Kitabı oku: «Investieren wie die Profis»

Yazı tipi:

JOSHUA PEARL

JOSHUA ROSENBAUM

INVESTIEREN
wie die Profis

Die 5 Schritte der Aktienauswahl


Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

The Little Book of Investing Like the Pros: 5 Steps for Picking Stocks

ISBN 978-1-118-28140-6

Copyright der Originalausgabe 2020:

Copyright © 2020 by Joshua Pearl and Joshua Rosenbaum.

All Rights Reserved.

This translation published under license with the original publisher John Wiley & Sons, Inc.

Copyright der deutschen Ausgabe 2021:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Autorenporträts: Noli Novak

Übersetzung: Egbert Neumüller

Gestaltung Cover: Johanna Wack

Gestaltung und Satz: Sabrina Slopek

Lektorat: Claus Rosenkranz

ISBN 978-3-86470-739-1

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks,

der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken

oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.


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Gewidmet meinem Großvater Joseph Pearl, einem

Holocaust-Überlebenden, wegen seiner Inspiration,

beharrlich zu sein und Erfolg zu haben.

– J. P.

In liebendem Gedenken an Ronie Rosenbaum,

eine Inspiration zu Stärke und Selbstlosigkeit.

– J. R.

INHALT


Vorwort von Howard Marks

Einführung

Kapitel 1Ideenfindung

Filter

Der Bottom-up-Ansatz

Der Top-down-Ansatz

Kapitel 2Die besten Ideen identifizieren

Der Rahmen für die Prüfung von Ideen

I.Die Anlagethese

II.Überblick über das Unternehmen

III. Die Unternehmensleitung

IV. Risiken und Abwägungen

V.Finanzdaten und Bewertung

Kapitel 3Geschäftliche und finanzielle Due Diligence

Geschäftliche Due Diligence

Finanzielle Due Diligence

Kapitel 4Bewertung und Katalysatoren

Bewertung

I.Marktwert und innerer Wert

II.Bewertung von Übernahmen

Katalysatoren

Die Festlegung des Kursziels

Kapitel 5Anlageentscheidung und Portfoliomanagement

Die Anlageentscheidung treffen

Das Investment überwachen

Die Zusammenstellung des Portfolios

Portfolio- und Risikomanagement

Post mortem: Delphi Automotive

Bibliografie und empfohlene Lektüre

Danksagungen

Über die Autoren

Haftungsausschluss

VORWORT


Von Howard Marks, dem Co-Vorsitzenden und Mitgründer von Oaktree Capital Management

Im Jahr 2011 schrieb ich ein Buch mit dem Titel „Der Finanz-Code: Die Erfolgsphilosophie des letzten großen Investors“, Originaltitel: „The Most Important Thing: Uncommon Sense for the Thoughtful Investor“. Der Titel war ein bisschen ironisch gemeint, denn bei der Geldanlage gibt es keinen einzelnen Punkt, der am wichtigsten ist. Bei jeder Anlageentscheidung müssen enorm viele Faktoren berücksichtigt werden und der Prozess muss sowohl breit angelegt als auch detailliert, sowohl methodisch als auch kreativ sein.

Wie kann jemand, der Anleger werden will oder auf dem Weg nach oben ist, alle diese Elemente erlernen und verstehen, wie er sie in seine Methodologie aufnehmen kann? „Investieren wie die Profis“ von Joshua Pearl und Joshua Rosenbaum ist in dieser Hinsicht eine grandiose Hilfe. Es sorgt beim angehenden Anleger für eine steile Lernkurve.

Einfach ausgedrückt habe ich noch nie zuvor ein Buch gesehen, das eine so vollständige und durchdachte Einweisung in den Anlageprozess bietet. „Investieren wie die Profis“ ist klar, logisch und gut strukturiert, ein prägnanter Übersichtskurs über das, was Anleger wissen müssen. Es fängt mit den Grundlagen an, mit der Identifizierung von Investmentkandidaten und der Überprüfung ihres Potenzials. Dann geht es dazu über, die Finanzen der betreffenden Unternehmen zu untersuchen und das Potenzial ihrer Geschäftstätigkeit einzuschätzen. Als Nächstes kommt die unerlässliche Einschätzung, ob die identifizierten Eigenschaften zum aktuellen Aktienkurs hoch bewertet oder als Schnäppchen zu haben sind. Den Schluss bilden Überlegungen, wie man ermittelt, welche Rolle die Aktie im Portfolio eines Anlegers spielen kann. Diese Lehren werden durch das gesamte Buch hindurch anhand von Unternehmensbeispielen veranschaulicht.

Unter dem Strich steht für mich fest, dass „Investieren wie die Profis“ eine unkomplizierte Einführung in ein keineswegs unkompliziertes Gebiet darstellt. Um auf dem umkämpften Feld der Geldanlage eine überlegene Performance zu erzielen, muss man sowohl die praxisbezogenen Elemente beherrschen, mit denen die meisten erfahrenen Anleger vertraut sind, als auch die nuancierten Überlegungen, die nur dann zum Erfolg führen, wenn der Anleger sie besser versteht als andere.

Indem der Leser die Erstgenannten zu erkennen und mit ihnen umzugehen lernt, wird der Weg frei, die Letztgenannten zu bedenken. Ich bin froh, dass „Investieren wie die Profis“ verfügbar ist, um das Fortkommen des Lesers zu beschleunigen. Es bietet eine ausgezeichnete Einführung in die Entscheidungen, die zu treffen sind. Sie werden merken, dass gute Entscheidungen eine faszinierende Lebensaufgabe sind.

EINFÜHRUNG


Was unterscheidet dieses Buch von allen anderen Investmentbüchern?

Ihnen ist bestimmt schon aufgefallen, dass es ziemlich viele Bücher über Geldanlage gibt. Viele von ihnen wurden von einigen der besten Investoren der Welt geschrieben. Warum also sollten Sie unser Buch lesen?

Die Geldanlage in Aktien ist weiter verbreitet denn je, ob nun direkt oder indirekt über Wertpapierdepots, börsennotierte Fonds (ETFs), Investmentfonds oder Rentensparpläne. Trotzdem haben die allermeisten Privatanleger nicht gelernt, wie man Aktien auswählt, ganz zu schweigen von Grundkenntnissen des Finanzwesens. Und bis jetzt gab es noch keine wirklich zugängliche, leicht verständliche Quelle, die ihnen helfen konnte. „Investieren wie die Profis – Die 5 Schritte der Aktienauswahl“ wurde geschrieben, um diese Lücke zu füllen.

Wir halten die Einfachheit und Zugänglichkeit unseres Rahmens für die Aktienauswahl für wahrhaft einzigartig. Wir bringen Ihnen anhand von Beispielen aus dem richtigen Leben und anhand von Modellen, die wirklich von Profis an der Wall Street verwendet werden, ganz logisch und Schritt für Schritt bei, wie man Aktien auswählt. Unser Ziel ist einfach – Ihnen die Fähigkeiten zu vermitteln, die man braucht, um hochwertige Aktien zu finden, und gleichzeitig sein Portfolio mit bewährten Methoden des Risikomanagements zu schützen.

Unser praxisorientierter Ansatz soll dazu beitragen, den womöglich einschüchternden Anlageprozess zu entmystifizieren. Dank dieser Schulung werden Sie sich von anderen abheben, die weitgehend im Blindflug agieren.

Piloten brauchen eine umfangreiche Ausbildung, bevor sie eine Lizenz bekommen. Ärzte müssen Medizin studieren und dann jahrelang im Praktikum arbeiten. Auch wer professionelle Anlageberatung anbieten will, braucht immerhin eine Zertifizierung. Aber jeder kann ohne jegliche Schulung Aktien kaufen. Wenn man aus dem Bauch heraus und mit einem Gebet auf den Lippen Aktien kauft, setzt man zwar nicht sein Leben aufs Spiel, aber auf jeden Fall seine Finanzen.

In unserem ersten Bestseller, „Investment Banking: Valuation, Leveraged Buyouts, and Mergers & Acquisitions“, entwickelten wir eine in hohem Maße praxisorientierte Anleitung für die Bewertung und Unternehmensfinanzierung. Unsere Schritt für Schritt angelegte Methode nach dem Motto „Wie geht das?“ kam bei einer breiten Leserschaft gut an, wurde über 200.000-mal verkauft und läuft immer noch gut. Auch wenn dieses erste Buch vor allem für Investmentbanker gedacht war, so zog es doch auch die Aufmerksamkeit professioneller Investoren auf sich.

Wir erhielten auch viele positive Rückmeldungen von Anfängern in Sachen Geldanlage, die die Bewertungsmethoden der Wall Street erlernen wollten. Es verging kaum ein Tag, an dem uns nicht Freunde und Verwandte nach beliebten Aktien fragten – zum Beispiel nach Facebook (FB), Amazon (AMZN), Apple (AAPL), Netflix (NFLX) und Google/Alphabet (GOOG), die gemeinsam als FAANG-Aktien bekannt sind. Bei vielen Fragen ging es darum, dass die AMZN-Aktie für 1.848 Dollar und FB für 205 Dollar gehandelt wurde – und dass FB doch wohl dank des niedrigeren Aktienkurses ein Schnäppchen sei.

Das ist zwar nur ein Beispiel, aber die weite Verbreitung dieses Denkmusters war ein weiterer Anreiz, dieses Buch zu schreiben. Achtung: Wenn Ihnen nicht klar ist, weshalb der Vergleich von AMZN und FB anhand des Aktienkurses anstatt anhand von Gewinn, Geschäftsmodell, Kurstrends und anderer wichtiger Kennzahlen von Grund auf fehlgeleitet ist, dann brauchen Sie das vorliegende Buch unbedingt. Und auch wenn Sie damit (und mit noch ein bisschen mehr) bereits klarkommen, haben wir Ihnen einen Rahmen zu bieten, der Ihnen hilft, die nächste Stufe zu erklimmen!

Mit Unterstützung von Dutzenden erfahrenen Anlegern entwickelten wir für „Investieren wie die Profis – Die 5 Schritte der Aktienauswahl“ einen schlüssigen, aus fünf Schritten bestehenden Rahmen für die Aktienauswahl: Findung von Anlageideen, Identifizierung der besten Chancen, Durchführung einer gründlichen finanziellen und wirtschaftlichen Prüfung (die sogenannte „Due Diligence“), Ermittlung der Bewertung und Fällen der endgültigen Entscheidung, ob oder ob nicht investiert wird. Dabei flechten wir auch Schlüsselmethoden der Portfoliozusammenstellung und des Risikomanagements ein. Um Ihnen bei Ihrer Weiterentwicklung zu helfen, bieten wir auf unserer Website www.investinglikethepros.com Echtzeitbewertungen, Finanzmodelle und Vorlagen für das Portfoliomanagement an.

Unser aus fünf Schritten bestehender Rahmen ist so gestaltet, dass er hinreichend reproduzierbar und flexibel genug für verschiedene fundamental ausgerichtete Anlagestile ist. Dazu zählen vor allem Value-Investing, Growth-Investing, GARP (Wachstum zum vernünftigen Preis = Growth at A Reasonable Price)1, Long-only, Long/Short, ereignisorientiert/Sondersituationen und notleidende Unternehmen. Allen diesen Anlagestrategien ist das Ziel gemeinsam, Aktien mit nennenswertem Aufwärtspotenzial aufzuspüren, die häufig vom Markt missverstanden, ignoriert oder unterschätzt werden.

Unsere Methode, den Anlageprozess zu vereinfachen, wird auch dadurch begünstigt, dass das Spielfeld heutzutage ebener ist als je zuvor. Lange Zeit stellte die Diskrepanz der Zugänglichkeit von Informationen zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern eine gewaltige Hürde dar. Privatanleger wussten im Allgemeinen nicht, wo oder wie man an die erforderlichen Angaben herankommt.

