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Kitabı oku: «Der Schatz im Silbersee», sayfa 17

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»Teufel!« rief der Cornel. »Das ist wahr. Wie ist‘s nur möglich, daß ich nicht auf diesen Gedanken gekommen bin! Gerade du bist mit der Feder bewandert und hättest diese Rolle übernehmen können.«

»Und ich hätte sie wohl auch richtig ausgeführt. Es wären damit alle Schwierigkeiten beseitigt gewesen. Sollte es nicht noch Zeit sein, das Versäumte nachzuholen?«

»Gewiß! Natürlich ist‘s noch Zeit! Wir wissen ja, wohin die beiden wollen; der Weg ist ihnen von dem Farmer angedeutet worden und führt hier vorüber. Wir brauchen also nur zu warten, bis sie kommen.«

»Ganz richtig, thun wir das! Aber es genügt nicht, dem Schreiber den Brief abzunehmen. Er würde nach Sheridan gehen und uns alles verderben. Wir müssen also ihn und den Quacksalber daran verhindern.«

»Das versteht sich ganz von selbst. Wir geben jedem eine Kugel in den Kopf und scharren sie ein. Du gehst dann mit dem Briefe nach Sheridan, suchst alles Nötige zu erfahren und gibst uns Nachricht davon.«

»Aber wo und wie?«

»Wir zwei reiten zurück und holen die andern. Du wirst uns dann in der Gegend finden, wo die Bahn über den Eagle-tail geht. Genau können wir die Stelle vorher nicht bestimmen. Ich werde Vorposten in der Richtung nach Sheridan aufstellen, auf welche du unbedingt treffen mußt.«

»Schön. Aber wenn nun meine Entfernung auffällt und Verdacht erweckt?«

»Hm, darauf müssen wir uns freilich gefaßt machen. Aber wir können es umgehen, indem du nicht allein gehst, sondern den Faller mitnimmst. Du gibst an, ihn unterwegs getroffen zu haben, und er sagt, daß er an dem Bahnbaue Beschäftigung suche.«

»Vortrefflich!« stimmte der zweite Tramp bei, welcher Faller hieß. »Arbeit werde ich sofort bekommen, und wenn nicht, so ist es mir desto lieber, da ich dann Zeit habe, die Botschaft nach dem Eagle-tail zu bringen.«

Der Plan wurde noch weiter besprochen und die Ausführung desselben beschlossen. Dann warteten die drei auf die Annäherung des Quacksalbers und seines Gefährten. Aber es vergingen Stunden, ohne daß dieselbe erfolgte. Es war anzunehmen, daß sie ihre ursprüngliche Richtung verändert hatten, um nicht etwa abermals mit den drei Tramps zusammenzutreffen. Diese faßten daher den Entschluß zurückzureiten und der neuen Spur zu folgen.

Was nun die beiden Männer betrifft, welche von dieser neuen Gefahr bedroht wurden, so hatte der Yankee sich zunächst von dem Schreiber notdürftig verbinden lassen. Der Oberarm war schwer verletzt, und es stellte sich für den Verwundeten die Notwendigkeit heraus, einen Ort aufzusuchen, an welchem er wenigstens für die ersten Tage Pflege finden konnte. Dies war die Farm, nach welcher sie sich wenden wollten. Da aber die Tramps dieselbe Richtung eingeschlagen hatten, meinte der Yankee:

»Wollen wir ihnen nochmals in die Hände laufen? Wir müssen gewärtig sein, daß sie bedauern, uns nicht unschädlich gemacht zu haben, und dann, wenn wir wieder auf sie treffen, das Versäumte nachholen. Mein Geld haben sie; aber mein Leben möchte ich ihnen nicht auch noch hinterdrein tragen. Suchen wir uns also eine andre Farm!«

»Wer weiß, wie spät wir eine solche finden,« sagte Haller. »Werdet Ihr eine so lange Wanderung aushalten?«

»Ich denke es. Ich bin ein so kräftiger Kerl, daß wir wohl an Ort und Stelle sein werden, ehe das Wundfieber eintritt. Auf alle Fälle hoffe ich, daß Ihr mich nicht vorher verlasset.«

