synonyme für Sender und Empfänger einer Transaktion oder Nachricht. „Carol“ und „Dave“ sind weitere Mitspieler in einem kryptografischen System. Auch sie repräsentieren entweder Sender oder Empfänger. Sie stehen stellvertretend für Menschen, die Werte austauschen, also einer verkauft etwas an einen anderen und dieser wird dann bezahlt. Das ist dann eine Transaktion im Sinne von Bitcoin.

Wenn also Alice 5 BTC (also Bitcoin) an Bob senden möchte, dann ist das eine einfache Transaktion. Alice besitzt mehr als 5 BTC und sendet 5 BTC an Bob. Der sendet nun 3 BTC an Carol und 1 BTC an Dave. Das sind dann zwei weitere Transaktionen. Das Bitcoin-System sammelt nun alle diese Transaktionen und packt sie in einen Datenblock.

Dieser Block hat eine bestimmte maximale Größe und wird von spezialisierten Computern zusammengepackt und gebündelt. Das System ist so ausgelegt, dass jeweils ein Block ungefähr alle zehn Minuten erstellt wird. Genau das wirkt als die zuvor erwähnte Bremse und bringt weitere Vorteile mit sich. Dazu später mehr.

Jetzt wird dieser Datenblock nicht einfach nur so gebündelt, also zum Beispiel wie eine Zipdatei, sondern es werden kryptografische Verfahren genutzt, die es ermöglichen, diesen Block mathematisch mit einer absolut eindeutigen Kennung zu versehen. Diese Kennung ist das Ergebnis einer Berechnung aus den Daten des Blocks, die man auch „Hash“ nennt.

Dieser Hash ist ein sehr spannendes, mathematisches Werk, welches auf der sogenannten Falltür-Mathematik beruht. Wie es genau funktioniert, ist für Mathematiker sehr spannend, die mit glasigen Augen davon berichten — eine faszinierende Methode.

Falltür-Mathematik für Laien

Für den Nicht-Mathematiker ist es ausreichend, wenn er versteht, dass die betreffenden Formeln nur in eine Richtung berechenbar sind. Wenn man also normalerweise x berechnen kann, wenn 2+x=5 ist, dann ist das keine Falltürformel, weil sie in beide Richtungen funktioniert. Ein Hash-Algorithmus funktioniert hingegen nur in eine einzige Richtung: vorwärts.

Selbst wenn man das Ergebnis der Rechnung und den dazuge-hörigen Rechenweg kennt, kann man nicht zum Ausgangswert zurückrechnen.

Das hört sich fantastisch an und ist in der Tat faszinierend. Wie schon gesagt, es ist für den mathematischen Laien genug, dieses Phänomen zu kennen und anzuerkennen, um das gesamte System zu verstehen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann die ent-sprechende Mathematik leicht im Internet recherchieren.

Die Transaktionen werden also in einem Datenblock zusammen-gefasst und durch einen kryptografischen Algorithmus mit einem Hash-Wert versehen. Dieser Hash-Wert kann nicht verändert werden und aus ihm kann man auch nicht auf die Ausgangswerte rückschließen. Wenn man an den Transaktionsdaten, aus denen der Datenblock besteht, auch nur eine einzige, winzige Stelle verändert, also zum Beispiel an einer einzigen Stelle ein Komma einfügen würde, dann ergäbe das einen vollkommen anderen Hash-Wert.

Es folgt ein echtes, berechnetes Beispiel, das veranschaulicht, wie eine einzelne Änderung ein vollkommen anderes Hash-Ergebnis liefert.

Wenn man zum Beispiel den SHA 256 Hash von folgendem Satz erzeugt: „Ich bin Satoshi Nakamoto“ wird daraus:

c8bb907d49983cfd5b1db28be3fe3c2c5ade3a2b2995bd56f8b4203f74345caa

Wenn man auch nur ein einziges Zeichen ändert, zum Beispiel einen Punkt ans Ende setzt, dann ändert sich der 256 Hash gravierend. Aus: „Ich bin Satoshi Nakamoto.“ wird:

80cd76ffd0af98e2fbe066cda10847e7edbaa4caabb4fbf14d317b9cbbc4c963

Die beiden Hashes haben genau gar nichts miteinander zu tun.

Dieser Hash und die Tatsache, dass er sich durch minimalen Aufwand so wesentlich ändert, ist eine der Grundlagen der Daten-integrität — auch als „die Wahrheit“ bekannt — der Blockchain-Technologie und der Krypto-Währung Bitcoin.

Die Datenblocks werden miteinander verschränkt

Nakamoto hat im Bitcoin-System verfügt, dass der Datenblock nicht nur die jeweiligen aktuellen Transaktionen enthält, sondern auch den Hash des jeweils vorherigen Blocks. Nur wenn sich die Hash-Werte verketten lassen, also wenn der neue Block sich mit dem Hash-Wert des Vorgängerblocks zusammenrechnen lässt, darf der nächste Datenblock an den Vorgänger angehängt werden. So entsteht eine schlüssige Blockchain aus Daten, in der die

Informationen unveränderlich und gegen Manipulationen geschützt sind. Darin liegt eine wichtige Sicherheitsfunktionen gegenüber herkömmlichen Systemen, die die Blockchain so zukunftsweisend und zukunftsträchtig macht.

Da dies eine sehr kritische und wesentliche Funktion ist, wird sie hier nochmals zusammengefasst:

Ein Hash-Wert ist ein mathematisch errechneter Wert, der sich schon bei minimalen Modifizierungen der Daten innerhalb eines Datenblockes massiv verändert. Auch wenn man den Ergebniswert und den Rechenweg kennt, kann man die Formel unmöglich zurückrechnen und die Ausgangsdaten extrahieren.

Jeder Datenblock wird aus den Transaktionsdaten und dem Hash-Wert des letzten Blocks zusammengerechnet und damit kann ein Block nur an den Vorgänger angehängt werden, wenn diese Rechnung stimmt. Der Trick bei dieser Mathematik besteht im Wesentlichen darin, dass die Berechnung dieses Wertes zwar sehr aufwendig sein kann, es aber für einen Dritten sehr leicht möglich ist, zu erkennen, dass richtig gerechnet wurde. Man kann also, ohne dass man die Rechnung wieder auflöst, erkennen, dass das Ergebnis richtig ist. Wie gesagt, faszinierend.

Blocks werden unter dieser Prämisse, einer nach dem anderen, aneinander gehängt und ergeben dadurch eine Blockchain.

Wenn man sich vorstellt, dass zum Beispiel fünf Blocks mit jeweils tausend Transaktionen in jedem Datenblock existieren, dann wurde Block 2 aus den Transaktionen dieses Blocks plus des Hash-Wertes von Block 1 errechnet. Block 3 wurde aus den Transaktionen in Block 3 und dem Hash-Wert von Block 2, der seinerseits wieder von dem Hash-Wert von Block 1 abhängt, errechnet. Man merkt schon, wo die Reise hingeht.

Wenn nun eine Transaktion aus dem ersten Block verändert wird, dann ergibt sich aus dieser Änderung ein völlig anderer Hash-Wert für diesen ersten Block. Gravierend anders.

Block 2 hat dann falsch gerechnet, weil der zweite Block ja den Hash des ersten Blocks in der Formel berücksichtigt. Da sich dieser aber geändert hat, kann das Ergebnis nicht mehr stimmen. In der Folge muss nun auch für Block 2 ein neuer Wert errechnet werden. Das Gleiche gilt für die ganze Kette nach vorne.

Alle Blocks erhalten also einen neuen Hash-Wert, weil eine Variable, der Hash des Vorgängerblocks, in der komplexen Hash-Formel für den nächsten Block geändert wird. Dadurch ändern sich alle folgenden Hash-Werte zwingend. Ein genialer Gedanke, der einer der Schlüssel zum Erfolg der Blockchain ist. Aber ist das ausreichend?

Eine minimale Änderung am Anfang zwingt zur kompletten Neuberechnung der gesamten Blockchain

Das alles ist bisher reine Mathematik, die nichts nützt, weil man ja doch Daten ändern kann. Das führt nur dazu, dass die Hash-Werte der Blocks sich verändern. Sie verändern sich zwar in völlig andere, also nicht nur ein bisschen, sodass es nicht auffallen würde, sondern sie ändern sich massiv und die Daten entsprechen nicht mehr Wahrheit. Was aber niemand sehen kann.

Transaktionen und Aufzeichnung aus der Vergangenheit wurden gefälscht. In einer manipulierten Blockchain auf unseren Com-putern sind nicht mehr die ursprünglichen Daten hinterlegt. Die Historie wurde geändert. Das Grundstück gehört jetzt jemand anderem. Das kann es also noch nicht sein.

Natürlich hat Nakamoto auch dieses Problem gelöst, indem er zusätzlich ein sogenanntes „Peer-to-Peer-Netzwerk“ vorgesehen hat. Ein Peer ist eine Person, ein Individuum oder — in der technischen Welt — eine Maschine in einem Netzwerk. In der Übersetzung aus dem Englischen wird ein „Peer“ als ein „Gleich-rangiger“ oder „Ebenbürtiger“ bezeichnet.

In unserem technischen Fall ist es einfach ein anderer Computer, der als Node bezeichnet wird. Dieser Node ist mit anderen Nodes verbunden und nimmt die Datenblocks von seinem Nachbar entgegen. Er überprüft schnell den Hash-Wert des neuen Blocks. Das ist, aufgrund des verwendeten Hash-Prozederes, eine ver-gleichsweise einfache Rechenaufgabe, die jeder Computer sehr schnell ausführen kann. Die Überprüfung ist sehr viel leichter als die ursprüngliche Berechnung des Hash-Wertes des jeweiligen Blocks an sich.

Wenn dieser Hash-Wert nun korrekt ist, dann hängt der Node den neuen Datenblock einfach an die Blockchain an, die er schon hat. Lässt sich der Hash nicht errechnen, dann verwirft der Node den Block und wartet auf den nächsten.

Das ganze Prozedere wird konstant auf vielen Tausend Nodes parallel ausgeführt. So wird Block für Block zu lokalen, auf den jeweiligen Nodes lagernden Blockchains zusammengebaut. In der Bitcoin-Blockchain haben also viele Tausend Nodes die Blocks 1 bis 5 aus dem Beispiel von oben zusammengefügt und lokal gespei-chert.

Das P2P-Netzwerk verhindert die Manipulation

Jetzt wird eine Manipulation extrem schwierig durchsetzbar. Wenn nun jemand auf nur einem Node, also auf nur einem Computer, nur eine einzelne Transaktion im ersten Block ändert, dann ändern sich auf diesem Node die Hash-Werte aller fünf darauffolgenden Blocks aus dem Beispiel.

