Kitabı oku: «Mika und Co: Hallo, ich bin Mika! (Sonderedition)»
J ü r g e n S t a h l b o c k
Mika und Co.
Hallo, ich bin Mika!
(Sonderedition mit Alltagsgeschichten
aus den Bänden 1 bis 4)
Ebozon Verlag
[m:13]
1. Auflage Juni 2015
Copyright © 2015 by Ebozon Verlag
ein Unternehmen der CONDURIS UG (haftungsbeschränkt)
www.ebozon-verlag.com
Alle Rechte vorbehalten.
Autor: Jürgen Stahlbock - www.mika-und-co.de
Illustrationen: Sabrina Urban (Geschichten 1 bis 5)
www.sabrinaurban.com
Felica Handelmann (Titel und Geschichten 6 bis 12)
http://de-de.facebook.com/Rohrfuchs
Layout/Satz/Konvertierung: Ebozon Verlag
ISBN 978-3-95963-175-4 (PDF)
ISBN 978-3-95963-173-0 (ePUB)
ISBN 978-3-95963-174-7 (Mobipocket)
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„Das Leben soll sein wie ein Schmetterling
an einem Sonnentag“
(Håkan Nesser)
In Gedenken an Irm und Olli
Mika und Co.

1 Mikas erstes
Punktspiel
Nun ist es endlich soweit: Mika soll sein erstes Fußball-Punktspiel in der neuen Mannschaft seines Vereins SC „Herta“ Sonnfeld erleben.
Schon vor Tagen hat Mika seine Fußballsachen sortiert und fein säuberlich in seine Sporttasche gepackt. Die Fußballschuhe wurden mindestens dreimal geputzt. Fast könnte man sich jetzt darin spiegeln. „Ob sie am Wochenende ihr erstes Punktspieltor erleben?“, grübelt Mika, „Hoffentlich!“ Nur allzu gerne wäre er ein guter Fußballspieler.
Die Aufregung bei Mika wächst, denn der Spieltag rückt näher. Schon Mitte der Woche hat Trainer Schanz die Aufstellung der Mannschaft im Mitteilungskasten von SC „Herta“ Sonnfeld am Haus von Frisör Schassig ausgehängt: Mika ist dabei! Und er soll im Sturm spielen, wie er es sich gewünscht hatte.
Ob Mika wohl die letzte Nacht vor dem Spiel gut geschlafen hat? Jedenfalls ist er am Morgen plötzlich wieder einmal zum Frühaufsteher geworden. Seine Eltern wundern sich, denn sonst brauchen sie immer mehrere Weckversuche, bis Mika das so geliebte Bett verlässt. Diesen Vormittag benutzt Mika nochmals zur Überprüfung seiner Sportausrüstung, und nur ein energisches Wort seiner Mutter kann ihn davon abhalten, mit seinen neuen Halbschuhen und dem Gummiball seiner Schwester Birte zu überprüfen, ob er auch inzwischen nicht das Fußballspielen verlernt habe.
Das Mittagessen wird Mika zur Qual. Mehrfach müssen seine Mutter und sein Vater ihn ermahnen, doch nun endlich etwas zu essen. Er stochert nur auf seinem Teller herum und behauptet steif und fest, keinen Hunger zu haben. Und im Übrigen müsse sein Vater es als alter Fußballer doch eigentlich wissen, dass man mit vollem Magen nicht gut Fußballspielen könne!
Endlich kann es losgehen. Mika rennt zum Treffpunkt an der Tankstelle von Landmaschinen-Schmidt. Dort ist er nicht der Erste! Auch Jojo, Merle und Malte sind schon da. Auch sie erzählen von ihrem missglückten Mittagessen und der schlaflosen Nacht. Ja, ehrlich sind die Freunde zueinander!
Bald treffen auch Trainer Schanz und die restlichen Mitspielerinnen und Mitspieler ein. Auch der kleine Mannschaftsbus vom Autohaus Kralmann fährt kurz darauf vor. Mit diesem Bus werden immer die Jugendmannschaften von SC „Herta“ Sonnfeld zu ihren Auswärtsfahrten chauffiert. Die Kosten hierfür übernimmt das Autohaus! Es kann also losgehen. Ab nach Gradow.
Im Bus wird laut gefachsimpelt und eine Taktik zurechtgelegt. Manchmal wird es so laut, dass sowohl Trainer Schanz als auch der Fahrer die jungen Fußballer und Fußballerinnen ermahnen müssen, doch etwas ruhiger zu sein. „Die haben gut reden“, denkt Mika, „ich bin doch so verdammt aufgeregt!“
Am Spielort angekommen, geht es sofort in die Umkleidekabine. Dort wird in Nullkommanix der Sportdress angezogen. Dann nichts wie raus auf den Platz zum Aufwärmen. „Dehnübungen nicht vergessen!“, mahnt Trainer Schanz an.
Nach einer knappen Viertelstunde kommt der Schiedsrichter auf den Platz und forderte die beiden Mannschaftskapitäne zur Platzwahl auf. Gradow hat die Wahl und entscheidet sich dafür, zuerst mit der Sonne zu spielen. Kevin, Sandfelds Torhüter, muss also die erste Halbzeit gegen die tief stehende Sonne kucken. Aber er hat ja ein Cappy dabei. Mika führt zusammen mit Oktay den Anstoß aus:
Gleich der erste Angriff der „Hertaner“ bringt das 1:0! Nach dem Anstoß kommt der Ball nach rechts zu Jojo, die spielt ab auf Serhat. Serhat umdribbelt einen Gegenspieler, sieht Malte, übergibt ihm den Ball. Malte läuft noch ein paar Meter und schießt. Der Ball landet unhaltbar im unteren linken Eck des Gradower Tores. Unglaubliche Freude bei den Sonnfeldern, alle rennen zu Malte und feiern ihn.
„Erstes Punktspiel, erster Angriff und dann gleich auch noch das erste Tor, das gibt’s doch gar nicht!“, freut sich auch Trainer Schanz hüpfend am Spielfeldrand.
Die Gradower sind geknickt. Sie lassen schon jetzt die Köpfe hängen. Ihr Trainer fordert sie zwar lauthals auf:
„Weiter Jungs, lasst euch nicht unterkriegen!“
Aber das bringt nicht viel. Am Ende hat „Herta“ Sonnfeld ihren Gegner aus Gradow mit 7:1 besiegt. Und auch Mika kann sich als Torschütze auszeichnen! Zwar hat er kein Tor mit seinen ‚neuen’ Fußballschuhen erzielt, dafür aber ein herrliches Kopfballtor. Nach einer Ecke, die von Kalle getreten wurde, springt er höher als ein Gradower Gegenspieler und köpft den Ball ins linke obere Eck! War das ein Jubel. Sein bester Freund Malte traf gleich vier Mal!
