Kitabı oku: «Bildband Fernweh Deutschland. Naturparadiese direkt vor der Haustür erleben. Natur pur genießen.»

Inhalt
DER NORDEN
Salz auf den Lippen, Wind im Gesicht
Das Wattenmeer
Ostfriesische Inseln
Vorpommersche Boddenlandschaft
Helgoland
Sylt
Wildeshauser Geest
Altes Land
Lüneburger Heide
Wendland / Altmark
Worpswede und das Teufelsmoor
Hiddensee
Rügen
Usedom
Mecklenburgische Seenplatte
Die Schorfheide
Unteres Odertal
Havelland und Schwielowsee
Emsland
Osnabrücker Land
Fläming
DIE MITTE
Von Wäldern, Wein und Wiesen
Teutoburger Wald
Sächsische Schweiz
Harz
Kyffhäuser
Mitteldeutsches Seenland
Oberlausitz
Spreewald
Erzgebirge Vogtland
Sauerland & Rothaargebirge
Reinhardswald
Thüringer Wald
Nationalpark Kellerwald-Edersee
Westerwald
Vulkaneifel
Mosel
Oberes Mittelrheintal
Odenwald
Pfälzerwald
Nordpfälzer Bergland
Saarschleife
DER SÜDEN
Zwischen höchsten Gipfeln und kristallklaren Bergseen
Rhön
Fichtelgebirge
Fränkische Schweiz
Altmühltal
Bayerischer Wald
Schwäbisches Donautal
Schwäbische Alb
Naturpark Schönbuch
Schwarzwald
Bodensee
Allgäu
Die schönsten Seen im Münchner Umland
Tegernseer Tal
Isar
Blaues Land
Ammergauer Alpen
Eibsee
Chiemsee
Nationalpark Berchtesgaden
Königssee
Register
Bildnachweis
Impressum

INSELURLAUB Entdecke die ruhigen Seiten Rügens.

FELSMASSIV Erkunde die Felsen im Pfälzerwald.

WANDERTAG Erwandere die Fränkische Schweiz.

ALPENLAND Bewundere die Berge und Seen im Süden.

AUENLAND Die Flussauen im Unteren Odertal sind bedeutsamer Lebensraum für seltene Arten.
Norden
Salz auf den Lippen, Wind im Gesicht


Das Wattenmeer
Bei jedem Schritt macht der Schlick unter den nackten Füßen ein schmatzendes Geräusch. Es ist ungewohnt, den nassen Meeresboden an den Fußsohlen zu spüren, aber es fühlt sich gut an. Dazu zaust der Wind die Haare, der Blick ist abwechselnd zum weiten Horizont gerichtet oder auf das Watt auf der Suche nach Würmern – so geht Wattwandern, die beste Möglichkeit, das einmalige Naturwunder im Norden kennenzulernen. Auch wenn das Watt auf den ersten Blick karg wirkt, es ist der bedeutendste Naturraum in Deutschland und das vogelreichste Gebiet Europas.

BLÜTENMEER Für Farbe im Wattenmeer sorgt der Seelavendel.

GOLDSCHIMMER Im Herbst scheinen die Salzwiesen golden.
NATURWUNDER IM GROSSFORMAT
Das Wattenmeer liegt im südöstlichen Teil der Nordsee in der sogenannten Deutschen Bucht. Es erstreckt sich vom niederländischen Den Helder entlang der deutschen Küste bis nach Dänemark. Im deutschen Teil des Wattenmeers sind drei Nationalparks ausgewiesen. Der 1985 gegründete Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist der älteste. Es folgten der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Der Großteil des Wattenmeers zählt heute zum UNESCO-Weltnaturerbe. Gemeinsam mit Wattgebieten in den Niederlanden und Dänemark umfasst das Wattenmeer knapp 11 500 Quadratkilometer und ist damit das größte seiner Art weltweit. Beeindruckende Fakten, die sich an der Küste noch großartiger anfühlen, als es die nackten Zahlen erahnen lassen.
MEHR ALS NUR SCHLICK
Zum Ökosystem gehört nicht nur das eigentliche Watt, auch Salzwiesen, Dünen, Strände und Geestkliffs gestalten den vielfältigen Lebensraum. Tiere und Pflanzen haben sich an die speziellen Bedingungen angepasst. Das Spiel der Gezeiten ist dabei einem Sechsstundentakt unterworfen. Bei Ebbe zieht sich das Meer zurück und hinterlässt den Meeresgrund als feuchtes Watt, während bei Flut das Wasser bis auf die Salzwiesen vordringt. Das Wattenmeer ist die Heimat vieler Tierarten, nicht nur der an den sandigen Hinterlassenschaften erkennbaren Wattwürmer. So tummeln sich unzählige Seehunde an der Nordseeküste, die sich am besten beim Faulenzen auf den Sandbänken beobachten lassen. Von Mai bis September gebären sie hier ihre Jungen, die Heuler. Sogar Schweinswale leben in der Nordsee. Die größten Chancen auf eine Schweinswalbegegnung besteht im Frühjahr. Zwischen März und Mai lassen sich die Tiere häufig blicken. Zahlenmäßig beanspruchen aber definitiv die Vögel die Spitzenposition an der Nordsee. Für sie ist das Watt ein großes All-you-can-eat-Buffet. Die Spezialisierung auf Wattwürmer sieht man einigen von ihnen sogar an. Vögel wie der Große Brachvogel oder der Rotschenkel sind an den langen dünnen Schnäbeln zu erkennen, mit denen sie die Würmer problemlos aus den Sandröhren ziehen. Neben Hunderttausenden einheimischer Brutpaare legen hier jedes Jahr mehr als zehn Millionen Zugvögel Station ein, um sich für die Weiterreise zu stärken.

LEERE Ebbe auf Langeneß ist Essenszeit für Vögel.
DAS WATT HAUTNAH ERLEBEN
Wer die Zeiten von Ebbe und Flut im Auge behält und sich vorher genau informiert, kann das Wattenmeer auf eigene Faust erkunden. Sicherer und unterhaltsamer laufen aber die Wanderungen mit geschulten Wattführern ab. Beim Ausgraben von Wattwürmern und Muscheln oder beim Erkennen der vorbeifliegenden Vögel erfährt man spielerisch viel Wissenswertes über das Leben rund ums Watt. Also Hosen hochkrempeln, Schuhe aus und ab in den Schlick!
DIE HALLIGEN
Wer von Abgeschiedenheit und dem Leben in der Natur träumt, der ist auf den Halligen richtig. Die nicht oder nur wenig geschützten Marschinseln liegen nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel und werden regelmäßig bei Sturmfluten überschwemmt. Der Dichter Theodor Storm (1817-1888) nannte die Halligen »Schwimmende Träume«. Auch bei Besuchern ist die Faszination für die Ruhe und Ursprünglichkeit ungebrochen. Wenn die Tagesausflügler von den Nachbarinseln kommen, kann es mit der Stille kurzzeitig vorbei sein. Wer die Ruhe wirklich erleben will, bleibt länger und bekommt dann, wenn alle Kurzurlauber die Inseln verlassen haben, einen authentischen Eindruck vom Alltag auf den Halligen.

TIERISCH Auf der Hallig sind Schafe die Wegbegleiter.

EINSAMKEIT Weite und Ruhe sind das Kapital der Hallig.
WIND UND WETTER
Für die Bewohner der Halligen ist das Leben hier nicht immer nur Idyll. Rund 300 Menschen verteilen sich auf fünf der zehn besiedelten Inselchen – Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor. Inmitten der See sind sie ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Dass es außer dem Regenwasser keine Süßwasserquellen auf den Inseln gibt, hat die Fauna und Flora maßgeblich beeinflusst. Hier gedeihen Strandwermut, Halligflieder, Portulak-Keilmende und die zartrosafarbene Strandaster. Da kaum Landwirtschaft möglich ist, waren Viehhaltung und Fischerei früher die einzigen Möglichkeiten zum Überleben. Heute arbeiten die Halligbewohner vorwiegend für den Küstenschutz oder im Tourismus. Die Hallighäuser stehen auf sogenannten Warften, künstlichen Erdhügeln. Bei »Land unter« ragen nur noch diese kleinen Hügel mit den Wohnhäusern aus dem Wasser. Die Menschen haben sich an die Abgeschiedenheit gewöhnt. Man arrangiert sich damit. Der Zusammenhalt untereinander ist groß, außerdem gibt es stets Vorräte im Haus, falls man wieder von der Außenwelt abgeschnitten ist. Vielleicht wirken die Halligbewohner deshalb eine Spur entspannter als andere Menschen? Wenn alle Wiesen überflutet sind, wird Tee aufgesetzt und gewartet. Das Motto »Abwarten und Tee trinken« kann nur hier erfunden worden sein.
Fremde in der Nacht
Eine einmalige Erfahrung ist eine Nachtwanderung auf Langeneß. Auf den Halligen herrscht noch echte und tiefe Dunkelheit, die es im lichtverschmutzten Europa fast nirgendwo noch so zu erleben gibt. An der Wasserkante nehmen die Besucher bei Dunkelheit die Geräusche von Wind und Meer auf ganz besonders intensive Weise wahr.
www.schutzstation-wattenmeer.de

ÜBERSCHWEMMT Von mühsamer Landwirtschaft lebt heute kaum noch jemand.
Zuhause ist, wo man auch am Abend »Moin« sagt

GEGEN MEERWEH Schuhe aus, Sand fühlen, Wellen schauen.
Ostfriesische Inseln
Der Nordsee-Aufenthalt heilt viele Beschwerden. Die frische Luft sorgt für einen freien Kopf, Asthmatiker können endlich durchatmen und Gestresste zur Ruhe kommen. Die Ostfriesischen Inseln sind aber auch das perfekte Ziel für Wassersportler, die mal wieder aufs Board hüpfen wollen. Hier gibt es für jedes Bedürfnis das passende Angebot – oder besser gesagt, die passende Insel. Den weiten Himmel und die frische Seebrise haben Juist, Langeoog und Borkum gemein, doch jede Insel hat ihre besonderen Reize. Drei ostfriesische Perlen für Aktivreisende und Erholungssuchende und alle, die sich nach einem endlosen Horizont sehnen.

DÜNENROMANTIK To-dos: Nichtstun außer Strandspaziergänge.

