Kitabı oku: «Erfolg lacht!»
JUMI VOGLER
Erfolg lacht!
HUMOR als
Erfolgsstrategie


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Lektorat: Christiane Martin, Köln | www.wortfuchs.de
Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen | www.martinzech.de
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© 2014 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem 2012 erschienenen Buchtitel „Erfolg lacht!“ von Jumi Vogler, ©2012 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
ISBN Buchausgabe: ISBN 978-3-86936-326-4
ISBN epub: 978-3-86200-936-7
Copyright © 2012 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
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Inhalt
Humor verändert die Welt. Zumindest Ihre
Was Humor bewirkt
Wie Humor funktioniert
1. Humor verändert Sie
Humor als Erfolgsstrategie im Privatleben
Humor macht Spaß
Humor ist intelligent
Humor macht das Leben einfacher
Humor hat Mitgefühl
Humor schärft den Blick
Humor macht Sie beliebt
Humor ist schlagfertig
Humor macht konfliktfähig
Humor verwandelt
Humor macht Sie einzigartig
Humor macht selbstbewusst
Humor macht fit
Humor verändert Sie
2. Humor verändert Ihren Beruf
Humor als Erfolgsstrategie für Beruf und Karriere
Humor schenkt Ihnen Spaß und Freude
Humor macht Sie zum Kommunikationsprofi
Humor lässt Sie erfolgreich netzwerken
Humor entwickelt Ihre Teamfähigkeit
Humor setzt Sie durch
Humor befördert Sie zur Top-Führungskraft
Humor motiviert Sie und Ihre Kollegen
Humor bewegt Ihre Karriere
Humor präsentiert Sie überzeugend
Humor gewinnt Ihre Kunden
Humor zeichnet Premium-Trainer aus
Humor verändert Ihren Beruf
3. Humor verändert Unternehmen
Humor als Erfolgsstrategie in Unternehmen
Humor fördert Leistung
Humor kultiviert die Unternehmenskommunikation
Humor ist Motivation mit Vision
Humor macht aus Vertrieb ein Vergnügen und aus Zielgruppen Fans
Humor belebt Kreativität und Innovationsprozesse
Humor vertieft interkulturelle Beziehungen
Humor verändert Unternehmen
Humor verändert meine Welt
Quellen
Literatur
Über die Autorin
Humor verändert die Welt. Zumindest Ihre
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich gehe davon aus, dass Sie sich dieses Buch aus freien Stücken gekauft haben. Weil Sie das Thema »Humor« interessiert. Sollte das nicht der Fall sein, zum Beispiel weil Sie es als Geschenk bekommen haben, bleibt Ihnen nun nichts anderes übrig, als dem Gaul ins Maul zu schauen (oder das Buch umzutauschen, was ich aber nicht so lustig finden würde, obwohl ich sonst viel Humor habe). So oder so fangen wir jetzt an:
Humor als Erfolgsstrategie – was bedeutet das? Ganz einfach: Es bedeutet, dass Sie durch dieses Buch ganz nach Ihrem Gusto
Ihren Humor entweder wiederentdecken (Jeder Mensch hat Humor. Bei einigen hat er sich wegen all der Anstrengungen des Lebens nur tief ins Innere verzogen. Aber er ist da. Bei jedem. Wirklich.)
oder Ihren schon vorhandenen Humor auf Hochglanz polieren können und
in beiden Fällen mit Humor im Privatleben und im Beruf sehr viel mehr Erfolg haben.
Sie streben keine Karriere als Comedian an? Sie haben keine Lust, den Pausenclown zu geben? Da haben Sie recht.
Denn Humor ist viel mehr als Entertainment. Humor ist eine Lebenseinstellung. Eine Philosophie, mit der man die Welt auf eine ganz andere Art erkennen und deuten kann. Humor ist eine Strategie, um in dieser Welt das eigene Leben glücklicher und erfolgreicher zu gestalten – ohne große Anstrengung. Sie aktivieren einfach nur das, was sowieso in Ihnen steckt, was Ihr einzigartiges Potenzial als Mensch ist. Sie lassen ihn einfach nur heraus, den Humor. Und während Sie das tun, werden Sie eine Menge Spaß haben. Wenn das kein neues Konzept ist! Veränderung, die auch noch Vergnügen bereitet! Das Einzige, was Sie brauchen – da kommen wir nicht drum herum – ist ein kleines bisschen Mut. Den haben Sie doch, oder!?
Dieses Buch ist in drei Teile gegliedert. Sie können hinten anfangen oder in der Mitte – wie Sie wollen. Aber, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf, am meisten haben Sie davon, wenn Sie es von vorne nach hinten lesen. Die Teile bauen nämlich aufeinander auf.
Im ersten Teil erfahren Sie, was Humor als Erfolgsstrategie für Sie persönlich bedeutet. Wie Ihr ganz eigener, individueller Humor aussieht. Wie Sie Ihren Humor in Ihrem Privatleben anwenden. Und dass Ihr Humor die Reaktionen Ihrer Familie und Freunde auf Sie positiv verändert. Natürlich gibt es viele Beispiele und Übungen, die Sie gefahrlos an sich selbst und an anderen ausprobieren können. Ich verspreche Ihnen, Sie werden staunen. Glücklich staunen.
Im zweiten Teil erleben Sie, wie Humor Ihnen in Ihrem Beruf und bei Ihrer Karriere helfen kann. Wie Sie erfolgreicher werden. Und dass Kollegen, Kunden, Mitarbeiter und Vorgesetzte auf einmal anders mit Ihnen umgehen. Auch hier gibt es Beispiele und Übungen, die Sie sofort umsetzen können.
Im dritten Teil erkennen Sie, wie Humor die Kultur und Kommunikation ganzer Unternehmen verändern kann. Wie aus Mitarbeitern und Führungskräften leistungsstarke, erfolgreiche, kreative Menschen werden. Und dass diese Menschen mit Vergnügen arbeiten und durch ihre Leistung echte Befriedigung finden.
Sie halten das alles für übertrieben? Ich werde es Ihnen beweisen. Lassen Sie sich überraschen!
Viel Spaß wünscht Ihnen

Was Humor bewirkt
»Die Fantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind« (Albert Camus). Ich finde diesen Satz einfach wunderbar. In ihm stecken alle Weisheiten, die jemals über Humor geschrieben wurden.
Das Komische lebt von der Fallhöhe.

