Kitabı oku: «Haldor im Frühlingstal»

Yazı tipi:

Karl Friedrich Kurz

Haldor im Frühlingstal

Roman

Saga

Haldor im Frühlingstal

German

© 1937 Karl Friedrich Kurz

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711518502

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Nyheim

Die Zeit geht. — Der Bauer Haldor Enge verlor die Hoffnung nicht und wartete ... Es ging Jahr um Jahr ...

Haldor Enge wohnt auf seinem Einödgaard zuoberst im Frühlingstal und wird immer älter; aber er glaubt an die Zukunft. Sein Haar ist darüber dünn und ganz weiss geworden; doch sein Kinn blieb breit und seine Nase kräftig — ho — und wenn er den Brustkorb wölbt und seine Stimme über den Hof hin erschallen lässt, mit Befehlen und Anweisungen, dann dröhnt es so mächtig, dass die nahen Felsenwände Antwort geben ...

Der Solböstrand und alle Welt lachte einst über Haldor Enge, den Hofbauern, den Unermüdlichen und Eigenwilligen, und meinte, dieser Mann müsse in der Entwicklung um mehrere Schritte zurückgeblieben sein. Dass er den schönen Engegaard, unten am Solböstrande, an Mons Bauge verkaufte, nun, das war noch seine Sache. Viele haben damals, gleich ihm, verkauft und Gottes Erdboden verschachert um Geld und Scheine und märchenhafte Aktien. Es zeigte sich ja bald, dass es Dreckgeld war, jammervolle Papiere ...

Jedoch gerade in der Zeit der schönsten Blüte, in der Zeit, da die goldene Woge herrlich über den Strand schlug und alle alten Überlieferungen über den Haufen warf und die erstaunten Menschen hoch emporhob und glücklich und reich machte und alle Dinge verzauberte — zu dieser Zeit wühlte und grub Haldor Enge am Rande der grossen Wildmark und kümmerte sich in keiner Weise weder um den fernen Kriegslärm und blutigen Wahnsinn, noch um den unerhörten Segen und den gewaltigen Fortschritt in diesem Fjord. Nein, Haldor Enge baute Wege und zog Gräben. Er hatte zwei Knechte — gewiss zwei schwachsinnige Menschen, die sich, gleich ihm, nicht auf die Wunder der Konjunktur verstanden ... Und so gruben denn diese drei und hatten wahrlich eine kindische Freude, wenn zwischen den braunen Felsen eine neue Wiese entstand oder ein kleiner Acker. Drei einfältige Arbeitstiere — sie gingen nur noch selten hinunter an den Strand von Solbö, weil die Welt ihnen so fremd geworden, weil das Gespötte der Leute ihnen lästig fiel.

Aber sie lebten auf ihre Weise ihre guten Tage und es fehlte ihnen an nichts ... Sie machten sich nur ein wenig lächerlich und verkauften, wie ehedem, ihre Waren: Milch, Butter, Eier, Fleisch, Kartoffeln und Birkenholz. Ja, damit trieben sie ihren spasshaften Handel, wo andere mit ihren Aktien von selber immer reicher und reicher wurden ... Sie nannten ihren Einödgaard Nyheim ...

Und sie lebten also ganz auf ihre eigene Weise. Sie lebten wie im Märchen, mit kräftiger Kost und viel frischer Luft; abends legten sie sich nieder und schliefen — ohne besondere Freuden, Erwartungen und Aufregungen, sie hatten nicht wilde Träume von Bankkursen. Allen dreien, den Knechten so gut wie dem Hofbauern lag immer nur der Gaard im Sinn. Sie blieben somit völlig altertümliche Landbewohner und Erdmenschen — eine Rarität, eine fast ausgestorbene Rasse ...

Sogar Ornulf am Hang lachte über diese komischen Nyheimleute. Seht, Ornulf besass in grauer Vorzeit dort am Hang den kleinen Gaard — knapp drei Kühe und ein halbes Dutzend Schafe ... Jesus — auch dieser Ornulf war einmal Landmann. Aber er war auch ein Mann, der sich wach hielt. Er erkannte die Zeichen der Zeit, bemerkte als einer der ersten die gute Veränderung in den Weltläufen und nutzte sie aus. Ohne zu zaudern liess er Gaard und Landwirtschaft fahren und kaufte Spekulationspapiere, tat einen kühnen Schritt. Und es glückte — einen Tag gewann er tausend Kronen und den andern Tag gewann er zweitausend Kronen. So konnte es gar nicht fehlen, Ornulf am Hang musste unbedingt gross und mächtig werden, Ornulf, der einmal einer der Geringsten war, der keinen Krämer duzen und kaum den Vogt auf offener Strasse anreden durfte ... Bald hatte dieser Mann so viele Wertpapiere in seiner Tasche, dass er von den Renten geschwollen und üppig wurde und sich an der Hauptstrasse ein Haus mit zwei Türen und zehn Fenstern bauen durfte. — Hei, ein Haus mit Fenstern auf sämtlichen vier Seiten und einem fremdländischen Knie im Dach, ein fast unmögliches Haus, das schon mehr eine regelrechte Villa war, mit Veranda und hoher Steintreppe, mit Säulen am Eingang. Und es musste selbstredend ein Zaun an den Weg und ein unnötiges Tor in den Zaun — Herr des Himmels — es wurde alles miteinander so unerhört grossartig, dass man es sich kaum grösser hätte vorstellen können.

Der Hofbauer Haldor Enge musste an diesem lästerlichen Übermut vorbeifahren, wenn er mit seinen erbärmlichen Waren zum Strande hinunter wollte. Haldor Enge drehte natürlich seinen Kopf scharf nach der andern Seite. Aber Ornulf war doch noch nicht so gross, dass er einen Haldor Enge einfach hätte übersehen dürfen. Unmöglich — überhaupt stand doch Ornulf jetzt tagtäglich hinter dem Fenster und rauchte seine Meerschaumpfeife wie ein Pastor. Deshalb kam er auf den Einfall, vor sein unerhörtes Gartentor hinauszutreten und den Hofbauern zu grüssen „Guten Morgen, du Haldor ... ja, du fährst Waren“, musste er sagen. Und da er auf eine solche höfliche Anrede keine Antwort erhielt, musste er weiter fragen: „Ich wundere mich nur, welcher Art Produkte du dort in deiner grossen Kiste hast, du Haldor ...“

Nein. Der Hofbauer dreht sein Gesicht noch ein wenig mehr zur Seite. Aber keine irdische Macht vermag Ornulf aufzuhalten. „Ja, du Haldor — mit mir verhält es sich nämlich so, dass mein Weibervolk so mancherlei verwendet und nötig hat in der Küche ... Ich bin sicher, dass du dir davon gar keinen Begriff machen kannst ... Ja, und hier stehe ich also vor dir und bekenne, dass es sogar mir selber bald zuviel wird, so wie sie es treiben, seit die Dienstmagd zu uns gekommen ist. Oh, du — und ich kann des Nachts schon gar nicht mehr schlafen wegen dem überfüllten Magen. Und, du Haldor, wenn es sich in deiner grossen Kiste dort zufällig um Butter handeln sollte, so steht hier vor dir wahrlich ein Mann, der imstande und willens wäre, dir dafür einen guten Preis zu zahlen ... Und ich will nicht zu viel behaupten, aber ich offeriere dir blank zwanzig Kronen für das Kilo ...“

Aber nein. Diesem Hofbauern gegenüber ist alle Vornehmheit nutzlos. „Butter? Ja, gewiss ist es Butter.“ „Aber weisst du denn nicht, dass alles rationiert ist und abgeliefert werden muss?“ fragt Haldor wütend. „Ja — ha ... Und die gesegnete Obrigkeit ... Man wird dir nicht mehr als fünf Kronen geben, du Haldor ... Und das bleibt ein schreiendes Unrecht — so wie du darum schuftest und dich abrackerst ... Und wenn es doch Gott sei Dank Leute in der Welt gibt, die einen anständigen Preis zahlen wollen und können ... Warte!“

„Nein, sag ich! Nimm die Hand vom Pferd weg! Was kümmert es denn dich und den Satan, wie ich arbeite und schufte ... und ich verkaufe dir die Butter nicht ...“ —

„Fünfundzwanzig!“ ruft Ornulf. —

„Nichts — fahr zur Hölle, du Lauspelz!“ sagt der Hofbauer.

„Sagst du das?! — Jetzt verklage ich dich!“ ruft Ornulf. —

„Nur zu — klage du!“ ruft Haldor Enge und bleibt rein unmöglich.

Ornulf mag nun auf der Strasse stehenbleiben und vor Wut lachen. „Hahaha — Was seid denn ihr noch für eine Menschenrasse, dort oben in euerer Ödmark? Seid ihr überhaupt noch Christenwesen, möcht ich wissen ...“ Oh, für die Nyheimleute wurde es in diesen Tagen sehr verdriesslich am Strande von Solbö.

Haldor lieferte also seine Butter ab; er bekam knapp fünf Kronen dafür. Der Staat setzte zum Exempel Höchstpreise auf Butter — zum Teufel ... Aber warum, zum Teufel, setzte derselbe Staat dann nicht auch Höchstpreise für Tabak? Überhaupt, warum liess der Staat all dieses verdammte Getriebe mit den Spekulationspapieren zu und machte nicht hundert neue Gesetze und verbot es? So ungefähr fragt Haldor Enge sich selber und ist ein finsterer Mann, der nicht viel reden mag in der verkehrten Welt vom Solböstrande.

Hingegen die Worte, die Haldor Enge nicht zurückhalten konnte, sondern fallen liess, waren kräftige und unzweideutige Worte. Man verstand sie und verstand sie doch nicht richtig, man wunderte sich über so viel Unvernunft bei einem alten Manne. Aber es war in gewissem Sinne auch wieder lustig, solches zu vernehmen — die überwundene Anschauung aus längst entschwundener Zeit ...

„Er ist vollständig verrückt und wunderlich — haha!“ riefen die Leute und lachten. „Fortschritt, alter Mann!“ riefen sie munter. „Wir andern haben uns also aufgerafft — wir gehen mit der Zeit ...“ Worauf Haldor Enge noch ein starkes Wort fallen lassen musste. Dann fuhr er wieder das Tal hinauf. Er war unveränderlich und unverbesserlich, mit Flüchen und bösen Worten geladen und ohne tieferen Respekt gegen Obrigkeit und Weltordnung ...

Die Leute standen in Friesaks Kramladen und schauten ihm nach. „In seinen gottvergessenen Ödlandsgaard — da passt er gerade noch hin“, sagten sie zueinander. „Und dieser Mensch kann niemals zu schicklichen Menschen passen, so brutal und rückständig, wie er ist ... Habt ihr gesehen?“ fragten sie, „er trug wahrhaftig seine Fellmütze, jetzt zur Mittsommerzeit ... Haldor Enge im Frühlingstal! Er steht einzig da in seiner Art — Gott bewahre uns alle vor ihm!“

Ach, man hatte über Haldor Enge wahrlich genug zu reden und zu lachen, in jenen schönen Jahren, die so schnell dahinschwanden. Der ganze Strand belustigte sich. Haldor Enge war ja allerdings niemals der Mann, der sich auf der Nase herumtanzen liess; er wurde mit der Zeit immer mehr aufbrausend und böse. Wenn es zum Beispiel ein junger Bursche wagte und es gar zu weit trieb mit dem Gespötte, dann konnte es in Friesaks Kramladen leicht vorkommen, dass Haldor Enge sich blitzschnell umdrehte und einem jungen Burschen eine braune, harte und unheimlich grosse Faust unter die Nase hielt und mit den Augen funkelte und mit den Zähnen knirschte. Und es war da kein Bursche am ganzen Solböstrande, der gewagt hätte, es dann noch weiter zu treiben. Nein. Sie wurden alsbald klein und zahm, und es trat Stille ein in Friesaks Kramladen. In dieser Stille vernahm man Haldor Enge: „Sag nur noch ein einziges Wort ... Ich will dich zermalmen, Knabe!“

Und es war nicht länger spasshaft. „Man sollte ihn nicht mehr unter schickliche Menschen lassen!“ riefen die Leute, wenn Haldor Enge gegangen war. „Denn er wird schlimmer und schlimmer. Und er ist jetzt schon so brutal, dass es rein gefährlich ist ...“

Mein Gott, Haldor Enge war nicht beliebt am Strande von Solbö. „Erinnert ihr euch noch, wie er seine eigenen Kinder misshandelte und vom Hofe vertrieb?“ fragten die Leute. „Er ist ein Tier! Er ist schlimmer als ein Tier. Er ist kolossal ...!“

Seine eigenen Kinder — ach ja. Das ist es eben, worauf Haldor Enge wartet. Er wartet auf die Rückkehr von Margit und Dagfinn. Sie liefen ihm vom Hofe fort. Haldor war vielleicht gar zu streng und hitzig und gewiss ziemlich grob mit Worten. Nur eine kleine, lächerliche Begebenheit war die Ursache ... Als der Sohn Dagfinn an einem Montagmorgen in vollem Sonntagsstaat den grossen Acker bei der Strasse pflügte, wurde Haldor Enge rasend. Als die Tochter Margit am gleichen Montagmorgen in Seidenbluse und dünnen Florstrümpfen und mit hochstöckligen Lackschuhen zum Melken in den Stall ging, wurde Haldor Enge rasend. Haldor war so hackend und kochend wütend, dass er dem Sohne Dagfinn den hohen, steifen Kragen und den bunten Schlips vom Halse riss. Und er riss der Tochter Margit die feine Seidenbluse von den Schultern, drehte sie um und trat ihr die hohen Absätze von den Stöckelschuhen. Und zu der Handlung sagte er nach seiner Art viele kräftige Worte und verging sich schwer gegen die Majestät des Kindes — überhaupt gegen die Kultur. Das sollte ihm nicht vergessen und verziehen werden.

Dagfinn liess an jenem unglücklichen Morgen Pflug und Pferde auf dem Acker stehen, verwünschte laut seine Ahnen und lief davon. Margit liess den Melkkübel im Stich, weinte und lief ebenfalls davon. Noch am gleichen Tage fuhren beide mit dem Postdampfer in die Stadt und verschwanden in der Ferne.

