Kitabı oku: «Meine Epoche Ost»

Yazı tipi:

Kalman Kirchner

MEINE EPOCHE OST

Eine autobiografische Erzählung

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Gestaltung: Maria Müller

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Prolog

Zurück zu den Wurzeln

„Maguela“ und beim Frisör

Ab jetzt zu mir

Der Staat – seine Organe und ich – Teil 1

Mohn – kann man davon einen Rausch bekommen?

Im Paradies

Die Sammler

Haus und Hof

Der Tierhalter – Teil 1

Warum rasiert man einen Knödel? Oder: mein anderer Opa

Der Tierhalter – Teil 2

Der Ministrant

Tabak

Fische fangen

Tuten, Kuba und Mosis

Sex mit sechs

Der Staat – seine Organe und ich – Teil 2

Die Schulzeit

Der Staat – seine Organe und ich – Teil 3

Die schönste Zeit im Jahr

Bauen, anbauen, umbauen

Kann man glühend heißes Eisen anfassen?

Session

Die Penne

Ferienarbeit

Kein Moped – kein Spaß?

Man nannte ihn Jack

Er tat, als ob er dösen wolle

„Schmirzeln“

Karneval

Der Leihwagen

Westbesuch

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Blödheit und Schwachsinn?

Rock und Pop und Blues und Rock Jazz und, und, und

Ich muss zur Fahne

UFO

Politunterricht – und was wir sonst so trieben

AWACS

Gefechtsalaaaaarm!

Die Russen

Lange Tage bei der NVA

Fischlstechen

Geschafft!

Prag

Entlassungsfeier

Studieren

Discomucke

Wie erobert man seine Traumfrau

Der verwunschene Wolf

Ein Ausflug

DR – Deutsche Reichsbahn

Fleißig, fleißig

Sommer in Ungarn

Jesuslatschen – streng verboten!

Frob

Reservist der NVA! Noch mal der ganze Scheiß?

Männertag

Zwickau – Glauchau – Leningrad – Riga – Tallinn

Auf zum 7. Semester

RoBuR und andere Krankheiten

Akademischer Grad im VEB

Der „technische“ Hahn im Korb

Das Ende der Geduld

Abhauen!

Mein Tag „X“

Willkommen in der Freiheit

Wiener Schnitzel

Kaiserstraße

Aus die Maus

Perspektiven

Begriffserklärungen

VORWORT

Meine Aufzeichnungen sind all denen gewidmet, die mit diesem darin abgehandelten Zeitraum etwas anfangen können. Und denen, die sich daran erinnern möchten, denen, die neugierig auf solche Zeitgeschichten sind, Episoden aus einem Staat, den es nicht mehr gibt. Denen, die es sich nicht vorstellen können oder wollen, wie manches im „anderen“ Teil Deutschlands ablief. Verfasst auch für all diejenigen, die das mit mir auszuhalten hatten – allen Mitmenschen aus meinem direkten Umfeld: Danke!

Besonderer Dank geht an die hilfsbereiten Österreicher aus dem idyllischen Burgenland, die uns herzlich empfingen und sich fürsorglich um uns kümmerten, als wir deren Boden ungefragt betraten. Danke an alle Menschen in Ungarn und Franken, die mit involviert waren und es uns dadurch leichter möglich gemacht hatten, den unwiderruflichen Schritt in eine andere Richtung zu wagen. Expliziter Dank an die erlesene Weiblichkeit, die mir die ganz speziellen Momente bis dahin versüßte. Und danke, Petra K. aus M., denn du sagtest zu mir: „Das musst du doch aufschreiben!“

PROLOG

Das waren siebenundzwanzig Jahre in dem deutschen Teil, der gar nicht mehr zu Deutschland dazugehören sollte, wäre es nach dem Willen der seinerzeit Regierenden gegangen. Dass es denen letztendlich nicht mit der totalen Abspaltung gelang, bezeugt die jüngere Geschichte. Nicht selten spielt das Leben halt anders, als man es sich in seiner kühnsten Fantasie ausmalen kann.

Etwa ein viertel Jahrhundert geht in so einem Staatsgebilde nicht spurlos vorüber und hinterlässt eine spezielle Prägung seiner Bürger. Nicht unbedingt negativ, nein, nur etwas anders im Vergleich zu den „restlichen“ deutschsprachigen Strukturen. So war es auch bei mir. Schließlich konnte ich mir es nicht aussuchen, wo hinein ich geboren wurde, wie und wo ich aufwachsen werde!

Ich glaube, ein Kind kommt mit den unterschiedlichsten Milieus und Gesellschaftsformen viel eher zurecht als ein Erwachsener. Mal abgesehen von extremen Formen, so weit war es größtenteils nicht. Wenn man irgendwo hineingeboren wird und mit diesen Gegebenheiten aufwachsen muss, spielt es nicht die primäre Rolle, viel zu besitzen. Das Schönste für ein Kind ist es, glücklich sein zu dürfen, egal wo. Und Glück hängt nicht von finanziellem Reichtum ab.

Mein Dasein war nie von irgendeiner Art „Überlebenskampf“ oder empfundenen Mangelerscheinungen geprägt. Zudem gab es ja in der Zeit meiner Kindheit auch kein starkes soziales Gefälle: Ob Lehrer, Arbeiter, Zahnarzt, die Lohntüten oder Gehälter unterschieden sich zwar schon etwas voneinander, aber bei Weitem nicht so stark wie in den späteren Jahren.

So wuchs ich in einer für ostdeutsche Verhältnisse recht gut situierten Familie auf. Es war ein elterlicher Mix aus Intelligenz (unter dieser staatlicherseits geprägten Rubrik wurden die Pädagogen eingestuft: meine Mutter) und sogenannter Arbeiterklasse (der Vater, ein Werkzeugmacher). Später kam mein Schwesterchen dazu. Somit waren wir vollzählig.

Wir lebten zusammen mit meinen Großeltern mütterlicherseits in einem eigenen Haus in einer typischen Kleinstadt mit viereinhalbtausend Einwohnern in einem Teil im „Tal der Ahnungslosen“ – wie es sprichwörtlich bezeichnet wurde. Denn meine Landsleute dort dürften mit zu den „ahnungslosesten“ überhaupt gezählt haben, wenn man das auf den Empfang westlicher Medien bezieht. Doch dazu später mehr.

Ich hatte für mein Befinden wirklich eine unbeschwerte und glückliche Kindheit. Es waren eher die Ärgernisse, die stetig größer werdenden Engpässe, die indirekte oder direkte Bevormundung und wachsende Beschränkungen, die mit zunehmendem Alter zunächst nur nervten, dann störten, später mehr zum „anarchischen Verhalten“ meinerseits und auch weiterer Teile der „ahnungslosen“ Bevölkerung führten.

Die Mehrzahl der Bürger ahnte es und war davon überzeugt, dass das Experiment einer sozialistischen Gesellschaft früher oder später scheitern würde, falls es weiter so bergab ginge. Nur vorstellen konnte man es sich nicht wirklich.

Klar, es gab und gibt immer Mitmenschen, die jede Gesellschaftsform so egoistisch wie möglich für sich ausnutzen können und dabei in Kauf nehmen, dass andere benachteiligt oder geschädigt werden. Dieses Verhalten war sicher besonders prägend im Handeln der Führungsriege in Ostberlin, die mit ihren Untergebenen, „ihrem“ Volk, lange genug herumexperimentierten. Despoten vergangener Jahrhunderte hätten das nicht besser hinbekommen.

Was konnte man denn tun? Den Kopf in den Sand stecken, alles schlucken, egal was kommt, schön brav mitlaufen oder gleich resignieren? Oder so aufmüpfig sein, um mit Knast belohnt zu werden? Beides waren keine Intentionen für mich und eine Zwischenlösung konnte ich mir auf längere Frist nicht vorstellen. Für mich gab es irgendwann einfach keine Perspektiven mehr innerhalb der Grenzen dieses „Experiments“. Es war nicht „das Meine“ und alles hat eben sein Limit. Und 1989 war es dann so weit.

Was bis zu diesem, für mich historischen Wendepunkt alles Witziges, Lustiges, Nachdenkliches und Seltsames geschah und publizierbar ist, wird hier aufgeschrieben. Klar gab es auch Trauriges. Einer der bewegendsten Momente war, als 1980 meine liebe Oma starb.

Ich habe einen Teil an Tatsachen aufgeführt, „meine“ Wahrheiten und Erlebnisse, die ich der geneigten Leserschaft zumuten will. Nein, es sind keine Märchen. Es sind Episoden, meine Erinnerungen. Auch keine Autobiografie, ich bin ja kein Prominenter. Viele haben sicher Ähnliches erlebt, es nur nicht zu Papier gebracht. Obwohl: Ein paar Unikate dürften schon dabei sein. Freunde, die manche der Storys kennen, nervten mich oft: „Das musst du aufschreiben!“

Na gut, also fing ich damit an, mir irgendwann Notizen zu machen und nach mehr als achtzehn Jahren „geistiger Sammlung“ liegt das gereifte Resultat nun vor: Meine „Epoche Ost“. Geschichten, wie sie sich in meinem Alltag abspielten, ungeschönt, einfach drauf zugeschrieben. Selbst die meisten Namen sind real. Nur einige davon habe ich bewusst geändert, es ist ja nicht meine Absicht, jemanden zu verärgern. Bis auf wenige gewollte Ausnahmen sollte sich auch niemand beleidigt fühlen, oder?

