Kitabı oku: «Götter der Sterne»
Das Buch
Dieses Buch enthält genaue und kritische Untersuchungen der Aussagen und Rätsel der Bibel und der Apokryphen von der Schöpfung bis zu den Propheten. Lars A. Fischinger analysiert hier detailliert die alttestamentarischen Schriften und andere uralte Mythen. Erstaunliche Entdeckungen werden offenbart und liefern uns ein neues, phantastisches Bild der Bibel und der frühen Menschheit. Besucher aus dem All kamen als "Götter" zur Erde, schufen den Menschen und vollbrachten hier Dinge, die uns zwar detailgetreu überliefert, aber bislang unverstanden geblieben sind.
Der Autor
Der Autor Lars A. Fischinger, geboren 1974 im münsterländischen Coesfeld-Lette, beschäftigt sich seit seiner frühesten Kindheit mit archäologischen Fragen, UFO-Forschung, der Paläo-SETI-These und den Hintergründen der globalen Religionen und deren Mythologien. Fischinger publizierte seine Ergebnisse und Gedanken in zahlreichen Artikeln für verschiedene Fachzeitschriften und Zeitungen. Er ist schreibender Mitarbeiter des Fachmagazins OMICRON und redaktioneller Mitarbeiter der Prisma Sky International, ebenso Mitglied einiger Forschungsorganisationen wie der bekannten Ancient Astronaut Society. Das vorliegende Werk ist sein zweites Buch. Sein erstes Buch "Göttliche Zeiten" ist ein klassisches Prä-Astronautikbuch und erschien 1996 beim Tebbert Verlag. Es wird derzeit in mehrere Fremdsprachen übersetzt.
Lars A. Fischinger
Götter der Sterne
Bibel, Mythen und kosmische Besucher
Mit einem Vorwort von Walter-Jörg Langbein
und einem Nachwort von Dr. Johannes Fiebag

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Der Autor
Titel
Inhaltsverzeichnis
Bilderverzeichnis
Vorwort
Prolog
Teil I Mythen der Schöpfung, Überlieferungen der Urzeit Kapitel I Genesis: Das Buch der Ursprünge
I.1 Im Anfang war etwas
I.2 Monotheismus oder Polytheismus in der Genesis?
I.3 Die Schöpfung der Himmel
I.4 "Lasset uns den Menschen machen..." Die zweite Schöpfung
I.5 Adam und seine "Rippe" Eva
I.6 Als der Mensch wie "Götter" wurde
I.7 Die Vertreibung aus dem Garten der "Götter"
I.8 Lag das Paradies in Südmesopotamien?
I.9 Das himmlische Paradies und weitere Paradiesschriften
Kapitel II Schöpfungsmythen anderer Völker
II.1 Mesopotamische Überlieferungen wissen mehr
II.2 Der Mensch aus dem Himmel
II.3 Parallelen in globalen Schöpfungslegenden!
II.4 Adams Kinder und erste Frau
II.5 Himmlische Schwangerschaften - sonderbare Abstammungen
II.6 "Monster" - genetische Fehlversuche?
II.7 Adam und Eva - Mythos oder Wahrheit?
II.8 Problematische Überlieferungen
Kapitel III Als die Sintflut kam
III.1 Zeit der himmlischen Sünde - Sex mit den Gottessöhnen
III.2 Der "Herr" greift ein
III.3 Die Arche des Helden Noah - ein unmögliches Projekt
III.4 Sintflut in mesopotamischen Mythen - die Urquellen
III.5 Die Welt trocknet
III.6 Turmbau zu Babel - ein neuer Anfang, der "Gott" missfällt
Kapitel IV Die Abraham-Apokryphe
IV. 1 Abraham der Nomade
IV.2 Engelkontakte
IV.3 "...bis an der Feuerflammen Grenzen"
IV.4 Der Thron "Gottes"
IV.5 Abraham sah "Verborgenes"
IV.6 Die Erde aus dem All
IV.7 Weitere Offenbarungen "Gottes"
Kapitel V Vernichtender Zorn "Gottes"
V.1 Spione der Zerstörung
V.2 Himmlische Reize
V.3 Der count-down der Zerstörung läuft
V.4 Atomare Vernichtung vor Jahrtausenden?
V.5 Hinweise moderner Waffen in anderen Quellen
V.6 Archäologische Indizien
Kapitel VI Mose, ein Mann Gottes
VI.1 Ein Kind namens Mose
VI.2 Mord und Flucht in die Wüste
VI.3 Moses Berufung
VI.4 Ein Pharao wird erpresst
VI.5 Der Auszug - Die Israeliten plündern Ägypten
VI.6 Marsch der "Wunder"
VI.7 Sinai - wichtige Ereignisse am heiligen Berg
VI.8 Israels Rückfall zum Götzendienst
VI.9 Die Lade Jahwes - eine bemerkenswerte Konstruktion
VI.10 Eigenschaften und Geschichte der Bundeslade
Teil II Propheten und himmlische Erscheinungen Kapitel VII Die unverstandenen Worte Henochs
VII.1 Henoch - kein Prophet der Bibel
VII.2 Der Fall der Engel - wertvolle Ergänzungen zur Genesis!
VII.3 Diplomat zwischen Himmel und Erde
VII.4 Von Himmel zu Himmel zum "Herrn"
VII.5 Henoch starb nicht auf Erden
Kapitel VIII Elija, ein treuer Diener Jahwes
VIII.1 Elija, der wundersame Prophet ohne Vorleben
VIII.2 Ein Mann mit himmlischen Verbindungen
VIII.3 Flucht in die Berge - Begegnung mit Jahwe
VIII.4 Der Mörder im Namen "Gottes"
VIII.5 Elijas Auftrag ist beendet - die Himmelfahrt
VIII.6 Abstecher zu anderen Himmelfahrtsberichten
Kapitel IX Der perfekte Berichterstatter: Ezechiel
IX.1 Historische Daten und ihre Probleme
IX.2 "Und ich schaute und sah "den Thronwagen Jahwes"
IX.3 "Gott gütiger"...?
IX.4 Ein Prophet mit Auftrag
Bilder
Teil III Weitere Geschehnisse
Teil III.1 Jesaja schaut den "Thronwagen Gottes"
Teil III.2 Jakob, Hiob, Sacharja und Jeremia - alles Träumer?
Teil III.3 Baruch, ein biblischer und apokrypher Prophet
Teil III.4 Esdras himmlische Gesichte
Teil III.5 Daniel der visionierende Prophet
Teil III.6 Politik des Todes
Teil III.7 Johannes geheimnisvolle Offenbarungen
Teil III.8 Fehlende Zeit
Teil IV Anhang
Epilog: Gott nur ein Wunschtraum?
Dankesworte
Nachwort von Dr. Johannes Fiebag
Quellennachweis
Themenbezogene Zeitschriften
Bildnachweis
Impressum
"Wenn einer die Bücher der Heiligen Schrift, vollständig mit all ihren Teilen (...) als heilig und kanonisch nicht annimmt oder wenn er leugnet, dass sie göttlich inspiriert sind (divinitus inspiratos esse), so sei er im Banne!"
(Beschluss des ersten vatikanischen Konzils vom 24. April 1870, EB 79)
"Die Texte sind da, und die Zeit ist reif. Der moderne Mensch hat es allmählich satt, an religiös verbrämte Märchen glauben zu müssen, während eine neue Betrachtung der alten Überlieferungen den Sinn der umstrittenen Texte schlagartig aufhellt."
(Erich von Däniken, Schriftsteller und "Feindbild" der Theologie, in "Der Jüngste Tag hat längst begonnen", 1. Auflage, S. 85)
Der Autor legt in diesem Buch eine detaillierte Analyse der alttestamentarischen Schriften und anderer, uralter Mythen vor. Der Autor untersucht kritisch die Aussagen und Rätsel der Bibel und der Apokryphen von der Schöpfung bis zu den Propheten. Erstaunliche Entdeckungen werden offenbar und liefern uns ein neues, phantastisches Bild der Bibel und der frühen Menschheit. Fremde Götter, Besucher des Alls, kamen zur Erde, schufen den Menschen und vollbrachten hier Dinge, die uns bis heute überliefert worden sind!
Die Bibel enthält erstaunliche Berichte, die bei näherer Betrachtung deutliche Hinweise auf diese Außerirdischen und ihre Technologie liefern. Globale Mythen der Erde haben bis zum heutigen Tag die Ankunft und Taten der "Götter" geschildert...
Walter-Jörg Langbein, erfolgreicher Schriftsteller und Theologe, über "Götter der Sterne": "Es bietet verblüffende, aber immer logisch begründete Antworten auf Fragen, die wohl schon gestellt wurden, seit es denkende Menschen gibt. Ich bin sehr froh darüber, dass es dieses Buch gibt. Es war überfällig, musste einfach geschrieben werden."
In Liebe für Marion
Dieses Buch wurde in Gedenken an den 18. Februar 1991
und den 11. Juli 1992 geschrieben
Bilderverzeichnis
Abbildungen im Text
Abbildung 1: Himmelskuppel
Abbildung 2: Der Baum der Erkenntnis
Abbildung 3: Darstellung der "Mutter Erde"
Abbildung 4: "Rollsiegel der Versuchung" aus dem Land der Sumerer
Abbildung 5: Menschen werden auf einer "Töpferscheibe" geformt
Abbildung 6: "Muttergottheit", Göttin Hathor aus Ägypten mit einer "Töpferscheibe"
Abbildung 7: Mögliche Maße der Bundeslade
Abbildung 8: Mögliche Proportionen des "Heiligen Schreins"
Abbildung 9: Efodmantel
Abbildung 10: Indische Luftschiffdarstellung
Abbildung 11: Räderentwurf nach Blumrich
Abbildung 12: Blumrichs Raumschiff-Entwurf
Abbildung 13: Ezechiel-Tempel nach einem Entwurf von Beier
Abbildung 14: Dogon-Zeichnung
Abbildung 15: "Zange" oder "Arm" laut Ezechiel
Abbildung 16: Flugblatt von 1561 über "Ufos"
Bilder im Bildteil
Bild 1: Adam und Eva im Garten Eden
Bild 2: Satellitenaufnahme von Ostafrika
Bild 3: Darstellung aus Ur, der Stadt Abrahams
Bild 4: Weitere Darstellung aus Ur
Bild 5: Die Arche des biblischen Helden Noah nach den Vorstellungen mittelalterlicher Künstler
Bild 6: Jakob "sah" eine Himmelsleiter
Bild 7: Sodom und Gomorrah, Sinnbilder der Perversion und Sünde
Bild 8: Der heilige Amun-Widder aus Ägypten
Bild 9: Mittelalterliche Darstellung der Bundeslade
Bild 10: Der Jerusalemer Tempelberg
Bild 11: Die heilige Lade Jahwes
Bild 12: Heiligtum am Berg Sinai
Bild 13: Darstellung des "Titusbogens" aus Rom
Bild 14: "Feuriger Wagen" des Propheten Elija
Bild 15: Ein weiterer Zeuge der Flugtechnik Jahwes
Bild 16: Eine künstlerische Darstellung der Ezechiel-Vision
Bild 17: Eine weitere künstlerische Darstellung der Ezechiel-Vision
Bild 18: Darstellung der Ezechiel-Vision mit der "Buchrolle"
Bild 19: Biblische Texte überliefern Erscheinungen von "Wagen Gottes"
Bild 20: Entwurf eines Raumschiffes nach Bibeltexten
Bild 21: Feuer und Rauch bei einem Raketenstart
Bild 22: Künstlerische Darstellung der Paläo-SETI-These
Bild 23: Der Äthiopier Abimelech
Bild 24: Der Physiker und Mathematiker Prof. Hawkins
Bild 25: Zeitgenössische Engeldarstellungen
Bild 26: Unfassbares Universum
Bild 27: Die biblische Erschaffung der Welt
Bild 28: Der "Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen"
Bild 29: Kain ermordet heimtückisch seinen Bruder Abel
Bild 30: Die Hebräer schufteten für das ägyptische Königshaus
Bild 31: Gott offenbart sich Mose am brennenden Dornbusch
Bild 32: Plagen in Ägypten
Bild 33: Heuschreckenplage
Bild 34: Der Pharao verfolgt das Volk Israel
Bild 35: Manna, das "Brot vom Himmel"
Bild 36: Mose und die Gebote Jahwes aus Sicht des Malers Rembrandt
Bild 37: Lot und die Engel Jahwes
Bild 38: Himmelwagen mit Leitern
Bild 39: Die "Engel Gottes" metzeln Assyrer nieder
Vorwort
Bereits das erste Buch des Autors Lars A. Fischinger, das umfangreiche Sachbuch "Göttliche Zeiten...Die vergangene Zukunft der Erde", verdeutlicht die Stärken des sauber recherchierenden Autors. Mit seinem neuen Werk setzt er seine Arbeit fort, stets auf den Spuren der prähistorischen Astronautengötter.
Er ist in der Lage, umfangreiche Informationsmengen in prägnanter, streng gegliederter Übersicht darzubieten, schier unüberblickbare Fluten wissenschaftlicher Erkenntnisse gut verständlich darzustellen - und das spannend und informativ zugleich. Dabei erweist er sich als profunder Kenner der großen Rätsel der Vergangenheit unseres Planeten. Komplizierte Sachverhalte werden gut nachvollziehbar aufbereitet.
In seinem neuen Werk hat sich Lars A. Fischinger das "Buch der Bücher", die Bibel, vorgenommen. Wieder stößt er auf eine Fülle von Hinweisen auf außerirdische Besucher, die in "grauer Vorzeit" unseren Planeten besucht haben müssen.
Mit Recht weist er darauf hin, dass die Bibel zwar jedem bekannt, aber kaum jemandem wirklich vertraut ist. Tatsächlich liest nur ein kleiner Teil der Deutschen, die zwar eine Bibel im Bücherregal stehen haben, auch tatsächlich in jenem Werk der Weltliteratur, das der Auflage nach das erfolgreichste Buch aller Zeiten ist. Man kann die Bibel mit Fug und Recht als einen Bestseller ohne Leser bezeichnen. Und wenn schon nur so wenige Menschen die biblischen Schriften überhaupt studieren, so ist die Zahl jener, die sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, ob denn etwa das Alte Testament Hinweise auf Besuche Außerirdischer enthält, höchst bescheiden.
Es hat in den vergangenen Jahren einige Sachbücher gegeben, die sich der Thematik "Bibel und Außerirdische" zugewendet haben. Es handelte sich dabei meistens um durchaus beeindruckende Ausführungen über Detailprobleme. Was aber seit langer Zeit fehlt, das ist ein umfassendes Werk zum Fragenkomplex "Bibel" insgesamt.
Lars A. Fischinger hat nun das längst überfällige Buch geschrieben: "Götter der Sterne". Es hat das Zeug dazu, zu einem Standardwerk zu werden, das für sehr viele Jahre Gültigkeit besitzen wird.
Es würde den Rahmen eines Vorworts sprengen, wollte ich die zahlreichen unbestreitbaren "Pluspunkte" von "Götter der Sterne" auflisten. Die für mich wichtigsten positiven Merkmale dieses Buches, welches von der Qualität her verdient hat, ein Bestseller zu werden, seien genannt:
Autor Fischinger gewährt einen Überblick auf biblische Schriften und beschreibt in faszinierender Klarheit die bis heute ungelösten Rätsel von der Schöpfung bis zur Apokalypse. Er macht klar, dass die erstaunlichen Fakten, die im Alten Testament für Besuche Außerirdischer in "grauer Vergangenheit" sprechen, nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Erstaunliche Parallelen werden offenbar. Ganz offensichtlich decken sich die Berichte des Alten Testaments über die Frage der Menschheitsentstehung mit anderen Texten mythologischer Art aus weit voneinander entfernt liegenden Regionen unseres Planeten.
Wie kaum ein Autor vor ihm verdeutlicht Fischinger, dass apokryphe Schriften, also Texte, die aus willkürlichen Gründen nicht in die Bibel aufgenommen wurden, wertvolle Ergänzungen darstellen zu den klassischen Schriften des Alten und Neuen Testaments. Er weist nach, dass sowohl Altes wie Neues Testament reichlich Material enthalten, das zwar auf den ersten Blick dem uninformierten Leser zu phantastisch anmutenden Überlegungen Anlass gibt, die sich aber als gut begründet erweisen. Er zwingt seine Gedanken nie den Leserinnen und Lesern auf, er veranlasst sie zum eigenen Nachdenken.
"Götter der Sterne" ist jedem Zeitgenossen dringend zur Lektüre empfohlen, der sich für das Woher und Wohin des Menschen interessiert. Es bietet verblüffende, aber immer logisch begründete Antworten auf Fragen, die wohl schon gestellt wurden, seit es denkende Menschen gibt.
Ich bin sehr froh darüber, dass es dieses Buch gibt. Es war überfällig, musste einfach geschrieben werden. Es wird heftige Diskussionen entfachen. Es bietet plausible Antworten auf Fragen, die endlich einmal gestellt werden mussten. Es wird sich als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg ins dritte Jahrtausend erwiesen.
"Keine Angst vor kühnen Gedanken!" pflegt Erich von Däniken zu sagen. "Götter der Sterne" lässt erkennen, dass so manche Gedanken nur deshalb vielen Menschen unserer Tage als kühn erscheinen müssen, weil ihnen das entsprechende Hintergrundwissen fehlt. In Wirklichkeit sind sie viel nüchterner, viel vernünftiger als das, was heute noch die diversen Schulwissenschaften lehren und behaupten. Selbst Fischingers kühnste Spekulationen sind logischer als so manches theologische Traktat.
Jacques Bergier sagte einmal, dass das dritte Jahrtausend n. Chr. von der "phantastischen Vernunft" geprägt sein werde. Das neue Werk von Lars A. Fischinger ist dazu geeignet, das Tor zum neuen Denken des dritten Jahrtausends aufzustoßen. Es liegt an uns, ob wir uns als wirklich intelligente Lebewesen erweisen werden, die unvoreingenommen versuchen, die Wirklichkeit der spannendsten Phänomene unserer Welt zu erfassen....oder nicht.
"Die Antwort liegt irgendwo da draußen..." ist zu einem viel zitierten Slogan aus der Fernsehserie "X-Files" geworden. Wir müssen nicht erst in die Tiefen des Alls vordringen - es genügt, wenn wir unvoreingenommen die Bibel lesen. Sie bietet ein Bild von der Vergangenheit des Menschen, das nur so lange phantastisch zu sein scheint, so lange wir uns weigern, die knallharten Fakten wahrzunehmen.
In grauer Vorzeit waren Wesen aus dem All auf der Erde. Sie gingen als "Götter" in mythologische Überlieferungen und heilige Bücher ein. Jene Wesen haben immer wieder versprochen, sie würden einst zur Erde zurückkehren. Nach langjährigem Forschen bin ich persönlich zu der Überzeugung gelangt, dass die Rückkehr der Besucher aus dem All bereits erfolgt ist. Sie sind wieder da, hier, jetzt und heute. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich - weltweit - zu erkennen geben werden. Davon ist der Verfasser dieses Vorworts überzeugt.
Wie wird die Menschheit dann reagieren? Das hängt davon ab, ob sie von den Ereignissen vollkommen überrascht sein wird oder ob sie informiert dem Kommenden entgegensieht. Wissen hat noch nie geschadet. Auf eventuell morgen eintretende Ereignisse, die unser aller Leben verändern könnten, sollten wir heute alle so gut wie möglich vorbereitet sein. Vorbereitet sein, das heißt auch hier: So frühzeitig wie möglich so viele Informationen wie möglich ansammeln. Und wer ernsthaft Wissen über "das Wort Gottes" sucht, dem kann ich nur raten, das neue Werk von Lars A. Fischinger zu lesen.
Eine "Warnung" sei noch vorab ausgesprochen: Wer abends gern zu einem Buch greift, um möglichst rasch vor Langeweile einzuschlafen, der verzichte lieber auf die Lektüre von "Götter der Sterne". Denn wer zu diesem Buch greift und mit dem Lesen beginnt, der mag es wahrscheinlich nicht mehr aus der Hand legen, wird es förmlich verschlingen. Mir erging es jedenfalls so mit dem Manuskript von "Götter der Sterne".
Walter-Jörg Langbein
Prolog
Die Bibel, das "Buch der Bücher", kennt jeder mindestens aus dem Unterricht seiner Schulzeit. Damals wurden uns die Dogmen der Kirche beigebracht, und keiner der jungen Schüler widersprach seinem Religionslehrer. Die Bibel und die Lehren der Kirche sind in der öffentlichen Diskussion ein Tabuthema (wenn es nicht wieder einmal um Verhütung geht). Zwar kennt jeder die "wichtigsten" Textstellen aus der heiligen Schrift, oder hat sie zumindest einmal gehört, aber auch wenn eine Bibelausgabe im häuslichen Bücherschrank steht, so hat sich kaum einer näher mit ihr befasst. Der größte Teil der gläubigen Christen, die Sonntag für Sonntag in die Kirchen pilgern, haben meist nicht das Alte Testament gelesen oder sich gar intensiv mit dem Grundstein ihrer Religion befasst.
Uns wurde vor mehr oder weniger langer Zeit in der Schule und in den Gottesdiensten etwas erzählt über Adam und Eva und ihre schlimme Versündigung "Gott" gegenüber, die bösen Menschen, die durch ihr Verhalten letztlich die Sintflut verschuldeten, den Propheten "Gottes" oder von den "Stammvätern" Moses und Abraham, die alle "Wunder" vollbringen konnten und erlebten. Oder auch von den verschiedenen Propheten Jahwes haben wir schon einmal etwas gehört. Dabei blieb es auch, und der christliche Dogmatismus, der uns damals erreichte oder erreichen sollte, ist entweder schnell wieder vergessen, oder aber als "Wort Gottes" verinnerlicht worden.
Es ist an der Zeit, in der Bibel, und vor allem im Alten Testament, einiges neu auszulegen, denn die Kirche bleibt mit ihren alteingefahrenen Lehren von der Allmacht des biblischen "Gottes" viele Antworten auf biblische Rätsel schuldig. Alleine die widersprüchlichen Deutungen und Interpretationen der Bibelexegeten belegen, dass sich nicht einmal die allgemeine Theologie einig ist, was das Buch der Bücher überhaupt enthält. Aber auch die Tatsache, dass selbst heute noch in der Machtorgansisation Kirche an nachweisbar "heidnischen" Religionsansichten festgehalten wird, etwa die Jungfrauengeburt oder Symbole aus dem Hinduismus und Buddhismus (zum Beispiel der Kuppelbau), zeigen, dass die Kirche nicht bereit ist, neue Ansichten zu überdenken.
Die Bibel, deren Inhalt und auch die Religionen allgemein, sind vielen Menschen unserer Gesellschaft gleichgültig. Dadurch werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, die wieder fällige Autoversicherung gezahlt oder die Miete gesenkt. Dennoch "glauben" zahllose Menschen seit der Kindheit bis zum heutigen Tag an die Lehren der Kirche. Wer aber hat sich jemals die Mühe gemacht, das "Buch mit sieben Siegeln" aufzuschlagen, um nachzulesen, was Adam und Eva im Garten Eden so trieben, wie der Prophet Hezechiel (Ezechiel) und andere Propheten tatsächlich ihren "Gott" sahen und was die Menschen in "Gottes" Augen verbrochen haben, dass er gleich eine gewaltige Flut schickte, um seine Kinder vom Erdboden zu vernichten? Oder hat je einer versucht zu ergründen, warum der "Herr" im Alten Testament in seinem Zorn immer wieder tödliche Strafen über die Menschen kommen ließ? Welcher Christ hat seinen Glauben kritisch hinterfragt, bevor er die Kirche betritt? Wer setzt sich hin, um auch in den nichtkanonisierten Bibeltexten zu lesen - sofern sie bekannt sind?
Lesen wir die Bibel aufmerksam durch, durchforsten ältere Texte aus Mesopotamien (von denen viele von den Genesisautoren übernommen wurden), werfen dabei einen Blick in die verborgenen, apokryphen Bücher der Bibel und hören uns kurz die Überlieferungen einiger anderer Völker an, so fällt die schöne Welt der biblischen Geschichte zusammen wie ein Kartenhaus. Gleichzeitig eröffnet sich aber auch eine neue, phantastische Vergangenheit unserer Vorfahren.
Wir können und dürfen nicht einfach die verbreitete theologische "Deutung" der biblischen und apokryphen Texte hinnehmen, wie sie heute gelehrt wird. Als gläubiger Christ kann niemand die Augen vor alttestamentarischen Geschehnissen verschließen. Denn bereits ein etwas genaueres Anschauen der Texte, die uns moderne Exegeten als inspiriertes "Gotteswort" verkaufen wollen, lassen Zweifel aufkommen, dass der "Gott" des Alten Testamentes tatsächlich Gott ist. Unabhängig davon, wie die Bibelkundler die Heilige Schrift auslegen, immer ist es in ihrem Sinn, und alles Unverständliche und Undeutbare wird zu Symbolismen, Visionen oder Gleichnissen erklärt. Das "Wort Gottes" ist in der Theologie sehr dehnbar.
Die Bezeichnung "Wort Gottes" wird äußerst weitreichend interpretiert. Theologen sehen darin entweder das direkte Wort aus "Gottes" Mund an den Menschen, oder aber inspirierte Worte Gottes, die von Menschen niedergeschrieben wurden. Beiden Auslegungen liegt jedoch zugrunde, dass der Bibelinhalt auf die eine oder andere Weise von "Gott" stammt.
Gott, um hier das gebräuchliche Wort zu verwenden, soll ein Wesen oder Geist sein, der allgegenwärtig, zeitlos und von vollendeter Weisheit ist. Er wird als Schöpfer des Universums, der Galaxien, Sonnen, Planeten, Atome und aller lebenden Geschöpfe angesehen. Der Kosmos entstand nach der Urknalltheorie aus einem stark verdichteten Körper, der die gesamte Materie der Welt in sich barg. Zuvor existierte nichts, es gab nur Gott, der weder zu fassen, zu begreifen noch in irgendwelche Dimensionen zu zwängen ist.
Genauso ist es! Gott ist das allmächtige "Wesen", mit dem alles begann und alles enden wird.
Aber dieser Gott steht im krassen Widerspruch zu dem "Gott" in der Bibel, dessen Worte und Taten sich in den heiligen Büchern wiederfinden und den die Religionslehrer und Priester als wahren Schöpfer bezeichnen. Ist dies nicht Blasphemie? Keineswegs, denn ich glaube an diesen allmächtigen Gott, der sämtliches Leben, egal wo auch immer, im All schuf, aber ich kann ihn beim besten Willen nicht in den Schriften der Bibel wiederfinden! Der biblische "Gott" erlaubt sich Fehler, ist nicht "allwissend", er lügt, mordet oder lässt morden, ist zornig, reumütig und bedient sich sonderbarer "Thronen" als Hilfsmittel zur Fortbewegung etc. Sollten derartige Eigenschaften dem multidimensionalen Erschaffer von Geist und Materie zu eigen sein? Ich bezweifele es energisch.
Wer aber war Jahwe (bzw. "die Götter") des Alten Testamentes, wer seine Söhne oder Engel ("Gottessöhne"), denen es nach Sex mit den Menschen lüstete, wie es unter anderem das Buch Genesis beschreibt? Wer oder was waren die himmlischen Wesen anderer Völker und Kulturen, und woher kamen sie zu unseren Urahnen? Die Hinweise führen uns tatsächlich in den Himmel, sie kamen von dort, denn in den Überlieferungen der religiösen Schriften stechen immer wieder technische Beschreibungen ins Auge. Andere Berichte über Jahwe enthalten Taten dieses angeblichen "Gottes", die nicht mit unserem liebgewonnenen "Gottesbild" zusammenpassen: "Gottes" Reich ist nicht von dieser Welt - da hat die Bibel recht.
Begleiten Sie mich nun auf eine Reise in die phantastische Welt der religiösen Überlieferungen unser Vorfahren. Eine Welt, voller rätselhafter Begegnungen, Erscheinungen und Berichte, voll von unglaublichen Aussagen und sensationellen Hinterlassenschaften der "Götter der Sterne"...
Teil I
Mythen der Schöpfung,
Überlieferungen der Urzeit
Das Alte Testament ist das Schwerpunktthema des vorliegenden Buches. Zu Beginn der Bibel finden wir Schöpfungsberichte oder besser Überlieferungen, die bei näherer Betrachtung eines der interessantesten Kapitel der ganzen Heiligen Schrift sind. Die biblischen Berichte wimmeln von symbolischen Darstellungen und vieldeutigen Ereignissen, die selbst in der Theologie immer wieder diskutiert werden. Mythen über unseren Ursprung finden wir praktisch überall, in allen Teilen der Welt. Sie ähneln einander und helfen, die alttestamentarische Schöpfungsgeschichte des Menschen besser zu verstehen. Auch untermauert die Ähnlichkeit des biblischen Schöpfungsberichts mit Mythen anderer Völker den Wahrheitsgehalt des Alten Testaments. So, wie die Schöpfungsgeschichten in der Bibel niedergeschrieben sind und wie es die Kirche seit Jahrhunderten lehrt, kann sie niemand glauben, der nicht den biblischen "Gott" für die sonderbaren Ereignisse verantwortlich macht.
Wir bezeichnen uns heute als aufgeklärte Gesellschaft - was immer das sein mag. Selbst für einen gläubigen Christen erscheinen die Schöpfungsberichte der Genesis mit Blick auf die modernen Denkmodelle der Naturwissenschaft und Evolutionstheorie außerordentlich phantasievoll. Um aber zu erkennen, dass vieles davon heute aus einem anderen und logischen Blickwinkel gesehen werden muss, ist ein Ausflug zu anderen Überlieferungen der Welt erforderlich, denn die Schöpfungslegenden vergangener Zeiten und Völker sind eines der wertvollsten Mythenschätze der Menschheit überhaupt.
So will ich mich nicht allein auf die Berichte des Alten Testamentes konzentrieren, sondern in diesem Teil auch immer wieder andere Überlieferungen kurz zu Wort kommen lassen.
Kapitel I
Genesis: Das Buch der Ursprünge
I.1 Im Anfang war etwas
Die Schöpfung der Welt, der Anfang alles Seins, ist das erste, über das die Bibel im ersten Buch Mose, der Genesis (griechisch = "Buch der Ursprünge"), berichtet. Auch als "Mythen der Urzeit" betitelt, findet sich hier ein siebentägiger Schöpfungsbericht, der uns in religiöser Form zu erklären versucht, wie "Gott" angeblich Himmel, Erde und Menschen erschuf, bevor er sich am siebten Tag zur Ruhe begab, da ihm dieser Akt scheinbar einiges an Kraft gekostet hat.
