Kitabı oku: «Erster-Weltkriegs-Tagebuch aus der böhmischen Provinz», sayfa 2

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Im übrigen meine ich: Das gute Ende abwarten. Dann sollen gewiss Freudenfeuer auf allen Bergen lodern!

Im September: Nach der mehrtägigen Schlacht bei Lemberg, wobei die österreichischen Truppen wegen der erdrückenden Übermacht der Russen zurückgehen mussten, kamen auch mehrere leichtverwundete Soldaten aus hiesiger Gegend hier an, um sich in häusliche Pflege zu begeben und später an die Front zurückzukehren.

In der evangelischen Gemeindestube wurden für den Fall, dass eine Abteilung verwundeter Soldaten eintreffen sollte, 12 komplette Betten samt Wäsche zur Verfügung gestellt. Ebenso wurde der katholische Vereinssaal zu gleichem Zweck angeboten. Dort sollen 18 Betten aufgestellt werden.

Die Firma Dom. Walter & Sohn spendete Flanell und Leinwand für Hemden und Unterhosen für Soldaten im Werte von 3.650 Kronen. Frauen und Mädchen Grulichs leisteten unentgeltlich die Näharbeit.

Im benachbarten Mährisch Rothwasser bewirbt sich der Primararzt Dr. Patschaider lebhaft um eine größere Anzahl verwundeter Soldaten zur ärztlichen Behandlung.

Es ist zu befürchten, dass während des Krieges durch den Transport von Kranken und Verwundeten ansteckende Krankheiten eingeschleppt werden. Daher hat die politische Behörde den Gemeinden die nötigen sanitären Vorsichtsmaßregeln in Erinnerung gebracht.

26. September 1914: Die Stadtgemeinde erließ folgende Kundmachung:

'Kundmachung betreff Besorgung des Nachtwachedienstes durch eine allgemeine Bürgerwache

Infolge Beschlusses der Stadtvertretung vom 24. d. M. ist ab 1. Oktober 1914 der Nachtwachedienst durch eine Bürgerwache zu versehen, zu welcher alle gemeindewahlberechtigten Einwohner mit Ausnahme der zur Kriegsdienstleistung Eingerückten verpflichtet sind. Bei besonders berücksichtigungswürdigen Umständen kann über Ersuchen eine Enthebung von Fall zu Fall stattfinden.

Wahlberechtigte Frauen sind verpflichtet, sich einen Vertreter zu bestellen, welcher für den Nachtdienst geeignet, rechtzeitig bei der Gemeinde angemeldet und derselben genehmigt sein muß.

Die zum Nachtwachedienst Verpflichteten (auch jene Frauen, denen die Bestellung eines Vertreters nicht möglich ist) können durch Erstattung einer Gebühr von 2 Kronen für jeden einzelnen Fall vom Nachtdienst enthoben werden. Diese Gebühr, für welche ein Ersatz durch die Stadtgemeinde bestellt wird, muss mindestens einen Tag vorher in der Stadtkanzlei hinterlegt werden.

Es sollen jede Nacht 6 Mann antreten, welche zu je zwei Mann den Nachtwachedienst zu versehen haben. Die Aufforderung hierzu erfolgt durch die Gemeinde auf 3 Tage im voraus.

Personen, welche dieser ortspolizeilichen Verfügung nicht nachkommen, werden vom Strafsenat nach § 35 der Gemeindeordnung bis zum Strafbetrag von 20 Kronen und im Falle der Zahlungsunfähigkeit bis 48 Stunden Haft bestraft.

Der Bürgermeister Johann Kretschmer'

Nachdem schon am 19. September die Verständigung der Bezirkshauptmannschaft beim Stadtamte eintraf, dass für galizische Flüchtlinge ein Massenquartier vorzubereiten ist, traf heute um 6 Uhr abends eine große Anzahl dieser Flüchtlinge am Bahnhof Grulich Stadt ein. Die hiesige Bevölkerung hatte sich aus Neugierde zahlreich an der Bahnhof- und Reichsstraße angesammelt. 72 Flüchtlinge einschließlich der vielen Kinder wurden im Saal der Schießstätte untergebracht, während über 200 Personen ins Pilgerheim nach Niederheidisch weiterbefördert wurden. Weiter haben sich noch einige bemitteltere Leute aus Galizien in Wohnungen eingemietet. Die in Grulich untergebrachten Flüchtlinge waren nach ihrer Volkszugehörigkeit Polen und Ruthenen.4

Für jede Person ob Erwachsener oder Kind zahlt der Staat einen täglichen Erhaltungsbeitrag von 70 Heller, und zwar so, dass mit diesem Betrag eine große Familie gut auskommen kann, was bei einzelnen Männern nicht der Fall ist.

