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Kitabı oku: «Der schweizerische Robinson», sayfa 7

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»Hier, Vater«, rief Jack mit einer Gans unter dem Arm und krümmte sich vor Vergnügen, »das mußt du doch sagen, solchen Fisch hast du noch nie gesehen.« – »Ja, ja«, sagte ich lachend, »komisch genug nimmt sich die Geschichte aus, aber jetzt seid mir nur behutsam, wenn ihr den übertölpelten Fressern die Fäden wieder aus dem Halse zieht, damit ihr mir die Tiere nicht verletzt.« Sie waren in der Tat auch so sorgfältig, daß keines nur im mindesten Schaden nahm.

Jeder der Gefangenen ward jetzt mit einem Schnupftuch umwunden, daß nur Hals und Kopf hervorragten, und so wurden sie, vier an der Zahl, zwei Enten und zwei Gänse, hinten auf unsere Weidtaschen oder Habersäcke gebunden, wo sie denn zum Fortschaffen gar nicht unbequem waren.

Zuletzt nahmen wir auch Salz, aber weniger, als wir im Sinne gehabt hatten; denn da ein Säcklein, welches wir hatten füllen wollen, unterwegs mit Kartoffeln vollgestopft worden war, so konnten wir bloß die Zwischenräume derselben mit Salz anfüllen. Weil aber auf diese Weise das Säcklein beträchtliches Gewicht erhielt, so wurde dem stämmigen Türk die Last auf seinen kräftigen Rücken gelegt.

So waren wir denn alle reichlich beladen, und ich pfiff und rief zum Aufbruch. Wir sahen jetzt in der Tat ganz drollig aus, da zumal die Enten und Gänse mit ihrem beständigen Geschnatter und Halsverdrehen ein wunderliches Schauspiel gaben. Indes war das Lachen über unsern Aufzug ein Trost gegen den Druck unsrer Bürden, und wir beklagten uns erst zu Hause über sie, als die Ursache schon vorüber war.

Doch ging nun auch bald die Freude doppelt los; denn die Mutter nahm ohne Verzug unsern Kochtopf und stellte das ersehnte Gericht von Kartoffeln sogleich an das Feuer. Ja, sie melkte sofort auch Ziegen und Kuh, damit die Milch unsere Mahlzeit verherrlichen helfe, und die jubelnden Knaben sprangen zärtlich um sie her und leisteten Dienste, soviel sie nur konnten.

Ich setzte indessen das hergebrachte Geflügel in Freiheit und gebrauchte bloß die Vorsicht, daß ich allen die größten und kräftigsten Schwungfedern aus den Flügeln zog, damit sie nicht so leicht entfliehen könnten und sich allmählich an diese neue Gegend gewöhnten.

Endlich fand unter redseligen Lobsprüchen das köstliche Kartoffelmahl statt, nicht ohne herzliche Danksagung gegen den allgütigen Geber; dann schlichen wir müde und schläfrig in unser Baumkastell und genossen der erquickendsten Ruhe bis an den Morgen.

Drittes Kapitel

Das Schiff wird weiter ausgebeutet. Man bäckt Maniokbrot und baut eine Pinasse. Der Vater verfertigt Wurfkugeln. Eine Trapphenne wird gefangen. Ein Wachsbaum und ein Kautschukbaum werden entdeckt.

Ich hatte auf dem Heimwege am Strande unter vielen anderen Dingen auch verschiedene Bughölzer wahrgenommen, die mir ganz besonders tauglich schienen, um daraus eine Schleife zu verfertigen und mit dieser dann das Butterfass und andre notwendige Dinge von Zeltheim nach Falkenhorst zu schaffen. Sogleich hatte ich mir vorgenommen, am folgenden Tage, noch ehe mein Hausvolk erwacht sei, an den Strand zu gehen und das Nötige vorzukehren. Als Gehilfen hatte ich mir Ernst bestimmt, weil seine Trägheit als Gegengift eines frühen Morgenganges am meisten bedurfte, und weil Fritz zur allfälligen Verteidigung der Zurückgelassenen der Tüchtigste schien.

Kaum war ich also bei der ersten Dämmerung erwacht, so ermunterte ich auch den gähnenden Ernst; wir stiegen unbemerkt von dem Baumschlosse hinab und ließen die geliebten Schlummerer sämtlich zurück.

Unser Esel mußte mitwandern, und damit er nicht leer ginge, ließ ich ihn einen starken Baumast ziehen, den ich mitnehmen wollte und gut zu gebrauchen dachte.

