Kitabı oku: «Was Sie über Reitsport und Turnierpferde wissen sollten»

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Das Buch

Es ist höchste Zeit, sich kritisch mit dem Thema Reitsport und Pferdenutzung auseinanderzusetzen; sich die Frage zu stellen, ob es ethisch überhaupt zu rechtfertigen ist, Pferde aus Profitstreben und wegen sportlicher Ambitionen zu hohen Geldsummen zu kaufen und zu verkaufen, sie nach menschenerdachten Lehren auszubilden und zu richten, sie nach Leistungsansprüchen in Massen zu züchten.

Was steckt wirklich hinter dieser „Reitkunst“ und wie ergeht es den Pferden dabei?

Die Autorin

Larissa Hartkopf, Jahrgang 1982 lebt am Niederrhein. Pferde begleiten sie seit ihrer Geburt. Nach jahrelangen Abwegen in der Reitsportszene, hat sie heute wieder zu einem harmonischen und gleichberechtigten Miteinander mit ihren anvertrauten Pferden gefunden. Das vorliegende Buch ist ihr Erstlingswerk.

Larissa Hartkopf

Was Sie über Reitsport und Turnierpferde wissen sollten

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Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch / Die Autorin

Titel

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Pferdesport in der Kritik

1. Vom Steppentier zum „Sportgerät“

2. Frühe Prägung des Reiters

3. Weltspitze, Turniererfolge, Ehrgeiz

4. Wunderpferde - Weltstars

5. Doping im Pferdesport

6. Barren in der Dressur

7. Das Pferd, die Ware

8. Das Märchen vom glücklichen Sportpferd

9. Der Reitsport als Sucht

10. Argumente von Reitern

11. Zitate von Reitern

12. Die Macht der Autoritäten

13. Tierschützer unter Sportreitern - ein Widerspruch?

14. Das Bewegen in Führmaschinen

15. Pferdetransporte zwecks Turnieren und Trainingsstunden

16. Transporte in Pferdehängern und LKWs

17. Verhaltensstörungen und Auffälligkeiten bei Pferden

18. Sattelzwang

19. Tierärzte und Pferdekliniken

20. Chiropraktiker und Heilpraktiker

21. Studiengang Pferdewissenschaften

22. Abschlussprüfung zur Pferdewirtin in Warendorf

23. Springreiten

24. Pferdewirtschaft und Business - arm und reich

25. Pferdeauktionen

26. Pferdemesse Equitana

27. Zuchtgewerbe

28. Reitschule, Reitbeteiligung oder Pferdepatenschaft?

29. Voltigieren

30. Reitmeister und weise Meister

31. Resümee einer Reitsportlaufbahn

32. Stallwechsel

33. Gutes Reiten, schlechtes Reiten

34. Ausstieg Pferdesport

2 Tierkommunikation

1. Gründe, weshalb ich aus dem Reitsport ausstieg

2. Gudrun Weerasinghe: Mitteilungen des Dressurpferdes D.18

3. Kritik an der Tierkommunikation

4. Übungen

5. Ingrid Rose Fröhling: Tierkommunikation mit Aviola, dem übergeordneten Pferdebewusstsein

6. Ruth-May Johnson:22 Durchsage vom Kollektivgeist der Pferde

3 Reitsportaussteiger und -kritiker im Interview

1. Ehemalige Reitsportsponsorin

2. Vielseitigkeitsaussteigerin

3. Gelernte Berufsreiterin und Turnierrichterin

4. Expartner einer Pferdehändlerin

5. Pferdebesitzerin und Reitsportgegnerin

6. Betreiberin einer Reha-Station für versehrte Pferde

7. Pferdeexperte und Ranchbesitzer

Schlusswort

Literatur und Kontakte

Anmerkungen

Impressum

Möge dieses Buch dazu verhelfen, den Pferden das Leben zu verbessern.

Vorwort

Schon bei meinem ersten Kontakt mit Larissa Hartkopf war ich sofort von ihrer offenen und ehrlichen Art begeistert. Ich sah eine junge Frau, die gerade dabei war, sich von den Fängen der Reitszene und des dort ausgeübten Zwangs und der Gewalt an Pferden zu lösen. Dabei ging sie sehr konsequent und geradlinig vor. Das war eine neue Erfahrung für mich.

Wenn man wie Larissa in der Reitszene groß geworden ist -mit 5 Jahren bestritt sie schon ihre ersten Turniere! -, mit all dem Schmerz und der Ausbeutung der Pferde von klein auf vertraut ist, dann ist es sehr schwer, über diesen Punkt zu gehen. Es bedarf einer großen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und einer großen Stärke, die inneren Wunden zu heilen, welche in dieser Szene erlitten werden.

Viele versuchen Mittelwege zu finden, sich das Reiten auf dem Pferd und die Vorkommnisse in der Reitszene schönzureden, wenn sie mal von den Fakten diesbezüglich erfahren. Kaum einer findet die Kraft, Emotionen zuzulassen, den Schmerz der Pferde zu erkennen und auszusteigen. So etwas ist menschlich, es ist hart, sich eigenen Dämonen zu stellen, es ist hart, in den Spiegel zu sehen, wenn das Bild abstoßend ist.

Larissa stellte sich dem allen ohne Furcht und Kompromisse. Sie ist eine bewundernswerte junge Frau, mit sehr viel Mut, den eigenen Weg zu gehen, und der Courage, sich den Herausforderungen zu stellen.

Es ist beeindruckend, wie offen sie ihren Weg in diesem Buch beschreibt. Schonungslos berichtet sie über die eigene Gefühlswelt, Motivationen, die sie auf diesem Weg angetrieben haben, und über die schlimmen Praktiken und Doping, mit denen die Pferde „trainiert“ werden.

