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Kitabı oku: «Der schweizerische Robinson», sayfa 16
So bildeten wir denn ein kleines Babel in unserm beschränkten Familienkreise, und die Brocken der verschiedenen Sprachen umsummten uns die Ohren mitunter zum köstlichsten Spaße.
Erst jetzt fanden wir endlich Muße, den ganzen Rest unserer Schätze von dem gestrandeten Schiffe auszupacken und jedem Gegenstande einen passenden Platz anzuweisen. Es fanden sich da Spiegel, Kommoden, ein paar Konsolen mit polierten Marmorplatten, eine Anzahl Sessel, bequeme und unbequeme, und sogar zwei sehr hübsche Schreibtische; sodann zeigten sich Stock- und Schlaguhren von seltenem Geschmack, deren eine mit einem Glockenspiel versehen war; eine Seeuhr, zur Bestimmung der geographischen Länge auf der See, womit ich freilich nicht allzugut umzugehen wußte – kurz, wir fanden uns reicher, als wir es je gedacht hatten. Aber freilich gab es jetzt auch vieles zu putzen, zu flicken und auszubessern, was denn die zehn oder zwölf Wochen der Regenzeit so gut ausfüllen half, daß ich nur ein Joch für die Ochsen und ein paar Karden zum Kämmen der Baumwolle, samt einem Baumwollrad zum Spinnen für die stets daran mahnende Mutter noch zustande brachte. Dafür waren wir aber auch nun eingehaust wie die Prinzen und bildeten uns nicht wenig ein auf unsere herrliche Wohnung.
Am Ende der ganzen Einrichtung wünschte mein Hausgesinde den alten Namen Zeltheim gegen einen großartigem umzutauschen; und obschon mir der alte Name durch die Erinnerung an unsere ersten Rettungstage teuer war, so gab ich doch den dringenden Wünschen aller nach, und es wurde endlich nach langem Hinundherraten Felsenheim dafür gewählt.
Gegen Ende August und also auch der Regenzeit, wie ich wenigstens hoffte, schien das Wetter eher noch stürmischer werden zu wollen; das Meer schlug in ungeheuren Wellen gegen den Strand und brauste, von wütenden Orkanen gepeitscht, ganz fürchterlich; Regen, Donner und Blitz begleiteten fast ohne Unterlaß den gräßlichen Aufruhr des Ozeans und schienen der ganzen Natur mit Zerstörung zu drohen. Um so glücklicher schätzten wir uns nun in unserer festen Wohnung, da wir in Falkenhorst dieses Unwetter unmöglich hätten aushalten können.
Endlich indessen klärte sich allmählich der Himmel auf, die Stürme legten sich, und wir durften es wagen, aus unserer wohlgeborgenen Freistätte wieder hinauszutreten in die freie Natur.
Sechstes Kapitel
Die Schildkröte als Fuhrmann. Ein Kampf mit einer Riesenschlange. Der Esel bringt Rettung und kommt um. Eine weitere Höhle wird gefunden. Von Rohrdommeln, Kabiais und Peccaris.
Lachend und wohlzufrieden begrüßten wir eines Morgens den warmen Sonnenschein, und weil alles so guter Laune war, wurde auch der Vorschlag der Mutter, auf dem kleinen Inselchen eine neue Ansiedlung zu gründen, die vor Zerstörung durch Affen und anderes Raubgesindel behütet sein würde, jubelnd aufgenommen; die Knaben wollten nur gleich in unser Schiff springen, um Hand ans Werk zu legen; ich aber sah für diesen Tag rund um unser Felsenheim noch Arbeit genug und hielt daher noch zurück.
Dafür versprach ich auf den folgenden Tag eine Fahrt nach dem Vorgebirge der getäuschten Hoffnung und der kleinen Kolonie von Hohentwiel, um den Zustand der Anlage und der daselbst gelassenen Tiere wieder in Augenschein zu nehmen.
Mein Vorschlag wurde mit höchstem Beifall aufgenommen, man rüstete Waffen, Kleidungsstücke, Lebensmittel und begab sich früh zu Bette, um am folgenden Tage desto zeitiger aufbrechen zu können.
Wirklich war alles schon früh des andern Morgens auf den Beinen, und man bestellte das Haus, um einen ganzen Tag davon wegzubleiben.
Munter fuhren wir von Felsenheim ab, und ich steuerte das Schifflein gleich in die Strömung des Schakalbaches, die uns bald von der Rettungsbucht hinweg in die ruhige See trug; bald lag uns die Haifischinsel im Rücken, und meine brave Mannschaft arbeitete trotz der schweren Ladung so gut, daß wir in kurzer Zeit Hohentwiel vor uns erblickten.