Wir kamen bald zu den Bughölzern, die das Ziel unsrer Wanderung waren; ich beschloß, sie auf den Baumast zu legen, den der Esel mir hergeschleift hatte, und der mir einstweilen, da er noch voll kleiner Zweige war, zum Schlitten dienen konnte. Um die Ladung gleich voll zu machen, befreiten wir jetzt noch eine Kiste, die halbübersandet am Ufer lag, und wälzten sie ebenfalls auf den Baumast, worauf wir langsam den Heimweg antraten, und, wo es nötig war, mit ein paar aufgelesenen Stangen wie mit Hebebäumen dem Esel das Fortziehen seiner Last erleichterten.

Schon von ferne hörten wir bei Falkenhorst puffen und knallen, denn die Jagd auf die Tauben, die oben im Baume nisteten, war eben in ihrem besten Beginne. Als man uns aber ankommen sah, hallte Freudengeschrei, und man eilte uns grüßend entgegen. Die Kiste, die wir hergebracht hatten, mußte sogleich geöffnet werden, und ich tat es mit dem Soldatenschlüssel, das heißt mit einer tüchtigen Axt. Es fand sich jedoch nichts von einiger Wichtigkeit darin; denn es schien eine gemeine Matrosenkiste, und sie enthielt bloß Kleidungsstücke und Linnenzeug, das sämtlich von Seewasser ganz durchnäßt war.

Ich mußte mich nun bei der Mutter verantworten, daß ich sie und die drei Knaben ohne Warnung und Abschied des Morgens im Stich gelassen hatte; aber die Vorweisung meiner schönen Bughölzer und die nahe Aussicht auf eine bequeme Schleife und auf das baldige Herschaffen des Butterfasses beschwichtigten jeden Vorwurf schnell, und wir eilten friedlich zum Frühstück.

Nach dessen Vollendung übersah ich die Beute der Knaben an Drosseln und Tauben, wovon richtig zu vier Dutzend beisammenlagen. Indes hatte sowohl Fritz als Jack den ersten Schuß umsonst getan, weil beide vergessen hatten, ihre Flinten statt mit Kugeln mit Schrot zu laden. Dann aber hatten sie bald gefehlt und bald getroffen, aber schon so viel Pulver und Blei verbraucht, daß, als sie jetzt ihre Jägerei von neuem beginnen wollten, die Mutter eilig dazwischentrat und vorstellte, daß man einerseits das Schießzeug nicht so vergeuden sollte und daß andrerseits schon Vögel genug da seien, um heute gerupft und auf die Zukunft eingemacht zu werden.

Ich pflichtete der verständigen Frau vollkommen bei und ermahnte die Jugend, in der Tat mit Pulver und Blei nicht so verschwenderisch zu sein, weil auf diesem Schatze so ganz unsre Verteidigung und großenteils selbst unsre Nahrung beruhe. Wenigstens riet ich zur möglichsten Sparsamkeit, bis uns gelungen wäre, vom Wrack des Schiffes unsre Vorräte beträchtlich zu vermehren. Dafür hieß ich die Jungen sich Schlingen machen und diese droben in den Baumästen aufhängen, um die Drosseln und Tauben künftig mit List zu fangen. Zu den Schlingen aber mahnte ich, die Fäden unsrer neuentdeckten Karatten zu benutzen, die mir zu diesem Gebrauche sehr geeignet schienen, da sie fast steif waren wie Roßhaar.

Mein Rat war nicht in den Wind geredet. Ich mußte sogleich den Knaben Anweisung geben, wie die Schlingen zu machen seien, und als sie es begriffen hatten, erlaubte ich Fränzchen und Jack, sich mit dieser Arbeit zu beschäftigen, während Fritz und Ernst mir in der Verfertigung einer Schleife tüchtig an die Hand gehen sollten.

Indem wir sämtlich an unser Werk gingen, erhob sich unter unserm Hühnervolk ein ganz abscheulicher Lärm. Der Hahn krähte laut auf, und der übrige Troß gackerte und flatterte herum, als wäre der Fuchs darunter. Wir sahen alle hin, und die Mutter stand auf, um nachzusehen, ob etwa eine der Hennen ein Ei gelegt habe. Ernst, der zufällig den Affen im Auge hatte, bemerkte jetzt, daß dieser unverrückt auf die Hühner blickte und plötzlich, als diese vor der Mutter zerstoben, unter eine der Baumwurzeln fuhr. Er lief dem Aufpasser nach und war so glücklich, ihn eben zu erwischen, als er ein frischgelegtes Hühnerei hervorholte und es an den Boden schlug, um sich‘s auf der Stelle schmecken zu lassen. Der Affe war nach dieser Speise sehr lüstern und fuhr bald unter eine andere Wurzel und dann hinaus in das Gras; aber Ernst, der ihm wachsam auf dem Fuße folgte, brachte bald vier Eier daher, die von der Mutter mit herzlichster Freude betrachtet wurden.