Denn der Humor, den ich meine, der empathische, mitfühlende Humor, betrachtet mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Menschen so, wie sie sind. Und dabei kann man, ehrlich gesagt, wirklich nur gleichzeitig lachen und weinen. Denn wie sind die Menschen? Unvollkommen! In ihrem Streben nach Macht, Schönheit, Stärke, Reichtum – und Vollkommenheit. Sie schaffen Großes und sie scheitern. Zwischen diesen Polen bewegt sich der Mensch. Unsere Welt. Sie. Ich. Da liegt die Tragik. Und das Komische. Je nachdem, von welcher Warte aus man es betrachtet. Es gibt nichts Komisches ohne Tragik. Oder anders gesagt: Das Komische lebt von der Fallhöhe.
Wir alle sind also nicht vollkommen. Der humorvolle Mensch weiß das. Deswegen geht er noch ein Stückchen weiter und sagt sich: »Weil ich nicht perfekt sein kann, strebe ich das ab sofort gar nicht mehr an. Im Gegenteil. Ich strebe ab sofort mit aller Kraft meine individuelle Unvollkommenheit an.« Individuelle Unvollkommenheit – das ist der Trick. Die Grundvoraussetzung für jeden humorvollen Menschen, für jede humorvolle Aktion, jeden humorvollen Satz. Wenn man das einmal verstanden hat, wird alles andere leicht. Allerdings, das gebe ich zu, ist es gar nicht so einfach, nicht mehr perfekt sein zu wollen. Sind wir doch so erzogen worden: perfekt sein, keine Fehler machen dürfen. Aber mit diesem Konzept kann man nur scheitern. Stellen Sie sich vor, ein kleines Kind, das gerade laufen lernt, sagt sich beim ersten Hinpurzeln: »Nö, das hat ja gar keinen Zweck. Ich habe einen Fehler gemacht. Das kann ich nicht. Ich lasse es.« Sie verstehen, was ich meine!?
Humor bedeutet also, sich selbst und andere Menschen nicht so tierisch ernst zu nehmen, sondern so zu nehmen, wie sie sind. Dazu gehört allerdings schon ziemlich viel Mut. Mut, die eigenen Illusionen abzulegen. Humor bedeutet, Fehler zu tolerieren, Fehler sogar als Wege zum Ziel zu betrachten. Humor bedeutet, zu wissen, dass der Mensch nach Vollkommenheit strebt, aber sie gleichzeitig nie erreichen kann. Es liegt nicht in seiner Natur. Darüber muss der humorvolle Mensch lachen und weinen. Denn er hat Mitgefühl, mit sich und seinen Mitmenschen.
Der humorvolle Mensch kann deshalb entschieden entspannter und gelassener auf das Treiben um sich herum reagieren. Weil er das Absurde, das Komische der Welt erkennt, hat er außerdem dauernd etwas zu lachen. Damit lebt er schon mal viel gesünder als der, der sich verbissen abrackert. Der humorvolle Mensch sieht dort Zusammenhänge, wo andere gar keine vermuten. Er ist also automatisch kreativ. Er hat eine Menge Spaß. Das merken ihm die anderen an und mögen ihn deshalb. Der humorvolle Mensch kann gut mit anderen Menschen umgehen, er kann motivieren. Sogar sich selbst. Ihm macht das Leben Spaß. Ihm macht sogar seine Arbeit Spaß. So viel Spaß, dass er oft dabei auch noch ziemlich erfolgreich ist.
Deshalb wagt er es, sich so, wie er ist, der Welt zu zeigen. Den humorvollen Menschen erkennt man leicht. Er hat Profil. Er hat eine Meinung. Er hat Haltung. Und damit stellt er sich den Veränderungen und Herausforderungen des Lebens leichter als andere. Wir Menschen neigen ja dazu, uns abzusichern. Gegen alles und jeden. Vor allem aber gegen das Leben. Veränderungen machen Angst. Alles soll so bleiben, wie es ist. Gott sei Dank geht das nicht, sonst würden wir uns nicht entwickeln. Auch in Unternehmen können die Menschen nicht so leicht mit Veränderungen umgehen – der Pförtner nicht und der Topmanager auch nicht. Sie haben die gleichen Befürchtungen. Befürchtungen, dass die Veränderungen negative Auswirkungen haben. Und deswegen wollen Führungskräfte Veränderungen kontrollieren, möglichst schon im Vorfeld; sie nennen das Risikomanagement. Es gibt sogar ganze Worst-Case-Szenarien. Zum Beispiel kann man sich als Fluggesellschaft überlegen, wie man sich für den nächsten Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull besser wappnet (und wie man ihn richtig ausspricht, bevor er ausbricht). Leider lässt sich das Risiko nicht so einfach managen. Sie kennen sicherlich Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht auch schief. Nur leider ganz anders als geplant. Haben Sie schon mal geplantes Schiefgehen erlebt? Lachhaft!
Der humorvolle Mensch versucht erst gar nicht, alle Veränderungen und Herausforderungen des Lebens zu kontrollieren. Er weiß, dass das Leben sich ständig ändert. Ja, auch ihm macht das manchmal ein mulmiges Gefühl. Aber da es ja alles nichts nützt, geht er kreativ und flexibel mit Herausforderungen um.
Deshalb ist Humor die Erfolgsstrategie der Zukunft. Humor beruht auf Menschlichkeit und Werten, macht selbstständig und kreativ, schafft Persönlichkeiten und geht mit Veränderungen positiv um. Und genau solche Menschen brauchen unsere Welt und die Wirtschaft.
Wie Humor funktioniert
Wissen Sie, dass ein Kind etwa 200-mal am Tag lacht, ein Erwachsener dagegen nur noch ungefähr 15-mal am Tag? Das ist doch traurig, oder? Dabei ist Lachen gesund – psychisch und physisch. Lachen, also die Reaktion auf eine humorvolle Aktion, heilt alte und neue Wunden und die Blessuren des Alltags. Vermeintliche Blamagen und Schwächen erscheinen in einem heiteren Licht. Der humorvolle Mensch ist sogar geneigt, sich selbst zu verzeihen. Wäre es da nicht schön, wenn wir alle nicht nur wieder mehr lachen, sondern auch unsere Mitmenschen zum Lachen bringen würden? Oder wenigstens zum Lächeln und Schmunzeln? Wenn wir nicht nur den Blick auf das Negative richten würden? Stellen Sie sich Abendnachrichten vor, die nur Positives berichten! Und eine tolerante Gesellschaft sieht lächelnd zu und nickt – ich weiß, das ist eine Vision. Aber ich gebe mir alle Mühe, sie wahr werden zu lassen. Sie müssen natürlich mitmachen!
Der Humor unterscheidet uns vom Tier. Das Lachen nicht. Wir teilen es mit einigen Menschenaffen. Probieren Sie es aus: Kitzeln Sie mal einen Orang-Utan oder einen Bonobo, beide werden ähnlich wie wir kichern. Der Delfin »Flipper« dagegen hat garantiert nicht gelacht. Erstens hatten er und seine Leidensgenossen viel zu viel Stress bei den Dreharbeiten. Und zweitens können Delfine gar nicht lachen. Sie sehen nur so aus.
Lachen wirkt befreiend und deeskalierend. Wer lacht, streitet nicht und führt keine Kriege. Lachen ist ansteckend. Und gemeinsames Lachen schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Daran sind die Spiegelneuronen in unserem Gehirn schuld. Sie sind dafür verantwortlich, dass wir mit anderen Menschen mitfühlen, mittrauern und mitlachen.
Lachen macht glücklich, denn beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet. Genau genommen macht Lachen nicht nur glücklich, sondern auch noch schlank. Denn während Sie lachen, essen Sie nichts (das geht ja nicht gleichzeitig), aber Sie verbrauchen Kalorien. Je mehr und je heftiger Sie lachen, desto mehr Kalorien verbrauchen Sie. Und Sie sind dabei auch noch glücklich. Zeigen Sie mir mal die Diät, bei der das klappt!
Wie aber funktioniert nun Humor tatsächlich? Wir wissen natürlich alle, dass es unterschiedliche Arten von Humor gibt. Es gibt den Humor Aristophanes’, eines altgriechischen wunderbaren Komödienschreibers. Es gibt den Humor Molières, Shakespeares, Arthur Schnitzlers, Erich Kästners, Kurt Tucholskys. Es gibt Heinz Erhardt und Loriot, Dieter Hildebrandt, Bastian Pastewka, Kaya Yanar, Dieter Nuhr, Bülent Ceylan und Florian Schröder, Oliver Pocher, Mario Barth, Volker Pispers, Georg Schramm, Barbara Schöneberger, Anke Engelke und Oliver Pocher, Mario Barth, Ingo Appelt und Cindy von Marzahn. Dieter Bohlen hat ebenfalls Humor (behauptet er). Diese Auswahl hat (fast) nichts mit meinen Vorlieben oder Abneigungen zu tun. Sie ist natürlich auch nicht vollständig. Es geht darum, die Unterschiede deutlich zu machen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt, wie bei allen Dingen in der Welt, auch beim Humor zwei Seiten. Die dunkle Seite ist höhnisch, spöttisch, sarkastisch und zynisch. Wir alle sind vermutlich schon einmal Opfer einer solchen Attacke geworden. Das kann sehr schmerzhaft sein. Und das ist auch der Sinn und Zweck. Diese Form des Humors ist bewertend, denunzierend, trennend, negativ. Sie ist für mein Anliegen, für die wertschätzende Kommunikation, komplett ungeeignet. Ich mag den denunzierenden Humor einiger Comedians, der immer mehr in Mode zu kommen scheint, überhaupt nicht.
Die helle Seite des Humors kann als Anekdote erscheinen, als Satire, als Parodie, als Sketch oder Witz, ironisch oder einfach als sympathisch-scherzender Small Talk. Diese Art des Humors ist befreiend, konfliktlösend, sozial, bewusstseinserweiternd und entspannend. Sie ist aber durchaus nicht harmlos! Denn Humor verfolgt immer einen Zweck, den Zweck der Veränderung. Deshalb beinhaltet die helle Seite des Humors auch die Provokation und die paradoxe Intervention. Das ist per se nichts Schlechtes, aber es kommt immer darauf an, was man erreichen will. Eine Klientin erzählte mir in der letzten Woche ein gelungenes Beispiel einer Provokation. Vorab: Ich hatte ihr, wie fast allen meinen Klienten, eine rote Clownsnase geschenkt, die sie nun immer bei sich trägt. Sie ist Geschäftsführerin einer Unternehmensberatung und als solche viel unterwegs. Eines Tages überholte sie mit dem uralten Golf ihrer Mutter mehrere Lastwagen. Hinter ihr brauste wild lichthupend ein BMW heran. Er fuhr so dicht auf, dass sie es wirklich mit der Angst zu tun bekam. Allerdings waren ihre Möglichkeiten zur Gegenwehr äußerst beschränkt. Sie setzte sich also besagte rote Nase auf, wechselte auf die rechte Seite und schaute stoisch, ohne jede Gemütsbewegung den vorbeifahrenden Drängler an. Der war, nach ihren Aussagen, zuerst komplett fassungslos und dann ziemlich sauer. Er fühlte sich in seiner Männlichkeit und Dominanz völlig veräppelt. Und das sollte er auch! Vielleicht drängelt er jetzt eine Weile nicht mehr. Mann kann ja nie wissen, wo die nächste rote Nase lauert.
Paradoxe Interventionen kommen aus dem Umfeld der Psychologie und Psychotherapie. Sie haben dort großen Erfolg, wo sich Menschen mit einer Veränderung schwertun, obwohl sie sie wünschen.
Kurz gesagt, wenn für eine Veränderung ein neues Verhalten notwendig ist, so wird das alte Verhaltensmuster als das einzig Wahre verschrieben, sogar in stärkerer Dosis: Machen Sie weiter so! Aber nehmen Sie noch viel mehr davon!
Noch ein Beispiel aus meinem Coaching-Alltag: Ein Klient kam zu mir, um seine Vortragstechniken zu verbessern. Ein kluger Kopf mit hoher Eloquenz. Leider mit schrecklicher Angst vor öffentlichen Reden. Diese Angst haben übrigens ganz viele Menschen und meistens ist sie unbegründet und irrational. Aber äußerst präsent und sehr unangenehm. Alle meine Überzeugungsversuche und Ermutigungen waren für die Katz. Die Angst war größer. Da half nur noch eine paradoxe Intervention. Als mein Klient das nächste Mal beim Coaching mit seiner Rede begann, schlüpfte ich in seine Ängste und verlieh ihnen zitternd und lamentierend Wort und Gestalt: »Nee, was habe ich denn da gesagt? Das ist doch kompletter Quatsch. Oh, jetzt hat einer gemerkt, dass ich überhaupt keine Ahnung vom Thema habe. Ich kann nichts. Ich weiß nichts. Ich bin nichts. Ich will hier weg.« Und so weiter und so weiter. Mein Klient musste so lachen, dass er seine Befürchtungen vergaß und seine Rede von Anfang bis Ende hielt. Erst kichernd, dann grinsend und dann lächelnd in Erinnerung an alle seine Ängste, die wir Egon, Waldemar und Diederich nannten. Was ihn, als er die Rede dann tatsächlich vor Publikum halten musste, ausgesprochen sympathisch auf seine Zuhörer wirken ließ. Er dachte einfach an Egon, Waldemar und Diederich.
Paradoxe Interventionen sind in Familien, Beziehungen und Unternehmen wirksam. Überall dort, wo die Angst vor Veränderung die gewünschte Veränderung verhindert. Humor verändert also die eigene Wahrnehmung von sich und der Welt. Denn mit Humor wächst zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört. Kinder entdecken oft Zusammenhänge in ihrer Welt, über die wir lachen, weil sie uns unlogisch anmuten. Für Kinder sind sie das allerdings nicht.
»Wenn ich Milch warm machen will, muss ich dann die Kuh auf die Herdplatte stellen?«
Der Lehrer erklärt im Chemieunterricht: »Im Jahre 1771 hat der schwedische Chemiker Scheele den Sauerstoff entdeckt.«
Michael fragt überrascht: »Was haben die Menschen denn vorher geatmet?«
Eine Mutter fragt ihr Kind: »Wo hast du denn dein Zeugnis?«
Das Kind antwortet: »Das habe ich Petra mitgegeben. Sie will damit ihre Eltern erschrecken!«
Humor verändert die Wahrnehmung von sich und der Welt.

Uns Erwachsenen geht im Laufe des Lebens die eher unschuldige Betrachtung der Welt verloren. Und das hat folgende Gründe: Als Kinder sind wir noch ohne Wissen über gesellschaftliche Normen und Zwänge. Wir wollen Aufmerksamkeit und sofortige Bedürfnisbefriedigung. Und wir entwickeln sehr direkte Strategien, um das zu erreichen, was wir wollen. Mütter, deren Kids sich regelmäßig an Supermarktkassen schreiend auf den Boden werfen, um den Lolli doch noch zu bekommen, können ein Lied davon singen. Irgendwann werden wir erwachsen. Spätestens dann haben wir gelernt, dass diese Art der Bedürfnisbefriedigung unter Erwachsenen nicht wohlgelitten ist. Wir lernen, dass die gesellschaftlichen Normen sofortige Bedürfnisbefriedigung sanktionieren. Nun lassen wir es nicht etwa, nein, wir fangen es nur geschickter an. Denn wir haben erkannt, dass wir das, was wir wollen, am besten durch Anpassung erreichen. Wir zeigen nicht mehr offen unsere Wünsche und Bedürfnisse, sondern lernen uns zu schützen, unser Inneres vor der Welt zu verstecken und unsere natürliche Fantasie, Kreativität, Individualität, unseren Witz und Humor tief in uns zu vergraben. Denn diese Eigenschaften gelten immer noch als anarchisch, ungehorsam und disziplinlos. Und das zu Recht! Denn jemand mit Fantasie und Humor ist nicht so einfach zu kontrollieren. Menschen mit Humor haben tatsächlich etwas Schräges. Ich weiß, wovon ich rede. Dass Humor allerdings die Leistungsfähigkeit minimiere, ist eine gezielte Lüge. Ganz im Gegenteil, humorvolle Menschen sind ausgesprochen leistungsfähig, sie haben Fantasie, sind kreativ und haben Spaß an ihrer Leistung.
In der Schule, in der Ausbildung, privat und beruflich versucht man also, uns diese Eigenschaften auszutreiben. Bei einigen gelingt das. Was schade ist, weil es die Entwicklung so dringend benötigter menschlicher Potenziale für unsere Gesellschaft verhindert.
Wenn Erwachsene ihren Humor wiederentdecken und wiedererwecken, dann ist das ein bewusster, ein intelligenter Akt. Er sieht dort Zusammenhänge, wo der angepasste Mensch sich nicht mehr traut, sie zu sehen. Der Erwachsene verbindet die Kinderstrategie, die kindliche Neugier mit seinen erwachsenen Fähigkeiten: Beobachtungsgabe, Intelligenz, Sprachwitz, Erfahrung, Wissen. So sieht er Humorvolles. So entsteht Humor.
Das Fach »Humor« sollte in der Schule gelehrt werden; das wäre für uns alle gut.
Was passiert, wenn der Humor sich noch im Tiefschlaf befindet, zeigt ein Beispiel aus meinem Beruf als Unternehmenskabarettistin: Eines Tages hatte das Management eines Krankenhauses folgende Anfrage. Sie hätten in einem sehr langen Veränderungsprozess ihre Ziele neu definiert und bäten mich, als Kabarettistin diese Ziele auf einer Veranstaltung zu präsentieren. Auf meine Frage, um welche Ziele es sich handele, antworteten sie, das Pflegepersonal hätte beschlossen, ab sofort freundlich und mitfühlend mit seinen Patienten umzugehen. Ehrlich! Das ist schon zwei, drei Jahre her, aber ich könnte mich immer noch schlapp lachen.
Menschen mit Humor sind intelligent. Die geistige Leistungsfähigkeit steigert sich. Und das nicht nur, wenn man humorvoll agiert, sondern auch, wenn man Humorvolles rezipiert, also empfängt. Es setzt zuerst das Verstehen von Zusammenhängen voraus. Dann die Fähigkeit zur Empathie, also die Fähigkeit mitzufühlen. Und, last but not least, die Fähigkeit, das Nichtzusammenpassen bestimmter Zusammenhänge, also Inkongruenzen und Unlogik, zu begreifen. Ganz schön hohe Anforderungen, oder?
»Was ist der Unterschied zwischen Ignoranz und Apathie?« –
»Weiß ich nicht und es ist mir auch egal.«
Humor bewegt sich immer zwischen Lachen und Weinen, Wahrheit und Schmerz, Weisheit und Mitgefühl, Individuum und Welt, Gewinnen und Verlieren, Streben und Scheitern. Nichts Menschliches ist ihm fremd. Es gibt übrigens nur sehr wenige Götter der Antike, die Humor hatten. Der androgyne Gott Dionysos gehörte dazu, bevor man ihn zum Gott des Weins und des Theaters banalisierte. Danach war er nur noch betrunken. Und Betrunkene haben oft große Schwierigkeiten, einen Witz zu verstehen.
Themen, die die Menschen stark bewegen, haben ein hohes Humorpotenzial, wie etwa das ewige Beziehungsthema, Sex oder das Altern.
Es klingelt an der Tür. Jopi Heesters, der nicht mehr gut sieht, erkennt nur einen Schatten und fragt: »Wer sind Sie?
Zu wem wollen Sie?« Der Schatten antwortet: »Ich bin der Tod.«
Jopi ruft in die Wohnung: »Simone! Besuch für dich!«
Das Lachen über Dinge, die man fürchtet, befreit. Schon deswegen ist der Humor als Konzept heutzutage so notwendig. Wir leben in einer Zeit, in der eine Krise die anderen ablöst. Furcht würde lähmen, aber das Lachen schafft Distanz und genügend Kreativität, um zu neuen Lösungen zu gelangen.
Humor ist individuell.