Das ergibt sich aus der Methodik, dass der Hash eines Blocks immer aus den Transaktionsdaten plus dem Hash-Wert des Vorgängerblocks berechnet wird. Der sechste Block setzt deshalb natürlich auch auf dem Hash-Wert des fünften Blocks auf und passt — auf dem manipulierten Computer — natürlich perfekt. Wenn dieser sechste Block nun allerdings zu den anderen Nodes gesendet wird, dann passt der Block nicht zu dem vorhandenen fünftem Block, der jeweils lokal gespeichert ist. In der Folge wird der Block abgelehnt und die Nodes warten auf einen anderen Block 6. Jetzt existiert zwar ein Computer, der die gefälschten Daten schlüssig darstellen kann, weil der Block 6 sich an den Block 5 anschliessen lässt, aber dieser ist ein einzelner Computer aus Tausenden. Die Wahrheit ist also eher bei den Tausenden zu finden. Das System verfügt über viele Tausend Zeugen.

Um letztlich zu verhindern, dass jeder Node seine eigenen Änder-ungen vornimmt und damit das ganze Netzwerk ständig mit geänderten Daten belastet wird, hat Nakamoto noch ein weiteres Modul vorgesehen. Dieses Modul stellt gleichzeitig eine weitere Funktion bereit und entlohnt bestimmte Akteure im Netzwerk.

Computer, die die Datenblocks errechnen und zusammenbauen, erhalten eine Sonderstellung im Netzwerk. Nodes speichern die bestehende Blockchain selbst und hängen die neuen Blocks jeweils an. Das ist ein Vorgang, der im Vergleich wenig Rechenleistung benötigt, nur relativ viel Speicherplatz, denn jeder einzelne Node speichert die immer länger werdende Kette für alle Zeiten von Anfang an auf seiner lokalem Festplatte. Das scheint teuer und verschwenderisch zu sein, ist aber der Preis, den man für die Wahrheit zahlen muss.

Günstiger Speicherplatz als Grund für die Verbreitung der Technologie in den letzten Jahren

Einer der Gründe, warum die Blockchain erst in den letzten Jahren immer wichtiger wurde und immer mehr Unternehmen auf diese Technologie setzen, ist tatsächlich der Umstand, dass im Laufe der Jahre Speicherplatz immer billiger wurde. Dass Festplatten in den letzten Jahren immer erschwinglicher wurden, so wie alle anderen massengefertigten technischen Produkte auch, ist vielleicht sogar der maßgebliche Grund, warum Bitcoin und die Blockchain erst jetzt in der breiten Bevölkerung ankommen und aus der Experi-mentierecke der technischen Spezialisten ausgebrochen sind.

Die Bitcoin-Blockchain ist inzwischen über 380 GB groß — für Festplatten mit 500 GB oder sogar 1 TB zu unter 100 Euro unproblematisch und erschwinglich. Als Nakamoto 2008 das Bitcoin-Konzept präsentierte, gab es solche Festplatten noch nicht beziehungsweise nur zu astronomischen Preisen.

Neben den Nodes, die, wie beschrieben, die Blockchain jeder für sich selbst zusammensetzen, gibt es weitere spezielle Computer im Netzwerk, die „Miner“ genannt werden. Deren Aufgabe ist es, die einzelnen Datenblocks zu erzeugen.

Diese Miner nehmen die Transaktionen, die in einem sogenannten Pool liegen, Stück für Stück aus diesem Pool heraus und packen sie nacheinander in einem Datenblock zusammen. Alle Blocks sind dabei vom unterliegenden technischen Protokoll mit einer Obergrenze versehen.

Sind also entsprechend viele Transaktionen aufeinander gestapelt, dass die maximale Größe nicht überschritten wird oder wenn alle Transaktionen aus dem Pool in dem Stapel sind, beginnt der Miner den oben schon erläuterten Hash-Wert für diesen Datenblock zu errechnen.

Miner berechnen den Hash-Wert der Blocks und sichern das Netzwerk

Dabei haben die Miner die Aufgabe, die Transaktionsdaten und den Hash-Wert des letzten, ihnen bekannten Blocks und einen weiteren Wert, den sie erraten müssen, in der Formel zusammenzurechnen, um einen, vom Grundalgorithmus des ganzen Bitcoin-Systems vorgegebenen Wert, zu unterschreiten. Das klingt jetzt erst einmal monströs, ist aber, wenn man die einzelnen Schritte nacheinander anschaut, doch nicht so kompliziert.

In der Formel werden also alle Transaktionen zusammengerechnet, dazu der Hash-Wert des letzten Vorgängerblocks. Das könnte der neue Hash-Wert des Blocks sein und würde sehr schnell gehen.

Damit wäre aber unser Problem nicht behoben, dass ständig neue und gegebenenfalls auch manipulierte Blocks an die Nodes gesendet würden. So könnte man auch das Netzwerk lahmlegen, weil die Nodes ganz einfach überflutet würden. Deshalb hat Nakamoto die schon erwähnte Bremse eingebaut.

Diese Bremse funktioniert so, dass im Grundsystem des ganzen Netzwerks, dem sogenannten „Core“, ein weiterer Algorithmus steckt, der alle zehn Minuten vorgibt, wie viele führende Nullen der errechnete Hash-Wert besitzen muss. Hört sich auch wieder kompliziert an, ist allerdings ganz einfach. Man kann es sich ungefähr so vorstellen:

Wenn die gesuchte Zahl 1 wäre, dann muss der Hash-Wert des neuen Blocks kleiner als 1,0 sein. 0,999999 und alle kleineren Werte wären dann zulässig.

Die Miner suchen nun diese kleineren Werte, indem sie in die Formel, neben den Transaktionen und dem Hash des letzten Blocks, auch noch eine beliebige weitere Zahl einsetzen, die als „Nonce“ bezeichnet wird. Also zum Beispiel:

0,745(Summe der Transaktionen)·0,872571(Hash-Wert des Vor-gänger-Blocks)·1,7656(Nonce)=1,1477

Damit wäre die Nonce mit einem Wert von 1,7656 nicht die richtige, weil sie größer als 1 ist. Der Miner muss nun neu rechnen und es mit einer anderen Nonce versuchen. Tatsächlich muss der berechnete Hashwert nicht kleiner als eine bestimmte Zahl sein, sondern eben eine bestimmte Anzahl von führenden Nullen zeigen. Also zum Beispiel vier führenden Nullen: 0,000072863 oder sechs führende Nullen: 0,00000052415. So oder so muss der Miner rechnen, was das Zeug hält, um diese Vorgabe zu erfüllen.

Das Geheimnis hinter dem sogenannten „Mining“

Im Prinzip ist es nichts anderes als lustiges Zahlenraten. Zahlen in eine Formel einsetzen und dann schauen, ob das Ergebnis so viele führende Nullen mit sich bringt wie die vom System geforderten. Es ist natürlich klar, dass die Formel sehr viel komplizierter ist als in dem Beispiel von oben.

Entscheidend ist, dass das Ergebnis einer Hash-Formel schon bei minimalen Änderungen der Ausgangswerte enorme Veränderungen des Endwerts mit sich bringt, wie weiter oben dargestellt wurde.

Deshalb ist es auch kein einfaches lineares Probieren nach dem Motto, 1,7656 ist zu groß, also nehmen wir einfach 1,4441. Wenn das immer noch zu viel ist, dann eben 1,2982. So einfach ist es eben nicht. Im Gegenteil. Da das Ergebnis nicht linear ist, kann es sein, dass ein größerer Wert der Nonce in der Formel zu einem kleineren Endwert führt. Wie schon gesagt, die Augen eines Mathematikers glänzen bei solchen Formeln, Laien nehmen es staunend zur Kenntnis. Für den Fall, dass man gefragt wird, welche Art von Berechnung erforderlich ist, um einen Hash-Wert zu errechnen, kann man auf die sogenannte „elliptische Kurvenformel“ verweisen. Das aber nur, wenn das Gegenüber immer weiter nachfragt. Dann hören die Nachfragen normalerweise auf.

Dem Miner bleibt also tatsächlich nichts anderes übrig, als zu raten, zu rechnen, zu vergleichen und wenn das Ergebnis nicht klein genug ist, das Ganze wieder von vorne, mit einer neuen Nonce, zu starten. Wir reden hier aber nicht nur von 100 oder 1.000 Versuchen, sondern von Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde, die das ganze Bitcoin-Netzwerk ständig ausführt. Die Einheit, in der diese Rechenleistung erfasst wird, sind die sogenannten „Mega-Hashes“, „Giga-Hashes“ oder sogar „Peta-Hashes“. Also Millionen Hash-Berechnungen pro Sekunde beziehungsweise Milliarden oder Billiarden Hash-Berechnungen pro Sekunde.

Solche Berechnungen sind nichts mehr für handelsübliche Com-puter, da die Anforderungen an die Rechenleistung nicht mehr von diesen Maschinen erbracht werden können. Deshalb kommt es heutzutage zur Arbeitsteilung zwischen Nodes und Minern.

Die Nodes verwalten die dezentral abgespeicherten Daten und die Miner berechnen die neuen Blocks.

Am Anfang, als das Bitcoin-System im Jahr 2009 startete, war es noch möglich, mit einer ganz normalen CPU (dem zentralen Chip in unseren Computern wie zum Beispiel ein Pentium) den Hash-Wert der Blocks zu berechnen. Irgendwann wurde es aber zu kompliziert und zu aufwendig und die Softwareexperten haben die Berechnung auf die sogenannten GPUs (Graphic Processing Units) ausgelagert. Das sind die Spezialchips in den Grafikkarten. Grafik-karten müssen auch sehr viel und sehr schnell rechnen können, damit sie zum Beispiel in einem Spiel die Hintergrundbilder berechnen und auf dem Bildschirm darstellen können, während der Spieler mit einer schußbereiten Pistole durch eine Stadt läuft. Wegen dieser Eigenschaften sind GPUs viel besser geeignet, diese komplizierten Rechnungen durchzuführen.

Wer schneller ist, verdient mehr Geld

Im gesamten Netzwerk sind viele Miner installiert. Alle rechnen gleichzeitig an jedem neuen Block und versuchen, die Nonce zu erraten. Sie nehmen also Transaktionen aus dem Pool und packen diese zusammen mit dem Hash des letzten Blocks in den neuen Block. Dann suchen sie einen Wert für die Nonce, berechnen und vergleichen das Ergebnis mit der Anforderung des Systems. Wenn der Wert kleiner ist als die Anforderung des Systems, wird der Block abgeschlossen und an die mit dem Miner verbundenen Nodes versendet, damit diese den neuen Block an ihre lokale Kette anhängen und an andere Nodes weiter versenden, damit diese wiederum den neuen Block an ihre jeweilige Kette anhängen. So wird die Blockchain weiter und weiter verlängert.