Ich steuerte immer einige hundert Schritte am Strande hin, um nicht so leicht eine Untiefe befürchten zu müssen; wir genossen daher eine um so freiere Ansicht der Küste, die durch die hochragenden Feigenbäume von Falkenhorst und den Süßeichelwald ungemein viel Malerisches erhielt. Im ganzen Hintergrunde der Landschaft entfaltete sich eine Terrasse oder ein Hochland, das, mit dem üppigsten Wachstum bekleidet, selbst unser halbes Paradies am Fuße der Felswand zu übertreffen schien; links in unserer Nähe lag das Walfischinselchen, das mit seinem herrlichen Grün die Einförmigkeit des majestätischen, aber auch furchtbaren und dunkelfarbigen Ozeans unterbrach. Wir freuten uns sehr, zu bemerken, daß dieses Inselchen auf seiner obern Seite gegen Hohentwiel zu schon etwas Gebüsch und Baumwuchs enthielt, wovon wir bei den frühern Landungen wegen des bedeutenden Hauptfelsens nichts wahrgenommen hatten.
Auf der Höhe des Affen- oder Kokoswaldes angekommen, steuerte ich rechts und legte mit dem Schifflein an, um frische Kokosnüsse einzusammeln. Hahnengekrähe und Hühnergegacker empfing uns beim Aussteigen; das waren unsere Ansiedler von Waldegg. Diese Täuschung versetzte mich plötzlich in die liebe Heimat, wo mir bei Tag und Nacht auf Spaziergängen oder auf Reisen so häufig der Hahnenruf freundlich einladend die noch ungesehenen Menschenwohnungen verriet; um indessen besonders der Mutter ein allzu wehmütiges Gefühl zu ersparen, hütete ich mich wohl, meine Empfindungen laut werden zu lassen.
Wir trugen unsere gesammelten Nüsse ins Boot und steuerten nun gerade auf Hohentwiel, wo ich in einer kleinen Bucht landete, in deren Nähe ich eine Menge von schwarzen Manglebäumen wußte. Gerade diese gedeihen besonders leicht am Meeresstrande und dienen dem bessern Lande zum Schutze gegen das Unterfressen und Wegspülen durch die anschlagenden Meereswellen. Ihre Rinde liefert überdies einen sehr brauchbaren Gerbstoff. Bald waren einige Dutzend solcher Setzlinge ausgelesen, samt der Wurzel in kleine, mit feuchten Blättern umwundene Bündel geschnürt, und wir kletterten dann von unserm Landungsplatz den etwas steilen Abhang von Hohentwiel hinauf. Alles war oben in guter Ordnung, nur fanden wir Schafe, Ziegen und Hühner in der Nähe scheuer, als wir zufolge der fern vernommenen Einladung erwartet hatten; übrigens war die Zahl der Tiere bedeutend vermehrt, und es gab da Lämmchen, Zicklein, Kücken in verschiedener Größe und in erfreulicher Menge. Die Jungen bezeugten auch alsbald Lust nach frischen Eiern und nach Milch; aber, wenn auch der erstern sich im Gras eine hinlängliche Anzahl aufheben ließ, so waren hingegen die Mutterziegen der allzu großen Scheuheit wegen nicht mehr zum Stehen zu bringen. Meine Jungen wußten sich jedoch bald zu helfen, indem sie ihre Kugelriemen hervorholten, und bald lag da und dort eine Ziege mit verstrickten Hinterbeinen auf der Erde; sogleich war das junge Volk bei der Hand, gab den Tieren etwas Salz zu lecken und brachte uns zwei Kokosschalen voll frisch gemolkener, recht würziger Milch, wovon die eine sogleich zum Mittagsmahl bestimmt, die andere in eine langhalsige Kürbisflasche geleert und zum Mitnehmen nach Hause verwahrt wurde.
Den Hühnern warf sodann die Mutter etwas Reis und Hafer zu, bis es gelang, auch von diesen einiger Stücke habhaft zu werden, die ebenfalls für den Heimweg mit zusammengebundenen Füßen hingelegt wurden.
Während die Mutter mit dem Einpacken unserer Vorräte beschäftigt war, eilte ich, noch mit Fritz ein paar Bund Zuckerrohre zu holen, die ich ebenfalls auf der Walfischinsel anzupflanzen wünschte.
Mit vieler Beute beladen stießen wir endlich vom Ufer, und ich versuchte, um das Vorgebirge der getäuschten Hoffnung herumzufahren, damit wir uns ein wenig in der großen Bucht und besonders an ihrem jenseitigen Ufer umsehen könnten. Aber das Vorgebirge rechtfertigte noch einmal seinen Namen; denn wir hatten uns umsonst gefreut, es diesmal umsegeln zu können, da eine Sandbank weit in das Meer hinauslief, die zu seicht und zu breit war, um bei niedrigem Wasserstande, der eben eingetreten war, hinüber zu gelangen; überdies endigte sie an verborgenen Klippen und Riffen, wo man eine ziemliche Brandung bemerkte und wo ich auf keinen Fall mein ganzes Hausvolk der Gefahr des Scheiterns hätte aussetzen mögen.
Ein ziemlich frischer und günstiger Wind, der sich vom Lande her erhob und unsre Segel blähte, brachte uns nun um so schneller nach dem Walfischinselchen zurück.
Viel schneller als auf der Hinfahrt war es erreicht, und ich ging sogleich ans Werk, die mitgebrachten jungen Bäumchen noch möglichst frisch in die Erde zu bringen; den Knaben aber, auf deren Hilfe ich gerechnet hatte, schien die Arbeit etwas langweilig zu werden; denn bald entfernte sich ein Schlingel nach dem andern, um auf neue Muscheln und Korallen auszugehen, so daß die Mutter und ich die Ausladung des Bootes allein vollenden mußten.
Nicht lange jedoch, so erschien Fritz wieder in der Nähe und rief plötzlich aus Leibeskräften: »Vater, Vater! eine ganz ungeheure Schildkröte! – Komm doch, komm! schon watschelt sie wieder nach dem Meere zu, und wir sind viel zu schwach, sie auf den Rücken zu wenden!«
Dieser Aufruf fand Anklang bei mir; ich eilte ihm daher mit zwei Ruderstangen schnell zu Hilfe und erblickte bald die ungemein große Schildkröte, die nach dem Wasser zu krabbelte und nur noch ein Dutzend Schritte davon war, obgleich Ernst sie bei einem Fuß gepackt hatte. Schnell gab ich Fritzen ein Ruder in die Hand; wir sprangen in ein paar Sätzen von der Anhöhe hinunter und begannen stracks unsere Ruder als Hebebäume anzuwenden, um die Schildkröte auf den Rücken zu werfen. Nicht ohne bedeutende Anstrengungen gelang es uns, das Tier zu überwälzen, das ich für die sogenannte Riesenschildkröte hielt, die bei einer Länge von fünf Fuß wohl drei bis vier Zentner wiegen mochte.
Das Tier war für uns bei seinem Unvermögen, sich umzuwenden, hinlänglich gesichert, so daß wir wieder an unsere Arbeit gehen durften.
Wir verfügten uns jetzt nach unsrer neuen Baumpflanzung, wo wir uns mit den Zurüstungen zum Einsetzen unserer Schößlinge beschäftigten, jedoch voraussahen, noch ein paar Tage hierher zurückkehren zu müssen.
Erst gegen Abend machte ich Anstalten, heimzusegeln, und wir führten unser Schiffchen zu dem Platze, wo die große Schildkröte noch immer auf dem Rücken lag, die ich jedenfalls nicht zurücklassen wollte, aber freilich über die Art, sie mitzuführen, lange unschlüssig blieb.
»Bah!« rief ich endlich, »der Bursche kann ja selbst nach Zeltheim hinüberschwimmen, er versteht das Rudern noch besser als wir!«
Hiermit sprang ich nach unserm Schifflein, leerte zu dem Zwecke unsere mitgenommene Wassertonne, spundete sie genau wieder zu, schlang ein starkes Seil darum, band das eine Ende dieses Seils an das Vorderteil unseres Schiffes und schlang das andere mit gehöriger Sorgfalt bei dem Hals und den Vorderbeinen um unsere große Amphibie; dann wälzten wir mit vereinter Kraft das Gewaltstier wieder auf die Füße, das sogleich dem Wasser zuzuwatscheln begann, worauf ich ihm schnell die Wassertonne nachschob, bis sie flott wurde, und geschwind mit den Knaben und der Frau in die Schaluppe sprang.
Ich nahm hier meinen Platz im Vorderteil und hielt mein Handbeil in Bereitschaft, um bei der geringsten Gefahr das Seil zu kappen; allein die geleerte Tonne schien die Schildkröte am Untertauchen zu verhindern, und so ruderte sie mit Emsigkeit vorwärts, indem sie zugleich das Schifflein hinter sich nachbugsierte. Die Jungen schrien vor Freude, und Ernst verglich lachend unser neues Fuhrwerk mit dem Wagen Neptuns, von Delphinen gezogen. Ich hatte aber jetzt mit gutem Bedacht den langen Bootshaken ergriffen und regierte damit den Lauf der Schildkröte nach der Rettungsbucht, indem ich bald rechts, bald links neben ihr in das Wasser platschte, wenn sie von unserer Richtung abirren wollte.
Wir landeten glücklich bei Felsenheim an der gewohnten Stelle, und nachdem wir die Schildkröte von der Wassertonne befreit hatten, wurde sie mit einigen starken Stricken festgebunden.
Gleich am folgenden Morgen jedoch wurde ihr der Garaus gemacht, da ich mich nicht getraute, sie mit Sicherheit lange zu erhalten, und weil ich ihre Schale, die wohl fünf Fuß lang und drei Fuß breit war, zu einem Brunnentrog vor unserer Felsenwohnung benutzen wollte. Ich ließ sie vorläufig reinigen und zum Trocknen an die Sonne stellen, was nicht ohne Mühe vor sich ging, das Fleisch aber, das wir als sehr schmackhaft kannten, wurde eingesalzen und sorgfältig aufbewahrt, da es uns auch manche kräftige Suppe liefern sollte.
Ich hatte mir zwar vorgenommen, bald nach der Regenzeit ein Stück Land zu einem ordentlichen Acker zu bearbeiten und mit unsern verschiedenen Getreidearten zu besäen, damit doch in Zukunft unsere Ernte zu einer bestimmt abzumessenden Zeit reif würde; allein teils hatten mich die mannigfaltigen unerwarteten Zwischenverrichtungen, die mir zugefallen waren, daran verhindert, teils war auch mein Zugvieh noch nicht unter das Joch gewöhnt, um damit ein Saatfeld gehörig bearbeiten zu können. Ich verschob daher die Feldarbeit auf einen spätern Zeitpunkt, ging hingegen ernstlich an den Bau des längst versprochenen Webstuhls für die Mutter. Mein Werk fiel brauchbar genug, aber keineswegs fein oder zierlich aus, und es kam mir trefflich zustatten, in frühern Jugendjahren in den Werkstätten der Weber sowie vieler anderer Handwerker mich öfters sorgfältig umgesehen zu haben.
Der gute Erfolg meiner Handarbeiten ermutigte mich, einer weitern glorreichen Krone des häuslichen Verdienstes nachzustreben. Ich gab nämlich den oft vorgebrachten Bitten meiner Jungen Gehör, ihnen einmal Sättel und Reitzeug zu verfertigen, und da ich schon früher nebst zwei Jochen auch die erforderlichen Sattelhölzer wenigstens im groben ausgeschnitten hatte, fiel mir die Vollendung der Arbeit um so leichter. Hier mußten denn einige Felle das Beste tun und den Überzug liefern, während ich zum Ausstopfen der Sitze langes Bartmoos vollkommen dienlich fand. Ich flocht zuerst ein paar lange und dichte Zöpfe daraus, wand sie um einzelne Stäbe und zog sie dann im Wasser mit etwas Asche und Fischtran gehörig ab, um zu verhindern, daß das Moos bei fortwährendem Trocknen allzu spröde würde und bald durch das Holpern und Rütteln der Reiter in mürben Staub zerfiele. Die seifenartige Lauge entsprach meinem Zwecke vollkommen, denn das Moos zeigte sich, nachdem es wieder getrocknet worden war, kraus und elastisch genug, um das uns mangelnde Roßhaar vollkommen zu ersetzen. Ich stopfte nicht nur die Sättel, sondern auch einige Bastkissen und Jochpolster tüchtig damit aus, und die Mutter verrichtete mit Freuden die vielfach nötige, starke Näherei, wobei ihr die Knaben als Lehrjungen fleißig zur Hand gingen. Es wurde dann noch eine Menge Riemenwerk, wie Bauchgurte, Schwanzriemen, Steigbügel-, Joch- und Zugriemen für unser Zugvieh verfertigt, wobei ich mich in meiner Unerfahrenheit kurzweg entschließen mußte, von Zeit zu Zeit, gleich einem Schneider, das Maß an unsern Tieren selbst zu nehmen.
Während dieser Arbeiten hatten mich die Knaben oftmals gebeten, mit ihnen wieder einmal einen Jagdausflug zu Lande zu machen; ich wollte aber vorher noch einen rechten Versuch unternehmen in der löblichen Korbmacherkunst, da besonders die Mutter bei unserer häufigen Abwesenheit an den Körben zum Einsammeln, Heimtragen, Sortieren und Aufbewahren von Sämereien, Früchten und Wurzeln öfters Mangel litt. Wir sammelten daher einen tüchtigen Vorrat gemeiner Weidenruten, da ich zu unsern Proben die schönen vorgearbeiteten Rohrstreifen Jacks noch keineswegs in Anspruch nehmen wollte; eine Vorsicht, die mich um so weniger reute, da unsere ersten Erzeugnisse ganz unbrauchbar und geschmacklos ausfielen; bald gelangen uns jedoch ein paar große Pack- oder Vorratskörbe für die bevorstehende Getreideernte gar nicht übel, wenn sie auch nicht viel besser als Schanzkörbe aussahen; sie waren oberhalb mit einem starken Rande und auf jeder Seite mit einem ebenso starken, fest eingeflochtenen Handgriff versehen, um eine Stange durchzustoßen, wodurch der Korb mit Bequemlichkeit fortgeschafft werden konnte.
Kaum war das erste Gerät dieser Art unter Schwitzen und Seufzen zustande gekommen, als die Jungen darüber herfielen, um sich damit zu belustigen. Zwei Bambusrohre wurden durch die Handhaben gestoßen, Fränzchen in den Korb gestellt, den nun Jack und Ernst im Triumphe herumtrugen.
»Ei, Vater!« rief endlich Fritz, »wir sollten auf diese Art eine Sänfte von Flechtwerk machen für die liebe Mutter, worin sie uns bequemer als auf unserm Karren oder dem Esel bei unsern Ausflügen begleiten könnte.«
Der Vorschlag wurde von den andern mit Jubel aufgenommen, und auch die Mutter lachte dazu, meinte nur, es würde ihr aber verwunderlich vorkommen, da so wie ein armes Bündel drinzuhocken und mit der Nase mühselig über den Rand zu gucken.
Ich beruhigte sie darüber, indem ich ihr versprach, der Sänfte eine zweckmäßige Form zu geben; nun war aber die Frage, wie diese mitsamt ihrem Inhalt in Bewegung gebracht werden solle; denn sie, gleich den Sklaven in Ostindien, auf den Schultern zu tragen, dazu verspürten die Jungen keine besondere Lust; auch wären sie wohl viel zu schwach gewesen, um sie nur eine kleine Strecke weit zu bringen. Da kam Jack auf den Einfall, seinen Sturm und Fränzchens Brummer dazu zu benutzen, und hielt sogleich bei mir an, eine Probe machen zu dürfen. »Gewiß«, sagte ich, »versucht‘s nur. Ich war selber neugierig, zu sehen, wie sie wohl mit dieser noch unvorbereiteten Sache zustande kommen würden.«
Sogleich wurden Sturm und Brummer in Beschlag genommen, um die nötige Ausrüstung zu erhalten. Natürlich mußten nun vor allen Dingen die neuen Sättel den Tieren angelegt werden, obgleich sie an diese noch gar nicht recht gewöhnt waren. Es ging aber ganz gut damit, und als die Gurten fest genug angezogen waren, wurden aus den Bügelriemen flink ein paar Schleifen gemacht, um die Tragstangen des Korbes hineinzulegen; diese banden sie mit ein paar tüchtigen Schnüren in dem Gehänge fest, damit sie nicht ausglitten, wenn die Tiere sich zu rasch oder ungleich bewegten.
Dies alles ging ungestört vor sich, weil Jack seinen Sturm sowie Fränzchen den Brummer abgerichtet hatten, sich auf Befehl ganz ruhig niederzulassen und ohne neuen Befehl nicht wieder aufzustehen.
Jetzt schwang sich Jack auf den Büffel, Fränzchen auf das Rind, und Ernst stieg mit etwas unbeholfener Gemächlichkeit in den Korb, der einstweilen noch ruhig zwischen den Tragstangen auf der Erde stand. Hierauf kommandierten die beiden Reiter ein freudiges: Auf! und die zwei Palankinträger, noch immer ein wenig verlegen in der neu übernommenen Rolle, richteten sich sehr bedächtig auf und schritten ganz langsam vorwärts. Es war in der Tat ein herrliches Fuhrwerk, diese Sänfte; sie hing fest und schaukelte so angenehm wie eine Kutsche auf elastischen Stahlfedern.
Nicht lange aber, so schien die Fahrt den zwei Reitern etwas langweilig, und sie trieben ihre Tiere vom Schritt zum muntern Trabe. Das gefiel denn selbst dem gefahrscheuen Ernst, er rief den Brüdern Beifall zu, biß mitunter ein wenig die Zähne aufeinander, wenn es einen stärkern Stoß gab, und sperrte sich mit beiden Händen und Armen an den Seiten des Tragkorbes so fest als möglich; so lief der Handel denn noch recht glimpflich ab.
Ich selbst war mit der Mutter und Fritz unter unserer Laube mit dem Flechten eines neuen Korbes beschäftigt, als sich Fritz plötzlich erhob, einige Schritte vorwärts trat und scharf nach dem Baumgang, den wir von der Brücke des Schakalbaches aus gegen Falkenhorst hin angelegt hatten, hinblickte.
»Was in aller Welt«, rief er aus, »sehe ich dort in der Ferne, das sich so wunderbar bewegt? Es scheint uns immer näher zu kommen, und indem es sich regt, fliegen Staubwolken ringsumher auf!«
»Ich kann mir wahrhaftig nicht vorstellen, was das sein könnte«, erwiderte ich, »denn unsere großen Tiere sind ja sämtlich zur Sänftenprobe hier angelangt und befinden sich ruhig im Stalle.«
»Da ist gewiß etwas ganz Besonderes los!« entgegnete Fritz. »Bald kommt es mir vor wie ein großes Ankertau, das in Ringeln über den Boden gezogen wird, bald wie ein kleiner Mastbaum, der sich von selbst aus dem Staub erhebt; auch scheint das Ding uns immer näher zu rücken, wenn es sich in Ringeln auf dem Boden zusammenzieht, und stillzustehen, wenn es sich in die Höhe bäumt.«
Die Mutter erschrak sehr ob dieser Beschreibung und eilte in unsere Wohnung zurück, wohin ich auch die Knaben rief, unsere Waffen bereitzuhalten; ich selbst holte schnell mein Taschenfernrohr, um aus der Sache klug zu werden, und während Fritz bei mir blieb, mußten die übrigen Knaben auf den Estrich steigen und bei den obern Fensteröffnungen bewaffnet auf der Lauer stehen.
»Was glaubst du, Vater, daß es sein könnte?« fragte mich Fritz mit ängstlicher Stimme.
»Ich vermute, daß es eine ungeheure Schlange ist«, sagte ich; »oder vielmehr, ich sehe es schon deutlich genug. – Das wird einen harten Stand geben.«
»Dann will ich aber nicht der letzte zum Kampfe sein!« rief der mutige Junge aus, »gleich hole ich unsere tüchtigsten paar Flinten und ein paar Äxte herbei.«
»Sei nur vorsichtig, mein Junge!« bedeutete ich ihm. »Diese Art von Tieren hat ein sehr zähes Leben und eine fürchterliche Kraft. Gehe vielmehr hinauf zu den andern und setze mein größtes Gewehr in Bereitschaft! Ich komme sogleich nach, und dann wollen wir gemeinsam das Nötige vorkehren.«
Fritz verließ mich ungern; ich fuhr inzwischen fort, nach dem scheußlichen Lindwurm zu spähen. Ganz unverkennbar war es eine Riesenschlange, die sich heranwälzte und mir schon viel zu nahe schien, als daß ich es für ratsam gehalten hätte, noch einen Versuch zu machen, durch Abwerfung unserer Brücke ihr den Zugang zu unserm Wohnplatze zu verwehren. Sie schien geradezu auf diese loszukommen; nur daß sie von Zeit zu Zeit ihren Vorderleib wohl acht bis zehn Fuß hoch in die Höhe streckte, den Kopf mit spähender Langsamkeit umherdrehte und mit der Zunge lebhaft züngelte, als wenn sie mißtrauisch den Ort auskundschaften müsse oder nach Beute spähe.
Jetzt hatte ich genug beobachtet, und in dem Augenblicke, als das Scheusal sich über unsere Brücke daherwälzte, nahm ich schnell meinen Rückzug. Hastig sprang ich die Treppe hinan, wo mein junges Volk in kriegerischer Bereitschaft wie eine Burgbesatzung hinter den Zinnen der Mauern stand, aber nicht eben sonderliche Streitlust und Herzhaftigkeit verriet, bis meine Gegenwart das gesunkene Selbstvertrauen wieder belebte; Fritz reichte mir mein Gewehr; wir nahmen mit pochendem Herzen hinter den schon vergitterten Fensteröffnungen Platz, wo wir hinreichend ins Freie sehen und doch nicht leicht bemerkt werden konnten.