»Gewißlich nicht. Solltet Ihr unterwegs liegen bleiben, so suche ich Leute auf, welche Euch zu sich holen werden. Nun wollen wir aber keine Zeit verlieren. Wohin wenden wir uns?«

»Nach Norden, wie vorher, nur etwas weiter rechts. Der Horizont ist dort dunkel, es scheint da also Wald oder Busch zu geben, und wo Bäume sind, da ist auch Wasser, was ich zur Kühlung meiner Wunde notwendig brauche.«

Haller nahm den Kasten auf und die beiden verließen die Unglücksstelle. Die Vermutung des Yankee bewährte sich. Sie gelangten nach einiger Zeit in eine Gegend, wo es zwischen grünem Buschwerk ein Wasser gab, an welchem der erste Verband erneuert wurde. Hartley schüttete alle seine gefärbten Tropfen weg und füllte die Phiolen mit reinem Wasser, um unterwegs den Verband nach Bedarf befeuchten zu können. Dann brachen sie wieder auf.

Sie kamen über eine Prairie von so kurzem Grase, daß die Fußspuren kaum zu erkennen waren. Es gehörte das Auge eines sehr erfahrenen Westmannes dazu, um bestimmen zu können, ob die Fährte von einem oder von zwei Menschen verursacht worden sei. Nach längerer Zeit sahen sie die Linie des Horizonts wieder dunkel vor sich liegen, ein Zeichen, daß sie sich abermals einer waldigen Stelle näherten. Als der Yankee sich jetzt zufällig einmal umdrehte, erblickte er hinter sich mehrere Punkte, welche sich bewegten. Es waren ihrer drei, und so kam ihm sofort die Überzeugung, daß die Tramps umgekehrt seien; es galt also das Leben. Ein andrer hätte den Schreiber auf die Verfolger aufmerksam gemacht; Hartley aber that das nicht; er setzte den Weg mit verdoppelter Schnelligkeit fort, und als Haller sich über diese plötzliche Eile wunderte, stellte er ihn durch den ersten besten plausiblen Grund zufrieden.

Reiter kann man natürlich weiter sehen als Fußgänger. Die Entfernung der Reiter war eine solche, daß Hartley annehmen konnte, daß er und sein Begleiter von den Tramps noch nicht bemerkt worden seien. Hierauf gründete er den Plan zu seiner Rettung. Er sagte sich, daß Widerstand vergeblich sein werde; wurden sie ereilt, so waren sie beide verloren. Höchstens war für einen von ihnen die Möglichkeit, sich zu retten, vorhanden, dann aber mußte der andre geopfert werden und dieser andre sollte natürlich der Schreiber sein, er durfte nicht erfahren, welche Gefahr ihm drohe. Darum schwieg der schlaue Yankee. Er fühlte sein Gewissen, daß er seinen Gefährten dem Verderben überliefere, nicht im mindesten beschwert, da derselbe ja auf jeden Fall verloren war.

So ging es schnell weiter und weiter, bis sie das Gehölz erreichten, welches aus dichtem Buschwerke bestand, über welchem sich die Wipfel von einzelnen Hickorys, Eichen, Walnußbäumen und Wasserulmen erhoben. Es war nicht tief, zog sich aber lang ausgedehnt nach rechts hinüber. Als sie dasselbe durchschritten hatten und den jenseitigen Rand erreichten blieb der Yankee stehen und sagte: »Master Haller, ich habe mir überlegt, wie beschwerlich ich Euch falle. Ihr wollt nach Sheridan und habt meinetwegen vom geraden Weg abweichen müssen. Wer weiß, ob und wann wir in der jetzigen Richtung eine Farm finden; da könnt Ihr Euch tagelang mit mir herumquälen, während es doch ein höchst einfaches Mittel gibt, diese Aufopferung ganz unnötig zu machen.«

»So? Welches denn?« fragte Haller ahnungslos.

»Ihr geht in Gottes Namen weiter, und ich kehre nach der Farm zurück, von welcher ich kam, ehe ich Euch heute traf.«

»Das kann ich nicht zugeben; es ist zu weit.«

»Ganz und gar nicht. Ich bin erst westlich gegangen und dann mit Euch gerade nördlich, also im rechten Winkel. Wenn ich diesen abschneide, habe ich von hier aus nicht ganz drei Stunden zu gehen, und so lange halte ich es sehr gut aus.«

»Meint Ihr? Nun gut; aber ich gehe mit. Ich habe versprochen, Euch nicht zu verlassen.