Und wenn schon! Was soll’s. Auch nicht schlimm …

Es war also wirklich einmal und – vor noch gar nicht so ewig langer Zeit.

ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Die Quelle meiner Vorfahren (sozusagen die genetischen Wurzeln meines Ursprungs) lag außerhalb der Grenzen Nachkriegsdeutschlands. Germanen gab es fast überall auf der Welt, ohne tiefgründiger in das „Warum“ einzutauchen. Sie tummelten sich mal mehr, mal weniger friedlich seit Jahrhunderten in den verschiedensten Regionen. Abgesehen von den Potentaten, die in kriegerischer Absicht auftraten, wie während der Zeit, als ein geisteskranker (An-)Führer oberösterreichischer Herkunft die Deutschen in der ganzen Welt über tausend Jahre dauernd ansiedeln wollte.

Die, auf die ich mich hier beziehe, waren ein friedliches Völkchen. Jede der unter diesem Volksstamm lebenden Grüppchen entwickelte ihre individuellen Besonderheiten, Eigenarten und Dialekte.

Eine dieser, eine ganz besondere Fraktion, war mit Sicherheit die, die sich vor zig Jahrzehnten oder Jahrhunderten – wer weiß das schon genau – in den (nach 1945 wieder neugegründeten) ungarischen Landen niederließen. Davon galten als besonders speziell diejenigen, die in dem nördlich vom Balaton liegenden Gebiet um Veszprém und Zirc (sprich: „Wesbrehm“ und „Sierz“) herum siedelten. Hier ist auch der Ursprung meiner Vorfahren zu finden.

Ein überwiegender Teil derer stammte aus Rossbrunn (auf Ungarisch: Lókút), einem Dorf mit „Weltgeltung“. Muss wohl so gewesen sein, heute kann man per Google Street View dort durchfahren. Die Mehrzahl der Einwohner waren Deutsche. Die Umgangs- und Amtssprache im Ort war Deutsch. Ungarisch lernte man als Fremdsprache in der Dorfschule.

Einige wenige Nachfahren jener findet man noch heute dort. Einer davon hat es später in den USA sogar zum Millionär geschafft, angeblich gar nicht so weit entfernt von meinem Stammbaum. Es waren also nicht gerade die dümmsten.

Rossbrunn bestand aus einem Oberdorf und einem Unterdorf (aus diesem Tatbestand, den zwei Ortsteilen, entstand ein eigenes Lied, dessen Inhalt hier aufzuführen das Niveau dieses Textes zu weit absenken würde). Malerisch umgeben von Feldern und Wald, Wiesen und Wald und Feldern und einem Tümpel und Wald und Wald und – was weiß ich.

Dort gab es alles, was man (seinerzeit) zum Leben brauchte: einen Kindergarten, eine Schule, eine katholische Kirche, direkt gegenüber lag eines der drei Wirtshäuser inklusive Frisör, einen Friedhof hinter dem Gotteshaus, zwei Geschäfte, eine Schmiede, eine Tischlerei, ein paar weitere Handwerker und eine dorfeigene Feuerwehr. Und ringsherum erstreckten sich die Ländereien der Klein- und Großbauern.

Versorgt wurde sich größtenteils autark. Es gab alles Mögliche an Getier, was man so benötigte. Schnaps stellten die meisten selber her. Man lebte für damalige Verhältnisse so weit ganz gut und ungestört in Rossbrunn.

Und: Man feierte, was man feiern konnte. Heiratete jemand, war das gesamte Dorf eingeladen. Die Hochzeitsfeier verlief über volle drei Tage, von Freitag bis Sonntag. Heiratete gerade mal keiner, gab es genügend kirchliche Feiertage und weitere wichtige Anlässe.

Natürlich gingen die beiden Weltkriege nicht spurlos an Rossbrunn vorbei. Die dortigen Machthaber selber waren stets eifrig dabei, an der Seite der Deutschen mitzumarschieren. Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, dessen Ausgang bekannt ist, durften sich diejenigen, die unter dem ungarischen Hitlerfreund Horthy direkt oder indirekt den ganzen Scheiß mitgemacht hatten, und diejenigen, die der Abstammung nach Deutsche waren, aus ihrer geliebten Heimat für immer verabschieden. Eine Racheaktion des von den Sowjet-Russen besetzten und überwachten neuen Ungarns, nun nicht mehr zur zerbrochenen österreichisch-ungarischen Monarchie gehörend.

Januar 1948. In einer Nacht- und Nebelaktion wurden alle Deutschstämmigen, die bis dato noch nicht selbst aus Angst vor den Russen oder vor Vergeltungsmaßnahmen geflüchtet waren, aufgefordert, Haus und Hof unverzüglich zu verlassen. Zu der Räumungsaktion rückten die russisch kontrollierten ungarischen Nachkriegskommunisten an. Alles wurde besetzt und beschlagnahmt. Mit dem, was sie am Leib hatten und auf einen Pferdewagen verfrachten konnten, wurden sie nach Zirc gebracht, dort in einen Güterzug verfrachtet und nach Deutschland verschickt.

Die Häuser, Gehöfte und Ländereien wurden entschädigungslos enteignet und unter den Neu-Ungarn verteilt. Das Gehöft meiner Großeltern mütterlicherseits ist aufgrund der nun folgenden rein-ungarischen „Pflege“ später völlig zerfallen.

Nur ein paar wenige Einwohner ohne Vermögen, die mit einer Ungarin oder einem Ungarn verheiratet waren oder deren ungarischen Namen angenommen hatten, durften bleiben. Die besser situierten Deutschstämmigen verloren urplötzlich alles.

Einige andere hatten sich bereits rechtzeitig vor dem Einmarsch der Rotarmisten aus dem Staub gemacht und sind direkt in den amerikanisch besetzten Teil Deutschlands abgewandert. Das waren letztendlich – in einer die Tatsachen verdrehenden und die Geschichte verfälschenden Weise – diejenigen, die nach 1989 von den Ungarn als die wahren „Vertriebenen“ gleichsam angehimmelt wurden. Diese waren im (später reichen) Westen Deutschlands gelandet und wohl was ganz Besonderes.

Erste Station eines der Sonderzüge in dem in vier Besatzungszonen unterteilten Deutschland war ein Auffanglager in Pirna an der Elbe im schönen Elbsandsteingebirge. „Ostzone“, zu den Russen – wieder! Oh Gott! Ein anderer Teil hatte mehr Glück, kam gleich direkt nach Passau.

Von diesen beiden Ausgangspunkten trennten sich die Bande der Vertriebenen: Die eine Gruppe wurde in Bayern sesshaft, wo schon die vorher freiwillig Ausgereisten lebten, der meinige war in Sachsen angelandet, letztendlich in der Oberlausitz.

Nach kurzen, aber wirkungsvollen Reibereien mit den alteingesessenen sächsischen „Platzhirschen“ verschafften sich die Neuankömmlinge schnell Respekt und Achtung. Dabei flogen auch schon mal die Fäuste. Eine Ohrfeige aus der Hand eines meiner Onkel konnte da durchaus einen gebrochenen Unterkiefer zur Folge haben. So viel dazu. Wie gesagt: Es waren zum Teil recht wirkungsvolle Auseinandersetzungen.

Seit dieser Zeit leben sie nun in großer Zahl, Familie, Verwandte und Bekannte, friedlich zusammen mit den Sachsen, mit den ebenfalls nach Kriegsende ausgesiedelten Schlesiern und mit denen, die noch so alle vertrieben wurden und in der landschaftlich idyllischen Oberlausitz dann eine neue Heimat fanden.

Die Mehrzahl der Ungarndeutschen hatte es binnen weniger Jahre erneut zu einem eigenen Haus gebracht und arrangierte sich nun mit dem gegebenen Umstand, dass sie nie mehr in ihre alte Heimat zurückkehren würden. War ja alles weg, wohin also? Wohl oder übel – sie blieben da.

„MAGUELA“ UND BEIM FRISÖR

Viel Neumodisches gab es für die Ankömmlinge in Sachsen zu erkunden. Wenn man vom Dorf in eine kleine Stadt kommt, hat das ein anderes Flair. Es gab im direkten Vergleich zu Rossbrunn erheblich mehr: zwei Kirchen, zwei Schulen, zwei Marktplätze mit zahlreichen Geschäften, mehrere Bäckereien und diverse Fleischer, wenigstens sechs größere Betriebe, eine Reihe an Gasthäusern und Bierstuben, Frisöre, die Polizeistation und, und, und … Sogar einen Entblößer, allerdings erst etwas später, zu meiner Kinderzeit.

Und da gab es auch ein paar Termini, die nur die Ungarndeutschen erfinden konnten oder in ihrer neuen Heimat ihrem Wissensstand entsprechend deuteten:

Sör nennt man in Ungarn bekanntlich das Bier. Da prangte doch auf dem Markt an einem Haus das Schild „Frisör“. Was kombinierte daraus einer der cleveren älteren Landsleute: Sör heißt Bier und die Silbe „Fri“ kann ja nur „frisch“ bedeuten. Sein Fazit: Hier gibt es „frisches Bier“. Er holte seinen Bierkrug von zu Hause und marschierte damit schnurstracks zum – Frisör.

Die Großmutter meines Cousins stritt sich im Lebensmittelladen bis aufs Messer mit einer Verkäuferin um „Maguela“. „Maguela“ kaufe sie immer hier und die Geschäftsfrau antwortete, dass es in dem Laden noch nie „Maguela“ gegeben hätte.