GEGEN DEN WIND Langeoog und Wassersport, das perfekte Match!
DREI INSELN FÜR DIE GESUNDHEIT
Manche nennen Juist die schönste Sandbank der Welt. Die Einwohner sprechen bei ihrer Insel lieber vom Töwerland, was so viel wie »Zauberland« bedeutet. Wer einmal dem Charme der Insel verfallen ist, stellt keine Fragen nach dem Warum. Was Besucher und Bewohner gleichermaßen an Juist schätzen, ist die Ruhe. Auch wenn Juist nicht mehr als Geheimtipp gilt, lässt sich der Frieden noch hinter jeder Ecke finden. Da auf Juist keine Autos fahren, mit Ausnahme von Rettungsdienst und Post, gibt es weder Motorenlärm noch Abgase. Was nicht zu Fuß erledigt wird, übernehmen Pferdekutschen. Auch von Massen an Tagesgästen bleibt Juist verschont. Wegen der Tide verkehren die Fähren seltener als auf den Nachbarinseln. Bei all der Ruhe und Erholung – was genau macht man denn nun auf Juist? In Zeiten von Arbeits- und Freizeitstress ist das Nichtstun ungewohnt geworden. Doch wer einmal mit dem Nichtstun, etwa in Form von kilometerlangen Strandspaziergängen und Teetrinken, angefangen hat, kann gar nicht mehr aufhören. Und dann sind da ja auch noch die Robben und Seehunde an der Ostspitze der Seeseite, die besucht, und die vielen Wanderwege über die Insel, die erkundet werden wollen. Angst vor Langeweile ist auf jeden Fall unbegründet!
SANDWÜSTE AUF OSTFRIESISCH
Juists größtes Kapital sind die unverbauten, kilometerlangen Strände. Die Insel ist an der schmalsten Stelle nur knapp 500 Meter breit, aber 17 Kilometer lang. Genauso lang ist auch der Sandstrand.
Nicht entgehen lassen sollte man sich den Spaziergang zur Bill. Das große Sandriff liegt am westlichen Ende der Insel. Hier, wo Nordsee und Wattenmeer aufeinandertreffen, befinden sich große, von Prielen durchzogene Sandbänke. Bei Ebbe bleibt nichts als eine riesige Sandwüste zum Bestaunen.
Auf Juist weht immer Wind, daher stehen hier nur wenige Bäume. Eine Ausnahme gibt es aber: Das vom Biologen Otto Leege (1862–1951) angelegte Wäldchen westlich des Hammersees, übrigens der größte Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln. Dort ließ der Wissenschaftler über 50 000 Bäume anpflanzen, die dem Wind trotzen, darunter auch seltene Arten wie Schwarzerle und Karpatenbirke. Ein Wanderweg führt durch das Waldgebiet bis zu einer Aussichtsplattform, die den Blick auf Land und See bietet.

FELLNASE Seehunde fühlen sich auf den Inseln pudelwohl.
EIN PARADIES FÜR SPORTLER
Wenn eine Kuppe von sage und schreibe 20 Metern die höchste Erhebung ist, weiß man, dass man sich in Nordfriesland bewegt. Auf Langeoog kommen Besucher auf der Höhenpromenade Melkhorndüne »hoch« hinaus. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, um an der frischen Seeluft aktiv zu werden. Hier wird immer und überall Sport getrieben. Also Laufschuhe an, Stöcke in die Hand oder rein in den Sattel! Wer sein Workout an den Strand verlegen will, ist in Langeoog an der richtigen Adresse. Fast ganzjährig locken am Sportstrand Fitnessangebote: ob »Fit in den Tag«, »Bootcamp« oder das abendliche »Athletik-Training«. Natürlich sind auch die Klassiker wie Beachvolleyball, Beachsoccer oder Boccia vertreten. Die Seebrise trocknet den Schweiß …

NATURNAH Wo wenig Menschen sind, lassen sich Tiere beobachten.

PRACHTVOGEL Der Fasan – wenn man ihn nicht sieht, hört man seine Rufe.
SPASS IM WASSER
Wer lieber in die Wellen möchte, der erlebt Wind und Wasser beim Windsurfen oder Kitesurfern. Das Kiten ist vergleichsweise leicht zu erlernen. Wer die ersten Sprünge und Tricks gemeistert hat, kann sich bald nichts Schöneres vorstellen. Für Funsportler ist Wasserski das Richtige! Das testet man am besten am Wasserskilift in Hooksiel. Wer es etwas entspannter angehen will, wählt das Segelboot. Schließlich gilt die Nordsee als eines der schönsten Segelreviere der Welt, aber auch als sehr anspruchsvoll. Ein Segeltörn mit einem erfahrenen Segler bietet sich daher an.
BESTE LUFT AUF BORKUM
Borkum hat von einer Sache mehr als genug: gute Luft zum Atmen. Das Hochseeklima sorgt für Frischluft der Extraklasse. Durch Borkums besondere Lage ist die Luft pollenarm und jodhaltig. Davon profitieren vor allem Allergiker. Bei der rund zweistündigen Überfahrt von Emden hat man genügend Zeit, um sich auf die Insel und ihre besonderen Bedingungen einzustimmen. Die 30 Kilometer Entfernung zum Festland sorgen einerseits für den nötigen Abstand zum Alltag, andererseits für ein spezielles Klima. Menschen, die unter Allergien oder Asthma leiden, finden auf Borkum beste Voraussetzungen für ihren Urlaub. Die Europäische Stiftung für Allergieforschung hat Borkum als erste Insel in Europa als allergikerfreundlich zertifiziert. Rund 180 Unterkünfte und viele Einzelhändler haben ihre Einrichtungen an die Bedürfnisse von Allergikern angepasst und weisen Inhaltsstoffe von Lebensmitteln aus. Neben der Luft tragen auch die milden Temperaturen zum Wohlbefinden bei. Der Golfstrom sorgt dafür, dass die Sommer auf der Insel nicht zu heiß werden und die Winter meist mild ausfallen.
Gut gehandelt
Langeoog ist die erste deutsche Fairtrade-Insel. Hier wird fairer Handel gefördert und dafür gesorgt, dass proportional zur Einwohnerzahl eine bestimmte Anzahl an Geschäften, Hotels, Restaurants und Cafés Fairtrade-Produkte verarbeiten oder verkaufen. So kommen auf der Insel überwiegend Fairtrade-Kaffee und fair gehandelter Ostfriesentee in die Tassen oder in die Langeooger Mehrweg-Becher.
Bitte nachmachen!
www.fairtrade-towns.de

VOGELPARADIES Auf Langeoog können Hobby-Ornithologen viel sehen. Hier ein Schwarm Riesentafelenten.
Vorpommersche Boddenlandschaft
Wenn eine deutsche Gegend das Zeug zur Karibik hat, dann die Lagunen der Vorpommerschen Boddenlandschaft – hier kann sich die Natur in vielen Kontrasten bewundern lassen. Blauer Bodden, beigefarbene Steilküsten, mit Schilf bewachsene Dünen, aber auch viele Bäume und sogar dichter Wald prägen das Bild von Fischland-Darß-Zingst, der Halbinsel mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Der etwas sperrige Name ist schnell erklärt: Früher waren es drei eigenständige Inseln, die im Laufe von Jahrhunderten schlichtweg zusammengewachsen sind.

BEACHTIME In Ahrenshoop gibt es Urwald und Bilderbuchstrand.

PALMENERSATZ Die knorrigen Windflüchter haben sich der Meeresbrise gebeugt.
VIELFÄLTIGE KÜSTENLANDSCHAFT
Träumen wir nicht alle von einem Ausstieg auf Zeit, am liebsten auf einer Insel? Beim perfekten Inselerlebnis denken wir an pudrig weichen Sandstrand, an das weite Meer und Palmen. Dazu ein uriger Strandbungalow und der Inselurlaub ist perfekt. Auf Fischland-Darß-Zingst gibt es Sandstrand in Hülle und Fülle, die vom Wind gebogenen Windflüchter ersetzen die Palmen. Statt der Strandhütte im Dschungel steht hier das Zelt in den Dünen. Sogar ursprünglichen Wald findet man: Das Ahrenshooper Holz wird seit 1967 nicht mehr bewirtschaftet. Der Wald ist wieder Wildnis und bietet Vögeln, Insekten und Fledermäusen eine Heimat. Die europäische Stechpalme ist weit verbreitet. Ein Urwald mit exotischen Pflanzen! Es ist also alles da, was man zum perfekten Urlaub am Meer braucht. Wer muss da noch in die Karibik?
DIE KRANICHE FLIEGEN EIN
Wenn ein Kranich trompetet, kann das schon laut werden. Wer das Trompeten nun tausendfach hört, wird es nicht so schnell vergessen. Wenn die Kraniche an die Ostsee kommen, ist das sowohl optisch als auch akustisch ein echtes Naturschauspiel. Die Vögel bilden keilförmige Formationen am Himmel – ein Anblick, bei dem man unweigerlich den Atem anhält. In großen Schwärmen lassen sich die Tiere zweimal im Jahr blicken. Die Reise der Zugvögel folgt immer den gleichen Routen. Eine davon führt direkt über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Tiere bleiben ihren Rastplätzen treu. Im Herbst machen sich die Kraniche, deren Spannweite fast zweieinhalb Meter beträgt, von Skandinavien und Osteuropa auf den Weg in die Winterquartiere. Die Rügen-Bock-Region ist dabei einer ihrer wichtigsten Rastplätze in Europa. Um die 40 000 Vögel halten sich von September bis Anfang November in der Umgebung von Zingst auf, um einen Zwischenstopp einzulegen, sich zu erholen und Kraft zu tanken. Die ungestörten Rastgebiete der Boddenlandschaft und der Insel Bock mit ihren großen Nahrungsvorräten eignen sich ideal, um das nötige Fettpolster für die weite Reise anzulegen. Auf dem Rückweg in die Brutgebiete, die Moore Skandinaviens, machen die Kraniche erneut im März hier Halt und werden schon sehnsüchtig erwartet. Denn längst sind sie Frühlingsboten und gern gesehene Gäste, schließlich gelten sie als »Vögel des Glücks«, die zudem die Touristen in Scharen anlocken. Am besten lassen sich die Zugvögel in der Umgebung von Zingst beobachten, zum Beispiel auf dem barrierefreien Beobachtungsplatz am Boddenteich oder in Pramort, dem östlichsten Teil der Halbinsel. Doch Kraniche sind sehr sensibel und scheu. Um die Tiere zu schützen, wird die Besucherzahl in Pramort daher täglich beschränkt.

IN FORMATION Zingst, einer der besten Orte, um Kraniche zu sehen.
IMMATERIELLES KULTURERBE
Der Bodden wäre nicht der Bodden ohne die braunen Segel der Zeesenboote. Früher prägten sie genauso wie die Reetdächer der Fischerhäuser das Bild der Landschaft. Die einzigartigen Boote wurden bereits im 15. Jahrhundert für den Fischfang genutzt, denn mit ihrem geringen Tiefgang eignen sie sich ideal für die flachen Boddengewässer. Zwischenzeitlich waren sie aus dem Alltag verschwunden, doch heute erleben die Boote ein Revival bei Sport- und Freizeitseglern. Die Aufnahme der Boote in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO 2018 würdigte ihre einmalige Konstruktion. Einige Zeesenbootbesitzer bieten Törns zum Mitsegeln an. In den Sommermonaten finden auch Zeesenbootregatten in Zingst, Wustrow, Dierhagen, Barth, Bodstedt und Althagen statt. Wenn dann 40 bis 50 braune Segel gleichzeitig über dem Wasser stehen, ist das ein imposanter Anblick.

WEITBLICK 134 Stufen, 30 Meter Höhe bis zur Aussicht vom Darßer Leuchtturm.