»Und ich muß Euch dieses Versprechens entbinden, da ich Euch nicht in Gefahr bringen darf.«

»Gefahr?«

»Ja. Die Pflanzersfrau ist nämlich, wie sie mir erzählte, die Schwester des Sheriffs von Kinsley. Werdet Ihr von dort aus verfolgt, so ist hundert gegen eins zu wetten, daß der Sheriff auf dieser Farm vorspricht. Ihr würdet ihm also gerade in die Hände laufen.«

»Das werde ich freilich bleiben lassen,« meinte Haller erschrocken. »Wollt Ihr denn wirklich hin?«

»Ja; es ist das beste für mich und auch für Euch.«

Er stellte ihm die Vorteile dieses Entschlusses in so aufrichtiger und eindringlicher Weise vor, daß der arme Schreiber endlich in die Trennung willigte. Sie schüttelten sich die Hände, sprachen gegenseitig die besten Wünsche aus und trennten sich dann. Haller ging weiter, auf die offene Prairie hinaus. Hartley sah ihm nach und meinte dabei zu sich selbst: »Der Kerl kann mir leid thun, aber es geht nicht anders. Blieben wir zusammen, so wäre er auch verloren, und ich müßte mit ihm sterben. Nun aber ist‘s hohe Zeit für mich. Wenn sie ihn einholen und nach mir fragen, wird er ihnen sagen, wohin ich bin, also da nach rechts hinüber. Ich mache mich also nach links davon und suche mir einen Ort, an welchem ich mich verstecken kann.«

Er war kein Jäger oder Fallensteller, aber er wußte, daß er keine Fährte zurücklassen dürfe, und hatte auch zuweilen gehört, wie man es machen müsse, um eine Spur zu verwischen. Indem er in die Büsche eindrang, suchte er sich solche Stellen aus, welche keine Fußeindrücke aufnahmen. War ja ein solcher zu bemerken, so glich er ihn hinter sich mit der Hand wieder aus. Dabei war ihm freilich seine Verwundung hinderlich und ebenso der Kasten, den er wieder an sich genommen hatte. Er kam also nur sehr langsam weiter, traf aber zu seinem Glücke bald auf eine Stelle, auf welcher die Büsche so dicht standen, daß sie für das Auge undurchdringlich waren. Er arbeitete sich hinein, legte den Kasten ab und setzte sich darauf. Kaum war das geschehen, so hörte er die Stimmen der drei Reiter und den Schritt ihrer Pferde. Sie ritten vorüber, ohne zu bemerken, daß die Spur von jetzt an eine nur einfache war.

Der Yankee schob die Zweige nach der betreffenden Richtung auseinander; er konnte hinaus auf die Prairie blicken. Da draußen ging Haller. Die Tramps sahen ihn, und ließen ihre Pferde in Galopp fallen. Jetzt hörte er sie, drehte sich um und blieb erschrocken stehen. Bald hatten sie ihn erreicht; sie sprachen mit ihm; er deutete ostwärts; jedenfalls sagte er ihnen, daß der Yankee in dieser Richtung nach der Farm zurückgekehrt sei. Dann krachte ein Pistolenschuß und Haller stürzte nieder.

»Es ist geschehen,« murmelte Hartley. »Wartet nur, ihr Halunken! Vielleicht begegne ich euch einmal, und dann sollt ihr diesen Schuß bezahlen! Bin neugierig, was sie nun thun werden.«

Er sah, daß sie abstiegen, und sich mit dem Erschossenen beschäftigten. Dann standen sie beratend bei einander, bis sie wieder zu Pferde stiegen, wobei der Cornel den Ermordeten zu sich quer über den Sattel nahm. Zum Erstaunen des Yankee kam dieser zurück, während seine beiden Gefährten nicht mit ihm umkehrten, sondern weiter ritten. Als der Cornel das Buschwerk erreichte, drängte er sein Pferd ein Stück in dasselbe hinein und ließ dann die Leiche herabfallen; sie lag nun so, daß man sie von außerhalb des Gebüsches nicht sehen konnte, gar nicht weit von Hartley entfernt. Hierauf zog der Reiter sein Pferd zurück und ritt fort, wohin, das konnte Hartley nicht sehen; er hörte den Hufschlag noch kurze Zeit, dann wurde es still.