„Dees giabt’s jo neet“, wetterte die Oma, sie bestand auf dem Zeug, sie hatte es hier gekauft und wollte es haben!

Was um Himmels willen sollte das denn sein, „Maguela“?

Sie versuchte es der Verkäuferin in ihrem Slang zu erklären: „A schwoaza Schnops“ – ein schwarzer Schnaps.

„Gibt’s nicht“, war die hilflose Antwort.

Beide waren kurz vorm Verzweifeln. Das Muttchen wurde langsam böse, da sie annahm, man wolle ihr ihren Lieblingsfusel absichtlich vorenthalten. Sie wedelte schon mit ihrem Gehstock herum. Bis die Inhaberin selbst in den Verkaufsraum kam und sofort wusste, was die alte Dame immer kaufte: einen Likör, nicht „Maguela“, sondern „Mocca Edel“.

Für solche und viele weitere Amüsements sorgten die neuen Mitbewohner schon ab und an. Wenn wir als Kinder und Heranwachsende – bei welcher Gelegenheit auch immer – solchen Erzählungen lauschen durften, tat einem gelegentlich schon das Gesicht weh wegen des vielen Lachens.

Erst viel später sah man in Ungarn ein, welch fataler, großer Fehler mit der Vertreibung begangen worden war. Nach dem Zerfall des Ostblockes. Zu spät. Viele der Betroffenen waren verstorben.

Mein Großvater erhielt eine „großzügige“ Entschädigung für Haus, Hof, Stallungen, Pferde, Vieh und einige Hektar Land: satte zweitausend DM. Er wusste vor Schreck gar nicht, wohin mit soooo viel Geld.

Ein anderer Ungar hat – mit Zeitverzögerung – Ende der achtziger Jahre viel gut gemacht: Gyula Horn, der damalige Ministerpräsident, hatte es erkannt, als er am 27. Juni 1989 Seite an Seite mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock der pervertierten Sozialismuskreatur den Hals durchschnitt: besser gesagt, den Stacheldraht an der Grenze zwischen diesen beiden Nachbarländern.

Das war ein „Dolchstoß“ in Erich Honeckers Herz, trotz alledem hatte dieser selbst im August 1989 noch solche Geistesblitze geäußert wie: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Selbst bei seinem „Abschiedssingsang“ am 7. Oktober 1989 träumte er von seiner hundertjährigen Mauer, als ihm Gorbatschow das geschichtliche Bein in den Weg stellte.

Aber gut, dazu später mehr. Erst mal zurück ins Jahr 1962.

AB JETZT ZU MIR

Es war so weit: Ich war da. Beim Erblicken des Lichtes der Welt konnte ich nicht mal ahnen, was mir die folgenden mehr oder weniger interessanten Jahre meines Erdendaseins bieten würden. Wie sollte ich auch?!

Ein Fakt: Ich war als Baby intelligent und gelehrig. Ich konnte mir schnell das Zukacken der Windeln verkneifen, habe dadurch meiner Mutter viel Kocherei erspart (es gab noch keine Pampers) und war zügig auf den Beinen. Ja, verdammt war ich gut.

Freilich kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es war, aus der Flasche zu nuckeln, an ein paar andere Begebenheiten meiner Kinderzeit schon: Wie beispielsweise an Wendelbácsi (man spricht: Wendelbatschi), so nannten wir unseren nicht aus der direkten Verwandtschaft stammenden „Onkel“ Wendelin mit ebenfalls ungarndeutscher Herkunft. Ein paarmal im Jahr kam er zu uns und verschwand dann mit meinem Opa in der riesigen Holzscheune, die auf unserem Grundstück stand. Ich vermutete, dass er mit unseren Kaninchen spielte. Es war ein lustiges Gequietsche zu hören – Babys geben ähnliche Laute von sich, wenn man sie kitzelt.

Erst später dachte ich über die dumpfen Schläge zwischen dem Gequietsche intensiver nach. Und als ich rein zufällig in den Schuppen blickte, hatte Wendelbácsi ein Messer in der Hand, das arme Tier an den Hinterpfoten aufgehängt und ihm bereits das Kuschelfell abgezogen. Es war eigenartig und gruselig und ich dachte mir: Das sieht nicht gut aus! Seltsame Spiele kennen die Erwachsenen.

Abgesehen davon war er jedoch ein guter Mensch, besonders zu uns Kindern. Bei ihm und seiner Frau, Tante Aranka, gab’s für uns immer was zu essen, zu trinken oder zu naschen: Bongsel (= Bonbons).

Wie alle anderen richtigen Jungs vergnügten wir uns gern und viel mit den unterschiedlichsten Objekten. Man konnte mit allem spielen, vorausgesetzt, man nutzte seine Fantasie. Wer sich an die sechziger Jahre erinnern kann, wird ahnen, dass sich die uns zur Verfügung gestandenen Utensilien doch erheblich von den neuzeitlichen Spielzeugen unterschieden. Man musste einfach kreativ sein.

Und in unserer gewaltigen Scheune fanden sich Unmengen an irgendwelchem Zeug, das wir als Kinder gebrauchen konnten. Von einigen Gegenständen sollte man zwar besser seine Finger lassen, denn dort stand alles rum, angefangen von der Axt bis zur messerscharfen Sense, eben alles – früher wurde so was nur wegen der Kinder nicht weggeräumt. Und wenn es noch so verrostet oder seltsam war, für irgendetwas war es nützlich.

So setzten wir zum Beispiel auch die kleinen Hacken ein, die meine Oma normalerweise auf dem Friedhof verwendete oder damit Gemüsebeete im Garten bearbeitete. Dass solche Dreizack-Häckchen beim Spielen mit den Plastikindianern im Sandhaufen mal auf den Kopf des besten Kumpels wanderten, bis das Blut kam (jawohl – wir waren so was wie Blutsbrüder), konnte man nicht ausschließen. Da war der Ärger seitens unserer Eltern schon mal vorprogrammiert. War aber alles halb so wild. Wie heißt es so schön: Pack schlägt sich – Pack verträgt sich.

Meiner Schwester wollte ich als kleiner Junge frühzeitig das Spielen mit dem Sand schmackhaft machen. Als sie – zwei Jahre jünger als ich – nach dem Mittagsessen im Kinderwagen zum Schlafen in den Hof rausgestellt wurde, hatte ich die Aufgabe, sie neben dem Spielen zu beaufsichtigen. Irgendwann wurde sie munter und unruhig im Kinderwagen. Wollte sie auch mit Sand spielen? Das deutete ich aus ihrem Geplärre. Also schaufelte ich ihr den Sand in den Wagen. Die Äuglein voll, es knirschte heftig zwischen den ersten paar kleinen Zähnchen. Auweia … Ging für mich nicht gut zu Ende dieser Tag. Wieder was dazugelernt.

Selbst richtig scharfe Messer hatten wir. Solche, mit denen die Jäger im Wald unterwegs waren, mit einer etwa fünfzehn Zentimeter langen Klinge und einem dicken Schaft aus Geweihstücken, Hirschfänger genannt. Woher, weiß ich nicht mehr, wir hatten sie eben. Die brauchten wir, um uns Pfeifen oder Flöten (etwa ein zehn Zentimeter langes Stück fingerdickes, grünes Haselnussholz mit einer Kerbe versehen) herzustellen: mit Spucke so lange einweichen und ringsherum mit dem Messergriff dengeln (klopfen), bis sich die zarte Rinde im Ganzen vorsichtig wie eine Hülle abziehen lässt, die bei einer Trillerpfeife üblichen Öffnungen für die Luftwege aus dem Holz schnitzen, die Hülle wieder draufschieben – fertig! Oder um Pfeil und Bogen oder Katapulte zu bauen. Es gab früher die dicken Gummis für die Einmachgläser, die besorgte ich mir von meiner Oma. Schlüpfergummis machten sich auch gut. Für ein extrastarkes Katapult zerschnitten wir Fahrradschläuche, die hatten dann aber richtig Schmackes. Später bauten wir auch Armbrüste damit.

Als Geschosse nutzten wir große Kieselsteinchen oder besorgten uns aus dem am Markt ansässigen Metallwarengeschäft fette Eisenkrampen. Die flogen locker hundert Meter oder weiter. Wohin auch immer. Manchmal knallte es irgendwo. Aber wir waren doch noch Kinder!

Es kam die Zeit, als mein Schwesterchen alleine laufen lernte. Als sie das einigermaßen beherrschte, war sie in der Regel unterwegs: Sie war weg. Ihr Drang nach persönlicher Freiheit war von Beginn an extrem markant. Dagegen half nur eins: Man musste sie anbinden. Niemand konnte ständig hinter ihr her sein, also besorgte sich meine Mutter ein Halfter und befestigte die permanente Ausreißerin mit einer fünf Meter langen Leine an dem Wäschepfahl im Hof oder hinten auf der Wiese. Zehn Meter Durchmesser im Freilauf – zum Spielen.

Band sie einer aus Versehen oder aus Mitleid los, war sie wieder weg. Irgendwann brachten sie Leute vom zweihundertfünfzig Meter entfernt liegenden Marktplatz zurück, dort traf man sie an, nur mit einer Windel und Schlüpfer bekleidet. Sie war wieder mal ausgebüxt. Derweil war sie als Ausreißerin bekannt und man wusste, woher sie kam.