So wurde es also der Welt offenbar, welch grässlicher Tyrann dieser Haldor Enge war und wie er gegen sein eigen Fleisch und Blut wütete. Die armen Kinder — sie hatten eine Nacht durchtanzt ... Und sollte es vielleicht ein Verbrechen sein, mit steifem Kragen und buntem Schlips einen Acker zu pflügen? Oder sollte es wohl ein Verbrechen sein, in Seidenbluse und Lackschuhen die Kühe zu melken? Der Himmel sei diesem Vater gnädig ...

Nun, der Vater hat es bald bereut; er büsste wahrlich schwer für sein hitziges Geblüte ... Wären die Kinder ihm nicht davongelaufen, dann hätte er niemals, niemals seinen schönen Engegaard unten am Strand jenem Windhund Mons Bauge, dem Totengräberbub und Grossgauner verkauft. Nein, das soll Gott wissen! Es war eine fürchterliche Strafe. Jenes gute Stück Erdreich herzugeben für Papiere! Heiliger Boden war es, über den alle Vorfahren, soweit es an diesem Solböstrande eine Geschichte gab und man zurückdenken konnte, hinweggegangen und ihren Schweiss und ihr Leben vertropften ... Viele Menschen waren über das Engeland hingegangen; Männer und Frauen hatten sich selber geopfert und in Demut ihre Zeit gedient — und alles das nur, damit Haldor, der späte Sprössling, den Boden hergeben sollte, an einen Menschen wie Mons Bauge, dessen Vater nichts war als ein Totengräber und Hungerbäuerlein, dessen Grossvater ein elender Häusler gewesen und von dessen weiteren Vorfahren man überhaupt nichts wusste ... Es war eine wahrhaft höllische Strafe. Doch es sollte noch nicht Strafe genug sein ...

Was weiss der Solböstrand und das Frühlingstal von den vielen bösen Nächten, die Haldor Enge zugemessen wurden? Die Leute sind überall sehr schnell in ihrem Urteil und leichtfertig mit ihrer Abneigung; aber sie wissen so wenig vom Hintergrund der Dinge. Wenn Haldors Bett eine Zunge hätte und erzählen könnte, würde man einiges erfahren. Man würde Unglaubliches vernehmen, von Seufzen und Stöhnen und friedlosem Hin- und Herwerfen. Denn dieser Hofbauer Haldor liebte trotz allem seine Kinder. Haldor Enges viele Vorfahren mussten alle ihre Kinder lieben, darum opferten sie sich selber und schafften den Kindern ein schönes Heim und vertropften das eigene Leben auf der Scholle ... Es liegt doch ein tieferer Sinn auch in diesem. Alle die vielen Vorfahren sind streng gewesen gegen ihre Kinder und erzogen sie mit Prügeln und Härte, denn solches war Sitte in ältester Zeit. Hat nicht Gottvater selber seinen treuen Knecht Hiob geschlagen und streng gezüchtigt, nur weil er ihn so sehr liebte?

Soweit es sich um Haldor Enge handelt, nahm er seine Strafe auf sich und büsste. Er selber fand vielleicht, dass Gott ihm da sehr viel auferlegte — Gott, der doch sein Herz kennen sollte ... Ja, da konnte Haldor Enge hin und wieder auffahren und hitzig werden. Und wenn die Leute am Strande ihn zu allem Übel noch foppten, konnte er wohl seine mächtige Faust ballen und knurren. Er nannte die Leute vom Solböstrande „Schofelisten“. „Oh, ihr verfluchten Schofelisten!“ knurrte er, und hasste sie aus aufrichtigem Herzen.

Dann zog er ins oberste Frühlingstal hinauf, vergass sich selber, seine Ahnen und den stolzen Engegaard und richtete seine Blicke auf das Heideland und auf den neuen Boden. Nicht für nichts nannte er das neue Land Nyheim. Er wollte seinen fernen Kindern eine neue Stätte schaffen. Er lehnte sich im Trotze auf gegen die unverständige Welt, die er kaum kannte ... Aber die Welt hastete ruhelos weiter — und nun schritt sie über ihn hinweg.

Haldor Enge war so sicher, dass die ferne Welt seine Kinder einmal wieder von sich stossen und ihm zurückgeben musste. Darum zog er die vielen Gräben im obersten Frühlingstal, baute eine gute Fahrstrasse bis vor sein Haus, vergrösserte Stall und Scheune, verschönerte das Wohnhaus. Er strich das Wohnhaus sogar in reiner Vermessenheit mit weisser Ölfarbe an und setzte ihm ein graues Schieferdach auf, das glatt lag und schimmerte und noch seine Kindeskinder überdauern sollte.

Des Abends sass Haldor Enge mit seinen beiden Knechten und den beiden Mägden in der Grossstube. Die Mägde spannen Wolle, genau wie in den fernen Tagen, ehe Mons Bauge seine Tuchfabrik an diesem Strande gründete. Die Männer schnitzelten Holzschuhe und kauten Tabak dazu und bespuckten den eisernen Ofen. Es roch in dieser Stube nach wirklichem Menschendasein, nach Landwirtschaft und Weltabgeschiedenheit.

Dieserart ging die Zeit auf Nyheimen. Ja, die Zeit ging — über den Solböstrand ging sie mit unerhörtem Glanze und übermenschlichem Reichtum, sie brachte Fortschritt und Entwicklung und verhiess eine Zukunft ohne Grenzen ... Doch völlig unvermutet rollte die goldene Woge wieder davon und verebbte. Zurück blieb ein sorgenvoller Zustand. Und ein Jammer sondergleichen erhob sich.

Mons Bauge, der das neue Leben und alle Schönheit brachte, verschwand. Alle strahlende Zukunft verschwand. Alle Reichtümer und alle Träume zerflossen in nichts ... Das neue Leben? Es war ein wundervolles Märchen — auf einmal war das Märchen zu Ende und die harte, hässliche Wirklichkeit begann abermals. Ein Mann wie Ornulf vom Hange verlor mit allen seinen Wertpapieren auch noch seine zehnfenstrige Villa und die Dienstmagd — es war in der Tat eine grausame Prüfung. Bald hatte dieser Mann Ornulf nicht einmal mehr billigste Margarine aufs Brot, sondern nur Tränen. Noch viel weniger hatte er Zucker in den Kaffee ... Er fiel unvermittelt aus allem Luxus der Gemeinde zur Last. Heute sitzt er mit seinem Weib im Altersheim von Akerud und der volle Magen bereitet ihm keine schlaflosen Nächte mehr.

Das Schicksal spinnt unermüdlich seine Fäden und hat verwunderliche Launen. Mit dem Volk von diesem Solböstrande sprang das Schicksal doch gar zu lustig um. Es gab ihm zuerst viel, machte die, die wenig hatten, wohlhabend und die Wohlhabenden reich — dann auf einmal nahm es ihnen alles wieder, auch das Wenige, was sie vordem besessen. Kein Mensch kann solche Ungerechtigkeit ruhigen Sinnes hinnehmen. Die Leute kamen viele Wochen lang nicht mehr aus Empörung und Zähneklappern heraus. Das Volk vom Solböstrande sollte aus unerforschlichen Gründen überaus hart gezüchtigt werden; es wurde mit unnötig viel Leid geschlagen.

Bald war man hier ebenso klein, wie man vor kurzem noch gross gewesen. Und alle waren jetzt um vieles ärmer. Der geringe Besitz war mit Schulden vertauscht — die Lasten drückten ungeheuer und machten die Leute demütig. Es fiel nun keinem mehr ein, über Haldor Enge, den ewigen Hofbauern, zu spotten, den Mann zu verachten, der sich eigensinnig an seinen Erdboden klammerte und weder gehoben noch gesenkt werden konnte von der gleissenden Woge. Seht, dieser Haldor Enge ging völlig unberührt durch die Zeit des Märchens und des Glanzes hindurch. Nun stand er auch vom Elend unversehrt da ...

Ei, gewiss, die Menschen vom Solböstrand und die Menschen vom Frühlingstal überlebten schliesslich die Ebbe irgendwie ... sie lebten einfach weiter. Dabei mussten sie sich allerdings wieder vieles abgewöhnen, was der Wohlstand ihnen geschenkt. Und sie gewöhnten es sich ab und wurden wieder anspruchslos und gottgefällig. Aber es bleibt doch ein grosses Unglück, zu fallen und arm zu werden.

Einige taten öffentlich Busse und bereuten ihre Sünden und klagten mit zitternder Stimme die Welt und das lasterhafte Leben an. Einige klagten nur Mons Bauge, den Grossgauner und die Zeitläufte an, ohne an die eigene Schuld zu denken ... Oh, es entstand grenzenlose Verwirrung an allen Ecken und Enden.

Haldor Enge aber blieb genau so, wie er immer gewesen — ein Mann mit breitem Kinn und dunkeln, funkelnden Augen. Er wurde durch Krieg und Friedensschluss weder besser noch schlimmer, weder reicher noch ärmer. Allerdings, man liebte ihn noch immer nicht am Solböstrande. Nein, weit entfernt. Man liebte ihn jetzt noch weniger als vordem. Solange die Millionen rollten und die Leute im Überflusse schwelgten, durften sie über den Einödbauern aus ehrlichem Herzen lächeln und konnten ihm das Seine gönnen. Jetzt aber gönnten sie ihm das Seine nicht länger, denn der Mangel schnitt ihnen schmerzhaft ins eigene Fleisch. Sie meinten wohl, ganz nach Menschenart, irgendwie sei hier ein Unrecht geschehen. Weshalb, in des Herrn Namen, sollte ein brutaler Mensch und ein Mann, der sogar seine eigenen Kinder vom Hof vertrieb, nicht ebenfalls Mangel leiden? Aber nein. Haldor Enge hat jetzt auf seinem Gaard mehr als zwanzig Milchkühe, drei Pferde und wohl ein halbes Hundert Schafe. Haldor Enge hat keine Schulden auf seinem Gaard. Wo bleibt hier die gepriesene Gerechtigkeit? Wenn doch so viele rechtschaffene Menschen vollends niedergeschlagen werden ...

In seiner Einfalt blieb Haldor Enge das, wozu er auf diese Welt kam — jetzt ist er Herr über ein gewaltiges Stück Wildmark, Herr über einen ganzen Berg ... „Was tat er eigentlich dafür?“ fragten die Leute unter sich und schüttelten missbilligend die Köpfe. Und dermassen gingen also die Jahre mit ihren Freuden und Leiden — es vergingen ihrer volle sechs ...

In Nyheimen kamen sie auf die tolle Idee, eine Mühle und Säge zu bauen. Eine Mühle? Ja. Da stürzte sich doch ein weisser, mutiger Wasserfall über die hohen Felsen und erfüllte die ganze Gegend mit Gepolter und Getöse. Das tat er seit ungezählten Jahrhunderten. Die Menschen beachteten ihn gar nicht, sondern liessen ihn nach seinem Gutdünken weiter fauchen und brausen. Und das ging nun so lange, bis Haldor Enge im Frühlingstal erschien; der konnte nicht, wie alle die andern, an dem starken, mutigen Wasserfall vorbeigehen und ihn ungestört tosen lassen, sondern musste sich sogleich seine Gedanken machen. Schon im Winter hatte er die Grundmauer angelegt. Aber es kam dann so vieles dazwischen, und immer wieder etwas Neues. Meistens rief das Land und brauchte alle Arme. Dann, als man endlich bauen wollte, waren nicht genug Balken da. Gar manches stellte sich diesem Werk entgegen. Aber nun soll es vollbracht werden. Überall liegen Haufen von Bohlen und Brettern herum. Es soll hier nicht nur eine elende Klappermühle, es soll eine neuzeitliche Säge erbaut werden. Wahrhaftig die blanke Zirkelscheibe mit den vielen Zähnen und andere Maschinenteile sind schon angekommen.

Was will Haldor Enge mit diesem ungeheueren Werk? Ach, er will wohl im Grunde gar nichts weiter, als seinen Willen durchsetzen und dem starken Bach Zügel anlegen. Er denkt an nichts Besonderes, weder an grosse Einkünfte noch ferne Möglichkeiten; er denkt höchstens so: In meinem Wald stehen heute wirklich gute Tannen und Lärchen und Föhren ... ei, gar nicht so wenige ... und ich habe sie nun manches Jahr gepflegt und geschont. Bald werden die jungen nachwachsen und ihren Raum fordern. Warum aber sollte ich mit den Stämmen den langen Weg ins Tal und mit dem geschnittenen Holz den noch längeren Weg bis nach Nyheimen herauf machen? ...

Mehr dachte Haldor Enge gewiss nicht. Er wollte nur unabhängig werden vom Tal. Er wollte auf sich selber gestellt sein. Da er aber die Mittel und die Macht dazu hatte, konnte er sein Werk vollbringen.

*

Ein Frühherbstabend

Es ist ein Abend im Frühherbst ... ein stiller Abend mit unbegreiflich viel Frieden und einer silbernen Klarheit in der Luft ... Da hat man einen weiten Blick durchs Frühlingstal hinunter. Wenn einer die Strasse heraufkommt, sieht man ihn von weitem; und wenn es ein Fremder sein sollte, ein Mann mit braunem, hohem Hut und dunklem, langem Mantel, dann vergisst man möglicherweise die Arbeit und dreht den Kopf hinüber. Denn man ist in diesem Tal doch, wie überall in der Einsamkeit, so von Herzen neugierig.

„Bessere mich!“ wispert der Knecht Tollak und pufft den Knecht Sigurd in die Seite, „was soll das nun bedeuten ...?“

Auch der Hofbauer Haldor Enge hat sich aufgerichtet. Auf einmal fährt es ihm wie ein heisser Strahl in den Rücken. Seine Augen sind immer noch scharf und sicher; daran fehlt es wahrlich nicht. Aber er muss jetzt seine Hand über die Augen legen. Und so steht er ein Weilchen und sein breites Kinn beginnt zu arbeiten und zu beben.