Trainer Schanz ist hoch zufrieden mit der Leistung seiner Schützlinge.
„Es war euer erstes Spiel überhaupt! Ihr habt das klasse gemacht, Kinder!“, lobt er sein Team in der Umkleidekabine.
Erschöpft und auch ein bisschen stolz und überglücklich sitzen die jungen Kicker von SC „Herta“ Sandfeld im Kleinbus, mit dem die kleinen Fußball-Cracks wieder zurück nach Sonnfeld gefahren werden.
Dort angekommen, wollen Mika und Malte so schnell sie können nach Hause. Es gibt schließlich ’ne Menge zu erzählen.

Mikas Vater ist gerade dabei, den Rasen vor dem Haus zu mähen, als sein Sohn heranstürmt.
„Gewonnen! Gewonnen, Papa! Volle Pulle an die Wand gespielt. 7:1! Bombentor wie Claudio Pizarro!“, so sprudelt es aus ihm heraus.
Als er sich ein wenig beruhigt hat, möchte sein Vater wissen, ob er denn auch ein Tor erzielt habe und ob sein Trainer mit ihm zufrieden gewesen sei. In aller Ausführlichkeit beschreibt Mika sein erstes Tor:
„Kalle tritt die Ecke für uns von links. Ich stehe vorne am Fünfer. Vor mir ein Verteidiger. Der Ball kommt kurz. Ich am Verteidiger vorbei und hoch. Zack, mit dem Kopf ran und schon zappelt der Ball links oben im Netz!“ schwärmt Mika stolz. „Herr Schanz war sehr zufrieden mit uns. Der ist bei unseren Toren am Spielfeldrand rumgehüpft wie ein Känguru! Man muss übrigens auch gar nicht unbedingt ein Tor schießen! Die Hauptsache ist doch, dass die Mannschaft gewinnt!“, so Mika weiter.
„Ja, ja! Nun sei nicht sauer, dass ich gleich danach gefragt habe. Ich freu’ mich ja auch über dein Tor und euren Sieg! Ich bin hier gleich fertig. Wollen wir dann zusammen die Sportschau ankucken?“
„Ja, klar doch!“, ist Mikas Reaktion.
2 Mika kann
plötzlich lesen
[In memoriam Dr. Jürgen Reichen, † 2009]
Mika geht ja jetzt zur Schule. Sein sehnlichster Wunsch ist es, schnell lesen zu können. Er möchte nämlich alle Schilder auf seinem Schulweg, seine Bücher und natürlich das Fernsehprogramm lesen können. Sein Lehrer Weiß und seine Lehrerin Warmbold haben am ersten Schultag ein großes Poster mit Bildern und Buchstaben neben die Tafel gehängt. In kleiner Ausführung haben die Kinder das auch alle bekommen. Damit soll nun das Schreiben und später das Lesen gelernt werden. „In der anderen Klasse bei Herrn Illert spielen die immer Theater mit zwei kleinen Figuren! Die bringen jeden Tag einen neuen Buchstaben mit. Warum machen wir das nicht auch?“, möchte Mika wissen. Sein Lehrer beruhigt ihn und verspricht ihm und den anderen, dass sie bald lesen könnten und dass das Theater mit den beiden Figuren den anderen Kindern bestimmt bald langweilig werden würde.
„Wer viel schreibt, lernt schneller lesen!“, verspricht Lehrer Weiß. Also erfüllt Mika in der Schule immer zuerst seine Pflichtaufgabe im Schreiben. Die lautet: „Jeden Tag drei neue Wörter schreiben!“ Mika schreibt immer mindestens fünf. Heute wählt er diese Wörter aus: ‚fusbalschbil, schitsrichta, toa, elfmeta, 1wurf‘. Doch lesen kann er noch immer nicht. Auch am nächsten und übernächsten Schultag noch nicht. Er wird langsam ungeduldig, denn Merle kann schon lange alles lesen!
„Ich glaube, ich muss noch mehr schreiben“, überlegt Mika. Er schreibt jetzt nicht mehr nur Wörter, sondern schon richtige kleine Geschichten. Lehrer Weiß ist genauso begeistert wie Frau Warmbold. Sie kopieren die Geschichten sogar manchmal und zeigen sie den anderen Lehrern und Lehrerinnen. Auch im Internet – auf der Homepage der Schule – sind einzelne Schülergeschichten zu lesen. Stolz nimmt Mika seine Kopien mit nach Hause. Auch seine Großeltern bekommen einen Abzug. Omi Helga möchte, dass Mika ihr seine Geschichte vorliest:
„Das kann ich ja gar nicht lesen! Lies du mir das doch mal vor!“, fordert sie ihn auf.
Mika ist sehr traurig und enttäuscht.
„Das kann ich doch noch nicht! Lesen lern ich doch erst später!“, schluchzt er. Und dann fügt er böse an:
„Unsere Lehrer haben doch extra gesagt, dass wir nicht vorlesen sollen! Das weißt du doch!“
In der Schule klebt Lehrerin Warmbold jetzt seit ein paar Tagen immer Zettel an Wände, Tafel, Fenster, Schränke und auf Tische. Darauf stehen Wörter oder kurze Sätze. Die Mitschüler von Mika, die etwas davon lesen können, dürfen dann den Zettel mit nach Hause nehmen. Zu gerne hätte Mika auch einen solchen Zettel. Aber das klappt noch immer nicht mit dem Lesen. Merle, Jojo, Malte, Tim und noch ein paar andere Kinder seiner Klasse lesen schon alles. Sie erobern jeden Tag die Zettel. Frau Warmbold kommt kaum mit dem Schreiben nach.
