Kitabı oku: «Die Gotengeschichte»

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Über den Autor

DR. LENELOTTE MÖLLER

studierte Geschichte, Latein und evangelische Theologie in Saarbrücken, Basel und Mainz; die Promotion in Geschichte folgte im Jahr 2000; sie ist Studiendirektorin am Gymnasium Schifferstadt im Rhein-Pfalz-Kreis.

Im marixverlag sind von ihr u.a. folgende Übersetzungen erschienen: Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, die Cicero-Briefe, Titus Livius’ Römische Geschichte, Senecas Vom glücklichen Leben, Plutarchs Von Liebe, Freundschaft und Feindschaft, Polybios’ Der Aufstieg Roms, Lukians Vom beinahe vollkommenen Menschen, Tacitus’ Agricola und Germania und Sallusts Römische Geschichte. Sie ist außerdem Mitherausgeberin der 2-bändigen Plinius-Ausgabe.

Zum Buch

Die Ursprünge und Taten der Goten des römischen Gelehrten Jordanes aus dem 6. Jh. n. Chr. ist die wichtigste erhaltene schriftliche Quelle zur Geschichte der Goten, eines antiken-frühmittelalterlichen germanischen Stammes, der vom Schwarzen Meer nach Westen zog und mehrere Reiche gründete. Jordanes’ Darstellung fußt auf einer zwölfbändigen Geschichte der Goten des Staatsmannes und späteren Mönchs Cassiodor, die aber verloren gegangen ist. Die Gotengeschichte wird hier in deutscher Sprache mit ausführlichen Erläuterungen zum Verständnis vorgelegt. Auch wenn kein heutiges europäisches Volk die Goten im engeren Sinne als seine Vorfahren betrachten kann, bleibt dieses Volk ein wichtiges Stück europäischer Geschichte.

„Dieser Attila nämlich … folgte mit seinem Bruder Bleda in das Königsamt der Hunnen und … suchte seine Anhängerzahl durch den Mord an seinem Verwandten zu vermehren. … Er schritt hochmütig umher, hierhin und dahin seine Augen rollend, damit die Macht des Stolzen auch in der Bewegung des Körpers sichtbar wurde. Er liebte die Kriege, mäßigte sich aber selbst und war überaus klug im Rat. Von demütig Bittenden ließ er sich erweichen, gnädig war er gegen die, die er einmal unter seine Befehlsgewalt aufgenommen hatte; von kleiner Gestalt, breiter Brust, ziemlich großem Kopf, winzigen Augen, schwachem Bartwuchs und grauem Haar, platter Nase, dunkler Hautfarbe – diese Zeichen seiner Abstammung, trug er.“ Jordanes’ Darstellung des berühmten Hunnenkönigs, den die Ostgoten unterstützten und die Westgoten bekämpften, prägte dessen Bild über Jahrhunderte. Aber auch für andere Ereignisse, von denen er berichtet, hat Jordanes eine der ganz wenigen Quellen hinterlassen.

Jordanes

Die Gotengeschichte

Jordanes

Die
Gotengeschichte

Übersetzt, eingeleitet und erläutert

von Lenelotte Möller


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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

Bildnachweis: mauritius images GmbH, Mittenwald/Cubolmages

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0302-1

www.marixverlag.de

Vorwort

99 Jahre nach der ersten und bisher einzigen deutschen Übersetzung der Gotengeschichte des lateinischen Geschichtsschreibers Jordanes erscheint die zweite. Während der erste Übersetzer, Wilhelm Martens, 1913 nach eigenem Bekunden nicht wagte, die vorkommenden und zum Teil verderbten geographischen, Völker- und Personennamen zu erklären und auch nur einige wenige in seiner deutschen Ausgabe erläutert hat, kann die Übersetzerin des Jahres 2012 auf Forschungsliteratur und Lexika aus inzwischen fast 100 Jahren zurückgreifen, sodass in der vorliegenden Ausgabe die Mehrheit der Eigennamen sowie auch manche nicht für sich selbst sprechende Formulierungen fortlaufend erklärt werden und das Werk somit auch für nicht althistorisch oder germanistisch vorgebildete Leser, die sich mit Fug und Recht dennoch für Geschichte interessieren, erschlossen wird. Freilich bleiben einige, nur bei Jordanes vorkommende Namen, über die mehr, als er berichtet, auch heute nicht gesagt werden kann.

Das Werk ist mit einem Register der Eigennamen erschlossen, das durch die Angabe der Paragraphen bzw. Abschnittsnummern nicht nur für die vorliegende Ausgabe verwendet werden kann.

Dank ergeht an den marixverlag für die Anregung und die Veröffentlichung der neuen Übersetzung sowie meinen inzwischen langjährigen Lektor Dietmar Urmes für die sorgfältige Bearbeitung.


Speyer, im Juli 2012 Lenelotte Möller

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Einleitung

Geten und Daker

Die Goten vom 1. bis zum 6. Jh. n. Chr.

Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus

Jordanes und seine Gotengeschichte

Andere Quellen zur Geschichte der Goten

ÜBERSETZUNG DER GETICA

Einleitung in das Werk

Vorrede des Jordanes an Castalius (1) 1–3

Erdbeschreibung (1) 4–9

Die Insel Britannien (2) 10–15

Gemeinsame Geschichte der Goten

Die Insel Scandza und ihre Bewohner (3) 16–24

Der Auszug (4) 25–29

Die neue Heimat – das Gebiet der Skythen (5) 30–38

Leben der Goten im Laufe der Wanderung (5) 39–43

Geschichte der Geten (und Daker)

Krieg der Geten mit den Ägyptern (5) 44 – (6) 48

Die Amazonen – Frauen der Geten (7) 49 – (8) 57

Exkurs: Der Kaukasus (7) 52–55

Die Geten im Trojanischen Krieg (9) 58–60

Die Geten im Kampf gegen die Perserkönige (10) 61–64

Die Geten und König Philipp II. von Makedonien (10) 65–66

Die Geten werden gelehrt (11) 67– (12) 73

Geographische Hinweise (12) 74–75

Fortsetzung der Geschichte der Goten

Die Herrscherreihe der Goten (13) 76 – (14) 82

Kaiser Maximinus [Thrax] – ein Gete (15) 83–88

Einfall der Goten ins Römische Reich 247 (16) 89–93

Konflikt mit den Gepiden (17) 94–100

Einfälle der Goten in das Imperium Romanum unter Cniva und seinen ersten Nachfolgern (18) 101 – (19) 106

Neue Kämpfe mit den Römern und anderen Nachbarn (20) 107 – (22) 115

König Ermanarich (23) 116–120

Die Hunnen: Entstehung, Ankunft und Aussehen (24) 121–128

Ermanarichs Ende und der Untergang des Ostgotenreiches (24) 129–130

Das Schicksal der Westgoten nach dem Hunneneinfall

Die Umsiedlung der Westgoten in das Imperium Romanum und die Schlacht von Adrianopel (25) 131 – (26) 138

Die Goten und Kaiser Theodosius (27) 139 – (28) 145

Die Kaiser Honorius und Arcadius (29) 146–151

Die Eroberung Roms 410 (30) 152–156

Alarichs Tod und Begräbnis (30) 157–158

Kampf um Galla Placidia (31) 159 – (32) 166

Geiserich und das Vandalenreich (33) 167 – (34) 177

Attila (34) 178 – (36) 186

Römisch-gotisches Bündnis (36) 187 – (37) 196

Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (38) 197 – (41) 218

Attila in Italien (42) 219–224

Thorismunds Sieg und Ende (43) 225–228

Theoderids Kampf gegen die Herrscher der Suaven (44) 229–234

König Eurich und das Ende des Weströmischen Reiches (45) 235 – (47) 245

Das Schicksal der Ostgoten nach dem Hunneneinfall

Die Ostgoten nach dem Tod Ermanarichs (48) 246–251

Attilas Tod (48) 252 – (49) 258

Das Ende des Hunnenreiches und die Neuaufteilung des Landes (50) 259–268

Die Kleingoten (51) 267

Geburt und Jugend Theoderichs des Großen (52) 268–271

Kriege der Ostgoten in Pannonien und erste Taten Theoderichs (53) 272 – (55) 282

Aufbruch ins Römische Reich (56) 283–288

König Theoderich (57) 289–296

Familien- und Innenpolitik (58) 297–303

Theoderichs Tod und die Herrschaft Amalaswinthas (59) 304–306

Das Ende der ostgotischen Herrschaft (60) 307–314

Epilog (60) 315–316

Literaturverzeichnis

Gemeingotische Herrscher

Die Amaler

Die Balthen

Herrscher der Westgoten

Herrscher der Vandalen

Herrscher der Hunnen

Register der Eigennamen

EINLEITUNG

Das Volk der Goten, das um Christi Geburt auf der historischen Bildfläche erschien, nach weiten Wanderungen, Trennungen und Vermischungen, Eroberungen und Landverlusten schließlich im Jahr 410 die Stadt Rom eroberte (als erste Kriegsmacht nach 800 Jahren) und schließlich in der Spätantike in anderen Völkern aufging, schuf die ältesten germanischen Sprachdenkmäler und prägte wesentlich die germanische Sagenwelt. Jordanes’ »Ursprung und Taten der Goten« ist einerseits eine der wenigen und gleichzeitig eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte dieses Volkes, enthält andererseits aber zahlreiche Irrtümer und wohl auch einige bewusste Verfälschungen. Um Jordanes’ Erzählung mit Erkenntnisgewinn lesen zu können, ist es nützlich, die Grundzüge der Geschichte der hauptsächlich darin behandelten Völker zuvor kennenzulernen. Während die römische Geschichte, namentlich die der Kaiserzeit, eher als bekannt vorausgesetzt werden kann, ist das Wissen über die Goten dagegen gering, da sie noch seltener im Unterricht behandelt werden, während Geten den meisten Mitteleuropäern noch nicht einmal dem Namen nach bekannt sind. Und während nach den mit den Geten verwandten Dakern eine in Deutschland zunehmend verbreitete und originell beworbene Automarke benannt ist, hat dies zur Bekanntheit des namengebenden Volkes und seiner Geschichte noch kaum beigetragen.

Geten und Daker

Obwohl die Geten und die mit ihnen verwandten Daker thrakische Völker waren, werden sie in Verfälschung der tatsächlichen Gegebenheiten in Jordanes’ Geschichtswerk mit den germanischen Goten gleichgesetzt. Den willkommenen Anlass dazu bot dem Verfasser die Namensähnlichkeit der Geten und Goten sowie ihre nahe beieinanderliegenden Siedlungsgebiete. Die Intention des Autors, die mit dieser Gleichsetzung verfolgt wird, soll im Kapitel »Getica oder Origo Gothica« erläutert werden. In der Übersetzung wurde der Begriff »Geten« gewählt, wo Jordanes aus deren Tradition schöpfte, das Wort »Goten« wurde verwendet, wo er sich auf tatsächliche oder vermeintliche gotische Tradition stützt.

