Kitabı oku: «Das Gesetz des Ausgleichs», sayfa 5

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TEIL 2
GUT SEIN LOHNT SICH

Wenn wir diesen Planeten als das wahrnehmen, was er sein sollte, ein Trainingsplanet des Charakters, dann verfügen wir jetzt über einige einfache Mittel, um dem zu entsprechen. Wir können den ersten Impulsen widerstehen und unsere Entscheidungen glymphatisch treffen. Wir können unsere Gedanken entgiften, indem wir uns einer Vertrauensperson mitteilen. Wir können uns in der Kunst des Kompromisses und in der des Nachgebens üben, auch wenn es manchmal noch so schwer zu sein scheint. Und wir können uns in die Natur begeben, regelmäßig und absichtsvoll, weil wir uns dabei auf gute Art kleiner fühlen und weil sie uns dabei verbindet mit etwas größerem Ganzen.

Wir brauchen für all das zum einen Selbstreflexion. Wir müssen »Maß an uns selbst« nehmen, unsere guten aber auch unsere schlechten Seiten mit offenen Augen wahrnehmen, um die Menschen werden zu können, von denen wir vielleicht glauben, sie bereits zu sein. In der Aufklärung bediente man sich dabei der Symbole des Zirkels und des Winkelmaßes. Das Winkelmaß steht auch dafür, ein aufrechtes Leben zu führen, für Werte wie Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, für Regeln und Ordnung. Der Zirkel steht für den Kreislauf des Lebens, aber auch für die Unendlichkeit und die Unsterblichkeit der Gemeinschaft und für den inneren Kreis, den inneren persönlichen Freiraum des Menschen, sich zu entwickeln.

So einfach, wie es sich in ein Buch schreiben lässt, ist es natürlich nicht. Impulskontrolle zum Beispiel lässt sich lernen, aber es ist etwa so, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Selbstbeobachtung spielt dabei eine Rolle: In welchen Situationen verliere ich die Kontrolle? Was kündigt den Verlust meiner Selbstkontrolle an? Ein heißer Kopf? Zitternde Hände? Dabei helfen neben dem Aufenthalt in der Natur auch Sport, Entspannungsübungen wie Meditation und Yoga oder Autogenes Training.

Neben der Selbstreflexion bedarf es dabei unseres Willens. Ganz im Sinne von William Shakespeares Othello, wo es heißt: Unser Körper ist unser Garten, der Gärtner ist unser Wille.38

Hier das ganze Shakespeare-Zitat, weil dem hinsichtlich unserer eigenen Verantwortlichkeit dafür, ob wir gute oder schlechte Menschen sind, zumindest auf poetischer Ebene wenig hinzuzufügen ist:

… In uns selber liegts, ob wir so sind oder anders.

Unser Körper ist ein Garten und unser Wille der Gärtner,

so dass, ob wir Nesseln drin pflanzen wollen oder Salat bauen,

Ysop aufziehn oder Thymian ausjäten,

ihn dürftig mit einerlei Kraut besetzen

oder mit mancherlei Gewächs aussaugen,

ihn müßig verwildern lassen oder fleißig in Zucht halten

– ei, das Vermögen dazu und die bessernde Macht

liegt durchaus in unserm freien Willen.

Hätte der Waagbalken unsres Lebens

nicht eine Schale von Vernunft,

um eine andre von Sinnlichkeit aufzuwiegen,

so würde unser Blut und die Bösartigkeit unsrer Triebe

uns zu den ausschweifendsten Verkehrtheiten führen;

aber wir haben die Vernunft, um die tobenden Leidenschaften,

die fleischlichen Triebe,

die zügellosen Lüste zu kühlen …

Wir könnten es kürzer auch mit Friedrich Schiller sagen, dem Arzt, Philosophen und Dichter: Es ist der Geist, der sich den Körper baut. Vorausgesetzt, wir ermöglichen es ihm, indem wir den nötigen Willen aufbringen.