Doch mit einem scharfen Rucke wendet der Hofbauer sich wieder seinem Bauwerk zu und hämmert wild drauf los. In diesem Falle dürfen die Knechte nicht länger müssig herumstehen. Nein, nein — aber die Knechte, von welcher Menschenrasse sie auch immer herstammen mögen, sind auch nur fleischliche Wesen. Es schoss doch auch ihnen heiss und kribbelig in den Rücken, denn sie verstehen ja alle beide, dass hier sogleich etwas vor sich gehen wird ... Drei Männer arbeiten; aber sie arbeiten nur mit fahrigen Händen. Bis der Knecht Tollak es unbedingt nicht länger aushalten kann, sondern rufen muss: „Peitsche mich — aber er ist es!“ Und damit nicht genug, wendet der Knecht Sigurd sich zurück und ruft seinem Hofbauer zu: „Haldor Enge — dort kommt der Sohn Dagfinn zurück ...“

Leider hat Haldor Enge zu dieser Stunde es mit einem Firstbalken zu tun, der sowohl verhext wie verzaubert sein muss, der will sich weder mit Güte noch mit Strenge fügen und einpassen lassen. Es handelt sich hier vielmehr um ein ganz und gar verfluchtes Holz, das nur emporgewachsen ist, die armen Menschen zu verdriessen und ihnen unnütze Arbeit zu bereiten, so dass sie nicht Auge und Ohr haben können für anderes. Und es geht wahrlich einzig und allein auf diese Weise, dass der Hofbauer der Strasse und jeder fremden Erscheinung auf der Strasse, ja, der gesamten Welt seinen breiten Rücken zukehren muss. Wie hätte er da bemerken können, dass ein junger Herr auf den Nyheimgaard ging? Wie hätte er es sehen können, dass die Mägde die Hände über den Köpfen zusammenschlugen? Nichts — nichts ... Haldor Enge knurrt wütend: „Beim Hunde — hast du je so etwas erlebt? Dreimal habe ich schon davon abgesägt ... und jetzt ist er also zu kurz ...“

Nein, mit diesem verzauberten Firstbalken ist durchaus nichts anzufangen ... Aber welch ein sonderbarer Abend. — Dem erzürnten Hofbauern streckte sich von hinten her eine Hand hin, so dass er verwundert aufschauen muss. Weiss er vielleicht, worum es sich hier handelt? Nein. Wie hätte er denn beim Tosen des Baches nahende Menschentritte hören sollen, an diesem Ort, wo das Moos fussdick über allen Steinen liegt?

„Guten Abend, Vater“, sagt jemand. „Gott segne dir deine Arbeit!“ sagt jemand. — „Guten Abend ...“ Aber dieser Hofbauer kämpft doch mit einem verhexten Firstbalken und steht in andern Gedanken. Und der Bergbach brüllt noch lauter als sonst. Der Hofbauer ruft: „Ja — siehst du — er sollte eigentlich sechs Ellen und fünf Zoll haben ... Pein und Tod! ... Aber jetzt hat er also ganze zwei Zoll zu wenig ...“

So redet an diesem klaren Herbstabend der Vater Haldor Enge, und fährt fort in seiner Arbeit ... „Du glaubst es wohl nicht ... aber dieses Holz hat wahrlich den Teufel im Leib ... Ja, ja, wie du wohl selber bemerken kannst, soll hier eine Säge und Mühle hingestellt werden ...“

Und wenn nun das mit dem zu kurzen Balken nicht passiert wäre, hätte an diesem Abend, bei diesem Herrenswetter der Dachstuhl noch aufgerichtet werden können ... Oh, dieser Haldor Enge, der unbesiegliche Hofbauer! Nur einen hastigen Blick aus den äussersten Augenwinkeln warf er auf seinen Sohn Dagfinn. Er nahm sich nicht einmal soviel Zeit, den Kopf ganz nach rückwärts zu drehen. Nein, er steht nur so da und kratzt sich unter dem Mützenrand und verwünscht mit bösen Worten die zwei Zoll, die am Balken fehlen.

Neben dem Hofbauern steht Dagfinn, braungebrannt von südlichen Sonnen, breit in den Schultern und mit einem überlegenen Lächeln. „Nimm es nur mit Geistesgegenwart und Seelengrösse!“ ruft Dagfinn. „Morgen, Vater, wirst du noch immer dein Herrenswetter haben — sonst will ich nicht länger Seemann sein und mich auf die Aspekte am Himmel verstehen ...“

Ja, dieser Haldor Enge! Sechs Jahre lang hat er auf den grossen Augenblick gewartet und ihn herbeigesehnt in tausend bösen Nächten. Aber er weiss ja wohl, dass sein Bett keine Zunge hat; darum darf er jetzt seinen Rücken ein wenig strecken und seinen Kopf ein wenig heben. „Bist du Seemann geworden?“ — „Das will ich meinen!“ ruft Dagfinn.

Darauf schweigt Haldor Enge und überlegt sich etwas und lässt sich gut Zeit dazu. Dann fragt er und schaut seinem Sohn auf einmal mitten ins Gesicht: „Wo kommst du her?“ Aber der Sohn Dagfinn ist nicht einer, der die Augen niederschlägt vor einer schnellen Frage. Ho, dieser Sohn musste durch die Schule des Lebens gehen. Da wuchs er in seiner Weise und wurde reifer. Seine Augen lächeln noch immer. Ja, und jetzt eben komme er aus einem Lande, das Argentinien heisst.

„Und warum bist du zurückgekehrt?“ fragt der Hofbauer.

„Warum ich zu euch hinauffuhr, fragst du? — Ja, siehst du, Vater, ein reiner Zufall ... Wir lagen vor zwei Wochen in Hamburg ... ja, und da hörte ich Möwen schreien ... Du kannst es wohl gar nicht verstehen, aber die Möwen schrien anders, als die Möwen auf anderen Meeren ... Und es wehte ein frischer Nordwind. Und es fuhr ein kleiner Blechkasten von einem Dampfer an uns vorbei, er kam von Haugesund mit Klippfisch ... Er roch so stark nach der Heimat ...“

„Wo hast du deine Schwester?“ fragt der Hofbauer. — „Margit? — Sie dient doch dort unten ... in einer Stadt im Süden ... Ich habe ihre Adresse im Koffer. — Doch, wenn es der Fall sein sollte, dass es dir nicht passt, Vater ... dann kann ich auch ebensogut gleich wieder davonfahren ... Heute nacht geht das Postschiff ...“

Ungefähr in dieser Weise ging das Wiedersehen vor sich. Es ging doch ziemlich anders, als Haldor Enge es sich gedacht. Keine Spur von Reue und verlorenem Sohn, nichts von Säuehüten und Lammfell um die Hüften, keine salzigen Tropfen in den Augen — rein gar nichts von Zerknirschung. Oh, nein. Es wurde vielmehr eine ganz unbiblische und alltägliche Begebenheit, ein kleines Gespräch vor einem Mühlenbau am Bach im obersten Frühlingstal ... Ein junger Seemann kehrte ins Vaterhaus zurück; und er tat dies grösstenteils zu seinem eigenen Vergnügen — keine Notwendigkeit trieb ihn hierher, nicht einmal eine überwältigende Sehnsucht. Es ist wohl nur eine flüchtige Laune ... Und, guter Vater Haldor, nur ein kleines Wort, nur ein leiser Wink — dann marschiert dein Sohn wieder die Strasse hinunter und fährt davon. Die Welt ist wahrlich immer noch gross genug und das Meer ist noch so strahlend blau von Abenteuern ... „Du kannst bleiben“, sagt der Hofbauer schnell.

Aber dann musste der Firstbalken doch noch gelegt werden ... Und das war nun trotzdem ein wenig wunderlich. Ein junger Seemann stand ein paar Schritte abseits, betrachtete den Wasserfall sehr genau und den braunen Felsenberg über dem Wasserfall und den reinen Herbsthimmel über dem Berg. Er lächelt nicht mehr in Überlegenheit und im Selbstvertrauen der Jugend. Wahrscheinlich hatte auch er sich diese Sache ziemlich anders vorgestellt. Sollte es denn wirklich so wenig bedeuten, wenn ein Sohn aus dem fernen Lande Argentinien bis in dieses oberste, einsamste Frühlingstal, von dem niemand in der Welt eine Ahnung hat, hinaufreist? Soll der junge Seemann hinfort im weichen Moosteppich stehen, das nordische Wasser brausen hören und Zeuge sein, wie ein zu kurzer Firstbalken auf eine kleine Sägemühle gelegt wird?

Und jener alte, eigenwillige Mann, Haldor Enge, der unermüdliche Landmann ... er verlor an einem Tage seine beiden Kinder und seinen schönen alten Hof und verliess die Stätte, die ihm vom Schicksal bestimmt war. Er wanderte allein für sich im Schatten der Felsenberge, als der Strand im Sonnentaumel und Goldrausch flimmerte; kein Hohn, kein Glanz brachte ihn von seinem Wege ab ... In unmenschlichem Trotz krümmte er seinen Rücken und schuf neues, grünes Land aus der Heide ...

Ein junger brauner Seemann hat gewiss schon mancherlei gesehen in der Welt; doch es wird ihm rein unbehaglich, wie der alte Hofbauer dort oben zwischen den Sparren seine Axt schwingt ... Und wenn man es richtig betrachtet, wird Dagfinn Enges Heimkehr schliesslich trotzdem noch zu einer kleinen Begebenheit ...

Mancherlei geschah ja schon vordem. Aber die seltsamen Ereignisse auf Nyheimen nahmen doch erst ihren Anfang, als der Sohn Haldor Enges aus der weiten Welt wieder am Strand von Solbö erschien.

*

Die Perlennadel

Oh, es begann im Grunde mit diesem und mit jenem — unter anderm begann es auch damit, dass in Birger Vaarda der Grössenwahn fuhr, dass er eines Morgens aufwachte und den Entschluss fasste, bei Hylnes eine Dampfschiffsbrücke zu bauen, ein unerhörter Einfall! Hylnes liegt doch noch keine Wegstunde vom Solbölande entfernt ... Haha — wohnen denn überhaupt Menschen in Hylnes? „Ich habe sie gezählt“, sagt Birger Vaarda, „wir sind nahe an die zweihundert Ansitzer, alles in allem.“ — „Haha!“ lachen sie. „Da hast du die Schafe und die Hühner alle mitgerechnet, du Birger.“ — „Nein — nur die Kinder ... Und nun überlegt es euch doch einmal, wie viele Fuhren ihr machen müsst im Jahr, mit Mehl und Fleisch und allem ... den weiten Weg hin und her zum Solböland; wie viele Stunden ihr euch in einem einzigen Jahr ersparen könnt. Ja, denkt doch einmal darüber nach, ihr guten Leute ...“

Das taten sie, die Leute vom Hylnesstrande; sie nahmen sich die Zeit dazu. An Gedanken und Meinungsäusserungen hat es wahrlich noch niemals gefehlt in dieser Gegend. Von jeher war es so, dass man lange um eine Sache herumging, ehe man sich daran machte, man betrachtete sie genau von allen möglichen Seiten — und man fand dann immer noch etwas mehr zu sagen.

Hingegen dieser Birger Vaarda war ja rein besessen von seiner Idee. Er sagte: „Und wenn ihr mir auch nicht mit einer einzigen Handreichung beistehen wollt, so schreckt mich das nicht. — Dann fange ich allein an“, droht er. „Nur zu, du!“ sagen sie und nicken höhnisch.

Da sollte Birger Vaarda also seinen Willen haben. Er fing allein an. Dabei zeigte sich allerdings, dass Birger Vaarda nicht Hafergrütze in den Knien, sondern, dass dieser Bursche, obschon er noch keine dreissig Sommer zählt, schon Bein in der Nase hat. Und Birgers Nase ist sowohl lang wie dick.

Aber das Schicksal hat auf Birger Vaarda ein scheeles Auge gerichtet. Es wählte ihn aus zu besonderen Taten. Es schaukelte ihn kräftig hin und her. Jetzt erhebt er ihn zum Führer und Häuptling, obschon er nicht von hoher Herkunft ist.

Kann man hier überhaupt von Herkunft reden? Jens, sein Vater, wurde doch nur so an diesen Strand geworfen. Kein Mensch wusste, woher er kam. Jens — er zog heran gleich der Wolke am Himmel. Und nach kurzem gab es irgendeine Sache mit Inga. Und daraus wurde eine Hochzeit und Kindstaufe — fast alles auf einmal. Jens übernahm die Regierung auf dem kleinen Gaard Vaarda. Unnötigerweise und überraschend ward der Knabe Birger in diese Welt hineingesetzt. Man könnte glauben, dass Jens nur zu diesem Zwecke aus dem Unbekannten hervorgetreten sei; denn wenige Wochen, nachdem Birger in die Welt gesetzt war, verschwand Jens daraus. Jens verschwand eigentlich nicht spurlos. Man fand seine irdische Hülle am Strande. Jens war doch Fischer — ein Mann, der sein Leben und seine Zukunft ganz aufs Meer setzte. Da hat ihn also das Meer genommen ...

Im Meer liegt, heute wie ehedem, das Märchen und die bittere Wirklichkeit. Das Meer gibt sowohl Glück wie Tod. Es schafft Männer und vernichtet sie, in göttlicher Laune.

Jens war in seiner Art ein Mann; soviel ist sicher. Er trotzte dem Südsturm. Aber der Sturm war stärker und schlug ihn ...

Birger wuchs heran und es zog auch ihn aufs Meer. Noch ehe er konfirmiert war, tat er mit beim Winterfischfang, verdiente und sparte und legte Geld auf Geld. Es floss neben dem Vaterblut auch das Blut seiner Mutter in ihm, gutes, dickes Bauernblut.

Und dann, auf dem Winterfischfang, in einer schwarzen Nacht, brauste eine mächtige Woge über Deck, fasste Birger Vaarda, hob ihn hoch und schleuderte ihn gegen das Gangspill. Und da lag er mit eingedrückten Rippen. Das Meer hätte ihn töten können, mit einem einzigen Prankenhieb. Doch das sollte nicht geschehen. Das Meer zeichnete ihn nur. Birger kam bald wieder auf die Beine. Allerdings sollte er nicht wieder der frühere Birger werden; seine Kraft war gebrochen ... In einer Art Auflehnung wollte er nun die Landungsbrücke bauen.