Die Geten waren der nördlichste thrakische Volksstamm und siedelten im Ostbalkan und an der Ostküste des Schwarzen Meeres, das in der Antike Pontos genannt wurde. Ihre Nordwestliche Gruppe ist seit dem 2. Jh. v. Chr. als Daker belegt, das Volk, von dem sich die Rumänen der Gegenwart herleiten. In das umschriebene Siedlungsgebiet waren die Geten wohl im 5. Jh. v. Chr. eingewandert, und sie ernährten sich wahrscheinlich als Nomaden und Viehzüchter. Sie wohnten in kleinen Einheiten zusammen, Dörfer und kleine Städte gründeten sie erst nach den ersten Kontakten mit den Griechen. Nach Auskunft antiker Geschichtsschreiber und Geographen (Herodot 4,94–96; Strabon 7,3,3–5; Pomponius Mela 2,18) verehrten sie als ihren höchsten Lehrer Zalmoxis und waren Anhänger des Unsterblichkeitskultes, der ihnen im Kampf absolute Todesverachtung verlieh und sie damit besonders mutig machte. Das Reitervolk, das mit Pfeil und Bogen kämpfte, war deswegen in der Antike sehr gefürchtet. Dennoch unterwarf Perserkönig Dareios sie während seines Skythenfeldzugs (Herodot, Geschichte 4,93) im Jahr 510 v. Chr., jedoch wohl nur für kurze Zeit. Denn noch im selben Jahrhundert zogen sie mit Odrysenkönig Sitalkes, dem Herrscher eines Nachbarvolkes, gegen Perdikkas von Makedonien mit einem großen Reiterkontingent (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 2,97). Um 360 v. Chr. wurde ihr Gebiet von den Skythen erobert und von diesen zum Teil für ihr eigenes Volk beansprucht. Als die Geten dagegen Widerstand leisteten, rief Skythenkönig Atheas seinen Verbündeten Philipp von Makedonien zu Hilfe, entzweite sich aber später mit diesem und wurde von Philipp geschlagen. Darauf wurden die Geten ein Teil des von Alexander d. Gr. eroberten Reiches, und nach dessen Tod fielen sie an den Diadochen Lysimachos (Iustinus 13,4), der seine Macht nach einigen Aufständen zu Beginn festigen konnte. Damals wanderten viele Geten als Sklaven in griechischen Poleis, einem Umstand, dem die Gegenwart viele zuverlässige Auskünfte griechischer und römischer Historiker (Herodot, Thukydides, Strabon, Cassius Dio, später Pomponius Mela und Plinius d. Ä.) über dieses Volk verdankt. Das nächste Volk, das über die Geten und ihre Nachbarn hereinbrach, waren die nach Osten ziehenden Kelten (Iustinus 25,1).

Im Bündnis mit König Eupator von Pontus gerieten sie in Konflikt mit den Römern und wurden 72 v. Chr. von L. Licinius Lucullus besiegt. Etwa zur Regierungszeit C. Iulius Caesars in Rom einigte Dakerkönig Burebista alle thrakischen Stämme auf dem Balkan und am Schwarzen Meer und wagte sogar einen Aufstand gegen Caesar. Dieser allerdings wurde ermordet, bevor er gegen Dakien ziehen konnte. Doch auch Burebista konnte seine Macht nicht langfristig stabilisieren, sondern sein Reich zerbrach nach einer Generation.

Die bedeutendste Stadt der Geten, Tomis am Schwarzen Meer, das heutige Constanţa in Rumänien, wurde bekannt als Exilort des Dichters Ovid (8–14 n. Chr.), der nach eigenem Zeugnis nicht nur gemeinsam mit seinen Gastgebern einen Skytheneinfall in das zu dieser Zeit römische abwehrte, sondern auch die Sprache der Geten erlernte und sogar in ihr dichtete.

Zu den wichtigen Herrschern der Geten in dieser Zeit gehörten Dapyx und Zyraxes. Ab 46 n. Chr. setzte die allmähliche Romanisierung der Bevölkerung ein. Am Ende des Jahrhunderts einigte König Dekebalos noch einmal die Geten und Daker, doch in mehreren Kriegen von 101 bis 106 wurden sie von Kaiser Traian unterworfen, unter dem das Imperium Romanum seine höchste geographische Ausdehnung erreichte. Er richtete die Provinz Dakien ein, und bis zur Ankunft der Goten waren die Daker vollständig romanisiert, was sich bis heute an der Sprache ihrer Nachfahren ablesen lässt.

Die Goten vom 1. bis zum 6. Jh. n. Chr.

Ein gemeinsamer Ursprung der Stämme, die in der antiken Geschichtsschreibung als Gauten und Gutonen bezeichnet werden, ist wohl anzunehmen. Sie stammen aber weder, wie Jordanes erzählt, aus Skandinavien, noch sind sie von skandinavischer Zuwanderung beeinflusst worden. Diese Vorstellung ist eher eine Selbstdeutung des Volkes in der Zeit Theoderichs des Großen aufgrund von Namensähnlichkeiten wie derjenigen zu der skandinavischen Insel Gotland, die aber auf anderen Ursachen beruht. Im 1. Jh. n. Chr. werden die Gutonen als Bewohner des östlichen Germaniens erstmals in der antiken Literatur erwähnt (Plinius, Naturalis Historia 4,99; Tacitus, Germania 44,1, Annales 2,62,2). Um 150 spricht Klaudios Ptolemaios (3,5,8) als letzter antiker Autor von den Gutonen, und zwar mit der präzisesten Nennung ihres Siedlungsgebietes, des Weichselknies. Dort sind sie archäologisch identifizierbar mit der Wielbark- bzw. Willenberg-Kultur. Es erfolgten im Laufe ihrer Geschichte wohl Teilungen des Stammes, wobei jeweils ein Teil aus dem bisherigen Siedlungsgebiet abwanderte, während ein anderer zurückblieb. Die Auswanderer siedelten in neuen Gebieten, wo sie sich mit den bisherigen Bewohnern nicht nur bekriegten, sondern allmählich auch verbanden. Etwa fünf Jahrzehnte später wanderte ein großer Teil der Gutonen aus Ostpommern ab und drang allmählich bis zur Donaumündung vor. Dort ist er in der Tscherniachov-Kultur nachweisbar. Die Goten erschienen erstmals 208 am Schwarzen Meer und gewannen mit der Zeit die Vorherrschaft über die schon zuvor hierher gewanderten Bastarnen, ebenfalls ein germanischer Stamm, sowie über die Karpen und Sarmaten.

Als die Goten unter König Kniva 238 das Südufer der Donau überfielen, kamen sie erstmals mit den Römern in Kontakt. Es folgten abwechselnd Abwehrkämpfe der Römer gegen die Goten, Friedensschlüsse, gotische Kontingente bei römischen Feldzügen – so mit Kaiser Gordianus gegen die Perser 242 – und wieder Einfälle in römisches Hoheitsgebiet. 249 setzte König Kniva mit den Goten über die Donau, dann zog sein Heer in einem dreifachen Vorstoß (die beiden anderen Abteilungen unter den Heerführern Argaith und Guntherich) nach Dakien, Moesien und Thrakien und drangen bis nach Philippopel (Plovdiv) vor. Einen Rückeroberungsversuch der Römer unter Kaiser Decius wehrten sie in der Schlacht bei Abrittus-Hisarlak in der Nähe von Razgrad (Bulgarien) im Jahr 251 erfolgreich ab, in der Decius selbst und sein Sohn fielen. Decius’ Nachfolger Trebonianus Gallus schloss Frieden zu den Bedingungen der Goten. Doch schon 254 überfielen diese die Stadt Thessaloniki, weitere drei Jahre später zu Schiff überfielen sie vom Kimmerischen Bosporus ausgehend, vereint mit einem Landheer, die Südwestküste des Schwarzen Meeres und drangen zum Bosporus und nach Bithynien vor. Dabei wurde vermutlich aus dem Dorf Sadogolthina bei Parnassos in Kappadokien die Familie verschleppt, aus der später Bischof Wulfila hervorgehen würde. 268 fielen sie gemeinsam mit dem germanischen Stamm der Heruler von See her ins Römische Reich ein, wurden aber erfolgreich abgewehrt; dennoch gelang ihnen das Vordringen bis zur Ägäis, sie wurden von Milizen und zunächst von Kaiser Gallienus aufgehalten – der aber fiel – und dann bei Nisch (jetzt in Serbien) von Kaiser Claudius II. besiegt, der sich als erster römischer Herrscher Gothicus nannte (269). Ein Rachefeldzug überlebender gotischer Einheiten im folgenden Jahr wurde von römischen Bürgerwehren zurückgeschlagen. 271 erkämpften die Römer zwar einen Sieg, bei dem 5000 Goten mitsamt ihrem König Kannabaudes fielen, mussten aber in der Folge die Provinz Dakien aufgeben. Unter Kaiser Probus nahmen die Römer 280–295 die die von den Goten verdrängten germanischen Bastarnen ins Römische Reich auf und siedelten diese in Thrakien an.

In dieser Zeit teilten sich die am Schwarzen Meer wohnenden Goten allmählich in zwei Gruppen: die Ostrogoten (von *austra – glänzend), die auch Greutungen hießen, und die Visigoten (von *uesu – gut), die auch Terwingen hießen. Da die Ostrogoten östlich des Flusses Olt siedelten und die Visigoten westlich davon, setzten sich durch die zufällige Ähnlichkeit der Eigennamen mit den relativen Himmelsrichtungen die Bezeichnungen Ost- und Westgoten durch. Die weitere Geschichte dieser beiden Großgruppen ist wegen der Teilung und der getrennten Schicksale von hier an parallel in einer Tabelle dargestellt. So gut wie nie traten die beiden Gruppen alleine auf, weder gegenüber den Römern noch gegenüber anderen Außenstehenden. Meist waren sie bei Raubzügen und in Kriegen mit verwandten oder fremden Völkern in wechselnder Kombination verbündet.