Wir brauchen auch Motivation für unser Charakter-Trainingsprogramm. Sie kann nur dem Glauben entspringen, nicht ausschließlich dem Glauben an Gott oder an ein anderes höheres Wesen, sondern dem Glauben daran, dass es uns in dem von Laurie Santos in ihren Online-Kursen präsentierten Sinn tatsächlich etwas bringt, wenn wir gute Menschen sind.

Es liegt im Geist unserer Zeit, dass wir nicht mehr gerne Dinge glauben, wir wollen sie bewiesen haben. Genau da springen zum Glück die modernen Naturwissenschaften ein, die aus verschiedenen Disziplinen Erkenntnisse dazu liefern, wie gut zu sein mit einem guten Leben zusammenhängt, und umgekehrt. Darum wird es in diesem zweiten Teil dieses Buches gehen.

GUTSEIN STÄRKT DAS IMMUNSYSTEM

Es gibt einen medizinisch längst erforschten Zusammenhang zwischen der Psyche und der körperlichen Gesundheit. Innerlich ausgeglichene, psychisch stabile Menschen haben ein geringeres Risiko, körperlich zu erkranken. Angesichts der ausgleichenden und stabilisierenden Wirkung altruistischen und empathischen Verhaltens könnte man verkürzt sagen: Gute Menschen sind besser vor Virenattacken geschützt.

In Bayern arbeitet ein Tierarzt, der mit seiner Familie allem Anschein nach ein gutes Leben hat. Seine Praxis liegt am Land, in einer schönen grünen Region, er hat einigen Wohlstand erworben und sein Beruf wirkt auf den ersten Blick sinnerfüllend. Trotzdem ist der Mann unleidlich, und zwar in bemerkenswertem Ausmaß.

Es scheint ihn eher zu ärgern als zu freuen, wenn ihm Menschen ihre kranken Hunde, Katzen, Vögel oder Meerschweinchen bringen. Er schließt seine Praxis jeden Tag um 17 Uhr, aber bereits um 15 Uhr schreit er, allgemein hörbar, seine Mitarbeiter an, dass das Wartezimmer zu voll ist, dass er »sicher nicht« alle drannehmen werde und dass einige gleich wieder heimgehen mögen.

Seine ruppige Art wirkt weder erdig noch hemdsärmelig, sie hat gar nichts sympathisches. Der Mann gilt dementsprechend und wohl nicht ganz zu Unrecht als überlastet und hochfahrend, und es dürfte vor allem an der mangelnden Konkurrenz in seiner Region liegen, dass sein Wartezimmer trotzdem oft voll ist. Man könnte ihn als unausgeglichen bezeichnen, ihm psychische Probleme beziehungsweise Belastungen zugutehalten, oder ihn verkürzend auch einfach ungut nennen.

Als die COVID-19-Pandemie ausbrach, kam dieser Tierarzt in seiner Region vorübergehend zu zusätzlicher Prominenz, über die er sich allerdings kaum gefreut haben dürfte. Denn er war einer der ersten, die an COVID-19 erkrankten. Kann es sein, dass böse, innerlich belastete Menschen infektionsgefährdeter als ausgeglichen gute sind, lautete damals die meist nicht gestellte aber oft gedachte Frage jener, die ihn kannten. Sind böse Menschen ohne Impulskontrolle bei Epidemien und Pandemien weniger gut geschützt? Haben sie ein schwächeres Immunsystem? Schützt dann auch Gutsein sozusagen vor Corona?

Derartige Vermutungen mögen naiv klingen, doch medizinisch betrachtet steckt mehr dahinter, als es zunächst den Anschein hat. Zumindest dann, wenn wir das Gutsein als dem Menschen in die Wiege gelegten psychischen und seelischen Normalzustand und das unkontrolliert mitunter Bösesein tatsächlich als Folge mangelnder innerer Ausgeglichenheit und psychischer Belastungen betrachten. Denn dass es einen Zusammenhang zwischen psychischer Stabilität, die sich durch Gutsein in einem tieferen Sinne stärken lässt, mit der Infektions- und allgemeinen Krankheitsanfälligkeit gibt, ist schon lange evident.

