Kitabı oku: «EKG-Grundlagenwissen»

Der Autor

Jürgen Köhler ist Krankenpfleger mit der Fach-Weiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege sowie Pflegeexperte für Chest Pain Unit. Er ist in der Intensivpflege im Siloah St. Trudpert Klinikum und als Rettungsassistent in Pforzheim tätig. 2010 wurde ihm dort die Leitung der Intermediate Care Station mit integrierter Chest Pain Unit übertragen.
Danksagung
Einen ganz besonderen Dank möchte ich meiner Lektorin, Alexandra Schierock, aussprechen. Deine motivierenden Worte und Deine unendliche Geduld während der zum Teil sehr schweren Corona-Wellen 1–3 gaben mir immer wieder Mut, Kraft und Motivation für dieses Buchprojekt.
Widmung
Das Buch widme ich meiner Familie, welche mir in den vergangen Monaten auf besondere Art und Weise zur Seite standen. Ich liebe Euch
Simone, Joshua, Aaron und Elias
Jürgen Köhler
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039578-7
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-039579-4
epub: ISBN 978-3-17-039580-0
Vorwort
Lange habe ich mich mit dem Gedanken befasst, ein EKG-Buch zu schreiben, habe aber diesen Gedanken immer wieder zur Seite geschoben, denn »… schon wieder ein EKG-Buch, davon gibt es inzwischen so viele, dass man den Markt gar nicht mehr überblicken kann.« Was mir jedoch bei der Vielzahl an EKG-Büchern aufgefallen ist: Das Lesen und Interpretieren des Monitor-EKG wird in diesen Büchern regelmäßig außer Acht gelassen. Dabei ist es doch genau DAS, was die Pflegefachmänner und -frauen in den verschiedensten Monitorstationen und Überwachungsbereichen dringend benötigen.
Als Pflegekräfte sind wir rund um die Uhr am Patientenbett, haben dabei nicht nur den Patienten1, sondern auch den Überwachungsmonitor stets im Blick. Kommt es jetzt zu EKG-Veränderungen oder Rhythmusstörungen, müssen wir aufgrund des Monitor-EKG die nächsten Maßnahmen einleiten. Darum ist es wichtig, dass die Interpretation des EKG am Überwachungsmonitor beherrscht wird und zwar noch vor dem Beherrschen des auf Papier geschriebenen 12-Kanal-EKG.
Dieses Buch soll nun also genau diese Lücke schließen. Ganz bewusst wird hier auf die Interpretation und Befundung eines 12-Kanal-EKG verzichtet.
Anmerkung:
Die in diesem Buch abgebildeten EKG-Streifen sind Original-EKG -Ausdrucke mit z. T. nicht skalierten Rastern. Weshalb dann auf diesen Streifen eine genaue Frequenzberechnung usw. NICHT möglich ist.
Sollten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, nach der Lektüre und Verinnerlichung dieses Buches Lust auf die Befundung eines »großen« EKG haben, dann empfehle ich Ihnen das Buch »Chest Pain Unit«, welches ebenfalls im Kohlhammer Verlag erschienen ist.
| Juni 2021 | Jürgen Köhler |
1 Wenn bei bestimmten Begriffen, die sich auf Personengruppen beziehen, nur die männliche Form gewählt wurde, so ist dies nicht geschlechtsspezifisch gemeint, sondern geschah ausschließlich aus Gründen der Lesbarkeit.