Den Yankee überkam ein Grauen. Fast bereute er es jetzt, den Schreiber nicht gewarnt zu haben. Er war Zeuge der entsetzlichen That gewesen, nun lag die Leiche fast in seiner unmittelbaren Nähe; er hätte sich gern davon machen mögen, wagte es aber nicht, da er annehmen mußte, daß der Cornel nach ihm suchen werde. Es verging eine Viertelstunde und noch eine, da beschloß er, die grausige Stelle zu verlassen. Vorher sah er noch einmal hinaus auf die Prairie; da erblickte er etwas, was ihn veranlaßte, noch in seinem Verstecke zu bleiben.

Ein Reiter, welcher ein lediges Pferd neben her führte, kam von rechts her über die Prairie geritten. Er stieß auf die Spur der beiden Tramps und hielt an, um abzusteigen. Nachdem er sich sorgfältig nach allen Richtungen umgeschaut hatte, bückte er sich nieder, um die Spur zu untersuchen. Dann schritt er, während die Pferde ihm freiwillig folgten, auf derselben zurück bis an die Stelle, an welcher der Mord geschehen war. Hier blieb er wieder halten, um sie zu betrachten. Erst nach längerer Zeit richtete er sich wieder auf und kam näher. Die Augen auf den Boden geheftet, folgte er der Spur des Cornels. Etwa fünfzig Schritte vom Gebüsch entfernt, blieb er stehen, stieß einen eigentümlichen Kehllaut aus und deutete mit dem Arme nach dem Gesträuch. Das schien dem Reitpferde zu gelten, denn dieses entfernte sich von ihm, schlug einen kurzen Bogen nach den Büschen und kam dann am Rande derselben her, die Luft in die weit geöffneten Nüstern ziehend. Da es kein Zeichen von Unruhe gab, fühlte der Reiter sich befriedigt und kam nun auch herbei.

Jetzt sah der Yankee, daß er einen Indianer vor sich hatte. Derselbe trug ausgefranste Leggins und ein ebenso an den Nähten mit Fransen und Stickereien versehenes Jagdhemd. Die kleinen Füße staken in Mokassins. Sein langes schwarzes Haar war in einen helmartigen Schopf geordnet, aber mit keiner Adlerfeder versehen. Um den Hals hing eine dreifache Kette von Bärenkrallen, die Friedenspfeife und der Medizinbeutel. In der Hand hielt er ein Doppelgewehr, dessen Schaft mit vielen silbernen Nägeln beschlagen war. Sein Gesicht, matt hellbraun mit einem leisen Bronzehauch, hatte fast römischen Schnitt, und nur die ein wenig hervorstehenden Backenknochen erinnerten an den Typus der amerikanischen Rasse.

Eigentlich war die Nähe eines Roten ganz geeignet, den Yankee, welcher überhaupt nicht zum Helden geboren war, mit Angst zu erfüllen. Aber je länger dieser letztere in das Gesicht des Indianers blickte, um so mehr kam es ihm vor, als ob er sich vor diesem Mann nicht zu fürchten brauche. Derselbe hatte sich auf vielleicht zwanzig Schritte genähert. Das Pferd war noch weiter herbeigekommen, während das andre sich hinter dem Reiter hielt. Jetzt – es hob schon den kleinen Vorderhuf, um weiter zu schreiten, da stieg es vorn empor und warf sich mit einem lauten, auffälligen Schnauben zurück; es hatte einen von dem Yankee oder dem Toten kommenden Luftzug gespürt. Der Indianer that im Nu einen wahren Panthersatz zur Seite und verschwand, mit ihm auch das zweite Pferd. Hartley konnte sie nicht mehr sehen.

