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Kitabı oku: «Der schweizerische Robinson», sayfa 18
Ich rief denn die Hunde zu mir heran und wies sie nach der Gegend hin, woher dieses Geschrei gekommen war, während Fränzchen am Rand des Sumpfes in schußfertiger Stellung lauschte und ich selbst nach auffliegendem Federwild in die Höhe sah, um allenfalls auch einen Schuß gehörig anzubringen.
Jetzt raschelte es durch das Schilf gegen die Landseite des Ufers zu, der Schuß des Knaben ging los, und ich vernahm ein Freudengeschrei: »Es hat ihn, es hat ihn!«
»Was hat es? was?« rief ich dem Kleinen noch aus einiger Ferne zu.
»Eine Wildsau!« rief er.
»Oho!« versetzte ich. »Wenn du nur nicht ein Ferkel von unsern freigelassenen Schweinen erlegt hast, die jetzt überall in der Wildnis herumschweifen.«
Hiermit war ich vollends bis zu dem Knaben vorgeschritten und sah in der Tat ein erlegtes Tier von etwelcher Ähnlichkeit mit einem jungen Schwein, braunrot von Farbe und borstig, vor ihm auf der Erde liegen, bemerkte jedoch gleich, daß es nicht zu unserer europäischen Zucht gehöre, und das genügte mir. Der Knabe aber war über seine Beute außer sich vor Freude.
Bei näherer Untersuchung fand ich das Schwein ungefähr dritthalb Fuß lang, mit Schneidezähnen wie ein Kaninchen versehen, mit gespaltener Oberlippe, ohne Schwanz und mit gefingerten Klauen, die an den Hinterbeinen mit einer Schwimmhaut verwachsen waren, woraus ich schloß, den Kabiai oder die Cavia Capybara vor mir zu haben. Ich konnte somit dem Bübchen gar wohl die Freude lassen, daß er ein Wildschwein geschossen habe, und auf sein wiederholtes Befragen um den Namen des Tieres sagte ich ihm, es sei zwar kein gewöhnliches Wildschwein, aber dafür ein weit selteneres Geschöpf für uns, ein südamerikanisches Wasserschwein, das mit den Meerschweinen, dem Aguti und dem Paka in die nämliche Klasse gehöre. – Es war jedoch Zeit, wieder aufzubrechen; allein Fränzchen versuchte vergebens, sein Wildbret zu tragen; nach einigem Überlegen aber sprang er mit Vergnügen auf und rief: »Jetzt weiß ich‘s. Ich will das Tier ausweiden, so wird es um so leichter; vielleicht bringe ich es dann wenigstens bis zur Waldegghütte.«
»Das kannst du machen«, sagte ich, »denn die Eingeweide würden wir doch nicht essen! Auch verdienen unsere Jagdgehilfen wohl einen Lohn, daß sie dir das Wild vor den Schuß getrieben haben.«
Der Knabe ging sogleich an das Ausweiden des Kabiais und kam hurtiger damit zurecht, als ich es ihm zugetraut hätte. Die zwei Doggen erhielten ihren Anteil, und bald machten wir uns auf den Weg; doch fing der Knabe von neuem an zu seufzen, bis er plötzlich mit dem Gedanken herausrückte: »Ich will mein Wildbret einem Hund aufbinden, der kann es mir wohl tragen!«
»Um so mehr«, sagte ich, »da die beiden ja wirklich zum Tragen abgerichtet sind! Die Mühe des Abrichtens wird nun belohnt durch eine solche Erleichterung, die uns zustatten kommt.«
Sogleich schnallte ich den Sack los, den ich bei Jagdzügen gewöhnlich um den Leib trug; wir packten das Tier hinein und banden ihn dem Braun auf den Rücken, der stolz auf seine Last vor uns hertrabte.
Bald darauf gelangten wir in das Pinienwäldchen, wo wir uns mit den edeln Früchten desselben versahen, und kehrten dann nach Waldegg zurück, ohne von der Gegenwart einer Riesenschlange oder ihrer Brut die mindeste Spur entdeckt zu haben; hingegen stießen wir auf Spuren von dem Affengesindel, und ich mußte mich leider überzeugen, daß die fatalen Näscher und Verderber die Nachbarschaft unserer Kolonie nicht geräumt hatten; nur mochte die Mehrzahl etwas näher gegen Hohentwiel zu gezogen sein.
Ich bemerkte jedoch, daß die Knaben insgesamt von den heutigen Strapazen ermüdet sich nach Ruhe sehnten; wir lagerten uns daher ohne weitern Verzug in der freundlichen Waldegghütte auf unsere Baumwollsäcke und schliefen ruhig bis in die Frühe des Morgens hinein.