Der Wohltätigkeitssinn der hiesigen Bewohner zeigte sich auch bei den galizischen Flüchtlingen. Zahlreich waren die Spenden an Lebensmitteln, die ihnen zugetragen wurden, vorzugsweise Wurstwaren und Kuchen sowie Milch für die Kinder.

27. September 1914: Heute traf die amtliche Einberufungskundmachung ein, laut welcher sich die Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1892, 1893 und 1894 der Musterung zu unterziehen haben.

Trotzdem aller Orten für das Rote Kreuz und andere Kriegsfürsorgezwecke gesammelt und gespendet wird, sind die Anforderungen doch so groß, dass die eintreffenden Gelder völlig unzureichend sind. Es werden deshalb seitens des Kriegshilfsbüros des Ministeriums des Innern verschiedene Gegenstände in Form von Kokarden, Medaillen usw. ausgegeben. Außerdem hat der deutsche Volksrat für Böhmen die Aktion ‚Gold gab ich für Eisen’ ausgerufen.

Von der Zeitung ‚Grenzbote’ in Mittelwalde kann man schon seit Wochen den Wortlaut der Telegramme des Wolf’schen Telegrafenbüros von den Kriegsereignissen erhalten. Viele Leute in Grulich beziehen diese und hängen sie in die Fenster. Da kann man an den meisten Tagen dichte Gruppen von Menschen sehen, die mit Eifer die Nachrichten studieren, wie denn überhaupt Jung und Alt, Groß und Klein, mit leidenschaftlichem Interesse am Kriegsgeschehen teilnimmt.

10. Oktober 1914: Unter den galizischen Flüchtlingen im Pilgerheim in Niederheidisch befand sich auch eine russische Spionin, welche sich am Bahnhof in Prerau den Galiziern zugesellt hatte. Über diesen Fall schrieb die ‚Deutsche Grenzwacht’ in Landskron vom 9. Oktober:

'Verhaftung einer russischen Spionin

Am Sonnabend voriger Woche kam mittelst der Bahn ein ganzer Transport von Flüchtlingen aus Galizien. Sie gehörten den verschiedensten Gesellschaftsklassen an. Sie wurden von Lichtenau aus nach Grulich und Niederheidisch dirigiert und hier für eine Rast in verschiedenen Häusern und Örtlichkeiten untergebracht. Man sah da verschiedene Gestalten. Das traurige Los dieser heimatlos gewordenen Leute, welche die Kriegsfurie hinausgetrieben von ihren Heimstätten, aus den von ihren Vorfahren ererbten Sitten, Gewohnheiten und Gebräuchen milderte wohl manch ein Urteil.

Unter diesen Bedauernswerten befand sich ein verschleiertes, schwarz gekleidetes Frauenzimmer, welches, da man den Flüchtlingen ihre Nachtherbergen zugewiesen hatte, ein eigenes Zimmer für sich beanspruchte. Man willfahrte dem Wunsch, da man glaubte, die betreffende Frauensperson sei gewiss besseren Kreisen angehörig gewesen. Da sie sich in ihr Zimmer zurückgezogen hatte, beobachtete man sie durch das Schlüsselloch und bemerkte, dass sie eine größere Anzahl von Schriften unter den Kleidern geborgen hatte, an deren Fortsetzung sie emsig zu arbeiten begann. Von dieser Wahrnehmung wurde sofort das k. k. Gendarmeriekommando in Grulich verständigt, das sofort eifrige Nachforschungen anstellte. Deren Ergebnis war, dass man es mit einer russischen Spionin zu tun habe, die angab, eine Lehrerin zu sein. Man möge sich der bei ihr vorgefundenen Papiere nur ganz ruhig bemächtigen. Die wichtigsten Sachen habe sie schon fortgeschickt. Natürlich wurde diese Person verhaftet, vom Grulicher Bezirksgericht in strengsten Gewahrsam genommen und am 1. Oktober mittelst Gendarmeriebegleitung nach Königgrätz eingeliefert. Unterwegs bildete die Spionin auf der Eisenbahn nicht nur den Gegenstand der Neugier, sondern sehr viele Personen zeigten nicht üble Lust, die Spionin zu lynchen.