Je älter, umso furchtloser wurden ihre Fluchtaktionen. Selbst hohe Zäune waren für sie kein wirkliches Hindernis. Unser Garten war in südliche Richtung mit einem etwa zwei Meter hohen, schön satt mit altem Motorenöl schwarz getünchten Holzlattenzaun versehen. Jede einzelne Latte war oben angespitzt, sollte ja niemanden dazu einladen, von außen her drüberzuklettern. Die einzelnen Abschnitte wurden durch dicke Granitsäulen gehalten.

Eines Tages hörte mein Opa, der sich auf dem Gemüsebeet seinen Anpflanzungen widmete, ihre Rufe: „Oooopaaaaa – ich häääänge!“

Tatsächlich, er traute seinen Augen kaum, beim Versuch, diesen Zaun zu überwinden, rutschte sie ab und eine Holzlatte durchbohrte – zum Glück nur – ihr dünnes Sommerkleidchen in Brusthöhe und sie hing kopfüber im Zaunfeld! Horror!

Sie war als Kind immer der quirligere Teil der Familie. Damit wenigstens beim Essen Ruhe einkehrte, hatte mein Vater ein ganz profanes Mittel: Um sich anbahnende Unruhen bereits im Keim zu ersticken, legte er wortlos neben seinen Teller mit dem üblichen Besteck einen Holzkochlöffel ab. Dieser hatte tatsächlich beruhigende Wirkung.

DER STAAT – SEINE ORGANE UND ICH – TEIL 1

Bereits mit vier Jahren hatte die Staatsmacht auf mich einen ersten, prägenden – negativen Eindruck hinterlassen.

Ich weiß noch: Eine kurze Zeit lang musste ich den örtlichen Kindergarten besuchen. Kindergarten! Das war für mich wie Gefängnis mit Außenschläfer oder wie man das nennt. Ich und Kindergarten, die härteste Strafe überhaupt! Noch weit vor Stubenarrest. Ich habe absolut keine guten Erinnerungen an diesen Ort, habe fast alles schnell aus meinem Erinnerungsvermögen gestrichen.

Nur ein paar Fragmente blieben hängen: Es gab große Volieren mit Vögeln, Fasanen. Was sonst noch drin flatterte, weiß ich nicht mehr. Die waren mir im wahrsten Sinne des Wortes als dunkle Verschläge im Kopf verblieben, gespenstisch düster und unheimlich.

Und an noch etwas erinnere ich mich. Eines Tages mussten wir in einer Reihe antreten, als der ABV (ABV heißt „Abschnittsbevollmächtigter“ – welch hirnlose Wortprägung für einen „Volks“-Polizisten, der für einen „Abschnitt“ bevollmächtigt war), so nannte man den Ortspolizisten, uns der Nase nach begutachtete. Einer hatte wohl was ausgefressen, kann mich aber nicht mehr erinnern, wer und was. Wie gesagt, es war im Kindergarten, wir Kinder waren etwa vier Jahre alt!

Dieses widerwärtige Schnüffelgesicht des ABV erinnert mich im Nachhinein an ein Hausschwein, welches genüsslich mit der Schnauze im Dreck wühlt und vor sich hin grunzt. Uns machte das Angst.

Dieses Ereignis hat sich mir äußerst negativ eingeprägt. Vielleicht war es ein Ziel dieses Staates, mit der Einschüchterung früh zu beginnen? Ab diesem Moment waren bei mir die „Volks“-Polizisten als „Freunde und Helfer“ unten durch.

Den Kindergarten hasste ich wie die Pest. Und schließlich hatte meine Methode, während des täglichen Anmarsches so herzzerreißend zu heulen – wie, wenn man jemanden zum Abdecker bringen würde – bei meinem Opa so einen durchschlagenden Erfolg, dass er vor lauter Mitgefühl wieder mit mir nach Hause ging. Zum guten Schluss beschlossen meine Eltern, bei mir auf diese Einrichtung zu verzichten. Und so konnte ich mich wieder dem Spielen mit meinem besten Freund – der ebenfalls nicht in diese Einrichtung gehen musste – und den gemeinsamen Erlebnissen unserer Art der Freiheit widmen.

MOHN – KANN MAN DAVON EINEN RAUSCH BEKOMMEN?

Im Grunde genommen waren meine Schwester und ich liebe Geschwister, okay, meistens, na gut – oft. Die meiste Zeit verbrachte ich eh mit meinem Freund. So kamen wir uns selten ins Gehege.

Wir zwei Jungs waren viel unterwegs, falls wir uns nicht gerade gegenseitig mit Hacken drangsalierten und aufgrund dessen zwangsgetrennt wurden. Ob es regnete oder schneite, interessierte uns nicht im Geringsten. Hauptsache draußen.

Die schlimmste Strafe für uns war Stubenarrest. Damit könnte man der heutigen Computergeneration einen Riesengefallen tun. Für mich und ihn war es das blanke Elend, zu Hause eingesperrt zu sein. Wir hatten ja auch traumhafte Bedingungen zum Ausgehen.

Auf unseren Touren wurde permanent nach Essbarem geforscht. So entdeckten wir beispielsweise den Mohn als schmackhaften „Snack“. Der Mohnanbau war im Osten, so weit ich weiß, nicht verboten. Das Produkt Mohn sollte auf dem Kuchen landen und nicht in der Spritze.

Zu jener Zeit hatte ich zwei Arten der Begegnung mit dieser Kapselfrucht. Die eine, die ich fürchterlich fand, wenn meine Mutter auf die Idee kam, Mohnkuchen zu backen oder Pflaumenklöße herzustellen und ich dazu den Mohn mahlen musste. Dazu diente die Mohnmühle, eine hölzerne Handmühle, ähnlich einer alten Kaffeemühle, in die man oben die Mohnsamen reinschüttete und dann die Kurbel drehen und drehen und drehen musste, es ging kaum was durch. Reinste Strafarbeit. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Ich erinnere mich, zwölf bis fünfzehn Minuten benötigte ich für ein Döschen zerquetschten Mohns, welchen man dann unten rauszog. Die drei- oder vierfache Menge wurde für die Pflaumenklöße benötigt, für den Kuchen noch mal das Doppelte. Die Resultate aber waren einfach köstlich.

Mohn – natur! Frisch vom Feld, das war die zweite Variante, eher was für uns Jungs. Mein Opa hatte auf einem seiner Äcker ein Teilstück mit Mohn bestellt, hellblau blühender Mohn (Schlafmohn) war es. Im Sommer auf dem Weg zu unserem Lieblingsziel, dem Steinbruch, nutzten wir die Gelegenheit, um uns hier erst einmal richtig zu stärken. Am besten schmeckte uns der Mohn, wenn er noch unreif war, innen helle, weiße Samen hatte. Nun ja …

Warum man später keinen Mohn mehr anbauen durfte, muss man nicht verstehen, uns hat’s geschmeckt und es ist uns gut gegangen, vorher und danach. Dass wir davon „high“ geworden wären, kann ich nicht behaupten, abgesehen mal davon, dass wir diesen Zustand als solchen nicht kannten. Eher wohl nicht, denn der Sauerampfer (der wuchs besonders gut auf den naturgedüngten Kuhwiesen, also Bio vom Feinsten), den wir ebenfalls frisch geerntet verzehrten, hat diesen Effekt bestimmt neutralisiert.

Wir tranken auch das Wasser aus den kleinen Bächen. War es klar – war es (für uns) sauber und trinkbar. Krank wurden wir davon nie. Wir hatten auch niemals einen Bandwurm oder so ein Zeug.

IM PARADIES

Regelmäßigstes Ziel in der warmen Jahreszeit war unser Steinbruch, etwa fünfundzwanzig Kinder-Gehminuten vom Haus entfernt – eine wirklich traumhafte, natürliche, wunderschöne Idylle. Ich kenne keinen anderen Ort meiner Kindheit, der mir so im Hirn festgeschrieben blieb wie dieser kristallklare, dunkelblaue See, gesäumt von einem Grün, wie man es nur im Paradies noch schöner hätte finden können. Na ja, so in etwa.

Man muss sich das so vorstellen: Von innen betrachtet sah es dort aus wie in einem kleinen, erloschenen Vulkan, mit etwa zwanzig Meter hohen, schräg aufsteigenden Granitfelsen und zum Teil mit sattem Grün, Bäumen und Sträuchern bewachsenen Wänden, an denen man als sportlicher Junge relativ gefahrlos hochklettern konnte. In Richtung Süden war dieser vulkanähnliche Kegel aufgeschnitten. An dieser Stelle konnte man in den Steinbruch hineinlaufen oder hineinfahren. Hier war das Wasser auch sehr flach und fiel Richtung Mitte weiter steil ab. Um den See herum, er hatte etwa vierzig bis fünfzig Meter Durchmesser, konnte man im Kreis laufen.

Bis nach der Mittagszeit waren wir zwei fast immer alleine vor Ort. Oft sind wir dort schon so zwischen neun und halb zehn Uhr eingetroffen. Später, nachmittags, kamen dann die Älteren, die sich ein Blockhaus auf einem Vorsprung am Wasser gebaut hatten. Sie grillten dort, machten Lagerfeuer, tranken und badeten im doch recht kühlen Wasser. Mit uns hatten sie aber nichts am Hut. Sie duldeten uns, wir hielten uns von ihrer Hütte fern, gegenseitig einvernehmlich.

Aus den umliegenden Haselnussbüschen, Weiden und anderen Hölzern schnitten wir uns Ruten für Pfeil und Bogen und bastelten daraus unsere Katapulte oder Pfeifen (die zum Krachmachen, nicht die zum Rauchen, Letztere nutzen wir erst später).

