Kitabı oku: «Perma- und Wildniskultur»

Yazı tipi:

Sandra und Johann Peham

Perma- und Wildniskultur

Mit einfachen Schritten zum Klimaschutz im eigenen Garten


Leopold Stocker Verlag

Graz – Stuttgart

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ISBN 978-3-7020-1872-6

eISBN 978-3-7020-1984-6

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INHALT

Unser Weg zur Perma-/Wildniskultur

Wer wir sind und was wir zu erzählen haben

Die Natur der Ernährung und wie daraus Lebens-/Wildniskulturerfahrungen entstehen

Der nächste Schritt: die „Essbare Gemeinde“

Einführung in die Perma-/Wildniskultur

Der Versuch, Begriffe zu erklären und auf den Wildniskultur-Punkt zu kommen

Zonenplan der Permakultur

Weitergedacht – die Wildniskultur

Hinterfrage ALLES!

Verantwortung übernehmen und Vertrauen entwickeln

Stärke durch achtsame Konfrontation mit Herausforderungen und „Vertrauen in die Natur der Sache“

Nachhaltiges Gärtnern und Landwirtschaften heißt Kreisläufe installieren oder bewahren

Gießfreie/gießarme und arbeitsextensive Gärten sind das Ziel und möglich!

Gesundes, ökologisches Wachstum ist nur auf wenige natürliche Baustoffe angewiesen

Gestalten und renaturieren im Kleinen wie im Großen. Im Mittelpunkt stehen immer die Natur und ihre Zusammenhänge, der Mensch stellt sich in den Hintergrund

Das Planen eines Kreislaufgartens ist notwendig und sinnvoll

Nicht winterfest, sondern frühlingsfit machen!

Die Natur ist genial: Es lebe die Selbstaussaat!

Mulchen, mulchen, mulchen … das A und O des Naturgärtnerns!

Ein andauernder, flächenhafter Bewuchs ist kahler, blanker Erde immer vorzuziehen

Flächenkompostierung statt kompostieren in Mieten

Klimaschutz durch Humusaufbau im Garten

Die Wichtigkeit des „Großen Ganzen“

Planung und Gestaltung eines Perma-/Wildniskulturgartens mit Planungsskizzen und Erklärungen

Planungsschritte

Die KLIMA-FIT-Grundsätze der Wildniskultur

Die Umsetzung

1. Die Begehung

2. Vermessung (wenn möglich und aufgrund von Hanglagen notwendig)

3. Gesamtplanung: Skizzieren/Planen

4. Erstellen von Materiallisten aufgrund der Gesamtplanung

5. Finanzielle Kalkulation

6. Besprechungen und Einreichungen bei Behörden (falls notwendig)

7. Terminisierung und Feinabstimmung mit allen Beteiligten

8. Praktische Umsetzung

Gestaltungselemente der Perma-/Wildniskultur

Für einen harmonischen Kreislauf des Miteinanders

Das Naturbiotop und die Philosophie des Wassers

Wasserschutz ist Klimaschutz

Wasserretention – Vorbild Natur

Kinder und Wasser

Einfache, natürliche Bepflanzung eines Gartenteiches

Einfriedungen und Zäune naturnah gestalten: Naturhecke, Benjeshecke, Weidenzaun

Die Naturhecke

Die Benjeshecke

Weidenzäune und -tunnel

Weidenzaun – Schritt für Schritt

Terrassierung und Hangbeete

Projekt WIKI Kindergarten

VS Thal bei Graz

Wildniskultur in die Wirtschaft

Indianerbeet, Hügelbeet und Co.

Das Hügelbeet

Hügelbeet – Schritt für Schritt

Das Reaktivieren eines Gartens

Das Indianerbeet

Indianerbeet – Schritt für Schritt

Das Hochbeet

Exkurs: die Spanische Wegschnecke

Der Kräuter- und Gemüsehügel

Kräuter- und Gemüsehügel – Schritt für Schritt

Ökologische Baumscheibenbepflanzung mit Beeteinfassung

Was sind Baumscheiben?

Baumscheiben – Schritt für Schritt

Weidendom/-iglu mit Beeteinfassung und ökologischer Bepflanzung in Mischkultur

Was sind Kopfweiden?

Setzen und Erziehen einer Kopfweide – Schritt für Schritt

Weidenarten

Korb- oder Hanfweide

Die Purpurweide

Die Silberweide

Die Grauweide

Die Mandelweide

Die Filzastweide

Der Weideniglu/Weidendom

Weidendom – Schritt für Schritt

Materialliste für einen Weidendom mit 4 m Durchmesser

Materialliste für einen Weidentunnel mit ungefähr 2,5 m Länge

Wildblumenwiese für Bienen, Schmetterlinge und Co.

Wildniskulturwiese – Schritt für Schritt

Besonders insektenfreundliche Wildblumen (eine kleine Auswahl)

Einfache Rezepte für Selbstgemachtes

Cola aus Eberraute

Eingelegte Gurken, Pfefferoni oder Chilis

Kapuzinerkressepesto

Kräuterraupe mit frischen Kräutern

Löwenzahnhonig – einfach, gesund, köstlich

Löwenzahnsirup

Notfallsalbe aus Spitzwegerich und/oder Breitwegerich

Veilchensalbe – einfach genial

Wachstücher selbst herstellen

Anhang

Initiativen samt Standorten und Kontaktdaten

Links und Buchtipps

Links zum Pflanzen von Naturhecken

Buchempfehlungen

Wildblumenwiese

Über die Autoren

Sandra Peham

Johann „Johnny“ Peham

Auszeichnungen

UNSER WEG ZUR PERMA-/WILDNISKULTUR
WER WIR SIND UND WAS WIR ZU ERZÄHLEN HABEN

Hallo, wir sind die Familie Peham. Ich denke, das sagt schon einmal viel aus, wenn sich jemand nicht mit Vor- und Nachnamen vorstellt, sondern sich selbst als Teil eines Systems sieht.

Jedes unserer Familienmitglieder hat besondere Talente, Macken, Bedürfnisse, Animositäten und natürlich Stärken und Schwächen. Jeder Einzelne ist sowohl als Individuum einzigartig und wichtig als auch als Teil des Ganzen unersetzlich. Auf jeden kommt es an und jeder hat seinen besonderen Platz in der Familie, den es auszufüllen und manchmal auch zu verändern gilt, wenn sich die inneren oder äußeren Umstände wandeln.

So wie sich das System „Familie“ in sich ständig wandelt und so wie sich die einzelnen Individuen mit den anderen austauschen und gegenseitig ergänzen, so empfinden wir auch die Natur, den Garten, die Landwirtschaft … als Kreislauf des Miteinanders. Dies bildet für uns die Grundlage unseres Handelns und Denkens und ist auf alle Lebensfelder übertragbar – also auch auf das Gärtnern und Landwirtschaften in und mit der Natur, genauer in der Permakultur und in weiterer Folge der Wildniskultur.