Das Buch Genesis, das Mose als Autor zugeschrieben wird (aber nur aufgrund der Bezeichnung "Erstes Buch Mose"), gehört zu dem sogenannten "Pentateuch", den "fünf Rollen" (Tora), die heute als Mosebücher geführt werden. Mose selber hat diese Bücher kaum selber niedergeschrieben, jedoch gehen heutige Experten (vergl. Fox, S. 228ff.) davon aus, dass der oder die Autoren der Moseschriften ursprünglich auf vier Urquellen unbekannten Alters und Herkunft zurückgegriffen haben, die in diesen Texten mehr oder minder scharf umrissen zu erkennen sein sollen.
Die Bibel öffnet ihre Welt mit bekannten, aber dennoch nicht immer verstandenen Worten, die wahrscheinlich nach dem Ende des babylonischen Exils um 430 v. Chr. von Priestern niedergeschrieben wurden:
"Im Anfang schuf Gott die Himmel und das Erdreich. Und das Erdreich war wirr und wüst, ein Abgrund bedeckt von Dunkel, und über den Wassern schwebte Gottes Geist." (Gen. 1,1-2)
Diese Bibelworte werden je nach Ausgabe erheblich unterschiedlich wiedergeben. Scheinbar sind die Theologen nicht in der Lage, die ersten Zeilen der Heiligen Schrift einheitlich und vor allem richtig zu übersetzen. Modernsprachige Bibeln (sprich Schulbibeln) geben die Beschreibung der Welt vor dem großen Schöpfungsakt recht verzerrt wieder, so dass es dem Leser überlassen ist, was nun am/im Anfang war:
"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die ganze Welt. Auf der Erde war es noch wüst und unheimlich; es war finster und Wasserfluten bedeckten alles. über dem Wasser schwebte der Geist Gottes."
Die oben zitierte Textstelle ist eine "modernsprachige" Übersetzung, bei der "die Himmel" in einen schlichten "Himmel" geändert wurden. Warum in den allermeisten Bibelausgaben nur von einem Himmel zu lesen ist, der von "Gott" geschaffen worden sein soll, ist fraglich. Der hebräische Originaltext besagt aber eindeutig, dass mindestens ein zweiter Himmel erschaffen wurde. Auch nichtbiblisches Schriftgut jüdischen Ursprungs, das wir im Verlauf dieses Buches noch kennenlernen werden, betont deutlich die Existenz zahlreicher "Himmel". Wo mögen diese gelegen haben, oder besser, wo liegen sie? Auch, dass die Erde anfangs "wirr und wüst" bzw. "wüst und unheimlich" war, ist eine nachträgliche Änderung der Schreiber. Noch in Martin Luthers "Merian-Bibel" von 1545 ist von "wüst und leer" die Rede, doch nun ist die Erde nicht mehr "leer", sondern "wüst" oder "unheimlich". Im hebräischen Text stehen an dieser Stelle die Worte "tohu" und "bohu", welche bei den Israeliten bis zum heutigen Tag "öde" und "leer" bedeuten. Können die modernen Übersetzer nicht einfach schreiben, was dort steht?
Ferner weisen die ersten Zeilen der Genesis noch zwei weitere, ungleich wichtigere Übersetzungsfehler auf. Auf hebräisch besagen diese Zeilen etwas ganz anderes. Die Worte "Am/Im Anfang", wie in den üblichen Übersetzungen, sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Diese Stelle des ersten Verses müsste richtig "Aus dem, was am Anfang war" lauten. Dieser eindeutige Hinweis auf eine Schöpfung aus bereits vorhandenem Material (Materie) wurde hier einfach weggelassen!
Wie oft haben wir diese bekannten Worte des Genesis schon in unserem Leben gehört, und doch sind sie falsch oder fehlerhaft übersetzt. Der biblische "Gott" schuf seine Schöpfung nicht einfach aus dem Nichts, wie es die Lehre des "allmächtigen Gottes" will, sondern bediente sich bereits eines existierenden "Etwas". Schon allein diese Tatsache macht das Festhalten an diesen Überlieferungen unverständlich.
Interessanterweise dokumentiert die griechische Mythologie ebenfalls das Vorhandensein eines "Etwas", das da war, bevor ihre "Götter" die Bildfläche der Schöpfung betraten. So beschreibt der griechische Dichter Hesiod aus Askara in Böotien (ältester Dichter nach Homer, ca. 700 a.D.), dass am Anfang nur qualmartiger Nebel, Finsternis und ein riesiger Abgrund die gesamte Welt bildeten. Hier wird angeblich vom Chaos gesprochen, welches sich noch nicht in seiner endgültigen Vollendung befand. Erst dann, so Hesiod, kamen die "Götter in die Welt" (Nack, S. 43ff). Auch chinesische Überlieferungen (um 200 a. D.) überliefern uns: "Im Anfang war das Chaos" (Sproul, östlich, S. 242) - obwohl zwischen diesen Mythen Jahrhunderte liegen.
Diese mythische Überlieferung ist heute sehr bemerkenswert, weil sie in gewisser Weise den aktuellen Erkenntnissen der Astronomie gegenübergestellt werden kann: Die Entstehung eines Sonnensystem aus einem "Spiralnebel", der sich in einem scheinbaren Zustand des Chaos befand. Auch andere Überlieferungen haben einen ähnlichen Inhalt (s. II.3). Irgendwer muss dieses Wissen jemandem vermittelt haben.
Das Alte Testament und die griechischen Überlieferungen stehen aber inhaltlich nicht alleine da. Zahlreiche Schöpfungsmythen kennen ähnliche Schöpfungsanfänge. Als Beispiel sei hier noch auf die Weltwerdung der Germanen, Inder und Ägypter hingewiesen. Die germanische Dichtung Völuspa ("Der Seherin Gesicht") überliefert, dass zu Beginn zwar alles existierte, aber nur in einem ungeordnetem Zustand; eben im Chaos. Nur ein Riese namens Ymir lebte dort:
"Urzeit war es, da Ymir hauste: nicht war Sand noch See, noch Salzwogen, nicht Erde unten noch Himmel, Gärung grundlos und Gras nirgends." (Nack, S. 215)
Und die Ägypter? Sie halten in ihren Mythen aus Heliopolis fest, dass die Welt aus einer vorhandenen, materiellen Substanz entstand, die lediglich aus dem Chaos getrennt werden musste (Nack, S. 15)!
Auch Indien besitzt einen uralten Mythos, Rig-Veda genannt (um 1200 v. Chr.), der die öde am Anfang der Welt beschreibt:
"Nur dunkel war, verhüllt von Dunkel, anfangs und unverkennbar wogte dieses alles; Vom leeren Raum war zugedeckt die öde, das eine ward durch die Macht der Glut geboren." (Sproul, östlich, S. 213)
Bei einem Blick in das Buch Genesis stellen wir fest, dass sich dessen Schöpfung zwar auf eine Ordnung des vorhandenen Chaos bezieht, dass aber dieser Akt von "Gott" alleine gemeistert wurde. Frappierend ist aber nicht nur der "kleine" Übersetzungsfehler, dass am Anfang kein Nichts war. Wer machte sich daran, dieses vorhandene Material zu einer "Welt" zusammen zu fügen? "Gott" alleine?
I.2 Monotheismus oder Polytheismus in der Genesis?
Der erste Vers der Genesis dokumentiert, wie ein "Geist Gottes" ("ruah elohim") über den Wassern (oder Urmeer/Urflut, "tehom") schwebte, was von den Kirchenvätern sogar als Vorausweisung auf die Taufe verstanden wurde (wie die Flut und das mosiatische Meerwunder). Hier bieten sich erneut einige sinngleiche Möglichkeiten an, denn diesen schwebenden Geist kann man gleichfalls als "Ein gewaltiger Sturm brauste über dem Wasser" übersetzen. Auch nach dem hebräischen Wort für "schweben", "rhp" in konstantinischer Diktion, könnte hier synonym von einem "Wehen" gesprochen werden. Ugaritisch-syrische Schriften verwenden "rhp" auch als Vergleich mit einem brütenden Vogel, wodurch dieses "Wehen" meist in Beziehung zu einem Vogel verwendet wurde (Lurker, Symbole, S. 179).
Somit erhält dieser Vers eine völlig neue Sichtweise, denn ein Sturm - und nicht ein "Gott" - schwebte über der Urflut. Ob aber dieses "Schöpfungswesen" tatsächlich als ein Geist umherschwebte, ist demnach erneut dem Auslegungswillen des Übersetzers überlassen, denn bedeutungsgleich zu diesem "Geist" können wir wiederum "Schnauben", "Brausen" bzw. "Braus" oder das oben erwähnte "Wehen" verwenden. Auch in dem analytischen Werk der Theologin Dr. Edeltraut Staimer (Universität Köln), das sich ausschließlich mit der Interpretation der Schöpfungsberichte befasst, heißt es an einer Stelle (Staimer, S. 35): "über der Urflut, über dem Chaos schwingt der Braus Gottes". Die hebräische Fassung der Genesis lässt also diese Übersetzungen ebenso gut zu, wie einen schwebenden Geist.
Erstaunlicherweise stellte ich beim Studium der biblischen Texte fest, dass eine Ausgabe "im heutigen Deutsch" (Katholisches Bibelwerk 1982) als Anmerkung zu diesen Versen tatsächlich die zweite Möglichkeit nannte, dass auch ein Sturm getobt haben könnte. Was nun um alles in der Welt geschah dann am ersten Schöpfungstag? Schwebte der Geist "Gottes" über dem Urwasser, tobte ein gewaltiger Sturm oder schwebte ein "göttliches" Brausen umher - alles ist möglich und richtig!?
Ein weiteres Übersetzungsproblem und zugleich das schwerwiegendste in Bezug auf die ersten Worte der Schöpfung ist, dass sich nicht nur "Gott" an diesem Meer aufhielt, sondern mehrere "Götter"! Wir haben es genau genommen bei der Erschaffung der Welt mit einem Werk von mindestens zwei Wesen zu tun, die bereits vorhandenes Material für ihre Zwecke nutzten. So lassen sich die zwei ersten Verse in etwa auch wie folgt übersetzen:
"Im Anfang (oder: "Aus dem was, am Anfang war") schufen Elohim die Himmel und das Erdreich. Und das Erdreich war wirr und leer (öde), ein Abgrund bedeckt von Dunkel, und über den Wassern schwebte das Brausen Elohim ("ruah elohim", L.A.F.)."
Elohim, so das Wort, welches im Hebräischen an Stelle von "Gott" steht (eine Bezeichnung der sogenannten Elohisten), ist ein kleines Wort von äußerst interessanter Bedeutung. Es stammt aus dem Semitischen und bedeutet in der Übersetzung "Götter", "Gottheiten" oder "Götterwesen". Der Singular lautet (semitisch) El, "Gott" (akkadisch "ilu", arabisch "ilah" - vielleicht eine ethymologische Ableitung von "’wl", "stark sein"/"vorne sein", Haag, S. 374), aber eindeutig findet sich an verschiedenen Stellen der Genesis der Ausdruck Elohim in der Schöpfungsgeschichte 66 Mal! Im gesamten Alten Testament taucht der "Göttername" Elohim sogar mehr als 2000 Mal auf (Haag, S. 384). Hier wird uns von "Göttern", von einer Mehrzahl von Schöpferwesen, berichtet, sowie auch der "Braus Gottes", also "ruah elohim", als "Braus/Wind/Wehen der Götter" verstanden werden kann.
Unter dem Stichwort "Elohim" findet sich sogar in Band III des angesehenen "Lexikon für Theologie und Kirche" (katholisch) der Hinweis, dass Elohim auch allgemein "göttliche Wesen oder Menschen mit göttlicher Vollmacht" bedeuten könnte! In dem Plural, Elohim ("Gottheiten"), sieht Michael Buchberger, der Autor des Lexikons, "Gott als Träger der ganzen Fülle göttlicher Kräfte, Eigenschaften und Vollkommenheit...". Oder in Haags "Bibel Lexikon" (S. 348) erfahren wir, dass Elohim im Alten Testament eine "Erhebung der betreffenden Person zum generellen Repräsentanten" bedeuten soll. Dies sind reine, nichtssagende "Deutungen", um dem Monotheismus, die Lehre des einzigen "Gottes", aufrecht zu erhalten. In einer Bibelanmerkung (Lainen-Bibel 1938) ist zu lesen, dass "der Gottesname, den die Schrift in diesem ganzen Bericht gebraucht, Elohim ein in der Mehrzahl stehender Ausdruck ist." Also ganz klar wird hier eingestanden, dass es "Götter" waren. Aber dennoch steht auch in dem Bibeltext der Laien-Bibel der Singular "Gott", und das, obwohl die entsprechenden Anmerkungen aussagen, dass es sich hier um einen pluralischen Ausdruck handelt.
In einem Buch, das dem ungeübten Bibelinteressierten "Einführungen-Texte-Kommentare" des Alten Testamentes verständlich machen will (Lutz, S. 23), wird Elohim schlicht als "Gottheit" übersetzt. Von der ebenso möglichen Pluralform keine Spur. "Dabei hat das Wort Singular- und Pluralbedeutung, also auch Götter", hält der bekannte Experte Manfred Lurker fest (Lexikon, S. 125).
Der biblische Text unterscheidet sich von anderen religiösen Schriften dieses Kulturraums durch die Überzeugung, es gibt nur einen Schöpfer, nämlich den einen "Gott" Jahwe. Eifrige Übersetzer und Schreiber der Vergangenheit haben in ihrem festen Glauben an den einzigen "Gott" emsig die alten Bibeltexte verändert und "umübersetzt". Zwar wenden Theologen ein, der sogenannte "Urtext" der heiligen Schrift berichtet uns von diesem einen "Gott", aber interessanterweise existiert eine derartige Schrift überhaupt nicht.
Die ältesten Versionen, die uns heute noch vorliegen, sind und bleiben Abschriften von Abschriften von weiteren Abschriften, die allesamt zwischen dem vierten und zehnten Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Veränderungen und Neuübersetzungen von Neuübersetzungen sind in diesen Texten keine Seltenheit. Alle der rund 1500 Kopien unterscheiden sich inhaltlich; keine ist wie die andere. Der Codex Siniaiticus, der bekannteste der Texte, der uns als "ursprüngliche Fassung" angeboten wird, stammt aus dem vierten Jahrhundert n. Chr. Entdeckt wurde er von Konstantin von Tischendorf im Jahr 1844 in einer Abfalltonne des Katharinenklosters am Sinai. Sieben verschiedene Übersetzer und Autoren schmierten in dem Codex herum, so dass einige Stellen dreifach geändert wurden und der gesamte Text etwa 16.000(!) Korrekturen und 3.000 Abschreibfehler enthält (Langbein, Urtexte, S. 70). Insgesamt sind in den "Urtexten" sogar mehr als 80.000(!!) Abweichungen zu finden (Langbein, Urtexte, S. 71). Und wenn wir auf Bibel-Umschlägen Titel wie "Bibel in heutigem Deutsch" oder "Einheitsübersetzung", oder auch "Übersetzung von XY" lesen, dann sollte jedem klar sein, dass auch die Bibeln aus dem Buchladen (geringfügig) unterschiedlichen Inhaltes sind. Einen "Urtext", den wir als unbestreitbares Original der Bibel betrachten können, ist eine theologische Erfindung. Es gibt ihn nicht.
Auch ist der Pentateuch - die "fünf Bücher Mose" - (oder Tora) nicht von Moses geschrieben worden, sondern fußt auf vier älteren, unbekannten Schriften (Fox, S. 228ff.). Diese These ist bis heute nicht widerlegt - auch wenn Jesus Christus und seine Apostel im Neuen Testament konkret Moses als Schreiber nennen (etwa Joh. 1,45 und Joh. 5,45-47 oder Röm. 10,5).
Das pluralische Wort Elohim wurde, um der Ein-Gott-Überlieferung gerecht zu werden, schlicht als "Gott" übersetzt. Eindeutig aber berichtet auch das Alte Testament von mehreren "Göttern". Auch wenn die Schreiber der Vergangenheit sich dazu veranlasst fühlten, die Genesis als das Werk (und Wort) einer "Gottheit" zu betrachten, so haben sich doch textliche Beispiele erhalten, die in der Pluralform abgefasst sind. Der bekannteste hiervon ist natürlich:
"Nun sprach Gott: Lasst uns den Menschen machen als unser Bild und uns zum Gleichnis." (Gen. 1,26)
Der einzige "Gott", der alleinige Erschaffer der Welt, sprach im Plural. Natürlich hält die Theologie eine einfache Antwort auf derartige Verse (oben nur ein Beispiel) für den fragenden Bibelleser bereit: Es handele sich eindeutig um die Trinität des Herrn ("Gott, Sohn und heiliger Geist"). In diesem "lasset uns", sah die Kirche "von jeher eine geheimnisvolle Vorverkündigung der göttlichen Dreifaltigkeit", so zum Beispiel die Herder-Lainen-Bibel (1938). Dagegen bemerkt die Theologin Frau Dr. Edeltraut Staimer ganz konkret:
"Doch das Alte Testament ist aus sich heraus zu interpretieren, dies vom Neuen Testament her zu tun, verbietet sich." (Staimer, S. 43)
Dies zeigt deutlich, dass selbst in den Reihen der Theologen Zweifel an der Interpretation dieser Bibelaussage als Dreifaltigkeit bestehen. Die Lehre von der Trinität, oder besser Dreieinigkeit, wobei selbst das Christuskreuz derart interpretiert wird, ist aber eine nachträgliche Verschönung des Christentums selbst. Die Bibel, und vor allem das Alte Testament, liefern keine Hinweise für eine solche Glaubensrichtung. Spätere Übersetzer der Bibel meinten, die Dreifaltigkeitslehre "erfinden" zu müssen, um unliebsame Textstellen wie den Vers Gen. 1,26 deuten zu können.
Im Jahr 325 n. Chr. lösten die Bischöfe auf dem Konzil von Nikäa diese Schwierigkeit, indem sie die Dreieinigkeitslehre verkündeten. So glaubten sie auch, eine Lösung für das Problem gefunden zu haben, dass Jesus Christus teilweise als wiederauferstandener "Gott" verehrt wurde. Jede andere Lehre wurde von diesem Moment an als Blasphemie angesehen und durch den Ausschluss aus der Kirchengemeinde bestraft. Wie gesagt, das Alte Testament kennt keine Trinität.
Auch sagt die Lehre der Dreifaltigkeit unmissverständlich, dass "Gott" nicht entweder Sohn, Vater oder Heiliger Geist ist, also nur in der entsprechenden Maske erscheint, sondern er alle drei "Zustände" gleichzeitig ist bzw. repräsentiert. "Gott" ist nach der Trinität nicht in drei Personen vorhanden, was dann wiederum drei "Göttern" entsprechen würde, sondern ein "Gott" in drei Personen (Deutsche Bischofskonferenz, S. 84). Da er demnach so oder so einmalig ist, braucht er sich auch nicht pluralistischer Ausdrucksweisen zu bedienen, um mit seinem "Sohn", zum Beispiel, zu sprechen, da er dieser selbst ist.
Die Annahme, der "Herr" hätte mit seinen Engeln gesprochen bzw. diese um Rat gefragt, ist ebenfalls sehr zweifelhaft. Der wahre Gott wird kaum irgendwelche Helfer benötigen. Sollte dies aber dennoch der Fall gewesen sein, und wir werden im Verlaufe dieses Buches mehrfach mit Engel - "Gotteshelfern" - konfrontiert, was waren dann diese Engel? Laut theologischen Interpretationen sind Engel lediglich Helfer, Gesandte oder Boten Jahwes; was nach meinem Verständnis untergeordneten Himmelsgeschöpfen entspricht - "Untergötter", wenn man so will.
In Ps 82,6 haben wir sogar einen Beweis vorliegen, dass die "Söhne Gottes" bzw. "Göttersöhne", die laut Gen. 6 vom Himmel kamen und landläufig als Engel gedeutet werden, einst tatsächlich "Götter" waren:
"Ihr seit Götter, / ihr alle seid Söhne des Höchsten." (Ps 82,6)
Es ist interessant zu erfahren, dass auch die Engel, jenen "Mitgliedern des himmlischen Hofstaates" - laut dem entsprechenden Bibelkommentar - als "Götter" betrachtet wurden.
In der Offenbarung des Johannes (Off. 4,4-5), aber auch in 1. Kön. 22,19ff, wird selbst eine Art "Ältestenrat" beschrieben, der sich um "Gott" gesellte und mit dem der "Herr" Zwiesprache zu halten scheint. Hat Jahwe etwa mit diesen Beratern etwas besprochen; in Gen. 1,26 die Erschaffung des Menschen? Und was sollen die in der Offenbarung erwähnten "ältesten" an "Gottes" Seite? Dies Bild erinnert stark an eine straff organisierte "Regierung", und ist nicht mit einem Monotheismus - wenn Jahwe der wirkliche Schöpfer ist - zu vereinbaren. Jedoch sind die Engel Jahwes, des Befehlshabers, schlicht seine Untergebenen, die mit ihm im All lebten und bestimmte Missionen erfüllten.
Noch eine Lösung der Exegeten sei erwähnt: "Gott" hält hier eine Art Selbstberatung (Steimer, S. 43). Er befragt also sein eigenes Ich. Hat Gott das nötig? Zumal liegt Gen. 1,26 nicht in Form einer Frage vor, sondern dieser Vers drückt ganz klar eine Feststellung aus, denn "Sollen wir" und "Lasst uns" - wie es deutlich der Vers besagt - sind völlig unterschiedliche Aussagen. "Lasst uns" kann nicht einfach als eine Frage oder "innerliche Zwiesprache" ausgelegt werden.
Aber gehen wir weiter im Buch Genesis, wo die "Götter" den Menschen schufen:
"Und Gott (Elohim) schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes (Elohim) schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie." (Gen. 1,27)
Hier wurde der Plural Elohim ("Götter"), dem Tätigkeitswort "schuf" angepasst: "Und (die) Götter schuf den Menschen..." Es ist aber ebenso zulässig - niemand wird es bestreiten wollen -, "schuf" den "Göttern" anzupassen, also "die Götter schufen den Menschen...". Dies wird durch den studierten Theologen Walter-Jörg Langbein, der persönlich die hebräische Bibel übersetzte, bestätigt. Dennoch hat hier die Idee des Monotheismus gesiegt, und nur eine "Gottheit" soll hier am Werk gewesen sein.
Eine andere Erklärung für die ungebetenen Pluralverse wie Gen. 1,26 ist auch der "plural majestatis" oder "Majestätsplural", eine Ausdrucksform, der sich Könige, Kaiser und sonst wie Adelige der vergangenen Tage gerne bedienten, um sich so auch sprachlich vom "niederen" Volk zu unterscheiden. Diese Redeweise war aber zur Zeit des Alten Testamentes - zumindest aber vor dem babylonischen Exil (Staimer, S. 43) - nicht bekannt, auch sie ist eine nachträgliche Interpretation. Und warum sollte sich auch der "Allmächtige" durch seinen Sprachgebrauch irgendwie erheben oder unterscheiden wollen? Und von wem, da es noch keine Menschen gab? Er hatte es bestimmt nicht nötig.
Vielmehr weist der Plural uns auf die Elohim, die "Götter" hin, so wie es zahllose Völker berichten, die den "Göttern" die Erschaffung des Menschen zusprechen. Es wird selbst in der Bibelforschung durchaus in Betracht gezogen, dass hier ein polytheistischer ("Gott" und "Mutter Erde") Schöpfungsakt beschrieben wird, der seine Parallelen in der Mythologie der Nachbarvölker Israels hat (Staimer, S. 43f.)!
Wenn im Alten Testament verschiedentlich von "Göttern" berichtet wird, woher stammen dann diese? Die biblischen Schöpfungsmythen, wenn es denn tatsächlich nur reine "Mythen" sind, weisen einige sehr deutliche Parallelen zum Glauben der älteren Völker Mesopotamiens auf. Es scheint außer Frage zu stehen, dass etwa die Sumerer aus Untermesopotamien die Autoren der Bibel stark beeinflusst haben. Allerdings fand diese Beeinflussung nur indirekt statt, da das großartige Volk der Sumerer schon von der Bildfläche der Geschichte verschwunden war, als die biblischen Schreiber sich an die Arbeit machten. Aber klar zu erkennende Parallelen weisen eine Verbindung auf. Später jedoch dazu ausführlicher.
I.3 Die Schöpfung der Himmel
Nachdem die "göttlichen" Wesen verschiedene Himmel von der Erde trennten, wobei aus der Bibel nicht zu erfahren ist, wie "die Himmel" konkret verstanden werden soll, war der erste Tag beendet. Am zweiten Tag des biblischen Schöpfungsberichtes "bauten" die "Götter" irgend etwas im Wasser. Man muss die entsprechenden Zeilen mehrmals, besser noch in unterschiedlichen Übersetzungen oder Fassungen lesen, um den Inhalt einigermaßen zu verstehen. Auch hier variieren die Bibeln aus dem Buchladen erheblich, was den ohnehin schwierigen Inhalt des Textes nicht gerade erhellt:
"Und Elohim sprachen: Ein Gewölbe werde inmitten der Wasser und scheide Wasser von Wassern! - So machten Elohim das Gewölbe und schieden das Wasser unter dem Gewölbe von dem Wasser über dem Gewölbe." (Gen. 1,6-7)
Im Wasser, im Urmeer, wurde ein "Gewölbe" gesetzt. Meist finden wir kein derartiges Gewölbe in der Bibel, denn zum besseren Verständnis(?) wird hier auch das "Firmament" genannt. Laut Vers 8 nannte der "Herr" dieses Gewölbe "Himmel" - das bekannte "Himmelsgewölbe". Weiter erfahren wir, dass nun die Wasser unterhalb des Gewölbes zu einem "Flutbett" oder einer "Ansammlung" zusammen liefen, so dass das trockene Land unter der Kuppel (dem "Himmel") sichtbar wurde.
In der Tat ist diese Stelle der "göttlichen Schöpfung" nur schwer zu verstehen. Der apokryphe Text "Schatzhöhle" (entspricht "Scha."), eine Schrift, die nicht in den Kanon der Bibel eingegliedert wurde, da er scheinbar zu "unheilig" ist, liefert in dem ersten Kapitel ("Erschaffung der Welt") einige weitere Erklärungen. Vers 8 berichtet:
"Am zweiten Tag schuf Gott den unteren Himmel und nannte ihn Firmament; dies zeigt, dass das Firmament nicht die Natur des oberen Himmels hat und in seinem Aussehen von dem Himmel über ihm, das heißt vom oberen, feurigen Himmel, verschieden ist." (Schatzhöhle, Scha. 1,8)
Und weiter in Vers 9: "Jener zweite Himmel ist aus Licht und dieser untere von fester Substanz; er heißt Firmament (...)" (Scha. 1,9)
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| Abbildung 1: Himmelskuppel |
Der zweite Himmel, der über dem "Kuppelfirmament" liegt, unterscheidet sich offensichtlich vom ersten. Er besitzt ein anderes Aussehen, eine andere "Natur", und sei außerdem noch "feurig" und aus "Licht" geschaffen. Der "Bürger auf der Straße" würde überrascht sein, etwas über einen zweiten Himmel in der biblischen Schöpfungsgeschichte zu erfahren. Auch die lapidare Erläuterung einiger Fußnoten in der Bibel, es handele sich bei der "Kuppel" ("Gewölbe") nur um die "Himmelskuppel", da sich die Schreiber der Genesis die Welt als eine Art "Käseglocke" vorstellten (siehe Abb. 1), ist nicht befriedigend. Auch wenn wir diese Deutung annehmen, so bleibt doch die Frage, wo lag der zweite, feurige Lichthimmel? War es der Himmel der Elohim? Bezeichnenderweise ist es sogar mehr als fraglich, ob sich unsere Vorfahren jener Epoche nicht bewusst waren, dass sie auf einer Kugel lebten. Für diese Annahme werden wir noch einige konkrete Hinweise kennenlernen.
Auch im nichtkanonisierten "Jubiläenbuch" (entspricht "Jubi") oder auch "Kleine Genesis" (vermutlich von den Essenern, einer jüdischen Sekte, im 2. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben) erfahren wir etwas über einen weiteren "Himmel". Diese Schrift umfasst die Geschehnisse von der Schöpfung bis zum Exodus aus Ägypten und ist dabei in sogenannte "Jubeljahre" unterteilt, wobei jeweils 49 Jahre (7 x 7) zwischen den einzelnen Jubeljahren liegen. Und auch hier schuf "Gott" mehr als einen Himmel:
"Am ersten Tag schuf er ("Gott", L.A.F.) die Himmel droben, die Erde und die Gewässer, ebenso alle Geister, die vor ihm dienen." (Jubi. 2,2)
Im weiteren Verlauf des Textes ist von der Erschaffung verschiedener "Engel-" und "Geisterwesen" die Rede. Dann beginnt der zweite und dritte Tag, ab Vers 4, an dem, wie in der Genesis, der untere Himmel (oder Firmament) von "den Gewässern" getrennt wurde:
"Am zweiten Tag schuf er das Firmament zwischen den Gewässern, und die Gewässer teilten sich an diesem Tag; ihre eine Hälfte stieg nach oben und ihre andere Hälfte stieg unter das Firmament hinab, das in der Mitte über der Oberfläche der ganzen Erde war. (...) Am dritten Tag befahl er, die Gewässer sollten von der Oberfläche der ganzen Erde an einen Ort fließen und das trockene Land erscheinen. Und die Gewässer taten so, wie er es hieß, und sie wichen von der Oberfläche der ganzen Erde an einen Ort außerhalb des Firmaments, so erschien das trockene Land." (Jubi. 2,4-5, nach Weidinger)
Der evangelische Theologe und Paläo-SETI-Autor Walter-Jörg Langbein glaubt Hinweise gefunden zu haben, die die Annahme stützen, dass der erste Himmel (die Kuppel) eine Art Station unter dem Meer war. Diese unterseeische Biosphäre One war seiner Vermutung nach ein "Labor" der Elohim, in dem letztlich der Mensch erschaffen wurde. Eine provokante These, für die allerdings einiges spricht.
So zum Beispiel erfahren wir, dass oberhalb und unterhalb der "Kuppel" die Wasser getrennt wurden. Auch nimmt Langbein an, dass mit "der ganzen Erde" nicht der gesamte Globus gemeint sein könne, sondern ein Teil des Meeresbodens. So erhält der Vers aus dem "Jubiläenbuch" einen völlig anderen, jedoch vollkommen logischen Sinn:
"(...) und sie wichen von der Oberfläche des Meeresbodens an einem Ort außerhalb der Kuppel (= Firmament, L.A.F.), so erschien das trockene Land."
Nehmen wir das außerbiblische Buch des Propheten Henoch zur Hand, so ist dort zu entnehmen, wie er in den Himmel der Engel entrückt wurde. Seine Eindrücke beschreibt er immer wieder mit Worten wie "Feuer", "Feuersäulen" und "feurigen Zungen", da er keine Worte für das fand, was er auf seiner Reise mit einem Engel (angeblich in die Unterwelt) gesehen hat.