Das Wasser war so sauber, dass man es wahrscheinlich hätte trinken können. Aus dem glasklaren Nass angelten wir Flussbarsche mit unserer auf eine Holzgerte gebundenen Handangel, die man für neunzig Pfennige im Sportgeschäft kaufen konnte. Mit etwas Glück und Geschick holten wir selbst Krebse raus. Um die Viecher zu erwischen, mussten wir die Angel ganz behutsam hochziehen, dann hatten sie den Brotklumpen noch fest zwischen den Scheren. Beide Tierarten überleben bekanntermaßen nur in absolut sauberen Gewässern, besonders Flussbarsche haben hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Also waren diese Lebewesen Indikatoren, es musste gut sein.

Rings um den See gab es alles, was man so zum Leben brauchte: Walderdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, rote, weiße und schwarze Johannisbeeren, Sauerampfer, Taubnessel (die süßen Enden der kleinen Blüten saugten wir aus), Weizenäpfel, Nelkenäpfel (eine köstliche Delikatesse! – findet man so gut wie gar nicht mehr, diese saftigen, knackigen kleinen Äpfel mit dem wunderbaren Geschmack), Vogelkirschen, Sauerkirschen, Süßkirschen, Pflaumen, Rüben- und Möhrenfelder … Auch mein Opa hatte hier noch eine weitere große Wiese gepachtet und auf der anderen Seite des Steinbruchs ein Kartoffel- und Rübenfeld. Alles Mögliche probierten wir auf Essbarkeit. Wie die Survival-Künstler. Es war einfach richtig grandios, traumhaft und ruhig.

Die Natur stand bei uns hoch im Kurs. Bei den damaligen Kommunalpolitikern weniger. Die suchten stets nach Möglichkeiten, allen Schutt und Unrat ablagern zu können. Jedes Loch, das sich anbot, wurde mit allem, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen dürfte, verfüllt. Irgendwann gab es wohl keine Option mehr in der näheren Umgebung. Da besann man sich auf unseren Steinbruch.

Pures Entsetzen! Unser Paradies wurde eine Mülldeponie, eine Schutthalde! Die Idylle wurde sinnlos und unwiederbringlich zerstört, die wunderbare Natur starb. Wir waren sehr betrübt. Denn wir konnten es schon damals nicht verstehen, warum man so etwas tun konnte. Aber das war Alltag, Alltag im Osten! Nur im Osten? Vermutlich nicht.

DIE SAMMLER

Aber auch diesen – für uns überaus traurigen – Umstand wussten wir entsprechend auszunutzen. Nicht nur wir, besonders der älteste Bruder meines Vaters, mein Onkel H., der alles sammelte, was im Entferntesten nach Wert aussah und sich damit, clever, wie er war, mehr als nur die eine oder andere Mark dazuverdiente. Besonders das legte er beiseite, was man schon seinerzeit als Antiquität vermarkten konnte. Das fand sich dann auf dem von ihm gelenkten städtischen Lkw, einem S4000, den er neben noch einer „Ameise“, so einem einsitzigen Minigefährt, das sich im Größenverhältnis zu einer Ameise nur bedeutend langsamer bewegte, als alleiniger Fahrer nutzte und mit dem er wohl auch seine beliebigen Privatfahrten erledigen konnte. Ich glaube, wenn man nebenherlief, konnte man in etwa Schritt halten.

Und weggeworfen wurde ja viel. Alles, was im Weg stand, wurde entsorgt oder zerhackt. Dass es heute einen unschätzbaren Wert haben würde, hatte damals keinen interessiert. Ich erinnere mich, wie mein Vater ein richtig gutes Klavier zerlegte, was nur ein wenig verstimmt war, ihm aber im Weg rumstand. Oder wie er handwagenweise zig riesige Hirschgeweihe zur Müllhalde brachte. Die stammten aus dem Nachlass der enteigneten Textilunternehmer, deren Fabrik, eine Spinnerei, schräg gegenüber von unserem Garten stand. Aus deren Villa erhielten wir auch schöne, alte, massive Holzmöbel – die heute ein Vermögen wert wären, wenn die Axt nicht schneller zugeschlagen hätte.

Was brennbar war, landete im Ofen, Metall beim Schrotthändler (der sich wohl öfters die Hände vor Freude rieb) und der übrige Rest auf dem Schuttplatz.

Auch wir sammelten das, was Geld brachte. Pappe beispielsweise (Wellpappe, es gab zehn Pfennige für das Kilo), eine Kerzenfabrik aus der Umgebung lud nun in dem zum Schuttplatz gewordenen Loch gleich verladefertig gebündelte, wachsdurchtränkte Kartonagen ab. Wir luden sie auf unseren Zweiräder (Handkarren) und je nach Menge auf unsere zusätzlich schnell geholten Leiterwagen, versteckten diese im Wald und fuhren sie nacheinander einzeln zum Altstoffhändler. Leicht erstaunt über das Gewicht der gefalteten Kartons, zahlte er uns aber das Geld aus. (Wir Schlitzohren hatten außen, oben und unten saubere Pappdeckel draufgebunden, so war vom Wachs nichts erkennbar.)

Ein anderes Mal fanden wir zig leere, verschnürte Zementsäcke. Zum Teil richtig keimig, aber mit dem gleichen Trick machten wir sie auch zu Geld.

Den Volltreffer landeten wir, als wir eines Tages riesige Walzen mit massig schweren Aluscheiben an jeder Seite entdeckten, Durchmesser fast einen Meter. Die Walzen wurden von einer der umliegenden Textilfabriken dort entsorgt. Eine Scheibe wog bestimmt so an die dreißig Kilo. Und für Alu gab es richtig gutes Geld. Hier konnten wir aber nur einige beiseiteräumen. Denn als wir unsere ersten Wagen geholt hatten, lagen die restlichen verbliebenen schon wieder auf der Pritsche des Lkws meines Onkels.

HAUS UND HOF

Auf unserem Grundstück stand neben dem Haus die riesige Holzscheune. Zwischen diesen beiden Gebäuden hatten die Hühner, Enten und Gänse ihre Gatter. Der ideale Ort für Kinder, denn in der Scheune gab es oben einen großen Heuboden. Und wenn mein Opa genügend Heu eingefahren hatte, war auch unten noch alles voll, sodass man sich von der oberen Etage schön herunterfallen lassen konnte. Das machte riesigen Spaß.

Bei uns gab es recht viel an Getier: Hühner, Enten, Gänse, Karnickel, Katze, ein Schwein, auf dem man reiten konnte – wenigstens ein kurzes Stückchen … Und um die Weihnachtszeit ab und zu noch eine oder zwei Tauben, die ich von der Tombola der jährlich stattfindenden Geflügelausstellung mitbrachte. Hier gewann man immer etwas, Wellensittiche, Eier, Hühner und eben auch mal Tauben.

Als man mir den Gewinn dann aus dem Käfig holte, musste ich erst immer böse werden, als der blöde Mann mich fragte, ob er ihr gleich den Kopf abreißen sollte. Was um Himmels willen wollte ich mit einer Taube ohne Kopf, hääh? Bescheuert? Manchmal hatten sie wirklich nicht mehr alle, die Alten.

Das glaubte ich erst recht, als ich daraufhin vor der Tür des Kulturhaussaales, in dem die Ausstellungen stattfanden, im blutverschmierten Schnee wieder die abgerissenen Taubenköpfe sah. Entsetzlich primitiv, diese Erwachsenen! Ich war mir sicher, die waren nicht normal.

Mit Beginn jeden Frühjahrs wurde es zunehmend lebhafter auf unserem Gehöft. Die Karnickel sollten Junge bekommen. Opa sorgte für „frisches Blut“, so sagte er mir. Deshalb kamen Wendelbácsi oder Onkel Weber mit Kisten, worin sich ein paar Karnickelmänner befanden. Opa holte dann eine Karnickelfrau an den Ohren aus unserem Stall, setzte es vor den Karnickelmann von Wendelbácsi oder Onkel Weber – rappel di zappel –, wartete ein paar Sekunden (relaaaax …) und tat sie wieder in den Stall zurück. Dann trank man einen Schnaps oder ein paar Schnäpse mehr oder auch was von dem selbst gegorenen Wein aus Johannisbeeren und die beiden gingen – je nach Genussanteil an diesem Event mehr oder weniger geradlinig – wieder zufrieden nach Hause. Und nach neun Monaten … Blödsinn, denn die Karnickel waren doch viel, viel fixer. Süß, die kleinen Wollknäuel.

Im Mai holte meine Oma auch neue Küken aus dem Nachbarort. Die Katze hatte bereits ein Auge auf sie geworfen, tat aber zu meiner Verwunderung nichts. Vermutlich ahnte sie, was ihr blühen würde, wenn … Nur bei meiner Schwester musste man aufpassen, dass sie den armen Tierchen vor lauter Freude den Hals nicht zu stark zudrückte. Denn wenn sie bereits die Augen verdrehten, war die Zeit knapp, um noch Leben zu retten. Jedenfalls, die meisten – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als man was für die Suppe brauchte – haben überlebt.