Und weshalb empfinden wir etwas als komisch? Humor ist abhängig von der Realität und der Biografie desjenigen, der etwas Humorvolles tut, oder desjenigen, der etwas Humorvolles empfängt. Nicht jeder empfindet das Gleiche als komisch. Humor ist individuell.
Eins aber gilt für alle Spielarten: Humor lebt immer von der Fallhöhe, das heißt, Erwartungen wird auf die eine oder andere Art nicht entsprochen. Sie können zum Beispiel überhöht, übertrieben, untertrieben, gekreuzt, konterkariert, karikiert, verzerrt, banalisiert, lächerlich, ver-rückt werden. So funktioniert zum Beispiel die Komik von Hape Kerkeling. Er karikiert das Normale bis ins Kenntliche. Und so funktioniert die Komik des Gagaisten Helge »Katzenklo« Schneider, der banalste Realität anarchisch überhöht.
Zu guter Letzt, bevor wir uns dem angewandten Humor im Privatleben, der Karriere und in Unternehmen widmen, möchte ich Sie bitten, sich mit den folgenden Fragen zu beschäftigen. Sie werden Ihnen Aufschluss über Ihr eigenes momentanes Humorpotenzial geben.
Haben Sie in der letzten Woche mindestens zweimal über sich selbst gelacht?
Finden Sie an sich mehrere Charakterzüge oder Ticks oder Macken liebenswert komisch?
Mögen Sie sich auch mit den meisten Ihrer Schwächen?
Können Sie in Erinnerung an Scheitern und Blamagen über sich selbst lachen?
Sehen Sie in Ihrem Alltag viele komische Situationen?
Können Sie über die Schwächen und Macken Ihrer Mitmenschen liebevoll lachen?
Macht es Ihnen etwas aus, wenn man über Sie lacht?
Sind Sie neugierig auf Menschen?
Finden Sie das, was in unserer Welt geschieht, manchmal komisch oder sogar tragikomisch?
Glauben Sie trotz aller Gegenbeweise an das Gute im Menschen?
Und? Nein, ich will es gar nicht wissen. Das ist Ihre Privatsache. Allerdings sollten Sie sich, bevor sich Ihr Leben für immer humorvoll ändert, um die Grundausstattung kümmern. Und die besteht aus einer roten Clownsnase.
Bitte kaufen Sie sich ein paar Eier im Eierkarton. Was Sie mit den Eiern machen, interessiert mich nicht. Aus dem Karton aber schneiden Sie ein »Töpfchen« heraus und malen es rot an. Befestigen Sie an beiden Enden einen Hutgummi, den Sie Ihrer Kopfgröße angepasst haben. Gratulation! Nun haben Sie schon einmal das passende Outfit für alle komischen Lebenslagen.
PS: Sie können natürlich auch einfach eine rote Clownsnase kaufen.
1. HUMOR
verändert Sie
Humor als Erfolgsstrategie im Privatleben

Ich stelle mir gerade vor, wie Sie dieses Buch in Händen halten, die rote Nase aus Eierkarton aufgesetzt haben und nun endlich wissen wollen, wie Humor Ihr Privatleben positiv verändern kann. Humor ist eine Erfolgsstrategie. Sie müssen sich nur trauen, sie anzuwenden. Mut gehört dazu. Hier kommt Ihre allererste Humorübung.
Übung 1
Setzen Sie die rote Nase ab sofort mehrmals am Tag auf. Zuerst einmal, wenn Sie alleine sind. Schauen Sie in den Spiegel und lächeln Sie sich an. Sie können auch verrückte Grimassen ziehen. Wenn Sie anfangen zu lächeln, zu schmunzeln oder zu lachen, wissen Sie, wie Humor funktioniert. Humor ist ansteckend!
Tragen Sie die rote Nase möglichst immer bei sich! Ich tue es auch! Wenn Sie sich ärgern, können Sie sie kurz berühren, ohne dass es jemand merkt. Das hilft ungemein. Wenn Sie zum Beispiel eine Verkäuferin unfreundlich abfertigt, denken Sie einfach: »Wenn du wüsstest, dass ich kurz davor bin, mir eine rote Clownsnase aufzusetzen. Dein Gesicht möchte ich sehen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.«
Das ist der erste Schritt. Bekanntlich beginnt jeder Weg mit dem ersten Schritt. Diesen Weg gehen wir gemeinsam. Während Sie lesen und die Tipps und Übungen ausprobieren, bin ich als Humorgeist ständig anwesend. Als Humorgeist im weißen Gewand mit roter Nase, versteht sich, der durch Ihr Privatleben weht.
Jeweils am Ende der drei großen Teile dieses Buches habe ich für Sie Platz reserviert. Hier können Sie rekapitulieren, wie Sie sich fühlten, als Sie Humor in Ihrem Privatleben angewandt haben. Welche Übungen Sie umgesetzt haben. Wie Ihre Mitmenschen auf Sie reagierten. Bei welcher Gelegenheit Sie mit Humor Erfolg hatten. Wann Sie sich stark fühlten.
Manchmal kann man nicht ändern, dass die Nachbarin zickig ist, der Kollege missgünstig und der Vorgesetzte cholerisch. Manchmal kann man sich nicht vor einer schlechten Erfahrung schützen. Manchmal muss man einen Schicksalsschlag hinnehmen. Aber Sie können ändern, wie Sie sich fühlen. Sie können ändern, wie Sie damit umgehen. Und nun kommt die Übung Nummer 2.
Übung 2
Setzen Sie sich Ihre rote Nase auf (es geht auch zur Not ohne rote Nase), reichen Sie sich die Hand, schütteln Sie sie und gratulieren Sie sich selbst aus voller Überzeugung dazu, dass Sie es so gut bis jetzt geschafft haben! Es muss gut gewesen sein, sonst hätten Sie dieses Buch nicht bis hierhin gelesen.
Und nun geben Sie sich noch mal die Hand darauf, dass Sie ab sofort Ihr Leben mit mehr Leichtigkeit, mehr Spaß, mehr Kreativität, mehr Freude, mehr Selbstvertrauen, mehr Erfolg – eben mit mehr Humor leben.
Sie haben soeben einen ernst zu nehmenden Vertrag mit sich selbst geschlossen. Glückwunsch!
Humor macht Spaß
Das Leben humorvoller zu betrachten bzw. Humorvolles im Leben zu betrachten, macht zuallererst einfach Spaß. Wenn Sie sich einmal dazu entschieden haben, werden Sie sofort mehr lachen. Wer lacht, hat mehr Freude im Leben. Freude und Lachen vermehren sich automatisch. Je mehr Sie lachen und sich freuen, desto mehr wollen Sie von diesem Gefühl haben. So werden Sie immer aktiver, um auf Lustiges, Komisches, Witziges in Ihrem Leben zu stoßen. Sie werden regelrecht danach graben. Und überall die Goldklümpchen des Humors finden.
Als Erstes sollten Sie sich vornehmen, in Ihrer unmittelbaren Umgebung, also zuhause, bei Freunden, bei der Arbeit, nach Situationen zu suchen, die komisch sind. Am Anfang fällt das noch ein bisschen schwer. Sie sind es ja nicht gewohnt. Fangen Sie einfach an. Es wird immer leichter. Glauben Sie mir, im Alltag wimmelt es nur so vor freiwilliger und unfreiwilliger Komik.
Ich habe zwei Semester in München studiert, bin aber dann nach Berlin gewechselt. Als ich beim Bäcker Semmeln bestellte, fragte mich die Verkäuferin: »Wie viel Gramm woll’n Se denn, junget Fräulein?« Der Begriff »Schrippe« für Brötchen war mir damals noch nicht geläufig.
Einer Bekannten gehört eine florierende Studentenkneipe. Eines Tages kaufte sie auf dem Markt eine Stiege Tomaten und wollte diese in ihre Kneipe tragen. Allerdings gelang es ihr nicht, die Straße zu überqueren. Die Bordsteinkanten waren so zugeparkt, dass sie mit ihrer Stiege nicht zwischen den Autos durchkam. Entnervt trat meine Freundin gegen den Reifen eines parkenden Autos. Sofort schoss die aufgebrachte Besitzerin um ihr Auto herum und beschimpfte sie aufs Heftigste. Meine Freundin wiederum sah es gar nicht ein, sich zu entschuldigen, und warf der Autofahrerin Ignoranz und Rücksichtslosigkeit vor, mit beiden Händen immer noch die Stiege Tomaten festhaltend. Plötzlich hatte die Dame den Wortwechsel satt, nahm eine Tomate, zerdrückte sie auf dem Kopf meiner Bekannten und ging. Bitte stellen Sie sich das vor: eine Frau, völlig sprachlos, die Hände wie festgetackert an einer Tomatenstiege, auf dem Kopf eine ebensolche, die ihr auf die Brille tropft. Wenn ich daran denke, könnte ich mich jedes Mal ausschütten vor Lachen.
Suchen Sie Komik in Ihrem Leben, dann wird die Komik Sie finden.