Gleich mit der Dämmerung des folgenden Tages setzten wir unsere Reise fort und nahmen den Weg über Zuckertop, unsern gewöhnlichen Aufenthalt in dieser Gegend, zwischen der Zuckerpflanzung und der Klus, wo wir früher eine Feldhütte oder eine Art Laube errichtet hatten und für die Zukunft eine neue Meierei anzulegen gedachten. Noch war das Flechtwerk der Laube ziemlich haltbar, und wir brauchten nur unser Segeltuch darüber hinzuwerfen, um für dieses milde Klima vortrefflich einquartiert zu sein. Da wir aber nicht im Sinne hatten, länger als bis nach dem Mittagessen hier zu verweilen, so durchstreiften wir sogleich die nächsten Umgebungen und besonders das Röhricht von Zuckerrohr, um die Spuren der getöteten Riesenschlange oder ihrer Sippschaft aufzusuchen. Dergleichen zwar fand sich glücklicherweise nun nirgends; desto mehr taten wir uns gütlich mit frischen Zuckerrohren, deren Genuß wir schon eine ziemliche Weile hatten entbehren müssen.
Noch waren wir nicht lange bei dieser angenehmen Beschäftigung, als unsere Hunde plötzlich Laut gaben und ein Lärmen, Geschrei und Rascheln durch das Rohr sich erhob, wie wenn die wilde Jagd oder das sogenannte wütende Heer in das Revier gekommen wäre. Niemand wußte, wo sich hinwenden, und noch weniger in dem dichten Rohrwuchs zu erspähen, was sich so rührig herumbewegte; ich begab mich daher mit den Knaben eiligst ins Freie und stellte mich mit ihnen auf etwa fünfzig Schritte im Umkreise auf. Hier sah ich denn nach wenigen Augenblicken eine ganze Herde kleingewachsener Schweine aus dem Dickicht hervorbrechen und aus allen Kräften das Weite suchen. Ich glaubte zuerst, das Häufchen unserer Freigelassenen vor mir zu haben; die Menge aber, die gleichmäßige graue Farbe und die ganz eigene wunderbare Ordnung, mit der die Ausreißer ihre Flucht durchführten, das alles belehrte mich, es dürften doch wohl hier nicht Schweine von europäischer Zucht vorhanden sein. Gleich gab ich aus meiner Jagdflinte mit doppeltem Rohr den Flüchtlingen die zweifache Ladung, und jeder Schuß erlegte glücklich sein eigenes Wild. Der Fall von zwei Kameraden störte jedoch die übrigen so wenig, daß sie in fast unabsehbarer Reihe kaum einen Schritt neben den Leichen vorbeispazierten, und zwar folgte drollig genug in hartem Trabe gleichsam an der Schnur eines dem andern, und keines schien irgend voreilen, keines zur Seite springen zu wollen.
Fritz und Jack waren in meiner Nähe, und kaum hatte ich mein Gewehr abgestellt, um es neu zu laden, als piff, paff, puff auf ein paar Schüsse wieder einige Schweine zu Boden fielen; aber auch jetzt blieb die Reihe kaum sekundenlang unterbrochen und veränderte die Richtung ihrer Flucht ebensowenig. Es schien mir wahrscheinlich, daß wir auf eine Schar Bisamschweine gestoßen waren, die man auch Tajassu nennt, und ich erinnerte mich, daß man bei Erlegung des Tieres nichts Angelegentlicheres zu tun hat, als ihm den drüsigen Sack auf dem Rücken auszuschneiden, weil sonst die schmierige Feuchtigkeit in demselben ihren widrigen Geschmack dem Fleisch des ganzen Tieres mitteilt.
Ich eilte daher hin, diese Operation an allen erlegten Tieren, so gut es gehen mochte, gleich vorzunehmen, wobei mir Fritz und Jack ebenfalls behilflich waren.
Bald darauf hörten wir aus der Ferne in der Richtung unserer Feldhütte wieder zwei Schüsse fallen, die wir auf Rechnung Ernsts und der Mutter schrieben, die sich aus dem Röhricht dorthin gewandt haben mochten. Unverzüglich sandte ich Jack dahin ab, um ihnen nötigenfalls beistehen zu können und zugleich den Wagen uns herzubringen, damit wir unser Wildbret leichter nach der Hütte schaffen könnten.
Mittlerweile schleppten Fritz und ich acht Bisamschweine, die wir erlegt hatten, auf einen Haufen, den wir schnell mit Zuckerrohren überdeckten, und erwarteten den Wagen; auf demselben erschien Ernst mit der Nachricht, daß der ganze Zug der Flüchtlinge nicht fern von unserm Waldhäuschen vorbeigerannt sei und sich nach dem Bambusdickicht unweit davon geflüchtet habe; doch hatte er mit Hilfe Bills ebenfalls drei Stück erlegt.