Was aber hat das mit Geld verdienen zu tun? Nun, zum einen müssen die Bitcoins ja irgendwie entstehen und zum anderen brauchen die beteiligten Computer zwar keine Pizza und Pasta zum arbeiten, aber Strom. Und Strom kostet den Betreiber Geld. Warum sollte er nun etwas bezahlen, von dem er nichts hat und von dem er für sich nicht mindestens Pizza und Pasta kaufen kann oder auch mal ein Steak oder einen leckeren Fisch?

Hier kommt nun wieder ein genialer Gedanke von Satoshi Nakamoto ins Spiel: Der Miner erhält für seine geleistete Arbeit eine Erfolgsprovision!

Die Berechnung des neuen Blocks wird von allen Minern im Netzwerk ständig parallel vorgenommen und einer wird der erste sein, der einen neuen Block gehashed, also den Richtgen Hash-Wert für diesen Block erraten hat. Dieser Miner erhält nun die Belohnung. Eine Belohnung, die aus Bitcoins selbst besteht, die zu diesem Zweck einfach neu entstehen.

Während die Notenbank neue Banknoten drucken muss, werden im Bitcoin-Netzwerk einfach dem Miner in dem Block, den er gerade erzeugt hat, neue Bitcoins zugesprochen. Zum Beispiel 50 Bitcoins als Belohnung für jeden neuen, richtig gehashten Block. Wenn der Block von den Nodes an die bestehende Blockchain angehängt wird, dann werden damit diese 50 Bitcoins legitimiert und sie gehören dem Miner, der als erstes den neuen Block gefunden hat. Damit hat jeder ein Incentive, so schnell wie möglich zu rechnen und neue Blocks zu hashen.

Das ist auch der Weg, wie Bitcoins sozusagen „geboren“ werden. Technisch packen die Miner einfach in jeden Block eine Transaktion, in der sie sich selbst diese Belohnung auszahlen. Wird der Block vom Netzwerk validiert, existieren die Bitcoins von diesem Zeitpunkt an, denn sie stehen ja in der unveränderlichen Blockchain.

Immer schnellere und leistungsfähiger Computer

Wer also schneller rechnen kann, der verdient mehr Geld. Dadurch entsteht Wettbewerb und die Motivation, schnellere Chips zu nutzen, die schneller rechnen können. Deshalb waren nach ein paar Jahren nicht nur die normalen Computer zu langsam, sondern auch die Grafikkarten und man entwickelte spezielle Schaltkreise, die nichts anderes tun, als zu hashen, also Hash-Werte der einzelnen Blocks zu berechnen. Man nennt diese speziellen Chips auch ASICs („Application-Specific Integrated Circuits“).

Spezielle Maschinen, die im Wesentlichen aus Lüftungseinheiten bestehen, denn sie werden sehr heiß, aus großen Netzteilen, denn sie brauchen viel Strom und eben kleinen ASIC-Chips, die nichts anderes tun als rechnen, rechnen, rechnen. Hashen, hashen und wieder hashen. Mega-, Giga- und Peta-Hashes hashen. Irgendwann, in naher Zukunft werden die Wörter „Hash“ und „hashen“ sicher in den Duden aufgenommen — aber das nur am Rande.

All die Miner rund um die Welt stehen international im Wett-bewerb und nehmen im Prinzip an einer Lotterie teil, die alle zehn Minuten eine Ziehung vorsieht. Einer findet in diesen zehn Minuten die richtige Zahl, die richtige Nonce und gewinnt. Das ist das einfache Prinzip des Minings bei Bitcoin.

Grund für dieses doch komplizierte Vorgehen bei der Umsetzung des einfachen Prinzips, ist es, das Netzwerk an sich zu sichern, damit niemand Daten immer wieder überschreiben und damit ändern und fälschen kann. Dieser Mining-Prozess dient sozusagen als Bremse und gleichzeitig auch der Schöpfung neuer Bitcoins. Man hat den Begriff „Mining“ gewählt, weil man (wie beim Gold) durch schürfen, durch Arbeit neues „Gold“ findet. Der Begriff Mining ist ein bisschen unglücklich gewählt, wenn man es zum ersten Mal hört, aber wenn man den Prozess erst einmal verstanden hat, dann macht diese Analogie durchaus Sinn.

Je mehr Hash-Power, desto mehr Chancen

Nun ist es natürlich logisch — wie bei einer üblichen Lotterie auch — dass derjenige, der mehr Lose besitzt, über höhere Gewinn-chancen verfügt. Jeder hat zwar die gleiche Chance, aber statistisch ist die Chance höher, wenn man mehr Lose besitzt oder im Netz-werk, über mehr Hash-Power verfügt, also mehr Berechnungen durchführen kann, um den richtigen Wert vor allen anderen zu erraten.

Deshalb herrscht hier ein weltweiter Wettbewerb, um die schnell-sten Miner, die meisten Miner und die besten Standorte, an denen Strom günstig ist. China hat dort die Nase vorne, aber andere Länder wie Deutschland, Island und auch die USA kämpfen ständig um mehr Leistung, mehr Rechenpower und Standorte mit billigeren Stromangeboten. Mining-Farmen direkt an einem Wasserkraftwerk stationiert, sind in China und auch in USA zu finden.

Erste Ideen, erneuerbare Energien wie Solar oder Windkraft zu nutzen, deuten sich auch in Europa an. Russland scheint sich strategisch für Mining zu interessieren und es kann sein, dass der Wettbewerb um die Belohnung tatsächlich noch breiter wird. Das ist das Beste was dem Bitcoin-Netzwerk passieren kann, denn je mehr Zeugen eine Transaktion bestätigen, desto sicherer ist es.

Das ist im Grunde alles eine einfach Profitrechnung. Nehmen wie einmal an, ein Miner, also ein solch spezialisierter Computer, braucht 1.200 Watt pro Stunde. Er soll natürlich 24 Stunden an jedem Tag des Jahres laufen und hashen. Das sind 1,2 Kilowatt-stunden mal 24 Stunden mal 30 Tage im Schnitt pro Monat. Zusammen also 864 Kilowattstunden pro Monat.

Eine Kilowattstunde kostet in Deutschland circa 28 Eurocent. Dann kostet der Betrieb eines Miners pro Monat ungefähr 241 Euro alleine an Strom. Dazu kommt noch die Anschaffung und natürlich der Standort, denn irgendwo müssen die Dinger ja aufgestellt werden.

Die entscheidende Komponente der Berechnung der Rentabilität ist natürlich auch die Hash-Power, die ein Miner zur Verfügung hat, und vor allen Dingen, wie viel Hash-Power das im Verhältnis zu dem gesamten Miner-Netzwerk von Bitcoin ist. Wenn der Miner also zum Beispiel 13.000,0 GH/s hat (S9 Antminer) und es einer von zwei identischen Minern auf der ganzen Welt ist, dann kann man davon ausgehen, dass jeder zweite Block im Durchschnitt berechnet wird, den die Nodes annehmen und den sie an die Blockchain anhängen.

Das bedeutet, dass man, bei einem Block alle zehn Minuten, drei Blocks pro Stunde findet und der andere Miner auch drei Blocks pro Stunde errechnen wird. Für jeden Block erhält man eine Belohnung von 12,5 Bitcoins (bis 2020, dazu später mehr). In einem Monat addiert sich das auf drei Blocks pro Stunde mal 24 Stunden mal 30 Tage ist gleich 2.160 Belohnungen zu 12,5 Bitcoins ist gleich 27.000 BTC.

Juhu. Man wird reich! Sehr reich! Furchtbar reich! Denn immerhin wird ein BTC zu 9.000 Euro gehandelt (im Dezember 2017). Wenn man also einen von insgesamt zwei Minern betreibt und damit 50 Prozent der gesamten Hash-Power des Bitcoin-Netzwerks, dann erhält man bei rund 250 Euro Stromkosten stolze 243 Millionen Euro als Belohnung. Wow — das ist ein Geschäft! Aber wo ist der Haken?

Mit Bitcoin reich werden

Nun, der Haken ist schnell gefunden, wobei er nicht in der Mathematik selbst steckt. Die ist korrekt — wie immer im Bitcoin-Netzwerk, bei einfachen und auch sehr komplexen Formeln.

Nein, die Annahme, dass man mit einem Miner über 50 Prozent der gesamten Rechenleistung, der gesamten Hash-Power verfügen kann, ist natürlich Utopie. Tatsächlich beträgt die gesamte Hash-Power im Bitcoin-Netzwerk 12.253.664 TH/s (30.11. 2017).

Man verfügt also tatsächlich nur über etwa 1/1.000.000 der Hash-Power. Zur Vereinfachung kann man nun den gesamten Monats-ertrag von 243 Millionen Euro durch 1 Million teilen, um in etwa zu errechnen, was ein Miner an Belohnung erhalten kann: 243 Euro! Jetzt rechnet sich das Ganze schon nicht mehr so gut, wenn man 28 Cent pro Kilowatt Stromkosten bezahlen muss. Da bleiben gerade mal 2 Euro über.

Deshalb suchen die Mining-Firmen auch billigen Strom, denn die Rechnung sieht gleich ganz anders aus, wenn man nur 5 Cent pro Kilowattstunde zahlen muss oder gar noch weniger. Industriestrom in den USA gibt es zum Beispiel im Staat Washington an der Westküste an einigen Standorten für 2,8 Cent pro Kilowatt. Dann zahlt man nur rund 25 Euro pro Monat für Strom und es bleiben über 200 Euro im Monat über. Da wundert es nicht, dass genau dort Mining-Farmen aufgebaut werden.

Mining hat neben den reinen Stromkostenrechnung natürlich auch noch einige andere Komponenten, die den Ertrag und die Leistungsfähigkeit beeinflussen und die mit berücksichtigt werden müssen. Die Raumtemperatur spielt eine Rolle, die Verbindungs-kabel, die Toleranz der Chips und vieles anderes. Dazu kommt, dass die Miner auch nur Computer sind und wie bei einem gewöhn-lichen Computer fallen Teile aus. Je heißer die Dinger werden, desto leichter kann das passieren. Je heißer es im Raum ist, desto schneller laufen die Miner heiß.

Alles in allem ist Mining inzwischen etwas für Experten und zu Hause minen ist selten lukrativ, auch wenn es immer wieder Angebote von irgendwelchen Leuten gibt, die vorgaukeln, das Mining zu Hause der Weg ist, um reich zu werden. Dazu und mit welchen Tricks man noch hereingelegt werden kann, später mehr. Da gibt es noch viel mehr als windige Mining-Angebote.