Wir haben die seltene Gelegenheit, direkt hinter die Kulissen des „Pferdeleistungssports“ zu blicken (das Wort alleine zeigt schon die Härte und die Falschheit dessen, was dort vor sich geht). Sie deckt auf, wie Tierärzte aktiv dazu beitragen, Pferde zum Zwecke erfolgreicher Turnierstarts mit Drogen zu manipulieren. Es herrschen solche Zustände, dass Pferde regelmäßig von den Besitzern und Reitern mit Hilfe des Tierarztes gespritzt werden, je nachdem welches Leistungsproblem gerade behoben werden soll.

Was den Tieren im „Pferdesport“ angetan wird, sollte unbedingt strafrechtlich verfolgt werden, und wir brauchen dringend ein Verbot dieses „Sportes“, welcher aus den Tierschutzgründen in unserer Zeit nicht mehr tragbar ist.

Nicht nur das Leid der Tiere ist ein Beweggrund, sondern auch die Gefühlskälte und die menschlichen Abgründe, die dort herrschen, in welche viele Kinder hineingezogen und mit welchen sie groß werden müssen. Larissa gewährt einen inspirierenden Einblick in ihre Erfahrungen mit der Tierkommunikation und wie sich ihr Weltbild dadurch verändert hat.

Sehr erfreut bin ich auch über die vielen weiteren Stimmen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Die Art und Weise, wie sie ihren Ausstieg, ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Enthüllungen schildern, erreicht eine weitere konstruktive Überzeugungskraft, das wahre Gesicht des Pferdesportes aufzuzeigen.

Mit jedem Satz, den ich in diesem Buch gelesen habe, ist meine Bewunderung und Achtung für Larissa gestiegen. Es ist ein tolles Buch - Spannung, Emotionen, Aufklärung und Gedankenanstöße wechseln sich ab.

Ich wünsche mir mehr Bücher wie dieses. Ich wünsche mir mehr Menschen wie Larissa.

Ich wünsche mir, dass wir den Pferden mit Achtung und Feingefühl begegnen, die sie verdienen, dass wir ihre wahre Natur erkennen und begreifen, dass sie für uns großartige spirituelle Begleiter sein können, dass sie uns unendlich viel zu geben haben - wenn wir ihre Natur respektieren und sie nicht so missbrauchen, wie wir es gerade im „Sport“ aber auch im Freizeitbereich tun. Dieses Buch ist ein großartiger Beitrag zu diesem schönen Ziel. Vielen Dank.

Maksida Vogt 1

Einleitung

Meine Motivation ist es, durch dieses Buch sowohl interessierte Leser und Tierfreunde als auch hartgesottene Reitsportbefürworter zum Nach- und Umdenken anzuregen. Ich werde in diesem Buch aus meinen Erfahrungen einer Reitschülerin, ambitionierten Turnierreiterin im Dressurreiten, Studentin des Bachelor-Studienganges Pferdewissenschaften (Equine Science), Auszubildenden zur Pferdewirtin und Pferdepflegerin berichten. Dabei nehme ich von Anfang bis Ende die deutliche Position einer Reitsportkritikerin und -gegnerin ein.

Wenn ich über einzelne Dressurställe berichte und die dortigen Umstände, handelt es sich um die derzeit alltäglichen Gegebenheiten, die ich auch in den meisten anderen Ausbildungsställen so - oder so ähnlich - erlebt hätte.

Es ist nicht meine Absicht, Menschen zu verurteilen, sondern klarzumachen, dass es sich beim Reitsport um einen gesellschaftlichen Rückstand handelt, den es aufzuholen gilt.

Um das Thema noch eindringlicher darzulegen, habe ich Aspekte aus der Tierkommunikation herangezogen - unter anderem ein Protokoll von Deutschlands bekanntesten, leider bereits verstorbenen Tierkommunikatorin Gudrun Weerasinghe.

Eine ehemalige Reitsportsponsorin, eine Vielseitigkeitsaussteigerin, eine ehemalige Turnierrichterin und Berufsreiterin, einen Expartner einer Pferdehändlerin, ein Vorstandsmitglied der Pferdehilfe Sonnenhof e. V., sowie weitere gebildete Reitsportkritiker und -gegner habe ich ausführlich zu ihren Wandlungen und Positionen befragt und darauf sehr klare, wegweisende Antworten erhalten.

Nach dem Lesen dieses Buches müssten Sie dazu in der Lage sein, die Pferdewelt mit anderen Augen zu betrachten.

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Pferdesport in der Kritik
1. Vom Steppentier zum „Sportgerät“

Das Pferd ist ein Steppentier. Es lebt naturgemäß in weitflächigen Gebieten in einer Gruppe, in einem Herdenverband.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Pferd vor ca. 5.000 Jahren erstmals in Asien domestiziert wurde.

In der Antike wurde das Pferd u. a. von Völkern wie den Assyrern als Zugtier vor Streitwagen bei Kämpfen eingesetzt. Der Grieche Xenophon fertigte bereits im 4. Jh. v. Chr. die ersten Schriften über die „Reitkunst“ an, welche in unserer neuzeitigen Gesellschaft leider immer noch Beachtung finden.

Ab dem Mittelalter wurde das Pferd in Europa für die Feldarbeit eingesetzt und diente als Arbeitstier. Es entwickelte sich das Rittertum, woraus später die klassische Reiterei entstand.

Während Autos, Züge, Traktoren und Panzer die schweren körperlichen Aufgaben der Pferde als Arbeitstier und Fortbewegungsmittel ablösten, blieb der Gedanke, Pferde zum sportlichen Gebrauch zu nutzen, erhalten, und verbreitete sich im Laufe der Zeit in massivem Ausmaß.

Eine millionenschwere Pferdeindustrie ist in den letzten Jahrzehnten entstanden, dessen Höhepunkt nun erreicht scheint. Noch nie zuvor wurden Pferde zu Summen von über 10.000.000 Euro gehandelt und vermarktet.

2. Frühe Prägung des Reiters

Viele ambitionierte und begeisterte Turnier- und Berufsreiter wachsen entweder im Familienumfeld von Reitern auf, oder sie werden durch Medien zu dieser Beschäftigung, Pferde als Sporttiere zu nutzen, angezogen.