AHOI! Die Zeesenboote dienen heute vor allem als Freizeitboote.
DIE KÜNSTLER UND DAS MEER
Schon vor mehr als 125 Jahren hat es das Ostseebad Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst den Künstlern angetan. Ab 1892 entstand hier eine Künstlerkolonie, die bis heute Spuren hinterlassen hat. Auch jetzt verweilen noch mehrere Stipendiaten im Künstlerrefugium Ahrenshoop, Galerien zeigen ihre Werke. Die Gründung der Künstlerkolonie geht in erster Linie auf den Maler Paul Müller-Kaempff (1861-1941) zurück, der hier die Malschule St. Lucas gründete. Nach und nach schlossen sich Künstler an, die Inspiration und Gemeinschaft suchten, unter ihnen auch der Brücke-Maler Erich Heckel. Die Ruhe der Natur, Ereignisse wie der Kranichzug und das Leben am Meer gefiel den Künstlern. Am Strand und im flachen Hinterland fanden sie Erholung und neue Eindrücke für ihre Arbeit. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, endete das Zusammenleben in der Künstlerkolonie. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg belebte sich die Künstlerkolonie wieder. In der DDR entwickelte sich Ahrenshoop zum Ferienidyll für die kulturelle Elite, doch auch weniger angepasste Künstler durften hier arbeiten. Diese Offenheit gilt bis heute als Prämisse.
Zelten in den Dünen
Wer seinen Urlaub mitten in der Natur verbringen möchte, schlägt sein Zelt in den Dünen auf. Oder vielleicht doch lieber im Küstenwald? Auf dem Darß geht beides. Zur Ferienanlage Prerow im Nordwesten des Darß gehört nicht nur ein zweieinhalb Kilometer langer Traumstrand, man kann hier sein Zelt aufschlagen und sich sogar mit dem Wohnwagen auf den Sandstrand stellen.
www.regenbogen.ag/ferienanlagen/prerow

TAUCHGANG Mit der Tauchgondel geht es am Zingster Pier unter Wasser.
Helgoland
Die Geschichte »der Insel«, wie die Helgoländer ihr Eiland schlicht nennen, verlief wechselhaft. Gelehrte und Revolutionäre, Marine und Hochadel prägten Hegoland. Heute kommen Besucher vor allem wegen des Klimas. Entgegen dem Klischee ist es auf Deutschlands einziger Hochseeinsel dank des Golfstroms mild – sogar so mild, dass hier Feigen wachsen und es selbst im Winter selten richtig kalt wird.
FARBTUPFER IM MEER
Beim Strandspaziergang auf Helgoland gibt es mehr zu sehen als weißen Sand. Mit etwas Glück findet man auf der einzigen Felseninsel der Nordsee den goldfarbenen Bernstein oder gar den einzigartigen roten Feuerstein. Auch die vorgelagerten Brandungspfeiler wie die Lange Anna stechen farblich hervor. Der 47 Meter hohe Zacken besteht aus gewaltigen 25 000 Tonnen rotem Buntsandstein und ist unbestritten das Wahrzeichen der Insel. Auch der von Tausenden Seevögeln bevölkerte Lummenfelsen beeindruckt die Besucher. Doch nicht nur der Buntsandstein sorgt für Farbtupfer. Auch die Zivilisation hinterlässt farbenfrohe Spuren auf der Insel. Die bemalten Hummerbuden, die ehemaligen Werkstätten der Fischer, sind vermutlich die meistgeposteten Spots der Insel.

VOGEL-KOLONIE Seit 1991 sind Basstölpel wieder auf Helgoland anzutreffen.

FELSENINSEL Die charakteristischen Buntsandsteinfelsen von Helgoland.
KINDERSTUBE DER KEGELROBBEN
Warme Winter und mehr Sonnenstunden als das Festland – das mögen nicht nur Bewohner und Touristen, das lieben auch die Kegelrobben. Die bringen hier im Winter ihre Jungen zur Welt und profitieren vom sanften Klima. Auf Helgolands Nebeninsel Düne, die im 18. Jahrhundert von der Hauptinsel abbrach, befindet sich die größte Kegelrobben-Kolonie Deutschlands.
Die bis zu 300 Kilogramm schweren Meeressäuger suchen seit Mitte der 1990er-Jahre wieder das Inselchen auf. Ende des letzten Jahrhunderts schienen die Kegelrobben in der deutschen Bucht bereits ausgestorben, doch nun kommen sie wieder regelmäßig her und richten jedes Jahr einen Kindergarten für ihre Jungen ein. Im Winter kann man den Kegelrobben samt Nachwuchs auf der Düne bei Aufzucht, Paarung und Rangkämpfen zusehen – das ist beeindruckend und ziemlich knuffig. Ach ja, woher die Kegelrobben ihren Namen haben? Wer sich die kegelförmigen Köpfe anschaut, weiß Bescheid.
FOTO-EXKURSIONEN
Für ambitionierte Hobbyfotografen ist Helgoland eine einmalige Fundgrube an Natur- und Tiersujets. Der Wechsel von Sonne, Wind und Wolken erzeugt vielfältige Lichtstimmungen. Allein dieses Flair füllt schon die Speicher von Handys und Digitalkameras, doch die eigentlichen Stars sind die tierischen Bewohner. Die Kegelrobben und Seehunde auf der Düne und die gigantische Schar an Seevögeln auf den Buntsandsteinfelsen bieten unzählige Motive. Statt einfach auf eigene Faust mit der Kamera loszuziehen, lohnt es sich, eine professionelle Fotoexkursion in Betracht zu ziehen. Dabei kommt man nicht nur zu den besten Plätzen, sondern erhält auch Unterstützung bei den Einstellungen und der Nachbearbeitung. Je nach Jahreszeit werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt: Im Frühsommer stehen die Seevögel wie der Basstölpel mit seinen eisblauen Augen im Mittelpunkt.
Die Vögel bieten beim Brüten auf den Felsen, beim Fischfang oder in den Lüften wunderschöne Motive. Im Winter sind die Robben mit ihrem Nachwuchs die Hauptdarsteller. Dabei darf man sich den Meeressäugern erstaunlich dicht nähern: Bis zu einem Sicherheitsabstand von 30 Metern kann man an die Tiere heran, die meist mit großer Neugierde auf die Besucher reagieren. Ein tolles Erlebnis, mit und ohne Kamera. Landschaftsfotografen kommen ganzjährig bei Wanderungen entlang der Klippen zum Zug.
Bunker und Big Bang
Einen ganz anderen Eindruck von der Insel verschafft einem der Besuch der unterirdischen Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie sind heute Teil des Museums Helgoland. Bei einer einstündigen Führung durch Bunker und Stollen gibt es Informationen zur Festungsgeschichte der Insel von der Militärzeit des Kaiserreichs bis zum sogenannten Big Bang durch die Briten.
www.museum-helgoland.de/bunker

KINDERSTUBE Im Winter ist Wurfzeit, dann gibt es Kegelrobben-Nachwuchs.

STRANDGLÜHEN Der Lister Ellenbogen im Glanz der Sonne.
Sylt
Bei einer Zugfahrt beruhigt der Blick aus dem Fenster, und zugleich steigen Vorfreude und Spannung, wenn sich die Landschaft mit jedem Kilometer verändert. Ungewöhnlich verläuft die letzte knappe Stunde auf dem Weg nach Sylt, wenn sich links und rechts des elf Kilometer langen Hindenburgdamms die Wasserfläche dehnt. In Westerland angekommen, ruft gleich das Meer. In der Fußgängerzone hört man bereits die Wellen rauschen, die Luft riecht salzig, Möwen kreischen. Dann nichts wie Kurtaxe zahlen und über die Promenade ab zum Strand. Schuhe aus, Sand spüren, Urlaub an.

WELLENSPIEL In der Nebensaison wird es ruhig, nur die Wellen tosen.
CHAMPAGNERLUFT UND FAMILIENPARADIES
Bei solchen Eindrücken geht Sylt-Freunden das Herz auf: ein paar Meter entlang der Promenade spazieren, vorbei an der Muschel, in der im Sommer Konzerte stattfinden; im Rücken die Fassade des Hotels Miramar neben dem großen Kur-Zentrum mit der Sylter Welle. Am Strand bauen Kinder Sandburgen im Akkord, Möwen ziehen ihre Kreise über den Köpfen der Strandspaziergänger. Der Blick schweift über das Wasser und gewöhnt sich schnell an die Weite, so als hätten die Augen das Meer vermisst. Darauf ist Verlass: Ein paar Minuten am Strand, und der Kopf ist wieder frei. In Westerland erstreckt sich der Strand scheinbar endlos. Im Sommer verwandelt er sich zum Familienferienparadies, erst im Spätherbst wird die Insel ruhiger. Die Sonnenstrahlen wärmen noch immer, doch die Atmosphäre gleicht nicht mehr einem Freibad im August. Jetzt hüllen bunte Windjacken die Spaziergänger auf der Promenade ein und manch einer isst das Fischbrötchen mit Handschuhen.
EIN KLIFF IST LEGENDE
Sylt sorgt nicht nur für Ohrwürmer, Stichwort Westerland, sondern auch für Bilder im Kopf: die Sansibar, Gosch und die Edelboutiquen in Reetdachhäuschen. Sylt ist ein Promi-Ziel, doch es darauf zu reduzieren, wäre viel zu einfach. Noch hat Sylt viel Ursprüngliches zu bieten, ruhige Ecken und jede Menge wunderschöne Natur. Wer sich ein wenig von den Hauptstränden und einschlägigen Restaurants entfernt, findet sie mühelos. Der vielleicht schönste Ort der Insel ist das Rote Kliff. Es liegt am Weststrand zwischen Wenningstedt und Kampen und ist ganze vier Kilometer lang. Bis zu 30 Meter ragt die rote Wand in die Höhe – besonders beeindruckend bei Sonnenuntergang. Wenn die Sonne tief steht und auf den Lehmkies scheint, färbt sich das Kliff in kräftigem Rot. Direkt am Roten Kliff befindet sich nicht nur die berühmteste Düne der Insel, sie trägt auch einen Namen: Mit 52 Metern bildet die Uwe-Düne die höchste Erhebung Sylts. Von hier führen Wanderwege entlang des Kliffs und bieten spektakuläre Aussichten. Auf Holzbohlenpfaden geht es je nach Jahreszeit durch grünes Gras, blühende Heide oder weiße Winterlandschaften. Übrigens: Das Busnetz ist auf Sylt sehr gut ausgebaut. Alle Orte erreicht man problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ansonsten leiht man sich ein Fahrrad oder wahlweise E-Bike und erkundet die Insel auf eigene Faust.

NACHBARN Im Norden der Insel gibt es mehr Schafe als Menschen.

GOLDEN HOUR Das Rote Kliff ist der schönste Ort für Sonnenuntergänge.