Heute können dank strengerer Publizitätspflichten und dank des technischen Fortschritts alle Anleger in beispiellosem Maße auf Informationen und Ressourcen zugreifen. Es gibt leistungsfähige kostenlose Werkzeuge, um Aktien zu identifizieren, zu durchleuchten und fundierte Anlageentscheidungen zu treffen. Allerdings muss man lernen, wie man sie richtig verwendet. Und da kommt unser Buch ins Spiel – ein Rahmen, um unter den Tausenden an der Börse notierten Unternehmen Gelegenheiten zu identifizieren.

Um unsere Methoden erfolgreich anzuwenden, muss man sie, während man mit echten Anlageentscheidungen Erfahrungen sammelt, feinabstimmen. Im Laufe der Zeit werden Sie Ihren ganz eigenen Stil und Ihre ganz eigene Methode entwickeln, die unweigerlich von Ihrem Berufs- und Privatleben beeinflusst wird. Zu tollen Aktienideen wird man oft von Beobachtungen im Alltag oder von Passionen angeregt. Letztlich werden sich in Ihrem Portfolio wahrscheinlich Ihre Bildung, Ihre Branchenkenntnisse, Ihre sonstigen Interessen und Ihre Hobbys niederschlagen. Haben Sie Erfahrungen in einer bestimmten Branche? Gibt es ein Thema, einen Sektor oder einen Trend, das oder der Sie fasziniert?

Das ist natürlich erst der Anfang eines kontinuierlichen Prozesses. Der Weg, zum erfolgreichen Anleger zu werden, ist keineswegs leicht. Um den nächsten Schritt zu machen, brauchen Sie Fleiß, Sorgfalt, Urteilsvermögen und analytische Fähigkeiten. Außerdem müssen Sie von Anfang an damit leben können, dass Sie Fehler machen werden. Konzentrieren Sie sich mehr darauf, Ihren Prozess zu verbessern, als auf Ihre Ergebnisse. Sogar Profis ziehen häufig aus ihren Verlierern mehr wertvolle Lehren als aus ihren Gewinnern.

In einer Welt, in der das passive Investing grassiert, lohnt es sich, sich erneut genauer mit den Vorteilen der aktiven Geldanlage zu befassen. Die passive Geldanlage ist genau das, wonach sie klingt – man fährt, was immer auch geschieht, die gleiche Performance wie der Markt beziehungsweise der betreffende Sektor ein. Vielen reicht dieses Anlageziel und deshalb hat sich die passive Geldanlage dauerhaft etabliert. Ein großer Anteil der Anleger strebt allerdings überdurchschnittliche Renditen an und dafür bedarf es eines aktiven Ansatzes.

Der passive Ansatz behandelt gute und schlechte Aktien gleich, indem er Kapital in einen Indexfonds oder Sektor-ETF investiert. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass eine bessere Methode Gewinner in den Blick nehmen und Verlierer meiden müsste, um Renditen über dem Marktdurchschnitt zu erzielen. Beispielsweise wäre man, als aufgrund des E-Commerce Ladengeschäfte zu verschwinden begannen, mit einem an den S&P 500 gebundenen ETF in einem Sektor mit Underperformance investiert geblieben. Also warum sollten Sie nicht Ihre naturgegebene Neugier und Intelligenz sowie die Werkzeuge aus unserem Buch verwenden, um mehr zu erreichen?

Bevor wir loslegen, noch ein paar Einschränkungen: Wir haben zwar versucht, aus der hochkomplexen Welt der Geldanlage das Nötigste herauszudestillieren, aber wir können sie nur bis zu einem bestimmten Grad vereinfachen. Sie werden im Laufe des Buches einige grundlegende Begriffe und Konzepte nachschlagen oder auffrischen müssen, zum Beispiel die Grundlagen der Bilanzierung und Finanzmathematik. Richtige Geldanlage ist ein ernsthaftes Unterfangen und erfordert echtes Engagement. Wir glauben allerdings, dass die potenziellen Belohnungen der Mühe wert sind.

DER AUFBAU DIESES BUCHES

Unser Buch besteht aus fünf Kapiteln, die den fünf Schritten unseres Rahmens entsprechen. Dabei verwenden wir stets Beispiele aus der wirklichen Welt, um die betreffenden Konzepte mit Leben zu füllen.

Der fünfstufige Rahmen

I.Ideenfindung

II.Die besten Ideen identifizieren

III. Geschäftliche und finanzielle Due Diligence

IV. Bewertung und Katalysatoren

V.Anlageentscheidung und Portfoliomanagement

Unsere zentrale Fallstudie bezieht sich auf Delphi Automotive, einen Zulieferer der Automobilindustrie, aus dem im Dezember 2017 durch eine steuerfreie Ausgliederung zwei getrennte Unternehmen hervorgegangen sind, die heute separat an der Börse gehandelt werden, als Aptiv (APTV) und als Delphi Technologies (DLPH).2

Wir befassen uns das ganze Buch hindurch mit der Chance, die der Börsengang (IPO = Initial Public Offering) von Delphi Automotive im November 2011 darstellte. Bis zum Zeitpunkt der Konzernspaltung im Jahr 2017 hatte man, wenn man von Anfang an in das Unternehmen investiert hatte, sein Geld fast verfünffacht. Wir verwenden unseren Rahmen, um Sie in der Zeit zurückzuführen und Sie anschaulich durch den Prozess zu geleiten, der einem geholfen hätte, diese Aktie zu entdecken, zu analysieren, zu bewerten und sich über sie zu freuen.

Delphi ist ein Lehrbuchbeispiel für eine Chance durch Sanierung (Restrukturierung) und Turnaround. Bevor das Unternehmen im Jahr 2005 Insolvenz beantragte, hatte es ein fragmentiertes Geschäftsmodell, eine nicht wettbewerbsfähige Kostenstruktur und belastende Verbindlichkeiten. Delphi nutzte das Insolvenzverfahren, um seine Produktlinien zu rationalisieren, nicht konkurrenzfähige Abteilungen zu verkaufen und die Fertigung in Niedriglohnländer auszulagern. Die Hauptaktionäre von Delphi – Silver Point Capital und Elliott Management – spielten bei dem Turnaround eine entscheidende Rolle. Sie arbeiteten zusammen mit dem CEO Rod O’Neal und dem Führungsteam des Konzerns an der Transformation des Konzerns. Die rekonfigurierte Strategie des erneuerten Delphi-Konzerns konzentrierte sich auf Technologie und die drei Kernthemen „Sicherheit, Umwelt und Vernetzung“.

Nach der Insolvenz wies Delphi ein konzentriertes Produktportfolio, eine weltweit wettbewerbsfähige Kostenstruktur und eine aufpolierte Bilanz auf.

Unter anderem stellten die Hauptaktionäre im Rahmen ihres Wertschöpfungsplans einen Verwaltungsrat von Weltrang zusammen, der Vorstandsvorsitzende börsennotierter Gesellschaften, altgediente Vertreter der Autoindustrie und überaus erfahrene Fachleute für bestimmte Gebiete umfasste (zum Beispiel Technologie, Personalwesen, Kapitalmärkte, Fusionen und Übernahmen). Jack Krol, der ehemalige Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitzende von DuPont, wurde zum Verwaltungsratsvorsitzenden ernannt und spielte eine entscheidende Rolle. Dass er zuvor ein führendes Verwaltungsratsmitglied von Tyco International gewesen war, wo er den erfolgreichen Konzernumbau beaufsichtigt hatte, war bei der Entscheidung der Großaktionäre, ihn in den Verwaltungsrat zu holen, ein wichtiger Faktor gewesen. Er und seine Verwaltungsratskollegen arbeiteten konstruktiv mit der Geschäftsleitung zusammen, um eine Strategie zu entwickeln, die die Kapitalallokation, die Vorbereitung des Börsengangs und die Kommunikation mit den Investoren umfasste.

Auch ging Delphi mit wettbewerbsfähigeren Besteuerungsgrundlagen aus der Insolvenz hervor, weil es damals im Vereinigten Königreich steuerpflichtig war. Dazu kamen langfristiger und kurzfristiger Rückenwind, ein ausgebauter „Burggraben“, eine bessere finanzielle Verfassung und eine verlockende Bewertung – summa summarum hatten Anleger auf mehrfache Weise etwas zu gewinnen. Natürlich mussten auch viele Risiken bedacht werden. Man musste bloß wissen, wonach man suchen musste … und wie man das macht.

Ende 2011 ging Delphi zu einem Aktienkurs von 22 Dollar an die Börse. Die neue Strategie erwies sich in den Jahren danach als nachhaltig und bestand auch noch lange nachdem O’Neal im Jahr 2015 die Zügel an seinen Finanzvorstand Kevin Clark übergab. In dieser Zeit gab es zahlreiche strategische Initiativen, die einen erheblichen Shareholder Value schöpften, und sie gipfelten in der steuerfreien Ausgliederung der Antriebsstrang-Sparte Powertrain Systems im Jahr 2017.

Ende 2017, kurz vor der Aufspaltung von Delphi, wurde die Aktie für mehr als 100 Dollar gehandelt. Anleger, die die Chance bei Delphis Börsengang beim Schopf gepackt hatten, wurden mit einem Ertrag von 375 Prozent belohnt. Das war eine durchschnittliche Jahresrendite von 30 Prozent, während der S&P 500 nur 13 Prozent abgeworfen hatte.

Unser Ansatz der Aktienauswahl in fünf Schritten soll Ihnen helfen, die nächste Delphi Automotive zu entdecken. Auch soll er Ihnen helfen, Ihre Aktienpositionen im zeitlichen Verlauf zu verwalten. So wies beispielsweise der Aktienmarkt im Jahr 2018 erste Anzeichen für eine zyklische Verlangsamung auf. Wie im Kapitel „Post mortem“ besprochen, erlitt die frisch ausgegliederte Antriebsstrang-Sparte Delphi Technologies außerdem einige selbst zugefügte Wunden und war aufgrund ihres geografischen Fußabdrucks mit Gegenwind konfrontiert. Unser System der Frühwarnsignale und der aktiven Überwachung soll Ihnen helfen, solche Fallstricke zu umgehen. Zu wissen, wann man aus einer Position aussteigen oder sie zurechtstutzen sollte, ist genauso wichtig wie die Entscheidung, wann man einsteigen oder aufstocken sollte.

Schritt I: Ideenfindung

Bei Schritt I geht es darum, wie professionelle Investoren auf Anlageideen kommen. Dieser Prozess erfordert viel Geduld und Disziplin. Es kommt nicht selten vor, dass man Dutzende oder gar Hunderte von Unternehmen prüft, bevor man eine Chance von hoher Qualität entdeckt.

Der Schwerpunkt unseres Buches liegt auf dem Bottom-up-Investing, einer Methode, die beim Auffinden attraktiver Aktien vom Unternehmen ausgeht. Man beginnt mit einem konkreten Unternehmen und analysiert gründlich seine geschäftlichen Faktoren, seine finanzielle Performance, seine Bewertung und seine Zukunftsaussichten. Den Top-down-Ansatz, der anhand volkswirtschaftlicher beziehungsweise makroökonomischer Faktoren (daher auch als „Macro-Investing“ bezeichnet) oder anhand langfristiger Themen nach Chancen sucht, besprechen wir ebenfalls. Bei den wichtigsten Top-down-Strategien geht es darum, weltweit oder innerhalb einer Volkswirtschaft Trends beziehungsweise Zyklen der Börse oder der Konjunktur zu erkennen und die Profiteure zu kaufen – sowie im Gegenzug die Opfer zu meiden oder gar zu shorten.