Die Leistungsfähigkeit des Immunsystems, das nach einer Verletzung für den Schutz vor Krankheitserregern, für die Regulierung von Entzündungen und die Wiederherstellung des gesunden Gewebes sorgt, hängt spürbar von emotionalen, psychologischen und kognitiven Faktoren ab.39,40,41 Mehrere Untersuchungen zeigen, dass innere Unausgeglichenheit, Angst, Trauer und »böse« Emotionen wie Wut, Zorn und Hass mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionskrankheiten einhergehen.42,43

Das heißt, dass wir nicht nur die alten Menschen vor einer COVID-Infektion geschützt haben, wenn wir ihre Einkäufe erledigt haben, sondern auch uns selbst, weil altruistische, empathische und hilfsbereite Verhaltensweisen unser eigenes Immunsystem stärken. Menschen, die solche Verhaltensweisen aufgrund ihrer Überzeugungen, ihrer Erziehung oder ihrer genetischen und epigenetischen Prägungen schon immer gelebt haben, sind demnach besonders gut geschützt vor Virenattacken.44

Der Geist gestaltet unser Immunsystem mit

Virologen waren schon lange vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie mit den Wechselwirkungen zwischen Psyche und Immunsystem befasst, etwa während und nach der MERS-CoV- und der SARS-Epidemie. MERS-CoV ist ein im Jahr 2012 erstmals identifiziertes Virus aus der Familie der Coronaviren, das beim Menschen schwere Infektionen der Atemwege, Lungenentzündungen und Nierenversagen verursachen kann und oft zum Tod führt. SARS, oder genauer gesagt SARS-CoV-1, brach in größerem Stil zu ersten Mal im Zeitraum 2002 und 2003 mit 800 Todesopfern aus. Bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung beider Epidemien stellte sich heraus, dass in manchen Studienkollektiven mehr als die Hälfte der mit MERS oder SARS infizierten Menschen psychisch angeschlagen waren.45

Experimentell hat den Zusammenhang zwischen psychischer Stabilität und dem Immunsystem, die sogenannte Geist-Körper-Achse, etwa die israelische Forscherin Tamar L. Ben-Shaanan belegt. Sie zeigte, dass bei Mäusen die künstliche Stimulation positiver Belohnungssignale im Gehirn eine verbesserte körperliche Gesundheit fördert, indem sie die Immunabwehr gegen Bakterien verstärkte. Glücksgefühle, auch wenn sie wie in diesem Experiment durch eine medizinische Intervention ausgelöst sind, verbessern demnach den Schutz vor Infektionen.46 Genau aus diesem Grund befasste sich die Forschung auch bereits vor COVID-19 mit der Frage, ob Impfungen besser wirken, wenn das Belohnungssystem stimuliert ist. Stimmt das, zahlt sich impfen am meisten bei Menschen aus, die innerlich stabil, ausgeglichen und glücklich, und zu diesem Zweck auch gut sind. Bei unkontrolliert bösen Menschen wäre die Impfwirkung, wieder verkürzt gesagt, im Umkehrschluss geringer.

»In zukünftigen Studien wird noch näher zu überprüfen sein, ob die Stimulation des Belohnungszentrums die Immunität gegen virale Infektionen und Tumore fördert und auch, ob Impfungen in Zusammenhang mit einem stimulierten Belohnungssystem effektiver sind«, so die Forscher Elizabeth L. Frost und John R. Lukens von der Universität Virginia in einer Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Medicine des Jahres 2016.

Die vorher genannte Geist-Körper-Achse erklärt übrigens auch den Placeboeffekt: Schon das Vertrauen und die Erwartung positiver Gesundheitsergebnisse führt bei Menschen, denen ein Placebo verabreicht wird, zu einer besseren Genesung. Das rechtfertigt natürlich nicht den Einsatz von Placebos anstelle von echten Medikamenten, zeigt aber, welche Macht der Geist über unsere Gesundheit hat.

Ein gesunder Geist schafft einen gesunden Körper

Anhand schwerer psychischer Erkrankungen lässt sich das besonders deutlich zeigen. Menschen mit solchen Diagnosen gehören neben alten Menschen und solchen mit körperlichen Vorerkrankungen zur Hauptrisikogruppe, wie auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannte.

