Kitabı oku: «Abenteuer Watzmann»

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ABENTEUER
WATZMANN

Naturwunder, Mythos, Schicksalsberg

»Groß und mächtig, schicksalsträchtig«, schrieb der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros in seinem Musical »Der Watzmann ruft« und beschreibt damit das gewaltige Bergmassiv im Süden des Berchtesgadener Landes in treffenden drei Worten.


Inhalt

VORWORT FRANZ RASP

EINLEITUNG

Salzbergbau und Holzhandwerk

Von Fürsten, Säumern und Schnitzern

»In die Berg’!«

Als der Tourismus nach Berchtesgaden kam

Pioniere des Watzmanns

Legenden der Berchtesgadener Berge

DER NATIONALPARK BERCHTESGADEN UND DER KÖNIGSSEE

Herzstück des Nationalparks Berchtesgaden

Unter Schutz gestellt – Watzmann und Königssee

Türkisfarbenes Juwel – der Obersee

Idyllischer Winkel hinter dem »großen Bruder«

Die Weite der Kührointalm

Wanderziel mit Blick zum Watzmanngrat

Am Sonnenbankerl auf der Schapbachalm

Schüsselkäse unterm Sternenhimmel

Im Reich des Steinadlers

Eleganter König der Lüfte

Vom einfachen Leben – auf der Saletalm

Das Glück der Bodenständigkeit

Die Steinböcke von der Wasseralm

Von Lebens- und Kletterkünstlern

FRÜHLINGSERWACHEN

Vom Eise befreit – wenn das Mankei erwacht

RUND UM DAS WATZMANN-MASSIV

Ein Berg, vier Ansichten

Wo sich eine versteinerte Königsfamilie versteckt

Steile Wildnis am Königssee

Im Osten – das Königseetal

Felsenwellen eines Karstplateaus

Im Süden – das Steinerne Meer

Ein Tal in Bewegung

Im Westen – das Wimbachtal

Sanfter Tourismus und Naturschutz

Im Norden – das Bergsteigerdorf Ramsau

SOMMERGLÜCK

Hochgebirgsspezialisten und Überlebenskünstler

BIG WALL – DIE OSTWAND

Was für eine Wand!

Felsgigant und Naturschönheit

Im Höhenflug

Portrait: Philipp Reiter, Bergläufer

Familientreffen im Fels

Portrait: Helmut und Korbinian Rieser, Bergführer

»Ein alter Bergsteiger ist ein guter Bergsteiger!«

Portrait: Thomas sen. und die Huberbuam, Berglegenden

Der König der Ostwand

Portrait: Heinz Zembsch, Rekordhalter

Nachfahre einer Watzmann-Legende

Portrait: Franz Kuchlbauer, Kederbacher-Ururenkel

HERBSTGLÜHEN

Liebesglück im Farbenrausch

DIE ÜBERSCHREITUNG

Trutzburg unter dem König

Das Watzmannhaus als Basislager

Auf Grenzgang

Königliche Überschreitung eines Giganten

Überflieger mit Bodenhaftung

Portrait: Anton Palzer, Bergläufer und Skibergsteiger

Die »Watzmann Family Traverse«

Portrait: Ines Papert und Luka Lindič, Extrembergsteiger-Paar

WINTERZAUBER

Mal glitzernd, mal unberechenbar

SAGENHAFTER WATZMANN

Von Mythen und Märchen im Berchtesgadener Land

Impressum


Seite 2/3: Blick auf das Watzmann-Massiv zwischen Bischofswiesen und Aschauerweiher.


Vorwort

Hast du dem Watzmann auch einmal gegrollt?«, fragte mich die Autorin dieses Buches Kathrin Thoma-Bregar kürzlich. Mein Vater Franz Rasp hat am Neujahrstag 1988 als Bergführer zusammen mit seinem langjährigen Gast in der Watzmann Ostwand sein Leben verloren. Dabei hat er nicht nur seine Ehefrau, sondern auch seine drei Kinder, ich war als Ältester 15 Jahre alt, zurückgelassen. Insofern ist das durchaus eine naheliegende Frage.

Für mich persönlich ist die Antwort geprägt von dem, was mir mein Vater beigebracht hat: Der Berg kann nichts dafür, darum brauche ich ihm auch nicht Grollen. Das Credo meines Vaters war: Einen Berg kannst du nicht bezwingen, du kannst nur deine persönlichen Ambitionen erreichen oder an ihnen scheitern und damit lernen. Und du brauchst Glück.

Er vermittelte mir früh, was der Satz von Paul Preuss »Das Können ist des Dürfens Maß« in den Bergen bedeutet: Für den exzellenten Alpinisten und bei passenden Verhältnissen sind Turnschuhe auf dem Watzmann durchaus erlaubt, für den Einsteiger oder bei drohendem Schlechtwetter sicherlich nicht. Wer sich in der Watzmann Ostwand perfekt auskennt, kann sie auch bei schlechten Sichtverhältnissen gefahrlos durchsteigen, wer neu in diesem Labyrinth aus Rinnen und Graten, aus Felsbändern und senkrechten Passagen ist, hat auch bei Sonnenschein eine ernsthafte alpine Aufgabe vor sich.


Mein Vater hat den Watzmann und seine Ostwand geliebt und stets respektiert, auch wenn er ihn gern als »auch nur ein Steinhaufen« bezeichnete.

Als ikonisches Felsmassiv ist der Watzmann derzeit unbestritten Mythos, alpinistische Herausforderung, Sehnsuchtsort und Identifikationssymbol zugleich. Seiner Faszination kann man sich schwerlich entziehen.

Der Watzmann muss aber auch Herhalten als Werbeabbildung auf Käsepackungen und als Bild Bayerns in der Welt. Zweifellos gehört er für viele Alpinisten zu den Bergen, die man bestiegen haben »muss«. An einem schönen Sommertag wird man deshalb schwerlich allein auf dem Gipfel stehen, egal wie früh man aufsteht. Gemeinsam müssen wir aufpassen, dass diese Beliebtheit nicht dazu führt, die Ernsthaftigkeit einer Watzmannbesteigung oder gar Überschreitung aller drei Gipfel zu unterschätzen.

Am Watzmann sehen wir heute bei vielen Bergsteigern nahezu täglich, wie weit der persönliche Anspruch auf das Erreichen des Gipfels oft von der Realität der eigenen Fähigkeiten entfernt ist.

Für mich persönlich ist es immer wieder ein grandioses Erlebnis, die Watzmann Ostwand zu durchsteigen, oder wie der Einheimische voller Understatement sagt: sie zu »gehen«. Dennoch bin ich immer wieder froh, wenn ich keinen Unfall vor allem wegen der allgegenwärtigen Steinschlaggefahr hatte und wieder alle wohlbehalten ins Tal zurückgekehrt sind.



Der Watzmann gibt viel: in Form von Erlebnissen, die über den Tag hinaus nachwirken. Der Watzmann kann aber auch vieles nehmen: Illusionen, Träume und die eigenen Ambitionen. Manchem nimmt der Berg auch alles in Form des eigenen Lebens.

Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen eine Tour auf den Watzmann unternehmen, vielleicht auch nicht, auf jeden Fall aber freue ich mich auch wenn ich ihn einfach aus dem Tal anschauen kann. Im Angesicht des Watzmanns leben und arbeiten zu dürfen, empfinde ich als Privileg, das in mir tiefe Dankbarkeit auslöst. Für alle, die hier ihre Heimat haben bedeutet das auch die Verantwortung, unseren Kindern diese Heimat unversehrt zu hinterlassen.

Damit auch sie später ihre eigenen Geschichten erzählen können.

Frank Rasp



Der Watzmann, eine zu Stein gewordene grausame Königsfamilie, so die Sage. Auf Bergsteiger übt der formschöne Gebirgszug, hier vom Grünstein aus gesehen, seit jeher eine große Anziehungskraft aus.


Der Watzmann ist in den Wolken verdeckt, nur der Gipfel der Watzmannfrau ist in diesem Blick vom Jenner-Gipfel aus zu sehen.


Das Eisbachtal zieht sich vom Fuß der gewaltigen Watzmann-Ostwand (Bildmitte) bis zur Halbinsel St. Bartholomä im Königssee.


Vom Gipfel des Großen Hundstods im Steinernen Meer schweift der Blick hinüber zur Südseite des Watzmanns und ins Wimbachtal (links im Bild).


Winterzauber am Aussichtspunkt Malerwinkel: Erst nach vielen eisigen Tagen bildet sich zaghaft eine dünne Eisdecke über dem Königssee, der nur selten ganz zufriert.

EINLEITUNG


Blick vom Hocheck auf die Mittelspitze. Der Watzmanngrat ist lang, ausgesetzt und anspruchsvoll. Hinten links im Bild erhebt sich die markante Pyramide der Schönfeldspitze im Steinernen Meer.


Schon aus der Ferne beeindruckt die unverwechselbare Silhouette des Watzmanns.

Salzbergbau und Holzhandwerk
Von Fürsten, Säumern und Schnitzern

Der Watzmann thront über Berchtesgaden, weithin sichtbar prägt er das Bild des Ortes im südöstlichen Zipfel Deutschlands. Ein rauer, hochalpiner, schwer zugänglicher Ort. Erst im 12. Jahrhundert, mit Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts, gelang es, das unwegsame Gelände rund um Watzmann und Königssee zu besiedeln.

Bis zur Säkularisierung 1803 war Berchtesgaden eine Fürstpropstei. Es gehörte weder zu Bayern noch zu Salzburg – sehr zum Leidwesen des mächtigen Nachbarn, der stets ein gieriges Auge auf die reichen Salzvorkommen hatte. Zumal die Region Berchtesgaden in drei Himmelsrichtungen an das Salzburger Land grenzt.

Bis zum 16. Jahrhundert geriet es immer wieder in Konflikt mit dem Hochstift Salzburg. In dieser Zeit entstanden Wehranlagen, sie sollten das Chorherrenstift vor dem Zugriff der Salzburger Fürstbischöfe schützen. Gleichzeitig wurde der Rückhalt der Bayern stärker, bis schließlich wittelsbachische Prinzen als Fürstpröpste in Berchtesgaden regierten. Allerdings hielten sie sich nur gelegentlich und dann vor allem zur Jagd im Berchtesgadener Land auf. 1802 ging die Fürstpropstei dann doch an das Fürstentum Salzburg, 1805 kam das Berchtesgadener Land zum Kaisertum Österreich, und seit 1810 gehört es endgültig zu Bayern.

Wie viele andere Stifte und Klöster dienten die Konventgebäude in Berchtesgaden zunächst als Kaserne. 1818 gelangte der Komplex in den Besitz des Hauses Wittelsbach, dem es bis heute gehört. Die Propstei wurde fortan Sommerresidenz der bayerischen Königsfamilie. Seit 1988 sind Teile des Schlosses und die Stiftspfarrkirche St. Andreas als Museum zugänglich.


Unwirklich und unwegsam: Felswände, dunkle Wälder, umherziehende Nebelschwaden.

DAS »WEISSE GOLD«

Durch die Salzgewinnung ging es den Bergwäldern rund um Berchtesgaden im Mittelalter an den Kragen, denn für das Sieden des Salzes wurden Unmengen Brennholz benötigt, um die Sudpfannen einzuheizen. Die schweren Baumstämme beförderte man über den Wasserweg aus dem unwegsamen Gelände. Holztrift nennt man das. Für die Knechte war es eine beschwerliche und sehr gefährliche Arbeit. Immer wieder verkeilten sich Bäume, insbesondere an den engen Stellen. »Fuchs« hieß so ein zusammengeschobener Holzhaufen, der von den Knechten entwirrt werden musste. Oft standen die Männer dabei bis zum Bauch im eisigen Wasser oder gerieten gar unter die Stämme. So manch einer verlor bei dieser Arbeit sein Leben.


Bunte Herbstwälder, goldenes Licht und erster Schnee am Watzmannmassiv.

Auch am Königssee zu Füßen des Watzmanns wurde Holz getriftet, sogar gut 370 Jahre lang bis ins Jahr 1970. Die intensive Holzrodung hatte Auswirkungen auf die Struktur der Wälder, die bis heute sichtbar sind. Denn Kahlschlagflächen wurden damals mit Nadelbäumen wie Fichte und Lärche aufgeforstet, da diese schnell wachsen und sich leichter triften lassen. Tanne, Buche und andere Laubbaumarten gingen zurück, auch lange nachdem kein Sudholz mehr benötigt wurde. Naturnahe Mischwälder sind deshalb eines der wichtigen Ziele des 1978 gegründeten Nationalparks Berchtesgaden.

Das Salz, das so wertvoll war, dass man es mit Gold aufwog, wurde von Berchtesgaden übers Gebirge gebracht, von einfachen Händlern, den Salzsäumern. Meist gab es keine breiten Wege, geschweige denn Straßen, und so musste die wertvolle Fracht mühevoll auf Packtiere gebunden und über Berg und Tal getragen werden. Später setzte man auch kleine Fuhrwerke ein. Ein wichtiger Handelsweg führte über den Hirschbichlpass in Ramsau und weiter in den österreichischen Pinzgau und nach Italien. Was nicht ungefährlich war: Muren und Steinschlag machten die Strecke im Sommer zum Abenteuer, und im Winter waren es die Lawinen, die Mensch und Tier bedrohten.

Wenn das Salz auch die ehemalige Fürstpropstei Berchtesgaden unabhängig und sogar reich machte, die bäuerliche Bevölkerung im Berchtesgadener Talkessel blieb arm. Die steilen Berghänge waren mühevoll zu bewirtschaften. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Die Flächen im Tal reichten für die Viehhaltung nicht aus, deswegen trieb man die Tiere im Sommer auf die Almen. Die Bergbauernhöfe waren Lehen, Land und Äcker gehörten meist der Kirche. Im Berchtesgadener Tal liehen sich die Bauern Grund von den Stifts- und Fürstpröpsten. Im Gegenzug verpflichteten sie sich zu Dienst und Gehorsam – und gaben einen Großteil ihrer Ernte ab. Während die Lehen im Lauf der Zeit von den Bauern als Eigentum erworben wurden, sind die Almflächen bis heute staatliches Eigentum.

DIE BERCHTESGADENER WAR

Vor allem im Winter, der arbeits- und brotlosen Zeit, waren die Bauern auf zusätzlichen Erwerb angewiesen. Das reichlich vorhandene Holz bot sich als billiges Arbeitsmaterial an, und die Berchtesgadener stießen eher zufällig auf eine Marktlücke: Aus der Gelegenheitsproduktion der »Berchtesgadener War« wurde ein florierendes Gewerbe mit mehreren Handwerkszweigen. Die Bauern fertigten bunt bemalte Spanschachteln, Grobschnitzereien, Flöten, Heiligen- und Krippenfiguren, Löffel, Geschirr und Truhen und einfaches hölzernes Spielzeug. Diese Figuren zieren bis heute jeden typischen Berchtesgadener Christbaum. Am bekanntesten ist das »Arschpfeifenrösserl«, ein Reiter auf einem Pferd, bei dem der Schweif eine Pfeife ist.

Die Herstellung der Berchtesgadener War war streng in Zünften geregelt. Das Recht wurde vom Vater auf den Sohn übertragen oder auf einen Gesellen oder durch Heirat einer Meisterwitwe oder Meistertochter. 1695 zählte allein die Zunft der Schachtelmacher 150 Meister, 62 Gesellen und 17 Lehrlinge. Bald jeder vierte Einwohner der Fürstpropstei übte irgendein Holzhandwerk aus.


Aussichtspunkt Jennergipfel: ein beeindruckender Blick auf den Watzmann, den Königssee und St. Bartholomä.


Seit jeher bewirtschaften Bergbauern den Berchtesgadener Talkessel.

»In die Berg’!«
Als der Tourismus nach Berchtesgaden kam

»König Watzmann« wird er genannt, wegen der Sage. Aber es waren tatsächlich Könige, die sich an des Berges Fuß tummelten und den Tourismus nach Berchtesgaden brachten.

Im bayerischen Königshaus liebte man Berchtesgaden, gab sich in der Sommerresidenz und bei diversen Hofjagden ein munteres Stelldichein. Allen voran König Ludwig I. hielt sich gern im Jagdrevier am Königssee auf. Auch sein Sohn, König Max II., fühlte sich in Berchtesgaden pudelwohl. Mit ihm kamen Künstler, Industrielle, Schriftsteller wie Ludwig Ganghofer und Gelehrte wie Sigmund Freud.

Bayerns Märchenkönig Ludwig II. begleitete seinen Vater häufig, und seine Mutter, Königin Marie, erklomm 1854 gar das Watzmann-Hocheck. Sie war eine leidenschaftliche Bergsteigerin. Ludwig II., der nicht nur für sein Leben gern Schlösser baute, lagen auch Kulturdenkmäler am Herzen. Als der nach der Säkularisierung stark in Mitleidenschaft gezogenen Kapelle in St. Bartholomä am Königssee der Abbruch drohte, stellte er Mittel für die notwendigen Reparaturen zur Verfügung. Ihm ist der Erhalt der Wallfahrtskirche zu verdanken.

Mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz 1888 entwickelte sich der Tourismus in Berchtesgaden und in den umliegenden Gemeinden neben dem Salzabbau und dem Holzhandwerk immer mehr zum wichtigen Standbein. Es wurde der erste örtliche Verschönerungsverein – ein Vorgänger der Fremdenverkehrsvereine – ins Leben gerufen, die Alpenvereinssektion Berchtesgaden gegründet und die Bergwelt mit befestigten Wegen für den Alpinismus erschlossen. Alpenreisen waren schwer in Mode, jeder wollte ins Gebirge.

Pioniere des Watzmanns
Legenden der Berchtesgadener Berge


Sitz der Götter oder Fluch? Lange Zeit war den Menschen die Bergwelt nicht geheuer, auch der Watzmann nicht.

Fremd, feindlich, voller Gefahren, so stellte man sich bis weit ins 18. Jahrhundert die Bergwelt vor. Antike Religionen vermuteten hoch oben auf den Gipfeln den Sitz ihrer Götter.

Das Christentum übertrug die Motive von Schuld und Bestrafung auf die Berge, und so wurden ganze Almen von Gletschern deswegen begraben, weil die Sennerinnen Lebensmittel verschwendet hatten. Oder grausame Könige wie der Watzmann samt Familie versteinert. Erst Aufklärung und Romantik brachten ein neues Naturverständnis. Jetzt zog es die Menschen regelrecht ins Gebirge. Zunächst vor allem für wissenschaftliche Messungen und naturwissenschaftliche Beobachtungen. Um 1850 herum folgte dann die Generation, die das Bergsteigen um seiner selbst willen betrieben.

SPONTANE ERSTBESTEIGUNG

Auch den Erstbesteiger des Watzmanns trieb es für Studien in die Höhe. Valentin Stanič, Theologe, Philosoph und Kaplan am Salzburger Stift Nonnberg, lernte während seines Salzburg-Aufenthalts die Berge lieben. Gern bot er sich als physikalischer Gehilfe für Lagebestimmungen von Gipfeln oder für barometrische Höhenmessungen an. Wenige Tage nachdem Stanič 1800 auf dem Großglockner gestanden hatte, soll er als Erster den höchsten Punkt des Watzmanns, die Mittelspitze, erklettert haben. Der Slowene war mit einer Gruppe auf dem Hocheck, zu dieser Zeit ein bekannter Wallfahrtsort. Ein Marienbild mit Opferstock stand neben dem Kreuz. Spontan setzte Stanič, mit seinen Messinstrumenten beladen, den gefährlichen Weg fort, kraxelte hinunter und hinauf und über steile ausgesetzte Felsstufen hinüber zu Mittelspitze. Eine Gedenktafel an der Südseite des Watzmannhauses würdigt die Erstbesteigung Staničs.


Winzig klein in einem Meer aus Fels und Stein: das Watzmannhaus.

Während in den Schweizer und den französischen Alpen der Leistungsalpinismus zu dieser Zeit immer populärer wurde, blieb es im Berchtesgadener Land die nächsten 100 Jahre noch ziemlich ruhig. Nur vereinzelt brachen Pioniere auf, so wie Peter Carl Thurwieser, Müllerssohn und Geistlicher. Er erstieg 1832, vom Wimbachtal kommend, die Südspitze des Watzmanns, die damals nach dem alten Weideplatz des unteren Schönfelds auch als Schönfeldspitze bezeichnet wurde. Der Thurwiesersche Weg über die Südwestflanke stellt bis heute die schnellste Abstiegsmöglichkeit nach einer Ostwand-Durchsteigung oder der Watzmann-Überschreitung dar.


Über die Südwestflanke des Südgipfels führt der Abstieg ins Wimbachtal.


Bergsteiger auf dem Watzmanngrat vom Hocheck Richtung Südspitze.


Sonnenaufgang am Hocheck, dem niedrigsten der drei Watzmanngipfel.

KÖNIGE DER OSTWAND

Johann Grill, jene Bergsteigerlegende aus der Ramsau bei Berchtesgaden, stand 1852 gemeinsam mit Johann Punz als Erster auf dem Kleinen Watzmann, und 1868 gelang dem Duo die Überschreitung der drei Watzmann-Gipfel Hocheck, Mittelspitze und Südspitze. Die Erstbesteigung der Watzmann-Ostwand sicherte sich ebenfalls Johann Grill im Jahr 1881. Später war er bis zum Jahr 1905 der erste Hüttenwirt des Watzmannhauses. Es liegt nördlich unterhalb des Hochecks und ist ein wichtiger Stützpunkt für die Überschreitung des Gebirgsstocks.

So oft wie kein anderer durchstieg der Bergführer Heinz Zembsch die 1800 Meter hohe Watzmann-Ostwand: 410-mal ist er auf verschiedenen Wegen durch das unübersichtliche Felsenlabyrinth geklettert – »Hausmeister« und »König der Ostwand« wird er deshalb auch genannt. Zur wohl größten alpinistischen Leistung am Watzmann gehört die Winterbegehung von Hermann Buhl: Nur neun Stunden brauchte er über den anspruchsvollen Salzburger Weg durch die tiefverschneite Wand. Den Rekord für die schnellste Durchsteigung der Ostwand hält der Reichenhaller Trailrunner Philipp Reiter, und die schnellste Überschreitung sicherte sich der Ramsauer Profiskibergsteiger Anton Palzer.

DER NATIONALPARK BERCHTESGADEN UND DER KÖNIGSSEE


Die Natur sich selbst überlassen, das ist die Intention eines Nationalparks. Der Nationalpark Berchtesgaden besteht seit 1978, Königssee und Watzmann sind seine bekannten Aushängeschilder.


Ablegestelle der Königsseeschifffahrt an der nördlichen Seelände.

Herzstück des Nationalparks Berchtesgaden
Unter Schutz gestellt – Watzmann und Königssee

Watzmann und Königssee bilden das Herzstück des 1978 gegründeten Nationalparks Berchtesgaden, des einzigen in den deutschen Alpen. Natur Natur sein lassen, darum geht es hier. Der Mensch tritt dabei in den Hintergrund.

Der Watzmann ist, wie er immer war: von ursprünglicher Schönheit, wild, unerschlossen. Hinauf kommt nur, wer zu Fuß geht. Es gibt keine Gondeln, keinen Flying Fox, keine gläsernen Aussichtsplattformen. Dass verdankt der Berg engagierten Naturschützern. Bereits 1910 legten sie den rund 8300 Hektar großen »Pflanzenschonbezirk Berchtesgadener Alpen« an, den Vorläufer des heutigen Nationalparks, der sich als ein rettendes Schild gegen hartnäckige Erschließungspläne erweisen sollte. Die wurden zuletzt in den 1960er-Jahren hitzig debattiert: Eine Großkabinenbahn sollte her, mit Talstation bei der Wimbachbrücke in Ramsau, einer Mittelstation bei der Grubenalm und einer Bergstation am Watzmannhaus. Die Argumente der Befürworter glichen denen heutiger Vorhaben: Weil so ein Projekt die Existenz der Einheimischen sichern würde. Weil es dem Wintersport dienlich sei und dem Prestige. Aber Vertreter des Deutschen Alpenvereins und von Naturschutzverbänden gingen dagegen an, schlossen sich zusammen. Ihre Idee war das genaue Gegenteil: einen Nationalpark gründen.

DIE NATUR SICH SELBST ÜBERLASSEN

Sie hatten Erfolg, aber der Weg dorthin war lang und steinig. Am 1. August 1978 schlägt schließlich die Geburtsstunde des Nationalparks Berchtesgaden. Die Ursprünge der Nationalparkidee waren da bereits fast hundert Jahre alt und kamen aus den USA. Als Ersatz für nicht vorhandene Kulturdenkmäler wandte man sich dort den Naturschönheiten zu, und 1872 wurde mit dem Yellowstone-Nationalpark der erste Nationalpark weltweit errichtet. Zunächst diente er nur der Erholung, der Naturschutzgedanke kam später hinzu. Im Lauf des 20. Jahrhunderts haben zahlreiche Staaten die Nationalparkidee übernommen und Schutzziele und Schutzinhalte immer mehr ausgeweitet. Auch die Funktionen Forschung, Bildung, Erholung und Tourismus wurden ergänzt. Um die verschiedenen Bereiche abdecken zu können, gliedern sich Nationalparks meist in unterschiedliche Zonen, die so genannten Kern- und Pflegezonen, in denen keine bis leichte menschliche Eingriffe gestattet sind.


Mit rund 15 Grad Wassertemperatur ist der Königssee selbst im Sommer kühl.

Der Nationalpark Berchtesgaden umfasst 210 Quadratmeter Fläche und betrifft die Gemeinden Schönau am Königssee, Ramsau und Berchtesgaden. Seine prominenten Vertreter Watzmann und Königssee formen auch sein Markenzeichen, nämlich einen Höhengradient von über 2100 Metern – er reicht vom tiefen Grund des Königssees bis hinauf zum Watzmann-Gipfel. Die Landschaftsform des einzigen deutschen Alpennationalparks ist hochgebirgig. Dreiviertel der Gesamtfläche zählen zur Kernzone, wo die Natur vollkommen sich selbst überlassen wird. Wälder dürfen altern, zusammenbrechen und sich von selbst wieder verjüngen. Chaos ist erlaubt, weil es letztlich einen perfekten Kreislauf in Gang hält. Und dieser ist einzig darauf ausgerichtet, das Leben und seine Vielfalt zu bewahren. Selbst dem gefürchteten Borkenkäfer ist es gestattet, Teil des Wiederaufbereitungssystems zu sein.


Still ruht der See, kein Windhauch kräuselt seine Oberfläche.

In der restlichen Pflegezone des Nationalparks Berchtesgaden werden traditionelle Nutzungen wie Almwirtschaft, Schifffahrt und die Fischerei am Königssee betrieben. Gezielte Pflanzungen von Buche und Tanne fördern dort außerdem die Entwicklung hin zu naturnahen Bergmischwäldern und weg von Fichtenwäldern, einem Erbe der Salzgewinnung aus dem 18. Jahrhundert. Damals wurden Unmengen von Holz benötigt und die gerodeten Wälder mit der schnell wachsenden Fichte wieder aufgeforstet.


Im kristallklaren Königssee spiegeln sich die Berghänge des östlichen Hagengebirges gestochen scharf. Die tiefste Stelle des Sees misst rund 190 Meter.


»Die Frage der Zukunft: Wie lassen sich Naturschutz und Erholung weiterhin miteinander vereinbaren?«

»Christlieger« heißt die einzige Insel im Königssee.


Umgeben von zähem Nebel: Bootshütten, Jagdschloss und die roten Zwiebeltürme der Wallfahrtskirche auf St. Bartholomä.

WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?

Die Gründung des Nationalparks Berchtesgaden beendete 1978 endgültig und für immer sämtliche Erschließungspläne rund um den Watzmann. Ihm blieb somit erspart, was andere Berge erdulden müssen: rigorose Eingriffe in die Natur wie monströse Bergbahnen, die Touristen hinauf zum Gipfel karren, scharenweise. Aber so sehr der Nationalpark auch bei Naturschützern und Teilen der Politik willkommen war, die lokale Bevölkerung lehnte ihn zunächst ab. Denn auf erheblichen Flächen sollte wieder ursprüngliche Naturlandschaft entstehen. Wobei es in den Alpen, wo sich durch jahrhundertelange Nutzung Natur- und Kulturlandschaften miteinander verzahnt haben, schwer ist, überhaupt noch festzustellen, was der »natürliche Zustand« eigentlich ist. Berg- und Almbauern waren also alarmiert, und Wanderer und Berggeher fürchteten Einschränkungen und gesperrte Natur. Regelmäßig kam es zu Auseinandersetzungen, Streit, Debatten.

Doch über vierzig Jahre nach seiner Gründung sind die Erfolge des Nationalparks Berchtesgaden unumstritten. Der Bergmischwald hat sich seinen Lebensraum tatsächlich zurückerobert – Bergahorn dominiert, dazu Birke, Vogelbeere, Linde, Esche und Buche. Die Anzahl junger Tannen hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht, und der Nationalpark ist mittlerweile einer der größten Arbeitgeber in der Region. Heute unterstützen die Einheimischen den Parkgedanken vollständig, und auch für Gäste ist er von großer Anziehungskraft: Über eineinhalb Millionen Menschen besuchen das Schutzgebiet Jahr für Jahr. Das stellt die Nationalparkverwaltung vor ganz neue Herausforderungen – die Frage der Zukunft lautet also: Wie lassen sich Naturschutz und Erholung weiterhin miteinander vereinbaren?


Hinter St. Bartholomä erhebt sich die Watzmann-Ostwand. Mit rund 1800 Metern zählt sie zu den höchsten und gefährlichsten Wänden der Ostalpen.

ALLES IM FLUSS

Die Natur sich selbst zu überlassen, das macht einen Nationalpark aus. Der älteste Baum im Nationalpark Berchtesgaden, eine Zirbe, hat bereits eine Lebensdauer von 800 Jahren. Auch die älteste Lärche hat schon 630 Jahre auf dem Buckel, die älteste Fichte 520. Es gibt 33 bestoßene Almen in der Pflegezone und 70 aufgelassene Almen im gesamten Park.

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der zweitälteste Nationalpark Deutschlands, Grundbesitzer ist der Freistaat Bayern. Das Nationalparkzentrum, das »Haus der Berge«, befindet sich in Berchtesgaden, und weitere Informationsstellen gibt es am Hintersee, in St. Bartholomä, in Engert, auf der Kühroint und bei der Wimbachbrücke.

Das Nationalparkgebiet ist über drei Haupttäler erreichbar: über das Klausbach- und das Wimbachtal und über den Königssee. Wie ein Fjord zieht dieser sich durch die Landschaft, eingerahmt von steilen Bergflanken, die fast senkrecht zum Ufer abfallen. Der Königssee ist ein Relikt der Eiszeit, riesige Gletscher haben hier ganze Arbeit geleistet und auf einer Länge von knapp 7,2 Kilometern ein Seebecken hinterlassen. 190 Meter misst es an seiner tiefsten Stelle.

Einen Fußweg um den See herum gibt es nicht, auch nicht zur Halbinsel St. Bartholomä, hinter der sich die mächtige Watzmann-Ostwand so imposant erhebt. Die barocke Wallfahrtskirche mit ihren weinroten Zwiebeltürmen ist dem heiligen Bartholomäus gewidmeten. Gleich daneben steht das ehemalige königliche Jagdschloss, heute eine Gaststätte. Wer hierher will, nimmt das Boot, wie anno dazumal.


Die Bootswerft am Königssee.


Frühmorgens ist es an den Anlegestellen am ruhigsten. Später drängen sich hier Ausflügler, Wanderer, Bergsteiger, um über den See zu setzen.


Der Königsee – hier vom Malerwinkel aus gesehen – ist ein Relikt der Eiszeit, riesige Gletscher haben hier ganze Arbeit geleistet.


Auf dem Königssee verkehren umweltfreundliche Elektroboote. Auf jeder Hinfahrt wird ein Stopp an der Echowand gemacht, Flügelhornblasen inklusive.


Nach circa 35 Minuten Fahrtzeit erreicht man St. Bartholomä.

Als Berchtesgaden 1810 zum Königreich Bayern kam, wurde das Gebiet rund um den Königssee zur Spielwiese für die königliche Hofjagd und die Sommerresidenz in St. Bartholomä als Jagdsitz genutzt. Die fünf Kilometer dorthin mussten mit Ruderbooten, den sogenannten Landauern (Flachbooten), zurückgelegt werden. Sie waren das einzige Verkehrsmittel. Die Königsseeschiffer ruderten und ruderten und schlossen sich sogar zu einer eigenen Zunft zusammen. Der Berufsstand war sehr angesehen. Als durch die Eisenbahnverbindung Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr Gäste an den Königssee kamen, wurden auf Geheiß von Prinzregent Luitpold 1909 die ersten vier Elektroboote sowie zwei mit Petroleum befeuerte Dampfmaschinenboote bestellt. Elektroboote deshalb, weil sie keinen Lärm machen und das Wild nicht verscheuchen – heute verkehren auf dem Königssee immer noch ausschließlich Elektroboote, und dies nicht mehr wegen der Jagd und weil sie fast geräuschlos dahingleiten, sondern der Umwelt zuliebe. So schreibt es auch der Nationalpark Berchtesgaden vor.


Mystische nächtliche Stimmung auf St. Bartholomä. Bayerns Märchenkönig Ludwig II. sorgte einst dafür, dass die barocke Wallfahrtskirche nicht verfiel.


Einen direkten Uferweg um den Königssee gibt es nicht. Wer zu Fuß nach St. Bartholomä will, wer ausdauernd und schwindelfrei ist, wählt den steilen Rinnkendlsteig – und genießt an der Archenkanzel diesen Ausblick.


ÜBER’N SEE

Die Elektroboote der Königssee-Schifffahrt legen an der nördlichen Seelände ab. Es geht vorbei an der ältesten Kunsteisbahn der Welt und an der kleinen und einzigen Insel im Königssee, dem Christlieger mit dem Heiligen Nepomuk, dem Schutzpatron der Schifffahrer. Am Falkensteiner Eck macht der See eine leichte Rechtskurve. Ein rotes Kreuz am Felsen erinnert an ein Schiffsunglück von 1688, als bei einem plötzlich aufziehenden Gewittersturm ein Floß kenterte. 71 Pilger ertranken im See, sie kehrten von der Almer Wallfahrt über das Steinerne Meer nicht mehr zurück.

Erst nach dem Falkensteiner Eck breitet sich der Königssee in seiner ganzen Pracht aus. Es ist derselbe Anblick wie vom Aussichtspunkt Malerwinkel. Pflicht auf jeder Bootsfahrt: der Stopp an der Echowand. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt bis St. Bartholomä, und weitere 20 Minuten sind es bis zur Endstation Salet. Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man dort den Obersee mit dem Röthbach-Wasserfall, dem höchsten in Deutschland.

Nur in sehr kalten Wintern friert der Königssee zu. Das letzte Mal war das im Januar und Februar 2006 der Fall: Eine bis zu 40 Zentimeter dicke Eisschicht trug Spaziergänger und Langläufer. In normalen Sommern beträgt die Wassertemperatur an der Oberfläche rund 15 °C.

Am Königssee gibt es seit jeher nur einen einzigen Fischer. Das Fischerhäuschen steht auf der Insel St. Bartholomä, die Räucherkammer ist über 400 Jahre alt. Eine besondere Delikatesse sind die Schwarzreiter, kleine und über glimmendem Buchenholz geräucherte Saiblinge.


Nur wenige Gehminuten von der Anlegestelle Salet entfernt liegt der zauberhafte Obersee. Steil abfallende Felswände schließen ihn schützend ein.

Türkisfarbenes Juwel – der Obersee
Idyllischer Winkel hinter dem »großen Bruder«


Auf dem Röth-Steig ist man ganz nah dran am Röthbachfall, dem höchsten Wasserfall in Deutschland.

Steil aufragende, 1000 Meter hohe Felswände, die sich auf der glatten, vollkommen ruhigen Wasseroberfläche spiegeln. Vom Grund des Sees schimmert es in Türkis- und Blautönen, glasklar ist das Wasser.

St. Bartholomä mag der bekannteste Bootsstopp am Königssee sein, abgeschiedener, verwunschener, romantischer ist der Obersee. Er speist über einen 600 Meter langen Wildbach, den Saletbach, den Königssee. Von der Endstation Salet spaziert man in rund zehn Minuten dorthin. Der flache Weg führt über den bizarren Moränenwall eines gewaltigen Felssturzes aus dem Jahr 1172. Er ist von üppigen Bäumen überwuchert und trennt Königs- und Obersee. Ob beide Seen davor tatsächlich einmal miteinander verbunden waren, weiß man nicht sicher. Aber allem Anschein nach wurde der Obersee durch eine späteiszeitliche Endmoräne vom Königssee abgetrennt.

Da in den Wintermonaten kein einziger Sonnenstrahl die Seeoberfläche erreicht, friert der Obersee im Gegensatz zum Königssee jedes Jahr vollständig zu. Seine maximale Tiefe beträgt 51 Meter. An seinen Längsseiten ragen die Felswände rund 1000 Meter in die Höhe, während am südlichen Ufer das Gelände sanft ansteigt.

SAIBLINGE, KÜHE UND EIN WASSERFALL

Seit Gründung des Nationalparks Berchtesgaden im Jahr 1978 darf am Obersee nicht mehr gefischt werden. So finden sich heute in seinem Wasser zahlreiche Fischarten, darunter vor allem der Seesaibling und die Seeforelle. Auch Bootsverkehr und Forstwirtschaft sind nicht gestattet, einzig die Kühe der Fischunkelalm dürfen Landschaftspflege betreiben und sich die feinen Kräuter der Bergwiesen schmecken lassen. Die Alm ist über 500 Jahre alt, steht unter Denkmalschutz und liegt auf einer Höhe von 600 Metern am Südufer des Obersees. Sie ist über einen schmalen und an einer Stelle durch ein Geländer gesicherten Weg am Westufer erreichbar. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober wird die Fischunkelalm bewirtschaftet. Allerdings gibt es keinen Gastraum, sondern nur Bänke im Freien.

Hinter der Hütte steigt das Gelände sanft an, und durch ein Waldstück und über eine Geländestufe erreicht man den Fischunkel-Talschluss. Hier stürzt über die Röthwand Deutschlands höchster Wasserfall auf den Almboden herab, der Röthbachfall. Seine Fallhöhe: 470 Meter. Durch die Röthwand führt auch der Röthsteig, der kürzeste Aufstieg zur Wasseralm; diese nutzen Bergsteiger gern als Stützpunkt für eine Tour auf die Teufelshörner oder für Wanderungen im Steinernen Meer. Seine versteckte Lage im Nationalpark Berchtesgaden und die etwas beschwerlichere Erreichbarkeit haben den Röthbachfall trotz seiner Rekordhöhe von einer weitergehenden touristischen Erschließung verschont. So ist er ein beeindruckendes Naturschauspiel geblieben.


Über 470 Meter und zwei Hauptstufen donnern die Wassermassen des Röthbachfalls im Süden des Obersees in die Tiefe.


Die unter Denkmalschutz stehende Fischunkelalm ist im Sommer bewirtschaftet und ein beliebtes Ausflugsziel. Sie liegt auf einem Schuttkegel am Südostufer.


Pure Idylle: Am geschützten Obersee sind Schifffahrt und Fischen strengstens verboten.


Das wohl populärste Fotomotiv am Obersee ist diese kleine Hütte mit Steg.


Almsommer auf der Kührointalm, von hier hat man den Watzmann fest im Blick.

Die Weite der Kührointalm
Wanderziel mit Blick zum Watzmanngrat


Die Kührointalm, eine weite, gewellte und nach Nordosten hin geöffnete Almlichtung, liegt am Fuß des Kleinen Watzmanns. Von hier aus lässt sich der gesamte Watzmanngrat in Augenschein nehmen. Wohl auch deswegen ist die Alm ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.

Sowohl von der Wimbachbrücke in Ramsau als auch von Hammerstiel in Schönau am Königssee führen breite Wanderwege auf die Alm. Oft wird die Tour auch mit der Ersteigung des Grünsteingipfels kombiniert. Der Weiterweg über den anspruchsvollen Falzsteig hinauf zum Watzmannhaus und weiter zum Hocheck lockt vor allem konditionsstarke Bergsteiger.

Der Name Kühroint kommt von »Roint«, was so viel wie »entwaldete Fläche« bedeutet, also eine für Viehhaltung kultivierte Almweide. Wie alle Berge in Bayern sind auch die Berchtesgadener Alpen seit Jahrhunderten geprägt von der Viehnutzung der Bergbauern. Bis heute werden viele der Almhütten, auch Kaser genannt, jährlich während des Almsommers bewirtschaftet.


Auf der Alm fressen die Kühe nur bestes Gras und Bergkräuter. Zum Melken kommen sie in den Stall. Jedes Tier kennt seinen Platz. Aus der Milch wird feinster Käse hergestellt.

VON SCHUTZPATRONEN UND WILDEN STEIGEN

Auf der Kührointalm stehen zwei Kaser, eine bewirtschaftete Berghütte mit Übernachtungsmöglichkeit, eine Infostelle des Nationalparks Berchtesgaden, die Bergopfer-Gedenkkapelle St. Bernhard, eine Selbstversorgerhütte der DAV-Sektion Berchtesgaden sowie das Bundesleistungszentrum Kührointhaus.

Die kleine Bergopfer-Gedenkkapelle wurde in den 1990er-Jahren errichtet und dem heiligen Bernhard von Menthon geweiht, dem Schutzpatron der Alpenbewohner und Bergsteiger. In dem Gotteshaus wird den über tausend bekannten Wanderern und Bergsteigern gedacht, die in den Berchtesgadener Alpen ums Leben kamen. Die Namen der Bergopfer sind mit Ort und Datum ihres Absturzes auf Messingtafeln aufgelistet. Die Liste reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, zu den Ursprüngen des Alpinismus, und eine gesonderte Tafel ist einzig den Opfern der Watzmann-Ostwand gewidmet. Die Heiligenskulpturen in der Kapelle wurden allesamt in der Holzschnitzschule Berchtesgaden hergestellt.

Von der Kührointalm (1420 m) ist es nicht weit bis zur Archenkanzel (1346 m), einem Aussichtspunkt, der steil und erhaben oberhalb des Königssees liegt. Der Blick auf die 750 Meter tiefer gelegene Halbinsel St. Bartholomä mit der Wallfahrtskirche und auf Zweidrittel des gesamten Königssees, ist fantastisch. Hinab zum See führt der anspruchsvolle Rinnkendlsteig, vorbei an den nordöstlichen Ausläufern des Watzmanns. Für geübte Geher ist der stellenweise mit Holzstufen und Drahtseilen gesicherte Abstieg nicht schwierig. Allerdings geben weder Baum noch Strauch den Augen einen Halt beim Tiefblick zum smaragdgrünen Wasser des Königssees. Man sollte also unbedingt schwindelfrei sein.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
09 kasım 2024
Hacim:
235 s. 210 illüstrasyon
ISBN:
9783734321924
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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