Dem Affen trug die Freibeuterei nichts als den Übernahmen Knips ein und die Beraubung seiner Freiheit, sooft es uns schien, daß unsere Hühner gelegt hätten oder doch zu legen geneigt seien. Hatte man dann Zeit, so band man den Gefangenen wieder los und ließ sich von ihm zeigen, wo die Eier verborgen lagen. Die Mutter legte sich denn bald eine Sammlung an und wartete mit Ungeduld, bis unsre Hühner brütig würden, um so schnell als möglich ein junges Völklein zu ziehen, von dessen Benutzung sie schon Herrliches träumte.

Mittlerweile war Jack auf unsern Baum gestiegen und hatte bereits ein paar Schlingen für die gefiederten Feigenfresser in den Ästen aufgehängt. Er kam wieder herab und brachte uns die willkommene Nachricht, daß auch droben unser Hausgeflügel, und zwar unsre Tauben, Anstalten zu Brut und Zucht getroffen habe. Ich verbot nun desto mehr alles Schießen auf dem Baume, damit unsre freundlichen Tiere nicht verwundet oder weggeschreckt würden, und ich ermahnte auch die Jungen, fleißig nach den aufgestellten Schlingen zu sehen, damit sich nicht unsre Tauben selbst darin fingen und sich durch Zappeln erdrosselten. Ja, ich hätte gern die Schlingen wieder aberkannt, wenn ich sie nicht selber zuvor empfohlen hätte und weil ich es für unrätlich hielt, mir so schnell zu widersprechen.

Unterdessen bearbeitete ich meine Bughölzer zu einem Schlitten oder einer Schleife, die ganz einfach war und also schnell zustande kam. Zwei Bughölzer, vorn, in der Mitte und hinten mit einem Querholz verbunden und so gestellt, daß die Krümmung vorn in die Höhe stand, waren das ganze Kunstwerk, und es brauchten nur noch die Zugstricke des Esels an die emporstehenden zwei Spitzen festgemacht zu werden, so war mein Gespann vollendet.

Ich hatte von meiner Arbeit nicht aufgeblickt, bis ich fertig war; und als ich mich jetzt umsah, gewahrte ich, daß die Mutter mit den Knaben inzwischen Vögel gerupft hatte und im Begriff stand, zwei volle Dutzend an die lange spanische Degenklinge eines Schiffsoffiziers wie an einen Bratspieß anzustecken. Der Degen schien mir gut angewendet, aber die Menge der Vögel kam mir vor wie Vergeudung, und ich machte darüber meine Glosse. Allein die Mutter wies mich zurecht, indem sie bemerkte, daß es nicht darum zu tun sei, ein verschwenderisches Gastmahl zu halten, sondern in Erwartung der abzuholenden Buttertonne die Vögel bereit zu machen, um sie dann halbgebraten und mit Butter übergossen nach meiner eigenen Angabe zum Aufbewahren zweckmäßig zuzurichten.

Es ließ sich dagegen nichts einwenden, und ich verabredete sofort den Marsch nach Zeltheim, der gleich nach dem beschleunigten Mittagessen begonnen werden sollte. Die Mutter beschloß, während meiner Abwesenheit mit den Jungen ein Reinigungsfest zu halten und sowohl Kleider als Leiber einer tüchtigen Wäsche zu unterwerfen; ein Gedanke, der mir so beifallswert schien, daß ich mir vornahm, ihn auch an mir und Ernst auszuführen; denn Ernst sollte wieder allein mich begleiten und Fritz zur Verteidigung abermals zu Hause bleiben.

Sobald wir denn gegessen hatten, machten wir uns zum Abmarsche fertig, und nach gehöriger Bewaffnung erhielt jeder an seinen Hirschfängergurt zum Geschenke von Fritz ein schönes vollendetes Besteck, das nebst Gabel, Messer und Löffel auch ein Handbeil zu tragen erfinderisch eingerichtet war und mir in der Tat nützlich schien. – Wir spannten hierauf sowohl den Esel als die Kuh mit ihren Zugstricken an unsre Schleife, nahmen jeder ein Stück Bambusrohr als Geißel zur Hand, kommandierten den Bill zum Mitgehen, den Türk zum Zurückbleiben, nahmen Abschied und trieben unser saumseliges Zugvieh ganz eifrig vor uns her.