Birger setzte von jeher eine unheimliche Fahrt in alles, was er unternahm. Nun, da er diesen Brückenbau einmal auf sich genommen, ging er ihn sogleich an mit gesenkter Stirn. Trotzdem wurde es ein klägliches Beginnen. Das Meer blieb Birger Vaarda weiterhin feindlich gesinnt. Es spülte die Balken und Gerüste, die er darein stellte, sogleich wieder fort. Auf diese Weise konnte es also nicht gehen. „Und das kannst du dir doch wohl selber denken“, sagten die Nachbarn. „Bist du nicht länger bei Verstande, du Mensch? Spar dein gutes Geld!“

Doch Birger war klar genug in seinem Verstande; er wusste, was er wollte. Weiterhin trotzte er dem Meer. Er liess einen Taucher kommen und sparte sein Geld nicht. Der Taucher schuf nun die solide Unterlage; langsam fügte er Stein an Stein. Oh, es war ja ein wirklicher Taucher mit Kupferhelm auf dem Kopfe und Bleisohlen an den Schuhen — wenn er sich ins Wasser hinabsinken liess, stiegen Blasen hoch. Es war das reine Abenteuer auf Hylnes. „Dort wirft Birger Vaarda sein gutes Geld ins Meer“, sagten die Nachbarn. „Er ist total verrückt.“

Es wurde wahrlich manches Wort geredet in dieser Angelegenheit. Sogar der Krämer Friesak schwieg nicht und sagte: „Das wird niemals angehn.“ Der Krämer hatte dabei natürlich einen unbehaglichen Hintergedanken. Aber Birger Vaarda liess sich durch keine Worte einschüchtern, er liess seinen Taucher unbeirrt in die Meerestiefe hinabgleiten. Da musste mit der Zeit die Landungsbrücke erstehen. Sie wuchs langsam und sicher aus der Tiefe herauf. Das Meer wütete nicht übel dagegen; aber es wusste sich für dieses eine Mal an den grossen Steinen die Zähne ausbeissen ...

Zu dieser Zeit kehrte also Dagfinn Enge ins Frühlingstal zurück. Die Leute vergassen darob Birger Vaardas frevlerische Landungsbrücke und wandten sich gierig der letzten Neuigkeit zu. Es wurde am ganzen Strande bekannt, dass der Sohn Dagfinn, nachdem er Wasserfall, Berg und Himmel gründlich betrachtet, seinen feinen Rock auszog, mit seinen gelben Schuhen in den Dachstuhl kletterte und kräftig mithalf, den verfluchten Firstbalken zu legen. Und damit war der verlorene Sohn wieder da — im Grunde durfte es wohl gar nicht anders zugehen.

Der Sohn sass mit einem Male wieder am Tisch und erzählte von fernen Ländern und gottlosen Hafenstädten. Die Knechte hörten es und traten einander auf die Füsse. Die Mägde staunten und kicherten, manchmal empörten sie sich laut über die Ausgelassenheit der fremden Weltmädchen. Der Hofbauer lauschte den Reden seines Sohnes und tat keine Frage. Dabei wurde er schläfrig und gähnte.

Aber dennoch und trotzdem war nun der Sohn wieder da. Und es wurde viel lebhafter auf Nyheimen als ehedem. Mit aller Welt Geheimnissen und Unheimlichkeiten war dieser Sohn im Vaterhaus erschienen. Der Knecht Tollak fuhr an den Strand und holte eine Schiffskiste und einen langen Koffer mit gelben Beschlägen — Gott allein weiss, welcher Art Reichtümer dort verborgen lagen.

An den drei ersten Tagen zum Exempel trug Dagfinn drei verschiedene Anzüge. Er trug seidene Schlipse und machte sich über alle Massen fein und weltmännisch. Jeden Augenblick konnte er aus seiner Westentasche eine dicke, schwere Golduhr mit Deckel ziehen. Diese Uhr hing an einer goldenen Kette, und die Kette lief durch ein Knopfloch der Weste über die ganze Brust hinweg. Natürlich trug Dagfinn Enge auch einen Goldring mit Stein am Finger. War dieses denn nicht schon sehr viel und fast mehr als genug? Nein.

An Dagfinns Rockkragen stak eine Nadel mit weisser Perle. „Und was soll das denn sein?“ fragte Tollak, der Knecht. Dagfinn antwortet darauf nicht ohne weiteres. Er antwortet überhaupt nicht, sondern legt nur seine Hand über die Perlennadel. Es konnte demnach keine Kleinigkeit sein.

Oh, wie wurden da die Knechte und Mägde neugierig. „Gewiss ist auch die Nadel von Gold?“ musste Borghild fragen. „Und ganz gewiss hast du sie in einem ungeheuer fernen Lande gekauft?“

Hierauf zog Dagfinn seine Hand noch immer nicht zurück. Ach, er schüttelte nur ein wenig den Kopf und lächelte über die Einfalt der Magd. „Wo denkst du nur hin, du Borghild! Eine solche Perlennadel lässt sich nicht kaufen ...“

Wie? Dann muss Dagfinn sie also wohl geschenkt bekommen haben — vielleicht sogar von einem dieser gottlosen Frauenzimmer, die keinen Funken von Scham mehr im Leibe haben? Aber nein. Dagfinn lächelt weiter. Mit der Liebe hat das nicht das allermindeste zu tun. „Es ist ein Zeichen“, sagt er leise.

„Du grosses Mirakel — was für etwas?“ wundert sich Borghild, die Magd. „Nein, nein — man darf darüber nicht reden“, sagt Dagfinn. „Und zudem würdest du das ja doch niemals verstehen, altes Mädchen.“

Es handelt sich hier also um das schwärzeste Geheimnis und jedenfalls um etwas, was im Frühlingstal niemals aufgeklärt werden kann. „Höchstens so viel darf ich dir vielleicht verraten“, sagt Dagfinn, „dass ich damit durch alle Länder der Erde und ganz bis ans Ende der Welt fahren kann. Und ich werde an allen Orten mächtige Freunde finden. Wenn ich je in Not geraten sollte, so darf ich sie nur anrufen, dann werde ich sogleich Hilfe finden ...“

„Du Herr im blauen Himmelreich!“ schreit die alte Magd. Nun gleitet Dagfinns Hand sachte nieder. Und dort steckt sie, die wunderbare Perlennadel — es ist unfassbar. Es ist das leibhaftige Märchen.

Hierauf wird es still in der Stube. „Morgen wollen wir mit dem Grund von Tuland anfangen“, sagt Haldor Enge in diese Märchenstille hinein. „Ist Dynamit da?“ — „Dynamit, Lunte, Zündhütchen — alles ist da“, erwidert der Knecht Tollak, reisst sich von fernen Weltwundern los und ist mit einem Schritt und mit ganzer Seele beim Erdboden von Nyheimen. „Ich denke, wir sollten zuerst einen tiefen Hauptgraben anlegen. Denn es steht dort oben höllisch schlecht mit dem Gefälle.“ — „Das müssen wir wohl“, bestätigt der Hofbauer.

Aber der Knecht Sigurd mit seinen zwanzig Sommern ist noch lange nicht fertig mit den Geheimnissen der Fremde. „Was müsstest du nun tun, wenn du in Not geraten solltest, du Dagfinn?“ — „Wie? Was ich tun müsste? — Habe ich euch denn nicht bereits erklärt, dass es bei Todesstrafe verboten ist, auch nur ein einziges Wort darüber zu verlauten ... Und hiermit frage ich dich, Sigurd: Hast du, Knabe, vielleicht in deinem Leben jemals vernommen, was Mafia ist?“ — „Was?“ — „Oder die schwarze Hand, zum Exempel?“ — „Du allmächtiger Gott!“ schreien die Mägde. — „Und wenn einer etwas sagt“, fährt Dagfinn Enge leise und düster fort, „ja, wenn er kaum so viel, wie mit dem Auge zwinkert, dann ist er auch schon hin und geliefert ... Die schwarze Hand erwischt ihn überall und erwürgt ihn. Und sie macht ihm mit dem Messer ein Kreuz auf die Stirn. — In Chikago kannst du es jederzeit erleben, dass sie am hellichten Tage auf offener Strasse niedergeknallt werden ...“

„Herr im Himmel!“ kreischen die Mägde. „Das muss ich aber sagen ...“, stammelt der Knecht Sigurd. „Gibt es denn in jenem Lande weder Polizei noch Obrigkeit?“ Worauf Dagfinn Enge nur überwältigend lacht. Dagfinn wurde in der Ferne doch so wissend und makellos grossartig. Ja, es gibt ungeheuere Sachen in der fremden Welt.

Im obersten Frühlingstal wird ob dem ein Hofbauer abermals müde und übelgelaunt; sein Gähnen schallt durch die Stube. Gleich geht er in die Kammer.

Da liegt er nun wieder in seinem Bett und grübelt ein wenig nach und denkt an den Sohn. Nein, nein — Haldor Enge ist noch immer nicht ganz zufrieden ... Immerhin, wenn auch nicht alle von Dagfinns Geschichten nach des Vaters Geschmack sind, so ist doch der verlorene Sohn wieder da. Und einiges ist besser geworden, als es früher war ... Kinder, die kein Heim und kein Vaterhaus mehr haben, kommen doch so leicht auf Abwege ... Aber was nun Nyheimen anbetrifft, so ist es ein schönes Vaterhaus ...

Und wenn man mit dem Boden von Tuland beginnen will, so muss man zuerst einen grossen Stein sprengen, denn sonst kann das Grundwasser niemals abfliessen. Ja — und jetzt fragt es sich also, ob die Steinbohrer geschärft sind ... „Mafia“, murmelt der Hofbauer. „Warte ein wenig! Ei, dieses Wort hat man wohl schon irgendwo gelesen ...“ Denn Nyheimen liegt sozusagen immer noch in der Welt. — Dann mag nicht alles erlogen sein, was der Sohn Dagfinn erzählt. Einiges Mag sogar stimmen. Nein, nein — man darf nicht zu hart richten ... Aber ganz gewiss wird der Hofbauer eine Stunde früher aufstehen müssen, weil die Steinbohrer nicht geschärft sind. „Und wenn es dann nur Kohlen in der Schmiede gibt“, murmelt Haldor.

Ein Haldor Enge hat wahrlich vielerlei Gedanken und Sorgen, wenn er auch gewöhnlich so tut, als sei der Gang der Dinge fein geregelt. Trotz Gedanken und Sorgen kann der Hofbauer nun leichter einschlafen als sonst. Er muss sogar lächeln und mit seinem breiten Kinn zucken, wenn er an eine gewisse Perlennadel denkt.

*

Weisse Hennen

Hingegen durfte man kaum erwarten, dass der Besitzer von drei neuen Anzügen, einer dicken Golduhr und einer wundertätigen Perlennadel im Morgendämmer aufstehen und im kalten Moorboden herumstapfen soll. Deshalb ist dieser Mann nicht über die weiten Weltmeere bis hinauf ins Frühlingstal gefahren ...

Drei Tage lang hielt Dagfinn Enge sich auf dem Nyheimgaard still und führte ein zurückgezogenes Leben. Er half sogar beim Bau der Sägemühle mit. Ja, er durfte wirklich da und dort seine Meinung äussern, und zuweilen musste selbst der Hofbauer nicken und beipflichten: „Darin hast du wirklich recht.“

Aber nun war der Mühlenbau vollendet. Dagfinn bürstet sich den Staub von Rock und Schuhen und spaziert an den Strand hinab. Es ist immer noch das stille, warme Herrenswetter. Der Herbstwald duftet, die Wiesen fangen, erstaunt und verschämt, noch einmal zu blühen an. Die Vögel singen im Walde ihre vergessenen Frühlingslieder. Das ganze Tal träumt im Sonnenschein ... Dagfinn hat sich hinters Ohr eine Zigarette mit goldenem Mundstück gesteckt, wohl deshalb, weil in seinen Taschen gar kein Platz mehr vorhanden war. So marschiert er talwärts und bläst schwere Rauchwolken um sich her.

Am Solböstrande hatte sich in den Jahren, da Dagfinn Enge auf fernen Meeren schaukelte, einiges verändert. Gewiss. Aber nach dem unerwarteten Friedensschluss ereignete sich nichts mehr — seither liegt dieser Strand im Starrkrampf ... Erst in der letzten Zeit begannen die Leute sich allmählich von dem schweren Schlag zu erholen; zögernd richteten sie sich auf aus ihrer hoffnungslosen Demut. Sie schauten sich fast erstaunt um nach dem grossen Schreck und schenkten einander aufs neue Anteilnahme.

Wenn da ein Dagfinn Enge in all seiner strahlenden Herrlichkeit im Kramladen Friesaks erscheint, laufen die Leute zusammen und wollen gerne Neuigkeiten hören aus der Welt dort hinter den Bergen. Nun, da sollten sie an den rechten Mann kommen. „Wieder willkommen zu Hause, du Dagfinn! Was gibt es denn an Veränderungen draussen in den fremden Ländern?“ — „Schlechte Zeiten“, erwidert Dagfinn Enge. „Kein Handel, kein Verkehr ... In allen Häfen werden die Schiffe aufgelegt. Bald sind alle Meere öde und leer ...“ — „Also darum bist du nach Hause gekommen?“ — „Ich? Wer behauptet das? Ich? — ich war doch Bootsmann auf einem Zehntausendtonner, wenn ihr zufällig wisst, was das sagen will ...“ — „So — so!“ sagen sie und nicken ungläubig.

Dagfinn richtet sich in seinen neuen Kleidern gar prächtig vor ihnen auf. Sie betrachten ihn. Um sich sogleich noch mehr in Achtung zu setzen, wirft er eine Banknote auf den Ladentisch: „Komm mit einer Rolle Tabak, du Friesack!“ — „Mit einer ganzen Rolle?“ — „Mit der grössten Rolle, die du in deinem Geschäft hast ...“ So gewaltig wurde Dagfinn Enge. Er befasst sich nicht länger mit Kleinigkeiten. Sondern er setzt sich auf den Ladentisch und baumelt mit seinen Beinen, dass alle Welt die gelben Schuhe bewundern kann.