Meine eigene Reitsportlaufbahn startete ebenfalls in jungen Jahren. Noch bevor ich richtig sprechen konnte, saß ich auf dem Pferderücken.

Im Alter von 5 Jahren bestritt ich die ersten Turniere, die sogenannten Führzügelklassen. Dabei werden die kleinen Kinder von einer Begleitperson auf einem Pony oder Pferd geführt. Bewertet wird der Sitz des Kindes: Die Beine müssen korrekt auf dem Sattelblatt liegen - sie dürfen nicht nach vorne oder hinten rutschen, der Fußabsatz muss nach unten durchgedrückt werden, die Zügel müssen korrekt in der Hand liegen - der Daumen darf nicht abstehen, der Rücken muss gerade sein - der Oberkörper darf nicht zu weit nach vorne oder nach hinten gebeugt sein, die Ellenbogen müssen korrekt gewinkelt sein und der Kopf muss aufrecht getragen werden.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich strikt nach diesen Leitlinien auf meinem Mini-Shetlandpony Paul unterrichtet wurde. Es kostete mich als Kleinkind viel Disziplin, mich gleichzeitig auf die korrekte Lage und Haltung aller Körperteile zu konzentrieren und dabei noch aufzupassen, nicht runterzufallen, wenn mein Pony Paul bockte, auf was ich immer gefasst sein musste.

Diese so frühe Bindung zum Reitsport prägt einen jungen Menschen wie die eigene Muttersprache.

Kinder, die in diesen Gegebenheiten aufwachsen, kennen gar nichts anderes, als Pferde in Verbindung mit der Reitsportwelt zu betrachten.

Mein Leben bestand quasi fast ausschließlich aus Reiten. Neue, größere und immer „bessere“ Ponys und Pferde wurden im Laufe meines Heranwachsens gekauft. Turnierschleifen und Pokale wurden gesammelt und stolz an die Wände gehängt, bis eine große Sammlung daraus entstanden war.

Oft fragte ich mich, wenn ich in Gedanken war, wie Menschen im Leben bloß einen Sinn sehen können, wenn es nicht ihr Ziel ist, an Olympischen Spielen teilzunehmen.

Denn ich definierte meinen eigenen Wert über die Pferde und die Erfolge, die ich mit ihnen erreichte bzw. nicht erreichte.

Fast alle bekannten Spitzenreiter und die meisten ambitionierten Turnierreiter der höheren Klassen berichten, dass sie früh anfingen zu reiten, dass sie Sohn oder Tochter von Reitausbildern sind oder von ihren gut situierten Eltern besonders „gefördert“ wurden. Kaum einer von ihnen stellt diese Ideale, mit denen sie aufwuchsen, zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Laufbahn in Frage. Aus den kleinen Ponykindern werden selber Ausbilder, Trainer oder Amateurreiter mit nationalem und internationalem Erfolgsstreben.

3. Weltspitze, Turniererfolge, Ehrgeiz

Um es ganz nach oben zu schaffen und sich für Olympische Spiele, Welt- oder Europameisterschaften zu qualifizieren, benötigt es eine Menge finanzieller Möglichkeiten, sowie einen strengen und harten Trainingsplan. Wie ich später noch beschreiben werde, ist es keine Seltenheit, Pferden mit Rohrstöcken vor die Knochen zu schlagen, damit sie sich imposanter bewegen und eine möglichst hohe Wertung der Richter erhalten. Das, worauf es im Dressursport allgemein ankommt, sind hohe Punktzahlen und Rangierungen auf den vorderen Plätzen - das steigert den Wert des Pferdes und fördert den Ruhm oder das finanzielle Einkommen des Reiters.

Sehr gut kann man diese Tatsachen bei Reitern, Trainern und Pferdebesitzern der Weltspitze erkennen. Für sie zählen nur Siege oder ein Platz auf dem Treppchen. Ein vierter oder fünfter Platz ist bereits eine deutlich erkennbare Niederlage, wenn man in die Gesichter der Besagten schaut. Ein hinterer Platz erschüttert die Favoriten wie andere Menschen ein Tornado, Hurrikans oder eine Hungersnot.

Alle ambitionierten Sportreiter ticken auf diese Weise. Angefangen bei ehrgeizigen Müttern, die ihre Kinder in Führzügelwettbewerben anmelden, den Lokalmatadoren, die um jede ländliche Turnierplatzierung kämpfen, bis zu den Weltranglistenführenden unter den Dressurreitern: Es ist immer eine tiefe Ernüchterung, eine schlechte Bewertung einstecken zu müssen. Eine Welt bricht zusammen, ein Unheil trifft ein, Trainer werden gewechselt oder neue Pferde gekauft.

Ein genauso zerstörtes und verletztes Gemüt zeigen Sportreiter, wenn ihre Pferde krankheitsbedingt ausfallen und dadurch eine zwangsläufige Trainings- und Turnierpause ansteht.

Eine tierärztlich bescheinigte Unbrauchbarkeit des Pferdes lassen den Turnierreiter in ein sehr tiefes Loch fallen - eine Depression, ein emotionales Koma. Nicht jeder ist so gut situiert, in solch einem Fall ein neues, teures Pferd zu erwerben.

Nur woher kommt diese Lebensnotwendigkeit, mit der die Reiter den Reitsport betrachten?

Ist es unser Herz oder könnte es vielmehr unser Ego sein?

4. Wunderpferde - Weltstars

„Wunderpferde“ und Weltstars wie Michael Jackson haben eine Gemeinsamkeit: Sie erzeugen eine magische Ausstrahlung auf Menschenmassen und Medien.

Schaut man sich auf Turnieren oder im Fernsehen Dressurküren an, in denen Spitzenpferde zu Weltsongs wie denen von Michael Jackson „tanzen“, bekommt man zunächst Gänsehaut, wenn diese spektakulären Eindrücke die eigenen Sinne erreichen.

Doch ist es Sein oder Schein?

Michael Jackson erfuhr beide Seiten der Medaille in seinem einzigartigen Leben.

