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Kitabı oku: «Waldröschen V. Ein Gardeleutnant», sayfa 19

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Der Gouverneur beriet sich nun mit den Seinigen und antwortete:

»Du handelst als unser Feind, ich darf mich dir nicht anvertrauen.« – »Ich gebe dir mein Wort, daß dir nichts Böses geschehen soll.« – »Und daß ich dein Schiff wieder verlassen kann, sobald es mir gefällt?« – »Ja.« – »Schwöre es mir.« – »Ich schwöre es.« – »So werde ich mir überlegen, ob ich kommen werde.« – »Überlege es dir. Ich gebe dir zwei Minuten Zeit; ist diese Frist verflossen, so beginnt bei mir das Schießen wieder.«

Der Gouverneur beriet von neuem; der Steuermann aber hielt den Lauf eines der Geschütze nach dem Haus dieses Mannes gerichtet, und als zwei Minuten verstrichen waren und der Araber sich noch immer unschlüssig zeigte, befahl der Kapitän: »Feuer!«

Nun krachte ein Schuß, und abermals flog das von der Kugel zerrissene Mauerwerk nach allen Seiten auseinander. Das entschied; der Gouverneur merkte nun doch, daß mit diesen Fremden nicht zu scherzen sei, und rief eiligst:

»Halt, ich komme! Aber ich bringe meine Leute mit, um mich zu schützen.« – »Mein Schwur ist dein Schutz«, antwortete der Kapitän. »Du wirst allein das Schiff besteigen, auf jeden anderen werde ich schießen lassen.«

Er hatte sich vorgenommen, seinen Willen ohne alle Nachsicht durchzusetzen. Hatten andere Nationalitäten aus Handelsrücksichten es vorgezogen, sich von diesen Mohammedanern alles gefallen zu lassen, so wollte er dem deutschen Namen Ehre machen und den Leuten zeigen, daß sie nicht die Kerle seien, vor denen man sich zu fürchten hatte.

Der Gouverneur sah sich endlich gezwungen, nachzugeben, und kam an Bord, als man ein Feld des Enternetzes entfernte und die Falltreppe niederließ.

Mit finsteren Blicken musterte er die anwesende Bemannung, und als er alles in allem nur vierzehn Männer zählte, fragte er, ohne vorher zu grüßen:

»Sind dies alle deine Leute?« – »Ja.« – »Und mit diesen wenigen wagst du es, mir zu widerstehen?« – »Du hast gesehen und erfahren, daß ich es wagen kann. Wir sind Deutsche, und ein einziger Deutscher nimmt es mit zwanzig deiner Leute auf.«

Diese stolzen Worte waren zwar im Superlativ gesprochen, aber sie verfehlten dennoch ihre Wirkung nicht Der Gouverneur ließ sich nach dem Hinterdeck führen, wo er auf einem Teppich Platz nahm. Ihm gegenüber setzte sich der Kapitän; rechts stand der Steuermann und links der Dolmetscher. Die Hälfte der Mannschaft stand in der Nähe, während die anderen die feindlichen Boote zu beobachten hatten.

Der Kapitän hatte es unterlassen, den bei jeder Besprechung in diesen Ländern sonst üblichen Kaffee nebst obligaten Tabakspfeifen reichen zu lassen. Man stand sich ja noch als Feind gegenüber, so daß die geringste gastliche Erweisung ein Fehler gewesen wäre.

Die beiden Unterhandelnden betrachteten zunächst einander forschend. Das wettergebräunte Gesicht des Kapitäns stach mit seinen ehrlichen, biederen Zügen höchst vorteilhaft gegen die schlaue Miene des Gouverneurs ab. Dieser war bereits bei Jahren, aber trotz des Anfluges von Ehrwürdigkeit, der ihm nicht abzuleugnen war, tat ihm doch der Zug jener bigotten Pfiffigkeit Eintrag, der den Arabern der Küste eigentümlich zu sein pflegt. Erst nach einer Weile begann er das Gespräch:

»Ich bin gekommen, dich zur Rechenschaft zu ziehen. Du sitzt als Sünder und Verbrecher vor mir und wirst deine Strafe erleiden.« – »Du irrst«, antwortete der Deutsche. »Ich bin es, der dich hat kommen lassen, um dich zur Rechenschaft zu ziehen. Du hast meinen Willen befolgt und bist gekommen; dies ist der beste Beweis, daß nicht ich der Sünder und Verbrecher bin. Von einer Strafe könnte übrigens nie die Rede sein, denn du bist der Mann nicht, den ich als Richter über mich anerkennen würde. Um dir aber zu zeigen, daß ich gerecht bin, werde ich geneigt sein, anzuhören, welche Ursachen zu Beschwerden du zu haben meinst.« – »Du sollst sie hören; es sind ihrer viele. Du hast dich geweigert, dein Schiff durchsuchen zu lassen, du hast meine Leute gefangengenommen, du bist schuld, daß mir ein Fahrzeug verlorengegangen ist. Und anstatt Abbitte und Ersatz zu leisten, hast du die Moschee und mein Haus eingeschossen. Deine Strafe wird eine sehr große sein.«

Das war eine ganze Reihe von Anschuldigungen, von deren Berechtigung der Gouverneur vielleicht selbst überzeugt war, denn er besaß keine Kenntnis des herkömmlichen und verbrieften Völkerrechts. Er glaubte, den Deutschen mit seiner Anklage niedergeschmettert zu haben; dieser aber antwortete ruhig und überlegen:

»Du irrst abermals. Das Recht, ein anderes Schiff zu untersuchen, hat nur das Kriegsschiff einer anerkannten Nation. Wer hat dein Fahrzeug anerkannt? Welcher gute Seemann wäre so dumm, es für ein Kriegsschiff zu halten? Es hat ja nicht einmal eine Flagge geführt, und du wirst wenigstens so viel wissen, daß man ein Schiff nur dann respektiert, wenn es seine Flagge zeigt.« – »Der Anführer hat dir aber gesagt, daß das Fahrzeug mir gehört und daß er in meinem Namen handelte.« – »Das geht mich nichts an, da ich nicht dein Untertan bin. Sodann habe ich drei deiner Leute festgenommen, weil sie mich einen Hund nannten. Ich würde auch dich niedergeschlagen haben, wenn du dies gewagt hättest. Ich habe euch gezeigt, daß ich euer Meister bin, und werde keine Beschimpfung dulden. Ich habe trotzdem deinem Befehlshaber gestattet, mein Schiff ins Schlepptau zu nehmen, obgleich ich wußte, daß dies die größte Albernheit war. Er selbst ist schuld, daß es niedergefahren worden ist Ich hätte ihn ertrinken lassen sollen mit allen seinen Leuten, und doch habe ich ihn und sie gerettet. Anstatt mir dafür zu danken, hat er mich beleidigt indem er mich einen Schurken nannte. Darum habe ich ihn festgenommen, um ihn dir zur Bestrafung zu übergeben. Ich hielt dich für weise und für klug genug, nicht mit einem Mann anzubinden, der dir überlegen ist Du aber hast auf mein Schiff schießen lassen. Nun hatte ich das Recht mich zu verteidigen. Noch ist kein Menschenblut geflossen, aber ich sage dir, daß ich nicht eher von hier gehen werde, bis ich Genugtuung erlangt haben werde.«

Der Gouverneur sah die Sache jetzt ganz anders dargestellt als vorhin. Er wollte das Wort ergreifen, aber der kluge Deutsche fiel schnell ein:

»Ich habe weder Lust noch Zeit, meine Worte zu verschwenden. Höre, was ich dir sage. Du bestrafst deine Leute, die mich beleidigt haben. Du erlaubst den Einwohnern von Seila und allen, die sich in und bei der Stadt befinden, mein Schiff zu besuchen und Handel mit mir zu treiben, und du gibst mir eine schriftliche Abbitte der Beleidigungen, die mir durch die Zungen und Waffen deiner Leute zugefügt worden sind. Ich ziehe mich jetzt zurück und lasse dir meinen Steuermann hier, mit dem du verhandeln kannst, aber ich gehe von meinen Bedingungen nicht um ein Wort ab. Hast du sie in Zeit von einer Viertelstunde noch nicht zugestanden, so setze ich das Bombardement auf Seila fort und schieße alles in Grund und Boden. Du hast gesehen, daß keine unserer Kugeln fehlgeht. Außerdem richte ich meine Geschütze auf deine Schiffe und demoliere sie. Und endlich nehme ich meine Gefangenen mit fort und lasse sie bestrafen, oder ich hänge sie an die Rahe auf, und einen jeden dazu, der mir und meinem Schiff mit der Waffe in der Hand auf Schußweite nahe kommt Du dünkst dich ein großer Herr zu sein, in meinem Vaterland ist der geringste Schreiber besser unterrichtet als du. Bei uns wird jeder Fremde mit Ehrerbietung behandelt, selbst wenn er tiefer steht als wir, denn wir wünschen, daß man uns als höfliche und gastfreundliche Leute kennenlernt. Ihr aber empfangt uns mit Waffen in der Hand und mit Schimpfworten. Es muß einmal einen geben, der sich nicht einen Hund schimpfen läßt, und dieser Mann bin ich! Du weißt jetzt was ich verlange, und ich hoffe, daß du tust, was ich von dir fordere. Ich scherze nicht mit euch.«

Als der Kapitän ausgesprochen hatte, erhob er sich und ging nach seiner Kajüte. Vorher jedoch gab er den leisen Befehl, den Gouverneur durch Herbeischaffung von Kugeln, aller Art von Munition und Waffen einzuschüchtern.

Bereits nach kurzer Zeit sandte der Gouverneur einen der Matrosen zu ihm, um ihn zu milderen Forderungen zu bewegen, er gab jedoch die Antwort, daß er vor der angegebenen Zeit von einer Viertelstunde nicht zu sprechen sei, dann aber nur durch seine Geschütze reden werde.

Die Zeit verging, und als er auf das Deck trat und von dem Steuermann erfuhr, daß der Gouverneur zu allem bereit sei, nur nicht zur schriftlichen Abbitte, befahl er: »Gib seinem Haus sofort eine Kugel!« und nahm, während der Steuermann sich erhob, um diesem Befehl Folge zu leisten, wie früher Platz. Der Araber ließ ihm jetzt durch seinen Dolmetscher seine Meinung zu erkennen geben, hatte aber noch nicht ausgesprochen, so fiel er ihm in bestimmtem Ton in die Rede: »Ich habe dir meine Forderungen gesagt; die Frist, die ich dir gegeben habe, ist verflossen. Deiner Person soll zwar nichts Böses geschehen, du darfst unangefochten das Schiff verlassen, aber da, blicke hin!«

Der Gouverneur sah sich um, und zwar gerade noch zur rechten Zeit, um den Schuß des Steuermanns aufblitzen zu sehen. Beim Krachen desselben sprang er erschrocken auf, und als er die Verwüstung bemerkte, welche die Kugel anrichtete, rief er:

»Halt ein! Ich werde tun, was du verlangst!« – »Gut!« sagte der Kapitän. »Hast du die Papiere bei dir, die dir der Hafenmeister von mir gebracht hat?« – »Ja.« – »Gib sie heraus!«

Das geschah, und nun fuhr der Kapitän fort:

»Den Hafenzoll werde ich bezahlen, aber weiter nichts. Geschenke erhältst du nicht, denn du hast sie verscherzt. Ich werde dir sofort Papier holen lassen, damit du die Entschuldigung schreiben kannst.« – »Ich werde sie in meiner Wohnung schreiben«, warf der Mann listig ein. – »Nein, du wirst sie hier schreiben und sogar dazufügen, daß du mir nichts Hinderliches oder gar Schädliches in den Weg legen willst. Erweist du dich unehrlich, so wird ein jeder erfahren, was mit dir geschehen ist. Meine Gefangenen aber liefere ich dir erst kurz vor meiner Abreise aus; sie bleiben als Geiseln bei mir, und ich werde dann bei ihrer Bestrafung zugegen sein.«

Der Gouverneur sah, daß der Steuermann wartend bei der bereits wieder geladenen Kanone stand. Er mußte einwilligen und sagte:

»Ich werde tun, was du verlangst, aber hättest du dein Schiff durchsuchen lassen, obgleich ich nicht dein Herr bin, so wäre dies alles nicht geschehen.« – »Ich hätte dich dadurch als meinen Herrn anerkannt. Weißt du nicht, daß es für eine Schande gilt, sein Schiff von einem Fremden durchsuchen lassen zu müssen?« – »Man hat nur sehen wollen, ob du die entflohenen Sklaven bei dir hast.« – »Waren deine Sklaven so wertvoll, daß du dich ihretwegen einer solchen Gefahr aussetztest?« – »Sie gehören nicht mir.« – »Ah! Wem sonst? Der Mann, dem sie gehörten, muß dir sehr wert sein!« – »Sie gehörten dem Sultan von Harrar!« – »Pah! So sind es doch nur wertlose Kerle gewesen!« meinte der Kapitän wegwerfend. – »Nein. Es waren zwei weiße Christen und eine junge, schöne Christin, die herrlich sein soll wie die Bergspitze in der Morgenröte.«

30. Kapitel

Der Gouverneur beging mit seinen Eröffnungen über die entflohenen weißen Sklaven eine große Unvorsichtigkeit, denn der Kapitän wurde aufmerksam. Weiße Christen, also Europäer! sagte er sich. Vielleicht galt es hier, ein Bubenstück zu hintertreiben, darum fragte en

»Weißt du, aus welchem Land diese Leute waren?« – »Ja. Man nennt es Espania.«

Espania, also Spanien! Der Kapitän fand seine Vermutung bestätigt.

»Und woher war die Sklavin?« fragte er weiter. – »Das weiß der Sultan nicht.« – »Welche Sprache redet sie?« – »Diejenige, die der eine Gefangene redete. Sie haben den Sultan gebunden und seine ganze Schatzkammer ausgeraubt Sie haben ferner seine Kamele genommen und sind mit zwei Somali entflohen, die jedenfalls ihre Führer und Beschützer gewesen sind. Am anderen Morgen haben die Diener den Sultan gefunden und von seinen Banden befreit« – »Was hat er dann getan?« – »Er hat sogleich eine große Menge Krieger zur Verfolgung ausgesandt« – »Wohin?« – »Nach der Küste, denn die Flüchtlinge hatten keine andere Gelegenheit zu entkommen, als nur durch ein Schiff, das sie zufällig an der Küste treffen konnten. Der ganze Meeresstrand ist besetzt. Der Sultan hat seinen Wesir nach Berbera geschickt, er selbst aber ist zu mir nach Seila gekommen. Er ist sehr mächtig; man muß tun, was er will, sonst würde er sich an uns rächen.« – »Sind die mitgenommenen Schätze groß?« – »Viel Gold, schöne Kleider und Sachen und dann Edelsteine, die viele Millionen kosten. Man kann ein ganzes Land dafür kaufen.« – »So sind die Sklaven wohl entkommen?« – »Nein. Sie haben sich zwar die besten und schnellsten Kamele geraubt und infolgedessen die Küste eher erreicht als ihre Verfolger, doch wissen wir ganz genau, daß sich in der letzten Zeit kein einziges Schiff hat sehen lassen. Es herrschte ein starker Südwind, der für unsere See so gefährlich ist, daß jedes Schiff sie meiden muß, und um ganz sicher zu gehen, habe ich die meisten meiner Schiffe ausgesandt, um zu kreuzen. Sie werden die Flüchtlinge treffen, wenn diese ein Fahrzeug gefunden haben oder noch finden sollten.«