SYLT-ROMANTIK Auf dem Leuchtturm in Hörnum kann man sich trauen lassen.
SCHAFE AM ELLENBOGEN
Wer im Sommer auf die Insel kommt und trotzdem den Strand in Ruhe genießen will, ist am Ellenbogen richtig. Die zu List gehörende Halbinsel ist der nördlichste Zipfel Sylts und damit ganz Deutschlands. Sogar das Handy wähnt sich hier schon im Ausland und loggt sich ins dänische Netz ein. Statt Bars und Strandkörben gibt es nur ein paar Einheimische und jede Menge Schafe. Der Strand ist vielleicht der feinste der Insel und bietet den perfekten Blick über Nordsee und Wattenmeer, die an der Ostspitze aufeinandertreffen. Nur wenige Häuser stehen am Ellenbogen, dafür aber zwei Leuchttürme. Bei einer Wanderung über den Strand kann man der Syltfähre auf dem Weg nach Rømø hinterherwinken. Ansonsten begegnen einem höchstens ein paar Kitesurfer, die am Königshafen ihre Sprünge üben. Die Schönheit des Lister Ellenbogens lässt sich übrigens auch im Film begutachten. Roman Polanskis »The Ghostwriter« wurde hier gedreht, auch wenn der Plot im Film kurzerhand an die amerikanische Ostküste verlegt wird.
EINE IDYLLE UND EINIGE KLISCHEES
Sylt wäre nicht Sylt, wenn es nicht doch ein paar Klischees bedienen würde. Eines davon, die hohe Dichte an Edelboutiquen und Nobelkarossen, findet man in Keitum. Davon abgesehen ist Keitum der vielleicht schönste Ort der Insel. Das alte Kapitänsdorf war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptort der Insel und Wohnsitz vieler Kapitäne. Die reetgedeckten Häuser mit den Steinwällen haben teilweise bis zu 200 Jahre auf dem Buckel. Beim Spaziergang durch die Straßen geht es durch schmucke Gässchen, vorbei an gemütlich eingerichteten Cafés und kleinen Deko-Läden und natürlich an namhaften Designerboutiquen. Das Altfriesische Haus zeigt die Wohnkultur des 18. Jahrhunderts und beleuchtet die Geschichte des Dorfs samt Walfang und Fischerei.
SCHWITZEN AM STRAND
Für Saunagänger sind die Sylter Strandsaunen ein Muss! Erst schwitzen, dann Abkühlung in den Dünen suchen oder direkt in die Fluten der Nordsee stürzen. Nordfriesisch saunieren lässt es sich in vier Strandsaunen am Weststrand und zwar sowohl in List als auch in Rantum, am Strandabschnitt Samoa und ganz im Süden in Hörnum. Die Strandsaunen sind zwischen April und Oktober geöffnet, in Hörnum sogar ganzjährig. Wer einen kompletten Tag in der Therme verbringen will, kann in der Sylter Welle in Westerland ausgiebig plantschen und saunieren.
Frühstück mit Anhang
Mitten in Westerland befindet sich die Villa 54° Nord, die sich dank der zentralen Lage für Kurztrips ans Meer anbietet. Das Design-Hotel ist stilvoll und modern eingerichtet. Das Besondere: In der Villa 54° Nord wird gemeinsam an einem großen Tisch gefrühstückt. Statt anonymem Buffet gibt es Gespräche am Frühstückstisch, bei denen man einiges über die Insel erfährt.
www.villa54-sylt.de
Wildeshauser Geest
Wildeshauser was? Die Wildeshauser Geest in Niedersachsen ist zugegebenermaßen nicht jedem ein Begriff. Dabei verspricht die Landschaft mit dichten Mischwäldern, Feuchtwiesen, Sanddünen, Heideflächen und Hünengräbern viel Abwechslung. Ob Radtouren im Frühjahr, Wanderungen im Spätsommer durch die blühende Heide oder durch die Stille des Winterwalds – in der Wildeshauser Geest ist immer Saison.
KLEINE GROSSE UNBEKANNTE
Der Naturpark Wildeshauser Geest südwestlich von Bremen und Oldenburg ist mit 1500 Quadratkilometern der größte Naturpark Niedersachsens, und er belegt auch einen Spitzenplatz unter den Naturparks in Deutschland. Im Schutzgebiet wird die einzigartige Landschaft erhalten und zugleich für Besucher zugänglich gemacht – das niederdeutsche Wort Geest bedeutet »trocken«. Dass die Wildeshauser Geest so aussieht, wie sie sich heute den Besuchern präsentiert, geht auf die vorletzte Eiszeit vor rund 100 000 Jahren zurück. In der sogenannten Saale-Vereisung bedeckten Eismassen und der darin enthaltene Gesteinsschutt die Region. Die sich ständig bewegenden Gletscher bildeten Hügel und Täler wie beispielsweise das Huntetal. Die Eismassen mit einer Höhe von bis zu einem Kilometer hinterließen beim Abschmelzen Gesteinsmaterial aus Skandinavien, das in Form von tonnenschweren Findlingen zurückblieb. Da die Geestlandschaften durch die Ablagerungen aus den Eiszeiten etwas höher und somit von den umliegenden Mooren und Sturmfluten geschützt lagen, siedelten sich hier schon früh Menschen an. Vor mehr als 5000 Jahren bauten sie aus den riesigen Findlingen beeindruckende Steingräber, die noch heute zu bewundern sind.

ASTBEWOHNER Ein trällerndes Rotkehlchen: Ein Blick nach oben lohnt sich.
DIE STEINGRÄBER DER GEEST
Wer mit dem Fahrrad die Landschaft erkundet, für den sind die Steingräber stetig wiederkehrende Begleiter – so zum Beispiel auf dem 177 Kilometer langen Geestradweg. Die Radstrecke verbindet die Flüsse Ems und Weser und durchquert dabei die abwechslungsreichen Landschaften der Altmoränenlandschaft. Die imposanten Gräber, auch Hünengräber genannt, begleiten den Radweg wie stille Zeugen aus grauer Vorzeit. Ihre Namen sind eigenwillig. Sie heißen etwa »Deuvels Brotschapp«, »Stennhus« oder »De Hoogen Stainer«, und sie erzählen nicht selten uralte Geschichten: So auch das ursprünglich von 170 Findlingsblöcken eingefasste Grab »Visbeker Braut« bei Wildeshausen. Der Sage nach wollte eine junge Frau den von den Eltern ausgesuchten Bräutigam auf keinen Fall zum Mann nehmen und stattdessen lieber zu Stein erstarren. Gesagt, getan und dabei nahm sie gleich ihre gesamte Gefolgschaft mit ins Steingrab. Dem abgelehnten Bräutigam erging es kaum besser. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich auch der »Visbeker Bräutigam« – vielleicht ließ ihn die Scham versteinern. Etwas weiter östlich, südlich der Kreisstadt Wildeshausen mit fast 20 000 Einwohnern, liegt das berühmte Pestruper Gräberfeld mit mehr als 500 stein- und bronzezeitlichen Grabhügeln. Das Gräberfeld ist die größte bronze- und eisenzeitliche Nekropole im nördlichen Mitteleuropa und gehört zur Straße der Megalithkultur. Doch bei den Radtouren gibt es noch mehr am Wegesrand zu entdecken als uralte Steine. So stehen in der Geest mehr als 20 Wasser- und Windmühlen und die malerischen Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters in Hude, gegründet 1232. Viele fahrradfreundliche Unterkünfte sorgen für erholsame Nächte bei Mehrtagestouren durch den Naturpark Wildeshauser Geest.
Tankstopp am Melkhus
Der Naturpark Wildeshauser Geest ist bestens auf Radfahrer eingestellt. Wer unterwegs eine Rast einlegen will, kann in einem der elf Melkhüser einkehren, die sich über die Parkfläche verteilen. Sie halten Spezialitäten aus regionaler Milchproduktion vor. Wie wäre es mit einem Glas frischer Buttermilch, mit leckeren Quarkspeisen oder einem Milchmischgetränk?
Lage der Melkhüser:
www.wildegeest.de/melkhuser

SAGEN-STEINE Braut und Bräutigam: Die Namen haben Sagenhintergrund.
Altes Land
»Ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.« Der Gedanke an Frau Holle stellt sich wie von selbst ein, wenn man im Spätsommer ins Alte Land kommt. Mit ihren knorrige Ästen scheinen die kleinen Obstbäume Spalier zu stehen – einer neben dem anderen und das reihenweise. An den vielen Ästen hängen ab August die ersten Frühäpfel. Sie sind kräftig rot und duften verlockend. Wenn die Ernte beginnt, ist das ganze Land auf den Beinen. Die Traktoren stehen mit Anhängern bereit, auf denen sich die Äpfel türmen. Bis heute ist die Apfelernte Knochenarbeit.

WEISSES MEER Die Apfelblüte ist die schönste Zeit im Alten Land.

ERNTEZEIT Wenn die Äpfel reif sind, geht es an die Arbeit.
EIN AUSFLUG IN KINDERTAGE
Der Herbst ist sicher die arbeitsreichste Zeit des Jahres, doch dann liegt auch ein besonderer Zauber in der Luft. Aus den Backstuben und Cafés strömt der Duft von frischem Apfelkuchen und kitzelt die Nase der vorbeikommenden Besucher. Es ist dieser Duft, der Erinnerungen an die Kindheit weckt, an Herbstferien bei der Oma, die am Samstag mit stoischer Geduld Äpfel schälte. Bis endlich der fruchtig-süße Kuchen genügend abgekühlt war, dass man ihn essen durfte, dauerte es gefühlt ewig.
Im Alten Land ist im Herbst an jedem Tag Apfelkuchenzeit. Die Regale der Hofläden sind randvoll gefüllt mit Äpfeln und Birnen, den ersten Marmeladen und Kanistern mit Apfelsaft in allen Varianten. Die Küchen der Restaurants zaubern regionale Spezialitäten wie die Altenländer Apfelsuppe auf den Teller, Apfelfeste werden gefeiert und wer will, darf selbst bei der Ernte mit anpacken. Der Apfelanbau nimmt rund 90 Prozent der Anbauflächen im Alten Land ein, aber auch Kirschen, Birnen oder Zwetschgen runden das fruchtige Angebot ab und sorgen für bunte Vielfalt auf den Tellern.
FRUCHTBARER BODEN
Westlich von Hamburg, zwischen der Elbe und der Hansestadt Stade gelegen, befindet sich mit dem Alten Land das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Der Obstanbau entlang der Elbmarschen hat schon seit Jahrhunderten Tradition. Hier, wo die Nordsee im Mündungstrichter der Elbe für maritimes Klima sorgt und die Böden fruchtbar sind, fallen die Winter durch die warmen Westwinde meist mild aus. Es besteht kaum die Gefahr von Bodenfrost, und die Tage sind sonnenreich. Ideale Voraussetzungen also für den Obstanbau. Niederländische Siedler schufen Kanäle und Deiche und machten das Land urbar. Diese einzigartige von Menschen geschaffene Kulturlandschaft umfasst heute rund 10 500 Hektar Obstanbaufläche. Der fruchtbare Marschboden und seine reichen Erträge bescherten den Bauern früh Wohlstand. Noch heute lässt er sich an den wunderschönen Bauernhäusern ablesen. Die alten Fachwerkhäuser sind zwischen den weißen Holzbalken farbig bemalt, oft bilden die Backsteine ein hübsches Muster. Die Eingangstüren schmücken meist farbige Ornamente, und auch die Giebel sind reich verziert. Die Obstbäume, die hübschen Bauernhöfe, dazwischen Mühlen und das oft sonnige Wetter: Das Alte Land könnte wirklich aus einem Märchen stammen.