Das Ende des Rennens

Das Rennen um einen Block ist sofort vorbei, wenn ein Miner den Block errechnet hat und an das Netzwerk versendet hat. Innerhalb von Sekunden wissen das dann auch alle anderen Miner und hören mit eigenen Berechnungen umgehend auf. Allerdings nur, um sofort den nächsten Block zu bauen und zu berechnen. Wenn also Block 6 als gelöst ankommt, nehmen sie wieder neue Transaktionen aus dem Pool, nehmen den Hash-Wert von dem nun gefundenen Block 6 und beginnen unverzüglich Block 7 zu berechnen, in der Hoffnung dieses Mal derjenige zu sein, der den Block 7 findet und damit auch derjenige zu sein, der die jeweilige Belohnung erhält. Eine rasante, mathematische Lotterie.

Wie schon vorstehend erwähnt suchen die Miner immer weiter nach günstigen Stromquellen und immer mehr Miningfabriken, die man als mining farms bezeichnet, werden ans Netz angeschlossen. Sehr viel mehr. Während der bisherigen Spitze errechneten spezialisierte Miner 180.666 Exahashes pro Sekunde. Das ist eine Zahl mit 30 Nullen!

180.666.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 Berechnungen pro Sekunde!

Natürlich wird auch bei den neuesten Mining-Chips neue Technologie eingesetzt und der oben erwähnte S9 Miner, der, auch heutiger Sicht, lächerliche 13.000 Giga-Hash berechnen kann, rechnet sein Nachfahre, der Antminer S19 schon 110 Terra-Hashes - sehr deutlich mehr. Der S19 kostet rund 6.000 Euro im August 2021, ist aber leider nicht immer lieferbar.

Die individuelle Rechenkapazität der Miner steigt also und zudem werden immer mehr Miner rund um die Welt an Netz genommen. Auf Basis von Hochrechnungen kann man annehmen, dass über 1 Million Miner jede Sekunde die neuen Blocks von Bitcoin berechnen.

Das ist enorm und es stellt sich die Frage, ob des irgendeinen Sinn ergibt. In der Tat ergibt das sehr viel Sinn, wie Sie später noch erleben werden. Tatsächlich ist es so, dass je mehr Miner an einem Block herumrechnen, die Manipulationssicherheit der Bitcoin Blockchain steigt, genau wie die Stromkosten und gerade das zu einer besseren Umweltbilanz führt.

Das ist scheinbar widersprüchlich, kann aber leicht erklärt werden, weil die Miner, die mit grünem Strom arbeiten natürlich sehr viel profitabler sind. Deshalb können die Betreiber noch mehr Miner anschließen. Das wiederum führt zu schlechteren Auszahlungs-quoten für die bestehenden Miner, die nach und nach unprofitabel werden.

Wenn sie also nicht günstiger produzieren, sprich weniger für die verbrauchte Kilowattstunde zahlen, wird das Mining für sie ein Verlustgeschäft. Niedrigere Stromkosten kann man aber nur erzielen, wenn man alternative Energien einsetzt, was letztlich das Ziel ist.

Bitcoin beweist auch hier erneut, dass die bisher als alternativlos geglaubten Marktgesetze auch anders, nämlich durchaus positiv für die Umwelt wirken. War bisher die politische Meinung, dass Mas-senproduktion und Wachstum nur durch mehr Energieverbrauch und leider unvermeidliche Umweltschäden erreicht werden kann, beweist Bitcoin, dass man mit grüner Energie sehr wohl mehr Wohlstand erzeugen kann.

Inflation in der Bitcoin-Blockchain

Dieses Rennen wird immer wieder neu gestartet. Im Durchschnitt alle zehn Minuten. Ein ewiger Kreislauf — Stunde für Stunde, Tag für Tag, Monat für Monat und jahrein, jahraus.

Das bedeutet aber auch, dass alle zehn Minuten 50 neue Bitcoins entstehen. Hierfür hat man sich, für die Beschreibung des Vor-gangs, wie zuvor schon angemerkt, an die Terminologie der Welt des Goldes angelehnt. Gold wird in Minen abgebaut oder auch geschürft. Dadurch wird die auf der Welt verfügbare Goldmenge größer.

Durch die speziellen Rechner im Bitcoin-Netzwerk, die man Miner nennt, werden quasi neue Bitcoins geschürft. Daher kommt der Name Miner und man spricht im Deutschen tatsächlich von „schürfen“ und im Englischen von „mining“. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber man muss nun mit diesem, doch eher unglücklichen Begriff leben.

Allerdings besteht zu Gold ein wesentlicher Unterschied: Während man nicht wissen kann, wie viel Gold tatsächlich auf der Welt geschürft werden kann, weiß man ganz genau, wie viele Bitcoins jemals geschürft werden können. Im Kernalgorithmus ist festgelegt, dass 21 Millionen Bitcoins die maximale Anzahl von Bitcoins sind, die jemals geschürft oder vom System ausgegeben werden können. Also, 21 Millionen Bitcoins und das war’s.

Es gibt also nur eine genau definierte Menge von Bitcoins und sie sind deshalb nur begrenzt verfügbar. Alles, was begrenzt verfügbar ist, ist wertvoll. Das weiß man von Edelmetallen wie Gold oder Silber und auch von anderen wertvollen Materialien wie Diamanten oder seltene Erden. Das gleiche gilt für Kunst, für Gemälde und sogar für Fehldrucke bei Briefmarken, wie zum Beispiel der berühmten „Blauen Mauritius”. Begrenzte Verfügbarkeit verleiht etwas einen Wert — natürlich nur, wenn auf der anderen Seite eine entsprechende Nachfrage besteht.

Die Ausgabe von Bitcoins ist genau vorhersagbar

Der Kernalgorithmus definiert aber nicht nur die Obergrenze, sondern auch, wie viele Bitcoins, wann ausgegeben werden. Das begann im Jahr 2009 mit 50 Bitcoins pro Block. Etwa alle vier Jahre kommt es nun automatisch zum sogenannten „Halving“, der Halbierung der Ausschüttung. Konkret bedeutet das, dass seit dem Sommer 2012 nur noch 25 Bitcoins pro richtig berechnetem Block ausgeschüttet wurden. Im Sommer 2016 waren es dann auf einmal nur noch 12,5 Bitcoins und seit Sommer 2020 sind es 6,25 Bitcoins pro richtig errechnetem Block. Das nächste Halving steht für den Sommer 2024 an. Dann wird der im Englischen „mining reward“, also die Belohnung der Miner, auf 3,125 Bitcoin pro Block reduziert wird. 2028 dann wieder und dass so lange, bis ganz knapp vor 21 Millionen im Jahr 2140.

Das hat natürlich zur Folge, dass die restliche Menge der maximal 21 Millionen viel langsamer ausgeschüttet beziehungsweise ge-schürft werden kann. Gerade die begrenzte Menge und die lang-same Verfügbarkeit von Bitcoins machen Bitcoin als Wertespeicher so wertvoll.

Genau wie bei Gold, in dessen Fall es immer schwieriger wird, größere Lager zu finden und die gefundenen Lager immer schwerer zu bearbeiten sind. Deshalb behält Gold seinen Wert.

Euro und Dollar sind nicht knapp

Im Gegensatz dazu stehen unsere heutigen Währungen wie der Dollar, der Euro, das britische Pfund und der Yen. Dort besteht keine Knappheit und selten sind sie auch nicht. Ganz im Gegenteil, sie werden von den Regierungen vorsätzlich inflationiert und verlieren dadurch an Wert. Eine Inflation, die durch die Politik zentral herbeigeführt wird und alle immer ärmer macht. Inflation ist auch eine Auswirkung eines zentralen Systems. Näheres dazu im Kapitel über Geld.

Bitcoin ist die Antwort auf Inflation. Er kann tatsächlich, je intensiver er als Zahlungsmittel eingesetzt wird, noch stabiler als Gold werden. Kein Mensch weiß, wie viel Gold noch geschürt werden kann. Morgen schon könnte eine große Goldader entdeckt werden und bewirken, dass der Preis von Gold ins Bodenlose stürzt. Auch durch die Weltraumforschung besteht die potenzielle Gefahr, dass Gold im Weltall gefunden wird oder im Dauervakuum hergestellt werden kann.

Wenn der Traum der alten Alchemisten, das Edelmetall künstlich herzustellen, wahr werden sollte, würde Gold über Nacht wertlos. Das kann Bitcoin nicht passieren, denn das System ist, wie hier beschrieben, so in sich abgesichert, dass es keine Möglichkeit gibt, weitere Bitcoins zu generieren, zu erzeugen oder zu fälschen.

Wie man Bitcoins verlieren kann

Tatsächlich zeigt Bitcoin eher einen deflationären Effekt, der ganz trivial dem Verlust von Zugangsdaten einzelner Nutzer geschuldet ist. Am Anfang, als Bitcoin noch gar nichts beziehungsweise nur ein paar Cent wert war, achteten viele Softwareexperten nicht so sehr auf ihre Bitcoins. Sie minten diese aus reiner Technikbegeisterung und die Bitcoins wurden einfach irgendwo auf der Festplatte gespeichert. Genauer gesagt lagen dort ja keine Bitcoins, sondern der Zugangscode, der der Blockchain als Nachweis des Besitzes zugeordnet ist, der sogenannte „Private Key“.

So oder so, die Festplatte wurde ausgetauscht, der Computer ausrangiert und dabei der Private Key gelöscht oder zumindest die Festplatte verlegt oder verschrottet. Auf diese und ähnliche Art und Weise gingen viele Hunderttausend bis einige Millionen Bitcoins verloren. Verloren nicht im Sinne von weg, denn die Blockchain, die nie etwas vergessen kann, kennt diese Bitcoins noch, sondern verloren im Sinne davon, dass man keinen Zugriff mehr auf sie hat. Tatsächlich kann es niemand auf der Welt, auch nicht die größten Supercomputer gemeinsam, schaffen, einen verlorenen Zugangs-code, also diesen Private Key, wiederherzustellen.

Das ist eine sehr gute, aber auch eine sehr schlechte Nachricht. Sehr gut natürlich deshalb, weil die Bitcoins immer sicher aufgehoben werden und nicht gestohlen oder gefälscht werden können. Sehr schlecht, weil man an seine Bitcoins nie wieder herankommt, wenn dieser Zugangsschlüssel, der Private Key verloren ist. Was es genau damit auf sich hat, wie das funktioniert und warum man doch immer wieder davon hört, dass Bitcoins gestohlen wurden.