Einen Hinweis, dass unterhalb des Meeres vom "Herrn", den "Elohim-Göttern" etwas gebaut wurde, findet sich auch im 28. Kapitel der "slawischen Henochschrift" (entspricht "Hen/s"). So ist dort zu lesen (Hen/s. 28,4), wie "Gott" die Flüsse schuf und wie er "der Erde und dem Meer eine ewige Grenze" gab. Erst nachdem dies geschehen war, "machte ich ("Gott", L.A.F.) die Feste und legte das Wasser darüber"!
Die Schriften, ob nun biblisch oder apokryph, trennen strikt das Reich der Menschen (erster Himmel) und das Reich der Engel und Elohim (zweiter Himmel). Am 6. Tag der siebentägigen Schöpfung, wobei die Sieben mit Sicherheit symbolischen Charakter besitzt, da sie seit ewigen Zeiten von vielen Völkern des Alten Orient vergöttlicht wurde (warum, ist eine gute Frage), machten sich die "Götter" daran, der Schöpfung "die Krone aufzusetzen": den Menschen. Der Tag sieben gilt seit jeher als heilig, denn "Gott" bewunderte seine Werke, und ruhte sich nun aus. War er etwa ermüdet, entkräftet von seinem schöpferischen Tun? Kann aber der wahrhaftige Gott überhaupt Ruhe nötig haben? In der Theologie (Staimer, S. 29) wird dieser Tag ausdrücklich mit dem Sabbat identifiziert, obwohl dies der Genesis-Schöpfung nicht konkret zu entnehmen ist. Da aber die heutige Form des ersten Schöpfungstextes aus dem 6./7. Jahrhundert v. Chr. stammt (babylonisches Exil), liegt diese Vermutung durchaus nahe (Staimer, S. 22).
Das wunderbare slawische Henochbuch bestätigt eindrucksvoll, dass es mehr als einen Himmel gab. Der Prophet berichtet uns sogar von insgesamt sieben verschiedenen (s. Kapitel VII)! Auch die zweite Sure des islamischen Korans (Vers 30) dokumentiert, dass Allah "sieben Himmel bildete". Und in Sure 71, Noah, "Nuh", genannt, heißt es:
"Seht ihr nicht, wie Allah sieben Himmel erschuf, einen über dem anderen (...)" (71.Sure, Noah, Vers 16)
Und etwas früher in Sure 41, Die deutliche Erklärung, "Ha-Mim-Sadschdah", Vers 13:
"Und er (Allah, L.A.F.) bildete in zwei Tagen zu sieben Himmel und teilte jedem Himmel seine Aufgabe zu, und wir schmückten den untersten Himmel mit Leuchten aus und stellten eine Wache hin."
Zu diesen sieben Himmeln stieg Henoch nach und nach mit "Engeln", die er oftmals schlicht als "Männer" bezeichnete, hinauf. Dort wurde ihm das Wissen der Welt offenbart. Es waren die Gebiete, die Bezirke der "göttlichen" Wesen. Und wie sollte es anders sein, im obersten traf er auf "Gott". Der zweite Brief an die Korinther (2. Kor. 12,2+) erwähnt drei Himmel, wobei der dritte sogar das Paradies beherbergt haben soll. Es gab also offensichtlich nicht nur einen Himmel der Schöpfung, auch wenn es weiterhin fraglich bleiben muss, was mit der Aussage "die Himmel" gemeint ist.
Interessant ist vielleicht auch, dass verschiedene andere Kulturen und Religionen mehrere Himmel kannten; nicht aber unbedingt sieben. So etwa die Azteken, die ebenfalls ihren obersten "Gott" namens Tonacatecutli "in den obersten Himmel" ansiedelten, wie es Walter Krickenberg in seinem vielbeachteten Werk über "Altmexikanische Kulturen" (S. 184) beschreibt. Ich werde später ausführlich auf die Himmelsreisen Henochs und anderer Propheten eingehen, denn in diesen Schriften erfahren wir erstaunliches - auch über die verschiedenen Himmel.
I.4 "Lasset uns den Menschen machen..." Die zweite Schöpfung
Der sechste Tag war der wichtigste der gesamten biblischen Weltschöpfung, denn der Mensch betrat die Bildfläche. Die niedliche Geschichte unserer Erschaffung kennt jeder seit dem Kindergarten. Heute können wir sie selber in der Bibel nachlesen und mit kritischen Überlegungen versuchen, die Geschichte zu verstehen, um uns so selber ein Bild zu machen.
Auffallend ist sofort, dass sich in der Genesis offensichtlich zwei unterschiedliche und zugleich widersprüchliche Schöpfungsberichte finden, die die Gelehrtenköpfe über Jahrhunderte hinweg strapazierten und immer noch strapazieren. Fand sie etwa zweimal statt? Der nichtsahnende Bibelleser wird gleich in den ersten zwei Kapiteln des 1. Buches Mose verwirrt. Der "Herr" lässt alles entstehen: Himmel, Erde, Licht und Dunkelheit, Tiere und Pflanzen. Und zum Schluss uns, als "Krone" und "Herrscher" des vorangegangenen Tuns; gemäß seines Ebenbildes:
"Und Gott sprach: Lasset uns den Menschen machen als unser Bild und uns zum Gleichnis (...) Und Gott schuf den Menschen sich zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie." (Gen. 1,26-27)
Warum der Vers 26 im Plural abgefasst wurde, sollte nicht weiter verwundern, denn es waren "Götter", wie weiter oben erklärt, die hier gemeint sind. Mann und Frau schufen die Elohim, nach ihrem Bilde. Eine Seite weiter, im 2. Kapitel, kommt es dann ganz überraschend, denn hier findet sich der "Zweite Schöpfungsbericht". Eingeleitet wird dieser Bericht mit der Feststellung, dass es "an dem Tage, da Gott der Herr Erde und Himmel gemacht hat" (Gen. 2,4) noch keine Vegetation auf Erden gab. Interessanterweise kann der Vers dahingehen verstanden werden, dass die Welt an einem Tag ("an dem Tage") erschaffen wurde. Was mag nun stimmen, sieben bzw. sechs oder einer? Noch erstaunlicher ist die Schilderung des siebenten Verses, in dem es heißt:
"Da formte Gott der Herr den Adam (Menschen) aus dem Staube (oder: Erde, Lehm, Schlamm, L.A.F.) des Ackers (oder: Feld, Erdboden, L.A.F.) und hauchte ihn in die Nase den Lebensatem, und Adam ward zum lebendigen Wesen." (Gen. 2,7)
Hier lässt sich eine interessante Parallele zur nordischen Mythologie der Germanen erkennen. Diese (Nack, S. 219) berichten, dass die "Götter" ein erstes Menschenpaar im Midgard erschufen. Midgard war ein umzäunter Bereich mit allerlei Pflanzen, in dem die Menschen lebten, und der uns wahrscheinlich nicht umsonst an den Garten Eden des Genesis erinnert. Gemäß der germanischen Sagen schufen die Götter das erste Menschenpaar, Ask und Embla genannt, aus einer Esche und einer Ulme, indem sie ihnen Leben einhauchten! Im Midgard gab es interessanterweise sogar eine Schlange, die gegen den "Gott" Donar kämpfte...
Der oben zitierte Vers ist aber auch in anderer Hinsicht interessant, aber vielleicht erst beim zweiten Lesen ersichtlich. Die Genesis besagt ganz klar, wobei es hier nicht auf die benutzte Bibelausgabe ankommt, dass der Mensch "den Lebensatem" oder "einen Lebenshauch" eingeblasen bekam. Dieser "Atem" aber ist nicht "göttlich" - zwar "göttlichen" Ursprungs -, sondern schlicht "ein" Hauch oder Atem. Der erste Mensch erhielt bei seiner Erschaffung nichts "Göttliches", sondern lediglich etwas "Lebendiges". Seine Seele darf demnach nicht als "göttlich" verstanden werden. Dieses Privileg wollte man ihm in der Vergangenheit gerne andichten.
Auch die Kirche erkannte das Problem und distanzierte sich zum Beispiel auf dem Konzil von Toledo im Jahr 400 n. Chr. von diesem Glauben, der aus der griechischen Philosophie in das Alte Testament eingedrungen ist (Staimer, S. 118). Meiner Meinung nach erhielt er jedoch später, im Zusammenhang mit dem Sündenfall, etwas "Göttliches", oder zumindest etwas, wodurch er "Göttergleich" wurde (s. I.6).
Aber selbst die Entstehung des Menschen aus Erde oder Schlamm, wie oben in Gen. 2,7 erwähnt, ist fester Bestandteil in der globalen Mythologie. Die Menschen scheinen in der Vergangenheit instinktiv (oder tatsächlich?) gewusst zu haben, dass die Erde die Elemente enthält, aus denen der menschliche Körper besteht. Zum Beispiel heißt es bei den Okanagon-Indianern aus dem Nordwesten der USA:
"So wurden die ersten Indianer von ihm (dem Schöpferhäuptling, L.A.F.) aus roten Erd- oder Schlammklumpen gemacht, und das ist der Grund, weshalb wir rotfarbig sind." (Sproul, westlich, S. 159)
Gemäß des ersten Schöpfungsberichts der Bibel wurde der Mensch nach "Gottes" Bilde entworfen, und in dem weiter oben wiedergegebenen Vers (Gen. 2,7) erfahren wir, dass er aus Erde, Lehm oder Staub gemacht wurde. Ein "Gott" aus Erde?!
Die Lösung könnte auf der Hand liegen: Hebräisch bedeutet "Schlamm" "tit", und laut uralten, sumerischen Schöpfungsmythen wurde der Mensch von "Ninti" ("Herrin des Lebens/Rippe") und "Enki" ("Herr der Erde") aus "ti.it" geschaffen. Tiit bedeutet etwa "Das, was Leben hat", und zum hebräischen Wort "tit" ist "bos", eine Ableitung von "besa" (= "Ei"!), ein sinnverwandter Ausdruck. Liegt da die Vermutung nicht nahe, dass der Adam aus einem "Ei" ("bos"), und nicht aus "Erde", geschaffen wurde?
Mesopotamische Ursprünge finden sich in der Genesis zweifelsohne - auch bei Adam? Was den zweiten Bericht ebenfalls besonders bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass Adam (vom hebräischen adama, "Erde") alleine erschaffen wurde. Von Eva ist hier keine Rede! Kapitel 1, Vers 27, berichtet aber eindeutig von einem gleichzeitigen Erscheinen von Mann und Frau. Erst 15 Verse später, nachdem der Garten Eden gepflanzt wurde und Adam Tiere und Pflanzen mit Namen versehen hatte, erscheint Eva auf der Bühne des zweiten Schöpfungsaktes.
Der Grund dafür, dass es definitiv zwei sich unterscheidende Überlieferungen einer "Weltwerdung" in der Genesis gibt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach, dass hier zwei vollkommen verschiedene Autoren am Werk waren. Auch der Schreibstil der zwei Kapitel weist darauf hin. Wider Erwarten ist die erste Geschichte aber nicht auch die ältere, denn der deutsche Bibelforscher und Sprachexperte Julius Wellhausen belegte bereits 1880, dass dieser aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammt. Der zweite hingegen kann um die Zeit des 9. vorchristlichen Jahrhunderts datiert werden. Runde 300 Jahre liegen zwischen ihnen, und in einer derart langen Zeit kann viel auf der Welt geschehen.
Da nur der ältere Bericht über die Menschwerdung und das mythische Paradies detailliert zu erzählen weiß, ist dieser ein wertvoller Schlüssel zum Verständnis des Alten Testaments. Ich bin auch der Überzeugung, dass weite Teile des textlichen Inhalts aus ungleich älteren Quellen und Überlieferungen aus dem Zweistromland stammen. Denn wollen wir die Geschichte von zwei frisch erschaffenen Menschen, die in einem Garten lebten, "glauben", so kann die Bibel alleine wenig dazu beitragen. Wenn wir nicht aus religiöser Überzeugung "Gott" oder vieldeutbare Symbolismen für diese märchenhaft erscheinende Geschichte verantwortlich machen wollen, sondern versuchen, sie durch eine moderne "Brille" zu interpretieren, reicht die Genesis alleine nicht aus.
Aber die Erschaffung des Menschen ist nicht allein in der Genesis überliefert. Deshalb komme ich in Kapitel II darauf zurück...
I.5 Adam und seine "Rippe" Eva
Adam wurde durch "Gottes" Hand aus schlichtem "Erdboden" geformt und bekam Leben eingehaucht - er wurde lebendig. Eine kurze, jedoch bei näheren Analysen äußerst interessante Geschichte der Genesis. Gehen wir aber vorerst weiter durch die Verse, denn der erste Mensch bekam nun einen "Garten" angepflanzt:
"Elohim pflanzte einen Garten in Eden, im Osten, und setzte dahinein den Menschen, den er gebildet hatte. Und Elohim ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume hervorwachsen, lieblich anzusehen und gut zu essen." (Gen. 2,8-9)
Der Ort, wo die Elohim-Wesen den Adam erschufen, wird in der Genesis leider überhaupt nicht näher lokalisiert. Aber der Garten Eden lag "im Osten" von diesem Ort der Schöpfung. (Andere Überlieferungen wissen ebenfalls von einem ersten Wohnort der Menschen zu erzählen.) Im Laufe der Geschichte wurde schon unzählige Male versucht, das göttliche Paradies, den Ort ohne Sorge und Kummer, geographisch festzunageln. Auf der ganzen Welt wurde nach möglichen Standorten gesucht, wobei man sich hauptsächlich auf Mesopotamien konzentrierte, denn zwei Flüsse dieser Gegend werden deutlich im Zusammenhang mit dem Garten Eden in der Genesis erwähnt: Tigris und Euphrat (Vers 14). Vorerst aber wollen wir uns die Erschaffung des Menschen etwas genauer ansehen.
Die Überlieferung, dass die Elohim einen Garten pflanzten und allerlei Bäume oder Pflanzen gedeihen ließen, weist deutliche Parallelen zu mesopotamischen Mythen auf. So erfahren wir dort interessante Einzelheiten:
"Nachdem Anu, Enlil, Enki und Sud die Schwarzköpfe (Menschen, L.A.F., s. II.7) erschaffen haben, vervielfältigten sie blühende Vegetation im ganzen Land, kunstvoll erschufen sie vierbeinige Tiere. In den E.DIN setzten sie sie."
Klar erkennen wir hier die Ähnlichkeit zum biblischen Text. Jedoch schreibt diese Überlieferung die Erschaffung von E.DIN - das zweifellos mit dem Eden der Bibel gleichgesetzt werden kann - einer Reihe von einst hoch verehrten Göttern zu: "An", den Himmelsgott der Sumerer, seine Söhne "Enlil" (= "Herr über das Wort"), ein "Gott" der Luft und Enki (= "Herr der Erde", "Herr des Unteren" oder "Herr des festen Bodens"), der als "Gott" des Urwassers, der Erde und der Weisheit verehrt wurde und deren Halbschwester Sud/Ninmah ("größte Herrin"), die Muttergottheit der sumerischen Schöpfungsmythen, die auch Mah bzw. Mami (Mutter?) genannt wurde.
Die sumerische Mythe von "Enki und der Weltwerdung" (König, 68f.) enthält übrigens den unbestreitbaren Hinweis, dass Enki nicht von der Erde kam:
"Als ich mich der Erde näherte(!), war dort Wasser im Überfluss."
Eine neu-babylonische Mythe (Sproul, östlich, S. 140ff.), um 600 v. Chr., die in Sippar gefunden wurde, berichtet sehr deutlich, dass es in vergangenen Zeiten keine Vegetation gab. Erst als die himmlischen Wesen (zum Beispiel Marduk und die Anunnaki) das Land kultivierten, Kanäle zogen und Städte errichten, wurde der Mensch und die Vegetation erschaffen. Und zwar an einem Ort, der bei Euphrat und Tigris lag! Dort wurde auch eine Stadt erbaut und mit "Menschgewimmel" bevölkert.
Aber auch die nordische Mythologie der Germanen enthält in der Dichtung Völuspa einen möglichen Hinweis auf dies Ereignis der Schöpfung:
"Da hoben Burs Söhne (= Odin, Wili und We, L.A.F.) die Lande empor und erschufen den schönen Midgard, von Süden beschien die Sonne den Boden, da wuchs auf dem Grunde grünes Gras." (Nack, S. 215)
Auch hier errichteten die "Götter" einen Lebensraum, den Midgard, und die Vegetation für die Menschen. Dort hauchten sie, wie wir gesehen haben, dem ersten Menschenpaar Ask und Embla einst Leben ein - wie es auch die Bibel kennt. Sumerisch/babylonischen Texten ist gleichfalls zu entnehmen, dass der "Gott" Enki bei seiner Ankunft auf der Erde das Land trockenlegt, was die Germanen als "hoben (...) die Lande empor" beschrieben.
In der Genesis ist diese mesopotamische "Götterfamilie" oder die "Götter" der Germanen in einem "Gott" oder besser in den Elohim enthalten, aber dies sollte an dieser Stelle nicht interessieren. Jedoch ist es heute offensichtlich, dass die germanische Überlieferung jünger als die Genesis ist. Eine gegenseitige Beeinflussung ist also ausgeschlossen, aber die Ähnlichkeit erhärtet den Wahrheitsgehalt des Alten Testamentes.
Der biblische Adam lebte einsam und alleine in seinem Paradies, wobei die Bezeichnung Paradies im Alten Testament überhaupt nicht vorkommt. Es ist eine Ableitung vom persischen "Pardes", was "Park" oder "Garten" bedeutet. Und das biblische Wort Eden, stammt aus dem sumerischen und kann als "Steppe" oder "Ebene" übersetzt werden.
Der erste Mensch (Adam) wurde an diesen vielgesuchten Ort gebracht, damit er dort arbeitet. Zumindest kann dem biblischen Text deutlich ein solcher "Auftrag" entnommen werden. So berichtet uns die Genesis wörtlich:
"Und so nahm Gott der Herr den Adam und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn anbaue und pflege." (Gen. 2,15)
Eigentlich doch ein klarer Widerspruch zu der üblichen Auslegung des Paradieses, wo es nur wunderbar und schön gewesen sein soll. Adam wurde eindeutig als ein Arbeiter, ein Ackersmann, wie verschiedene Bibeln auch Adam übersetzen, nach Eden, im Osten, gebracht. Interessant sind bei der Schöpfung des Menschen als "Arbeiter" auch die Überlieferungen der mesopotamischen Völker, die diese einem "göttlichen Rat" zusprechen, der billige Hilfe für die irdischen "Götter" suchte, die höchstpersönlich schuften mussten.
Der erste Mensch der Erde kam in Eden zum Einsatz. Von "paradiesischer Glückseligkeit", ist hier eigentlich nicht viel zu merken, denn gleich zu Anfang wurden Adam strikte Verbote erteilt. In der Genesis erfahren wir, dass "Gott" einiges an Bäumen pflanzte (wie weiter oben schon erwähnt), und dann Adam dort "hineinstellte". Zwei Bäume werden hier ganz besonders hervorgehoben (Gen. 2,9): Der "Baum des Lebens" und der "Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen", die in der Mitte von Eden wuchsen. Vielleicht verwirrt es den einen oder anderen Leser, etwas über einen "Lebensbaum" zu erfahren, denn dieser wird oftmals kaum erwähnt. Auch im Religionsunterricht unserer Kindertage wurde meist nur vom "Erkenntnisbaum" geredet, dem die Menschheit indirekt die schlimme "Erbsünde" zu verdanken hat. Wahrscheinlich wird die Mehrzahl der heutigen Christen von dem Baum des Lebens gar nichts wissen, denn das andere Gewächs wurde zum beliebten Vorzeigesymbol für die Bosheit und Verwerflichkeit der Menscheit: "Sehr her, Adam und Eva sündigten, und ihr alle tragt deren Sünde bis zum Tode in euch!" So etwa will es die christliche Lehre.
Adam erhielt bei seinem Einzug in Eden ein eindeutiges und unmissverständliches Gebot des "Höchsten":
"Und Gott der Herr gebot dem Adam und sprach: Nähren magst du dich mit Nahrung von allen Bäumen des Gartens. Aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn wann du von ihm issest, wirst du des Todes sterben." (Gen. 2,16-17) Klare Worte, die Adam zu hören bekam. Ein Vergehen gegen diese Auflage im Garten Eden wird unbarmherzig mit dem Tode bestraft! Der aufmerksame Bibelleser sollte wissen, dass diese Worte des "Herrn" gelogen waren, denn bekanntlich nahmen Eva und ihr Mann von der verbotenen Frucht - und lebten weiter. Dazu aber unten mehr.
Adam weilte einsam und allein in Eden - ohne Eva, wobei sich die Genesis in der zweiten Schöpfungsgeschichte völlig darüber ausschweigt, wie lange er den Garten für sich hatte. Nachdem jedoch "Gott" dem Adam sein Gebot verdeutlichte, entschied dieser, dass er nicht alleine bleiben soll. Die "Götter" von Eden beschlossen, eine Frau für ihn zu erschaffen, denn
"(...) es ist nicht gut, dass der Adam allein sei; ich will ihm eine Gehilfin (Hilfe) machen." (Gen. 2,18)
Auch dieser Vers blieb von der "theologischen Korrekturwut" nicht gänzlich verschont, da das Wort "Gehilfin"/"Hilfe" oftmals durch "Gefährtin" ersetzt wurde. Warum? Die ursprüngliche Aussage, dass Adam eine Hilfe erhalten soll, scheint mir, mit Blick auf den Vers "damit er ihn anbaue und pflege" weitaus sinnvoller, als eine schlichte Gefährtin. Scheinbar war es nicht im Sinne einiger Übersetzer, dass Adam eine Hilfe im Garten der Glückseligkeit benötigte.
Wie aber wurde Eva "in die Welt gesetzt"? Die eigentliche Erschaffung von Eva wird uns knapp - aber dennoch sehr aufschlussreich - in zwei Versen überliefert:
"Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf über Adam kommen und nahm, während er schlief, eine seiner Rippen und füllte ihre Stelle mit Fleisch aus. Und Gott der Herr baute das Weib aus der Rippe, die er von Adam genommen hatte, und ließ es vor Adam kommen." (Gen. 2,21-22)
Dieser "Schlaf" des ersten Mannes wird aus kirchlicher Sicht nicht unbedingt als solcher angesehen. Vielmehr soll Adam die Erschaffung "in übernatürlicher Verzückung visionär schauen" (Laien-Bibel 1938). Gleichfalls heißt es, dass Adam diese "göttliche" Tat überhaupt nicht sehen sollte, dann wieder, dass durch diesen Schlaf "Gottes" Allmacht gegenüber dem Menschen hervorgehoben werden sollte...wer die Wahl hat, hat die Qual. In II.3 lernen wir eine interessante Mythe der Osterinsel kennen, die die Erschaffung der Frau fast identisch mit der in Gen. 2,21-22 beschreibt.
Wie dem auch sei, nun betrat Eva die Bühne der Schöpfung - Adam hatte seine Gehilfin bekommen. Aber gleich der folgende Vers (23) des zweiten Kapitels bringt wieder Verwirrung in die Geschichte: "Und Adam sprach: Das ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; sie soll Weib heißen, weil sie vom Mann gekommen ist." (Gen. 2,23)
So, wie der Vers in der Bibel zu finden ist, ist er schwer zu deuten. Teilweise sind sogar einige Angaben (zum Beispiel Deutsche Bibelgesellschaft 1982) überhaupt nicht zu finden! Um den gläubigen Leser nicht unnötig zu irritieren, findet sich dort:
"(...) endlich jemand wie ich! Sie gehört zu mir, weil sie von mir gekommen ist."
In der Bibelübersetzung von Martin Luther (1545) ist nicht von einem "Weib" die Rede. Luther übersetzte es wörtlich, denn eigentlich muss die erste Frau "Männin" heißen. Der Grund dafür ist die recht ähnliche Schreibweise in Hebräisch von Mann (= "isch") und Frau (= "ischáh").
Wie auch immer das erste Weib hieß, wer glaubt die Legende der Erschaffung Evas wörtlich? Wer meint, dass sie tatsächlich von einer schlichten "Rippe" des ersten Mannes abstammte? Hebräisch steht an dieser Stelle das Wort "szelá" bzw. auch "zela", dessen "wirklichen Sinn" wir bis heute überhaupt nicht kennen (Mertens, S. 126). Wertvolle Hinweise, die einiges zur Klärung dieser Frage beisteuern könnten, finden sich wiedermal in älteren Schriften. Schon der Name Eva (Heua bei Luther) in der hebräischen Bibelversion führt uns auf eine interessante Spur: "Cheva", sumerisch "Chawa"/"Chawwa", "Die aus Leben" oder "Die Leben schafft"! Eva wurde also aus "Leben" gemacht. Eigentlich vollkommen logisch, denn sie stammte von Adam ab, und der lebte ja bekanntlich bereits. (Der Name Eva taucht aber erst später in der Genesis auf.)
Aber, da vieles der Genesis in den heiligen Texten der mesopotamischen Bevölkerung fußt, bietet sich hier ein weitaus interessanterer Vergleich an: Die vermeintliche "Rippe" des Adam (sumerisch auch "adamah") könnte durch eine Reihe weitere Wörter/Übersetzungen ersetzt werden, die die Entstehung der Frau durchweg logischer erscheinen lassen. Das Wort Rippe wird im Sumerischen "ti" geschrieben. Dieser vieldeutige Ausdruck "ti" wiederum ist ein Begriff, der gleichfalls mit "Leben" oder "Lebenskraft" (auch "Pfeil") übersetzt werden kann. Cheva (= Eva) wurde von den Elohim aus der "Lebenskraft" des Adam erschaffen, denn der besagte Vers könnte ebenso - und sinnvoller - "Und Elohim nahmen von Adams Lebenskraft" lauten. Auch Mertens hält fest:
"Die Doppeldeutigkeit des sumerischen Wortes könnte übrigens die Erzählung von der Erschaffung aus der Rippe veranlasst haben." (Mertens, S. 126)
Mertens streitet noch dazu keineswegs ab, dass die Bibel mythische Berichte enthält: "Es lässt sich aber dennoch nicht leugnen, dass es auch in der Bibel ,mythische Reste’ gibt." (S. 59)
Wer aber nahm von Adams Kraft, und was war diese? Ist hier ein Fingerzeig verborgen, dass in unbekannten Zeiten Außerirdische an den Genen der Menschen (des Menschen) herummanipulierten?
Folgen wir den biblischen Versen weiter, denn es wird in der Genesis immer spannender! Adam lebte - mit der Auflage von einem bestimmten Baum nicht zu essen - in Eden. Nachdem er seine Arbeit als "Ackersmann" (Gärtner) über einen unbekannten Zeitraum hinweg nachging, schufen die Elohim seine Gehilfin Eva aus seiner Lebensessenz (s. auch II.1). Glauben wir den christlichen Auslegungen des ersten Buch Mose, war die erste Frau Schuld daran, dass alle heutigen Christen mit der "Erbsünde", die sie ein Leben lang verfolgen wird, belastet sind. Können wir aber Eva tatsächlich "schuldig sprechen", ein striktes Gebot des "Herrn" missachtet zu haben? Ist sie "schuld", dass der Mensch Gutes und Böses zu unterscheiden versteht und wie ein "Gott" geworden ist, wie es die Bibel schildert?
I.6 Als der Mensch wie "Götter" wurde
Die in der Genesis nun folgende Überlieferung ist sehr beliebt und oft nacherzählt worden. Sie bildet, neben dem Buch Exodus, eine der bekanntesten - wenn nicht sogar die bekannteste - Überlieferungen des Alten Testaments: "Der Fall des Menschen", auch als "Sündenfall" betitelt, obwohl dies Wort in der Bibel nicht zu finden ist.
Die dogmatische Auslegung dieser äußerst interessanten Überlieferung hört sich etwa so an: "Gott" stellte Adam und Eva in Eden auf die Probe. Entweder sie halten sich an sein Gebot, den Baum nicht anzurühren, oder aber sie übertreten es. So weiß der Herr, dass der Mensch schwach ist und die nur ihm zukommenden Eigenschaften (die "symbolischen Bäume") begehrt. Die gesamte Edengeschichte inklusive Sündenfall wird von der Kirche als reine Symbolik gesehen. Kaum einer betrachtet die Legende als geschichtlichen Tatsachenbericht von Ereignissen, die in längst vergessenen Zeiten wirklich einmal stattfanden. In religiösen Büchern, die versuchen, den unerfahrenen Leser in die Geheimnisse des "richtigen Lesens" (was immer man darunter verstehen mag) der Bibel (Altes Testament) einzuweihen, finden sich zahllose Auslegungen, was denn nun in Eden geschah. Alles wird zu "Gottessymbolen" oder zu Symbolen der unterschiedlichsten Eigenschaften. Ganz Eden ist ein symbolischer Ort, und die Geschehnisse reine "Zeichen".
Wer aber eine Bibel zur Hand nimmt, sollte sich selber ein Bild der Ereignisse machen, nicht aber krampfhaft versuchen, theologische Sichtweisen in sie hineinzuzwängen. Die Geschichte hat mit Sicherheit symbolische Charaktereigenschaften, aber dennoch ist nicht alles an ihr als reine Symbolik zu deuten.
Im dritten Kapitel der Genesis findet sich die sündige Geschichte der bösen Schlange und der "bösen" Eva. Hierbei stellt man problemlos fest, dass sich die Schlange mit listigen, zweideutigen und halbwahren Worten an die Menschenfrau heranmachte, um sie in ein Gespräch zu verwickeln:
"Die Schlange war arglistiger unter allen Tieren des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte, und sie sprach zum Weib: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr nicht von allen Bäumen im Garten essen dürft? - Da sprach das Weib zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Ihr dürft nicht davon essen und daran rühren, sonst müsst ihr sterben! Und die Schlange sprach zum Weibe: Mitnichten werdet ihr des Todes sterben: sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgehen werden, und ihr werdet sein wie Götter, erkennend das Gute und das Böse." (Gen. 3,1-5)
Mit dieser "verdrehten" Frage der Schlange gegenüber der Eva gewann sie das Interesse der ersten Frau. Nachdem das Reptil die Menschen darüber aufklärte, dass sie nicht sterben werden, war Evas Neugier selbstverständlich geweckt. Die Worte der listigen Schlange "verführen" natürlich, doch von der verbotenen Frucht zu naschen. Interessant ist auch, dass selbst uralte Darstellungen aus Mesopotamien eine Schlange an einem vermeintlichen "Baum der Erkenntnis" mit Früchten zeigen (s. Abb. 2).