Erfahrene Anleger beziehen meist sowohl Bottom-up- als auch Top-down-Elemente in ihren Ansatz ein. Für den Bottom-up-Anleger ist es gefährlich, bedeutenden makroökonomischen und sonstigen umfassenden Trends nicht genug Aufmerksamkeit zu schenken. Ebenso darf der erfolgreiche Top-down-Anleger die Fundamentalanalyse einzelner Unternehmen nicht ignorieren.

In Schritt I befassen wir uns mit den wichtigsten „Eimern“, aus denen professionelle Investoren ihre Ideen schöpfen. Dabei fangen wir mit unterbewerteten Unternehmen an, für die der Weg zu besserer Finanzleistung oder höherer Bewertung offensteht. Dann befassen wir uns mit Unternehmen, die Kapitalmaßnahmen treffen, die ihren Wert erhöhen, zum Beispiel Fusionen und Übernahmen (M&A = Mergers and Acquisitions), Ausgliederungen und Veräußerungen, Umstrukturierungen (Sanierungen) und Turnarounds, Aktienrückkäufe und Dividenden, Börsengänge (IPOs) und Insiderkäufe. Und zum Schluss erklären wir, wie man erfolgreiche Investoren zwecks Beschaffung neuer Ideen beobachtet.

Schritt II: Die besten Ideen identifizieren

Aus der Grundidee ergeben sich häufig Dutzende potenzieller Investmentgelegenheiten. In Schritt II wird erläutert, wie man eine lange Liste nach den besten Ideen durchforstet. Dafür muss man jede Aktie genauer prüfen, um seine Aufmerksamkeit gezielt auf Ideen zu richten, die zu „Kernpositionen“ werden können. Um ein starkes Portfolio auf den Weg zu bringen, braucht man nämlich nur ein paar Aktien von hoher Qualität.

Um die Herde auf diese Weise auszudünnen, muss man jede Idee schnell und systematisch auf hohem Niveau untersuchen. Zu diesem Zweck stellen wir Ihnen einen Rahmen zur Verfügung, der Ihnen dabei hilft. Seine Schwerpunkte sind eine Anlagethese, das Geschäftsmodell, die Unternehmensleitung/das Management, Risiken und sonstige Überlegungen sowie Finanzperformance und Bewertung. Diese Vorab-Analyse ist notwendig, um das Narrengold vom „wahren Jakob“ zu trennen.

Auch bieten wir eine Vorlage zur Erfassung von Investmentideen an, mit der Sie Ihr Research zu jeder Aktienidee ordnen und fortführen können. Sie stellt Schritt II unseres Rahmens übersichtlich dar und macht den Vergleich mehrerer Unternehmen leicht.

Je länger die in Schritt I erstellte Liste potenzieller Ideen, umso schwieriger ist die Aufgabe der Filterung. Manchmal springt einem eine Idee, die das Portfolio umkrempelt, regelrecht ins Gesicht. Aber in den meisten Fällen treten die Ideen mit den besten Gewinnchancen nicht so deutlich hervor wie Schwarz auf Weiß. Sobald die offenkundigen Nieten aussortiert sind, kann die gründliche Analyse der verbliebenen Aktien beginnen.

Schritt III: Geschäftliche und finanzielle Due Diligence

In Schritt III ist es Zeit, viel tiefer in die Gelegenheiten einzutauchen, die den Ausleseprozess überlebt haben. Nach der anfänglichen Prüfung sind gründlichere geschäftliche und finanzielle Recherchen erforderlich. Anders ausgedrückt ist dies die entscheidende Phase der Due Diligence.

Wir führen vor, wie man beurteilt, ob ein Unternehmen in geschäftlicher Hinsicht eine hohe Qualität besitzt oder eine hohe Qualität erreichen kann. Dafür prüfen wir sowohl seine zentralen Stärken als auch die Risiken, die Ihre Anlagethese kippen könnten. Ein Großteil dieser Arbeit ist qualitativer Natur und erfordert solides Urteilsvermögen sowie solide Erkenntnisse. Dabei ist es besonders nützlich, wenn man Erfahrung mit konkreten Geschäftsmodellen und Sektoren hat und daher mit ihnen vertraut ist. Dabei können Ihnen auch persönliche Interessen und Einblicke zugutekommen.

In finanzieller Hinsicht muss man die wichtigsten Finanzberichte eines Unternehmens gründlich durchkämmen, um seine Vorgeschichte, seine derzeitige Verfassung und seine Aussichten zu ermitteln. Diese Analyse besteht zu einem großen Teil darin, die entscheidenden Posten zu durchleuchten und dafür vertretbare Erklärungen zu finden. Man muss jegliche Schwäche im Hinblick auf das Wachstum, die Margen, den freien Cashflow oder die Bilanz klar erkennen. Wir zeigen Ihnen auch, wie man ein Modell für finanzielle Hochrechnungen erstellt, das die Grundlage für Ihre Bewertung in Schritt IV bildet.

Wenn Sie sich mit den Geschäfts- und Finanzzahlen eines Unternehmens nicht wohlfühlen, dann taugt es wahrscheinlich für Sie nicht als Investment. Und das ist auch gut so. Sie wollen ja nicht in ein Unternehmen investieren, das Sie nicht verstehen oder von dem Sie nichts halten. Und Sie wollen sicherlich nicht in ein Unternehmen mit schwachem Finanzprofil investieren, das sich wohl kaum drastisch bessern wird.

Schritt IV: Bewertung und Katalysatoren

In Schritt IV richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Bewertung, die man mit Fug und Recht als Kernbestandteil des Anlageprozesses bezeichnen kann. Dabei muss man ermitteln, wie viel das Unternehmen wert ist, ob es billig oder teuer ist und ob „Katalysatoren“ für eine Neubewertung vorhanden sind. Sogar eine Aktie, die die geschäftliche und finanzielle Überprüfung mit fliegenden Fahnen besteht, kann beim Bewertungstest durchfallen. Das heißt, sie kann zum aktuellen Kurs zu teuer sein, als dass sie eine attraktive Rendite produzieren könnte. Das ist die Falle namens „Unternehmen gut, Aktie schlecht“.

Im betreffenden Kapitel bringen wir Ihnen bei, wie man die wichtigsten Bewertungsmethoden anwendet, die den Kern jeder Aktienanalyse bilden. Dazu zählen auf den inneren Wert bezogene Bewertungsmethoden wie zum Beispiel die Analyse vergleichbarer Unternehmen und das DCF-Verfahren (DCF = Discounted Cashflow beziehungsweise „abgezinster Zahlungsstrom“). Außerdem besprechen wir Bewertungsansätze für Fusionen und Übernahmen (M&A), unter anderem bisherige Transaktionen, die Analyse fremdfinanzierter Übernahmen und Wertzuwachs/Verwässerung. Danach stellen wir zur Abrundung Ihrer Fähigkeiten nuanciertere Methoden wie die Sum-of-the-Parts-Bewertung und den Nettoinventarwert (Substanzwert) vor.

Mithilfe einer Kombination dieser Werkzeuge wird das Kursziel (beziehungsweise der Zielkurs) einer Aktie ermittelt, das für die endgültige Anlageentscheidung unerlässlich ist. Des Weiteren gehen wir häufig vorkommende Katalysatoren durch, die den verborgenen Wert einer Aktie freisetzen und eine Neubewertung auslösen können. Solche Katalysatoren können interner Natur sein, beispielsweise im Rahmen der Weiterentwicklung einer Managementstrategie, oder externer Natur, beispielsweise aufgrund von aktivistischen Aktionären oder regulatorischer Veränderungen. Wichtige Katalysatoren sind übertroffene Gewinnerwartungen, Fusionen und Übernahmen, Kapitalerträge, Refinanzierungen, Führungswechsel und die Markteinführung neuer Produkte.

Schritt V: Anlageentscheidung und Portfoliomanagement

Inzwischen haben Sie eine verlockende Idee identifiziert, die Due Diligence durchgeführt und haben eine Meinung dazu, was das Unternehmen wert ist. All das ist in Ihr Kursziel eingeflossen, das von überragender Bedeutung ist. Nun ist es an der Zeit, die endgültige Anlageentscheidung zu treffen. Sollen Sie die Aktie kaufen, shorten, beobachten oder sein lassen?

Ist die Kauf- oder Leerverkaufsentscheidung getroffen, ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Danach muss die Position ständig überwacht werden. Neue Entwicklungen können die ursprüngliche Anlagethese zum Besseren oder Schlechteren ändern. Zu einer effektiven Beobachtung gehören stetiges Nachdenken sowie stetiges Analysieren und Zusammenfassen von Ereignissen, die sich auf das zugrunde liegende Unternehmen auswirken können.

Um ein solides Portfolio aufzubauen, braucht man Fähigkeiten, die über die Aktienauswahl hinausgehen. Um ein erfolgreiches Portfolio zusammenzustellen, muss man eine Auswahl von Aktien aussuchen, die auf die persönlichen Anlageziele, die Strategie und die eigene Risikotoleranz zugeschnitten ist. Dafür muss man den Positionen die richtigen Größen und Prioritäten zuweisen. Eine große Position sollte ihrem Rang im Verhältnis zu anderen im Portfolio enthaltenen Aktien bezüglich Qualität, Gewinnpotenzial (einschließlich möglicher Katalysatoren) und Überzeugung entsprechen.

Disziplinierte Anleger verwenden Methoden des Risikomanagements, um ihre Portfolios zu optimieren und sich vor Verlusten zu schützen. Wichtige Instrumente sind die Begrenzung des verlustgefährdeten Kapitals und Richtlinien für Verlustbegrenzung und Gewinnmitnahme. Das verlustgefährdete Kapital hängt unter anderem von der Positionsgröße, von der Konzentration auf Sektoren und von geografischen Schwerpunkten ab. Auch bringen wir Ihnen grundlegende Methoden bei, um Positionen zu hedgen und Portfolios einem Stresstest zu unterziehen.


1Unternehmen, die ein auf den Markt bezogen überdurchschnittliches Wachstum und attraktive Bewertungen bieten.

2Im Dezember 2017 spaltete sich Delphi Automotive durch eine steuerfreie Ausgliederung seiner Antriebsstrang-Sparte in zwei getrennte Unternehmen auf. Dieses Segment wurde in Delphi Technologies umbenannt. Die Sparten Electrical/Electronic Architecture und Electronics & Safety hießen nun Aptiv. Mehr dazu später …

1
IDEENFINDUNG


Wie findet man Anlageideen?

Zehntausende Unternehmen werden an den vielen Börsen dieser Welt gehandelt. Wo also fängt man an? Die Suche nach Anlageideen kann viele Formen annehmen. Auf der untersten Stufe fängt sie damit an, dass man liest … viel liest. Halten Sie sich über die üblichen Branchenorgane wie Barron’s, Bloomberg, Grant’s, The Financial Times und The Wall Street Journal auf dem Laufenden und erweitern Sie darauf aufbauend Ihre Lektüre. Erfolgreiche Anleger widmen dem Geschehen in der Welt Aufmerksamkeit.

Ihre Suche erstreckt sich auch auf Ihr Alltagsleben und auf die Produkte und Dienstleistungen in Ihrem Umfeld. Es gibt zahllose Geschichten über Menschen, die durch Anregungen aus ihrem Alltagsleben großartige Aktienideen gefunden haben. Was kaufen die Menschen? Wo kaufen sie ein? Welche Websites besuchen sie?

Viele Anleger verfolgen einen Bottom-up-Ansatz und konzentrieren sich auf die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen. Für diese Methode gibt es mehrere gängige und häufig genutzte Quellen von Anlageideen. Dazu zählen unterbewertete Unternehmen, „Gewinnsammler“, operative Verbesserungen und Turnarounds, M&A, Ausgliederungen, Restrukturierungen und Kapitalrendite. Um solche Chancen zu beurteilen, braucht man ein grundlegendes Verständnis der geschäftlichen Faktoren, der Finanzanalyse und der Unternehmensbewertung. Sie haben weder Betriebs- noch Volkswirtschaft studiert? Keine Sorge – der Bottom-up-Ansatz ist der wichtigste Schwerpunkt unseres Buches und in den nachfolgenden Kapiteln werden wir ihn Ihnen näherbringen.

Andere verwenden einen Top-down-Ansatz und suchen anhand von makroökonomischen oder langfristigen Themen nach Chancen. Sie erwarten, dass solche Themen für beschleunigtes Gewinnwachstum sorgen und im Idealfall für die Neubewertung eines bestimmten Sektors. Die wichtigsten Macro-Top-down-Strategien fokussieren sich auf globale Markttrends und Konjunkturzyklen sowie auf Zinsen, Währungen und Rohstoffe. Zu den langfristigen Themen gehören sich verändernde Konsumgewohnheiten, Grade der Produktpenetration, demografische Entwicklungen, aufstrebende Technologien, strukturelle Wettbewerbsverschiebungen und regulatorische Entwicklungen.

Die meisten erfahrenen Anleger beziehen Bottom-up- und Top-down-Elemente in ihren Ansatz ein. Selbst die glühendsten fundamental orientierten Investoren achten genauestens auf das makroökonomische Umfeld. Man muss unbedingt verstehen, wie sich bestimmte Szenarien auf einzelne Aktien auswirken können. Daher der Spruch: „Ohne Makroanalyse bringt einen die Makroökonomie um.“

Der Prozess der Ideenfindung erfordert viel Geduld und Disziplin. Man muss unter Umständen Hunderte von Unternehmen prüfen, bevor eine Gelegenheit von hoher Qualität herausragt. Deshalb kommt es sehr darauf an, wo man sucht und was man sucht.

Es gibt zwar gewisse vorherrschende Methoden, aber jeder Anleger entwickelt seinen eigenen Stil mit seinen eigenen Nuancen und Varianten. Der erfahrungsbasierte Charakter der Geldanlage hat zur Folge, dass professionelle Investoren ihre Methode der Ideenfindung im Laufe der Zeit feinabstimmen. Selbst die ausgefuchstesten Profis müssen sich weiterentwickeln und sich an die dynamischen Marktbedingungen anpassen. Daher fügen sie nach und nach alle möglichen Schikanen hinzu.

FILTER

Filter-Tools – oder „Screens“ beziehungsweise „Screener“ – sind nützlich, um effizient Investmentideen zu entwickeln. Mit Filtern kann man selbst gewählte Kriterien verwenden, um große Unternehmensdatenbanken durchzusieben und so aussichtsreiche Aktien zu identifizieren. Profis lassen auf ihrer ständigen Suche nach Ideen regelmäßig Filter laufen.

Beispielsweise könnte ein Bottom-up-Screen auf Aktien abzielen, die unterhalb eines bestimmten Bewertungsniveaus gehandelt werden oder schneller als mit einer bestimmten Wachstumsrate wachsen. Oder er richtet sich auf kürzlich erfolgte M&A-Transaktionen, bevorstehende IPOs oder auf Unternehmen, die neue Genehmigungen für Aktienrückkäufe erhalten haben (siehe Abbildung 1.1).

Ein Top-down-Anleger mit der Anlagethese, dass der Ölpreis steigt, sucht etwa nach Chancen im Energiesektor in Kombination mit finanziellen Kriterien. Alternativ könnte sich eine Anlagethese auch auf die langfristigen Trends der zunehmenden Breitbandnutzung oder der zunehmenden Verbreitung von mobilen Geräten stützen. In diesem Fall würde der Filter Subsektoren der Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation mit zusätzlichen Kriterien für ausgewählte Finanzkennzahlen durchkämmen.

Zahlreiche Tools für das Aktien-Screening sind online kostenlos oder verhältnismäßig preisgünstig verfügbar (zum Beispiel Yahoo! Finance). Das Mindeste ist, bei Anbietern von Finanznachrichten Alerts einzurichten (zum Beispiel Google Alerts, WSJ), die einem frisch gemeldete Unternehmensereignisse anzeigen. Fortgeschrittene Tools, die sich in hohem Maße konfigurieren lassen, bekommt man bei Abonnement-Anbietern wie beispielsweise Bloomberg.

ABBILDUNG 1.1Filterergebnis – Genehmigung von Rückkäufen über fünf Prozent der Marktkapitalisierung bei Marktkapitalisierung über eine Milliarde US-Dollar

(außer bei Angaben je Aktie in Millionen US-Dollar)


DER BOTTOM-UP-ANSATZ

Bei der Bottom-up-Geldanlage nimmt man, um attraktive Aktien zu finden, als Erstes Unternehmen in den Blick. Man geht vom einzelnen Unternehmen aus und führt eine gründliche Analyse seiner geschäftlichen Faktoren, seiner Finanzperformance, seiner Bewertung und seiner Zukunftsaussichten durch. Diese Art von Arbeit bildet die Grundlage der traditionellen Aktienauswahl.

Gängige Bottom-up-Anlagestrategien sind unter anderem Long-only, Long/short und ereignisorientiert/Sondersituationen. Andere richten sich auf bestimmte Sektoren oder geografische Kriterien. Eine Long-only-Strategie kauft und hält ein aus hochwertigen Aktien bestehendes Portfolio, häufig mit einer langfristigen Perspektive. Bei Long/short-Strategien kommt eine Leerverkaufsstrategie hinzu, entweder um sich gegen Risiken bestimmter Aktien oder Sektoren beziehungsweise gegen das Gesamtmarktrisiko abzusichern oder um damit eigenständig Erträge zu erwirtschaften (siehe Kapitel 5). Eine an Ereignissen oder Sondersituationen ausgerichtete Strategie zielt auf Kapitalmaßnahmen wie M&A, Ausgliederungen und Aktienrückkäufe ab.

Wie in Abbildung 1.2 zu sehen, haben sich bestimmte Bereiche als produktiv für die Entwicklung guter Anlageideen erwiesen. Beispielsweise konzentrieren sich Value-Anleger häufig auf unterbewertete Aktien, die vom Markt missverstanden werden. Stockpicker achten auch auf Unternehmen, die aktionärsfreundliche Aktivitäten durchführen, zum Beispiel Rückkäufe, M&A und Verbesserungen des Managements.

ABBILDUNG 1.2Der Bottom-up-Ansatz

Der Bottom-up-Ansatz

Bewertung Bewertung

Finanzperformance

Fusionen und Übernahmen

Ausgliederungen und Veräußerungen

Restrukturierungen (Sanierungen) und Turnarounds

Aktienrückkäufe und Dividenden

Börsengänge

Insiderkäufe und Insiderbeteiligungen

Beobachtung erfolgreicher Investoren und Aktivisten

Bewertung – Traditionelle Bewertungsfilter suchen „billige“ Aktien gewöhnlich anhand einer Bewertungskennzahl aus. Man muss jedoch zwischen Unternehmen unterscheiden, die billig sind, weil sie verkannt werden, und solchen, die es verdient haben.

Finanzperformance – Finanzkennzahlen und finanzielle Trends sind für die Erkennung potenzieller Gewinner und Verlierer von entscheidender Bedeutung. Sich bessernde Fundamentaldaten können eine verlockende Anlagechance anzeigen, beispielsweise steigende Wachstumsraten, wachsende Ertragsmargen, Schuldenabbau und steigende Renditen. Bei Unternehmen, deren Ertragsmargen geringer als die vergleichbarer Unternehmen sind, sollte man analysieren, ob sie diese Lücke schließen können.

Fusionen und Übernahmen – Fusionen und Übernahmen können einen erheblichen langfristigen Shareholder Value schöpfen. Besonders gilt dies, wenn sich der Erwerber durch die Übernahme stark verändert – eine strategische Übernahme –, wenn er dadurch wächst und sein Portfolio verbessert. Sektoren zu erkennen, in denen es M&A-Kandidaten gibt, kann zu Chancen unter Übernehmern und Übernahmezielen führen.

Ausgliederungen und Veräußerungen – Transaktionen, bei denen ein Unternehmen Geschäftsbereiche an die Börse bringt (wobei die neuen Aktien unter den Bestandsaktionären verteilt werden) oder eine oder mehrere Sparten beziehungsweise Abteilungen verkauft. Ausgliederungen – auch als Spin-offs bezeichnet – und Veräußerungen zielen darauf ab, den vollen Wert von unterschiedlichen Geschäftsbereichen, die sich bisher unter dem Dach eines Konzerns befanden, freizusetzen oder hervorzuheben.

Restrukturierungen (Sanierungen) und Turnarounds – Sanierungen sind Situationen, in denen ein Unternehmen in Form einer Börsennotierung aus einer Insolvenz oder einer Umstrukturierung hervorgeht, was normalerweise mit einer gestärkten Bilanz einhergeht. Turnarounds finden auch außerhalb formaler Insolvenzen und Restrukturierungen statt. Jedes angeschlagene Unternehmen stellt eine Gelegenheit dar, das Potenzial dramatischer Verbesserungen zu nutzen.

Aktienrückkäufe und Dividenden – Dies sind zwei wichtige Methoden, den Aktionären Bargeld zurückzugeben. Was Rückkäufe angeht, sind vor allem Unternehmen interessant, die zum ersten Mal, systematisch oder in erheblichem Ausmaß (zum Beispiel mehr als fünf Prozent der in Streubesitz befindlichen) Aktien zurückkaufen. Bei Dividenden lohnt es, sich mit Erstausschüttungen, erheblichen Renditen oder steigenden Ausschüttungsquoten1 zu befassen.

Börsengänge (IPOs) – Hier handelt es sich um Erstemissionen von Unternehmen, unter anderem aus Private-Equity- Gesellschaften2 und Venturecapital-Firmen heraus. Häufig werden die betreffenden Unternehmen günstiger als vergleichbare Unternehmen angeboten und aufgrund einer fehlenden öffentlich bekannten Erfolgsbilanz sowie fehlender Vergleichsmöglichkeiten versteht der Markt sie möglicherweise nicht recht.

Insiderkäufe und Insiderbeteiligungen – Wenn führende Manager eines Unternehmens in großen Mengen dessen Aktien kaufen, kann dies darauf hindeuten, dass die Aktie unterbewertet ist oder dass eine signifikante Wertschöpfung bevorsteht. Ebenso verdienen bewährte Vorstandsvorsitzende Aufmerksamkeit, die große finanzielle Anreize haben, die Performance zu steigern.

Beobachtung erfolgreicher Investoren und Aktivisten – Wenn man die Unterlagen durchgeht, die eine ausgewählte Gruppe von Investoren mit guter Erfolgsbilanz bei der Börsenaufsicht einreicht, kann man Kaufgelegenheiten aufdecken. Die SEC3 verlangt nämlich von Investmentfonds mit einem verwalteten Vermögen (AUM = Assets Under Management) von 100 Millionen Dollar oder mehr, dass sie ihre Aktienpositionen vierteljährlich in einem Formular namens Schedule 13-F offenlegen.4

Bewertung

Wenn man ein Bewertungsfilter laufen lässt, muss man mehr tun als nur „billige“ Aktien zu finden. Eine einfache Suche nach Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) unter 15 wirft immer eine große Anzahl aus und damit ist man dem Auffinden einer unterbewerteten Aktie wahrscheinlich kaum nähergekommen. Die meisten dieser Unternehmen sind nämlich aus gutem Grund so billig.

Es kommt darauf an, Aktien zu finden, die billig sind, weil sie verkannt sind und weil man glaubt, dass ihr Gewinn steigen und/oder der Markt sie im Zuge einer Neubewertung höher einstufen wird, sodass sie ein höheres KGV haben werden. Dabei muss man die sogenannten Value-Fallen vermeiden, also Aktien, die billig wirken, aber aus gutem Grund mit Abschlag gehandelt werden. Sie können sogar aufgrund fundamentaler oder struktureller Faktoren, die ihre künftigen Gewinne gefährden, überteuert sein.

Andererseits findet man vielleicht Aktien, die anhand des KGVs oder im Vergleich zu ähnlichen Aktien nicht billig wirken, deren Weg zur Outperformance jedoch klar vorgezeichnet ist. So kann sich beispielsweise ein schnell wachsendes Unternehmen, das mit einem KGV von 20 gehandelt wird, als interessanter erweisen als ein langsamer wachsendes mit einem KGV von 17,5. Geht man davon aus, dass das Unternehmen mit einem KGV von 20 seinen Gewinn jährlich um 25 Prozent steigert, bedeutet dies, dass das KGV in drei Jahren nur noch 10 betragen wird. Hingegen beträgt das KGV des Unternehmens mit einem derzeitigen KGV von 17,5, wenn sein Gewinn jährlich um 10 Prozent steigt, in drei Jahren 13 und somit ist es dann teurer.

Häufig wird der Bottom-up-Ansatz, um einen effektiven Bewertungs-Screen zu gestalten, mit dem Top-down-Ansatz kombiniert. Beispielsweise kann man nach günstigen Aktien in einem Sektor suchen, der eine bedeutende langfristige Veränderung durchmacht oder einen zyklischen Anstieg erlebt.

Hier einige übliche Bewertungsfilter:

Handel zu einem niedrigen absoluten oder relativen Wert – ein Unternehmen, dessen Bewertung angesichts seiner Fundamentaldaten und seines geschäftlichen Ausblicks verlockend erscheint. Dies kann bezogen auf ähnliche Unternehmen oder auf die historischen Verhältnisse der Fall sein (beispielsweise ein erheblicher Abschlag auf sein 52-Wochen-Hoch oder auf sein Allzeithoch). Normalerweise wird die Bewertung anhand von Verhältnis-Kennzahlen angegeben. Zu den wichtigsten gehören das KGV, das Verhältnis des Kurses zum Free Cash Flow (P/FCF)5, das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und das Verhältnis des Unternehmenswerts (EV = Enterprise Value) zum EBITDA (EV/EBITDA).6

Im Verhältnis zum Wachstum attraktive Bewertung – am Wichtigsten ist hier das ins Verhältnis zum Wachstum gesetzte KGV, das sogenannte Price/Earnings to Growth Ratio (PEG-Ratio oder PEG). Dafür wird das KGV durch das prozentuale Gewinnwachstum geteilt und das Wertangebot angegeben, das eine Aktie im Verhältnis zu seinen Wachstumsaussichten darstellt. Ein niedriges PEG kann darauf hindeuten, dass eine Aktie unterbewertet ist. Wie bereits erwähnt, dürfte eine Aktie mit einem KGV und einer Wachstumsrate des Gewinns pro Aktie (EPS = Earnings Per Share oder EPA = Ertrag pro Aktie) von 25 Prozent und somit einem PEG von 0,8 attraktiver sein als eine Aktie mit einem KGV von 17,5 und 10 Prozent Wachstum, woraus sich ein PEG von 1,75 ergibt.

Hohe Rendite bei niedriger Bewertung – Kennzahlen für die Kapitalrendite, insbesondere die als ROIC (Return On Invested Capital)7 bezeichnete Variante, sind wichtige Indikatoren der Qualität. Die ideale Gelegenheit verbindet hohe und steigende Renditen mit einer niedrigen aktuellen Bewertung. Hohe Kapitalrenditen können eingesetzt werden, indem man sie in Wachstumsprojekte investiert und/oder den Anlegern Kapital zurückgibt.

Die Finanzperformance

Die Finanzperformance eines Unternehmens sollte sich positiv oder negativ im Aktienkurs niederschlagen. Anziehendes Umsatz- und Gewinnwachstum sollte durch eine starke Aktienkurs-Performance belohnt werden. Wenn sich der Trend verlangsamt, sollte es umgekehrt sein.

Die gleichen Regeln gelten auch für andere entscheidende Finanzkennzahlen, zum Beispiel für die Ertragsmargen, den freien Cashflow und die Kapitalrendite. Manchmal jedoch erkennt der Markt eine Verbesserung der Finanzleistung nicht angemessen an. Und ebenso sollte man einer relativ gesehen schwachen Finanzperformance – zum Beispiel im Verhältnis zur Peergroup niedrigeren Margen oder Renditen – als potenzieller Turnaround-Chance nachgehen.

Die Kapitalstruktur geht normalerweise mit der Finanzperformance Hand in Hand. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Menge der Schulden eines Unternehmens, auf den Kosten dafür, auf der Frage, wann sie fällig werden und ob es in der Lage ist, die Zinsen zu bezahlen. Ebenso wie die operative Leistung kann auch die Stärkung der Kreditkennzahlen den Aktienkurs vorantreiben.

Die oben erwähnten Kennzahlen müssen sowohl absolut als auch relativ mit denjenigen vergleichbarer Unternehmen verglichen werden. Bei den Filteranbietern gibt es unzählige Variationen für die Erkennung von Trends der Finanzperformance.

Hier einige gängige Kriterien für die Finanzperformance:

Wachstum – wohl der wichtigste Bewertungsfaktor. Beständiges Umsatz- und Gewinnwachstum ist ein klassischer Qualitätsindikator. „Gewinnkumulierer“, die jahrein, jahraus liefern, sind das traditionelle Hauptgeschäft des Stockpickers und genießen meist einen Kursaufschlag. Zwar wird Wachstum jeder Art gefeiert, jedoch ist organisches Wachstum dem Wachstum durch Fusionen und Übernahmen vorzuziehen.

Margen – steigende oder sinkende Ertragsmargen sind aufschlussreiche Anzeichen für die Unternehmensleistung. Margenwachstum deutet meist auf Preissetzungsmacht, Kostenkontrolle und Macht gegenüber Zulieferern hin. Nachlassende Margen können ein Warnsignal für große geschäftliche Herausforderungen sein. Anleger konzentrieren sich auf den Bruttoertrag, das EBITDA, den operativen Gewinn (EBIT)8 und die Nettoertragsmarge.

Free Cash Flow (FCF) – professionelle Investoren achten auf die Fähigkeit eines Unternehmens, einen Cashflow zu generieren, der zur Finanzierung organischer Wachstumsprojekte, von Fusionen und Übernahmen, von Ausschüttungen an die Aktionäre oder der Rückzahlung von Schulden verwendet werden kann. Unternehmen, die einen nennenswerten Anteil ihres Reinertrags in FCF verwandeln, sind hoch angesehen. Entscheidende einschlägige Kennzahlen sind unter anderem die Umwandlungsrate des FCF (FCF im Verhältnis zum Reinertrag oder zum EBITDA) und die FCF-Marge (FCF im Verhältnis zum Umsatz).

Rentabilitätskennzahlen – sie geben die Fähigkeit eines Unternehmens an, seinen Kapitalgebern Gewinne (oder Renditen) zu liefern. Bei diesen Kennzahlen steht im Zähler eine Profitabilitätskennzahl (zum Beispiel EBIAT, NOPAT oder Reinertrag) und im Nenner das Kapital (zum Beispiel das Investitionskapital, das Gesamtvermögen oder das Eigenkapital). Rentabilitätskennzahlen geben an, wie effizient die Unternehmensleitung das Kapital verwendet. Im Idealfall sollte das ROIC eines Unternehmens höher sein als sein Kapitalaufwand (siehe Kapitel 4), denn das deutet auf die Fähigkeit hin, überschüssige Erträge an die Aktionäre auszuschütten.

Kapitalstruktur – sie trägt auf vielfältige Weise zur Kursperformance einer Aktie bei. Die Kapazität der Bilanz kann genutzt werden, um Wachstumsprojekte zu finanzieren, für M&A oder um Kapital zurückzugeben. Auch bietet sie in schwierigen Zeiten Unterstützung und Liquidität, wie Aktienanleger während der Finanzkrise 2008/2009 (auch als „Große Rezession“ bezeichnet) lernen mussten. Zu den wichtigsten Kennzahlen gehören hier das Verhältnis der Schulden zum EBITDA („Verschuldungsgrad“) und des EBITDA zu den Zinskosten („Deckungsgrad“). Die Kreditkennzahlen können sich durch steigende Finanzleistung und/oder durch die Begleichung von Schulden bessern.

Fusionen und Übernahmen

M&A (Mergers & Acquisitions = Fusionen und Übernahmen) bezieht sich allgemein auf den Kauf und Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen. Die Entscheidung, ein komplettes Unternehmen oder einen Teil davon zu kaufen, beruht auf zahlreichen Faktoren. Der wichtigste ist der Wunsch, eine bestehende Plattform durch neue Produkte, neue Kunden, neue Absatzmärkte oder neue geografische Gebiete zu erweitern oder zu verbessern. Durch Fusionen und Übernahmen können aber auch ganz neue Geschäftszweige erschlossen werden. Wachstum durch M&A stellt häufig eine billigere, schnellere und sicherere Möglichkeit dar als ein Geschäft von Grund auf neu aufzubauen.

Es kann verlockend sein, den Schwerpunkt der Suche nach Anlagechancen auf Fusionen und Übernahmen zu legen. Die Suche nach neuen sogenannten „Deals“ von großem Ausmaß ist ein guter Ausgangspunkt. Dadurch findet man häufig „angesagte“ Sektoren, in denen mögliche Übernahmeziele und Erwerber interessante Gelegenheiten bieten können. Was die potenziellen Übernahmeziele angeht, so suchen Investoren vor allem nach natürlichen Übernahmekandidaten, zum Beispiel solchen, die auf 52-Wochen-Tiefs stehen, oder solchen, die im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen niedrig bewertet sind. Unter den Erwerbern ragen bewährte Führungsteams mit einer guten M&A-Bilanz heraus, vor allem wenn sie reichlich Bargeld oder einen niedrigen Fremdfinanzierungsgrad haben.

Bevor wir tiefer in die Materie eindringen, eine kurze Warnung: Die M&A-Erfolgsbilanz war im Laufe der Zeit entschieden durchwachsen. Übliche Fallstricke sind zu hohe Preise, fehlgeleitete strategische Wetten, unvereinbare Unternehmenskulturen, Überstrapazieren der Bilanz durch Schulden und schlechte Integration. Jeder dieser Faktoren kann für sich genommen Wert vernichten und gemeinsam sind sie verheerend. Seien Sie also vorsichtig.

Hier einige konkrete auf M&A-Aktivitäten bezogene Strategien:

Transformative Deals – große, strategische und synergetische Transaktionen. Übliche Filter: Vor Kurzem angekündigte oder durchgeführte Deals, die mindestens zehn Prozent des Wertes des Käufers vor der Übernahme darstellen.

Konsolidierung eines Sektors – auf diesem Gebiet aktive Sektoren, in denen die Aktienkurse sowohl von potenziellen Übernahmezielen als auch von potenziellen Käufern profitieren können. Übliche Filter: Umfang der Deals in einem Sektor, sowohl nach Anzahl als auch nach Größe.

Natürliche Übernahmeziele – Unternehmen, deren Kauf sich aufgrund der strategischen Logik oder aufgrund des KGVs anbietet. Übliche Filter: Nur auf einem Gebiet tätige Unternehmen mit niedrigen Bewertungskennzahlen oder in der Nähe eines 52-Wochen-Tiefs.

Bewährte Unternehmenskäufer – Managementteams mit einer erfolgreichen Bilanz der Durchführung gewinnbringender Transaktionen. Übliche Filter: Hinsichtlich Volumen und Geldbetrag der Deals aktive Übernehmer, häufig in Kombination mit wichtigen Bilanzkennzahlen wie etwa einem hohen Bargeldbestand oder einer geringen Fremdfinanzierung.

Transformative Deals

Man kann transformative Deals nach Größe oder nach Strategie definieren, häufig auch nach beidem. Solche Deals verändern Umsatz und Gewinn des Käufers sowie seine strategische Richtung wesentlich. Auch ergeben sich dabei häufig erhebliche Synergien aufgrund von Kosteneinsparungen und Wachstumschancen. In manchen Fällen kann sich daraus eine Neubewertung ergeben, die den Übernehmer mit einem höheren KGV belohnt.

Man sollte Ausschau nach frisch angekündigten oder abgeschlossenen Deals oberhalb einer gewissen Schwelle halten. Dann lese man die Pressemitteilungen und Anlegerpräsentationen aller Übernehmer. Diese enthalten normalerweise eine Beschreibung des Deals, den Umfang der Synergien, den Gewinnzuwachs (beziehungsweise Annahmen zu Kalkulationszwecken) und die strategischen Vorteile der Transaktion.

Unabhängig davon, wie viel davon offengelegt wird, muss man letztlich zu seinen eigenen Annahmen und Urteilen über die finanziellen und strategischen Vorzüge des Deals kommen. Diese schlagen sich in einem Modell der Gewinnsteigerung/Gewinnverwässerung nieder, mit dem man die quantitativen Auswirkungen der Transaktion analysiert (siehe Kapitel 4). Anleger begrüßen Deals, die den Gewinn pro Aktie oder den freien Cashflow pro Aktie wesentlich steigen lassen, im Idealfall auf Pro-forma-Basis um zehn Prozent oder mehr.

Im Sommer 2016 kaufte ein Betreiber von Skigebieten namens Vail Resorts (MTN) den Konkurrenten Whistler Blackcomb (WB CN) für 1,2 Milliarden Dollar (EV/EBITDA-Multiple von 13, um Synergien bereinigt von 9). Das war im Verhältnis zum damaligen Unternehmenswert (EV) von MTN in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar eine erhebliche Transaktion. Unter Berücksichtigung der Synergien erhöhte der Deal den Gewinn pro Aktie komfortabel.

Whistler gehörte zu den nordamerikanischen Ikonen des Skitourismus und konnte auf eine lange Vorgeschichte mit gesunder Finanzperformance zurückblicken. Der Deal weitete Vails ohnehin schon starkes Wintersportnetzwerk auf den kanadischen Markt aus und dämpfte somit die Saisonabhängigkeit des Gesamtkonzerns, denn Whistler ist ganzjährig tätig.

Der Markt honorierte die Kombination aus unmittelbaren Erlösen und Kostensynergien, den wachsenden Anteil von Saisonpässen und die gemeinsamen Best Practices. Der Kurs von MTN stieg nach der Ankündigung des Deals um acht Prozent. Nach zwei Jahren hatten die Vail-Aktionäre ihr Geld verdoppelt. Dieser transformative Deal lieferte eindeutig transformative Erträge.

Konsolidierung eines Sektors

Ein Sektor, in dem eine Konsolidierung stattfindet, bietet fruchtbaren Boden für Ideen im Zusammenhang mit M&A. Die Aktienkurse sowohl potenzieller Übernahmeziele als auch potenzieller Käufer können im Vorfeld von wertsteigernden Transaktionen steigen. Dadurch entsteht eine potenzielle Win-win-Situation. Im Idealfall beginnt man mit der Geldanlage im Anfangsstadium der Konsolidierungsphase und maximiert so seine Renditen.

Wir empfehlen, frisch bekannt gegebene oder abgeschlossene Deals herauszufiltern und sie dann nach Sektoren zu sortieren. Ein Sektor mit hoher Aktivität legt angemessene Konsolidierungschancen nahe. Auf der nächsten Stufe der Analyse sucht man diejenigen Akteure innerhalb des Sektors heraus, die am wahrscheinlichsten Transaktionen durchführen werden. Dafür muss man sich mit natürlichen Zielen und Käufern gut auskennen.

Ein typisches Narrativ wäre beispielsweise ein bewährter Unternehmenskäufer mit einem ausformulierten M&A-Plan und einem hohen Bargeldbestand. Es kann auch sein, dass einem Unternehmen eine Übernahme misslungen ist und dass es nun auf der Suche nach einem neuen Ziel ist. In diesem Fall kann man auf hohem Niveau eine Vielzahl von potenziellen Übernahmezielen daraufhin analysieren, wie gut sie zum Käufer passen würden und welche Synergien sich ergeben könnten.

Klare Ziele sind attraktiv bewertet und eignen sich strategisch für potenzielle Interessenten. Dabei sind auch soziale Fragen und Fragen der Unternehmensführung von Bedeutung. Gibt es beim Übernahmeziel einen aktivistischen Aktionär? Werden Verwaltungsrat und Führungsmannschaft einen Verkauf des Unternehmens wahrscheinlich unterstützen?

Eine interessante Fallstudie stellt der globale Brauereisektor dar. Anfang der 2000er-Jahre war diese Branche stark zersplittert und die fünf größten Akteure hatten zusammen einen Marktanteil von 25 Prozent. Ein Jahrzehnt später lag er nach mehr als einem Dutzend umfänglichen Deals deutlich über 50 Prozent. In dieser Zeit erzielten die Aktionäre sowohl von Zielen als auch von Käufern überdimensionale Renditen. Erwähnenswert sind unter anderem die Übernahme von Anheuser-Busch durch InBev im Jahr 2008 für 61 Milliarden Dollar und die Übernahme von Foster durch SABMiller im Jahr 2011 für 12 Milliarden Dollar. Im Jahr 2016 gingen die beiden globalen Brau-Giganten zusammen und bildeten einen Konzern mit einer Marktkapitalisierung von 200 Milliarden Dollar.

Natürliche Übernahmeziele

Eine klassische M&A-Anlagestrategie dreht sich darum, natürliche Übernahmekandidaten zu finden. Ganz oben auf der Liste stehen Unternehmen mit großen Mitbewerbern, die expandieren wollen, ebenso Unternehmen mit einzigartigen Vermögenswerten oder Technologien, die sich nahtlos mit einem Branchenkollegen verbinden lassen würden.

Ein klares Ziel könnte etwa ein kleines, auf einen bestimmten Geschäftsbereich konzentriertes Unternehmen sein, das niedrig bewertet ist oder in der Nähe eines 52-Wochen-Tiefs steht. Ein CEO kurz vor dem Ruhestand mit einer großzügigen Abfindung würde die Plausibilität noch erhöhen.9 Oder das Unternehmen ist so günstig beziehungsweise generiert ausreichend FCF, um das Interesse einer Private-Equity-Firma zu wecken.

Zum Tanzen gehören allerdings zwei. Also muss man auch die potenziellen Käufer verstehen. Sind die logischen Käufer gerade auf Übernahmen aus? Sind ihre Bilanzen für große M&A-Transaktionen stark genug? Hat vielleicht ein Private-Equity-Käufer Interesse?

Sich an bewährten Unternehmenskäufern zu orientieren kann zwar eine effektive Strategie sein, aber im Vorfeld ist es meist sicherer, auf das Ziel zu setzen. Im historischen Durchschnitt beträgt der Übernahmeaufschlag für börsennotierte Gesellschaften 30 bis 40 Prozent. In manchen Fällen ist der Aufschlag viel höher, zum Beispiel bei Übernahmeschlachten oder feindlichen Übernahmen. Den richtigen Übernahmekandidaten zu finden kann innerhalb kurzer Zeit eine sehr hohe Rendite bringen.

In dieser Hinsicht sind ehemalige Investmentbanker klar im Vorteil, denn sie kennen sich mit der Mechanik, Dynamik und den Motivationen von M&A-Transaktionen aus.

Im März 2016 wurde Valspar (VAL) im Rahmen eines bar abgewickelten Deals für 113 Dollar je Aktie von Sherwin-Williams (SHW) übernommen und so entstand der weltgrößte Konzern für Farben und Lacke. Das stellte gegenüber dem damaligen Aktienkurs von VAL einen Aufschlag von 41 Prozent und gegenüber dem Allzeithoch einen Aufschlag von 28 Prozent dar. Unter Berücksichtigung der Schuldenaufnahme betrug der Kaufpreis insgesamt 11,3 Milliarden Dollar (EV/ EBITDA-Multiple von 15, um Synergien bereinigt 11).

Da Valspar der fünfgrößte Beschichtungshersteller war und in dieser Branche die Größe zählt, gab es zahlreiche logische Kaufinteressenten. Durch sein Engagement im Asien-Pazifik-Raum sowie durch seine Vorgeschichte der Innovation und der technischen Kompetenz wurde seine Attraktivität noch weiter gesteigert. Kurz gesagt lagen alle Anhaltspunkte für Anleger vor, die gern einen natürlichen Übernahmekandidaten stützen wollten.

Der Deal streute die Kundenbasis von Sherwin-Williams und seine geografische Abdeckung breiter und gleichzeitig brachte er zusätzliche Produkte und Kompetenzen mit sich. In finanzieller Hinsicht brachte die Transaktion große Synergien und ließ das EPS um 20 Prozent steigen. Die SHW-Aktionäre wurden vom Datum der Bekanntgabe bis Ende 2019 durch eine hübsche Rendite von 115 Prozent belohnt – mehr als das Doppelte der Rendite des S&P 500 im selben Zeitraum.

Bewährte Unternehmenskäufer

Mit bewährten Käufern sind Unternehmen gemeint, die den Abschluss erfolgreicher kurs- und wertsteigernder Deals vorweisen können. In guten Zeiten steigern Fusionen und Übernahmen eine solide Performance. In schweren Zeiten helfen Fusionen und Übernahmen, Gegenwind bei Umsatz und Gewinn auszugleichen.

Die Aktien bewährter Unternehmenskäufer steigen bei Bekanntgabe eines Deals häufig. Solche Unternehmen haben sehr fähige CEOs und eigene M&A-Profis, die häufig ehemalige Investmentbanker sind. Eine typische Strategie könnte darin bestehen, margenschwache Konkurrenten zu übernehmen, deren Margen ein neues Management steigern kann. Bewährte Unternehmenskäufer haben eine erprobte Integrationsstrategie, die zum Erbgut des Unternehmens gehört. Das versetzt sie in die Lage, Übernahme und Integration erfolgreich umzusetzen und dadurch einen zusätzlichen Wert zu liefern, der über den Kaufpreis hinausgeht.

Die Orbia Advance Corporation SAB (ORBIA), ehemals Mexichem SAB, ein weltweit tätiger Chemiekonzern mit Sitz in Mexiko-Stadt, begann Anfang 2007 mit einer Reihe strategischer Übernahmen. Im Rahmen seiner Initiative, das Downstream-Geschäft auszuweiten und sich geografisch zu diversifizieren, übernahm der Konzern im Laufe der nächsten Jahre Grupo Amanco, AlphaGary, Wavin und Dura-Line. Diese auf M&A ausgerichtete Strategie erwies sich für die Aktionäre als hochprofitabel. Bis zum Herbst 2014 war der Aktienkurs von Mexichem von 7 auf 56 Dollar gestiegen, eine Verachtfachung in acht Jahren.

Und wo ist nun der Haken? Ist das Investieren in erfolgreiche Serienübernehmer zu schön, um wahr zu sein? Nun ja, es gibt dabei mehrere Risiken. Zunächst einmal braucht man für diese Strategie eine große Pipeline an brauchbaren Zielen. Außerdem hängt sie davon ab, ob attraktive Märkte zur Schuldenfinanzierung vorhanden sind. Und darüber hinaus kann sich die Analyse der eigentlichen Finanzperformance von Serienübernehmern aufgrund der zahlreichen Variablen als Herausforderung entpuppen.

Und schließlich kann es ja auch sein, dass die Aktie eines bewährten Übernehmers bereits perfekt bewertet ist. Es kann sein, dass die Erwartungen der Anleger bezüglich weiterer gelungener Deals astronomisch hoch sind und somit die Enttäuschung vorprogrammiert ist.

Ausgliederungen und Veräußerungen

Eine Ausgliederung – ein Spin-off – findet statt, wenn eine Muttergesellschaft einen ihrer Geschäftsbereiche an die Börse bringt oder Aktien dieser Sparte an ihre Aktionäre ausgibt. Nach der Ausgliederung ist das ausgegliederte Unternehmen vom Mutterunternehmen unabhängig; es hat sein eigenes Führungsteam, seinen eigenen Verwaltungsrat und seine eigenen Aktionäre. Spin-offs sorgen in der Finanzpresse für Schlagzeilen und lassen sich daher leicht überprüfen.

Sie können für Stockpicker lohnenswert sein. Schließlich steht ja hinter der Trennung der Geschäftsbereiche die Absicht, Shareholder-Value freizusetzen. Die den einzelnen Geschäftsbereichen innewohnenden Werte sollen dabei größer sein als der Wert des bestehenden konsolidierten Mutterkonzerns. Weshalb sonst sollte man sich auf die Kosten und Mühen eines Spin-offs einlassen? Das Gleiche gilt für den Verkauf beziehungsweise die Veräußerung von Sparten, die nicht zum Kerngeschäft gehören oder die schlecht laufen.

Nach der Trennung können sowohl die Muttergesellschaft als auch die ausgegliederte Gesellschaft bedeutendes Aufwärtspotenzial aufweisen und sie müssen unabhängig voneinander bewertet werden. Der Aktienkurs der Muttergesellschaft kann durch das Abstoßen eines nicht zum Kerngeschäft gehörenden und vernachlässigten Geschäftszweigs steigen. Das ausgegliederte Unternehmen, das häufig von minderer Qualität ist oder dem nicht genug Kapital zugeteilt wurde, kann sogar noch größere Chancen bieten. Normalerweise gerät die Aktie der ausgegliederten Gesellschaft sofort unter Verkaufsdruck, weil sich die Aktionärsbasis umschichtet. Größere Vermögensverwaltungen scheuen meistens vor kleineren, illiquiden Aktien zurück und stoßen sie deshalb ab.

Zusätzlich leidet die Bewertung des gerade erst eigenständig gewordenen Spin-offs unter einem grundsätzlichen Mangel an Informationen und Interesse. Frisch an die Börse gebrachte Unternehmen werden oft mit Abschlag gehandelt, weil sie sich noch nicht bewährt haben, denn sie haben ja keine eigenständige Erfolgsbilanz vorzuweisen. Außerdem werden sie anfangs nur begrenzt von Analysten beobachtet, vor allem wenn ihre Kapitalisierung im Small-Cap-Bereich liegt. Diese Eigenschaften – ungerechtfertigter Verkaufsdruck, Bewertungsabschlag und Informationsasymmetrie – können ein verlockendes Szenario bilden.

Bei Veräußerungen liegt die Chance bei der Muttergesellschaft. Schließlich liegt ja die hauptsächliche Motivation, ein nicht zum Kerngeschäft zählendes oder schlecht laufendes Unternehmen zu verkaufen, darin, Wert freizusetzen. Das ist eine klassische „Addition durch Subtraktion“. Das Abstoßen eines minderwertigen Geschäftszweigs sollte dank eines verbesserten Produktmixes zu höheren Bewertungskennzahlen führen. Auch dürfte es dem Aktienkurs zugutekommen, dass die Umsatzerlöse in höherwertige Initiativen gesteckt oder für die Begleichung von Schulden verwendet werden.

Im Juli 2010 meldete Northrop Grumman (NOC), es befasse sich mit dem Verkauf oder der Ausgliederung seiner militärischen Schiffbausparte, die jetzt als Huntington Ingalls (HII) gehandelt wird. Damals war das Branchenumfeld ungünstig, weil mit sinkenden Rüstungsausgaben gerechnet wurde. Außerdem wurde NOC im Vergleich zu Branchenkollegen mit einem großen Abschlag gehandelt.

Glücklicherweise waren sowohl NOC als auch HII bei „kriegsentscheidenden“ Plattformen stark positioniert, die der Staat schwerlich kürzen konnte. Als die Ausgliederung angekündigt wurde, kostete die NOC-Aktie 50 Dollar. Bis Ende 2019 war sie auf 344 Dollar gestiegen. Zudem realisierten diejenigen NOC-Aktionäre, die die an sie ausgegebenen HII-Aktien behalten hatten, einen zusätzlichen Wert von mehr als 40 Dollar. Dies ergab einen impliziten Gesamtwert von fast 400 Dollar je Aktie, was eine Gesamtrendite von fast 600 Prozent beziehungsweise eine durchschnittliche Jahresrendite von 20 Prozent ergab.10

Restrukturierungen und Turnarounds

Mit Restrukturierungssituationen sind Unternehmen gemeint, die ein Insolvenzverfahren oder einen ähnlichen Umstrukturierungsvorgang hinter sich haben. Die Eigentümer solcher Unternehmen sind üblicherweise ehemalige Anleihe- und Aktieninhaber sowie neue Anleger von Darlehensfonds und Fonds für notleidende Schulden. Viele von ihnen haben die Schuldpapiere des Unternehmens wahrscheinlich in Zeiten einer finanziellen Notlage gekauft und sind zu Eigentümern geworden, als diese Schulden in Eigenkapital umgewandelt wurden. Somit haben sie grundsätzlich eine niedrige Kostenbasis und neigen von Natur aus zum Verkauf, weil sie ihre Positionen durch einen Verkauf, einen Börsengang oder ein Relisting flüssig machen wollen.11

Solche Unternehmen werden bei einem Relisting aufgrund ihrer früheren Probleme häufig missachtet oder missverstanden. Insofern sind sie wie Ausgliederungen, nur eben mit einer kontroversen Vergangenheit. Und ebenso wie Ausgliederungen sind sie leicht zu finden und stellen faszinierende Anlagechancen dar.

Bei vielen derartigen Unternehmen laufen die Geschäfte im Grunde solide. Die Umstrukturierung wurde möglicherweise durch eine unkluge Schuldenbelastung, durch einen einmaligen Schock beziehungsweise ein einmaliges Ereignis oder durch Missmanagement veranlasst. Die Lösung des Problems hängt normalerweise von seiner Ursache ab. Eine allzu aggressive Kapitalstruktur kann durch eine gereinigte Bilanz behoben werden. Eine nicht wettbewerbsfähige Kostenstruktur kann durch ein umfassendes Kostensenkungsprogramm in Ordnung gebracht werden. Eine schlechte Umsetzung kann durch eine neue Unternehmensleitung gerichtet werden. Bei einem grundsätzlich mangelhaften Geschäftsmodell ist hingegen äußerste Vorsicht angebracht.

Turnaround-Situationen gibt es auch außerhalb formeller Bankrotte und Sanierungen. Allgemein gesprochen bietet jedes angeschlagene Unternehmen die Gelegenheit, sich intensiv mit ihm zu befassen und sein Potenzial für eine dramatische Verbesserung zu erforschen. Viele Turnarounds werden von einem neuen Vorstandsvorsitzenden oder von einem aktivistischen Aktionär angeregt. Ein Außenstehender kann häufig eine frische Perspektive und eine starke Führung beitragen, um einen Wandel zu bewirken.

Der Casinobetreiber Tropicana Entertainment (TPCA) ist ein Paradebeispiel für Restrukturierung und Turnaround. Columbia Sussex kaufte das Unternehmen im Januar 2007 für 2,8 Milliarden Dollar und belud es dadurch mit Schulden, während sich die Große Rezession anbahnte. Weniger als ein Jahr später entzogen die Regulierungsbehörden des Staates New Jersey Tropicana die Lizenz für Atlantic City, weil sie die geplanten umfangreichen Kostensenkungen und Entlassungen für übertrieben hielten. Im Mai 2008 musste Tropicana aufgrund seiner schlechten Karten in Form der schlechter werdenden Marktbedingungen, der hohen Verschuldung und der operativen Missgriffe Insolvenz beantragen.

Aber trotzdem gingen die Kultmarke Tropicana und seine Casinos nicht zugrunde. Es war in mehrfacher Hinsicht der klassische Fall eines „guten Unternehmens mit schlechter Bilanz“. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurde das Unternehmen Schulden in Höhe von rund 2,5 Milliarden Dollar los und es gelang ihm, seine Glücksspiel-Lizenzen wiederzubekommen. Im März 2010 wendete Tropicana den Bankrott durch einen von Carl Icahn gestützten Deal im Volumen von 200 Millionen Dollar ab. Im November 2010 kehrte Tropicana mit einem Aktienkurs von 14 Dollar in den Freiverkehrshandel beziehungsweise OTC-Handel (OTC = Over The Counter) zurück.

Im Laufe der nächsten Jahre tätigte Tropicana große Investitionen in neue und bestehende Anlagegüter, unter anderem in Umbauten und Ausbauten, die Aufwertung von Hotelzimmern und zusätzliche Annehmlichkeiten in den Resorts. Außerdem führte Tropicana im Jahr 2014 eine große M&A-Transaktion durch, indem es für 260 Millionen Dollar das Unternehmen Lumière aus St. Louis im Bundesstaat Missouri kaufte. Bis zum Jahr 2018 stieg das EBITDA des Unternehmens, das nach der Insolvenz 45 Millionen Dollar betragen hatte, auf fast 200 Millionen Dollar.

Die Story fand im April 2018 ihren Abschluss, als Tropicana dem Verkauf seiner Immobilien an Gaming and Leisure Properties (GLPI) und der Fusion seiner Spiel- und Hotelbetriebe zu Eldorado Resorts (ERI) für 1,85 Milliarden Dollar zustimmte. Daraus ergab sich ein Aktienkurs von 73,50 Dollar und somit eine Gesamtrendite von 425 Prozent sowie eine durchschnittliche Jahresrendite von 23 Prozent ab dem Relisting.

Eine andere bemerkenswerte Turnaround-Story drehte sich um Charter Communications (CHTR). Im Dezember 2011 wurde Tom Rutledge als neuer CEO verkündet und er übernahm einen kürzlich bankrottgegangenen Kabelnetzbetreiber, dessen Kapital erschöpft war und der unter Wettbewerbsdruck stand. Rutledge kam vom Branchenkollegen Cablevision (CVC), wo er für Kennzahlen gesorgt hatte, die in dem Sektor führend waren. Er hatte den freien Cashflow von rund minus 375 Millionen Dollar auf plus 685 Millionen Dollar gebracht und Jahresrenditen im hohen zweistelligen Bereich unter 20 abgeliefert. Der Aktienkurs von CHTR reagierte positiv auf die Nachricht seiner Einstellung, er stieg an jenem Tag um fünf Prozent.

Unter Rutledge nahm Charter sofort ein Investitionsprogramm in Angriff, um sein Netz zu modernisieren. Außerdem vereinfachte das Unternehmen seine Preisgestaltung und konzentrierte sich darauf, seinen Kundenservice zu verbessern. Binnen eines Jahres kündigte CHTR eine hochgradig wertsteigernde strategische Übernahme an, auf die zwei Jahre später zeitgleich die Übernahmen von Time Warner Cable und von Bright House Networks folgten. Anleger, die am ersten Tag die Chance erkannten, die in Charter lag, wurden bis 2019 mit einer Rendite von fast 675 Prozent beziehungsweise einer durchschnittlichen Jahresrendite von fast 30 Prozent belohnt.

Ebenso wie Restrukturierungen und Insolvenzen müssen potenzielle Turnarounds äußerst vorsichtig gehandhabt werden. Die Erfolgsstorys von Tropicana und Charter sind die Ausnahme, nicht die Regel. Viele angeschlagene Unternehmen schaffen es nicht mehr, das Ruder herumzureißen. Häufig verschärfen sich ihre Probleme sogar und resultieren in chronischer Underperformance oder gar im Bankrott.