Er verhielt sich lange, lange stille und bewegungslos, bis ein halb unterdrückter Laut an sein Ohr drang. »Uff!« diese Silbe hatte er gehört, und als er das Gesicht nach der betreffenden Seite wendete, sah er den Indianer über der Leiche des Schreibers knieen und dieselbe mit Augen und Händen untersuchen. Dann kroch der Rote zurück und war wohl eine Viertelstunde lang nicht zu sehen, bis der Yankee erschrocken zusammenfuhr, denn hart neben ihm erklangen die Worte: »Warum sitzt das Bleichgesicht hier versteckt? Warum tritt es nicht hervor, um sich dem Blicke des roten Kriegers zu zeigen? Will es etwa nicht sagen, wohin die drei Mörder des andern Bleichgesichtes entwichen sind?«

Als Hartley mit dem Kopfe herumfuhr, sah er den Indianer, das blanke Bowiemesser in der Hand, neben sich knieen. Die Worte desselben bewiesen, daß er die Fährte richtig gelesen und höchst scharfsinnig beurteilt hatte. Er hielt nicht den Yankee für den Mörder; das beruhigte diese, und er antwortete: »Ich versteckte mich vor ihnen. Zwei sind fort, in die Prairie hinaus; der dritte warf die Leiche hier ab, und ich blieb stecken, weil ich nicht weiß, ob er fort ist oder nicht.«

»Er ist fort. Seine Spur führt durch den Busch und dann noch Osten.«

»So ist er nach der Farm, um mich zu verfolgen. Aber ist er auch wirklich nicht mehr da?«

»Nein. Mein weißer Bruder und ich sind die einzigen lebenden Menschen, welche sich hier befinden. Er mag heraus ins Freie kommen und mir erzählen, was geschehen ist.«

Der Rote sprach sehr gut englisch. Was er sagte und wie er es sagte, flößte dem Yankee Vertrauen ein; darum weigerte sich der letztere nicht, der Aufforderung zu folgen. Er kroch aus dem Dickicht hervor und sah, als er das Gebüsch hinter sich hatte, daß die beiden Pferde eine ziemliche Strecke abwärts angepflockt waren. Der Rote betrachtete den Weißen mit einem Blicke, welcher alles zu durchdringen schien, und sagte dann: »Von Süden her sind zwei Männer auf ihren Füßen gekommen; der eine versteckte sich hier, und der bist du; der andre ging weiter, in die Prairie hinaus. Da kamen drei Reiter, welche diesem andern folgten; sie schossen ihm eine Pistolenkugel in den Kopf. Zwei ritten fort. Der dritte nahm die Leiche auf das Pferd, ritt an das Gebüsch, warf sie hinein und jagte dann ostwärts im Galopp von dannen. Ist es so?«

»Ja, genau so,« nickte Hartley.

»So magst du mir sagen, warum man deinen weißen Bruder erschossen hat. Wer bist du, und warum befindest du dich in dieser Gegend? Sind es auch die drei Männer gewesen, welche deinen Arm verwundet haben?« Der freundliche Ton, in welchem diese Fragen ausgesprochen wurden, bewies dem Yankee, daß der Rote ihm wohlgesinnt sei und keinerlei Verdacht gegen ihn hege. Er beantwortete die ihm vorgelegten Fragen. Der Indianer sah ihn dabei nicht an; dann aber fragte er plötzlich mit einem durchbohrenden Blicke: »So hat dein Gefährte dein Leben mit dem seinigen bezahlen müssen?«

Der Yankee schlug die Augen nieder und antwortete beinahe stockend: »Nein. Ich bat ihn, sich mit mir zu verstecken; aber er wollte nicht.«

»So, hast du ihm gezeigt, daß die Mörder hinter euch her kamen?«

»Ja.«

»Und ihm auch gesagt, daß du dich hier verbergen wolltest?«

»Ja.«

»Warum hat er da den Mörder, als dieser nach dir fragte, ostwärts nach der Farm gewiesen?«

»Um ihn zu täuschen.«

»So hat er dich retten wollen und war ein wackerer Kamerad. Bist du seiner wert gewesen? Nur der große Manitou weiß alles; mein Auge kann nicht in dein Inneres dringen. Könnte es das, so würdest du dich vielleicht vor mir schämen müssen; ich will schweigen; dein Gott mag dein Richter sein. Kennst du mich?«

»Nein,« antwortete Hartley kleinlaut.