Diese "Frucht" wird immer und immer wieder als ein knackiger Apfel dargestellt, sei es auf religiösen Gemälden oder Fresken des Mittelalters oder gar in einigen Büchern. Selbst eine Bekannte von mir, die sich als Nonne berufen fühlte, glaubte, die sündige Frucht sei ein Apfel gewesen - sie hatte die entsprechenden Verse scheinbar nie selber gelesen, sondern ihren "Lehrern" vertraut. Die schier unauslöschbare Vorstellung der Apfelfrucht, die Eva einst vom Baum pflückte, geht wahrscheinlich vom Lateinischen aus. Dort heißt "Des Guten und Bösen" "bonum el malum", wobei "malus" auch mit "Apfel" übersetzt werden kann. Ein reines Missverständnis! Apfel hin, Apfel her - es ändert nichts an der Tatsache, dass Eva nicht widerstehen konnte, die Frucht zu nehmen, denn, so der sechste Vers, sie sah, "dass von dem Baum gut zu essen und er eine wahre Augenweide war".
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| Abbildung 2: Der Baum der Erkenntnis |
Eva, die im übrigen nicht persönlich vom "Herrn" dies Verbot bekam, entschied sich nicht aus freien Stücken dazu, "Gottes" Gebot an Adam zu übertreten! Die listige Schlange und das Aussehen jener Früchte "verführten" sie zu dieser Tat. Erst als Eva mit dem Reptil gesprochen hatte, sah sie, wie schön und unwiderstehlich die Früchte des Baumes waren (Gen. 3,6). Ein apokrypher Text, "Leben Adams und Evas" (entspricht "AuE"), ein hebräisches Werk jüdischen Ursprungs, dessen älteste Version uns heute in lateinisch vorliegt, weiß von einer zusätzlichen Einzelheit zu berichten. Denn wir erfahren dort (nach E. Weidinger: Teil "Adams Krankheit und Erzählung vom Sündenfall. Aussendung Seths und Evas zum Paradies. Ihre Begegnung mit einem wilden Tier. Gottes Bescheid und Rückkehr beider" - AuE. 33 -, dieses Buch besitzt keine Kapitel), dass "Gott" im Paradies "zwei Engel zu unserer (Adam soll hier gesprochen haben) Bewachung" stationierte. Als die zwei Wächter dann "hinaufgingen, vor Gottes Angesicht zu beten" oder "anzutreten", verführte der "Widersacher" gegen "Gott" - bekannt als "Teufel" - die unschuldige Eva. Von einer Probe kann hier keine Rede sein! Klipp und klar, laut Apokryph, wurden die ersten Menschen sogar in Eden von "Engeln" bewacht, damit sie nichts Unrechtes oder Falsches tun.
Theologen sehen in der Schlange natürlich keine Schlange, sondern den symbolischen Satan - den Teufel Luzifer, der einst von den Himmlischen verstoßen wurde. Interessanterweise lautet das hebräische Wort "ha-Satan" schlicht "Widersacher"; er war demzufolge offensichtlich ein unbeliebter Zeitgenosse "Gottes". Aber das Alte Testament kennt keine abtrünnigen Engel, sondern diese Überlieferung findet sich erst im Neuen Testament. Solche Engel-Überlieferungen sind vor allem in den "ketzerischen" Schriften Henochs enthalten (s. Kapitel VII), die vor Zeiten "heimlichen" Einzug in das Neue Testament hielten (Thompson, S. 221).
Laut Drechsels "Bibel Lexikon" (S. 372) steht die Schlange im Matthäus-Evangelium (Mt. 23,33) angeblich auch als "Symbol für Betrug" bzw., dass "sich Christen nach ihrer Klugheit ausstrecken sollen" (Mt. 10,16, nach Drechsel). Die Schlange in Eden aber soll eine Symbolisme des Satans sein. Warum nicht, wie bei Matthäus, ein "Symbol für Betrug", da sie ja auch "Gott" hintergangen hat?
Man muss nicht in die Tiefen der biblischen Theologie hinabsteigen, um zu ahnen, dass Eva kaum mit einer Schlange, wie wir sie uns vorstellen, gesprochen hat. Mit wem dann? Bibelfußnoten bezeichnen dieses arme Reptil zum Beispiel als ein "Sinnbild für die gefährliche Macht des Bösen und für die Hinterhältigkeit". Eine wenig aufschlussreiche Deutung. Sie als Luzifer, den aufrührerischen Engel des "Herrn" zu sehen, oder gar als "Symbol für Betrug", scheint mir da wesentlich interessanter zu sein. Diesen Luzifer, den verstoßenden Engel aus "Gottes" Himmelreich, als das personifizierte "Böse" und "Schlechte" zu betrachten, ist aber falsch (s. auch Kapitel über Henoch).
Von einer hinterhältigen Schlange, und sei sie auch von Luzifer, der sich einst gegen "Gott" auflehnte und den Himmel verlassen musste (lateinisch = "Lichtbringer", was eher gegen böse Absichten steht), "besessen" gewesen zu, davon kann demnach keine Rede sein. Apokryphen wissen im übrigen davon zu berichten, dass Satan in der Schlange "wohnte" und mit ihr "durch die Luft" flog (Scha. 4,5). Etwa eine Art von Fahrzeug, mit dem Luzifer umherreiste, und von dem aus er zu Eva sprach!? Auch Abraham sah im Himmel (AA. 23,5) eine Schlange mit "Flügeln", "Beinen" und "Armen", die in Eden gewesen sein soll (s. IV.7).
Die "Schlange" (belassen wir es bei diesem Wort) war ein gut unterrichtetes Geschöpf und bestens über die Pläne des "Höchsten" informiert. Schließlich sprach sie Eva auf "Gottes" Verbot an, kannte also folgerichtig seine Worte.
In Hebräisch steht für Schlange "nahasch", welches aus dem Sumerischen ("nhsch"= "herausfinden"/"entziffern") abgeleitet worden sein soll. Und dies "nahasch" (Mertens, S. 58: "nachásch") bedeutet in etwa soviel wie: "der, der entziffern/herausfinden kann". Somit bestätigt auch der ursprüngliche Ausdruck, dass die Schlange ein gut informierter, jedoch vom Himmel ausgeschlossener Engel war. Etwas anderes sei noch erwähnt: Nehmen wir für jeden hebräischen Buchstaben von "nachásch" einen fortlaufenden Zahlenwert (s. hierzu VI.5) erhalten wir 358. Diese 358 ergeben sich aber auch, wenn wir dasselbe System auf das ähnlich klingende Wort "maschiách" anwenden. "Maschiásch" bedeutet "Messias"...!
Eva wurde von dieser Schlange keineswegs hinterhältig belogen. Sie offenbarte ihr die Wahrheit, denn "mitnichten werdet ihr des Todes sterben" (oder so ähnlich). Nur ein Griff in den Baum, nur eine Frucht des Guten und Bösen, und Eva und ihr Mann werden wie "Götter" sein. Kein Wunder, dass diesen Aussagen der Schlange niemand widerstehen konnte. Adam wurde vom "Herrn" gesagt, er werde sterben, sobald er sich an den Früchten vergreifen würde. Dies war eine Lüge, denn Adam und Eva lebten noch viele Jahre nach ihrer Schandtat, bis sie starben.
Sie starben aber doch? Ja, denn für die Unsterblichkeit gab es einen zweiten Baum in Eden. Erst wenn der Mensch von diesem nahm, würde er unsterblich werden. Der Mensch war - so wie auch die Bibel in Gen. 3,19 berichtet - von Anfang an sterblich. Aber Adam wurde der Zugang zu diesem Gewächs, dem Baum des Lebens, durch die "Cherube und das ständig zuckende Flammenschwert" (Gen. 3,24) versperrt. Nur durch diesen Baum konnte der Mensch die ersehnte Unsterblichkeit erlangen, die "Gott" ihnen nicht gönnte:
"Und der Herr sprach: Siehe, Adam ist geworden wie einer von uns, erkennend das Gute und Böse; dass er nur nicht seine Hand ausstrecke und vom Baum des Lebens nimmt und isst und ewig lebe!" (Gen. 3,22)
Der Mensch ist geworden wie "einer von uns", klagte der "Herr"; genau gesagt die Elohim, die "Götterwesen"! Aber genau dieses hatte die Schlange Eva auch prophezeit: "sie werden sein wie Götter" ... und wurden es! Bevor der Mensch durch seine Sünde den Garten Eden verlassen musste, geschah noch einiges im Zusammenhang mit dem menschlichen "Fall", das an dieser Stelle natürlich nicht übergangen werden soll:
"Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab davon auch ihrem Manne, der bei ihr war, und er aß. Nun gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie sich Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze." (Gen. 3,6-7)
Der Mensch hat die Erkenntnis der himmlischen Wesen erlangt. Adam und Eva wurden sich bewusst, dass sie splitternackt waren und fertigten sich deshalb Schurze aus Feigenblättern, um ihr Geschlecht zu verbergen. Hier könnte man fragen, woher das erste Menschenpaar wusste, wie man derartige Kleidung fertigt, denn bekanntlich waren beide nackt, "aber sie schämten sich nicht voreinander" (Gen. 2,25). Kleidung war für sie überhaupt kein vorstellbarer Begriff. Auch könnte man vermuten, dass die zwei von einem "Feigenbaum" aßen, da sie auch seine Blätter als Schurze nutzten, nachdem sie gegessen hatten. Diese Vermutung ist aber völlig belanglos, da weder ein Apfelbaum noch irgendein anderer Baum als reales "Tatobjekt" in Eden betrachtet werden kann und darf. Bäume wurden sehr häufig in den unterschiedlichsten Kulturen als Metapher der verschiedenartigsten Eigenschaften und Vorgänge benutzt.
Interessant ist meiner Meinung nach die mythische Assoziation der vergangenen Völker des Nahen Ostens und anderswo zwischen Baum, der weiblichen Erde (= Mutter Erde) - somit auch der Frau -, und der biologischen Fruchtbarkeit! Da - siehe nächstes Thema - auch im Zusammenhang mit dem Sündenfall durchaus eine symbolische Fruchtbarkeitsdarstellung herausgelesen werden kann, sollten wir diese Auslegung, wie sie die Theologin Dr. Edeltraut Staimer in ihrem Buch erläutert, im Hinterkopf behalten. So wie verschiedene Bäume mit der (weiblichen) Fruchtbarkeit assoziiert wurden (Abb. 3), wurde aber auch die Schlange als ein derartiges Symbol verstanden.
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| Abbildung 3: Darstellung der "Mutter Erde" |
Der Glaube an einen "Baum" als Symbol für große Fruchtbarkeit zeigte sich in der Vergangenheit zum Beispiel bei nordamerikanischen Indianern, deren Frauen ihre Kinder unter Bäumen entbanden. Auch skandinavische Völker meinten, dadurch, dass eine werdende Mutter einen Schutzbaum umschlang, sie eine leichtere Niederkunft haben würde. So, wie ein großer Baum seine Kraft aus dem Schoße der Mutter Erde erhält, versuchten derartige Bräuche möglicherweise diese Attribute auch auf die werdenden Mütter zu übertragen. Das lateinische Wort für "Mutter", "mater", bedeutet sogar "Baumstumpf" oder "Wurzelstock" (Lurker, Symbole, S. 164).
Zurück zum biblischen Geschehen: Die zwei "Sünder" waren irritiert, sie hatten "Gottes" Verbot eindeutig missachtet und fürchteten seine Strafe. Kaum anders, als erwartet, erschien nun "Gott" persönlich in Eden, um nach seinen Menschen zu sehen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste der "allwissende Schöpfer" noch nichts von Adams und Evas böse Verschulden:
"Und sie hörten die Stimme (Schritte) Gottes des Herrn, der im Mittagswind (Tagwind) durch den Garten fuhr, da versteckten sich Adam und sein Weib vor Gott dem Herrn zwischen den Bäumen des Gartens. Und Gott der Herr rief nach Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? - Und er antwortete ihm: Ich habe deine Stimme (Schritte) gehört im Garten und fürchtete mich, weil ich nackt bin, und verstecke mich. - Er aber sprach: Wer hat denn dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verbot?" (Gen. 3,8-11)
Hier geschah etwas Sonderbares: "Gott" bemühte sich höchstpersönlich nach Eden, kann aber nirgends seine Geschöpfe finden. Er wusste nicht, wo sich Adam und seine Frau aufhielten! Als Adam ihn dann aufklärte, dass er sich verstecken würde, da er sich seiner Nacktheit bewusst ist, wurde der "Herr" stutzig. Er fragte ihn, woher er sein Wissen habe, ob er möglicherweise den verbotenen Baum angetastet habe. "Gott" selber scheint über die vorangegangenen Geschehnisse mit der "Schlange" tatsächlich nicht unterrichtet gewesen zu sein! Sollen wir diese "Unwissenheit" dem wirklichen, multi- und interdimensionalen Schöpfer des Universums zusprechen!?
Die Genesis schweigt sich weitestgehend aus, wie und unter welchen Umständen der "Herr" sich in Eden zeigte. Es ist dem Alten Testament lediglich zu entnehmen, dass er irgendwie durch den Garten "fuhr".
Weit aufschlussreicher sind da die sogenannten "apokryphen Bücher der Bibel". Diese Schriften sind nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen worden, obwohl sie in der Vergangenheit als ebenso "heilig" angesehen wurden wie die heutigen, immer noch umstrittenen Bibeltexte (vergl. VII.1). Alles in allem wurden zum Beispiel von rund achtzig Evangelien nur vier in das Neue Testament genommen.
In der Schrift "Apokalypse des Mose" oder "Moseapokalypse" (entspricht "AM.") findet sich ein interessanter und erstaunlicher Hinweis, wie der "Herr" in das Paradies reiste:
"Als wir (Der Texter legte Eva diese Worte in den Mund, L.A.F.) den Erzengel trompeten hörten, da dachten wir: Gott kommt ins Paradies, um uns (Adam und Eva, L.A.F.) zu richten; deswegen fürchteten wir uns und suchten ein Versteck. Gott aber fuhr zum Paradies in einem Cherubwagen(!); die Engel priesen ihn. Als Gott das Paradies betrat, da schlugen alle Bäume wieder aus dem Bezirke Adams, wie in meinem, und Gottes Thron ward aufgestellt beim Lebensbaum." (Apokalypse des Mose, AM. 22)
Eindeutig wird uns hier überliefert, wie "Gott" einen sonderbaren Wagen, einen Cherubwagen, zur Fortbewegung benötigte, mit dem er am Lebensbaum landet. Wir werden im weiteren Verlauf dieses Buches noch einige Male mit diesem ominösen Vehikel konfrontiert werden, mit dem "Gott" umherflog. Der Prophet Jesaja, zum Beispiel, weiß einiges über derartige Gefährte zu berichten.
Bemerkenswert an der Erzählung Evas ist auch, dass der Garten Eden offenbar in "Bezirke" unterteilt war. Adam wurde einem zugeteilt, und Eva einem anderen. Auch die der oben zitierten Beschreibung vorangegangenen Verse der Moseapokalypse weisen auf eine Unterteilung des Paradieses hin. Wurden Mann und Weib vielleicht unterschiedlich eingesetzt?
Adam offenbarte aus seinem Versteck heraus "Gott" die Wahrheit über seine Schandtat. Er weist aber energisch jede Schuld an seinem Tun von sich und schiebt sie auf sein Weib. Eva fühlt sich ebenfalls völlig unschuldig und weist ihren "Gott" darauf hin, dass die Schlange sie dazu verleitet habe. Eben typisch menschlich.
I.7 Die Vertreibung aus dem Garten der "Götter"
Die Schlange, die "entziffern" kann, wollte den Menschen keineswegs in irgendeiner Art schaden. Vielmehr war sie es, die Adam und Eva die "Augen öffnete", sie schenkte dem Menschen die Erkenntnis, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Trotzdem wird sie bis heute als listiges, teuflisches oder abtrünniges Tier angesehen. Zahlreiche andere Völker der Geschichte sahen in ihr ein "göttliches Wesen", dem große Verehrung zuteil wurde. Aufgrund der biblischen Überlieferung ist sie im Christentum nichts weiter als ein bösartiges Reptil des Satans oder sogar der Teufel in Person. Ganz zu Unrecht...
Nachdem nun Adam und Eva ihrem "Gott" erklärten, was in Eden während seiner Abwesenheit geschah, war der "Herr" äußerst ungehalten. So verfluchte er die Schlange. Bis an das Ende ihrer Tage muss sie fortan auf dem Bauch "kriechen und Staub fressen", und ihre "Nachkommen" werden auf ewig Feinde der "Nachkommen" der Frau sein (Gen. 3,14-15). Wörtlich genommen könnte man diesen Versen entnehmen, dass die Schlange erst seit ihrer Tat im Paradies über die Erde kriecht.
Das Hebräische Wort für "Nachkommen" steht hier eigentlich im Singular: "Same"/"Nachkommenschaft". Die alten Kirchväter deuteten diesen "Samen" als die Nachkommen der Menschen, die in Feindschaft mit der Schlange, dem symbolischen "Bösen", leben werden, bis Jesus Christus aus diesen Nachkommen entsteht und die Schlange zertritt (Trutwin, S. 59). Nach dieser Auslegung soll die erteilte Strafe gleichzeitig die Hoffnung symbolisieren, dass der Messias das Böse bekämpfen wird. Und dazu wird diese Überlieferung als ein "Protoevangelium" angesehen, also als ein erstes Evangelium...Wie man auf derartige Symbole kommt, ist mir schleierhaft.
Eva trägt nach üblicher Exegetenmeinung die Hauptschuld an der "Erbsünde". Nur durch ihre "labile" Psyche soll jeder Mensch, der von Adam abstammt, bis ans Ende seiner Zeit eine unauslöschliche Sünde in sich tragen. Für mich ist diese "Lehre" völliger Quatsch. Die Bibel kennt keine sogenannte Erbsünde. Wohl finden wir im Paulus-Brief an die Römer, Neues Testament (Röm. 5,12-21), den Hinweis, dass durch Adam die Sünde in die Welt gekommen sein soll, aber das war es dann auch. Lesen wir jedoch in der Genesis, stellen wir fest, dass die Sünde genaugenommen durch Eva geboren wurde. Oder noch konkreter durch die Schlange, die so oder so das Böse repräsentiert. Erst Augustinus (354 bis 430 n. Chr.) formulierte das Dogma der vererblichen Sünde, und die eigentliche Lehre wurde erst "vor kurzen" auf der fünften Sitzung des Konzils von Trient (1545 bis 1563) im Jahr 1546 amtlich ausgesprochen.
Die Interpretationen von Augustinus gingen auch noch von einer im Lateinischen falsch übersetzten Bibeltextstelle des Paulusbrief an die Römer aus (s.o.). Die hebräische Überlieferung des "Sündenfalls" kennt weder Worte wie "Sünde" oder "Sündhaftigkeit", noch den eigentlichen "Sündenfall" an sich (Fox, S. 30). Professor Robin Lane Fox, einer der herausragenden Experten für die Schriften der Bibel, dessen geschichtliche Arbeiten mehrfach preisgekrönt wurden, beschreibt diese Tatsache sehr deutlich:
"Augustinus’ Interpretation basierte auf einem Text, der fälschlicherweise lautet: ,Der Tod gelangte zu allen Menschen wegen Adam, durch den alle sündigten.’ Die Erbsünde wurde also in die Genesis hineingelesen(!) und dann infolge eines Übersetzungsfehlers mit dem Paulusbrief in Zusammenhang gebracht." (Fox. S. 30)
Trotzdem, auch wenn die erste Frau keine "Erbsünde" verursachte, sollte Eva ihre Strafe erhalten. Sie wurde zwar nicht verflucht, aber in ihrer tiefen Persönlichkeit bestraft:
"Zum Weibe sprach er: Mehr und mehr Mühsal will ich häufen auf deine Mutterschaft (Schwangerschaft); mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; nach deinem Manne soll dein Verlangen gehn, und er soll dir gebieten!" (Gen. 3,16)
Dieser Vers ist einer der vieldeutigsten, aber auch interessantesten des Alten Testamentes überhaupt. Wort für Wort gelesen könnten wir vermuten, dass Eva durch die "Erkenntnis" der Frucht von nun an imstande war, Kinder zu bekommen. Das erste Menschenpaar wurde sich ja bekanntlich nach dem Verzehr der Frucht ihrer Nacktheit erst bewusst, und die Bilder "Baum" und "Schlange" waren unbestreitbar Attribute der weiblichen Gebärkraft bzw. es lagen sogar phallische Vergleiche nahe, wie etwa in Indien steinerne Schlangenidole, die die weibliche Fruchtbarkeit fördern sollen. Aus anderen, indischen Gebieten ist auch bekannt, dass Frauen, die sich konkret ein Kind wünschten, zu einer Kobra beteten (Lurker, Symbole, S. 187).
Manfred Lurker, ein bekannter Autor und Experte für "Symbolik", bemerkt in seinem Wörterbuch zur biblischen Bildersprache (S. 218), dass die Nacktheit Adams und Evas "der Unschuld entspricht". Erst durch den Sündenfall "entstand das Schamgefühl".
Nehmen wir den obigen Vers wörtlich, dann war das Gebären für Eva entweder vor dem "Sündenfall" völlig schmerzlos, oder aber sie war erst durch ihre Tat in der Lage, Nachwuchs zu bekommen... Dass die Geburt vor dem Fall des Menschen ohne Wehen vonstatten gegangen sein soll, ist mehr als nur unwahrscheinlich.
Die "Gottesstrafe" der schmerzhaften Schwangerschaft ist aber nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der nun folgenden "Strafe" für den Mann in Gen. 3,17-19 zu betrachten. Denn sollte die Schwangerschaft und Geburt vor dem Sündenfall schmerzlos gewesen sein, dann muss sich unter diesem Aspekt auch der Ackerboden durch die "Sünde" verschlechtert haben, denn "Dornen und Disteln lässt er dir wachsen", weiß Gen. 3,18.
Die aus der Feder der Jahwisten stammende Bestrafung der Frau sagt also nicht aus, dass Eva zuvor eine "angenehme" Schwangerschaft durchleben konnte. Schließlich bedeutet der in Gen. 3,14 ausgesprochene Fluch gegenüber der Schlange auch nicht, dass sie vor ihrer Tat nicht über den Boden kroch, sondern Beine hatte.
Ich nehme eher an, dass Mann und Frau grundsätzlich keine Kinder bekommen konnten, auch wenn "Gott" im ersten, jedoch viel jüngeren(!) Schöpfungsbericht (Gen. 1,28) dem Menschen die Fruchtbarkeit verkündete. Dass Adam und Eva bis zur Vertreibung aus Eden keine Kinder hatten, sollte jeder wissen. Konnten sie daher keine bekommen, bis sie durch die Schlange die neue "Erkenntnis" erlangten und wurden "wie Götter"? Auch gab Adam nach diesem Ereignis seinem Weib "den Namen Eva (Cheva/Chawwa = "Die aus Leben"/"Die Leben schafft", L.A.F.); denn sie wurde die "Mutter aller Lebendigen". (Gen. 3,20). Hier taucht der Name "Eva" zum ersten Male in der hebräischen Bibel auf! Erst von nun an kann sie Leben schaffen, erst jetzt heißt Adams Frau "Die Leben schafft" und nicht mehr "Weib". Wurden sie (Mann, Weib) von der "Schlange" genetisch umprogrammiert, um so erst die Zeugungsfähigkeit zu erlangen, die von den Elohim ihnen nicht bestimmt war?
Der "Gott" des Alten Testamentes offenbarte seinem Menschen unmissverständlich, dass ihnen der Erkenntnisbaum, somit das symbolische Wissen dieses Gewächses, nicht bestimmt ist, was durch ein entsprechendes Verbot untermauert wurde. "Ha-Satan", der "Widersacher", ignorierte dieses Aussage und verhalf Adam und Eva dennoch zu diesem Wissen, wodurch sich der Mensch nun auch fortpflanzen konnte. In der Gnosis, einer antiken Religionsgemeinschaft aus iranischen, jüdisch-christlichen und hellenistischen Gedanken, wurde die Schlange selber zum "Gott" erhoben. Die Naasener glaubten an die Schlange des Sündenfalls als "Herrn", da durch sie der Mensch reich an Erkenntnis wurde, die wiederum "der Schöpfer (ihm) vorenthalten wollte" (Lurker, Symbole, S. 188). Die Naasener interpretierten den vermeintlichen Sündenfall demnach als eine "Wohltat" bzw. eine Art "göttliche" Offenbarung, die der Mensch der Schlange, nicht aber dem Schöpfer zu verdanken hat!
Das Buch Mormon, eine Art Bibel der Religionsgemeinschaft "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die der Gründer Joseph Smith (1805 bis 1844 n. Chr.) von einem Engel namens Moroni überbracht bekommen haben will, enthält ebenfalls zahllose Textstellen über Adam und sein Weib. In Teil zwei des zweiten Buches "Nephi" (2Ne.) erfahren wir eindeutig, dass die ersten Menschen nur durch den Sündenfall die Zeugungskraft erhielten. Nichts anderes besagt folgendes Beispiel:
"Und nun siehe, wenn Adam nicht übertreten hätte, dann wäre er nicht gefallen, sondern er wäre im Garten von Eden geblieben. (...) Und sie hätten keine Kinder gehabt, darum wären sie in einem Zustand der Unschuld verblieben (!!) (...) Adam fiel, damit Menschen sein können, und Menschen sind, damit sie Freude haben können." (2Ne. 2,22-25)
An dieser Aussage ist nichts misszuverstehen!
Die Genesisautoren könnten vielleicht auch aus älteren mündlichen oder schriftlichen Quellenmaterial des Zweistromlandes ihre Informationen bezogen haben. Denn dort (aber auch andere Religion enthalten derartige Informationen) erfahren wir von der einst hoch verehrten "Gottheit" Enki, der primitive Arbeiter oder Diener (den Menschen) für die "Götter" erschaffen sollte, um diese zu entlasten. Wie wir bereits gesehen haben, deutet auch die Genesis (Gen. 2,15) an, dass der Mensch als Arbeiter für den "Garten des Herrn" geschaffen wurde. über Enki heißt es weiter, dass er dem Menschen "Weisheit" verlieh, indem er ihn mit "Großem Verständnis" vervollkommnete. Auch soll er dem Menschen "Wissen gegeben" haben, aber das ewige Leben bekam er nicht. Dieser Enki ist interessanterweise sogar als "Schlangengott" bekannt, denn sein Symbol war oftmals eine Schlange, und die Weisheit wurde ebenfalls mit ihm in Verbindung gebracht, so dass er als eine Art "Weisheitsgott" verehrt wurde!
Zweifellos lassen sich deutliche Parallelen zum Bibelgeschehen erkennen, denn bekanntlich wurde der Weg zum "Lebensbaum", der ewiges Leben verspricht, von "Gott" versperrt, so dass der Mensch dieses nicht erhielt. Er bekam zwar "Wissen" oder "Erkenntnis", indem er mit Hilfe der "Schlange" die vermeintliche Frucht aß, obwohl der "Herr" ihm diese ebenfalls vorenthalten wollte, aber "Gott" verwehrte ihm die Gunst des unendlichen Lebens - wie bei Enki.
Auch tausende Kilometer entfernt, bei den Tschuktschen Eskimos in Nordsibirien, erzählt man sich einen interessantes Mythos (Sproul, westlich, S. 133 bis 138), wie der Mensch die Zeugungsfähigkeit erhielt, nämlich von einem "Gott", der ihnen den Sex zeigte:
"Der Schöpfer hatte inzwischen die Geduld verloren und ging nun selbst. Er kam zu den Menschen und fasste den Mann an der Schulter. Setz dich! Dann befahl er der Frau, sich dicht neben dem Mann niederzulassen. Er sagte zu beiden: Legt euch nun hin! Und dann zu der Frau: Dreh dich auf den Rücken, das Gesicht nach oben. Sie tat es. Jetzt spreize die Beine. Sie tat es. Noch weiter! Dann nahm er den Mann und legte ihn auf die Frau. So vereinigten sie sich, vermehrten sich und wurden zur Menschheit." (Sproul, westlich, S. 137)
Auch die Tschuktschen verdanken ihre Fortpflanzungsgabe einer "Gottheit". Wenn sie also zuvor nicht Kinder bekommen konnten, stützt dies die Vermutung, dass sie "Hybriden" waren, die sich nicht vermehren konnten (s. auch II.1). Warum aber der "Herr" seinen Geschöpfen nicht das ewige Leben gönnte, ist der Genesis leider nicht zu entnehmen.
Daraufhin kleidete der "Herr" Adam und Eva mit "Fell" ein. (Apokryphen nennen hier teilweise Baumrinde aus Eden, da sie wie Seide gewesen sein soll). Theologische Auslegungen (Trutwin, S. 59) sehen in dieser Ankleidung schlicht, dass sich "Gott" noch einmal "hilfreich und gnädig" zeigte. Davon kann natürlich keine Rede sein, denn die eigentliche Bestrafung für die sündigen Menschen folgte noch: Sie wurden aus Eden vertrieben. In diesem Moment erfahren wir auch den wirklichen Grund für die Vertreibung des Menschen aus Eden, denn die Schlange hatte tatsächlich recht:
"Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, so dass er Gutes und Böses erkennt. Dass er nun aber nicht seine Hand ausstrecke und auch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!" (Gen. 3,22)
Sehr klar wird uns der Grund geschildert, warum der Mensch Eden verlassen musste: Er ist wie ein "Gott" geworden, wie "einer von uns". Adam war von nun an in der Lage wie weiter oben erwähnt, "Gutes und Böses" zu unterscheiden. Eigentlich ist dies ein Vorteil, den der Mensch erlangt hat, er kann nun selber Schlechtes von Gutem unterscheiden. Ihre Schöpfer aber gönnten es ihnen nicht. Sie wollten verhindern, dass Adam und Eva sich jetzt am "Lebensbaum" zu schaffen machen, der bekanntlich ewiges Leben versprach. So wie es im Buch Mormon geschrieben steht, wenn der Mensch "vom Baum des Lebens genossen hätte, hätte er für immer gelebt" (Alma, Al. 42,5).
In dieser Mormonen-Bibel ist ebenfalls zu erfahren, dass der Mensch wie "Götter" wurde und deshalb aus Eden vertrieben wurde (Al. 42,3 oder auch Al. 12,31).
Als der Mensch endgültig Eden den Rücken kehren musste, wurde der östliche Eingang, der Weg zum Lebensbaum, von Cherube (Zwitterwesen, die einst mit "Gott" in enger Verbindung standen) und (nicht mit) einem "zuckenden Flammenschwert" versperrt. Adam und seine Frau sollte es auf keinen Fall gelingen, doch noch von dem Baume zu nehmen.