Hühner und Enten konnte ich prinzipiell auch ganz gut leiden, die taten mir ja auch nichts. Ganz im Gegenteil dazu die verfressenen Monstergänse: Der Chef der fiesen Herde, ein weiß-grauer Gänserich war bestimmt – alleine schon von der Statur her – ein verwunschener Kampfhund. Er und sein Gefolge sorgten stetig dafür, dass meine Beine immer irgendwo blau gezwickt waren. Und die Viecher waren so verdammt schnell, dass man kaum eine Chance hatte, zu entfliehen. Da half selbst die Weidenrute nicht immer, sich die Bestien vom Hals zu halten.

Selbst vor fremden Erwachsenen hatten die Ungeheuer keinen Respekt. Besonders gern hatten sie es auf meinen Onkel H. abgesehen. Er war fast ein Riese, hatte aber vor dem kleinsten Hund fürchterliche Angst und erst recht vor diesen Ungetümen. Also, wer uns besuchte, musste schon etwas aufpassen, dass er heil an den Tieren vorbeikam.

Darum hatte ich auch kein Mitleid mit ihnen, wenn meine Oma das Messer wetzte. Gerechte Strafe muss nun mal sein. Und schließlich brauchten unsere Kopfkissen auch ab und zu wieder neue Federn.

Letztendlich landete alles essbare Getier irgendwann im Kochtopf oder in der Pfanne. Hundert Prozent Bio! Und der Rest kam aus dem Garten oder von den zwei Schrebergärten und gepachteten Flächen. Wir hatten alles an Gemüse, was in unseren Breitengraden (auch schon vor der Klimaerwärmung) wuchs und was zum Kochen benötigt wurde.

Wenn ich mich an das selbst gemachte, knackige Sauerkraut erinnere, da wurde ein kinderbadewannengroßes Behältnis vollgehobelt und in Tontöpfe gestampft – einfach gesund und lecker! Oder die Salz- und Brotgurken. Hmm.

Meine Oma war meistens zu Hause und kochte vermutlich für ihr Leben gern. Exzellente Speisen, schmackhaft, rustikal. Und für uns Kinder fiel beim Zubereiten immer etwas zum Naschen ab. So auch beim Nudelnherstellen: Die runden Ränder vom Nudelteig, bevor er in feinste Fadennudeln verwandelt wurde, schnitt sie ab und legte sie direkt auf den holzbefeuerten heißen, gusseisernen Herd. Nach kurzer Zeit wurde daraus ein leckerknuspriger Knabbersnack für uns.

DER TIERHALTER – TEIL 1

Als Kinder wollten wir Tiere natürlich auch selbst halten, alles, was sich uns anbot. Vom Regenwurm über diverse Raupen, Blindschleichen oder Ringelnattern, die wir – wenn wir Glück hatten – bei der Heuernte vor Opas Sensenhieb erretten konnten oder aus dem Zufluss beim Badeteich fingen, Tauben, mal eine junge Krähe, alles Mögliche an Fischen, selbst gefangene oder die Goldfische, die mein Vater aus dem Zuchtteich eines ungeliebten Arbeitskollegen mit nach Hause brachte, mit dem er sich zuvor in den Haaren hatte und ihm sozusagen als Entschädigung ein paar Fische aus dessen Teich entnahm, Molche, Krebse, Eidechsen, mal eine Fledermaus und was weiß ich noch alles.

Auch mit der Zucht hatte ich mich versucht. Mein anderer Opa, väterlicherseits, hatte damit viel Glück, besonders mit seinen Kanarienvögeln. Die hatten ständig Nachwuchs in Massen. Davon wollte ich mir ein paar abzweigen. So besuchte ich ihn.

WARUM RASIERT MAN EINEN KNÖDEL? ODER: MEIN ANDERER OPA

Fünfzehn Kinder-Gehminuten entfernt wohnte er im Haus meines zweiten Onkels J. – der mit der kräftigen Ohrfeige, siehe Kapitel 1.

Mein Opa arbeitete zusammen mit Onkel H. beim Rat der Stadt auf dem Bauhof. Als alter Rossbrunner (Lókúter) hatte er natürlich viel Ahnung vom Gärtnern, Rosenveredeln, Bäumeverschneiden und vom Bauen, also verschönerte er – solange er noch nicht in Rente war – die Straßen und Plätze unserer kleinen Stadt oder legte die vielen Blumenrabatten an.

Beim Betrachten der historischen Fotos werden hin und wieder mal ein paar alte Storys über ihn ausgegraben, die wohl ihresgleichen suchen dürften.

Zahnpflege war bekanntlich früher weniger ausgeprägt als in der Neuzeit. So trug er – wie viele ältere Menschen – eine Prothese. Heutzutage ist der Zahnarzt auch für den Zahnersatz zuständig. Mein Opa erledigte damals seine Probleme mit der Prothese eher unkonventionell: Brach ein Zahn aus der Halterung, klebte er ihn selbst wieder ein. Und was eignete sich dafür zu Ostzeiten am besten? DUOSAN! Ein penetrant nach Lösungsmitteln stinkender, transparenter Alleskleber. Viel mehr Auswahl gab es ja auch nicht. Damit konnte er jedenfalls wieder richtig beißen. War der rausgefallene Zahn nicht mehr zu retten, wusste er Abhilfe: So hat er auf dem städtischen Schuttplatz – also auf unserer bekannten Müllhalde – Hundezähne entdeckt, die er sich als „Hobbyzahntechniker“ passend feilte, um die Lücke im Gebiss zu schließen. Nun ja.

Da er ja ohne Pause rauchte, schien sich das Thema Desinfektion auch von selbst erledigt zu haben. Nicht umsonst gibt es ja das Haltbarmachen durch Räuchern.

Man muss eben nur die richtigen Ideen haben und sich zu helfen wissen. Nun konnte er also wieder richtig beißen. So lange musste das Essen auf dem gusseisernen, holzbefeuerten Herd warten. Vielleicht Tage? Ob es noch gut war? Vermutlich, denn an einer Lebensmittelvergiftung ist er definitiv nicht erkrankt, geschweige denn gestorben. Nicht dass es keinen Kühlschrank gab, den hatte er auch, der war nagelneu, aber diente eher als Zierde statt zur Nutzung.

Und wie sehen denn grüne Klöße nach ein paar Tagen aus, so ganz ohne Kühlung? Da bildet sich etwas, sie „wachsen“. Kann man auch als Schimmel bezeichnen. Schimmel war früher wohl auch nur ein ästhetischer Mangel am Essen, was heute alles komplett weggeworfen wird, wo kaum die erste Spore zu sehen ist, wurde seinerzeit noch aufgearbeitet.

„Opa, wo hast du denn die verschimmelten Klöße hingetan?“, so fragte ihn meine Cousine.

„Die hoab i rasiert.“ Und natürlich gegessen.

Eines seiner Hobbys waren Kanarienvögel. Er züchtete sie schon viele Jahre lang, die quirligen, hübschen exotische Gesellen. Davon wollte ich gern welche haben. Ich klopfte an seiner Wohnungstür. Um mich einzuschmeicheln, grüßte ich nach dem „Joo!“ laut mit: „Grüß Gott!“

Mit „Guten Tag“ hätte ich nichts erreicht, darauf hat mein Opa viel Wert gelegt. Mit einem „Grias Good“ antwortete er und reichte mir seine große, von der Arbeit zerfurchte Hand.

Schließlich gehörte ich mit dem „Grüß Gott“ auf den Lippen nicht zur „Daivaszucht“ („Teufelszucht“ auf Hochdeutsch), denn so titulierte er den Rest der (in seinen Augen) Ungläubigen, den Gelüsten der heidnischen Welt verfallenen, selbst auch einen nicht unerheblichen Teil seiner (aller-) nächsten Verwandten. Diese „Auserwählten“ (aus der Zucht des Teufels) konnte man sich anhand seiner Bildergalerie – eine Art aktuelle „Hitliste des Bösen“ – auf dem großen hölzernen Radio oder darüber im Regal betrachten. Auf diesen Fotos konnte ich sehen, wen er gerade brandaktuell zur „Daivaszucht“ gekürt hatte: Derjenigen Person auf der Fotografie hatte er mit roter Tinte gemalte Hörner verpasst. Es gab ein paar, denen wurde diese Auszeichnung öfters zuteil, sozusagen die „Top Ten“ der „Daiva“.

Zunächst musste ich ihn im dichten Pfeifenrauch erst mal orten. Denn die Bude war in der Regel so zugequalmt, dass ich ihn im ersten Moment beim Betreten der Wohnstube gar nicht auf dem Sofa sitzen sah, ganz in der hintersten Ecke. Dann, gefunden: Dort residierte er.

Wie ein alter Rockstar: grau-weiße, schulterlange Haare und mit einem langen, grauen Vollbart. Die und den ließ er sich wachsen, weil er nicht ins Kloster gehen durfte. War wohl mal so eine fixe Idee von ihm, aber er wurde nicht aufgenommen. Seit diesem Zeitpunkt gab er dem Haarwachstum freien Lauf.

Er saß auf seinem uralten durchgesessenen Sofa, immer eine dampfende Tabakpfeife in der Hand, die wohl nur zum Schlafen ganz erlosch, falls überhaupt.

Er rauchte so ein Zeug, eine Art Tabakreste, also das, was bei der Herstellung von Zigarren oder Zigaretten übrig blieb. Dieses Kraut konnte man im Zigarettenladen (natürlich damals auch ich als Kind) billigst kaufen. Manchmal musste ich ihm eine Packung, so groß wie eine Mehltüte, holen. Damit stopfte er seine glimmende Pfeife mit Daumen und Zeigefinger, völlig schmerzfrei.