Da wir leicht denken konnten, daß unsre Schleife sich besser über den festen Sand am Ufer als durch hohes und dichtes Gras ziehen lassen würde, so schlugen wir den gewöhnlichen Weg am Strande nach der Brücke des Schakalbachs ein und gelangten bald ohne Abenteuer nach Zeltheim, wo wir unser Vieh sogleich ausspannten und weiden ließen, während wir selbst mit Anstrengung nicht nur die Buttertonne, sondern auch ein Pulverfäßchen, die angestochene Kästonne, verschiedenes Werkzeug, Kugeln und Schrot auf unsere Schleife luden.

Dieses Geschäft fesselte uns dermaßen, daß wir spät erst bemerkten, unser Zugvieh habe sich, lüstern nach dem bessern Futter von jenseits, über die Brücke des Schakalbachs fortgeschlichen und sei ganz aus unserm Gesichtskreise verschwunden. Ich trug Ernst auf, es mit Bills Hilfe zu suchen, indes ich selbst auf der andern Seite von Zeltheim einen Ort zum Baden und zur Wäscherei erkundschaften wollte.

Bald hatte ich das Ende der Rettungsbucht erreicht und fand, daß sie sich mit einem Moraste voll der prächtigsten spanischen Rohre schloß und hinter diesem durch eine Reihe unersteiglicher Felsen, die selbst etwas in das Meer hinausliefen, ganz ummauert und zugemacht war. Hier zeigte sich eine Stelle, die mir zum Baden recht eingerichtet schien. Ich rief nun Ernst mit freudiger Stimme zu, und indes ich seiner Ankunft entgegensah, hieb ich mir zur Kurzweil einige Rohre, von deren nützlichem Gebrauch ich schon vorläufig mir einen lebhaften Begriff machte.

Da sich Ernst noch immer nicht blicken ließ, so ging ich endlich in Unruhe zurück, um ihn aufzusuchen, und siehe, da lag der Junge in Lebensgröße gemächlich auf der Schattenseite unseres Zeltes und schlief wie eine Haselmaus, indes sich unser Vieh unbewacht in der Nähe herumtrieb und nach Bequemlichkeit graste.

»Auf, auf, du Faulpelz!« rief ich den Schläfer jetzt an. – »Warum hütest du nicht die Tiere, daß sie nicht über die Brücke schleichen?«

»Oh, sie lassen es wohl bleiben«, erwiderte er gelassen, »ich habe gleich ein paar Laden aufgehoben; da ist nun eine Lücke, und ich denke, die furchtsamen Burschen springen nicht darüber.«

»Nun, das laß ich mir gefallen!« sagte ich. »Deine Trägheit hat dich erfinderisch gemacht. Aber nun solltest du nicht den kostbaren Tag verschlafen, sondern hübsch etwas Nützliches begonnen und zum Beispiel Salz geholt haben. Untätigkeit, solange man Kraft hat und mitten in den Arbeitsstunden, gehört sich nicht. – Aber weil du da müßig gelegen hast, so magst du nun das Versäumte nachholen und in dieses Säckchen Salz auflesen; doch sauber und reinlich, daß man es wenigstens unsern Tieren unbesorgt vorlegen kann. Wird das Säckchen voll, so leere es in den großen Bastsack des Esels, bis auch dieser gefüllt ist. Inzwischen will ich dort hinter dem Felsvorsprung baden.«

Mit diesen Worten ging ich hin, mich auszuziehen, und um den Jungen nicht gar zu lange zu quälen, fuhr ich hurtig zu und kühlte und wusch mich, so schnell es nur möglich war. – Endlich zog ich mich wieder an und ging nach der Salzstelle, um zu sehen, wie weit es der Knabe wohl gebracht habe. Er hatte auch wirklich den Salzsack fast gefüllt; ich schickte ihn nun baden und fuhr selbst in seiner Arbeit fort. Als auch er sich erfrischt hatte, konnten wir endlich aufpacken, anspannen und den Rückweg antreten doch nicht, ehe wir die aufgehobenen Laden unsrer Brücke wieder zurechtgelegt hatten.

Glücklich, wiewohl etwas spät, kamen wir in Falkenhorst an und fanden den gewohnten frohlockenden Empfang. Mit großen Augen beschauten wir aber den seltsamen Aufzug, in welchem das hinterlassene Volk uns entgegenkam. – Der eine war in ein langes weißes Matrosenhemd gehüllt und schleppte gespenstermäßig den Saum auf dem Boden. Der andere steckte in einem Paar Hosen, die gleich unter der Achsel ihren Anfang nahmen und wie zwei Glocken über zwei Schwengeln weit um die magern Beinchen hingen. Dem dritten war eine Jacke umgeknüpft, die bis an die Knöchel reichte und in der er ordentlich wie ein spazierender Mantelsack aussah. Eine unglaublich komische Gesellschaft.

Nachdem ich sie genugsam belacht hatte, fragte ich die Mutter, was die Ursache von diesem Fastnachtspiel sei.