Einer Frau, die an sie die Frage richtete, wie sie so etwas als Frau unternehmen konnte, erwiderte die Spionin: ‚Nu, was ist da weiter dran? Eine Kugel!’ ‚Ich bedauere die Kugel’, sagte die Frau; ‚um das unwürdige Ziel, das ihr gesteckt wird! Ihnen gebührt ein Strick, aber keine Kugel!’ Solche Anreden musste die Spionin viele anhören.'

10. Oktober 1914: Ob zwar im Mai dieses Jahres schon eine Pferdeassentierung stattfand, so wuede sie mit Rücksicht auf den herrschenden Krieg erneut abgehalten. Sie wurde heute Vormittag am großen Platze bei den Lauben durchgeführt. Assentiert wurden aus der Stadtgemeinde Grulich 29 Pferde.

12. Oktober 1914: Bei der am 11. Oktober in Hohenmauth stattgefundenen Landsturmmusterung wurden von den in Grulich wohnenden 58 Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1892, 1893 und 1894 40 Mann tauglich befunden, von denen 23 für Grulich und 17 für auswärts zuständig waren.

Mitte Oktober 1914: Zur Sammlung von Liebesgaben für unsere im Felde stehenden Soldaten hat sich hier ein großer Ausschuss gebildet. Dem Komitee gehören an:


P. Adalbert Brix, StadtpfarrerHermine Kober, Private
Wilhelm Oehl, Sparkassen-KassierAlois Veith, Fabrikant
Ludwig Deutscher, StationsvorstandAnna Kober, Private
Josef Radauer, Besserungsanstalts-DirektorGabriele Sirowy, Wirtschafts-Direktors-Gattin
Daniel Fiebinger, MeisterJohann Kretschner, Bürgermeister
Ferdinand Rotter, HotelierJosef Vogel, Rechnungsführer
M. U. Dr. Fritz Franckel, Distr. ArztJaroslav Mensi, Notar und Bezirks-Obmann
Johann Rotter, Fleischer und SelcherDom. G. Walter, Prokurist
Marie Franke, Bürgerschul-LehrerinMarie Walter, Private
Johann Schwarz, Bürgerschul-DirektorTheresia Mensi, Notarsgattin
Johann Goldmann, ObermeisterAlois Womela, Fachschulprofessor
Franz Schwarzer, KaufmannAlois Nitsch, Lagerhalter
Josef Hübner, BaumeisterKarl Mayer, k. k. Landesgerichtsrat
Kais. Rat. Ed. Sirowy, Wirtschafts-Direktor

23. Oktober 1914: Nachdem gestern Nachmittag der behördliche Auftrag eingetroffen war, die assentierten Pferde sogleich nach Senftenberg einzuliefern, wurde dies heute um 7 Uhr früh vollzogen.

Die 39 tauglichen Pferde mit Ausnahme von 4 Stück, welche drüsenkrank sind, gingen unter Begleitung ihrer Besitzer oder deren Knechte ab, jedes mit der vorgeschriebenen Futterration versehen. Wie innig oft Haustiere mit den Menschen verwachsen sind, zeigte sich auch hier: Mancher Besitzer und auch Knecht vergoss Tränen über den Abgang der vertrauten Tiere.

29. Oktober 1914: Heute kam ein Transport von rund 100 verwundeten Soldaten am alten Bahnhof an, um ins Krankenhaus nach Mährisch Rothwasser weiterbefördert zu werden. Sie wurden durch hiesige Frauen und Mädchen gelabt.

Laut Auftrag der Bezirkshauptmannschaft hat die Stadtgemeinde Grulich nach den Bestimmungen des Kriegsleistungsgesetzes folgendes Getreide für Militärzwecke zu liefern: Im Oktober 90 q Roggen, im November 20 q Weizen und im Dezember 50 q Hafer.5

1. November 1914: Heute fand unter Mitwirkung sämtlicher Vereine Grulichs ein Soldatentag für Kriegsfürsorgezwecke in Grulich und Umgebung statt, bei dem Kokarden, Medaillons und Rechnungszettel verkauft wurden. Der Ertrag betrug in Grulich 521,10 Kronen und in den nächsten Gemeinden 195,40 Kronen, zusammen also 716,50 Kronen. Dieser Betrag wurde an das Kriegsfürsorgeamt beim Ministerium des Innern eingesandt.

4. November 1914: Die hiesige Bevölkerung wurde mittels Kundmachung auf die Gefahr des Auftretens einer Blatternepidemie aufmerksam gemacht. Jeder solle sich in eigenem Interesse impfen bzw. wieder impfen lassen. Öffentliche Impfungen fanden am 16. und 19. Oktober, die Impfungen der Schulkinder am 27. und 28. Oktober und 3. November im städtischen Sitzungssaal statt.