Es ist verwirrend. Wir erfahren in der Genesis (Gen. 2,16-17), dass Adam verboten wurde, vom "Baum der Erkenntnis" zu essen, aber von einem Verbot vom "Baum des Lebens" zu nehmen, ist nirgends etwas zu erfahren. Offensichtlich durfte er von ihm essen! Nun aber wird Adam der "Weg zum Baum des Lebens" verwehrt, da er "geworden ist wie einer von uns", wie sich der alleinige "Herr" äußerte. An dieser Stelle könnte man meinen, der erste Mensch habe bereits von dem Baume genommen, da er ja die indirekte Erlaubnis erhielt.
Hat er? Diese Frage klärt der apokryphe Text "Leben Adams und Evas" in dem Teil "Evas Erzählung vom Sündenfall". Diese Schrift lieferte wertvolle Details, was bei der Vertreibung der Menschen alles geschah. So erfahren wir ab AuE.27, dass "Gottes" Engel damit beauftragt wurden, Adam und Eva aus Eden zu verjagen. Adam war derart traurig über seinen Rausschmiss, dass er die Engel um einen Aufschub bat, um "Gottes" Verzeihung zu erflehen. Die Engel zeigten sich gnädig, und Adam flehte den "Herrn" an, seinen Befehl rückgängig zu machen. "Gott" wies daraufhin seine "Engel" erneut an, endlich seinen Auftrag auszuführen, denn er habe richtig entschieden. Der "Herr" betonte wiederholt, dass er Adam "nicht länger im Paradies" sehen will. Adam hingegen antwortete ihm darauf mit einer Bitte:
"Herr, gib mir vom Baume des Lebens zu essen, ehe ich hinausgetrieben werde."
Ohne Zweifel: Der Mensch nahm in Eden nicht vom Lebensbaum!
Adams Flehen hatte keinen Sinn, weinend trieben ihn die Engel zum Ausgang. Sie erklärten sich jedoch bereit, "Gott" zu bitten, Adam "Räucherwerk" aus Eden zu überlassen, damit er später seinem "Herrn" Rauchopfer darbringen kann. Die Bitte des ersten Menschen wurde erfüllt, und der "Herr" überließ ihm nicht nur Räucherwerk, sondern sogar "Sämereien zu seinem Unterhalt".
Die Geschehnisse in Eden sind in Verbindung mit außerbiblischem Schriftgut vielleicht die spannendsten der Bibel. Der "Baum des Lebens", der ein wichtiger Bestandteil der Vertreibung aus Eden ist, wird aus kirchlicher Sicht nicht wörtlich als ein Gewächs betrachtet, das dem Menschen ewiges Leben schenken konnte. Obwohl auch der Sohar (hebräisch = "Lichtglanz"), das heilige Buch der jüdischen Kabbala, aussagt (I. fol. 26b), dass er jeden, "der davon genießt, ewiges Leben verleiht" (Müller, S. 64).
Die Exegeten (Trutwin, S. 56) deuten diesen Baum, oder besser dieses "Leben", das er verleihen konnte, als "Gottesnähe", also als eine innige Beziehung zum Himmlischen ("Gott" nahe sein). Eine solche Interpretation widerspricht sich aber selbst, zumal im alttestamentarischen Text eindeutig Leben, und nicht "Gottesnähe", steht. Der "Herr" wollte überhaupt nicht, dass Adam von ihm nimmt und er somit (laut Exegeten) seinem "Gott" nahe ist! Der Tod, vor dem es für den Menschen kein Entrinnen gibt, da er von dem Baum nicht essen durfte, wird wiederum als "Gottesferne" gedeutet. Somit hatte der biblische "Schöpfer" kein Interesse daran, seinen Geschöpfen nahe zu sein, da er ihnen die Frucht verweigerte, als Adam darum bat! Ein vollkommener Widerspruch zur priesterlichen Lehre.
Wenn ich aber noch einmal das umstrittene Buch Mormon aufschlage, um etwas über den Baum des Lebens und seine "Kraft" zu erfahren, so sind hier die Aussagen unmissverständlich. So heißt es im Buch Alma (Al. 12,21), dass es für den Menschen "gar keine Möglichkeit gab, immerdar zu leben" - denn "Gott" versperrte ihm den Weg zum Lebensbaum. Auch einige Verse weiter, in Al. 12,23, wird überliefert, wenn der Mensch von "der verbotenen Frucht des Baumes des Lebens genossen hätte, so hätte es keinen Tod gegeben". "Und wir sehen, dass der Tod über die Menschheit kommt", sagt Al. 12,24.
Ich lehne die Interpretation als "Gottesnähe" und "Gottesferne" kategorisch ab, da allein die biblische Überlieferung dieser widerspricht. Auch wenn das Buch Mormon als Bibel einer (christlichen) "Sekte", die in den USA hohes Ansehen genießt, betrachtet wird, sind dessen Aussagen interessant. Zumal sich das Buch eindeutig auf die Bibel und in diesem Fall auf das Buch Genesis bezieht, was auch die Versverweise bestätigen...
I.8 Lag das Paradies in Südmesopotamien?
Adam und Eva wurden von ihrem "Herrn" aus Eden vertrieben. Offensichtlich befürchtete er, dass die ersten Menschen ihm seine (der Elohim) Vormachtstellung abstreiten könnten, denn Gen. 3,22 sagt deutlich: "Adam ist geworden wie einer von uns". Die biblischen Elohim sahen sich zwangsläufig dazu veranlasst, ihre Geschöpfe aus Eden zu verbannen, denn sie erkannten, dass der Mensch nach dem Lebensbaum strebte, und wollten mit seiner Verbannung verhindern, dass er "vom Baum des Lebens nimmt und isst und ewig lebe". Wie ich oben bereits schilderte, kann mit diesem "Leben" nicht die religiöse Auslegung als "Gottesnähe" (ihm nahe sein) zutreffen. Hier ist das Leben im physikalischen Sinne gemeint: Die Überwindung des körperlichen Todes. Adam und Eva starben ja auch später.
Wie die moderne, sich immer rasanter entwickelnde Genforschung schon lange weiß, ist es nicht völlig auszuschließen, dass der Mensch eines Tages tatsächlich "ewig" leben kann. Das Gen, welches für die Zellalterung und somit für den körperlichen Tod verantwortlich ist, haben unsere Wissenschaftler bereits entdeckt. In Versuchen gelang es sogar, (primitiven) Tieren eine bis zu 50 prozentige Verlängerung ihres Lebens zu schenken. Eine Forschung mit ungeahnten Möglichkeiten...
Aber zurück zur Genesis: Wir erfahren leider nur sehr spärliche Hinweise, wo der erste Mensch geschaffen wurde, wo Eden lag, und wo er hinging, als er den Garten verlassen musste. Wir können aber anhand des vierundzwanzigsten Verses (Kapitel drei) erahnen, dass sich der gestrafte Arbeiter "östlich von Eden" ansiedelte. Zwar ist der biblische Garten Eden nie das gewesen, was wir vielleicht noch aus unserer Kindheit in Erinnerung haben - ein Garten der Glückseligkeit -, aber ein geographischer Ort oder ein Landstrich war es gewiss. Der Mensch verließ seine einstige Heimat wahrscheinlich in Richtung Osten, da sonst keine Angabe darüber zu finden ist:
"Und als er den Menschen vertrieben hatte, stellte er östlich von dem Garten Eden die Kerube auf und das zuckende Flammenschwert (...)" (Gen, 3,24)
östlich von Eden wurden Wächter aufgestellt, um Adam und seinem Geschlecht den Weg zu versperren. Wieder eine recht sonderbare Tat des biblischen "Herrn", denn man sollte eigentlich erwarten können, dass er, der "Herrscher" von/über allem, keine "Wärter" oder "Wächter" zu seiner Unterstützung benötigt.
Natürlich kann mit dieser reichlich kurzen Angabe nicht sonderlich viel angefangen werden. Die Genesis berichtet uns zu Anfang des zweiten Schöpfungsberichtes (Gen. 2,8), dass Eden "im Osten" von den "Göttern" erbaut wurde. "Im Osten", von wo gesehen? Lesen wir aufmerksam in der Bibel, so erfahren wir dort eine Tatsache, die vielleicht nicht einmal jedem christlichen Priester bewusst ist. Zumindest ignorieren sie diese zum Teil. Ab dem siebten Vers (Kapitel 2) lesen wir bekanntlich, wie "Gott" den Adam aus "Erde" formte. Bereits einen Vers später ist dokumentiert, dass der Mensch bereits lebte, bevor es das Paradies gab:
"Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden, im Osten (auch: "gen Aufgang", L.A.F.), und setzte dahinein den Menschen, den er gebildete hatte." (Gen. 2,7)
Auch wenn diese Bibelstelle möglicherweise oft unterschätzt wird, so bleibt doch deren Aussage interessant: Adam, Eva nicht, wurde nicht in Eden geschaffen. Wo aber Adam das Licht der Welt erblickte, ist in der Genesis leider überhaupt nicht lokalisiert. Aber von seiner Geburtsstätte aus gesehen lag Eden in Richtung Osten. Im zweiten Genesiskapitel sind einige geographische Hinweise angeführt, wo der Garten zu finden sein könnte.
Die Spekulationen, wo der Garten der Glückseligkeit gepflanzt wurde, reichen praktisch um die ganze Welt. In der Paläo-SETI sogar bis ins Weltall. Bereits im frühen Mittelalter versuchten bibeltreue "Abenteurer" den Garten exakt zu lokalisieren. Karten wurden gezeichnet, und eines der heiligsten Ziele der brutalen Kreuzzüge vergangener Jahrhunderte war es, Eden wiederzufinden, um den Garten der christlichen Welt zu übergeben (und natürlich auch Jerusalem).
Aufgrund der Beschreibung aus der Genesis, in der einige bekannte geographische Punkte, sowie die Flüsse Euphrat und Tigris genannt werden (Gen. 2,14), glaubte man meist, Eden sei in Mesopotamien gelegen. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Überlieferung vom "göttlichen" Garten aus dieser Gegend stammt; ähnlich wie die Sintflutberichte.
Selbst babylonische Mythen schildern, dass die "Götter" einst das Land kultivierten, um daraufhin die Menschen zu erschaffen (Sproul, östlich, S. 140ff.), siehe Kapitel I.5. Ihr neues Wesen wurde von ihnen dann "an einen Ort" gesetzt, der zuvor trockengelegt worden war, was wiederum auch an den germanischen Midgard erinnert. Interessanterweise finden sich in derselben Zeile dieses Berichtes unsere bekannten Flüsse Euphrat und Tigris und einige Zeilen später die Behauptung, dass eine Stadt mit "Menschengewimmel" bevölkert wurde. Jener Ort war aller Wahrscheinlichkeit nach die süd-mesopotamische Stadt Eridu, die in der Tat in weitläufigen Sumpfgebieten lag.
Auch ältere Mythen der Sumerer, etwa dem von "Enki und die Weltordnung" (König, S. 68f.), dessen Kultur sich bekanntlich in Untermesopotamien entfaltete, preisen den "Gott" Enki, wie er das Land bestellte, Dämme aufschüttete und Pflanzen wachsen ließ.
Aber nach biblischer Beschreibung - falls sie in dieser Form stimmt -, ist der Lageplan Edens falsch - vorausgesetzt, dass Süd-Mesopotamien korrekt ist:
"Ein Strom ging von Eden aus, um den Garten zu bewässern, und von dort teilte es sich in vier Arme." (Gen. 2,10)
Zwei der von Eden verlaufenden Gewässer, die nicht so einfach dingfest gemacht werden können, sind der "Pischon" ("er umfließt das ganze Land Hawila", Gen. 2,11) und der "Gichon" ("er umfließt das ganze Land Kusch", Gen. 2,13); auch wenn wir in Trutwins Buch (S. 57) fälschlicherweise lesen: "Vom Paradies gingen vier Ströme aus: Indus, Nil, Euphrat, Tigris". Vom Nil und dem Indus weiß diese Überlieferung nichts. Euphrat und Tigris hingegen sind bekannte Gewässer, die im heutigen Irak fließen, und dem Land einst den Namen "Zweistromland" gaben.
Seltsam scheint mir eine der kirchlichen Deutungen zu sein, die in den vier Flüssen grundsätzlich keine Gewässer sieht, sondern die vier Evangelien des Neuen Testamentes! Mir leuchtet eine derartige Auslegung der Paradiesbeschreibung nicht ein. Dieser sonderbare Ort der Wonne existiert in vielen Kulturen der Geschichte, aber die Flüsse als Evangelien anzusehen, ist falsch. Der Leser wird sich erinnern: Von insgesamt rund achtzig (bekannten) Evangelien, sind nur vier in den Kanon der Bibel übernommen worden. Und von achtzig Flüssen spricht die Genesis nicht. Auch ist dieser Edenbericht um das neunte Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben worden, was 1880 von Julius Wellhausen belegt wurde. In dieser Zeit gab es weder unseren "akzeptierten" Kanon mit den vier Evangelien, noch die Evangelien an sich. Jesus Christus, auf den sich die Evangelisten beziehen, lebte zu einer Zeit, als diese Überlieferung bereits 1.000 Jahre in schriftlicher Form bestand!
Sollten diese Flüsse dennoch Symbolismen der vier kanonisierten Evangelien sein, welchen Zweck würde diese Eden-Überlieferung dann haben? Ein Strom ging von Eden aus, der sich dann in vier Evangelien teilte!? Was war der "Urstrom", ein "Ur-Evangelium"...?
Übrigens, dies sei nur am Rande bemerkt, stellte Hieronymus (347 bis 420 n. Chr.) die These auf, dass die vier menschlichen Gestalten, die der Prophet Ezechiel beschreibt (Ez. 1,4+), und die alle wie Löwe, Mensch, Stier und Adler ausgesehen haben sollen, ebenfalls ein Sinnbild der vier Evangelien darstellen könnten (Mertens, S. 266). In Kapitel IX werde ich die "Vision" des Propheten genauer analysieren.
Natürlich mangelt es nicht an Versuchen, auch die anderen beiden Ströme Edens zu finden. Selbst der Nil und der Indus wurden bereits als Favoriten betrachtet, da im Quellgebiet von Tigris und Euphrat (anatolisches Gebirge) keine weiteren Flüsse entspringen, die mit den bekannten zwei zusammenlaufen, wie es der Bibelvers beschreibt.
Denken wir aber andersherum, dass die vier Ströme nicht im einstigen Paradies entspringen, sondern dort zusammenlaufen, gibt es in der Tat einige Hinweise, wo Eden lag. Der Garten der Bibel befand sich bekanntlich in der Landschaft Eden, wie es der achte Vers, Kapitel zwei, der Genesis beschreibt. Eden ist, und das bezweifelt heute kaum einer mehr, eine Ableitung vom sumerischen E.DIN ("Ebene"/"Steppe"), und die Sumerer lebten in Unter-Mesopotamien, dort wo Euphrat und Tigris zusammenlaufen...
Der Orientalist, Sprachexperte, Bibelkenner und begeisterter Paläo-SETI-Autor Zecharia Sitchin, bietet in seinem Buch "...und die Anunnaki schufen den Menschen" (S. 24ff.) einen Lösungsvorschlag an, was die Flüsse Pischon und Gichon einst gewesen sein könnten. Der biblische Fluss Pischon, könnte, so vermutet Sitchin, einst die arabische Halbinsel durchflossen haben. Farouk El-Baz von der Universität Boston, gab im März 1993 bekannt, dass es tatsächlich gelungen sei, einen vertrockneten Fluss von 530 Meilen Länge, einer teilweisen Breite von über drei Meilen und einer Tiefe von 50 Fuß im Sand der arabischen Halbinsel zu lokalisieren. Vom Quellgebiet in den westarabischen Bergen zog er sich bis ins heutige Kuwait und floss dort mit Euphrat und Tigris zusammen. Laut der Universität Bosten war zwischen 11.000 und 6.000 v. Chr. (zum Ende der letzten Eiszeit) das arabische Klima sehr viel feuchter, bis um 3.000 v. Chr. der Fluss vertrocknete und von Sanddünen verschluckt wurde. Da Adam und Eva aber vor einigen Zehntausend Jahren lebten - es sollen ja die ersten richtigen Menschen gewesen sein -, ist diese Datierung nicht sehr hilfreich.
Aufnahmen des Satelliten "Landsat" zeigen, dass sich die Form der Sanddünen am einstigen Flussverlauf änderten, und am Ende der Linie in Kuwait (bei Basra) finden sich Schotter aus dem Gestein des westarabischen Gebirges. Der Orientalist Sitchin vermutet nun, das ist, oder besser war, einer der zwei vergessenen Edenströme.
Den Fluss Gichon will der Autor im Osten von Süd-Mesopotamien gefunden haben. In der Genesis wird berichtet, dass dieser Strom "sich durch das ganze Land von Kush windet." (Gen. 2,13). Im Zargos-Bergmassiv, östlich vom einstigen Sumer, lebte das Volk Kushshu (akkadisch), die auch als Kassiten bekannt sind (sie besetzten im zweiten Jahrtausend v. Chr. Babylon). Perser und Römer nannten dieses Land - nach dem antiken Namen - Kushan, und der Hauptstrom des einstigen Landes ist der Fluss Karun, der sich tatsächlich mit den anderen zwei Flüssen (Euphrat/Tigris) und dem versandeten Strom Pischon im Delta an der Nordspitze des Persischen Golfs trifft.
Es ist in der Tat interessant, dass sich in der Landschaft E.DIN (= Eden), dem einstigen Sumererreich, vier Flüsse trafen. Würden wir also die verzwickten Eden-Beschreibungen der Genesis so deuten, dass nicht vier Gewässer in Eden entspringen, sondern diese sich in Eden vereinigen, so ist Süd-Mesopotamien Edenfavorit numero uno. Dennoch, und das räumt Sitchin selber ein, ist es nicht sicher, dass die zwei Ströme tatsächlich die gesuchten Paradiesgewässer sind. Aber der Autor - immer bereit, Mythen wörtlich zu nehmen - hat uns einen überlegenswerten Hinweis geliefert.
Mit der Beschreibung von den vier paradiesischen Flussläufen in der Genesis sind aber nicht alle Hinweise auf das Paradies erschöpft. Schlagen wir die apokryphen Bibelschriften auf, so finden sich dort eindeutige Beschreibungen, die nur einen Schluss zulassen: Das, oder zumindest ein zweites, Paradies lag im All (Himmel).
I.9 Das himmlische Paradies und weitere Paradiesschriften
Wie vorher besprochen, liegen deutliche Indizien vor, die das Paradies (auf Erden) in Unter-Mesopotamien vermuten lassen. Aber wir wollen uns beim Studium der Bibel nicht alleine auf deren Inhalt beschränken. Denn auch die apokryphen Bücher haben Anspruch darauf, als ebenso "heilig" angesehen zu werden, wie der Kanon der Heiligen Schrift. Die nicht kanonisierten Werke sind in der Vergangenheit nicht weniger und nicht mehr "religiös" gelesen worden, wie die biblischen Bücher selbst.
Es mag sein, dass der verlorene Garten am Unterlauf von Euphrat und Tigris lag. Dennoch muss es einstmals einen zweiten "Garten Eden" gegeben haben, denn wir finden Beschreibungen (selbst im Koran), die ihn in den "Himmel" (All) verlegen, was nicht mit dem Zweistromland übereinstimmen kann.
Nehmen wir zum Beispiel den Koran - das heilige Buch des Islams -, so erfahren wir auch dort von Adam und Eva. Die siebte Sure, "Die Zwischenmauer", "Wall" oder "Die Scheidewand" ("Al-Araf"), berichtet uns, wie Adam (der Mensch) geschaffen wurde, auf die Erde kam und von den "Göttern" (im Koran ist von "wir" die Rede, 7. Sure, Verse 11-12) Nahrung erhielt. Dann folgt eine kurze Beschreibung des Sündenfalls durch die Verführung des "Satans". Nun wird auch im Koran (vom Hebräischen "kara" = lesen) der Mensch aus dem Paradies vertrieben, jedoch mit einem kleinen, aber interessanten Unterschied:
"Hinab mit euch! ("Aus dem Paradies hinab auf die Erde", so die Fußnote, L.A.F.) Einer sei des anderen Feind. Auf der Erde sei von nun an euere Wohnung und Nahrung auf unbestimmte Zeit." (7. Sure, Die Zwischenmauer, Vers 25)
Laut dieser Schrift fand der Sündenfall irgendwo im Himmel, der Gegend Allahs und seiner Gehilfen statt. Von hier wurde der erste Mensch verjagt und gelangte so zur Erde. Zwar ist der koranische Hinweis recht spärlich, aber er ist letztendlich nicht der einzige in den heiligen Schriften.
Durchforsten wir die religiösen Texte weiter, stoßen wir in den nichtkanonisierten Büchern ebenfalls auf Hinweise, dass das Paradies im All gelegen haben muss. Zwar beschreibt die Genesis die Lage Edens auf der Erde, aber anderes Schriftgut berichtet von einem Paradies im Himmel.
In der bereits erwähnten apokryphen Schrift "Leben Adams und Evas" findet sich eine Erzählung vom Paradies, und zwar im Teil "Evas Erzählung vom Sündenfall" (nach Weidinger). Der Apokryph gleicht im Wortlaut fast völlig dem ebenfalls nichtkanonisierten Buch Apokalypse des Moses, was anscheinend in Erich Weidingers Apokryphensammlung etwas vermischt wurde.
Dennoch ist dort Bemerkenswertes zu erfahren: Nachdem die zwei Menschen die sündige Frucht aßen, wurden sie - nach einigen Umwegen - durch zwei Engel des "Herrn" verbannt. Adam sammelte Gewürze und "Sämereien" (s. I.7), die er aus dem Paradiese mitnehmen durfte, und...
"(...) mit diesen ging er aus dem Paradies. Und wir (Adam und Eva, L.A.F.) kamen auf die Erde." (AuE. 29, nach Weidinger)
Woher kamen Adam und Eva auf die Erde? Aus dem zweiten, feurigen Himmel der Schöpfung, der irgendwo oberhalb des sichtbaren Himmels lag? Das ebenfalls nicht in der Bibel zu findende Buch Schatzhöhle, eine Mischung aus jüdischem und christlichen Glaubensgut (verwandt mit "Leben Adams und Evas"), überliefert uns von Adam überdeutliches: Im zweiten Teil ("Erschaffung des Menschen") wird uns die Schöpfung des Menschen geschildert. Sie ist der Bibel ähnlich, weist jedoch auch einige große Unterschiede auf. So soll zum Beispiel Adam als ein "König, Priester und Prophet" in Jerusalem erschaffen worden sein (Scha. 2,18). Jerusalem ist bekanntlich das Zentrum christlicher und jüdischer Glaubensgemeinschaft, so sollte es nicht verwundern, dass Adam hier gelebt haben soll.
Im dritten Kapitel lesen wir Erstaunliches: Es wird dort der Fall "Satanas" und seiner "Schar" (Anhänger) geschildert (Scha. 3,1+), da er sich weigerte, den Adam zu verehren. Dies konnte dem ersten Menschen nur recht sein, denn, so das Apokryph:
"Als der Satan vom Himmel gestoßen wurde, ward Adam erhöht, so dass er zum Paradies in einem feurigen Wagen hinauffuhr(!). Während nun die Engel vor ihm lossangen, die Seraphe ihn heiligten und die Kerube ihn segneten, fuhr Adam unter Jubel und Lobgesang zu Paradiese empor. Als er hinaufkam, ward ihm vorgeschrieben, von welchem Baum er nicht essen dürfe." (Scha. 3,8-9)
Adam flog mit einen "feurigen" Fahrzeug - einem Shuttle - seines "Herrn" in den Himmel, zum Paradies! "Feurige Wagen" sind in biblischen Texten nicht selten zu finden. Wir können auch kaum annehmen, dass diese Beschreibungen irgendwie "göttlich" sind, denn es handelt sich um reale Gerätschaften der "Himmlischen". Oder sollte der tatsächliche Gott Fluggefährte brauchen, die feurig umherziehen?
Als der erste Mensch emporstieg, begleiteten ihn "Seraphe" (auch "Seraphim" oder "Serafim") und die schon bekannten Kerube (Cherube). Seraph ist Hebräisch, und kann mit "brennen", dann auch als feurige "Schlange" übersetzt werden (Lurker, Lexikon, S. 368), was darauf zurückgeht, dass sie von einem "brennenden, strahlenden Lichtglanz" umgeben gewesen sein sollen (Schüler Duden, S. 390). Es waren, wie die Cherube, Wesen mit Flügelpaaren, und werden im Alten Testament als eine Art "Feuerengel" (auch als "Geisteswesen" bezeichnet) angesehen, die mit einer Erscheinung des "Gottesthrons" zusammenhingen.
Der Prophet Jesaja (Jes. 6,1+, s. auch Teil III.1), hat uns eine eindrucksvolle Schilderung überliefert, wie und unter welchen Begleiterscheinungen ein solcher Thron "Gottes" auf der Erde landete. Und das zweite Buch Samuel (2. Sam. 22,11) lässt keinen Zweifel mehr daran, dass Jahwe "auf einem Cherub saß (...) und flog".
In der Tat ist die Beschreibung des "verborgenen Bibelbuches" sehr aufschlussreich. Sehr technisch wird Adam in den Himmel, ins Paradies gehoben. Die Apokalypse des Mose weiß noch von weiteren Geschehnissen in jenen vergangenen Zeiten zu berichten.
Wie geschildert, fuhr Adam "feurig" in den Himmel, dort geschah der Sündenfall, so dass er dem himmlischen Paradies den Rücken kehren musste. Adam kam nun erneut hinab auf die Erde, wie es auch der Koran berichtet (s. oben). Weiter erfahren wir, was nach Adams Tod mit seinem Leichnam geschah. "Gott" verzieh ihm seine angebliche Sünde, und einer "der sechsflügeligen Seraphe" kam, "nahm Adam auf und führte ihn" zu einem See (AM. 37). Dort wurden die sterblichen Überreste des ersten Menschen gewaschen und vor "Gottes Angesicht" gebracht. Dann, so der Vers 37 weiter:
"(...) streckte der Vater des Alls (oder "Allvater", L.A.F.) seine Hand aus, auf seinem Throne sitzend, hob Adam auf und übergab ihn dem Erzengel Michael mit den Worten: Erhebe ihn ins Paradies bis zum dritten(!) Himmel und lass ihn dort (...)" (AM. 37)
Lesen wir in diesem Text weiter, so erfahren wir, dass der Erzengel Adam tatsächlich "erhob", und zu einem Ort brachte, "wo Gott es ihm geboten hatte". Dort trat Michael vor den "Vater der Lichter", wie er genannt wird, und bat ihn "um die Beschickung der Überreste Adams" ("Bitte der Engel um die Bestattung der Leiche Adams", ab AuE. 38, Weidinger). Der "Vater der Lichter" ließ offenbar mit sich reden, denn er organisierte eine Versammlung, auf der jeder seiner Diener nach Rangordnung gegliedert ("jeden nach seiner Ordnung"/"nach seiner Ordnung einen jeden") erschien. Dann machte sich der "Herr" auf, um den Leichnam des ersten Menschen zu bergen:
"Und siehe, der Herr, der Starke, stieg ein in den Wagen; vier Winde zogen ihn, die Kerube lenkten die Winde, und die Engel vom Himmel gingen ihm voran. Und sie kamen auf die Erde, dahin, wo Adams Leib lag, und nahmen ihn mit. Als sie nun ins Paradies kamen, bewegten sich alle Blätter des Paradieses, und alle Menschen, von Adam geboren, schlummerten vom Wohlgeruch ein (...)"
Hier findet sich eine Wiederholung der Geschehnisse. Bekanntlich soll der "Herr" Adam bereits in das himmlische Paradies erhoben haben, aber einen Vers weiter geschieht dieses noch einmal. Jedoch weist der oben wiedergegebene Vers interessante Details auf. So soll der "Herr" wieder mit einem Wagen, der von "vier Winden" gezogen, und diese wiederum durch Kerube gesteuert, ins Paradies gelangt sein. Die Beschreibung des "göttlichen" Fluggefährtes erinnert stark an die Ezechiel-Schauung des "Thronwagen Gottes" (s. Kapitel IX). Bemerkenswert ist auch, dass durch "Gottes" Erscheinen in/auf diesem Himmelswagen sich die Blätter des Paradieses bewegt haben sollen. Die Auswirkungen der vier Winde (durch die Kerubeflügel erzeugt) sind uns also ebenfalls überliefert worden.
Unverständlich ist die Aussage, dass alle Menschen bei der Herniederkunft "Gottes" angeblich eingeschlafen sind. Der Grund für diesen merkwürdigen Nebeneffekt der Ankunft des "Wagens" könnte sein, dass die "Engel" "Räucherfässer, Trompeten und Schalen" mitnahmen, als sie Adams Leib bergen wollten (ebenfalls Vers 38). Vorausgesetzt, die Ereignisse der Schrift sind tatsächlich so (oder ähnlich) geschehen, was mag dann dieses Räucherwerk gewesen sein, das Menschen durch seinen "Wohlgeruch" einschlummern ließ? Betäubungsgase fremder Wesen, um die Bevölkerung - Adams Nachkommen - "ruhig zu stellen"?
Suchen wir in den außerbiblischen Schriften weiter nach sonderbaren Hinweisen, die "Gott" als ein materielles Wesen, sprich ein Geschöpf, das Wagen zur Fortbewegung benötigt, beschreiben, so finden wir hier Eva als erste Zeugin dieses Fluggerätes. Wie ich oben schon schrieb, ist das Buch Apokalypse des Mose gut geeignet, um hier auf "himmlische Spurensuche" zu gehen.
Der Schrift sind interessante Beschreibungen der Umstände nach Adams Ableben zu entnehmen. Aber bereits vor - oder während - seines Todes wurde Eva Zeugin sonderbarer Aktivitäten des "Höchsten". AM. 31-32 entnehmen wir, dass Eva aus Trauer um ihren Gatten sich bestürzt zu Boden warf und um Verzeihung ihrer (und Adams) Sünden betete.
Kaum kniete sie verbittert auf der Erde, erschien ihr aus heiterem Himmel "der Engel der Menschheit". Dabei verdeckte Eva "mit der Hand ihr Gesicht". Der sonderbare Engel aber sprach zu ihr, dass sie sich erheben möge (AM. 33), und Eva sah etwas Erstaunliches:
"Da blickte Eva zum Himmel und sah einen Lichtwagen kommen, gezogen von vier glänzenden Adlern, deren Herrlichkeit kein von Mutterleib Geborener auszusprechen noch ihr Antlitz anzusehen vermochte, und Engel gingen dem Wagen voran. Als sie an den Ort kamen, wo euer Vater (Adam, L.A.F.) lag, hielt der Wagen und die Seraphe zwischen dem Vater und dem Wagen." (AM. 33)
Die Urmutter Eva wurde Augenzeuge der Landung eines "Lichtwagens", den sie nicht beschreiben konnte - ihr fehlten im wahrsten Sinne des Wortes die passenden Ausdrücke. Der "Herr" setzte in der Nähe von Adams Leiche auf, und weiter:
"Da sah ich goldene Räucherfässer und drei Schalen; und siehe, alle Engel kamen mit dem Weihrauch, den Räucherfässern und den Schalen zum Opferaltar und bliesen sie an, dass der Dampf des Räucherwerks die Festen des Himmels verhüllte." (AM. 33)
Die weitere Beschreibung der Niederkunft könnte man so auslegen, dass durch den "Lichtwagen" - der ja auch von "Winden" gezogen worden sein soll - erheblich Staub aufgewirbelt wurde. Oder dieser "Dampf" war die Kühlung des Antriebsaggregates. Oder es waren die Betäubungsgase des "Herrn"...