Da hörte ich denn, daß die kleine Mannschaft eben erst aus der Schwemme gekommen sei, und weil die Mutter während des Badens allen die Kleider gewaschen habe, die länger, als sie geglaubt, nicht trocknen wollten, so habe sich das ungeduldige Völkchen über eine Matrosenkiste gemacht und sich jeder nach seinem edlen Geschmacke ausstaffiert. Der lächerliche Anzug war allen so närrisch vorgekommen, daß sie beschlossen hatten, auch dem Vater und Ernst den Spaß ihrer Maskerade freundschaftlich zu gönnen.

Jetzt aber wurde auch von unsrer Seite Rechenschaft gegeben; und so wie wir in unserm Text vorschritten, wurden Fässer, Rohre und Salz, gleichsam als die Bilder dazu, der Reihe nach umständlich vorgewiesen und je nach Gebühr von den Knaben bestaunt, von uns aber gedeutet und erklärt.

Alle waren lustig und freudig, außer Fritz. Dem sah ich an, daß es ihn einigermaßen ärgerte, nicht mitgewesen zu sein. Er schloß sich schmeichelnd und freundlich an mich an und sagte: »Ja, ihr habt doch viel Neues gefunden; aber nicht wahr, das nächste Mal darf ich auch mit, Väterchen, wenn es wieder einen Auszug gibt? Es ist hier um Falkenhorst auch gar nichts zu holen. Wir haben nichts als ein paar Tauben und Drosseln in unsern Schlingen erwischt, und das macht mir Langeweile.«

»Ja, mein alter Junge«, sagte ich, »das Kurzweiligste ist nicht immer das Beste. Doch weil du deinen Übermut tapfer bekämpft hast, so verspreche ich dir, dich auf meiner nächsten Streiferei mitzunehmen, und sollte es schon morgen nach unserm Wracke sein. Du hast aber, indem du hier als Schildwache für Mutter und Brüder zurückgeblieben bist, auch deine Pflicht getan, und das muß dich mit Befriedigung erfüllen.«

Wir beschlossen diesen Tag einerseits mit den gewöhnlichen Verrichtungen, andrerseits mit einer Salzausteilung an unsre Tiere, denen das ein herrliches Fest war. Das Nachtessen wurde kurz abgemacht, weil alles sich nach Ruhe sehnte, der wir denn auch sämtlich uns bald in die Arme warfen.

Am folgenden Morgen gab ich Fritz den Auftrag, alles für die Reise nach dem Wrack in Bereitschaft zu setzen; Ernst und Jack sollten eine Strecke weit uns begleiten.

Ohne Sorge brach ich denn auf, ließ der Mutter zu einigem Schutze den Bill zurück und ermahnte sie, standhaft zu sein und zu vertrauen, daß wir auch diesmal von dem Wracke glücklich und mit mancherlei guten und nützlichen Dingen versehen ans Land zurückkehren würden.

Von Zeltheim aus aber sandte ich Ernst und Jack mit einer Botschaft zur Mutter zurück. Ich hatte nämlich bei dem Abschied von der Mutter doch nicht den Mut gehabt, ihr eine zweitägige Trennung vorauszusagen, weil sie mich oft gebeten hatte, daß ich dergleichen ja nicht ohne den äußersten Notfall tun solle. Indem ich jetzt die zwei Knaben beauftragte, der Mutter zu sagen, daß sie sich gedulden und uns gestatten möge, auf dem Schiffe zu übernachten, hatte ich einerseits nicht den Vorwurf der Heimtückerei zu fürchten, und andrerseits war ich den Einwendungen und Bitten der gar zu ängstlichen Frau doch glücklich entwischt.

Demnach unterrichtete ich die Knaben, was sie der Mutter zu melden hätten, ermahnte sie, derselben hilfreich und gehorsam zu sein, hieß sie, damit ihr Morgengang doch etwas nütze, Salz auflesen und wies sie an, ein Weilchen vor dem Mittagessen nach Hause zu gehen, damit die Mutter nicht in Angst und Sorgen gerate. Ja, ich veranlaßte Fritz zu diesem Zweck, Ernst seine silberne Taschenuhr zu leihen, damit die zwei Jungen sich nicht verspäteten. Die Hoffnung auf eine goldne, die sich vielleicht an Bord des Schiffs finden dürfte, machte ihn bereitwilliger zu dem Opfer, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre.

Schnell kamen wir auf dem gewohnten Wege bei unserm Wrack an.