Laut der am 24. Oktober eingetroffenen Einberufungskundmachung haben sich die militärisch nicht gedienten Landsturmmänner der Geburtsjahre 1878 bis 1890 bis Ende Oktober zu melden. Gemeldet haben sich 163 Mann.

5. November 1914: Von den galizischen Flüchtlingen wurden die hier befindlichen Polen heute nach Chotzen befördert, wo ein Barackendorf für 20.000 Personen gebaut wurde. Von hier sind 43 Personen abgereist, die übrigen Flüchtlinge – Ruthenen – blieben hier zurück. Die meisten der Leute sind sehr ungern von hier fort, sie meinten ‚hier die Leute so gut’.

9. November 1914: Von unserem städtischen Kassier Hans Philipp, der auf dem nördlichen Kriegsschauplatz verschollen war, empfingen wir heute aus Russland bei St. Petersburg eine Karte, laut welcher er sich in russischer Gefangenschaft befindet. Über diese Nachricht, dass er noch glücklich am Leben ist, freuten sich nicht nur seine Angehörigen, sondern diese Kunde wurde allgemein begrüßt.

Schon vorige Woche war von Herrn Josef Pfertner ein Brief aus Sibirien an der chinesischen Grenze eingetroffen, wo er sich auch in Gefangenschaft befindet. Dieser Brief wanderte durch die halbe Stadt.

Der Stadtvorstand erließ einen Aufruf zur Spende von Liebesgaben für die im Felde stehenden Soldaten.

17. November 1914: Anlässlich des Sieges der österreichischen Truppen in Südpolen unweit von Tschenstochau und der Gefangennahme von 19.000 Russen war heute die innere Stadt festlich beflaggt.

30. November 1914: Gestern haben sich die Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1878 bis 1886 aus Grulich – 162 Mann – der Musterung in Senftenberg unterzogen. Tauglich befunden wurden 74 Mann. Sie hatten nach Senftenberg die Grulicher Musikkapelle mitgenommen und zogen mit einer Fahne dort ein, welche auf der einen Seite die österreichischen und auf der anderen die reichsdeutschen Farben trug.

1. Dezember 1914: Für die tauglich befundenen und abgelieferten Pferde hat das hiesige Steueramt den Betrag von 132.700 Kronen ausgezahlt.

Für Unterhaltsbeiträge an die Angehörigen der zum Kriegsdienste Eingerückten ist im Bezirk Grulich bis jetzt der Betrag von rund 45.000 Kronen aufgelaufen.

2. Dezember 1914: Waren schon gestern aus Anlass des 66-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers die öffentlichen Gebäude beflaggt, so zeigten heute anlässlich der Besetzung Belgrads durch unsere Truppen mehrere Häuser Flaggenschmuck.

4. Dezember 1914: Diese Beflaggung wurde heute allgemein. Mit einbrechender Nacht war auch die Stadt zum großen Teil illuminiert, und von den Kirchtürmen erklang festliches Glockengeläute. Am Großen und Kleinen Platze wurde bengalisches Feuer angezündet, und viele Menschen wogten durch die Straßen, hie und da die Volkshymne anstimmend. Sind diese Freudenbezeigungen nicht etwas verfrüht?

Heute gehen 10 Kisten mit zusammen 204 Kistchen – für je einen Mann – als Liebesgabe für die Grulicher Soldaten im Felde ab. In jedes Kistchen wurde eine Festpostkarte mit der Adresse ‚Bürgermeisteramt Grulich’ zwecks Empfangsbestätigung der Gabe und ein Zettel mit nachstehendem Texte eingelegt:

'Herzliche Grüße aus der Heimat!

Weihnachtsgabe für einen Mann aus Grulich. Zu dieser Schachtel gehört noch eine Wollsache, die aus den beigepackten Stücken ausgewählt werden kann.'

Bei der im November stattgefundenen Zeichnung der Kriegsanleihe wurden in Grulich nachstehende Beträge gezeichnet:


Bei der städtischen Sparkasse 300.000 Kronen
Beim Spar- und Vorschussverein 220.000 Kronen
Beim k. k. Steueramte 246.000 Kronen
Beim k. k. Postamte 70.000 Kronen
Zusammen 836.000 Kronen

In dieser Summe sind etwaige direkte Zeichnungen bei Banken usw., die immerhin vorgekommen sein mögen, natürlich nicht enthalten.