Schon hatte das Untier die Brücke hinter sich und schien von neuem stutzig zu werden, gleich als ob es zum erstenmal mit Verwunderung die Spur einer menschlichen Nachbarschaft wahrnähme; abwechselnd fuhr es fort, sich zu bäumen und wieder in großen Ringeln sich über die Erde fortzuschieben, und, sei es durch Zufall, sei es durch ein gewisses Gefühl von der Unheimlichkeit des Ortes, der Wurm hielt sich ziemlich in der Mitte des Platzes vor unserer Höhle und schien ihn auf etwa hundert Schritte kreuzen zu wollen, als plötzlich Ernst, vielleicht mehr aus geheimer Angst als aus besonderer Jagdlust, seinen Schuß abbrennen ließ; sofort feuerten auch Jack und Fränzchen, und zu meinem Erstaunen drückte selbst die Mutter ihr Gewehr los, die sich bei dieser Gefahr mit dem Mut einer Amazone gerüstet hatte, um tapfer an der Seite der Ihrigen zu kämpfen.
Das vierfache Gepuff indessen fruchtete weiter nichts, als daß das Ungetüm, ein wenig erschrocken, seine Bewegungen auf unbegreifliche Weise beschleunigte. Es schien übrigens unverletzt, und auch die Schüsse von mir und Fritz, die wir dem Untier nachsandten, mußten gefehlt haben oder zu schwach gewesen sein, da sich die Schlange im Nu zwischen dem üppigen Rohrwuchs im Entensumpf links von unserm Wohnplatze verlor.
Ein allgemeines Ah! machte unsern Herzen wieder Luft, und von jedem schien eine Zentnerlast zu fallen; auch die Sprache kam uns allen wieder, und zunächst wollte jeder wohl gezielt, jeder mit vollem Bedachte geschossen haben; dessenungeachtet schien die Schlange durch keinen Schuß verwundet zu sein. Alle waren einstimmig in ihrer Verwunderung über die Scheußlichkeit und Größe des Lindwurmes, der bei einem Durchmesser von einem Fuß in der Mitte wohl dreißig in der Länge haben mochte; über Farbe, Augen und Maul des Tieres walteten die ungleichsten Meinungen, und der Leichtsinn der Jugend verbreitete sich bald in sorglosem, mannigfaltigem Geschwätz über diese Dinge, während ich selbst über unsere Fehlschüsse und die gefährliche Nachbarschaft eines solchen Ungetüms in der bittersten Verlegenheit war; ich hielt daher einstweilen für ratsam, ein allgemeines Verbot auszusprechen, an diesem Abend überhaupt die Wohnung zu verlassen und in den nächsten Tagen irgendwohin zu gehen ohne meine ausdrückliche Erlaubnis.
Drei lange, angstvolle Tage hindurch hielt uns die Furcht vor dem schrecklichen Nachbarn in dem Entensumpfe gleichsam belagert, indem ich streng auf mein Verbot hielt, unsere Felsenburg zu verlassen, und selbst für mich und die Mutter bloß in den dringendsten Obliegenheiten, und auch da nur für die Entfernung von wenigen hundert Schritten, eine Ausnahme machte.
Der Feind gab indessen von seiner Anwesenheit nicht das mindeste Zeichen, und leicht hätte man vermuten können, er habe sich jenseits auf der andern Seite des Entensumpfes durch irgendeine Felsenspalte davongemacht, wenn wir nicht an unsern halbwilden Gänsen und Enten, die sich in jenem Sumpfe angesiedelt hatten, eine stete Unruhe bemerkt hätten. Alle Abende nämlich, wenn sie von ihren Streifzügen im Meere oder an der benachbarten Küste zurückkamen, umschwebten sie lange, in mäßiger Höhe fliegend, ihren alten Wohnplatz in dem Röhricht, bezeugten durch hastigen Flügelschlag und wirres Geschrei eine ganz ungewohnte, ängstliche Unruhe und flogen dann, wiewohl mit anscheinender Zögerung, über die ganze Rettungsbucht hinüber auf die vorliegende Haifischinsel, wo sie nun ihr Nachtquartier hielten.
Meine Verlegenheit stieg von Tag zu Tag. Der im Verborgenen lauernde Feind zwischen dichtem Rohrgebüsch auf unzugänglichem Sumpfboden war mit keinem einzigen unserer Angriffsmittel so sicher zu überwältigen, daß ich für uns und unsere Tiere die Gefahr hätte laufen mögen; auf der andern Seite aber war es auch qualvoll und für alle unsere Geschäfte außerordentlich störend, in steter Bangigkeit, gleichsam abgeschnitten von allen Plätzen und Gegenständen unserer Tätigkeit, nur zu beschränkten häuslichen Verrichtungen verurteilt zu sein.