Sobald wir ausgestiegen waren und unser Schifflein festgemacht hatten, war mein erstes, mich nach tüchtigem Baustoff zu einem Floß umzusehen; denn ich wollte den Einfall Ernsts nun zur Ausführung bringen, weil unser »Katamarang« zum Fortbringen einer ansehnlichen Ladung viel zu wenig Raum und nicht die hinreichende Festigkeit hatte. Bald war eine Anzahl von Wassertonnen gefunden, die mir geeignet schienen. Wir leerten sie, schlugen sie wieder zu, stießen sie in das Wasser, reihten sie dort, etwa zwölf an der Zahl, in ein längliches Viereck und nagelten sie mit Klammern, Stricken und Planken recht tüchtig zusammen. Endlich befestigten wir einen haltbaren Boden von Brettern oben darauf und führten zugleich einen fußhohen Rand rings um die Diele herum, so daß wir ein Fahrzeug herausbrachten, das wenigstens imstande war, bequem dreimal soviel davonzuführen als das Kufenschiff.

Indes hatten wir auch mit dieser Arbeit den ganzen Tag zugebracht und uns kaum ein paar Augenblicke gegönnt, um etwas kalte Küche zu speisen, die wir in unsern Schnappsäcken mitführten; denn wir mochten uns nicht einmal Zeit nehmen, uns auf dem Schiffe nach anderweitigen Eßwaren umzusehen. Des Abends also, da wir uns ganz ermüdet fanden und mit erschöpfter Kraft unmöglich an das Land rudern konnten, faßten wir leicht den Entschluß, auf dem Schiffe zu bleiben, und nachdem wir auf den Fall eines Sturmes hin die notwendigen Maßregeln getroffen hatten, legten wir uns in der Kajüte zur Ruhe, wo wir von den elastischen Matratzen, im Gegensatz zu den unbequemen Hängematten, so süß in Schlaf gewiegt wurden, daß unsre Verabredung, wechselweise zu wachen, um auf Wind und Meer zu lauschen, völlig zuschanden ward.

Vergnügt erhoben wir uns am folgenden Morgen von unserm Lager, und mit rascher Tätigkeit gingen wir nun an die zweckmäßige Beladung unsres kunstreichen Floßes.

Erst plünderten wir unsre eigene Kammer, die wir vormals auf dem Schiffe bewohnt hatten, und von da besuchten wir wieder die Kajüte, wo wir selbst die Schlösser der Türen, die Riegel der Fenster samt ihren Beschlägen nicht verschonten. Ein paar reichhaltige Kisten, die Schiffsoffizieren gehört hatten, waren uns ein willkommener Fund. Aber fast noch angenehmer war uns die Kiste des Schiffszimmermanns und des Büchsenschmieds. Ein Koffer des Kapitäns war ganz mit kurzer Ware gefüllt und enthielt zum Teil auch Kostbarkeiten, die uns fast verblendeten. Da lagen goldne und silberne Uhren, Tabaksdosen, Schnallen, Hemdknöpfe, Halsketten, Ringe, und von solchen Herrlichkeiten ein Überfluß, wahrscheinlich zu Geschenken oder zu einem vorteilhaften Handel bestimmt, den der Kapitän etwa treiben wollte. Selbst eine wohlbeschlagene Geldkiste mit Dublonen und Piastern zeigte sich, und beinahe hätten wir uns einfallen lassen, mit ihrer Plünderung den Anfang zu machen. – Doch bald zogen uns wieder andre Gegenstände mit Übermacht an, als zum Beispiel einfache Bestecke, die uns statt der silbernen des Kapitäns künftig dienen konnten, und weiter ein paar Dutzend junge Bäumchen von allerlei europäischen Obstsorten, die man zum Verpflanzen sorgfältig eingepackt hatte. Ich erkannte Birnen, Äpfel, Pomeranzen, Mandeln, Pfirsiche, Aprikosen, Kastanien, Reben, und was uns nur in der lieben Heimat ehemals erquickt haben mochte. – Hierauf entdeckten wir eine Anzahl Eisenstangen und gewaltige Bleimassen; dann ein paar Schleifsteine, Wagen – und Karrenräder, ein ganzes Schmiedwerkzeug, Hacken und Schaufeln, Pflugscharen, Ketten, Eisen- und Kupferdraht, Säcke voll Mais, voll Erbsen, Hafer und Wicken, selbst eine kleine Handmühle und ähnliches mehr, mit einem Worte, einen fast unerschöpflichen Vorrat von Dingen, die zur Anlegung oder zur Erhaltung einer europäischen Ansiedlung in entfernten Weltgegenden vonnöten sind.

Was sollte ich nun von allen diesen Schätzen mitnehmen, und was zurücklassen? – Den ganzen ungeheuren Plunder vermochten wir unmöglich davonzubringen; und gleichwohl lag uns am Herzen, wegen der zunehmenden Baufälligkeit des Wrackes noch so viel als nur irgend anging zu retten.