7. Dezember 1914: Heute kam von Nordhausen folgendes Kriegstelegramm an: ‚Verdächtiges Auto grau von zwei Leuten mit schwarzen Mänteln, hinten ein Mann blond mit Klemmer und deutschem Militärmantel, mit grünen Achselklappen VIII, fuhr 4 Uhr 30 Minuten von Berlin nach St. Martin unbekannt wohin. Festhalten und sofortige Mitteilung G. K. XII.’

Infolgedessen wurden an der Reichsstraße gegen Mährisch Rothwasser und beim Waldschlössel Wachen aufgestellt. Es zeigte sich aber bloß ein Auto aus Hohenstadt, dessen Insassen durch Hotelbesitzer Rotter identifiziert wurden.

12. Dezember 1914, Landsturmmeldung: ‚Sämtliche waffenunfähigen Landsturmpflichtige, einheimische und fremdzuständige, welche sich hier aufhalten, werden zur sofortigen Anmeldung aufgefordert. Es kommen in Betracht die Geburtsjahre 1872 bis 1890, welche bei der letzten Musterung in Senftenberg zurückgestellt wurden, sowie jene Mannschaft der Geburtsjahre 1891 und 1892, die anlässlich der Mobilisierung 1914 als waffenunfähig entlassen wurde.’ Gemeldet haben sich 39 Mann.

Auf Anregung des Deutschen Volksrates für Böhmen und in Gedanken an die Opferwilligkeit des deutschen Volkes in den Befreiungskriegen vor hundert Jahren hatte der Stadtvorstand am 3. Oktober 1914 einen Aufruf unter dem alten und herrlichen Schlagworte ‚Gold gab ich für Eisen’ erlassen. Das Ergebnis dieses Aufrufes war für unsere Verhältnisse immerhin hervorragend zu nennen. Von allen Schichten der Bevölkerung liefen Gaben ein, so z. B. 2 Golduhren, 1 englische Pfundmünze, 1 Schmuck mit Brillanten, Ehe- und sonstige Ringe, Bosennadeln, Ohrgehänge, Armbänder, goldene Knöpfe. Selbst arme Fabrikarbeiterinnen beteiligten sich an diesen Spenden. Das Gewicht des abgelieferten Goldes betrug 755 g, des Silbers 1590 g. Bar gegeben wurden 85 Kronen zumeist in Gold. Gesamtwert der Spenden rund 1000 Kronen.

30. Dezember 1914: Seit den Weihnachtsfeiertagen kommen fortwährend Danksagungen der im Felde und in den Garnisonen stehenden Soldaten für die übersandten Liebesgaben an.

Auf Veranlassung des landwirtschaftlichen Bezirksvereins und durch Vermittlung des Landeskulturrates langten heute 17 Pferde aus dem Militär-Pferdespital ein. Es handelte sich um 12 Pferde aus Olmütz und 5 aus Prossnitz, welche teils nach Verwundung vom Kriegsschauplatze kommen, teils mit anderen Leiden behaftet sind. Nachdem aus Landwirtekreisen 24 Bewerber um Pferde vorhanden waren, musste um die 17 Pferde gelost werden. Demnächst soll wieder eine Sendung kommen.

Im nahen Lichtenau sieht man oft größere Truppendurchgänge, welche über Preussen nach Russland befördert werden. Manchmal gehen diese Züge ganze Nächte durch. Letzthin wurde auch ein bosnischherzegowinisches Infanteriebataillon befördert, welches in Mittelwalde Mahlzeit hielt.

Bei den letzten Transporten befanden sich auch Soldaten aus Grulich, die noch so gern mit ihren Angehörigen oder doch wenigstens mit Grulichern überhaupt gesprochen hätten. Leider war niemand dort, weil der Durchzug nicht bekannt geworden war. Sie sahen sich nochmals die vertrauten heimatlichen Berge an und zogen dann fort. Ob auf Wiedersehen?

Das Jahr 1915

Am Dreikönigstage 6. Januar fand im Saale der Schießstätte eine gemütliche Unterhaltung statt, welche durch die Landsturmrekruten veranstaltet wurde. Der Saal war gedrängt voll, Schargesänge wechselten mit Einzelvorträgen und Reden. Dies wird im heurigen Fasching wohl die einzige gesellige Unterhaltung sein, während in anderen Jahren die Tanz- und sonstigen Unterhaltungen sich förmlich jagten.

13. Jänner 1915: Heute kam folgende Drahtnachricht vom hiesigen Postamt an: ‚Lichtenau meldet: Am 13. Jänner werden 270 Soldaten auf dem Wege nach dem Kriegsschauplatz den ganzen Tag über in Lichtenau Aufenthalt haben. Liebesgaben für diesen Truppentransport würden sehr willkommen sein.’ Auf dieses hin liefen sogleich 5 Boten in der Stadt herum, um Geldbeträge auf Liebesgaben zu sammeln, welche den Soldaten nach Lichtenau überbracht wurden. Es waren dies zumeist Ungarn. Nach Empfang der Gaben forderte ein Offizier die Soldaten auf, sich zusammenzustellen und ihren Dank durch einige ungarische Lieder zu bekunden, was auch in kräftiger Weise geschah.

15. Jänner 1915: Von den tauglich befundenen Landsturmleuten der Geburtsjahrgänge 1887, 1888 und 1889 sind heute 17 Mann aus Grulich nach Hohenmauth eingerückt. Nachdem sich darunter auch Aushilfswachmann Franz Klenner befand, musste ein neuer Aushilfswachmann bestellt werden. Als solcher wurde der Seidenweber Johann Mandel No. 405 ernannt. An diesen Namen knüpfte der Volkswitz folgenden Ausspruch: ‚Grulich hat jetzt 16 Polizisten, nämlich den Harbich und noch eine Mandel.’

Sperrstunde. Die k. k. Statthalterei hat vor kurzem folgendes angeordnet:

'1

Für die Dauer des Kriegszustandes sind alle Gast- und Schankgewerbe d. s. alle gewerblichen Betriebe, in welchen die im § 16 der Gewerbeordnung unter Absatz c) bis g) angeführten Berechtigungen vereint oder einzeln ausgeübt werden, spätestens um 12 Uhr nachts zu schließen und nicht vor 6 Uhr morgens zu öffnen.

2

Gast- und Schankgewerbe, die mit der Berechtigung zur Fremdenbeherbergung ausgestellt sind und welche Fremde auch tatsächlich beherbergen, müssen nach 12 Uhr nachts und vor 6 Uhr morgens für die verkehrenden Fremden, nicht aber für andere Personen nach Maßgabe des Verkehrs geöffnet werden.

3

Für Bahnhofrestaurationen hat die Sperrstunde in Bezug auf die verkehrenden Reisenden und deren Begleitung keine Anwendung.

4

Ausnahmen von der Sperrstunde, jedoch nur für die Dauer bis 2 Uhr nachts, können über begründete Ansuchen für bessere Gasthäuser von Fall zu Fall für einzelne Nächte in rücksichtswürdigen Fällen von der 1. Instanz bewilligt werden.

5

Das Verbot, gebrannte geistige Getränke an Wochentagen in der Zeit von 5 Uhr nachmittags bis 6 Uhr früh, an Sonntagen und Feiertagen nach 11 Uhr vormittags auszuschenken, bleibt in Kraft.

6

Übertretungen der vorstehenden Anordnung werden an den Gastwirten nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung beziehungsweise an den Besuchern von Gast- und Schanklokalitäten, welche in denselben nach Eintritt der Sperrstunde unrechtmäßiger Weise verweilen und der von den Sicherheitsorganen an sie ergangenen Aufforderung nicht sogleich Folge leisten, seitens der Bezirksbehörden 1. Instanz nach § 7 bzw. 11 der kaiserlichen Verordnung vom 20. April 1854, R. G. Bl. No. 96 bestraft.'

19. Jänner 1915: Heute wurde jenen Grundbesitzern, welche am 4. November 1914 zusammen 90 q Roggen für Militärzwecke lieferten, der Betrag von 2317,06 Kronen (für Korn, Säcke und Zufuhr) bezahlt.

27. Jänner 1915: Aus Anlaß des Geburtstages des Deutschen Kaisers war heute die Stadt teilweise beflaggt.

Bei der Landsturmmusterung der Geburtsjahrgänge 1891 und 1895, welche am

13. Februar in Senftenberg (Hotel Herrenhaus) stattfand, wurden von den 39 Landsturmpflichtigen aus Grulich 18 Mann tauglich befunden, und zwar:

Für Grulich zuständige:


Bartoschek Hubert Nr. 400Moser Alois Nr. 403
Helbig Ferdinand Nr. 214Pfertner Johann Nr. 130
Kiesslich Ferdinand Nr. 401Spiller Rudolf Nr. 126
Kretschmer Johann Nr. 228Strouf Franz Nr. 305

Fremdzuständige:


Mandel Eduard Nr. 405Kuchynka Emanuel Nr. 146
Karger Franz Nr. 401Šitak Josef Nr. 307
Jirasek Franz Nr. 225Kreuziger Ernst Nr. 131
Sršen Josef Nr. 348Berg Alois Nr. 146
Weiss Josef Nr. 267Kotzurek Hubert Franz Nr. 272

Die Musterung des Turnus II (Geburtsjahr 1896) findet in Senftenberg am 19. März statt.