„Was ist das für Geld, du Dagfinn? Soviel ich davon verstehe, muss es ein ausländischer Schein sein“, sagt der Krämer Friesak. „Das dort — ei beim Hunde, das ist natürlich eine Zehndollarnote — da hab ich mich in der Hast vergriffen. In meinen Taschen steckt doch so vielerlei ausländisches Papier, dass ich mich bald selber nicht mehr darin auskenne. Gib ihn nur wieder her, du Friesak — hier sollst du gleich ein paar brave norwegische Kronen mit Löchern haben ... Und ich wundere mich bloss, wie viel Silber noch in diesen Kronen ist, sie sind so schwarz ...“

Grossartig. Der Zehndollarschein geht von Hand zu Hand. Wahrlich dieser Sohn Dagfinn kehrte nicht mit leeren Taschen aus der Ferne zurück.

„Seid so gut — greift zu!“ sagt Dagfinn, strahlend aufgelegt.

Die Tabakrolle wird aufgedreht; auch sie geht von Hand zu Hand. Ein jeder beisst ein gutes Stück davon ab. Oh, es wird schon mehr als grossartig ... Vor einigen kleinen Jahren noch, zur Zeit des Glanzes, wäre in diesem Kramladen kein Mensch vor einer fremdländischen Banknote und einer Tabakrolle in die Knie gesunken; erst später wurden die Leute wieder schlicht in ihren Seelen.

Es hebt alsbald ein grosses Kauen und Spucken an. „Ja, du Dagfinn — du Dagfinn!“ rufen sie und stöhnen vor Wohlbehagen. „Es heisst, in Amerika seien gute Zeiten“, sagt einer. Dagfinn wälzt sich auf dem Ladentisch. Es ist ihm herrlich wohl in der Flut der allgemeinen Aufmerksamkeit und Anerkennung. „Wer das sagt, sagt es nur pro forma! Die Zeiten sind in der ganzen Welt so elend, dass sie überhaupt nicht mehr elender sein könnten ...“ — „Aber du hast doch alle Taschen voll Geld, du Dagfinn ...“ — „Ho — sie sind nicht völlig leer, meine Taschen — nein.“ — „Das kann hier nicht mancher von sich behaupten!“ ruft einer. Hierauf schweigen sie in Zerknirschung.

Bald beginnt Dagfinn aufs neue: „Ich bemerke rundherum am Strande neue Gebäulichkeiten ... Haha — das war doch einmal Mons Bauges Merkurfabrik ...“ „Die ist total kaputt und fertig, mausetot“, lachen sie. „Ohne Maschinen und alles — ein Reich der Schatten und der Ratten.“ Zwar die Spinnerei AG. lebt noch und auch die Ziegelei lebt noch — aber wie ... Nein, das Leben ist nicht länger leicht an diesem Strande ...

„Dass ihr das alles so schnell aus der Hand fallen liesst“, tadelt Dagfinn Enge, indem er seinen Kopf hin und her wiegt, als wisse er selber manchen Rat und Weg, eine Besserung in den Verhältnissen herbeizuführen. Und jetzt holt er endlich die Zigarette vom Ohr und brennt sie an. Es ist wirklich ein hervorragender Anblick, wie Dagfinn so, mit allem Erdenklichen ausstaffiert, auf Friesaks Ladentisch liegt und von Zeit zu Zeit die dicke Golduhr mit dem Deckel funktionieren lässt.

Die Leute vom Solböstrande haben scharfe Augen; wenn sich etwas Neues unter ihnen zeigt, betrachten sie es genau. Sie entdeckten zur rechten Zeit auch die Perlennadel. Und dadurch kamen sie zu Geschichten mit Blut und Schauern im Rücken. An diesem Tage liefen die Menschen wahrlich nicht umsonst im Kramladen zusammen.

Freilich bleiben Menschen überall Menschen — wenn ein anderer im strahlendsten Glück steht, hält es stets schwer, ihm lauteren Herzens den Segen zu gönnen, insbesondere wenn man es selber nicht gut hat. Wenn aber ein Bursche wie Dagfinn mit Geld um sich wirft und fast platzt vor Überfluss, so hält es doppelt schwer. Es war in der Tat ungerecht von der Vorsehung, einem Lügenhals und Windhund sämtliche Taschen mit ausländischen Reichtümern anzufüllen, während hier am Strande mancher ehrliche Familienvater darben sollte. —

Aber sonst — welch ein gesegneter Schwatz! „Noch mehr Tabak, gutes Volk?“ fragt Dagfinn, der Spender. „Nur keine Umstände ... Hol noch eine Rolle her!“ kommandiert er. Kein Mensch wundert sich, dass Dagfinn Enge den mächtigen Krämer duzt und wie seinesgleichen behandelt. „Da kann man es wieder sehn, wohin es manchmal führt, wenn einer in seiner Jugend hinauszieht in die Fremde“, sagen sie und nicken beifällig.

Auf diese höchst angenehme Weise naht die Mittagszeit heran. Dagfinn verfällt auf eine neue Idee und lädt die ganze Gesellschaft zum Essen ein. „Auch du kannst für dieses eine Mal mithalten“, wendet er sich vermessen an Friesak. Aber nein, der Krämer will sich doch nicht so völlig wegwerfen und gemein machen mit allem Volk. „Nein, danke!“ sagt er. Und er sagt es kurz, bestimmt, abweisend.

„Wie du willst“, sagt darauf Dagfinn. „Hast du Kuchen?“ „Ich habe Biskuits.“ — „Und Brauselimonade hast du wohl auch? Komm mit fünf Flaschen ... Komm mit zehn Flaschen!“ — „Zehn Flaschen — jawohl!“ wiederholt Friesak begeistert. „Hast du Eier?“ — „Ganz frische Eier sind da — acht Ör das Stück.“ — „Das ist — der Hund pfeife mir — billig!“ ruft Dagfinn. „Leider, ich für meine eigene Person kann nur die Eier von weissen Hennen vertragen ...“

„Was erzählst du da?“ wundert sich der Krämer mit hoher Stimme. „Wie sollte ich nur die Eier von weissen Hennen herausfinden?“ „Ho — kannst du das vielleicht nicht?“ fragt Dagfinn Enge mit viel Erstaunen in der Stimme. „Nein — ob ich jemals im Leben dergleichen gehört habe ...“, sagt der Krämer. „Komm also her mit deiner ganzen Eierkiste — ich will sie dir schon auslesen helfen.“

Friesak stellt lachend die Kiste auf den Tisch: „Suche nur! He he — welch ein Humbug!“ lacht er. Dagfinn Enge aber nimmt es ernsthaft und sucht gewissenhaft — er sucht die grössten Eier heraus und verteilt sie, rundhändig, wie er ist, an die Gesellschaft. Oh, die Leute von Solbö freuen sich kolossal. Und diesmal lachen sie aufrichtig. „Ist es nun aber auch sicher, dass es nur die Eier von weissen Hennen sind?“ fragt Friesak wütend. „Das ist vollkommen sicher und gewiss“, entgegnet Dagfinn Enge. „Oder willst du nachträglich das Gegenteil behaupten — du, der sie doch gar nicht voneinander unterscheiden kann? ...“ Dagfinn hackt mit einem unerhört feinen Taschenmesser zwei Löcher in die Eierschale und lehrt das Volk vom Solböstrande, wie man in Amerika frische Eier austrinkt.

Hernach spaziert er hinaus zu Birger Vaarda, wo die Landungsbrücke gebaut wird. Birger Vaarda ist doch Dagfinn Enges Jugendfreund. Aber Birger — dieser Jüngling hat zur Stunde keinen andern Gedanken im Kopf als sein grosses Werk. Er wälzt mit Hilfe zweier Taglöhner schwere Steine den Hang hinab.

„Hallo, Birger — alter Knabe!“ ruft Dagfinn welt- und seemännisch schon von weitem. „Hol mich der Teufel — du allein machst in dieser Gegend Fortschritt und Weiterentwicklung. Ja, du bist der einzige am ganzen Strande, der noch eine Hand zu heben wagt ...“ Worauf Birger Vaarda das Hebeisen zur Erde und sich selber auf ein schmales Rasenflecklein zwischen den Felsen sinken lässt. Dagfinn setzt sich neben ihn. Und sie beginnen mit der Unterhaltung. Sie führen Gespräche, wie alte, gute Kameraden, während sie den Fortgang der Arbeit, mit Taucher und Luftblasen, munteren Blickes verfolgen.

„Wie breit und braun du geworden bist!“ staunt Birger Vaarda. „Mich hingegen hat die See auf einmal ganz kaputt gemacht. Und ich gehe jetzt herum und bin marode ...“ — „Sagst du das?“ Jawohl, die gefrässige See hat diesen Birger nicht nur durch ein paar Rippenbrüche gezeichnet, sie schlug ihm auch noch alle oberen Vorderzähne aus. Birger Vaarda öffnet den Mund, lässt die Sonne hinein scheinen und zeigt den erlittenen Schaden dem Jugendfreunde. Eine ganz verteufelte Lücke, mit je einem spitzen Eckzahn auf den Seiten.

„Das hat nichts auf sich“, bemerkt Dagfinn Enge. „Draussen in der Welt hab ich noch ganz andere Sachen gesehn.“ — „Ja, ja — das hast du sicherlich“, nickt Birger und schliesst seinen defekten Mund wieder. — „Und Zähne kannst du dir doch jederzeit einsetzen lassen, soviele du nur willst und Lust hast.“ — „Ja, das könnte ich wohl ...“ — „Und du kannst dir sogar goldene Zähne einsetzen lassen ...“ — „Kann ich das?“ — „Ja, das darfst du mir schon glauben ... Und wenn die Landungsbrücke hier fertig ist, dann musst du selbstverständlich sogleich einen Kramladen starten ... Oder soll denn der gefrässige Haifisch Friesak von Solbö euch alle verschlingen und das gesamte Geld des Strandes in seine Tasche scharren ...? Später musst du noch ein Postkontor bekommen. Und ich soll dich grüssen von Margit ...“

Birger Vaarda wird hiermit glatt überrannt und überwältigt und derart verwirrt in seinem Kopfe, dass er alles untereinandermengt. „Margit — wie?“ murmelt er, wird gefährlich dunkel im Gesicht und beginnt das arme Gras um sich her auszurupfen. „Wie hat sie es denn? Wo lebt sie? — Und denk nur, ich habe doch früher oft mit ihr getanzt ... in der letzten Nacht noch, ehe ihr davonzogt ... O du! Und heute bin ich also derart marode ... Wie aber soll ich ein Postkontor bekommen? Und meinst du es wirklich ernst mit dem Kramladen? — Gott sei mir gnädig! Ich selber wäre doch niemals darauf verfallen ... Ja, wenn du es nun so sagst und ich es recht bedenke ... Aber Zähne! Salze mich — nein! — Neue Zähne ... Nein, du, das geht allerdings nicht ...“ — „Geht es vielleicht nicht?“ — „Verdammt nein! — Die sind wohl so höllisch teuer ... Und ich muss doch jetzt mein ganzes Geld für diese Landungsbrücke hergeben ... Kommt Margit nie wieder heim? — Ach nein, du — das tut sie gewiss nicht ... Sie hat schon längst einen reichen Liebhaber gefunden ...“ Oh, es ist eine heillose Verwirrung in Birgers Kopf entstanden. Er muss jetzt auf die Beine springen und eine Zeitlang rund im Kreise laufen, derart plagen ihn die vielen neuen Gedanken.

Doch wäre auch in dieser Angelegenheit Dagfinn Enge der rechte Mann und wie dazu geschaffen, alles wieder ins sichere Gleise zu bringen. — Fortschritt? Und Möglichkeiten? ... Birger Vaarda muss einen Kramladen beginnen — das steht fest! Warum sollte dieses denn unmöglich sein? „Das wäre noch schöner!“ ruft Dagfinn, ernstlich empört. „Und wenn du Geld brauchst, dann komm nur zu mir!“ — „Ja — aber was denn?“ stottert Birger, setzt sich wieder zwischen die Felsen und fährt fort, das Gras auszurupfen.

Da wird aber Dagfinn Enge von seiner eigenen Grösse hingerissen. „Sieh einmal her, mein Lieber! Hier, diese Uhr zum Exempel — was glaubst du — die wird wohl schon ihren Wert haben. Wieviele von eueren elenden Lochkronen müsstet ihr dafür geben? ... Hahaha! Euer Geld — ihr könnt es ja auf Schnüre ziehen und um den Hals tragen ... Auch die Chinesen haben Geld mit Löchern drin ... Und wenn ich gründlich nachschaue in meinen Taschen, werde ich schon noch ein paar ausländische Scheine für deine Zukunft finden ... Fang du also nur ruhig an mit deinem Handel ...“ — „Soll ich anfangen? — Ich weiss wirklich nicht ...“ — „In des Herrn Namen, mein lieber Kamerad! — Und fühl nur einmal den Deckel ... wie dick er ist, und ganz massiv von Gold ... kenne das Gewicht in deiner Hand! — In Amerika nennt man sie Watsch ...“

„Watsch?“ Birger Vaardas Augen glänzen feucht — Kinderaugen, die ein unbegreifliches Wunder schauen. Wie ungeheuer wuchs doch der Jugendfreund empor. — „Über dem Gangwerk ist eine zweite Glasscheibe ... sie geht auch noch unter dem Wasser ...“ Dagfinn öffnet seine märchenhafte Uhr mit seinem märchenhaften Messer. Und da findet man also wirklich ein Glas. Alles funkelt in der Sonne des Nordens und strahlt Herrlichkeit und Reichtum aus.