Er selbst hatte bereits als kleiner Junge den Wunsch gehabt, ein Weltstar zu werden und in die Fußstapfen seiner Idole zu treten, wie er es in seinem Buch „Moonwalk“2 in allen Einzelheiten beschrieben hat.

Die meiste Zeit trieb ich mich allein hinter der Bühne herum. Meine Brüder waren ein Stockwerk höher, aßen und redeten, und ich war unten hinter den Kulissen, machte mich so klein wie möglich und sah mir hinter dem staubigen, muffig riechenden Vorhang hervor die Show an. Ich verfolgte buchstäblich jeden Schritt, jede Bewegung, jede Drehung, jede Wendung, jede Veränderung in der Mimik, jede Gefühlsregung, jedes Scheinwerferflackern. Das war meine Schule und mein Hobby.“

Auch wenn Michael Jackson stark unter den Erziehungsmethoden seines Vaters litt, war es sein eigener, starker Wille gewesen, der ihn zu einem Weltstar machte.

Sportpferde werde geboren, um geritten zu werden. Das steht schon fest, wenn sie noch im Mutterleib liegen, denn sie werden eben nur deswegen gezüchtet, um sich unter einem Reiter möglichst erfolgreich auf Turnieren zu zeigen.

Somit haben diese Pferde nicht die Wahl, ob sie denn auch wirklich als dem Menschen untertan und mit scharfer Ausrüstung in einem Viereck Lektionen zeigen möchten, über hohe Hindernisse springen möchten, lange Transportwege zurücklegen sowie auf Weidegang und Freilauf verzichten wollen. Dass diese Lebensform unweigerlich zu Schmerzen, Einsamkeit, Gefühlen des Ausgeliefertseins und der Aufgabe des eigenen Willens führt, ist naheliegend. Doch glauben viele Menschen leider noch, dass Sportpferde dieses ihnen auferlegte Leben schön fänden. Und ich muss zugeben, wenn ich mir verblendet die Bilder dieser „Bewegungskünstler“ beim Reiten anschaue, und dabei die ergreifende Musik eines Michael Jackson laut im Hintergrund höre, ziehen mich diese Eindrücke auch zunächst in den Bann. Was vonnöten ist, um hinter den Schleier zu blicken, sind schlicht und einfach eine Schulung im Unterscheidungs- und Einfühlungsvermögen.

Aus der Sicht der Pferde ist die Sportreiterei ein dümmliches Verhalten des Menschen.

Wenn wir an Sportwettkämpfen teilnehmen möchten, sollten wir doch bitte selber als Athleten dafür trainieren und nicht anderen Individuen, den Pferden, unsere Wünsche aufzwingen.

Reiter sind keine Sportler! Einige würden nicht einmal das Sportabzeichen bestehen. Nur mit Hilfe der Pferde haben sie die Möglichkeit, sich sportlichen Ruhm zu erschwindeln.

Nicht alles, was glänzt, ist Gold.“

5. Doping im Pferdesport

Jeder Sportreiter möchte mit seinem Pferd Höchstleistungen bringen und wird bei dieser Umsetzung unter Umständen äußerst einfallsreich. Die gesamte Pferdeindustrie dreht sich schließlich um Erfolg: höher, schneller, weiter - impulsiver, ausdrucksstärker, geschmeidiger.

Doping nimmt einen großen Stellenwert im Pferdesport ein. Es gibt diverse Pulver, Salben, Spritzen, Pasten oder Wickel, die nur deswegen eingesetzt werden, um die Leistung des Pferdes zu steigern. Natürlich wird dabei auf die Vorschriften geachtet, um nicht des Dopings überführt zu werden. Doch gäbe es diese Kontrollen und Medikamentenlisten nicht, würden diese schädlichen und stark manipulierenden Mittel und Medikamente zur regelmäßigen tierärztlichen Behandlung dazugehören, davon ist auszugehen.

Es gibt allerdings auch leistungssteigernde Medikamente und Zusatzmittel, die nicht nachgewiesen werden können. Andere verbotene Mittel werden so dosiert und verabreicht, dass sie im Training helfen, die Leistung zu verbessern, und vor einem Turnierstart dementsprechend wieder abgesetzt werden, so dass das Mittel nicht mehr im Blut nachweisbar ist.

Vor einiger Zeit, als ich noch in einem Reitsportzentrum arbeitete und wohnte, lagen öfter Prospekte von Herstellern für Pferdezusatzmittel in meinem Briefkasten.

Angeboten wurden in diesen öffentlichen Katalogen unter anderem Mittel zur:

 Regeneration und Erhaltung der Beweglichkeit

 Vorbeugung von Lungenbluten

 Verbesserung der Stressbewältigung

 Verbesserung der Lungenfunktion

 Leistungsverbesserung

Erfolge und Leistungen sollen aus den Pferden herausgeholt werden, besonders gerne auch mit Hilfe von vielversprechenden Pülverchen und Spritzen!

Spritzen zur Ruhigstellung

In meiner Zeit als internationale Ponyreiterin, im Alter von 12 bis 16 Jahren, durfte ich einen Ponyhengst zum Kaufpreis von 80.000 DM reiten. Dieser Hengst war eine Schönheit und ein Bewegungsgenie. In seinem Verhalten zeigte er sich allerdings oft sehr hengstig und unhandelbar. Oft ging er durch, bockte und wieherte, wenn er auf Turnieren in fremder Umgebung unter vielen Pferden war.

Man wurde erfinderisch und suchte nach Wegen, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Die Lösung lag schließlich in zwei kleinen Spritzen, die ich vom Tierarzt ausgehändigt bekam und die ich meinem Pony am Vortag eines Turniers in den Halsmuskel spritzen sollte. Leider wirkte das Mittel nicht immer zur vollen Zufriedenheit, aber meistens.