23. Feber 1915: Am 13. Februar hat der hiesige evangelische Vikar Martin Nast, ein geborener Württemberger, welcher als Offiziersstellvertreter im deutschen Heer diente, bei einem Sturm auf die Höhe 363 südöstlich Champey bei Pont à Mousson im Alter von 31 Jahren den Heldentod gefunden. Er wurde auf dem Friedhof von Champey beigesetzt. Die kirchliche Trauerfeier fand gestern um ½ 5 Uhr nachmittags in der hiesigen evangelischen Kirche statt. Aus allen Bevölkerungsschichten war die Beteiligung groß, auch der Stadtvorstand und der Militärveteranenverein waren hierzu erschienen.

27. Feber 1915: Heute wurden die noch hier befindlichen galizischen Flüchtlinge, Ruthenen, welche in der Schießstätte untergebracht waren, nach Gmünd übersiedelt. Nur einige polnische Familien, die in Privatquartieren wohnen, blieben hier zurück.

Weizenlieferung. Mitte Dezember 1914 musste die Stadtgemeinde für Militärzwecke 20 q Weizen liefern. Die mehrfach erhobenen Vorstellungen des Stadtamtes, diese Lieferung mit Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse abzuschreiben, wurden nicht berücksichtigt. Es wurde in den Eingaben betont, dass in hiesiger Gemeinde wenig oder beinahe gar kein Weizen angebaut wird und auch bei den Getreidehändlern des Bezirkes Grulich des angrenzenden Mährens kein Weizen käuflich zu haben ist. Es nutzte nichts, der Weizen musste geliefert werden.

So blieb dann der Stadtgemeinde, der sich noch einige Gemeinden der nächsten Umgebung angeschlossen hatten, nichts übrig, als den Weizen von zusammen 70 q beim Zentralverband der deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften Böhmens in Kgl. Weinberge zu bestellen. Der kostete 3100 Kronen. Dieser Betrag wurde auch von der Bezirkshauptmannschaft voll rückvergütet.

19. März 1915: Von den Landsturmpflichtigen des Geburtsjahrgangs 1896 – 1914 hiesige und 15 auswärtige – sind zusammen 19 für tauglich befunden worden, und zwar:


Brauner Gottfried Nr. 27Rotter Wenzel Nr. 242
Jentschke Otto Nr. 287Krejçi Alois Nr. 346
Klenner Josef Nr. 316Zeh Friedrich Nr. 145
Olbrich Franz Nr. 331Rösler Franz Nr. 164
Spiller Josef Nr. 126Štill Bohuslaw Nr. 356
Strouf Wilhelm Nr. 305Zednik Johann Nr. 272
Kosch Karl Nr. 335Rupprich Johann Nr. 405
Klar Franz Nr. 220Nitsch Adolf Nr. 8
Müller Hermann Nr. 382Schmidt Johann Nr. 124
Winter Johann Nr. 450

22. März 1915: Die belagerte Festung Przemysl ist gefallen, nicht durch Feind, sondern durch Hunger. Die Entbehrungen der heldenhaften Besatzung müssen schon unerträglich gewesen sein. Die Nachricht über den Fall dieser für uneinnehmbar gehaltenen Festung wirkt allgemein sehr niederschlagend, und ängstliche Gemüter sehen schon im Geiste die Russen in unserer Gegend.

Unter der Besatzung befanden sich auch einige Grulicher Soldaten, und zwar soweit bekannt folgende:

Oberwachmann Josef Zwiener

Landwirt Anton Schwarzer No. 225

Landwirt Hugo Schwarzer No. 195

Zimmermaler Brunno Buchmann

Brauereibeamter Adalbert Wlach

Wagner Adolf Kremar

Förster Ferdinand Langer

Maschinenbautechniker Josef Rotter

Seidenweber Franz Bannert

Berufsunteroffizier Josef Bednarsch

Es geht das Gerücht herum, dass Österreich Welschtirol an Italien abtreten will, um dieses Reich neutral zu erhalten; dafür soll Österreich als Ersatz von Deutschland die Grafschaft Glatz und das Berchtesgadener Landl erhalten, wohingegen Deutschland wieder Belgien in dauernden Besitz nehmen will.