»Ich bin Winnetou, der Häuptling der Apachen. Meine Hand richtet sich gegen die bösen Menschen, und mein Arm schützt jeden, der ein gutes Gewissen hat. Ich werde nach deiner Wunde sehen; noch notwendiger als das aber ist, zu erfahren, warum die Mörder umgekehrt sind, um euch zu folgen. Weißt du es?«

Hartley hatte schon oft von Winnetou gehört. Nun er wußte, daß dieser berühmte Häuptling vor ihm stehe, antwortete er in doppelt höflichem Tone: »Ich habe es dir bereits gesagt. Sie wollten uns auf die Seite schaffen, damit wir nicht verraten konnten, daß sie mich beraubt haben.«

»Nein. Wäre es bloß das, so hätten sie euch sofort getötet. Es muß etwas andres sein, was ihnen erst später eingefallen ist. Hatten sie dich genau durchsucht?«

»Ja.«

»Und dir alles abgenommen? Auch deinem Gefährten?«

»Nein. Er sagte ihnen, daß er ein armer Flüchtling sei, und bewies es ihnen, indem er ihnen den Brief zeigte.«

»Einen Brief? Haben sie denselben behalten?«

»Nein; er bekam ihn zurück.«

»Wo steckte er ihn hin?«

»In die Brusttasche seines Rockes.«

»Da befindet er sich nicht mehr. Ich habe in alle Taschen des Toten gegriffen und keinen Brief gefunden; sie haben ihm denselben hier abgenommen. Also ist es dieses Schreiben, welches sie bewogen hat, umzukehren und euch einzuholen.«

»Schwerlich!« meinte Hartley kopfschüttelnd.

Der Indianer antwortete nicht darauf. Er holte die Leiche aus dem Gebüsch und untersuchte die Taschen noch einmal. Der Tote bot einen gräßlichen Anblick, nicht etwa zufolge der Kugelwunde, sondern weil man sein Gesicht mit Messern kreuz und quer zerschnitten hatte, so daß es ganz unkenntlich geworden war. Die Taschen waren leer. Natürlich hatte man auch sein Gewehr mitgenommen.

Der Indianer blickte sinnend in das Weite; dann sagte er im Tone tiefster Überzeugung: »Dein Kamerad wollte nach Sheridan; zwei von den Mördern sind nordwärts geritten, in der Richtung dieses Ortes; sie wollen auch dorthin. Warum haben sie ihm den Brief abgenommen? Weil sie denselben brauchen, sich desselben bedienen wollen. Warum haben sie das Gesicht des Toten entstellt? Damit man ihn nicht erkennen soll. Man soll nicht wissen, daß Haller tot ist; er darf nicht gestorben sein, weil einer der Mörder in Sheridan sich für Haller ausgeben will.«

»Aber zu welchem Zwecke?«

»Das weiß ich nicht, werde es aber erfahren.«

»So willst du auch hin, ihnen nach?«

»Ja. Ich wollte nach dem Smocky-hill-fluß, und Sheridan liegt in der Nähe desselben; wenn ich nach diesem Orte reite, wird mein Weg dadurch nicht viel größer und länger werden. Diese Bleichgesichter haben etwas Schlimmes vor, was sie dort ausführen wollen. Vielleicht ist es mir möglich, es ihnen zu nichte zu machen. Geht mein weißer Bruder mit?«

»Ich wollte eine nahe Farm aufsuchen, um meinen Arm zu pflegen. Freilich möchte ich noch lieber nach Sheridan. Vielleicht erhalte ich dort das geraubte Geld zurück.«

»So wirst du mit mir reiten.

»Aber meine Verwundung!«

»Ich werde sie untersuchen. Auf der Farm hat mein weißer Bruder zwar Pflege, aber keinen Arzt; in Sheridan aber wird es einen solchen geben. Auch versteht sich Winnetou auf Behandlung der Wunden. Er kann zersplitterte Knochen wieder fest machen und besitzt ein ausgezeichnetes Mittel gegen das Wundfieber. Zeige mir jetzt deinen Arm!«