PERLENGLANZ Ob Schönfrucht oder Liebesperlen genannt – das Lila bezirzt.
IM TAKT DER NATUR
Der natürliche Reifezyklus bestimmt den Takt im Alten Land. Neben den Erntewochen ist der Frühling unbestritten die schönste Zeit im Land. Millionen Bäume verwandeln die Region dann in ein leuchtendes Blütenmeer. Zahlreiche Besucher kommen jetzt ins Land, um das Blütenwunder mit eigenen Augen zu sehen. Im April startet das Spektakel mit den Kirschblüten, Ende April bis in den Mai ziehen dann die Apfelblüten nach. Das Blütenmeer scheint endlos – ein Naturspektakel, das es so nirgendwo sonst in Deutschland zu bestaunen gibt. Zeitgleich mit der Natur erwacht die Feierlaune der Menschen: Am ersten Maiwochenende findet das Altländer Blütenfest statt. In Jork stehen dann zwei Bühnen bereit. Stände mit Bratwurst und Fisch, mit Saft, Kuchen und Obstler sorgen für das leibliche Wohl. Zum Abschluss der Feierlichkeiten schlängelt sich ein Blütenkorso durch den Ort. Die Trachtentänze zeigen, wie lebendig die Altländer Traditionen auch heute noch sind. Traditionell wird beim Blütenfest die neue Blütenkönigin gekrönt, die das Alte Land weltweit repräsentiert. Mit Bus oder Schiff begeben sich viele Besucher auf Blütenfahrt und erfahren dabei alles, was es zum Alten Land und seinen fruchtigen Schätzen zu wissen gibt.

MÖWENAUSFLUG Die Nähe zum Meer sieht man auch an den tierischen Besuchern.

FRÜHJAHR Zur Apfelblüte werden zahlreiche Blütenfeste gefeiert.
UNTERWEGS IM ALTEN LAND
Wenn die rosa-weiße Pracht verblüht ist, kehrt ein wenig Ruhe ein – eine gute Gelegenheit, um das Alte Land mit dem Fahrrad zu erkunden. Das Radwandernetz im gesamten Alten Land umfasst rund 1000 Kilometer. Der bekannte Elberadweg, 1300 Kilometer lang, und der Nordseeküstenradweg über fast 6000 Kilometer verlaufen als Radfernwege durch das Alte Land. Abwechslungsreiche Touren führen auf dem Elbdeich vorbei an den Obstbaumwiesen oder mitten durch die Plantagen. Den Wegesrand säumen alte Fachwerkhäuser, Hofläden und Cafés für eine kleine Rast zwischendurch. Im Ernteherbst macht vor allem die Obstroute Spaß. Diese Radtour führt in zwei Schleifen von 39 und 41 Kilometern Länge durch die Obstbäume entlang der Elbe bis nach Stade und Buxtehude. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, wählt von Jork aus den Obstlehrpfad mitten durch die Plantagen. Schautaufeln sorgen dafür, dass man auf der Strecke von eineinhalb Kilometern einiges dazulernt und am Ende einen guten Überblick über den Obstanbau hat. Nach so viel Bildung kann man sich guten Gewissens dem gesunden Schlemmen widmen.
Das Blütenbarometer
Das genaue Datum der Blüte lässt sich schwer vorhersagen, da bereits wenige sonnige und warme Tage im Frühjahr ausreichen, um die Knospen sprießen zu lassen. Tägliche Informationen über den aktuellen Stand der Kirsch- und Apfelblüte gibt das Blütenbarometer. An alle Apfelfans: Wer konkreten Anteil an der großen Apfelleidenschaft haben möchte, kann eine Baumpatenschaft abschließen und die Äpfel selbst ernten und behalten.
www.bluetenbarometer.de

TRADITIONELL Fachwerkhäuser wie dieses in Jork sieht man im Alten Land häufig.
»Es ist so still; die Heide liegt im warmen Mittagssonnenstrahle; Ein rosenroter Schimmer fliegt um ihre alten Gräbermale; Die Kräuter blühn; der Heideduft Steigt in die blaue Sommerluft.«
Aus: »Abseits« von Theodor Storm

HEIDESOMMER Heideglühen in der Abendsonne.
Lüneburger Heide
Lila, wohin das Auge reicht. Jedes Jahr im Spätsommer erblüht die Heide in leuchtendem Violett. Dann bilden Millionen von einzelnen Blüten einen dichten Heideteppich. Zwischen den Zwergsträuchern der Besenheide stehen dunkle Wacholderbüsche, einige Kiefern und Birken. Heidebienen summen um die Blüten, und die Heidschnucken bewegen sich als weiße und braune Farbtupfer grasend durch die charakteristische Landschaft. Harmonisch fügen sich vereinzelte Reetdachhäuser ins Bild. Die Abendsonne lässt die Heide glühen. Heideromantik pur. Schöner könnte auch ein Künstler ein Fleckchen Erde nicht malen.
LANDSTRICH ZUM SCHWÄRMEN
Die Lüneburger Heide beginnt südlich von Hamburg und erstreckt sich bis in den Osten Niedersachsens. So typisch die Heide heute für die Region ist, ursprünglich sah es hier ganz anders aus. Dichte Wälder statt karger Heide – eigentlich wäre das norddeutsche Flachland von großen Wäldern bedeckt, hätten die Menschen in der Bronzezeit nicht mit Ackerbau und Viehzucht begonnen. Die offenen Flächen und lichten Wälder machten Platz für das genügsame Heidekraut, das sich rasch ausbreiten konnte. Calluna vulgaris lautet der lateinische Name der hier verbreiteten Besenheide, die 2019 den Titel »Blume des Jahres« erhielt. Noch im 18. Jahrhundert erstreckten sich die Heidelandschaften über weite Gebiete in Europa, doch heute gibt es außerhalb der Lüneburger Heide kaum größere zusammenhängende Flächen. Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wurde im Jahr 1921 als erster Naturpark Deutschlands gegründet. Mit einer Fläche von 107 000 Hektar gehört er zu den größten seiner Art. Um die Heide zu erhalten, setzt man auf die Arbeit der Heidschnucken, die den Boden für die Besen- und Glockenheide freihalten. Sie sind also nicht nur schön anzusehen, sondern als tierische Heidepfleger fest angestellt.

BLÜTEZEIT Im August und September ist Heideblütezeit.

LANDSCHAFTSPFLEGE Die Heidschnucke ist das Wappentier der Lüneburger Heide.
WENN DIE HEIDE BLÜHT
Die Einheimischen wissen es genau: Die Heide blüht jedes Jahr vom 8. August bis zum 9. September. So will es zumindest eine weit verbreitete Faustregel. Natürlich kann die Blüte auch einmal früher oder später einsetzen, doch sicher ist: Im Spätsommer, wenn das kräftige Lila die niedrigen Sträucher bunt färbt, liegt ein besonderer Zauber in der Luft. Wer den Wilseder Berg besteigt, mit 169 Metern die höchste Erhebung weit und breit, hat einen wunderschönen Panoramablick über die blühende Heidelandschaft. Erst von oben erschließt sich die Fläche in ihrer ganzen Größe. Besonders schöne Stimmungen erzeugt das Licht der untergehenden Sonne am frühen Abend. Die Ortschaften Undeloh, Döhle und Nieder- sowie Overhaverbeck sind gute Startpunkte für Wanderungen zum Wilseder Berg. Auch der Heidschnuckenweg bietet sich für ausgedehnte Spaziergänge an, schließlich gilt er als eine der schönsten Wanderrouten Deutschlands. Der Weg verbindet die Heidelandschaften der Nord- und Südheide zwischen Hamburg und Celle und führt dabei an den schönsten Orten der gesamten Region vorbei. Wer ohne Auto anreist, kann bequem und klimafreundlich den Heide-Shuttle nutzen. Kostenlose Busse verkehren immer vom 15. Juli bis 15. Oktober auf vier Ringlinien zwischen den Heideorten und den Regionalbahnhöfen. Die Mitnahme von Fahrrädern auf Anhängern ist dabei ebenfalls kostenlos – autofrei zu reisen stellt hier also wirklich kein Problem dar.

LÄNDLICH Wie aus dem Märchenbuch wirkt dieser Schafstall in der Heide.
ALLES, NUR NICHT LILA
Zweifellos ist die Heideblüte die unbestrittene Attraktion, und die meisten Besucher reisen extra zur Blüte an. Doch die Lüneburger Heide ist weit mehr als nur eine Heidelandschaft. Moore, Laubwälder, Bäche und Flüsse und nicht zuletzt die Heidedörfer samt ihren Backsteinhäusern, Reetdächern und Hofanlagen machen den Naturpark Lüneburger Heide zu einem Ausflugsziel mit zahlreichen Facetten. Viele Wander- und Radwege laden zum Entdecken der Landschaft ein – und zwar das ganze Jahr über.
Wer die Heideblüte auch außerhalb der eigentlichen Blütezeit erleben will, kommt im Heidegarten in den Genuss der violetten Pracht. Der Schaugarten liegt direkt an einem Schafstall am Rande des Schneverdinger Landschaftsschutzgebiets Höpen und zeigt mehr als 130 verschiedene Heidearten. Kulturell lohnen sich Abstecher in die umliegenden Städte wie Lüneburg und Celle. In Lüneburg ist das Deutsche Salzmuseum ein sehenswerter Programmpunkt, nicht nur bei schlechtem Wetter. Über 1000 Jahre waren die Salzgewinnung und der Verkauf des »weißen Goldes« der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. Das Museum, untergebracht im Industriedenkmal Saline Lüneburg, widmet sich dieser langen Zeitspanne. In Celle steht die einzige seit der Barockzeit erhaltene Synagoge Norddeutschlands. Für Familien gibt es zudem zahlreiche Tier- und Freizeitparks wie den Serengetipark in Hodenhagen, der mit Safaris mitten in Niedersachsen lockt. Egal, wofür man sich entscheidet, am Ende kommt bei einem Urlaub in der Heide jeder auf seine Kosten.

BLÜTENTEPPICH Soweit das Auge reicht nur lila Blüten.