Der Kapitän blickte nachdenklich vor sich nieder. Es ging ihm ein Gedanke durch den Kopf. Die beiden Männer waren Spanier, das Mädchen jedenfalls auch. Wie waren sie in die Hände des als so grausam verrufenen Sultans von Harrar gekommen? Klug, mutig, ja, verwegene und umsichtige Männer waren sie sicher, also wohl nicht von gewöhnlichem Stand. Sie befanden sich jedenfalls in einer höchst schlimmen Lage, und vielleicht war es möglich, sie aus derselben zu befreien. Als Christ und als wackerer, gutmütiger Deutscher fühlte der Kapitän die Verpflichtung zu versuchen, ob er nicht etwas für sie tun könne. Darum fragte er in ziemlich gleichgültigem Ton:

»Und ihr habt gar nichts über sie erforschen können? Ihr habt gar keine Spur von ihnen gefunden?«

Das Gesicht des Gouverneurs nahm einen boshaften Ausdruck an, seine Augen blitzte heimtückisch, und im Ton wilder Befriedigung antwortete er:

»Eine Spur haben wir nicht gefunden, sondern etwas viel Besseres.« – »Was?« – »Sage erst, daß du sie nicht bei dir hast!« – »Nein. Ich habe gar nichts von ihnen gewußt.« – »Ist dies wahr?« – »Vollständig wahr.« – »Kannst du es mir beschwören?« – »Ich schwöre es dir.« – »Gut, ich will dir Glauben schenken und dir also sagen, daß wir einen der beiden Somali gefangen haben, welche die Flüchtlinge begleiten.« – »Ah!« – »Ja. Ich sandte meine Krieger aus, die ganze Küstengegend zu durchforschen. In der Nähe des Elmasberges, da, wo er sich zur See absenkt, fanden sie einen jungen Somali. Sie überraschten ihn, als er an einer Quelle ausruhte. Er fand keine Zeit, zu entfliehen, obgleich er ein ausgezeichnetes Kamel ritt, und wurde gefangen, obgleich er sich wie ein Teufel verteidigte und sogar mehrere meiner Krieger verwundete. Sie fragen ihn aus; er aber antwortete nicht, und auch als sie ihn zu mir hierher nach Seila brachten, hat er mir noch kein Wort geantwortet« – »So weiß er nichts von den Flüchtlingen!« – »O doch! Der Sultan von Harrar hat ihn sogleich erkannt; er ist der jüngere der beiden Somali, die Vater und Sohn waren. Und auch in dem Kamel hat der Sultan eines seiner Tiere erkannt Es ist demselben das Zeichen in die Ohren geschnitten.« – »Ah! So muß man ihn so lange fragen, bis er antwortet.« – Er spricht kein Wort. Aber morgen soll er gemartert werden, bis er redet!« – »Und wenn er lieber stirbt, als daß er spricht?« – »So wird er in die Hölle fahren, und wir wissen nicht was wir tun sollen!« – »Ihr werdet euch vergebens Mühe geben, denn eure Krieger taugen nichts und eure Schiffe noch weniger.« – »Willst du mich beleidigen?« – »Nein. Aber du hast gesehen, daß ich dir und ganz Seila überlegen bin, obgleich wir nur vierzehn Männer sind. Wie wollt ihr die Flüchtlinge fangen, wenn sie ein Fahrzeug gefunden haben? Habt ihr solche Waffen und Kanonen wie ich? Habt ihr ein solches Schiff wie ich, das so schnell segelt, daß ihm kein Flüchtling entkommen kann? Ich wiederhole es: Ihr werdet sie nicht fangen!«