Über ihm an der Wand überall Heiligenbilder, diverse Kreuze und im Regal Statuen und Kerzen. In der Ecke über dem Sofa brannte das „Ewige Licht“, wie in der katholischen Kirche neben dem Altar.

Im Schrank zig Bücher und Bibeln aller Art, die er „wissenschaftlich“ überarbeitete und mit seinen handschriftlichen Kommentaren in roter oder blauer oder schwarzer oder grüner Tinte versah. Martin Luther hätte bestimmt gern mit ihm gefachsimpelt, denn an seiner Bibel änderte er vergleichsweise wenig, die katholischen Ausgaben kamen da schon bedeutend schlechter weg.

Und in der uralten Schreibmaschine steckte immer gerade ein aktueller Brief in Arbeit, je nach Empfänger und Belang, musste dieser mit allem rechnen. Da kamen schon mal einige Seiten aus der Maschine raus, vermutlich schrieb er wochenlang an so einem Projekt. Auch hier arbeitete er mehrfarbig: ein schwarzes Schreibmaschinenband für die Standards und ein rotes Farbband für besonders wichtige Passagen.

Und er kannte keine Gnade für niemanden. Der Bürgermeister bekam neben den katholischen und evangelischen Pfarrern, Bischöfen, Parteibonzen bis nach Berlin etc. regelmäßig Post von ihm und wer weiß, wer noch alles. Vielleicht sogar Rom? Wir zu Hause übrigens auch, besser gesagt, meine Großeltern im Erdgeschoss. Dabei handelte es sich jedoch nur um irgendwelche philosophische Abhandlungen der aktuellen heidnischen Weltgeschichte – nichts Schlimmes also. Unsere Hausbewohner waren nie irgendwelchen verbalen Angriffen ausgeliefert. Da gab es für ihn genügend andere Ziele.

Vor lauter Schreibwut bei seinen Hardliner-Texten brachen dabei immer wieder mal ein paar der besonders stark beanspruchten Tasten oder Anschläge an der guten alten Adler-Schreibmaschine aus Kaiserzeiten ab. Dann brachte er das Gerät zu meinem Vater in den Betrieb, zum Reparieren. Der war ja Werkzeugmacher und Schweißer. Das geschah – logischerweise – während der regulären Arbeitszeit im VEB.

Mich jedenfalls konnte mein Opa ganz gut leiden. Ich ging ja auch schön regelmäßig in die Kirche. Danach fragte er mich auch bei jedem Besuch und nickte dann zufrieden.

Er ging übrigens nicht, dafür waren ihm die katholischen „Pfaffen“ zu heidnisch. Nichtsdestotrotz besuchte ihn auch unser Pfarrer regelmäßig im Jahr, zum „Gedankenaustausch“.

Als Nächstes kam nun die Phase, in der er mich über diverses Familiäres aushorchte. Wie läuft es zu Hause, zwischen Vater und Mutter, Oma und Opa? Das wollte er schon ganz genau wissen. Wenn ich alles berichtet hatte, kam der zweite Teil der Gesprächsrunde: sein Part! Nun musste ich endlose Zeit seinen Ausführungen über Gott und die schlechte Welt folgen, über die er Stunden sinnieren konnte.

Man muss sich das in etwa so vorstellen: Er saß auf dem Sofa, ich ihm gegenüber am Tisch neben dem Fenster. Immer abwechselnd an der Pfeife ziehend, paff, paff, paff – langes Schweigen, anhaltendes Kopfschütteln. Dann folgten fünf Minuten lang Ausführungen über ein für ihn brisantes Thema, zwischendurch ständig an der Pfeife ziehend, damit sie nicht ausging. Dann wieder minutenlanges Schweigen, paff, paff, paff … wieder die Pfeife aktivierend, dabei sah er mich an … Kopfnicken … Sinnieren … Kopfschütteln … Pfeife neu stopfen … ein, zwei Stunden lang ging das so. Da musste ich durch!

Erst dann, wenn er mit seinem Beitrag fertig war, ja dann konnte ich zum eigentlichen Grund meines Besuches kommen: Kanarienvögel. Dabei brauchte ich dann nicht so lange. Wir gingen runter in die Voliere. Dort schwatzte ich ihm ein schönes Pärchen ab.

DER TIERHALTER – TEIL 2

Wunderschöne knallgelbe, goldfarbene Vögel, er hatte jede Menge davon in seinen mannshohen Volieren. Er suchte mir ein junges Pärchen raus, das recht laut sang. In einem Schuhkarton trug ich sie nach Hause, ein neuer Käfig stand schon für die beiden bereit. Da zwitscherten sie nun auf unserem Küchenschrank, den ganzen lieben Tag.

Besonders rege waren sie, wenn sich mein Vater nach der Arbeit oder am Wochenende nach dem Mittagessen zum Ausruhen auf das Küchensofa legte. Mit der Folge, dass die Tierchen während dieser Phase in die Abstellkammer umziehen mussten.

Frühsommer. Eines Samstags geschah es: Beim Freiflug in der Wohnung entwischte das Männchen. Raus durch das angekippte Küchenfenster und ab durch die Mitte. Ich war todunglücklich. Er würde sterben draußen oder gar die Katze würde ihn fressen, ich wusste es. Das Weibchen hatten wir zwar noch, aber das konnte ja nicht so schön singen, nur laut piepen.

Wir sahen den Gelben noch eine Weile oben auf unserem riesigen Kirschbaum sitzen. Es dauerte nicht lange, als sich mehr und mehr Spatzen um ihn herum einfanden. Und plötzlich flogen alle zusammen im Schwarm weg. Auf Nimmerwiedersehen.

Denkste! Am nächsten Morgen, das Küchenfenster stand offen, wir saßen beim Frühstück und wollten es nicht glauben: Auf dem Kirschbaum ein Schwarm Spatzen und unser Kanarienvogel, singend. Das Weibchen begann zu antworten und tobte im Vogelbauer.

Was tun? Mein Vater nahm den Käfig mit runter in den Garten und hängte ihn an den untersten Ast des Kirschbaumes, teilte ihn mit einer Pappe in zwei Abteile, sodass das Weibchen nicht herausfliegen konnte, und öffnete die Käfigtüre. Das Weibchen wurde ganz wild und piepte wie verrückt, als sich das Männchen vom Baum herab meldete. Es dauerte keine zehn Minuten, dann saß der Ausreißer von ganz allein wieder im Nest. Sollte man nicht glauben, aber es war tatsächlich so. Nun konnten beide wieder zusammen lärmen.

Im Sommer hängten wir den Käfig öfters im Garten auf. Das tat den Vögeln anscheinend gut in der frischen Luft.

Das Weibchen ist mir ebenso bei so einem Frischluftaufenthalt mal durch die Öffnung des Futternapfes entwischt. Es hatte aber nicht so eine Power wie das Männchen und flog nur ein wenig im Hof zwischen unserem und dem Nachbarhaus hin und her, dann war es erschöpft und mein Vater fing es mit den Händen wieder ein.

Am heftigsten ging es immer dann zur Sache, wenn es Streit ums Futter gab. Also entschied ich mich, etwas dagegen zu tun. Ich stellte einen zweiten Futternapf rein, besser gesagt, ich verwandelte den Wassernapf in einen Futternapf. Dass Vögel auch ab und zu trinken müssen – die Einsicht kam leider zu spät.

Meine Eltern verboten mir daraufhin bis auf Weiteres meine „Züchtungen“. Ich solle lieber etwas Sinnvolleres tun.

DER MINISTRANT

Wie alle meine Vorfahren so war auch ich katholisch getauft und mehr oder weniger streng in diesem Glauben erzogen worden. Mehr streng mütterlicherseits, weniger väterlicherseits. So war es meistens in den Familien. Mein Vater war nicht der permanente Kirchgänger, ihm „reichte“ es Ostern, Pfingsten, Weihnachten. Meiner Mutter war jeder Sonntag heilig. Also hieß es auch für uns Kinder, jeden Sonntag Punkt zehn Uhr in der Kirche zu sein.

Unser Gotteshaus war eine hölzerne, barackenartige Konstruktion im Nachbarort, eine Art Kapelle mit einem Glockenturm, dessen Geläut weniger einem Dom, dafür eher dem Gebimmel, das man in den Schweizer Alpen gelegentlich hört, glich. Im Winter sorgte ein gusseiserner Kanonenofen dafür, dass man darin nicht erfror. Es gab sogar eine Art Orgel, ein Harmonium.

Unser Pfarrer freute sich natürlich über meinen eifrigen Kirchgang, sodass er mich bald als Ministrant eintrug. Ab jetzt war ich in etwa jede zweite Woche dran, zu ministrieren.

Anfangs wurden die Messen zum Teil oder auch noch ganz in lateinischer Sprache gehalten. Die älteren unter den Messdienern haben das dafür notwendige an Latein noch im Religions- oder im Ministrantenunterricht lernen müssen. Ich nicht mehr, also murmelte ich irgendwelchen Kauderwelsch vor mich hin, sodass keiner der Kirchgänger etwas davon mitbekam.

Fasziniert hatte mich immer die Hostie. Bevor ich meine heilige Erstkommunion erhielt, wollte ich aber schon genau wissen, was das kleine Ding denn ist, wie es schmeckt und vor allem, wie es wirkt. Was tat ich also: Ich entnahm … okay, ich möchte es nicht schönreden, klaute mir also eine aus dem Körbchen!