HEIDEGLÜHEN … … im Licht der untergehenden Sonne.
FESTE ZUR BLÜTE
Die Heideblüte wird in der Region standesgemäß mit Festen gefeiert. Das Heideblütenfest in Amelinghausen findet in wunderschöner Kulisse am Lopausee statt. Für die Feierlichkeiten wird der Wald romantisch beleuchtet. Highlights sind Konzerte und Tänze sowie die größte Freiluft-Lasershow Norddeutschlands und ein Feuerwerk. Den Abschluss läutet die Wahl der Heidekönigin am vorletzten Sonntag im August ein. Auch die Stadt Schneverdingen veranstaltet ein Fest zu Ehren der Heideblüte – mit eigener Heidekönigin, Festumzug, Aufführungen und einem Feuerwerk. Den stimmungsvollen Höhepunkt bildet der Lampionumzug.
Hof mit Ambiente
Im idyllischen Heideort Niederhaverbeck mitten im Naturschutzpark Lüneburger Heide befindet sich die Pension Haverbeckhof. Das Haus unterm traditionellen Strohdach wirkt wie der Inbegriff von Ruhe und Naturnähe. Zudem gibt es einen ruhigen Biergarten und ein Restaurant, das auf regionale und frische Zutaten Wert legt. Das Fleisch kommt aus dem eigenen Jagdrevier.
www.haverbeckhof.de

ATMOSPHÄRISCH Nebelverhangen wirkt die Heidelandschaft mystisch.
Wendland / Altmark
Ein riesiges rundes Nest auf dem Kamin, darin zwei langbeinige schwarz-weiße Vögel mit markanten roten Schnäbeln – sie scheinen schwer beschäftigt. Mit ihren Schnäbeln zupfen und stochern die Störche an den Ästen, fliegen davon und kommen kurz darauf mit neuen Stöckchen zurück. Die Größe des Horts zeigt an, wie viele Jahre die Störche die Kinderstube schon nutzen. Denn jedes Frühjahr kehrt das Paar zurück ins Wendland und hofft, ihr Nest unversehrt vorzufinden. Mit ein paar Ästen wird nachgebessert, und so wächst es von Jahr zu Jahr. Ein wenig weiches Moos und fertig ist das Sommerhaus.

ENTSCHLEUNIGUNG Im Wendland und der Altmark darf man einen Gang runterschalten.

WILD Nicht nur Störche sind hier heimisch, auch Wild fühlt sich wohl.
SOMMERSITZ DER STÖRCHE
Immer wenn man Störche auf den Dächern sieht, hüpft einem das Herz. Ein Storch ist etwas besonders: Er erinnert an Kindheit und Märchen – ob als Glücksbringer Adebar, Baby-Bote oder Gevatter Langbein. Naturhistorisch betrachtet ist der Storch ein Kulturfolger, und das war nicht immer von Vorteil. Stromleitungen, Pestizide, intensive Landwirtschaft und die Trockenlegung von Feuchtgebieten machen dem Schreitvogel das Leben schwer. Fast waren die Weißstörche in Deutschland ausgestorben, doch langsam erholen sich die Bestände durch verstärkte Schutzmaßnahmen. In der Wendländer Elbtalaue, die sich am nördlichen Rand des Wendlands von Schnackenburg im Osten bis Neu Darchau im Westen erstreckt, fühlen sich die Störche besonders wohl. In fast jedem Dorf brütet ab April ein Paar. Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue bietet den Störchen eine ursprüngliche Flusslandschaft mit großen Überschwemmungsflächen, Feuchtwiesen und Auwäldern. Allein ein Drittel aller in Niedersachsen brütenden Weißstörche lebt dort. Auch andere fast verschwundene Tierarten sind hierher zurückgekehrt, so zum Beispiel der Elbe-Biber, der bereits 1819 als ausgestorben galt.

NESTBAU Der Blick auf die Dächer lohnt sich hier immer, das nächste Storchennest ist nicht weit.
NAH AM STORCH
Von Nest zu Nest führt die Deutsche Storchenstraße auf mehreren Hundert Kilometern von Brietlingen im nördlichen Niedersachsen flussaufwärts bis Schnackenburg im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Auf dem Weg durch die Natur können die Vögel auf den Feldern oder Wiesen beim Jagen beobachtet werden. Ganz nebenbei kommt man in den Genuss, die Flusslandschaft der Elbe näher kennenzulernen. Ein Tipp: Wer im Frühjahr ausmachen will, ob die Jungen bereits geschlüpft sind, kann das an der Haltung der Altvögel sehen. Stehen sie am Rand und lassen den Platz in der Mitte frei, sind die Jungvögel geschlüpft. Ab Juni schauen die Jungtiere dann schon über den Nestrand, ab Ende Juli werden sie flügge. Die Deutsche Storchenstraße ist als Rundtour für Autofahrer und Radfahrer ausgewiesen, abschnittsweise führt sie entlang des Elberadwegs. Teilstrecken können als Tagestouren gefahren werden, wie die rund 40 Kilometer lange Route durch die nördliche Neuhauser Elbmarsch von Darchau nach Bleckede. Am äußersten Rand der Altmark im Norden des Landkreises Stendal liegt ein weiteres Storchendorf. In Wahrenberg, ebenfalls am Elberadweg gelegen, bevölkern rund 80 Störche die Auenlandschaften.
ENTLANG DES GRÜNEN BANDES
Früher standen hier Mauern, Wachtürme und Stacheldrahtzaun. Heute ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen Elbe, Altmark und Wendland ein bedeutendes Naturschutzgebiet. Im Vierländereck zwischen Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt führt der längste Abschnitt des sogenannten Grünen Bandes durch die Erlebnisregion Elbe-Altmark-Wendland. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind in den diversen Landschaften entlang des Grünen Bandes heimisch geworden. Ob die Elbtalauen im Norden, der im Süden liegende Salzwedeler Stadtforst, einer der größten Erlenbruchwälder Deutschlands, ob die Landgraben-Dumme-Niederung mit ihren Fließgewässern oder die Heideflächen nördlich des Arendsees; so unterschiedlich die Naturräume auch sind – die jüngere Geschichte verbindet sie.
An der ehemaligen innerdeutschen Grenze lassen sich bis heute Spuren des historischen Grenzraums entdecken. Hoch aufragende Türme, Grenzerbrücken und Gedenksteine stehen wie stumme Zeitzeugen im früheren Niemandsland. Doch sind sie eingebettet in ein Naturparadies, das sich in den 40 Jahren der deutschen Teilung und danach entwickeln konnte. Das Grüne Band lässt sich auf einer mehrtägigen Radtour erleben. Über 190 Kilometer folgt der Vier-Länder-Grenzweg dem Verlauf des Grünen Bandes. Schilder weisen auf Besonderheiten am Wegesrand hin. Das können besondere Lebensräume, seltene Pflanzen oder Tiere sein oder historische Hinterlassenschaften wie Türme und die Reste slawischer Besiedlungen. Hinschauen lohnt sich!

ENTDECKUNGEN Eine Mühle entlang des Grünen Bandes.

ZEITREISE Die Burg Tangermünde gehört zu den kulturellen Schätzen der Region.
EINMALIGE RUNDLINGSDÖRFER
Was die Dörfer mit den schönen Namen Gühlitz, Köhlen, Saaße, Jabel oder Meuchefitz eint? Sie sind allesamt rund. Sie gehören zu den sogenannten Rundlingsdörfern im Wendland. Die kleinen, zu einem zentralen Platz ausgerichteten Dörfer sind größtenteils im späten Mittelalter entstanden und weltweit nahezu einzigartig. Viele der Häuser, teilweise sogar ganze Dörfer, stehen unter Denkmalschutz. Der Versuch, die Orte auf die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe zu setzen, scheiterte allerdings. Ein sieben Kilometer langer Rundweg verbindet vier der Rundlingsdörfer – Satemin, Jabel, Meuchefitz und Gühlitz. Ein längerer Rundweg von 34 Kilometern führt an Lübeln, Bussau und Belitz vorbei. In Lübeln informiert das Freilichtmuseum Wendlandhof über die Rundlingsdörfer und das Landleben vor rund 200 Jahren.
Übernachten im Rundlingsdorf
In den Rundlingsdörfern gibt es in Ferienwohnungen und Gästezimmern sogar die Möglichkeit zu übernachten, zum Beispiel in der Anlage Satemin Eins. Im gleichnamigen Ort liegt das denkmalgeschützte Haupthaus mit dem Wendland-Café. Außerdem gibt es eine Holzwerkstatt, einen Keramikladen und zwei neu ausgebaute Ferienwohnungen im Garten.
www.satemineins.de

ERLEBNISREGION Die Elbe schlängelt sich durch die Erlebnisregion Elbe-Altmark-Wendland.
Worpswede und das Teufelsmoor
Der Dichter Rainer Maria Rilke schwärmte vom Himmel und seinen fantastischen Wolkenformationen, die Malerin Paula Modersohn-Becker sah hier ihr »Wunderland«. Wenn sich reihenweise Künstler ansiedeln, um die Natur auf Leinwand zu bannen, dann muss es sich um einen ganz besonderen Ort handeln. Wie Worpswede. Hier fanden die Künstler nicht nur Inspiration, sondern auch die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.
ZURÜCK ZUR NATUR
Raus aus den Großstädten, rein in die Natur – als sich Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Maler in Worpswede am Teufelsmoor ansiedelten, erlebten sie in der ländlichen Einsamkeit das Kontrastprogramm zu ihrem Alltag in der Stadt. Weg von der streng getakteten Lehre der Akademien ging es mitten hinein in die Ursprünglichkeit des Landlebens. In der Natur suchten die Künstler Inspiration jenseits vom städtischen und schulischen Regelwerk und entdeckten in den mystischen Mooren malerische Motive. Mehr noch – sie fanden in den Bauernhäusern und der Gemeinschaft ein neues Zuhause.

TEUFLISCH Bei Nebel und Morgenrot ist der Name augenscheinlich Programm.
EIN FALL VON STADTFLUCHT
Wer hätte gedacht, dass drei junge Maler namens Fritz Mackensen, Hans am Ende und Otto Modersohn die Zukunft des bis dahin bescheidenen Orts Worpswede 1889 so nachhaltig verändern würden? Von der Abgeschiedenheit des Bauerndorfs begeistert, folgten die Künstler dem Zeitgeist und gründeten in Worpswede eine Kolonie zum gemeinsamen Malen und Leben. Immer mehr Künstler kamen, und das Dorf machte sich rasch über die Grenzen hinweg einen Namen. Neben Bernhard Hoetger, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker ließen sich auch Rainer Maria Rilke und seine späterer Ehefrau Clara Westhoff vom schlichten Leben und der geheimnisvollen Moorlandschaft inspirieren. Der Nationalsozialismus markierte einen tiefen Einschnitt für Worpswede. Völkische Ideen fielen in der Künstlerkolonie auf fruchtbaren Boden, und nicht wenige Künstler wurden zu begeisterten Anhängern des Regimes.