Heute ist Freitag. Kurz vor Nikolaus. In der Schule bearbeitet die Klasse 1b eine Werkstatt zum Thema „Weihnachten“. Außerdem bekommt die Klasse jeden Tag eine eMail vom Weihnachtsmann. Der heißt Fiete. Er wohnt eigentlich in Liechtenstein. Nur in der Vorweihnachtszeit kommt er in die Nähe von Sonnfeld und erledigt hier mit seinen vielen Wichteln die Arbeiten für das bevorstehende Weihnachtsfest. Er hat noch viele Kollegen. Auch Weihnachtsfrauen gibt es schon. Aber das ist eine andere Geschichte. Mika sitzt gerade daran, Weihnachtswörter zu schreiben. Er hat schon ‚NIKOLAUS’ und ‚WAINARSMAN’ geschrieben, da bricht sein Bleistift ab. „So ’n Mist!“, denkt er und geht zum Anspitzen an den Papierkorb. Unterwegs bleibt er auf einmal stehen. Er schaut in Richtung Klassenschrank. Wohl eine Minute steht er so unbeweglich da. Dann sagt er zuerst leise, dann immer lauter: „Ich kann das da ja lesen! Ich kann das lesen. Das da kann ich lesen!“

Die anderen Kinder und seine Lehrerin horchen auf. Einige laufen zu ihm. Malte fragt:
„Was kannst du lesen?“
Mika ist ganz durcheinander.
„Das da am Schrank kann ich lesen!“
Frau Warmbold und alle anderen möchten nun wissen, was da denn auf dem Zettel steht:
„Na, Mika, das ist ja toll! Dann sag‘ mal, was da steht!“
„Da steht ‚AU—TO—BAHN’! Das kann ich lesen! Ich kann lesen!“
Mika nimmt den Zettel ab. Er ist außer sich vor Freude. Er hat einen Zettel ‚weggelesen’. Überall findet er jetzt Wörter, die er liest. Seine eigentliche Aufgabe hat er längst vergessen. Stolz wandert er im Klassenraum herum und liest und liest und liest. Zettel gibt es nicht mehr. Das ist ihm egal. Auf Büchern, Spielen und Kisten steht genug. So vergeht der Schulvormittag. Mika liest und liest. Seine Lehrer und seine Klasse freuen sich mit ihm. Manchmal geht er ihnen aber auch auf den Geist, wenn er ihnen immer wieder ihre Namen vorliest, die auf Heften oder Ordnern stehen.
Auch der Weg nach Hause hat es heute in sich. Malte, Merle und Mika gehen meistens zusammen. Sie müssen durch die Altstadt von Sandfeld vorbei an vielen Geschäften. Heute muss Mika natürlich überall stehen bleiben und lesen, lesen und lesen. Merle und Malte kennen das. Das war bei ihnen nicht anders am Tag, als sie plötzlich lesen konnten. Irgendwann wird es ihnen aber zu bunt. Merle hat eine Idee, wie sie Mika sogar zum Laufen bewegen kann:
„Mika! Möchtest du nicht deinen Eltern schnell zeigen, dass du jetzt auch lesen kannst?“
Und ob Mika will.
„Los, los!“, drängelt er die beiden.
Sie rennen los. Unten am langen Berg sagt Mika, dass er noch nicht mit hoch käme, er möchte zuerst noch schnell zu seinem Vater ins Geschäft laufen. Merle und Malte wollen aber lieber gleich nach Hause. Mika läuft trotzdem zu seinem Vater.
„Hallo Papa! ‚Per-sil’, ‚Aro-nal’, ‚Agfa’, ‚Kodak’, ‚Milupa’“, liest er laut.
Doch sein Vater reagiert nicht. Er sagt gar nichts, sondern geht zurück nach hinten in sein Büro.
„Du, Papa, hast du eben nichts gemerkt?“, fragt Mika, der seinem Vater gefolgt ist.
„Ja, doch, du hast mir ein paar unserer Waren genannt. Soll ich die etwa neu bestellen?“, lautet die Antwort.
„Oh, schade, mehr nicht? Ich hab dir doch die Namen vorgelesen. Ich kann seit heute lesen. Alles!“, erklärt Mika seinem Vater.
Der ist jetzt natürlich auch mächtig stolz auf seinen Sprössling. Er testet ihn noch ein wenig. Doch Mika besteht alle Tests, nur bei ein paar langen Wörtern hat er noch kleine Schwierigkeiten.
Bis zur Mittagspause bleibt Mika im Geschäft. Dann gehen Vater und Sohn gemeinsam den langen Berg hoch nach Hause zum Mittagessen. Unterwegs beweist Mika natürlich weiter sein Können:
„Sparkasse“, „Polizei“, „Schuh-Haus Bartels“, „Obst und Gemüse Hase“ „Milch“, „Am langen Berg“, liest er.
Sein Vater strahlt und freut sich mit ihm.
Zu Hause sitzen alle schon am Mittagstisch. Auch Omi und Opa.
„Na endlich kommt ihr. Das hat ja heute gedauert!“, sagt Mikas Mutter.
Sie füllt ihrem Sohn das Essen auf, doch der hat keinen Blick dafür. Mika schnappt sich lieber die Zeitung von der Fensterbank.
„Lass doch ...“, doch seine Mutter kommt nicht weiter mit ihrer Ermahnung.
„Werder Bremen ist neuer Tabellenführer“, liest Mika sehr langsam aber laut vor.
„Nanu, was ist denn das? Kannst du jetzt etwa lesen?“, fragt Omi Helga.
„Na klar! Ich kann jetzt alles lesen!“, antwortet Mika voller Stolz.
„Und wie hast du das so plötzlich gelernt?“, möchte sie noch wissen.
„Ich habe nicht lesen gelernt, ich habe es auf einmal einfach gekonnt!“, lautet Mikas einfache Antwort.
3 Mika fährt ins
Bundesliga-Stadion
Mika ist ein begeisterter Fußballer. Er spielt nicht nur in der U7-Mannschaft seines Heimatvereins SC „Herta“ Sonnfeld, nein, er versäumt auch keinen Spieltag der Bundesliga. Zumindest samstags sitzt er immer vor dem Fernseher, wenn die Spielberichte gesendet werden. Zu Hause sieht er zusammen mit seinem Vater die Spiele. Manchmal darf auch Malte rüber kommen und mit kucken, manchmal sitzen sie auch bei Malte im Zimmer. Der hat nämlich einen eigenen kleinen Fernseher im Zimmer.
Mika und sein Vater mögen ‚Werder Bremen’ am liebsten. Mika hat schon viele Fan-Artikel seines Lieblingsvereins: Einen Kalender, eine Pudelmütze, Strümpfe, Zahnbürste und Zahnbecher, und in seinem Zimmer hängen viele Spielerfotos an den Wänden. Den neuen Schal hat er zu Weihnachten bekommen. Sein Vater ist Fördermitglied, und so bekommt regelmäßig das „Werder-Magazin“. Auch sein bester Freund ist ‚Werder-Fan’. Obwohl Malte oft auch bei einem anderen Verein laut jubelt. Das passt Mika gar nicht. Er möchte, dass Malte sich für einen entscheidet. „Du kannst doch nicht immer abwechselnd mal für den einen dann für den anderen Club schwärmen!“, wirft er ihm oft vor. Malte beteuert dann immer, doch nur für ‚Werder’ zu schwärmen. Zu seinem nächsten Geburtstag wünscht Mika sich eine Fahrt ins „Weser-Stadion“ zu einem Bundesliga-Spiel.