In der Grafschaft Glatz ist man darob entsetzt. Man will es nicht glauben, dass Deutschland auch nur einen Strich Land hergeben würde, eher es zu erlangen.

16. April 1915: Bei der am 15. d. M. in Senftenberg stattgefundenen Landsturmmusterung der Geburtsjahrgänge 1873 – 1877 wurden von den in Grulich erschienenen 73 Mann (davon 38 hiesige und 35 fremd auswärtige) 27 für tauglich befunden, und zwar - siehe Anhang: 16. April 1915: Die 27 Namen der bei der Musterung der Geburtsjahrgänge 1873 - 1877 für tauglich Befundenen.

Als gestern abends der Zug von Senftenberg hier ankam, hatte sich schon eine größere Menge Leute auf der Bahnhofs- und Reichsstraße eingefunden, welche auf die Zurückkehrenden warteten. Ruhig zogen die Landsturmpflichtigen in die Stadt ein, kein Geschrei und kein Übermut war diesmal wahrzunehmen. Es ist eben für so alte Knaben nicht mehr so leicht, Soldat zu werden.

2. Mai 1915: Viehzählung. Die mit dem Stand vom 1. d. M. stattgefundene Viehzählung ergab folgende Zahlen:


Stadtgemeinde GrulichGerichtsbezirk Grulich
Jungvieh unter 1 Jahr1001321
Stiere über 1 Jahr20192
Kalbinnen über 1 Jahr59772
Kühe3322880
Ochsen35455
Schweine unter 3 Monaten54752
Schweine über 3 Monaten25472
Schafe01
Ziegen1651868

6. Mai 1915: Heute musste die Stadtgemeinde Grulich 65 q Hafer für das Militär liefern.

10. Mai 1915: Seit etwa zwei Wochen herrscht in Deutschland Passzwang. Wo früher einfache Legitimationen für Reisen ins benachbarte Reich genügten, müssen jetzt Reisepässe, welche mit beglaubigter Fotografie des Inhabers versehen sind, vorgezeigt werden. Reisende ohne solche Pässe werden von den Militärposten in Mittelwalde sofort zurückgewiesen, was vorige Woche acht Personen aus Grulich widerfuhr. Man sollte es nicht glauben, wie viel Leute eigentlich nach Preussen reisen, und das trotz aller Erschwernisse.

Meistens sind es Frauenspersonen, welche entweder wegen Herstellung oder Ausbesserung ihrer künstlichen Zähne oder auch aus bloßer Neugierde reisen. Nur der kleinste Teil reist in geschäftlichen Angelegenheiten.

12. Mai 1915: Auf Grund der angeordneten Aufbietung des gesamten k. k. Landsturmes wurden die derzeit noch nicht dienenden Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1878 bis einschließlich 1890 sowie 1892 bis einschließlich 1884, sei es in der Kriegsmarine, in der Landwehr oder in der Gendarmerie, zum Landsturmdienste mit der Waffe herangezogen. Die Meldung der hierzu Verpflichteten hatte bis zum 10. Mai zu erfolgen. Gemeldet haben sich in Grulich 102 Mann.

18. Mai 1915: Heute fand wieder eine Pferdeklassifikation statt, bei welcher nur ein Pony als Tragtier assentiert6 wurde.

Die Baumwollweberei Dom. Walter & Sohn arbeitet schon seit dem Winter an Militärlieferungen, und zwar Sommerstoff für Militärblusen und Zeltstoffe mehrere Millionen Meter. Im letzten Vierteljahr mussten deshalb bedeutende Überstunden gemacht werden.

Auch die mechanische Seidenweberei der Firma Brüder Steiner hat Militärlieferungen erhalten. Es handelt sich hierbei um Bourettstoff für Mörsersäckchen, Chappe-Taft für andere Pulversäckchen und Roh-Foullard für Sommerhemden. Die Muster dieser Stoffe werden am Schluss dieser Aufzeichnungen beigelegt (Anmerkung: nicht mehr vorhanden).

20. Mai 1915: Das sonst übliche Königsschießen am Pfingstdienstag unterbleibt für dieses Jahr infolge des Krieges.

21. Mai 1915: Das schon lange Befürchtete und seit kurzem bestimmt Erwartete ist eingetreten: Italien fällt in diesem fürchterlichen Krieg seinem ‚Verbündeten’ Österreich in den Rücken.

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