Um unsere Last etwas zu erleichtern, wurde beschlossen, die Tiere sogleich auszuweiden, und ich stimmte Ernst bei, der diese Art Schweine für die sogenannten Peccari hielt, die man in Guyana und ganz Amerika findet. Diese Arbeit beschäftigte uns jedoch länger, als ich gedacht hatte, und wir schätzten uns glücklich, Hunger und Durst in der Zwischenzeit mit unsern Zuckerrohren zu stillen; unsere Hunde hingegen hatten eine köstliche Mahlzeit an dem ganzen Rest der Eingeweide, die wir ihnen mit Ausnahme des Darmnetzes vollständig überließen. Leicht wurden nun die ausgeweideten Stücke auf den Wagen gehoben, da keines über einen halben Zentner wiegen mochte; die Jungen hatten sich sowohl als die Beute mit Blumen, Laub und Zweigen geschmückt, und unter Gesang und Jubel wurde endlich abgefahren, indem sich Fränzchen und Jack auf die beiden Zugochsen, Ernst und Fritz auf den Wagen setzten; ich selbst trabte auf meinem Reittier mit den Hunden nebenher, und so trafen wir endlich im Triumph bei der sehnsuchtsvoll harrenden Mutter ein.
Nach einem kurzen, ziemlich soldatischen Mittagessen ging es an die Zubereitung der Schweine. Zuerst wurden die Borsten verbrannt, darauf schnitt ich die Schinken aus und trennte die andern guten Stücke vom Rumpfe ab; das Gerippe samt dem Kopfe ward den Hunden und dem Adler preisgegeben; das Fleisch wurde sorgfältig gewaschen, mit Salz eingerieben und in einen Sack gesteckt, der oberhalb geöffnet war und an einigen Baumzweigen hing; unten wurde ein Kürbisgefäß hingestellt, um das abträufelnde Salzwasser aufzufangen, das von Zeit zu Zeit wieder über das Fleisch geschüttet wurde, bis die Rauchhütte, mit deren Verfertigung Fritz und die zwei Jüngern Knaben beauftragt waren, vollends zustande kam, was jedoch erst am folgenden Tage, und zwar gegen Abend, geschah, weil wir uns zuvor ein Stück von unserm Wildbret hatten braten wollen.
Dann aber wurde die Rauchhütte durch unsere gemeinsamen Anstrengungen vollendet, und sie fiel so geräumig aus, daß wir den ganzen Vorrat unseres Schweinefleisches darin aufhängen konnten. Alsbald wurde auf dem unterhalb zugerichteten Feuerherd ein Feuer angemacht und mit feuchtem Rasen, Gras und frischen Blättern gedämpft, so daß ein mächtiger Rauch die ganze Hütte durchzog, die wir oberhalb bestmöglich gegen den Luftzug verschlossen hatten. Der Rauch wurde sorgfältig so lange unterhalten, bis unser Fleisch ganz dürr und durchräuchert war.
Das Räuchern mußte freilich drei Tage lang fortgesetzt werden und wurde von der Mutter und abwechselnd einem der Knaben besorgt, während ich selbst mit den übrigen die Umgegend durchstreifte. Es fand sich nirgends mehr eine Spur von der Boa, dagegen kehrten wir jedesmal reich mit Beute beladen zurück. So entdeckten wir in dem Bambusröhricht einzelne Rohre von fünfzig bis sechzig Fuß Länge und verhältnismäßiger Dicke, die wir leicht zu Fässern, Kufen, Töpfen und so weiter benutzen konnten, indem wir sie bloß bei den Knoten durchzusägen brauchten; rings um diese starrten lange und kräftige Dornen hervor, die, so stark wie eiserne Nägel, mir ebenfalls willkommen waren.
Bei einem Besuche in Hohentwiel fanden wir leider, wie früher auf Waldegg, vieles von dem Affengesindel zerstört. Schafe und Ziegen hatten auch hier sich in die Nachbarschaft zerstreut; die Hühner waren ganz verwildert, und die Hütte sah so unsauber und zerrissen aus, daß gar nicht daran zu denken war, sie an diesem einen Tage wieder herzustellen, so daß ich diese Arbeit auf einen spätem Zeitpunkt verschob.