Im Mai hat Mika Geburtstag. Er wird sieben. Zusammen mit seinen Freunden feiert er einen schönen Geburtstag. Er hat Malte, Merle, Jojo, Nils, Kevin, Oktay, Tim und Mattes eingeladen. Sie machen viele Spiele. Der Höhepunkt des Tages ist aber wieder die aufregende „Schnitzeljagd“, die sein Vater im letzten Jahr schon einmal für ihn organisiert hat. Der Onkel von Malte ist ein Freund von Mikas Vater. Er legt immer die Spur, die die Kinder dann finden müssen. Am Ende wartet dann eine tolle Überraschung auf alle. Über den Geburtstag und die Schnitzeljagd soll hier nicht geschrieben werden. Das ist eine andere Geschichte.
Die Geschenke gefallen Mika alle sehr. Er hat eine neue CD, ein Computer-Spiel (‚Sim City’), ein paar Bücher bekommen, darunter von seiner Oma eins in Schreibschrift, (Kommentar von Mika dazu: „Die hat ja keine Ahnung. Ich hab' ihr doch gesagt, dass wir Druckschrift lesen!“). Außerdem gab's noch weitere Bauteile für seinen Technik-Kasten, ein rotes Sweatshirt und Socken und etwas zum Naschen. Enttäuscht ist Mika darüber, dass sein größter Wunsch wohl nicht in Erfüllung geht: Keine Fahrt zum ‚Werder’-Spiel!
Der Freitag nach seinem Geburtstag ist immer ätzend. Dann kommt seine Verwandtschaft zum Gratulieren. Dann sitzen die Großen in der Stube, trinken Kaffee, essen Kuchen und Torte und unterhalten sich über Dinge, die Mika furchtbar langweilen. Und er muss immer dabei sitzen. Er darf immer nur kurz seine Geschenke zeigen. Außerdem möchten immer alle wissen, wie sein Zimmer aussieht und was er in der Schule gelernt hat. „Das ist vielleicht blöde!“, denkt Mika jedes Mal. „Am Zimmer meckern sie rum! Die Schule war früher sowieso besser! Die Lehrer müssen mehr durchgreifen, damit die Kinder was lernen! Und früher hat man eh mehr gelernt! ... Die Geschenke interessieren sie überhaupt nicht!“, glaubt er.
Zu um halb vier muss Mika fertig sein, dann beginnt der Kaffeenachmittag mit Omas, Opas, Patenonkel und Patentante. „Super!“, denkt Mika, „viel lieber wäre ich heute beim Training mit den anderen zusammen!“ Schon klingelt es an der Tür. Mika öffnet. Das macht er an diesem Tag immer. Es sind sein Patenonkel und seine Patentante. Danach kommen Omi und Opa von nebenan. Die anderen Großeltern sind schon mittags mit dem Zug aus Hamburg gekommen. Sein Vater hat sie mit dem Wagen vom Zug abgeholt. Es gibt an diesem Tag doch immer etwas Erfreuliches: Von allen Großen bekommt er immer ein paar Euro zugesteckt. Die Geschenke sind meistens eher nicht so wichtig. Unterwäsche und Hemden braucht er ja auch ohne seinen Geburtstag!
Die Kerzen auf dem Kaffeetisch leuchten. Es duftet nach Kaffee und Zitronentorte. Alle sitzen um den Tisch. Mika möchte sich gerade ein Stück vom leckeren Käsekuchen schnappen, da sagt sein Vater: „Stopp! Ich muss dir noch etwas geben.“ Er greift in seine Jackentasche und holt einen Briefumschlag heraus.
„Der ist von meinem Freund Till aus Osterholz-Scharmbeck. Du weißt, das ist der mit...“ – „... mit dem du immer ins Stadion fährst!“, unterbricht ihn Mika und reißt ihm den Umschlag aus der Hand.
„Das kann doch nicht wahr sein! Krass! Super! Drei Karten für das Spiel gegen Kaiserslautern!“
Mika jubelt. In einer Woche werden sie nach Bremen fahren.
„Aber warum denn drei Karten?“, ist Mika verwundert.
„Du lies dir man erst mal den Brief durch, den Till dir geschrieben hat.“, empfiehlt Opa Gerhard, der längst bemerkt hat, dass neben den Karten noch etwas im Umschlag steckt. „Oh, Till hat in Druckschrift geschrieben. Das kann ich ja gut lesen“, freut sich Mika und kuckt dabei neckisch blinzelnd zu seiner Oma:
LIEBER MIKA!
ALLES GUTE ZU DEINEM GEBURTSTAG UND EINE SCHÖNE FEIER MIT DEINEN FREUNDEN WÜNSCHT DIR TILL.
DIE DRITTE KARTE IST FÜR DEINEN FREUND DAMIT

ER ENDLICH RICHTIGER "WERDER"-FAN WIRD!
WIR SEHEN UNS IN BREMEN!
Mika springt auf. Nun ist er endgültig aus dem Häuschen. Kaffee, Kuchen und die Verwandtschaft interessieren ihn nicht mehr. Auch seine Eltern können ihn jetzt nicht mehr bremsen. Er muss zum Sportplatz und Malte von dem Supergeschenk berichten. Schon ist er aus der Stube ab zum Schuppen, Roller raus, und los geht's zum Sportplatz.
Dort begrüßen ihn ‚seine Jungs’ mit lautem Hallo und gratulieren zum Geburtstag. „Na, hast du deine gesamte Verwandtschaft schon rausgeschmissen?“, fragt ihn sein Trainer Schanz. Doch das hört Mika gar nicht.
„Nächsten Samstag ... Bundesliga ... letzter Spieltag … gegen Kaiserslautern ... voll krass!“, sprudelt es aus ihm heraus und: „Malte, du kommst mit!“
Nachdem er sich ein wenig beruhigt hat, muss er seine Stotterei noch einmal verständlich für alle verdeutlichen. Malte und Mika werden von den anderen beneidet. Ins Bundesliga-Stadion wollen alle gerne einmal. Allerdings sind die anderen eher Fans vom ‚Hamburger SV’. Die Fans von ‚Werder’ und dem ‚HSV’ sind große Rivalen in Norddeutschland.