Auch gingen einige Bitcoins beziehungsweise der Zugriff auf sie verloren, indem die Bitcoins beim Versand, also einem Bezahl-vorgang, schlicht und einfach an die falsche Adresse gesendet wurden. Diese Adressen gehören entweder niemandem, da das System den Transfer nur angenommen hat, weil das Format korrekt war oder die Bitcoins wurden zu einer Adresse gesendet, zu der der Private Key verschollen ist. Einige liegen auf unbestimmte Zeit auf inaktiven Konten, bei denen es unklar ist, ob sie jemals wieder aktiviert werden beziehungsweise aktiviert werden können.

Um diese verlorenen Bitcoins — korrekter gesagt Private Keys, es geht immer nur um die Private Keys, die verloren sind — ranken sich die tollsten Stories. So wird von Menschen berichtet, die auf Müllkippen mit einem Spaten gesehen wurden, als sie nach ihrem alten Computer beziehungsweise der entsorgten Festplatte, gegraben haben.

Fantastische Gesichten, wie sie Hollywood nicht besser erfinden könnte.

Bedenkt man allerdings, dass manche Leute einmal ein paar Tausend Bitcoins besaßen, dann kann man sich schon sehr gut vorstellen, dass jemand auch eine Müllhalde auf der Suche danach umgraben würde.

Vielleicht noch nicht, solange der Kurs pro Bitcoin bei 30 Cent steht. Dann wären zum Beispiel 5.000 BTC ja „nur“ 1.500 Dollar wert. Was aber bei 1 Dollar oder 10 Dollar? Wer würde nicht für 50.000 Dollar einen Spaten in die Hand nehmen? Der Kurs des Bitcoin unterliegt starken Schwankungen, aber es ist sicher, dass er zeitweise für ein paar Tausend Dollar pro Bitcoin gehandelt wurde.

Ab wann würde man einen Spaten in die Hand nehmen oder eine ganze Mannschaft mit Baggern eine Müllhalde umgraben lassen? Bei 2.500 Dollar pro Bitcoin? Bei einem Wert von 12,5 Millionen Dollar? Bei 10.000 Dollar pro Bitcoin? Spätestens dann stellt sich diese Frage doch gar nicht mehr.

Wie man Bitcoins sicher aufbewahrt, damit man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, in den Baumarkt pilgern zu müssen, dazu später mehr.

Der erfolgreiche Miner erhält mehr als nur die neuen Bitcoins

Miner sichern also durch die energieintensive Arbeit des Minens das Bitcoin-Netzwerk. Dazu lassen die Betreiber spezielle Com-puter laufen, die eine irre Menge an Strom verbrauchen und nichts anderes tun, als eine bestimmte mathematische Formel immer wieder und wieder zu berechnen. Das machen sie so lange, bis sie ein Ergebnis gefunden haben, welches den Vorgaben des Systems entspricht.

Dann melden Sie das Ergebnis an und senden einen Datenblock an alle Nodes, die diesen dann akzeptieren, wenn der Miner richtig gerechnet hat. Als Belohnung für die Arbeit erhält der Miner 6,25 neue Bitcoins (Stand seit Sommer 2021). Aber das ist nicht alles, was er für seine Arbeit bekommt. Das könnte zu wenig Anreiz darstellen, da die Miner-Hardware, also die spezialisierten Com-puter, viel Geld kosten und der Stromverbrauch auch ins Geld geht.

Die Miner verpacken in den Blocks im Wesentlichen die Trans-aktionen, die im Netzwerk von den Teilnehmern veranlasst wurden. Diese Transaktionen, im einfachsten Falle 2 BTC von Alice an Bob, sind auch im Bitcoin-Netzwerk nicht völlig kostenfrei. Es fällt immer eine sogenannte Netzwerkgebühr an, die die Teilnehmer frei wählen können. Alice meldet also dem Miner: „Hallo Miner, bitte registriere, dass ich 2 BTC an Bob übertragen habe und dafür bezahle ich dir eine Gebühr von 0,000001 BTC.“

Natürlich sind das im Netzwerk nur Computercodes, die das Gleiche für die Maschinen aussagen, aber die Miner erhalten mit jeder Transaktion, die sie in einem Block verarbeiten, eine kleine Gebühr. Das ist von Bedeutung.

Da jeder Miner aus dem Transaktionspool, also dem Bereich, in dem alle gewünschten Transaktionen auflaufen, die Transaktion frei auswählen kann, arbeiten die Miner natürlich mit einem Algorithmus, der die Transaktionen mit den höchsten Gebühren zuerst auswählt. Wenn Alice 0,000001 BTC Gebühr für ihre Transaktion anbietet, Carol jedoch 0,000002 BTC für ihre, werden die Miner zuerst Carols Transaktion in den Block packen und dann erst die von Alice, wenn noch Platz in diesem Block ist.

Alles im Bitcoin-Netzwerk ist maximal kapitalistisch nach den Regeln eines absolut freien Marktes ausgelegt. Falls Bitcoin und Co. geeignet sind, bestehende Gesellschaftsformen nachhaltig zum Bessern zu verändern, bedeutet das keineswegs, dass diese Systeme „sozialistisch“ werden. Ganz im Gegenteil. Sie sind der Kapital-ismus in Reinform. Mit allen Vor- und Nachteilen eines solchen Systems.

Aus diesem Grund erzielen die Miner neben dem Grundein-kommen pro Block, den sie richtig errechnen, auch noch ein variables Einkommen aus der Summe der Transaktionsgebühren aller Transaktionen, die sie in dem jeweiligen Block verpackt haben. Das ist schon ein großes wirtschaftliches Incentive, denn da kommen zu den momentan 6,25 Belohnung-Bitcoin auch noch 0,5-3 weitere Bitcoins als Transaktionsgebühren hinzu. Das sind im August 2021 einfach noch einmal 20.000 bis 120.000 US-Dollar in zehn Minuten. Kein schlechter Stundenlohn — natürlich nur, wenn man der Glückliche ist, der den Block-Hash als Erster richtig berechnet hat.

Tatsächlich ist es aber nicht nur eine riesige Lotterie für den Miner, der sich 24 Stunden am Tag abstrampelt, es besteht auch noch ein gewisses Restrisiko, dass er seinen Gewinn wieder abgeben muss. Das passiert im Bitcoin-Netzwerk ein-, zweimal in der Woche und zwar dann, wenn ein anderer Miner auch einen Block zum gleichen Zeitpunkt gefunden hat.

Zehn Minuten: der Herzschlag des Systems

Jetzt bleibt noch ein weiteres Geheimnis zu lüften, um das ganze System kennenzulernen und zu verstehen. Wie gelingt es denn, dass ein Block nur alle zehn Minuten gefunden, also berechnet wird?

Nakamoto hat den Herzschlag des Systems auf zehn Minuten festgelegt, dass heißt, im Durchschnitt wird alle zehn Minuten ein Block gefunden und an die Bitcoin-Blockchain angefügt. Das ergibt sozusagen den Herzschlag des Systems. Wie wird das erreicht?

Dazu ist im Grundsystem ein unveränderlicher, weiterer Parameter eingebaut, der mit in die Formel einfließt, die die Miner berechnen müssen. Dieser Parameter ist die sogenannte „Difficulty“, also der Schwierigkeitsgrad. Dieser Parameter wird vom System alle 2016 Blocks neu angeglichen und funktioniert eigentlich ganz einfach. Das System misst, wie lange im Schnitt die vereinigte Rechenpower aller Miner gebraucht hat, um einen Block zu finden und setzt dann die Difficulty alle 2016 Blocks neu fest.

Wenn die Miner durch mehr angeschlossene Miner und damit mehr Rechenpower im Netz schneller als zehn Minuten waren, wird die Difficulty erhöht und die Miner müssen entsprechend länger raten und mehr Durchgänge berechnen, bevor sie den richtigen Wert für einen Block errechnet haben. Eigentlich ganz einfach.

Dieses System ist eine der genialen Ideen von Nakamoto, denn dadurch werden automatisch zusätzliche Sicherheitsfaktoren aktiviert. Die Blockzeit von zehn Minuten gilt natürlich nur als Durchschnittswert aller Blocks seit der letzten Korrektur der Difficulty. Manche Blocks werden nämlich sehr viel schneller gefunden, weil es im Grunde nur eine Lotterie ist. Ein Glücksgriff eines Miners ist nicht auszuschließen und kommt häufiger vor, als man annehmen könnte. Deshalb berechnet das System den Durchschnittswert über die jeweils letzten 2016 Blocks, was circa zwei Wochen entspricht. Die zwei Wochen errechnen sich aus 10 Minuten pro Block, also sechs pro Stunden, mal 24 Stunden, was 144 Blocks pro Tag ergibt und das bedeutet, dass das System rund 2 Wochen (144*14=2016) benötigt, um 2016 Blocks zu erzeugen.

Mehr Miner, mehr Rechenpower

Mehr Rechenpower kommt ins Netzwerk, wenn zum Beispiel mehr Miner angeschlossen werden oder wenn sich die Rechenleistung per se erhöht. Als zum Beispiel der erste Spezialist eine GPU, also eine Grafikkarte, genutzt hat, um die Blockwerte zu errechnen, hat er natürlich, weil er viel schneller rechnen konnte als alle anderen, die Blocks viel schneller als nur alle zehn Minuten errechnet. Damit ist er wahrscheinlich damals nicht nur zu schnell gewesen, sondern hat auch fast jeden Block nacheinander gelöst und die damals noch 50 BTC als Belohnung erhalten. Während die anderen noch die Rechenaufgabe am Block 5 zu lösen versuchten, hatte der GPU-Miner das schon längst hinter sich und arbeitete schon an Block 6. Die anderen, die deutlich langsamer rechnen können, mussten also immer wieder abbrechen und dann neu starten. Bis sie so weit waren, hatte der GPU Miner schon Block 6 fertig und so weiter.

Das ist natürlich nicht der Sinn des Ganzen, denn das System ist dadurch auch extrem anfällig für Manipulationen. So hätte dieser GPU-Miner Daten verändern und dem Netzwerk zuliefern können, weil er ja so schnell ist, dass die anderen gar keine Blocks mehr an die Nodes hätten liefern können. Sie erhalten dann mitten im jeweiligen Rechenvorgang schon nach kurzer Zeit eine Meldung, dass ein neuer Block errechnet wurde und dass sie nun mit den nächsten anfangen sollen. Nachdem sie also an Block 7 „herum-rechnen“, kommt nach ein paar Minuten die Meldung, dass der 7er gefunden wurde und sie an Block 8 weitermachen sollen. Aber auch dort kommen sie nicht weit, denn der wird auch bald als gefunden gemeldet, also dann ran an den Block 9 und so weiter.

Durch einen solchen massiven Rechenvorteil würde das System dann plötzlich doch zentralisiert und der eine Miner, der anstelle eines normalen Prozessors, also zum Beispiel einem Pentium, mit einer GPU rechnet, würde alles dominieren und kann Änderungen an den Daten nach Belieben vornehmen und einstellen.