ZeitWestgotenOstgoten
um 311Der spätere Bibelübersetzer und Bischof Wulfila wird geboren.
323Die Terwingen unter Rausimod greifen die ungeschützte Grenze der weströmischen Reichshälfte unter Augustus Licinius an.
324Unter Fürst Alica kämpfen sie an der Seite Ostroms gegen Westrom und verhelfen Constantin d. Gr. zum Sieg. Licinius wird hingerichtet.
328Constantin erobert Dakien für das Imperium Romanum zurück.
332In den Krieg der Westgoten mit den Theis-Sarmaten greift Constantin ein und führt so die Niederlage der Goten herbei. Deren Rückzugsgefechte leitet Ariarich, der ein Bündnis mit Constantin zu römischen Bedingungen eingehen muss; vielleicht werden dabei auch nur ältere Verträge erneuert.
334Die Westgoten überfallen das Gebiet der Vandalen.
340er-JahreDie Westgoten unternehmen Raubzüge über die gefrorene Donau nach Moesien.
341Wulfila wird Bischof.
In der Ersten Gotischen Christenverfolgung wird Wulfilas Familie aus dem Gebiet der Westgoten vertrieben und im heutigen Bulgarien angesiedelt, Wulfila erhält den Titel »Bekenner«. In Bulgarien entsteht seine Bibelübersetzung, von der weite Teile des Neuen Testamentes erhalten sind, das erste große Denkmal einer germanischen Sprache in einer Mischschrift aus römischen und griechischen Buchstaben und einzelnen Runen.
Mitte 4. Jh.Im östlichen Gotenreich regiert König Ermanarich, der seine direkte und indirekte Macht weit ausdehnt und – wohl vor allem wegen seines tragischen Endes – in der Sagenliteratur reiche Spuren hinterlässt.
363Die Westgoten ziehen mit einem römischen Heer unter Kaiser Julian gegen Persien.
365Der Richter Athanarich tritt sein Amt im Stamm der Westgoten an und zieht mit 3000 Mann zur Unterstützung des römischen Gegenkaisers Procopius nach Konstantinopel, kann jedoch weder diesem noch dessen Nachfolger Marcellus auf den Thron verhelfen.
367–369Unter Kaiser Valens greift das Imperium Romanum die Goten an, die sich unter Athanarich in die Karpaten zurückziehen, während die Römer ihr bisheriges Siedlungsgebiet verwüsten.
368Donauüberschwemmungen zwingen die Römer, ihren Vormarsch gegen die Goten anzuhalten, verursachen den Goten allerdings massive Ernteausfälle und schwächten sie so erheblich.
Mit dem wieder einsetzenden römischen Vormarsch steigt der Widerstand der Westgoten, und es kommt zu einem Friedensschluss an der Donau.
369–372Die Zweite Gotische Christenverfolgung bewirkt eine Spaltung der terwingischen Bevölkerung. Unter den katholischen Märtyrern dieser Verfolgung befindet sich der hl. Saba.
375/376Der Westgotenherrscher Fritigem will mithilfe des Kaisers Valens die Herrschaft über die Westgoten an sich reißen.Der Überfall der hunnischen Reiternomaden vernichtet das Reich Ermanarichs, der sich das Leben genommen haben soll (Ammianus Marcellinus 31,3,2). Ihm folgt Vidimer, der selbst in einer späteren Hunnenschlacht fällt.
Der Überfall der Hunnen erreicht auch die westliche Gruppe der Goten. Ein Teil von ihnen zieht sich unter der Führung Athanarichs von Bessarabien erneut in die Karpaten zurück, wo er die ursprünglich verbündeten Taifalen und Sarmaten vertreibt; der größere Teil der Westgoten wandert, veranlasst durch die im Imperium Romanum bereits lebenden gotischen Christen, in das Römerreich ein, um dort Schutz zu finden. Sie werden angeführt von Fritigem und Alaviv. Die ins Römische Reich eingewanderten Goten verfügen zunächst über keine funktionsfähige Landwirtschaft, und der Umzug wird logistisch nicht gut organisiert. Die römischen Beamten erhöhen die Getreidepreise, um aus der Versorgungsnot der Goten Profit zu schlagen.Sein Sohn wandert ins Römische Reich ein. Eine Gruppe von Goten bleibt auf der Krim zurück und wird später als Krim-Goten bezeichnet. Spuren von ihr sind noch im 16. Jh. feststellbar.Unter hunnischer Herrschaft formiert sich der ostgotische Stamm neu.
Als der römische Befehlshaber Lupicinus Gotenkönig Fritigem bei einem Gastmahl hinterlistig töten lassen will, greifen die Goten an, siegen und verwüsten die Gegend von Marcianopel. Bei Adrianopel, dem heutigen Edirne, werden sie durch gotische Hilfstruppen der römischen Armee verstärkt. Die Kaiser Valens und Gratian wollen die Goten hier gemeinsam angreifen. Gratian allerdings kehrt mit seinem Heer um nach Westen, da er einen Alemanneneinfall abwehren muss. Valens wagt, nachdem er ein Friedensangebot Fritigerns abgelehnt hat, am 9. August den Angriff auf die gotische Wagenburg alleine, kassiert die schlimmste römische Niederlage nach Cannae (216 v.Chr.) und dem Teutoburger Wald (9 n.Chr.) und kommt selbst unter ungeklärten Umständen ums Leben, außer ihm auch zwei Drittel seines Heeres. Die Goten jedoch nutzen ihren Sieg nicht zu langfristigen Vorteilen, die Greutungen, die die Westgoten unterstützt haben, trennen sich wieder von ihnen. Sie werden von Gratian mit ihren Herrschern Alatheus und Saphrax besiegt.
380Athanarich wird von Verwandten aus dem Richteramt vertrieben, vielleicht von Fritigem veranlasst, …
381… und wird in Konstantinopel als Flüchtling von Kaiser Theodosius empfangen und stirbt zwei Wochen später.
382Kaiser Theodosius schließt ein Bündnis mit den Westgoten, die er als foederati in Thrakien ansiedelt. Er stellt eine westgotische Heereseinheit auf.
391König Alarich führt die Goten im Römischen Reich.
406Der Einmarsch von Radagasius mit vorwiegend greutungischen Goten nach Italien wird in der Schlacht von Faesulae (Fiesole) aufgehalten. Die Greutungen schließen sich zum großen Teil Alarich an.
410Alarich, der von den Römern nicht als legitimer Herrscher anerkannt wird, erobert Rom und lässt es drei Tage lang plündern. Einige in Kirchen geflüchtete Römer werden aber von den gotischen Eroberern verschont. Alarich stirbt noch im selben Jahr. Ihm folgt sein Schwager Athaulf.
414Athaulf heiratet die Schwester des Kaisers Honorius Galla Placidia. Goten und Römer bleiben sich aber fremd.415Athaulf wird in Barcelona ermordet.
418Der Westgotenkönig Vallia erhält, nachdem die Westgoten die Römer in Hispanien gegen die Vandalen unterstützt haben, die römische Provinz Aquitania II um Toulouse und Bordeaux zur Ansiedlung. Hier entsteht das Tolosanische Reich. Erster König dieses Reiches wird Theoderid. Das Zusammenleben mit der römischen Oberschicht in Gallien ebenso wie mit den benachbarten Burgunden verläuft langfristig erträglich.
451Die Westgoten unterstützen den siegreichen römischen Heermeister Aëtius gegen die Hunnen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, die Ostgoten stehen auf der Seite der Hunnen. Im Tolosanischen Reich folgt auf Theoderid König Thorismund.
453Auf Thorismund folgt Theoderich II.
Im Krieg zwischen Attila und den Gepiden sind die Ostgoten aufgeteilt: Ein Teil hält unter Ardarich zu den Gepiden, die die Auseinandersetzung verlieren, ein Teil zu den Hunnen.
456Erneut wehren die Ostgoten einen hunnischen Angriff ab. Von Kaiser Marcian erhalten sie unter ihren Anführern Valamer, Thiudimer und Vidimer als Siedlungsgebiet ganz Pannonien zwischen dem Plattensee und Sirmium. Es gelingt ihnen, die Gepiden zurückzudrängen.
459Sie unternehmen einen Kriegszug bis nach Dyrrhachium.
466Im Tolosanischen Reich folgt Eurich auf Theoderich II. Unter ihm breitet sich ab 468 das Tolosanische Reich nach Hispanien aus.
467Ein Angriff der Goten auf Noricum wird in der Schlacht von Teurina an der Donau zurückgeschlagen. Allerdings gelingt die Abwehr der Sarmaten, Hunnen und Sueben.
469In der Schlacht an der Bolia siegen die Ostgoten über eine Koalition von Angreifern: Gepiden, Heruler, Rugier Sarmaten, Skiren und Sueben.
470Theoderich erobert Singidunum (Belgrad).
Die Ostgoten unter Thiudimer ziehen nach Thessaloniki, andere unter Vidimer nach Italien. Die Letzteren schließen sich den Westgoten an.
Nach dem Tod Thiudimers folgt ihm sein Sohn Theoderich d. Gr.
481Theoderich Strabo, der Anführer der gotischen Truppen im Römischen Reich stirbt, sein Heer geht zu Theoderich über.
484Im Tolosanischen Reich folgt auf Eurich der Balthe Alarich II.Theoderich wird römischer Konsul.
488Theoderich zieht gegen Odoaker …
489… und besiegt ihn auf der Isonzobrücke.
490Odoaker unterliegt Theoderich erneut in der Schlacht an der Adda.
493Alarich II. heiratet Theoderichs Tochter Thiudigotha.Theoderich ermordet Odoaker persönlich und wird Herrscher über ganz Italien. Er heiratet Chlodwigs Schwester Audofleda.
496Theoderichs Tochter Ostrogotha heiratet Burgundenkönig Sigismund.
497/98Theoderich wird von Kaiser Anastasius anerkannt und erhält den Titel Flavius Theodoricus rex.
500Theoderichs Schwester Amalafrida heiratet Vandalenkönig Thrasamund.
507Theoderich gewinnt nach einem Erfolg gegen den Franken Chlodwig die Kontrolle über die Westgoten.
510Theoderichs Nichte Amalaberga heiratet Thüringerkönig Herminafrid.
511Theoderich kontrolliert über seinen Statthalter Theudis das Westgotenreich.
Amalafrida stirbt bei einem Umsturz am Vandalenhof.
526Nach Theoderichs Tod folgt ihm sein Enkel Athalarich. Regentin für den Jungen ist dessen Mutter, Theoderichs Tochter Amalaswintha, die einer starken Opposition von Goten und Römern ausgesetzt ist.
531Theudis besiegt König Amalarich und wird König der Westgoten.
534Athalarich stirbt.
535Theodahad lässt Amalaswintha ermorden.
536Der byzantinische Feldherr Belisar landet in Sizilien, erobert Neapel und stirbt. Der neue König Witiges heiratet Amalaswinthas Tochter Mataswintha.
539Die Franken verwüsten Oberitalien.
540Witiges, der in Ravenna belagert wird, kapituliert und wird gefangen genommen.
542König Totila gelingt noch einmal die Zurückdrängung von Byzanz.
548Auf die Ermordung Theudis’ folgen Machtkämpfe im Westgotenreich.
552Byzanz erobert Cartagena.Der byzantinische Feldherr Narses besiegt die Goten in Italien, Totila fällt, im selben Jahr auch sein Nachfolger Teja. Dies bedeutete das Ende des Ostgotenreiches.
711Das Westgotenreich wird von den Sarazenen erobert.

Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator

Die Herrschaft der ostgotischen Amaler in Rom bedurfte einer Rechtfertigung, die über die Tatsache der militärischen Überlegenheit hinausging. Insbesondere verlangte es Theoderich nach einem Beweis der historischen Ebenbürtigkeit des herrschenden Gotenvolkes mit den nunmehr beherrschten, kulturell jedoch überlegenen Römern.

Aus diesem Grund beauftragte er einen seiner engsten Getreuen, Cassiodor Senator, mit der Untersuchung der Geschichte der Goten – einen wahrhaft würdigen Autor, wie dessen Leben vor und nach dem Tod Theoderichs, den er überlebt hat, beweist.

Cassiodor war geboren zwischen 485 und 490 in Scylaceum in Kalabrien, das damals noch Bruttium hieß. Er stammte aus einer vornehmen Familie, die früher aus Syrien nach Italien eingewandert war. Sein Urgroßvater hatte Sizilien und Bruttium gegen die Vandalen verteidigt, sein Großvater war Gesandter bei Attila und sein Vater, praefectus praetorio 503–506, verwaltete Sizilien unter Odoaker und rettete die Insel Sizilien ebenfalls vor den Vandalen und wurde dafür zum patricius ernannt. Cassiodor erhielt die bei dieser Herkunft gleichsam obligatorische Ausbildung in Rom und zeigte selbst besonderes Interesse an Rhetorik. Vor diesem Hintergrund hielt er eine Lobrede auf Theoderich den Großen, den Herrscher des Westens und wurde dafür zum Quästor 506/507 ernannt. Unter der Herrschaft der Ostgoten in Rom machte er in der Verwaltung eine beachtliche Karriere. Diese bestand damals nämlich noch aus römischen Beamten und hatte ihren Sitz in Ravenna. Schließlich brachte es Cassiodor zum Minister und persönlichen Berater Theoderichs. Loyal diente er dem neuen König mit dem Ziel, römische Tradition mit der neuen gotischen Herrschaft zu versöhnen. Sein Mittel dazu war besonders die Rhetorik: Cassiodor blieb der Panegyriker der Amaler auch über den Tod Theoderichs hinaus noch für dessen Enkelin Mataswintha.

Die Leitung der römischen Verwaltung hatte er inne in einer Zeit des Niedergangs und unglaublicher sozialer Spannungen. Die damals prägenden Gegensätze wurden zusammengefasst in dem Satz: Romanus miser imitatur Gothum, et utilis Gothus imitatur Romanum1 – Der arme Römer ahmt den Goten nach, der reiche Gote den Römer. Auch politisch waren die Zeiten höchst unsicher: Cassiodors persönliche Freunde, sein Amtsvorgänger als magister officiorum Boethius und dessen Schwiegervater Symmachus, wurden aus politischen Gründen hingerichtet. Außer mit ihnen war Cassiodor auch mit dem Dionysius Exiguus, einem Mönch skythischer Abstammung, befreundet, dem wir die christliche Jahreszählung verdanken.

Seine hauptberufliche und seine schriftstellerische Tätigkeit verknüpfte Cassiodor durch die Herausgabe der Variae (Sammlung wichtiger Texte aus der römischen Verwaltung), die zur wichtigsten Geschichtsquelle über die römische Staatsverwaltung ihrer Zeit wurden. Die Variae bestehen aus zwölf Büchern antiker Zählung mit 468 Textvorlagen für Rechtstexte, bereichert allerdings mit philosophischen Abhandlungen. Daher stellen sie auch eine Sammlung des damaligen Wissens dar. Sie sind gekennzeichnet durch einen geschraubten, umständlichen Stil, der auch die Laudes auf die Mitglieder der Familie der Amaler charakterisiert. Sein erstes Werk, die Chronica, hatte Cassiodor schon 519 veröffentlicht: eine Weltgeschichte, die mit dem Konsulat Eutharichs, des Schwiegervaters Theoderichs, endet.

Von Theoderich erhielt Cassiodor den Auftrag, eine Geschichte der Goten zu schreiben. Diese legte er in zwölf Bänden an, in denen er Herkunft, Aufenthaltsorte und Taten dieses Volkes darlegte. Das Werk sollte die gotische Herrschaft in Italien durch die Verbindung der gotischen und römischen Vergangenheit legitimieren. Gleichzeitig sollte das ostgotische Geschlecht der Amaler herausgestellt werden. Es richtete sich an Römer und gebildete Goten. Um den Goten ein angemessenes Alter im Mittelmeerraum zu verleihen, setzte er sie mit den schon erheblich länger hier wohnenden thrakischen Geten sowie phasenweise mit den ebenfalls thrakischen Dakern gleich und gewann auf diese Weise viele Jahrhunderte auf einmal und wertete so die Goten als Kulturvolk erheblich auf. Dass dabei keine logische Chronologie mehr herzustellen war, störte ihn nicht, dafür reklamierte er ein hohes Alter des beanspruchten Siedlungsgebietes. Den berühmten Ostgotenherrscher Ermanarich verglich er mit Alexander dem Großen. An vielen Stellen ist selbst noch in den überlieferten Fragmenten der Anklang an griechische und römische Historiker festzustellen: Tacitus, Deixippos, Priskos und Blabius. Abgeschlossen wurde das Werk wohl 537/538, wurde aber nach Meinung mancher Historiker noch von Cassiodor fortgesetzt bis 551.

Doch das politische Gebilde, das Cassiodor mit seiner Gotengeschichte integrieren wollte, war nicht von langer Dauer. Nach Theoderichs Tod 526 regierte dessen Tochter Amalaswintha für ihren Sohn Athalarich, Cassiodor leitete weiterhin die Zivilverwaltung und wurde selbst 533 praefectus praetorio wie einst sein Vater. Seine kulturellen Ambitionen waren ungebrochen: Mit Papst Agapetus I. (reg. 535–536) fasste er den Plan, ein Zentrum für Bibelstudien einzurichten nach dem Vorbild bestehender weltlicher Hochschulen in Italien und Katechetenschulen in Nisibis und Alexandrien. Doch als 537 der byzantinische General Belisar Rom eroberte und Nachfolger Cassiodors als praefectus praetorio wurde, verlor dieser sein Amt. Er blieb aber in Ravenna und wurde am Ende seiner Laufbahn vielleicht noch mit dem Titel patricius geehrt. 540 wurde auch Ravenna durch Truppen Iustinians erobert. Damit endete, nicht nur in Italien, die Amalerherrschaft, in deren Dienst sich Cassiodor sein ganzes bisheriges Leben lang gestellt hatte.

Cassiodor zog sich zunächst ins Privatleben zurück, was in Antike und Spätantike gar nicht ungewöhnlich war, und ging auf einen neuen Lebensabschnitt zu. 550 befand er sich in Konstantinopel mit dem ehemaligen Konsul des Ostens Rufinus Petronius Nicomachus Cethegus und dem früheren Ostgotenkönig Vitiges sowie weiteren Emigranten, wohl auch selbst als ein Verbannter. In dieser Zeit verfasste er De anima als 13. Buch der Variae, das stilistisch einfacher gehalten ist als der erste Teil: Die äußere Form verlor hier bereits an Bedeutung gegenüber dem Textgehalt. Ebenso begann er die Expositio Psalmorum (Psalmenerklärung), die 10 Jahre später erschien.

Die Fortsetzung der Schriftstellerei aber genügte Cassiodor nicht. Für den neuen, zweiten Lebensabschnitt, aus dem noch fast eine zweite Hälfte wurde, gründete Cassiodor 554 das Kloster Vivarium (so benannt nach seinen Fischteichen) auf seinem Familiengut nahe dem Flüsschen Pellena (jetzt Alessi). Er selbst war Klosterherr und Abt; die Mönche lebten nach einer eigenen Regel, nicht nach der Benedikts. Die von ihm selbst formulierte Aufgabe der Ordensgemeinschaft lautete: Bewahrung der antiken Bildung, Rettung für die neue Zeit. Auch hier war es – wie schon in seinem ersten Leben – notwendig, Gegensätzliches zu verbinden: Antike und Christentum. Die Mönche begannen daher mit einer regen Sammel- und Abschreibtätigkeit, eventuell fertigten sie auch Übersetzungen an. Als Abt schrieb Cassiodor die Institutiones divinarum et humanarum litterarum (Einführung in die religiösen und weltlichen Wissenschaften), ein grundlegendes Lehrbuch des Mittelalters, gegliedert nach den Septem artes liberales, das auch als Anleitung zum Sammeln und Abschreiben von Handschriften diente. Eine Bibliothek entstand; daneben hatte Cassiodor auch noch eine Privatbibliothek. Klar war, dass Texte aufgrund der Seltenheit vieler Werke sowie wegen der geringen Haltbarkeit der Beschreibstoffe und der hohen Verlustgefahr nur durch immer wieder neues Abschreiben erhalten werden konnten. Hier fand der Übergang von Papyrus zu Pergament und von der Rolle zum Codex als systematische Maßnahme zur Erhaltung von Texten statt. Von den 3% Texten, die von der ursprünglich vorhandenen antiken Literatur auf uns gekommen sind, verdanken wir einen großen Teil Cassiodor, seiner Mönchsgemeinschaft und seiner Vorbildwirkung auf andere Klöster. Eine Ironie der Geschichte ist es, dass dabei ausgerechnet sein Werk über die Goten nicht erhalten wurde. Eine Handschrift, die er selbst angefertigt hat, ist erhalten geblieben. Sie liegt jetzt in St. Petersburg. Im Alter von 93 Jahren schrieb Cassiodor seine letzte Schrift: De orthographia.

Durch den ungeheuren Bruch in der Mitte seines Lebens wurde der Verfasser der Gotengeschichte »der letzte Römer und der erste Mensch des Mittelalters«.2 580 starb Cassiodor in seinem Kloster Vivarium.

Jordanes und die Getica oder Origo Gothica

Jordanes – auch Jordanis genannt – war ein Balkangote und stammte von Sadagaren oder Skiren ab; seine durchaus wohlhabende Familie lebte in der Provinz Moesia inferior, und sein Großvater war notarius bei dem Alanenfürsten Kandak. Jordanes seinerseits war notarius bei dessen Neffen, dem Amaler Gunthik, auch Baza genannt. Jordanes war auch Kleriker, und zwar in der katholischen Kirche. Er war kein Arianer. Nach manchen Historikern ist er identisch mit Bischof Jordanes von Crotone. Seine Schriften entstanden ab 551:

Zunächst De summa temporum vel origine actibusque gentis Romanorum, eine Weltchronik von Adam bis Iustinian, gegliedert nach der sich aus dem Buch Daniel im AT ergebenden Periodisierung. Dann das hier vorliegende Werk De origine actibusque Getarum. Beide Werke erschienen nicht nur gemeinsam, sondern wurden auch wohl parallel verfasst.

Die Schrift »Vom Ursprung und den Taten der Goten, kurz Getica oder Origo Gothica, sind – kritisch ausgewertet – von hohem Wert für die Kenntnis der Geschichte der Goten. Nach Aussage ihres Verfassers stellt sie eine Zusammenfassung der zwölf Bücher Cassiodors über die Geschichte der Goten dar, auf den ihr Stil auch deutlich verweist. Dem Vorwort zufolge hatte Jordanes nur kurz Gelegenheit, Cassiodors Bücher einzusehen. Dabei handelt es sich aber wohl eher um einen Topos als um ein historisches Faktum. Überprüfbar ist dies dort, wo z.B. parallele Berichte in Cassiors erhaltenen Variae zu finden sind. Auch viele andere antike Autoren wurden von Jordanes direkt oder in schon von seiner Vorlage Cassiodor benutzt. Manche sollen vor allem die Gelehrsamkeit des Verfassers erweisen, ohne dass sie zum Verständnis des eigentlichen Gegenstandes erforderlich wären. Die Rolle der Amaler ist für Jordanes nicht mehr so wichtig, wie sie noch bei Cassiodor war, denn die Familie stellt keinen Herrscher mehr. In den Vordergrund tritt dagegen noch mehr als in der Vorlage die Integration der Gotenherrschaft in die römisch-byzantinische Geschichte. Jordanes’ in der Origo Gothica deutlich werdende positive Haltung zu Byzanz legt eine Abfassung in Konstantinopel nahe. Das Werk widmet Jordanes einem gewissen Vigilius, bisweilen mit dem gleichnamigen Papst (537–555) identifiziert, das Vorwort richtet er an seinen Auftraggeber Castalius, vielleicht einen Geistlichen oder einen gotenfreundlichen Politiker.

Umstritten ist, ob Jordanes das ganze Werk geschrieben und es erst 551 vollendet und herausgegeben hat, oder ob es früher erschienen ist und der Schluss von anderer Hand ergänzt wurde.

Die wichtigste Handschrift des Werkes, die die Neuzeit erreichte, befand sich im Besitz des berühmten Althistorikers Theodor Mommsen, als dessen Haus in Heidelberg abbrannte. Die Informationen immerhin hatte Mommsen bereits gesichert, und 1882 brachte er die bis heute maßgebliche textkritische Fassung in der Reihe der Monumenta Germaniae Historica heraus. Sie wurde bis heute einmal, und zwar 1913 von Wilhelm Martens, ins Deutsche übersetzt und mehrfach nachgedruckt. Im Marix Verlag erschien 2010 eine Ausgabe von Hans-Jörg Hube, die auf derselben Übersetzung beruht und den Titel »Ostgotensaga« trägt.

Andere Quellen zur Geschichte der Goten

Außer Cassiodor bzw. Jordanes verfassten weitere römische und griechische bzw. byzantinische Geschichtsschreiber Werke, die wichtige Quellen zur Geschichte der Goten darstellen, wenn auch mit unterschiedlichem Erkenntnisinteresse. Dabei sind neben kurzen Erwähnungen – wie in der Germania des Tacitus, in Abhandlungen zur Geographie, aber auch fragmentarisch erhaltenen Werken wie das des griechisch schreibenden Historiographen Priskos – vor allem die folgenden vier Autoren zu nennen.

Der um 330 n. Chr. in Antiochia in Syrien geborene spätantike Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus verfasste eine römische Geschichte Res gestae in lateinischer Sprache, von deren ursprünglich 31 Büchern leider nur die zweite Hälfte erhalten ist, die sich mit den Ereignissen von 353 bis 378 befasst, die er zum Teil als Soldat, unter anderem in Germanien und in Persien, selbst miterlebt hatte. Sein Interesse galt der römischen Geschichte, deren Berührungen mit den Grenznachbarn, nicht zuletzt mit den germanischen Stämmen unter ihnen, in der von Ammianus beschriebenen Zeit zahlreich und heftig waren. Daher wird Ammianus, der als der letzte große Historiograph Roms gilt und sich unter manchen Aspekten an Tacitus anlehnt, zu einer wichtigen Quelle gerade über die Völker, gegen welche das Imperium Krieg führte. Sein Werk entstand um 390 in Rom, nachdem er Ägypten und Griechenland bereist hatte. Ihn interessierte vor allem das Leben der jeweils regierenden Kaiser und – als Grieche mit römischer Gesinnung – die Reichsgeschichte. Sein Werk endet mit der Schlacht von Adrianopel, in der die Goten die Römer vernichtend besiegten und die für ihn mit anderen katastrophalen Niederlagen (Rom 387 v.Chr., Cannae 216 v.Chr. und Varusschlacht 9 n. Chr.) auf einer Stufe steht und einen tiefen Einschnitt in der Reichsgeschichte bedeutete. Ammianus starb spätestens im Jahr 400.

Etwa zwei Generationen jünger als Ammianus war der um 385 in Hispanien geborene Orosius, der nicht zuerst als Historiker, sondern vor allem als Theologe schrieb. Orosius war Schüler des Kirchenvaters Aurelius Augustinus. Der Vorname Paulus taucht zuerst bei Jordanes auf, gilt aber als nicht gesichert. Sein Hauptwerk Historiae adversus paganos verfasste er auf dessen Aufforderung hin. Wie De civitate dei seines Lehrers zielt Orosius’ Geschichtserzählung auf den Beweis, dass nicht das Christentum am Niedergang des Römischen Reiches schuld sei. Nach der Eroberung der Hauptstadt Rom 410 durch die Westgoten nämlich war genau dieser Vorwurf gegen die Christen wieder aufgeflammt. Orosius’ Historiae sind deshalb eine Aneinanderreihung von Katastrophen nicht nur der römischen, sondern der Weltgeschichte, die nachweislich nichts mit dem Christentum zu tun haben. Für die Völker, die das Römische Reich bedrängten, hatte er aufgrund dieser Intention kein besonderes Interesse. Dennoch stellt Orosius, nicht nur als Quelle von Cassiodor/Jordanes ein wichtiges Zeugnis spätantiker Geschichte dar, das freilich kritisch gelesen werden muss.

Der aus Syrien oder Palästina stammende hellenistisch gebildete Geschichtsschreiber Zosimos verfasste Anfang des 6. Jahrhunderts eine Historia nea genannte Geschichte der römischen Kaiserzeit (von Augustus bis 410) in sechs Büchern, die er aber nicht vollenden konnte. Eine besondere Bedeutung seines Werkes liegt (ähnlich wie bei Jordanes) in den inzwischen verloren gegangenen Quellen. Seine betont antichristliche Haltung besteht genau in den Gedanken, die Orosius und Augustinus zurückzuweisen versuchten. Er rechnete daher auch fest mit dem Untergang des Reiches, obgleich er die Abdankung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus nicht mehr erlebte. Auch bei ihm kommen Völker wie die Goten nur als Kriegsgegner Roms vor.

Um 500 n. Chr. wurde Prokop von Caesarea (in Palästina) geboren, und er machte seine Karriere in der oströmischen Verwaltung, wo er zuerst unter General Belisar als Consiliarius tätig war. Diese Position gewährte ihm Einblicke in die wichtigsten militärischen und politischen Vorgänge, was ihm später bei der Abfassung seiner Geschichtswerke nützlich war. Mit dieser begann er wahrscheinlich um 542 in Konstantinopel. Außer den späteren, kleineren Werken wie den Anekdota (auch »Geheimgeschichte« genannt, eine Ansammlung von Skandalen, in der vor allem Prokops Lieblingsfeindin Theodora, Iustinians Frau, angegriffen wird) und den Aedificia (über das Bauprogramm Kaiser Iustinians in sechs Büchern; das Werk blieb unvollendet) verfasste er eine Kriegsgeschichte Kaiser Iustinians, enthaltend die Kriege gegen die Perser (Buch 1 und 2), gegen die Vandalen (Buch 3 und 4), gegen die Ostgoten (Buch 5 bis 7) und eine Sammlung weiterer militärischer Aktionen (Buch 8). Gerne berichtet Prokop anlässlich der Kriege auch über die feindlichen Völker, wobei seine Angaben allerdings teilweise vorsichtig behandelt werden müssen. Prokop gehört zu den großen spätantiken Historiographen und schreibt in feinem attischem Griechisch. Dabei scheut er nicht davor zurück, seine eigene Sichtweise deutlich darzulegen. Prokop, der auch noch eine Kirchengeschichte schreiben wollte, starb um 562.

Von den genannten Werken unterscheidet sich Jordanes dadurch, dass er die Goten in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt. Doch auch bei ihm werden historische Tatsachen dem Ziel, das Volk der Goten (wenigstens im Hinblick auf ihr Alter) ebenbürtig neben Rom zu stellen, untergeordnet.

1 Das Zitat stammt aus einer Anonymus Valesianus (12,61) genannten lateinischen Schrift eines unbekannten Verfassers, die aus zwei Teilen besteht. Im zweiten Teil wird über die Zeit Theoderichs berichtet; sie entstand in der Mitte des 6. Jahrhunderts.

2 Joseph Eberle, Lateinische Nächte, S. 202.

ÜBERSETZUNG

EINLEITUNG IN DAS WERK
Vorrede des Jordanes an Castalius

(1) Gerade wollte ich, auf einem kleinen Schiff das Ufer einer ruhigen Küste entlangfahrend, einige kleine Fischlein aus den Teichen der Alten, wie man so sagt, sammeln, da nötigst du mich, Bruder Castalius, die Segel zu setzen und das hohe Meer anzusteuern; und nachdem ich das Büchlein, das ich Händen halte, beiseitegelegt habe,3 nämlich das von der Kurzfassung der Chroniken, überredest du mich, in unserer Sprache die zwölf Bücher des Senators über den Ursprung und die Taten der Goten von den Anfängen bis zur Gegenwart, geordnet nach Generationen und Königen, in einem einzigen kleinen Büchlein zusammenzudrängen. 2 Das ist allerdings ein harter Befehl, und er wird mir gleichsam von einem, der der die Last dieser Mühe gar nicht kennen will, auferlegt. Du nimmst auch keine Rücksicht darauf, dass ich nur einen schwachen Atem habe, um eine so großartige Posaune dieser Sprachgattung zu erfüllen. Zu dieser ganzen Last aber kommt noch, dass ich nicht einmal die Möglichkeit habe, Einblick in diese Bücher zu nehmen, um zu sehen, wieweit ich deren Sinn treffe, sondern dass ich – um nicht zu lügen – einst nur durch die Großzügigkeit eines Bibliotheksaufsehers für kurze Zeit zum Lesen ausgeliehen habe. Gleichwohl erinnere ich mich nicht deren Wortlautes, den Sinn aber und die abgehandelten Themen, glaube ich unversehrt behalten zu haben.4 3 Zu demselben habe ich auch von einigen griechischen und lateinischen Geschichtsschreibern Passendes hinzugefügt, indem ich Anfang und Ende und vieles dazwischen auf meine Weise zusammengemischt habe. Nimm daher ohne Verdruss, was ich ausgearbeitet habe, gerne an, und lies es mit höchstem Vergnügen. Und wenn dir etwas zu knapp dargestellt zu sein scheint und du dich als Nachbar jenes Volkes einer wichtigen Sache erinnerst, so füge sie hinzu, indem Du für mich betest, geliebter Bruder. Der Herr sei mit Dir. Amen.

Erdbeschreibung

(1) 4 Unsere Vorfahren stellten fest, wie Orosius berichtet,5 dass der ganze Erdkreis vom Saum des Ozeans umflossen und dreigeteilt ist, und seine drei Teile nannten sie Asien, Europa und Afrika. Dafür, dass die Fläche des Erdkreises dreigeteilt ist, gibt es fast unzählige Zeugnisse von Schriftstellern, die nicht nur die Lage von Städten und Orten erläutern, sondern sogar, was noch deutlicher ist, die Zahl der Schritte und Meilen messen und die in den Meeresfluten gelegenen Inseln bestimmen, die größeren ebenso wie die kleineren, welche sie Kykladen6 oder Sporaden7 nennen, die in der unermesslichen Weite des großen Meeres liegen. 5 Die unerreichbaren äußeren Grenzen des Ozeans zu beschreiben, hat nicht nur niemand je in Angriff genommen, ja sogar sie zu erreichen, war noch niemandem gestattet, weil man den Ozean durch den Widerstand des Schilfgrases und das fehlende Wehen der Winde für undurchdringlich hält und die Ränder noch von keinem betrachtet wurden, außer von dem, der sie erschaffen hat. 6 Das innere Ufer dieses ganzen Meeres aber, von welchem wir gesagt haben, dass es einen Kreis um die ganze Erde bildet, der wie ein Kranz ihre Grenzen umgibt, ist den neugierigen Menschen und denen, welche über diese Sache schreiben wollten, gründlich bekannt geworden, weil auch der Rand der Erde von Einwohnern besiedelt ist und einige Inseln in diesem Meer bewohnbar sind, sodass in östlicher Richtung und im Indischen Ozean Hyppodes8 und Jamnesia9 existieren, von der Sonne verbrannt und gleichwohl unbewohnbar, die sich dennoch in ihrer ganzen Breite und Länge weit ausdehnt. Die Insel Taprobane10 ferner, auf der sich (abgesehen von kleineren Städtchen und Besitzungen) zehn prächtige Städte11 befinden. 7 Aber außerdem gibt es auch das wunderbare Silefantia, ebenso auch Theron,12 die, wenngleich sie bisher noch von keinem Schriftsteller genauer dargestellt wurden, dennoch durch Bewohner recht dicht besiedelt sind. In seinem westlichen Teil hat der Ozean einige Inseln, und diese sind fast alle wegen der Häufigkeit, mit der Leute dorthin fahren und zurückkehren, bekannt. Und nicht weit von der Gaditanischen Meerenge13 liegt eine, die Baeta14 heißt und eine weitere, die Fortunata heißt. Obwohl einige auch jenen doppelten Landvorsprung von Galizien und Lusitanien15 zu den Inseln des Ozeans rechnen, bei denen man auf einer einen Herkules-Tempel16 und auf der anderen ein Denkmal Scipios sehen kann, gehören diese dennoch, weil sie die äußerste Stelle Galiziens bilden, eher zu der großen Landmasse Europas als zu den Inseln des Ozeans. 8 Dennochhat er auch noch weitere Inseln innerhalb seiner Wassermassen, welche Balearen genannt werden, und er besitzt eine namens Meviana,17 und ich zähle die Orkaden18 mit 33 hinzu, wenngleich nicht alle von ihnen bewirtschaftet werden.19 9 In seinem äußersten Westen hat er die Insel Thule,20 von welcher der Dichter aus Mantua unter anderem sagt:

Dir wird das äußerste Thule dienen.21

Das unermessliche Meer hat freilich selbst in seinem Norden eine große Insel namens Skandza, womit wir mit Gottes Hilfe diese Erzählung beginnen lassen wollen, weil das Volk, dessen Ursprünge du kennenlernen willst, aus dem Schoß dieser Insel gleich einem Bienenschwarm hervorbrach und die Erde Europas durchzog. Wie aber und warum und unter welchen Umständen haben wir, so Gott will, im Folgenden erklärt.

Die Insel Britannien

(2) 10 Nun aber will ich von der Insel Britannien, welche im Ozean liegt zwischen Hispanien, Gallien und Germanien einiges Wenige berichten. Diese hat zwar wegen ihrer Größe noch niemand umfahren, wie Livius berichtet,22 dennoch erzählen viele Autoren auf mannigfaltige Weise von ihr. Lange war sie von römischen Waffen unberührt, da erschloss sie Iulius Caesar23 in Kriegen, die er nur um des Ruhmes willen führte. Zugänglich gemacht worden ist sie seitdem für Händler und für viele Menschen, die aus anderen Gründen reisen, und dem eifrig forschenden Zeitalter, das dann folgte, gab sie noch genauer ihre Lage preis,24 welche wir so, wie wir es bei den griechischen und lateinischen Schriftstellern erfahren haben, darstellen. 11 Die Mehrheit sagt, sie sei einem Dreieck ähnlich, das sich nach Norden und Westen ausdehnt und sich mit einem besonders großen Winkel zur Mündung des Rheins hin erstreckt, um von da mit abnehmender Breite in einem rückwärts geneigten Bogen in zwei weitere Winkel auszulaufen mit einer Länge doppelt so groß wie die Breite und Germanien zugewandt.25 Es ist 2310 Stadien26 lang und erstreckt sich, wo es breiter ist, aber nicht über mehr als 7132 Stadien.27 12 Die Insel ist bewachsen mit Gestrüpp, erstreckt sich teilweise in waldigen Ebenen, die sich hier und da auch zu Bergen erheben, und ist von einem trägen Meer umflossen, das denen, die versuchen, es mit dem Ruder zu durchdringen, nicht leicht nachgibt, noch sonst durch das Wehen der Winde aufgewühlt wird,28 weil die Tatsache, dass die Landmasse so weit entfernt ist, wie ich glaube, alle Ursachen für heftige Bewegungen ausschließt, da sich das Meer dort ja breiter als irgendwo sonst ausdehnt. Strabo aber, jener berühmte Schriftsteller der Griechen, berichtet, dass jene solche Nebel aushauche, feucht geworden durch die Nässe des Ozeans, der sich häufig bis auf ihr Gebiet ergießt, sodass die fast über den ganzen ziemlich hässlichen Tag hinweg verdeckte Sonne, selbst wenn sie hell scheint, angeblich gar nicht zu sehen ist.29 13 Die Nacht allerdings sei im äußersten Teil der Insel ziemlich klar und sehr kurz, berichtet Cornelius,30 der Verfasser der Annalen, die Insel an den meisten Metallen reich, ebenso an Kräutern und ziemlich gesegnet mit all dem, was eher das Vieh als den Menschen nährt. Durch diese flössen aber auch viele wirklich große Ströme in alle Richtungen, die Edelsteine und Perlen mit sich führen.31 Die Gesichter der Siluren32 sind tätowiert. Diese werden meist mit schwarzem, lockigem Haar geboren. Kaledonien dagegen bewohnen rothaarige Menschen mit großen Körpern, welche aber nicht sehr fest sind, ähnlich den Galliern und Hispaniern, je nachdem, welchen von diesen sie näher wohnen. 14 Deshalb vermuten einige, dass die Insel von diesen ihre Bewohner aus der Nachbarschaft herbeigerufen und erhalten hat.33 Gleichermaßen ungebildet sind alle Völker und Könige dieser Völker.34 Dass diese alle dem Namen der Kaledonier und der Maeaten35 beigetreten sind, berichtet Dio,36 der hochberühmte Geschichtsschreiber. Hütten aus Ruten bewohnen sie, leben unter einem Dach mit dem Vieh, oft auch sind die Wälder ihr Zuhause.37 Ob sie zum Schmuck oder aus einem anderen Grund ihre Körper mit Eisen bemalen, weiß ich nicht. 15 Kriege führen sie ziemlich oft untereinander, weniger beritten als mit Fußtruppen, allerdings mit Zweigespannen und mit sichelförmigen Wagen, die sie gemeinhin Streitwagen zu nennen pflegen.38 Dieses wenige von der Gestalt der Insel Britannien gesagt zu haben, möge genügen.

3 Die Formulierung am Anfang des Proömiums hat Jordanes übernommen von Rufinus von Aquileia, der eine solche Vorrede seiner Übersetzung der Commentarii Origenis super epistulam Pauli ad Romanos vorangestellt hat.

4 Es war in der antiken und mittelalterlichen Literatur ein beliebter Topos, dass man ein wiedergegebenes oder zusammengefasstes Werk nur für kurze Zeit habe einsehen können.

5 Paulus Orosius um 385 – um 418) aus Hispanien war Historiker und Theologe. Sein Hauptwerk, die Historiae adversus paganos, schrieb er angeregt durch und in gründlichem Austausch mit Aurelius Augustinus. Es ist ein Geschichtswerk, das Jordanes ausführlich benutzte. Hier zitiert er die Stelle 1,2,1.

6 Kykladen bedeutet deutsch »die im Kreis Angeordneten« und bezeichnet die griechischen Inseln, die rund um Delos in der Ägäis liegen.

7 Sporaden (deutsch »die Zerstreuten«) wurden die Inseln der Ägäis genannt, die nicht um Delos herum gruppiert sind.

8 Eigentlich Hippopodes; sie bezeichnen bei einigen antiken Schriftstellern Inseln im Nordmeer (z. B. Plinius, Naturalis Historia 4,95), bei anderen solche im Indischen Ozean (z. B. Jordanes).

9 Jamnesia wird wie Hippopodes bei Iulius Honorius, Cosmographia 29 erwähnt, der im 4. oder 5. Jh. Erläuterungen zu einer bestehenden Erdkarte verfasste, die von Cassiodor empfohlen wurden, sind aber sonst unbekannt und gehören vielleicht zu den sagenhaften Vorstellungen, die man sich am Mittelmeer von den Rändern der Welt machte.

10 Vermutlich das heutige Sri Lanka.

11 Orosius, Historiae adversus paganos 1,2,16.

12 Zu diesen beiden Namen vgl. die Angaben zu Hyppodes und Jamnesia.

13 Gibraltar.

14 Insel im Atlantik.

15 Das heutige Portugal.

16 Vergil, Georgica 1,30.

17 Orosius, Historiae adversus paganos 1,2,82.

18 Die Orkney-Inseln.

19 Orosius, Historiae adversus paganos 1,2,78.

20 Sagenhafte Insel, die man in der Antike im Nordatlantik vermutete und die bisweilen mit Island gleichgesetzt wurde.

21 Vergil, Georgica 1,30.

22 Nach Tacitus, Agricola 10.

23 Tacitus, Agricola 13.

24 Tacitus, Agricola 28.

25 Pomponius Mela 3,6,50 und Tacitus, Agricola 10

26 462 km.

27 Cassius Dio, römischer Senator und Historiker aus Bithynien, schrieb zu Beginn des 3. Jh. eine Römische Geschichte von den Anfängen bis auf seine Zeit. Jordanes zitiert hier die Stelle 76,12; die angegebene Streche entspricht 1426 km.

28 Tacitus, Agricola 10.

29 Strabon von Amaseia (63 v. – 23 n. Chr.) verfasste die Geographika, aus denen Jordanes hier die Stelle 4,5,2 zitiert.

30 Tacitus Agricola, 10.

31 Pomponius Mela; er verfasste kurz nach Caesars Tod (44 v. Chr.) eine Erdbeschreibung. Jordanes zitiert hier die Stelle 5,6,50.

32 Keltischer Volksstamm in Wales.

33 Tacitus, Agricola 11 und Historiae 2,32.

34 Pomponius Mela 3,6,51.

35 Britannischer Volksstamm, auch erwähnt bei Cassius Dio, Römische Geschichte 75,5,4.

36 Cassius Dio Römische Geschichte 76,12.

37 Strabon, Geographika 4,5,2.

38 Pomponius Mela 3,2,51.

GEMEINSAME GESCHICHTE DER GOTEN
Die Insel Scandza und ihre Bewohner

(3) 16 Zur Lage der Insel Scandza, welche wir weiter oben verlassen haben, wollen wir nun wieder zurückkehren. Von dieser nämlich spricht im zweiten Buch seines Werkes Klaudios Ptolemaios, der berühmte geographische Schriftsteller, da er sagte: »Es gibt, weit draußen im nördlichen Ozean gelegen, eine große Insel namens Scandza,39 in der Form eines Zitronenbaumblattes, an den Seiten gebogen, zum Ende hin in die Länge gezogen. Von dieser berichtet Pomponius Mela, dass sie im Kodanischen Golf40 gelegen sei und dass ihre Ufer der Ozean umfließt.41 17 Diese ist an der Einmündung des Flusses Vistula42 gelegen, der in den Sarmatischen Bergen entspringt und gegenüber von Scandza liegt und sich in drei Armen in den nördlichen Ozean ergießt, wobei er Germanien und Skythien voneinander abgrenzt. Diese also hat im Osten einen riesigen Binnensee im Bauch der Erde, woher sich der Fluss Vagus,43 wie in einem Bauch gezeugt, in den wellenreichen Ozean ergießt. Sie wird ferner vom Westen her von einem riesigen Meer umgeben und vom Norden her von einem eben solchen riesig großen und nicht befahrbaren Ozean eingeschlossen, aus welchem heraus gleichsam wie von einem Arm das Germanische Meer gebildet wird. 18 Dort liegen, so wird erwähnt, zwar ziemlich kleine aber viele Inseln, und wenn zu diesen Wölfe auf dem zugefrorenen Meer in zu großer Kälte hinüberlaufen, sollen sie ihres Augenlichts beraubt werden. So ist das Land nicht nur ungastlich für die Menschen, sondern auch für wilde Tiere grausig. 19 Auf der Insel Scandza aber, um die es in unserer Abhandlung geht, erwähnt Ptolemaios, auch wenn dort viele verschiedene Völker leben, die Namen von sieben von ihnen.44 Einen Schwarm von Honigbienen hat man dort wegen der zu großen Kälte. In ihrem nördlichen Teil lebt ein Volk namens Halogii,45 von welchem es heißt, dass es in der Mitte des Sommers 40 Tage und Nächte ununterbrochen Tageslicht genieße und im Winter eine ebensolche Zahl von Tagen und Nächten kein Tageslicht erlebe. 20 So wechseln Trauer und Freude, Wohltat und Schaden anders als bei anderen Menschen. Und warum das? Weil sie an längeren Tagen die Sonne zum Aufgang oberhalb des Randes ihrer Achse zurückkehren sehen, sie an den kürzeren bei ihnen aber nicht so zu sehen ist, sondern anders, weil sie die südlichen Sternzeichen durchläuft, und was uns als die von unten sich erhebende Sonne erscheint, läuft bei diesen, so sagt man, unterhalb des Randes der Erde entlang. 21 Andere Völker aber sind dort die Screrefennen,46 die kein Getreide als Nahrung verwenden, sondern vom Fleisch wilder Tiere und von Vogeleiern leben. Dort wird in den Sümpfen so viel Brut abgelegt, dass sie sowohl für die Vermehrung der Art genügt als auch für die benötigte Sättigung der Menschen.47 Ein weiterer Stamm, der sich dort aufhält, sind die Suehans,48 die wie die Thyringer49 riesige Pferde reiten. Diese freilich sind es, die zum Nutzen der Römer sappherinische50 Felle durch den vermittelnden Zwischenhandel vieler anderer Stämme schicken, berühmt durch die wunderschöne Schwärze dieser Felle. Während sie im Mangel leben, sind sie doch überaus reich gekleidet. 22 Es folgt sodann eine Reihe verschiedener Stämme, die Theusten,51 Wagoth,52 Bergio,53 Hallin54 und Liothida,55 deren Wohnsitze alle in einer fruchtbaren Ebene liegen, weshalb sie dort von den Eindringlingen aus anderen Völkern angegriffen werden. Hinter diesen kommen die Ahelmil,56 Finnaithen,57 Fervir58 und Gautigothen,59 ein rauer Menschenschlag und immer zum Krieg bereit. Dahinter beginnen die Gebiete der Mixer,60 Euagrer61 und Otingis.62 Diese alle bewohnen aus dem Felsen gehauene Behausungen, wie wilde Tiere. 23 Des Weiteren gibt es die Ostrogoten,63 Raumariker,64 Ragnarikier65 und die Finnen, die sanfter sind als alle anderen Bewohner Scandzas. Ihnen gleich sind die Winowiloth66 und die Suetiden,67 bekannt durch die in diesem Volk vorhandene, alle übrigen Stämme übertreffende Körpergröße. Gleichwohl haben die Danen,68 aus demselben Stamm entsprossen, die Heruler69 aus ihren angestammten Wohnsitzen vertrieben, die sich wegen ihrer Größe bei allen Stämmen Scandzas einen herausragenden Namen beigelegt haben. 24 Dort sind gleichwohl auch die Granner,70 Augandzer,71 Eunixer,72 Taetel,73 Rugier,74 Arocher75 und Ranier76 angesiedelt, deren König vor nicht allzu vielen Jahren Rodwulf77 war, der, die eigene Königsherrschaft verachtend, unter den Schutz des Gotenkönigs Theoderich flüchtete und dort fand, was er suchte. Diese Völker also, großartiger an Körper und Mut als die Germanen, kämpften mit einer Wildheit wie Tiere.

Der Auszug

(4) 25 Von dieser Insel Scandza also sollen, wie aus einer Völkerquelle bzw. wie aus einer Mutter von Stämmen, die Goten unter ihrem König namens Berig,78 wie berichtet wird, ausgewandert sein. Sobald diese aus ihren Schiffen stiegen und Land betraten, gaben sie diesem Ort ihren Namen, denn er wird bis heute, wie man hört, Gothiscandza79 genannt. 26 Von dort zogen sie bald in das Gebiet der Ulmeruger,80 die damals an den Küsten des Ozeans saßen, durchmaßen deren Lager, griffen sie an und vertrieben diese aus deren eigenen Wohnsitzen und unterwarfen deren Nachbarn, die Vandalen,81 schon damals und rechneten diese zu ihren Besiegten. Sobald aber die große Zahl des Volkes wuchs und schon der fünfte König nach Berig regierte, nämlich Filimer,82 der Sohn Gadarichs,83 fasste er den Plan, dass das Heer mit den Familien der Goten von hier weiterziehe. 27 Während dieser die besten Wohnsitze und passenden Gegenden suchte, gelangte er in das Land der Skythen, das in deren Sprache Oium84 genannt wurde. Von der großen Fruchtbarkeit der Gegend erfreut, soll das Heer schon zur Hälfte über eine Brücke gezogen sein, welche über einen Fluss führte,85 als diese Brücke völlig zusammenbrach und es keinem Einzigen mehr möglich war, herüber- oder hinüberzukommen. Denn dieser Ort, so wird berichtet, wird durch nachgebendes Moor am Eingang umschlossen, sodass er von seiner Natur durch doppelte Unsicherheit unwegsam gemacht wird. Gleichwohl darf man glauben, dass man auch heute dort sowohl die Stimmen von Tieren als auch Lebenszeichen von Menschen wahrnehmen kann, gemäß dem Zeugnis von Wanderern, wenn diese es auch nur von Weitem gehört haben. 28 Dieser Teil der Goten also, der mit Filimer, wie es heißt, nach Überschreitung des Flusses in das Gebiet Oium gelangt war, bemächtigte sich des begehrten Landes, und ohne Verzug kamen sie von dort zum Volk der Spalen,86 und in einer Schlacht erlangten sie den Sieg, und von da eilten sie schon als Sieger in den äußersten Teil Skythiens, der am Pontus87 liegt. Auf welche Weise – das wird auch in deren alten Liedern88 fast wie in einer Geschichtserzählung allgemein berichtet, was auch Ablabius,89 der berühmte Schriftsteller des Volkes der Goten, in seiner absolut wahren Geschichte bezeugt. 29 Dieser Meinung stimmen auch manche der Älteren zu. Josephus90 freilich, der überaus glaubwürdige Verfasser der Annalen, während er überall die Richtschnur der Wahrheit überliefert und die Ursprünge der Dinge von Anfang an genau untersucht, lässt jedoch die Ursprünge, die wir vom Volk der Goten berichtet haben, aus – warum, wissen wir nicht. Vielmehr nur Magog91 erwähnt er aus diesem Stamm und versichert, dass sie ihrer Zugehörigkeit nach und dem Namen nach Skythen genannt wurden. Wo die Grenzen dieses Landes liegen, muss ich erklären, bevor ich den Leser in die Mitte desselben führe.

Die neue Heimat – das Gebiet der Skythen

(5) 30 Skythien nun grenzt an das Gebiet Germaniens bis dahin, wo der Fluss Hister92 anfängt bzw. wo sich der Mursianische See93 ausbreitet, und erstreckt sich bis zu den Flüssen Tyras,94 Danaster95 und Vagosola,96 zu dem großen Danaper97 und das Taurusgebirge, nicht dem in Asien, sondern dem eigenen, d.h. dem skythischen, entlang dem ganzen Maeotischen Ufer98 und über Maeotien hinaus durch die Engen des Bosporus bis zum Kaukasusgebirge und den Fluss Araxes99. Weiter dehnt es sich aus an der linken Seite gebogen hinter das Kaspische Meer, das an die äußersten Grenzen Asiens vom Eoborischen Ozean100 und bildet wie ein Pilz, zuerst dünn,101 dann eine sehr breite und runde Form bildend, zu den Hunnen hingewendet, und endet dann bei den Albanern102 und den Serern103. 31 Dieses Vaterland, sage ich, ist Skythien, weit sich erstreckend und breit ausgedehnt. Es hat im Osten die Serer, die an seinem Ende, am Ufer des Kaspischen Meeres wohnen, vom Westen her die Germanen und den Fluss Vistula, im Norden wird es vom Ozean umgeben, im Süden von Persien, Albanien, Iberien,104 dem Pontus und dem äußersten Bogen des Hister, welcher von der Mündung bis zu seiner Quelle Danubius genannt wird. 32 Auf dieser Seite aber, welche an den Pontus grenzt, erstreckt sich Skythien über sehr bekannte kleinere Städte: Borysthenes,105 nämlich Olbia,106 Kallipolis,107 Cherson,108 Theodosia,109 Kareon,110 Myrmekion111 und Trapezunt, welche die wilden Völker der Skythen den Griechen zu gründen erlaubt haben, damit sie ihnen zum Handel dienen. In der Mitte dieses Landes Skythien aber gibt es einen Ort, der Asien und Europa voneinander trennt, und zwar das Rhipaeische Gebirge,112 welches den gewaltigen Thanais113 ausströmen lässt, der in die Maeotische See fließt. Dessen Sumpf114 hat einen Umfang von 144 000 Schritten, ist aber nirgendwo tiefer als acht Ellen. 33 In diesem Skythien wohnt im Westen zuerst der Stamm der Gepiden,115 der von großen und mächtigen Flüssen umspült wird. Denn von Norden durchfließt die Tisia116 sein Gebiet, von Westen aber die mächtige Donau selbst. Von Osten durchschneidet es der Flutausis,117 der sich reißend und mit vielen Strudeln in die Fluten des Hister wälzt. 34 Weiter innen als jenes Gebiet liegt Dakien,118 befestigt durch die steilen Alpen wie ein Kranz; auf deren linken Seite daneben, nach Norden gewandt, von der Quelle der Vistula durch eine unermessliche Strecke hin wohnt das mächtige Volk der Veneter,119 deren Name freilich nun bei verschiedenen Familien und Orten wechseln mag, so werden sie dennoch grundsätzlich Sclavenen120 und Anten121 genannt. 35 Die Sclavenen wohnen von der Stadt Noviedunum122 und dem Mursianischen See an bis zum Danaster und im Norden bis zur Viscla.123 Diese haben Sümpfe und Wälder statt Siedlungen. Die Anten aber, die die tapfersten sind, wohnen am Pontus, erstrecken sich vom Danaster bis zum Danaper, die viele Tagesreisen voneinander entfernt sind. 36 Am Ufer des Ozeans aber, wo die Fluten der Vistula von drei Armen aufgenommen werden, wohnen die Vidivarier,124 die aus verschiedenen Stämmen zusammengesetzt sind. Hinter diesen besitzen die Aesten125 die Ufer des Ozeans, ein Volk ganz und gar bezähmter Menschen. Von diesen aus im Süden sitzt das überaus tapfere Volk der Acatzirer,126 unbekannt mit Früchten, welches sich von Viehzucht und von Jagd ernährt. 37 Jenseits von diesen, oberhalb des Pontus, liegen die Wohnsitze der Bulgaren, durch welche die schlimmen Folgen unserer Vergehen so bekannt geworden sind.

Von hier ließen schon die Hunnen in einem an den tapfersten Völkern so reichen Boden, eine zweifache Raserei der Völker hervorsprießen.127 Denn die einen werden die Altziagiren,128 die anderen die Saviren129 genannt. Die Altziagiren lebten bei der Chersones, wohin der gierige Kaufmann die Güter Asiens bringt. Diese durchstreifen im Sommer weite Felder als ihre Wohnsitze, je nachdem wie das Futter für ihr Vieh sie einlädt. Im Winter ziehen sie sich an den Pontus zurück. Die Hunnuguren130 aber sind daher bekannt, dass von ihnen der Handel mit Hermelinfellen betrieben wird. Diese fürchtet selbst die Kühnheit so großer Männer. 38 Deren Wohnsitze, so lesen wir, sollen zuerst auf dem Boden Skythiens neben den Maeotischen Sümpfen gelegen haben, als zweites in Moesien, Thrakien und Dakien, als drittes oberhalb des Pontus, dann wiederum in Skythien. Deren Geschichte haben wir aber nirgendwo aufgeschrieben gefunden, indem sie sagen, dass sie in Britannien oder auf irgendeiner Insel in Knechtschaft gebracht, dann aber von jemandem um den Preis eines einzigen Hengstes losgekauft worden seien. Aber gewiss, wenn jemand in unserer Stadt behauptete, dass sie anders entstanden seien, als wir es berichtet haben, so würde dies uns zwar widersprechen, doch vertrauen wir eher dem, was geschrieben steht, als dass wir mit dem Gerede alter Frauen übereinstimmen.