Noch ein paar Tage brachten wir mit Anlegung einer Straße sowie mit der Aufbewahrung unseres Wildbrets zu, das uns nun hinlänglich geräuchert schien. Wir nahmen bloß einige Schinken mit, ließen hingegen das übrige in der Rauchhütte hangen, die wir vor Raubvögeln, Raubtieren und Affen bestmöglich zu verwahren suchten, indem wir sie ringsherum sowie oben mit Rasenstücken belegten, so daß das Ganze fast einem Grabhügel glich, den wir noch möglichst mit Disteln und Dornen gegen Plünderung sicherstellten.
Endlich, an einem frühen Morgen, packten wir freudig auf und zogen durch den neugebahnten Weg in dem mächtigen Röhricht hinaus nach unserm wichtigsten Ziele, der Klus.
Siebentes Kapitel
Von Straußen- und Bärenjagd. Ein Strauß wird gefangen und gezähmt.
Nach zweistündigem Marsche langten wir bei dem einstweiligen Ziel unserer Wanderung an und machten am Rand eines kleinen Wäldchens, gleich am Eingange der Klus, mit unserm Zuge halt. Der Ort war ziemlich kühl und geschützt, indem das Wäldchen sich rechts an eine schroffe Felswand lehnte, während links der Auslauf des Flusses bei Eberfurt in die große Bucht uns viel Sicherheit versprach. Wir packten ab und trafen schnell die nötigen Einrichtungen zu einem etwas längern Aufenthalte. Die eigentliche Klus oder der Engpaß zwischen Fluß und Felsen in das uns noch unbekannte Innere des Landes lag ungefähr eine Schußweite von uns.
Am folgenden Morgen war ich zu guter Zeit reisefertig und hatte diesmal die drei ältern Knaben alle zu meiner Begleitung erkoren, weil ich es für ratsam hielt, wie ich lächelnd bemerkte, mit starker Macht ins Feld zu rücken. Die Mutter blieb mit Fränzchen zurück, um Wagen, Gerätschaften, Reisezelt und Vieh zu beaufsichtigen, da diese Dinge auf einer Streiferei zuviel Aufenthalt verursacht haben würden.
Nach einem gewaltigen Frühstück nahmen wir freudigen Streifzügler Abschied und pilgerten, umschwärmt von vierfüßigen Plänklern, nach dem Innern des Landes. Als wir durch die Klus gewandert waren, lag bald das neue Land vor uns.
Links, jenseits des Flusses, den wir einstweilen nur den Ostfluß benannten, dehnte sich ein langer Bergrücken mit schönem Laubholz und mit noch schöneren, darüber hinausragenden Palmen bis an den äußersten Gesichtskreis aus; rechts aber und diesseits zeigten sich schroffe, kahle, fast himmelhohe Felsen, die sich jedoch von dem ungeheuren Raum der Ebene gleichsam zurückzogen, so daß mit jedem Schritte sich auch zur Rechten und vor uns die Fläche in immer wachsender Ausdehnung verbreitete, bis ein dunstiger Hintergrund es ungewiß machte, ob man Wolken oder Berge oder den Himmel selbst am Rande dieses Gefildes erblicke.
Bei Eberfurt wateten wir durch den Bach, dessen Ufer noch lachend aussahen und bergwärts mehrere Gebüsche und Wäldchen von malerischen Formen gewahr werden ließen. Je weiter wir hingegen vorrückten, desto öder und unfruchtbarer erschien die Gegend. Zum Glück hatte jeder von uns bei dem Bache noch seinen Flaschenkürbis mit Wasser angefüllt; denn immer mehr verschwand jede Spur von Feuchtigkeit, das Gras wurde kärglicher, die wenigen größern Pflanzen standen völlig verdorrt, und nur steife Stachelgewächse gefielen sich auf dem glühenden Boden. Doch stand auch hie und da eine saftige Eispflanze mit ihren wässerigen Bläschen in seltsamem Gegensatz zur Dürre der übrigen Umgebung.
Endlich, nach einem äußerst beschwerlichen Marsche von ein paar Stunden, langten wir ganz erschöpft am Ziele dieser Wanderung an und warfen uns in den Schatten eines überhängenden Felsens auf einer nur mäßig erhöhten Stelle nieder, denn Hitze und Müdigkeit ließen uns nicht lange klettern, um einen schönern Standpunkt aufzusuchen. Stillschweigend blickten wir in die weite Ferne. Blaue Berge von gewaltiger Höhe begrenzten den äußersten Horizont in einer Entfernung von fünfzehn bis zwanzig Stunden; der Ostfluß durchströmte schlängelnd das ungeheure Flächengebiet vor uns, das durch grüne, lachende Ufer gegen die nackte, sehr einförmige Fläche vorteilhaft abstach.
Als wir uns hinlänglich zur Fortsetzung des Marsches gestärkt hatten, stand Fritz plötzlich auf, indem er anhaltend seinen Blick in die Ferne richtete, bis er nach einem Weilchen ausrief: »Was in aller Welt sehe ich dort? Es kommt mir vor wie zwei Männer zu Pferd – ein dritter nähert sich ihnen in vollem Galopp – jetzt hat er sie erreicht, und sie stürmen alle drei gegen unsern Standpunkt her. – Sollten das etwa Araber der Wüste sein?«
»Das wohl nicht«, sagte ich; »aber nichtsdestoweniger müssen wir auf unserer Hut sein. Nimm mein Fernrohr und sage uns, was es eigentlich ist.«
»Es sieht aus wie wandelndes Vieh, wie Heuschober, die sich bewegen, wie – nein, man wird ganz irre, es ist zu seltsam.«
Das Fernglas ging von Hand zu Hand, und auch Jack und Ernst glaubten Reiter auf gewaltigen Pferden zu erkennen. Ich nahm es endlich auch und erkannte bald, daß die bedrohlichen Gestalten nichts anderes waren als einige riesige Strauße. »Der Tausend«, rief ich, »das wäre einmal eine Jagd! Wenn es uns doch glückte, einen von den Prachtkerlen zu erwischen! Aber wie! Aber wie! Das ist ein schweres Stück.«
»O ja, Vater!« riefen Fritz und Jack, »ein lebendiger Strauß zum Abrichten wäre herrlich, und hübsche Federbüsche auf unsern Hüten auch nicht zu verachten.«
Unterdessen waren die Strauße näher gekommen, und es war höchste Zeit, über den Jagdplan schlüssig zu werden. Es blieb uns armseligen Fußgängern nur ein Weg offen. Wir mußten versuchen, sie zu überfallen, wenn sie nahe genug sein würden.
Ich bemerkte vier Weibchen und nur ein einziges Männchen, das sich durch seine weißen Federn auszeichnete; auch empfahl ich dieses den Jungen zum vorzüglichsten Augenmerk bei unserm bevorstehenden Jagdversuch. »Die Sache ist recht schwer«, sagte ich, »und ich weiß wahrhaftig nicht, wie wir an diese schnellen Vögel herankommen sollen. Zuletzt wird doch wohl Fritz mit seinem Adler das Beste bei der Sache tun müssen, da selbst ein Pferd in gestrecktem Galopp den Strauß, der auf den Fittichen des Windes dahinsaust, nicht einzuholen vermag.«
Wir verteilten uns zunächst und rückten, soviel als möglich hinter kleinen Erhöhungen des Bodens versteckt, den arglosen und zutraulichen Straußen näher, die uns jedoch plötzlich bemerkten, stutzig wurden und einige Unruhe zu verraten schienen. Wir standen alsbald still und hielten unsere Hunde möglichst hinter uns, worauf die Strauße wieder sicherer wurden und sogar ein paar Schritte gegen uns anrückten, indem sie mit vorgebogenem Halse genau nach dem ungewöhnlichen Gegenstande spähten; zum Unglück entwischten uns aber unsere ungeduldigen Hunde, die nun wie rasend auf das prachtvolle Männchen losstürmten, das mit Kühnheit etwas weiter gegen uns vorgeschritten war.
Wie Flaum, den ein Windstoß ergreift, stoben die Strauße auseinander und schienen kaum den Boden zu berühren. Ihre Flügel, etwas ausgebreitet und völlig erhoben, ließen sich mit schwellenden Segeln vergleichen, die den Wind zur Beschleunigung des Laufes zu benutzen schienen.
Die unbegreifliche Schnelligkeit indessen, mit der die Flüchtlinge dahinschwebten, erlaubte kein langes Zugucken, denn im Augenblick verloren sie sich schon in unbestimmter Ferne fast ganz aus unserm Gesicht. Fritz hatte jedoch nicht weniger schnell seinem Adler die Augen enthüllt und ihn den Straußen nachgeschleudert. Dieser flog mit unbeschreiblicher Eile dem Straußenmännchen vor und stieß so gewaltsam aus der Höhe darauf nieder, daß er ihm den Hals beinahe zerriß und das prächtige Tier sich bald im Staube wälzte. Weit schneller als wir selbst trotz allem Rennen waren die Hunde auf dem Kampfplatz angelangt, und schon fing der Schakal an, den Rumpf des Gefallenen zu zerfleischen, während der Adler an dem Schädel pickte und die Rüden das vergossene Blut aufleckten.
Es war zu spät, das Tier zu retten. Schakal und Adler wurden gewaltsam weggezerrt, und wir bemächtigten uns der schönen Federn des Schweifes sowie der schönsten in den Flügeln, womit wir unsere Hüte schmückten, da sie ebensosehr zur Zierde als zur Kühlung und Schatten dienten und so zugleich am leichtesten nach Hause gebracht werden konnten.
»Nein, es ist doch gar zu schade um den Tod dieses herrlichen Gesellen«, rief Fritz betrübt, »denn gewiß hätte er wohl zwei von meinesgleichen ohne Beschwerde getragen; ich will wetten, daß er nur von den Zehen bis auf den Rücken seine fünf Fuß mißt, und der Hals mag drei betragen.«
Während wir das schöne Tier noch betrauerten, waren Ernst und Jack beiseite geschlichen, indem sie unserm Schakal nachgingen, der gleichsam ihren Führer zu machen schien. Bald aber standen sie unweit eines dürren Busches still und winkten uns mit ihren Hüten, ihnen zu folgen.
»Ein Straußennest! ein Straußennest!« riefen sie jubelnd und warfen ihre Hüte freudig in die Höhe.
Wir waren bald ebenfalls an Ort und Stelle und erblickten hier in einer leichten Vertiefung der Erde, ohne schützendes Flechtwerk, ein Nest mit etwa fünfundzwanzig bis dreißig Eiern, so groß wie Kindsköpfe.
»Das ist ja herrlich!« rief ich entzückt. »Aber berührt mir die Eier ja nicht und bringt sie nicht in Unordnung, damit die Bruthenne nicht davonbleibt! Heimschleppen können wir sie ja nicht; dazu sind sie zu schwer und der Weg ist viel zu weit. Das beste wird sein, wir lassen sie bis morgen unangetastet liegen und holen dann allenfalls eine Anzahl mit unserem Wagen oder, noch besser, als Last auf einem unserer Tiere.«
Damit waren aber die Jungen gar nicht zufrieden, und ich mußte jedem erlauben, ein oder zwei Eier mitzunehmen; aber bald waren sie in großer Verlegenheit, wie sie ihre Bürden weiter tragen sollten, und so sollte ich ihnen dann mit gutem Rat beistehen. Jeder der Knaben mußte sein Schnupftuch hergeben, worauf jedes Ei, wie ein Stein in eine Schleuder, halb schwebend eingehängt wurde, auf welche Art sich denn alle bequem in der Hand tragen ließen. Bald jedoch ward auch dieses zu lästig befunden, und da gerade sich einige Schäfte von starken Heidepflanzen sehen ließen, so riet ich den Knaben, sie abzuschneiden, um daran die angehängten Eier, wie die holländischen Milchmädchen ihre Eimer, zu tragen, was auch bald bewerkstelligt wurde.
Wir trafen bald bei einem kleinen Sumpf ein, wo sich, zufolge deutlicher Spuren, unsere Hunde vorhin erlabt hatten; er schien von einigen verborgenen Quellen unterhalten zu werden und bildete an seinem Ende einen kleinen Bach, der ihm zum Abfluß diente. In der ganzen Umgebung bemerkten wir viel ältere und neuere Fährten von Antilopen, Büffeln, Onagern oder Quaggas; dagegen war wieder keine Spur von Riesenschlangen, dem eigentlichen Gegenstand unseres Streifzuges, zu entdecken. Da uns das Bächlein eine höchst nötige Erfrischung darbot, so lagerten wir uns daran, aßen etwas und füllten unsere Jagdflaschen wieder mit vorrätigem Wasser.
Bald machten wir uns wieder auf die Füße, um unsern Streifzug fortzusetzen, und traten in ein fruchtbares Tal. Es war mit lachendem Grün bedeckt, mit romantischen Wäldchen besät, die uns einen höchst erquickenden Anblick gewährten und ungemein vorteilhaft gegen die dürre, höchst einförmige Aussicht über die Karrugefilde abstachen, die wir bisher so mühselig durchwandert hatten.
Wohlgemut und ohne sonderliche Beschwerde von der Sonnenhitze durchzogen wir das schöne Ländchen, dem wir einmütig den Namen Grüntal zuerkannten. Hin und wieder sahen wir in der Entfernung verschiedene Herden, dem Anscheine nach Büffel und Antilopen, die ruhig weideten; sobald sie aber nur von weitem unserer Hunde ansichtig wurden, die fast immer an hundert Schritte vor uns hertrabten, zerstoben sie wie Spreu im Winde und verloren sich alsbald in den verschiedenen Klüften, die links nach der Savanne oder dem Karrufelde hinausführten.