Unsere Familie: Kilian, Jakob und Lion Felix (vorne v. l. n. r.), Sandra und Johnny (hinten)

Gerne stellen wir uns vor und erzählen dir unsere Geschichten aus unserem Leben, wir berichten von unserer Entwicklung vom Leben eines durchschnittlichen österreichischen Konsumenten hin zum ökologisch bewussteren Denken und Handeln. Denn all unsere Entscheidungen in den letzten 17 Jahren waren geprägt von Veränderungen, Anpassungen und vor allem vom Eröffnen neuer Horizonte der Vielfalt.

Weder meinem Mann Johann Peham, den ich im weiteren Verlauf nur noch Johnny nennen werde, noch mir, Sandra Peham, war vor fast zwei Jahrzehnten klar, welchen Weg wir in Zukunft gehen werden. Ich war glücklich einen liebevollen, naturverbundenen Menschen gefunden zu haben, der mir hilft, meine starren Gedanken aufzuweichen, und bei dem ich einfach ICH sein durfte. Und Johnny war einfach happy. Ich habe selten zuvor einen so angstfreien Menschen getroffen … schon fast einen Lebenskünstler (jedenfalls für mich, die ich ja recht konservativ und steif durch die Welt ging).

Johnny ist auf einem kleinen Nebenerwerbsbauernhof im oberösterreichischen Bezirk Ried im Innkreis aufgewachsen. Er war der Dritte von insgesamt sechs Geschwistern und beschloss mit 18 Jahren ins steirische Leoben zu gehen, um dort zu studieren. Ich bin erst viel später dahintergekommen, dass das Studium an der Montanuniversität nicht der Motivator dafür war … Es waren die Berge und die Aussicht darauf, endlich Freiheit in der wilden Natur zu genießen. Das Studium war nur Beiwerk.

Als wir ein Paar wurden, arbeitete ich gerade als Kindergartenpädagogin in Wien. Recht schnell wurde uns klar, dass wir unsere Leben miteinander verbinden wollen und so zog ich kurzentschlossen in meine Heimatstadt Leoben zurück.

Irgendwie dachte ich, dass mein bisheriges Leben nun, nur unter anderen Bedingungen, so weitergehen würde: Als Pädagogin arbeiten, Geld verdienen, Wohnung einrichten, Urlaube machen, bald mal Kinder haben und natürlich heiraten. So richtig vorprogrammiert. Nun mit Johnny zwar mit mehr Naturerlebnissen und etwas lockerer, aber trotzdem „regelkonform“. Ich weiß eigentlich nicht so recht, ob Johnny das alles auch so sah, vermute aber, dass er mich aus Liebe gewähren ließ. Im Wissen, dass er sich dort, wo es ihm wichtig erscheint, durchsetzen wird.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich: „Was hat das alles mit Permakultur zu tun? Und warum, in Gottes Namen, glaubt sie, dass mich das interessiert?“

Ich kann dich gut verstehen! Doch genau dieser Rückblick auf unsere Ausgangsbasis und auf die Ereignisse, die daraufhin unser Leben verändert und geformt haben, erklärt, warum wir uns so sehr einer nachhaltigen Lebensweise und der „Ökologie des Wachstums“ verschrieben haben!

Im Dezember 2000 heirateten wir und bald darauf sollte sich Nachwuchs einstellen. Für Ende September 2002 kündigte sich unser erstes Kind an. Doch das Leben stellte uns als Eltern und unseren Kilian als Kind vor eine große Herausforderung: Kilian kam, viereinhalb Monate zu früh, im Mai 2002 in Leoben auf die Welt. Obwohl ich Kindergartenpädagogin bin und mich immer mit Kindern und ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung auseinandergesetzt habe, war bis dahin „Frühgeburtlichkeit“ nicht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit.

Kilian wog 630 g und war knapp 30 cm lang. Unser erster Berührungskontakt erfolgte durch ein Loch im Inkubator. Niemand konnte uns sagen, ob und wie Kilian weiterleben würde. Er wurde beatmet und war so winzig! Ich wurde das erste Mal in meinem Leben emotional von dieser Erde geschossen, wusste nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte, und sollte doch jeden Tag bereit sein mich auf Neues einzustellen.

Johnny war der Fels in der Brandung. Beruflich war er unter der Woche viel unterwegs, aber jede freie Minute kümmerte er sich um Kilian und mich. Ab diesem Zeitpunkt entwickelten wir als Paar, als Familie und als Einzelpersonen für uns grundlegende Prinzipien, die sich in den darauffolgenden Jahren festigen und in verschiedenen Lebensbereichen wiederspiegeln würden: die Erfahrungen der WILDNISKULTUR!

DIE NATUR DER ERNÄHRUNG UND WIE DARAUS LEBENS-/WILDNISKULTURERFAHRUNGEN ENTSTEHEN

In dieser angespannten Zeit passierte etwas, dass mich als Mensch verändert hat: Ich war nun für jemanden verantwortlich, der mich zu 100 % brauchte. Der davon abhängig war, dass Menschen für ihn lebenswichtige Entscheidungen fällten. Der davon abhängig war, dass die Entscheidungen, die von Ärzten und Krankenschwestern getroffen worden waren, hinterfragt wurden, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ein möglichst gesundes Leben zu garantieren.

Ich empfinde es noch heute als Segen, dass sich die Krankenschwestern der Frühgeburtenstation so intensiv darum bemüht haben, dass ich, obwohl Kilian noch lange Zeit nicht gestillt werden konnte, gelernt habe mit Milchpumpen umzugehen. Bis dorthin habe ich, ehrlich gesagt, nicht einmal gewusst, dass es so etwas – und vor allem in so vielen Ausführungen – überhaupt gibt. Die Stillberaterinnen auf der Station machten mir klar, wie wichtig es für Kilian sei, dass er sobald als möglich Muttermilch via Sonde bekommt und dass dies der einzige Weg sei ihn optimal zu begleiten. Unser Ziel musste es sein, dass Kilian überlebt, stark wird und möglichst bald selbstständig atmen und in weiterer Folge auch an der Brust trinken konnte. Sie klärten uns über die positiven Inhaltsstoffe der Muttermilch auf und ich wurde zur Expertin für Milchpumpen.

Kilian entwickelte sich dank liebevoller Pflege, intensiven Kuschelkontakten, „Känguruhing“ und Farbtherapie (wir arbeiteten mit bunten Tüchern) wunderbar. Wir trainierten gemeinsam regelmäßig das Saugen und nach einigen Monaten war Kilian ein vollgestilltes, gesundes Baby. Diese intensive Beschäftigung mit dem Stillen und dessen positiven Auswirkungen war mein erster bewusster Kontakt mit dem Thema „natürliche, gesunde Ernährung“ und „Achtsamkeit im Beobachten und Handeln“.