Inhalt
1 Vorwort
2 Abkürzungsverzeichnis
3 1 Einleitung
4 2 Herz
5 2.1 Anatomische Lage
6 2.2 Größe und Gewicht
7 2.3 Die Wandschichten des Herzens von innen nach außen
8 2.3.1 Das Endokard
9 2.3.2 Das Myokard
10 2.3.3 Das Epikard
11 2.3.4 Das Perikard
12 2.4 Die Blutversorgung des Herzens
13 2.5 Der Blutkreislauf
14 2.5.1 Der kleine Blutkreislauf
15 2.5.2 Der große Blutkreislauf
16 2.6 Das vegetative Nervensystem im Herzen
17 2.7 Das Reizleitungssystem
18 2.7.1 Das Ruhe- und Aktionspotenzial am Herzen
19 2.7.2 Schrittmacherzellen in Aktion
20 2.7.3 Die Refraktärzeit und vulnerable Phase des Herzens
21 2.8 Der Herzzyklus
22 2.8.1 Kammersystole
23 2.8.2 Kammerdiastole
24 2.8.3 Vorhofsystole
25 3 EKG
26 3.1 Grundlagen
27 3.1.1 Die Zacken und Wellen im EKG
28 3.1.2 Das physiologische Reizleitungssystem im Herzen
29 3.1.3 Die Null- oder Referenzlinie
30 3.1.4 Berechnung der Herzfrequenz
31 3.2 Vorbereiten des Patienten zur EKG-Überwachung
32 3.2.1 Vorbereitung der Haut für die EKG-Überwachung
33 3.2.2 Anschließen der EKG-Überwachungskabel
34 3.3 Auswahl der primären und sekundären EKG-Ableitung
35 3.3.1 Monitore mit 3-EKG-Überwachungskabel
36 3.3.2 Monitore mit 4-EKG-Überwachungskabel
37 3.3.3 Monitore mit 5-EKG-Überwachungskabel
38 3.3.4 Monitore mit dem EASI-Ableitungssystem
39 3.4 EKG-Ableitungen
40 3.4.1 Die Ableitungen zur EKG-Diagnostik
41 3.4.2 Die Ableitungen am Monitor-Überwachungs-EKG
42 3.4.3 Die EASI-Ableitung
43 4 Die unterschiedlichen Rhythmen im EKG
44 4.1 Die Rhythmusanalyse
45 4.2 Der Sinusrhythmus
46 4.3 Herzrhythmusstörungen
47 4.3.1 Ursachen der Herzrhythmusstörungen
48 4.4 Formen der Herzrhythmusstörungen
49 4.4.1 Sinusbradykardie
50 4.4.2 Sinustachykardie
51 4.4.3 Vorhofflattern
52 4.4.4 Vorhofflimmern
53 4.4.5 AV-Block
54 4.4.6 Extrasystolen
55 4.4.7 Kammertachykardie, Ventrikeltachykardie, VT
56 4.4.8 Torsade-de-Pointes
57 4.4.9 Kammerflimmern/-flattern
58 4.4.10 Asystolie
59 4.4.11 Pulslose elektrische Aktivität (PEA)
60 4.5 Das Infarkt-EKG
61 4.5.1 Die Q-Zacke
62 4.5.2 Die ST-Streckenveränderung
63 4.5.3 Die T-Welle
64 4.5.4 EKG-Veränderungen entsprechend den Stadien des Myokardinfarkts
65 4.6 Lokalisation des Infarkts
66 4.7 Die Nehb-Ableitungen bei der Infarktdiagnostik
67 5 Herzschrittmacher
68 5.1 Herzschrittmacherimplantation
69 5.2 Herzschrittmachersysteme
70 5.2.1 Einkammersystem
71 5.2.2 Zweikammersystem
72 5.2.3 Dreikammersystem
73 6 Monitoreinstellung und Verhalten der Pflegekraft bei Monitoralarmen
74 6.1 Monitor-Grundeinstellungen und Modifikationen
75 6.2 Der PDCA-Zyklus im Rahmen der Monitorüberwachung
76 6.2.1 Vorgehensweise gemäß dem PDCA-Zyklus bei Monitoralarmen
77 7 Technische EKG-Störungen und Fehlerquellen erkennen und beseitigen
78 7.1 Vorhandene Grundlinie aber ohne EKG-Bild
79 7.2 Die Amplitude der QRS-Komplexe ist zu klein
80 7.3 Wechselspannung
81 7.4 Muskelzittern
82 7.5 Intermittierende Signalabbrüche
83 7.6 Kein EKG-Signal
84 7.7 Verpolte Ableitungen
85 7.8 Wandernde Grundlinie
86 8 Physiologische Alarmmeldungen erkennen und interpretieren
87 9 Begriffserklärungen/Wörterbuch
88 10 Tipps zum effektiven Lernen
89 11 Fragensammlung