Unvermerkt jedoch hatte sich das ganze Tal immer links gezogen und öffnete sich jetzt gegen eine Anhöhe zu, die wir nicht ohne Mißbehagen als dieselbe erkannten, an deren jenseitigem Abhange wir vormittags geruht hatten. Obschon wir den ganzen Tag kein Wildbret erlegt hatten, so beschloß ich doch, den Eiern zulieb, nach unserer Hütte zurückzukehren, indem ich die Hoffnung nicht aufgab, vielleicht auf dem Rückweg noch etwas erbeuten zu können. Da ich aber bemerkt hatte, daß unsere Hunde, die stets vor uns hertrabten, alles Wild verscheuchten, so mußte jeder von uns einen an die Leine nehmen, während Bill frei unter dem großen Rittmeister Märten, sonst Meister Knips genannt, neben uns hertrabte, da er seinem Reiter zulieb aller Jagdlust entsagt zu haben schien.
Wir hatten etwa noch eine halbe Stunde bis zu der Schakalhöhle zurückzulegen, wo wir diesmal einkehren und die schattige Wölbung zum Ausruhen genießen wollten. Ernst war mit Falb etwas vorgeschlichen, vermutlich, um die Kühlung der Felsgrotte zuerst genießen zu können; nicht lange indes, so hörten wir von seiner Seite her ein ganz jämmerliches Zetergeschrei, ein heftiges Hundegebell und ein tiefes, unwilliges Brummen. Wir eilten alle herbei, als er ganz totenbleich und ohne Hut uns entgegenrannte: »Ach Gott, Vater! ein Bär, ein Bär! er kommt, er kommt!« Hiermit umschlang mich der Knabe, und ich fühlte, daß er an allen Gliedern zitterte.
»Holla! Da gilt‘s Mut und Entschlossenheit«, rief ich. Mit festem Bedacht, mein Gewehr ganz schußfertig in den Händen, schritt ich zur Unterstützung der Hunde vor, die sich schon insgesamt frei gemacht und den Feind mutig angegriffen hatten. Zu meinem nicht geringen Schrecken sah ich jetzt einen gewaltigen Bären und bald darauf auch schon einen zweiten aus der Höhle gegen uns anrücken.
Fritz nahm diesen alsbald mit männlicher Ruhe aufs Korn und ich den andern. Jack stand halb verzagt, aber doch auch zum Schusse bereit, ein wenig in der Ferne; Ernst hingegen, von dem ich mich losgewunden hatte, floh in der Ratlosigkeit seines Schreckens noch weiter zurück. Jetzt knallten unsere zwei Schüsse, doch leider nicht tödlich; denn weil die Hunde rasch von allen Seiten die zwei Bären bedrängten und mit vieler Gewandtheit den mächtigen Streichen der Tatzen und den furchtbaren Umarmungen unter schnellen Sätzen auswichen, so hatten wir auch unsern Gegenstand nicht in einem ganz günstigen Augenblicke fassen können, da wir befürchten mußten, in dem lebhaften Gewühl einen von unsern wehrhaften Mitkämpfern zu verletzen oder umzubringen. Gleichwohl hatte doch mein Schuß dem einen der Bären den Unterkiefer zerschmettert, so daß mir vor seinen Bissen nicht länger bange war, und Fritz hatte dem andern die eine Vorderpfote an der Schulter dermaßen gelähmt, daß er zum Erdrücken eines Gegners wohl nicht mehr die Kraft gehabt hätte. Bald schienen auch die Hunde ihren Vorteil zu bemerken und drangen mit solcher Lebhaftigkeit, Kühnheit und Sicherheit vor, daß sie aller Orten sich einbissen, wo es ihnen nur gelang, die Feinde anzupacken; das Bärenvolk aber verteidigte wacker seine Haut und kämpfte bald aufrechtstehend, bald sitzend, bald auf allen vieren mit einem fürchterlichen Gebrüll des Schmerzes und der Wut. Ich durfte jedoch nicht ein zweites Mal wagen, aus der Ferne zu feuern; denn die Bewegung der Hunde war allzu groß, und ein Fehlschuß oder eine leichte Verwundung setzte die armen Gehilfen unseres Kampfes nur desto sicherer dem Tod oder den schwersten Verletzungen aus, da die zwei Petze den äußersten Grimm bewiesen. Rasch zog ich daher eine Pistole, trat ein paar Schritte näher zu dem stärkeren Bären hin und schoß ihn vor den Kopf, während Fritz im Augenblicke darauf den andern Feind, der gerade sich aufbäumte, durch einen glücklichen Schuß in das Herz niederstreckte.