ERFAHRUNG 1:

„Gesundes ökologisches Wachstum ist auf wenige, natürliche Baustoffe angewiesen.“

Jedes Lebewesen braucht sein individuelles Habitat und eine für sich vorbereitete Umgebung … und wenn es diese nicht gibt, dann darf ich sie mir achtsam und wertschätzend herrichten.

Im September 2002, genau zum errechneten Geburtstermin, hatte Kilian stolze 3000 g und war 50 cm groß. Ich weiß noch, dass ich mir damals gedacht habe: „So, jetzt ist das Schlimmste überstanden!“ Dem war aber nicht so!

Mitte September mussten wir mit Kilian ins Krankenhaus, da er nicht mehr aufhörte zu weinen. Im LKH Leoben wurde zuerst ein Durchfallvirus (Rotavirus) festgestellt. Doch der Zustand Kilians wurde immer bedenklicher und nach einigen Stunden hing sein Leben am seidenen Faden. Er wurde ins LKH Graz überstellt, wo uns vom Chirurgen erklärt wurde, dass er unseren Sohn jetzt am Darm operieren würde. Dieser hätte sich um 180 Grad verdreht (Volvulus) und sei durchgebrochen. Sehr einfühlsam bat er uns, uns von Kilian zu verabschieden, da es wahrscheinlich sei, dass wir ihn nicht mehr lebend wiedersehen würden.

Nun erlebten wir den nächsten Quantensprung in unserer Entwicklung, der uns von nun an einen neuen Fokus auf unser Leben geben würde: Wir waren durcheinander, verängstigt und fühlten uns der Situation völlig ausgeliefert … Trotzdem wurde uns klar, dass wir nun Verantwortung für Kilian übernehmen mussten, die in diesem Fall so aussah, dass wir den Chirurgen das Gefühl geben mussten, dass wir ihnen vertrauen, damit sie völlig angstfrei in den OP gehen konnten.


Johnny am Wildniskulturspielplatz in Übelbach

Also sagte ich, ohne lange darüber nachzudenken: „Nehmen Sie unseren Kilian mit und tun Sie bitte für ihn, was Sie können! Aber seien Sie sich sicher, dass wir ihn lebend wiedersehen werden, weil ich das einfach weiß! Haben Sie bitte keine Angst!“ Der Chirurg schaute uns staunend an und versprach, sein Bestes zu geben. Unzählige Stunden des Wartens, Weinens und der Angst, die wir teils im LKH Graz, teils bei unserer lieben Freundin Irmgard verbrachten, lagen vor uns. Ganz von selbst war das nächste wichtige Prinzip unseres Lebens wirksam geworden:

ERFAHRUNG 2:

„Verantwortung für die Situation übernehmen und Vertrauen entwickeln!“

Nach vielen Stunden im OP kam Kilian lebend, aber schwer gezeichnet zurück. Viele Monate auf der Intensivstation der Kinderklinik und viele Komplikationen und Herausforderungen sollten folgen. Johnny las sich in medizinische Abhandlungen über das Verdauungssystem ein und stieß nach einer Weile auf die Inhaltsangabe der zu der Zeit üblichen Sechsfach-Impfung für Babys, die im Mutter-Kind-Pass empfohlen wurde. Nach eingehenden Recherchen kamen wir zum erschreckenden Ergebnis, dass diese Impfung, die von den Ärzten vor der Entlassung Kilians aus der Frühgeburtenstation in Leoben vorgenommen wurde, wesentlichen Einfluss vor allem auf den noch unreifen Darm von Frühchen nehmen und diesen schädigen kann.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass diese Impfung, die kurz vor dem Volvulus injiziert worden war, der Auslöser für die Darmverdrehung war. Richtig verstanden und unsere persönlichen Rückschlüsse für uns und unsere Kinder daraus gezogen haben wir natürlich erst viel später. Denn in dem Moment, wo du um das Leben deines Kindes bangst, hast du keine Kraft dich mit allen Aspekten auseinanderzusetzen. Deine Aufgabe ist es, so haben Johnny und ich das gesehen, voll und ganz den Fokus auf das Leben des Kindes zu richten und alles andere zu bedenken, abzuspeichern und langsam ein großes Ganzes zu formen.

An dem Tag, an dem unser Kilian notoperiert wurde, war es definitiv: Unser Leben würde von nun an anders verlaufen, als wir es uns jemals vorgestellt hatten.

Kilian hat seit damals nur noch ein Drittel seines Darms. Dies inkludiert Dickdarm und Dünndarm. Johnny wurde zum absoluten Darmexperten. Er las jedes Buch zu diesem Thema und unterstützte mich darin, weiter meine Muttermilch abzupumpen, obwohl Kilian diese nicht mehr bekommen durfte. Seine Ernährung beschränkte sich auf minimale Mengen Sondenernährung. Ständig bestand die Möglichkeit, dass er diese nicht verträgt. Der Nahrungsaufbau gestaltete sich als schwierig. An der Brust trinken konnte und durfte er nicht, da er die Muttermilch in ihrer Komplexität womöglich nicht vertragen würde. Wir gingen dazu über, ihn in der abgepumpten Milch zu baden. Mit dieser Art der Pflege legte er sich nie wund und trotz seiner 25 bis 30 Stühle am Tag (durch die kurze Darmpassage geht die Nahrung fast ungefiltert durch den Verdauungsapparat) war sein Po nie wund. Noch etwas anderes konnte dadurch bewirkt werden, allerdings haben wir das dann erst viel später einmal gelesen: Durch das Baden in Muttermilch kam Kilian mit Laktose in Berührung. Obwohl auch dieser Abschnitt des Darmes, in dem Laktose aufgespalten werden kann, fehlt, ist er nun, mit 17 Jahren, nicht laktoseintolerant! Sein Körper wurde durch das tägliche Baden in Muttermilch darauf trainiert, mit Laktose umzugehen.

Auch heute noch versuchen wir tierische Milchprodukte in seiner Ernährung großteils zu vermeiden. Milchprodukte, die der Körper basisch verstoffwechselt, wie Butter oder Sahne in kleinen Mengen werden von Kilian sehr gut vertragen.

Wir erkannten das nächste Prinzip, dem wir in weiterer Zukunft viel Raum geben würden:

ERFAHRUNG 3:

„Stärke durch achtsame Konfrontation mit Herausforderungen und Vertrauen in die Natur der Sache.“

Jeder Organismus ist einzigartig und braucht seine Grundbedingungen, um gesund wachsen zu können. Es ist aber wichtig, nicht immer alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, um Wachstum zu fördern: Überleg dir Alternativen, achte auf Vielfalt. Das gilt für deine Pflanzen im Garten genauso wie für dich und deine Mitmenschen.

Hier ein Beispiel: Jedes Samenkorn hat in sich abgespeichert, wann der beste Zeitpunkt zum Keimen gekommen ist. Säe ich nun mein Beet ein, gieße ich die Samen und warte ich nicht, wie in der Natur vorgegeben, auf den nächsten Regen, dann wird sich mein Same an meine Hege und Pflege gewöhnen, er wird abhängig davon, dass ich ihn bis zum Erwachsenenalter betreue. Anders verhält sich eine Pflanze, die als Samenkorn nicht gegossen, sondern durch Regen zum Wachsen angeregt wird. Sie ist robuster und besser an klimatische Bedingungen angepasst. Siehst du vielleicht einen Zusammenhang zur Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen?

Das Thema „Darmgesundheit“ beherrscht natürlich seit dieser Zeit unser Leben. Wir wurden von der Schulmedizin immer gut begleitet, fanden aber oft eigene, gegebenenfalls erfolgreichere Wege, mit Situationen umzugehen. So konnten wir zum Beispiel durch die Erfahrungen mit Kilians doch sehr angespannter Ernährungssituation Rückschlüsse auf die Aufnahme von Inhaltsstoffen (Vitamine, Mineralstoffe …) von biologischen, konventionellen und „natürlich gewachsenen“ Lebensmitteln durch den Organismus ziehen:

Konventionell produzierte Lebensmittel sind häufig chemisch behandelt und belasten den Körper mehr, als dass sie ihn unterstützen (Kilian reagiert darauf mit starken Durchfällen).

Biologische Lebensmittel werden zwar mit anderen und viel weniger Stoffen behandelt, werden aber oft in Massenproduktion und unter geschützten Bedingungen (beispielsweise im Glashaus) hergestellt; Kilian nimmt die Nährstoffe zwar besser auf, braucht aber große Mengen davon, um seinen Körper grundzuversorgen.

„Natürlich gewachsene Lebensmittel“ eignen sich für seine Ernährung am besten. Sie beinhalten alle Inhaltsstoffe, die die Pflanze im optimalen Fall herstellen kann. Diese besitzen einen hohen Grad an Bioverfügbarkeit, das heißt, unser menschlicher Körper kann sie optimal aufnehmen.

Durch dieses Wissen entstand die nächste Erfahrung:

ERFAHRUNG 4:

„Natürlich gewachsene Pflanzen sind allen anderen für eine gesunde Ernährung vorzuziehen. Sie benötigen eine natürliche Umgebung, die sie fördert und fordert.“

Auf diesen Leitsatz und darauf, wie du deine Pflanzen beim „natürlichen Wachsen“ von Anfang an unterstützen kannst, werden wir im Laufe dieses Buches noch intensiv eingehen.

Als aufmerksamer Leser bzw. aufmerksame Leserin hast du sicher schon bemerkt, dass wir in unser Thema „Basiswissen der Wildniskultur“ schon eingetaucht sind! Ja, so kann es gehen – und so ist es meistens – durch entscheidende Veränderungen in unserem Leben beginnen wir die Welt mit anderen Augen zu sehen. Bis dahin Unwesentliches kann ganz groß werden … und angeblich Großes wird ganz klein.

Unsere gemeinsame Geschichte mit unserem Sohn Kilian führte uns auf unseren „Weg zur Perma-/Wildniskultur“ und nahm mit einer chronischen Krankheit, genannt „Kurzdarmsyndrom“, seinen Anfang. Durch diese Krankheit, die selten ist und auch bei jedem betroffenen Patienten anders verläuft, haben wir als Eltern die Möglichkeit erhalten, uns als Menschen besser kennenzulernen, uns selbst in Frage zu stellen und vor allem: selbst die Verantwortung für unser Tun und Denken zu übernehmen.

Kilian dabei zu helfen, so gesund wie möglich zu sein, nimmt viel Raum in unserem Familienleben ein. Seine Brüder, Lion-Felix und Jakob, wurden 2004 und 2006 geboren. Das Gründen einer für unsere derzeitige Gesellschaft unüblich großen Familie stieß nicht immer auf Verständnis. Wir jedoch waren und sind der Meinung, dass dies das Lebenskonzept ist, dass für uns, Johnny und Sandra, das richtige ist. Wir waren beide der Meinung, dass Kilians Leben voraussichtlich so „anders“ verlaufen würde, dass ein klein wenig Normalität im Familienalltag sich für uns alle sehr positiv auswirken würde. Natürlich hoffen wir, dass das unsere Jungs genauso sehen.


Wildniskultur heißt natürliches Wachstum.

Jedes Kind hat wieder Neues in uns hervorgebracht. Während ich mich nach Lions Geburt hauptsächlich um die zeitlich doch sehr intensive Pflege der beiden Jungs kümmerte, versuchte Johnny, soweit es Kilians Gesundheit zuließ, die Familie finanziell zu versorgen. Parallel machte er eine Ausbildung zum Fitness- und Gesundheitscoach. Seine Abschlussarbeit schrieb er über „Mineralstoffe und Spurenelemente und deren Wirksamkeit“. Durch diesen tieferen Zugang zur Materie wurde klar, dass wir in Zukunft, vor allem um die Versorgung unserer Familie mit allen Inhaltstoffen, die für sie wichtig sind, zu gewährleisten, unsere selbst vorgezogenen und unter natürlichen Bedingungen gewachsenen Früchte und Kräuter anbauen werden. Der Wunsch nach möglichst weitgehender Selbstversorgung war geboren!

Nach der Geburt unseres dritten Kindes zogen wir aus beruflichen Gründen für einige Jahre nach Oberösterreich, nach Bachmanning im Bezirk Wels-Land. Das war auch etwa die Zeit, als wir mit der Permakultur in Berührung kamen. Das erste Buch über Permakultur kaufte ich Johnny zu Weihnachten 2006. Kurz davor hatten wir einen Bericht im Fernsehen über den „Agrarrebellen“ Sepp Holzer, einen Bergbauern aus dem Salzburger Lungau, gesehen und verfolgten die kontroverse Diskussion über ihn und sein Tun. Johnny und mir gefiel Sepps direkte Art und sein kompromissloses Handeln für die Natur. Seine „Holzer’sche Permakultur“ faszinierte uns vor allem wegen ihres Umgangs mit dem Thema „Wasser“ und durch das „Denken und Planen“ über den Tellerrand hinaus.

Da es auch in unserem Umkreis interessante permakulturelle Initiativen gab, hörten wir uns einen Vortrag von Bernhard Gruber, einem Permakultur-Designer aus Wels, an. Am meisten faszinierten mich dort der „Hühnertraktor“ und der Einsatz der Hühner im Garten als Helfer. Beide Männer boten Ausbildungen an und es war klar, dass einer von uns, entweder Johnny oder ich, eine dieser Ausbildungen machen sollte.

Da wir mit unseren drei Kindern, und vor allem durch Kilians immer wieder angespannte Gesundheitssituation, nicht die Möglichkeiten hatten beide Ausbildungen zu machen, mussten wir eine Entscheidung treffen. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch gar nicht klar, dass es in der „Permakultur“ mindestens zwei Strömungen gibt und wie sehr die Auseinandersetzung zwischen den „Anhängern“ dieser Wege uns noch betreffen würde.

Meine Mutter bot uns an, unsere Jungs für drei Tage zu betreuen, sodass Johnny und ich ein Drei-Tages-Seminar mit Sepp Holzer auf seinem „Krameterhof“ machen konnten. Dort fiel bei uns der Groschen, wie man so schön sagt!

Dieser 45 ha große Bergbauernhof in der kältesten Region Österreichs wurde von Sepp über Jahrzehnte terrassiert, in Mischkultur bepflanzt und mit Tieren bewirtschaftet. Wenn du dort auf dem Berg stehst und ringsum den Zustand der Flächen und Wälder im direkten Vergleich zum „Krameterhof“ siehst, fängst du an zu verstehen, worum es sich bei nachhaltiger, ökologischer Bewirtschaftung dreht. Und voilà: Der nächste Leitsatz lag klar auf der Hand und wartete auf Umsetzung:

ERFAHRUNG 5:

„Gestalten und renaturieren im Kleinen wie im Großen zum Wohle von Mensch, Tier und Pflanze! Im Mittelpunkt stehen immer die Natur und ihre Zusammenhänge … der Mensch mit seinen Vorstellungen von Ästhetik und Notwendigkeiten stellt sich in den Hintergrund!“

Hier einige Möglichkeiten der Gestaltung:

Vielfalt der Vegetation = Verringerung der Bodenerosion durch Tief- und Flachwurzler. Bei Sepp standen wir im Dschungel, rundherum bei den Nachbarn herrschte der Borkenkäfer und Stürme konnten durch die Bewirtschaftung in Fichtenmonokulturen großen Schaden anrichten.

Terrassierung von Hängen = Das Wasser bleibt so lange wie möglich auf dem Grundstück – im Gegensatz zur Drainagierung von Hängen unter anderem durch intensiven Forststraßenbau. Durch das Halten des Wassers am Grundstück kann sich die Feuchtigkeit lange halten, die Versorgung der Pflanzen ist gewährleistet.

Anlegen von Wasserretentionsbecken = Durch das Anlegen dieser Becken (Teiche/Biotope) halte ich ebenfalls das Wasser länger auf meinem Grundstück. Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie auf dem Krameterhof das Wasser von oben auf dem Berg bis nach unten in modellierte Becken, die die Natur zum Vorbild haben und natürlich folienfrei sind, geleitet wird. Richtiges Wassermanagement sorgt für gutes Pflanzenwachstum und Diversität.

Direkt nach dem Seminar entschlossen wir uns dazu, dass Johnny den nächsten Ausbildungslehrgang bei Sepp Holzer machen würde. Einfach war es für uns nicht, die Summe für die Ausbildung aufzubringen, aber das Herz und der Bauch sagten mit aller Bestimmtheit JA! Da es weder zeitlich noch finanziell möglich war, dass wir beide die Ausbildung machten, einigten wir uns darauf, dass Johnny diese Chance wahrnimmt und mir so viel wie möglich vom Erfahrenen und Erlernten weitergibt.

Unser größtes Anliegen war es, wie schon erwähnt, uns und unsere Kinder, im Besonderen Kilian, so natürlich wie möglich zu ernähren. Mir war es besonders wichtig dies ohne Druck zu tun. Selbstversorgung bedeutet für uns, alles was uns mit unseren Ressourcen an Zeit, Energie, Kreativität, Wissen, Erfahrung und Finanziellem zur Verfügung steht für uns als Gruppe einzusetzen, um möglichst unabhängig von großen Konzernen zu sein. Recht schnell ließ sich ein weiteres Lebensprinzip für uns daraus ableiten:

ERFAHRUNG 6:

„Selbstversorgung heißt sich an die Gegebenheiten anzupassen und mit anderen (Mensch, Tier, Pflanze, Wasser, Erde) in Beziehung zu treten.“

Die größte Unabhängigkeit und die größte finanzielle Einsparung erreiche ich dann, wenn ich mein Obst, Gemüse, meine Kräuter und gegebenenfalls meine tierischen Produkte selbst vorziehe bzw. herstelle.

In unserem Innenhof in Oberösterreich begann Johnny eine kleine Gartenanlage im Kreislauf mit der Natur zu gestalten. Ich nannte sie liebevoll das „1. Permakultur-Minimundus“ (beschrieben in der 1. Auflage des Buches „Jedem sein Grün“). Auf einer Fläche von ungefähr 50 m2 entstand eine Gartenlandschaft, die die Sandkiste der Kinder gleich inkludierte. Ein Pyramidenbeet für Gemüse, ein Kräuterhügel, ein Mini-Teich für unsere tierischen Helfer, die Laufenten, ein bepflanzter „Jakob-Zaun“ (das war jener Zaun, der vor allem unseren Jüngsten vor den Autos, die in den Hof fuhren, schützen sollte) sowie eine Bepflanzung des Sandkistenrandes und damit die Begrünung der Stadelwand mit Paradeisern (Tomaten) waren Teil des Konzeptes.

Einfach genial, wie alles funktionierte! Von Anfang an wuchsen die Pflanzen in bunter Mischkultur mit Sonnenblumen, Radieschen, Salaten, Karotten, Rüben und Co. Die Laufenten fungierten als Schneckenfresser …

Wir waren begeistert und unsere Kinder halfen beim Ernten und Verarbeiten fleißig mit. Jetzt nach all den Jahren sind die Jungs Teil des „Permakultur-Wildniskultur-Arbeitsteams“ und arbeiten weitgehend selbstständig bei der Vorzucht der Pflanzen, beim Anlegen von Beeten, beim Bewirtschaften eben dieser und auch bei der Verwertung der Früchte.


Unser Pyramidenbeet


Entenküken in der angelegten Lacke, Bachmanning, Oberösterreich


Kräuterhügel im Innenhof, Bachmanning, Oberösterreich

Durch unser „Permakultur-Minimundus“ erfuhren wir Folgendes:

ERFAHRUNG 7:

„Nachhaltiges Gärtnern und Landwirtschaften heißt Kreisläufe zu installieren oder zu bewahren!“

Die Besonderheit der Kreislaufwirtschaft liegt in der Vielfachwirkung der einzelnen Elemente und darin, dass diese Elemente zusammenhängen: Das Wasser steht im Zentrum. Ein Wasserretentionsbecken liefert Feuchtigkeit – sowohl unterirdisch als auch oberirdisch durch morgendliche Taubildung. Dadurch ist für einen ausreichenden Temperaturausgleich gesorgt. Dadurch braucht der Garten, außer in extremen und langen Dürreperioden, nicht gegossen zu werden. Die Pflanzen entwickeln durch das fehlende „Verhätscheltwerden“ tiefe Wurzeln, sie werden stark und unabhängig. Diese Pflanzen wiederum entwickeln einen hohen Grad an Mineralstoffen, Vitaminen, Spurenelementen usw., die wiederum von uns Menschen gut aufgenommen werden (Bioverfügbarkeit). Ihre Samen haben großes genetisches Potential und werden, wenn sie reif sind, geerntet und dienen im nächsten Jahr als Saatgut für den Garten bzw. die Landwirtschaft.