Gott! Ich war ein Dieb! Und noch dazu in der Kirche! Entsetzlich. Schlimmer geht’s wohl kaum! Danach kam ich mir elend und armselig vor und schämte mich vor mir selbst. Bin mir auch ganz sicher, dass ich das niemals meinem Pfarrer während der Beichte berichtete.

Es schmeckte übrigens genau nach Hostie, wie eine Oblate ohne Eigengeschmack. Da ich sie ja vor Beginn der Messe entwendete, war sie auch noch nicht geweiht, also ohne „Effekt“. Von daher wohl eher auch eine kleinere Sünde …

Hatte ich später manchmal eine Pechsträhne: War das etwa die zugehörige Strafe von ganz oben? Vielleicht? Man weiß es nicht.

Die Holzkirche war schon sehr in die Jahre gekommen, irgendwann in meiner Jugendzeit hat man – wohl auch mit Geldern aus dem Westen – ein paar hundert Meter weiter eine moderne, massive Kirche gebaut. Die alte Baracke wurde anschließend vom Bischof entweiht, der Glockenturm abgebaut. Der Rest diente schließlich noch eine Zeit lang als Scheune für Heu und Stroh. Später wurde alles ganz abgerissen. Das änderte aber nichts am sonntäglichen Rhythmus, den Gottesdienst zu besuchen. Solange ich im Haus meiner Eltern wohnte, war das ein Muss.

TABAK

Nun, welcher Junge hat es denn nicht probiert? Das Rauchen! Zu unserer Zeit eine Selbstverständlichkeit. Einerseits war es für Kinder überhaupt kein Problem, an Zigaretten oder Tabak zu kommen, denn ich konnte – vorausgesetzt, ich hatte das nötige Geld – jederzeit Tabakwaren, jegliches Raucherzubehör, einschließlich Benzinfeuerzeuge, Feuerzeugbenzin oder Streichhölzer kaufen. Andererseits musste die Neugierde ja auch befriedigt werden. Von den Älteren rauchte seinerzeit fast jeder, da konnte es wohl kaum schlecht sein. Also probierten wir es aus.

Bei Frau Hiltscher (ein Begriff im Ort für einen kleinen Tabakladen an der Ecke unserer Straße) holte ich öfters im Auftrag meiner beiden Opas Tabakreste beziehungsweise des einen Lieblingsmarken Salem oder Stambul. Letzterer Name rührte bestimmt von Istanbul her, jedenfalls ein filterloses Kraut. Und auf dem Bildchen der Schachtel waren – glaube ich, mich zu erinnern – Türken abgebildet.

Das rauchte einer meiner Großväter (mein Opa, der bei uns im Haus wohnte) vorzugsweise, obwohl in seinem Wohnzimmer ein Schiebeschrank stand, der bis zum Platzen mit westdeutschen und amerikanischen Nobelzigaretten vom Feinsten vollgestopft war. Selbst brasilianische Zigarren gab es da in Hülle und Fülle.

Wer sich erinnert: zum Beispiel More, eine dunkle, dünne hundertzwanziger Zigarette aus den USA, die „rauchten“ wir besonders gern, auch später noch, zu Discozeiten. Natürlich pafften wir nur, sonst hätten wir uns dabei sicher in die Hosen gemacht.

Woher hatte er das Zeug? Sein Sohn, im Jahr 1961 noch rechtzeitig vor der Mauer geflüchtet, schickte regelmäßig Tabak, selbst als sein Vater aufgrund von Atemwegserkrankungen von einem Tag auf den anderen mit dem Quarzen aufhörte. Mein Onkel meinte, das Zeug könne man trotzdem gut gebrauchen, wenn man mal einen Handwerker benötige. Recht hatte er und schickte fleißig weiter.

Gelegentlich drehten wir unsere Zigaretten auch selber, die dazu nötigen Utensilien kauften wir uns wiederum im Tabakladen.

Einmal – zu Beginn unserer Räucherei – hatten wir keinen Tabak und wussten noch nicht, was Tabak eigentlich war, da füllten wir die kleinen Blütenbrösel rein, die im Frühsommer die Birken verloren. Es qualmte und stank entsetzlich. Konnte man wirklich nicht rauchen. Ein einmaliger Versuch.

Also orientierten wir uns lieber in Richtung Markenware. Es gab ja genug davon. Der Schrank wurde nie leerer, selbst dann nicht, wenn ich uns ab und zu eine Schachtel stibitzte. Ich weiß, es war wieder eine Sünde! Ich musste wieder zur Beichte. Aber die Versuchung war zu groß und mein Opa merkte es auch nicht, oder vielleicht doch?

Später, mit achtzehn, neunzehn, hörte ich mit dem gelegentlichen Qualmen auf. Es gab ja weitaus besser Gelegenheiten zu sündigen, die waren zu jener Zeit weder ungesund noch gefährlich und machten zudem bedeutend mehr Spaß …

FISCHE FANGEN

Der Angelsport hatte es mir und meinem Freund bereits seit Kindertagen angetan. Oder besser gesagt das Angeln an sich, denn der Sport war höchstens beim schnellen Wegrennen gefragt. Dass man dazu einen Angelschein brauchte, interessierte uns eher weniger. Wir angelten dann, wann wir Lust hatten. Wir angelten dort, wo wir Lust hatten.

Die Spree als Angelgewässer schied definitiv aus, da sie zu meiner Zeit mehr als klinisch tot war. Chemisch vergiftet, absolut erledigt. Und das bereits unweit der Quelle! Was bis zu unserer Gemeinde die Farbspiele der Abwässer aus den Textilbuden vielleicht noch überlebte, wurde dann spätestens durch die Reste aus der Feuerverzinkerei erledigt. So war das damals – schlimm. Aber im Spreewald „kahnte“ man bereits wieder in diesem Fluss, Berliner in Ost wie West badeten sogar darin. Muss sich wohl zwischendurch irgendwie selbst geheilt haben, die Spree.

Es gab aber auch bei uns noch saubere Gewässer. Forellen schwammen in der Kote, einem kleinen Bach am Stadtrand, zu dem wir jedoch immer ein ganzes Stück zu Fuß laufen mussten. Diese flinken Bachbewohner waren fast nicht zu kriegen. Mit etwas Ausdauer und Geschick fingen wir sie trotzdem manchmal.

Einfacher war es, auf Flussbarsche im Steinbruch aus zu sein. Mit einem schönen, fetten Wurm am Haken klappte es fast immer. Wir kannten die Stellen, an denen sie ziemlich rasch anbissen.

Die Barsche waren freilich recht klein, also nichts für die Pfanne. Wir taten sie wieder zurück oder nahmen sie gelegentlich mit nach Hause. Als Ersatzteich wählten wir eine große Zinkbadewanne oder das Bassin, so nannten wir den ausgedienten Schweinetrog bei uns im Garten. Die Tage der Barsche waren folglich gezählt.

Auch die Krebse, die wir zuweilen fingen, nahmen wir mit heim, die verschwanden dann spurlos – wohin auch immer.

Weitaus größeren Spaß machte jedoch das Angeln in den Zuchtteichen. Davon gab es bei uns in der Umgebung zahlreiche. Eine Handangel, das waren Sehne, Schwimmer, Blei und Haken auf ein Stück Plastik gewickelt – das Ding aus dem Sportgeschäft –, war sogar geeignet für mittelgroße Fische. Nun noch eine Gerte besorgt, saftige Regenwürmer ausgegraben, ab ging es zum Teich.

Hier holten wir auch richtige, mehrere Kilos schwere Fische raus, schöne Karpfen oder Schleien, damit konnte die Mutti schon eher was in der Küche anfangen. Die Tümpel waren so gut gefüllt, da bissen die Ersten bereits an, als der Wurm noch gar nicht richtig ins Wasser eingetaucht war. Also, immer ein voller Erfolg, ein Einkaufsbeutel voller Fische.

Das Fischen im Zuchtteich hatte allerdings einen kleinen Nebeneffekt, ein winziges Kribbeln war immer dabei. Denn: Es war verboten! So stand es zumindest auf den Schildern rund um die Gewässer … Man brauchte also gute Augen, ein gutes Gehör und flinke Beine, wenn der Fischzüchter unverhofft nahte. Aber das alles hatten wir!

Während eines Sommerurlaubs an der Ostsee durfte ich irgendwann mit einem erfahrenen Angler am frühen Morgen zum Bodden fahren. Zuvor hatte ich meine Eltern so lange genervt, bis sie mir eine kleine, aber richtige Angel mit allem Drum und Dran kauften.

Fünf Uhr früh ging’s los. Am Wasser angelangt und nach kurzer Zeit der Vorbereitung zuckte bereits der Schwimmer. Ich zog die Rute raus und ein fetter langer Aal hing am Haken. Ich war beeindruckt, mein Begleiter auch. Etwas später, wieder ein Aal, nicht mehr ganz so groß, vielleicht so sechzig Zentimeter. Aber auch nicht schlecht. Zum Abschluss verfing sich noch ein weiterer kleiner Aal an meiner Angel, den ließen wir jedoch wieder zurück ins Wasser.

Mein Begleiter war baff, denn er fing an diesem Tag nur eine kümmerliche Plötze oder so was. Für ein Mittagessen reichte es jedoch, sogar für unsere beiden Familien.

Irgendwann, später in der Schule, trat ich dem Deutschen Anglerverband bei. Mit Prüfung und Beitragszahlung. Ab dann war ich jedoch paradoxerweise nur noch selten auf Fischfang. Vielleicht fehlte der Nervenkitzel?

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Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
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220 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783960086284
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