Unvergessen auch der sprachliche Lapsus eines Freundes. Er wollte seine Frau einfach nur bitten, ihm einen Waschlappen zu reichen. Und damit fing das Drama an. Ihm fiel nämlich das Wort für Waschlappen nicht ein. Es war weg. Vollständig aus seinem Gehirn verschwunden. Als wäre es nie da gewesen. Mit Händen Füßen und seltsamsten Beschreibungen versuchte nun mein Freund seiner Frau zu erklären, was er wollte. Die amüsierte sich über die vergeblichen Versuche köstlich, verstand aber partout nicht, was er wollte. Verzweifelt, mit Seife in den Augen, wütend auf sein sich vor Lachen krümmendes Ehegespons und seine Unfähigkeit, stieß er hervor: »Nun gib mir doch endlich den Haschpappel!« Wunderbar, oder?
Übung 3
Legen Sie ein Buch oder eine Datei an, das bzw. die Sie »Mein Humortagebuch« nennen. Dort schreiben Sie alle komischen Situationen, die Ihnen im Alltag begegnen, hinein. Sie werden bald eine stattliche Sammlung von Anekdoten besitzen, die Sie jederzeit bei einer Unterhaltung zum Besten geben können. Die Menschen um Sie herum werden Ihr Kommunikationstalent bewundern.
Sie können sich natürlich auch eine Witzesammlung anlegen. Just for fun. Gute Witze kann man immer gebrauchen.
Hier mein absoluter Lieblingswitz. Ich erzähle ihn auf allen Veranstaltungen. Achtung: Frauen mögen den Witz lieber als Männer!
Eine Frau kommt völlig begeistert von ihrer neuen Gynäkologin nach Hause. Sie erzählt ihrem Mann im Tonfalle echter Euphorie: »Also, die neue Gynäkologin ist so toll. Sie hat gesagt, ich hätte eine Haut wie eine 30-Jährige, ein Dekolleté wie eine 30-Jährige, Oberschenkel wie eine 30-Jährige … « Ihr Mann schaut von der Zeitung auf: » Und was hat sie über deinen 50-jährigen Arsch gesagt?« Seine Frau irritiert: »Wieso? Über dich haben wir gar nicht gesprochen.«
Ich würde diesen Witz jetzt vielleicht nicht in einem Meeting erzählen, bei dem die Mehrzahl der Anwesenden Männer sind. Meiner Erfahrung nach amüsieren sich Frauen aber köstlich darüber.
Auch Binsenweisheiten oder Sprichwörter eignen sich für eine Sammlung.
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Früher Vogel fängt den Wurm.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Sehr schön sind auch Nonsenssprüche.
Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer.
Liegt die Bäuerin tot daneben, ist auch sie nicht mehr am Leben.
(Ich kann nichts dafür. Der Spruch kommt aus der Rhön.)
Das Reh springt hoch, das Reh springt weit. Warum auch nicht.
Es hat ja Zeit. (Heinz Erhardt)
Nur die Harten kommen in den Garten.
Es hilft ungemein, sich Comedians und Kabarettisten anzuschauen und die Pointen und Bonmots aufzuschreiben.
Sollten Sie sich nun fragen, wann Sie bei diesem Humorpensum noch Zeit haben zu arbeiten, kann ich Sie beruhigen. Der Humor wird Sie nur so anfliegen. Besonders im Beruf – dort verbringen wir den Hauptteil unserer Zeit. Da Sie die Entscheidung getroffen haben, sich auf Humorvolles zu konzentrieren, müssen Sie eigentlich nur noch ernten.
Nun zur nächsten Übung.
Übung 4
Verknüpfen Sie alle möglichen Sprüche miteinander, und das möglichst sinnfrei. Sollte einmal eine Party oder ein Familientreffen nicht in Schwung kommen, schlagen Sie einfach dieses Spiel vor. So entstehen wundervolle Sätze wie:
Man soll den Vogel nicht vor dem Abend loben.
Der Apfel fällt nicht weit vom Wurm.
Ich hab schon Krüge kotzen sehen … vor dem Brunnen.
Wenn man sich erst einmal solche Kombinationen gestattet hat, fällt es immer leichter. Und der Sinn dahinter? Sie lernen erstens wieder, etwas zu tun, weil es Spaß macht. Einfach so, wie als Kind. Und außerdem regen diese Übungen Ihre Gehirnzellen an, Verbindungen zu schaffen, die Sie nicht gewohnt sind. Sie erhöhen Ihre Denkgeschwindigkeit und Ihre Fähigkeit zu assoziieren. Beides brauchen Sie unbedingt für die anderen Übungen in diesem Buch.
Übrigens, Ihr Humorpotenzial ist sehr weit fortgeschritten, wenn Sie sich trauen, die oben stehenden Kombinationen mit bierernstem Gesicht in eine Unterhaltung einfließen zu lassen. Wenn Sie das für noch zu schwer halten, ist das kein Problem. Erweitern Sie zunächst einmal Ihr Humorpotenzial mit und an Freunden, Familie oder Kollegen. Suchen Sie sich jemanden in Ihrer Umgebung, bei dem Sie vermuten, dass er einen ähnlichen Humor hat wie Sie und Ihre Übungen nicht als »Quatsch« abtut. Wer neue Wege geht, muss leider immer damit rechnen, entmutigt zu werden. Veränderungen ängstigen die meisten Menschen, das Risiko scheint ihnen zu groß. Aber Sie haben Mut bewiesen und sich an das gefährliche Thema Humor (das ist ein Witz!) gewagt. Sie müssen ja Ihren Mut nicht sofort wieder einem Härtetest unterwerfen. Dafür kommt schon noch die richtige Zeit.
Jetzt kommen erst einmal zwei Spiele. Das erste heißt »Ja, genau«.
Übung 5
Jetzt geht es darum, alles, was gefragt wird, zu bejahen. Der Humorvolle bejaht das Leben so, wie es ist, und nicht so, wie er es gerne hätte. Sie stellen sich also einander gegenüber, einer fängt an zu fragen. Zum Beispiel:
»Du hast eine sehr schöne Jacke an. Sie sieht aus, als sei sie aus dem Fell eines Wolpertingers*.«
Der Partner antwortet: »Ja, genau.«
Wahlweise: »Ja, genau, aus dem Fell eines Wolpertingers.«
»Hast du den Wolpertinger selbst geschossen?«
»Ja, genau, ich habe ihn selbst geschossen.«
»Sind Wolpertinger nicht sehr gefährlich?«
»Ja, genau, Wolpertinger sind sehr gefährlich.«
Und so weiter, und so weiter.
Dann wechseln Sie bitte. Es liest sich vermutlich ganz einfach, ist aber recht schwer. Wir sind es nämlich nicht gewohnt, Dinge zu bejahen; normalerweise reagieren wir mit »Nein« oder »Nein, aber …«. Ablehnen fällt leichter als Annehmen. Wenn wir etwas annehmen, müssen wir uns damit beschäftigen. Letztlich bedeutet jede Annahme, einer Veränderung zuzustimmen.
Um das Spiel weiter voranzutreiben, kann der Antwortende in einem zweiten Durchgang noch etwas hinzuerfinden, also:
»Du hast eine sehr schöne Jacke an. Es sieht aus, als sei sie aus dem Fell eines Wolpertingers.«
Der Partner antwortet: »Ja, genau, aus dem Fell eines Wolpertingers. Er war schwarz-rot gefleckt. Sehr schönes Tier.«
»Hast du ihn selbst geschossen?
»Ja, genau, das habe ich. Mit einer Armbrust.«
»Sind Wolpertinger nicht sehr gefährlich?«
»Ja, genau, Wolpertinger sind sehr gefährlich. Und dieser war der gefährlichste überhaupt. Er stammt aus der Nähe von München, trank Bier und sprach bayrisch.«
Und so weiter, und so weiter.
Mit dem nächsten Spiel erhöhen wir das Tempo und die Anforderung an Ihr Humorpotenzial und das Ihres Humorpartners.
Übung 6
Der Antwortende aus Übung 5 erfindet jetzt wieder neue Details dazu. Auf die muss der Fragende eingehen.
»Du hast eine sehr schöne Jacke an. Es sieht aus, als sei sie aus dem Fell eines Wolpertingers.«
Der Partner antwortet: »Ja, genau, aus dem Fell eines Wolpertingers. Er war schwarz-rot gefleckt. Sehr schönes Tier.«
»Ein schwarz-rot gefleckter Wolpertinger? Sind die nicht sehr selten? Und stehen die nicht unter Artenschutz?«
»Ja, genau, sie stehen unter Artenschutz. Allerdings nur in Wolperting-City. In Bayern entwickeln sie sich zu Problem-Wolpertingern und sind zum Abschuss freigegeben.«
»Oh, man hört ja immer wieder, dass die Menschen in Bayern so viele Probleme mit Tieren haben. Haben Sie denn den Wolpertinger selbst erschossen. Oder Herr Seehofer?«
Und so weiter, und so weiter.
Das ist Gesprächsführung auf hohem Humorniveau. Einzelne Themenbereiche, die streng logisch nicht zusammengehören, werden verbunden und erzeugen Komik. Diese Übungen stärken Ihr Kreativitätspotenzial erheblich. Sollte der eine oder andere nun denken, die Autorin wolle schwer arbeitende Menschen mit Kindergartenquatsch veräppeln, muss ich das weit von mir weisen. Ich bin ebenfalls ein schwer arbeitender Mensch.
Humor ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit.

Wie die nächsten Übungen beweisen, ist Humor eine ernsthafte Angelegenheit. Denn nun kommen wir zur höheren Weihe für »Humoriker«. Dass Sie komische Situationen wahrnehmen und darüber lachen können, haben Sie bewiesen. Aber können Sie auch über sich selbst lachen? Über Ihre vermeintlichen Mängel und Schwächen?
Ein Grund dafür, dass Menschen schlecht über sich selbst lachen können, ist, dass sie sich schämen. Wir leben in einer Welt, in der wir angeblich alle perfekt sein müssen, um etwas zu erreichen, ja, um überhaupt halbwegs gut leben zu können. Wer nicht supergut aussieht, reich ist, Erfolg hat, wird nicht respektiert. Man lacht über ihn und er hat auch noch selbst Schuld daran. Das fürchten die meisten Menschen. Männer übrigens mehr als Frauen. Männer haben ganz besonders gelernt, dass sie sich nicht lächerlich machen dürfen. Sie würden sonst Gefahr laufen, nicht ernst genommen zu werden. Das wiederum bedeutet unter Männern Gesichts- und Statusverlust. Frauen ist es gesellschaftlich eher gestattet, außerhalb dieses Korsetts zu agieren und sich auch einmal »lächerlich« zu machen.
Das Perfektionismusgebot ist menschenverachtender Blödsinn. Es grenzt fast alle aus und zwingt viele von uns in die totale Überforderung. Hören Sie einfach auf, dieses Märchen zu glauben. Und fragen Sie sich, wer etwas davon hat, dass Sie sich für defizitär halten. Es gibt die unterschiedlichsten Wirtschaftszweige, die sehr gut davon leben, dass wir uns in unserer Seele und unserer Haut nicht wohlfühlen.
Sie fangen jetzt an, Ihre Mängel und Schwächen als Anlass zu nehmen, herzhaft über sich zu lachen.
Übung 7
Schreiben Sie alles auf, was Ihnen nicht an sich gefällt – zum Beispiel an Ihrem Aussehen, an Ihren Fähigkeiten, an Ihrem Beruf! Was Sie wollen. Private Lebensumstände funktionieren auch sehr gut. Lesen Sie sich Ihre Schwächen laut und traurig vor. Schluchzen Sie ein paarmal übertrieben dabei und bemitleiden Sie sich, nach dem Motto »Oh, wie bin ich faul, ich will nicht joggen. Eines Tages werde ich platzen« – natürlich mit entsprechender schauspielerischer Übertreibung.
Wie fühlen Sie sich jetzt? Mussten Sie anfangen zu lachen? Wunderbar! Aber es geht noch besser.
Übung 8
Tanzen Sie Ihre Fehler und Schwächen zu einem fetzigen Rock ’n’ Roll, zu Sambarhythmen oder als Cha-Cha-Cha! Zählen Sie dabei singend Ihre Defizite auf und drehen Sie Pirouetten dabei! Versuchen Sie es. Nach dem Motto »Ich bin zu dick, cha-cha-cha«. Wenn Sie können, rappen Sie! »Jo, man, ich hab keinen Porsche, yeah, ich habe keine Frau (Mann), ich bin der Mann (Frau), der (die) gar nichts kann.« Glauben Sie mir, das bringt Sie in Schwung.
Und nun das Sahnehäubchen der Selbstmotivation. Wir versuchen einige unserer Schwächen, Mängel, Fehler als Ursprung unserer Persönlichkeit, als Quelle unserer Existenz zu sehen.
Ich habe lange Zeit versucht, meine Fantasie in geordnete Bahnen zu lenken. Sie zu kontrollieren. Nicht so deutlich zu zeigen. In der Schule hielten mich die Lehrer für unaufmerksam, gelangweilt, frech, ja einige sogar für gestört. Meinen Eltern wurde nahegelegt, mich nicht aufs Gymnasium zu schicken, ich hätte – wortwörtlich – zu viel Fantasie! Man prophezeite mir, eine Lebensversagerin zu werden, wenn ich mich nicht anpasse, mich nicht dem Ernst des Lebens angemessen verhalten würde. Mit zehn Jahren! Ich bin heilfroh, dass damals Kindern keine Medikamente verabreicht wurden, um sie ruhigzustellen. Seitdem ich mich mit Humor beschäftige, weiß ich, dass diese Fantasie die Quelle meiner Kreativität und meines Humors ist. Und finde es wunderbar.
In den meisten Fällen übernehmen wir die Urteile anderer über uns. Aber niemand sagt uns, ob die wirklich stimmen. Sie entscheiden, ob Sie das, was andere als Schwäche bezeichnen, für sich selbst als Schwäche sehen. Es ist Ihre Entscheidung, Ihr Leben und Ihr Humor.
Übung 9
Schreiben Sie hinter jede Schwäche, warum gerade diese Schwäche eigentlich eine Stärke ist. Lesen Sie Ihre Begründungen nun laut vor. Sie können sie auch singen oder tanzen. So lange, bis Sie gute Laune bekommen und sich selbst glauben.
Mit mir stimmt etwas nicht: Ich kann nicht mit Exceldateien umgehen. – Natürlich nicht, ich bin ja keine Buchhalterin, sondern der kreative Typ.
Mit mir stimmt etwas nicht: Ich habe immer noch nicht meine erste Million gemacht. Bill Gates war in meinem Alter schon Milliardär. – Erstens macht es keinen Sinn, den PC noch mal zu erfinden. Zweitens bin ich viel lieber mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen.
Mit mir stimmt etwas nicht: Ich möchte gerne Karriere machen und Geld verdienen. Das ist doch total egoistisch. – Nein, das ist sehr klug von mir. Ich habe nämlich das Zeug dazu und mich interessiert mein Beruf sehr.
Mit mir stimmt etwas nicht: Ich möchte gar nicht Potenzialträger werden und im Unternehmen die Karriereleiter hinaufklettern. – Genau. Ich will als Vater meine Kinder aufwachsen sehen.
Solche Glaubenssätze bestimmen unser Leben. Manche sind in den Anfängen unserer Biografie entstanden. Es ist sehr schwer, sie loszulassen. Manche haben sich später erst entwickelt und sind gesellschaftlich gerade en vogue. Warum sind zum Beispiel in Deutschland berufstätige Frauen »Rabenmütter« (Verleumdung! Raben sind ganz ausgezeichnete Mütter), während es weder das Wort noch die Einstellung in Frankreich gibt?
Wer über Glaubenssätze lacht, den beherrschen sie nicht.