Bei einem wichtigen Sichtungsturnier, auf dem mein sonst so wilder Hengst sich plötzlich ungewöhnlich ruhig und gelassen präsentierte und wir den zweiten Platz belegten, wurde ich direkt nach dem Prüfungsritt von einem Dopingtierarzt abgefangen. Nervös folgte ich diesem Herrn mit meinem Pony in eine Strohbox, damit mein Pony für die angeordneten Proben nach der Blutentnahme auch Urin ließ.

Mein Haustierarzt hatte recht gehabt, als er mir versicherte, dass ich keine Bedenken zu haben brauchte wegen der Nachweisbarkeit dieser Spritzen: Das Mittel konnte tatsächlich nicht ermittelt werden. Nach Wochen der ungewissen Warterei auf das Ergebnis, las ich schließlich erfreut, dass der Dopingtest meines Ponys negativ ausgefallen war. Also machte ich weiter mit diesen Behandlungen. Auf nationalen und internationalen Ponyturnieren mit Übernachtungen vor Ort in Stallzelten war ich stets darum bemüht, meinem Pony spätabends unbeobachtet die Spritzen zu setzen. Ich war natürlich nicht die Einzige!

Spritzen zum Muskelaufbau

Auch mit anderen Pferden wurden Wege gefunden, Leistungsverbesserungen durch Medikamentengaben zu erzielen. Ich ritt nach meiner Ponyzeit eine Schimmelstute, die bis S-Dressur ausgebildet war, auf nationalen Junioren Turnieren, einschließlich Deutscher Meisterschaften. Auf regionalen Dressur-Veranstaltungen erritt ich mit dieser liebenswerten Stute meine ersten S-Dressur-Platzierungen. Doch die Stute war bereits älteren Semesters und bewegte sich nicht mehr ganz so frisch und leichtfüßig, wie es wünschenswert und erfolgversprechend für vordere Platzierungen ist.

Ein Tierarzt, Chiropraktiker und Spezialist für Zusatzmittel gab mir ein Mittel, welches ebenfalls in den Halsmuskel gespritzt werden musste. Es handelte sich um zwei verschiedene Mittel, welche ich abwechselnd einen auf den anderen Tag verabreichen sollte, um eine gute Wirkung zu erzielen. Das eine Mittel bewirkte eine Lockerung und Entspannung der Muskulatur, das andere half beim Muskelaufbau.

Ich war hellauf begeistert von diesen Ampullen. Meine Stute lief wie ein junges Pferd. Jeden Tag bewunderte ich ihre muskulöse Oberhalslinie, die sich entwickelt hatte. Traversalen und Schulterherein fühlten sich für mich als Reiterin an wie auf einem „Wunderpferd“.

Mittel, um Zähneknirschen abzustellen

Ein anderes Pferd, welches ich kurz vor meinem Ausstieg aus der Reiterei vorübergehend ritt, knirschte sehr mit den Zähnen während des Trainings. Dieses Verhalten ist sehr unerwünscht und bedeutet erhebliche Punktabzüge in Dressurprüfungen. Dem Besitzer und „Manager“ des Pferdes wurde von Reitsportkollegen ein Mittel empfohlen, welches dieses Zähneknirschen verhindern soll. Es handelt sich dabei um Wachspartikel, die man vor dem Reiten mit einem Maulschieber ins Pferdemaul gibt. Dabei muss man aufpassen, dass das Pferd dieses Produkt nicht wieder ausspuckt, da es sehr unangenehm und wenig schmackhaft ist.

Dieses Mittel zeigte gute Erfolge. Das Pferd knirschte beim Reiten tatsächlich nicht mehr mit den Zähnen, wenn ich dieses Mittel verwendete.

Das alles sind normale Methoden im Reitsport, „Probleme“ zu beheben. Es geht um Erfolge, Schleifen, Punkte. Die Tatsache, dass Zähneknirschen ein Alarmzeichen für starke Schmerzen ist, wird schlicht und einfach verdrängt. Wenn ein Pferd mehrere Zehn- oder Hunderttausend Euro gekostet hat, muss es eben laufen und genutzt werden für den Sport, so die Reiter, Trainer und Sponsoren.

Angesichts der Tatsache, dass ich nur eine „kleine“ Dressurreiterin war, mag man sich gar nicht vorstellen, zu welchen Methoden und Tricks die „Großen“ wohl noch greifen!

Das im Folgenden beschriebene Barren ist keine Ausnahmetrainingsmethode einiger weniger Springreiter, wie es oft in den Medien dargestellt wird, sondern wird sogar in Dressurställen öffentlich praktiziert, ohne dass ein Trainer sich dafür auch nur ansatzweise schämt oder versteckt.

6. Barren in der Dressur

Aus dem Springsport ist die Trainingsmethode des Barrens bekannt. Dabei wird den Pferden beim Springen über Hindernisse z. B. vom Trainer, der neben dem Hindernis steht, eine Stange plötzlich vor die Vorderbeine geschlagen, um einen Schmerz und Schrecken beim Pferd auszulösen. Das Pferd soll auf diese Weise dazu veranlasst werden, aus Angst vor Schmerzen höher zu springen, als es aus seiner Sicht erforderlich wäre, um einen Stangenabwurf auf Turnieren zu verhindern und möglichst zu gewinnen.

Im Dressurreiten gibt es diese Methode des Barrens ebenfalls, jedoch ist darüber noch nicht so deutlich berichtet worden:

Um die Piaffe und die Passage eines Pferdes zu verbessern, schlägt der Trainer während dieser „Lektionen“ mit einer Stange bzw. einem Rohrstock im gewünschten Takt auf die Röhrbeine des Pferdes ein. Abwechselnd werden im Rhythmus der Piaffe/Passage das rechte und linke Vorderbein bearbeitet, um mehr Aktion und Ausdruck zu erreichen. Bei Unregelmäßigkeiten oder einer Passivität der Hinterhand, werden die Hinterbeine entsprechend auf diese Weise traktiert.

Ich habe diese Unsitte auf dem folgenden Foto versucht nachzustellen, wozu ich spätabends einen der Rohrstöcke des Meisters aus der dunklen Reithalle entwendete und mit diesem meiner Stute im Stall an die entsprechenden Körperstellen klopfte. Mein Pferd reagierte zunächst nicht auf mein Verhalten, da ich ihr keine Schmerzen bereiten wollte. Ich musste meine sanften Berührungen zu Schmerzen erzeugenden Schlägen erhöhen, bis sie wie gewünscht ihr Bein hoch und gebeugt in die Luft nahm.

Den gleichen Versuch unternahm ich schließlich auch bei mir selber, um die Wirkung am eigenen Körper noch besser einschätzen zu können.

Ein leichtes Schlagen mit einem Rohrstock auf die Knochen erzeugt bereits Schmerzzustände, so habe ich es beim Selbstversuch festgestellt. Ich hob daraufhin sofort mein Bein hoch, um dem Schmerz auszuweichen, genau so, wie Pferde es machen. (Das kann jeder Zweifler selbst an seinem Körper testen.)

Für solche Kunststücke, die auf Schmerzen beruhen und mit Zwang eingetrichtert wurden, applaudieren die Zuschauer, geben Richter irgendwelche Noten, wird ein millionenschweres Gewerbe finanziert ... Das muss man sich einmal durch den Kopf gehen lassen.


Es kommt noch härter.

Ich habe einen Ausbilder dabei beobachten müssen, wie er ein Pferd, welches viele Hunderttausend Euro gekostet hat und einem millionenschweren Familienvater gehört, in der Halle eine halbe Stunde lang mit Doppellonge ausgerüstet, piaffieren und passagieren ließ und mit dem Rohrstock jeden Tritt fest auf seine Beine einschlug.

Nach wenigen Minuten musste ich daraufhin die Halle mit meiner Stute verlassen, die ich bisweilen am Halfter im Schritt und Trab bewegte. Denn sie war aus ihrer Ruhe heraus völlig in Panik geraten, als sie die lauten Geräusche - die das feste Schlagen mit einem Rohrstock auf die Pferdeknochen erzeugt - hörte. Auch ich konnte diese Schikane nicht länger mit ansehen.

Der wunderschöne Rapphengst, der die Prozedur fast täglich in ähnlichem Umfang über sich ergehen lassen musste, galt als Olympianachwuchspferd.

7. Das Pferd, die Ware

Die meisten Reiter geben an, ihr Pferd zu mögen und alles für es zu tun.

In den meisten Fällen meinen sie aber damit, dass sie alles für ihr Reitpferd unternehmen, damit es lahmfrei und fit ist, um einsetzbar fürs Training und Turnierauftritte zu sein.

Bevor ein Pferd gekauft wird, wird es durch eine Ankaufuntersuchung geschickt. Weist das Pferd einen entsprechenden Schaden auf, wird vom Kauf des Pferdes abgeraten.

Im Grunde ist das ein sehr trauriges Verhalten, mit Pferden umzugehen. Gerade kranke und verletzte Tiere sollten doch ein Zuhause bekommen und versorgt werden. Bei Hunden werden keine Ankaufuntersuchungen durchgeführt. Es gibt zwar auch unter den Hundeliebhabern Menschen, die Wert auf eine spezielle Hunderasse, ein bestimmtes Aussehen und Zuchtnachweise achten, viele Menschen zeigen jedoch Mitgefühl mit den Tierheimhunden oder den Straßenhunden anderer europäischer Länder und nehmen gerne solch ein hilfebedürftiges Wesen auf und bieten ihm die notwendige medizinische Versorgung.

Warum nehmen Pferde in unserem Weltbild einen so ganz anderen Platz ein und werden als Ware betrachtet?

Warum hat die Mehrheit der Menschen unserer Gesellschaft nicht auch das Bestreben, ähnlich wie der Gattung Hund, auch der Gattung Pferd Gutes zu tun?

Warum übernehmen Pferdeliebhaber, die sich ein Pferd zulegen möchten, nicht eines, welches krank und hilfebedürftig ist? Warum erkennen diese Menschen nicht, dass gerade solche Pferde auch ein schönes Zuhause verdienen, ähnlich wie kranke Hunde?

In Wahrheit ist es so, dass „Pferdefreunde“, die ein Pferd kaufen möchten, in Zeitungsanzeigen oder über Kontakte nach ihren Traumpferden suchen. Das Pferd muss gut nutzbar sein für die angestrebte Reitdisziplin. Fellfarbe, Stockmaß, Rasse, Abstammung, Alter, Geschlecht und aufzuweisende Turniererfolge spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Auswahl eines Pferdes. Es werden oft unzählige Pferde getestet und nach eigenen Vorstellungen begutachtet. Viele Pferdekäufer klappern sogar die ganze Bundesrepublik ab oder reisen ins Ausland, um das Pferd ihrer Wünsche zu finden. Wenn das ideale Pferd schließlich gefunden worden ist, es allerdings nicht durch die Ankaufuntersuchung kommt, da es einen gesundheitlichen Schaden aufweist, der die Nutzbarkeit beeinträchtigen könnte, wird von diesem Pferd wieder Abstand genommen. Die Pferdesuche wird fortgesetzt, bis endlich das gesunde Traum-Nutzpferd gefunden ist und der Kaufvertrag, in welchem das Pferd einer Sache gleichgesetzt wird, abgeschlossen wird.

Für mich ist das alles nicht mehr nachvollziehbar, auch wenn ich über viele Jahre hinweg selber diesen Denkmustern verfallen war, dass Pferde hauptsächlich als Leistungsobjekte zu dienen hätten: Wenn einem der Irrsinn hinter diesen Traditionen erst einmal bewusst geworden ist, kann man sich eigentlich nur noch an den eigenen Kopf fassen.

Am gesetzlich festgelegten Recht des Pferdekaufs kann man unschwer erkennen, wie sehr das Pferd in unserer Kultur seit 1899, und nochmals verschärft seit 2002, auch vor dem Gesetz versachlicht wird. Das Pferd wird tatsächlich als eine Sache gehandelt - eine Tatsache, die sehr nachdenklich stimmen sollte!

Um diesen pferdeunwürdigen Zuständen entgegenzuwirken, ist dringend anzuraten, sich vom leistungs- und gewinnorientierten Pferdehandel abzuwenden, ihm den Nährboden zu entziehen!

Auf politischer Ebene können Sie dazu beitragen, dass pferde- und tierfreundliche Gesetzesänderungen durchgesetzt werden, indem Sie die entsprechende Partei wählen - die „Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz“ (auch bekannt als die Tierschutzpartei).

Bitte lesen Sie die folgenden Abschnitte mit voller Aufmerksamkeit und treffen Sie eine kluge Entscheidung bei Ihren künftigen Wahlstimmenvergaben - zugunsten der nachfolgenden Generationen und einer glücklichen Tierwelt!

Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz -
kurze Programmausschnitte

Die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz hat die Rechtsstellung für die Tiere zweifellos verbessert, aber von einer tierfreundlichen Gesellschaft - geschweige denn von der Anerkennung elementarer Rechte der Tiere, sind wir noch sehr weit entfernt.

Wir werden nicht nachlassen, uns in der Gesellschaft und in der Politik für sie stark zu machen. Tierschutz um der Tiere willen, aber auch deshalb, weil konsequenter Tierschutz den besten Menschenschutz und Umweltschutz bedeutet!3

Noch niemals sind Tiere in so riesiger Zahl tagtäglich derart gequält worden, wie dies in unserer Zeit der Fall ist.

Die Gründe sind bekannt: Es regiert das Geld. Die Tiere sind der Ausbeutung durch den Menschen, speziell in der Wirtschaft und der Wissenschaft, hilflos ausgeliefert. Ihre Lage hat sich in den letzten Jahrzehnten mit zunehmender Kommerzialisierung und Intensivierung drastisch verschlechtert. Durch die verfehlte Agrarpolitik der EU und aufgrund des Zusammenwachsens der internationalen Märkte nimmt das weltweite Tierelend zu, die Zahl der misshandelten Tiere steigt ständig weiter an. Derartige Zustände hätten erst gar nicht eintreten können, wenn die nationalen Tierschutzgesetze einen tatsächlichen Schutz der Tiere garantieren würden; in Wahrheit dienen sie in erster Linie dazu, die gnadenlose Ausbeutung der Tiere in den verschiedenen Lebensbereichen rechtlich abzusichern! Und die wenigen Möglichkeiten, die z. B. das deutsche Tierschutzgesetz zugunsten der Tiere bietet, werden durch grundgesetzlich verbriefte Rechte wie Freiheit von Forschung und Lehre, von Kunst, Wissenschaft und Religion sowie durch freie Berufsausübung mit einem Federstrich ausgehebelt. Damit muss endlich Schluss sein!4

Die meisten Politiker der etablierten Parteien sind leider nur noch Interessenvertreter einer auf Profitmaximierung ausgerichteten Wirtschaft, oder sie erliegen aus Gründen der eigenen Selbstverwirklichung dem Machtstreben und dem Machterhalt um jeden Preis. Sie haben durch ihr kurzsichtiges Denken seit Jahrzehnten die katastrophalen Verhältnisse, die heute auf diesem Planeten herrschen, mit zu verantworten.

Welche Zukunftsperspektiven bieten die etablierten Parteien an, und in welchen Traditionen und Denkstrukturen wurzeln ihre antiquierten Grundsatzprogramme, die überwiegend eine Ansammlung von Kompromissen sind? Sie bieten keine Lösungen, um den massiven Problemen in unserem Lande und auf unserem Planeten Paroli zu bieten. Von ihnen sind keine Impulse mehr zu erwarten!5

Aber die Zeit drängt, die Politik muss jetzt unbedingt neue Rahmenbedingungen schaffen und notwendige gesellschaftliche Veränderungen in Angriff nehmen!“

8. Das Märchen vom glücklichen Sportpferd

Wenn uns Menschen etwas sehr wichtig ist, Freude oder Genuss bereitet, eventuell sogar zu unserem Lebensinhalt geworden ist, fällt es sehr schwer, sich wieder davon zu trennen und Einsicht zu zeigen.

Für mich persönlich war es sehr einfach, meinen Tierfleischkonsum abzustellen, nachdem ich über die Hintergründe der Schlachtungspraktiken informiert wurde. Von heute auf morgen konnte ich problemlos auf diese Essensgewohnheiten verzichten.

Als mir die Hintergründe über die Reiterei bewusst wurden, dauerte es etwas länger, den Absprung zu finden. Ich ritt einfach zunächst anders, ging nur noch auf die Geländestrecke und hielt möglichst Abstand davon, mit der gewünschten „Einwirkung“ zu reiten. Es war mein Ziel, das Pferdemaul gänzlich zu schonen, indem ich mich darauf konzentrierte, ohne die von der Reitlehre propagierte Anlehnung zu reiten. Schließlich, nach einigen Monaten, zog ich einen Strich, kleidete mich nicht mehr in Reithosen, setzte mich nicht mehr auf meine lieben Freunde, konnte mich von meinem Umfeld weitestgehend distanzieren und unbeeinflusst bleiben.

Ich kann aber sehr gut nachvollziehen, dass nicht jeder diesen Schritt schafft.

Selber sind mir diese menschlichen Gewohnheiten noch zu eigen, lieber wegzusehen, etwas nicht wahrhaben zu wollen, zu verdrängen. Obwohl ich sehr gut über die Hintergründe des Leidens der Milchkühe informiert bin, esse ich weiterhin Milchprodukte.

Den Kühen werden direkt nach der Geburt die Kälber weggenommen, damit wir ihre Milch konsumieren können.

Wenn ich durch den Supermarkt gehe und mir ansehe, welch einen Platz die zugestellten Milch-, Käse- und Joghurtregale einnehmen, mir vor Augen führe, wie viele Supermärkte es in Deutschland geben mag, dann sind das wirklich unvorstellbare Milchmengen, die wir täglich von unseren Tierfreunden abzapfen.

Der Genuss nach diesen Lebensmitteln ist einfach so groß, dass man gerne den Bildern auf den Packungen, mit glücklich lebenden Kühen, glaubt. Wir verspeisen genüsslich Tierprodukte in Massenwaren und lassen uns nur zu gerne einreden, den Tieren damit auch noch einen Gefallen zu bereiten.

Somit bin ich Teil der Menschenherde, die wegsieht, sich Märchen erzählen lässt und Tatsachen verdrängt.

In der profitorientierten, schnelllebigen Gesellschaft unseres Zeitalters, schaffen es nur die wenigsten, vegan zu leben und sich diszipliniert abzusondern. Schritt für Schritt seine Lebensgewohnheiten aufzuräumen, zu hinterfragen und Konsequenzen zu ziehen, ist aber eine gesellschaftliche Entwicklung, die man durchaus erkennen kann. Politiker, Hollywood-Schauspieler und Sportler bekennen sich weltweit zu tierleidfreien Konsumenten.

Man muss nicht von heute auf morgen ein ethischer Vorzeigemensch werden. Der Wille und eine schleichende Entwicklung zählen genauso viel.

Es ist demnach völlig normal und nachvollziehbar, dass viele Menschen es genauso wenig schaffen, sich vom Leitgedanken der Reiterei und der Pferdeausbildung zum Sporttier, zu lösen.

Übt man von klein auf oder über viele Jahre hinweg diese Tätigkeiten zu Pferde aus, startet auf Turnieren, betreibt Pferdehandel oder Pferdezucht, reagiert gewöhnlich jeder Mensch wie Sie und ich zunächst mit erheblicher Gegenwehr, wenn er erfährt, um was es sich bei diesen Praktiken in Wirklichkeit handelt: Um eine der dunklen und wenig kultivierten Seiten der Menschheitsgeschichte!

Dass Pferde durch dieses Gebrauchen leiden, möchte man lieber nicht wahrhaben. Man glaubt begeistert den „Spezialisten“, dass gymnastische Reitausbildung sehr wichtig für Pferde sei. Die Aussagen von Reitlehrern, die behaupten, dass „gutes“ Reiten praktizierter Tierschutz sei und der Natur entnommen wäre, werden genauso wenig hinterfragt und durchschaut wie die scheinbar glücklichen Kühe auf den Milchpackungen.

Die Märchen der Reitmeister wahrhaben wollen, trifft auf eigene Zustimmung; das Wetteifern auf Turnieren und Championaten mit strampelnden Pferden bereitet großen Genuss.

Pferdesport in all seinen Formen ist ein Genussmittel des Menschen auf Kosten der Tiere.

9. Der Reitsport als Sucht

Genuss- und Suchtmittel liegen oft eng beieinander.

Die Herausforderungen, sich von den Praktiken der klassischen Reiterei zu trennen, sind daher auch mit denen der Raucherentwöhnung und jeglichem Suchtentzug zu vergleichen.

Zigarettenrauchen ist eine sehr lästige und ernstzunehmende Suchterkrankung. Oft wird der Drang, Nikotin zu sich nehmen zu müssen, als hochgradiges Suchtverhalten unterschätzt.

Zu Nachkriegszeiten galten Zigaretten zeitweise als eine Art Währung. Denn Raucher würden für eine einzige Zigarette alles geben.

Als nikotinsüchtiger Mensch fehlt einem das Unterscheidungsvermögen erkennen zu können, dass es sich beim Rauchen in Wirklichkeit um ein vernichtendes, äußerst dunkles Verhaltensmuster handelt, obwohl es auf jeder Packung groß zu lesen ist und jeder Raucher schon mal eine Raucherlunge gesehen hat. Das Rauchen von Zigaretten wird stattdessen als Belohnung, Luxus und Genuss empfunden.

Es ist einem Raucher egal, welche gesundheitlichen Schäden der Tabakkonsum erzeugt. Selbst Menschen mit Raucherbeinen oder Lungenkrebs kann man weiter rauchen sehen. (Ich weiß, wovon ich rede, da ich selber nikotinsüchtig war.)

Bei der Reiterei und Pferdeausbildung ist es im Grunde genau dasselbe Spiel wie bei dieser Nikotinsucht oder anderen Süchten.

Erfolge und Lob des Ausbilders machen glücklich. Gute Wertungen auf Turnieren enden in Euphorie.

Es erzeugt ein berauschendes Gefühl, hoch zu springen oder Einerwechsel „perfekt“ reiten zu können mit seinem Pferd.

Röntgenbefunde, Lahmheiten, Spat, Quaddeln auf dem Rücken, Wunden im Maul, Verhaltensstörungen und andere schmerzhafte Leiden beim Pferd werden vom Reiter - ähnlich wie die Folgen durch das Rauchen beim Raucher - nicht als schädlich wahrgenommen. Es wird weiter geritten, „darüber hinweggeritten“.

Das Schlimme beim Reitsport und der Schulreiterei ist, dass in der Regel nur das Pferd leidtragend am Suchtverhalten des Menschen ist.

Allerdings steht die Sportreiterei nicht selten auch mit anderen Süchten in Verbindung. Man kann in der Pferdewelt viele Menschen finden, die an Kauf- oder Spielsucht leiden und diese im Pferdesport ausleben. In diesem Fall sind nicht nur die Pferde die Leidtragenden, sondern auch die Betreffenden selbst, indem sie eventuell sogar ihr ganzes Vermögen verspekulieren. Der Rausch des Pferdekaufs, der Nervenkitzel beim Ersteigern schöner Pferde auf Auktionen, bieten Andockstellen für eben diese Suchtformen.

Uneigennütziger Umgang mit seinem Pferd bedeutet, zu akzeptieren, wenn es nicht geritten werden kann und möchte. Es ist ein menschlicher Denkfehler zu glauben, dass Pferde es brauchten, geritten zu werden.

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
151 s. 2 illüstrasyon
ISBN:
9783941435742
Yayıncı:
Telif hakkı:
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