Schon der Schreiber hatte dem Yankee den Frackärmel aufgetrennt; es fiel also dem letzteren nicht schwer, seinen Arm zu entblößen. Winnetou untersuchte denselben und erklärte, daß die Wunde nicht so schlimm sei, als es den Anschein habe. Die Kugel hatte, da der Schuß aus so großer Nähe abgegeben worden war, den Knochen nicht zersplittert, sondern glatt durchschlagen. Der Rote holte eine getrocknete Pflanze aus seiner Satteltasche, befeuchtete sie und legte sie auf die Wunde; dann schnitt er zwei Holzschienen zurecht und verband mit Hilfe derselben den Arm so kunstgerecht, wie ein Wundarzt es mit den gegebenen Mitteln auch nicht besser fertig gebracht hätte. Dann erklärte er: »Mein Bruder kann getrost mit mir reiten. Das Fieber wird gar nicht kommen, oder doch erst dann, wenn er sich längst in Sheridan befindet.«

»Aber wollen wir nicht erst zu erfahren suchen, was der dritte Mörder thut?« fragte Hartley.

»Nein. Er sucht nach dir, und wenn er deine Spur findet, so wird er umkehren und den beiden andern folgen. Vielleicht thut er das nicht, sondern er hat noch andre Verbündete, welche er vorher aufsucht, um mit ihnen nach Sheridan zu reiten. Ich komme aus bewohnten Gegenden und habe erfahren, daß sich in Kansas viele von den Bleichgesichtern, welche Tramps genannt werden, zusammenziehen. Es ist möglich, daß die Mörder zu diesen Leuten gehören, daß die Tramps einen Streich gegen Sheridan beabsichtigen. Wir dürfen keine Zeit verlieren; wir müssen schnell hin, um die dortigen Weißen zu warnen.«

»Aber wenn dieser dritte Feind nach hier zurückkehrt, wird er unsre Spur finden und aus ihr ersehen, daß wir seinen Freunden gefolgt sind? Muß er da nicht Verdacht schöpfen?«

»Wir folgen ihnen nicht. Winnetou weiß, wohin sie wollen, und braucht also ihre Fährte nicht. Wir reiten einen andern Weg.«

»Und wann werden wir nach Sheridan kommen?«

»Ich weiß nicht, wie mein Bruder reitet.«

»Nun, ein Kunstreiter bin ich freilich nicht. Ich habe noch wenig im Sattel gesessen, aber abwerfen lasse ich mich nicht.«

»So dürfen wir nicht stürmen, werden das aber durch Stetigkeit einholen. Wir reiten von jetzt an die ganze Nacht hindurch und werden am Morgen am Ziele sein. Diejenigen, denen wir folgen, werden des Nachts Lager machen und also später als wir ankommen.«

»Und was geschieht hier mit der Leiche des armen Haller?«

»Wir werden sie begraben, und mein Bruder mag dann ein Gebet sprechen.«

Die Erde war locker, und so wurde, obgleich nur die Messer gebraucht werden konnten, recht bald eine leidlich tiefe Grube fertig, in welche die beiden den Toten legten, um ihn dann mit der aufgeworfenen Erde zu bedecken. Hierauf nahm der Yankee den Hut ab und faltete die Hände. Ob er dabei wirklich betete, war zu bezweifeln. Der Apache blickte ernst in die untergehende Sonne. Es war, als ob sein Auge jenseits des Westens die ewigen Jagdgründe suche. Er war ein Heide, aber er betete ganz gewiß. Dann schritten sie zu den Pferden.

»Mein weißer Bruder mag mein Tier nehmen,« sagte der Rote »Es hat einen sanften Gang, gleich und eben wie ein Kanoe im Wasser. Ich nehme das ledige.«

Sie stiegen auf und ritten fort, erst eine Strecke westlich, um dann nach Norden einzubiegen. Die Pferde hatten gewiß schon einen weiten Weg gemacht, schritten aber so munter und rüstig aus, als ob sie eben erst von der Weide gekommen seien. Die Sonne sank tiefer und tiefer; endlich verschwand sie hinter dem Horizonte; die kurze Dämmerung ging schnell vorüber, und dann wurde es finstere Nacht. Das machte den Yankee bange.