Es gibt keine Kontrolle mehr — Diktatur pur

Nicht mit Nakamoto, der einen solchen Fall vorhergesehen hat und als Gegenmaßnahme die Difficulty eingeführt hat. Nach zwei Wochen ist Schluss mit der Diktatur, denn nach 2016 Blocks wird die Difficulty so hochgeschraubt, dass der GPU-Miner im Schnitt auch wieder zehn Minuten benötigt, um einen Block zu berechnen. Das bedeutet, dass das System nicht mehr hyperventiliert, sondern der Herzschlag wieder stabilisiert ist.

Allerdings findet nun auch nur der GPU-Miner die Blocks, weil er einfach genug Rechenpower hat diese zu berechnen. Die anderen Miner können quasi gar keinen Block mehr lösen, weil die Difficulty nun erst recht viel zu hoch für deren Rechenleistung ist. Der ein oder andere kann unter Umständen mal einen Treffer landen, denn im Grunde genommen raten die Miner ja eh nur, genau wie ein Lottospieler, der tatsächlich nur einen einzelnen Tipp abgegeben hat und damit die 6 Richtigen mit Zusatzzahl getroffen hat. Aber das ist die Ausnahme. Der GPU-Miner gewinnt die meisten Blocks, aber eben nicht mehr so schnell, sondern nur alle zehn Minuten. Aber er löst dennoch fast alle, was also ist gewonnen? Wozu das Ganze?

Wenn die Difficulty plötzlich so hochspringt, werden natürlich jede Menge Spezialisten auf diesen Umstand aufmerksam. Viele kluge Köpfe beobachten das System, nehmen Daten auf, lassen eigene Applikationen auf der Bitcoin-Blockchain laufen oder betreuen Miner, die seit einigen Tagen nichts mehr einnehmen und jetzt plötzlich gar nicht mehr mitkommen. Eine solche Änderung wird dann von vielen Teilnehmern wahrgenommen und zwar zuerst von den technischen Experten, die relativ schnell herausfinden können, was passiert ist.

Bitcoin ist ja keine Blackbox, zu der nur eine vorher definierte Gruppe Zugang hat, sondern ein offenes System. Die Program-mierung ist offen einsehbar als sogenannter „open source“. Die Blocks selbst sind offen einsehbar und können von jedem analysiert werden. Im Grund ist alles offen einsehbar und niemand kann irgendeine Funktion verstecken. Wenn ein solch neues Verhalten auffällt, werden sofort eine Vielzahl von Experten sofort reagieren. Sie nutzen dann auch einfach GPU-Miner und nach und nach wird die gesamte Rechenpower zwar massiv erhöht, aber dann auch von vielen, dass das System wieder dezentralisiert im Wettbewerb betrieben wird. Der Herzschlag ist synchronisiert bei zehn Minuten, die Hash-Power ist wieder ausgeglichen und das System ist stabil wie eh und je.

Der Vorteil des ersten Ingenieurs hat ihm zwar im Idealfall 14 Tage lang die überwiegende Mehrheit der Belohnung eingebracht, aber hat der Ingenieur, der das ausgetüftelt hat, nicht auch eine Belohnung verdient? Über die Höhe kann man trefflich streiten. Bei zum Beispiel 1.800 von 2.016 Blocks waren das mal damals 50 BTC pro Block, immerhin 90.000 BTC und damit, bei 1 Dollar immerhin 90.000 Dollar oder 90.000.000 Dollar bei 1.000 Dollar pro BTC und 900 Millionen bei 10.000 Dollar pro Bitcoin. Zu viel?

Das kann man sehen wie man will. Auf jeden Fall wurde damit das gesamte System weiterentwickelt, es wurde sicherer. Seitdem braucht man sehr viel mehr Rechenpower, um Änderungen zu veranlassen. Damit wurde das gesamte System doch viel wertvoller. Wenn man es mit einer Erfindung wie dem Dübel oder dem MP3-Dateiformat vergleicht, dann liegt die Entlohnung im vertretbaren, wenn auch im sehr hohen Bereich, besonders seit der Bitcoin die 10.000er Marke durchbrochen hat. Das setzt aber auch voraus, dass der Experte die Bitcoin auch aufgehoben hat und nicht den Private Key verloren hat, weil er als begeisterter Technikfans immer die neuesten Festplatten einbaut und die mit den Privat Keys irgendwie verschollen ist. Man weiß es eben nicht.

Das System kann Ausnahmesituationen ausgleichen — schwarze Schwäne haben keine Chance

Die zuvor genannten Beispiele sind natürlich Ausnahmesituationen, die auch nur ganz selten vorkamen, nämlich beim Umstieg auf die GPU und dann wieder bei den ersten ASICs, also den speziell fürs Mining hergestellten Chips mit ihren speziellen Baugruppen.

In der Regel sind die Schwankungen nur marginal und entstehen durch die Anzahl der angeschlossene Miner. Steigt der Bitcoin-Preis, wie zum Beispiel im ersten Halbjahr 2017 von 1.000 Dollar pro Bitcoin auf fast 3.000 Dollar pro Bitcoin, dann springen mehr Leute auf den Zug auf und betreiben Miner — auch zu höheren Stromkosten — weil es trotz des hohen Strompreises wirtschaftlich wird.

Mehr Miner bedeuten mehr Rechenpower im gesamten System, das bedeutet mehr Hash-Power im gesamten Netzwerk, was wiederum bedeutet, dass die Blocks schneller gefunden werden können. Das führt zu einer höheren Difficulty nach 2016 Blocks, also nach circa zwei Wochen und dann wird das System eingebremst, sodass die höhere Gesamtleistung sich wieder auf die durchschnittlichen zehn Minuten einpendelt, nur eben auf einem höheren Niveau.

Das ist somit ein positiver Aspekt, denn dadurch wird es für einen Angreifer, der Daten manipulieren möchte, wieder sehr viel schwieriger und sehr viel teurer, weil er noch mehr Rechenpower aufbringen muss, um diese Änderungen durchzusetzen.

Das alles ist dann im Grunde ein ökonomisches Problem, denn wenn eine Manipulation weniger einbringt als es kostet, diese vorzunehmen, wenn man also 100.000 Dollar einnehmen kann, aber 150.000 Dollar ausgeben muss, dann macht es einfach keinen Sinn. Wie viel man einnehmen kann, hängt wieder vom Preis der Bitcoins ab und da das System immer mehr Teilnehmer gewinnt, je höher der Preis ist, desto höher wird die Hash-Power und desto teurer wird ein Angriff. Das alles in einem System mit einer limitierten Anzahl von Coins muss zwangsläufig zu höheren Preisen pro BTC führen. Bei näherer Betrachtung also ein geniales System.

Bliebe noch die Problematik, dass sich die Anzahl der Miner verringert, sobald die Preise sinken. In diesem Fall werden Miner möglicherweise deaktiviert, weil zu wenig durch die Belohnung erzielt werden kann und die Stromkosten zu hoch werden. Dann sinkt die gesamte Hash-Power und die verbleibenden Miner brauchen im Durchschnitt mehr als zehn Minuten, um die Blocks zu berechnen, weil die Difficulty so hoch ist. Auch hier wird das Problem nach längstens zwei Wochen gelöst, weil die Difficulty dann heruntergesetzt wird und die Formel dadurch mit weniger Versuchen zu errechnen ist, also wieder zurück zu zehn Minuten pro Block im Durchschnitt geht.

So regelt sich das System immer wieder selbst und wächst durch Innovationen in Hard- und Software mit.

Angriffe durch Abschalten von Minern

Das System der Difficulty stellt — neben dem Ausgleich der Hash-Power bei schwankender Anzahl der Miner — auch noch eine weitere Sicherheitskomponente dar. Wenn man diesen Difficulty-Mechanismus weiter untersucht, findet man eine zusätzliche Bremse nach unten. Die Difficulty kann niemals um mehr als 25 Prozent gesenkt werden. Das ist im Kernalgorithmus so unver-änderlich festgelegt und verhindert eine Manipulation, wenn sich zu viele Miner in einer Hand befinden.

Angenommen, einer Gruppe von Minern gehören so viele Masch-inen, dass sie 40 Prozent der Hash-Power bereitstellen und sie dann vorsätzlich ihre Maschinen ausschalten würden. Dann würde sich — vereinfacht gerechnet — die Difficulty um 40 Prozent redu-zieren, weil die anderen Miner sehr lange brauchen würden, um die Blocks zu berechnen. Direkt nach der Korrektur der Difficulty würden besagte Miner ihre Power wieder einschalten und könnten nun natürlich sehr schnell Blocks berechnen, weil die Difficulty nicht der tatsächlichen Rechenpower entspräche.

Diese Gruppe von Minern hätte in so einem Fall zwei Wochen lang enorme Macht, könnte das System destabilisieren und tatsächlich schnell ein paar neue Daten einschleusen. Dabei geht es nicht unbedingt um reine Transaktionen, sondern auch um Veränder-ungen der systembestimmenden Algorithmen. Diese können tatsächlich, bis zu einem gewissen Grad, verändert werden. Dazu später mehr, wenn es um die Konsens-Mechanismen geht.

Die maximale Reduktion der Difficulty wirkt also wie ein weiteres Hemmnis, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten und das Bitcoin-Netzwerk zu stabilisieren. Alles in allem eine wohl durchdachte Sache.

Die Vergangenheit kann nicht mehr verändert werden

Die Bitcoin-Blockchain wird also von Minern abgesichert, die mit aufwendigen Rechenverfahren im Schnitt zehn Minuten brauchen, um eine Reihe von Transaktionen in einem Datenblock zu verschließen. Sie werden mit neu geschaffenen Bitcoins entlohnt, eben diesem Vorgang, den man auch „minen“ beziehungsweise im Deutschen „schürfen“ nennt.

Im Bitcoin-Netzwerk stehen dabei viele Miner in direkter, inter-nationaler Konkurrenz und wenn ein Block gefunden wurde, starten sie gleich mit der Berechnung des nächsten Blocks. Aber von wem erfahren sie, dass ein neuer Block gefunden wurde?

Wenn ein Miner erfolgreich das Puzzle gelöst hat, berichtet er das sofort an die an ihn angeschlossenen Nodes. Das sind die Rechner, die die bisherige Blockchain lokal gespeichert haben. Der Miner sendet ihnen den neuen Block mit der Bitte diesen Block an die lokal gespeicherte Kette anzuhängen. Die Nodes prüfen, ob der errechnete Hash richtig ist und wenn dem so ist, dann hängen sie diesen neuen Block lokal an ihre gespeicherte Kette an. Gleich-zeitig propagieren sie auch den neuen Block zu ihren Peers, also zu dem Nachbarknoten, mit denen sie verbunden sind.