Humor unterstützt Sie dabei, sich von diesen Glaubenssätzen zu lösen. Sie können sie mit einem nachsichtigen, wissenden Lächeln kommentieren. Sogar sich selbst, wenn Sie doch wieder auf sie reinfallen. Außerdem macht es einen Riesenspaß, all den Schwächen, Mängeln, Defiziten, Unfähigkeiten, die ein ständig schlechtes Gewissen verursachen, eine rote Nase zu drehen und sie einfach positiv umzudeuten.
Humor macht eben Spaß. Er hat auch gar keine andere Chance. Beim Lachen werden nämlich Glückshormone ausgeschüttet.
Humor ist intelligent
Humor zu erschaffen und Humorvolles zu begreifen sind intelligente Vorgänge, wie wir schon gesehen haben. Humor erhöht die Denkgeschwindigkeit dadurch, dass wir Sachverhalte, die streng logisch nicht zueinanderpassen, in Verbindung setzten. Humor trainiert unser Gedächtnis. Und das sehr schnell. Wir müssen nämlich auf unseren Gedächtnisspeicher zurückgreifen, um Humorvolles zu kreieren oder zu rezipieren. Humor bedeutet nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern Altbekanntes neu zu kombinieren. Daraus ergibt sich: Je mehr Sie wissen, umso mehr können Sie kombinieren. Für diese Gedächtnisfähigkeit ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Kurzzeitgedächtnis maßgeblich. Und das kann man mit Humorübungen trainieren.
Humorvolle Menschen sind intelligent.

Hand aufs Herz: Haben Sie Humor? Die richtige Antwort lautet: Selbstverständlich! Was zu beweisen wäre. Fangen wir gleich an!
Übung 10
Heben Sie bitte beide Hände an und legen Sie jeweils die Zeigefinger auf die Daumen. Klappt? Wunderbar! Nun berühren Sie bei beiden Händen gleichzeitig mit den Mittelfingern die Daumen, dann mit den Ringfingern und dann mit den kleinen Fingern. Nun gehen Sie wieder zurück, also Ringfinger auf Daumen, Mittelfinger und Zeigefinger.
Das ist nicht so schwer, oder? Jetzt erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad.
Übung 11
Heben Sie bitte wieder beide Hände an. Rechts legen Sie den Zeigefinger auf den Daumen, wie gehabt. Links legen Sie den kleinen Finger auf den Daumen. Sie ahnen es schon. Die Finger berühren nun nacheinander in gegensätzlicher Reihenfolge die Daumen, also:
links: Daumen und kleiner Finger – rechts: Daumen und Zeigefinger
links: Daumen und Ringfinger – rechts: Daumen und Mittelfinger
links: Daumen und Mittelfinger – rechts: Daumen und Ringfinger
links: Daumen und Zeigefinger – rechts: Daumen und kleiner Finger
Geschafft! Sollten Sie jetzt auf einmal das Gefühl haben, 14 Finger zu besitzen, lassen Sie sich nicht irritieren. Nicht aufgeben! Weiter üben! Solange Sie diese Übung nicht automatisch beherrschen, arbeitet Ihr Gehirn auf Hochtouren. Es versucht, die rechte und linke Gehirnhälfte zu synchronisieren. Wenn Sie die Übung ohne hinzuschauen durchführen können, hat Ihr Gehirn sie (die Übung natürlich) als »bekannt« gespeichert und ist bei der Durchführung nicht mehr aktiv gefordert. Ich sag es doch: Menschen mit Humor wissen, dass Fehler zum Ziel führen.
Sollten Sie Führungskraft sein, hier schon mal ein Tipp: Trauen Sie sich, ein Meeting mit dieser Übung zu eröffnen. Natürlich werden die Kollegen und Mitarbeiter den Kopf schütteln, Sie mit Sätzen wie »Die Lage ist zu ernst für solche Kinderspiele!« für verrückt erklären oder in komplette Anarchie verfallen. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken. Wer Neues wagt, muss mit Widerstand rechnen. Ich versichere Ihnen, erstens steigert die Übung die Denkleistung, zweitens die Kreativität und drittens schafft sie auf einmal – wenn sich die Aufregung gelegt hat – eine ganz andere, positive Atmosphäre.
Menschen mit Humor sind also intelligent. Und intelligente Menschen haben eine besondere Beobachtungsgabe und eine feinere Wahrnehmung. Vor allem aber macht es ihnen Spaß, wahrzunehmen und zu beobachten. Sie sind neugierig. Und Neugier ist eine Grundvoraussetzung für Kreativität, Fantasie und Veränderungen. Die meisten Menschen nehmen die Dinge, die zu ihrem Alltag gehören, nicht deutlich wahr. Und manchmal auch nicht die Menschen um sie herum. Wir schenken dem wenig Aufmerksamkeit, was wir als gewohnt, als alltäglich betrachten. Genau das sollten wir aber tun. Dann erschließt sich uns das Überraschende im Alltag. Das Selbstverständliche wird angenehm fremd und damit aufregend.
Hier ein kleines Beispiel: Können Sie genau sagen, wie Ihr Küchenhandtuch aussieht? (Ich weiß, so ein Küchenhandtuch ist nun wirklich nicht wahnsinnig aufregend. Aber mit irgendetwas müssen wir anfangen.) Welche Farbe hat es? Welches Muster? Wie fühlt es sich an? Wo haben Sie es gekauft? Schenken Sie Ihrem alten Küchenhandtuch ein bisschen Zeit und denken Sie darüber nach!
Ich muss jedes Mal über mich selbst lachen, wenn ich mit dem Flugzeug beruflich verreise. Meistens benutze ich dann einen kleinen Koffer, den man hinter sich herziehen kann. Er ist dunkelblau. Wie gefühlte 98 Prozent aller anderen Koffer, die mir dann auf dem Laufband entgegenrollen. Jedes, aber wirklich jedes Mal stehe ich dann verzweifelt davor und versuche mich daran zu erinnern, was das Besondere an meinem Koffer ist. Ob er ein Muster hat. Wie die Marke heißt. Ich weiß es nicht. (Auch jetzt nicht!) Noch viel weniger weiß ich es am Flughafen. Meistens gelingt es mir, den richtigen Koffer vom Band zu ziehen. Einmal allerdings war ich schon fast bei den Taxis, als mir auffiel, dass ich den falschen erwischt hatte.
Deshalb jetzt eine imaginative Wahrnehmungsübung.
Übung 12
Stellen Sie sich ein Zebra vor. Es steht ganz still vor Ihnen, wehrt sich nicht und guckt freundlich. Imaginieren Sie das Zebra, wohin Sie es wollen. In Ihr Wohnzimmer, in die Steppe Afrikas, es ist egal. In letzterem Fall sollten Sie sich möglichst kein Löwenrudel dazudenken. Sonst läuft es weg, das Zebra.
Nun schauen Sie sich genau an, wie Ihr Zebra gezeichnet ist. Ist es schwarz mit weißen Streifen oder weiß mit schwarzen Streifen? Welche Streifen sind kräftiger? Verlaufen die Streifen alle in eine Richtung? Stellen Sie sich vor, das Zebra wüchse und Sie könnten problemlos unter seinem Bauch spazieren gehen. Hat ein Zebra Streifen am Bauch? Ich habe keine Ahnung. Das sind äußerst spannende Fragen! Bitte zählen Sie jetzt die Streifen am rechten Vorderhuf. Aber nur, wenn welche da sind. Zum Schluss geben Sie dem Zebra einen Klaps und lassen es von dannen traben.
Sie fragen sich, warum um alles in der Welt Sie diese Übung durchführen sollten? Um sowohl Ihr Erinnerungsvermögen als auch Ihre Fantasie zu aktivieren! Sie können das selbstverständlich auch an einer Giraffe, einem Löwen oder Ihrem Hund ausprobieren. Letzterer darf sich nur nicht im gleichen Zimmer wie Sie befinden. Bei der Giraffe und dem Löwen habe ich da weniger Sorge.
Übung 13
Als nächste Übung versuchen Sie bitte, zu einem Begriff Assoziationen zu finden. Fangen wir ganz einfach an, und zwar mit dem Wort »Apfel«. Was fällt Ihnen zu Apfel ein? Klar, Apfelpfannekuchen, Apfelkuchen, Apfelkompott, Apfelbaum. Gut. Das ist jetzt noch nicht sehr komisch, weil die Begriffe in engem, logischem Zusammenhang stehen.
Versuchen Sie nun Zusammenhänge zu finden, in denen Apfel auf irgendeine Art eine Rolle spielt. Das können Personen sein, Metaphern, Bücher, Theaterstücke, Bücher, Mythologisches, Sprichwörter, Zitate und so weiter – zum Beispiel für Apfel die folgenden.
Rotbäckchensaft (ein Getränk – musste ich früher auch trinken –, das mit einem Kind mit sehr roten Wangen wirbt, die an das Rot eines knackigen, reifen Apfels erinnern)
New York (wird Big Apple genannt)
Wilhelm Tell (Tell trifft mit seiner Armbrust einen Apfel auf dem Kopf seines Sohnes)
Adam und Eva (ohne Kommentar)
Computermarke (Apple)
Noch ein Beispiel: Pudel
Goethes Faust I (»Das ist des Pudels Kern«)
die Jacob Sisters (sehr viele Pudel)
pudelnackt
wie ein begossener Pudel aussehen
Assoziieren Sie einfach wild vor sich hin. Es dürfen auch Zusammenhänge sein, die nur Sie mit dem Begriff »Pudel« in Verbindung bringen. Bei mir sind es die Minipli-Frisuren der Männer aus den 1980er-Jahren. Ich finde, sie sahen alle aus wie Pudel.
Nun suchen wir Assoziationen zu abstrakten Begriffen, wie zum Beispiel »Freiheit«:
das Lied »Über den Wolken« von Reinhard Mey
das Lied »Freiheit« von Marius Müller-Westernhagen
Losung der französischen Revolution »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit«
Fall der Berliner Mauer
das Meer
Welche Assoziationen haben Sie zu »Macht«? Welche zu »Liebe«? Derartige Verbindungen herstellen zu können, ist die Basis für eine schnelle Kommunikation wie zum Beispiel den Small Talk. Ich werde darauf im Kapitel »Humor lässt Sie erfolgreich netzwerken« (S. 108) eingehen. Nur so viel vorweg: In einer Welt voller Netzwerke und übergreifender Teams kann Small Talk erfolgsentscheidend sein.
Die nächste Übung wird Sie vermutlich an Rudi Carrells »Das laufende Band« erinnern (sofern Sie in meinem Alter sind, für die anderen gilt: googeln!).
Übung 14
Bitte schreiben Sie sich zehn Gegenstände auf ein Stück Papier, zum Beispiel: Blumenstrauß, Käse, Sekretär, Hering, Krokodil, Vertrag, Alpenveilchen, Gurken, Schlange, Chef, Toast, Zahnpasta, Klarsichtfolie, Limonade. Nun versuchen Sie sich diese Gegenstände in dieser Reihenfolge zu merken. Und zwar indem Sie sie zueinander in Verbindung setzen, also eine Geschichte erfinden. Die Geschichte sollte möglichst abstrus, nicht realistisch sein, sonst denkt sich Ihr Gehirn: »Kenn ich schon, merke ich mir nicht.«
Hier ein Beispiel aus einem meiner Trainings: Der Blumenstrauß steckte in einem der Löcher des Schweizer Käses. Der Sekretär nickte zufrieden und dekorierte ihn mit einem Hering. Daraufhin legte das firmeneigene Krokodil sein Veto ein. In seinem Vertrag stand, dass es als Entschädigung Alpenveilchen beanspruchen durfte. Die Gurken sahen das ähnlich und baten die Schlange, das Haustier des Chefs, ihnen einen Toast mit Zahnpasta zu kredenzen. Dieser sollte allerdings in Klarsichtfolie abgepackt sein und mit Limonade serviert werden.
Wenn Sie das ein paarmal üben, brauchen Sie nie wieder eine To-do-Liste.
Übung 15
Erschaffen Sie Zusammenhänge, die eine komische Perspektive haben, so wie Alf auf der Erde oder Robert de Niro als Mafiaboss beim Psychiater im Film »Reine Nervensache«. Urkomisch. Also:
ein Känguru auf dem Mond
die Bundeskanzlerin als Moderatorin einer Bauch-Beine-Po-weg-Reality-Show
Ihre Küchengeräte beschweren sich darüber, wie Sie sie behandeln
Ihr Hund bewirbt sich bei DSDS; Dieter Bohlen zeigt sich begeistert
das Zebra von vorhin wird neue Führungskraft in Ihrem Unternehmen und hält einen Vortrag über Kennzahlen – wiehernd
Überlegen Sie sich ganz in Ruhe die seltsamsten Kombinationen. Wenn Sie mögen, können Sie sogar eine ganze Geschichte erfinden. Das schult das Humorpotenzial.
Und nun noch eine Übung.
Übung 16
Erfinden Sie für irgendwelche Probleme möglichst abwegige Lösungen. Damit nähern wir uns schon mit großen Schritten der Fähigkeit, Pointen zu entwickeln:
Wie bringe ich meinem Hund bei, die Spülmaschine auszuräumen? Verschiedene Tipps: Hundetrainer engagieren, der auch als Dozent an einer Haushaltsschule arbeitet. Oder auf jedes Geschirrteil ein Leckerli legen. Oder: Ich sag’s ihm einfach, mein Hund ist superintelligent.
Zensieren Sie sich nicht selbst. Verwerfen Sie keine Lösungen, bloß weil sie unrealistisch sind. Genau das sollen sie ja sein. Wenn Ihnen die Übung komisch vorkommen sollte, trauen Sie Ihrem Gefühl. Sie ist es! Sie eignet sich übrigens ebenfalls hervorragend für langweilige Partys und Familienfeste. Sollten Sie Ihre Lösungen jemandem vortragen wollen, tun Sie es bitte mit sehr ernstem Gesicht. Das erhöht das Amüsement.
Hier noch ein paar andere gewichtige »Probleme«:
Wie schaffe ich es, in drei Monaten Bundespräsident(in) zu werden?
Mit welcher Disziplin komme ich in das Guinnessbuch der Rekorde?
Wie löse ich Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank ab?
Wie gewinne ich Brad Pitt/Angelina Jolie für mich?
Wie werde ich Berater/in von Barack Obama?
Wie bekomme ich mein Haus ans Meer oder das Meer an mein Haus?
Es gibt unendlich viele Fragestellungen, über die Sie sich kreativ Gedanken machen können. Lauschen Sie bei den Antworten ganz genau in sich hinein. Dann hören Sie Ihre Humorsynapsen knallen.
Humor macht das Leben einfacher
Das Leben ist komisch! Darin werden Sie mir vermutlich schon jetzt zustimmen können. Sie haben ja einige Übung, Situationskomik zu entdecken, auf hohem Niveau sinnfrei Sinnvolles zu erschaffen und sich selbst nicht so ernst zu nehmen.
Letzteres heißt natürlich nicht, allen Problemen und Schwierigkeiten mit einem Witz zu begegnen. Nein, dem humorvollen Menschen ist das Leben nicht gleichgültig. Im Gegenteil: Er liebt es mit all seinen Wechselfällen. Er besitzt auch keine Laisser-faire-Einstellung gegenüber seinen eigenen Schwächen. Schon gar nicht verschließt der humorvolle Mensch die Augen vor den Ungerechtigkeiten der Welt. Ganz im Gegenteil: Humor ist ohne Wertvorstellungen nicht denkbar. Humor kann nicht ohne Herzensbildung (ein veralteter Begriff für eine fast ausgestorbene Eigenschaft) existieren. Und Herzensbildung ist ohne Klugheit, Empathie, Wertschätzung und Stil nicht denkbar.
Der humorvolle Mensch ist ein guter Beobachter.