„Der HSV hat sowieso ein besseres Stadion!“, tönt Kevin.
Aber das interessiert Malte und Mika jetzt überhaupt nicht.
Nun kann auch Malte nichts mehr beim Training halten. Schnell zieht er sich um. Dann rollern beide zum Betonwerk seines Vaters, um ihn zu fragen, ob er mitfahren dürfe ins Stadion. Maltes Vater hat nichts dagegen. Jetzt muss nur noch die Mutter zustimmen. Also nichts wie hin. Maltes Mutter freut sich mit Malte und Mika:
„Dann seht ihr eure Stars ja einmal ganz aus der Nähe. Das wird bestimmt toll. Nimm man deinen Fotoapparat mit, Malte!“, schlägt Frau Möller vor.
In den folgenden Tagen steigt die Aufregung bei den beiden Fußball-Fans. Sie können kaum noch schlafen, so aufgeregt sind sie. Mikas Vater telefoniert am Freitag noch einmal mit Till. Dann erzählt er abends den Beiden, was sein Freund ihm gesagt hat.
„Wir fahren mit dem Zug. Wir müssen hier um sieben Minuten nach acht abfahren, dann sind wir um kurz nach halb elf in Bremen am Bahnhof. Dort treffen wir uns mit Till. Er möchte dann mit uns einen kleinen Stadtbummel machen. Alles andere sagt er uns übermorgen. Wir sollen uns überraschen lassen.“
Mit diesen Neuigkeiten geht Malte zufrieden nach Hause und berichtet dort seinen Eltern.
Schon ganz früh am Morgen klappert Mika in der Küche. Er schmiert sich sein ‚Reisebrot’. Außerdem füllt er sich Orangensaft in seine Trinkflasche, die er sonst immer mit zur Schule nimmt.
„Mensch, Mika, was machst du denn jetzt schon? Es ist doch erst sechs!“, stöhnt Mikas Mutter verschlafen.
„Och, das macht nichts. Ich pack' schon mal meine Futtertasche.“, antwortet Mika.
„Hast du dich denn schon gewaschen?“, möchte die Mutter wissen.
„Na klar! Alles fertig!“, antwortet Mika stolz.
„Na, super! Dann kannst du ja jetzt den Kaffeetisch vorbereiten. Koch bitte auch Kaffee und Tee für uns und hol' noch schnell Brötchen von Suhl. Das schaffst du noch!“
Nach dem Frühstück drängelt Mika seinen Vater.
„Nun beeil' dich doch bitte. Malte wartet auch schon!“
Doch sein Vater lässt sich nicht drängeln. Er isst in Ruhe zu Ende. Dann verabschieden sich alle und schnappen ihre Rucksäcke:
„Heute Abend um halb zwölf sind wir wieder da!“
„Viel Spaß!“, ruft ihnen Mikas Mutter noch nach, aber das hören sie schon nicht mehr.
Die Zugfahrt vergeht schnell. Malte und Mika amüsieren sich über ein paar Reisende, die nicht genau wissen, wo sie aussteigen sollen. Immer wieder fragen sie:
„Ist hier schon Rothenburg?“
Ein anderer Reisender sagt ihnen, dass sie beim nächsten Stopp aussteigen müssen. Doch das ist falsch! Der Zug muss auf einem kleinen Bahnhof anhalten, weil er zu schnell war. Die Reisenden glauben nun endlich in Rothenburg zu sein und steigen aus. Gerade noch rechtzeitig bemerken sie ihren Irrtum und springen schnell auf den schon wieder leicht rollenden Zug auf.
In Bremen auf dem Bahnsteig werden die Reisenden von Till bereits erwartet. Der Zug hat leichte Verspätung. Überall auf dem Bahnhofsgelände sind schon ‚Werder-Fans’ zu sehen. Sie tragen grün-weiße Schals und Trikots und viele von ihnen auch lustige Mützen. Till begrüßt alle und führt sie hinaus. „Jetzt gehen wir zuerst in die Stadt. Ich möchte euch etwas von Bremen zeigen.“ sagt Till.
Eigentlich haben Mika und Malte gar keine Lust dazu. Sie möchten viel lieber sofort ins Stadion. Till muss sie bremsen: „Die Stadiontore werden frühestens um halb zwei geöffnet. Und jetzt ist es gerade Viertel vor elf!“
Das sehen unsere Freunde ein. Also geht es ab in die Stadt. Sie benutzen die Straßenbahn für die zwei Stationen. Till führt sie in die Fußgängerzone.
„Kuck mal, Mika, überall ‚Werder-Fans‘!“, staunt Malte.
Sogar ein paar Anhänger von Kaiserslautern sind schon zu sehen und zu hören. Till bleibt vor einem Geschäft stehen. Die Augen von Mika und Malte fangen an zu strahlen: Sie stehen vor einem ‚Werder-Fan-Shop’.
„Mann, hier gibt's aber viel zu sehen!“
Also nichts wie rein. Für seinen Roller kann Mika von seinem Vater einen ‚Werder-Aufkleber’ abstauben. Malte bekommt von Till ebenfalls einen Aufkleber und einen Wimpel. Mikas Vater kauft sich für sein Auto einen kleinen Wimpel, den will er an den Innenspiegel hängen.
Es wird langsam Zeit für das Mittagessen. Till erklärt, dass er in einer Brauereigaststätte in der Nähe vom Rathaus einen Tisch reserviert hat.
„Da gehen wir auch immer hin, wenn ich mal in Bremen bin.“, freut sich Mikas Vater. Mika und Malte essen Spaghetti, Till und Mikas Vater einen Auflauf. Dazu trinken die Männer ein Bier, die Kinder Cola.
Nach diesem köstlichen Mahl drängeln die Jungs, dass sie nun aber endlich zum Stadion wollen.
„Da können wir bestimmt noch sehen, wie die Spieler ankommen und sich dann warm machen“, freut sich Malte.

Vor der Fahrt mit der Straßenbahn hat Till noch etwas mit den Jungs vor: Er malt ihnen mit Schminkstiften die grün-weiße ‚Werder-Raute’ auf die Wangen.
„So sehen echte Fans aus!“, erklärt er.
Die beiden Freunde bestehen jetzt aber darauf, dass auch die Großen sich entsprechend schminken müssen. Dann fahren die vier ‚grün-weißen Werder-Fans’ mit der Straßenbahn zum Stadion.