DORFLEBEN Auf dem Land fanden Künstler das einfache Leben.
DAS MODERNE WORPSWEDE
Heute ist Worpswede, in dem mittlerweile mehr als 9000 Menschen leben, wieder ein Ort für Künstler und Kunstfreunde. Wer auf den Kopfsteinpflasterstraßen durchs Dorf spaziert, kann dem Flair nachspüren. Gleich sechs Museen laden dazu ein, die Werke der »Worpsweder Meister«, aber auch der zeitgenössischen Künstler zu bewundern. Ins zauberhafte Haus im Schluh rettete Martha Vogeler, die Witwe des Jugendstil-Allrounders Heinrich Vogeler, das originale Inventar aus dem Barkenhoff – er war der Mittelpunkt der einstigen Kolonie. Quer durch den sanierten Ortskern verläuft die Kunstmeile Bergstraße, in der auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt.
MÄRCHENHAFTE MOORLANDSCHAFT
Um das Wesen der hier entstandenen Werke zu ergründen, muss man allerdings raus aus dem Dorf und rein in die Natur. Die mystische Leere des Teufelsmoors regt seit Urzeiten die Fantasie der Menschen an. Das Moorwasser prägt die Landschaft mit seinen Gräben, Bächen und Flüssen, die schließlich in die Nordsee münden. Da der größte Teil des Teufelsmoors unter Naturschutz steht, empfiehlt es sich, an einer der geführten Erkundungstouren teilzunehmen, die von der Biologischen Station Osterholz angeboten werden. Die Möglichkeiten, die Worpsweder Natur zu erleben, sind vielfältig: Ob zu Fuß, mit dem Rad oder im Kanu, die Faszination für die Landschaft lässt sich auf vielen Wegen nachspüren – auch ganz ohne künstlerische Ambitionen.
Trip im Torfkahn
Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt mit dem Torfkahn, den schwarzen Eichenholzbooten. Die originalgetreuen Nachbauten erinnern an die historischen Torfkähne, die zwischen Mitte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Fortbewegungsmittel der Gegend darstellten. Fans von Eisenbahnromantik begeben sich mit dem Moorexpress, einer nostalgischen Museumsbahn, auf eine erlebnisreiche Zeitreise.
www.kulturland-teufelsmoor.de
Verwunschen, geheimnisumwoben, unheilvoll und mystisch. Das Moor schafft es auch heute noch, unsere Fantasie zu wecken.

MYSTISCHES MOOR Das Teufelsmoor ganz friedlich.
Hiddensee
Wer den Blick nach vorne richtet, sieht entweder Rügen oder die weite See. Der Blick ins Inselinnere fängt je nach Jahreszeit feurig-blühenden Sanddorn, violette Heide oder glitzernden Raureif ein. Hiddensee ist eine Insel zum Durchatmen. Weder Autos noch E-Scooter stören hier die Ruhe. Gern herangezogene Vergleiche wie »Perle Rügens« oder »Capri Pommerns« braucht es nicht, denn Hiddensee kann gut für sich allein stehen.
CHARMANTES HIDEAWAY
Wer von der Fähre steigt und seinen Fuß auf Hiddensee setzt, bemerkt sie sofort, die Ruhe. Keine Autos am Hafen, stattdessen Pferdekutschen. Die sanftmütigen Kaltblüter scharren mit den Hufen, schnauben leise und geben mit ihren Schritten den Takt von Hiddensee vor. Nicht nur die Besucher, auch die Waren werden mit nur einer Pferdestärke transportiert. Das autofreie Stückchen Land, von den Bewohnern liebevoll dat söte Länneken, »das süße Ländchen«, genannt, scheint etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Der perfekte Ort für Romantiker – oder einfach alle, die abschalten wollen. Die knapp 17 Kilometer lange Ostseeinsel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist nur durch eine Sandbank von Rügen getrennt. Gut 1000 Einwohner leben in den vier Gemeinden von Hiddensee, dazu kommen mehr als 250 000 Tagesgäste pro Jahr. Von Hiddensee als Geheimtipp kann keine Rede sein, doch wer die Insel nicht nur im Rahmen eines Tagesausflugs besucht und länger bleibt, spürt ihre Ruhe und Ursprünglichkeit.

AUTOFREI Hiddensee erkundet man zu Fuß oder mit dem Rad.
INSELERLEBNIS ZU FUSS
Im Nordwesten erstreckt sich die Steilküste namens Dornbuschkliff bis zu den 60 Meter hohen Steilklippen. Dahinter liegt das Dornbusch-Hochland mit seinem 27 Meter hohen Leuchtturm. Wer den Aufstieg auf den 1888 in Betrieb genommenen Turm wagt, wird mit einem Panoramablick über Insel und Meer belohnt. In der Mitte der Insel erstreckt sich das Flachland zwischen der ausgedehnten Küstendünenheide und den Sandstränden. Nur acht Kilometer liegen zwischen den Dörfern Neuendorf im Süden und Kloster im Norden.
Die Insel lässt sich auf vielen kleinen Sandwegen erkunden, dabei hat man stets den salzigen Duft des Meerwassers gemischt mit den würzigen Aromen von Birke und Sanddorn in der Nase. Pittoreske Fischerhäuser ragen zwischen den Dünen auf. Vor allem in Neuendorf, dem alten Fischerdorf und ruhigsten Ort der Insel, gibt es noch viele der weiß getünchten und unter Denkmalschutz stehenden Reetdachhäuser zu sehen. Den ganzen Tag an der frischen Seeluft verbringen, den Abend mit einem Gläschen Sanddornlikör ausklingen lassen, was braucht man mehr?
VON KÜNSTLERN UND PROMIS
Die Ruhe zog schon früh Künstler und Schriftsteller an. Sie suchten hier Erholung und Muße und trugen Hiddensee den Beinamen Künstlerinsel ein. Bereits um 1900 gab es mehrere Hotels. Viele Künstler blieben aber auch dauerhaft. Gottfried Benn, Carl Zuckmayer, der Brücke-Maler Erich Heckel, Käthe Kruse, Albert Einstein, Thomas Mann und Sigmund Freud sind nur einige der prominentesten Inselliebhaber. Nach mehreren Aufenthalten kaufte der Dramatiker Gerhart Hauptmann 1930 das Haus »Seedorn« in Kloster, das heute als Museum zugänglich ist. Auch das Grab des Schriftstellers befindet sich auf dem kleinen örtlichen Friedhof. Die dänische Stummfilm-Legende Asta Nielsen (1881–1972) verbrachte mehrere Sommer in Vitte und lud regelmäßig die Crème de la Crème der Berliner Künstlerszene zu sich ein. Auch ihr Haus ist für Besucher geöffnet.
Die beste Zeit
Besonders schön ist die Insel im Mai zur Ginsterblüte, und im August, wenn die Dünenheide Hiddensee violett färbt. Im Herbst finden regelmäßig Kranichfahrten statt, wenn die Tiere sich massenhaft auf den Rastplätzen tummeln. Naturkundliche Führungen und Bootsfahrten sind die beste Möglichkeit, um Flora und Fauna kennenzulernen.
www.seebad-hiddensee.de, www.hiddensee.m-vp.de

LEUCHTFEUER 102 Stufen führen auf den Leuchtturm Dornbusch.
Rügen
Kein Bild verbindet sich so sehr mit der Epoche der Romantik wie die »Kreidefelsen auf Rügen«, die Caspar David Friedrich 1818 malte. Die Natur als Spiegel menschlicher Empfindungen, das intensive Verhältnis zwischen Mensch und Natur – das konnten Künstler wie Friedrich bei ihren Ausflügen in die freie Natur an den Kreidefelsen intensiv erleben. In gewisser Weise dürfen die Romantiker mit ihrem religiösen Naturempfinden als Vorreiter des Naturschutzes gelten. Ihre Werke zeigen die atemberaubende Schönheit der beeindruckenden Landschaften und inspirieren dazu, diese zu bewahren.
SCHÖNHEIT IM NORDEN
Heute gilt als sicher, dass die Felsen der Kleinen Stubbenkammer Caspar David Friedrich (1774-1840) zu seinem Bild inspirierten – und gewiss hat den Greifswalder Künstler auch der Königsstuhl beeindruckt. Doch wer den Ausblick von der Aussichtsplattform auf sich wirken lässt, merkt schnell, dass es die Landschaft auf dem Bild so nicht gibt. Das liegt einerseits daran, dass Friedrich eine Kombination mehrerer Felsformationen für seinen dramatischen Bildaufbau nutzte. Andererseits hat es mit dem stetigen Wandel zu tun, dem die Kreidefelsen unterliegen. Durch Erosion verändert sich das Bild der Felsen unentwegt. Riesige Stücke brechen ab und stürzen ins Meer, etwa der berühmte Wissower Klinken im Jahr 2005. Die Aussicht vom Königsstuhl, wo die Klippen eine Höhe von 118 Metern erreichen, ist das Wahrzeichen der Insel, und der Postkarten-Anblick nimmt bis heute gefangen.

PANORAMA-BAD Strandtag mit Blick auf die Kreidefelsen.

BOOTSFAHRT Auf etwas größere Boote steigen Besucher für die Ausflugsfahrten.
PERSPEKTIVWECHSEL
Die beste Sicht auf die Felsen eröffnet die Victoria-Sicht, die direkt am Hochuferweg unweit des Königsstuhls liegt. Hier betritt man einen Balkon, von dem man die Kreidefelsen entlang der Küste betrachten kann. Doch Vorsicht: Wer unter Höhenangst leidet, sollte diesen Platz nicht betreten. Eine gute Möglichkeit, um etwas Abstand zu den anderen Romantikfans zu gewinnen und die imposanten Felsen aus einer anderen Perspektive zu erleben, ist der Weg am Wasser entlang. Knapp 500 Stufen führten bis 2016 hinab zum steinigen Strand – heute muss man auf die Treppe am Kieler Bach ausweichen, um ans Ufer zu gelangen. Vom Strand aus bietet sich ein komplett anderer Blick auf die weißen Felsen, vielleicht noch imposanter. Zugleich lohnt es sich, nach unten zu schauen. Mit etwas Glück findet man beim Strandspaziergang sogar ein Stückchen Bernstein. Und wenn nicht, macht auch das Suchen Spaß. Besonders gut stehen die Chancen nach stürmischen Nächten.
PARK UND WELTERBE
Um dem Naturgefühl eines Romantikers wirklich nachzuspüren, lohnt sich die genauere Erkundung des Nationalparks Jasmund. Neben den Kreidefelsen birgt Deutschlands kleinster Nationalpark ein einzigartiges Stück Natur: die Alten Buchenwälder. Was zunächst gar nicht so spektakulär klingt, ist fast einzigartig in Europa. Vor rund 4000 Jahren bedeckten Buchenwälder noch weite Teile Europas. Durch den Energiehunger der industriellen Revolution und die Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen sind fast alle verschwunden. Die Alten Buchenwälder auf Jasmund zählen seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Wer durch den seit 1990 bestehenden Nationalpark wandert und dabei die Kombination aus weißen Kreidefelsen, Buchenwäldern und der blauen Ostsee vor Augen hat, braucht nicht viel Fantasie, um sich hier Künstler wie Caspar David Friedrich und seine Nachfolger mit dem Skizzenbuch vorzustellen. Man sieht sie lebhaft vor Augen, wie sie durch den Wald streifen und zeichnen. Die tiefe Demut vor der Natur, die den Bildern innewohnt, berührt bis heute.

STIMMUNGSVOLL Am Abend kehrt auch auf Rügen Ruhe ein.
FRONTALE BEWUNDERUNG
Am Königsstuhl betrachtet man sie von oben, am Strand von unten und vom Boot aus sieht man die Kreidefelsen in ihrer ganzen Pracht von vorn. Eine Bootsfahrt entlang der Klippen ist vor allem am Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang am schönsten. Dann umfängt die weißen Felsen ein goldenes Licht, und sie erscheinen auch ganz ohne Kunst romantisch. In den Sommermonaten starten Ausflugsboote von Sassnitz, Binz, Göhren, Sellin oder Gager aus.