Humorvolle Menschen können erkennen, wer und was hinter dem Offensichtlichen wirkt. Ohne diese Erkenntnisse könnten sie ja gar keinen Humor entwickeln. Humor verrückt (im Wortsinne) den Standpunkt, der Mensch sei Mittelpunkt und Krönung der Schöpfung. Das kann zur leichten Melancholie führen. In meinem Arbeitszimmer hängt ein Bild von unserer Galaxis, der Milchstraße. Unser Sonnensystem und die Erde sind so klein, dass sie auf dem Bild inmitten der anderen Sonnensysteme und Sterne und Planeten nicht zu erkennen sind. Stattdessen prangt dort ein roter Pfeil. Neben ihm steht: »Hier sind wir!« Das ist eine echte Humorperspektive. Und wenn ich das Bild lange genug betrachtet habe, wird das Leben auf einmal viel einfacher.
Zurück auf unserer Erde heißt das Zauberwort Fehlertoleranz. Die Toleranz, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen, sie als Teil der Persönlichkeit zu sehen. Und das nicht nur zähneknirschend. Es heißt auch, den Fehlern anderer mit Nachsicht zu begegnen. Was wiederum nicht bedeutet, dass man alles toleriert, jedem und allem vergibt und verzeiht. Humor ist kraftvoll. Hat Profil. Ist durchaus kämpferisch. Auf keinen Fall für reine Gutmenschen geeignet.
Wer seinen Fehler mit Vernichtungswillen und Selbsthass begegnet, dem gelingt es bestenfalls, sie zu unterdrücken. Dann lauern sie weiter in uns und warten nur darauf, im ungünstigsten Moment wieder hervorzubrechen. Wenn man nun partout die eigenen Fehler nicht positiv umdeuten kann, ist es besser, sich liebevoll mit ihnen anzufreunden. Sie davon zu überzeugen, sich ein wenig zu verändern. Wenn man sie nicht beschimpft, tun sie es auch. Wir leben ein ganzes Leben lang mit uns selbst. Wäre es da nicht besser, sich auch zu mögen?
Hier ein paar kleine Tipps für den Alltag:
Stellen Sie sich Menschen, die Ihnen nicht geheuer sind oder die unfreundlich, unangenehm, arrogant und dominant auftreten, mit einer roten Nase vor. Den wütenden Kollegen, den grantigen Vermieter, den cholerischen Chef. Einfach eine rote Nase aufsetzen. Lassen Sie sie vor Ihrem geistigen Auge weiter wüten, granteln, kollern. Das ist so ungemein komisch, dass Ihr mulmiges Gefühl gleich kleiner wird. Oder wenn Sie mal wieder nicht dazu kommen, irgendetwas Wichtiges zu erledigen, entschuldigen Sie sich einfach mit einem Zettel: »Liebes Badezimmer, ich komme leider heute nicht dazu, dich zu putzen. Ich habe auch keine Lust. Sorry.« Auch das befreit.
Mein Prinzip ist die individuelle Unvollkommenheit. Oder die unvollkommene Individualität. Wie Sie wollen. Dazu gehört die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen und Intuitionen anzuerkennen, auf sie zu hören. Das bedeutet natürlich auch, die Emotionen anderer wahrzunehmen. Emotionale Intelligenz, früher als reine Frauensache abgetan, ist heute eine wichtige Voraussetzung für Teamarbeit, Motivation und Führungsfähigkeit.
Die meisten von uns haben gelernt, die Latte ihrer Ansprüche sehr hoch zu legen. Nur sehr wenigen gelingt es, darüberzuspringen. Gut, ein paar laufen einfach darunter durch. Aber der größere Teil ist kreuzunglücklich, weil er dem Ideal von Perfektion nicht entspricht. Die beste Methode, sich das eigene Selbstwertgefühl und die gute Laune zu verderben, ist der Vergleich. Wir werden das sofort ausprobieren.
Übung 17
Stellen Sie jetzt eine Liste auf, in der Sie beschreiben, was Sie alles im Leben nicht erreicht haben. Um nicht zu sagen, in welchen Bereichen Sie versagt haben.
Und nun schreiben Sie bitte auf, wer aus Ihrem Bekanntenkreis genau das erreicht hat, was Sie sich wünschen. Dokumentieren Sie bitte, wer reicher, schöner, attraktiver, erfolgreicher, glücklicher ist als Sie.
So. Wie fühlen Sie sich? Prima? Man bekommt unweigerlich eine grüne Gesichtsfarbe. Und beschimpft sich dann auch noch für sein Gefühl, weil Neid ganz und gar nicht akzeptabel ist. (Warum eigentlich?)
Ich kenne sehr viele Menschen, die verbissen alles nur Mögliche tun, um auf der Karriereleiter nach oben zu steigen und reich zu werden. Ratgeberliteratur gibt es dazu in Hülle und Fülle. Ich finde es wunderbar, seine Ziele erreichen zu wollen. Ich finde es wunderbar, für seine Ziele zu brennen und viel Einsatz zu zeigen. Noch wunderbarer ist es, seine Ziele tatsächlich zu erreichen. Mit dem, was man sich erträumt hat, auch noch Geld zu verdienen, gleicht einer Reise ins Wunderland. Allerdings müssen die Ziele zur eigenen Person, zu den individuellen Wertvorstellungen, Motivationen, Wünschen, Überzeugungen passen. Glauben Sie mir, ich erhalte nie den Nobelpreis für Mathematik. Hätte ich das erreichen wollen, wären aus mir und allen Mathematikprofessoren dieser Republik unglückliche Menschen geworden.
Folgen Sie Ihrer Intuition und hören Sie auf Ihre Gefühle.