Auf dem Weg von der Haltestelle wimmelt es schon von Fans. Tausende sind schon auf den Beinen. Einige erfrischen sich noch an den verschiedensten Kiosken. Überall werden von Schwarzhändlern noch teure Karten angeboten.
„Das Stadion ist schließlich lange ausverkauft. So verdienen die hier ganz gut an den Sitzplatzkarten. Man müsste viel härter dagegen vorgehen! Die ‚echten‘ Fans sind aber auf den Stehplätzen in der Ostkurve! Dort ist immer ‘ne Superstimmung. Wir stellen uns so hin, dass ihr beiden auch bestimmt etwas sehen könnt.“, verspricht Till.
Auch vor den Eingangstoren ist großes Gedränge. Mika und Malte werden ganz schön umhergeschubst. Schließlich haben sie es geschafft. Sie folgen Till über die Treppen zu den Stehplatzrängen. Zum Glück ist es noch nicht so spät, so können sie dicht neben dem Tunnel, aus dem später die Spieler kommen werden, ihre Plätze finden.
„Von hier aus kann man beide Tore gut sehen“, freut sich Mika.
Es ist jetzt knapp halb drei, und das Stadion füllt sich immer mehr.
„Wir sollten uns jetzt noch etwas zu trinken holen. Später kommen wir nicht mehr durch!“, schlägt Till vor.
Er fragt, was jeder möchte und läuft los.
Gerade als er weg ist, kommen ein paar Spieler aus Kaiserslautern und schauen sich den Platz an. Ein höllisches Pfeifkonzert von den Fans aus der Ostkurve empfängt sie. Sie haben noch Anzüge an, keine Fußballsachen. Ein paar ‚Werder-Fans’ ganz vorne am Zaun lassen sich Autogramme geben. Auf den riesigen Videowänden hinter beiden Toren beginnt jetzt ‚Fan-TV’. Hier werden Spielberichte gezeigt und vom Training berichtet. Außerdem gibt es lustige Gewinnspiele. Da werden Leute schwindelig gedreht, dann sollen sie ein paar Stangen umdribbeln und ins Tor schießen. Das sieht lustig aus, weil sie immer wieder falsch laufen. Zwei Fans der beiden Mannschaften treten in einem Computerspiel gegeneinander an. Der Sieger darf das Spiel mit nach Hause nehmen. Zwischendurch werden auch verschiedene Leute interviewt. Alle tippen darauf, dass ‚Werder’ gewinnen wird.
Auch das Schiedsrichtergespann taucht plötzlich auf. Die drei Herren laufen sich auch warm.
„Das hab‘ ich nicht gewusst, dass die sich auch warm machen müssen.“, wundert sich Mika.
So nach und nach tauchen jetzt die Spieler aus Kaiserslautern in Sportanzügen auf, um sich ebenfalls auf das Spiel vorzubereiten. Dann brandet auf einmal tosender Beifall auf: Der erste Bremer Spieler kommt durch den Tunnel. Es ist Andreas (Andy) Reinke, der Torwart. Er kommt mit dem Torwart-Trainer. „Andy! Andy! Andy!“, hallt es durchs Stadion. Etwas später kommen alle anderen auch: Claudio Pizarro, Thorsten Frings, Naldo, Mertesacker, Fritz, Prödl, Marin … Mika erkennt sie alle sofort wieder. Er hat ja alle auf Bildern.
„Claudio Pizarro hat in der Bundesliga schon über 135 Tore geschossen!“, erklärt Mika.
Malte wundert sich: „Mein Gott, wie die sich warm machen. Da wären unsere Herrenspieler ja schon kaputt, bevor das Spiel losgeht.“
Kurz vor Spielbeginn verschwinden alle Spieler wieder. Die Spieler und Spielerinnen zweier U6-Mannschaften bauen sich rechts und links vom Tunnel auf. Sie führen beide Mannschaften aufs Spielfeld. Jetzt kommen die Spieler beider Teams aufs Feld. Unter dem frenetischen Jubel der Ostkurve nennt der Stadionsprecher die Aufstellung von ‚Werder’. Bei Kaiserslauterns Aufstellung wird gepfiffen! Wie immer spielt ‚Werder’ zuerst Richtung Westkurve. Das Spiel beginnt.
Nach kurzem Abtasten legt der Gast aus Kaiserslautern los und erspielt sich die ersten Chancen. Die Bremer Abwehr kann diese Attacken jedoch sicher zurückdrängen. Bei einem Mittelfeldgeplänkel foult ein Lauterer plötzlich den Bremer Frings brutal. Dem Schiedsrichter bleibt keine Wahl: Rote Karte! Platzverweis für den Spieler. Jetzt nutzt ‚Werder’ seine Überzahl. Schon im ersten Angriff nach der Hinausstellung gelingt Claudio Pizarro das 1:0 für Bremen.
„Juuuchuuu! Suuuper!!“
Mika und Malte hüpfen vor Freude in die Luft und umarmen sich. Es ist Riesenstimmung nicht nur in der Ostkurve. Noch vor der Halbzeitpause erhöht ‚Werder’ auf 2:0. Marin hat es nach einem Alleingang erzielt.
In der Halbzeitpause gehen viele Fans zu den Getränkeständen oder zu den Toiletten. Verkäufer bieten Eis, Brezel oder Getränke an. Mika und Malte bekommen eine zünftige Stadion-Bratwurst, die Till für sie geholt hat.
Die Bremer Überlegenheit setzt sich in der zweiten Halbzeit fort. Am Ende können sich Mika und sein Vater, Malte und Till und alle anderen ‚Werder-Fans’ sogar über einen 5:0 Heimsieg freuen. Damit hat ‚Werder’ sich doch noch den fünften Tabellenplatz gesichert und für die Europa-Liga qualifiziert. Was gibt es Schöneres? - Nach dem Abpfiff bleiben sie noch länger auf ihren Plätzen. Till meint, es sei besser, so komme man nicht in das ganz große Gedränge und Geschiebe.
Ein bisschen Geschubse gibt es dann doch noch: Die Straßenbahnen sind auch fast eine Stunde nach Spielschluss noch übervoll. Am Bahnhof verabschiedet sich Till von den Dreien. Mikas Vater bedankt sich bei ihm für alles:
„Das war sicher nicht der letzte Besuch von uns in Bremen! Mach’s gut!“
Im Zug sind Mika und Malte immer noch ganz aufgekratzt. Immer wieder erzählen sie sich die Spielszenen, die zu den Toren geführt haben.