Es muss hier aber von vornherein gesagt werden, dass die Schriften, die ich oben wiedergab, kaum aus Evas eigener Feder stammen. Sie sind vielmehr auf sehr viel spätere Autoren zurückzuführen, die möglicherweise einst mündliche Überlieferungen niederschrieben oder sich unbekannten Quellenmaterials bedienten. Auch weisen die Texte zahlreiche religiöse "Verschönerungen" auf und somit die Bücher in der Vergangenheit auch als eine Art "religiöse Unterhaltunslektüre" klassifizieren. Die Frage jedoch ist nicht die, wann dies alles geschah, sondern ob es geschah. Denn Jahreszahlen, gerade bei Adam und Eva, sind recht belanglos.
Wie ich bereits ausführte, soll der Erzengel Michael Adams Leichnam "bis zum dritten Himmel" emporheben, um ihn dort im Paradies zu lassen. Der außerbiblische Prophet Henoch, einer der neun (von Seth bis Noah) vorsintflutlichen Patriarchen der Genesis (Gen. 5,19-24), der einst "Wunder" über "Wunder" schaute (siehe Kapitel VII), weiß ebenfalls davon zu erzählen, dass das Paradies im dritten Himmel lag.
So erfahren wir in der slawischen Henochschrift detaillierte Angaben über seine "Himmelsreisen". Als er in den dritten Himmel emporgehoben wurde (Hen/s. 8,1+), so berichtet der Prophet, sah er das himmlische Paradies:
"Da nahmen mich die beiden (Engel, L.A.F.), trugen mich in den dritten Himmel und setzten mich hier mitten im Paradiese ab, an einem wunderschönen Ort." (Hen/s. 8,1)
Aber auch im Neuen Testament stoßen wir auf eine Aussage, dass der Garten Eden irgendwo im dritten Himmel lag:
"Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde (...) Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde (...) Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann." (2. Kor. 12,2-4)
Etwas weiter oben war bereits davon die Rede, dass "der Vater des Alls" dem Engel Michael den Auftag gab, Adam ins Paradies zu heben - in den "dritten Himmel", wie es nun auch das Henoch-Buch und der zweite Brief an die Korinther bestätigen!
In den nun folgenden Versen bei Henoch (Hen/s. 8,2-7) beschreibt er die Bäume des Gartens und dass "Gott ruht, wenn er ins Paradies geht". Scheinbar, wie nach der Erschaffung der Welt im ersten Kapitel der Genesis, musste "Gott" tatsächlich dann und wann einmal ausruhen. Bewacht wurde er dabei auch, da das Paradies, so Henoch in Hen/s. 8,8, von Engel behütet wurde, die er als "hellglänzend" beschreibt.
Solche Beschreibungen können offensichtlich nicht mit dem Zweistromland übereinstimmen. Wo nun lag Eden? Im Himmel oder auf der Erde, oder aber beides. Ich werde in II.9 dieses Problem noch einmal aufgreifen, da diese Berichte nicht widersprüchlicher sein können.
Kapitel II
Schöpfungsmythen anderer Völker
II.1 Mesopotamische Überlieferungen wissen mehr
Wir haben im vorherigen Kapitel bereits gesehen, dass Mesopotamien (Sumer) die Autoren der Bibel indirekt beeinflusst hat. Zumindest liegen heute Funde aus diesem Landstrich vor, die eindeutige Parallelen zur biblischen Paradieslegende aufzeigen. Auch sind die Schöpfungsmythen der Babylonier oder Sumerer sehr aufschlussreich, da sie Details über die Menschheitserschaffung schildern.

Abbildung 4: "Rollsiegel der Versuchung" aus dem Land der Sumerer
Besonders bemerkenswert ist eine unter dem Namen "Rollsiegel der Versuchung" (Britisches Museum, London, Abb. 4) bekannte Siegelabrollung (Barthel, S. 42/Willms, S. 132), welche bei Ausgrabungen vor rund 80 Jahren im einstigen Land der Sumerer entdeckt wurde. Der Name der Darstellung sagt eigentlich schon alles über dessen Motiv: Sie scheint - mit etwas gutem Willen - die biblische Verführung von Eva durch die Schlange in Eden zu zeigen. Dies ist besonders aufschlussreich, da Mythen keine bildlichen Berichte sind, eine Siegelabrollung hingegen als bildliche Mythe betrachtet werden kann.
Dieses 4000 Jahre alte Relikt des sumerischen Volkes zeigt eine Frau, die links neben einem Baum sitzt, dessen herunterragende äste "Früchte" tragen. Hinter der Frau findet sich eine symbolische Schlange mit klar zu erkennenden Kopf (nicht bloß ein "Strich"), und der Mensch ist gerade dabei, eine Frucht vom Baume zu nehmen, denn er streckt den Arm in seine Richtung aus.
Sollten wir diese Darstellung konkret mit dem biblischen Geschehen in Verbindung bringen, was in gewisser Hinsicht durchaus legitim ist, so darf aber auf keinen Fall ignoriert werden, dass die abgebildeten Personen bekleidet sind. Nach alttestamentarischen Berichten waren die ersten Menschen jedoch zur Zeit ihrer vermeintlichen Übertretung nackt, was zugleich eine der Kernaussagen dieser Überlieferung darstellt! Auch kann anhand der "Hörner" der rechten Person diese aller Wahrscheinlichkeit nach als eine "Gottheit" identifiziert werden.
Es bleibt dennoch eine interessante Darstellung - wie praktisch alle Siegel Mesopotamiens. Rollsiegel wurden und werden zu Tausenden aus dem mesopotamischen Boden gegraben; sie sind nichts Besonderes. Einige von ihnen zeigen immer wieder, wie der Mensch nackt auf Feldern arbeitet. Daneben sind "Götter" abgebildet, die jedoch stets bekleidet sind. Diese ungewöhnlichen Siegel sind bildliche Legenden der Völker des Zweistromlandes. Denn einst, so berichten es zahlreiche Tontafeln, haben die "Götter" den Menschen als Diener, Arbeiter oder Sklaven erschaffen, da "die Götter gleich den Menschen die Arbeit verrichteten und sich abplagten". Diese Überlieferungen decken sich teilweise mit der Genesis, wie ich bereits in I.5 kurz erläuterte. In Drechsels "Bibel Lexikon" wird dies in knappen Worten geschildert:
"Um die Götter von lästigen Aufgaben zu befreien, erschuf er (der "Gott" Marduk, L.A.F.) die Menschheit aus Lehm und dem Blut des aufständigen Gottes Kingu." (S. 375)
Was die mesopotamischen Schöpfungsmythen ebenfalls so interessant macht, ist die Tatsache, dass sie teils überdeutliche Übereinstimmungen zum hebräischen Bericht aufweisen. Die Genesis-Schöpfung (Gen. 1,1-2) berichtet davon, dass die "Götter" irgendwie vorhandenes "Baumaterial" nutzen, um damit die Welt (oder die Kuppel im Meer) zu errichten. Den Menschen erschufen sie aus Schlamm, Lehm, Erde oder dem Ei - je nachdem, welches Wort wir nehmen möchten - nach ihrem Bilde.
In dem Jahrtausende alten Gilgamesch-Epos (Papke, S. 312 bis 377) der Sumerer und Babylonier stoßen wir ebenfalls auf eine Schöpfung aus Lehm. Der Eposheld Gilgamesch - ein "göttliches" Mischwesen (s. II.5) - sollte einen Gefährten erhalten, der von den "Göttern" künstlich erschaffen wurde:
"Die Hände wusch Aruru sich, kniff Lehm ab und legt’ ihn in die Steppe. [...] schuf Enkidu, den Helden, den Spross [...], ein Abbild Ninurtas." (I. Tafel, assyrisch, 2,34-35)
Betrachten wir uns morgens verschlafen im Spiegel, so sehen wir, laut Genesis, ein Wesen, das im prinzipiellen Aufbau den "Göttern" gleicht. Die sumerische Schöpfungsmythologie betrachtet ebenfalls den Menschen als ein Abbild der "Götter". Denn sumerische Schriften wissen von einem "göttlichen Rat" oder einer Versammlung zu berichten, auf der die Erschaffung des Menschen beschlossen wurde. Auch das "Popol Vuh"/"Popul Vuh" der Maya - um 1600 n. Chr. - (Sproul, östlich, S. 47 und auch Sproul, westlich, S. 249ff.), ferner Legenden der afrikanischen Suaheli-Völker (Sproul, westlich, S. 303, s. II.3) und der Islam beschreiben, dass die Schöpfung der Menschen auf einer Versammlung verschiedener "Gottheiten" und Engel beschlossen wurde.
Laut den Sumerern meuterten die arbeitenden "Götter", so dass dieses Treffen nötig wurde, um den Streit zu schlichten. Der "Gott" Enki (Ea), dessen häufiges Symbol die Schlange ist, teilte dabei den anwesenden "Gottheiten" mit, dass auf der Erde ein Geschöpf existiert, das sich für ihr Vorhaben eignen würde. "Wir müssen es nur mit dem Bild der Götter verbinden".
Dass hier von einer Erschaffung nach dem Bild der "Götter" berichtet wird, ist sicherlich - mit Blick auf die Genesis - sehr interessant. Das mesopotamische "Epos der Schöpfung" (das bekannte Enuma Elisch), wahrscheinlich das bekannteste Epos des Nahen Ostens, weist ausdrücklich darauf hin, dass der erste Mensch als ein "Primitiver" ("Lullu"), ein Arbeiter ("Lulu Amelu", "primitiver Arbeiter") geschaffen wurde, was sich scheinbar auch - zumindest versteckt - in der Genesis niedergeschlagen hat. Dies geschah in der sumerisch/babylonischen Schöpfungsmythologie nur, um "den Göttern ihre schwere Arbeit abzunehmen" (Staimer, S. 73). Folgen wir dem Enuma Elisch-Epos weiter, so erfahren wir auf der VI. Tafel deutlich, was auf dem "göttlichen" Treffen Wichtiges beschlossen wurde: Eine Mensch als Sklave muss her:
"Blut will ich binden an Blut, Blut an Gebein, Aufstellen will ich Lullu, Mensch sei sein Name. Erschaffen will ich Lullu, den Menschen! Es sollen ihm auferlegt werden die Götterdienste, sie sollen ausgeführt sein!" (Sproul, östlich, S. 119)
Und unmissverständlich an späterer Stelle im Enuma Elisch:
"Die Schwarzköpfigen sollen den Göttern auf Erden dienen, bedingungslos." (Sproul, östlich, S. 124)
Oder in einem ähnlichen, altbabylonischen Mythos:
"Erschaffe den Lullu und lass ihn das Joch tragen! Das Joch wird er tragen [...] Die Last der Schöpfung wird tragen der Mensch!" (Sproul, östlich, S. 132)
Die uralte Enuma Elisch-Überlieferung, die in den Ruinen der Stadt Ninive entdeckt wurde (Sproul, östlich, S. 94), schildert weiter, dass der "Gott" Marduk, der hier gesprochen hatte, mit der "Muttergöttin" in einem Haus verschwunden sein soll, um dort mit der schweren Arbeit der Menschheitserschaffung zu beginnen. Dieses "Haus" wird "Schimti" ("das Haus, wo Schicksale bestimmt werden") genannt, welches vom sumerischen "Schi.im.ti" abgleitet sein könnte (Sitchin, Planet, S. 348). "Schi.im.ti" bedeutet in der Übersetzung "Atem-Wind-Leben", wobei wir "Leben" (= "ti") ebenfalls mit "Rippe" oder "Lebenskraft" ("ti" bedeutet auch "Pfeil") übersetzen können. "Bit Schimti" lautet sogar "Das Haus, in dem der Wind des Lebens eingeatmet wird", was sich zweifellos mit der biblischen Schöpfung deckt:
"(...) und hauchte ihm in die Nase den Lebensatem, und Adam ward zum lebendigen Wesen." (Gen. 2,7)
Die "Göttin" Nin-ti, eine wichtige Persönlichkeit in dieser Mythologie, sollte nicht übergangen werden. Allein ihr Name sagt viel über ihre einstige Funktion in dem mesopotamischen Götterpantheon als "Muttergöttin" oder "Göttin der Geburt" aus: "Herrin/Dame der Rippe/Lebenskraft"...
Nach einer anderen Schrift erkrankte einst der "Gott" Enki sehr schwer, als er von verschiedenen Kräutern aß. Acht Organe oder Körperteile von ihm gaben den Geist auf und schmerzten, so dass der "Gott" dem Tode nah war. Wehmütig klagte er "Meine Rippe (oder "Lebenskraft") tut mir weh". Erst als die "Göttin" Ninti eine seiner Rippen nimmt, um mit dieser Enki wieder zu heilen, erlangt der "Gott" seine Kräfte zurück und überlebte sein Leiden.
Ninti/Nintu, die Frau von Ea (Enki), ist laut den Texten, wie etwa einem altbabylonischen Mythos, neben zahlreichen weiteren "Muttergöttinen" aktiv an der Schöpfung des Gottesdieners beteiligt gewesen, denn eine Hymne, ein Anruf an sie, macht es sehr deutlich:
"Die Götter riefen sie an, [...] die Mutter, die gnädigste der Gottheiten, die weise Mama: ,Du bist der Mutterleib, der die Menschheit erschafft. Erschaffe den Lullu (Arbeiter, L.A.F.) und lass ihn das Joch tragen! Das Joch wird er tragen [...], Die Last der Schöpfung wird tragen der Mensch!’" (Sproul, östlich, S. 132)
Der Mensch als arbeitender Diener der Himmlischen? In der Religion der Bhil (Indien) könnten diese Hinweis ebenfalls enthalten sein (sie kennen auch die Sintflut). Ihre Schöpfung erzählt von einem "Gott" mit Namen Bhagwan, der diverse Helfer erschuf. Diese jedoch verrichteten ihre aufgetragenen Arbeiten nicht, so dass er sie schlug und prügelte, um sie letztlich auf die Erde zu verbannen (gefallene Engel?). Dann entschied er sich, die Menschheit als Diener zu erschaffen und trug ihnen auf, seine Arbeiten zu erledigen und sich dabei auf keinen Fall an die vorherigen Helfer zu richten (König, S. 30).
Die Mythen über den bereits erwähnten Ort Midgard, in dem der Mensch entstanden sein soll, haben wir bereits kennengelernt. Aber auch hier ist der Mensch offenbar ein Arbeiter gewesen. Die folgenden Aussagen ähneln biblischen Texten sehr:
"Aus diesen Bäumen lasst uns Menschen (Ask und Embla, L.A.F.) machen, auf dass Midgard, die schöne, fruchtbare Erde, von ihnen und ihren Nachkommen bewohnt und angebaut werde(!) (...) Seht! (sprach Wodan zu den Menschen, L.A.F.) Das ist eure Heimat! Da sollt ihr fortan wohnen, Tiere zähmen und züchten, das Land bebauen und essen die Früchte der Bäume und des Feldes (...)" (Pinos, S. 17)
Zurück zur Genesis. Hier heißt es, dass "Gott" uns Menschen nach seinem Bilde erschuf. Die Schriften aus Mesopotamien wissen das gleiche zu erzählen, denn die "Götter" sollen einen aus ihren Reihen erwählt haben, um ihn als "Muster" für den Menschen zu benutzen:
"Nach seinem Muster sollen die Primitiven gemacht werden. Aus seinem Blut(!) machten sie die Menschheit, auferlegten ihr den Dienst, die Götter zu befreien (...)" (Fischinger, Zeiten, S. 63)
Nach den Zitaten der Religionswissenschaftlerin Barbara C. Sproul (USA), berichtet der obige altbabylonische/assyrische Mythos von der Erschaffung des Menschen aus Lehm und dem Blut eines geopferten "Gottes". Aber auch in ihrem Zitat (östlich, S. 138f.) heißt es, dass "der Dienst der Götter" für den Menschen bestimmt ist. Und Drechsel (S. 375) gibt dies in seinem Lexikon ebenfalls wieder. Manfred Lurker, Experte symbolischer und mythologischer Überlieferungen, bemerkt ebenfalls, (Symbole, S. 299f.) dass der Mensch in den mesopotamischen Berichten "manchmal mit dem Blut eines getöteten Gottes" und aus Lehm erschaffen wurde.
Konkretes ist der assyrischen Schöpfungsüberlieferung (um 800 v. Chr.) zu entnehmen. Die Anunnaki, "die großen Götter", wurden gefragt "was sollen wir erschaffen", worauf beschlossen wurde, eine "Gottheit" zu töten, um aus ihm die Menschen zu erschaffen:
"Wollen wir Lamga, den Doppelgott schlachten, von seinem Blut wollen wir die Menschheit erschaffen. Der Dienst der Götter sei ihr Teil (...)" (Sproul, östlich, S. 139)
Die biblische Schöpfung der Genesis geht lediglich in Vers sieben (Kapitel zwei) auf die Erschaffung Adams ein (s. I.4). Irgendwie soll er aus Lehm, Schlamm oder schlichtem Boden hervorgekommen sein - mehr ist leider nicht zu erfahren. Bei Eva ist es etwas anders, denn sie entstammte Adams "Lebenskraft" ("ti"), die der "Herr" ihm im Schlaf entnahm.
In akkadischer Sprache bedeutet "ti" auch "Lehm", die "Formerde". In Hebräisch, die Sprache der Bibel, ist "ti" der "Schlamm", und "bos" ist das entsprechende Synonym dafür. Es wurde von "bisa" ("Sumpf") und von "besa" ("Ei") abgeleitet. Wir könnten also die Erschaffung Adams auch so verstehen, dass sich der "Herr" eines "Eis" bediente, um daraus den Adam zu formen.
Angenommen, die biblische Schöpfungsgeschichte stimmt (in etwa), so ist die Tatsache, dass die "Götter" aus Mesopotamien "göttliches" Blut nahmen, recht bedeutsam. Altbabylonische Mythen überliefern dies sehr deutlich. (Sproul, östlich, S. 133ff.: "Er werde geformt aus Lehm, werde belebt durch Blut!)
Die Erbfaktoren des Menschen, die Gene, könnten auf diese Weise manipuliert worden sein. Dass die Menschheit durch "göttliches" Blut entstanden sein soll, hören wir immer wieder in den Mythen. Die Schöpfung des Adam aus "Lehm" oder ähnlichem, wie es die Genesis schildert, findet auch in sumerischen Überlieferungen ein Gegenstück. Wir erfahren dort, dass die Aufgabe, einen Diener der "Götter" zu erschaffen, genau geplant war:
"Im Lehm (oder "Ei", L.A.F.) sollen Gott und Mensch zu einer zusammengeführten Einheit verbunden sein; auf dass bis zum Ende der Tage das Fleisch und die Seele, die in einem Gott gereift ist - diese Seele an eine Blutsverwandtschaft gebunden sei; als ihr Zeichen sei Leben verkündet. Damit dies nicht vergessen werde, sei die Seele an eine Blutsverwandtschaft gebunden." (Sitchin, Planet, S. 349)
Die Aussage ist deutlich: Die menschliche "Seele" ist verwandt mit der der "Götter". Auch die etwas anders klingenden Eposübersetzungen von B. C. Sproul (östlich, S. 132f.) bestätigen die Sitchin-Übersetzung (die in der Paläo-SETI stark angezweifelt wird). Auch hier lesen wir von diesem "göttlichen" Schöpfungsakt. Können wir uns aber vorstellen, dass die "Seele", der "Geist" oder die "Persönlichkeit" - etwas nicht Greifbares - des Menschen "an eine Blutsverwandtschaft gebunden" sein kann? Wie schon beschrieben, suchten die "göttlichen" Mediziner einen "Gott" aus ihren Reihen aus, um "mit seinem Fleisch und Blut" "Lehm" zu vermischen (Sproul, östlich, S. 133), um so die Menschheit zu erschaffen.
Das Wort, das von den Gelehrten als "Seele" oder "Persönlichkeit" übersetzt wurde, ist "Te.e.ma.". Die buchstäbliche Übersetzung ist zwar verwirrend, aber dennoch interessant: "Das, dem das innewohnt, was die Erinnerung bindet".
Betrachten wir diese "Erinnerung" als Erbfaktoren - tatsächlich die "Erinnerung" an verschiedene biologische Eigenschaften -, so rückt der Mythos in ein völlig anderes Licht. Denn nicht die "Seele" des Menschen ist mit "Gott" verwandt, sondern die "Gene", die Träger des Erbgutes. Die Gene liegen aneinandergereiht zu der sogenannten Doppelhelix der DNS (Desoxyiribonukleinsäure). Diese winzigste DNS-Kette bestimmt alles in und an jedem Lebewesen. Nur vier verschiedene "Buchstaben", sie stehen in der Natur für vier unterschiedliche chemische Verbindungen, den sogenannten "Basen" (Adenyl-, Guanyl-, Cytidyl- und Thynidylsäure), verlaufen in unterschiedlicher Reihenfolge, so dass hier vom "genetischen Code" gesprochen wird. Diese zwei winzigen, in sich verschlungenen DNS-Ketten, die "Erinnerung", findet sich in jedem Zellkern, so dass "Te.e.ma." als "Zelle" oder "Zellkern" verstanden werden könnte. Völlig verständlich heißt es dann: "Die Zelle, dem das DNS innewohnt, das die Erinnerung bindet."!
Bei der Suche nach weiteren Hinweisen stoßen wir im islamischen Koran auf einige bemerkenswerte Verse über die Entstehung des Menschen, die vielleicht mit mesopotamischen Legenden etwas gemeinsam haben. Zumindest können wir auch im Koran eine genetische, sprich künstliche Schöpfung (aus "Samentropfen") erkennen, wie sie uns ähnlich von den mesopotamischen Völkern überliefert wurde. So sagt der Koran:
"Wir schufen den Menschen aus den im Samentropfen vermischten Geschlechtern, um ihn zu prüfen, und haben ihm Gehör und Gesicht gegeben." (76. Sure, Der Mensch, Vers 3)
Oder in der 16. Sure, Die Bienen, "Al-Nahl", Vers 5:
"Den Menschen schafft er aus Samentropfen (...)"
Und ganz deutlich in der 40. Sure, Der Gläubige, Verse 68:
"Er ist es, der euch zuerst aus Staub geschaffen hat, dann aus einem Samentropfen, dann aus geronnenem Blut und euch als Kinder aus dem Mutterleib werden (...) ließ."
Die Religionswissenschaftlerin B. C. Sproul hat in einem ihrer Bücher (östlich, S. 203) sogar dieses "geronnene Blut" als "Embryo" wiedergegeben.
Die Vermutung, einst hätten die "Götter" das Blut - und daraus die Erbfaktoren - eines "Gottes" benötigt, um die Menschheit zu erschaffen, wie es die Legenden in Mesopotamien erzählen, findet im Koran noch eine weitere Bestätigung:
"Lies im Namen deines Herrn, der alles geschaffen hat und den Menschen aus geronnenem Blut erschuf." (96. Sure, Das geronnene Blut, Verse 2-3)
Eine Mythe aus der neubabylonischen Epoche (ca. 600 v. Chr.), die in Sippar gefunden wurde und Teil eines Gesanges zur Tempelreichung war, kennt ebenfalls eine Zeit, in der es keine Menschen gab (vergl. I.5). Auch in dieser Überlieferung (Sproul, östlich, S. 140ff.) ist der Hinweis zu finden, dass die "Muttergottheit" Aruru (die auch Enkidu im Gilgamesch-Epos das Leben geschenkt haben soll) und der babylonische "Gott" Marduk "Menschensamen" machten.
Dass die alten Überlieferungen in der Tat einiges an sonderbaren Berichten über die Menschwerdung enthalten, ist sehr interessant. Ob nun Samen/Sperma oder Blut die Substanz der Schöpfung war, ist belanglos, denn die Genkette findet sich in jedem Zellkern des Körpers.
Ninti (Ninki), so lassen es die Schöpfungslegenden vermuten, war die wichtigste Person, die an der Erschaffung des Arbeiters "Mensch" beteiligt gewesen ist. Sie soll es gewesen sein, die den Menschen mit "dem Abbild der Götter" behaftete. Die sumerischen Schriften berichten uns auch, dass nicht nur eine "Geburtengöttin" an diesem Projekt arbeitete, sondern Ninti vierzehn ("sieben und sieben") "Geburtengöttinen" zur Seite standen. Diese "Göttinnen" waren, so ein etwas beschädigter assyrischer Mythos, "weise Frauen"und wurden in zwei Gruppen zu je sieben aufgeteilt:
"(Von den) [sieben] und sieben Mutterleibern, brachten sieben männliche Wesen, [sieben] brachten weibliche Wesen hervor. (...) Paarweise vollendete er sie, paarweise vollendete sie vor ihr." (Sproul, östlich, S. 234)
Der intelligente Mensch betrat durch künstliche "Verfeinerung", indem ein existierendes Wesen mit dem Bilde der "Götter" verbunden wurde, die Erde. Ein Arbeiter (Lullu) der "Götter" war geschaffen worden, und er konnte seinen Dienst antreten. Auch wenn babylonische oder sumerische Schöpfungslegenden die Erschaffung des Menschen detaillierter überliefern als der biblische Bericht, so sind doch klare Parallelen zu erkennen, was auch kaum von der Wissenschaft bestritten wird. Der Unterschied, dass die Genesis ihre überlieferten Geschehnisse als Machwerk eines "Gottes" ansieht, ändert an dieser Tatsache nichts. Auch wies ich bereits darauf hin, dass das Wort Elohim, welches in der Genesis verwendet wurde, "Gottheiten", eine Vielzahl von "göttlichen" Wesen beschreibt. Wenn man so will, ein Sammelbegriff für die mesopotamischen "Gottheiten".
Wo der Mensch das Licht der Welt erblickte, erfahren wir weder in der Genesis, noch in anderen Zweistromlandlegenden. Nach apokryphen Hinweisen lag das Paradies - wo Eva erschaffen wurde - nicht auf der Erde (s. I.9), sondern irgendwo im All. Von dort soll der erste Mensch auf die Erde gekommen sein. Auch die alten Sumerer oder andere Völker der Welt lokalisierten den Ort der ursprünglichen Menschheit in den unerfindlichen Weiten des Himmels. Stammen wir alle also nicht von der Erde?
II.2 Der Mensch aus dem Himmel
Im Koran ist zu lesen, dass Adam und Eva den Himmel verlassen mussten, nachdem sie die verbotene Frucht aßen. Bereits zitierte Textstellen apokrypher Schriften (s. I.9) sagen das gleiche aus, und die Sumerer nennen zusätzlich eine "Schöpfungskammer" ("Duku") hoch oben über den Wolken als Ursprungsort des ersten "Menschenpaares". Legenden von der Elfenbeinküste in Südwest-Afrika, der Eskimos am Noatak-Strom (Alaska) und nordamerikanischer Indianerstämme klingen erstaunlicherweise im Kern recht ähnlich. Auch hier wird von den ersten Menschen erzählt, die irgendwie vom Himmel auf die Erde gelangten.
Die Erschaffung des ("göttlichen") Menschen als Diener oder Arbeiter der "Götter" wurde uns in mesopotamischen Texten, wie sie zum Beispiel der Sumerologe Professor Samuel Noah Kramer übersetzte, recht bemerkenswert wiedergegeben. Ein wichtiger Schöpfungsakt soll in der himmlischen "Duku" geschehen sein, dort formten die "Götter" die "menschlichen Götter" "Aschnan" (Getreidegöttin, sumerisch auch "Emmer") und "Lahar" (Rinder- und/oder Schafsgottheit):
"In jenen Tagen, in der Schöpfungskammer der Götter, in ihrem Hause Duku wurden Lahar und Aschnan geformt. In jenen Tagen sagt Enki zu Enlil: Vater Enlil, Lahar und Aschnan, sie, die im Duku erschaffen wurden, lassen wir sie aus dem Duku hinabsteigen." (Krassa, Gott, S. 239)
Das erschaffene Paar Lahar und Aschnan wurde irgendwo oberhalb der Erde geschaffen. Dies geht aus dem Text eindeutig hervor, da sie zur Erde hinabstiegen! Aber folgen wir der Übersetzung weiter, so wird diese Tatsache weiter hervorgehoben:
"Auf das reine Wort Enlils und Enkis hin stiegen Lahar und Aschnan aus dem Duku hinab. Für Lahar errichteten sie die Schafhürde, Pflanzen und Kräuter in Fülle schenkten sie ihm. Für Aschnan errichteten sie ein Haus, Pflug und Joch schenkten sie ihr." (Krassa, Gott, S. 239f.)
Die zwei sonderbaren Wesen, die aus der "Himmelskammer" herniederstiegen, werden in der Moderne als "Götter" angesehen. Aschnan, zum Beispiel, war die Tochter der "Gottheit" Enki, die für die Lebensmittelversorgung der Menschen zuständig war. Dennoch weiß der sumerische Mythos davon zu berichten, dass diese "Kulturheroen" nur indirekte Nachkommen Enkis gewesen sein können, da er sie im Duku "formte", nicht "zeugte".
Vielleicht können wir annehmen, bei dieser Legende handelt es sich um "Adam und Eva", die bekanntlich aus dem Himmel vertrieben wurden und fortan auf der Erde arbeiten mussten.
Hinweise, dass das erste Menschenpaar als "göttlich" verehrt wurde, zumindest von den "Engeln" verehrt werden sollte, finden sich auch in apokryphen Büchern. So etwa im Buch Schatzhöhle, in dem steht, dass der "Herr" Adam einiges an Privilegien gönnte und er wunderschön anzusehen war (Priester, König und Prophet sollte er sein):
"Als die Engel dies Wort hörten, beugten sie alle die Knie und verehrten ihn (Adam)." (Scha. 2,25)
Oder die bereits erwähnte siebte Sure (Zwischenmauer) des Koran, Vers 12:
"Wir haben euch (den Menschen, L.A.F.) erschaffen, dann euch gestaltet, und darauf zu dem Engel gesagt: Verehrt den Adam; und sie taten also, mit Ausnahme des Iblis, des Satans, der nicht mit den Verehrenden sein wollte."