Der Gouverneur blickte nachdenklich zu Boden. Die Gründe des Kapitäns schienen ihm einzuleuchten. Er hatte ja selbst erfahren, wie klug, tatkräftig und umsichtig derselbe aufgetreten war. Darum sagte er zustimmend:

»Ja, wenn wir nur ein solches Schiff hätten, wie das deinige!« – »Ihr habt es aber nicht!« meinte der schlaue Deutsche, ihn heimlich beobachtend. – »Oder so kluge Leute, wie du hast!« – »Ja, auf meine Männer kann man sich verlassen. Ich wollte wetten, daß ich diese Flüchtlinge fangen würde, wenn ich mich damit befassen wollte.« – »Der Sultan hat einen großen Preis auf sie gesetzt Zwanzig starke Kamele mit Kaffee beladen.« – »Himmel! Das ist ja ein Reichtum!«

Über das Gesicht des Arabers glitt ein Zug häßlicher Habgier, und diese nahm seine Klugheit und Vorsicht so gefangen, daß er ausrief:

»Wieviel von diesem Preis verlangst du, wenn es dir gelingt sie zu fangen?« – »Wer sagt dir denn, daß ich Lust habe, mich mit ihnen abzugeben?« – »Du wirst ja den Preis mit gewinnen.« – »Oh, er würde ganz mein sein!« – »Aber du würdest mir doch einen Teil davon geben, da ich es dir ja erst erzählt habe!«

Da stimmte der Deutsche ein sehr gut geheucheltes Lachen an und erwiderte:

»Bah, ich bin reicher als du, ich brauche deinen Kaffee gar nicht!« – »Auch nicht die Kamele?« – »Nein. Ich bin Seemann. Was sollen sie mir nützen!« – »Du kannst sie ja verkaufen.« – »Ich habe dir bereits gesagt, daß ich reich genug bin! Aber ich würde es mir zum Spaß machen, die Entflohenen aufzusuchen.« – »Tue es, tue es!« rief da der Araber, dem es gewaltig in die Augen stach, daß er den ganzen Preis bekommen sollte, ohne dabei etwas tun zu müssen. – »Es geht nicht«, entgegnete der Deutsche im Ton des Bedauerns. »Ich muß hierbleiben, um meine Ladung zu verkaufen.« – »Oh, die hast du in einigen Stunden verkauft, wenn ich es will.« – »Ah! Das ist unmöglich!«

Der Kapitän konnte so etwas nicht glauben, aber wenn es dennoch möglich war, so erwuchs ihm neben dem Erfolg in Beziehung auf die flüchtigen Spanier noch ein zweiter, ungeheurer Vorteil. Darum fragte er:

»Wie willst du dies anfangen?« – »Es sind vier große Karawanen da aus Abessinien, Dankeli, Efat und Gurage. Ich selbst brauche viel, die Bewohner von Seila auch, und der Sultan von Harrar würde sehr viel kaufen, nur daß du fahren könntest.« – »Ich denke, er ist jetzt arm, weil ihm der Schatz geraubt worden ist?« – »Er hat viel Silber bei sich, das die Spanier nicht mitgenommen haben. Auch hat er den Bewohnern von Harrar alles Geld genommen. Was ihnen gehört, ist sein Eigentum, und er braucht ja viel Gold und Silber, um die Verfolgung bezahlen zu können.« – »Und womit bezahlen die Karawanen?« – »Mit Elfenbein und Butter. In Seila zahlen wir jetzt mit Perlen, die an der Küste gefischt werden. Wenn ich befehle, daß nur heute von dir gekauft werden kann, so hast du bereits heute abend keine Ladung mehr.«

Das stach dem Kapitän bedeutend in die Augen. Zunächst war es ja ein ganz außerordentlicher Vorteil für ihn, an einem einzigen Nachmittag verkaufen zu können, anstatt wochen- oder monatelang hier zu liegen oder von einem Hafen zum anderen fahren zu müssen, und sodann waren ihm auch die angebotenen Tauschartikel höchst willkommen. Elfenbein und Perlen, hier so billig, hatten in Deutschland einen hohen Wert, und die Butter, die er hier erhielt, konnte er zu guten Preisen in Ostindien losschlagen, er brauchte nur nach Kalkutta zu segeln. Darum sagte er

»Wird der Sultan zustimmen?« – »Sogleich! Du mußt nur selbst mit ihm sprechen. Ich werde dich ihm empfehlen!«

Aber jetzt erst schien dem Gouverneur der Gedanke zu kommen, den er längst schon hätte haben sollen. Er fragte nämlich mit besorgtem Ton:

»Aber du bist ja auch ein Christ, wie die Spanier! Wohnt ihr in einem Land?« – »Nein. Es ist ein sehr großes Reich dazwischen.« – »Aber ihr habt eine Religion?« – »Nein, wir glauben anders als sie. Sie sind Katholiken, wir aber Protestanten.« – »Was heißt das?«

Da fiel dem Kapitän ein trefflicher Vergleich ein. Er antwortete:

»Das ist wie bei euch die Sunniten und Schiiten.« – »Ah, da darf ich keine Sorge haben!« sagte der Gouverneur beruhigt. »Wir Sunniten hassen die Schiiten mehr als die Ungläubigen, ihr haßt euch auch, und so sind wir deiner sicher. Ich werde mich sogleich aufmachen, um mit dem Sultan zu sprechen und den Befehl des Verkaufs zu geben.« – »Ja, aber vorher wirst du die Abbitte unterschreiben.«

Das war dem Araber außerordentlich unlieb. Er sah sich gezwungen, sich selbst zu blamieren, dies behagte ihm nicht, daher fragte er:

»Willst du mir dies nicht erlassen?« – »Jetzt nicht. Aber das will ich dir versprechen, wenn ich mit dir zufrieden bin, so gebe ich dir die Schrift zurück und will auch nicht auf die Bestrafung deiner Diener dringen. Du siehst, daß ich es gut mit dir meine, ich hoffe, daß ich mich nicht in dir täusche!«

Diese Zugeständnisse erregten die Freude des Arabers in so hohem Maße, und die Hoffnung, zwanzig Ladungen Kaffee nebst den Kamelen zu erhalten, nahm ihn so sehr ein, daß er ausrief:

»Ich bin dein Freund! Wie ist dein Name?« – »Ich heiße Wagner«, antwortete der Gefragte. – »Dieser Name ist sehr schwer auszusprechen, fast geht dabei die Zunge auseinander, aber dies soll nichts an unserer Freundschaft ändern. Willst du nicht mit mir nach Seila fahren?« – »Warum?« —»Du sollst selbst mit dem Sultan von Harrar sprechen!«

Dies war eigentlich ein ganz annehmbarer Vorschlag, der Kapitän konnte sich dabei den Somali ansehen und ihm ein Zeichen geben. Aber wie stand es mit der persönlichen Sicherheit?

»Werde ich unbeschädigt zurückkehren können?« fragte er darum. – »Ich schwöre dir bei Allah, bei dem Barte des Propheten und bei allen heiligen Kalifen, daß du als freier Mann kommen und gehen darfst und daß ich jeden töten lassen werde, der dich beleidigt. Du kannst deine Waren ohne Furcht nach der Stadt schaffen lassen und dort verkaufen.« – »Nein, das tue ich nicht, denn es könnten nicht alle Käufer so ehrlich sein wie du. Ich lasse die Kisten und Pakete auf das Deck schaffen und öffnen, und nur immer zehn Männer dürfen das Schiff besteigen und sich die Waren ansehen, die ich nicht im einzelnen, sondern im ganzen verkaufen werde. Ich werde dir Papier senden und mich vorbereiten, mit dir an das Land zu gehen, während du schreibst.«