Allein hier in dieser Schilderung habe ich schon wichtige Kreisläufe beschrieben und du siehst: Alles hat einen Mehrfachnutzen!

ERFAHRUNG 8:

„Gießfreie/gießarme und arbeitsextensive Gärten sind das Ziel und möglich!“

ERFAHRUNG 9:

„Das Planen eines Kreislaufgartens ist notwendig und sinnvoll!“

Wenn du die Möglichkeit hast, deinen Garten zu gestalten, empfehlen wir dir eine sorgfältige Planung. Glaube uns, die macht sich bezahlt! Ein gut durchdachtes Wegesystem erleichtert dir zum Beispiel das Arbeiten und Ernten. (Details dazu, wie du einen nachhaltigen Kreislaufgarten planen kannst, erfährst du im Kapitel: „Die Wichtigkeit des großen Ganzen“)

Die Ausbildung zum „Permakulturpraktiker“ inkludierte auch eine längere Reise nach Spanien zu einigen von Sepp Holzer groß angelegten Permakulturlandschaften. Das dort Erlebte und Gesehene beeinflusste Johnny sehr. Er sah unglaubliche Trockenheit und das Sterben der uralten Stein- und Korkeichen. Parallel dazu wurde das „Wunder Permakultur“ durch die Holzer’schen Projekte sichtbar. Durch die Schaffung von großen Seen und Teichen und die Bepflanzung in Mischkulturen konnte er richtiggehend fühlen, wie sich Fauna und Flora langsam erholten. Auch nach Abschluss der Ausbildung begleitete Johnny Sepp Holzer auf Beratungen, oft gemeinsam mit unserer Kollegin Judith Anger. Diese gründete den Verein „PermaVitae“, bei dem wir sofort Mitglieder wurden und bis heute im Vorstand tätig sind.

Nachdem Johnnys Erzählungen so eindringlich waren und wir uns immer tiefer in die Materie eingelesen und eingelebt hatten, war klar: Juhuuu, Johnny hat seine Berufung gefunden! Er IST Permakulturpraktiker und wird sich damit selbstständig machen, um die Zeit zu haben, sich ganz der Materie hinzugeben und möglichst viele Menschen zu erreichen. Denn wir sind überzeugt: Mit dieser Art des natürlichen Kreislaufwirtschaftens können wir unser Klima und damit die Welt retten!

Sein technisches Studium und generell seine Liebe zur Mathematik und den Naturwissenschaften kamen ihm bei seinem Unterfangen sehr gelegen. Er entwickelte über die Jahre ein Gespür für die Landschaft, das mich, wenn ich ihn zu Beratungen begleite, jedes Mal wieder fasziniert. Er wurde zum „Landschaftsleser“! Natürliche Zusammenhänge zu erfassen fällt ihm ganz leicht. Dazu erkennt er auch die Möglichkeiten, karge, kranke, unrentable oder einfach brachliegende Grundstücke zu vielfältigen, lebenden Paradiesen zu gestalten und kann diese Vorstellungen aufgrund seines technischen Verständnisses auch in die Praxis umsetzen. Mittlerweile hielten tonnenweise Bücher über Pflanzen, Holzbauten, Teichbauten, Weidenbauten, Mischkultur usw. in unsere Bibliothek Einzug und wurden von ihm alle gelesen und studiert. Natürlich brauchten wir auch den nötigen Platz, um alles auszuprobieren. Der war in unserem Innenhof nicht mehr gegeben. Daher suchten wir einen neuen Lebensraum, um das Erfahrene nicht nur für Kundinnen und Kunden, sondern auch für uns als Familie anzuwenden.

Es traf sich daher recht gut, dass Johnny und Judith einen Großgrundbesitzer kennenlernten, der in der Steiermark, genauer gesagt in unserem derzeitigen Heimatort Übelbach, ein großes Permakulturprojekt umsetzen wollte. So fuhren wir immer wieder in die Steiermark und nahmen auch die Jungs mit, um einander kennenzulernen und Planungsschritte einzuleiten. Nach einiger Zeit beschlossen wir, bis zur vollkommenen Umsetzung des Projektes ein Haus mit großem Garten in Übelbach zu mieten. Gesagt, getan! Die Jungs liebten ihr neues Zuhause am Waldrand, den Bach, der in direkter Nachbarschaft war, und unsere Nachbarn wurden schon bald zu unseren Freunden. Alles bestens, so sollte man meinen. War es auch, bis auf die Kleinigkeit, dass das Projekt nur sehr, sehr zögerlich in Angriff genommen wurde und wir meinten, dass die Herangehensweise eher für alleinstehende Studenten als für eine Familie mit drei Kindern passte. Bis wir dahinterkamen, dass dieses Projekt in seiner Dynamik nicht zu uns passte, gefiel es uns aber schon so sehr in unserem neuen Zuhause, dass wir nicht mehr wegwollten.


Beseelt von dem Gedanken, die Welt wenigstens ein kleines bisschen zum Positiven zu verändern und den Menschen Permakultur als nachhaltig ökologische Möglichkeit näherzubringen, überlegten wir uns etwas anderes, mit dem man viele Menschen erreichen kann.

DER NÄCHSTE SCHRITT: DIE „ESSBARE GEMEINDE“

2012 kam die Idee der „Essbaren Gemeinde“ auf. „Essbare Städte“, wie zum Beispiel Andernach am Rhein, machten es vor: Öffentliche Flächen werden zu öffentlichen Gärten. Welch eine große Chance für die Umwelt und damit für die Menschen, wenn es in jeder Gemeinde, in jeder Stadt öffentlich zugängliche, für jeden nutzbare und ökologisch wertvolle Gärten gäbe!

Kurzentschlossen schrieb ich dem Bürgermeister von Übelbach ein E-Mail und sendete einen Link über die Stadt Andernach mit. Und wirklich: Unser Bürgermeister, Ing. Markus Windisch, lud uns, obwohl wir uns damals noch nicht persönlich kannten, zu einem Gespräch ein. Er zeigte sich von der nachhaltigen Nutzung gemeindeeigener Flächen begeistert. Im Frühjahr 2013 war es dann so weit: Gemeinsam mit Margarete Strugger, einem Vereinsmitglied von „PermaVitae“ und ebenfalls Permakulturpraktikerin, plante Johnny die Umgestaltung der bisher brachliegenden Parkfläche neben der Volksschule Übelbach zum „Essbaren Spielplatz“ als Teil der „1. Essbaren Gemeinde Österreichs/Übelbach“.