»Ei«, sagte Fritz, »lassen wir vor allem das trostlose Geld hier, denn was hilft uns der Quark!«

»Ho, ho!« erwiderte ich, »du redest unhöflich von dem allgemeinen Weltgötzen! Es soll mir lieb sein, wenn du ihn nie mit dem Trosse der Menschen anbeten lernst! – Wir wollen auch den Kasten mit der kurzen Ware noch zurücklassen und für diesmal uns zum Gesetz machen, nur das Allernützlichste zu wählen, wozu ich Pulver, Eisen, Blei, Getreide, die Obstbäume und mancherlei Werkzeug rechne. Von diesen Dingen laß uns soviel als möglich mitnehmen, und wenn dann ein übriges Plätzchen ist, so mag auch etwas Unnötiges aus Gnaden mitgehen. Doch soll dir für deine Person erlaubt sein, aus dem Koffer voll Kostbarkeiten, nach meinem Versprechen, eine goldene Uhr zu nehmen.«

Infolge des aufgestellten Gesetzes befrachteten wir unser Floß aufs zweckmäßigste und ließen als nützlich auch ein neues Fischgarn samt der großen Magnetnadel unsres Schiffes mit ihrem Kästchen für diesmal in die Ladung gehen.

Es ging bis in den Nachmittag, ehe wir mit unsrer Ladung fertig waren, und wir hatten nicht nur das Floß, sondern selbst unser Schifflein mit Gerätschaften voll beladen.

Jetzt endlich, da wir abstoßen wollten, ward das Floß an einer von seinen vier Ecken durch einen festgenagelten Strick mit unserm Kufenschiff in Verbindung gesetzt, und so bugsierten wir es, nicht ohne Besorgnis eines Unfalls, im Schweiße unsres Angesichts langsam gegen die Küste.

Der Wind war so gütig, unsre Arbeit zu erleichtern, und blies lustig in unser Segel, das Meer war still, und wir rückten bald um ein Beträchtliches vorwärts, ohne daß uns das Mindeste begegnet wäre.

Nach einem geringen Vorwurfe der Mutter, daß wir sie abermals mit den Kleinen eine Nacht allein gelassen hatten, ward erzählt, welche Schätze wir noch vorgefunden hatten.

Ich bat die Mutter, mit ein paar von den Jungen unsre Schleife samt dem Zugvieh von Falkenhorst herbeizuschaffen, damit wir wenigstens einen Teil unsrer Ladung sogleich in Sicherheit brächten. Inzwischen, da die Ebbe noch zunahm und unsre Fahrzeuge bald ganz auf dem Grunde und beinahe schon trocken saßen, benutzte ich den Augenblick, um, in Ermanglung eines Ankers, sie sonst nach Möglichkeit festzumachen. Ich wälzte zu dem Zwecke zwei herbeigeführte mächtige Bleiklumpen vermittelst Hebeisen von dem Floße herunter und gegen die Küste; worauf ich denn durch Seile das Floß und das Schifflein mit diesen Massen in Verbindung setzte, daß sie uns nicht mehr leicht entführt werden konnten.

Als die Schleife während dieser Arbeit herbeikam, beluden wir sie tüchtig und nahmen vor allem Matratzen und Baumstämmchen darauf.

Um sie zu Hause wieder abladen zu können, waren wir genötigt, ihr sämtlich das Geleit zu geben; und so marschierten wir denn in fröhlichem Zuge nach Falkenhorst. Unterwegs fragten mich die Kleinen eifrigst, ob sich denn die Geldkiste und der Koffer mit der köstlichen kurzen Ware nicht an Bord unsres Floßes befinde – denn Fritz hatte schon ein Wörtchen davon geplaudert, und nun wollte jeder etwas Schönes daraus geschenkt bekommen.

»Übrigens, denke nur«, erzählte die Mutter unterwegs, »Fränzchen hat etwas Neues gefunden. Er hat mit einem Stöckchen einem Bienenschwarm in einem hohlen Baum nachgestöbert. Natürlich wurden die Bienen unruhig und haben den Jungen erbärmlich zerstochen, und so hat er eine Entdeckung, die uns vielleicht künftighin nützen kann, einstweilen mit Schmerzen bezahlt.«

»Wenn wir zu Hause angelangt sind«, nahm jetzt Ernst das Wort, »so will ich die Wurzeln zeigen, die ich heute gefunden habe; sie sind schon ziemlich welk geworden. Ich weiß nicht, ist es eine Art von Rüben oder von Rettich; die Pflanze sah mehr wie ein Strauch als wie Kraut aus, und ich durfte nicht wagen, von der Wurzel zu kosten, obschon ich sah, daß unser Schwein recht wacker davon fraß.«