Der Kapitän gab dem Steuermann die nötigen Befehle und trat in seine Kajüte. Er hatte da zweierlei zu tun. Erstens kleidete er sich um und behing sich mit einer ganzen Menge von Waffen, denn er wollte den Eindruck eines vornehmen Mannes machen. Und sodann besaß er ein arabisches Wörterbuch, das er sich angeschafft hatte, um den Dolmetscher einigermaßen kontrollieren zu können. In diesem blätterte er jetzt, indem er halblaut vor sich hinmurmelte:

»Wer doch diese Sprache verstände! Jetzt muß ich die Wörter mühsam zusammensuchen. Was heißt denn eigentlich ›ich‹? Ah, da steht es! Ich heißt ana. Und ›bin‹? Das finde ich nicht, aber hier steht eida, das ›auch‹ bedeutet. Und ›Christ‹ heißt nassrani. Wenn ich also sage: ›Ana eida nassrani‹, so heißt das: ›Ich auch ein Christ‹, und der Somali wird sofort bedenken, daß ich ihn und die anderen retten will. Er wird dann Hoffnung haben. Ah, was heißt ›Hoffnung‹? Hier steht es: amel. Wenn es mir möglich ist, befreie ich ihn, das kann nur des Nachts geschehen. Hm! Hier steht nossf el leel ist Mitternacht. Gut, das schreibe ich nieder, obgleich es mir schwerfallen wird, diese arabischen Buchstaben nachzumalen.«

Er nahm einen kleinen Zettel und schrieb darauf von rechts nach links: »Ana eida nassrani – amel – nossf el leel.«

»So«, brummte er dann vergnügt. »Das heißt auf deutsch und frei übersetzt: ›Ich bin auch ein Christ, habe Hoffnung, ich komme um Mitternacht!‹ Wenn es mir gelingt, dies dem Kerl zuzustecken, so wird er mich verstehen. Wagner, Wagner, wenn das deine Alte daheim wüßte, daß du dich in einen so gefährlichen Roman verstrickst, um so eine wunderschöne Sklavin zu befreien! Na, man hat ein gutes Herz, man hat einen passablen Kopf, und man hat ein Paar tüchtige Fäuste, das ist die Hauptsache!«

Der Kapitän rollte den Zettel ganz klein zusammen, steckte ihn ein und kehrte dann auf das Deck zurück, wo der Gouverneur bereits seiner wartete.

Er ließ sich das angefertigte Schriftstück vorlesen und übersetzen, es erhielt seinen Beifall, und so gab er es dem Steuermann zur einstweiligen Aufbewahrung. Dieser, der ihm mehr Freund als Untergebener war und sich darum auch du mit ihm nannte, sagte in besorgtem Ton zu ihm:

»Du begibst dich in die größte Gefahr. Wie nun, wenn man dich gefangennimmt!« – »Das tut man sicher nicht! Der Gouverneur hat geschworen, und ein Mohammedaner bricht seinen Schwur niemals.« – »Wann kommst du wieder?« – »Das weiß ich nicht« – »Nun, ich denke, daß der Besuch in anderthalb Stunden gemacht sein kann.« – »Ich auch.« – »Nun wohl! Bist du in zwei Stunden nicht zurück, so bombardiere ich die Stadt« – »Dasselbe wollte ich dir sagen. Und bin ich heute abend noch nicht zurück, so hängst du unsere Gefangenen auf, einen neben den anderen.« – »Willst du keine Begleitung mitnehmen?« – »Nein. Es heißt zwar im Orient: Je größer die Begleitung, desto vornehmer der Herr, aber die Kerle könnten wahrhaftig denken, daß ich mich fürchte. Und übrigens brauchst du die Leute hier nötiger als ich. Verkaufen kannst du allerdings erst nach meiner Rückkehr, denn ich muß den Dolmetscher mitnehmen.«

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
420 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
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