„Du hast es gut getroffen, du Dagfinn“, sagt Birger anerkennend. — „Ho — warte nur, bis ich erst meine Kisten und Koffer öffne! ... Und das mit dem Postkontor ist doch die einfachste Sache von der Welt. Zuerst muss man eine Liste machen ...“ — „Nein, du — jetzt versprichst du aber zuviel!“ — „Überlass das mir ... Soll man vielleicht in einem anständigen Kulturland zwei Stunden weit laufen, wenn man einen gewöhnlichen Brief in den Kasten werfen will? Ja, das dürfte nur fehlen ... Überlass es getrost mir, sag ich! — Du solltest nur wissen, wie es in dieser Beziehung dort unten in der Welt steht. Ja, dort unten haben sie einen Briefeinwurf an jedem Haus. Und manche sind rot gemalt, und einige sind sogar vergoldet ...“ — „Unmöglich! — Wieso denn vergoldet?“ — „Du musst doch begreifen, Mensch, dass es in jenen Ländern viel mehr Gold und viel weniger Steine gibt als hier oben bei uns. Und wenn sie vor Überfluss gar nichts mehr anzufangen wissen, dann streichen sie das Gold überall herum ... Ja, ich kann dir sagen — hier bei uns ist noch alles so klein und jammervoll, dass es mich in meiner Seele ganz elend macht. Ich weiss wahrlich noch nicht, ob ich diesen Anblick lange aushalten und ertragen kann ... Ja, vielleicht bleibe ich nur, bis mein Schiff, der Zehntausendtonner, in Hamburg gelöscht und geladen hat — denn es ist doch gar zu erbärmlich, nachdem man all das Grossartige in der Welt draussen erlebt hat, mein Lieber.“

„Du darfst nicht wieder fortreisen!“ ruft Birger schnell und verzweifelt. „Warte nur — mit der Zeit wird es dir bei uns auch wieder besser gefallen.“ — „Das kommt wahrlich sehr darauf an“, seufzte Dagfinn, den Blick in die Ferne gerichtet. Aber bald setzt er wohlwollend hinzu: „Nun, fürs erste bin ich ja noch da — was morgen geschehen wird, weiss niemand. Vieles ist möglich ...“

Birger Vaarda vergass über dem allen seine Landungsbrücke. Nun erhebt er sich. „Komm mit mir hinauf. Ich bin sicher, dass die Mutter schon einen starken Kaffee für uns gekocht hat. Verschmähe es nicht! Es ist ja, bei Gott, nichts, einem Mann, wie dir, das anzubieten. Aber du wirst dich noch erinnern, wie das Leben an diesem Strande geführt werden muss.“ — „Mach dir nur keine Kosten“, entgegnet Dagfinn Enge, immer noch leutselig. „Nein, das ist nicht notwendig, du; denn ich komme ja eben vom Mittagessen.“ — „Wie magst du so etwas sagen, Dagfinn!“

Mutter Inga hatte den feinen Gast schon längst bemerkt. Als Birger die Tür öffnete, strömte auch schon der Kaffeeduft heraus.

„Hast du Papier und Tinte im Haus?“ fragt Dagfinn Enge. „Dann will ich gleich eine Liste schreiben.“ — „Ist es Margits Absicht, ihr ganzes Leben im Süden zu bleiben?“ fragt Birger. „O ja — das will sie sicher, und sie hat uns andern hier oben wohl längst vergessen. Auch Margit wird jetzt an grössere Verhältnisse gewöhnt sein.“ — „Margit? Nein, ich weiss nicht ... Aber wenn du schon davon sprichst, könnte ich ihr ja gelegentlich schreiben. Bring mir noch ein Blatt Papier, sogleich schreibe ich ihr.“

Dagfinn setzt sich hin und schreibt an seine Schwester Margit mit flotten Zügen und vielen Grüssen von Birger Vaarda. Und Nyheimen sei ein grosser Gaard, ungeheuer viel Wildmark gehöre dazu, der ganze Taakefjell. „Was aber den Vater anbetrifft, so kann ich dir nur so viel melden, dass er immer noch der alte und der gleiche ist. Er hat sich nach dir erkundigt; und wenn ich es richtig verstehe, möchte er dich gerne wieder im Hause haben ...“ Dieser Dagfinn Enge war doch von jeher der reine Teufelskerl, wenn es sich darum handelte, mit Worten umzuspringen oder einen Brief aufzusetzen. Nicht für nichts hat er in seiner Jugend die vielen Bücher gelesen.

„Und jetzt musst du selber noch einen persönlichen Gruss dazu setzen“, wendet er sich an Birger Vaarda. „Nein du — soll ich das wirklich?“ fragt Birger überrascht und froh und verzagt zugleich. Schon wieder bekommt er dunkle Wangen. „Am Ende wird sie es übel auffassen — was meinst du? Ja, wenn ich nur wüsste ...“ — „Was bist du doch für ein Feigling geworden!“ scherzt Dagfinn gutmütig. „Früher warst du ein so kecker Bursche — hast jede rechtschaffene Schlägerei mitgemacht.“ — „Ja, früher“, seufzt Birger. „Aber jetzt, wo ich so marode bin ...“

Schliesslich setzt er doch noch seinen persönlichen Gruss hin. Dann trinken sie Kaffee. Und es muss endlich von der Perlennadel gesprochen werden. Denn Birger Vaarda, in seiner Befangenheit und mit seinen vielen neuen Gedanken und Entschlüssen, hätte aus eigenem Antriebe diese Nadel niemals bemerkt, wenn Dagfinn ihn nicht mit der Nase darauf gestossen hätte.

Doch schliesslich gelang es. Da trieb nun Dagfinn Enge sein Wesen und Unwesen auch in dieser Stube. Hierauf nahm er in der besten Stimmung Abschied und ging davon. Birger liess Brücke und Taucher im Stich und folgte ihm ein Stück weit auf dem Wege, und als er endlich umkehren musste, streckte er dem Freunde Dagfinn die Hand hin und bekam vor Rührung eine schwingende Stimme. „Also — und das mit dem Handel ist fest abgemacht“, erklärte Dagfinn — „Ja, ja. Ich will es mir überlegen.“ — „Wieso? Morgen schon schreibe ich in deinem Namen in die Stadt an die Grossisten! — Du wirst schon selber sehen, dass es ausgezeichnet geht.“ — „Ja, ja.“ — „Auf mich kannst du in jeder Hinsicht zählen“, ruft Dagfinn Enge noch zurück, nachdem er schon zwanzig Schritte gemacht hat. „Ja — tausend Dank ...“

Dagfinn hat einen guten Tag gehabt. Er spaziert jetzt wieder ins Frühlingstal hinauf. Und als er hoch genug hinauf kommt, hört er dumpfe Minenschläge. Und als er noch höher hinauf kommt, steht der Hofbauer Haldor mit seinen beiden Knechten bis an die Knie im Moor. Helle Steinbrocken liegen überall herum; das Erdreich ist an verschiedenen Stellen schon tief aufgerissen und durchwühlt. Der Sohn Dagfinn betrachtet sich das alles, schüttelt seinen Kopf und fragt seine Seele: „Ist das denn im allgemeinen überhaupt noch ein würdiger Lebenszustand?“

*

Haldor Enge raucht die Meerschaumpfeife

In Wirklichkeit fing es auch noch damit an, dass Margit, die Tochter Haldor Enges, wieder im Frühlingstal erschien. Auch Margit erschien mit einer Kiste und mit einem Köfferchen — ach, es war mehr nur ein armes Bastkörblein; jedoch die Tochter Margit stand nicht frierend und hungrig vor der Tür auf Nyheimen. Sie kam mit einer gewissen Selbstverständlichkeit aus der Ferne zurück. Somit gestaltete sich auch dieser Einzug nicht zu einem überwältigenden Ereignis. Aber der Hofbauer wurde dennoch davon überrumpelt ...

Es ist wiederum ein Abend, ein früher Oktoberabend. Haldor Enge schreitet über den Hof von der Scheune zur Schmiede hinüber, russig an Gesicht und Händen. Heute wurde der kleine Hebekrahn, der im Neuland in den Gräben verwendet wird, schadhaft — die Zeit fährt ja unaufhaltsam über die Dinge und die Menschen hin und darf niemals stille stehen ... Sie bringt dem Hofbauern stets Arbeit und bewahrt ihn vor üppiger Sorglosigkeit.

Da tritt ihm eine fremde Dame entgegen; eine Erscheinung in rotem Mantel, mit Pelzkragen und weichem Flauschhut — eine junge Dame in feinen Lackschuhen. „Vater!“ — Welch seltsame Stimme! Auf einmal wirft sich jemand an des Hofbauern Hals. Ei, diese Dame benimmt sich doch über alle Massen stürmisch mit Küssen und Seufzern und Tränen und unverständlichen Ausrufen. Der russige Hofbauer muss bei diesem Überfall in völlige Unordnung geraten. Er beginnt, teils aus Befangenheit und heimlicher Freude, teils aus alter Gewohnheit, zu fluchen: „Was — zum Satan? Was denn ...?“ — „Oh, lieber Vater!“ — „Vorsicht! Beim Hunde — du beschmierst dir ja Gesicht und Kleider. Siehst du denn nicht mit deinen eigenen zwei Augen, Mädchen, dass ich da einen rostigen Beschlag in der Hand halte?“ — „Vater — du bist so alt und weiss geworden ...“ — „So — so — so! Hör endlich auf! Ja, hörst du — nun muss es genug sein!“ Es ist doch schön, es ist geradezu feierlich, wie die Tochter ihrem Vater entgegenjubelt.

Nach diesem Empfang wurde gleich wieder alles gut. Ja, es wurde derart gut, dass der Hofbauer den rostigen Beschlag mitten auf den Tun warf, Margit an der Hand ins Haus führte und sich selber, obschon es mitten in der Woche war, in der Küche gründlich Gesicht und Hände wusch. Dieser verwunderliche Haldor Enge war ja gar nicht frei von Scheu und einer Art Ehrfurcht, als er so unvermutet seiner Tochter gegenübersass. „Sieh, da hast du dir also deinen schönen, neuen Mantel mit Russ verdorben ...“ — „Ach, der Mantel!“ ruft Margit. „Das hat nichts zu bedeuten, Vater ... Ja, es ist schön auf Nyheim ...“ — „So — na ja, wir haben einiges verändert. Es wird allmählich etwas — und manches könnte wohl schlimmer sein, als es ist.“ Ei, und es ist wahrhaftig keine geringe Sache vom Nyheimgaard zu sprechen. Und Margit? Sie strömt unglaubliche Wohlgerüche aus ...

„Wir wollen versuchen, die Flecken mit Terpentin auszuwaschen ...“ — „Denk doch nicht länger an die Flecken, Vater!“ Der Hofbauer wird von seinen Empfindungen hin und her geschaukelt; aber am stärksten bleibt doch die warme Freude. „Wie ich höre, hast du die Sprache verändert“, sagt er leise. — „Nein? Habe ich wirklich?“ fragt Margit mit hellem Lachen. — „Es ist so lange her ... Und sie reden wohl ein wenig anders, dort unten im Süden ...“

„Denke nicht daran!“ ruft Margit. Aber leider sind es dennoch mehr als fünf Jahre her. Haldor Enge denkt und denkt. Er grübelt in tiefem Weh und begreift es gar nicht, wie er sich nur so sehr vergessen konnte, wie er an einem Montagmorgen seine Hand legen konnte an dieses zierliche Geschöpf ... Margit — Margit! ...

Trägt Margit denn nicht auch heute Lackschuhe an ihren schmalen Damenfüssen? Ja, in Gottes Namen ... Und schaut aus dem offenen Mantel denn nicht wieder eine dünne Seidenbluse hervor? Oder erfüllt ihr Wohlgeruch nicht schon das ganze Haus? Oh, guter Herrgott! Aber Margit bleibt dennoch Haldor Enges einzige Tochter ...

Und wenn Haldor zum Überflüsse auch noch daran denkt, wie diese Tochter einstens in der Wiege lag und mit ihren blossen Beinchen strampelte. — Und wie sie sich einstens mit ihren kleinen warmen, feuchten Händchen an seine grossen Finger klammerte. — Und wie er sie einmal auf den breiten Rücken des Pferdes Topa setzte — und wie sie sich nicht die Spur fürchtete, sondern hell jauchzte ...

Alle diese kleinen Erinnerungen fliegen dem Hofbauern da auf einmal zu und klammern sich wie eine kalte Faust um sein Herz ... „Ja — ja!“ stöhnt der Hofbauer heute beschämt. „Ja, wie du wohl selber siehst, habe ich aus Vergesslichkeit die Pfeife angezündet. Ich muss in andern Gedanken gewesen sein. Ich meinte wohl, es müsse Sonntag sein, weil ich mir in der Küche Gesicht und Hände wusch ... ja, siehst du — und jetzt beisst mich also der Rauch in den Augen ... Bist du immer gesund gewesen, alle diese vielen Jahre? Du bist schmaler, will mir scheinen, als früher ...“ — „Lieber Vater ...“ stammelt Margit mit dicker Zunge, und die Tränenkugeln quellen ihr mit einem Schlage mächtig unter den Lidern hervor und tropfen in den Pelzkragen. „Lieber, guter Vater ...“

Der Hofbauer saugt mit einer Kraft an der Meerschaumpfeife, dass es im Rohr kocht und brodelt; gewaltige Rauchwolken bläst er um sich herum. „Schon gut, schon gut“, murmelt er. „Aber — was meinst du — kannst du jetzt wohl bei mir aushalten, auf meine alten Tage?“ — „Wenn du mich nur wieder haben willst — ja, ja! Oh, es war doch oft recht schlimm in der Fremde —.“

Der Bauer muss noch mächtiger rauchen. Kein Wunder, dass ihm dabei seine beiden Augen überlaufen. Der Bauer schämt sich gewaltig über seine Schwäche und Feuchtigkeit und wird wütend ... Wegen einer bunten Seidenbluse und ein paar lächerlichen Lackschuhen hat er sich einst selber um die Freude vieler Jahre gebracht. Um der Gerechtigkeit willen — liegt denn so gar viel an diesen kleinen Dingen? Und warum war er damals so hitzig und brutal? Ja, der Hofbauer schämt sich und tut Busse in seiner Art. Sicherlich ist er jetzt niedergeschlagen. Aber es ist doch auch wieder leicht und froh in seinem Herzen, so froh, wie seit langer, langer Zeit nicht mehr.