Aktienrückkäufe und Dividenden

Unternehmen, die ihr Kapital effizient einsetzen, übertreffen ihre Konkurrenten meist im Laufe der Zeit und schaffen Katalysatoren, wenn sie die Genehmigung erheblicher Aktienrückkäufe oder hoher Dividenden ankündigen. Schlechtere Unternehmen horten vielleicht ihr Geld oder tätigen undisziplinierte Fusionen und Übernahmen wegen fehlender attraktiver interner Wachstumsprojekte.

Um interessante potenzielle Rückkaufsituationen zu finden, suchen Sie nach Unternehmen, die große Aktienrückkaufprogramme (zum Beispiel mehr als fünf Prozent der Marktkapitalisierung) genehmigen. Dies kann darauf hinweisen, dass die Unternehmensleitung die Aktie für unterbewertet hält. Natürlich bedeutet die bloße Ankündigung eines solchen Programms noch kein grünes Licht für den Einstieg.

Man muss die bisherigen Rückkäufe des Managements betrachten. Hat das Unternehmen in der Vergangenheit eigene Aktien zu attraktiven Preisen zurückgekauft? Hat das zu nennenswerten Wertsteigerungen geführt? Oder war es einfach ein Mechanismus, um die Gewinnerwartungen beziehungsweise die Gewinnprognosen zu erfüllen12 oder die Verwässerung durch die Entlohnung von Mitarbeitern durch Aktien auszugleichen?

Besonders wachsam muss man sein, wenn zum ersten Mal ein Rückkauf angekündigt wird. Wird das Unternehmen der Genehmigung Taten folgen lassen? Glaubt das Management, dass die Aktie unterbewertet ist, oder ist es ein Anzeichen dafür, dass es keine attraktiven Wachstumsprojekte finden kann? Vor Letzterem hüte man sich, denn es kann auf sinkende Gewinne oder auf einen künftigen Rückgang der Bewertungskennzahlen hindeuten.

Ein weiteres Filterkriterium für Rückkäufe zielt auf die Erkennung von Unternehmen ab, die die Anzahl ihrer Aktien über bestimmte Zeiträume (beispielsweise drei oder fünf Jahre) erheblich vermindert haben. Unternehmen mit einer guten Erfolgsbilanz von Aktienrückkäufen werden dafür meist belohnt.

Der Satellitenradio-Anbieter XM (SIRI) hat durch systematische Rückkäufe einen beträchtlichen Shareholder Value geschaffen. SIRI kaufte von 2013 bis 2018 Aktien im Wert von 10,8 Milliarden Dollar zurück, im Schnitt jährlich für 1,8 Milliarden Dollar. Um dies ins rechte Verhältnis zu setzen: Als das Aktienrückkaufprogramm im Dezember 2012 erstmals angekündigt wurde, belief sich die Marktkapitalisierung von SIRI auf nur 15 Milliarden Dollar. Dank dieser aggressiven Rückgabe von Kapital konnte Sirius XM seinen freien Cashflow pro Aktie mit einem CAGR13 von 20 Prozent steigern. Dementsprechend stieg der Aktienkurs von SIRI von 2,79 Dollar im Jahr 2021 auf sieben Dollar im Jahr 2018.

Was Dividenden angeht, filtert man häufig Aktien mit Dividendenrenditen oberhalb einer bestimmten Schwelle (beispielsweise 2,5 Prozent) heraus. Die Dividendenrendite ist die von einem Unternehmen jährlich ausgeschüttete Dividende je Aktie geteilt durch den Aktienkurs. Ein Unternehmen mit einem Aktienkurs von 50 Dollar und einer Jahresdividende von 1,25 Dollar hat eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent. Eine niedrige Dividendenrendite (zum Beispiel unter einem Prozent) ohne vorgezeichneten Weg zu einer erheblichen Steigerung sorgt nicht für Begeisterung. Hingegen werden stetige und wachsende Dividenden außerordentlich geschätzt. Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividenden erhöhen, werden als „Dividendenaristokraten“ bezeichnet.

Die Suche nach bewährten Dividendenhelden ist eine gängige Strategie, aber auch am anderen Ende des Spektrums gibt es Chancen, und zwar in Form von Unternehmen, die einen hohen Bargeldbestand oder einen niedrigen Fremdfinanzierungsgrad haben, aber bislang keine Dividenden ausschütten. Solche Unternehmen werden interessant, wenn sie mit der Ausschüttung von Dividenden beginnen oder ihre Ausschüttungsquoten deutlich erhöhen. Aufpassen sollte man hingegen bei Unternehmen, deren jährliche Dividenden regelmäßig ihren Free Cash Flow übersteigen, und erst recht wenn sie die Lücke durch wachsende Schulden schließen.

Börsengänge/Erstemissionen/IPOs

Ein IPO bedeutet, dass sich ein Unternehmen erstmals den Börsenanlegern präsentiert. Grundsätzlich sind bei IPO-Kandidaten die Stärke ihres Geschäftsmodells und ihre Finanzperformance verhältnismäßig unbekannt. Außerdem geben Aktienanalysten erst nach einer Handelssperrzeit von zehn Tagen14 Researchmaterial über Börsengänge heraus. Diese Informations- und Zeitlücke bietet potenziellen Anlegern die Gelegenheit, eine echte Differenzierung zu finden.

Darüber hinaus beinhalten IPO-Kurse häufig einen wesentlichen Abschlag des Marktwerts im Vergleich zu Branchenkollegen (normalerweise 15 Prozent oder mehr). Dieser Abschlag bietet Anlegern ein zusätzliches Polster, um „die Geschichte auf die Reihe zu kriegen“.

Am größten ist die Informationsdiskrepanz bei solchen IPO-Kandidaten, zu denen es kein naheliegendes börsennotiertes Vergleichsunternehmen gibt. In solchen Fällen kann sich etwas zusätzlicher Aufwand lohnen, denn andere Anleger meiden eine unbekannte Gesellschaft, für die es kein klares Kriterium der Börsenbewertung gibt. Natürlich ist dieses Risiko real, denn der Markt hat sich ja noch nicht dazu geäußert, wie solche Unternehmen bewertet werden sollten.

Kommen wir auf das Unternehmen Delphi aus dem Einleitungskapitel zurück: Der Emissionspreis von 22 Dollar im November 2011 bedeutete ein EV/EBITDA 2013e15 von 3,5, ein KGV von 5 und eine FCF-Rendite von fast 15 Prozent. Dies stellte gegenüber anderen Automobilzulieferern mit langfristigem Wachstum einen erheblichen Kursabschlag dar, denn diese wurden ungefähr mit einem EV/EBITDA von 6, einem KGV von 11 und einer FCF-Rendite von 7,5 Prozent gehandelt (siehe Abbildung 4.3 in Kapitel 4). Stattdessen bewertete der Markt Delphi in ähnlicher Weise wie sogenannte produktionsgebundene Zulieferer, deren Schicksal weitgehend von den Autostückzahlen abhängt.

Als sich Delphi als leistungsfähig erwies, begann der Markt, seine starke langfristige Wachstumsdynamik zu erkennen, die mit der Einführung neuer Produkte, einem steigenden Anteil pro Fahrzeug und wachsender Profitabilität zusammenhing. Daher begann das Stigma des Bankrotts zu verblassen und neue Investoren stiegen in die Aktie ein. Vor der Ausgliederung Ende 2017 lag der Aktienkurs von Delphi über 100 Dollar. Die Kennzahlen EV/EBITDA, KGV und FCF-Rendite hatten sich auf 12, 18 respektive vier Prozent verbessert. In den späteren Kapiteln werden wir noch ausführlicher beschreiben, was damals geschah.

Insiderkäufe und Insiderbeteiligungen

Das gehobene Management eines Unternehmens sollte mehr Einblick in seine Geschäftstätigkeit und seine Aussichten haben als alle anderen Menschen. Das ist schließlich seine Aufgabe und es wird buchstäblich dafür bezahlt, sich täglich den ganzen Tag lang darauf zu konzentrieren. Wenn Manager Aktien ihres Unternehmens kaufen oder verkaufen, kann dies daher auf potenzielle Einstiegs- und Ausstiegspunkte für Anleger hindeuten. Peter Lynch hat einmal geschrieben: „Es gibt zahlreiche Gründe, aus denen Insider ihre Aktien verkaufen, aber wenn sie kaufen, hat es nur einen Grund – sie glauben, dass ihr Kurs steigen wird.“

Änderungen der Beteiligung von Vorstands- und Verwaltungsratsmitgliedern börsennotierter Unternehmen müssen durch ein Formular namens Form 4 an die SEC gemeldet werden. Ihre Aktien-Benachrichtigungsdienste sollten Sie informieren, sobald so etwas bekannt wird. Über umfangreiche Käufe und Verkäufe berichten bedeutende Organe der Finanz- und Wirtschaftspresse. Insiderkäufe sind traditionell ein bullishes Signal, während große Verkäufe auf bevorstehende Probleme hindeuten können.

Jamie Dimon, der CEO von JPMorgan (JPM), ist besonders geschickt, was den Kauf von Aktien seines Unternehmens angeht. Im Januar 2009 kaufte er 500.000 Aktien von JPM zu einem durchschnittlichen Kurs von 23 Dollar, also für insgesamt 11,5 Millionen Dollar. Dieser Kauf inmitten der globalen Finanzkrise schafft es auf die Titelseiten von Wirtschaftspublikationen und signalisierte Vertrauen in JPM, nachdem die Aktie in den zwei Jahren davor um mehr als 50 Prozent gefallen war. In den zwölf Monaten nach Dimons Kauf stieg die Aktie um 90 Prozent. Wer darauf achtete und es ihm nachtat, verdoppelte sein Geld innerhalb eines Jahres annähernd.

Ähnlich war es im Juli 2012, als Dimon inmitten der Schuldenprobleme in der Eurozone privates Kapital in JPM steckte, indem er bei einem Kurs von 34 Dollar weitere 500.000 Aktien für 17 Millionen Dollar kaufte. Ein Jahr später stand JPM 63 Prozent höher. Und dann, im Februar 2016, als der Markt aufgrund der Bedenken wegen China fiel und der Ölpreis abstürzte, wurde Dimon erneut aktiv. Für 26,5 Millionen Dollar kaufte er weitere 500.000 Aktien zu einem Kurs von 53 Dollar. Dadurch beschwichtigte er ganz nebenbei die Aktionäre von JPM und die Börse im Allgemeinen. Zwölf Monate danach stand die Aktie 64 Prozent höher und Ende 2019 erreichte sie fast 140 Dollar. Hätte man nach Dimons Insiderkäufen investiert, hätte sich das als höchst profitabel erwiesen.

Eine ähnliche Strategie investiert in Unternehmen, deren Vorstandsvorsitzende große Aktienbeteiligungen besitzen und daher von Kursgewinnen erheblich profitieren. Dazu zählen auch CEOs, die Aktienbezugsrechte zu Ausübungskursen besitzen, die deutlich über dem derzeitigen Kurs liegen.

Die Auffassung, dass die CEO-Vergütung und die Entlohnung der Aktionäre im Einklang sein sollen, leuchtet ein. Nachdem es der Ökonom Michael Jensen Mitte der 1970er-Jahre populär gemacht hatte, dass ein größerer Teil der Entlohnung von Führungskräften in Form von Aktien erfolgen sollte, ist dies inzwischen gang und gäbe. Dies trat an die Stelle des alten Modells, bei dem CEOs hohe Gehälter und Bonuszahlungen erhielten, ohne dass sie besonders viel zu verlieren hatten.

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297 s. 62 illüstrasyon
ISBN:
9783864707407
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