Leben der Goten im Laufe der Wanderung

39 Um nun aber auf unser Vorhaben zurückzukommen: An ihrem ersten Wohnsitz in Skythien bei der Maeotis blieben die Vorgenannten zunächst und hatten, wie man weiß, einen König namens Filimer. Am zweiten Wohnsitz, d.h. in Dakien, Thrakien und Moesien, hatten sie nur Zalmoxes,131 von welchem die meisten Geschichtsschreiber bezeugen, dass er von bemerkenswerter philosophischer Bildung war. Denn auch den Zeuta132 hielten sie zuerst für gebildet, danach aber Dicineus,133 als Dritten Zalmoxes, von welchem weiter oben gesprochen haben. Es gab aber noch mehrere, die sie die Weisheit lehrten. 40 Weshalb es bei den Geten auch immer weisere Menschen als bei allen anderen Barbaren gab und sie beinahe den Griechen gleichkamen, wie Cassius Dio134 berichtet, der ein großes Geschichtswerk in griechischer Sprache verfasst hat. Dieser sagt, dass diejenigen zuerst Tarabosten, dann Pilleaten135 genannt wurden, die unter ihnen von vornehmerer Abstammung waren, aus denen sie ihre Könige und Priester ernannten.136 So sehr aber seien die Goten gelobt worden, dass es sogar hieß, dass Mars, den die Betrügereien der Dichter als Kriegsgott bezeichnen, bei ihnen geboren worden sei, weshalb auch Vergil sagt:

auch Gravidus, der die Erde der Goten beschützt.137

41 Diesen Mars erfreuten die Geten immer mit ihrer überaus rauen Lebensweise (denn als Opfer für ihn töteten sie Kriegsgefangene), indem sie glaubten, der Herr über die Kriege müsse angemessen durch das Vergießen von Menschenblut besänftigt werden. Diesem gelobten sie den ersten Teil der Beute, für diesen hängten sie an Bäume die den Feinden abgenommenen Rüstungen auf und hatten mehr als andere in sich die Neigung zu seiner Verehrung, indem sie ihrem eigenen Vater die Verehrung als Gottheit zu erweisen schienen. 42 An ihrem dritten Wohnsitz aber, am Pontus, waren sie schon menschlicher und, wie wir oben gesehen haben, auch schon klüger geworden, indem die beiden Völker bestimmten Familien zugeteilt worden waren, denn die Westgoten dienten der Familie der Balthen,138 die Ostgoten aber der berühmten Familie der Amaler.139

43 Deren Bemühen lag zuerst darin, den anderen benachbarten Völkern die Bögen mit den Sehnen zu spannen, was Lucanus, mehr ein Geschichtsschreiber als ein Dichter,140 bezeugt:

Spannt die armenischen Bögen mit den gotischen Sehnen! 141

Vor diesem sangen sie schon mit Liedern und Zithern und Rhythmen die Taten der Vorfahren, Eterpamara,142 Hanala, Fritigern,143 Vidigoia144 und die anderen, von denen man in diesem Volk eine hohe Meinung hat, wie das bewunderungswürdige Altertum kaum Helden vorzuweisen hat.

39 Klaudios Ptolemaios, ein Wissenschaftler des 2. Jh. v.Chr., verfasste die Geographia, eine Übersicht über die zu seiner Zeit in Europa bekannte Welt. Daraus zitiert Jordanes hier die Stelle 2,11,32.

40 Das Kattegat zwischen Jütland und Schweden.

41 Pomponius Mela 3,3,31.

42 Die Weichsel.

43 Fluss, der im Samland aus einem See heraus zum Ozean fließt; außer an dieser Stelle bei keinem anderen Autor erwähnt. Nach H.-J. Hube der Göta-Älv, der aus dem Vänersee fließt.

44 Klaudios Ptolemaios 2,11,35: Xαιδενοί, Φαυόναι, Φιρασοι, Φίννοι, Γοται, Δαυκίνες und Λευνοι.

45 Ihr Siedlungsgebiet war Halogaland in Nordnorwegen.

46 Screrefennen, auch Scritifennen, dem Namen nach ein finnischer Stamm; allerdings treffen nicht alle antiken Zuordnungen von Stämmen in bestimmte Völker zu.

47 Prokop, Gotenkriege 2,25.

48 Gotisch Suehans, lateinisch Sueones oder Suiones, altschwedisch svear heißt neuhochdeutsch »wir selbst« und ist die Bezeichnung der Bewohner Zentralschwedens, die auch dem modernen Staat ihren Namen gegeben haben. Die nachfolgenden Erklärungen zu den bei Jordanes angeführten skandinavischen Stammesnamen folgen, soweit nicht anders angegeben, den einschlägigen Artikeln im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.

49 Germanischer Volksstamm, angesiedelt zwischen Harz und Thüringer Wald, erstmals erwähnt am Ende des 4. Jh., nämlich von P. Flavius Vegetius Renatus in seiner Schrift über Pferdeheilkunde, später auch bei Cassiodor, Variae 4,1.

50 Saphirfarbig, blau schimmernd.

51 Theusten heißen vermutlich die Bewohner der Landschaft Tjust im nördlichen Småland an der Ostseeküste.

52 Die Wagoth bewohnten vielleicht eine nicht näher identifizierbare Bucht, nach der sie benannt sind (altschwedisch vagher bedeutet Bucht).

53 Die Bewohner von Bjärehärad im norwegischen Schonen, das Wort bedeutet deutsch »Bergbewohner«.

54 Ihr Siedlungsgebiet war Halland in Schweden, in der Gegend von Varberg, der Stamm ist benannt nach dem Hovshallar. Hallar bedeutet Felsen.

55 Der Name Liothida deutet auf den Ortsnamen Liuthguth, der nach dem Beinamen einer Fruchtbarkeitsgöttin gebildet wurde.

56 Der Stammesname Ahelmil ist nicht identifizierbar.

57 Die Finnaithiae wohnten im schwedischen Binnenland im Südwesten des Vättersees. Das Wort bedeutet »Finnenhaide«.

58 Die Fervir, Einwohner von Fjäre, lebten an der schwedischen Westküste. Das Wort bedeutet deutsch Ebbe.

59 Gauten, urgermanisch *gautoz, altschwedisch gøtar bedeutet neuhochdeutsch »Männer«, wörtlich eigentlich »Samenergießer«. Sie lebten im südlichen Schweden; ihr Siedlungsgebiet war in einen westlichen und einen östlichen Teil gegliedert. Die hier bei Jordanes erwähnten Gautigothae und Ostrogothae bezeichnen diesen Stamm.

60 Der Stammesname Mixer ist bisher nicht zuverlässig gedeutet worden.

61 Der Stammesname Euagrer ist bisher nicht zuverlässig gedeutet worden.

62 Der Stammesname Otingis ist bisher nicht zuverlässig gedeutet worden.

63 Zu den Ostrogoten vgl. die Anmerkung zu den Gautigothen.

64 Raumariker waren die Einwohner des heutigen Romerike im südlichen Norwegen.

65 Die Ragnarikier sind, wie die Raumarikier, nach ihrem Siedlungsgebiet benannt.

66 Der Stammesname Winowiloth ist bisher nicht zuverlässig gedeutet worden.

67 Hiermit ist »Suiþiuþ« gemeint, zusammengesetzt aus svea (s. oben d. Anm. zu Suehans) und þiuþ (dt. Volk). Kerngebiet des Stammes war Uppland, von wo sich der Name auch auf andere Teile ausbreitete.

68 Das Wort »Danen« bedeutet vermutlich Tieflandbewohner. Möglicherweise trifft Jordanes Bericht zu, und sie stammen von der skandinavischen Halbinsel, dann möglicherweise aus Schonen. Jütland ist jedenfalls nicht ihre ursprüngliche Heimat, denn sie sind erst nach einer Wanderung dorthin gelangt.

69 Die Heruler, die seit dem 3. Jh. namentlich belegt sind, wurden zunächst im Zusammenhang mit Raubzügen im östlichen Mittelmeerraum bekannt, die sie mit den Goten gemeinsam unternahmen. Im 4. Jh. besiegte Ermanarich ihr Reich am Asowschen Meer, kurz bevor sein eigenes Reich von den Hunnen überrannt wurde. Die Heruler gründeten ein neues Reich an der Donau, das mit dem Tod König Rodwulfs 508 unterging.

70 Die Granner, altnorwegisch grenir, lebten in der Landschaft Grenland an der norwegischen Südküste, im Süden der Telemark, nach der sie wohl benannt waren. Das Wort bedeutet »Fichtenwaldleute«.

71 Die Bezeichnung Augandzer geht zurück auf den Begriff egðir, der die Bewohner der Landschaft Agder, der Südspitze Norwegens bezeichnet.

72 Der Stammesname Eunixer ist bisher noch nicht zuverlässig gedeutet worden.

73 Ein Stamm namens Taetel ist für Skandinavien nicht belegt. In anderen Handschriften sind die Schreibweisen aetel, hetel, getel, ethel, für die dasselbe gilt. H.-J. Hube deutet das Wort als Thelae, die Bewohner der Gegend Telemark.

74 Die Rugier, deren Name auf das Wort Roggen zurückgeht, lebten im 1. und 2. Jh. n. Chr. westlich der Weichselmündung (Tacitus, Germania 44).

75 Die Arocher, auch als Hordar bezeichnet, ein Teilstamm der Haruden, siedelten in Hordaland an der norwegischen Westküste bei Bergen. Die Haruden sind für die Zeit um Christi Geburt in Norwegen, Jütland und Thüringen bezeugt. Wahrscheinlich handelt es sich um Teile desselben Stammes, die sich getrennt hatten.

76 Der Stammesname Ranier ist bisher nicht zuverlässig gedeutet worden.

77 Rodwulf oder Rodulf war König der Heruler und starb 508. Nach Paulus Diaconus (1,20) fiel er in einer Schlacht gegen die Langobarden, nach Cassiodor (Variae 4,2) war er mit Theoderich befreundet. Betreffend seine Identifikation bestehen viele Unklarheiten und Widersprüche.

78 König Berig ist sonst nicht erwähnt; auch die in dieser Überlieferung berichtete Wanderungsbewegung ist archäologisch nicht nachweisbar. Der historische Kern dieser Sagenfigur ist unbekannt.

79 Das Wort in dieser Form wird von manchen Forschern für eine Erfindung Cassiodors gehalten. H.-J. Hube erklärt es als Gothisc-Andia, »Gotisches Ende«.

80 Das Wort Ulmerugier bedeutet Inselrugier und bezieht sich wohl auf eine Insel in der Weichselmündung.

81 Die Vandalen waren ein ostgermanisches Volk und siedelten ursprünglich in Jütland, um Christi Geburt an der Oder, wo sie vermutlich einen Kultverband mit den Lugiern bildeten. Verschiedene Teilstämme wanderten später nach Süden und Osten. Um 400 zogen sie nach dem Herandrängen der Hunnen mit den Sueben und Alemannen nach Gallien und überschritten in der Silvesternacht 406/407 den Rhein. 429 führte König Geiserich einen Vandalenverband nach Nordafrika, wo er Anhänger unter Donatisten (einer von Rom abgespaltenen christlichen Gruppe) und Berberstämmen fand. Im Gebiet des heutigen Tunesien errichtete er ein Königreich. Ihren Ruf als Zerstörer erwarben die Vandalen 455, als sie mit den Alanen Rom plünderten. Das Vandalenreich seinerseits eroberte 533 Iustinians General Belisar.

82 König Filimer, Sohn Garderichs d. Gr., ist eine mythologische Gestalt der Goten, der einerseits sein Volk in das Land Oium geführt haben soll, andererseits aber auch durch die Vertreibung von Zauberinnen aus seinem Stamm die Entstehung der Hunnen verursacht haben sollte.

83 Gadarig d. Gr. oder d.Ä., Vater Filimers, sagenhafter König der Goten.

84 Der Weg der Goten nach Oium kann sowohl die Verlagerung der Wielbark-Kultur von Pommern an die mittlere Weichsel als auch nach Wolhynien und an die Moldau beschreiben. Nach herrschender Meinung meint Jordanes mit dem Namen das Gebiet am Nordufer des Schwarzen Meeres. Filimer wird als der fünfte König nach Berig bezeichnet, welcher ja den Auszug aus dem Ursprungsland geleitet hatte. Die zeitliche Dimension der Wanderung von fünf Generationen vom Ursprungsland ans Schwarze Meer kommt der historischen Wahrheit allerdings recht nahe.

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