»Das hast du gut gemacht, mein Junge«, bemerkte ich. »Denn manches schadet dem Schweine nicht, was dem Menschen mehr oder weniger Gift ist. – Laß aber deine Wurzeln einmal sehen. – Wie bist du dazu gekommen?«

»Ich strich ein bißchen herum«, antwortete er, »und traf unvermutet das Schwein an, das einen kleinen Busch eifrig unterwühlte und begierig etwas verschlang, das es aus dem Boden gescharrt hatte. Da trieb ich es weg und fand dies Bündel großer Wurzeln.«

»Wenn meine Vermutung richtig ist«, bemerkte ich, »so hast du einen herrlichen Fund getan, der uns samt den Kartoffeln, solange wir hier sind, vor Hungersnot auf immer beschützen wird; denn ich glaube, deine Wurzeln könnten wohl Maniok sein, aus dem man in Westindien eine Gattung Brot oder Kuchen macht, die man Kassave nennt. Wenn du dir die Stelle der Pflanze wohl gemerkt hast und wir noch mehrere finden, so wollen wir die Zubereitung zu Brot wenigstens versuchen; ich glaube, daß sie mir so ziemlich gelingen wird.«

Über diesem Gespräche hatten wir unsre Schleife von ihrer Ladung vollständig befreit, und gleich brach ich mit den Knaben auf, um noch vor Einbruch der Nacht eine zweite herbeizuholen. Die Mutter blieb indes mit Fränzchen zurück, um uns ein erquickendes Mahl zu bereiten.

Als wir bei dem Floße wieder angekommen waren, luden wir auf die Schleife, so viel sie nur tragen konnte, zuerst ein paar von unsern Kisten, die wir auf dem Schiffe gehabt hatten, dann vier Wagenräder und die Handmühle, die mir bei der wahrscheinlichen Entdeckung von Maniok jetzt von doppelter Wichtigkeit schien, und zuletzt noch allerlei Kleinigkeiten, was irgend nur Platz fand. All der Reichtum hatte eine ganz fröhliche, ja fast ausgelassene Stimmung erzeugt, und ich benutzte sie, um für diese Nacht noch ein paar Matratzen auf unser Baumschloß zu schaffen, und es gelang mir, vermittelst des Flaschenzugs alle nacheinander in unsre Wohnung hinaufzubringen, wo wir bald einem sanften und erquickenden Schlaf in die Arme sanken.

Fast noch vor Tagesanbruch erhob ich mich, um an den Strand zu eilen und nach unsern zwei Fahrzeugen zu sehen. Die Meinigen erwachten nicht, und gern gönnte ich ihnen den Schlaf, der sich bei Kindern billig länger als bei Erwachsenen ausdehnen darf.

Mit so wenig Geräusch als möglich schlich ich die Leiter hinab und fand drunten schon Leben und Munterkeit. Die beiden Doggen umhüpften mich mit Freudensprüngen und merkten, daß ich ausziehen wolle; der Hahn schlug krähend mit den Flügeln, und ein paar Ziegen meckerten mir freundlich entgegen. Aber der Esel, um den es mir am meisten zu tun war, nickte noch behaglich in Morgenträumen mit seinem gedankenreichen Haupt und schien keine große Lust zu dem Spaziergange zu haben, den ich ihm zugedacht hatte.

Ich rief ihn also wach, spannte ihn vor die Schleife, ließ die Kuh, weil sie noch nicht gemolken war, zurück, kommandierte die Hunde mitzugehen und trabte nun zwischen Furcht und Hoffnung nach dem Ufer zu. – Dort sah ich denn zu meinem Troste sowohl Floß als Tonnenschiff noch glücklich an ihrer Stelle, und obgleich ich bemerkte, daß die Flut sie beide während der Nacht gehoben hatte, so waren doch die Bleimassen und Eisenstangen, an die wir sie vor Anker gelegt hatten, imstande gewesen, sie festzuhalten. Ohne Säumen bestieg ich nun das Floß und suchte mir eine Ladung für den ehrlichen Grauschimmel zusammen, den ich für diesmal doch gnädig behandelte, um desto schneller wieder in Falkenhorst zu sein. Auch jagte ich mich und ihn in Schweiß, um noch vor dem Frühstück bei den Meinigen anzulangen, und war über die Maßen verwundert, als ich an das Baumschloß kam, daß sich noch keine Seele von dem ganzen Hausvolk weder sehen noch hören ließ, obgleich die Sonne schon seit mehr als einer Stunde am Himmel stand.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
520 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
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