BAUKUNST Die Selliner Seebrücke mit Restaurant und Tauchglocke.
INSELBAUKUNST
So sehr die Augen bei einer Reise nach Rügen von den Naturschönheiten abgelenkt sein mögen, man kommt nicht umhin, die besondere Architektur zu bemerken. Rügen ohne seine Bäderarchitektur wäre einfach nicht Rügen. Deutschlands größte Insel ist ein Paradebeispiel für Inselbaukunst. Hier gibt es herrschaftliche Strandvillen im Stil der Bäderarchitektur, aber auch Bauwerke der Moderne. Die meisten Häuser stammen aus der Zeit um 1900, als namhafte Architekten Hotels und Pensionen im Stil des Klassizismus, des Jugendstils und des Historizismus errichteten. Die Gebäude sind repräsentativ und dennoch von der Leichtigkeit des Meeres inspiriert. Die Liste an wunderschönen Villen im Bäderstil ist lang: Villa Haiderose, Haus Klünder, Villa Meeresgruß heißen nur einige der Gebäude in den nostalgischen Seebädern Binz oder Sellin.

BROMANTIK Die Schönheit der Kreidefelsen inspirierte Künstler.
FEUDAL UND MODERN
Die diversen Bauherren haben der Insel in den verschiedenen Zeiten ein facettenreiches Gesicht verliehen. Neben der verspielten Bäderarchitektur prägen die urigen, mit Reet gedeckten Fischerhäuser und die schlichten Backsteinkirchen das ländliche Rügen. Feudaler und unbestritten imposant erscheinen Schlösser wie das Jagdschloss Granitz bei Binz. Auch Herrenhäuser wie der Prachtbau des Grafen Douglas im Stil der Neorenaissance zählen dazu.
Doch neben den noblen Gebäuden kann Rügen auch skurril. Wer nichtsahnend zum ersten Mal den ehemaligen Rettungsturm des Binzer Baumeisters Ulrich Mühter erblickt, wird sich wundern, was ein UFO am Strand zu suchen hat. Müther konzipierte das futuristische Gebäude in den 1960er-Jahren. Heute kann man sich hier sogar das Ja-Wort geben. Überall finden sich Müther-Spuren auf der Insel – beispielsweise auch ein höhlenartiges Buswartehäuschen in Buschvitz.
Das größte und sicher bizarrste Bauwerk der Insel ist allerdings die ehemalige »Kraft durch Freude«-Ferienmeile in Prora. Die Nationalsozialisten planten ein Gebäude mit gigantischen Ausmaßen direkt am Strand. Mehr als 20 000 Urlauber sollte der »Koloss von Rügen« einmal beherbergen. Doch der Bau wurde nie vollendet. Zu DDR-Zeiten nutzte das Militär die Anlage, und nach einigen Zwischenlösungen teilen sich heute eine Jugendherberge, Ferienunterkünfte, Luxuseigentumswohnungen und ein Museum den Gebäudekomplex.

ZEITZEUGEN Die Ruine des alten Pegelturms am Kap Arkona.

SCHATTENSPENDER Die alten Buchenwälder auf Rügen sind Weltnaturerbe.
RASENDER ROLAND
Eine besonders schöne Art, auf der Insel unterwegs zu sein, ermöglicht der Rasende Roland. Die dampfbetriebene Schmalspurbahn lässt nicht nur bei Eisenbahnromantikern die Herzen höher schlagen. Wenn Roland, das »rasend« ist als Ironie zu verstehen, über die Insel tuckert und dabei pfeift und bimmelt, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Dieses Stück Technikgeschichte auf Schienen fährt von Putbus über Binz, Sellin und Baabe nach Göhren. An rund 100 Tagen in der Saison verkehrt die Linie RB 32 zusätzlich von Lauterbach Mole.

NOSTALGISCH Der Rasende Roland verkehrt auf der Linie RB 32.
Das Vitaminpaket
Auf Rügen wächst Sanddorn fast überall. Zum Rundumerlebnis gehört das ein oder andere Sanddorn-Produkt also unbedingt dazu. Marmelade, Säfte und Limos, Likör, aber auch Senf, Chutney und Fruchtschnitten gibt es aus der gesunden Vitaminbombe. Also ausprobieren und am besten noch ein paar Souvenirs einpacken!
www.ruegen.de, www.wirsindinsel.de

SONNENINSEL USEDOM Alle Zeichen auf Urlaub.
Usedom
Dicke Schneeflocken bleiben kurz an der Fensterscheibe kleben, bevor sie als dünne Rinnsale hinabperlen. Der Blick schweift auf die im Dunklen liegende Ostsee. Über dem Meer steht riesig der Vollmond. Der Anblick ist fast zu kitschig, um wahr zu sein. Das Mondlicht bricht sich in den Wellen. Der Strand hat sich in einen Eisteppich verwandelt, die Wellen schwappen ans Ufer und nehmen den Schnee mit sich. Draußen pendeln sich die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ein. Drinnen benetzen Schweißperlen bei 85 °C die Stirn. Der Blick aus der Panoramasauna des Hotels macht klar: Usedom im Winter ist eine gute Idee.
NIZZA DES OSTENS
Usedom ist nach Rügen die zweitgrößte Insel Deutschlands. In der Pommerschen Bucht gelegen, gehört sie größtenteils zu Deutschland, zu einem Teil zu Polen. Die unbestrittene Hauptsehenswürdigkeit Usedoms ist für die meisten Besucher der 40 Kilometer lange feinste Sandstrand. Durch die vielen Sonnenstunden auf der Insel lässt sich der Strand ausgiebig nutzen – wenn es warm wird, spielt Usedom ein bisschen Mittelmeer. Statt Nordseeextremen herrscht hier fast südliches Flair.
Jedes Jahr im Sommer verwandelt sich Usedom in ein gigantisches Ferienparadies für Familien und Sonnenhungrige. Und das hat Tradition: In den 1920er-Jahren nannte man Usedom »die Badewanne Berlins«. Doch schon davor galt die Insel als beliebtes Ferienziel, nicht nur für Otto Normalverbraucher. Das Ostseebad Heringsdorf zum Beispiel gehört neben Ahlbeck und Bansin zu den Kaiserbädern. Vom kleinen Fischerdorf entwickelte es sich im 19. Jahrhundert zum »Nizza des Ostens«. Hier erholte sich die Upper-Class bei der mehrwöchigen Sommerfrische – die Kaiserfamilie, das gut betuchte Bürgertum und auch die Bohème: Maxim Gorki, Thomas Mann und Lyonel Feininger verbrachten schöne Tage im Strandidyll.

WANDEL Usedom – von Fischerdörfern zu Kaiserbädern.

AUGEN AUF! Kunst und Architektur in Zinnowitz entdecken.
WINTER-WELLNESS
Die Heringsdorfer Sole trug dem Inselstädtchen einen guten Ruf als Kurbad ein. Vor allem im Winter hat bis heute die Wellness Hochsaison. Dann ist die beste Zeit für Entspannung, wohltuende Massagen und viel Ruhe. Hier kann man abschalten und sich in den Solebecken der Wellnesshotels treiben lassen, die ihre Außenbecken ganzjährig auf 30 °C beheizen. Danach locken die Finnische Sauna oder die Biosauna, das Dampfbad und eine Massage – am besten eine, bei der man sich fühlt, als läge man in den seichten Wellen am Ostseestrand. Spezielle Wasserliegen, deren Unterlagen mit warmem Wasser gefüllt sind, sorgen für solcherart angenehme Wellenbewegungen. Die Massage findet in Rückenlage statt, eine Wohltat! Wellness und Wohlbefinden gehen auf Usedom an vielen Orten Hand in Hand – verordnet in Kurkliniken, genossen in den Spa-Hotels und natürlich in den großzügig angelegten Thermen. So bietet allein die Ostseetherme Usedom im Seebad Ahlbeck sechs verschiedene Becken für Groß und Klein sowie zwei Dampfbäder. Hier kommt auch die Heringsdorfer Jodsole zum Einsatz, die aus gut 400 Metern Tiefe gefördert wird. Die Saunawelt überzeugt mit mehreren Innen- und Außensaunen. Auch die Bernsteintherme in Zinnowitz kann mit einem ähnlich breiten Angebot aufwarten und verfügt sogar über eine Strandsauna. An der dortigen Seebrücke wartet eine weitere Attraktion: die Tauchgondel, mit der bis zu 24 Besucher einige Meter tief in die Ostsee abtauchen können.

RUHESAISON Im Winter versprüht Usedom einen eigenen Zauber.
MEER-ANWENDUNGEN
Als Kurort hat sich Usedom seit Langem etabliert. Ein zentraler Bestandteil ist die Thalassotherapie, die in den Kurkliniken an der Ostsee aber auch in den Spas der Hotels eingesetzt wird. Die Thalassotherapie setzt auf die Heilkraft des Meeres – auf kaltes oder warmes Meerwasser, auf die salzige Meerluft, auf Sand und Schlick. All das kann beispielsweise Atemwegserkrankungen und Rheuma lindern. An Wellness- und Spa-Hotels herrscht auf Usedom kein Mangel. Die Insel weist die höchste Dichte an qualifizierten Wellnesshotels in Europa auf. Doch den wahren Balsam für Körper und See gibt es hier gratis: Winterspaziergänge an der frischen Ostseeluft. Dort, wo sich im Sommer die Sonnenhungrigen auf den Strandtüchern räkeln, glitzern im Winter Eiskristalle. Dick eingemummelt geht es über den Strand, der bei jedem Schritt knirscht. Auf der einen Seite lässt sich das Spiel der Wellen mit Schnee und Eis betrachten, auf der anderen die eingeschneiten Dünen und dazwischen das gefrorene Schilf. Der Wind weht leicht, die Nase ist kalt, aber die Sonne wärmt den Rücken. Möwen und Enten schwappen dicht aneinander gedrängt im kalten Wasser. Zurück im Hotel dann ein heißes Bad und die Welt ist in Ordnung.

TAUCHGONDEL Die neue Seebrücke Vineta in Zinnowitz wurde 1993 eingeweiht.

INSEL-WAHRZEICHEN Die Seebrücke in Ahlbeck ist die älteste Deutschlands.
AB IN DEN WALD
Auf Usedom wächst Europas erster Heilwald. Waldbaden ist hier seit einiger Zeit in aller Munde, zumal in Heringsdorf ein eigener Kur- und Heilwald ausgewiesen wurde. Die »Waldtherapie« hilft dabei, die Atemwege zu öffnen und Energie zu tanken. Als Ort der Meditation und Bewegung dient der Wald vielen Zwecken – egal, ob man die Heilkraft der Bäume spürt oder einfach einen erholsamen Spaziergang an der Küstenluft unternimmt. Im Kur- und Heilwald Usedom stehen Therapiegeräte bereit, Kletterparcours und malerische Ruheplätze, die zum Erholen unter Buchen und Kiefern einladen. Und wer ganz bewusst die Luft einatmet, das Moos riecht, das Rauschen der nahen Ostsee hört und tief durchatmet, der spürt die wohltuende Wirkung des Waldes von Kopf bis Fuß.
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