Wer dem Erfolg um des Erfolges willen hinterherrennt, läuft Gefahr, ihn nie einzuholen. Statt sich zu vergleichen, horchen Sie in sich hinein und achten Sie auf Ihre Intuition. Auch dazu im Folgenden direkt eine Übung.
Übung 18
Nehmen Sie einen realen oder virtuellen Zettel und zeichnen Sie zwei Spalten. Auf der linken Seite beschreiben Sie jetzt, was Sie gar nicht mögen. Welche Tätigkeiten und Menschen Sie langweilen, ärgern, unglücklich machen. Welche Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis Sie nicht mehr treffen wollen. Was Sie demotiviert.
In die rechte Spalte schreiben Sie, wer oder was Sie mit tiefer Freude erfüllt. Wen Sie gerne einmal kennenlernen möchten. Was Sie unbedingt noch tun, noch erreichen wollen. Mit wem Sie befreundet sein wollen. Was Ihnen viel Spaß macht. Nehmen Sie Ihre Freude, Ihre Begeisterung, Ihre Leidenschaft, Ihr Lachen als Gradmesser dafür, was und wer Ihnen guttut.
Begeisterung und Freude sind die Garantie für Kreativität, Produktivität, Glück und Humor. Ich kenne alle Einwände von »Das Leben ist kein Wunschkonzert« über »Die Lage ist zu ernst« bis hin zur moralischen Keule »Diese Lebenseinstellung ist egoistisch«. Warum kann es verwerflich sein, glücklich, zufrieden, heiter, gelassen, humorvoll zu leben?
Humor hat Mitgefühl
Der humorvolle Mensch erkennt hinter dem Offensichtlichen das Allzumenschliche. Er weiß, dass die Welt komplex ist. Dass es zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiß viele Schattierungen gibt. Und dass wir Menschen nun mal in Grautönen schimmern.
»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt« (Friedrich Schiller). Die Frage nach der Identifizierung des bösen Nachbarn gestaltet sich außerordentlich schwierig. Zum Beispiel, wenn man in der Deutschen Bundesbahn einen Ruheplatz gebucht hat, aber um sich herum viertelstündlich die Entfernung vom Wunschziel per Handy durchgegeben wird. Man geht als Anfänger ganz selbstverständlich davon aus, im Recht zu sein. Erfahrungsgemäß sehen das die telefonierenden Mitreisenden völlig anders. Die Lösung liegt nahe: Ohrstöpsel und ein MP3-Player. Allerdings werden sich jetzt die Sitznachbarn von den Bässen belästigt fühlen. Was immer wir tun, irgendjemandem wird es nicht gefallen. So bleibt dem humorvollen Menschen gar nichts anderes übrig, als Mitgefühl zu entwickeln. Mit seinen Mitmenschen. Dinge, die man selbst nicht mag, nicht wertschätzt, die man ablehnt, können für einen anderen Menschen eine ganz andere Bedeutung haben.
Der humorvolle Mensch erkennt, was hinter Unfreundlichkeit, Eitelkeit, Ignoranz, Wut, Dominanzverhalten steckt. Sehr oft sind es Befürchtungen aller Art. Das Wissen allein kann schon helfen, ein bisschen großzügiger zu sein. Wenigstens probieren kann man es ja.
Und man darf darauf reagieren. Nur hilft in diesen Fällen die direkte Attacke, die Anklage, der Vorwurf meistens gar nichts. Manchmal ist bei der Lösung ein bisschen Fantasie gefragt. Ich verspreche Ihnen, Sie werden das Verhalten anderer nicht ändern. Sich aber selbst sehr viel besser fühlen. Und darauf kommt es doch an, oder?
Ich habe ziemlich große Angst vor Hunden. Ich jogge gerne. Und Hunde mögen Jogger. Grundsätzlich freut mich das. Aber nicht, wenn mich der Hund mit einem Hasen verwechselt. Versuchen Sie das mal einem Hundehalter zu erklären. Von »Machen Sie mal eine Therapie wegen Ihrer Hundeangst« bis hin zu »Dann dürfen Sie nicht hier laufen« habe ich schon alles gehört. Dahinter steckt natürlich die Befürchtung, dass der Hund in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden könnte. Das kann Verhaltensauffälligkeiten bewirken. Und ich hätte Schuld daran. Mit Wut kommt man hier kein bisschen weiter. Das könnte nämlich den Hund irritieren. Und das wäre nicht gut. Zumindest, wenn er nicht angeleint und ein Rottweiler ist. Ich kenne mittlerweile so ziemlich jeden Hundehalter auf meiner Laufstrecke. Ich spreche mit ihnen. Sage freundlich, dass ihr bildschöner Hund so gut erzogen sei. Ich hätte nämlich eigentlich Angst vor Hunden. Und ob Sie es glauben oder nicht, ich habe neulich sogar einem Riesenschnauzer ein Leckerli geben dürfen. Wir sind beste Freunde. Alle drei. Und ich habe weniger Angst.
Im vorigen Kapitel habe ich Ihnen geraten, einem cholerischen Chef einfach imaginär eine rote Nase aufzusetzen. Das hilft die Balance wieder herzustellen. Nun kommt der nächste Schritt. Warum ist der Chef so cholerisch? Warum brüllt er beim kleinsten Anlass, kann nicht zuhören und macht Ihnen das Leben zu Hölle? Je mehr Sie darauf insistieren, dass er sich einer Führungskraft nicht angemessen verhält, desto mehr schäumt er. Komplett beratungsresistent. Verständlich, wahrscheinlich hat er Angst, nicht anerkannt zu werden. Also bellt er. Diese Erkenntnis macht sein Verhalten nicht besser. Aber es kann die Kommunikation entschärfen. Hören Sie einfach auf, ihn ändern zu wollen. Er hat es mit sich selbst nicht leicht. Sie dagegen schon. Wenn Sie mögen, fragen Sie ihn, ob Sie ein Seminar über emotionale Intelligenz besuchen dürften. Auf Firmenkosten. Und was er davon hielte.
Warum zickt eine Kollegin Sie ständig an? Zicken ist nun wirklich kein Zeichen von Souveränität. Es hat etwas vom Verhalten eines kleinen, ewig kläffenden Rehpinschers. Tja, wenn man so klein ist, muss man sich eben irgendwie Gehör verschaffen. Wenn Sie sich unbedingt wehren wollen, schenken Sie ihr einen kleinen Stoffhund. Mit einem Lächeln: »Er hat mich irgendwie an dich erinnert.«
Das Gleiche gilt für Fahrradfahrer, die einen auf dem Gehweg wegklingeln und pampig werden, wenn man ihnen zu erklären versucht, dass sie sich auf einem Gehweg für Fußgänger befinden. Neulich fragte mich einer: »Wo soll ich denn fahren? Etwa auf der Straße?« Ich lächelte ihn an und sagte: »Oh, auf die Lösung wäre ich jetzt nicht gekommen.« Er wird mit Sicherheit sein Verhalten nicht ändern. Was für den Fußgänger der Radfahrer ist, ist für den Radfahrer der Autofahrer. Wer auf dem Rad sitzt, will nicht überfahren werden. Und übersieht dabei, dass es der Fußgänger auch nicht will. Zur Not könnte man sich zum Beispiel einen Zettel auf den Rücken an die Jacke kleben, auf dem steht »I like Radfahrer. Fast überall«.
Humor schärft den Blick
Der humorvolle Mensch hat Spaß, denkt schneller und hat Mitgefühl. Er lässt sich ungern ein »X« für ein »U« vormachen. Neugierig beobachtet er das Treiben der Menschen (und seines dazu) und entdeckt oft, was hinter dem Augenfälligen steckt. Das schärft den Blick für Ungereimtheiten und Widersprüche. Dafür braucht man viel Humor. Andererseits entdeckt man auch ein unerschöpfliches Humorreservoir.
Notieren Sie einmal spaßeshalber, welche Klischees, Vorurteile, Meinungen sich in Ihrer Umgebung so tummeln. Das ist ausgesprochen erhellend. Und versuchen Sie dann die Widersprüche, Ungereimtheiten, Unwahrheiten hinter all dem zu entdecken. Mit Humor, versteht sich. Die Pointe ergibt sich meistens ganz von allein.
Hier einige Beispiele:
Models müssen dünn sein. Viel dünner als die Durchschnittsfrau. Und das hat auch einen guten Grund: An Menschen ohne nennenswerten Rundungen sehen praktisch alle noch so abstrusen Kreationen halbwegs gut aus. Sagen die meistens männlichen Designer, deren erotischer Hang zu Frauen in den meisten Fällen eher marginal ist.
Männer sind nicht »multitaskingfähig«. Stimmt genau. Frauen betrachten dies selbstverständlich als Mangel. Während Männer argumentieren, dass die mangelnde Multitaskingfähigkeit der Grund dafür sei, dass sie besser und konzentrierter arbeiten und denken könnten. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Gehirnforschung bezweifelt allerdings mittlerweile, dass es Multitaskingfähigkeit überhaupt gibt. Sie vermutet eine Konzentrationsschwäche. Manche Menschen seien allerdings in der Lage, sehr schnell zwei Dinge hintereinander zu erledigen. Sodass es nur aussähe, als geschähe es gleichzeitig!1
Spinat ist gesund. Ich bin als Baby wie viele andere mit Spinat gefüttert worden, weil der angeblich so viel Eisen enthalten sollte. Ich habe Spinat gehasst! Dass sich jemand bei der Mengenangabe des Eisens im Spinat in der Kommastelle geirrt hatte, wusste man damals nicht!
Fußball ist Männersache. Fußballerinnen werden in den Fankurven dieser Welt nicht sonderlich ernst genommen. Auch wenn die deutsche Frauenfußballmannschaft mittlerweile schon zweimal Weltmeister geworden ist; die Herren dagegen lediglich zweimal Dritter. Wie Lukas Podolski dazu im Fernsehen intelligent und sinngemäß anmerkte: »Die spielen ja nur gegen Mädchen.« Ach, deshalb! Bundeskanzlerin Angela Merkel bewies in ihrer Neujahrsansprache 2006 dagegen staubtrockenen Humor. Sie wollte unsere männliche Fußballnationalmannschaft anfeuern. Und sprach in ihrer Neujahrsansprache 2006 folgende denkwürdigen Sätze: »Natürlich drücken wir unserer Mannschaft die Daumen, und ich glaube, die Chancen sind gar nicht schlecht. Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.« Großartig.
Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Deshalb wimmelt es ja auch nur so von weiblichen Topmanagern. Und Männern, die freiwillig Erziehungsurlaub nehmen. Wissen Sie, dass in Berufen, in denen mehr Frauen arbeiten, die Reputation des Berufes und der Verdienst sinken? Kennen Sie viele Grundschullehrer, Krankenpfleger, Kindergärtner oder männliche medizinisch-technische Assistenten? Man nennt diese Berufe auch Sackgassenberufe. Das bedeutet: Hier endet der Weg in die »richtige« Karriere. Ich mache mir nun sehr große Sorgen um die Zukunft des Bundeskanzleramtes. Ich vermute dringend, dass jetzt kein Mann mehr dieses Amt haben möchte. Nach Frau Merkel.
Frauen, die ihre Kinder in Kindertagesstätten geben oder sich eine Tagesmutter leisten, sind »Rabenmütter«. Weil sie arbeiten wollen. In Frankreich gibt es den Begriff gar nicht. Dafür gibt es ausreichend Kinderkrippen. Raben sind übrigens ganz ausgezeichnete Mütter.
Unser Wirtschaftssystem funktioniert nach dem Höher-weiterschneller-mehr-Prinzip und unser Gesellschaftssystem auch. Mehr Macht, mehr, Geld, mehr Ressourcen. Als humorvolle Person kommt man nicht umhin, mit einem lachenden und einem weinenden Auge zuzugeben: Der Wettbewerb, das Gewinnenwollen liegt im menschlichen Wesen. Dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden. Allerdings braucht das Höher-weiter-schneller-mehr-Prinzip den Kampf. »Wettbewerb« ist ein Euphemismus. Er geht davon aus, dass der Markt begrenzt ist, dass viele Konkurrenten aus dem Feld geschlagen werden müssen und dass da oben nur Platz für sehr wenige ist. The winner takes it all. Das ist in einem Löwenrudel auch nicht anders. Das Prinzip basiert also auf einer Haltung des Mangels. Das heißt, wir, die wir nicht zur Upperclass gehören, haben Mängel und Defizite, die behoben werden müssen. Ganze Branchen leben davon. Wie zum Beispiel die Klatschpresse. Sie hält uns die beispiellosen Karrieren von Stars, Sternchen, Adeligen und Wirtschaftsmagnaten vor wie einem Esel die Möhre. Und wir rennen. Zum nächsten Autohändler und kaufen uns einen Porsche. Oder einen Schönheitschirurgen. Wenn das nicht ins Budget passt, dann wenigstens die Kosmetik, die uns 20 Jahre jünger macht. Oder einen jüngeren Partner. Oder Schuhe. (Ich habe mir gestern einen sündhaft teuren Pulli gekauft. Sündhaft, sage ich Ihnen.)
Der humorvolle Mensch ist natürlich nicht immun gegenüber diesen Verlockungen. Er ist halt auch nur ein Mensch. Aber er hat einen wachen Blick und sieht die Widersprüche in unserer Gesellschaft. Er kann über sie lächeln und manchmal auch laut lachen. Auch darüber, dass er das Spiel mitspielt. Das macht ihn ein bisschen unabhängiger.
Humor macht Sie beliebt
Wer andere zum Lächeln, Lachen oder Schmunzeln bringt, schenkt ihnen ein bisschen Glück. Wen aber mag der glückliche Mensch am allerliebsten? Natürlich den, der ihn glücklich gemacht hat. Das kann die Lottofee oder der Weihnachtsmann sein. Oder der humorvolle Mitmensch. Und Letzteren trifft man öfter als einmal im Jahr.
Humor schafft ein Wir-Gefühl.