)
Oder an anderer Stelle im Koran:
"Darauf sagten wir zu den Engeln: Fallt vor Adam nieder! Und sie taten es (...)" (2. Sure, Die Kuh, Vers 35)
Eva und Adam sollten von den "Engeln" verehrt werden - schließlich waren sie Produkt der Elohim, also "göttliche" Geschöpfe. Mit Blick auf die mesopotamischen Schöpfungslegenden, in denen es über die Erschaffung heißt: "Es war eine unfassbare Arbeit", scheint die Verehrung des Menschen auch gerechtfertigt. Können die Duku-Wesen, Aschnan und Lahar, tatsächlich als "Adam und Eva" angesehen werden? Oder waren sie eine andere Art von Geschöpfen?
Erstaunlicherweise berichtet auch das Neue Testament etwas über einen "irdischen" und einen "himmlischen" Adam:
"Der erste Mensch ist aus Erde, ist Staub; der zweite Mensch stammt aus dem Himmel." (1. Kor., 15,47)
Es soll demnach einen zweiten Adam ("Der zweite Adam kam vom Himmel", so eine moderne Übersetzung, Deutsche Bibelgesellschaft 1982) gegeben haben. Auch andere Mythen der Welt, wie etwa der Popol Vuh, das Buch der Quiché Maya, berichten von einem Menschen aus Lehm (Sproul, westlich, S. 242), wobei diese Schöpfung nicht auf Anhieb gelang. Einige "Exemplare" mussten wieder vernichtet werden, was uns wiederum an die Sintflut erinnert. Warum also gab es einen zweiten Menschen?
Nach der Weltanschauung der im Regenwald von Zaire lebenden Ngombe-Indianer gab es am Anfang der Zeit keine Menschen auf der Erde. Alle lebten im Himmel:
"Am Anfang gab es keine Menschen auf der Erde. Sie lebten im Himmel mit Akongo (der Schöpfer, L.A.F.) und waren glücklich." (Sproul, westlich, S. 311)
Die Ngombe erzählen weiter, dass eine Frau mit ihren Kindern aus dem himmlischen Paradies (!) vertrieben wurde und fortan auf der Erde lebte.
Vielleicht würde die einstige Existenz eines "himmlischen Adams" (und/oder Eva) die Berichte über ein irdisches sowie ein himmlisches Paradies erklären (siehe I.8/9). Der Koran verlegt bekanntlich den ganzen Garten Eden (Paradies) in den Himmel. Von hier soll Adam auf die Erde gekommen sein, und er durfte nie wieder zum Ort seiner Schöpfung zurückkehren. Im Buch der Jubiläen erfahren wir sogar (Jubi. 3,9), dass "Adam vierzig Tage in dem Land, wo er erschaffen ward, zugebracht hatte", und dann erst in den Garten Eden kam. Eva soll erst "am achtzigsten Tag" das Paradies betreten haben (gleicher Vers).
II.3 Parallelen in globalen Schöpfungslegenden!
Es ist faszinierend zu erfahren, dass weltweite Legenden davon zu berichten wissen, wie in unbekannten Zeiten einmal die ersten Menschen oder Menschenpaare vom Himmel auf die Erde kamen! Nicht nur die Mythen der Bibel oder die Überlieferungen aus Mesopotamien haben einen gemeinsamen Kern, sondern dieser ist global zu finden. überall auf der Welt existieren mythische Überlieferungen, die teilweise starke Parallelen besitzen. Zum Beispiel kennen wir den bekannten Spruch der Bibel: "Es werde Licht, und es ward Licht" (Gen. 1,3). Im pazifischen Raum (etwa bei den Maois) finden sich zahllose Mythen mit ähnlichen Aussagen.
Auch in Theologenkreisen wird nicht bestritten, dass Schöpfungsmythen anderer Völker (nicht aber global!) der Bibel einst als Vorlage dienten:
"Die Elemente der Erzählungen stammen zum größten Teil aus dem Erzählgut des Volkes Israel, das er zum Teil aus den Mythen und Sagen anderer Völker entlehnt hat. Seit wann (...) wissen wir nicht." (Mertens, S. 108)
Wir haben bis jetzt nur einige "Mythen"-Teile aus den Weltreligionen betrachtet, die Ähnlichkeiten zur Genesis aufweisen, aber von diesen gibt es zahllose. Werfen wir also einen Blick auf diese Überlieferungen. Der Autor Niederhäuser ("Fremde Länder - Fremde Völker") hat zum Beispiel einige davon in einem Buch veröffentlicht, die wir uns kurz ansehen wollen.
So erzählt eine Legende der Eskimos vom Noatak-Fluss in Alaska, USA, nennenswerte Einzelheiten über die Erschaffung der Welt (Niederhäuser, S. 38 bis 45): Am Anfang der Weltschöpfung wird ein Wesen namens Tulungersaq erwähnt, das die Eskimos auch als "Vater Rabe" bezeichnen. Er soll (zuerst) ein anatomisch normaler Mensch gewesen sein, der zu Beginn der Zeit über die dunkle, lehmige "Erde" kroch. Es war finster, öde und leblos, so die Legende weiter, und da er sich einsam fühlte, "formte er aus Lehm eine Gestalt, die ihm gleich war"! Dieser Mensch aber gefiel dem "Vater Rabe" nicht, so dass er ihn in einen Abgrund warf, wo er zum bösen Geist wurde, von dem alle schlechten Geistwesen abstammen sollen.
Tulungersaq irrte weiter über die trostlose Erde, bis er sich für den schier bodenlosen Abgrund zu interessieren begann, in den er seinen ersten Menschen geworfen hatte. Deshalb schickte er einen kleinen "Sperling" hernieder, der ihm die Lage schildern sollte. Der Vogel kam mit der Nachricht zurück, dass dort unten ein neues Land liegen würde, "das gerade begonnen hatte, eine feste Kruste zu bilden"... So wie es die heutige Forschung über die Entstehung unserer Erde bestätigt.
Neugierig geworden, was dies für ein Land sein könnte, beschloss Tulungersaq, selber niederzusteigen. Er verwandelte sich in einen Raben - deshalb sein Zweitname "Vater Rabe" - und gelangte so auf die Erde. Das Land, von dem er kam, nannte er fortan "Himmel", und das Land in der Tiefe "Erde". Und die Legende beschreibt die Erde ähnlich wie die Genesis: als "öde und kahl".
Nun machte er sich daran, die Erde "in gleicher Weise wie das Land im Himmel" zu bepflanzen. Als er dies Werk vollendet hatte, begann er erneut, den Menschen zu erschaffen - diesmal aus Lehm!
Die Legende weiß außerdem noch von einer weiteren Menschenrasse zu berichten, die aus einer "Schote" geboren wurde. Diese sollen die Vorfahren der "stärksten Geschlechter der Erde" gewesen sein.
Am Anfang, so die Mythe der Eskimos, bestand "kein großer Unterschied zwischen Mensch und Tieren". Die Menschen konnten "zu Tieren werden" und Tiere sogar zu Menschen.
Um der neuen Menschheit ausreichend Nahrung zu beschaffen, schuf "Vater Rabe" zahllose Tiere aus "Lehm" und führte sie dem Menschen zu. ähnlich wie auch Adam in der Genesis von seinem "Herrn" den Auftrag bekam, allen Tieren Namen zu geben. Weiter dokumentiert die Schöpfungslegende, dass der "Rabe" seinen Geschöpfen alle Dinge des täglichen Lebens, wie Hüttenbau, Jagdkunst oder Schiffs- und Bootsbau lehrte.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Legende der Eskimos - hier nur das Wichtigste wiedergegeben - deutliche Parallelen zur biblischen Schöpfung enthält. Die Eskimos, Tausende Kilometer vom Nahem Ostern entfernt, kennen ein "Schöpfungswesen" (der "Rabe"), der im "Himmel" einen Menschen erschuf, den er aber letztendlich auf die "Erde" verbannte. Dieser "Rabe" bepflanzt die kahle und leblose Erde mit allerlei Pflanzen und erschuf neue Lebewesen, denen er verschiedene Dinge lehrte. Wir werden noch sehr klar sehen (Kapitel VII), dass das Buch Henoch tatsächlich davon berichtet, wie "Engel" oder "gefallene Engel" den vorsintflutlichen Menschen auf Erden in zahllosen Wissenschaften unterrichteten.
Eine Schöpfungslegende der Schwarzafrikaner von der Elfenbeinküste in Südwest-Afrika ist nicht minder aufschlussreich (Niederhäuser, S. 216 bis 220). So glauben diese, dass zu Beginn der Welt eine "Götter-Mutter" im Himmel lebte, die Niamye und Anangama, die ersten und höchsten "Götter"(Brüder), gebar.
Nun wird die Legende spannend: Denn, wörtlich, "durch Gottes Hand" wurde der Mensch im Himmel erschaffen, ebenso wie Tiere und Geisterwesen. Nach ihrer Schöpfung lebten sie hoch im Himmel "und vermehrten sich (...), bis es im Himmel zu eng wurde". Der höchste "Gott" sah sich gezwungen, gegen die Übervölkerung seines himmlischen Reiches etwas zu unternehmen, also beschloss er, die Erde aus "Staub" und "Wasser" zu formen. Zu Anfang, so die Überlieferung, in altbekannter Form:
"(...) war die Erde nur ein Schlammbrei, und erst allmählich trennten sich Wasser und Erde." (Niederhäuser, S. 216)
Stichwort Schlamm: Die animistische Religion der Ainu, die Ureinwohner Japans, kennt ein solches Szenario ebenfalls:
"Am Anfang war die Welt nur Schlamm, denn die Wasser und der Schlick waren ganz durcheinandergemischt. Alles war stumm, kein Ton zu hören, es war kalt, keine Vögel in der Luft, nirgends ein lebendes Wesen." (Sproul, östlich, S. 270)
Es sah zu Beginn der Welt bei den Ainu also ähnlich aus wie in der afrikanischen Legende - gleicher Inhalt, gleiche Quellen?! Diese Vermutung erhärtet sich, wenn wir einen Blick in das Popol Vuh der Quiche-Mayas werfen. Dort beginnt die Schöpfung mit den Worten:
"Alles schwebte in Schweigen, alles war in tiefer Ruhe, bewegungslos, still und leer war der Himmel. (...) Es gab noch keinen Menschen, kein Tier; es gab nicht Vogel, Fisch, Krebs, Baum, Stein, Höhle, Schlucht, Gras oder Wald. (...) Noch war das Antlitz der Erde nicht zu sehen. Nur das Meer staute sich, und der Himmel war da." (König, S,. 148)
Bereits hier sind biblische Elemente unverkennbar. Als sich jedoch der Schöpfer aufmachte, die Welt zu ordnen, werden diese Ähnlichkeiten noch klarer:
"Es geschehe! Dieses Wasser weiche und schaffe Platz. Es entstehe die Erde, sie ebene sich." (König, S. 148)
Und wie sollte es anders sein, die Schöpfer aus dem Popol Vuh stellten nach getan Arbeit fest: "Gut war es".
Aber zurück zur Elfenbeinküste: Nach einiger Zeit trocknete die Erde, und "Gott" schickte seine Frau Assie hinunter, damit sie dort herrsche. Dabei brachte sie auch Bäume mit, um mit ihnen die Erde zu bepflanzen. Die Tasache, dass einst "Götter" die Erde oder ein lokal begrenztes Gebiet (Garten Eden) kultivierten, ist uns bereits im Zusammenhang mit der "Gottheit" Enki und auch Marduk, sowie natürlich den biblischen Elohim begegnet. Gleichfalls ist auch eine Parallele zu zum germanischen Midgard zu erkennen, der später ebenfalls künstlich bepflanzt wurde.
Dann war es an der Zeit, die Menschen und Tiere dort anzusiedeln. An einer langen, starken Kette verließen sie den Himmel in Richtung Erde:
"(...) erst einen Mann, dann eine Frau, und so machte er es bei jedem Menschenvolk, das er im Himmel hatte(!), ein jedes an seinem Platz. Und jedem Menschenvolk gab er ein Paar von allen Tieren (...)" (Niederhäuser, S. 217)
Wie kaum anders zu erwarten, waren die ersten Menschen unwissend - ja dumm, wenn man so will. Erst als der "Gott" Anangama vom Himmel kam, um den Menschen zu zeigen, "wie dieses und jenes gemacht wird", waren sie in der Lage, wenigstens teilweise selbständig zu leben.
Anangama hatte seine Mission erfüllt und fuhr wieder in den Himmel auf. Von dort schickte er seine Frau zur Erde, damit sie sein Projekt beende. Diese jedoch bekam große Probleme, "denn sie wusste über ganz natürliche Dinge nicht Bescheid", so die Erzählung. Als Hilfe sandte Niamye nun einen "Geist" zu ihr, der mächtig und gut gewesen sein soll. Zahlreiche weitere Geistwesen folgten diesem. Aber mehr unabsichtlich, denn der "Gott" Niamye warf diese aus dem Himmel, da sich die Geister "im Himmel schlecht aufgeführt" hatten. Hier erkennen wir sehr deutlich, was schon in biblischen und außerbiblischen Schriften steht: Der Fall der Engel, angeführt vom Oberbösewicht Satan!
Und so wie die "gefallenen Engel" der biblischen Texte der Welt Unheil brachten, so geschah es auch in dieser Erzählung:
"Nach einiger Zeit sah Gott, wie die Menschen da unten auf der Erde miteinander Krieg zu führen begannen, und überhaupt viel Schlimmes geschah." (Niederhäuser, S. 218)
Sicherlich zeigt sich hier deutlich eine Verwandtschaft zur Genesis! Wie in der Bibel (Sintflut-Bericht), so kennt auch die schwarzafrikanische Legende eine Art Vernichtung oder Umgestaltung der Menschheit. Da viel Bosheit auf Erden regierte, wurden die "göttlichen Abfälle" und "Schmutz" vom Regen auf die Erde geschwemmt. Fortan soll, so die Legende, auch ein anderer "Gott" die Herrschaft über die Erde übernommen haben, da er es scheinbar besser machen konnte als der "Gott" Niamyes.
Selbst die Griechen wissen von derartigen Katastrophen (Nack, S. 51). Ihre mythischen Überlieferungen sagen, dass die ersten Menschen in perfekter Harmonie auf der Erde lebten. Doch dann wurden sie immer lasterhafter, ihr Glaube an die "Götter" schwand und die Erde wurde von Verbrechen und Unheil überschwemmt. Und wie anders sollte es kommen, der "Gottvater" geriet in "großen Zorn über die Untaten" und vernichtete die Menschen durch eine gewaltige Flut!
Nicht nur die Griechen kannten die Sintflut, sondern auch Indianerstämme in weit voneinander entfernten Ländern. So berichten etwa die Chiricahua-Apachen (Sproul, östlich, S. 68), dass die Menschen einst falsche "Götter" anbeteten:
"Deshalb erhob sich der Ozean und überflutete die Erde. So ertranken diese Menschen der alten Zeiten. Nur einige von ihnen wurden gerettet (...)" (Sproul, östlich, S. 68)
Wir sehen also deutlich: Schöpfungsmythen, selbst in den entlegendsten Winkeln unseres Globus, weisen teilweise die gleichen Kerne auf. Natürlich, und niemand will es bestreiten, existieren auch Schöpfungslegenden, die vollkommen anders gestaltet sind und selbst mit größter Kraft nicht mit dem Alten Testament übereinstimmen.
Eine knappe Legende über den Ursprung der Welt und des Menschen von der Osterinsel im südlichen Pazifik ist uns dank des Autors Francis Mazière ("Insel des Schweigens") erhalten geblieben. Sie hat auffallende Ähnlichkeiten mit der Genesis, die kaum mit dem lapidaren Wort Zufall erklärt werden können.
Auf der viel diskutierten und in Paläo-SETI-Kreisen gut bekannten Osterinsel beherrschte einst der "Gott" Make Make die Religion. Er war "Hauptgott" einer Gruppe von Wesen, die aber auch als vergöttlichte Urkönige angesehen wurden. Wie dem auch sei, Make Make galt vor Zeiten als Schöpfer der Welt und des Menschen als Mann und Frau. Wenn man so will, ein monotheistischer Ursprungsglaube.
So liest sich der Mythos "Die Erschaffung der Welt" wie eine komprimierte Fassung des ersten Schöpfungsberichtes der Genesis:
"Die Lüfte, die Dämpfe, die Leere. Das Nichts rundherum, die Meere, die Finsternis. Das erste Beben, das erste Wort, das Licht gebar, Kuihi-Kuaha (Eine Art Zauberformel, L.A.F.). Die Erde entstehe! Das Meer vergehe! Es komme die Sonne, das große Licht! Es komme der Mond, das kleine Licht! Es mögen die Sterne kommen, Kuihi-Kuaha! Es komme Make Make, der erste Mensch." (Mazière, S. 65)
Auch die Osterinsel-Legende berichtet uns in stark mythischer Form von einer ursprünglichen Welt ohne Licht und Leben. Hier werden ebenfalls Wasser und Land getrennt, und die Sonne als großes Licht, sowie der Mond als kleines Licht erschaffen.
Dann kam Make Make irgendwie in die Welt. Make Make wird als erster Mensch bezeichnet, obwohl außer Frage stehen dürfte, dass er auf der Osterinsel als "Gottheit" verehrt wurde. Wie auch die Legende der Eskimos vom Noatak-Fluss, die das Schöpferwesen "Vater Rabe" als einen Menschen, zumindest vom Aussehen her, bezeichnet, wird hier Make Make als Mensch betrachtet.
Dass Make Make nicht der erste Mensch war, weiß ein zweiter Mythos der Insel zu berichten. "Die Erschaffung des Menschen", so der Name der Legende, ist außerordentlich wertvoll, wenn wir nach vermeintlichen Überlieferungen mit gleichen oder ähnlichen Inhalten suchen:
"Make Make nahm eine Kalebasse, erblickte sich darin, sah sein Gesicht und rief: Make Makes erstgeborener Sohn! Ein weißer Vogel kam, setzte sich auf seine rechte Schulter und rief: Kuihi-Kuaha te anga a makemake! (Wiederum ein Zauberspruch, L.A.F.) Make Make tat Erde in eine runde Form, legte die Hand mitten hinein, um ein Loch zu machen, blies dann hinein in das Loch. Hervor kam daraus ein junger Mann, He repa. Sagte Make Make: Das ist nicht gut. Er schläferte He repa ein. Make Make nahm einen Bananentrieb. Er öffnete den Brustkorb He repas auf der linken Seite. Das Blut floss auf den Bananentrieb. Da hauchte Make Make den blutigen Bananentrieb an. Geboren wurde Uka, die junge Frau." (Mazière, S. 65f.)
Anhand der beiden Überlieferungen können wir erkennen, dass es scheinbar zwei Make Make gab. Zum einen den Schöpfer Make Make, und zum anderen sein erstgeborener Sohn Make Make. Der Make Make-Sohn, so ist es deutlich zu erkennen, schuf den Menschen, den ersten Mann, aus Erde, die er anblies. In vollkommener Übereinstimmung zu sumerischen bzw. biblischen Mythen gefiel es Make Make nicht, dass der junge Mensch alleine ohne Weib lebte. Also schläferte er ihn ein(!), nahm Blut aus seinem Brustkorb und formte daraus seine Gefährtin Uka.
Die Ähnlichkeiten zur Genesis springen geradezu ins Auge. Dennoch sei angemerkt, dass die Osterinsel und der Nahe Osten, die Gebiete des Alten Testamentes zigtausende Kilometer über Land und Meer voneinander getrennt liegen. Wie also ist diese Parallele zu erklären, wenn wir die mythischen Inhalte nicht als einstige Realität betrachten?
Gehen wir von der einsamen Osterinsel zu den Indianerstämmen am Missouri, USA. Verschiedene Volksgruppen dieser Gegend erzählen die Legende vom Schöpfer Tirawa, dem Herrn über "Triwawahut" ("Ausdehnung"), dem Universum (Niederhäuser, S. 242 bis 248). In sumerischen und anderen Texten erfahren wir von einer Versammlung der "Götter", auf der die Erschaffung des Menschen beschlossen wurde. Nichts anderes weiß auch die Missouri-Legende, in der es heißt, dass der Schöpfer alle anderen "Götter" um sich versammelte. Tirawa plante, seinen untergebenen "Göttern" eine wichtige Mitteilung zu machen:
"Jedem von euch werde ich seinen Platz am Himmel geben; einem jeglichen will ich Macht verleihen, denn ich will Menschen schaffen nach meinem Bilde(!), und diese sollen unter eurer Obhut stehen. Ich will ihnen euer Land geben, damit sie darauf leben können, und mit eurer Beihilfe soll für sie gesorgt werden." (Niederhäuser, S. 242f.)
Nach dieser Überlieferung, sollen die "Götter" allesamt zu Sonne, Mond und Sterne geworden sein, denen Tirawa ihre Plätze am Firmament zuwies. Dann machte er sich an die große Aufgabe, die Menschheit zu erschaffen. Die ersten Wesen, die "der Vater im Himmel" schuf, waren Menschen aus Stein, die ungeheuer schwer und groß wurden. Diese respektierten ihn nicht, so dass er sie in einer gewaltigen Sintflut ("großen Regen") vernichtete! Da sich diese Riesen wegen ihres Gewichtes und ihrer Größe nur schwer bewegen konnten, starben sie alle in der Flut, denn sie erreichten die Berggipfel nicht rechtzeitig.
Der Schöpfer beschloss, eine zweite Menschheit zu erschaffen. Aber auch diese entwickelte sich unkontrolliert und wurde so mächtig, dass er gar vor ihnen erschrak. Laut der Legende, "machte er sie sich allzu ähnlich", so dass der Schöpfer nur einen Ausweg sah: Er vernichtete sie allesamt wieder.
Der dritte Versuch brachte dann die gewünschten Resultate. Tirawa formte einen ersten Mann, dem es aber alleine auf der Welt "nicht ganz behaglich zumute" gewesen sein soll. Deshalb bekam er von seinem Schöpfer ein Weib geschenkt, mit dem er bestens zufrieden war.
Tirawa betrachtete sein erstes Menschenpaar und die von ihm erschaffenen Tierarten mit Wohlwollen. Die Legende weist ausdrücklich darauf hin, dass alles Leben im Himmel, dort wo ihr "Gott" wohnte, geformt wurde. Der Schöpfer rief nun einen "Blitz", mit dem Mensch und Tier mit einer "Wolke" und einem "gewaltigen Schlag" zur Erde niederfuhren.
Hier lebte der Mensch als Nomade und zog durch die Lande. Interessant ist auch, dass angeblich alle Menschen eine Sprache sprachen. Nach einem Krieg oder kriegerischen Zwischenfall, "sprachen die Menschen nicht länger eine Sprache". Sie teilten sich in acht Stämme auf, die sich untereinander nicht verständigen konnten, und so gingen alle ihre eigenen Wege. Die gleichen Geschehnisse finden sich auch in der Genesis. Auch hier sollen alle Menschen die gleichen Worte benutzen, bis sie schließlich durch eine große "Sprachverwirrung" durch "Gott" in alle Winde zerstreut wurden (ab Gen. 11,1).
Die Suaheli-Stämme aus Afrika, deren Religion vom Islam beeinflusst wurde, kennen eine Schöpfung, die ebenfalls sehr starke Ähnlichkeit zur Bibel zeigt. So überliefert ihre Mythologie, dass die Welt nach und nach erschaffen wurde, um sie zum Schluss mit Menschen zu bevölkern:
"Eines Tages rief er ("Gott", L.A.F.) seine Engel zusammen. Alle erschienen sie von seinem Thron und beteten das rituelle Morgengebet. Dann sprach der Herr: Es hat mir gefallen, den Entschluss zu fassen, ein Wesen zu erschaffen - mit einem Geist, wie ihr ihn habt, aber es soll aus Lehm bestehen. Ich werde es aus Erde formen, und auf der Erde soll es leben." (Sproul, westlich, S. 303)
Auch von der ägyptischen Hochkultur sind uns Schöpfungsmythen erhalten geblieben (Große Mysterien, S. 24ff.). In den Pyramidentexten (um 2400 v. Chr.), den Schriften der Sonnenpriester aus Heliopolis, dem einstigen Zentrum des ägyptischen Reiches, ist auch die Schöpfungslegende zu finden. Dort ist von einer grenzenlosen Finsternis, Einöde und Urflut die Rede, die am Anfang der Welt existierten. Dann erschuf der Himmelsgott Atum die ersten "Götter" Schu, "Gott" der Luft und Tefnut, "Göttin" der Feuchtigkeit.
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| Abbildung 5: Menschen werden auf einer "Töpferscheibe" geformt |
Auf einem 1805 gefundenen Basaltstein, dessen Inschrift eine Kopie älterer Texte ist und dessen neue Niederschrift von Pharao Sabakos in Auftrag gegeben wurde, wird vom "Gott" Path gesprochen, der alles erschuf. Wie in der biblischen Genesis, war Path "zufrieden, als er alle Dinge und alle göttlichen Worte geschaffen hatte." Aber weder dieser Stein, noch die bekannten Pyramidentexte enthalten konkrete Hinweise, wie der Mensch entstanden sein könnte.
Der Herrscher Amenophis III. (Ägypten, 1402 bis 1364 v. Chr.) ließ einst ein Relief anfertigen, auf dem ein Abbild des widdergestaltigen "Gottes" Chnum wiedergegeben wurde. Dieser formt mit seinen eigenen Händen den Menschen auf einer Art "Töpferscheibe" (Abb. 5). Als Gehilfin dieser großen Aufgabe ist auch die "Göttin" Hathor - die "Göttin" des Himmels und scheinbar auch eine "Muttergottheit" - teilweise zu sehen (Abb. 6), die in der Hand das Ankh, das Symbol des Lebens, hält. Offenbar treibt sie damit Chnum (auch Chnumu) irgendwie an (Große Mysterien, S. 27/Lurker, Symbole, S. 299).
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| Abbildung 6: "Muttergottheit", Göttin Hathor aus Ägypten mit einer "Töpferscheibe" |
Wider Erwarten hat das Volk der Ägypter, das alles mit Schriften und Reliefs schmückte, nur diesen spärlichen Hinweis auf die Erschaffung der Menschheit hinterlassen. Zwar haben die alten Schreiber der Ägypter wunderbare Hymnen und Huldigungen an unterschiedliche "Götter" hinterlassen (sie gehören teilweise zu den Meisterwerken der Weltliteratur!), aber eine reine, umfangreiche Überlieferung der Menschwerdung fehlt. Zumindest sind bislang keine weiteren gefunden worden. Dennoch hat es den Anschein, dass auch hier der Glaube entstand, der Mensch sei als Diener der "Götter" geformt worden, um ihnen Tempel zu errichten. Gleichfalls lassen sich Anspielungen erkennen, die vermuten lassen, dass auch die Ägypter an eine Erschaffung des Menschen aus Lehm glaubten. Die Abbildung des Chnum als "Menschentöpfer" rechtfertigt zumindest diese Annahme.
Ein ganz besonders erstaunlicher Schöpfungsbericht ist uns in einer Mythensammlung von Ovid (41 vor bis 18 n. Chr.) erhalten geblieben. Genau genommen lesen wir hier bereits moderne Erkenntnisse der Astronomie. Die Erzählung (Sproul, westlich, S. 97 bis 101) beginnt wie viele Schöpfungsberichte:
"Ehe das Meer und die Erde bestand und der Himmel, der alles deckt, da besaß die Natur im All nur ein Antlitz, Chaos genannt, eine rohe und ungegliederte Masse, nichts als träges Gewicht. Und geballt am nämlichen Ort disharmonierende Samen nur lose vereinigter Dinge." (Sproul, westlich, S. 97)
Hier begegnen wir dem in I.1 mehrfach erwähnten Chaos erneut. Der einstige Urheber der Mythe muss irgendwo erfahren haben, dass es vor der Erde nur die "rohe und ungegliederte Masse" gab. Wir wissen aber auch, dass andere Schöpfungen dies Chaos ebenfalls beschreiben!
Die Mythe aus der Hinterlassenschaft des Ovid erläutert nun die Trennung und Ordnung dieser Substanz, bis es an der Zeit war, die Erde zu erschaffen. Und hier sollten wir aufhorchen:
"Als so der Gott, wer immer es war, die Materie geordnet, so sie zerteilt und die Teile zu wirklichen Gliedern gestaltet, ballte er gleich zu Beginn die Erde, damit sie auf jeder Seite sich gänzlich gleiche, zur Form einer riesigen Kugel (!!)." (Sproul, westlich, S. 99)
Noch klarer geht es wirklich nicht! Der Schreiber wusste klipp und klar, dass die Erde ein Kugel ist, aus einer "ungegliederten Masse" entstand, und all dies von Gott erschaffen wurde. Diesen Gott kannte der Urheber dieses Mythos nicht, und es ist nur verständlich, da es der reale Gott war, der diese Schöpfung vollbrachte. Erst später werden die anderen "Götter" erschaffen. Und der Mensch betrat noch später die Erde, und zwar "nach dem Bilde der alles regierenden Götter" (Sproul, westlich, S. 101). Wie in der Genesis. Unglaublich.
Die Bambuti-Pygmäen aus Afrika besitzen eine Mythe über den Anfang der Menschen, der sogar von einem friedlichen Paradies berichtet (König, S 33f.)! Der "Gott" Mugasa "schuf die Menschen und lebte (...) im Paradies", bis sich die menschliche Frau (!) gegenüber ihrem Herrscher versündigte. Voller Zorn vertrieb Mugasa seine Menschen aus dem Paradies, die fortan von "Tod und Not" geplagt werden sollen. Noch interessanter ist die Feststellung, dass "Wild und alle Nahrungsmittel (...) vor ihnen fliehen würden". Dieses Ereignis ist uns auch in Gen. 3,1-19 beschrieben, wo es heißt, dass nach dem Sündenfall dem Adam "Dornen und Disteln" wachsen würden, und er im "Schweiße seines Angesichts" Nahrung beschaffen müsste! "Ewiges Leben" erhielt er auch nicht.
Eins sollte nach diesem kurzen Ausflug in die Mythologie unserer Ahnen deutlich geworden sein: Schöpfungsmythen der ganzen Welt weisen teilweise merkliche Ähnlichkeiten untereinander auf. Auch die Bibel, der Kern der Betrachtungen in diesem Buch, zeigt diese Parallelen. Durch irgendeine "Eingebung" hielten es die Menschen der Vergangenheit für nötig, recht ähnliche Sichtweisen über ihren Ursprung zu entwickeln. Dass naturverbundene Völker, wie etwa nordamerikanische Indianerstämme, ihre Schöpfung aus irdischem Material (Lehm, Erde etc.) annehmen, sollte nicht verwundern. Aber dass global zahlreiche Völker oder Volksgruppen praktisch das Gleiche zu berichten wissen, müsste eigentlich jeden stutzig machen. Die Bibel darf also nicht für sich allein betrachtet werden.