Zuerst kam nun Dagfinn, der Sohn, wieder heim. Ja, aber Margit, das ist doch etwas ganz anderes — Margit ... wie oft weinte sie an des Vaters Brust, als ihre Mutter tot und begraben und vergessen war und als das kleine Mädchen allein war und nur immer dem Vater nachtrottelte auf seinen kurzen Beinchen.

Herrgott, was ist denn nur mit dieser Tabakspfeife los? Geriet denn auch die Pfeife in Aufregung? Der Meerschaumkopf wird schon glühend heiss ... „Nein, du — ich glaub, dass ich das Rauchen nicht länger ertrag ... Hattest du es denn so schlecht in der Fremde, Mädchen?“ — „Nicht immer, nein ... Doch manchmal waren die Frauen streng. Und viele waren so grenzenlos hochmütig — das war das schwerste ...“ — „Aber warum bist du dann nicht früher zurückgekommen?“ — „Ich wagte es nicht. Und ich konnte ja nicht wissen, ob du mich noch haben wolltest.“ — „Endlich fandest du doch den Weg ...“ — „Dagfinn schrieb mir — wusstest du das denn nicht?“ — „Dagfinn? — So, er hat dir geschrieben? Jaso ...“ Haldor schweigt.

Margit ist immer noch so erregt und stürmisch, dass sie plötzlich aufspringt und sich auf des Hofbauern Knie setzt und sich so unglaubhaft klein und schmal macht ... ja sie kann sich an seiner breiten Brust noch völlig verkriechen, wie ehemals. Sie hört sein Herz in der Brust schlagen und klopfen, dieses Herz, das voll unendlicher Treue ist. Margits Schultern zucken und flattern. „Vergib — vergib!“ wimmert sie und schluchzt wie ein kleines Mädchen. „Schick mich nicht wieder fort ...“ — „Was für ein sinnloses Gerede?“ fragt der Hofbauer. Auch sein Kinn bebt verdächtig.

Es wird nun wirklich zu närrisch mit diesen beiden Menschen ... Der Hofbauer betrachtet Margits Hand auf seinen Ärmeln; es ist eine rote, abgearbeitete Hand mit welker Haut, ausgelaugt von vielen scharfen, heissen und kalten Wassern ... Früher waren Margits Hände weiss und weich, mit schmalen Fingern und rosenroten Nägeln. Es waren ja früher die reinen Damenhände ...

Margit Enge musste durch die Schule des Lebens ... Heute hat Margit bläuliche Furchen unter ihren braunen, strahlenden Augen. Heute hat Margit ein paar böse Falten ums Kinn und am Halse. — Kann es denn immer noch eine grobe Sünde und unverzeihlich sein, solche Wohlgerüche in die Luft hinaus zu strömen?

Haldor Enges Tochter Margit wurde vielleicht nicht gerade besser in der Schule des Lebens — Gott weiss es, aber sie wurde immerhin reifer.

Endlich ermannt sich der Hofbauer, und der Pfeifenkopf hört auf zu glühen. „Zieh jetzt deinen Mantel aus, du Margit, und geh in die Küche. Du wirst hungrig sein — sag nur, was du essen möchtest ... Früher mochtest du Waffeln so gern.“ Damit war auch dieses vollbracht.

Haldor Enges Kinder wohnten wieder im Vaterhaus. Im Leben des Hofbauern änderte sich dadurch nicht gar vieles. Aber einiges wurde doch anders. Einiges wurde besser. Zum Beispiel übernahm Margit sogleich die Führung des Haushaltes. Und es zeigte sich bald, dass sie etwas gelernt hatte in der Schule des Lebens, und dass die Jahre in der Fremde nicht völlig verlorene Jahre gewesen, sondern auch wieder ihr Gutes hatten.

Wahrlich, es wurde nun um vieles gemütlicher in den Stuben auf Nyheimen, das Essen wurde schmackhafter, die Fussböden reinlicher und der Ofen in der Grossstube durfte unter keinen Umständen mehr bespuckt werden, sondern es mussten ein paar Näpfe her, die wurden mit Wacholderzweiglein ausgelegt und verziert. Das alles waren keine Kleinigkeiten ... „Nun sind wir so weit“, sagt der Hofbauer zu seinen Knechten. „Jawohl, nun soll ich erzogen werden.“ Aber die Veränderung gefiel ihm über alle Massen ...

Auch der Sohn Dagfinn war tätig auf seine Weise. Zwar dem feuchten schwarzen Moorboden blieb er nach wie vor feindlich gesinnt, doch lag er deswegen noch lange nicht den langen schönen Herrgottstag faul auf seinem Bett und belauschte das Gesumme der Fliegen am Fenster. Weit entfernt! Der Sohn Dagfinn putzte manchmal seine gelben Schuhe, rieb sie spiegelblank und wanderte die Strasse hinunter.

Dieser junge Mann hatte ganz gewiss seine Absichten, Geschäfte und Verrichtungen. Fürs erste sammelte er Unterschriften unter den Leuten von Hylnes. Und er trug wohl die Perlennadel mit den verborgenen Kräften doch nicht umsonst am Rockkragen. Jedenfalls die Leute von Hylnes vermochten nicht, ihm zu widerstehen, und er brachte eine fabelhafte Zahl von Unterschriften zustande. Damit reiste er persönlich in die Stadt und machte auch dort Eindruck. So konnte es natürlich nicht fehlen.

Birger Vaarda wird nun Postöffner und königlicher Funktionär. Ein Mirakel. Indessen wuchs auch die Landungsbrücke höher und höher aus der Salzflut empor und wurde fertig, mit Prellböcken und schweren Eisenringen. Die Dampfer legten schon dreimal in der Woche an, und es wurde alsbald ein Trafik und Weltverkehr ohnegleichen. Es wurde alles so ungeheuer auf Hylnes, dass die alte Mutter Inga es nicht länger fassen konnte. „Ja, ich werde so nervös und aufgeregt von dem allen“, klagt die Mutter ihrem grossen Sohn Birger. „Und ich werde so grenzenlos verwirrt, dass ich mich noch versündige ... Ja, du, wenn dieses nur gut ausgeht ...“ — „Warum sollte es denn nicht gut ausgehn?“ fragt der Sohn und lacht kühn und zukunftsicher mit seinem schadhaften Mund. „Warte nur!“

„Oh, und alle diese Briefe!“ klagt Mutter Inga. „Und jetzt wundre ich mich bloss, was du noch weiter unternehmen willst?“ — „Ich werde noch dieses unternehmen, dass ich einen Kramladen eröffne.“ — „Herr im Himmel!“ schreit Mutter Inga entsetzt und lasst sich auf den Stuhl am Fenster fallen. „Nein, tu nur das nicht, du Birger!“ — „Wie? — Doch beim Hunde! Ganz gewiss werde ich es tun. Ich habe doch schon im Herbst mit den Grossisten in der Stadt verhandelt. Nächste Woche beginnen wir ...“

Nicht für nichts erschien Dagfinn Enge auf Hylnes und nahm Birger Vaardas Zukunft in seine Hände. „Hinfort stehe uns Gottvater selber bei!“ betet fassungslos die einfältige alte Frau. „Ja, das hätte Jens, dein Vater, noch erleben sollen ... Woher aber, Knabe, willst du das Geld nehmen — das unbändig viele Geld? Dein eigenes hast du doch schon in der Landungsbrücke verlocht.“ — „Wie du schwätzest! Habe ich es vielleicht verlocht?“ fragt der Sohn überlegen und unbeirrbar. „Nehme ich vielleicht jetzt nicht immerfort die Brückentaxen ein — gestern waren es mehr als acht Kronen ... Und das wird von nun ab so weiter gehn. Ho, es soll noch bedeutend besser werden. Und für das Postkontor werde ich vierhundert Kronen im Jahr erhalten ...“ — „In Jesu Namen“, seufzt die Mutter und ergibt sich in des Sohnes Willen und ins Unvermeidliche.

Demnach liegt es also klar auf der Hand, dass Dagfinn Enge nicht so gar wenig zu tun und zu denken hat an diesem Strande. Er half das Postkontor einrichten. Er musste auch helfen, den Kramladen in Gang zu bringen. Und als Zeit und Stunde nahte, brachten die Dampfer viele Waren aus der Stadt.

„Nun musst du aber konkurrieren!“ sagt Dagfinn. „Wieso — was meinst du damit?“ fragt Birger. „Du musst deine Waren billiger verkaufen als der Haifisch von Solbö — verstanden?“ — „Aber ich muss doch etwas verdienen ...“ — „Der Haifisch nimmt dreissig Prozent. Versuche du es am Anfang mit fünfzehn ...“ — „Ja — wenn du meinst ...“

Das war sicherlich kein dummer Einfall von Dagfinn Enge. Die Leute am Strande merkten bald den Unterschied in den Preisen, und Birger bekam gleich grossen Zulauf. „Siehst du nun!“ frohlockte Dagfinn. „Mach jetzt nur so weiter.“

*

Dem einen gelingt es, dem andern nicht

Aber Dagfinn Enge hatte nebenbei noch andere Verrichtungen. Nun, nachdem Birger Vaardas Schiff flott war und so feine Brise in den Segeln hatte, übergab er Steuer und Kommando dem jungen Krämer und Staatsfunktionär und wandte sich selber neuen Unternehmungen zu.

Da hatte zum Exempel der Bäcker Endre Hindö eine Tochter. Wenn man es ganz genau nehmen will, hatte der Bäcker Hindö zwar mehrere Töchter. Aber es war besonders die eine, auf die Dagfinn Enge seine Augen richtete; es war die Tochter mit den dunklen Locken — Ludviska. Seht, Ludviska war in ihrer Art ebenfalls ein feines Wesen. Auch sie war zu ihrer Zeit in die ferne Welt gefahren und hatte Weisheit und noblere Sitten angenommen. Sie brauchte noch kein ganzes Jahr dazu — dann konnte sie wieder an diesen Solböstrand zurückkehren und war schon fertig mit ihrer Ausbildung und nahezu vollkommen in ihrer äusseren Erscheinung.

Ludviska legte in dieser Zeit ihre Bauernmanieren ab und sprach das R wie die Städter hoch oben im Gaumen aus. Das gelang ihr ebenso gut wie dem Kaufmann Einar Askeland auf Trägebö. Und sie wusste wahrlich manches feine Wort; ausserdem schnitt sie sich die Zöpfe ab. Aber da sie hübsches, dunkelbraunes und weiches Haar hatte, stand ihr das hervorragend. Ludviska war überhaupt alles in allem ein reizendes Gottesgeschöpf — gross und schlank und überwältigend gerade im Nacken. Jetzt, im Winter, hielt sie ihren Mantel vorn mit beiden Händen straff zusammen und machte sich aufreizend schmal und biegsam in den Hüften. Auf dem schwarzen Napoleonhut trug sie einen Zierrat aus Glas oder Edelsteinen.

Ludviska — wenn sie so auf der Strasse ging, war sie der herrlichste Anblick. Wie konnte es da ein Wunder sein, dass Dagfinn Enge, der sozusagen für alles Ausserordentliche erschaffen war, ein Auge auf Ludviska warf.

Er trifft sie auf der Strasse, und sogleich erfasst es ihn mächtig. „Hei, Ludviska! — Du bist aber, verdonnre mich — unglaublich in deiner Schönheit! Nun will ich nicht zuviel behaupten — aber deinesgleichen findet man nicht oft in der Welt herum ...“ — „Nicht? — hihi — akkurat!“ entgegnet Ludviska in ihrer gebildeten Sprache und lacht. „Es verhält sich haargenau so, wie ich es dir sage, Ludviska! Und ich, als Seemann, bin doch an vielen Orten der Welt herumgefahren, das darfst du mir wahrlich glauben. Jawohl, und ich bin sogar in Ländern gewesen, wo die Damen nichts als ein Strumpfband über dem Nabel trugen ...“ — „Ah—h! Hihihi! Absolut — du bist verrückt! Ein Strumpfband? Das kann niemals wahr sein.“ — „Stehe ich vielleicht hier vor dir und lüge? Hast du, Ludviska, jemals von einer Weltgegend reden hören, die Polynesia heisst?“ „Poly ... was??“ — „Oder Samoa?“ — „Gott helfe mir — was für ein Unsinn!“ ruft Ludviska und sie kennt nicht die ferne Welt mit ihren verschiedenen Trachten. „Jetzt sitzest du fest, meine Liebe!“ frohlockt Dagfinn.

Ein Bursche wie Dagfinn Enge kam doch nur ein einzigesmal vor an diesem ganzen Fjord. Alle Mädchen drehen sich nach ihm um, wenn er mit seinen gelben Schuhen und mit seinen vielen Heimlichkeiten und Reichtümern und Unheimlichkeiten am Strande hin und her wandelt. Die Mädchen am Solböstrande sind schliesslich auch nichts anderes als weibliche Wesen, mit warmen Herzen und süssen Schwächen. Und sie lieben über alles den Mann. Stehen denn die Seemänner nicht seit uralter Zeit besonders hoch im Kurs bei den Landmädchen? Die Seemänner sind, wie jedermann weiss, lustig und unterhaltend, flott und vor allem rundhändig.

Hier durfte es demnach kaum anders kommen, als dass Ludviska ihren zarten Widerstand und ihre jungfräuliche Scheu schon nach kurzem zögerndem Kampfe ablegte und den hitzigen Anstürmen des braunen Langwegfahrers Dagfinn erliegen musste. Er mit der Perlennadel im Rockkragen war doch ganz und gar unwiderstehlich. Und wenn Dagfinn Enge etwas unternahm, so unternahm er es mit solcher Kraft, dass es unverzüglich in Fluss geriet und im ersten Anlauf schon gelingen musste.

Nun hatte der Bäcker Hindö zum puren Überfluss noch eine lange Reihe von Söhnen. Der Bäcker war ein Mann, der sich sein Lebenlang und zur Hauptsache mit der Vermehrung seiner Familie abmühte; nebenbei zupfte er die Mandoline. Dieser Bäcker war demnach beides, sowohl Musiker als Familienvater; aber im übrigen ein friedfertiger und stiller Mann, mit einem spitzen Bäuchlein und roten, blühenden Backen. Er überliess die Zukunft seiner Kinder der Vorsehung und den Sternen am Himmel. So konnten also Ludviska und Dagfinn Enge ohne grössere Hindernisse zusammenkommen.