Aus dieser peinlichen Lage rettete uns endlich, als die Not eben anfing am größten zu werden, unser altes Eselchen, der einfältige Gräuel, und zwar nur durch einen dummen Übermut, der ihn sogar all des Verdienstes beraubte, das sich bekanntlich die einfältigen, aber wachsamen Gänse des Kapitols in der römischen Geschichte erworben haben.
Das wenige vorrätige Heu nämlich, das wir in unserer Höhle seit der Regenzeit noch übrig hatten, war am Abend des dritten Tages von unsern Haustieren aufgezehrt; wir mußten daher auf ihren fernern Unterhalt bedacht sein, wenn sie nicht am Ende auch unsere eigenen Vorräte, zu großem Nachteil unseres Haushalts, verschlingen sollten.
Zu diesem Zwecke entschloß ich mich, das Vieh ins Freie zu schaffen, damit es selbst sich seinen Bedarf aufsuche; um jedoch die lauernde Schlange weder auf uns noch unsere Tiere so leicht aufmerksam zu machen, sollten diese nicht über die Brücke, sondern ganz oben am Quell des Schakalbaches denselben durchwatend überschreiten, weil man von der Seite des Gänsesumpfes diesen Punkt nicht wahrnehmen konnte und also ein Nachfolgen der Schlange dort weniger zu befürchten war. Bald nach dem Frühstück, am vierten Vormittag unserer Belagerung, banden wir daher unser Hausvieh immer eins an den Schwanz oder an den Hinterfuß des andern, und Fritz, der von den Jungen am meisten Mut und Geistesgegenwart besaß, sollte auf seinem Leichtfuß das vorderste Tier mit Bedacht an der Halfter führen, da zu erwarten stand, daß dann die ganze Reihe geduldig nachtraben würde; Fritz aber hatte den Befehl, wenn zufällig dennoch der scheußliche Lindwurm sich aufmachen und sich seinem Zug im mindesten nähern würde, auf dem Wildling tapfer reißaus zu nehmen und allenfalls nach Falkenhorst zu flüchten.
Die übrigen Knaben samt der Mutter wurden wie das erste Mal nach unserm Söller auf die Lauer beordert, wo sie angewiesen waren, durch die Gitter zu schießen und womöglich die Riesenschlange zurückzuschrecken, wenn sie über den offenen Platz von Felsenheim aus ihrem sumpfigen Versteck nach dem Schakalbach kriechen und das Vieh bedrohen sollte.
Ich endlich bestimmte mir meinen Standpunkt an einer vorspringenden Ecke der Fluh, wo ich ungesehen den Überblick auf den Gänsesumpf hatte und wo ich mich bei annähernder Gefahr doch schnell genug zurückziehen konnte, um bei dem allgemeinen Kettenfeuer aus unserer Höhlenwohnung das Beste zu tun, da ich hoffte, daß diesmal unsere Schüsse bessern Erfolg haben würden.
Zu dem Zweck ließ ich die Jungen unser Schießgewehr insgesamt mit Kugeln laden und half dann unser Vieh auf die verabredete Art aneinanderknüpfen. Die schöne dreitägige Ruhe im Stall und das bessere, sehr regelmäßige Futter hatten aber unsern alten Grauschimmel zu ungewohnten Kräften und sogar zu tückischen Launen gebracht, so daß er jetzt mit plötzlichem Mutwillen sich von seiner Halfter losriß und mit ein paar klotzigen Sätzen aus der offenen Pforte sprang, die die Mutter etwas zu früh geöffnet hatte; der dumme Gesell machte hier so wunderliche Sprünge, daß wir laut auflachen mußten. Fritz, der schon auf dem Wildling saß, wollte den Ausreißer zur Ordnung rufen, brachte aber durch den kühnen Satz, mit dem er aus dem Tor jagte, das übrige Vieh in Unruhe; ehe wir uns dessen versahen, hatten sich auch einige Ziegenlämmer munter aus dem Staube gemacht und schossen in lustigen Sprüngen ihrem eselhaften Leithammel nach, der geradewegs nach dem Gänsesumpf hinunterstolperte. Ich packte Fritz, der hinterher wollte, mit festem Griff am Arm. »Hier geblieben!« schrie ich ihn erschrocken an. »Wo denkst du hin?«