Die Überprüfung, ob der gelieferte Hash mit dem vorliegenden letzten zusammenpasst, ist ein wesentlich einfacherer Rechen-vorgang, als das Minen an sich, sodass es „normale“ Computer leicht erledigen können. Dahinter steckt höchst effiziente Mathe-matik und dieser Umstand ist auch ein wesentliches Merkmal des Systems: Die Berechnung ist sehr schwierig und aufwendig, die Überprüfung sehr einfach und schnell.

Jeder Block wird also vom Miner an einen oder mehrere Nodes geliefert und diese senden den Block umgehend zu ihren jeweiligen Nachbarn, sodass nach kurzer Zeit alle Nodes und alle daran angeschlossenen Miner den neuen Block, nehmen wir einmal an, es sei der Block Nummer 10, kennen. Die Miner „ärgern" sich und stoppen die eigenen Bestrebungen, den Block 10 zu berechnen und beginnen umgehend mit Block 11.

Die Nodes hängen Block 10 an ihre Kette, die bisher mit Block 9 geendet hat, wenn er zu Block 9 passt und die Kette wird um einen Datenblock, mit den darin enthaltenen Transaktionen, verlängert. Technisch gesehen, sendet der Node den Block nicht automatisch weiter, sondern er wird von seinen Nachbarn gefragt, ob er einen neuen Block hat und der Node beantwortet diese Frage dann entsprechend und sendet den Block. Das ist für das Verständnis des Systems nicht relevant. Entscheidend ist nur, dass die neuen Blocks schnell im ganzen Netzwerk propagiert werden, damit die Miner nicht sinnlos an einem oder mehreren, bereits vorhandenen Blocks weiter rechnen.

Was passiert, wenn zwei Miner gleich schnell lösen?

Immer wieder kommt es allerdings vor, dass zwei Miner zum quasi gleichen Zeitpunkt einen Block lösen. Das kann nicht vermieden werden, denn alle Miner und alle Nodes sind ja völlig unabhängig voneinander. Jeder macht, was er will, sozusagen. Das ist ja auch der ganze Sinn in einem dezentralen Netzwerk, welches nicht mani-puliert werden kann. Einem Netzwerk, dass kein Mensch und kein anderer noch so schlau programmierter Computer kontrollieren kann.

An jeden Miner sind irgendwelche Nodes angeschlossen, die wiederum mit anderen Nodes kommunizieren. Dabei verbinden sich die Nodes mit den anderen Nodes, die sie am schnellsten erreichen. Das hängt davon ab, wie schnell die anderen Nodes mit dem Internet verbunden sind beziehungsweise ob sie gerade online sind und mit welcher Verbindungsqualität. Es ist wahrscheinlich, dass verschiedene Miner mit verschiedenen Nodes verbunden sind, die wiederum auch mit jeweils verschiedenen Nodes weiter verbun-den sind. Alleine deshalb schon, weil die Miner ja weltweit verteilt ist.

Deshalb kann es vorkommen, dass ein Teil des Netzwerks den Block 10 vom Miner A kennt und ein anderer Teil den Block 10 von Miner B. Miner B hat seine Berechnungen nämlich nur 17 Tau-sendstel Sekunden nach Miner A erfolgreich abgeschlossen. Es existieren also Block 10 A und Block 10 B.

Das wäre eine Katastrophe, weil die beiden Blocks ja unter-schiedliche Transaktionsdaten enthalten, die die Miner aus dem Transaktionspool genommen haben. In dem Block 10 A hat Alice 2 BTC and Bob gesendet, aber in Block 10 B ist diese Transaktion noch nicht berücksichtigt.

Streng genommen kann Alice nun also in dem Teil des Netzwerkes, welches den Block 10 B angenommen hat, ihre 2 BTC nochmals nutzen und an Carol überweisen. In dem B-Teil des Netzwerkes würde die Transaktion in dem folgenden Block 11 als gültig anerkannt werden. Damit hätte Alice ihre 2 BTC zweimal ausge-geben. Toll für Alice. Dumm gelaufen für entweder Bob oder Carol — eine weitere Problematik des digitalen Geldes, das Nakamoto erkannt und in seinem Ansatz gelöst hat.

Das sogenannte „Double Spending“-Problem

Double Spending bedeutet, dass man Geld zweimal ausgibt. Einmal aus seinen Guthaben und einmal, weil man es kann und weil es keiner merkt, dass man über gar kein Guthaben mehr verfügt, weil das Konto leer ist. Manche Experten schaffen es sogar zweimal Geld von einem leeren Konto zu überweisen. Richtig gute Betrüger sogar dreimal oder noch häufiger. Wie das geht?

Ganz einfach: Man schreibt Schecks aus und versendet diese durch die Republik. Der Empfänger, der den Scheck, den er erhalten hat, als erster einreicht und dessen Bank am schnellsten den Scheck gutschreibt, bekommt die Belohnung — nämlich die Gutschrift. Der zweite ist schon der erste Verlierer, denn das Konto des Scheckausstellers, früher auch als Scheckbetrüger bekannt, ist leer, der Scheck platzt und für den zweiten fallen zusätzlich auch noch Bankgebühren an. Das ist in Zeiten des Onlinebankings nicht mehr so einfach möglich. Die Menschen in den USA und in anderen Teilen der Welt zahlen aber immer noch sehr viel mit Schecks. Das ist traditionell die bevorzugte Zahlungsart und Schecks platzen so oft wie Luftballons in einer Nadelfabrik.

In der digitalen Welt und damit auch bei elektronischen Zahlungs-vorgängen, zählt die Double-Spending-Problematik zu den größten Herausforderungen, die den Fortschritt des digitalen Zahlungs-verkehrs aufhalten. Wie kann man sicherstellen, dass die Daten, die aus der einen Datei gelöscht sind, nicht nochmals versendet werden können? Wie leicht ist es, eine Datei zu kopieren und an Alice zu senden und dann noch eine Kopie an Bob, eine an Carol und eine an Dave und so weiter und so weiter?

Genau das wird doch zu jeder Sekunde mit Katzenvideos und Musikdateien gemacht. Soziale Netzwerke wie Facebook, Insta-gram und Twitter machen im Kern genau das und bringen so Menschen zusammen. Natürlich werden viele Daten widerrechtlich kopiert und verschickt. Musik wird raubkopiert, Filme schwarz kopiert und jeder tauscht elektronische Kopien von allem, was digitalisiert ist. Rechteinhaber erlebten und erleben eine dunkle Periode, in der alles, was digitalisiert werden kann, auch getauscht wird.

Es liegt im System selbst. Digitale Daten können kopiert und versendet werden. Auf Knopfdruck und per Mausklick. Nichts einfacher als das. Das ist das Problem bei digitalem Geld. Das ist das Double-Spending-Problem.

Nakamoto hat das Double-Spending-Problem mithilfe von Bitcoin gelöst

Natürlich bietet das Bitcoin-System auch dafür eine passgenaue Lösung. Es ist im System intrinsich vorgegeben, dass dieser Split, den man auch als „Fork“ (englisch „Gabel“) bezeichnet, automatisch aufgelöst wird.

Die Auflösung erfolgt umgehend mit dem Block 11, denn der passt, entweder bei 10 A oder bei 10 B nicht mehr. Warum?

Ganz einfach, der Miner, der Block 11 berechnet hat, kennt entweder 10 A oder 10 B. Sein Node hat ihn doch zuvor informiert und ihm entweder 10 A oder 10 B übermittelt, damit er damit beginnen kann, Block 11 zu berechnen. Er beginnt also Block 11 zusammenzurechnen, unter Berücksichtigung des Hashs von Block 10 und zwar entweder des Blocks 10 A oder eben 10 B — beide kann er nicht haben. Damit passt dann, bei erfolgreicher Berech-nung des richtigen Hash-Wertes, sein Block bei einem Teil der von den Nodes gespeicherten Blockchain und bei dem anderen Teil eben nicht.

Wenn er Block 11 auf Basis von 10 A berechnet hat, dann passt 11 A bei allen Nodes, die vorher 10 A hatten, aber nicht bei denjenigen, die 10 B gespeichert haben. Diese werden Block 11 A als ungültig zurückweisen und auf einen Block 11 warten, der mit ihrem gespeicherten Block 10 B kompatibel ist. Verwirrt? Man muss das einige Male durchdenken, dann wird es logisch und leicht nachvoll-ziehbar.

Jetzt ist auch das Rennen gestartet. Wenn ein Block 11 B kommt, dann wird dieser von den 10 B-Nodes angehängt und von den 10 A-Nodes abgelehnt. Zum einen, weil sie schon einen Block 11 haben, nämlich 11 A und zum zweiten, weil 11 B weder zu 10 A noch zu 11 A passt. Wie schnell kommt jetzt ein passender Block 12 ?

In immer seltener werdenden Fällen kommen tatsächlich ein 11 A und ein 11 B und dann ein 12 A, aber das ist schon sehr sehr selten, weil sich bei jedem Verteilvorgang potenziell immer mehr Nodes umentscheiden.

Ein Node ist auch wirtschaftlich programmiert und durch die Software so gesteuert, dass er, wenn Block 12 kommt und er noch keinen Block 11 hat „stutzig“ wird. Er kennt ja nur Block 10 und kann Block 12 nicht an Block 10 anbauen. Also sucht er beim Nachbarn einen gültigen Block 11, der dann nicht nur auf 10 passen soll, sondern auch der richtige für den Block 12 ist. Hört sich ein bisschen kompliziert an, ist aber sehr einfach.

Wenn der Node eine längere Kette beim Nachbarn findet, als er selbst hat, dann storniert und löscht er seine eigene Kette, die er lokal gespeichert hat, und übernimmt ab der Fork den Teil der Kette vom Nachbarn, der länger als seiner ist und auf den Block 12 passt. Im Beispiel von oben wäre Block 9 noch ein gemeinsamer, Blocks 10 und 11 sind jedoch beim Nachbarn andere. Allerdings passt der irritierende Block 12 auf 10 und 11 des Nachbarn. Flugs entscheidet sich der Node, seine Blocks 10 und 11 zu löschen und diese vom Nachbar-Node zu nehmen und an seinen Block 9 anzubauen. Dann passt auch der neue Block 12 an seine lokale Kette. Genial, oder?

Die in den verworfenen Blocks 10 und 11 vorhandenen Trans-aktionen werden wieder aufgelöst und in den Transaktionspool zurückgespielt. Dabei schaut der Node natürlich nach, ob die Transaktionen nicht auch in den Blocks, die er vom Nachbarn genommen hat, vorhanden waren und löscht diese aus seinem Transaktionspool. Die Differenz bleibt dann übrig. Sollte also nun die Transaktion von Alice schon dabei sein, dann ist diese weg und kann nicht mehr ausgeführt werden, weil sie ja schon ausgeführt wurde.