90 12 EKG-Übungsbeispiele
91 12.1 EKG-Übungsbeispiele – Lösungen
92 Literaturverzeichnis
93 Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis
| A | Arterie |
| Aa. | Arteriae |
| ACS | Akutes Koronar Syndrom |
| AF | Atemfrequenz |
| AP | Angina pectoris |
| aVR | augmented (= verstärkt) Voltage (= elektrische Spannung) Rechter Arm |
| aVL | augmented (= verstärkt) Voltage (= elektrische Spannung) Linker Arm |
| aVF | augmented (= verstärkt) Voltage (= elektrische Spannung) Fuß |
| bpm | beats per minute |
| ca. | cirka |
| CCU | Cardiac Care Unit (Herzeinheit) |
| CPU | Chest Pain Unit |
| CVRF | Kardio Vaskuläre Risikofaktoren |
| EKG | Elektrokardiogramm/Elektrokardiographie |
| GKP | Gesundheits- und Krankenpflege |
| HRST | Herzrhythmusstörungen |
| i. d. R. | in der Regel |
| IMC | Intermediate Care (-Station) |
| ITS | Intensivstation |
| KG | Körpergewicht |
| KHK | Koronare Herzkrankheit |
| Lat. | lateinisch |
| msec. | Millisekunde |
| mV. | Millivolt |
| NSTEMI | Non-ST-Elevation Myocardial Infarction |
| o. ä. | oder ähnlich |
| RR | Blutdruck (nach Riva-Rocci) |
| SHT | Schädel-Hirn-Trauma |
| SpO2 | pulsoxymetrisch (bzw. peripher) gemessene Sauerstoffsättigung |
| STEMI | ST-Elevation Myocardial Infarction |
| SVES | Supraventrikuläre Extrasystolen |
| TAA | Tachyarrhythmia absoluta |
| u. U. | unter Umständen |
| V. | Vena |
| Vv. | Venae |
| VES | Ventrikuläre Extrasystolen |
| z. B. | zum Beispiel |
| ZNA | Zentrale Notaufnahme |
1 Einleitung
Damit man das EKG verstehen und interpretieren kann, ist es zunächst einmal wichtig, die anatomischen Strukturen und physiologischen Abläufe zu verstehen. Denn nur wenn man die einzelnen »Wellen« und »Zacken« der Anatomie des Herzens zuordnen kann, kann man die im EKG auftretenden Veränderungen entsprechend werten. Darum ist es unabdingbar, sich mit der Anatomie und Physiologie des Herzens zu beschäftigen.
Weiterhin sollte auch das Anbringen der EKG-Elektroden bedacht werden, denn ein völlig planloses Anbringen der Kabel am Patienten führt nicht selten zur Verpolung, sodass – je nach Anspruch des Betrachters – so gut wie keine Aussage über die elektrische Funktion des Herzens getroffen werden kann.
2 Herz
Das Herz (lat. Cor) ist ein muskuläres Hohlorgan und ist sozusagen der »Motor« des Lebens der Menschen (und der Tiere). Es wird durch die Herzscheidewand (Septum cardiale) in eine rechte und linke Hälfte getrennt. Beide Herzhälften werden jeweils wiederum in Vorhof (Atrium) und Herzkammer (Ventrikel) unterteilt (
Abb. 1). Gemeinsam mit den Arterien und Venen bildet dieser »Motor« das Herzkreislaufsystem. Wobei das rechte Herz für den »kleinen« bzw. Lungenkreislauf und somit für den Gasaustausch in den Alveolen zuständig ist, während das linke Herz für den »großen« bzw. Körperkreislauf und somit die Organdurchblutung verantwortlich ist.

Abb. 1: Das Herz im Querschnitt, mit freundlicher Genehmigung der SERVIER Deutschland GmbH
Dabei pumpt das rechte Herz sauerstoffarmes Blut in die Lungen, wo es dort in den Alveolen mit Sauerstoff »beladen« wird, um es dann über das linke Herz in den Körperkreislauf zu den Organen und Muskeln zu pumpen.
2.1 Anatomische Lage
Das Herz befindet sich im Mediastinum (»Mittelfellraum«), auf Höhe der 4. bis 8. Rippe zwischen der Wirbelsäule und dem Sternum sowie zwischen den beiden Lungenflügeln. Dabei ist es jedoch nicht mittig im Thorax angelegt, sondern eher nach links ausgerichtet. Es liegt zu 1/3 in der rechten und zu 2/3 in der linken Thoraxhälfte. Seine Ausdehnung erstreckt sich hier bis zur linken Medioklavikularlinie, also einer imaginären, senkrechten Linie vom Schlüsselbein nach unten. Die untere Grenze ist das Zwerchfell, auf dem das Herz teilweise aufsitzt.
Die Herzspitze berührt die Brustwand im 5. ICR und ist hier in der Kontraktionsphase tastbar (Herzspitzenstoß).
2.2 Größe und Gewicht
Das gesunde Herz eines erwachsenen Menschen ist in etwa so groß wie seine geschlossene Faust, wobei bei trainierten Sportlern, insbesondere bei Leistungssportlern eine physiologische Hypertrophy bis zu der Größe von 1,5 geschlossenen Fäusten erkennbar ist.
Abhängig von Geschlecht, Körpergewicht, Alter und Trainingszustand wiegt das Herz
• bei Frauen ca. 280–300 gr.
• bei Männern ca. 320–350 gr.
Als kritisch wird ein Gewicht von ca. 500 gr. eingestuft, da dann die Sauerstoffversorgung des Myokards, aufgrund des nicht ausreichenden Blutflusses, vermindert wird.
2.3 Die Wandschichten des Herzens von innen nach außen
Die Wand des Herzens besteht aus insgesamt drei unterschiedlich starken Schichten:
• Die Herzinnenhaut (das Endokard)
• Der Herzmuskel (das Myokard)
• Die Herzaußenhaut (das Epikard)
Das Epikard bildet gemeinsam mit dem Perikard den Herzbeutel, welcher die anatomische Abgrenzung zu den Mediastinalorganen (Trachea, Ösophagus, Thymusdrüse) bildet.
2.3.1 Das Endokard
Das Endokard ist die innerste der drei Schichten der Herzwand. Sie besteht aus einer glatten Endothelhaut, elastischen Fasern und Bindegewebe. Es ist ungefähr 0,5–1,0 mm dick und kleidet den Raum im Herzinneren vollständig aus.
2.3.2 Das Myokard
Das Myokard ist der eigentliche Herzmuskel, welcher aus glatter und quergestreifter Muskulatur besteht. Das Myokard ist für das typische Aussehen des Herzens verantwortlich. In dieser Schicht sind die Erregungs- und Überleitungsbahnen gelagert, welche für die Funktion des Herzens verantwortlich sind.
2.3.3 Das Epikard
Das Epikard bildet die Außenhaut des Herzens und ist fest mit dem Myokard verwachsen. Weiterhin ist es auch das viszerale Blatt (Lamina visceralis) des Herzbeutels (Perikard). Es besteht aus einem einschichtigen Plattenepithel sowie einer subserösen Schicht aus Fett und Bindegewebe, in welchem die größeren Koronargefäße eingelagert sind.
Das Epikard produziert, in geringen Mengen, eine spezielle Flüssigkeit, den Liquor pericardii, welche den Raum zwischen dem viszeralen und dem parietalen Blatt des Herzbeutels befeuchtet. Das Liquor pericardii reduziert die Reibung zwischen den beiden Perikard-Blättern und gewährleistet dadurch die Beweglichkeit des Herzens im Herzbeutel.
2.3.4 Das Perikard
Das Perikard ist die äußere Wand des Herzbeutels. Es besteht aus einer groben Bindegewebs- und Fettschicht. Das Perikard ist mit den Pleuren der Lunge und dem Zwerchfell verwachsen, wodurch die anatomische Lage des Herzens im Thorax fixiert ist.
2.4 Die Blutversorgung des Herzens
Wie jedes andere Organ des Körpers, wird auch das Herz mit Blut und somit mit lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt. Dies erfolgt über die sogenannten Herzkranzgefäße, welche kranzförmig um das Herz herum angelegt sind. Dabei unterscheidet man zwei Arten der Koronargefäße, nämlich die Herzkranzarterien (Aa. coronariae) und die Herzkranzvenen (Vv. cordis).

