Kitabı oku: «Als Zivilist und Mann im Frauenknast der Deutschen Demokratischen Republik»
Kesselflicker
ALS ZIVILIST UND MANN
IM FRAUENKNAST DER
DEUTSCHEN
DEMOKRATISCHEN
REPUBLIK
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2014
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Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Mein persönlicher Werdegang – Pseudonym“ der Kesselflicker – auch bloß „der Kessel“ genannt
Die neue Arbeit im Frauenknast
Der Umgang mit den Strafgefangenen
Wieder zurück in den Frauenknast
Probleme im Heizhaus
Der Gabelstaplerschein
Der Umgang mit Strafvollzugsangestellten
Die Staatssicherheit war immer im Haus
Das Männerkommando kam zum Arbeiten
Der Tagesablauf im Knast
Die Amnestie im Strafvollzug
Der Stromausfall
Der versuchte Ausbruch
Die Pflege und Reinigung im Objekt
Wir waren noch eine Gemeinschaft
Der Weg in die Freiheit
Was geschah nach der Wiedervereinigung 1989
Mein persönlicher Werdegang – Pseudonym“ der Kesselflicker – auch bloß „der Kessel“ genannt
Meine gesammelten Erfahrungen und Erlebnisse als Zivilist und Angestellter im Frauengefängnis der ehemaligen DDR, also der Deutschen Demokratischen Republik möchte ich hiermit darlegen.
Als ich, knapp 33 Jahre jung war, suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Meine bisherige Arbeit als Fertigungstechnologe in einem Großbetrieb in Leipzig machte mir keinen Spaß mehr, dort gab es zu viele Spießer.
So suchte ich also in Leipzig nach einer neuen Arbeit. Ich fand auch eine offene Stelle bei einem Leipziger Großbetrieb, der Wäscherei, und bewarb mich mit meinen Unterlagen in der Kaderabteilung, heute würde man wohl Personalbüro, dazu sagen. Die Wäscherei war in Markkleeberg, einem Vorort von Leipzig, den man mit der Straßenbahn, oder der S-Bahn, vom Zentrum bzw. vom Hauptbahnhof, aus gut erreichen kann. Sie suchten einen Hauptmechaniker im Betriebsteil 3, kurz BT 3 genannt. In der Kaderabteilung sagte man mir, dass die Tätigkeit in einer Außenstelle der Strafvollzugsanstalt von Leipzig angesiedelt sei und zwar im Frauengefängnis. Man durfte aber keine Westverwandtschaft in der Bundesrepublik Deutschland haben, sonst hätte ich keine Chance, diesen Job zu bekommen. Der Hauptmechaniker war so eine Art technischer Leiter in dem Betrieb, ihm unterstanden die Handwerker und die Mitarbeiter des Heizhauses, und diese Chance wollte ich mir einfach nicht entgehen lassen, da ich schon nach einem anspruchsvollen Job Ausschau hielt. Also wurde ich heimlich auf Herz und Nieren von der Staatssicherheit bzw. vom Strafvollzug der DDR dahingehend überprüft, ob ich auch geeignet sei für diese Arbeit mit inhaftierten Frauen zu arbeiten. Man erkundigte sich in der so genannten Stammkneipe nach meinem Leumund, befragte Hausbewohner und Genossen in dem Mehrfamilienhaus in Leipzig, in dem wir wohnten, und schaute auf dem Dach danach, nach welcher Richtung die Antenne ausgerichtet war, ob man vielleicht Westfernsehen sah. Da wir die Antennen unter dem Dach hatten wusste keiner ob wir Westfernsehen gesehen hatten. Man fragte nicht nur in der Nachbarschaft die Leute aus, auch in dem ehemaligen Betrieb in Leipzig, wo ich zu der Zeit noch arbeitete, holte man Erkundigungen über mich ein. Ich hatte einen guten Kontakt zu allen Hausbewohnern, da ich auch gleich Hausmeister für unser Doppelhaus geworden bin und diese Aufgabe mit Leidenschaft erfüllt habe.
All diese Kontrollen und Überprüfungen waren zu diesem Zeitpunkt normal bzw. notwendig, um sich ein Bild von meiner Person, dem neuen leitenden Mitarbeiter zu machen. Es war ja auch schwer für die Staatssicherheit, da meine Frau und ich keine Genossen der SED der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands waren, und auch keine Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sind. Wir waren in keiner Partei sondern nur in der Gewerkschaft der IG Chemie, einem Teil des FDGB, des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds. Nach eingehender Überprüfung und Rücksprache mit mir, bekam ich diesen Job als Hauptmechaniker des BT 3, dem so genannten Frauengefängnis in Leipzig. Mit dieser Zusage konnte ich in meinem alten Betrieb gemäß den Vorschriften des von mir unterschriebenen Arbeitsvertrages kündigen. Bei meiner Arbeitssuche brauchte ich ja keine Angst zu haben, da ich ja eine technische Ausbildung bzw. Qualifikationen in der Technik nachweisen konnte. Als Hauptmechaniker sollte man doch über ein ausreichendes praktisches Wissen verfügen und jahrelange technische Erfahrungen besitzen.
Nach Abschluss der 8. Klasse erlernte ich 1958 den Beruf eines Kupferschmiedes, da das nach Aussagen von Mitarbeitern des Betriebes der Chemischen Fabrik Miltitz ein ordentlicher Beruf darstelle. Die Kupferschmiede sei das Herzstück eines chemischen Betriebes, sagte man da. Man hatte mit dem Beruf alles andere gleich mitgelernt. Ich bekam diese Lehrstelle allerdings nur, weil meine Eltern dort beschäftigt waren und zwar ohne Auffälligkeiten. Denn gewisse Schwierigkeiten, eine solch gefragte Lehrstelle zu bekommen, hatte ich damals schon. Ich hatte gerade die Konfirmation hinter mir und nicht wie es der Staat gern gesehen hätte, die sozialistische Jugendweihe absolvierte.
Man kann sich das nicht vorstellen aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir noch samstags arbeiten. Jeden Samstag früh um sieben Uhr war für alle Lehrlinge Zeitungsschau angesetzt und jedes Mal war ein anderer dran, der über Neuigkeiten aus aller Welt berichten musste. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre 1961 in einem Chemiebetrieb in Miltitz bei Leipzig war ich nun Kupferschmied, man sagte auch „Kesselflicker“ dazu, mit gleichzeitiger Ausbildung in Heizungs- und Rohrlegerarbeiten, und wollte nun als Junggeselle noch viel dazulernen. „Kesselflicker“ nannte man früher die Handwerker die mit einem Wagen von Ort zu Ort zogen, und Töpfe und Pfannen gleich vor Ort reparierten bzw. löteten. Da das meistens Kupferschmiede waren, nannte man mich eben auch den „Kesselflicker.“ Der Verdienst als junger Kupferschmied war nicht so rosig, also suchte ich mir noch einen Nebenverdienst als Aushilfskellner bei Tanzveranstaltungen in Miltitz oder auch im Nachbarort Markranstädt. Dort lernte ich gleich den richtigen Umgang mit Menschen kennen, ich kannte ja diese Leute, die Gäste vorher nicht. Für mich war das natürlich eine große Herausforderung die Menschen zu studieren, mir Menschenkenntnisse zuzulegen, und dabei noch Geld zuverdienen. Mein größtes Ereignis in diesem Job als Aushilfskellner war es, zur Leipziger Messe als Oberkellner beim Staatsbankett zu arbeiten. Ich meisterte als „Kesselflicker“, der später auch bloß noch „Kessel“ genannt wurde mehrere Arbeitsstellen erfolgreich, und erlangte nach Feierabend den Schweißerpass im autogenen Schweißen in der Stufe R 1b als auch Elektro- Schweißerpass der Stufe B 1b, und bestritt erfolgreich die WIG-Prüfung „Wolfram-Inertgas-Schweißen“ von Aluminium beim Zentralinstitut der Schweißtechnik in Halle an der Saale. Der Schweißerpass wurde in verschiedene Stufen eingeteilt. Nach der Grundprüfung gab es die ersten Zusatzprüfungen, von denen ich jeweils eine Schweißart besaß, die Zusatzprüfungen wurden nach der Qualität immer höher eingestuft. Da zu DDR-Zeiten das Kupfer immer weniger zum Einsatz kam, wurde auf Aluminium und auf V2A, das ist nicht rostender Stahl, oder auf Plaste umgestellt.
Da ich mir als Kupferschmied an der rechten Hand die anerkannte Berufskrankheit die Nummer 25 zugezogen hatte, das war ein Ganglion, was auch Überbein genannt wird, musste ich mir unbedingt eine Arbeit suchen , wo ich meine rechte Hand nicht immer so stark einsetzen musste. Das Ganglion ist bestimmt von dem vielen Hämmern mit der rechten Hand gekommen, denn als Kupferschmied muss man viel hämmern, da durch das Hämmern auf das weiche Kupfer, dieses in seinem Gefüge wieder richtig fest wurde.
Das Überbein wurde mir herausoperiert und dabei die Hand verletzt, so dass ich zum Invalidenrentner wurde. Mit einem Mal war ich Frührentner mit einer unbeweglichen Hand. Einmal im Jahr bestellte mich die Sozialversicherung, damals sagte man; die Krankenkasse der DDR, zur Überprüfung in die Universitätsklinik der Karl Marx Universität Leipzig, um zu prüfen, ob es noch notwendig oder gerechtfertigt war, dass ich eine Rente erhielt. Diese anerkannte Berufskrankheit war auch der Grund, dass ich nicht zur Nationalen Volksarmee, so nannte man zu dieser Zeit die Verteidigungsarmee der DDR, eingezogen wurde. In der Zwischenzeit wurde ich als Gabelstaplerfahrer in einem Betrieb in Leipzig ausgebildet, der auch noch Elektrogabelstapler baute und diese auch vertrieb. Nach bestandener Prüfung besuchte ich im gleichen Betrieb den nächsten Lehrgang mit Bravur zum Hebezeugwärter für Gabelstapler. Jetzt war ich in der Lage selbst Elektrogabelstapler zu reparieren auch durften diese Arbeiten nur unter meiner Kontrolle ausgeführt werden. Zu all diesen Ausbildungen und Lehrgängen wurde ich von den jeweiligen Betrieben delegiert, die sie auch bezahlten. Die meisten Ausbildungszeiten und Lehrgänge fanden nach Feierabend statt, und das wollte keiner freiwillig über sich ergehen lassen. Ich aber sagte mir, wer weiß schon, ob man das später nicht einmal gebrauchen kann. Und als Betrieb wollte man ja davon auch profitieren, denn je ausgebildeter die Mitarbeiter waren, desto besser konnten sie eingesetzt und bezahlt werden.
In einem Betrieb in dem ich mehrere Jahre als Kupferschmied gearbeitet habe, fragte ich einmal den Chef, ob er mich nicht mal zum Studium delegieren könnte. Er antwortete mir: „Ich will niemanden neben mir haben der schlauer ist als ich.“ Und so bekam ich von der Firma auch keine Delegierung. Also musste ich zwangsläufig in einen Betrieb wechseln, in dem die Aussicht bestand, dass er mich, zum Studium delegierte. Bei den Vorgesprächen, die ich in der Kaderabteilung der neuen Firma in Leipzig geführt hatte, entschied man sich, mich als Brigadier einzustellen, und eine neue Abteilung, die Rationalisierung, zu gründen, mit der Option dass ich mich weiterbilde. Und so kam es dann auch, dass ich eine neue Arbeitsstelle hatte.
Also ging ich wieder mit einer Delegierung zur Volks - hochschule in Leipzig zu einem Vorbereitungslehrgang für die Fachschule, wo ich mich abends, also nach Feierabend dreimal wöchentlich auf die Schulbank setzen musste. Das war die Voraussetzung für ein weiteres Studium an einer Schule oder Akademie. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Volkshochschule wollte ich Maschinenbau studieren. Leider gab es aber nur ein Direktstudium außerhalb von Leipzig, das ich jedoch aus privaten Gründen nicht durchführen wollte.
Da entschied ich mich kurz entschlossen zu einem zweijährigen Meisterstudium für Maschinenbau in meiner Heimatstadt Leipzig. Dieses Meisterstudium an der Betriebsakademie in den „Kirowwerken“ stellte eine große Herausforderung und Belastung für meine gesamte Familie dar. Dreimal wöchentlich verbrachte ich den wohlverdienten Feierabend auf der Schulbank, diese Schule ging jeweils bis halb neun. Aber ich schloss sie mit Erfolg und dem „Meisterbrief“ ab.
Die neue Arbeit im Frauenknast
1977 begann ich nun endlich meine neue Arbeit als Zivilist im Frauengefängnis des BT 3 in Markkleeberg. Dort stellte man mich überall vor, denn jeder vom Strafvollzug musste jetzt wissen, wer ich bin, und dass ich jetzt mit den einsitzenden Frauen zusammen arbeiten musste, um die gesteckten Ziele des Betriebes zu erreichen. Man erkannte jede Strafgefangene, da sie, alle hinten auf ihrer Kleidung einen gelben Streifen hatten. Wir als Zivilisten mussten uns um die Planerfüllung des Betriebes kümmern, aber auch die Sicherheit des Strafvollzuges durften wir nicht vergessen, denn diese stand in unserem Betriebsteil im Vordergrund. Die Genossen vom Strafvollzug sagten mir gleich, wer im Knast arbeitet darf nicht zart besaitet sein, und keine Gefühle zeigen, denn ohne Grund ist keine Strafgefangene hier. An der Sprache erkannte man, dass hier Inhaftierte, aus der gesamten Republik vertreten waren. Man zeigte mir gleich meinen Verantwortungsbereich im Betrieb, und stellte mich auch der Leiterin einer Frau Genossin Hauptmann „Dienstgrad“, der Außenstelle des Strafvollzuges vor. Später wurde sie befördert zum „Major“ des Strafvollzuges und ihre Vertreterin war auch eine Frau Genossin Hauptmann. Außer den Handwerkern, in erster Linie Elektriker und Schlosser hatten ich noch ein großes Heizwerk bzw. Kesselhaus zu betreuen. Ich war auch gleichzeitig der Vorgesetzte der Heizer, Bekohler und des Kraftfahrers im Objekt. Unser gesamter Betrieb wurde auch von einem hohen Zaun umschlossen, der mit einer Schranke und einem Wachgebäude versehen war. Hier saßen noch zivile Mitarbeiter des Betriebes im so genannten Außenbereich im durchgehenden Schichtsystem und kontrollierten die Betriebsausweise der Wäschereimitarbeiter, und die Dienstausweise des Strafvollzuges, sie erfassten Besucher und den Fahrzeugverkehr bevor diese das Betriebsgelände betreten bzw. befahren durften. Zivile Wäschereimitarbeiter, Schlosser und Elektriker gingen im Gebäude an der Wache des Strafvollzuges „der so genannten Schleuse“ vorbei und kamen so zu den Produktionsräumen, wo die weiblichen Strafgefangenen arbeiteten. Dort führten sie Reparaturarbeiten an Maschinen und Anlagen aus, warteten sie oder installierten Neuanlagen.
Einmal fragten mich einige der Gefängnisinsassen, wie denn so ein Heizhaus funktioniert, und ich erklärte ihnen das Prinzip der Heizung und wie Dampf erzeugt wird und dass dieser wiederum in die Wäscherei transportiert werden musste und zur Warmwassergewinnung benötigt wurde.
Das Personal des Heizhauses war dafür zuständig, dass der Dampf geliefert wurde, da ja Dampf zum Aufheizen des Wassers in den Waschmaschinen, Mangeln und Pressen notwendig war, um waschen und bügeln zu können. Außerdem waren sie auch für das warme Wasser, und im Winter für die Heizung des gesamten Betriebsteiles zuständig. Das Heizhaus musste also im Zwei- oder Dreischichtbetrieb immer besetzt sein. Die Beheizung der Kessel erfolgte meist nur mit Braunkohle seltener mit anderen Brennstoffen wie zum Beispiel dem Brikettabrieb. Zum reibungslosen Produktionsablauf in der Wäscherei und ihren nachfolgenden Abteilungen war es also äußerst wichtig, den Arbeitsprozess der Strafgefangenen mit ausreichend Dampf und Wärme aus unserem Heizwerk am Laufen zu halten. Zur Erzeugung von warmem Wasser benötigte man auch wieder Dampf, der Dampf ging durch Rohre im Wärmetauscher. Mit dem erhitzten Wasser hatten wir auch Duschwasser erzeugt. Deswegen brauchten wir viel Braunkohle und legten uns immer eine Kohlehalde an. Das passierte immer im Sommer, weil die Kraftwerke dann nicht soviel Kohle zur Herstellung von Strom benötigten. Außerdem betrieben die Bürger zu dieser Jahreszeit auch keine Berliner Öfen oder ähnliche Heizquellen mehr. So hatte es jeder Betrieb angestrebt auf Vorrat zu wirtschaften. Das war in der sozialistischen Wirtschaft überall so, jeder hatte sich ein Lager angelegt, die Bürger im Keller und wir auf der Kohlehalde, da es nicht immer alles gab, was man zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigte. Deshalb betrieb man in der DDR eine Lagerwirtschaft, wofür man aber auch den notwendigen Platz benötigte.
Auf dem Kohleplatz kippten die Fahrzeuge ihre Braunkohle ab, und ein Mitarbeiter des Heizhauses, der so genannte Kraftfahrer des Betriebsteiles, fuhr mit der Planierraupe die Kohle fest. Die Kohle musste verdichtet werden, damit sie sich nicht von selbst entzünden und anbrennen konnte. Das ist im Sommer öfters passiert, da wegen Glasscherben in der Kohle die Sonne durch Überhitzung leichtes Spiel hatte. Hier mussten wir immer die Löscharbeiten selber durchführen. Wir versuchten mit einem Schlauch aus dem Heizhaus oder mit Wasser vom Hydranten die Glut oder die brennende Kohle selbst zu löschen. Es kam aber auch schon mal vor, dass wir zu langsam waren oder aufgrund eines anderen Umstands die Kohle mal schneller brannte, so das auch die Feuerwehr dann und wann zum Löschen anrücken musste.
Hunderte Tonnen von Braunkohle mussten deshalb immer mit der Planierraupe verdichtet werden, und so fuhr der Fahrer mit der Planierraupe immer hin und her. Wenn also Braunkohle im Heizhaus benötigt wurde, schob der Fahrer die Kohle bis an einen Trichter, bevor sie mit dem Schrapper „einem mit Hand bewegten Schild mit Seilantrieb und Elektroschalter“ in diesen hinein geschoben wurde. Dann transportierte ein langes Förderband die Kohle hoch hinaus bis zum Kohlebunker, der über den Kesseln stand. Der Bekohler musste auch öfters mal den Bunker kontrollieren, damit beim Befüllen nichts überlief. Der Bekohler war also immer dafür verantwortlich, dass die Bunker voller Kohle waren und der Heizer richtig Feuer unter die Kessel brachte. Wenn die Braunkohle mal recht nass und schmierig gewesen war und schlecht brannte, freuten wir uns über den Anruf eines Kohlenhändlers, der aus Lagerungsnot einige Tonnen Brikettabrieb aus seinem Bestand loswerden wollte. Wir waren froh darüber. Denn unser Job war es ja den Dampfdruck stabil zu halten, und so mischten wir dann immer die nasse Braunkohle mit dem trockenen Brikettabrieb und das Feuer in den Kesseln brannte wieder besser. Einen Nachteil hatte der Brikettabrieb aber auch. Er konnte zu einer Kohlenstaubexplosion führen oder auch eine Verpuffung auslösten. Deshalb war der Heizer bei Regenwetter immer auf Kontrolle und passte auf, dass die Bunker an diesem Tag nicht zu voll waren, um im Notfall eine Mischung mit Brikettabrieb zu versehen.
Der Heizer musste also immer vorsichtig sein bei dem Mischungsverhältnis mit Brikettabrieb. Für diesen Zweck hatten wir auch immer eine Reserve gleich neben der Halde liegen.
Die verbrannte Kohle erzeugte natürlich auch Asche. Bei der so genannten Nassenttaschung gelangte die Asche zum Ascheband, einem Förderband aus einzelnen Gussteilen, das in Wasser lief und die glühende Asche ablöschte. Dieses Kratzband, so nannte man es, lief ins Freie und entleerte sich dort auf die Ladefläche eines LKW oder Hängers. Die nasse Asche und die entstandene Schlacke wurden zu einer entfernten zugelassenen Halde abtransportiert, meistens waren das Restlöcher des Braunkohleabbaues oder auch ehemalige Sandgruben und dort entsorgt. Beim Abkippen auf der Halde musste man höllisch aufpassen dass man nicht im Schlamm oder im aufgewühlten Untergrund stecken blieb, und dass die Räder des LKW sich beim Losfahren nicht durchdrehten. Auf den Halden war man immer froh, wenn zu diesem Zeitpunkt, als man selbst dort ankam, gerade eine Planierraupe auf der Aschehalde vor Ort war. Die Raupe musste so ungefähr alle zwei Tage die Halde wieder planieren und verdichten, damit jeder wieder Schutt und Asche in das Tagebaurestloch abkippen konnte.
Meine Aufgaben hatten meistens zum Ziel, den Wert der Maschinen und Anlagen zu erhalten sowie die dazugehörenden Ersatzteile zu beschaffen. Es war ein regelrechter Kampf, den die Handwerker und das Heizhauspersonal gemeinsam mit mir bestritten, um einen reibungslosen und zufrieden stellenden Ablauf zu gewährleisten und Ausfälle zu vermeiden. Es war gar nicht so einfach für uns. Denn während der Strafvollzug nur für die Sicherheit sorgen musste, hatten wir noch einen Plan zu erfüllen, und die Zufriedenheit der Wäschereikunden war oberstes Gebot.
Die Leiterin des Strafvollzuges in unserem Betrieb sagte zu mir immer: „Die Strafgefangenen sind wegen eines Verstoßes gegen die Gesetze in unserem Land hier, deshalb ist es wichtig, dass alle Maschinen, Anlagen und Gabelstapler störungsfrei funktionieren, sonst machen wir uns ja auch strafbar, wenn wir zulassen, dass defekte Geräte zum Einsatz gelangen.“ Wir mussten also ständig dafür sorgen, dass es keine Mängel gab, da ja die Strafgefangenen, wenn sie mal keine richtige Lust zum Arbeiten hatten, diese Unregelmäßigkeiten als Vorwand benutzten und dem Strafvollzug Meldung machten. Dann mussten wir gleich bei der Leiterin antreten, der Schichtleiter, der Betriebsteilleiter und ich, und wurden darauf hingewiesen, dass es Mängel im Ablauf der Produktion gab. Unsere Pflicht war es also, wieder einmal für die Abstellung der Mängel zu sorgen. Wir gingen anschließend gleich zu unseren Mitarbeitern und stellten den Mangel ab oder versuchten es sogleich.
Ich hatte ein schönes Büro im Sozialtrakt des Betriebsteiles, gleich neben dem Leiter des Strafvollzuges. Auf der einen Seite, und auf der anderen Seite hatte der Betriebsteilleiter sein Büro. Von den Strafgefangenen trennten uns im Normalbetrieb nur Zäune, Gitter und Personalschleusen, durch die die Strafgefangenen nach Feierabend zum Saubermachen in unseren Verwaltungsbereich geführt wurden und verschlossen werden mussten. Bei der Reinigung unserer Büroräume und denen des Strafvollzuges waren stets ein Zivilist und ein Wachposten des Strafvollzuges anwesend, sie beaufsichtigten, dass auch richtig und gewissenhaft gereinigt und geputzt wurde. Es war wichtig, dass man nichts auf seinem Schreibtisch liegen ließ, sonst hätte es vielleicht Beine bekommen. Das war auch für uns eine gewisse Erziehung, denn wir hatten jeden Abend einen leeren Schreibtisch vor uns. Es gab ja auch Sachen, die die Strafgefangenen nicht sehen durften.
Die Schlüssel zum Gefangenenbereich hatten nur die Strafvollzugsangestellten und jeder von ihnen nur für seinen Bereich. Wenn es mal gelingen sollte, einem Strafvollzugsangestellten den Schlüssel wegzunehmen, dann kam man nur aus einem Bereich heraus. Entweder es passte ein anderer Schlüssel oder man musste durch eine Schleuse mit Kamera laufen wo erst geschaut wurde, wer es ist, bevor man den Summer bediente. Die nächste Schleusentür ging erst auf, wenn die andere geschlossen war, und dann stand man in einem Raum ohne Fenster, aber mit Türen und vorhandenen Kameras. Der gesamte Wäschereibereich wurde mittels Kameras überwacht und die Aufnahmen zur Wache des Strafvollzuges übertragen.
In der Wäscherei waren wir als Zivilisten allein für die Strafgefangenen zuständig. Wir waren eigenständig für die Überwachung und Leitung der Produktionstechnologie verantwortlich. Das zivile Personal war einfach ausgebildetes Wäschereipersonal, das die inhaftierten Frauen anleitete und kontrollierte. Es gab nämlich auch Strafgefangene, die, bevor sie ins Gefängnis kamen, zu Hause nichts machen mussten und deshalb keine Ahnung hatten, wie man schmutzige Wäsche behandelt, um saubere zu erhalten. Beim zivilen Wäschereipersonal gab es pro Schicht jeweils einen Schichtleiter. Ob dieser männlich oder weiblich war, es spielte keine Rolle, da ja noch genügend zivile Frauen als Wäscherinnen anwesend waren. Es gab auch Frauen, die für die Qualität der Wäsche und die Einhaltung entsprechender Merkmale zuständig waren, die Frauen von der TKO-Qualitätskontrolle, wobei TKO für technische Kontrollorganisation stand. Diese Frauen waren geschult und auf die Qualitätsmerkmale ausgerichtet. Es ging also keine Wäsche aus dem Versand, die nicht auf ihre Qualitätsstandards hin überprüft wurde.
Der Umgang mit den Strafgefangenen
Es passierte schon mal, dass die Wäsche nicht ordnungsgemäß gewaschen oder gerollt war, da mussten die Strafgefangenen ihre Fehler selber ausbessern. Kam es im Produktionsprozess mit den inhaftierten Frauen zu Problemen, waren natürlich sofort Angestellte des Strafvollzuges vor Ort, und halfen uns, die anstehenden Probleme sofort zu lösen bzw. in den Griff zubekommen. In der Regel haben sich die Strafgefangenen untereinander geholfen, und auch verurteilt, denn es gab in jeder Schicht eine Brigadierin und eine Ordnerin die jede Situation beherrschten.
In einer Großwäscherei wie bei uns benutzte man zum Wäschetransport meist Europaletten aus Metall und die dazugehörenden Gabelstapler. Nur kleinere Pakete wurden mit der Hand bewegt. Die Paletten wurden an die jeweiligen Maschinen gestellt, und wenn kein Gabelstapler bereit stand halfen sich die Frauen auch mal mit einem Hubwagen weiter. Mit diesem konnte man die Paletten genauso gut auch von A nach B bewegen, weil wir ja überall Fliesen hatten.
Diese Fliesen waren aus Metall und sind immer wieder ausgewechselt wurden wenn sie defekt waren. Da gab es einen Fliesenleger der zugelassen war, und kleine Reparaturen durchführte. Meistens wurden Reparaturen an Wochenenden durchgeführt, damit es keine Produktionsausfälle geben musste. Wenn der Fliesenleger mal während der Produktion gekommen ist, waren die inhaftierten Frauen wie die läufigen Hunde und wollten immer in seiner Nähe sein, da es ja auch ein gutaussehender Mann gewesen war. Wir hatten da immer so unsere Probleme mit außenstehenden und noch gutaussehenden Handwerkern oder Monteuren. In der Regel stand immer einer von uns bei ihnen, damit sie nicht von den inhaftierten Frauen angesprochen oder belästigt wurden.
Kleinere Pakete wurden zum Beispiel in den Annahmestellen der Wäscherei und deren Umgebung angenommen und dann später in der Wäscherei von den Strafgefangenen gekennzeichnet, da man ja beim Waschen und Bügeln die Wäsche auch mal verwechseln konnte und so jeder seine eigene Wäsche wieder zurückbekam. Dieser Ablauf, gleicht der Abgabe der Wäsche in einer Reinigung, die Wäsche wird gekennzeichnet und die Kunden erhalten dafür einen Beleg.
Zu den Pausenzeiten gingen wir in den Speiseraum der den Strafvollzugsangestellten und zivilen Mitarbeitern der Wäscherei vorbehalten war. Dort nahmen wir gemeinsam unsere Mahlzeiten ein. Das warme Mittagessen wurde uns in Kübeln aus einer Leipziger Großküche angeliefert, diese Kübel transportierten meistens die zivilen Männer oder auch mal die Uniformierten aus der Wache in den Imbiss, und das Essen wurde dann von zivilen Mitarbeitern im Imbiss ausgeteilt. In dem Imbiss gab es Kaffee und auch mal Würstchen zum Frühstück, man bereitete uns auch auf Wunsch sogar auch mal Spiegeleier, wenn man sie vorher bestellte. Von dem Speiseraum der sich im ersten Stock befand konnte man über den Hof die Strafgefangenen in ihren Verwahrräumen sehen, diese waren natürlich hinter Gittern. Heute spricht man von Verwahrräumen aber früher waren es einfach Gefängniszellen die noch mit Dreistockbetten ausgestattet waren Diese wurden dann später durch Doppelstockbetten ersetzt. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob diese Festlegung nur für den offenen Vollzug bestimmt war, dieser war für den Strafvollzug in Markkleeberg festgelegt. Die abgebauten Betten, die meistens aus Rohren bestanden wanderten auf den Hof und wurden dem Schrott zugeführt.
In den Räumen konnten sich die Strafgefangenen auch frei bewegen. Jeder Bereich hatte so ungefähr vier bis sechs Verwahrräume und waren vom nächsten Bereich wieder durch eine Gittertür getrennt. Die Verwahrräume waren so verteilt, dass jede Schicht oder das entsprechende Kommando und jeder Betriebsabschnitt voneinander getrennt waren. So gab es bei frühzeitigem Schichtbeginn, keine organisatorischen Probleme mehr. Disziplin und Ordnung herrschten nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch zum Zwecke der „Erziehung“ die eine Grundpflicht im Strafvollzugssystem war. Hier war der Tagesablauf vom Wecken bis zur Nachtruhe exakt geregelt.
Es gab aber auch die berüchtigten Einzelzellen, man sprach auch vom Bunker. Diese Einzelhaft bekamen nur Strafgefangene, die überhaupt keine Lehre annahmen und sich dem Strafvollzugspersonal widersetzten. Man musste schon grobe Fehler begangen haben, bevor man so weggesperrt wurde. Waren Strafgefangene mal extrem unvernünftig, mussten sie ihre Strafe in der Kästnerstraße in Leipzig absitzen, da sie bei uns nur ca. zwei Tage lang in Einzelhaft bleiben durften. Am langen Hebel saßen eben die Leute vom Strafvollzug, die diese Maßnahme als Erziehung von Strafgefangenen für richtig hielten. Dort hatten sie dann alle Zeit, um über ihre Fehlauftritte gegenüber dem Vollzugspersonal, den Zivilisten oder aber auch über den Umgang mit anderen Häftlingen nachzudenken. Dort gab es nur ein Klappbett, ein Waschbecken und eine Toilette, sonst nichts, nicht mal ein Fenster, sondern nur eine Klappe, durch die man Essen und Getränke durchgab. Die Essensration ist dort auch kleiner gewesen, mit dieser schlechten Behandlung sollte mehr staatsbürgerliche Erziehung erreicht werden. Der Schließer oder Betreuer musste im Tagdienst die Arrestzelle wie sie genannt wurde alle drei Stunden kontrollieren, und im Nachtdienst stündlich nach dem Rechten schauen.
Auf unserem Betriebsgelände bzw. in den Verwahrräumen des Strafvollzuges saßen auch Strafgefangene ein, die nicht für die Wäscherei gearbeitet haben, sondern nur unsere „Untermieter“ waren. Diese wurden mit den dafür extra bereitgestellten Bussen zu jeder Schicht transportiert. Es wurde genau abgewogen, welche Strafgefangene mit dem Bus fahren durfte und wer in der Wäscherei, also vor Ort, bleiben musste. Diese Busse fuhren in eine separat gebaute Schleuse hinein, diese war mit einem hohen Zaun und Toren umgeben und wurde außerdem vom Strafvollzugspersonal jeweils noch mit Hunden bewacht. Die Frauen wurden zur Arbeit in andere Großbetriebe mitten durch Leipzig gefahren, der eine Bus in die eine Richtung, der andere in die andere Richtung. Da diese Frauen immer die gleiche Kleidung trugen sagte man in der Stadt: „Jetzt kommt das Fernsehballett angefahren.“
Als Begleitpersonal waren Strafvollzugsangestellte an jeder Tür dafür verantwortlich, dass die Frauen ja nicht winken oder ähnliche Gesten aus dem Busfenster machten. Da sich die Leute in der Stadt immer nach den Bussen umdrehten, wagte sogar eine Strafvollzugsangestellte den Strafgefangenen zu erlauben, während der Fahrt die Kopftücher abzulegen. Wenn dann mal eine andere mit den Bussen mitfuhr, die das nicht zuließ, gab es immer Theater unter den Strafgefangenen, da sie es bei anderen Strafvollzugsmitarbeitern ja durften. Die Gefangenen merkten sich eben, welcher Mitarbeiter die Gesetze nicht so ernst nahm und sie von etwas befreite. Die Begleiter des Strafvollzuges mussten auch für Ruhe und Ordnung während der Fahrt sorgen, besonders die in den Leipziger Betrieben wieder ausstiegen. Für die Gefangenen wurde extra ein Sicherheitszaun an den Betrieben angebracht, damit sie, wenn sie aus dem Bus ausstiegen, nicht ausbrechen konnten. Wenn also der Bus in den Sicherheitsbereich einfuhr, schlossen sich die Tore im Zaun, die Begleiter öffneten die Sicherheitsschleuse und die Gefangenen konnten zur Arbeit in den Betrieb ablaufen. Und genau so ging es auch wieder zurück nach Markkleeberg ins Frauengefängnis.
Es gab ab und zu auch mal eine Ausnahme, wenn die Schokoladenfabrik in Delitzsch bei Leipzig mal Not an Personal hatte, oder zu viele Leute im Betrieb krank waren, oder die Planerfüllung in Gefahr war, dann mussten die Strafgefangenen Frauen zur Aushilfe dorthin gefahren werden und das ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen. So war das auch, als wir zum Sondereinsatz auf das Land gefahren sind und dort aushelfen mussten. Dieser Einsatz erfolgte auf besonderen Befehl nur am Wochenende wenn die Strafgefangenen sowieso frei hatten. Da meldeten sich Freiwillige und die, die wurden genau geprüft, ob sie auch für diesen Einsatz geeignet und auch zuverlässig waren. Ein anderes Mal ging es aufs Feld zum Sondereinsatz da gab es aus einem Kofferradio von den Strafvollzugsmitarbeitern laute Musik das war natürlich was für die Frauen und so arbeiteten sie ohne einen Gedanken an eine Flucht. Da wir über die Stadtgrenze fahren mussten war auf einmal der Landkreis Leipzig zuständig um für die vorgeschriebene Sicherheit zu sorgen hatten. Da das meistens nicht so schnell organisiert werden konnte, musste für diesen Einsatz halt mehr Personal des Strafvollzuges eingesetzt werden.
So war das später auch der Fall, als inhaftierte Frauen in den Leipziger Schlachthof gefahren wurden. In jeder Schicht mussten die Frauen die Därme der getöteten Tiere reinigen. Sie wurden einfach in die Darmabteilung abkommandiert wo es auch richtig gestunken hatte. Das waren eben Arbeiten, die Zivilisten nicht gern gemacht haben, da die Arbeit recht geruchsintensiv gewesen ist.
Es war auch manchmal komisch, Strafgefangene Frauen die gestern noch mit einliefen, waren auf einmal nicht mehr da. Strafvollzugsmitarbeiter hatten dann abends einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen mit Namen der Strafgefangenen die morgen früh um vier Uhr zu wecken sei und sich fertig zumachen habe. Sie wurde dann mit dem Auto nach Karl-Marx Stadt, dem heutigen Chemnitz, transportiert und gegen andere Ostdeutsche, die im Westen Deutschlands eingesperrt waren, oder einfach als „freie Ware“ getauscht. Später hörte man vom Strafvollzugspersonal dass diese oder diese Strafgefangene vom Westen freigekauft worden sei. Für Westgeld konnte man alles haben, sogar die Abschiebung in den Westen Deutschlands die BRD. Es gab nämlich Organisationen die sich um Strafgefangene kümmerten wenn ein großes Interesse an den Personen bestand. Frauen und Männer, sogar Ehepaare fuhren extra mit dem Interzonenzug, also mit dem Zug der in den Westen der Bundesrepublik Deutschlands gefahren ist, nur damit man sie erwischte und als Republikflüchtige nach § 319 des DDR-Gesetzes einsperren konnte. Man hörte am nächsten Tag von den Strafvollzugsangestellten, das während der Nacht ein Fahrzeug da gewesen sei, es war die berüchtigte Graue Minna, die die Strafgefangenen auch woandershin transportierten.
Es gab auch Strafgefangene die suizidgefährdet waren, was sich schnell in den Verwahrräumen herumsprach. Deshalb mussten die Strafvollzugsmitarbeiter höllisch aufpassen, dass so etwas nicht in ihrer Schicht passierte. Ich habe des Öfteren miterlebt, wie so ein Transport im Strafvollzug ablief. Die Strafgefangenen kamen aus ihren Verwahrräumen Kommandoweise heraus, und mussten sich im Gang in Reih und Glied zwischen den Gittertüren aufstellten. Ein Schließer des Strafvollzuges rief nacheinander die Familiennamen und Vornamen der Strafgefangenen auf, und die Strafgefangenen antworteten mit ihrem Geburtsdatum. Die Schließer hatten die Daten auf ihrer gelben Karte der KP 17, so nannten sie die Kartei mit den Personalien, dort stand auch die Straftat und wie lange die Strafgefangene noch einsitzen musste. Wenn das gerufene Geburtsdatum mit der gelben Karte übereinstimmte, verglichen sie beides miteinander und die Strafgefangenen konnten ablaufen. Ein Betreuer, der mit dem Bus mitfuhr, übernahm die Gefangenenliste mit den Namen. Die gefangenen Frauen konnten nun im Gleichschritt zum Bus gehen. Wichtig war für das Personal, dass sie immer hinter den Gefangenen liefen. Keine von den Strafvollzugsangestellten vertraute den Insassinnen deshalb gab es die Vorschrift immer hinter den Strafgefangenen zu laufen. Man merkte bei diesen Transporten genau dass militärische Umgangsformen herrschten. Jede Strafgefangene wusste genau, wohin sie sich zu stellen hatte, denn jeder Bus fuhr in eine andere Richtung und demzufolge auch in einen anderen Betrieb.
Diese Prozedur erfolgte ja zwei oder dreimal pro Arbeitstag, denn die Frauen arbeiteten ja im zwei bzw. im Dreischichtbetrieb. Das Gleiche erfolgte auch bei den Strafgefangenen die in unsere Produktionsräume, also zur Schicht in die Wäscherei, im Gleichschritt einliefen.
Die Strafgefangenen wurden zweimal in der Woche gezählt, und zwar immer an Wochenenden oder an Feiertagen. Dazu mussten sich die Strafgefangenen im Gang aufstellen. Es wurde gezählt, und wenn alles stimmte konnte man wieder gemeinsam in die Verwahrräume zurück. Hinter ihnen machten die Schließer die Gittertüren wieder dicht. Wenn der nächste Arbeitstag mit einer Frühschicht begann, dann war abends um acht Nachtruhe angesagt, denn allen Strafgefangenen standen laut Gesetz der DDR acht Stunden Schlaf zu. Um vier Uhr am Morgen weckte die zuständige Brigadierin die Strafgefangenen wieder. Da sollte man auch nicht so laut machen, da ja die Strafgefangenen die Spätschicht hatten, noch Nachtruhe hielten. Sollte es die Brigadierin der Strafgefangenen einmal verschlafen haben, so wurde sie von der jeweiligen Schichtbesatzung des Strafvollzuges geweckt. Die Brigadierinnen waren auch die Einzigen unter den Strafgefangenen die den ganzen Tag eine Armbanduhr tragen durften.
Die so genannten Schließer des Strafvollzuges hatten zwischen den Bereichen ihren Schutz – bzw. Aufenthaltsraum der natürlich jeweils durch Gitter geschützt war. Wenn Strafgefangene mal Probleme hatten, riefen sie durch die Gitter nach dem Schließer der ihnen helfen sollte.
In jeder Schicht, egal wo gearbeitet wurde, gab es unter den Strafgefangenen Verantwortliche, so zum Beispiel die Brigadierin oder die Ordnerin. Diese waren für Ruhe, Ordnung und Sicherheit in ihrer Brigade verantwortlich. In der Regel funktionierte jede Brigade ruhig und gelassen, denn man wollte ja nicht unbedingt auffallen in der Hoffnung, vielleicht eher entlassen zu werden.
Wenn man sich überlegt, dass die Strafgefangenen nur einen Tagessatz von vier Mark der DDR zur Verfügung gestellt bekamen. Nach dem Wecken wurde gewaschen und dann gab es Frühstück, das natürlich gemeinsam eingenommen wurde, denn der Innendienst der Strafgefangenen war ja für die Sauberkeit und Ordnung im Speiseraum der Strafgefangenen verantwortlich. Die Tische waren sauber hergerichtet und das Essen konnte eingenommen werden, dann schnell noch eine Zigarette für die Raucherinnen, die sich mitunter die Selbstgedrehten oder auch mal die Geschnorrten schmecken ließen. Nach dem Frühstück stellte man sich zum Zählen im Gang auf, und bereitete sich auf die Abfahrt vor. Unsere Strafgefangenen bereiteten sich auch auf das Einlaufen in die Produktion vor. Jetzt wurden noch die Sachen verpackt bzw. bereitgestellt, die mit in die Wäscherei genommen werden mussten. Hier gab es auch Verantwortliche vom Innendienst der Strafgefangenen die für die Bereitstellung der Leibwäsche oder die Bettwäsche usw. sorgen mussten. Die Brigadierin der Strafgefangenen übernahm die Wäsche der anderen Schichten. Aber hier wusste jede Frau, dass Unterwäsche, die wegen der monatlichen Regel blutig oder beschmiert war, nur im nassen und ausgewaschenen Zustand mit in die Wäscherei genommen werden durfte.
Es gab also eine Ordnung, an die sich die Strafgefangenen im Laufe der Zeit gewöhnen mussten. Es gab aber auch Strafgefangene die das alles schon kannten, denn sie sind aus dem Kinderheim gleich in den Jugendwerkhof gekommen. Dort sollten sie alle nach den „Prinzipien des Sozialismus“ erzogen werden, denn der Jugendwerkhof war sogar dem Kulturminister unterstellt. Der Jugendwerkhof war eine Einrichtung der DDR, die auf schwererziehbare Kinder und Jugendliche mit krimineller Herkunft ausgerichtet war. Später landeten manche aus dem Jugendwerkhof auch gleich wieder im Knast, weil sie die Bedingungen außerhalb der Gefängnismauern gar nicht kannten oder nicht kennen wollten und sich automatisch straffällig gemacht hatten. In das Kinderheim wiederum sind auch Kinder gekommen, deren Eltern zu jung waren oder einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Die Kinder sind den Eltern einfach weggenommen wurden und zu anderen fremden Familien gekommen.
Und so lief das in der Regel Tag für Tag ab, man könnte auch sagen, es läuft wie ein Uhrwerk, oder auch es lief wie geschmiert. Obwohl es menschenunwürdig war, in der DDR eingesperrt gewesen zu sein erreichte der Strafvollzug doch, dass aus den Strafgefangenen etwas geworden ist. Frauen, die bis zu diesem Tag keine Ordnung in ihren Tagesablauf bringen konnten, haben das hier lernen müssen. Es gab fast keine Strafgefangene, die sich mit dem Prozedere nicht gleich zurechtfand. Und sollte es einmal nicht klappen, sprang sofort die Ordnerin oder die Brigadierin ein, bevor ein Schließer des Strafvollzuges einschreiten musste. Man merkte es den Strafgefangenen gleich an, wer noch keine Erfahrungen hinter Gittern hatte. Denn wer schon im Jugendwerkhof oder in einem anderen Gefängnis eingesessen hatte, kannte die Gepflogenheiten. Da gab es auch keine Bilder an den Wänden, die zur Verschönerung gedacht waren.
Wenn also alles in Ordnung war, gingen die einen zum Bus, und die anderen wurden dem Schichtleiter mit Arbeits- und Namensliste in die Wäscherei übergeben Die meisten Strafgefangenen kannten ihren Arbeitsplatz, an dem sie täglich eingesetzt waren. Es gab aber auch Tage, an denen der Schichtleiter die Arbeitsplätze tauschen bzw. eine Änderung vornehmen musste, da die Strafgefangenen nicht zum Dienst erschienen sind. Sie mussten kurzfristig ihre Schicht tauschen da sie einen Gerichtstermin wahrnehmen mussten. Da kamen wieder die zivilen Mitarbeiter der Wäscherei zum Einsatz, indem sie die neue Arbeitskraft wieder in ihre Arbeit einwiesen.
Jetzt musste das richtige Handwerkszeug für die jeweilige Arbeit in Empfang genommen werden. Die Strafgefangenen, die in der Wäscheannahme waren und die Wäschestücke kennzeichnen mussten, erhielten gegen ihre Unterschrift eine Schere oder ein kleines Messer. Sie nahmen die Wäsche aus der Palette oder dem Wäschepaket, und kennzeichneten jedes Stück einzeln mit einem Stoffteil und einer Lotmaschine, die Wärme und Druck erzeugte, und den Klebstoff damit erwärmte. Es gab aber auch Wäschestücke an denen das alte Kennzeichen noch vorhanden war. Dieses konnte mittels Azeton vom Kleber gelöst werden. Es wurde also jedes Wäschestück gekennzeichnet, damit es am Ende wieder zugeordnet werden konnte.
Die Frauen an der Waschmaschine mussten sich das Waschpulver selbst in der Großverpackung aus einem Lagerraum holen, und zur Waschmaschine bringen. Der Lagerraum der unter der Kontrolle der Zivilisten stand, war einer der wenigen Räume in der Wäscherei, die nicht mit einer Kamera bestückt war und Bilder zum Strafvollzug lieferte.
Die inhaftierten Frauen mussten auch für zwei Stahlhebel unterschreiben die sie erhielten um die großen Wäscheschleudern zu öffnen und zu schließen. Die Waschmaschinen wurden durch einen Sicherungshebel in ihre Füllposition gebracht und aufgeklappt und waren natürlich auch zu sichern. Jetzt konnte die Waschmaschine gefüllt, der Deckel geschlossen und wieder gesichert werden und der Waschgang konnte beginnen. Das Wasser wurde mittels Dampf in der Waschmaschine solange erhitzt, bis das Thermometer die gewünschte Temperatur erreicht hatte. Hier mussten die Wäscherinnen vorsichtig sein, da der Dampf direkt eingeführt wurde und es ab und zu, zu Wasserschlägen kam. Wasserschläge entstehen, wenn Dampf auf kaltes Wasser prallt. Dieser Zusammenstoß macht auch einen höllischen Lärm. Die Umstehenden erschraken stets gehörig. Es war also eine Gefühlssache den Dampf so leicht wie nur möglich in die Maschinen zu lassen.
Jetzt hatte die Wäsche Zeit um richtig sauber zu werden. Je nach dem Verschmutzungsgrad der Wäsche wurde eine Zeitschaltuhr eingestellt, die sich nach einer gewissen Zeit mit einem Klingelton bemerkbar machte. Nach dem Waschgang wurde das Seifenwasser über ein großes Tretventil wieder abgelassen. Nun gelangte über eine andere Leitung durch ein anderes Ventil das Weichwasser in die Waschmaschine zum Spülen. Weichwasser ist enthärtetes Wasser, so wie es auch Regenwasser ist. Nach Beendigung dieses Vorganges wurden die Wäschestücke per Hand in die Trockenschleudern umgeladen. Die Technologie war so organisiert, dass mit einem kleinen Kran, auch Aufzug genannt, die Wäsche in die Wäscheschleuder eingeladen wurde. Das hatte seinen Grund, denn die Menge der Wäsche war so groß dass man sie anders nicht bewegen konnte. Die Schleudern hatten bestimmt einen Durchmesser von anderthalb Metern. Man hatte den Kran zwischen Waschmaschine und Schleuder fest installiert, damit die Wäscherinnen diesen Arbeitsgang allein durchführen konnten. Die Wäsche mit dem Schleuderring, der an einem Gehänge befestigt war, musste jetzt auf die Schleuder aufgesetzt werden. Anschließend waren die zwei Stahlhebel zu benutzen um den Schleuderring an den Rändern fest zu verankern. Sie mussten deutlich hörbar in die dafür vorgesehenen Löcher einrasten. Dann legten die Wäscherinnen noch ein Schleudertuch über die verknüpften Unterteile. Wenn dies ordnungsgemäß erfolgt war, konnten sie den beweglichen Kran mit dem Gehänge beiseite fahren, und den Hebel der Druckluft betätigen mit der der Deckel der Schleuder verschlossen wurde. Vorher lief diese nicht an. Wenn sie mal nicht anlief, dann hatte man den Schleuderring nicht richtig befestigt und musste den Vorgang in umgekehrter Reihenfolge wiederholen, was unnötige Zeit kostete. Es gab aber auch Defekte an den Endschaltern, da mussten sofort die Elektriker gerufen werden, damit die Wäsche fertig geschleudert werden konnte.
Das Schleudern war für die Strafgefangenen eine richtige Kraftprobe, diese Arbeit war mit am schwersten. An die Waschmaschinen und Schleudern kamen daher auch nur Frauen, die nicht zimperlich waren und auch noch Kraft in den Armen hatten.
Die Schleuder lief also, und wenn die Wäsche einigermaßen trocknen geschleudert war, das heißt nach der Zeit die vorher eingestellt wurde, stoppte die Schleuder.
Jetzt wiederholte sich der Ablauf andersherum. Die Frauen packten die Wäsche mit der Hand wieder auf einen Wäschewagen um sie zu einem anderen Arbeitsplatz zu transportieren.
Diese Arbeitsplätze in der Wäscherei waren natürlich ganz schön warm und nass, doch vor allem verlangten sie Schwerstarbeit. Die Frauen an den Waschmaschinen erhielten Gummischürzen und Gummistiefel, weil sie viel mit kaltem und warmem Wasser hantierten. Es gab auch immer mal wieder Strafgefangene, die das Waschmittel nicht vertragen hatten. Diese bekamen noch Gummihandschuhe dazu. Vertrugen sie es trotzdem während der ganzen Schicht nicht, wurden sie vom Schichtleiter nach Rücksprache mit dem Strafvollzug gegen andere Strafgefangene ausgetauscht. Der Strafvollzug sorgte manchmal bei ausgewählten Strafgefangenen absichtlich für erschwerte Arbeit, zum Beispiel Arbeiten bei extremer Hitze. Waren diese aber gesundheitlich nicht vertretbar, änderte man eben das Konzept. Hier musste der medizinische Dienst oder der Doktor ein Attest ausstellen, damit die Strafgefangene diese Arbeit nicht auszuführen brauchte.
Im zivilen Leben kommt mit der Wäsche der richtige Weichspüler in die Maschine. Da es aber keinen Weichspüler gab, musste Weichwasser eingesetzt werden. Dieses wurde im Heizhaus über Rohrleitungen in die Produktion geliefert bzw. bereitgestellt und bis zu den Waschmaschinen geführt. Für die richtige Qualität war das Heizhaus zuständig, das natürlich auch von der TKO geprüft wurde. Die TKO stellte dabei den Härtegrad des Wassers sprich den pH-Wert fest. Weichwasser ist, das sagt schon der Name so etwas ähnliches wie Regenwasser, auch sehr weich. Für einen angenehmen Geruch setzte man Duftstoffe ein.
Andere Frauen mussten an eine große Wäschemangel, wo sie jeweils zu zweit standen und versuchten, die Wäsche auszuschlagen. So nennt man das Entfitzen der Wäsche. Nach dem Waschen musste man die Wäsche faltenfrei in die Wäschemangel eingegeben werden. Am anderen Ende der Mangel standen wieder zwei Strafgefangene. Sie nahmen nun die gerollte Wäsche ab und legten sie ordentlich zusammen. Da die große Mangel ca. zweieinhalb Meter breit war, mussten unbedingt zwei Frauen die Wäsche eingeben bzw. abnehmen. Wir hatten neben den großen noch kleinere Wäschemangeln die auch von jeweils einer Strafgefangenen bei der Eingabe bzw. bei der Abnahme bedient werden konnten. Die Mangeln wurden ebenfalls mit Dampf beheizt damit die Wäsche trocken und faltenfrei die Mangel verlassen konnte.
Die nasse Wäsche wurde von den Gabelstaplerfahrern exakt zu den bereitstehenden Mangeln gefahren damit auch die Frauen an den kleineren Mangeln die ja jeweils allein waren sie bewältigen konnten und auf ihre vorgeschriebene Norm kamen. Diese Arbeitsplätze waren ganz schön warm. An der Seite einer Mangel war ein großes Thermometer angebracht auf das die Maschinenführerin also eine Strafgefangene, immer ein Auge darauf werfen musste, damit die Mangel nicht zu warm wurde, und die Wäsche keinen Schaden nahm. Um die Feuchtigkeit und die auftretenden Flusen auch Fusseln genannt, loszuwerden, war natürlich auch eine Absaugung notwendig, die die feuchte Luft und auch die Flusen über das Dach herauspusteten und ins Freie brachten. Hier kam es tatsächlich auch manchmal zu einem Feuer, wenn sich Flusen, bedingt durch die Wärme, im Absaugrohr selbst entzündeten. Da kam man wieder auf uns zu sprechen. Die Handwerker hätten bestimmt das Absaugrohr lange nicht gereinigt, sonst wäre es nicht durch Überhitzung und Wärmestau zur Selbstentzündung gekommen.
Dasselbe Prinzip gab es auch an den Bügelmaschinen, dort wurden das Ober – und das Unterteil mittels Dampf auf die notwendige und richtige Bügeltemperatur gebracht. Danach konnte man die Wäsche einlegen oder spannen, bevor die Bügelmaschine mittels Druck – oder Pressluft die Wäsche glättete. Die Technologie funktionierte folgendermaßen. Zuerst war das Oberteil anzuheben dann musste man die Wäsche darauf legen, und wieder das Oberteil nach unten bewegen damit die Wäsche gebügelt bzw. faltenfrei gepresst wurde. Es gab auch beheizte Puppen, die zum Bügeln von Oberhemden genutzt wurden. Man zog der Puppe ein Hemd über und durch die entsprechende Wärme und die Zufuhr von Pressluft, die zur Faltenbeseitigung notwendig war, wurde das Hemd sozusagen gebügelt. So konnte das Kleidungsstück unter Pressdruck in Form gebracht werden. Die Strafgefangenen, die mit Hitze oder Wärme zu tun hatten, erhielten eine Kittelschürze damit sie nicht mehr als notwendig ins Schwitzen kamen.
Die Handwerker und ich waren auch nur Männer. Natürlich haben wir auch schon mal inoffiziell nach den mitunter sehr hübschen einsitzenden Frauen gesehen. Das nutzten natürlich auch manche Strafgefangenen ungeniert aus, indem sie sich nach unten bückten und die Beine breit machten, so dass man zwangsläufig alles sehen musste, wenn sie keine Schlüpfer anhatten, was durchaus vorkam. Ich sage heute Schlüpfer zu diesen Dingern, es waren aber im Sprachgebrauch aber nur Liebestöter, die alle Strafgefangenen als Arbeitskleidung tragen mussten. Zur Ablenkung verwiesen uns die Ungenierten Strafgefangenen auf angebliche defekte Maschinenteile oder irgendwelche ungeklärten Geräusche im Arbeitsablauf und baten uns um Überprüfung der Apparaturen. Hier waren natürlich auch Frauen dabei, die uns provozieren wollten, oder auch Gefallen daran fanden, uns alles zu zeigen. Da merkte man eben, dass es Frauen waren, die das schon früher gern gemacht hatten, und auch weiter machen wollten. Es wäre fatal, wenn ich jetzt sagen würde, wir hätten da als Männer weggeschaut, wenn sich so etwas angeboten hatte. Man merkte es gleich, dass die Strafgefangenen ihren Spaß dabei hatten, uns Männer in Verlegenheit zu bringen bzw. die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Wenn ich heute überlege, was die inhaftierten Frauen alles unternommen hatten, um im Vordergrund zu stehen, und uns Männer mit ihren Reizen zu Fehlern zu bewegen. Wichtig war, dass wir als Männer uns gegenüber den Frauen, zumal es Strafgefangene waren, korrekt verhielten. Und das wollten wir auch. Schließlich hatten wir uns dazu auch verpflichtet. Man durfte auch im Beisein von inhaftierten Frauen nicht mit den Fingern oder Händen artikulieren bzw. erzählen, weil einen ja so viele Augen zu diesem Zeitpunkt anschauten und beobachteten. Es war auch wichtig, nicht unbedingt mit Insassinnen zu lachen, da es viele Strafgefangene gab, die nicht verstehen konnten was es bei dieser Erzählung zu lachen gab, und dann konnte es schnell zu Eifersuchtszenen kommen. Am Ende kam dann eine Strafgefangene noch auf die Idee zu behaupten: „Der Mann hat mich sexuell belästigt“, nur damit sie im Mittelpunkt stehen durfte, denn jede andere hätte sich ja auch gern mal mit einem Mann unterhalten. Es war also besser, man hatte die Hände in dem Kittel oder der Tasche, um nicht Gefahr zu laufen, dass man angeblich einer Insassin an die Brust gefasst hätte. Es gab viele Frauen darunter die richtiggehend auf Männer fixiert waren und gern mit uns die tollsten Sachen gemacht hätten. Wenn die Strafgefangenen Frauen einen also ärgern wollten konnte es schon mal zu so einem Zwischenfall kommen. Das wurde aber nur veranstaltet, weil diese Frauen den einen oder anderen Zivilisten auf dem Kiecker hatten. Man konnte sich nicht sicher sein, ob die Leute im Strafvollzug den einsitzenden Frauen mehr glaubten als uns. Es war uns klar, dass Frauen in dieser Zeit sehr mit den Hormonen zu kämpfen hatten. Hier konnte man merken, dass die Strafgefangenen im Ernstfall alle zusammenhielten. Dann waren sie sich alle einig, dass es so und nicht anders geschehen war. Es war schwer für uns alle, wenn viele Augen zusahen und dann gesagt wurde, dass sie etwas gesehen hatten, obwohl das gar nicht der Fall war.
Wir hatten so einen Fall mit einer zivilen Wäschereimitarbeiterin, die angeblich was mit einer Strafgefangenen gehabt haben sollte. Die Inhaftierte sagte später aus, dass sie Zigaretten und andere Dinge von der Zivilistin bekommen hätte, was aber gar nicht wahr gewesen ist. Die Zivilistin wurde zur Strafe sofort aus der Wäscherei mit den Strafgefangenen herausgenommen und außerhalb eingesetzt. An diesem Beispiel sieht man einmal mehr dass es für uns Zivilisten sehr schwer war, das Gegenteil zu beweisen, wenn sich die Strafgefangenen einig waren.
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