Ein paar Wochen lang widmete sich Dagfinn völlig dem wonnigen Dienst der Liebe. Flott, wie er war, öffnete er seine Schiffskiste und entnahm ihr ein Grammophon. „Hier, Ludviska, dieses ist ein Musikinstrument aus Amerika. Nimm es aus meiner Hand — es soll der Anfang sein zu unserer Einrichtung.“ Ludviska nahm es. Derart wurde am Solböstrande ein neuer Hausstand gegründet ...

Haldor Enge, der Hofbauer, ging alle Tage seines Lebens mit Plänen und Kümmernissen herum und trug die Erde auf dem Rücken. Sein Sohn Dagfinn machte es auf andere Weise. Der Sohn trug nichts auf dem Rücken, sondern lief leichtfüssig über die Erde hin. Der Sohn grämte sich niemals sondern erfreute sich des Lebens. Mit dem amerikanischen Grammophon ging es natürlich noch leichter — es ging gewissermassen wie geschmiert.

Wenn es überhaupt ein Glück gibt auf dieser buckligen Erde, so waren Ludviska und Dagfinn in diesen gesegneten Tagen glücklich. Sie zwitscherten so sorglos wie die Vögel im Frühlingswalde. Leider durfte es nicht bis in die himmelblaue Ewigkeit so weitergehen; denn jeder Frühling nimmt einmal ein Ende ...

Ludviska kaufte mit Unterstützung ihres musikalischen Vaters noch ein paar eigene Grammophonplatten zu Dagfinns Platten und war dermassen für Abwechslung besorgt. Darum gelang es ihr auch, die junge Seligkeit noch um ein Stücklein auszudehnen.

Aber schliesslich musste Dagfinn Enge doch abermals zur Welt mit den wirklichen Geschehnissen zurückkehren. Während dieser Liebeswochen hatte er seinen Freund und Schützling Birger Vaarda mit den verschiedenen Geschäften völlig aus dem Gesichtskreis verloren. Ein einziges Mal nur in allen diesen vielen Tagen wandte er sich an Margit und sagte: „Von nun ab und in Zukunft musst du deine Einkäufe bei Birger Vaarda auf Hylnes machen. Du sollst nämlich wissen, dass ich ihm ein feines Geschäft gestartet habe; und hinfort ist es unsre Pflicht und Schuldigkeit, sein Unternehmen zu stützen, damit endlich einmal Konkurrenz an diesen Strand kommt.“ Gut gesprochen. Aber das war das einzige und das letzte, was Dagfinn Enge für den Jugendfreund tun konnte. „Ja, ja“, sagt Margit und ging zu Birger nach Hylnes. Warum denn nicht?

Margit zählte nun sechsundzwanzig Sommer und sie war reif und vollerblüht und ziemlich welterfahren und alles — warum hätte sie ihre Einkäufe also nicht bei Birger auf Hylnes machen können? Margit war immer noch, trotz den schweren Dienstjahren in der Fremde, frisch und hübsch, mit ihren lustigen Braunaugen und den roten, weichen Lippen, die sich niemals ganz über den weissen Zähnen schliessen wollten. Und Margit war immerhin etwas mehr als nur ein gewöhnliches Bauerndirnlein. Margit Enge ist etwas Besonderes geblieben — sie geht nach Hylnes, solange ihre Wohlgerüche noch kräftig duften.

„Guten Tag, Birger — nein — aber das ist ja makellos grossartig ... Ich muss schon sagen — Landungsbrücke und Kramladen und Postkontor! So vieles auf einen Schlag — nein, du Birger! Du unternimmst alles miteinander auf einen Zug ...“

Dieserart begann eine Sache. Margit machte sich liebenswert und herablassend. Sie bildete sich durchaus nicht allzuviel ein auf ihren feinen Tuchmantel und den schwarzen Pelz. Es durfte also auch im Kramladen von Hylnes bald etwas geschehen.

Es geschah dies, dass Birgers Herz bei Margits Anblick und bei Margits Worten die tollsten Sprünge machte und dass ihm die rote Dunkelheit bis über die Ohren hinauflief. Oh, dieser arme Bursche, der ja von den Wirrnissen der Welt noch so wenig kannte, geriet schon vom ersten Moment ab ausser Rand und Band.

„Ja, Margit, meinst du nun wirklich auch das alles, was du sagst?“ — „Ob ich es meine? Ja, du, das will ich glauben! Ich will ja nicht sagen, dass ich nicht schon mehr gesehen habe. Ja, es gibt selbstredend noch grössere Dinge draussen in der Welt. Aber für Solbö ist dieses hier wahrlich nicht gar so wenig.“ — „Nein — nein ... Aber das sagst du wohl bloss so“, wehrt sich Birger geschmeichelt und ungeheuer stolz in seinem Herzen. Doch auf einmal wird er ernst und sorgenvoll: „Doch wie du wohl erfahren hast, ist es mir beim Winterfischfang übel ergangen ... aber das weisst du ja gewiss schon ...“ — „Ich?“ — „Ja, eine Woge hat mich doch total kaputt geschlagen ...“ — „Ich weiss nichts“, sagt Margit. „Das, du — eine Woge ...?“

Da muss Birger aufs neue seine traurige Geschichte erzählen. Er erzählt sie ohne Scheu, bis er zu den Zähnen kommt, dann hält er sich verzweifelt den Mund zu und schweigt. „Man merkt dir aber gar nichts an“, sagt Margit trostreich. „Sag das nicht! — Oh, es ist leider von mir nicht mehr übriggeblieben, als das wenige, was du hier vor dir siehst.“

Aber Margit tröstet mutig weiter. Und sie fühlt sich äusserst wohl dabei. Ja, es ist ihr ein völlig neues und wundersames Leben, nicht länger Magd in einer fernen fremden Stadt, sondern die einzige Tochter Haldor Enges im Frühlingstal zu sein. „Eine Woge? — Das macht wirklich nicht alles aus!“ ruft sie. „Und mein Bruder Dagfinn sagte gestern, wenn es mit dir so weiter geht, wirst du Friesak von Solbö ruinieren ... Ganz sicher werde ich von nun ab alle meine Einkäufe bei dir machen — ja, das werde ich ...“ — „Tausend Dank! Ja, ich habe Dagfinn vieles zu verdanken“, sagt Birger. „Alles, was er für mich getan hat — das werde ich ihm nie vergessen ...“

„Dagfinn?“ ruft Margit lustig und zweifelnd. „Du, ich glaube, er ist noch immer der gleiche Kuckuck wie früher.“ Dazu schüttelt Birger zwar den Kopf; aber er muss doch lachen, denn Margits Augen funkeln gar zu feucht und fröhlich. Und wenn Birger Vaarda lacht, muss er mit der Hand den Mund bedecken, wegen der furchtbaren Lücke in seinem Gebiss. Sein mangelhaftes Angesicht bereitet ihm heute mehr Kummer als je zuvor, macht ihn verzagt und unbeholfen. Es wird ihm wohl erst in diesem Augenblicke so recht bewusst, wie grausam die See ihn gezeichnet.

Birger Vaarda ist unglücklich, und Margit hat jetzt grosse Mühe, das Gespräch einigermassen weiterzuführen. Sie wird nicht klug aus dem jungen Krämer und beendet ein wenig enttäuscht ihre Einkäufe. Bei dieser Gelegenheit zeigt Birger Vaarda sich flott und keineswegs knauserig; er spart weder am Gewicht, noch am Mass. Dieser junger Krämer ziert sich gar und zögert ein Weilchen, bares Geld aus Margits Hand zu nehmen. Er ist noch kein richtiger Kaufmann.

Als Margit ihren Korb in Nyheimen auspackt, findet sie darin, versteckt unter Tüten und Paketen, einen Hammer, einen spinterneuen Hammer mit bunter Etikette und Preisangabe. Und Margit weiss gar nicht, was das bedeuten soll. „Sieh, Birger, es kam da ein Hammer in meinen Korb“, sagt sie das nächste Mal im Kramladen von Hylnes. „Birger, kannst du mir das erklären? Ich hab ihn nicht hineingelegt ...“ Birger schüttelt sein Haupt und hält gleichzeitig den Mund zu: „Wie? Ein Hammer? — Beim Hunde, wie mag das nur zugegangen sein?“

Aber trotzdem entwickelt es sich nicht so, wie es sollte — das Gespräch kommt nicht in Fluss. Nein, dieser Birger Vaarda bleibt, trotz Dagfinn Enges Beistand nur ein schadhafter Fischer; er kann niemals ein gewandter Weltmann und Kaufmann werden. Er tut soviel er kann und spart auch jetzt nicht an Massen und Gewichten. Doch leider achtet Margit nicht mehr so genau darauf wie das erste Mal. Sie hält ihm nicht mehr die Hand und ruft lachend: „Das geht zu weit, Birger — du verhandelst dich!“

O nein, Margit hat im Gegenteil eine gewisse Starrheit in ihrem Blick. Und wenn Birger sich den Mund zuhält, schaut sie mit Absicht auf die andere Seite und wird verlegen. Was bedeutet das? Auf einmal dreht sie sich um und schreitet der Tür zu: „Leb wohl für heute ... Ich habe noch so viel zu tun bis zum Abend ...“ Nichts weiter, kein besonderer Augenaufschlag, keine kleine Berührung — nichts woran man sich später erinnern, worüber man sich freuen könnte. Der junge Krämer ist nicht wenig erstaunt über diesen unerwarteten Aufbruch. Kein Mensch zeigt sich im Laden, kein Mensch zeigt sich auf dem Wege — wie manches hätte sich da auf Hylnes in einer kurzen Stunde sagen lassen.

Aber leider — dort schreitet sie dahin — nicht ein einziges Mal dreht sie sich zurück. Er ruft ihr von der Tür aus nach: „Ja, ja, Margit — lebe nun wohl und blühe.“ Dann verschwindet sie auf der Anhöhe, den Kopf ein wenig gesenkt.

In seinem Kramladen, hinter dem langen Tisch, beginnt Birger Vaarda einen langen Marsch. Hier wandert nun ein junger Krämer, die Fäuste in den Hosentaschen und das Herz voll Zweifel und Kummer. Ach, er weiss sich doch gar nicht zu helfen.

Wenn in seinem Oberkiefer die fürchterliche Lücke nicht gar zu schamlos offen dastände, würde Birger sich kaum vor Margit derart unbeholfen aufführen. Aber so — nicht einmal lachen darf er wie ein anderer junger Mann. Und jetzt müssen, koste es was es kosten wolle, neue Zähne her! „Denn dieses kann, Pein und Tod, nicht länger so weiter gehn!“ ruft Birger.

Schon der Entschluss bringt ihm eine gewisse Erleichterung. Er öffnet eine Schublade, holt die Blechbüchse hervor, die ihm als Kasse dient, zählt und zählt. Dabei wird sein Gesicht wieder hoffnungslos, versteinert sich förmlich in Wehmut. Wie? Ging denn das Geschäft nicht glänzend, gleich vom ersten Tage an? Freilich ging es vorzüglich — daran liegt der Fehler nicht. Aber daran liegt der Fehler, dass die Leute ihre Waren in Birgers Laden holen, jedoch niemals Bargeld mitbringen, die Waren zu zahlen. „Schreib es nur so lange auf, du Birger“, sagen sie. Birger Vaarda, kindlich unschuldig in Handel und Wandel, schreibt auf. „Du bist wahrlich ein guter Kerl, Birger!“ rufen die Leute. „Aber das wussten wir doch schon von jeher ... Du denkst natürlich gar nicht daran, das blutige Geld aus uns herauszupressen ... Gott segne dich, Birger!“ rufen sie und gehen.

Und Birger schreibt also immerzu gewissenhaft auf und hält ehrliche Ordnung in seinen Büchern. Wenn nur die Grossisten in der Stadt nicht wären, könnte hier in der Gegend von Hylnes überhaupt alles gut sein. Aber die Grossisten werden ungnädig, schreiben grobe Briefe und drohen mit Vogt und Pfändung. Und was das allerschlimmste ist, sie wollen keine Waren mehr liefern. Ein unmöglicher Zustand. —

Birger Vaarda schüttelt ratlos und in jäher Angst seinen Kopf. Er vertraut der Welt nicht länger. An die neuen Zähne darf er in diesen Zeiten unbegreiflichen Geldmangels gar nicht denken ...

Vom zweiten Einkauf im Kramladen auf Hylnes trägt Margit eine Schere in ihrem Korb ins Frühlingstal hinauf. Margit steht dann in der Küche von Nyheimen, die Schere in der Hand, lächelt zuerst; aber auf einmal schüttelt auch sie den Kopf und vertraut der Welt nicht länger. Was sollte denn nur Wunderbares daran sein? Eine Schere? Verhielt es sich nicht von jeher so im Leben, dass es viele Wege und Möglichkeiten gibt? Fast alle Menschen streben vorwärts und möchten irgend etwas erreichen — dem einen gelingt es, dem andern gelingt es nicht. Der eine marschiert keck auf die Sache los und erreicht das Ziel, der andere klettert auf Irrwegen und vergeudet seine Kräfte und rutscht immer weiter hinunter ...

Dagfinn Enge gelang zu dieser Zeit alles, was er nur wünschte. Das Glück wanderte sozusagen in seinem Schatten und er siegte und gewann überall, im Spiel und in der Liebe. „Also!“ seufzte die schöne Ludviska schon mehr als hundertmal mit wild wogendem Busen, „also ich bin ganz verrückt in dich!“

Zuweilen mag es geschehn, dass Ludviska ihre Augen zudrückt und noch heftiger mit ihrem Busen wogt und stöhnt: „Es ist akkurat wie ein Zauber, du Dagfinn! Das kann doch niemals etwas anderes als die wahre Leidenschaft sein ...“ Ist der Mann, dem solches beschieden, nicht wahrhaft glücklich zu preisen und vom Schicksal auserkoren?

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