»Gottlob!« rief ich aus, als nun beide mit dumpfem Gedröhn niederstürzten, »ein schweres, schweres Stück Arbeit ist vollbracht.«
Noch bissen und zerrten die Hunde an den erlegten zwei Ungeheuern, und damit kein Scheintod uns unvermutet Gefahr bringe, trat ich näher hinzu und versetzte noch jedem einen Stich zum völligen Verbluten. Jetzt erst rief Jack ein jubelndes Viktoria und eilte zurück, um auch Ernst auf das Schlachtfeld zu holen, der immer noch totenblaß vor Schrecken in der Ferne stand und auch jetzt nur zögernd sich zu nähern wagte.
»Aber, Vater!« rief Fritz aufatmend aus, »was das für Kerle sind! Der eine mißt gewiß seine sieben Fuß und der andere nicht viel weniger.«
»Ja«, sagte ich, »Schlangen haben wir zwar nicht angetroffen, aber wir haben nichtsdestoweniger für die Sicherheit unserer Wohnung viel getan, denn diese beiden Ungeheuer hätten uns manche Unruhe bereiten können.«
Jetzt erst brach der Jubel über unser »fürchterliches Jagdglück« bei den Jungen aus. Breitspurig setzten sie sich an die erlegten Gewaltstiere und besahen ihre Wunden, ihre starken Zähne, ihre mächtigen Krallen, bewunderten die Stärke der Schultern und des Nackens, die Kraft der Glieder, die Dichtigkeit und die Schönheit des silbernen Haares. In der Tat waren die sonst dunkel- oder lichtbraunen Haare an den Spitzen weißlich und beinahe glänzend, so daß mir die sogenannten Silberbären in den Sinn kamen, die der Kapitän Clarke und seine Reisegesellschaft auf ihrer Landreise nach der nordwestlichen Küste von Amerika angetroffen hatten.
»Was fangen wir aber an mit dieser ungeheuren Beute?« fragte ich zuletzt die Jungen.
»Ausziehen müssen wir die Burschen«, sagte Fritz; »das wird vortreffliche Pelze geben.«
Da wir aber an die Heimkehr denken mußten, so war es für jetzt nicht möglich, uns bei solchem Geschäfte aufzuhalten. Wir schleiften die Bären in ihre Höhle, bedeckten sie mit Zweigen und schützten sie mit einer Art von leichtem Zaune gegen Schakale und ähnliches Raubgesindel. Auch die Straußeneier ließen wir zurück, um leichter marschieren zu können; sie wurden in den Sand eingegraben und mit einem Zeichen versehen. Mit Sonnenuntergang trafen wir bei der Mutter und Fränzchen wieder ein. Zum Glück war alle Arbeit hier schon getan, und wir waren doppelt froh, daß die Mutter für Reisighaufen zu den Wachtfeuern und für ein hinlängliches Mahl bereits gesorgt hatte.
Nur wenig vor Tagesanbruch wurde ich, nicht ohne Kampf mit der lieben Trägheit, wieder wach und ermunterte mein schlafendes Hausgesinde. Sobald wir dann unser Morgenbrot eingenommen hatten, wurde das Zugvieh gerüstet und der Weg nach der Bärenhöhle angetreten, der wir uns ohne weitern Zufall näherten. Vor der Höhle scheuchten wir eine Anzahl Geier auf, die durch das Aas angezogen worden waren; doch hatte sie unser Zaun genügend abgehalten, so daß sie nur die Zunge eines Bären herauszufressen vermocht hatten. Ein Schuß, den Fritz abfeuerte, schien einen Vogel getroffen zu haben; die Schar entfernte sich schweren Flügelschlages und nahm den Getroffenen mit, so daß er für uns unerreichbar war.
Hierauf ging ich an die Ausweidung der Bären, was mir übrigens viel zu schaffen gab, so daß ich auch noch den folgenden Tag dazu verwenden mußte; endlich aber brachte ich den Pelz von beiden noch glücklich genug herunter. Aus dem Leibe schnitt ich dann die Schenkel zu ordentlichen Schinken heraus, nachdem ich die Füße davon getrennt und zum gegenwärtigen Verbrauch bestimmt hatte, weil ja Bärentatzen, nach dem Urteil der Leckermäuler, ein vortrefflicher Bissen sein sollen. Das übrige Fleisch wurde in langen Streifen abgeschält oder zu einem etwa fingerdicken Riemen geschnitten, wie es die Westindier machen sollen, endlich alles wohl eingesalzen und in den Rauch gehängt; das Fett aber hielt ich sorgfältig zusammen und empfahl es der Mutter zum Ausschmelzen und Verwahren, indem ich ihr bemerkte, daß es in den Nordländern zum Kochen gebraucht und auch wohl wie frische Butter mit Brot gegessen werde.