Zusammen lachen verbindet. Das können Sie bei allen Veranstaltungen beobachten, auf denen Komiker auftreten. Wer Menschen zum Lachen bringt, sei es in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf oder einfach nur in der Straßenbahn, schafft eine Verbindung zwischen ihnen. Mit einem Lachen über dasselbe Bonmot kann man mehr Gemeinsamkeit erzeugen als mit der bloßen Tatsache, sich am gleichen Ort oder im gleichen Unternehmen zu befinden.
Nur der, der lachend seine Grenzen erkennt, kann sie erweitern.

Wie kommt das? Humor bezieht sich immer auf das Menschliche. Humor enthüllt das, was hinter unseren Fassaden steckt. Unsere Ängste und unsere Schwächen. Aber Humor denunziert nicht. Zumindest nicht der Humor, von dem ich spreche. Ihm gelingt es sogar, unser Versagen zu einem kollektiven Lacherlebnis zu gestalten. Kennen Sie das Theaterstück »Caveman«? Es spielt unnachahmlich mit den Klischees von weiblichem und männlichem Verhalten in Beziehungen. Die Zuschauer erkennen sich wieder und lachen gemeinsam über die eigenen Fehler. Humor bewirkt so mehr als jeder Appell mit erhobenem Zeigefinger.
Viele Menschen haben Angst vor Nähe, weil die verletzlich macht. Der humorvolle Mensch schafft Nähe und Angstfreiheit zugleich. Humor braucht die Nähe, das »Wir«. Er schafft eine entspannte Atmosphäre. Menschen, denen das gelingt, sind beliebt. Man möchte sie um sich haben. In der Familie, im Freundeskreis, im Beruf.
Übung 19
Bereiten Sie Menschen in Ihrem Umfeld eine Freude. Zaubern Sie ein Lächeln auf ihre Gesichter. Mit kleinen Gesten, wenigen Worten. Bieten Sie in der U-Bahn Ihren Sitzplatz an. Lassen Sie jemandem an der Supermarktkasse den Vortritt. Heben Sie etwas auf, was Ihrem Nachbarn heruntergefallen ist. Grüßen Sie am Morgen Ihre Kollegen ganz besonders charmant mit einem Lächeln. Wünschen Sie anstatt dem hingeschleuderten, wenig wertschätzenden »Mahlzeit« Ihrem Tischnachbarn einen wirklich guten Appetit. Lächeln Sie Menschen an. Nicht mit dem unechten Lächeln, das der gesellschaftlichen Gepflogenheit entspringt. Nicht mit dem Konfliktvermeidungs-Lächeln, das Frauen anerzogen wird. Nein, lächeln Sie auf Augenhöhe, zeigen Sie Zähne. Das signalisiert Selbstbewusstsein und echte Anteilnahme zugleich. Eine unwiderstehliche Mischung! Strahlen Sie einfach hemmungslos Fußgänger an. Trauen Sie sich! Sie glauben nicht, wie sehr das Ihr Leben verändert. Es stimmt: Wer andere glücklich macht, macht sich selbst glücklich. Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie angelächelt werden. Es gibt allerdings einige wenige, die so viel Freundlichkeit mit Misstrauen begegnen. Lassen Sie sich nicht abschrecken.
Wir Deutsche sind nicht gerade Weltmeister im Loben. Hier gilt, wenn keiner kritisiert, ist das schon Lob genug. Nur leider ist diese Einstellung so gar nicht motivierend. Viele Menschen glauben, sie würden sich etwas vergeben, wenn sie loben. Wer lobt, würde nicht respektiert. Kritik verschaffe einem einen hohen Status. Das stimmt! Aber Kritik ist nichts anderes als etwas oder jemanden zu bewerten. Positiv oder negativ. Also besitzt der, der lobt, ebenfalls einen hohen Status, wird respektiert und darüber hinaus auch noch gemocht. Denn Menschen hören Lob sehr gerne. Wirklich schade, dass es in Deutschland keine Lob-Kultur gibt. Bis jetzt! Denn nun kommen Sie!
Übung 20
Loben Sie die Menschen in Ihrer Umgebung! Gehen Sie zu Ihrem Bäcker und erklären Sie ihm mit einem Lächeln, wie unglaublich lecker Sie seine Brötchen finden.
Loben Sie Ihre Kollegen, zum Beispiel mit dem Satz: »Ich finde es wirklich bewundernswert, wie Sie auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.«
Sie können auch Ihren Partner, Ihre Ehefrau, Freunde und Kinder loben.
Übung 21
Loben Sie wildfremde Menschen! Gut, das erfordert noch mehr Mut. Sagen Sie jemandem auf der Straße, was Ihnen an ihm besonders gut gefällt: »Sie haben einen wunderschönen Pulli an« oder »Wow, was für Lippenstift!«. Es gibt so vieles, was uns an anderen gefällt.
Bringen Sie Ihre Mitmenschen zum Lachen. Am Anfang versuchen Sie es erst einmal aus dem Tiefstatus heraus – das ist einfacher. Kurze Erklärung: Humor und Komik funktionieren entweder aus einem Hochstatus oder einem Tiefstatus heraus. Eckhard von Hirschhausen agiert als ehemaliger Mediziner aus einem Hochstatus heraus. Er teilt seinen Zuschauern sein Wissen mit, möglichst komisch natürlich. Die Comedy-Figur Cindy von Marzahn ist ein wandelnder Tiefstatus: bildungsfern, arbeitslos, fett. Sie erzählt von ihrem Scheitern.
Man kann Hochstatus und Tiefstatus auch mischen. Meine Kabarettfigur Margot Wohlfahrt-Jobben ist die Beraterin der Großen aus Wirtschaft, Politik und Showbiz. »Worldwide.« Von Helmut Kohl, Heidi Klum, Barack Obama, Angela Merkel, Joseph Ackermann, Carsten Maschmeyer bis hin zu Jogi Löw hat sie jeden gecoacht. Also: Hochstatus! Sie ist Geschäftsführerin der Consulting & Cleaning GmbH. Denn Margot hat ihre beispiellose Karriere als Putzfrau in den Toiletten des Deutschen Bundestags in Bonn begonnen. Das ist nun wirklich Tiefstatus! Sie behauptet übrigens, sie hätte dort einen Riecher für die Wirtschaft und die Politik entwickelt.
Übung 22
Erzählen Sie Ihren Mitmenschen also, was Ihnen misslungen oder Furchtbares begegnet ist. Humorvoll natürlich und selbstironisch. Menschen lachen gerne über das Scheitern anderer. Keine Angst, Sie verlieren dabei nicht an Respekt. Sie gewinnen Respekt. Weil Sie anderen erlauben, über Sie zu lachen. Es macht Menschen sympathisch, wenn sie Fehler zugeben. Und es beweist trotzdem Stärke. Ein Mensch, der Fehler zugeben kann, dem billigt man ein sehr großes Selbstbewusstsein zu. Hochstatus also, obwohl er aus dem Tiefstatus heraus erzählt.
Sie können also zwischen Hoch- und Tiefstatus wechseln. Wer Missgeschicke über andere erzählt, befindet sich allerdings immer im Hochstatus.
Sie werden sehen, wie sehr Sie die Menschen amüsieren. Sie haben ja jetzt schon ein beachtliches Repertoire an Situationskomik und komischen Geschichten gesammelt. Hier kommt meine: Gestern (wirklich) erhielt ich einen Anruf einer Agentur. Am Ende des Telefonats wollte die freundliche Dame meine Kontaktdaten abgleichen. Mein Firmenname lautet: Jumi Vogler, Unternehmenskabarett Potenzialentwicklung. Sie las: Jumi Vogler, Unternehmenskabarett Porzellanentwicklung. Porzellanentwicklung? Ich war kurz davor zu sagen: »Hallo, Humor ist mein Metier!« Porzellan entwickle ich wirklich eher selten. Leider war ich nicht in der Lage, das Missverständnis sofort aufzuklären. Ich konnte nämlich nicht sprechen. Vor lauter Lachen. Als ich abends einer Geschäftsfreundin diese Geschichte erzählte, machte sie folgende denkwürdige Bemerkung: »Wenn Sie also feststellen, dass Sie nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, können Sie einfach selbst welche brennen.« Wunderbar, oder?
Mit Humor können Sie peinliche und verkrampfte Situationen entspannen. Ihre Mitmenschen werden Ihnen dankbar sein. Es genügt, die Situation anzusprechen, mit einem Lächeln natürlich, und schon entkrampft sich die Atmosphäre.
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf irgendeiner Veranstaltung eingeladen, auf der Sie niemanden kennen. Sie stehen an einem dieser furchtbaren Bistrotische. Um Sie herum fünf Personen, die sich ebenfalls noch nie gesehen haben. Niemand sagt etwas. Betretenes Schweigen. Die Augen wandern an die Decke, um die Wandfarbe zu inspizieren. Sie aber schauen alle mit einem Lächeln an und bemerken: »Finden Sie das auch so unangenehm? Niemand kennt jemanden und keiner traut sich etwas zu sagen. Ich breche mal das Schweigegelübde, mein Name ist …« Nun erzählen Sie, warum Sie bei dieser Veranstaltung sind und fragen Ihre Tischnachbarn nach deren Gründen. Schon ist der schönste Small Talk im Gange und vielleicht haben Sie mit der einen oder anderen Person noch nach der Veranstaltung Kontakt. Man trifft sich immer zweimal.
Humor macht nicht nur beliebt, sondern auch attraktiv für das andere Geschlecht.

Frauen sind in einer Studie befragt worden, welchen Mann sie bevorzugen würden. Den mit Geld und Macht? Oder den mit einem attraktiven Gesicht und Körper? Oder den mit Humor? Selbstverständlich haben die Frauen geantwortet »Den mit Humor«. Die gleiche Frage wurde den Herren der Schöpfung vorgelegt. Sie ahnen es schon? Nein, Sie ahnen es nicht! Die haben nämlich dasselbe geantwortet. Sie würden eine Frau mit Humor bevorzugen. Geschwindelt? Nein. Denn Männer verstehen unter einer Frau mit Humor eine Frau, die über deren Witze lacht!
Frauen mögen also Männer mit Humor. Und wenn sein Humor noch ausbaufähig ist, loben Sie ihn einfach. Erzählen Sie ihm, welch wundervollen Humor er sein Eigen nenne. Männer sind sehr empfänglich für Lob. Er wird sofort versuchen, sich zu steigern.
Mögen denn nun auch Männer Frauen mit Humor? Jawohl! Humorvolle Frauen haben wie humorvolle Männer Ausstrahlung und Charisma. Sie sind offen und lachen gerne. Sie sind nahbar und nicht arrogant. Und deshalb sehr anziehend. Allerdings würde ich nicht empfehlen, den betreffenden Herren Bonmots oder Witze über männliche Schwächen zu erzählen. Männer finden es nicht komisch, wenn diese Witze aus dem Mund einer Frau kommen. Sie wollen doch bewundert werden.
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