In den allermeisten Fällen betrifft eine solche Fork tatsächlich nur einen Block, der quasi zeitgleich gemint wurde und dessen Trans-aktionen dann als doch nicht erledigt zurückgegeben werden. In seltenen Fällen sind es zwei aufeinanderfolgende Blocks und in ganz seltenen Fällen können es mehr werden, aber das ist schon wieder so selten, dass man es getrost vernachlässigen könnte.

Es geht um viel Geld

Die Betonung liegt hier auf vernachlässigt werden „könnte“, wenn es keine Wertetranfers wären, die in der Bitcoin-Blockchain aufge-zeichnet werden sollen. Angenommen, es handelte sich um eine Transaktion mit einem Marktwert von 10 Millionen Euro, die ausgeführt wird und in eine Fork mit drei aufeinanderfolgenden Blocks gerät, die später verworfen wird? Nicht gut, oder?

Genau aus diesem Grund sollte man auf mindestens sechs Blocks Tiefe warten, wenn man hohe Werte überträgt, denn nach sechs aufeinander stehenden Blocks, wenn also alle Nodes — aus dem dem oben beschriebenen Beispiel — bei Block 16 sind, geht die mathematische Möglichkeit, dass ein Teil des Netzwerks immer noch auf einer unterschiedlichen Kette arbeitet, gegen null. Die meisten Nutzer der Bitcoin-Blockchain warten zwei Blocks ab, ganz sicher ist es eben nach sechs oder mehr Blocks. Wenn man also einmal 10 Millionen erhalten sollte, sollte man sechs Bestätig-ungen abwarten — dann gehören einem die 10 Millionen ganz sicher.

Es ist also die Verknüpfung einzelner Datenblocks mithilfe krypto-grafischer Verfahren in Verbindung mit der Verteilung auf vielen Tausend unabhängiger Computer, die alle selbst nachrechnen und selbst die Daten verwalten, die zur Wahrheit führt.

Bitcoin ist die technische Lösung, die blindes Vertrauen in Infor-mationen von einem völlig fremdem Dritten ermöglicht. Sie macht damit die Mittler, die vertrauenswürdigen Mittler, über-flüssig.

Natürlich ist das oben skizzierte System bei Weitem nicht komplett beschrieben und es dient auch nur dem generellen Verständnis eines Blockchain-Systems. Die technische Implementation ist nicht gerade trivial und es sind die intelligentesten Köpfe unserer Welt, die sich mit dieser Technologie beschäftigen und sie weiterent-wickeln.

Kapitel 3 — Wallets, Exchanges und das P2P-Netz
Wie man Bitcoins bekommt und verwaltet

Dieses Kapitel ist besonders wichtig, denn es gibt ein paar Dinge, die es unbedingt zu beachten gilt, wenn man Krypto-Währungen wie Bitcoin kaufen, besitzen oder aufbewahren möchte. Dem Autor ist es selbst passiert, dass er Bitcoins verloren hat, weil er nicht sorgfältig genug mit seinen Private Keys umgegangen ist. Die Hinweise in diesem Kapitel sind von großer Bedeutung und sollten deshalb sehr ernst genommen werden!

Im Zusammenhang mit Blockchain-Systemen nutzt man soge-nannte „Wallets“, um die zu einer bestimmten Adresse gehörenden Krypto-Einheiten, Coins oder Tokens anzuzeigen und zu verwalten. Ein Wallet — ins Deutsche würde man das Wort am besten mit „Geldbörse“ oder „Portemonnaie“ übersetzen — beinhaltet Adres-sen, denen Ergebnisse von Transaktionen zugeordnet sind oder werden. Das hört sich schon wieder kompliziert an, ist es aber auch dieses Mal nicht.

Eine Transaktion in einer Blockchain ist immer ein Transfer der jeweiligen Krypto-Einheiten von einem Teilnehmer zu einem anderen. Streng genommen von einer Adresse zu einer anderen. Die Teilnehmer können dabei auch Sensoren oder sonstige Computer-einheiten sein, die die transferierten Daten weiterverarbeiten können. Wenn die Temperatur im Raum 29 Grad übersteigt, sollen sie zum Beispiel die Jalousien schließen. Dafür braucht man zwar nicht immer eine Blockchain, aber es soll verdeutlichen, welche Arten von Wertetranfers in unserer modern Welt stattfinden können. Noch deutlicher wird es, wenn man sich vorstellt, dass ein E-Auto an einer roten Ampel hält und automatisch über eine Induktionsschleife, die in der Straße eingelassen ist, aufgeladen wird. Dafür zahlt das Auto der entsprechenden Straße für 32 Sekunden Strom 1 mBTC (Milli-Bitcoin) aus seinem Krypto-Wallet. Das ist eine Technologie, die bereits aktiv getestet wird, also kein Science-Fiction-Szenario. Natürlich können die Teilnehmer auch Menschen sein, die Werte erhalten oder Werte transferieren. Werte, zum Beispiel Krypto-Währungen wie Bitcoin, Ether und Co. — oder eine Krankenakte oder Identitätsinformationen, die auch schützenswerte Daten sind und somit hohe Werte darstellen.

All das wird über Wallets abgewickelt. Dieser Begriff hat sich weltweit etabliert. Ein Wallet ist also eine Stelle, an der man den Zustand beziehungsweise den Inhalt einer bestimmten Adresse in einer Blockchain ablesen kann und mittels derer man Werte transferieren kann — senden und empfangen. Vereinfacht gesagt, ist es eine spezielle Software wie ein Onlinebanking-Portal, auf dem man seinen Kontostand abrufen und Zahlungen vornehmen kann.

Adressen und Wallets

Neben dem Begriff Wallet ist der Begriff der „Adresse“ im Zusam-menhang mit Blockchains von Bedeutung. Eine Adresse ist dabei im Grunde nichts anderes als eine Postanschrift. Taubenweg 8 ist eine Adresse. Natürlich ist das in einem Blockchain-System etwas aufwendiger, denn Computer müssten den Taubenweg 8 erst einmal in Computersprache auflösen und übersetzen, um damit arbeiten zu können.

Das Problem besteht allerdings in der Länge der Adresse bezieh-ungsweise in der Eindeutigkeit der Adresse. Wie im echten Leben kann man an den Taubenweg 8 nichts versenden, wenn man nicht noch die Postleitzahl kennt und damit den Ort. Auch im realen Leben besteht eine Adresse aus mehr als nur dem Straßennamen. Innerhalb eines Blockchain-Systems muss es, zur eindeutigen Identifizierung des Empfängers, noch aufwendiger sein.

Hier ist ein Beispiel einer Adresse für den Krypto-Wert SIA:

2077ffcc79143aa8a1ba36ba934873f7e8d65085f212ce220dfacd267c8291e4d6ebc0923f09

und hier eine Bitcoin-Adresse:

1Po9VrtwJzHQycEDS3i9JojUUT4dkYteMs

Leicht kann man den Unterschied zwischen den beiden Adressen ausmachen und vor allen Dingen den Unterschied zwischen diesen und dem Taubenweg 8, 80547 München.

Adressen müssen über eine sehr wichtige Eigenschaft verfügen, die für den Erfolg eines Blockchain-Systems absolut kritisch ist: Sie müssen eindeutig sein.

Hinzu kommt noch, dass es unbedingt genügend davon geben muss — der sogenannte „Adressraum“ muss groß genug sein, um allen möglichen Anforderungen zu genügen. Dabei darf man sich noch nicht einmal als Obergrenze alleine auf die Anzahl aller lebenden Menschen beschränken, denn jeder kann theoretisch beliebig viele Adressen besitzen — das ist ein weiterer wichtiger Unterschied zur realen Welt. In den meisten Ländern ist es gesetzlich vorge-schrieben, einen Hauptwohnsitz anzumelden und einige haben noch einen Zweit- oder sogar Drittwohnsitz, zum Beispiel eine weitere Wohnung in der Nähe der Arbeitsstelle oder ein Woch-enendhaus. Auch diese Adressen müssen jedoch in der Regel bei den Behörden entsprechend angemeldet sein.

Jeder kann beliebig viele Bitcoin-Adressen haben

Ganz anders bei Blockchain-Systemen. Jeder Teilnehmer, ob Mensch oder Maschine, kann beliebig viele Adressen besitzen. Diese müssen noch nicht einmal der Blockchain bekannt sein, um dennoch wirksam zu funktionieren.

Das heißt, man muss seine Adresse bei keiner Behörde anmelden und kann so viele Adressen besitzen und nutzen, wie man wünscht. Wobei, seine Bitcoins bei den „echten“ Behörden anzumelden, macht unter Umständen Sinn. Besonders, wenn man mit Krypto-Währungen handelt und Gewinne erwirtschaftet. Dann sollte man das schon bei den Behörden, im Besonderen beim Finanzamt, anmelden. Doch darum geht es hier natürlich nicht und die Rechtslage ist in den meisten Ländern sowieso noch völlig unklar.

Es geht um diesen besonderen Umstand, dass man eine Adresse besitzen kann, die noch nicht einmal dem System selbst, weder den Minern noch den Nodes, bekannt ist und die dennoch innerhalb der Bitcoin-Blockchain als Transferziel verwendet werden kann.

Wenn man also eine solche Adresse außerhalb des gesamten Systems erzeugen kann, wie kann man dann sicherstellen, dass es diese Adresse nicht schon gibt? Schon sind wir wieder bei der Mathematik, die hier nur kurz und leicht verständlich vorgestellt werden soll.

Zunächst ist es notwendig, dass es grundsätzlich genügend Adres-sen gibt, die man nutzen kann. Darüber hinaus ist es notwendig, dass die Adresse absolut zufällig ausgewählt wird. Das ist sehr wichtig und übersteigt oft unser Verständnis. Wer eine Reihe von Zahlen notiert, denkt, diese Kombination sei zufällig und es sei unmöglich, dass ein anderer noch mal die gleiche Reihe aufsch-reiben könnte. Das ist ein großer Irrtum.

Von Zufall kann tatsächlich keine Rede sein und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein anderer die gleiche Zahlenreihe wählt. Deshalb sollte man diesen Zufall von Computern berechnen lassen und das wiederum nicht von jedem beliebigem Programm oder von jedem Softwarebefehl. Leider produzieren auch diese nicht immer eine echte, zufällige Zahl — speziell geeignete Programme können das viel besser als wir.

Der ausreichend große Adressraum ist ein Merkmal, das die Nützlichkeit eines Blockchain-Systems definiert. Wo kommen aber nun diese Adressen her und wie werden sie erzeugt?

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
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436 s. 45 illüstrasyon
ISBN:
9783947921089
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