Denn auch auf anderen Grundstücken der Gemeinde wurde vom Obst- und Gartenbauverein Übelbach gegärtnert. Das Besondere war, und ist es noch immer, dass es zur „Essbaren Gemeinde Übelbach“ einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss aller Gemeindevertreter gibt, der besagt, dass auf freien Übelbacher Flächen, nach Absprache mit der Gemeinde Übelbach, gegärtnert werden darf.

Damit dies alles geschehen konnte und die Bevölkerung sowie auch die Medien über dieses großartige Unterfangen informiert wurden, bedurfte es vieler Stunden Arbeit am Computer, Telefon und bei der Umgestaltung und Bewirtschaftung des entstandenen „Essbaren Spielplatzes“. Johnny und mir war es wichtig, möglichst vielen Menschen von der Notwendigkeit zu berichten, mit unseren Ressourcen achtsamer umzugehen. Es ist für unser Klima und für unser aller Zukunft unglaublich wichtig, dass wir die Natur und ihre Vorgänge ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken und unser ästhetisches Auge wieder neu ausrichten!

Nicht akribisch geschnittener Rasen, Vorgärten mit Steinpflasterung, kilometerlange Hecken aus Thujen, Miniaturhochbeete mit Plastikfolie und unkrautfreie Nutzgärten sind unsere Zukunft, sondern Oasen der Vielfalt! Orte, wo der Mensch sich zurücknimmt, der Natur ihren Platz zurückgibt und wieder lernt, mit ihr zu kommunizieren. Solch einen Ort wollten wir mit dem „Essbaren Spielplatz“ schaffen und zum großen Teil ist dies trotz immer wieder aufkeimender Proteste von Teilen der Bevölkerung auch gelungen.

Jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum Proteste? Wer kann denn da etwas dagegen haben?“ Ja, das fragten wir uns auch. Faktum ist, dass selbst Menschen, die selbst gerne gärtnern und sich auch als Naturgärtner verstehen, spätestens im Herbst mit einer wirklich nachhaltigen Art und Weise der Bewirtschaftung Probleme haben. Aus einem Grund: Es schaut für sie nicht schön aus! Die Pflanzen dürfen in der Perma- und Wildniskultur nämlich stehen bleiben. Egal ob geerntet oder nicht, ob Sonnenblume, ausgewachsene Radieschen oder Salate – alles darf und soll so bleiben, wie es ist. Und das aus einem einfachen Grund:

ERFAHRUNG 10:

„Nicht winterfest, sondern frühlingsfit machen!“

Auf die Frage der Menschen bei Führungen, Workshops und Seminaren, warum denn all die Pflanzen nicht weggeräumt werden sollen, gibt Johnny gerne diese Antwort: „Stell dir vor, du wärst ein kleines Insekt und suchst zum Beispiel in einem vertrockneten Sonnenblumenstängel Unterschlupf und bereitest dich auf den Winter vor. Wie würdest du dich fühlen, wenn dir plötzlich dein Haus weggenommen wird? Wo solltest du hin?“ Macht Sinn, oder? Überall in den Gärten schießen Insektenhotels aus dem Boden, oft ohne dass darüber nachgedacht wird, ob denn die Insekten dort, wo das „Hotel“ steht, auch Nahrung haben. Die einfachste Lösung wäre also, den Insekten das ganze Jahr über Wohnmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, indem wir sie ihnen, in der wichtigsten Zeit, gleich gar nicht wegnehmen!

Mittlerweile sind wir stolz darauf, dass wir mit unserem Tun vielleicht auch ein wenig zum Umdenken anregen und angeregt haben. Immer wieder kommen Menschen in unsere Gemeinde, um diesen essbaren Platz zu sehen und sich Impulse für ihre Gärten und Gemeinden mitzunehmen. Viele andere Gemeinden aus Österreich und dem Ausland ließen sich schon inspirieren und gerne sind wir beim Aufbau dieser „Essbaren Gemeinden der Vielfalt“ mit unserer Erfahrung behilflich. Wenn dich das Thema „Essbare, bunte Gemeinden“ interessiert, dann findest du viele interessante Beiträge im Internet. Unter anderem auch über die „1. Essbare Gemeinde Österreichs/Übelbach“.

Johnny und ich verwendeten für die Art und Weise des Gestaltens und Bewirtschaftens den Begriff „Permakultur“. Wir hatten das Gefühl, dass mit diesem Ausdruck schon viele Menschen etwas anfangen konnten. Allerdings kamen wir im Laufe der Jahre, gemeinsam mit unserer Kollegin Judith Anger, dahinter, dass mit diesem Begriff oft recht salopp um sich geworfen wird und dass das, was wir damit meinen, oft gar nicht das ist, was andere darunter verstehen. Für uns bedeutet Permakultur nämlich die Ganzheit und das Denken in großen Dimensionen. Also wurde eines Tages bei einem Gespräch in unserer Küche der neue Begriff für unser Tun bestimmt: die Wildniskultur. Dieser setzt sich zusammen aus WILDNIS = Vielfalt und Fülle wie im Dschungel und KULTUR = Kulturpflanzen, die ich als Mensch gerne säen und ernten möchte.

Um das zu gewährleisten und gleichzeitig die Vielfalt und Fülle bestehen zu lassen, braucht es einige Überlegungen. Und jetzt sind wir endlich so richtig mittendrin in unserem Thema!

Nur noch eine kleine Information, bevor wir anfangen: Seit Februar 2019 wohnen Johnny, die Kids und ich auf einem kleinen Bauernhof auf 900 m Seehöhe in Übelbach/Neuhof. Wir haben den „Flaschbacherhof“ langfristig gepachtet und sind dabei, ihn für uns optimal umzugestalten. Das wird ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, aber sogar jetzt nach dem ersten Jahr gibt es schon einiges zu sehen. Das eine oder andere wirst du in diesem Buch entdecken.


Sandra und Johnny Peham

EINFÜHRUNG IN DIE PERMA-/WILDNISKULTUR
DER VERSUCH, BEGRIFFE ZU ERKLÄREN UND AUF DEN WILDNISKULTUR-PUNKT ZU KOMMEN

Ich finde es immer schwer Begriffe zu erklären. Man benötigt dazu so viele Wörter, die man sich ja mit dem eigentlichen Begriff aus guten Gründen erspart hat! Aber trotzdem starte ich einen Versuch und hoffe, dich nicht damit zu langweilen.

Wo fange ich an? Vielleicht klären wir mal den Begriff „Permakultur“. Ich denke, dass die meisten, die zu diesem Buch gegriffen haben, schon mal mit Permakultur zu tun hatten. Vielleicht hast du vor, einen Permakulturkurs zu machen oder hast schon einen absolviert … dann versuche ich, dich nicht zu langweilen, denn vielleicht kennst du dich ja auch besser aus als ich.


In der Perma-/Wildniskultur gibt es kaum nackte Böden.

Mein erster Zugang zum Begriff ist ein eher peinlicher … ich hatte nämlich überhaupt keine Ahnung, was dieses Wort bedeutet, und war relativ lange davon überzeugt, dass „Permakultur“ etwas mit „Permafrost“ zu tun hat. Also dachte ich mir, dass es wohl mit dem Schützen des Bodens vor Frost zu tun haben müsste. Aber warum sollte man das tun? Das entzog sich meiner Kenntnis. Erst als Johnny begann, sich intensiv mit der Sache auseinanderzusetzen, begann ich langsam (für Johnny oft zu langsam) zu verstehen. Und seit ich es halbwegs verstanden habe, bin ich begeistert.

DEFINITION! Permakultur

Permakultur setzt sich aus den Worten „perma“ (also ständig) und „(agri) culture“ (also Landwirtschaft) zusammen. Das bedeutet, dass das Land, der Garten oder das Grundstück dauerhaft bewachsen ist.

In der Permakultur ist der Boden immer bewachsen oder mit Mulch bedeckt. Fruchtfolgewirtschaft und Mischkultur spielen eine große Rolle. Geprägt wurde der Begriff vom Australier Bill Mollison und seinem Schüler David Holmgren. Ende der 70er Jahre gründeten sie das erste Permakultur-Institut. Von der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ausgehend entwickelte sich eine immer übergreifendere „Philosophie des Kreislaufes“. So würde ich es heute nennen. Nachhaltige Lebensweisen in Bildung, Bauwesen, Energieversorgung, Wirtschaft, Machtstrukturen usw. und ein gemeinsames Bemühen zum Wohle für sich und andere und das in größtmöglicher Freiheit des Einzelnen – das ist meine Definition von Permakultur.

In weiterer Folge wurde auf den entstandenen Permakulturprinzipien eine Lehre aufgebaut, die in einem gut durchdachten Schulungsprinzip, eine Art Bausatzsystem, auf der ganzen Welt Anklang findet. Diese Prinzipien sind interessant und decken sich in vielerlei Hinsichten mit den Erfahrungen in der Wildniskultur:

Prinzip 1: Beobachte und interagiere.

Prinzip 2: Sammle und speichere Energie.

Prinzip 3: Erwirtschafte einen Ertrag.

Prinzip 4: Wende Selbstregulierung an und lerne aus dem Feedback.

Prinzip 5: Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen.

Prinzip 6: Produziere keinen Abfall.

Prinzip 7: Gestalte zuerst Muster und dann Details.

Prinzip 8: Integrieren statt ausgrenzen.

Prinzip 9: Nutze kleine und langsame Lösungen.

Prinzip 10: Nutze und schätze die Vielfalt.

Prinzip 11: Nutze Randzonen und schätze das Marginale (das Belanglose, Nebensächliche, scheinbar Unbedeutende).

Prinzip 12: Nutze und reagiere kreativ auf Veränderung.

Da wir uns in diesem Buch vor allem mit dem Thema „nachhaltiges Gärtnern“ beschäftigen, möchten wir dir die Permakulturzonen, die zum Prinzip 7 „Gestalte zuerst Muster und dann Details“ gehören, näher vorstellen.

Wenn du mehr über die klassische Permakultur erfahren möchtest, kannst du vieles im Buch „Handbuch der Permakulturgestaltung“ von Bill Mollison nachlesen.

ZONENPLAN DER PERMAKULTUR

INFO! Die Permakulturzonen

Zone 0: Wohnzone/Kernbereich

Zone I: Befindet sich in unmittelbarer Nähe des Wohnbereiches und wird intensiv genutzt. Anbau täglich genutzter Pflanzen wie Kräuter; Feingemüse wie Paradeiser (Tomaten), Paprika, Kürbisgemüse, Bohnen und Ähnliches.

Zone II: Befindet sich in mittelbarer Nähe des Wohnbereiches und wird als Gemüsegarten mit weniger intensiver Pflege genutzt. Hier werden verschiedene Salate, Wurzelgemüse und Kohlgemüse angebaut.

Zone III: Befindet sich im weiteren Umkreis des Wohnbereiches und wird als landwirtschaftliche Ertragsfläche extensiv genutzt. Anbau von Erdäpfeln (Kartoffeln), Getreide, Mais, Topinambur und ähnlichen Gemüsen.

Zone IV: Diese Zone liegt vom Wohnbereich schon weiter entfernt und wird sehr extensiv mit wenig Aufwand genutzt. Hier finden sich (Streuobst-)Wiesen, Obstbäume, Nussbäume.

Zone V: Diese Zone ist am weitesten vom Wohnbereich entfernt. Hier sollte der Mensch nur wenig bis gar nicht in die Entwicklung eingreifen. Diese Zone macht ungefähr 20 % des Gartens bzw. der Landwirtschaft aus. Hier wachsen Benjeshecke, Wildobsthecke oder Blumenwiesen, es finden sich Laubhaufen und Ähnliches.

Ich denke, Bill Mollison und David Holmgren haben ihr Leben lang versucht, den Menschen möglichst viele Werkzeuge in die Hand zu geben, damit diese mit und in ihrer Umwelt bewusster agieren. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, haben Johnny und ich ja auch das Bedürfnis, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Um weltweit eine Bewegung loszutreten und zu vergrößern, braucht es wahrscheinlich viele Regeln und Direktiven. Die im Ursprung als solche so strikt gar nicht gemeint waren, wie es zum Beispiel auch beim Zonenplan ist: Er ist in sich vollkommen logisch und auch nachvollziehbar. Allerdings haben wir bemerkt, dass die Menschen oft anfangen, weniger selbstständig nachzudenken, wenn sie strikte Vorgaben haben und sich strikt an Anweisungen halten.

Wir haben viele Zonengärten gesehen, deren Plan ganz offensichtlich war, wo sich ein Gestaltungselement an das andere gereiht hat … strikt nach Zonenplan geplant und umgesetzt. Diese Gärten waren oft geometrisch angeordnet und arbeitsintensiv, denn diese Formen müssen so erhalten werden, dass sie gut sichtbar sind. Und da es in der Natur der Pflanzen liegt zu wachsen und größer zu werden, müssen sie dann zurückgeschnitten und in Muster hineingezwängt werden (Kräuterspiralen, Mandalagärten, Schlüssellochgärten etc.).

Die Philosophie der Permakultur in ihrer Logik und Harmonie lässt sich überall im Leben wiederfinden. Sie ist ein Grundprinzip allen Lebens und verändert unser Selbstbild und das Bild, dass wir von uns als Gesellschaft haben, zum Positiven.

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