„Hast du das gesehen? – Das war doch super! – Dann dieser Doppelpass mit Hunt! – Marin läuft doch allen weg!“
So geht das fast die ganze erste Stunde. In Harburg müssen sie dann umsteigen. Sie haben Wartezeit von fast einer Stunde. Auf dem dunklen Bahnhof ist es windig und riecht unangenehm. Müde sitzen unsere Bremer Fans auf einer Bank. Müde wird auch der Rest der Reise. Am heimatlichen Bahnhof erwartet sie Maltes Vater, so brauchen sie nicht noch den langen Fußweg nach Hause auf sich zu nehmen.
Trotz ihrer Müdigkeit berichten beide noch Vater Möller von ihren Erlebnissen. Noch einmal fallen so die fünf Tore gegen Kaiserslautern. Als Mika endlich in seinem Bett liegt, freut er sich immer noch. Er kann noch nicht gleich einschlafen, weil er immer noch so aufgewühlt ist. Besonders freut er sich jetzt aber darüber, dass Malte nun endgültig ein echter ‚Werder-Fan’ ist. Nach diesem Supertag war auch nichts anderes zu erwarten.
4 Mika spielt Cowboy und Indianer
oder: Mika hat Angst
Wie bei einem Fußballspiel gibt es zwei Mannschaften: die ‚Cowboys’ und die ‚Indianer’. Jede Gruppe versucht Mitspieler der anderen - gegnerischen - Gruppe in einer vorgegebenen Zeit zu fangen und zu einem ‚Gefängnis’ zu bringen.
An einem schönen Sommernachmittag treffen sich Mika und seine Freunde zum Spielen. Heute wollen sie ‚Cowboy und Indianer’ auf dem kleinen Berg bei der Jugendherberge spielen. Hier gibt es viele schöne Verstecke und Wald und steile Abhänge, die man hinunter springen kann.
Die beiden Gruppen sind schnell gebildet. Es muss nur noch entschieden werden, ob die ‚Cowboys’ oder die ‚Indianer’ zuerst Fänger ein sollten. Da es hier wie immer keine Einigung gibt, wird gelost: Die ‚Indianer’ müssen zuerst suchen, die ‚Cowboys’ dürfen abhauen.
Mika hat Glück gehabt, er ist zusammen mit seinem besten Freund Malte in einer Gruppe bei den ‘Indianern’. Die sitzen jetzt oben bei der Jugendherberge auf dem Feuersirenenturm und warten auf ihren Einsatz. Von hier oben ist die ganze Gegend gut zu übersehen. Nur, was im Wald passiert, bleibt den Blicken verborgen. Die Gruppe überlegt sich schon einmal ihre Verstecke.
„Ich renne wieder zum Hühnerstall bei Moritz! Da haben die mich noch nie gefunden.“, kündigt Mika an.
Malte liebt es besonders kitzelig:
„Ich verstecke mich direkt hier am Abhang. Ich buddele mir jetzt hier mein Versteck.“
Auch die anderen Kinder wissen schon gute Verstecke.
Mika hilft Malte beim Vorbereiten seines Versteckes. Gleich an der Kante des Abhanges gibt es eine längliche Spalte, die an den Rändern schon mit Gras bewachsen ist. Malte und Mika buddeln diese Spalte jetzt so tief, dass Malte sich hineinlegen kann, ohne dass er von oben zu sehen ist.
„Prima, so sieht dich von hier keiner!“, ruft Mika von oben.
Die Kirchturmuhr zeigt zwanzig nach drei. Endlich sind die vereinbarten zehn Minuten um. Die ‘Indianer’ müssen sich aufmachen und so schnell wie möglich alle Cowboys fangen und ins ‚Gefängnis’ am Sirenenturm sperren. Zum Wächter haben sie Tom ernannt. Der läuft nicht so gerne. Die ‚Indianer’ strömen immer zu zweit aus, so können sie an die erwarteten Verstecke von zwei Seiten anschleichen.
Natürlich sind Malte und Mika hierbei zusammen. Sie wollen zuerst zur alten Eiche laufen. Dieser Baum steht auf der anderen Seite der Jugendherberge. Er ist größer als die anderen Bäume und steht am Rande einer kleinen Abbruchkante. Seine Wurzeln liegen auf der einen Seite frei. Das ist ein ideales Versteck.
„Da steckt bestimmt wieder Mattes drunter!“, vermutet Malte.
Malte schleicht direkt am Abhangrand auf die Eiche zu, Mika kommt von der Waldseite her. Beide Freunde können sich bald sehen. So bemerkt Mika auch, dass Malte ihm ein Zeichen gibt.
„Der empor gestreckte Daumen soll sicher heißen, dass dort einer steckt“, denkt sich Mika. Doch er irrt.
Als Mika den Baum fast erreicht hat, sieht er, dass Malte noch ziemlich weit entfernt vom Ziel kauert und immer noch hastig seinen Daumen nach oben bewegt. „Was soll das bloß bedeuten?“, grübelt Mika. Dann hat er es: Malte deutet ihm, er solle auf den Baum klettern. Von einem über den Abhang hängenden Ast kann er dann direkt vor das Versteck springen.

Jetzt schleicht Mika besonders leise und vorsichtig. Besser hätte es kein richtiger Indianer gekonnt. Er klettert leise ein Stückchen hoch und hangelt sich dann zu dem überhängenden Ast. Leise verharrt er dort. Vom Abhang her robbt sich Malte heran. Der ‚Cowboy’ in seinem Versteck ahnt nichts von der Gefahr.
Auf ein Zeichen von Mika erhebt sich Malte und springt vor die Baumwurzeln. Tatsächlich sitzt wieder Mattes hier unten drin. Als er nur Malte sieht, wittert er seine Chance. Er möchte abhauen. Doch gerade als er fast neben Malte ist, hüpft Mika von oben mit einem wilden Schrei auf ihn herab.
„Jucheeee! Wir haben dich!“
Damit hat Mattes nicht gerechnet.
Nun lässt er sich auch abführen. Mika und Malte bringen ihn zum ‚Gefängnis’. Dort sind schon ein paar andere ‚Cowboys’ eingesperrt. Nur noch Nils und Jan fehlen. Als Malte und Mika sich gerade aufmachen wollen auch nach ihnen zu suchen, hören sie schon das Gejohle aus dem nahen Wald. Da kommen ihre ‚Indianer-Freunde’ und schleppen die letzten beiden ‚Cowboys’ als Gefangene heran.
Die Kirchturmuhr zeigt genau Viertel von vier. Die ‘Indianer’ haben also fünf Minuten vor der Zeit alle Cowboys gefangen. „Super“, ist Malte zufrieden.
„Jetzt haben die ‚Cowboys’ auch nur 25 Minuten, um uns zu fangen!“
Mit diesen Worten verschwinden die Indianer im Unterholz.
Die ‚Indianer’ sind auf dem Weg in ihre Verstecke. Die ‚Cowboys’ müssen die verabredeten zehn Minuten warten. Bei diesem Spiel kommt es immer wieder vor, dass sich eine Seite oder auch nur einzelne Mitspieler nicht an die Verabredungen halten. So auch heute: Jan will für die ‚Cowboys’ heimlich einigen ‚Indianern’ nachlaufen und so ihre Verstecke ausspionieren. Er schleicht deswegen etwas unterhalb des Abhanges in Richtung Wäldchen.
Genau aus dem Wäldchen kommt gerade Malte, um zu seinem vorbereiteten Versteck in der Spalte oben am Abhang zu kriechen. Im letzten Moment sieht er Jan auf sich zukommen. Er kann sich noch rechtzeitig hinter einem Busch in Sicherheit bringen. „So eine Gemeinheit!“, denkt er, „die baldowern uns aus.“
Malte kann von seinem Platz aus die Kirchturmuhr sehen. Es bleibt noch genügend Zeit, zumindest ein paar seiner ‚Indianer’ vor Jan zu warnen. Also läuft er zuerst zum Hühnerstall, den sein Freund Mika als Unterschlupf gewählt hat. Der weiß, wo Tom sich aufhält. Er wird es ihm sagen. Malte läuft zu seinem Versteck zurück. Er hat den weitesten Weg.
Nachdem Mika und Tom die anderen ‚Indianer’ informiert haben, schafft es Mika nicht mehr zum Hühnerstall zurück. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. Er muss sich ein anderes Versteck suchen. In der Eile fällt ihm nur noch die hohe Birke oberhalb der Landmaschinen-Werkstatt ein. Diesen Baum kann er gut beklettern. Das Laub ist dicht. Hier wird ihn wohl niemand finden.
Den Cowboys haben die Erkundungen von Jan nichts genutzt: Kein einziger ‚Indianer’ ist mehr an dem Platz, den der Spion seiner Gruppe genannt hat. Die Enttäuschung ist groß. Jan ist sauer. Er glaubt, dass Malte und Mika ihn bemerkt und alles verraten haben. Bis zum Ablauf der Suchzeit finden die ‚Cowboys’ gerade einmal Tim und Tom. Die anderen bleiben verschwunden. Die Regel besagt jetzt, dass eine Mannschaft noch einmal zehn Minuten Zeit zum Suchen hat; innerhalb dieser Zeit müssen alle gegnerischen Spieler gefunden sein. Sonst muss diese Gruppe noch ein weiteres Mal suchen.
Die ‚Cowboys’ machen sich also wieder auf die Suche. Auf einer Krüppelkiefer finden sie Sven. Die ‚Cowboys’ schütteln ihn vom Baum. Es kann dabei aber nichts passieren, weil unten weicher Sand liegt. Als sie schon aufgeben wollen, entdecken sie durch Zufall Malte in seiner Sandspalte: Nils muss mal. Er geht zum Abhang, um dort hinunterzupinkeln. Als Malte das von unten sieht, lacht er und springt schnell aus seiner Deckung und lässt sich lieber fangen.
Es fehlt also nur noch Mika.
„Mika musste nach Hause. Er hatte keine Lust mehr.“, erklärt Jan den anderen.
Doch diese Mitteilung war erstunken und erlogen. Der einzige, der wirklich schon nach Hause musste, ist Mattes, weil er noch im Geschäft seines Vaters helfen sollte. Was die anderen nicht wissen ist, dass Mattes und Jan Mika schon gefangen hatten. Sie haben ihn an der Birke angebunden. Sie wollten erst noch helfen, Malte zu finden und ihn später losbinden. Jan erzählt den anderen Kindern nichts davon, weil er immer noch wütend auf Mika ist.
So steht nun Mika immer ungeduldiger fest verknotet an der Birke und wartet, dass er endlich befreit wird. Nichts geschieht. Langsam wird es ihm unheimlich. Der Abend nähert, die Dunkelheit schleicht heran. Er hört die anderen Kinder. Sie gehen jetzt heim. Es lohnt nicht, ein neues Spiel zu beginnen. Sie wollen sich am nächsten Tag wieder treffen.
Mika sieht Herrn Ladwig, der gerade seine Tischlerei zuschließt. Dieser Betrieb liegt neben der Landmaschinen-Werkstatt von Schmidt. Meister Schmidt ist noch bei der Arbeit. Das Hämmern auf Metall scheppert weithin. Mika schreit: „Hallo! Hallo! Hey! Hey!“
Doch Herr Ladwig hört ihn nicht. Langsam bekommt er es mit der Angst zu tun.
Meister Schmidt macht jetzt wohl auch Feierabend. Die Geräusche aus der Landmaschinen-Werkstatt sind verstummt. Inzwischen ist es schon ziemlich schummrig. Mika nimmt noch einmal seine ganze Kraft zusammen und schreit heraus, was seine Stimme hergibt:
„Hiiilfe! Hiiilfe!“
Nach drei vergeblichen Versuchen sieht er, dass Meister Schmidt ihn bemerkt hat. Mühsam krabbelt der ältere Mann den Hang zur Birke hinauf. Erschöpft erreicht er Mika.
„Was haben die denn mit dir hier gemacht, Mika?“
„Die haben mich vergessen!“, bedankt sich Mika, der sich riesig freut, dass Herr Schmidt ihn befreit.
Meister Schmidt wählt für den Abstieg zusammen mit Mika den bequemeren Weg hinab über die Wiese von Bäcker Winkelmann. Mika erzählt ihm von dem Spiel. Meister Schmidt freut sich immer, wenn er die Kinder spielen sieht. Einige von ihnen besuchen ihn oft bei seiner Arbeit in der Landmaschinen-Werkstatt. Auch Mika ist oft bei ihm. Er darf sogar manchmal bei einigen Arbeiten helfen. Einen Gedanken wird Mika allerdings während dieses Gespräches nie los:
„Warum haben Jan und Mattes mich nicht befreit?“
Er wird es morgen in der Schule klären.
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