Abb. 2: Herz-Vorderansicht, mit freundlicher Genehmigung der SERVIER Deutschland GmbH
Die Herzkranzarterien entspringen unmittelbar oberhalb der Aortenklappe aus der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens) und verlaufen mit ihren größeren Ästen auf dem Herzmuskel, um dann mit ihren Endaufzweigungen von außen in das Myokard einzutauchen.
Obwohl die Koronararterien aus der Aorta entspringen, werden sie nicht in der Systole, sondern nach dem die Aortenklappe geschlossen ist, also in der Diastole, durchblutet. Die Muskelkontraktion der Ventrikel sorgt in der Systole für die Entleerung der Koronararterien.

Abb. 3: Herz-Hinteransicht, mit freundlicher Genehmigung der SERVIER Deutschland GmbH
2.5 Der Blutkreislauf
Das Myokard sorgt dafür, dass das Blut kontinuierlich in alle Regionen des Körpers gelangt. Dazu schlägt das Herz durchschnittlich 70 bis 80 Mal pro Minute und pumpt in dieser Zeit vier bis sechs Liter Blut durch das Gefäßsystem. Dies entspricht ca. 360 Liter pro Stunde bzw. 8.640 Liter pro Tag. Durch seine beiden synchron arbeitenden Pumpen, dem rechten und dem linken Ventrikel, pumpt das Herz Blut gleichzeitig in die Lungen (sauerstoffarmes Blut) und in die restlichen Organe sowie die Extremitäten (sauerstoffreiches Blut).
Funktionell wird der Blutkreislauf darum in zwei verschiedene Teilkreisläufe differenziert:
• Der kleine Blutkreislauf.
• Der große Blutkreislauf.
2.5.1 Der kleine Blutkreislauf
Der kleine Blutkreislauf beschreibt den Weg des Blutes vom Eintritt in das rechte Herz, bis zum Austritt aus dem linken Herzen in den großen Blutkreislauf hinein.
Das sauerstoffarme Blut strömt über die V. cava superior (obere Hohlvene) und die V. cava inferior (untere Hohlvene) in den rechten Vorhof. Von dort fließt es durch die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer. Von der rechten Kammer aus wird das Blut dann durch die Pulmonalklappe in die A. pulmonalis (Lungenarterie) gepresst, um es dann in den Arteriolen dem Gasaustausch zuzuführen. Hier wird dem Blut über die kleinsten Lungenbläschen, den Alveolen, Sauerstoff zugeführt und »Abfallprodukte«, wie z. B. Kohlendioxid, dem Blut entzogen. Über die Venolen führt dann der Weg des sauerstoffreichen Blutes in die vier Vv. pulmonales (Lungenvene) in den linken Vorhof des Herzens. Von hier aus gelangt das Blut dann durch die Mitral- oder auch Bikuspidalklappe genannt, in den linken Ventrikel. Von hier aus wird es durch die Aortenklappe hindurch in die Aorta und somit in den großen Blutkreislauf gepumpt.
2.5.2 Der große Blutkreislauf
Der große Blutkreislauf beschreibt den Weg des Blutes vom Eintritt in die Aorta bis zum rechten Atrium (rechter Vorhof des Herzens).
Der linke Ventrikel pumpt das Blut in die große Körperschlagader, die Aorta, die sich dann nach oben in die Kopf- und Armarterien und nach unten in die Organ- und Beinarterien in immer kleinere Gefäße bis ins Kapillarsystem verzweigt und Sauerstoff zu allen Organen und Körpergeweben transportiert. Hier im Kapillarsystem, welches aus Arteriolen (mit sauerstoffreichem Blut) und Venolen (sauerstoffarmes Blut) besteht, findet der Gas- und Stoffaustausch statt. Sauerstoff wird aus den Arteriolen in das Gewebe abgegeben, Abfallprodukte und Kohlendioxid in die Venolen aufgenommen. Auf dem Weg zum Herzen zurück vereinen sich die kleinen Venen zu immer größer werdenden venösen Blutgefäßen, welche dann das darin enthaltende sauerstoffarme Blut über die obere und untere Hohlvene im rechten Vorhof zusammenführen.
2.6 Das vegetative Nervensystem im Herzen
Das vegetative Nervensystem wird unterteilt in die Nerven des Sympathikus, welche in den Vorhöfen und den Kammern des Herzens lokalisiert sind und die Nerven des Parasympathikus, welche hauptsächlich in den Vorhöfen des Herzens zu finden sind.
Abhängig von dem jeweiligen Neurotransmitter, welcher das Nervensystem innerviert, hat dies unterschiedliche Wirkungen:
• Inotropie: Wirkung auf die Herzkraft
• Chronotropie: Wirkung auf die Herzfrequenz
• Dromotropie: Wirkung auf die Erregungsleitung
• Bathmotropie: Wirkung auf die Herzerregbarkeit
Wird der Sympathikus im Herzen durch die Botenstoffe Adrenalin oder Noradrenalin innerviert, führt dies zur Erleichterung der Erregbarkeit, Beschleunigung der Erregungsleitung, Steigerung der Herzfrequenz, Erhöhung des Blutdruckes und der myokardialen Durchblutung. Wird das parasympathische Nervensystem im Herzen durch seinen Botenstoff Acetylcholin innerviert, führt dies zur Senkung der Herzfrequenz, des Blutdruckes und der myokardialen Durchblutung.
2.7 Das Reizleitungssystem
Das Myokard unterscheidet sich im Vergleich zur Skelettmuskulatur wie auch zur Organmuskulatur deutlich. Zum einen weist das Herz eine »Mischmuskulatur« auf, es beinhaltet also glatte wie auch quergestreifte Muskulatur, zum anderen ist es in seiner Funktion vom Nervensystem unabhängig.
Würde man ein schlagendes Herz aus dem Körper heraus transplantieren, es dabei aber ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, dann würde dieses Herz auch abgetrennt vom Nervensystem weiter schlagen.
Das Herz besitzt ein autonomes Erregungs- bzw. Schrittmacherzentrum, welches im rechten Vorhof auf Höhe der Einmündung der V. cava superior liegt. Dieses Schrittmacherzentrum, allgemein als Sinusknoten bezeichnet, gibt eine Frequenz von ca. 60–80 bpm vor.
Die Erregungswelle breitet sich dann über die Vorhöfe aus und wird im AV-Knoten zunächst gesammelt. Der AV-Knoten ist im »Koch-Dreieck« lokalisiert, welches sich an der Wand zwischen rechtem und linkem Vorhof und an der Grenze zu den Ventrikeln befindet.
Unter physiologischen Bedingungen sind die Vorhöfe und die Kammern elektrisch voneinander getrennt, so dass der AV-Knoten hier ein wichtiges Bindeglied im Herzreizleitungssystem darstellt. Weiterhin hat auch der AV-Knoten die Möglichkeit zur Eigenerregung. Fällt beispielsweise der Sinusknoten als Taktgeber aus, kann der AV-Knoten die Rolle des Taktgebers sofort »übernehmen«. Jedoch ist dieser Ersatzrhythmus durch den AV-Knoten etwas langsamer und weist eine Frequenz von ca. 40–50 bpm. auf
Leitet der AV-Knoten den Impuls weiter, führt dieser zunächst in das His’sche Bündel, welches normalerweise die einzige muskuläre Brücke zwischen dem Vorhof und der Kammer darstellt.
Nach dem His’schen Büdel wird die Erregung über den rechten und linken Tawara-Schenkel, welche zunächst entlang des Septums verlaufen, weiter geleitet und dann bis in die Purkinje-Fasern im gesamten Herzmuskel verteilt. Dabei erfolgt die Erregung des Kammermyokards von innen nach außen und von der Herzspitze (Apex) zur Herzbasis.
Auch das His’sche Bündel, die Tawara-Schenkel und die Purkinje-Fasern besitzen die Fähigkeit zur Eigenerregung, sodass diese im Falle eines Totalausfalles von Sinus- und AV-Knoten einen Minimalrhythmus von ca. 20–40 bpm. vorgeben können.
Zusammengefasst erfolgt die Herzreizleitung wie folgt:
Der Sinusknoten depolarisiert sich → Erregungsausbreitung über die Vorhöfe → Der AV-Knoten verzögert bzw. sammelt den Impuls → Erregungsweiterleitung über das His’sche Bündel zu den rechten und linken Tawara-Schenkeln → Weiterleitung in die Purkinje-Fasern.
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