In China zeigte sich, dass Patienten in geschlossenen Einrichtungen besonders gefährdet sind. Deshalb gab das chinesische National Health Center bereits am 17. Februar 2020, also noch bevor die Pandemie mit voller Wucht in Europa ankam, bekannt, dass mehr als 300 schwer psychisch erkrankte Patienten mit COVID-19 infiziert seien.47

Ähnlich war das Bild in Korea. Dort brach COVID-19 überhaupt zum ersten Mal in einer psychiatrischen Abteilung aus. Von 103 Patienten in dieser Abteilung infizierten sich 102. Sieben von ihnen, alle zwischen fünfzig und siebzig Jahre alt, starben innerhalb einer Woche. Das heißt, dass die Sterblichkeit bei rund sieben Prozent lag, und damit weit über jener der koreanischen Allgemeinbevölkerung, wo sie nur ein Prozent erreichte.48

In Taiwan haben die dortige Vereinigung gegen Depressionen und die taiwanesische Gesellschaft für Ernährungspsychiatrieforschung deshalb mehrere Programme zur psychischen Unterstützung gestartet.

Das Geheimnis der Rosetaner

Psychisch belastende Faktoren wie Stress, Zukunftsängste, fehlender Lebenssinn, Streit, Krieg, Hetze, Populismus, Demagogie, systematisierte Fake News oder wegbrechende Sicherheiten auf allen Ebenen können nicht nur das Infektionsrisiko einzelner Personen, sondern ganzer Gesellschaften erhöhen. Andersherum dienen gesellschaftspolitische Konzepte, die auf Altruismus, Empathie, Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft basieren, sozialmedizinisch auch der Gesundheitsvorsorge.

Eindrucksvoll bewiesen hat das eine Gruppe von Menschen, deren Geschichte jahrzehntelang die Medizin beschäftigte, unzählige Male in der medizinischen Fach- und Populärliteratur auftauchte, und jetzt neue Aktualität erhält: die Geschichte der Rosetaner.

Roseto, das ist ein Dorf im amerikanischen Pennsylvania. Die Vorfahren der jetzigen Bewohner brachen im Jahr 1882 im verarmten süditalienischen Apulien auf, um gemeinsam eine bessere Heimat in Amerika zu finden.

Zunächst arbeiteten die Rosetaner in einem Steinbruch oder in einer ortsansässigen Hemdenfabrik. Auch dieses Leben war hart, doch sie verdienten genug, um ihre Kinder an die Universitäten schicken zu können. Nach ihren langen Arbeitstagen verbrachten die Rosetaner die Abende gerne gemeinsam, aßen und feierten miteinander. Fast alle engagierten sich in Vereinen und wohnten als Multigenerations-Familien unter einem Dach. Das wechselseitige Vertrauen in dem Dorf war groß, die Kriminalität gering.

Ende der 1950er-Jahre fiel dem Mediziner Steward Wolf von der Universität von Oklahoma auf, dass kaum einer der Bewohner Rosetos unter 65 Jahren an einer Herzerkrankung litt. Das wunderte ihn, zumal Herzleiden damals die Volkskrankheit Nummer eins in Amerika und die häufigste Todesursache war.

Wolf sah sich die Sache näher an. So gut wie kein Rosetaner unter 55 Jahren war je an einem Herzinfarkt gestorben oder hatte Anzeichen einer Herzerkrankung gezeigt. Bei Männern über 65 Jahren lag die Zahl der tödlichen Arterienverkalkungen um die Hälfte niedriger als im Rest des Landes. Auch die Todesrate sämtlicher untersuchter Krankheiten war in Roseto bis zu 35 Prozent niedriger als im amerikanischen Landesdurchschnitt.

Wolf und andere Ärzte kamen zu dem Schluss, dass der Schutz der Rosetaner vor Krankheiten etwas sein musste, das nur mit ihrem Dorf zu tun hatte. An der Ernährung dort, so viel war schnell klar, konnte es nicht liegen. Denn die Rosetaner waren bekannt für ihr Lieblingsgericht »Scarpetti«, das sie aus ihrer alten Heimat mitgebracht hatten. Scarpetti sind in Schweineschmalz gebratene grüne Paprikaschoten, serviert mit Brot und einer üppigen Schweineschmalz-Sauce, also so ziemlich das Gegenteil gesunder Ernährung.

Woran lag es also? Machten die Rosetaner besonders viel Bewegung? Hatten sie besondere Gene? Lag es an ihrer Art der Wassernutzung oder der medizinischen Versorgung? Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern machte sich an die Arbeit, um das Rätsel zu lösen.

Es dauerte Jahre, bis es ihnen gelang. Die eng verbundene Gemeinschaft in dem Dorf hatte einen überaus starken Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner, stellten sie fest. Das Gefühl von Geborgenheit, von dem wir heute wissen, dass es die Herzfrequenz, den Blutdruck und den Cortisol-Spiegel senkt und das Immunsystem stärkt, war durch ihren Lebensstil in besonderem Maß gegeben.

Heute wissen wir auch, dass Einsamkeit, die vor allem dem modernen urbanen Lebensstil immanent zu sein scheint, chronischen Stress verursacht, dessen Gefährlichkeit mit den Folgen von Rauchen, ungesunder Ernährung oder mangelnder Bewegung gleichzusetzen ist. Was die weitere Geschichte des mit einem so hohen Gemeinschaftssinn gesegneten kleinen Dorfes Roseto leider auch belegt.

Denn Ende der 1960er-Jahre fielen den Forschern dort einige soziale Veränderungen auf. Kurz gesagt kamen die Rosetaner langsam so richtig in ihrer neuen Heimat an. Ihre spezielle Form des Zusammenlebens löste sich allmählich auf. Die Dorfbewohner wurden individualistischer und materialistischer und der Familien- und Gemeinschaftszusammenhalt lockerte sich. Was zur Folge hatte, dass nun auch in Roseto die Einsamkeit wuchs und damit die Herzprobleme zunahmen. Innerhalb von ungefähr einem Jahrzehnt, also in etwa innerhalb einer Generation, glichen sich die Statistiken der Herzkrankheiten des Dorfes dem Landesdurchschnitt an.

Klarerweise will heute niemand mehr zu einem Lebensstil zurück, wie ihn die Rosetaner in den 1950er-Jahren pflegten. Ihre Geschichte zeigt allerdings, welchen enormen Wert das Prinzip Gemeinschaft, die wechselseitige Unterstützung, der Altruismus und die Hilfsbereitschaft ganz allgemein über ihre pragmatischen Vorteile hinaus für die persönliche Lebensplanung, für gesellschaftspolitische Konzepte und für kommunale sowie staatliche Gesundheitspolitik haben sollte.

Jetzt erst recht (innerlich) umarmen?

Gerade in Zeiten des Social Distancings entsteht hier ein offenkundiger Widerspruch: Gemeinschaft, also persönliche Begegnung, das persönliche Gespräch und auch der Körperkontakt scheinen mit einem Mal gefährlich zu sein, dabei läge nach allem Besprochenen doch gerade darin eine enorme Schutzfunktion, besonders im Körperkontakt. So etwa gelang Psychologen der Carnegie Mellon University in Pittsburgh der Nachweis, dass Menschen, die oft körperlichen Kontakt mit anderen haben, seltener erkältet sind.49

Für ihre Studie infizierten sie rund 400 Teilnehmer mit einem Schnupfenvirus und beobachteten anschließend, bei welchen von ihnen die Krankheit ausbrach. Bei den Studienteilnehmern, die sich in einem intakten sozialen Umfeld bewegten und täglich Körperkontakt zu nahestehenden Menschen hatten, brach der Schnupfen weitaus seltener aus als in der Gruppe der Einzelgänger.

Wie also mit diesem Dilemma umgehen? Was schützt uns eher, der Verzicht auf Körperkontakt oder ebendieser?

Bereits im März 2020, als das Virus in Europa noch relativ neu war, gab die wissenschaftliche Fachzeitschrift Brain, Behaviour and Immunity, die offizielle Zeitschrift der internationalen Forschungsorganisation Psychoneuroimmunology Research Society, eine vorsichtige Antwort auf diese Fragen. Zunächst hieß es in dem Artikel wörtlich: »… Daher bleibt die beste Strategie die Prävention, nämlich die Verringerung der Exposition gegenüber Krankheitserregern und die Verbesserung der individuellen Immunität. Studien haben gezeigt, dass ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf und eine starke Verbindung zu ihren Familien und Gemeinschaften mit einer Stärkung des Immunsystems verbunden sind.«

Im nächsten Absatz folgt dann eine unmissverständliche Aufforderung der Verfasser, gleichsam ein guter Mensch zu sein: »Soziale Distanzierung oder das Tragen von Masken können dazu beitragen, Infektionen zu verhindern. Lassen Sie sich jedoch nicht von diesen Maßnahmen davon abhalten, Mitgefühl und Freundlichkeit auszudrücken. In der Tat sollten alle Formen der psychologischen Unterstützung routinemäßig implementiert werden, um nicht nur die psychologische Belastbarkeit zu berücksichtigen, sondern auch die Psychoneuro-Immunität gegen COVID-19 zu verbessern.«

In Zeiten einer Pandemie soll der äußere Körperkontakt unterbleiben, heißt das, aber der innere möge aufrecht erhalten werden – denn er schützt.

Die Heilkraft der Liebe

Eine bedeutende Rolle bei der Stärkung des Immunsystems und dem Aufbau der Heilkraft unseres Körpers spielt übrigens die Liebe. Worauf etwa auch der an der renommierten John-Hopkins-Universität tätige amerikanische Krebsforscher Bert Vogelstein, einer der bedeutendsten seines Faches, in einer seiner Berichte hinweist.

Er erzählt darin, wie er als junger Arzt während eines Nachtdienstes im OP vorbeischaute und ihm seine Kollegen erklärten, dass der Patient, dessen Blinddarm sie gerade ohne Komplikationen operierten, vor 15 Jahren bereits einmal dagewesen war. Wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Damals hatten sie ihn aufgeschnitten, gesehen, dass der Fall hoffnungslos war und ihn wieder zugenäht.

Wieso war er immer noch am Leben und bis auf den Blinddarm kerngesund? Der Patient hatte sich damals in die Stationsschwester verliebt und sie sich in ihn.

Eine romantische Geschichte, die sich medizinisch allerdings längst begründen lässt. Etwa durch den Nervus Vagus, der vom Gehirn aus fast alle Organe steuert, und der stark von Emotionen beeinflusst ist, von guten wie Liebe ebenso wie von bösen wie Wut oder Hass. Natürlich darf das alles nicht eine schulmedizinische Betreuung in Frage stellen, es zeigt allerdings, welchen enormen Einfluss der innere Mensch auf den äußeren hat.

Hier noch eine abschließende Studie zur Wirkung positiver, psychisch stabilisierender Effekte. Sie trägt den langen Titel »Randomized controlled trial of a positive affect intervention for people newly diagnosed with HIV«50 und stammt aus dem Jahr 2017. Sie sollte gerade in Zeiten, in denen die Welt einen Virenangriff zu bewältigen hat, viel mehr Beachtung finden.

Forscher unterteilten dabei neu infizierte HIV-Patienten in zwei Gruppen. Eine Gruppe lebte weiter wie bisher, die andere plante ihren Tagesablauf nach vorgegebenen Parametern neu. Ihre Mitglieder sollten Aktivitäten identifizieren, die sie als positiv empfanden. Jeder Tag sollte etwas enthalten, das ihnen Freude machte. Sie sollten nicht nur über ihre Schwächen, sondern auch über ihre Stärken nachdenken, sich kleine Ziele setzen und sich über kleine Erfolge freuen. Sie sollten bewusst registrieren, was gut lief und sich in Dankbarkeit dafür üben. Dazu sollten sie ein bescheidenes Sportprogramm absolvieren und regelmäßig Atemübungen machen.

Nach sechs Monaten untersuchten die Wissenschaftler die Anzahl der HIV-Viren im Körper bei beiden Gruppen. Die Mitglieder der Programm-Gruppe hatten gegenüber ihren Mitpatienten eine deutlich reduzierte Viruslast.

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