»Wirst du dich bei dieser Finsternis nicht verirren?«

»Winnetou verirrt sich nie, weder bei Tag noch bei Nacht. Er ist wie der Stern, welcher sich stets an der richtigen Stelle befindet, und kennt alle Gegenden des Landes so genau, wie das Bleichgesicht die Räume seines Hauses kennt.«

»Aber es gibt so viele Hindernisse, welche man nicht sehen kann!«

»Winnetous Augen sehen auch des Nachts. Und was er nicht bemerken kann, wird seinem Pferde sicher nicht entgehen. Mein Bruder reite nicht neben, sondern hinter mir, so wird sein Tier keinen falschen Schritt thun.«

Es war, auch wirklich fast wunderbar, mit welcher Sicherheit Pferd und Reiter sich bewegten. Bald im Schritt, bald im Trabe, oft sogar galoppierend, wurde Stunde um Stunde zurückgelegt und jedes Hindernis umgangen. Es waren sumpfige Stellen zu vermeiden und Bäche zu durchwaten; man kam an Farmen vorüber; stets wußte Winnetou, wo er sich befand, und nicht einen einzigen Augenblick lang schien er im Zweifel über die Örtlichkeit zu sein. Das beruhigte den Yankee ungemein. Er war besonders seines Armes wegen besorgt gewesen; aber das Wundkraut war von außerordentlicher Wirkung. Er fühlte fast gar keinen Schmerz und hatte sich über nichts als nur die Unbequemlichkeit des ungewohnten Reitens zu beklagen. Einigemal wurde angehalten, um die Pferde trinken zu lassen und den Verband mit kühlendem Wasser zu benetzen. Nach Mitternacht zog Winnetou ein Stück Fleisch hervor, welches Hartley essen mußte. Sonst gab es keine Unterbrechung, und als die zunehmende Kühle den Morgen verkündete, sagte sich der letztere, daß er recht gut im stande sei, noch länger im Sattel zu sitzen.

Nun graute der Osten, doch waren die Linien des Terrains noch nicht zu erkennen, da ein dicker Nebel auf der Erde lag.

»Das sind die Nebel des Smocky-hill-flusses,« erklärte der Häuptling. »Wir werden ihn bald erreichen.«

Es war ihm anzuhören, daß er hatte weiter sprechen wollen, aber er hielt sein Pferd an und lauschte nach links hinüber, von wo taktmäßiger Hufschlag sich näherte. Das mußte von einem galoppierenden Reiter sein. Richtig, da kam er heran und flog vorüber, ventre à terre, blitzesschnell wie ein Phantom. Die beiden hatten weder ihn noch sein Pferd gesehen; nur sein dunkler, breitkrempiger Hut, welcher über dem dichten, am Boden hinkriechenden Nebelschwaden hervorragte, war für einen Augenblick sichtbar gewesen. Einige Sekunden später war der Hufschlag schon nicht mehr zu hören.

»Uff!« rief Winnetou überrascht. »Ein Bleichgesicht! So, wie dieser Mann ritt, können nur zwei Weiße reiten, nämlich Old Shatterhand, aber dieser befindet sich nicht hier, da ich oben am Silbersee mit ihm zusammentreffen will, der zweite ist Old Firehand. Sollte er sich jetzt in Kansas befinden? Sollte er es gewesen sein?«

»Old Firehand?« meinte der Yankee. »Das ist ein hochberühmter Westmann.«

»Er und Old Shatterhand sind die besten und tapfersten, auch erfahrensten Bleichgesichter, welche Winnetou kennt. Er ist ihr Freund.«

»Der Mann schien es sehr notwendig zu haben. Wohin mag er wollen?«

»Nach Sheridan, denn seine Richtung ist die unsrige. Links liegt der Eagle-tail und vor uns befindet sich die Furt, welche über den Fluß führt. Wir werden sie in wenigen Minuten erreichen. Und in Sheridan werden wir erfahren, wer dieser Reiter gewesen ist.«

Die Nebel begannen, sich zu zerteilen; sie wurden vom Morgenwinde auseinander getrieben, und bald sahen die beiden den Smocky-hill-fluß vor sich liegen. Auch hier bewährte sich die außerordentliche Ortskenntnis des Apachen. Er erreichte das Ufer genau an der Stelle, an welcher sich die Furt befand. Das Wasser reichte den Pferden hier kaum bis an den Leib, so daß der Übergang ein leichter und ganz ungefährlicher war.

Jenseits angekommen, hatten die Reiter ein Gebüsch, welches sich am Ufer hinzog, zu durchqueren und ritten dann wieder durch offenes Grasland, bis Sheridan, ihr Ziel, sich ihren Augen zeigte.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
750 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain