Kitabı oku: «Maria Theresia»
Maria Theresia
Mythos & Wahrheit

Die Initialen Maria Theresias am Eingangstor zum Tiergarten Schönbrunn.
Foto: Gerhard Trumler.
Maria Theresia, porträtiert von Jean-Étienne Liotard.
Katrin Unterreiner
Maria Theresia
Mythos & Wahrheit


Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia mit dem 1741 geborenen Sohn Joseph in ungarischer Tracht. Gemälde von unbekanntem Künstler.
Inhalt
Cover
Titel
Einleitung
Pragmatische Sanktion für Maria Theresia?
Liebesheirat mit Franz Stephan von Lothringen?
Gut vorbereitet auf den Thron?
Kaiserin oder doch nicht?
Franz Stephan – träger Lebemann oder cleverer Manager?
Feierte gerne?
Frönte dem Glücksspiel?
Von Mozart geküsst?
Sprach Wienerisch?
Begeisterte und liebevolle Mutter?
Erzog ihre 16 Kinder selbst?
Verheiratete ihre Kinder aus rein politischen Gründen?
Liebte alle Kinder gleich?
Kontrollsüchtig?
Distanziertes Verhältnis zu Joseph II.?
Marie Antoinette – ihr Sorgenkind?
Reformerin oder Traditionalistin?
Empfing Juden nur hinter einem Paravent?
Friedenskaiserin oder kriegslüstern?
Mit Friedrich von Preußen verfeindet?
Glückliche Ehe mit Franz Stephan?
Bigott und eifersüchtig?
Altersdepressiv?
Starb an „Wassersucht“?
Anhang
Anmerkungen
Quellen und Literatur
Bildnachweis
Impressum

Das Zentrum des Reiches: Schloss Schönbrunn. Gemälde von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, um 1759.
Einleitung
War Maria Theresia wirklich eine liebevolle und sich aufopfernde Mutter, die neben den Regierungsgeschäften ihre 16 Kinder selbst erzog, oder eine kühl berechnende Monarchin, die ihre Kinder aus politischen Gründen verschacherte? Hatte sie Lieblingskinder, die sie bevorzugte? Stimmt es, dass sie vor lauter Eifersucht auf ihren ständig fremdgehenden Mann die Keuschheitskommission einführte, oder war es doch eine glückliche Ehe? Verdanken wir die großen berühmten Reformen wie die allgemeine Schulpflicht, die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Abschaffung der Folter wirklich der großen Monarchin? War sie tatsächlich so korpulent, dass sie sich Aufzugsmaschinen bauen ließ, da sie keine Treppen mehr steigen konnte, und wie war nun wirklich ihr Verhältnis zu ihrem großen politischen Gegenspieler König Friedrich II. von Preußen?
Diese Fragen wurden mir nicht nur während meiner Tätigkeit als Fremdenführerin in Wien, sondern auch später als wissenschaftliche Leiterin der Schloss Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH immer wieder gestellt. Um die gängigsten Klischees und Legenden rund um die Habsburger der historischen Realität gegenüberzustellen, hatte ich vor ein paar Jahren die Idee zum Buch Die Habsburger – Mythos und Wahrheit, dessen großer Erfolg mich inspirierte, anlässlich des 200. Geburtstages Kaiserin Maria Theresias einen neuen Band zu schreiben. In diesem Buch drehen sich die Fragen ausschließlich rund um die populäre Habsburgerin und ihre große Familie, die schon zu ihren Lebzeiten für viel Aufregung, Verwirrung und zahlreiche Anekdoten sorgten. Um dem historischen Kern der vielen Legenden auf die Spur zu kommen bzw. um sie als populäre Erfindungen zu entlarven, sind die historischen Quellen nötig: Briefe, Tagebücher, Denkschriften und Memoiren vertrauter Zeitgenossen. Zu den spannendsten Quellen zählen neben dem regen Schriftverkehr Maria Theresias mit ihren Kindern und Vertrauten bis heute die Tagebücher ihres Obersthofmeisters Fürst Khevenhüller sowie Berichte der nach Wien gesandten Botschafter. Am ergiebigsten sind jene des Grafen Podewils, der detaillierte Berichte an Friedrich verfasste und dabei auch auf alle schon damals verbreiteten Gerüchte einging – auch wenn seine Einschätzung nicht immer den Tatsachen entsprach, da es dem Wiener Hof in vielen Fragen geschickt gelang, den preußischen „Spion“ zu täuschen und in die Irre zu führen. Aber auch die zahlreichen noch erhaltenen Briefe von und an die Kaiserin – vor allem an enge Vertraute wie Rosalia „Salerl“ Edling, Sophie Enzenberg und Maria Antonia von Sachsen – erlauben einen unmittelbaren Einblick in ihre Gedankenwelt, ihre Sorgen und Alltagsprobleme. Ein besonderes Vergnügen stellen die Briefe ihres Mannes Franz Stephan dar, die in lautmalerischem Französisch geschrieben sind und damit für äußerst unterhaltsame Stunden im Staatsarchiv sorgten. An dieser Stelle möchte ich mich ein weiteres Mal ganz herzlich beim Team des Haus-, Hof- und Staatsarchivs bedanken, das mir stets hilfreich zur Seite stand – allen voran bei Direktor Thomas Just, der mir wieder wertvolle Tipps und Hinweise für meine Recherchen gab und entscheidend dazu beigetragen hat, dass ich auch neue, bislang unbeachtete Quellen sichten konnte.

Der Vater: Kaiser Karl VI. Porträt nach einem Stich von Christoph Weigel.
Pragmatische Sanktion für Maria Theresia?
Karl VI. stand vor einem Dilemma. Der überraschende frühe Tod seines älteren Bruders Joseph I. im Jahre 1711, der bei seinem Tod „nur“ zwei Töchter hinterließ, hatte ihm vor Augen geführt, dass die Erbfolge schnell auf eine andere Linie wechseln konnte. Er selbst hatte bei seiner Thronbesteigung noch keine Kinder und mit der Rückkehr seiner Gemahlin Elisabeth Christine aus Spanien nach Wien – die in der Hoffnung, Spanien für die Habsburger retten zu können, als Statthalterin ihres Mannes bis 1713 in Barcelona zurückgeblieben war – hatten sich Rangstreitigkeiten mit der Witwe Josephs sowie deren Töchtern ergeben. Denn seine Nichten ließen langsam, aber sicher Erbansprüche für sich und ihre Nachkommen anklingen – war doch die Ehe des Kaisers bis dahin nach wie vor kinderlos geblieben. Karl sah sich daher gezwungen, die Erbfolge der gegebenen Situation anzupassen, und erließ vor diesem Hintergrund 1713 die sogenannte Pragmatische Sanktion, in der die Erbfolge in allen habsburgischen Ländern erstmals einheitlich geregelt wurde. Zwei Punkte waren dabei entscheidend: Der habsburgische Besitz wurde als unteilbar und untrennbar erklärt, womit eine Erbteilung verhindert werden sollte, und die Erbfolge wurde zwar nach dem Gesetz der Primogenitur in männlicher Linie, bei Aussterben im Mannesstamm jedoch auch in weiblicher Linie bestimmt. Damit wurde nicht nur die weibliche Erbfolge möglich, sondern auch insofern umgekehrt, als Karls potentielle Töchter vor jenen seines älteren Bruders erbberechtigt waren und die Töchter Josephs I. ausschließlich im Fall einer gänzlich kinderlosen Ehe Karls das Erbe antreten können sollten. Da Karl bei der Bekanntmachung der Pragmatischen Sanktion gerade einmal 28 Jahre alt war, war allerdings noch mit zahlreichen Kindern und damit Erben zu rechnen – dass die weibliche Erbfolge tatsächlich einmal zum Tragen kommen sollte, erwartete der junge Kaiser damals wahrscheinlich nicht wirklich. Erst als das erste Kind erst 1716 geboren wurde – ein Sohn, der jedoch ein paar Monate nach seiner Geburt verstarb – und danach drei Töchter, Maria Theresia 1717, Maria Anna 1718 und Maria Amalia 1724, folgten und die Kaiserin nicht mehr schwanger wurde, wurde die Situation immer heikler. Die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion durch die europäischen Fürsten wurde für Karl immer wichtiger und der Kaiser begann, seine gesamte Politik darauf zu fokussieren. In seinem verbissenen Bemühen um ihre Sicherung machte er sich allerdings zunehmend erpressbar und war in seiner Politik äußerst eingeschränkt. Den Ratschlag des Prinzen Eugen, seines wichtigsten Feldherrn und Beraters, die Kräfte lieber auf ein schlagkräftiges Heer und finanzielle Reserven zu konzentrieren, schlug er in den Wind und erkaufte sich in mühevollen jahrzehntelangen Verhandlungen die Zustimmung der europäischen Mächte um den Preis zahlreicher territorialer Verzichte. Neapel-Sizilien wurde an Spanien abgetreten, Sardinien erhielt einen Teil der Lombardei, Lothringen ging an Frankreich. Auch handelspolitische Verzichte blieben nicht aus. So erfolgte auf Druck Englands und Frankreichs die Liquidierung der wirtschaftlich erfolgreichen, 1722 gegründeten Ostendischen Kompanie (Ostender Kompanie), die den Kaufleuten und Schiffsbesitzern der Österreichischen Niederlande den uneingeschränkten Handel mit Ostindien zugesichert hatte. Gleichzeitig war er von diesen Machtkämpfen so abgelenkt, dass er eine Modernisierung des Staates, der Verwaltung und innenpolitische Reformen verabsäumte. Prinz Eugen sollte Recht behalten. Die teuer erkauften Anerkennungen der Pragmatischen Sanktion waren 1740 das Papier nicht wert, denn die europäischen Mächte dachten nicht daran, sich an ihre Zusagen zu halten, und sahen ihre große Chance gekommen, das mächtige Habsburgerreich, dessen Schicksal nun in den Händen einer 23-jährigen Frau lag, endlich zu besiegen und unter sich aufzuteilen. Doch mit einem hatten sie nicht gerechnet: mit dem Mut, der Energie, dem guten Auftreten in der Öffentlichkeit und vor allem dem politischen Geschick der jungen Erzherzogin.
Das lange Ringen um die Pragmatische Sanktion: Im „Pactum mutuae successionis“ zwischen den Erzherzögen Joseph und Karl vom 12. September 1703 wurde für den Fall eines Aussterbens der männlichen Nachkommenschaft erstmals auch die Erbfolge der Frauen vorgesehen. (Haus-, Hof- und Staatsarchiv)
Liebesheirat mit Franz Stephan von Lothringen?
Die Heirat war eine glückliche Fügung des Schicksals in einer Zeit, in der Hochzeiten in aristokratischen Kreisen nichts mit Liebe zu tun hatten.
Franz Stephans Vater Herzog Leopold von Lothringen bemühte sich als Sohn der habsburgischen Erzherzogin Eleonora und Karls von Lothringen, der seit der Besetzung Lothringens durch die Franzosen am Wiener Hof im Exil lebte, zeit seines Lebens, die verwandtschaftlichen Verhältnisse zu den Habsburgern zu pflegen. Er selbst war bei seiner Mutter in Innsbruck aufgewachsen und später an den Hof seines Onkels und Paten Kaiser Leopold I. geschickt worden, um sowohl eine höfische Bildung zu erhalten als auch seine „Karrierechancen“ zu verbessern – war doch sein Herzogtum nach wie vor von Frankreich besetzt und seine Zukunft ungewiss. So wuchs er gemeinsam mit seinen Cousins Joseph und Karl – den späteren Kaisern Joseph I. und Karl VI. – auf und festigte damit die familiäre Verbundenheit. 1697 schlug schließlich seine Stunde, als Frankreich nach einigen militärischen Niederlagen Lothringen räumen und Leopold als Herzog von Lothringen anerkennen musste. Er übersiedelte nach Nancy und heiratete eine Nichte Ludwigs XIV., Prinzessin Elisabeth Charlotte von Bourbon-Orléans. Doch das Glück währte nur kurz, mit Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges besetzten die Franzosen erneut Nancy und der Herzog musste sich mit seiner Familie nach Lunéville zurückziehen. Dennoch residierte er feudal in seinem neu errichteten prächtigen Schloss und galt als äußerst kunstsinniger und populärer Herzog. Im Hinblick auf die unsichere und unbefriedigende Situation seines Herzogtums ist es nachvollziehbar, dass er die Allianz mit dem Wiener Hof festigen wollte und daher konsequent seinen Plan verfolgte, seinen ältesten Sohn mit einer Tochter Karls VI. zu vermählen. So erreichte er auch nach einigen Versuchen und Verhandlungen die Zusage Karls VI., seinen Sohn Leopold Clemens an den kaiserlichen Hof einzuladen – offiziell, um ihm eine höfische Bildung zu ermöglichen, insgeheim als potentieller Schwiegersohn. Ersteres unterstützte Karl durchaus, zunächst auch den Plan seines Cousins, seinen Sohn als Ehemann einer seiner Töchter zu etablieren, hoffte er damals doch noch auf die Geburt eines Thronerben. Dennoch war er schon damals zurückhaltend, was seine älteste Tochter Maria Theresia betraf, für die er die de facto besitzlosen und politisch völlig unbedeutenden Herzoge von Lothringen nicht als adäquate Partie erachtete. Der lothringische Erbprinz Leopold Clemens, der auf diese Aufgabe und Chance hin erzogen wurde, wurde daher recht unverbindlich an den Wiener Hof eingeladen. Jedoch ereilte ihn das tragische Schicksal vieler Kinder dieser Zeit: Der 16-jährige Prinz verstarb an den Pocken. So rückte von heute auf morgen der jüngere Sohn Franz nach, der an Stelle des älteren Bruders nach Wien geschickt werden sollte. Um die Gunst des kaiserlichen Verwandten zu erwerben, schickte ihn Leopold zur Krönung Karls zum böhmischen König 1723 nach Prag, wo es zu einem ersten kurzen, aber umso entscheidenderen Zusammentreffen kam. Selbstverständlich bekam er genaueste Verhaltensvorschriften mit auf den Weg. Sein Erzieher, der ihn nicht begleiten konnte, schrieb: „Monseigneur! Ich bin äußerst betrübt, dass ich durch meine Gebrechlichkeit verhindert bin, Ew. Königl. Hoheit folgen zu können, wie ich es von ganzem Herzen wünschte. Die Reise, die Sie jetzt nach Prag tun, halte ich für den wichtigsten Schritt Ihres Lebens. Ew. Königl. Hoheit mögen bedenken, dass es gilt, Ihren Herrn Bruder zu ersetzen, der dort so erwünscht und begehrt war. An Ihnen liegt es, einen guten Gebrauch von den glücklichen Talenten Ihres Geistes und Ihres Körpers zu machen, mit denen der Herr Sie gesegnet hat, um dort die Größe Ihres erlauchten Hauses und die Wünsche und Erwartungen der ganzen Welt zu erfüllen … seien Sie ergeben ohne Affektiertheit, zeigen Sie hohe und große Gesinnung, wie sie Ihnen zustehen, ohne Stolz und Prahlerei; seien Sie edel und ungezwungen, nicht verkrampft in Ihrer Handlungsweise, seien Sie sanft, höflich, leutselig und wohltätig. Die Tugend ist einfach und schlicht, ohne Schminke und ohne Maske. Man täuscht die Öffentlichkeit nur wenige Zeit, und wenn man erkannt ist, wird man leicht verachtet.“1 Weiters riet er dem 14-Jährigen, sich vor Speichelleckern in Acht zu nehmen, sich vor Hofklatsch zu hüten, niemals müßig zu sein, sich vor jeder Art von Spiel zu hüten – und deutsch zu sprechen! Franz, der nun um Verwechslungen innerhalb der Familie zu vermeiden auch seinen zweiten Namen Stephan führte, nahm sich die Ratschläge offenbar zu Herzen, denn er meisterte die entscheidende Situation mit Charme und Höflichkeit und Kaiser Karl notierte in seinem Tagebuch: „Prinz Lothringen find hibsch, wohl gewachs, manierlich, redt Teutsch“, tags darauf: „Prinz Lothringen lustig“ und einen Tag später: „Prinz Lothringen da, herzig … lustig“2. An Herzog Leopold schrieb er, dass er seinen Sohn „gescheit, manierlich und achtsam“ fände und der Prinz „bei allen Leuten beliebt und admiriert“ sei.3 Die erste Hürde war also geschafft, aber Herzog Leopold legte sicherheitshalber nochmals nach und klagte, dass er um die Integrität seines Sohnes fürchte, der zu Hause auch durch seine französische Mutter einem zu starken Einfluss der Franzosen ausgesetzt wäre: „Da mein Land leider von Frankreich so umringt und abgeschnitten ist, so ist der Einfluss der Franzosen unvermeidlich. Deren Sitten aber sind für meinen Sohn, der doch schon zu seinen Jahren kommt, sehr gefährlich! … Sie sprechen von nichts anderem als von der Größe ihres Königs und mit einer Universalverachtung aller anderen Monarchen und Nationen …“4 Leopolds Engagement zahlte sich aus und Franz Stephan erhielt die heißersehnte Einladung an den Wiener Hof sowie eine vage Zusage zum gewünschten Hochzeitsprojekt, jedoch mit der eindeutigen Auflage, „daß kein Publizität noch Datum gemacht werde“.5

Der 15-jährige Herzog Franz Stephan von Lothringen im Jagdkostüm. Gemälde von Frantz von Lutering, um 1723.

Maria Theresias Mutter: Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Porträt von Johann Gottfried Auerbach.
1724 übersiedelte der Prinz nach Wien und wurde von Karl wie ein Sohn aufgenommen und erzogen. Schon bald wurde er zum ständigen Jagdbegleiter des Kaisers und schaffte es, sich durch seine sanfte, charmante und trotzdem lebenslustige Art beliebt zu machen. Und zwar nicht nur beim Kaiser, sondern mit den Jahren auch bei dessen ältester Tochter Maria Theresia. Denn bei der Ankunft des 15-Jährigen in Wien war Maria Theresia gerade einmal sieben Jahre alt – weshalb er die ersten Jahre bei Hof in erster Linie an einer guten Beziehung zum Kaiser interessiert war. Da es letztendlich jedoch darum ging, eine Tochter des Kaisers zu heiraten, verlor er dieses Ziel sicherlich nie aus den Augen – umso mehr, als die älteste Tochter mit den Jahren zur immer wahrscheinlicheren Nachfolgerin avancierte, da ihre Mutter Elisabeth Christine nach 1724 nicht mehr schwanger wurde. So verhielt sich Franz Stephan ihr gegenüber offenbar äußerst charmant, denn trotz des offenkundigen Plans Leopolds verstanden sich die beiden sehr gut, vielleicht verliebte sich die junge Erzherzogin in diesen Jahren auch schon in den attraktiven lothringischen Prinzen. Doch ihre unbeschwerte Jugend wurde 1729 jäh unterbrochen, als Franz überraschend nach Lunéville zurückkehren musste, da sein Vater bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war und er nun das Erbe antreten musste. In den folgenden Jahren festigte Franz Stephan in seinem Bemühen um sein Herzogtum nicht nur seine Abneigung gegen Frankreich, das Lothringen nach wie vor besetzt hielt, sondern ging, wie es damals für aristokratische junge Männer üblich war, auf Reisen. Diese Tour d’ Europe, die ihn vor allem nach England, Holland und Preußen führte, sollte im Hinblick auf sein späteres Wirken von größter Bedeutung sein. Gleichzeitig bemühte er sich natürlich, den Kontakt zum Wiener Hof aufrechtzuerhalten, und wurde schließlich auch von Karl als Statthalter in Ungarn eingesetzt. Er residierte nun in Pressburg (Bratislava), das nicht weit von Wien entfernt war, und hatte wohl auch intensiven Kontakt zur kaiserlichen Familie – und zu Maria Theresia, die in der Zwischenzeit zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen war. Mittlerweile war klar, dass Karl keinen Thronerben mehr haben würde. Elisabeth Christine war nicht mehr schwanger geworden, war aber auch nicht todkrank, womit auch eine Wiederverheiratung des Kaisers ausgeschlossen war. Daher erhielt die Verliebtheit Maria Theresias neue Brisanz und die junge Erzherzogin begann ihren Vater zu bearbeiten und entschlossen für ihre Liebe zu kämpfen. Gerade in dieser Zeit zeigten sich bereits jene Eigenschaften, die Maria Theresia als junge Monarchin kennzeichnen sollten: ihr Kampfgeist, ihr energischer und eiserner Wille – und ihre Durchsetzungskraft. Denn Karl war ganz und gar nicht angetan von einer Heirat seiner Nachfolgerin mit einem politisch bedeutungs- und machtlosen Herzog, der noch dazu über keinerlei finanzielle Mittel verfügte. Vielmehr fasste er eine Verbindung mit dem spanischen Königshaus ins Auge, auch der portugiesische Kronprinz galt als mögliche Option. Der englische Gesandte Robinson berichtete 1735 über die offenkundig verliebte Erzherzogin: „Wenn sie am Tage über sich auf der Höhe ihrer Seelenstimmung befunden, so seufzt sie des Nachts nach ihrem Herzog von Lothringen. Wenn sie schläft, so träumt sie nur von ihm, wenn sie wacht, so spricht sie mit ihren Hofdamen nur von ihm. Man darf dessen gewiß sein, daß sie niemals auf die Regierung noch auf ihren Gatten verzichten wird. Beide gehören ihr zu und sind für sie geschaffen; niemals würde sie dem verzeihen, der ihr dies Besitztum entrisse.“6
Doch Maria Theresia hatte Glück. Auf Druck der Seemächte musste Karl für die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion im Interesse des europäischen Gleichgewichts auf eine Verbindung mit Spanien verzichten. Nur ein Prinz mit geringer Macht würde gebilligt werden. Plötzlich begann aber nun Franz Stephans Mutter die Angelegenheit zu hintertreiben, da sich gleichzeitig abzeichnete, dass eine Vermählung des Herzogs von Lothringen mit der österreichischen Erzherzogin und Erbin Karls VI. nur akzeptiert würde, wenn er auf sein Herzogtum verzichten würde. Frankreich hatte in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass ein potentieller Kaiser des Heiligen Römischen Reiches für sie unmöglich gleichzeitig Herzog von Lothringen sein könne – eine Konstellation, die sogar Habsburgs Bündnispartner England ablehnte. Um nun endlich sein Ziel zu erreichen und Lothringen endgültig zu gewinnen, stellte Frankreich sogar die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion in Aussicht – sowie schließlich einen Tausch gegen die Toskana. Franz Stephan musste sich also zwischen Maria Theresia bzw. als Gemahl der österreichischen Erzherzogin, künftigen Königin von Ungarn und Böhmen zwischen einer möglichen „Karriere“ als Kaiser und seinem Herzogtum entscheiden. Seine Mutter war empört über seine Tendenz, sich für Maria Theresia zu entscheiden. Sie beschwor ihn – wohl auch in eigenem Interesse –, seine „Heimat“ nicht für die Ehe mit einer Erzherzogin zu „verraten“, die als Frau wahrscheinlich wenige Chancen auf das Erbe ihres Vaters habe, womit auch seine Zukunft mehr als ungewiss wäre. Doch Franz entschied sich für Maria Theresia. Ende des Jahres 1735 unterschrieb er den „Handel“ und hielt am 30. Jänner 1736 bei Karl um ihre Hand an. Im Hinblick auf die damalige Situation war dies ein durchaus riskanter Entschluss, der bedeutete, dass sich Franz Stephan im Unterschied zu seiner Mutter entweder blind auf die Zusagen Frankreichs bzw. die Pragmatische Sanktion verließ, die Aussichten auf die Kaiserwürde zu verlockend waren – oder er sich doch auch in Maria Theresia verliebt hatte.

Eine absolute Liebesheirat: das Hochzeitsmahl. Gemälde von Martin van Meytens, 1736.
Die Quellen geben darüber keinen genauen Aufschluss. Denn während Maria Theresia ihrem „Mäusl“ glühende Liebesbriefe schrieb ,wirken Franz‘ Briefe an seine Braut eher ungelenk – was jedoch sowohl an seinen mangelnden Deutschkenntnissen als auch an dem Umstand liegen mag, dass sie im Rang über ihm stand und er in Briefen trotz allem die Etikette wahren und vor allem seine Ergebenheit demonstrieren wollte. So schrieb er wenige Tage vor ihrer Hochzeit aus Pressburg: „Durchlauchtigste Erzherzogin, engelische Braut, nachdeme mir von Ihro Majestät dem Kaiser die Allerhöchste Erlaubnis ist gegeben worden, Ew. Liebden zu schreiben, so kann ich nicht länger warten, von diesen Gnaden zu profitieren und Ew. Liebden zu versichern, daß mir nichts Harters ankommt, als dieses schriftlich zu tun, und mich selbst zu Dero Füßen zu legen nicht erlaubt seie, wie es E.L. nicht schwer zu glauben sein wird, indem die allerliebste Braut persuadiert (überzeugt) sein wird, daß kein Bräutigam in der Welt mit mehrerer Ergebenheit und Respekt sein kann als Ew. Lbd. meiner engelischen Braut getreuester Diener Franz, Preßburg, d. 8. Febr. 1736.“7 Maria Theresia antwortete überschwänglich: „Caro viso (liebes Gesicht/geliebtes Antlitz)! Ich bin Euch unendlich verbunden für die Aufmerksamkeit, mir von Euch Nachricht zu geben, denn ich war schon in Angst wie eine arme Hündin; liebt mich ein wenig und verzeiht, wenn ich nur kurz antworte, aber es ist 10 Uhr, und Herbeville (der Kurier) wartet auf meinen Brief. Adieu Mäusl, ich umarme Euch von ganzem Herzen, schont Euch recht, adieu caro viso ich bin Eure sponsia dilectissima“ (liebste Braut).8 Adressiert war der Brief an: „Durchleuchtigsten Fürsten Franzisco, Herzogen zu Lothringen, meinen villgelibten Bräutigamb“. Franz antwortete: „In diesem Augenblick erhalte ich Ew. Lbd. (Euer Liebden) gnädiges Schreiben, welches mir in meiner Entfernung nicht von geringen Trost ist, dann ich versichern kann, daß mir die Tage unerträglich seind, wo ich die Freud nicht habe, meiner allerliebsten Braut mich zu Füßen zu legen. Vor welchem mich nicht konsolieren (trösten) könnte, wann nicht beständig darhin gedenkete, daß ich die Gnad haben werde, sonntags bei denen Augustinern einander näher und in Vollkommenheit meines Vergnügens zu sehen.“9

Das Brautpaar. Gemälde von unbekanntem Künstler, um 1736. Der 12. Februar 1736 blieb für Maria Theresia der glücklichste Tag ihres Lebens.
Am 12. Februar 1736 fand die Hochzeit statt und Karoline Pichler, die Tochter der Vorleserin Maria Theresias, fasste die Eheschließung aus ihrer Sicht folgendermaßen zusammen: „Wie ein Mädchen aus den mittleren Ständen, bei denen mehr das Herz als eigennützige Rücksichten die Wahl des Gatten bestimmt und man für sich und nicht für seine Väter liebt, hatte sie den Gemahl gewählt … Weder Landesmacht noch große Vorteile brachte ihr in politischer Hinsicht die Ehe mit dem Prinzen Franz von Lothringen …“10 Für Maria Theresia war es also eine absolute Liebesheirat, wobei ihr die politischen Verhältnisse, die keinen mächtigen Fürsten akzeptiert hätten, entgegengekommen waren. Franz Stephan hatte sich zu einem Zeitpunkt für sie entschieden, zu dem sowohl ihr Erbe als auch seine Zukunft als Kaiser absolut ungewiss waren. Auch wenn es eine politisch motivierte Heirat war, blieb dieser 12. Februar für Maria Theresia der glücklichste Tag ihres Lebens – wie sie viele Jahre später beim Tod ihres geliebten Ehemanns in vielen Briefen schreiben sollte.

Eine selbstbewusste Frau: die junge Herrscherin. Ölgemälde von Martin van Meytens. Wien Museum.
Gut vorbereitet auf den Thron?
Man sollte meinen, dass Karl, der mit den Jahren doch realistisch sehen musste, dass seine Frau zwar keine Kinder mehr bekam, gleichzeitig aber so weit gesund war, dass auch eine neuerliche Ehe und mögliche Söhne immer unwahrscheinlicher wurden, alles unternahm, um seine älteste Tochter Maria Theresia als seine Nachfolgerin und künftige Regentin aufzubauen. Doch weit gefehlt – Karl unternahm rein gar nichts. Maria Theresia lebte das typische Leben einer Prinzessin, deren einzige Aufgabe es einmal sein sollte, zu heiraten und mit höfischen Manieren, angenehmer Konversation, Gesang, Tanz, Reiten und Jagd einem Ehemann eine gute und kurzweilige Gattin zu sein. Keine Rede von politischer Bildung, juristischen und wirtschaftlichen Grundkenntnissen, diplomatischen Gepflogenheiten und Spielregeln. Es ist interessant, dass ausgerechnet Karl, der doch mit der Pragmatischen Sanktion die weibliche Erbfolge einführte, dennoch nichts für ihre dementsprechende Ausbildung unternahm – so als ob er eigentlich nicht damit rechnete, dass seine Tochter ernsthaft seine Nachfolge antreten könnte. So legte er zunächst auch wesentlich mehr Augenmerk auf die Einbindung seines Schwiegersohnes Franz Stephan, den er wie einen Sohn an seinem Hof aufzog und an Staatsgeschäften teilhaben ließ, ja ihn sogar zum Statthalter in Ungarn machte. Kronprinzessin Maria Theresia hatte hingegen keine einzige auch nur annähernd politische Aufgabe, nicht einmal bei öffentlichen repräsentativen Auftritten durfte sie eine besondere Stellung einnehmen, um sie beim Volk bekannt und beliebt zu machen. Es scheint fast so, als ob Karl paradoxerweise seiner eigenen Erbfolgebestimmung misstraut hätte. Aber auch Franz Stephan wurde schließlich nicht wirklich als „Nachfolger“aufgebaut. Als „Franzose“ war und blieb er im Land eher unbeliebt, es zeigte sich zudem, dass er politisch uninteressiert war und diese Rolle gar nicht anstrebte. Somit bleibt unklar, welches Ziel Karl hinsichtlich seiner Nachfolge wirklich verfolgte. Resigniert schrieb er 1739 an Franz Stephan: „Mein großer Trost ist, daß meine Tochter in so guten Händen weiß und sicher bin, daß sie E.L. lieben, und hoffe endlich, sie sich darum allweil mehrers bewerben wird und daß Sie ihr in allen noch ein rechten Vater abgeben werden.“11
Man sollte meinen, dass sich die beinahe demonstrative Passivität und schließlich Resignation des Kaisers bitter rächen sollte und Maria Theresia praktisch chancenlos war, als Karl am 20. Oktober 1740 mit 55 Jahren zwar unvermutet an einer Pilzvergiftung, aber dennoch nicht als junger Mann starb. Der Kaiser hinterließ seiner Tochter weder ein wirtschaftlich blühendes Land noch Geld und schon gar kein gut gerüstetes Heer. Johann Christoph Bartenstein, Protokollführer der Staatskonferenz, zeichnete ein düsteres Bild der Situation: „Der Verlust eines so großen Monarchen wurde durch die Umstände, in welchen sich derselbe ergeben, nicht wenig vergrößert. Zwei schwere und blutige Kriege waren kurz vorher hergegangen (im Westen bzw. in Italien gegen Frankreich und im Osten gegen die Osmanen). Beide sind so unglücklich als möglich geführet worden, in beiden hatte der Staat namhaft eingebüßet (das Königreich Neapel-Sizilien und die Lombardei sowie die Walachei, das nördliche Serbien mit Belgrad und Nordbosnien). Die übriggebliebenen Erbkönigreiche und Länder waren also an Geld und Volk nicht wenig erschöpft, auch von allen Seiten gegen einen eindringenden Feind offen.“12
Maria Theresia bestätigte später auch, wie aussichtslos ihre Situation bei ihrem Regierungsantritt war, da auch im Land niemand so recht an die junge Erzherzogin und Königin glauben wollte: „In diesen Umständen fande ich mich ohne Geld, ohne Credit, ohne Armée, ohne eigene Experienz (Erfahrung) und Wissenschaft und endlich auch ohne allen Rath, weilen ein jeder aus ihnen anforderist sehen und abnehmen wollte, wohin die Sachen sich wenden würden.“13 Am Tag nach Karls Tod fand bereits die erste Sitzung der Geheimen Konferenz unter dem Vorsitz der neuen Königin statt. Der erste Hofkanzler Graf Sinzendorf referierte über die zukünftige Politik und sprach sich in erster Linie dafür aus, die Ruhe aufrechtzuerhalten. Maria Theresia wurde schlagartig klar, dass sie sich nicht auf diese Berater verlassen konnte, die sich an die neue Situation weder anpassen konnten noch wollten, zuerst so taten, als wäre nichts, und danach mutlos resignierend Maria Theresia erst recht im Stich ließen und in ihren Augen völlig nutzlose Vorschläge machten. An den böhmischen Kanzler Philipp Graf Kinsky schrieb sie verärgert: „Was vor (für) Grillen (närrische, schrullige Ideen), warumb solche Gesichter, reden ist notwendig und nicht die arme Königin noch mehr zu decouragieren (entmutigen), sondern ihr helfen und raten. Morgen früh komme er zu mir.“14 Daher sparte sie später auch nicht mit Kritik an ihrem Vater, den sie zwar sehr geliebt, der sie jedoch so völlig unvorbereitet gelassen hatte: „Da sich der unvermuthete betrübliche Todes-Fall meines Herrn Vatters Höchstseeligster Gedächtnis ereignet und vor mich umb so viel mehr schmertzlich ware, weilen nicht allein selben verehret und geliebet als einen Vattern, sondern als wie die mindeste Vasallin als meinen Herrn angesehen und also doppelten Verlust und Schmertzen empfunden und damalhen die zu Beherrschung so weitschichtiger und vertheilter Länder erforderliche Erfahr- und Känntnüss umb so weniger besitzen können, als meinem Herrn Vattern niehmals gefällig ware, mich zur Erledigung weder der auswärtigen noch inneren Geschäfte beyzuziehen noch zu informieren; So sahe mich auf einmal zusammen von Geld, Trouppen und Rat entblößet. Keine Erfahrung in Ansehung derer Räte wohnete mir bey und eben darumben die natürliche Weise damahls gehabte grosse Timiditaet (Ängstlichkeit) und Diffidenz (Mißtrauen), welche gedachte Unerfahrenheit zur Ursach hatte, die Auswahl deren so sehr benöthigten Ratschlägen und Informationen sehr erschwerete.“15

Der Krönungszug Maria Theresias führte vom Platz Am Hof zum Stephansdom. Zeitgenössischer Kupferstich.
Europas Mächte sahen ihre Chance gegen die mächtigen Habsburger gekommen. Preußen marschierte in Schlesien ein und Bayern, das die Pragmatische Sanktion nie anerkannt hatte, schloss sofort mit Preußen, Frankreich und Spanien ein Bündnis gegen Österreich, womit sich Maria Theresia nicht nur mit einem Krieg gegen Preußen um Schlesien, sondern mit einem Krieg gegen Europa um ihr gesamtes Erbe konfrontiert sah. In Ungarn wurde sie zwar zur Königin gekrönt, aber erst dank einer flammenden Rede, in der sie den ungarischen Reichstag um militärische Unterstützung bat, erreichte sie die Stellung eines ungarischen Aufgebots, ohne das sie im Erbfolgekrieg chancenlos gewesen wäre. Dennoch blieb die Situation im Land mehr als prekär und der Ausgang der Kriege und ihr Schicksal waren absolut ungewiss. Als Prag vom bayerischen Kurfürsten Karl I. erobert wurde und sich dieser am 19. Dezember 1741 zum böhmischen König krönen ließ, verloren sogar Maria Theresias Minister die Hoffnung und einige fielen ihr sogar – um ihre privaten Interessen zu schützen – in den Rücken: „Gesamte meine Ministri anstatt Muth Mir zuzusprechen, ließen solchen gänzlich sinken, und liessen nicht undeutlich sich verlautten, als ob sie alles für nicht viel weniger als desperat anseheten, ja es sucheten so gar einige sich zu retirieren (zurückzuziehen) und verlohren sich letztlich so weit, dass einige davon sich nicht gescheuet, die Erlaubnis von mir anzusuchen, dem Curfüsten nach seiner zu Prag vor sich gegangenen Crönung wegen ihrer in Böhmen liegenden Gütern schriftlich zu huldigen. Ich allein, ohne eytlen Ruhm zu melden, ware etwa die jenige, die unter allen diesen Drangsalen den meisten Mut annoch beybehielt …“16
Als Karl kurz darauf sogar als Karl VII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wurde, huldigten ihm zahlreiche österreichische Städte und selbst in Wien schlug die Stimmung in der Bevölkerung zugunsten des neuen Wittelsbacherkaisers um, wie auch folgender Maueranschlag aus Wien belegt:
Vivat!
Der Kaiser ist tot,
Wir bekommen jetzt großes Brot.
Der Lothringer ist uns zu schlecht,
Der Bayer ist uns eben recht.17
Doch Maria Theresia zeigte gerade in dieser beinahe aussichtslosen Situation ihre Stärke. Unermüdlich und mit großem Zorn, als Frau nicht selbst ins Feld ziehen zu können, versuchte sie dafür „wenigstens“ ihre weiblichen Vorteile zu nutzen, um zumindest die Stimmung im Land zu bessern, und startete eine wohldurchdachte PR-Offensive: Sie zeigte sich strahlend schön, charmant und optimistisch in der Öffentlichkeit, pflegte ihr Image als unglückliches Opfer der europäischen Aggressoren, gab sich volksnah und aufgeschlossen, ließ jedermann zur Audienz vor und sorgte mit populären Sofortmaßnahmen für Stimmung. Grundnahrungsmittel wurden verbilligt und die Maßnahmen öffentlichkeitswirksam in den Zeitungen verlautbart: „Brot, Wein und Fleisch ist auf einen billigeren Preis gesetzt worden, welches bei den gegenwärtigen Zeiten starken Eindruck hat. Ferner haben Ihro Majestät den Schluß gefaßt, viel Wildpret fällen zu lassen … Die Klerisei (Kirche) und die weltlichen Herrschaften ist anbefohlen worden, ihre Kornspeicher zu öffnen und den Vorrat um einen billigen Preis abzustehen. Das Brot wird viel größer gebacken … zur Erleichterung des gemeinen Mannes (ist) die königliche Verfügung ergangen, daß das Rindfleisch, welches sonst in den Wintermonaten teurer geworden, um zwei Pfenninge unter dem bisherigen Preis … ausgehauen werden soll.“18 Der preußische Gesandte schilderte ihre Charmeoffensive folgendermaßen: „Bei ihrer Thronbesteigung fand sie das Geheimnis, sich die Liebe und Bewunderung aller Welt zu erringen. Ihr Geschlecht, ihre Schönheit, ihr Unglück trugen nicht wenig dazu bei, daß die Lobeserhebungen, an denen die vom Hofe besoldeten Journalisten nicht sparten, günstig aufgenommen wurden. Sie nahm sich in Acht und zeigte sich nur von der guten Seite, leutselig, fromm, freigebig, wohltätig, volkstümlich, mutig, hochherzig, gewann sie sich bald die Herzen der Untertanen, die sich die Regung der Zuneigung, welche sie anfangs für den verstorbenen Kaiser Karl VII., den ehemaligen Kurfürsten von Bayern, empfunden hatten, als Verbrechen vorwarfen … Sie gab jedem Audienz und las selbst die Bittschriften, kümmerte sich um die Rechtspflege, ließ sich die Regierungsgeschäfte angelegen sein, bedachte den einen mit guten Worten, den anderen mit einem Lächeln oder einer verbindlichen Wendung, machte ihre abschlägigen Antworten erträglich, gab großartige Versprechungen, trug äußerste Frömmigkeit zur Schau … liebte den Prunk, ließ Schauspiele aufführen … und beklagte sich über das Unglück, in das ihre Feinde sie gestürzt hätten, nannte sich untröstlich, wider ihren Willen gezwungen zu sein, ihre Widerwärtigkeiten mit ihren treuen Untertanen teilen zu müssen, versprach, bei Gelegenheit den Eifer eines jeden zu belohnen, versicherte Ungarn, ihre alten Vorrechte wiederherstellen und bestätigen und ihren alten Beschwerden abhelfen zu wollen, trug Geistesstärke zur Schau, bot ihrem Unglück Trotz und versuchte, durch ihren Mut ihren Untertaten solchen einzuflößen.“19
Und tatsächlich: Die Stimmung schlug um, Zuversicht machte sich breit und die junge Königin festigte nicht nur im Land ihre Position, sondern gewann immer mehr Rückhalt und damit finanzielle Unterstützung, die für eine erfolgreiche Verteidigung ihres Reiches unerlässlich war. Podewils schilderte: „Man hörte Lobeserhebungen über diese Fürstin. Jeder erhob sie in die Wolken … Das Volk ertrug die Steuern, ohne zu murren. Die Großen schossen Geld vor, oft ohne darauf zu warten, daß man sie bat. Die Ungarn drängten sich, für sie zu kämpfen. Die Offiziere dienten mit Freuden zum halben Sold, da sie sie überzeugte, es sei nicht ihre Schuld, daß sie ihnen jetzt nicht mehr gebe. Jeder stand ihr voll Eifer bei und beeilte sich, sich für die beste aller Fürstinnen aufzuopfern. Man vergötterte sie. Alle Welt wollte ihr Bild haben. Niemals erschien sie in der Öffentlichkeit, ohne daß das Volk sie umdrängte.“20

Neue Zuversicht machte sich breit: Maria Theresias Ritt auf den Pressburger Krönungshügel. Ölgemälde von Philipp Ferdinand von Hamilton.
Maria Theresia überzeugte aber nicht nur mit Charme, Schönheit und guter Laune. Im Gegenteil, sie imponierte (vor allem auch den Männern) dadurch, dass sie sich selbst nicht schonte und man ihr auf Grund ihrer unprätentiösen Lebensführung, die Stärke und Kraft demonstrierte, diese auch im Handeln und Regieren zutraute. So verschaffte sie sich Respekt und Anerkennung, was gerade am Beginn ihrer Regierung absolut notwendig war, um überhaupt ernst genommen zu werden. Podewils schrieb erstaunt nach Berlin: „Es scheint, als sei sie ärgerlich, als Frau geboren zu sein. Sie nimmt keinerlei Rücksicht auf ihre Schönheit, setzt sich ohne Schonung den Unbilden der Witterung aus, ergeht sich mehrere Stunden in glühender Sonne und bei Kälte, die sie viel besser verträgt als Hitze.“21 Auch ihr Obersthofmeister Fürst Khevenhüller notierte bewundernd in seinem Tagebuch: „Da der liebe Gott sie mit einer für eine Frauenspersohn recht verwunderlichen Leichtigkeit, denen Fatiguen zu widerstehen, begabet hat, womit sie es villen Männern weit bevortut, aber auch eben von darummen auf ihre Gesundheit und gutte Leibes Constitution, was mann auch dargegen zu ihren eigenen Besten vorstellet, gar zu vill bauet und trauet …“22

Der Kampf um das Erbe: die Belagerung Prags durch die Österreicher unter dem Oberbefehl Franz Stephans. Gemälde von A. Querfurt, 1742.
Doch noch hing ihre Stellung am seidenen Faden – denn es gab keinen männlichen Erben und die Geschichte hatte deutlich gezeigt, dass die weibliche Erbfolge nicht reibungslos akzeptiert wurde. Erst die Geburt des heißersehnten Thronfolgers Joseph am 13. März 1741 ließ endgültig alle kritischen Stimmen verstummen und Maria Theresia hatte sich ihre unangefochtene Position als Monarchin ihres Reiches gesichert. Anlässlich des 36. Geburtstages ihres ältesten Sohnes fasste sie die damals dramatische Situation in einem Brief an ihren zweitgeborenen Sohn Ferdinand zusammen: „Mein lieber Sohn, welch großer Tag heute für mich, der in mir all meine Entschlüsse vor sechsunddreißig Jahren wachruft, und wie mir damals zugleich die Gewissheit wurde, dass die göttliche Vorsehung unserem Hause das Szepter erhalten wollte – in der kritischsten Stunde schenkte sie mir einen Sohn. Ich hatte kein Königreich mehr, das mir nicht streitig gemacht worden wäre, und ein Jahr später wusste ich nicht einmal, wo ich niederkommen sollte, da ich in Wien nicht bleiben konnte, Böhmen und Oberösterreich verloren, Niederösterreich von Bayern bedroht, Italien und die Niederlande verwüstet, Ungarn von der Pest heimgesucht, so dass, als mein Gepäck vor Ofen ankam, die Tore wegen der Ansteckungsgefahr geschlossen waren und ich sofort wieder umkehren musste. Wenn ich an die damaligen Zeiten denke und mit den jetzigen vergleiche, so habe ich allen Grund, getrost zu sein. Wenn wir nach Gottes Willen aus guten Tagen wie aus bösen Stunden lernen, dürfen wir mit einer friedlichen Zukunft rechnen.“23
Dank ihrer Entschlossenheit, ihres Kampfgeistes, Mutes und Durchhaltevermögens war es Maria Theresia schließlich gelungen, ihr Erbe trotz schwierigster Umstände zu verteidigen und im Land als Königin und Erzherzogin allgemein anerkannt zu werden.
Kaiserin oder doch nicht?
War Maria Theresia nun Kaiserin oder nicht? Die Frage ist leicht zu beantworten: ja und nein. Maria Theresia erbte beim Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. die Habsburgischen Erblande und damit den Titel der Königin von Böhmen und Königin von Ungarn. Der Titel für die österreichischen Länder war seit Anerkennung des Privilegium maius – der dreisten Fälschung Herzog Rudolfs IV. inklusive des dafür erfundenen Titels Erzherzog – durch Kaiser Friedrich III. eben Erzherzog. (Das Kaisertum Österreich wurde ja erst 1804 von Kaiser Franz II. quasi als Antwort auf die Selbstkrönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen ausgerufen, nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches durch Franz zwei Jahre später blieb ihm der Titel des ersten österreichischen Kaisers, als solcher Franz I.)
Maria Theresia war demnach ab 1740 Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen. Den Kaisertitel konnte sie nicht erben, da das Heilige Römische Reich erstens ein Wahlkaisertum war, bei dem der Kaiser von den seit der Goldenen Bulle auserkorenen sieben Kurfürsten gewählt und anschließend gekrönt wurde, zweitens stellte das Heilige Römische Reich ein katholisches Kaiserreich dar, in dem – analog zur katholischen Kirche – Frauen ausgeschlossen waren. Als nach Karls Tod der bayerische Kurfürst Karl I. und nicht Maria Theresias Gemahl Franz Stephan von Lothringen von den Kurfürsten zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wurde – wohl auch um die Macht der Habsburgerdynastie einzuschränken – schien die Kaiserwürde für die Habsburger verloren. Doch Karl VII. starb bereits 1745 und Maria Theresia hatte in der Zwischenzeit ihre Macht so weit gefestigt, dass ihr Mann nun wieder in Frage kam. Entscheidend war jedoch der Zweite Schlesische Krieg, den Maria Theresia erneut gegen Friedrich verlor – diesmal jedoch immerhin mit der Zusage des Preußenkönigs, bei Österreichs Verzicht auf Schlesien Franz Stephans Wahl zum Kaiser zu unterstützen. Somit lag nach einer kurzen Unterbrechung die Kaiserwürde wieder in den Händen der Habsburg-Lothringer, wie die Dynastie seit dem Tod Karls VI. und damit dem Aussterben der Habsburger im Mannesstamm offiziell hieß. Als seine Gemahlin führte Maria Theresia nun auch automatisch den Kaisertitel – ohne selbst Kaiserin zu sein. Von Zeitgenossen wurde sie von 1740 bis 1745 als Königin tituliert, ab 1745 Kaiserin-Königin, erst in späteren Jahren setzte sich schließlich der Titel Kaiserin der Einfachheit halber durch – obwohl dies nicht „ihrer“ war. Da jedenfalls alle Gemahlinnen der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und später auch des österreichischen Kaisertums den Titel ihrer Männer führten und als Kaiserinnen benannt wurden, ist die Bezeichnung Kaiserin für Maria Theresia korrekt – wenn auch immer wieder damit irrtümlich angenommen wird, sie wäre die gewählte und gekrönte Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches gewesen.

Die Kronen von Ungarn und Böhmen und der Erzherzogshut: das Große Wappen Maria Theresias, nach 1765.
Franz Stephan – träger Lebemann oder cleverer Manager?
Während Maria Theresia mit großer Energie nicht nur die Erblande regierte, sondern auch in Reichsangelegenheiten den Ton angab und sich dabei äußerst selbstbewusst von ihrem Mann weder dreinreden noch beeinflussen ließ, nahm die Öffentlichkeit den Kaiser nur am Rande wahr und verfälsche die historische Bedeutung Franz Stephans nachhaltig. Selbst Zeitgenossen ließen sich vom nach außen zurückhaltenden Auftreten des Kaisers täuschen und beschrieben ihn als träge, faul und an Geschäften jeglicher Art uninteressiert. So berichtete der preußische Gesandte Podewils nach Berlin: „Da er von Natur aus träge ist, weiß er sich mit keiner Sache gründlich zu befassen … Er hasst die Arbeit. Er ist wenig ehrgeizig und kümmert sich so wenig wie möglich um die Regierungsgeschäfte. Er will nur das Leben genießen, es angenehm verbringen und überlässt der Kaiserin gern den Ruhm und die Sorgen der Regierung. Diese Fürstin und ihre Minister lenken ihn und vor allem in den Reichsangelegenheiten, von denen er wenig Kenntnis hat (…) Wenn er den Beratungen beiwohnt, so ist es nur des äußeren Anstandes wegen, und obgleich er dort manchmal gute Ratschläge gibt, schenkt man ihnen selten Beachtung.“24
Doch der Schein trog gewaltig. Während der Kaiser den Eindruck charmanter Untätigkeit vermittelte, wurde wenige Schritte von der Hofburg entfernt im sogenannten „Kaiserhaus“ in der Wallnerstraße 3 eifrig gearbeitet. Denn in Wahrheit widmete sich Franz Stephan, ohne nach außen viel Aufsehen zu erregen, dem Aufbau der wirtschaftlich höchst erfolgreichen Firma „Habsburg-Lothringen“. Der Kaiser konsolidierte dabei nicht nur die Finanzen des Reiches, sondern gründete quasi im Stillen ein Wirtschaftsimperium, das den enormen privaten Reichtum der Habsburger bis zu Kaiser Franz Joseph und seinen Nachkommen begründete und als „Stiftung“ über Generationen sicherte. Das Palais in der Wallnerstraße war die Schaltzentrale seines Imperiums, das er mit großem wirtschaftlichem Geschick und guter Menschenkenntnis regierte. Denn Franz Stephan hatte die Gabe, besondere Talente und Fähigkeiten zu erkennen und entsprechend einzusetzen, wobei er im Gegensatz zu den geltenden gesellschaftlichen Spielregeln Qualifikation stets vor gesellschaftlichen Stand oder Religionszugehörigkeit stellte. Da der Kaiser über kein Privatvermögen verfügte und nach neuestem Quellenstand auch der Tausch Lothringens gegen die Toskana ursprünglich nicht mit finanziellem Wohlstand verbunden war,25 standen am Beginn kleine Investitionen, die sich langfristig als äußerst gewinnbringend erwiesen. So kaufte er günstig zahlreiche kleine Güter und Herrschaften in desolatem und abgewirtschaftetem Zustand, um sie in moderne wirtschaftliche Betriebe zu verwandeln. Hierbei konnte er die Erkenntnisse und Erfahrungen seiner Reisen durch Holland, England und Schlesien in den Jahren 1731/32 umsetzen und die landwirtschaftliche Produktion mit Hilfe neuer Methoden vorantreiben. Er investierte in neue Maschinen, verbesserte die Produktionsabläufe und konnte damit die Erträge aus Viehzucht, Landwirtschaft, Brauerei, Weinbau, Fischzucht und Forstwirtschaft um ein Vielfaches erhöhen. Auch Brau- und Wirtshäuser erwiesen sich als äußerst lukrativ. Vor allem die Güter Holics und Sassin entwickelten sich ertragreich und wurden zu Mustergütern der Monarchie. Mittels modernster Methoden, die er in Holland kennengelernt hatte, etablierte sich Franz Stephan z. B. auch als ertragreichster Entenzüchter des Reiches, indem Wildenten angelockt, mit Netzen gefangen wurden und im großen Stil in alle Teile der Monarchie und an den Hof geliefert werden konnten.

Die Schaltzentrale des Imperiums von Franz I. Stephan: das „Kaiserhaus“ in der Wallnerstraße. Stich von Salomon Kleiner.
Kaiser Franz I. Stephan umgeben von den Vorstehern der vier wissenschaftlichen Hofinstitute. Gemälde von F. Messmer und J. Kohl, um 1764.
Doch nicht nur als Landwirt, sondern auch als Industrieller erwies er sich als äußerst erfolgreich. Nach dem vor allem wirtschaftlich herben Verlust Schlesiens bereiste Franz Stephan Böhmen und Mähren auf der Suche nach besten Standorten für Tuchmanufakturen, Leinwebereien und Spinnereien, gründete in Kladrub und Potštejn Betriebe und sorgte für einen enormen industriellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Regionen. Gleichzeitig war er an der staatlichen Lotterie beteiligt und belieferte das österreichische Heer mit Waffen. Dass Franz Stephan nicht nur gutmütig war, sondern vorausschauend und in eigenem Interesse agierte, belegt ein Vertrag mit seiner Frau, in dem er ihr 1744 ca. 1 Million Gulden für den Zweiten Schlesischen Krieg zu Verfügung stellte. Dafür musste sie ihm allerdings auf Lebenszeit „sämtliche Königlichen Böhmischen Cammer Herrschaften und Gütter“26 verpfänden.
Einer der lukrativsten Geschäftszweige waren jedoch seine Börsenspekulationen, deren Gewinne er in mehreren europäischen Banken anlegte: „Was die finanziellen Hilfsmittel dieses Hofes angeht, so hat der Kaiser, der ein sehr guter Wirtschafter ist, mehrere Millionen zusammengetragen, die er in den Banken von Genua, Venedig und angeblich teilweise auch Amsterdam liegen hat.“27 Wer seine Bankiers waren, geht aus den Akten nicht hervor – offenbar vor allem Niederländer, so wird das Bankhaus Nettine in Brüssel immer wieder in den Akten genannt, da Franz Stephan jedoch auf Diskretion bedacht war, wusste er seine genauen Bösen- und Bankgeschäfte klug zu verschleiern. Dazu hatte er sicher auch erstklassige Finanz- und Wirtschaftsexperten als Berater – und ließ sein Geld arbeiten. Nach seinem Tod betrug seine Erbschaft an Bargeld, Realitäten und Papieren ca. 17 Mio. Gulden – ein gigantischer Betrag, den er in 30 Jahren erwirtschaftet hatte. In weiser Voraussicht hatte Franz Stephan noch dazu eine klare Trennung von Privat- und Staatsvermögen vorgenommen und damit die finanzielle Grundlage für den Familienfonds geschaffen, der nicht nur bis zum Ende der Monarchie bestand, sondern auch danach die Erben Franz Josephs (in erster Linie seine Tochter Marie Valerie, die nach Thronverzicht für sich und ihre Nachkommen unter Beibehaltung des Privatvermögens in Österreich blieb) finanziell absicherte.
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