Kitabı oku: «Die Kunst der verantwortungsvollen Führung»

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Klaus M. Leisinger

Die Kunst der

verantwortungsvollen

Führung

Vertrauen schaffendes Management

im internationalen Business


Klaus M. Leisinger

Die Kunst der

verantwortungsvollen

Führung

Vertrauen schaffendes Management

im internationalen Business

Haupt Verlag

Dr. Klaus M. Leisinger ist Gründer und Präsident der Stiftung Globale Werte Allianz (www.globalewerteallianz.ch) sowie Professor für Soziologie an der Universität Basel. Er arbeitete über 30 Jahre in leitender Stellung eines großen Pharmaunternehmens, dient den Vereinten Nationen als Senior Advisor und der Europäischen Kommission als Experte für ethische Beurteilungen.

Dieses Buch wurde inspiriert von Karl Schlecht, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Karl Schlecht Stiftung, der sich u.a. in hohem Maße um das geistige Vermächtnis Erich Fromms verdient macht und der seit 2014 umfangreich die mehr als 40-jährige Arbeit und das Wirken des von Erich Fromm eingesetzten Nachlassverwalters und Psychoanalytikers Rainer Funk fördert.

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Art der Vervielfältigung ist ohne Zustimmung des Verlags, der Stiftung Globale Werte Allianz und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

1. Auflage: 2018

Umschlagbild: © Sean Scully, Wall of Light Pale Yellow, 2010

(Öl auf Aluminium, 216 x 190 cm). Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und des Kunstmuseums Bern.

Diese Publikation ist in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet.

Mehr Informationen dazu finden Sie unter http://dnb.dnb.de

E-Book ISBN 978-3-258-48059-6

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2018 Haupt Bern

Umschlaggestaltung und Layout: Daniela Vacas, Bern

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

www.haupt.ch

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort Prof. Dr. Ulrich Lehner

Vorwort

1 Einleitung und Hintergrund

1.1 Das Unbehagen der Menschen in modernen Gesellschaften

1.2 Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Führungskräften der Wirtschaft

1.3 «Ethik des geschäftlichen Tuns» als prinzipiengeleitetes Nachdenken über integres Handeln von Führungskräften

1.3.1 Unternehmensethik: Die Organisation als moralischer Akteur

1.3.2 Individualethik: Der Mensch als moralischer Akteur

2 Erich Fromms Gedankengut und der moderne Diskurs über ethische Desiderata für Führungspersönlichkeiten in Unternehmen

2.1 Erich Fromms Verständnis von Ethik und das damit verbundene Menschenbild

2.1.1 Was ist Erich Fromms Verständnis von Ethik?

2.1.2 Das Menschenbild Erich Fromms

2.2 Haben oder Sein als seelische Grundlage einer neuen Gesellschaft

2.2.1 Religion

2.2.2 Kapitalismus

2.2.3 Der Marketing-Charakter

2.2.4 Der neue Mensch in einer neuen Gesellschaft

2.2.5 Können und Sollen

2.3 Was bleibt, wenn man den ideologischen Ballast des «kommunitären Sozialismus» abwirft?

2.3.1 Inhaltliche Vielfalt scheinbar eindeutiger Begriffe

2.3.2 Kavalleriepferde beim Hornsignal

2.3.3 Zivilisiert den Kapitalismus

2.3.4 Stimmen aufgeklärter Liberaler

2.3.5 Stimmen gestandener Wirtschaftsführer

2.3.6 Stimmen christlicher Kirchen und der Vereinten Nationen

2.3.7 Praktische Evolution, nicht theoretische Revolution

2.3.8 Licht am Horizont?

3 Kann man ein Unternehmen im globalen Wettbewerb erfolgreich mit «Liebe» führen?

3.1 Die Sache mit der Liebe

3.1.1 Fürsorge

3.1.2 Verantwortungsgefühl

3.1.3 Achtung vor den anderen

3.1.4 Erkenntnis

3.2 Die Sache mit der Erkenntnis

3.2.1 Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

3.2.2 Privilegierte Positionierung bedeutet nicht höhere Erkenntnisfähigkeit

3.3 Zentrale Botschaften moderner Managementliteratur zum Thema «Führung»

4 Erich Fromm vom Kopf auf die Füße gestellt

4.1 Was kann ich wissen?

4.1.1 Primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare

4.1.2 «Vorsichtig agieren» und «heilen» als Teil gesellschaftlicher Erwartungen

4.1.3 Die Bedeutung zielführender Rahmenbedingungen

4.2 Was kann ich tun?

4.2.1 Erweiterung des Anforderungsprofils von Führungskräften

4.2.2 Anreicherung der Zielsetzungen, Mitarbeiterbeurteilungen und Beförderungskriterien mit Elementen der humanistischen Ethik

5 Vorläufige Schlussfolgerungen: Was darf ich hoffen?

5.1 Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft als wirkmächtige Gestalter einer nachhaltigen Entwicklung mit menschlichem Antlitz

5.2 Persönlichkeitsentwicklung und Charakterschulung als «missing link»

5.3 Integres, biophiles Handeln als Wettbewerbsfaktor

5.4 Anspruchsvolle Kunden (Aspirational Consumers)

5.5 Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

5.6 Noch mehr Licht am Ende des Tunnels

5.6.1 Das Leipziger Führungsmodell

5.6.2 Veränderte Wahlkriterien für den CEO des Jahres

5.6.3 Beispiele von individueller «Leadership»

Ausblick

Epilog

Literaturverzeichnis

Geleitwort

Prof. Dr. Ulrich Lehner*

Unternehmensführung ist eine Kunst und setzt daher hohe handwerkliche Fähigkeiten voraus. Unternehmensführung betrifft die Führung des Unternehmens nach innen mit der gewünschten Wirkung nach außen.

Unternehmensführung betrifft aber auch die Art und Weise, wie eine Gesellschaft ihre Unternehmen führt, wie sie Wirtschaften gestaltet. Wir sind bei diesen Fragen in einem Zentrum unserer gesellschaftlichen Gestaltungsaufgaben. Prof. Leisinger geht sie sehr grundsätzlich an und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Reflexion und Kritik unseres Tuns, das allzu oft nicht langfristig und grundsätzlich ausgerichtet ist. Dass er dabei zum Gedankenabgleich die Gedankenwelt Erich Fromms benutzt, des bekennenden Anhängers eines sozialistischen Humanismus mit einem ideal-sozialistischen, zutiefst kapitalismus-kritischen Weltbild, der einen neuen Menschen in einer neuen Gesellschaft schaffen möchte, einer sozialistischen, legt die Messlatte besonders hoch.

Die Marktwirtschaft erlebt aktuell immer wieder heftige Kritik, obwohl sie historisch als das effektivere Wirtschaftssystem beschrieben werden kann. Ist sie zukunftsfähig?

Die Wirtschaft ist das wichtigste, sicher aber das nötigste Subsystem der menschlichen Gesellschaft. Bei der Gestaltung dieses Systems der Daseinsfürsorge ist für Effektivität und Effizienz zu sorgen. Dies ist eine der hervorragendsten Aufgaben der Politik. Das Subsystem Wirtschaft steht mit den anderen Subsystemen der Gesellschaft in vielfältigen, komplexen Zusammenhängen, die es zu verstehen und zu gestalten gilt. Dabei gilt sicher, dass eine Theorie, die die kapitalistische Wirtschaftsordnung für das Ganze der Gesellschaft hält und alle menschlichen Beziehungen ökonomisiert, nicht zielführend ist. Was ist das Ziel der Gesellschaft und wie ist die Zielfunktion guter Unternehmensführung?

Das Unternehmen ist eingebettet in die verschiedensten Umfeld-Segmente, mit denen es – will es erfolgreich sein – in einem ausbalancierten Verhältnis stehen muss. Das wichtigste Umfeld-Segment ist der Absatzmarkt, aber auch der Beschaffungsmarkt, der Arbeitsmarkt, der Finanzmarkt, der Steuermarkt und in zunehmendem Maße der allgemeine, differenzierte Meinungsmarkt, der die allgemeine Reputation des Unternehmens bestimmt, müssen in ihren Erwartungen gemanaged werden. Corporate Social Responsibility (CSR) und die mit CSR verbundenen Berichtspflichten zeigen die veränderte Sicht von der gesellschaftlichen Rolle von Unternehmen.

Regelmäßig findet man in allen Beziehungen zwischen Unternehmen und den verschiedenen Umfeld-Segmenten Erwartungslücken vor, die gemanaged werden müssen. Denn mit (offenen) Erwartungslücken lässt sich langfristig nicht leben. So schwierig Unternehmensführung in der Sache sein kann, sie sollte einfach sein, wenn es um den Stil geht: Die Handelnden müssen mit Haltung handeln, in Verantwortung für ihr Unternehmen, ihre Mitarbeitenden und alle anderen am Unternehmen beteiligten Gruppen. Sie müssen durch ihr Handeln das Vertrauen in das System – hier die soziale Marktwirtschaft – in ihrem Interesse und auch im Interesse der Gesellschaft immer wieder bestätigen.

In der Marktwirtschaft bedarf es aber auch kundiger und mündiger Bürger, die ihre Nachfrage im Interesse der Gesellschaft kontrollierend gestalten.

Die Führung des Unternehmens nach innen ist zielorientierte Kommunikation zwischen den Führenden und den Mitarbeitenden, die auf Werten beruht und auf Werten besteht.

Das unternehmerische Handeln erfüllt den Eigennutz der Akteure nur im Erfüllen eines gesellschaftlichen Zweckes. Und daher kann eine an die Gesellschaft gerichtete Kommunikation einer Mission / Vision nur die Kommunikation einer gesellschaftlichen Bestimmung (purpose) sein. Auch die Mitarbeitenden werden dies als Arbeitsinhalt wünschen.

Damit ist auch die Frage der Erfolgsmessung, die Frage des kurzfristigen und des langfristigen Erfolges, der inhaltlichen Nachhaltigkeit, die Frage des geeigneten Incentive-Systems und die Frage eines anreizkompatiblen Vergütungssystems angesprochen.

Die neueste Fassung des Deutschen Corporate Governance Kodex stellt insofern auch klar: Kapitalgesellschaften sollen so geführt werden, dass durch sie ein betriebswirtschaftlicher wie ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen entsteht. Dies ist im Kern die marktwirtschaftliche Idee. Prof. Leisinger adressiert in seinem Buch die Vielfältigkeit der Facetten dieser Gestaltungsaufgabe. Ich möchte einen Appell an die Unternehmensführung richten, sich intensiv in die Diskussion zur Gestaltung unseres Wirtschaftssystems einzubringen und dies zu tun auf ihrem umfassenden Erfahrungsschatz auch im internationalen Vergleich. Der ehrbare Kaufmann trägt auch politische Verantwortung.

* Prof. Dr. Ulrich Lehner ist eine der einflussreichsten Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft Deutschlands, u.a. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom AG und der ThyssenKrupp AG, ehem. Vorsitzender des Vorstands und jetziges Mitglied des Gesellschafter-Ausschusses der Henkel AG & Co. KGaA, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf (– 2016), Präsident des VCI Verband der Chemischen Industrie e.V. (2007–2010), ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrats Novartis AG (2002 – 2015) sowie deren Lead Director und Interims-Präsident (2013). Als Honorarprofessor an der Universität Münster und Mitgestalter des Leipziger Führungsmodells ist er auch der Wissenschaft eng verbunden.

Vorwort

Dass «Geld allein» den Menschen nicht glücklich macht, weiß schon der Volksmund zu berichten. Auch dass das verfügbare Einkommen eine große Rolle für das Glücksempfinden oder zumindest die Zufriedenheit der Menschen spielt, ist bekannt. Mangel an Geld zur Deckung der Grundbedürfnisse verursacht Stress und macht unglücklich. Nicht einfach zu erklären ist, dass die Menschen in modernen Gesellschaften trotz über Jahrzehnte stetig gestiegener Einkommen und besserer Sozialindikatoren (u. a. Lebenserwartung, Gesundheit, Ausbildung) im Großen und Ganzen skeptischer, misstrauischer und diffus pessimistischer sind denn je. Skeptisch sind sie insbesondere denen gegenüber, deren Aktivitäten maßgeblich zum Wirtschaftswachstum und den dadurch möglichen größeren individuellen Wahlmöglichkeiten beigetragen haben – Unternehmen und deren Führungspersonal.

Etwas lief falsch, was mit «Geld allein» nicht erklärbar ist, sondern mit den Begleitumständen, unter denen Wirtschaftswachstum und Einkommenserhöhung zustande kommen, sowie mit enttäuschten Erwartungen der Menschen über den Preis, der für «mehr Geld» anfiel. Der destruktive Umgang mit den natürlichen Ressourcen dieser Erde, die als unfair empfundene Verteilung geschaffenen Mehrwerts sowie der Umgang mit Menschen und ihren seelischen Bedürfnissen sind hier von Bedeutung. Was den menschlichen Preis der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte angeht, so sprechen die Zunahme an Depressionen und dem Burn-out-Syndrom eine deutliche Sprache.1

Die Zunahme an seelischen Krankheiten wäre allein schon Grund genug, sich Gedanken über den Status quo und Voraussetzungen für menschliches Glück zu machen. Die heute lebenden Menschen stehen jedoch, so sah das die internationale Gemeinschaft im September 2015, zusätzlich vor Herausforderungen, die weit über die Vernachlässigung individueller seelischer Bedürfnisse hinausgehen:

«Milliarden unserer Bürger leben nach wie vor in Armut, und ein Leben in Würde wird ihnen verwehrt. Die Ungleichheiten innerhalb der Länder und zwischen ihnen nehmen zu. Es bestehen enorme Unterschiede der Chancen, des Reichtums und der Macht. Geschlechterungleichheit stellt nach wie vor eine der größten Herausforderungen dar. Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, ist ein erhebliches Problem. Weltweite Gesundheitsgefahren, häufiger auftretende und an Intensität zunehmende Naturkatastrophen, eskalierende Konflikte, gewalttätiger Extremismus, Terrorismus und damit zusammenhängende humanitäre Krisen und die Vertreibung von Menschen drohen einen Großteil der in den letzten Jahrzehnten erzielten Entwicklungsfortschritte zunichte zu machen. Die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die nachteiligen Auswirkungen der Umweltzerstörung, darunter Wüstenbildung, Dürre, Landverödung, Süßwasserknappheit und Verlust der Biodiversität, haben eine immer länger werdende Liste sich verschärfender Menschheitsprobleme zur Folge. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, und seine nachteiligen Auswirkungen untergraben die Fähigkeit aller Länder, eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Der globale Temperaturanstieg, der Anstieg des Meeresspiegels, die Versauerung der Ozeane und andere Auswirkungen des Klimawandels haben schwerwiegende Folgen für die Küstengebiete und für tiefliegende Küstenstaaten, darunter viele der am wenigsten entwickelten Länder und kleinen Inseln. Das Überleben vieler Gesellschaften und der biologischen Unterstützungssysteme der Erde ist in Gefahr.»2

Um die schon heute bestehenden Probleme zu lösen und absehbaren Verschlechterungen bei überlebenswichtigen Umwelt- und Sozialindikatoren entgegen zu wirken, zeigten sich die Teilnehmer der Generalversammlung einstimmig «entschlossen, die kühnen und transformativen Schritte zu unternehmen, die dringend notwendig sind, um die Welt auf den Pfad der Nachhaltigkeit und der Widerstandsfähigkeit zu bringen und […] auf dieser gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen.» Weiterhin zeigte man sich «entschlossen»3,

• Armut und Hunger in allen ihren Formen und Dimensionen ein Ende zu setzen und sicherzustellen, dass alle Menschen ihr Potenzial in Würde und Gleichheit und in einer gesunden Umwelt voll entfalten können;

• den Planeten vor Schädigung zu schützen, unter anderem durch nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion, die nachhaltige Bewirtschaftung seiner natürlichen Ressourcen und durch umgehende Maßnahmen gegen den Klimawandel, damit die Erde die Bedürfnisse der heutigen und der kommenden Generationen decken kann;

• dafür zu sorgen, dass alle Menschen ein von Wohlstand geprägtes und erfülltes Leben genießen können und dass sich der wirtschaftliche, soziale und technische Fortschritt in Harmonie mit der Natur vollzieht;

• friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften zu fördern, die frei von Furcht und Gewalt sind. Ohne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden;

• die für die Umsetzung dieser Agenda benötigten Mittel durch eine mit neuem Leben erfüllte Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren, die auf einem Geist verstärkter globaler Solidarität gründet, insbesondere auf die Bedürfnisse der Ärmsten und Schwächsten ausgerichtet ist und an der sich alle Länder, alle Interessenträger und alle Menschen beteiligen.

Die Teilnehmer der UNO Generalversammlung erklärten einstimmig, dass die Erreichung dieser ambitionierten Ziele mit einem «Weiter so» nicht vereinbar sei und es eines neuen Ansatzes bedürfe (Artikel 13). Zur Bewältigung von Problemen der vorliegenden Dimension und Komplexität müssen alle gesellschaftlichen Akteure ihren Beitrag leisten – auch die Unternehmen mit ihren hohen Organisations-, Kreativitäts- und Innovationspotentialen.

Großer internationaler Konsens besteht auch darüber, dass «business as usual» verheerend wäre – oder, um es wie Albert Einstein zu sagen, man kann Probleme nicht mit denselben Denkweisen lösen, durch die sie entstanden sind. Im vorliegenden Zusammenhang geht es insbesondere um die Denkstrukturen derjenigen, die Führungsverantwortung in Unternehmen inne haben, denn diese filtern aus der unendlichen Anzahl möglicher Handlungsweisen diejenigen heraus, die sie für legitim halten. Das bedeutet nicht, dass nicht auch eine veränderte Geisteshaltung politischer, zivilgesellschaftlicher und anderer Verantwortungsträger notwendig ist. Die Führungsverantwortlichen von Unternehmen stehen hier jedoch im Vordergrund, weil sie anerkannt hohe Organisations-, Kreativitäts- und Innovationspotentiale haben, deren Realisierung größte Bedeutung für eine nachhaltige, menschenfreundliche Entwicklung hat.

Wenn es um neue Denkstrukturen der Menschen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geht, lohnt sich oft auch ein Rückgriff auf bereits bestehendes, aber in der Öffentlichkeit etwas in Vergessenheit geratenes Gedankengut: beispielsweise das des großen deutsch-amerikanischen Philosophen und Psychoanalytikers Erich Fromm. Erich Fromm kommt das große Verdienst zu, wirtschaftliches Geschehen und die Menschen, deren Entscheidungen und Unterlassungen dieses gestalten, aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten, als dies die Curricula etablierter Business Schools tun: aus Sicht der Psychoanalyse und im Blick auf die Persönlichkeitsstruktur. Das mag Betriebswirtschaftler und puristische Ökonomen irritieren oder gar belustigen. Wer jedoch beim Diskurs über die normative Richtigkeit geschäftlichen Handelns den Faktor Mensch außen vor lässt, macht das, was Jakob Burckhardt «simplification terrible» nannte.

Wir sind alle Kinder unserer Zeit, geprägt von unserer spezifischen Werte-Sozialisation, den historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen wir heranwuchsen und leben sowie den Erfahrungen, die wir machten. Wissen und intellektuelle Substanz aus einer anderen Zeit muss daher im Lichte ihres Entstehungskontextes verstanden und auf seine Aussagekraft für die gegenwärtige Lebenswelt geprüft werden.

Das gilt natürlich nicht nur für Erich Fromm, sondern für alle großen Denker der Menschheitsgeschichte – von Platon und Konfuzius bis zu den heute relevanten Intellektuellen. Und in einem so umfassenden Werk wie dem Erich Fromms steht vieles, das in einer verkürzten Behandlung aus dem Zusammenhang gerissen und missverstanden werden kann.

Um die Bedeutung der Erkenntnisse Erich Fromms für die moderne Gesellschaft würdigen zu können, muss man sich einerseits auf seine Begriffsdefinitionen, den gesellschaftspolitischen Kontext seines Denkens und den historischen Kontext einlassen, in dem sie entstanden sind. Andererseits muss man versuchen, das heraus zu destillieren, was an Substanz über die damaligen historischen und politischen Umstände hinaus für heutiges Handeln bedeutsam ist.

Eine solche Arbeit – das muss der Transparenz und Wahrhaftigkeit wegen klar gemacht werden – hat immer subjektiven Charakter. Die von mir bewusst gesuchte Nähe meines Buchtitels zu Erich Fromms wohl bekanntestem4 Werk «Die Kunst des Liebens» soll darauf hinweisen, dass meine Empfehlungen vom Gedankengut Erich Fromms inspiriert sind. Sie sind jedoch geprägt von meinen persönlichen Werturteilen und meiner Lebenserfahrung.5 Ebenso wahr ist, dass die verkürzte Darstellung von Gedanken aus einem so komplexen Lebenswerk wie dem Erich Fromms immer ihren Preis hat – ob der hier bezahlte angemessen ist, mögen andere beurteilen.

Angeregt zu dieser Arbeit wurde ich von Karl Schlecht, dem Stifter und Vorstandsvorsitzenden der Karl Schlecht Stiftung,6 der sich in hohem Maße um das geistige Vermächtnis Erich Fromms verdient macht, indem er seit 2012 die mehr als vierzigjährige Arbeit des von Erich Fromm eingesetzten Nachlassverwalters und Psychoanalytikers Rainer Funk fördert – zuletzt durch die gemeinsame Gründung der Erich Fromm Stiftung und des Erich Fromm Instituts in Tübingen. So wird sichergestellt, dass die intellektuelle und ethisch fundierte Hinterlassenschaft Erich Fromms und die Anwendung seines Wissens für Führungspersönlichkeiten generationenübergreifend bewahrt, weiterentwickelt und verbreitet wird.

Klaus M. Leisinger

Basel, im Herbst 2017

1 Siehe Rebscher, H. (Hrsg.) (2016): 36. Dort heißt es: «Die gestiegene Bedeutung von psychischen Erkrankungen hat die DAK-Gesundheit bereits mit Sonderanalysen in den Gesundheitsreports 2002, 2005 und 2013 berücksichtigt. Im Jahr 2015 gingen 16,2 Prozent aller Fehltage auf das Konto von psychischen Erkrankungen. Diese Erkrankungsgruppe lag damit auf Platz 3 bei den Ursachen für Fehlzeiten.»

2 Vereinte Nationen (2015): Art. 15.

3 Vereinte Nationen (2015): Art. 15.

4 Neben dem 20 Jahre später erschienenen Haben oder Sein war Die Kunst des Liebens ein weltweiter Bestseller.

5 Menschen nehmen die Welt um sich herum durch einen subjektiven Filter wahr. Es wird hauptsächlich im zustimmenden Sinne zur Kenntnis genommen, was mit den persönlichen Werturteilen, den eigenen Ansichten über «Gott und die Welt» und als Folge von in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen vereinbar ist. Die gleichen Faktoren bestimmen auch die Struktur unserer Handlungsweisen. Ich bin auf meine Werturteile und axiomatischen Annahmen eingegangen in: Leisinger, K. M. (2009): 3–23. Für Erich Fromm hängen das Glück und die seelische Gesundheit eines Menschen von der Gültigkeit der gefällten Werturteile ab.

6 Siehe www.ksfn.de/die-stiftung.html.

1 Einleitung und Hintergrund

1.1 Das Unbehagen der Menschen in modernen Gesellschaften

Vieles deutet darauf hin, dass in unserer westlichen Gesellschaft alte Gewissheiten ins Wanken geraten: Gesellschaftliche, politische, soziale und ökologische Probleme scheinen komplexer und größer denn je. Die individuellen, institutionellen und nationalen Einflussmöglichkeiten auf Lösungen scheinen geringer. Immer mehr Menschen fürchten, dass alles, worauf sie für ihre Wohlfahrt und die ihrer Familie hingearbeitet haben, vernichtet wird. Angst vor drohenden Veränderungen und Zweifel daran, ob die heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme noch mit dem traditionellen Paket von Demokratie und Marktwirtschaft bewältigt werden können, schafft neue politische Realitäten. Selbst in den USA, einem Musterland des Kapitalismus, unterstützen nur noch weniger als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen den Kapitalismus, zumindest nicht in der Erscheinungsform, die sich während der letzten zwanzig Jahre ausgeprägt hat.7

Die Mehrheit der Deutschen (55 %) blickt eher mit Angst als mit Zuversicht in die Zukunft. Besonders pessimistisch ist die mittlere Generation (35- bis 54-Jährige); 83 Prozent dieser Befragten rechnen mit schlechteren Zeiten.8 Viele Erwerbstätige befürchten, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Auch die große Mehrzahl der befragten Menschen anderer «reifer» Industrieländer (OECD-Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Japan) glaubt nicht, dass es ihnen in fünf Jahren besser gehen wird. Gemäß einer Umfrage des Wall Street Journal (Juli 2016) sind 73 % der US-Amerikaner der pessimistischen Ansicht, das Land entwickle sich in eine falsche Richtung.9 Ängste dieser Art werden von denjenigen politischen Lagern instrumentalisiert, die sich von einer Abschottung der Nationen die Sicherung aller Besitzstände erhoffen.10

Hinzu kommen Skandale: Unternehmen, darunter einstige Leuchttürme des Aufschwungs, werden bei Betrügereien und Schmiergeldzahlungen erwischt. Firmenchefs werden bei illegalem Handeln ertappt, gestürzt, stehen vor Gericht und verlieren Ehre und Ansehen. Topmanager, die ihre hohen variablen Vergütungen wortreich mit der gewaltigen Dimension ihrer Verantwortung sowie den hohen, mit ihrer Position verbundenen Risiken rechtfertigen, bestehen auch nach offenkundig gewordenen Fehlleistungen auf der Zahlung von Erfolgsprämien, so als wäre nichts geschehen. All das schafft Unbehagen, wenn nicht gar Zorn, verbreitet Unsicherheit und Misstrauen. Wenn ein Vorstand eines großen Unternehmens nach 11 Monaten Arbeit eine Abfindung von 12 Millionen Euro bekommt und eine Reinigungskraft im selben Konzern nach 40 Jahren Arbeit nicht von ihrer Rente leben kann, läuft etwas Prinzipielles falsch. Eine kapitalistische Wirtschaftsordnung, die solche Verhaltensweisen zulässt, untergräbt die eigene Vertrauenswürdigkeit.

Das ist schade, denn erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen sind gesellschaftlich enorm wertvoll: Menschen arbeiten zusammen, um wichtige Güter und Dienstleistungen herzustellen und anzubieten. Erfolgreiche Unternehmen stellen neuartige Dienstleistungen zur Verfügung, die das Leben von Menschen leichter machen. Erfindungen und Innovationen helfen, Probleme zu lösen, die für unsere Vorfahren unlösbar waren. Durch Unternehmen und Zulieferbetriebe werden Arbeitsplätze geschaffen, Löhne sowie Gehälter bezahlt und Gewinne erwirtschaftet. Ebenso werden Steuern abgeführt, die das Gemeinwesen in die Lage versetzen, seine Aufgaben zu erledigen. Und schließlich werden Beiträge für Sozialabgaben sowie Versicherungsprämien bezahlt. Das sind alles Leistungen, die aus sozialethischer Sicht höchst positiv zu bewerten sind. Ein erfolgreicher Wirtschaftssektor und darin tätige, florierende Unternehmen sind zwar für eine Gesellschaft nicht alles11, doch ohne erfolgreiche Unternehmen gibt es keinen Wohlstand. Stagnierende oder gar scheiternde Gesellschaften sind in niemandes Interesse – im Gegenteil: Sie verursachen in den betroffenen Ländern großes menschliches Leid und, z. B. durch Migration, darüber hinaus weitere Probleme an anderen Orten.

Es wäre also zu erwarten, dass insbesondere in marktwirtschaftlich organisierten und demokratisch gestalteten Industriegesellschaften die Menschen Unternehmen und ihr Wirken wertschätzen. Das aber ist nicht der Fall. Seit vielen Jahren empfinden Menschen in modernen Gesellschaften gegenüber großen Unternehmen eine nur diffus beschreibbare, aber wachsende Antipathie. Knapp die Hälfte der Menschen in Industrie- und Schwellenländern ist nicht der Ansicht, dass (große) Unternehmen im besten Interesse der Gesellschaft arbeiten. Je höher der Grad der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, desto größer die Skepsis.12 Nach einer im Juli 2016 weltweit durchgeführten Erhebung von GlobeScan13 vertrauen

• 48 % der Befragten wissenschaftlichen und akademischen Institutionen;

• 30 % Nichtregierungsorganisationen (NGOs);

• 25 % großen karitativen Organisationen;

• 16 % den Vereinten Nationen (UNO);

• 12 % den nationalen Unternehmen in ihren jeweiligen Ländern;

• 1 % den jeweiligen nationalen Regierungen und

• 0 % international tätigen Unternehmen.

Die Daten des 2017 Edelman Trust Barometer14 zeigen ein ähnliches Bild: Auf die in 28 Ländern gestellte Frage, welcher Institution sie vertrauen, das Richtige zu tun («to do what is right»), nennen 53 % der Menschen «Nichtregierungsorganisationen», 52 % nennen «Business» und 43 % «Medien» sowie 41 % «Regierungen».

Mit Ausnahme für wissenschaftlich akademische Institutionen und Nichtregierungsorganisationen nahm das Vertrauen in den meisten Industrieländern in den letzten Jahren ab. Menschen mit niedrigen Einkommen fühlen sich von der positiven wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ausgeschlossen und vertrauen Unternehmen und Staat weniger als Menschen mit hohem Einkommen. Zunehmende Einkommensdisparitäten verstärken die Abnahme des Vertrauens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Trotz dieses Unbehagens trauen es die meisten Menschen eher den Unternehmen als den Regierungen und Nichtregierungsorganisationen zu, die in Zeiten der Veränderung und des Umbruchs auftauchenden Herausforderungen zu bewältigen. Achtzig Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Wirtschaft die anstehenden Probleme (z. B. im Kontext der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung15) am besten lösen könne.16 63 % der Befragten meinen allerdings, die Regierungen (denen sie noch weniger trauen!) müssten den Unternehmen vermehrt mit gesetzlichen Forderungen auf die Sprünge helfen.

Es gibt unfassbare Beispiele zynisch-kriminellen Handelns.17 Und es gibt Lug und Betrug, selbst bei deutschen Großunternehmen mit signifikanter Staatsbeteiligung. Der Mangel an Vertrauen geht jedoch meiner Ansicht nach weniger auf bekannt gewordene Skandale zurück18, sondern überwiegend auf ein Auseinanderklaffen zwischen dem, was die Menschen einer Gesellschaft erwarten und dem, was das Management von Unternehmen «liefert». Die meisten Menschen in Industrie- und Schwellenländern erwarten, dass Führungspersönlichkeiten in Unternehmen ihre Verantwortung breiter definieren und vermehrt die Interessen gesellschaftlicher Anspruchsgruppen jenseits des Finanzsektors berücksichtigen.19 Etwa 87 % der Befragten in Industrie- und Schwellenländern sind der Ansicht, Unternehmen sollten hinsichtlich ihrer Ziele «mindestens das gleiche Gewicht auf gesellschaftliche Angelegenheiten» legen; nur 28 % der Befragten sind der Ansicht, Unternehmen kämen ihrer Verantwortung in dieser Hinsicht nach.20

Vertrauen – hier definiert als ein im Voraus gewährtes Zutrauen, dass die Handlungs- und Verhaltensweisen anderer Menschen oder Institutionen den eigenen Erwartungen entsprechen – wirkt wie Öl in einer schwer laufenden Maschine: Der Glaube an die Redlichkeit der anderen und das «Sich-Verlassen-Können» auf deren Handlungsweisen in Übereinstimmung mit gemeinsamen Werten erlauben eine Reduktion von Komplexität. Man muss nicht ein Heer von Anwälten und Sorgfaltsprüfern beschäftigen, um alle Details vertraglich abzusichern und sämtliche Vorsichtsmaßnahmen einzubauen, um so Übervorteilung möglichst auszuschließen. Man darf erwarten, dass – bei allen verbleibenden Unsicherheiten, die immer mit zukünftigem Handeln verbunden sind – die «andere Seite» das in sie gesetzte Vertrauen durch entsprechendes Handeln rechtfertigt. Für Francis Fukuyama ist Vertrauen eine Conditio sine qua non für den Erfolg moderner Gesellschaften.21

Für Unternehmen ist Vertrauen nicht nur nützlich, sondern «Wert»-voll im eigentlichen Sinne: Menschen, die einem Unternehmen vertrauen, kaufen seine Produkte und Dienstleistungen (68 %), empfehlen diese Freunden und Kollegen (59 %), teilen ihre positive Beurteilung anderen mit (41 %), verteidigen die Firma gegen Kritik (38 %), sind auch bereit, (etwas!) höhere Preise zu bezahlen (37 %) und seine Aktien zu kaufen (18 %).22

Eine Ernst & Young-Studie legt ein noch größeres, internes Problem offen: Nicht einmal mehr die Hälfte der eigenen Angestellten hat Vertrauen in das eigene Unternehmen.23 Analysiert man die Faktoren, welche nach Ansicht derselben Befragten Vertrauen schaffen (z. B. «treats me with respect», «behaves ethically» und «communicates openly / transparently»), werden die Führungsdefizite offenbar. Wo kein Vertrauen herrscht, ist weniger Loyalität zu erwarten, muss mehr kontrolliert und kann weniger delegiert werden.

Das gesellschaftliche Unbehagen insbesondere gegenüber großen und international tätigen Unternehmen ist nicht neu. Es hat sich jedoch verfestigt und ein Ausmaß angenommen, das nicht so einfach in politische «links»- «rechts»-Schubladen geworfen und auch sonst keinen eng definierten Interessenkategorien zugeordnet werden kann. So diagnostizierte schon vor Jahren die Harvard Business Review (HBR), also das Journal, das von vielen Managern als «Zentralorgan» betriebswirtschaftlicher Klugheit angesehen wird, dass gesellschaftliches Vertrauen in die Wirtschaft ausgehen würde.24 Die HBR gab Topmanagern den therapeutischen Rat, zu tun, was sie können, um das Vertrauen der Stakeholder wieder zu erlangen und effektiver ihre Beziehungen mit ihnen zu pflegen.25

Die Harvard Business Review verlangte nach der Finanzkrise von 2007ff einen Reformprozess, der ganz oben beginnen sollte: Unternehmensführer müssen der Zivilgesellschaft glaubwürdig vermitteln, dass sie die gesellschaftlichen und politischen Bedenken in Bezug auf die Vergütung von Führungskräften, ihr Risikomanagement, die Pflichten von Aufsichtsräten und die Behandlung von Mitarbeitern, die entlassen werden, ernst nehmen. Vertrauen zurück gewinnen bedeutet auch, sich von der Idee zu verabschieden, dass das einzige Managementziel sei, den Shareholder Value zu steigern.26 Es deutet wenig darauf hin, dass dieser Rat befolgt wurde.

So ist es denn auch nicht wirklich überraschend, dass um die Glaubwürdigkeit von Topmanagern sehr schlecht steht: nur 37 der von Edelman Befragten halten CEOs für glaubwürdig.27 Dass die Führungskräfte von Regierungen mit 29 % noch schlechter abschneiden, ist kein Trost – die mit der Agenda 2030 anstehenden gesellschaftlichen Reformen erfordern robustes Vertrauen in Wirtschaft und Politik.

Die Harvard Business Review war mit ihrer Kritik nicht alleine: Im Januar 2012 publizierte die Financial Times, ebenfalls völlig unverdächtig in Bezug auf systemerschütternde Kapitalismuskritik, eine Reihe von Artikeln unter dem Titel «Capitalism in Crisis».28 Darin wurde Wirtschaftswachstum als bedeutungslos charakterisiert, es sei denn, es hat eine umfassende, positive soziale Wirkung. Die Financial Times diagnostizierte als Folge der Nichterfüllung öffentlicher Erwartungen eine Abnahme der gesellschaftlichen Akzeptanz. Der Economist – auch dies kein linkes Kampfblatt – schloss sich dem kritischen Tenor an und schlussfolgerte: «The era of free market triumphalism has come to a juddering halt […]».29 Solche Aussagen sollten eigentlich bei allen, die in einer marktwirtschaftlichen Ordnungspolitik und freiem Unternehmertum die wesentlichen Antriebskräfte für den Wohlstand westlicher Gesellschaften sehen, Alarm und Ursachenforschung sowie Gegenmaßnahmen auslösen.

Ob «Business» im besten Interesse der Gesellschaft arbeitet oder nicht, bestimmen nicht abstrakte Körperschaften, sondern konkrete Menschen, die in Unternehmen arbeiten – ganz besonders jene, die Führungsverantwortung tragen. Daher ist das zum Ausdruck gebrachte Misstrauen gegenüber Unternehmen in Wahrheit ein explizites Misstrauensvotum gegen das Führungspersonal von Unternehmen.

1.2 Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Führungskräften der Wirtschaft

Es gibt Menschen, die schon bei der Formulierung des Themas «ethische Verantwortung von Führungskräften in Unternehmen» stocken, weil ihrer Ansicht nach sich gegenseitig ausschließende Begriffe in einen Zusammenhang gebracht werden. Entweder rede man von ethischer Verantwortung oder von Topmanagern. Zum Beleg der Richtigkeit ihrer Sicht der Dinge verweisen sie auf eine lange Liste von Beispielen, welche die Schlussfolgerung nahelegen, Menschen in der Führungsetage von Unternehmen betreiben unzivilisierten Kapitalismus auf Kosten von Sozial- und Naturkapital30 und profitieren durch deren Externalisierung über kurzfristige Bonus-Systeme persönlich.

Heute bringt Topmanagern (CEOs) nicht einmal mehr die Hälfte aller befragten Menschen in 27 Industrie- und Schwellenländern das Vertrauen entgegen, im besten Interesse der Gesellschaft zu arbeiten. Die dafür angeführten Gründe sind «zu großer Fokus auf kurzfristige finanzielle Resultate», «ungenügende Berücksichtigung langfristiger Auswirkungen» und «ungenügende Schaffung von Arbeitsplätzen». Die Interessen der Wirtschaftseliten werden als abgekoppelt von denen der Gesamtbevölkerung gesehen. In den Erwägungen und Entscheidungen des Führungspersonals großer Unternehmen spielen, so das Urteil der interviewten Menschen, die sozialen und ökologischen Erwartungen der Gesellschaft keine Rolle31; weitverbreitet sei eine «Mentalität der Selbstbedienung» durch Boni, die mit den tatsächlich erbrachten Leistungen wenig zu tun haben.32

Die größten Diskrepanzen zwischen dem, was Menschen moderner Gesellschaften von Topmanagern erwarten, und den tatsächlichen Handlungs- und Verhaltensweisen liegen bei den Themen «Integrität» und «gesellschaftliches Engagement». Als Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen als im besten Interesse der Gesellschaft arbeitend wahrgenommen werden, erwarten33

• 50 % der Befragten von Führungskräften, dass sie in hohem Maße ethische Verhaltensweisen praktizieren. Nur 24 % empfinden, das sei der Fall. – Eine Diskrepanz von 26 %;

• 53 % der Befragten von Führungskräften, dass sie bei der Bewältigung von Problemen oder Krisen verantwortungsvoll handeln. Nur 33 % empfinden, das sei der Fall. – Eine Diskrepanz von 20 %;

• 50 % der Befragten von Führungskräften, dass sie transparent und offen handeln. Nur 24 % empfinden, das sei der Fall. – Eine Diskrepanz von von 26 %;

• 52 % der Befragten von Führungskräften, dass sie ihre Mitarbeiter gut behandeln. Nur 25 % stellen das in der Praxis fest. – Eine Diskrepanz von 27 %;

• 50 % der Befragten von Führungskräften, dass sie auf Kundenbedürfnisse und deren Rückmeldung hören. Nur 25 % empfinden, das sei der Fall. – Eine Diskrepanz von 25 %.

Im Diskurs über Anspruch und Wirklichkeit in Bezug auf die Berücksichtigung ethischer Normen im Geschäftsalltag ist die individuelle Verantwortungsfähigkeit und die persönliche moralische Pflicht des Führungspersonals, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, zu sehr in den Hintergrund getreten. Gouvernanz- und Wertemanagement-Prozesse sind weiterhin wichtige Bestandteile ethisch reflektierter Unternehmensführung. Mit Wertemanagement und dem bekannten Werkzeugkasten34 guter Corporate Governance können jedoch lediglich die Eintrittswahrscheinlichkeit illegitimen Handelns vermindert sowie schuldhafte Verstöße gegen Gesetze und interne Regeln früher erkannt und korrigiert werden. Defizite bei der Individualmoral von Management und Belegschaft werden dadurch nicht behoben. Hier aber liegt der Dreh- und Angelpunkt.

Auch Menschen in Führungspositionen von Unternehmen sind – falls sie nicht als seelenkranke «Systemagenten»35 in ihrer personalen Beschaffenheit verkümmert sind und psychiatrischer Hilfe bedürfen – in erster Linie ganz «normale» Menschen. Als solche haben sie die Fähigkeit, normativ Richtiges von Falschem zu unterscheiden, mit Intelligenz und guten Gründen rational zu entscheiden sowie unterschiedliche Güter gegeneinander abzuwägen. Darüber hinaus haben sie eine moralische Vorstellungsgabe36, die ihnen erlaubt, komplexe Probleme in spezifischen Kontexten auf eine möglichst sozialkompetente und lebensfreundliche (biophile) Weise zu lösen.

Pico della Mirandola hat diesen Sachverhalt vor über 500 Jahren in einer unübertrefflichen Weise so formuliert: Der Mensch ist als «Bindeglied zwischen den Kreaturen, enger Freund der hohen Wesen und König der niedrigen, der Interpret der Natur durch die Schärfe seiner Sinne, durch die fragende Neugier seines Verstands und durch das Licht seiner Intelligenz» das wunderbarste Geschöpf der Welt. Und, Pico lässt das Gott sagen, der Mensch habe die Entscheidungsfreiheit so zu werden, wie er möchte:

«Die Natur der übrigen Geschöpfe ist fest bestimmt und wird innerhalb von uns vorgeschriebener Gesetze begrenzt. Du sollst dir deine [Welt37] ohne jede Einschränkung und Enge, nach deinem Ermessen, dem ich dich anvertraut habe, selber bestimmen. Ich habe dich in die Mitte der Welt gestellt, damit du dich von dort aus bequemer umsehen kannst, was es auf der Welt gibt. Weder haben wir dich himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender, schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es beschließt.»38

Dem ist auch im 21. Jahrhundert nichts hinzuzufügen. Jeder von uns – und somit jede Führungspersönlichkeit in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik – ist in allem, was er oder sie tut, ein im Sinne Picos frei entscheidender, schöpferischer Bildhauer. Jeder kann das tun, wovon er oder sie im Innersten weiß, dass es richtig ist. Diese individuelle moralische Verantwortung kann nicht auf andere oder hinderliche Umstände abgewälzt werden. Verantwortungsethik, das ist zumindest meine feste Überzeugung, ist bei Menschen, deren Handeln Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen hat, unendlich viel wichtiger als eine Gesinnungsethik fortwährend steigender Quartalsergebnisse.39 Die Übernahme persönlicher Verantwortung für die moralische Qualität eigenen Handelns und Verhaltens ist auch für Führungspersönlichkeiten in Unternehmen in erster Linie eine Frage des Verständnisses ihrer eigenen menschlichen Würde.

Das mag idealistisch klingen, ist es aber meiner Erfahrung nach nur vordergründig: Illegitimes Handeln zu Gewinnzwecken nicht mitzumachen, obwohl andere auf diese Weise entstehende Gelegenheiten zum kurzfristigen Vorteil nutzen, birgt zwar das Risiko, dass im Vergleich zu anderen Unternehmen der eigene Umsatz und Gewinn kurzfristig leidet. Dies kann auch (kleinere!) negative Auswirkungen auf den persönlichen Jahresbonus haben. Allerdings: Gefahren für die eigene Gesundheit oder gar das eigene Leben sind damit nicht verbunden. Ethisch begründete Verweigerung der Verletzung der Rechte und Würde heute oder zukünftig lebender Menschen ist daher auch im geschäftlichen Kontext zumutbar – für die seelische Gesundheit sogar besser. Da nur seelisch gesunde Menschen Verantwortung für Entscheidungen, deren Konsequenzen das Leben anderer berührt, übernehmen sollten, lohnt ein Rückgriff auf das Gedankengut Erich Fromms, dem großen deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker, Philosophen und Sozialpsychologen.

Um den Kontext der Auseinandersetzung mit normativen Geboten im Geschäftsleben herzustellen, werden zunächst kurz die prinzipiellen Konturen des gegenwärtigen unternehmensethischen Diskurses skizziert.

1.3 «Ethik des geschäftlichen Tuns» als prinzipiengeleitetes Nachdenken über integres Handeln von Führungskräften

Die intellektuelle Auseinandersetzung über das, was verantwortungsvolles Gewinnstreben im globalen Wettbewerb sein soll, läuft weltweit seit vielen Jahren auf vielfältige Weise und mit unterschiedlichen Denkansätzen.40 Wichtige Denkanstöße kommen auch aus dem deutschsprachigen Raum.41 Bei der Umsetzung anerkannter Normen in gewinnorientiertes Handeln gibt es zwar, je nach ethischer Theorie, unterschiedliche Begriffe und Prioritäten – immer aber geht es um die Beantwortung der klassischen Fragen, die Immanuel Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft stellte:42

• Was kann ich (als verantwortungsvolle Führungspersönlichkeit) wissen?

• Was soll ich tun?

• Was darf ich hoffen?

Diese Fragen gelten auch und erst recht unter Zeitdruck, bei Ressourcenknappheit und internationalem Wettbewerbsdruck. Um sicherzustellen, dass gewinnorientiertes betriebliches Handeln eine möglichst hohe ethische Qualität hat, bzw. – als minima moralia – Unternehmensgewinne nicht unter Inkaufnahme von Menschenrechtsverletzungen, irreparabler Kollateralschäden für heute und zukünftig lebende Menschen sowie für Natur- und Sozialkapital erzielt werden, ist Handeln auf (mindestens43) zwei Ebenen erforderlich: auf der organisatorischen Ebene (Unternehmens- oder Gouvernanz-Ethik44) sowie auf der persönlichen Ebene der Mitarbeiter, insbesondere derjenigen mit Führungsverantwortung. Die persönliche Dimension ist die wesentliche, denn auch die Struktur und Stringenz ethischer Erwägungen auf der organisatorischen Ebene wird von Menschen determiniert. Allerdings wird ein durch humanistische Ethik (die Frommsche Ethik) inspirierter Manager in einer Organisation, die seine Beweggründe und Anliegen durch entsprechende Anreiz- und Kontrollstrukturen unterstützt, größere Breitenwirkungen entfalten können. Daher zuerst ein paar Bemerkungen zum Sachverhalt Unternehmens- bzw. Gouvernanz-Ethik.

1.3.1 Unternehmensethik: Die Organisation als moralischer Akteur

Unternehmen sind als juristische Personen Träger einer Vielzahl von Rechten, Pflichten und Erwartungen. Sie werden, insbesondere in modernen Gesellschaften, aufgrund ihrer Fähigkeit, personelle (intellektuelle und moralische), finanzielle, technische und organisatorische Ressourcen zu aktivieren, zusammenzuführen und für das Erreichen der gesetzten Ziele einzusetzen, an einem anspruchsvollen Zurechnungsraster gemessen. So wie der Körper eines Menschen letztlich zwar aus der Vielzahl seiner Zellen zusammengesetzt ist und doch der Mensch unendlich viel mehr darstellt als die Summe der Eigenschaften seiner Körperzellen, verhält es sich auch mit Unternehmen und seinen Mitarbeitern. Unternehmen sind in der Lage, simultan Verschiedenes mit gleicher Aufmerksamkeit zu tun. Sie können sich neben ihrem operativen Handeln z. B. auch an der Konstituierung, Modifizierung und diskursiven Begründung ihrer handlungsleitenden Normen beteiligen. Individuen wären damit überfordert, simultan Verschiedenes mit gleicher Aufmerksamkeit und Qualität zu tun.

Eine wichtige Voraussetzung für ethisch akzeptables institutionelles Handeln ist, dass alle nur denkbaren organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen und Managementprozesse eingeführt werden, illegitimes Handeln als solches zu definieren und zu entmutigen. Konkret bedeutet dies, dass moralische Werte und normative Regeln in alle relevanten Führungsgrundsätze, Entscheidungs- und Managementprozesse eingebaut werden. Beispiele dafür sind personenbezogene Handlungsund Verhaltensrichtlinien für sensible Bereiche sowie normative und verantwortungssensitive Kriterien bei der Festlegung individueller Leistungsziele. Mitarbeiterbeurteilungen, Bonusfestlegungen und Beförderungskriterien sowie due diligence Prozesse bei Akquisitionen und Fusionen müssen entsprechend angereichert werden.45 Auf diese Weise wird für alle Mitarbeiter im Unternehmen, aber auch für die wichtigsten Zulieferer, erkennbar, welche der aus einer unendlichen Anzahl theoretisch möglicher Handlungsweisen im Unternehmen als legitim und erwünscht betrachtet werden und welche nicht. Da «moralisch richtiges» Handeln über normativ angereicherte Beurteilungs- und Bonussysteme belohnt wird, bestehen Anreize, entsprechend zu handeln. Auf diese Weise wird Garret Hardins «Kardinalgesetz» Rechnung getragen: Never ask a person to act against it’s own self-interest46. Die «Guten» sind bei richtigen Anreizsystemen nicht mehr die «Dummen».

Den meisten Entscheidungen, die innerhalb einer Institution getroffen werden, wohnt zwar ein Element der Fremdbestimmung inne, weil Unternehmenskulturen, Firmenphilosophien oder Vorbilder handlungsund verhaltensnormierend wirken. Menschen handeln im beruflichen Kontext häufig anders als im privaten. Erich Fromm würde dies auf psychische Reaktionsmuster aufgrund von Anpassungsleistungen zurückführen. Dennoch handelt eine Organisation niemals nur als abstrakte juristische Einheit, sondern immer durch die Vielzahl der auf den verschiedenen hierarchischen Ebenen arbeitenden Menschen. Unternehmen können auch im Kontext der anstehenden Nachhaltigkeitsprobleme nur lernen, wenn Mitarbeiter auf allen Ebenen lernen.47

Es sind also nicht abstrakte Wirtschaftssysteme oder anonyme Kapitalgesellschaften, die über die moralische Qualität des erwünschten Handlungs- und Verhaltensportfolios eines Unternehmens entscheiden, sondern individuelle Menschen. Nur Menschen haben die Gabe der ethischen Reflexion und moralischen Vorstellungskraft, innerhalb der vorgegebenen Spielregeln mit integren und klugen Spielzügen erfolgreich zu sein.48 Soziale Systeme wie «die Wirtschaft» oder Subysteme wie «das Unternehmen» können per se nur begrenzt moralisch oder unmoralisch sein. Moralische Leistungen oder Moralversagen werden von Menschen, ihrer Persönlichkeit, ihren Werteorientierungen und ihrem Handeln und Verhalten in Systeme hineingebracht. Damit sind wir bei den individuellen Menschen und ihrer «ethischen Musikalität».

1.3.2 Individualethik: Der Mensch als moralischer Akteur

Nur wenn Verantwortung einzelnen Menschen zugerechnet und abverlangt wird, können ethische Erwägungen Wirkung entfalten. Mitarbeiter auf allen Ebenen eines Unternehmens haben Fachwissen, berufliche Erfahrung und soziale Kompetenz. Und sie haben ihre eigene menschliche Würde, die sie durch die Qualität ihrer Handlungen wahren wollen. Träger von Führungsverantwortung sind besonders verpflichtet, beim Umgang mit Dilemmata verantwortungsethische Güterabwägungen vorzunehmen und nicht nur anhand kurzfristiger betriebswirtschaftlicher Erfolgskriterien zu entscheiden.49

Da Mitglieder des Topmanagements die prinzipiellen Weichen für eine integre Unternehmenskultur stellen, sind sie für die ethische Qualität der Geschäftsangelegenheiten rechenschaftspflichtig und die zentralen Ansprechpartner. Da ihre Entscheidungen nicht nur die für Finanzanalysten wesentlichen Variablen beeinflussen, sondern auch das Leben anderer Menschen sowie die Tiefe des ökologischen Fußabdrucks des Unternehmens, müssen sie sich nicht nur an betrieblichen Erfolgsmaßstäben messen lassen, sondern auch an der Art und Weise ihres Zustandekommens. Es kommt nicht mehr nur darauf an, was ein Unternehmen herstellt, sondern auch darauf, was es wertemäßig darstellt.

Die Menschen in der obersten Führungsschicht des Unternehmens entscheiden darüber,

• welche Werte im Unternehmen als nicht verhandelbare Grundlage für praktisches Handeln Geltung haben, – und noch wichtiger: sie leben sie in der Praxis wirkungsmächtig vor;

• wie umfassend die Unternehmensmission und der Unternehmenszweck definiert werden, z. B., ob lediglich die kurzfristige betriebswirtschaftliche Sphäre des Handelns, also das Finanzkapital, bedeutungsvoll ist oder auch Sozialkapital, Naturkapital und Menschenwürde Eingang in Entscheidungsprozesse finden;

• welche normativen Standards in Handlungs- und Verhaltenskodizes erfasst und operationalisierbar formuliert werden;

• welche Unternehmensrichtlinien für das Handeln in sensiblen Bereichen definiert sind, ob ihre Einhaltung routinemäßig überprüft wird – und Verstöße auch im Falle positiver Geschäftsauswirkungen bestraft werden, sowie

• ob bei Personalauswahl-, Zielsetzungs-, Mitarbeiterbeurteilungs- und Beförderungsprozessen neben den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen auch normative Kriterien eine ernst zu nehmende Rolle spielen.

Die Ergebnisse der Arbeiten in dieser Hinsicht haben eine größere gesellschaftliche Akzeptanz, wenn der Grundsatz von Jürgen Habermas berücksichtigt wird: «Was alle angeht, soll auch von allen (mit-) entschieden werden». Die Akzeptanz von Entscheidungen, die im engsten Kreis fallen, ist – auch wenn die Entscheidungen sich als richtig herausstellen – wegen des a priori mangelnden gesellschaftlichen Vertrauens meist niedriger.

Weil Führungspersönlichkeiten (und «normale» Mitarbeiter) auch mit illegitimem Handeln kurzfristig eindrückliche Gewinne erwirtschaften und somit vermeintlich «gut» aussehen können, gehören für professionell geführte Unternehmen Mindestabstände zwischen Beförderungen sowie «Clawback»-Vorkehrungen50 für Boni zur Normalität. Die Tatsache, dass die seriöse Behandlung ethischer Sachverhalte (ein Minimum an Theorie und ein Maximum an realistischen Fallstudien) einem Unternehmen Vorteile bringt, ist seit langem bekannt.51

Ein letzter Punkt: Bei aller Wichtigkeit und Wünschbarkeit normativ geleiteten Handelns wäre es naiv, das moralische Wollen der Führungskräfte vom Können unter den vorgegebenen und für alle geltenden Regeln völlig zu entkoppeln. Der Markt muss eingebunden sein in ein geeignetes und glaubwürdiges System von Regeln: Stimmen die institutionellen Rahmenbedingungen, dann liegt ethisch akzeptables Handeln im Eigeninteresse und erfordert keinen moralischen Heroismus.52 Verantwortungsethisch motivierte Leistungen über das in einem spezifischen Land gesetzlich und regulatorisch Verlangte hinaus verursachen – zumindest kurzfristig53 – immer Mehrkosten, meistens Wettbewerbsnachteile und daher ceteris paribus niedrigere Gewinne: Ethisch reflektiertes Handeln lohnt sich zwar auf lange Frist, kurzfristig ist es aber nicht zum Nulltarif zu haben.

Außerdem: Längst nicht alles, was – insbesondere in einkommensschwachen Ländern und in solchen mit schlechter Regierungsqualität – legal ist, ist auch legitim.54 Wo unzureichende menschenrechtliche, soziale und ökologische Standards die Voraussetzung für «schwarze Zahlen» sind, wäre der Gesellschaft durch eine Betriebsschließung mehr gedient. Meine Management-Erfahrung in Afrika südlich der Sahara lehrte mich jedoch, dass es auch unter solchen Bedingungen möglich ist, ethisch akzeptabel und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Es gibt auch einen von Thomas Donaldson und Thomas Dunfee erkannten moralischen Freiraum («moral free space»55) – man muss ihn nur sehen und nutzen wollen.56 Wenn komplexe betriebliche Probleme unter den spezifischen Bedingungen eines Marktes auch beim besten Willen nicht auf ethisch akzeptable Weise lösbar sind, gehört zum Handlungsportfolio verantwortungsethisch agierender Führungspersönlichkeiten neben der resignierten Anpassung an falsche Strukturen (loyalty), der Möglichkeit, sich aktiv und hörbar für veränderte Rahmenbedingungen einzusetzen (voice), auch die Möglichkeit des «Exit».57 Dafür aber braucht es auch persönlichen Mut, mit den Konsequenzen zu leben – Persönlichkeiten mit Charakter.

Es gibt für mich keinen Zweifel, dass die Persönlichkeit und der Charakter von Führungskräften eine herausragende und in der Hauptströmung des unternehmensethischen Diskurses eine heute unzureichend gewürdigte Rolle spielen.58 Zum Sachverhalt Persönlichkeit und Charakter hat Erich Fromm wesentliches Gedankengut beigetragen, auf das zurückzugreifen sich lohnt.

7 Kendtior, S. (2016). Hier ist darauf hinzuweisen, dass sich hinter dem Begriff «Kapitalismus» eine gewaltige Interpretationsbreite versteckt. Sie umfasst alles zwischen dem von Karl Marx und Friedrich Engels im 19. Jh. gegeißelten «Manchester-Kapitalismus» bis zur «Sozialen Marktwirtschaft» der heutigen Bundesrepublik, die von Sahra Wagenknecht ebenfalls als Kapitalismus bezeichnet und ideologisch kritisiert wird. Siehe Wagenknecht, S. (2016).

8 Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK im Auftrag der Hamburger BAT Stiftung für Zukunftsfragen, siehe Stiftung für Zukunftsfragen (2015).

9 Zitner, A. (2016).

10 Auf dem Hintergrund sozialer Abstiegsängste bzw. empfundener Verteilungsprobleme wird die anthropologische Konstante «Angst vor allem Fremden» im Kontext der auf Deutschland zuströmenden Völkerwanderung zusätzlich verstärkt; einige der Gründe für Donald Trumps Wahlsieg gehören in dieselbe Kategorie.

11 Die Wirtschaft ist ein gesellschaftliches Teilsystem neben anderen (z. B. Politik, Recht, Wissenschaft, Religion). Zum Sachverhalt der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften Siehe Luhmann, N. (1984).

12 GlobeScan (2016a).

13 GlobeScan Global Webinar (2016): Slide 12.

14 Edelman Trust Barometer Global Report (2017): Slide 10.

15 Vereinte Nationen (2015).

16 Edelman Trust Barometer (2016).

17 So berichtet z. B. die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass das Management der Erzkonzerne BHP Billiton und Vale lange vor dem katastrophalen Dammbruch von der Gefahr der darauf folgenden, für mindestens 19 Menschen tödlichen, giftigen Schlammlawine gewusst haben, die Steigerung der Produktion jedoch über die Sicherheit gestellt hätten. FAZ (2016): 25. Die Betrügereien im Zusammenhang mit der Dieselaffaire deutscher Autounternehmen, geschweige denn die neu auftauchenden Kartellvorwürfe (Der Spiegel Nr. 30) sind letztlich nicht einmal rational erklärbar.

18 Nach DUDEN bedeutet der Begriff Skandal «Geschehnis, das Anstoß und Aufsehen erregt». Wären solche Geschehnisse alltägliche Normalität, wären sie zwar noch immer ärgerlich, aber eben kein Skandal.

19 GlobeScan (2016b). Das ist alles andere als eine neue Entwicklung; siehe Clark, J. M. (1916): 209–229.

20 Edelman Goodpurpose Study (2012): Slide 17.

21 Fukuyama, F. (1996): 11.

22 Edelman Trust Barometer (2016).

23 EY (2016).

24 Beinhocker, E., I. Davis und L. Mendonca (2009).

25 «The strategic imperative for most companies is to do what they can to regain the trust of stakeholders and to more effectively manage relationships with them. This starts at the top.» Siehe Beinhocker, E., I. Davis und L. Mendonca (2009): 57 f.

26 «The strategic imperative for most companies is to do what they can to regain the trust of stakeholders and to more effectively manage relationships with them. This starts at the top. Corporate leaders need to demonstrate to civil society that they understand popular and political concerns related to executive compensation, risk management, board oversight, and the treatment of employees facing layoffs. Regaining trust also means dispensing with the view that the only objective of management is to increase shareholder value.» Siehe Beinhocker, E., I. Davis und L. Mendonca (2009): 57 f.

27 Edelman Trust Barometer Global Report (2017): Slide 16.

28 Siehe Financial Times (2012). Unter gleichem Titel und mit einer vergleichbaren Botschaft erschien in Foreign Affairs im Juli/August 2016 eine Analyse von Blyth, M. (2016).

29 Wooldridge, A. (2012).

30 Z. B. Dönhoff, M. (1999); siehe auch Helmut Schmidts Reflektionen über «Raubtierkapitalismus» im ZEIT Forum Politik (21.09.2008). «Kapitalismus» ist hier Ideologie-neutral definiert als eine Wirtschaftsform, in der Eigentumsrechte an Kapital inkl. Produktionsmittel bestehen und deren Steuerungsmechanismus der Markt ist.

31 Edelman Trust Barometer (2016).

32 Kaiser, T. und H. Zschäpitz (2016): 33 ff.

33 Edelman Trust Barometer (2016): Slide 37.

34 Siehe dazu: Wieland, J. (2004) sowie Wieland, J. et al. (Hrsg.) (2014).

35 Rupert Lay ist der Vater dieser Wortschöpfung und beschreibt diese Menschen als Personen, die nicht mehr eigenverantwortlich nach Maßgabe ihrer primären und somit auch kritischen Tugenden (z. B. Konfliktfähigkeit, Fähigkeit zum kreativen Ungehorsam) verantwortlich handeln, sondern sich möglichst pflegeleicht den Imperativen der jeweiligen Institution (Unternehmen, Kirchen, Behörden, Gewerkschaften) anpassen, selbständiges Denken und Urteilen aufgeben, um mögliche Reibungsverluste zu minimieren sowie durch vorauseilenden Gehorsam potentielle Vorteile für sich zu generieren. Der systemimmanente vorgegebene Zweck bzw. die vorherrschende Ideologie definiert, was im Sinne einer geschlossenen Moral «richtig» ist – güterabwägende Reflexion ist unter solchen Bedingungen ein Störfaktor. Wozu dies führen kann, hat Stanley Milgram in seinen Experimenten vorgeführt; siehe Milgram, S. (1992). Die systemische Zurechnung der Handlungsmoral entlastet die individuellen Systemagenten von ihrer personalen Verantwortung. Der zu zahlende Preis für die Übernahme sekundärer Tugenden ist ein emotionales und soziales Verkümmern. Systemagenten halten es für ethisch akzeptabel, was dem System nützt (oder zu nützen scheint). Siehe dazu Lay, R. (1990): 40 ff.

36 Siehe dazu Werhane, P. H. (1999) sowie Werhane, P. H. und B. Moriarty (2015).

37 Ergänzung des Verfassers.

38 Pico della Mirandola, Giovanni (1468): 10 f. Papst Franziskus hat über 500 Jahre später an der UNO Generalversammlung 2015, seinen Vorgänger Papst Paul VI. zitierend, ähnlich argumentiert: «Die Gefahr kommt weder vom Fortschritt, noch von der Wissenschaft; diese können, wenn sie in rechter Weise genutzt werden, viele schwere Probleme lösen, die die Menschheit bedrängen. Die wahre Gefahr liegt im Menschen, der über immer mächtigere Mittel verfügt, die fähig sind, sowohl in den Ruin als auch zu größten Errungenschaften zu führen.» Siehe Radio Vatikan (25.09.2015).

39 Siehe dazu den auch heute noch hochaktuellen Aufsatz von Max Weber aus dem Jahre 1919 zum Thema «Politik als Beruf» in: Weber, M. (1919): 505–560.

40 Einen guten Überblick über die Theorie geben Crane, A. und D. Matten (2010). Über die praktische Anwendung der Theorie siehe Crane, A. et al. (Eds.) (2009).

41 Siehe dazu van Aaken, D. und Ph. Schreck (Hrsg.) (2015).

42 Kant, I. (1781/1968): 677.

43 Über der «Wirtschaftsethik» gibt es noch eine «Meta-Ebene», auf der eine normative Bewertung von wirtschaftlichen Systemen bzw. ordnungspolitischen Ansätzen stattfindet. Auf dieser Ebene wird untersucht, auf welche anreizkompatible Weise normative Ideale in komplexen, ausdifferenzierten Volkswirtschaften und bei globalisierten Wettbewerbsbedingungen zur Geltung gebracht werden können. Siehe dazu Suchanek, A. (2015). Als kurze Einführung siehe Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Wirtschaftsethik, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/1883/wirtschaftsethik-v7.html.

44 Siehe dazu Wieland, J. (2007).

45 Leisinger, K. M. (2016c): 111–122.

46 Übers. d. Verf.: «Verlange nie von einer Person, gegen ihr Eigeninteresse zu handeln.» Hardin, G. (1977): 2.

47 Senge, P. et alia (2008).

48 Dazu von Broock, M. (2012).

49 Siehe Leisinger, K. M. (2010): 48–75. Siehe auch KPMG (Hrsg.) (2014): 63 % der Befragten sehen die Ursache für wirtschaftskriminelle Handlungen ausschließlich bzw. eher in menschlichen Faktoren (wie zum Beispiel finanzielle Motivation oder Rechtfertigungsmöglichkeiten) als in technischen Fähigkeiten oder mangelnden Kontrollen. Interessanter- und widersprüchlicherweise wird dem «Tone at the Top» lediglich geringe Bedeutung eingeräumt. Mehr als 80 % der Befragten halten fehlende Vorbilder in der Geschäftsführung für wenig relevant. Nach neuesten Untersuchungen ist der «Tone at the Top» neben angemessenen Risikoanalysen und Schulung jedoch der wichtigste Faktor für gute Ergebnisse beim Compliance Management. Siehe Konstanz Institut für Corporate Governance (2017).

50 Siehe dazu https://en.wikipedia.org/wiki/Clawback.

51 Sharp Paine, L. (1991).

52 Siehe dazu Homann, K. (2014) sowie Suchanek, A. (2015). Das «Drei-Ebenen-Schema» mit Spielzügen, Spielregeln und Spielverständnis entlässt den einzelnen Menschen keineswegs aus seiner individuellen moralischen Verantwortung und der Notwendigkeit, sein moralisches Urteilsvermögen zu schulen – es bindet ihn ein.

53 Der sogenannte «Business Case» verantwortungsvollen Handelns und Verhaltens ist meiner Meinung nach nachweisbar, hängt aber von vielen Unwägbarkeiten ab und tritt auch dann nur mit zeitlicher Verzögerung ein. Siehe dazu Leisinger, K. M. (2016): 190 ff.

54 Siehe dazu Public Eye/Erklärung von Bern (2016).

55 Moralischer Freiraum ist ein Schlüsselbegriff in der Theorie des integrativen Gesellschaftsvertrags (Integrative Social Contract Theorie – ISCT). Die Urheber dieser Theorie Thomas Donaldson und Thomas W. Dunfee definieren «moral free space» als den Raum, der durch «Hypernormen» begrenzt wird, also denjenigen grundlegenden Prinzipien, denen alle anderen Normen niedrigerer Ordnung unterliegen, um somit an die Wurzel dessen zu kommen, was für die Menschheit ethisch ist (im dienenden Sinne).

56 Donaldson, Th. und Th. W. Dunfee (1999): 83 ff.

57 Zu den Möglichkeiten, mit der heiklen Situation sich verschlechternden Rahmenbedingungen umzugehen, siehe Hirschman, A. O. (1970).

58 Die Unterscheidung zwischen Führungskräften und Führungspersönlichkeiten wurde erstmalig und mehrfach von Rupert Lay vorgetragen, zuletzt in: Lay, R. (2000): 191. Ulf Posé übernimmt in seinem neuen Buch auch diese Unterscheidung, siehe Posé, U. (2016).

2 Erich Fromms Gedankengut und der moderne Diskurs über ethische Desiderata für Führungspersönlichkeiten in Unternehmen

2.1 Erich Fromms Verständnis von Ethik und das damit verbundene Menschenbild

2.1.1 Was ist Erich Fromms Verständnis von Ethik?

Otfried Höffe macht in seiner kleinen, aber feinen Einführung in das Thema Ethik auf die «verwirrende Situation» aufmerksam, dass der griechische Ausdruck ēthikē in der deutschen Sprache sowohl für die Begriffe Sitten und Moral als auch für Ethik benutzt wird. Er weist auch darauf hin, dass die drei Ausdrücke in etwa dasselbe bedeuten und von den verschiedenen Abgrenzungsversuchen keiner absolut zwingend sei.59 Normative Erörterungen – erst recht, wenn sie praktische Konsequenzen haben sollen – erfordern aber semantische Klarheit, sonst kommt es zu Missverständnissen.60 Daher muss auch bei der Reflektion des Gedankenguts Erich Fromms in Bezug auf dessen Bedeutung für Führungspersönlichkeiten in Unternehmen Klarheit über sein Verständnis von Ethik geschaffen werden.

Erich Fromm definiert Ethik allgemein als eine Wissenschaft, die sich mit den Idealvorstellungen und Werten der menschlichen Beziehungen befasst und diese auf spezifische menschliche Situationen anwendet. In Abgrenzung dazu definiert er «Sitte», als jene «Sollens-Forderung, die aus dem resultiert, was wir unbewusst für richtig halten, weil es in unserem spezifischen sozialen Umfeld allgemein anerkannt ist.»61 Ethik ist für Fromm eine Angelegenheit des personalen Gewissens; entsprechend ausgerichtetes Handeln eine Folge individueller Gewissensprüfung. Ethik ist anspruchsvoller als Sitte – das «allgemein Anerkannte» kann zwar in vielen Situationen die bequemste Lösung sein – ist aber nicht notwendigerweise das, was vom Standpunkt unseres Gewissens aus das Richtige ist.62 Fromm unterscheidet zwischen einer universalen und einer gesellschaftsimmanenten Ethik:

Universale Ethik beschäftigt sich mit generellen Normen der Lebensführung, deren Ziel das Wachstum und die Entfaltung des Menschen ist. Beispiele dafür sind Normen wie «Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst» oder «Du sollst nicht töten». Fromm weist darauf hin, dass die ethischen Systeme aller großen Kulturen eine erstaunliche Ähnlichkeit aufweisen, «in allem was für die Entwicklung des Menschen als notwendig erachtet wird, also jener Normen, die sich aus der Natur des Menschen und den für sein Wachstum nötigen Bedingungen ergeben».63 Hier besteht Ähnlichkeit zum Weltethos-Gedankengut.64

Gesellschaftsimmanente Ethik befasst sich mit Normen eines spezifischen Kulturraums. Die darin enthaltenen Verbote und Gebote sind für das Funktionieren und Weiterbestehen einer bestimmen Gesellschaftsform und der in dieser Gesellschaft lebenden Menschen notwendig.65 Er fügt hinzu:

«Für das Weiterbestehen jeder Gesellschaft ist es unerlässlich, dass ihre einzelnen Glieder sich den Gesetzen unterordnen, die für ihre besondere Produktions- und Lebensweise wesentlich sind. Die Gruppe muss die Charakterstruktur ihrer einzelnen Glieder in der Weise zu formen suchen, dass sie von sich aus tun wollen, was sie unter den bestehenden Verhältnissen tun müssen. […] Für jede Gesellschaft ist es von lebenswichtigem Interesse, dass ihre Gebote befolgt und ihre ‹Tugenden› angestrebt werden, da ihr Weiterbestehen davon abhängt.»66

«Richtig» sind für Erich Fromm Werte und Normen, die auf einer biophilen, humanistischen Ethik beruhen. Ihr spezifisches – nur auf den ersten Blick einfaches – Prinzip des Guten und Bösen beschreibt er mit den Worten:

«Gut ist alles, was dem Leben dient; böse ist alles, was dem Tod dient. Gut ist die ‹Ehrfurcht vor dem Leben›, alles, was dem Leben, dem Wachstum, der Entfaltung dient. Böse ist alles, was das Leben erstickt, es einengt und in Stücke zerlegt. Freude ist Tugend, und Traurigkeit ist Sünde.»67

Ziel der biophilen, humanistischen Ethik ist, Egoismus und Selbstsucht zu bekämpfen, also nicht «die Verdrängung des Bösen im Menschen […], sondern der produktive Gebrauch der dem Menschen angeborenen primären Möglichkeiten.»68

Erich Fromm sieht zwischen der Entwicklung einer humanistischen, biophilen Ethik als einer theoretischen Wissenschaft einerseits und der Entwicklung der Psychologie sowie der psychoanalytischen Charakterologie andererseits einen engen Zusammenhang: Psychologie und psychoanalytische Charakterologie sind für die Entwicklung einer ethischen Theorie zwingend notwendig:

«Die Begriffsbestimmung aller Tugenden und Laster muss in der herkömmlichen Ethik zweideutig bleiben, weil häufig genug mit dem gleichen Ausdruck verschiedene, ja zum Teil sogar gegensätzliche menschliche Haltungen bezeichnet werden. Ihre Zweideutigkeit verlieren diese Begriffe erst dann, wenn sie mit der Charakterstruktur derjenigen Person in Zusammenhang gebracht werden, der [in einer spezifischen Situation, KML] eine Tugend oder ein Laster zugeschrieben wird. Eine aus dem Zusammenhang mit dem Charakter herausgelöste ‹Tugend› kann sich als etwas Nicht-Wertvolles herausstellen (so zum Beispiel ‹Demut›, wenn sie in Furcht oder in der Kompensierung unterdrückter Arroganz ihren Grund hat); ebenso kann auch ein ‹Laster› in einem anderen Licht erscheinen, wenn es im Zusammenhang mit dem gesamten Charakter verstanden wird (so zum Beispiel ‹Arroganz› als Ausdruck von Unsicherheit und Selbstunterschätzung).»69

«Im Gegensatz zum Vorgehen vieler Moralphilosophen, die sich mit ethisch erwünschten Handlungs- und Verhaltensweisen im geschäftlichen Alltag auseinandersetzen, genügt es Fromm nicht, sich lediglich isoliert und theoretisch mit Tugenden und Lastern zu beschäftigen. Ethisch reflektiertes Handeln hängt, so Fromm, nur zu einem kleinen Teil vom Erkennen, Wissen und Begründen von Werten und Normen ab. Es basiert wesentlich auf einem von inneren Antriebskräften gesteuerten Wollen – einem Wollen, das dem Menschen über weite Strecken gar nicht bewusst ist. Diese Antriebskräfte, so der Psychoanalytiker und Fromm-Schüler Rainer Funk, werden von Menschen psychisch als unbedingt zu befriedigende Bedürfnisse erlebt, damit sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen, mit ihrer sozialen Gruppe oder anderem gestalten können.70 Die Bezogenheitserfahrungen werden verinnerlicht und wirken so auf die Gestaltung der Beziehungen der Menschen ein. Erich Fromm nennt diese Art der psychischen Strukturbildung, die das Verhalten und Handeln des Menschen auf eine einzigartige Weise formt, Charakter. Die ethische Beurteilung einer spezifischen Handlungsweise ist daher nur in Bezug auf die menschliche Charakterstruktur als Ganze (und in Bezug auf das Wohl des Menschen) möglich. «Weit mehr als einzelne Tugenden oder Laster ist der tugendhafte oder lasterhafte Charakter der eigentliche Gegenstand ethischer Forschung.»71

2.1.2 Das Menschenbild Erich Fromms72

Für Erich Fromm repräsentiert jeder einzelne Mensch die ganze Menschheit. Er ist einerseits ein einzigartiges Individuum, das sich von anderen Menschen unterscheidet, andererseits ist Menschsein – unabhängig von Kultur, Religion, Ethnie oder Nationalität – der fundamentale gemeinsame Nenner aller menschlichen Wesen. Daher überwiegen im Miteinander die Gemeinsamkeiten und nicht das Trennende. Menschen haben die gleiche Würde, vergleichbare Sehnsüchte nach Respekt und Anerkennung, die gleichen fundamentalen (Menschen-) Rechte und vergleichbare Pflichten.

Zum Menschsein gehört aber auch die Verschiedenheit – sei es die der äußeren Erscheinung, des Charakters, persönlicher Tugenden (Zivilcourage, Standhaftigkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit usw.) oder der Werteverankerung. Das wiederum bedeutet, dass aus subjektiver Perspektive unterschiedliche Handlungs- und Verhaltensweisen als moralisch «richtig» oder «falsch» bewertet werden können. Das Verständnis der menschlichen Natur und die Beantwortung der Frage nach den Gründen für verantwortungsvolles (gutes) oder verantwortungsloses (böses) Handeln sind elementar. «Aus diesem Grunde muss die Erörterung der Situation des Menschen der Erörterung seiner Persönlichkeit vorausgehen.»73

Seit über 2000 Jahren fordern geistesgeschichtliche Größen, dass diejenigen, die besondere Verantwortung tragen, auch «besondere Menschen» sein sollen, und führen die Tugenden auf, die Verantwortungsträger befähigen, klug zu handeln.74 Erich Fromms Gedankengänge über den «neuen Menschen» sind auf der Basis seiner humanistischen Ethik ähnlich angelegt. Seine Vorstellungen über die charakterliche Ausstattung und die normative Verortung dieses «neuen Menschen» sind für die Relevanz seines Denkens in Bezug auf die Auswahl und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten wichtig.

Natürlich gibt es auch in Unternehmen Menschen, deren funktionsbedingte Macht deutlich höher ist als ihr Talent, mit Menschen und komplexen Sachverhalten umzugehen. Die Tatsache, dass die Persönlichkeit und der Charakter der überwiegenden Anzahl der im geschäftlichen und gesellschaftlichen Alltag anzutreffenden Menschen sich von dem unterscheiden, was die Weisen dieser Erde für wünschenswert halten, macht den Diskurs über Desiderata nicht überflüssig. Die alleinige Auseinandersetzung mit erwünschten Tugenden reicht jedoch nicht aus, eine unbefriedigende Praxis zu verändern. Das «Sollen» muss in einen Zusammenhang mit dem «Können» unter den jeweils gegebenen Bedingungen gebracht werden75 – in den Worten Fromms: «Von der Praxis losgelöste Einsicht ist wirkungslos.»76

a) Das menschliche Wesen

Erich Fromm hat ein realistisches Bild vom Menschen. Er sieht ihn als ein nicht völlig definierbares, widersprüchliches Wesen mit Konflikten und Ängsten, zu dem letztgültige Aussagen nicht möglich sind. Der Mensch ist77

• als anima rationale ein mit Vernunft begabtes Wesen – und dennoch fähig, zutiefst irrational zu handeln;

• als zoon politikon ein soziales Wesen, zu dessen unbedingt zu befriedigenden Bedürfnissen es gehört, in der gesellschaftlichen Gruppierung, der er sich zugehörig fühlt, verwurzelt zu sein; die Anpassung an diese kann jedoch Entfremdung zur Folge haben;

• als homo faber ein Werkzeugmacher, der nach einem zuvor festgelegten Plan etwas herstellen kann – was jedoch zu ambivalenten Zwecken nutzbar ist;

• ein Symbole schaffendes Wesen, wobei das wichtigste geschaffene Symbol das Wort ist, mit Hilfe dessen er mit anderen kommunizieren kann. Eine «wirkliche Kommunikation von Mensch zu Mensch», so Fromm im Jahre 1968, wird in einer Welt der Massenmedien immer schwieriger.78 Die heutige Realität, in der Kommunikation fast nur noch über elektronische Medien und soziale Netzwerke zu laufen scheint, gibt ihm recht.

«Menschlich zu sein»79 bedeutet weiterhin, dass der Mensch

• als homo sapiens ein denkendes Wesen ist, das den Kern der Phänomene zu begreifen versucht und unter die trügerische Oberfläche zur «wahren Wirklichkeit» vordringt;

• als homo ludens ein Wesen ist, das im Spiel auch zweckfrei tätig sein kann;

• als homo negans ein Wesen ist, das «nein» sagen kann und selbst auf Kosten seines physischen Überlebens für Wahrheit, Liebe und Integrität einstehen kann;

• als homo esperans ein Wesen ist, das hoffen kann (auch die spezifischen Entwicklungsmöglichkeiten seines Lebens tatsächlich zur Entfaltung zu bringen);

• ein Wesen, das zur freien bewussten Tätigkeit fähig ist.

Generalisierende Aussagen «zum Menschen an sich» sind angesichts der Komplexität und Vielfalt menschlicher Charakteristika, wenn überhaupt, nur auf hohem abstraktem Niveau möglich. Dies vielleicht mit einer Ausnahme, die jedoch im vorliegenden Zusammenhang wichtig ist: Das theoretische Konstrukt des homo oeconomicus ist unterkomplex und wird dem Menschen daher nicht gerecht: Seelisch gesunde Menschen denken nicht ausschließlich wirtschaftlich, wägen nicht permanent Nutzen und Kosten gegeneinander ab, handeln nicht uneingeschränkt rational und nur nutzenmaximierend. Auch herrscht in der wirtschaftlich globalisierten Welt selbst mit Hilfe modernster Informations- und Kommunikationsmittel keine vollständige Transparenz, die eine sofortige Anpassung an veränderte Bedingungen erlauben würde – wenn diese gewollt wäre. Menschen handeln zwar meist rational und orientieren sich an wirtschaftlichen Kriterien, sie wollen jedoch ebenso – wenn auch in unterschiedlichem Maße – «Gutes» tun, großzügig und altruistisch sein. «Normale» Menschen wollen mit anderen zu guten Zwecken zusammenarbeiten, weit über das langfristige wohlverstandene Eigeninteresse oder familiäre Solidarität hinaus.80

Der Mensch ist, so Fromm, «ein Lebewesen, das in einem fortdauernden Entwicklungsprozess begriffen ist. An jedem Punkt seines Lebens ist er noch nicht das, was er sein kann und was er möglicherweise werden kann.»81 Dies gilt auch für Menschen in Führungspositionen. Der Mensch ist mit Vernunft begabt, und die Funktion der Vernunft ist es, die Wahrheit zu erkennen. Die Erfahrung beweist jedoch, «dass viele Menschen, von Habgier und Eitelkeit geblendet, […] nicht vernunftgemäß handeln.»82 Gleichwohl: Jeder Mensch hat die Fähigkeit, sich Rechenschaft über sich selbst und seine existenzielle Situation zu geben. Aus dieser Verantwortung darf kein Mensch entlassen werden, z. B. indem «das System» für «böse» Dinge verantwortlich gemacht wird. Interessanterweise schieben Menschen die Verantwortung für gute Dinge selten an das «System» ab. Des Menschen Bedürfnis nach Vervollkommnung, Erlösung, Erleuchtung, Einheit und Harmonie sowie die «Fähigkeit zum schöpferischen und kritischen Denken und zum Erleben differenzierter emotionaler und sinnlicher Erfahrungen»83 macht ihn zum Maß aller Dinge. Das und die Vielzahl der Fähigkeiten, mit Kreativität und Produktivität Neues zu schaffen und Fortschritt im Sinne eines ständigen Wachstums des Bewusstseins zu erzielen, macht, so Fromm, die Einzigartigkeit des Menschen aus.84

b) Die menschliche Vernunft

Für Fromm ist Vernunft von entscheidender Bedeutung: Intelligenz bleibt Intelligenz, auch wenn sie für böse Zwecke eingesetzt wird. Die Begabung der Vernunft jedoch ermöglicht dem Menschen, seine Erfahrungen kritisch zu analysieren und zu erkennen, was seiner Entwicklung dient und was sie behindert.85 Fromm definiert «Vernunft» als «die Fähigkeit, objektiv zu denken. Die ihr zugrundeliegende emotionale Haltung ist Demut. Man kann nur objektiv sein und sich seiner Vernunft bedienen, wenn man demütig geworden ist und seine Kindheitsträume von Allwissenheit und Allmacht überwunden hat.»86 Vernunft befähigt den Menschen, sich Normen für eine gute Lebensführung vorzugeben:

«Gültige ethische Normen können von der menschlichen Vernunft, und zwar von ihr allein, aufgestellt werden. Der Mensch hat die Fähigkeit zu unterscheiden und Werturteile zu entwickeln, die genauso gültig sind wie alle anderen Urteile, die sich aus der Vernunft herleiten. Die große Tradition des humanistischen ethischen Denkens hat die Grundlage für Wertsysteme geschaffen, die auf der menschlichen Autonomie und Vernunft beruhen. Alle diese Systeme gingen von der Voraussetzung aus, man müsse die Natur des Menschen kennen, um zu wissen, was für ihn gut oder schlecht sei. Sie waren deshalb grundsätzlich auch psychologische Untersuchungen.»87

Der Mensch ist «Ursache, Gestalter und Gegenstand der Norm»88; er braucht keine (kirchliche, staatliche oder andere) Autorität, die bestimmt, was gut für ihn ist.

Ethiken, deren Normen von Autoritäten vorgegeben wird, leugnen (im Gegensatz zur humanistischen Ethik) die Fähigkeit des Menschen, zu wissen, was gut und böse ist. Sie gründen nicht

«in Vernunft und Wissen, sondern in der Furcht vor der Autorität und in dem Gefühl der Schwäche und der Abhängigkeit des Untergebenen. […] In materialer oder inhaltlicher Hinsicht beantwortet autoritäre Ethik die Frage nach Gut und Böse primär vom Standpunkt der Interessen der Autorität und nicht der Interessen des Individuums. […] [S. 11] Wenn die Autorität den ihr Unterworfenen nicht ausbeuten wollte, hätte sie keine Veranlassung, ihn durch Furcht und emotionale Unterwürfigkeit zu beherrschen. Sie könnte jedes vernünftige Urteil und jede Kritik fördern, müsste dann aber das Risiko eingehen, als nicht kompetent befunden zu werden. Da jedoch ihre eigenen Interessen auf dem Spiel stehen, gilt für die Autorität das Gesetz, dass Gehorsam die höchste Tugend und der Ungehorsam die Kardinalsünde ist.»89 [S. 12]

Für die seelische Gesundheit des Menschen und sein Glück ist es von größter Bedeutung, dass die selbst gesetzten handlungsbestimmenden Werte und Normen «richtig» sind. Jeder Mensch hat die Wahl zwischen einem guten und einem schlechten Leben. Menschen können sich historischen Widersprüchen, äußeren Mächten oder gesellschaftlichen Konstellationen unterwerfen und anpassen, finden dadurch aber weder Zufriedenheit noch Ruhe. Fromm sieht nur eine Möglichkeit, Glück und innere Zufriedenheit zu finden:

«Der Mensch muss die Verantwortung für sich selbst akzeptieren und sich damit abfinden, dass er seinem Leben nur durch die Entfaltung der eigenen Kräfte Sinn geben kann. Aber dieser Sinn bedeutet nicht Gewissheit; das Suchen nach einem Sinn wird durch den Wunsch nach Gewissheit sogar erschwert. Ungewissheit ist gerade die Bedingung, die den Menschen zur Entfaltung seiner Kräfte zwingt. Sieht er der Wahrheit furchtlos ins Auge, dann erfasst er, dass sein Leben nur den Sinn hat, den er selbst ihm gibt, indem er seine Kräfte entfaltet: indem er produktiv lebt.»90

Produktivität ist für Fromm keine Aktivität, die unbedingt zu praktischen Ergebnissen führen muss, sondern eine Haltung, eine biophile Reaktionsund Orientierungsweise des Menschen der Welt und sich selbst gegenüber. Es geht Fromm nicht um den Erfolg seiner Produktionsaktivitäten, sondern um seine Charakterhaltung: «Produktivität ist die Realisierung der dem Menschen eigenen Möglichkeiten, also der Gebrauch der eigenen Kräfte.»91

Menschen, so Erich Fromm, können nicht frei entscheiden, ob sie «Ideale» haben wollen oder nicht, sie haben aber die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Idealen, zwischen der Möglichkeit, Macht und Destruktion zu verehren oder sich Vernunft und Liebe hinzugeben. Die Wertigkeit der Ideale misst Fromm daran, in «welchem Maße sie der Entfaltung menschlicher Kräfte dienen und bis zu welchem Grade sie dem menschlichen Bedürfnis nach Ausgeglichenheit und Harmonie in seiner Welt tatsächlich entgegenkommen.»92 Ein Leben in normativer Richtigkeit mit Lebensbejahung und Entfaltung der eigenen Kräfte verhilft dem Menschen zur Verwirklichung seines Selbst und seiner ihm offenen Möglichkeiten. Normativ richtiges Leben liegt daher im Eigeninteresse des Menschen – es ist Voraussetzung für ein gelingendes Leben.

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9783258480596
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