II.4 Adams Kinder und erste Frau
Kommen wir nun zurück zur Genesis und den zwei ersten Menschen: Jeder weiß, dass die alttestamentarischen Schöpfungsberichte von einem Mann - Adam - und seiner Frau - Eva - sprechen. Von diesen zwei Menschen sollen, glauben wir der Bibel, alle sechs bis sieben Milliarden Menschen der heutigen Erde abstammen. Folgerichtig ist die Erde ein Planet, auf dem Inzucht selbstverständlich ist - wir alle sind Brüder und Schwestern. Hier erheben Theologen den Finger: Nein, beide sind Symbolismen, Bildnisse für die gesamte Menschheit. Dies stimmt sicherlich, aber sehen wir uns dennoch die Überlieferungen genauer an. In II.7 rücken diese theologischen Symbolismen in ein völlig anderes Licht.
Eva schenkte nach der Vertreibung aus Eden zwei Knaben das Leben: Kain, der "Ackersmann" und Abel, der "Schafhirte" kamen auf die Welt. Abel wurde, so steht es in jeder Bibel, von seinem Bruder heimtückisch und hinterhältig ermordet (Gen. 4,1+), da "Gott" seine Opfergabe annahm, die des Kain aber schlicht ignorierte.
Dieser feige Brudermord, den "Gott" leicht hätte verhindern können, sollte natürlich nicht ungestraft bleiben, denn der Himmlische entschied, Kain in die unbekannte Wildnis zu verbannen. Hier sollte er "rastlos und ruhelos" umherziehen. Hätte der "Herr" denn nicht schon vor der Tat wissen müssen, dass Kain zum Mörder wird, wenn er sein Opfer nicht anschaut? Offenbar nicht.
In der Genesis erfahren wir, dass der "Herr" Kain nach seiner Tat aufsuchte, und ihn nach seinem jüngeren Bruder fragte:
"Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er antwortete: Ich weiß nicht. Soll ich meines Bruders Hüter sein?" (Gen. 4,9) Der "Herr" vermisste Abel und fragte deshalb Kain, wo er sich aufhalte. Kains Antwort an "Gott" persönlich klingt frech, schlicht "gottlos". Er belog seinen "Herrn" schamlos und fragte ihn dann auch noch, ob er etwa ständig auf ihn aufpassen soll.
Seine fadenscheinigen Antworten halfen ihm nicht, die Tat zu verschleiern, denn "Gott" wusste längst darüber Bescheid:
"Aber er sprach: Was hast du getan! Höre, deines Bruders Blut schreit auf zu mir aus dem Acker. So sei verflucht, verbannt von dem Acker, der seinen Schlund auftat, deines Bruders Blut zu schlürfen, das deine Hand vergoss! Wenn du den Acker anbaust, so soll er dir hinfort seine Fruchtbarkeit versagen; unstet sollst du durchs Land streichen." (Gen. 4,10-12)
Kain wurde daraufhin verbannt. Ruhelos musste er durch das Land ziehen, und der Ackerboden würde ihm fortan keine Erträge mehr bringen. Er wurde zum ersten Nomaden der Geschichte. Nach dieser Strafe sah auch er seine Schuld ein und klagte darüber, dass sie ihm zu groß sei, um damit zu leben (Gen. 4,13). Nun bekam Kain selber Angst:
"Sieh, du verbannst mich heute vom Angesicht der Ackererde, vor deinem Antlitz muss ich mich verbergen; unstet muss ich durch das Land streichen! Mir wird es so gehn: Wer mich trifft, schlägt mich tot." (Gen. 4,14)
Es wird spannend! Kain wusste, dass er von nun an ruhelos durch das Land ziehen würde und fürchtete, dass ihn jeder, auf den er trifft, umbringt. Wer aber sollte Kain etwas antun wollen? Laut der Genesis lebten nach dem Brudermord nur Adam, Eva und Kain selber. An keiner Stelle wird irgend etwas von weiteren Menschen berichtet, die für Kain hätten zur Gefahr werden können. Kain aber kannte offensichtlich andere Menschen auf Erden, und er fürchtete sich vor ihnen. Auch "Gott" ist sich im Klaren, dass "Familie Adam" die Erde nicht für sich alleine besitzt:
"Der Herr aber sprach zu ihm: Keineswegs! Jeder, der Kain tötet, an dem soll man es siebenfach rächen." (Gen. 4,15)
Kein Zweifel, "Gott" wusste, dass es noch andere Menschen gibt. Trotzdem ist der Vers sehr unverständlich. Denn jeder, der Kain tötet, soll siebenfach ermordete werden. Kain kann aber nur einmal sterben, und der vermeintliche Mörder wird kaum siebenfach von "Gott" erschlagen werden können.
Um sicherzugehen, dass auch wirklich niemand Kain ein Haar krümmt, gab der "Herr" ihm ein Zeichen. Jeder, der Kain oder seinen Nachkommen in Zukunft begegnen würde, soll daran erkennen, dass er unter "Gottes" Schutz steht:
"Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn nicht jeder töte, der ihn fände. Kain aber ging von dem Angesicht des Herrn hinweg und ließ sich im Lande Nod östlich von Eden nieder." (Gen. 4,15-16)
Dieses Zeichen, das Kain gegeben wurde, sehen moderne Exegeten oder Theologen als Tätowierung. Zecharia Sitchin vermutet in dieser Deutung eine kirchliche Ausrede. Er weist darauf hin, dass ein Tatoo nicht über Generationen hinweg vererbt werden kann; jedoch sind genetische Eigenschaften sehr wohl dazu in der Lage. Sitchin spekuliert, dass sich dieses Kainszeichen mindestens bis in die siebente Generation vererbt hat, was sicherlich nicht mit einer Tätowierung erklärt werden kann. Ich halte dieses Zeichen ebenfalls nicht für einen derartigen Schmuck. Wenn es aber doch eine Tätowierung war, so hat "Gott" gegen seine eigenen (späteren) Gesetze verstoßen (etwa Lev. 21,5), die wir im Buch Levitikus finden:
"(...) ihr dürft euch keine Zeichen einritzen lassen. Ich bin der Herr. (Lev. 19,28)
Ob er nun an der Stirn ein Tatoo bekam oder nicht, ändert nichts an den nun folgenden Ereignisse in der Genesis.
Kain war verbannt und zog durch die Lande. Dann plötzlich, ohne eine Vorwarnung, schlief er mit seiner Frau - wo aber kam diese her? Sein unbekanntes Weib aus dem Nirgendwo wurde schwanger und gebar Kains Sohn Henoch (Gen. 4,17). Und als wenn das plötzliche Auftauchen von Kains Frau nicht sonderbar genug wäre, wurde Kain nun auch noch Bürgermeister einer Stadt, die er seinem Sohn Henoch widmete:
"Kain erkannte seine Frau; sie empfing und gebar den Henoch. Kain wurde der Erbauer einer Stadt und gab der Stadt den Namen seines Sohnes Henoch." (Gen. 4,17) Es ist kaum vorstellbar, dass Kain alleine eine ganze Stadt errichtete, um mit seiner Frau und seinem Sohn Henoch dort zu leben. Zu einer Stadtgründung gehören zahlreiche Menschen, über deren Abstammung und Herkunft in der Genesis nichts zu erfahren ist. Sie kommen, wie Kains Weib, aus dem Nichts.
Natürlich mangelt es nicht an theologischen Erklärungsversuchen, um aus dieser Sackgasse wieder herauszukommen. Vielleicht, so wendet die Kirche ein, hatten Adam und Eva noch zahllose weitere Kinder, die nicht in der biblischen Schrift erwähnt werden, da sie zweitrangig waren.
Hatten die ersten Menschen also mehr als drei Knaben das Leben geschenkt (Kain, Abel und später Seth)? Die alttestamentarische Überlieferung ist ein reiner Widerspruch, denn niemand wird tatsächlich glauben, dass Eva drei Söhne geboren wurden, von denen zwei (Kain und Seth) die Welt besiedelten - ohne Frauen. Jedoch findet sich in der Schrift "Leben Adams und Evas" tatsächlich ein Hinweis, dass Adam und Eva zahlreiche direkte Nachkommen hatten.
Hier, in AuE. 23, heißt es, dass Adam zur Zeit des Brudermordes 130 Jahre alt gewesen sein soll. Abel hingegen wurde 122 Jahre alt, bis er der Tat seines Bruders zum Opfer viel. Adam lebte also acht Jahre kinderlos, und mit acht zeugte er seinen ersten Spross...(?)
Kain wurde von "Gott" in das Land Nod (von "nad", "ruhelos") verbannt, Abel war ermordet worden, und das erste Paar lebte wieder alleine. Später wurde Seth auf sehr merkwürdige Art und Weise der Eva geboren. Dazu jedoch später mehr (s. II.5).
In der außerbiblischen Adam und Eva-Schrift ist sogar davon die Rede, dass Adam insgesamt 63 Kinder hatte:
"Als Adam Seth erzeugte, lebte er noch 800 Jahre und zeugte dreißig Söhne sowie dreißig Töchter, 63 insgesamt. Und sie verbreiteten sich auf der Erde hin in ihren Völkern." (AuE. 24)
Dieser Vers weiß also, dass die Brüder Kain, Abel und Seth noch 60 weitere Geschwister hatten, von denen aber in der Genesis keine Rede ist. Die Vermutung, Kains Frau war seine eigene Schwester, die mit ihm in das Land Nod zog, findet seine Bestätigung ebenfalls in dem nichtkanonisierten Schriftgut. Vor mir liegt nun das Buch Schatzhöhle, in dem eindeutig von zwei Töchtern Adams und Evas berichtet wird, die mit Kain und Abel zusammen geboren wurden:
"Sie ward schwanger und gebar den Kain samt seiner Schwester Lebuda. Dann ward sie abermals schwanger und gebar den Abel samt seiner Schwester Kelimat." (Scha. 5,19-20)
Kain und Abel hatten demzufolge Zwillingsschwestern. Der Text überliefert weiter, wie Adam seinen inzwischen erwachsenen Söhnen sagte, dass Kain die Schwester Abels und Abel die Schwester Kains heiraten soll. Kain hingegen war damit nicht einverstanden, denn er wollte seine eigene Zwillingsschwester ehelichen, denn "Lebuda war nämlich schön", so Scha. 5,22. Diese Streitigkeiten werden in dem Buch u.a. als Hauptgrund für den hinterhältigen Brudermord genannt.
Kain nahm seine Schwester mit in die Verbannung nach Nod. Welche, ob Kelimat oder Lebuda, wird aber nicht erwähnt:
"Und so war er (Kain, L.A.F.) alle seine Lebenstage in Bedrängnis, und Gott vertrieb ihn ins Gefilde von Nod. Da nahm er seine Schwester mit und wohnte daselbst." (Scha. 5,31-32)
Anhand dieser Aussagen ist es durchaus gerechtfertigt, zu behaupten, dass Kains Frau seine eigene Schwester war. übrigens war es zur Zeit des Alten Testamentes (Genesis) völlig normal, die eigene Schwester zu ehelichen. Möglicherweise wurden die entsprechenden Textstellen auch nicht in die Bibel aufgenommen, da sie nicht mit den Vorstellungen von Moral und geregeltem Familienleben vergangener Schreiber oder Kirchenväter übereinstimmten. Bekanntlich, so lehrt es jeder Religionslehrer, war Eva Adams Weib. Sie stammte von ihm selber ab, und war die Erste Frau auf Erden überhaupt. Aber auch diese biblische Behauptung wird durch anderes Schriftgut widerlegt.
Uralte Überlieferungen der Sumerer wissen von einem dämonischen Geschöpf namens Kiskil-lilla zu berichten. Das babylonische Volk aus Mesopotamien übernahm später dieses weibliche Wesen als Lilitu oder auch Ardat-lili. Und nun wird es interessant, denn die Hebräer kannten diese Dämonin unter dem Namen Lilith, die nach dem heiligen Talmud (hebräisch = "Belehrung"/"Studium"), einer nachbiblisch/jüdischen Sammlung von religiösen Gesetzen, die erste Frau Adams war! In dieser Schrift, von der uns heute eine babylonische (Talmud Babli, 5./6. Jahrhundert n. Ch.) und eine israelische Version (Talmud Erez Jisrael, 4. Jahrhundert n. Chr.) vorliegt, erfahren wir, dass Lilith genau wie Adam entstanden sein soll, aus "Erde". Sie war von unglaublicher Weisheit und Kraft und soll riesengroß - eine Titanin - gewesen sein.
Die unmittelbar von "Gott" erschaffene Frau Adams lebte mit ihm in Eden - Eva gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Lilith war ein dämonisches Weib und besaß die Macht über "geheime, todbringende Zaubersprüche" und einen ominösen Vogel namens "Zu". Da sie von ihrem "Herrn" in gleicher Weise wie Adam erschaffen wurde - also aus "Lehm" -, weigerte sie sich, Adam zu gehorchen oder ihm zu dienen. Erst Eva, die aus Adams eigener "Lebenskraft" geformt wurde, war dem Mann "hörig".
Irgendwann hatte sie scheinbar das Zusammenleben mit ihrem Adam satt, so dass sie durch den Zauberspruch "Schem ammeforasch" in die Luft aufstieg. Adam klagte über den Verlust seiner Frau derart, dass "Gott" eine Gruppe seiner Engel aussandte, um sie wieder nach Eden zurückzubringen. Keiner der Engel, so die Überlieferung, war in der Lage, Lilith wieder einzuholen - sie entschwand im Himmel. "Gott" sah sich nun dazu veranlasst, Lilith zu bestrafen; schließlich hatte er sie zusammen mit Adam geschaffen, und sie gehörte zu ihm. Also mussten von nun an täglich 300 (auch 100 werden genannt, s. Vollmer, S. 314) ihrer Kinder sterben.
Erst an dieser Stelle setzt die Überlieferung der Genesis wieder ein, denn nun schuf "Gott" Eva aus Adams "Rippe". Vielleicht klärt die Überlieferung über diese Lilith den Vers Gen. 1,27, in dem eindeutig von einem gleichzeitigen Erscheinen von Mann und Frau berichtet wird. Später hingegen lesen wir in der Bibel, dass Eva lange Zeit nach Adam das Licht der Welt erblickte.
Als dann Eva einst vom Baum der Erkenntnis naschte, vertrieb sie der "Herr" aus dem Paradiese. Die Geschehnisse nach dem Sündenfall und der anschließenden Vertreibung sind weitgefächert. In der Bibel erfahren wir nicht sonderlich viel über das Leben des ersten Menschenpaares außerhalb von Eden, obwohl - wie ich bereits weiter oben gezeigt habe - noch einiges an Überlieferungen existiert.
Nach der rabbinischen Legende über Adams erstes Weib Lilith erhielt der Stammvater noch eine weitere Strafe für seine Sünde in Eden: Er wurde gezwungen, sich nun 130 Jahre lang mit Lilith zu vereinigen, wodurch zahlreiche dämonische Menschen und Riesen in die Welt gesetzt wurden, heißt es.
Ob er tatsächlich 130 Jahre mit seiner Exfrau verkehren musste, ist zweifelhaft. In den außerbiblischen Schriften finden sich einige verwirrende Zahlen- und Zeitangaben. So soll Adam zum Beispiel nach dem Buch Leben Adams und Evas (s. oben) acht Jahre gewesen sein, als er seinen ersten Sohn zeugte (AuE. 23). Glauben wir einem anderen außerbiblischen Buch (Apokalypse des Mose, AM.1) vergingen nach der Vertreibung aus Eden "achtzehn Jahre und zwei Monate. Dann empfing Eva und gebar zwei Söhne."
Wie dem auch sei, es ist belanglos, wie lange nun Adam und Lilith zwangsweise wieder zusammen waren (während Eva schon existierte!). Dennoch zeugten sie eine andere Rasse von "Menschen".
Warum die Kirche derartige Überlieferungen, die nun einmal vorhanden sind und von Adam berichten, nicht erwähnt, und sie schon gar nicht in der Bibel zu finden sind, ist recht deutlich: "Gott" erschuf Adam und Lilith - das Weib widersetzte sich ihrem Mann und ihrem Schöpfer - floh gar vor "Gott", so dass er sie nicht einmal trotz Unterstützung seiner Engel zurückholen konnte - dann erschuf "Gott" die neue Frau Eva - Lilith und Adam mussten (nach der Vertreibung) zusammen Kinder zeugen - diese waren böse Dämonen bzw. Riesen...
Sollte so Gott handeln?! Unvoreingenommen, mit "wissenschaftlicher Brille" betrachtet, scheint die gesamte Überlieferung eher ein Experiment der Elohim zu sein. So wurden ein Mann und ein Weib mit überlegendem Wissen, wie es die Legende berichtet, erschaffen. Die Frau widersetzte sich Adam und floh. Der "Herr" sah sich gezwungen, eine zweite Frau zu formen, dieses Mal jedoch aus dem "Leben" des Mannes. Eva und Adam aßen (durch die "Schlange") vom Baum der Erkenntnis, wurden wissend und scheinbar auch zeugungsfähig (Lilith und Adam waren bis zur Vertreibung aus Eden ebenfalls ohne Nachwuchs geblieben). Auch dass die Schlange in der Vergangenheit unbestreitbar mit phallischen Assoziationen belegt wurde und sich zuerst an die Frau Eva wandte, könnte durchaus auf einen verborgenen Fruchbarkeitsglauben hindeuten. Nach all diesen Ereignissen betrat Lilith erneut die Bildfläche, denn sie musste 130 Jahre mit Adam nichtmenschliche Wesen - eine fremde Rasse - zeugen. Erst dann gründeten Adam und Eva eine Familie.
Versuchslabor Erde? Auch andere Überlieferungen scheinen auf genetische Experimente hinzuweisen...
II.5 Himmlische Schwangerschaften - sonderbare Abstammungen
Adam und Eva hatten laut Genesis nach der Ermordung Abels keine weiteren Kinder mehr. Kain wurde von "Gott" vertrieben, stand jedoch weiterhin unter seinem "Zeichen" (Schutz), und das erste Menschenpaar lebte alleine. Nun betrat der dritte Sohn des ersten Menschenpaares die Bühne der Schöpfung. Es war der fromme Seth (oder Set, Schet).
Die Bibelübersetzungen nennen Adam als leiblichen Vater von Seth, was nach unserem bisherigen Verständnis natürlich auch nicht anders sein konnte, da er der einzige Mann auf Erde (plus Kain) war. Die Geburt des dritten Sohnes wurde von Adam und Eva mit Freuden erwartet - endlich sollten sie nicht länger alleine sein. In der biblischen Textstelle über die Geburt Seths erfahren wir bei genauer Betrachtung von einer bemerkenswerten Tat der Elohim:
"Adam erkannte abermals sein Weib, sie gebar einen Sohn und rief ihn mit Namen Seth (das ist: Setzling); denn, sagte sie, Gott hat mir einen anderen Spross gesetzt anstatt Abels, weil ihn Kain erschlug." (Gen. 4,25)
Die Aussage dieses Verses, der sich aus zwei verschiedenen Versen zusammensetzt, ist sehr deutlich: Adam "erkannte" seine Eva und sie wurde schwanger. Ihren Sohn nannte Eva "Seth" ("Setzling" bzw. "Eingesetzter"), denn, und hier sollten wir aufhorchen, "Gott" (im hebräischen Text steht hier Elohim, "Götter") setzte ihr einen Sprössling ein! Zwar erfahren wir, dass Adam selber Geschlechtsverkehr mit seiner Frau hatte, aber noch im gleichen Vers wird das Kind "Gottes" Wirken zugesprochen.
Gen. 4,25 klingt je nach Bibel recht unterschiedlich, was sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass hier zwei Verse miteinander verschmolzen wurden. Der evangelische Theologe und Autor Walter-Jörg Langbein übersetzte den entsprechenden Vers selber aus dem Hebräischen ins Deutsche, und seine wörtliche Übersetzung ist inhaltlich zwar sehr ähnlich, weist jedoch beachtenswerte Unterschiede auf:
"Und Adam schwängerte nochmals seine Frau, und die gebar einen Sohn, den nannte sie Setzling (auch Eingepflanzter), denn gesetzt haben mir die Götter (Elohim, L.A.F.) fremden Samen für Abel, welchen der Kain erschlug." (Langbein, Syndrom, S. 22)
Nach dieser Version wurde der ersten Frau nicht ein Spross oder Nachwuchs eingesetzt, sondern fremder Samen! Wer aber gab Adams Weib diesen Samen oder das Sperma? Die Antwort ist eindeutig: Die himmlischen "Götter", die Elohim der Genesis, die Wesen des Himmels! Zwar ist aus diesen "göttlichen" Wesen - dank des Monotheismus - ein einzelner "Gott" geworden, aber die hebräische Schrift nennt diesen nicht.
Wurde Seth demnach durch eine künstliche Befruchtung geboren, wie sie heute unlängst machbar ist? Weitere Hinweise, die ebenfalls einen derartigen Schluss zulassen, finden sich auch in anderen Schriften und Überlieferungen unserer Ahnen.
Das 5. Kapitel der Genesis ("Die Patriachen vor der Sintflut", oder ähnlich) dokumentiert uns die "Nachkommen Adams" (Gen. 5,1+). Und am Ende dieser Ahnreihe findet sich der Held der biblischen Sintflut Noe oder Noah (= "Ruhe"?), dem die Söhne Sem, Cham und Japhet zugesprochen werden.
Dieser Noah ist uns bestens bekannt, denn er und seine Familie wurden von "Gott" auserwählt, als einzige die große Flut auf einem Schiff zu überleben. Alle anderen Menschen sollten jämmerlich ertrinken.
Noahs Vater war Lamech, der Sohn des Methusalem, der laut Altem Testament (Gen. 5,27) stattliche 969 Jahre alt geworden sein soll - der älteste Patriarch der Bibel. Den Bericht über die eigentliche Geburt des Helden Noah finden wir im 5. Kapitel der Genesis beschrieben:
"Lamech war hunderzweiundachzig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn. Er gab ihm den Namen Noach; denn, sagte er, dieser wird uns Trost verschaffen in unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände aus dem Ackerboden, den Gott verflucht hat." (Gen. 5,28-29)
Lamech, der im wahrhaft biblischen Alter von 777 Jahren das Zeitliche segnete, wird uns in diesen Versen unmissverständlich als Vater Noahs genannt. über die Identität von Lamechs Frau, der Mutter Noahs, schweigt die Genesis sich aus. Wir können aber dem 4. Kapitel entnehmen, dass Noahs Vater zu den Nachkommen Kains gehörte und sich zwei Frauen nahm. Die erste war Ada und die zweite Zilla. Ada bekam zwei Söhne, einen namens Jabel, der - wie Kain - der Stammvater der Nomaden geworden sein soll (Gen. 4,20) und seinen Bruder Jubal. Der Knabe von Zilla war Tubal-Kaijn (Kain), der "Stammvater" der Schmiede, der eine Schwester mit Namen Naama hatte (Gen 4,22). Von Noah leider keine Spur, obwohl er gleichfalls Lamechs Nachkomme war...
Wie sollte es anders sein, die apokryphen Schriften des Alten Testamentes liefern wertvolle Hinweise über Noahs Abstammung. Auch seine Mutter wird namentlich genannt, sie hieß Bat-Enoch.
Im "äthiopischen Henochbuch" (entspricht "Hen.") lesen wir ab Hen. 106,1+ eine interessante Geschichte über Noah und seinen Menschentyp, die wir uns beide an dieser Stelle näher ansehen wollen. Glauben wir den Versen in der Henochschrift, war Noah ein völlig fremdartiger Mensch, der den Engeln des Himmels ähnlich war. Selbst Lamech - laut Genesis sein Vater - fürchtete sich vor ihm und hatte Bedenken, Noah als eigenen Sohn zu akzeptieren. Aber lassen wir die alten Texte, die erstaunlicherweise in der Ichform geschrieben sind, selber sprechen:
"Nach einigen Tagen nahm mein (Henochs, L.A.F.) Sohn Metusala ein Weib für seinen Sohn Lamech; sie ward von ihm guter Hoffnung und gebar einen Sohn." (Henoch, Hen. 106,1)
Dieser Spross war Noe (Noah), der überlebende der verheerenden Flut, dem die Henochschrift bemerkenswerte Eigenschaften zuschreibt:
"Sein Leib war weiß wie Schnee und rot wie eine Rose, sein Haupthaar weiß wie Wolle und seine Augen wie Sonnenstrahlen. Wenn er seine Augen öffnet, dann erleuchtet er gleich der Sonne das ganze Haus, und das ganze Haus ward sehr hell." (Hen. 106,2)
Eine sonderbare Beschreibung, die uns hier erzählt wird! Noah, der erste Albino der Geschichte? Vielleicht... aber wir stoßen zum Beispiel in der Offenbarung (Apokalypse) des Johannes auf eine ähnliche Beschreibung. Dort erfahren wir, wie ein sonderbarer "Thron" mit viel Lärm vom Himmel niederstieg, indem sich ebenfalls ein solcher "Mensch" befand (s. auch Teil III.7):
"Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie Wolle, leuchtend weiß wie Schnee, und seine Augen wie Feuerflammen." (Off. 1,14)
Bei Noahs Geburt geschah noch etwas ganz Außergewöhnliches, denn kein Kind der Welt kann in den Armen seiner Hebamme sprechen. Noah durchaus:
"Darauf richtete er sich in den Händen der Hebamme auf, öffnete seinen Mund und redete mit dem Herrn der Gerechtigkeit." (Hen. 106,3)
Lamech wusste nicht, was geschah, wie konnte sein Junge so einfach sprechen? Er bekam es mit der Angst zu tun und floh zu seinem Vater Metusala (Hen. 106,4). Ihm offenbarte er seine Sorgen - vielleicht wusste der weise Metusala ja Rat? Sicherlich sehr erregt sprach Lamech zu seinem Vater:
"Ich habe einen merkwürdigen Sohn; er gleicht nicht einem Menschen (!), sondern den Gottessöhnen des Himmels(!!) und seine Natur ist verschieden; er ist nicht wie wir; seine Augen gleichen Sonnenstrahlen und sein Antlitz ist majestätisch." (Hen. 106,5)
Lamech zweifelt, und wer würde es ihm übelnehmen, an seiner Vaterschaft. Er unterbreitete seinem Vater, dass er mit Sicherheit nicht der tatsächliche Erzeuger dieses Kindes sein kann, und dass "in seinen Tagen auf Erden ein Wunder geschieht".
Nun bat er Metusala, seinen Vater, er möge zu Henoch gehen, "er wohnt ja bei den Engeln."
Metusala wandte sich ratsuchend an Henoch, seinen Vater, und berichtete ihm von der "beunruhigenden Erscheinung" und "beängstigenden Sache" über Noahs Geburt. Noch einmal lesen wir im Henochbuch, dass Noahs "Gestalt und Natur nicht der eines Menschen gleicht" (Hen. 106,10), sondern "ein Abbild der Engel des Himmels sei" (Hen. 106,12), so wie es u. a. die Beschreibung aus Off. 1,14 vermuten lässt.
An anderer Stelle im Buch Henoch (Hen. 71,1) werden Engel (= Wächter) des Himmels beschrieben, deren Antlitz "leuchten wie Schnee". Ob auch Noah diese Eigenschaft besaß, da er den Engeln geglichen haben soll?
Der Prophet Henoch, der zu seiner Zeit ein Mann von unermesslichem Wissen war (s. Kapitel VII), prophezeite seinem Sohn Matusala die kommende Sintflut. Er berichtete ihm auch, dass Gottessöhne des Himmels Kinder mit Menschenfrauen zeugten (Hen. 106,14) und "Gott" sie durch die große Flut vernichten würde (vergl. Gen. 6). Metusala sollte seinen Sohn Lamech beruhigen, denn sein Kind ist auserwählt, die Katastrophe zu überleben und "die Erde nach all der Vernichtung (zu) trösten". (Hen. 107,3)
Henoch, und das ist interessant, erzählte Metusala, dass die Sünde durch die Flut vertilgt werden würde. Aber "danach wird die Gottlosigkeit noch weit größer werden als die, die zuerst auf Erden begangen ward". Folgerichtig war die Flut völlig überflüssig, da sie nichts nutzte.
Noah - dies lässt sich zweifelsfrei aus den Versen entnehmen - war ein Mensch mit ganz außergewöhnlichen Eigenschaften, die ihn eigentlich nicht als richtigen Menschen erscheinen lassen. Er soll den himmlischen Engeln geglichen haben. Dennoch wies Henoch seinen Sohn an, dem Lamech zu sagen, dass Noah "wirklich sein Sohn ist". Wie konnten aber Lamech und sein Weib ein derart fremdes Kind bekommen?
Das Rätsels Lösung ist ähnlich gelagert wie bei der Geburt Seths, bei der Eva den fremden Samen eingesetzt bekam.
Die sogenannte Lamech-Rolle, ein fragmentarisches Schriftstück aus den Höhlen von Qumran, enthält ebenfalls einen Bericht über Noahs sonderbare Geburt, ziemlich ähnlich wie im Henochbuch. Nach der zweiten Kolumne dieser Qumran-Rolle kann Lamech gar nicht der Vater Noahs gewesen sein, denn er kehrte nach einer über neun Monate langen Reise zurück zu seiner Frau Bat-Enoch, wo er den ominösen Knaben vorfand. Sofort beschuldigte er seine Frau, sie sei ihm untreu gewesen und das Kind in seinem Haus nicht seines - wie sollte es auch? Verbittert kam er zu dem Schluss, dass Bat-Enoch ein Kind der "Wächter" ("Nefilim", "Die Hinabgeworfenen") sein müsse und stellte seine Frau zu Rede:
"Ich möchte, dass du schwörst, beim Allerhöchsten, beim obersten Herrn, dem König aller Welten, dem Führer der Söhne des Himmels, dass du mir die Wahrheit sagst (...)"
Bat-Enoch wich Lamechs Fragen aus und appellierte an sein Herz, er möge sich an ihre "empfindliche Gefühlslage erinnern". Nach eingehender Bedrängung durch ihren Mann antwortete sie ihm schließlich:
"(...) ich lasse alle meine zarten Gefühle außer acht und schwöre dir beim Heiligen und Großen, dem Herrn des Himmels und der Erde, dass dieser Samen von dir kam, die Empfängnis durch dich geschah und diese Frucht von dir gepflanzt wurde und nicht von irgendeinem Fremden oder von irgendeinem der Wächter oder himmlischen Wesen (!)."
Immer wieder wird es deutlich, Noah war ein Abkömmling der Himmelssöhne, auch wenn Bat-Enoch dies bestritt. Die Bestätigung dieser Behauptung findet sich ebenfalls in der Qumran-Rolle, denn, wie auch im Buch Henoch, geht Metusala zu seinem Vater Henoch, dem Großvater Lamechs und unterbreitet ihm das Problem. Henoch aber gab Metusala den Auftrag, seinem Sohn auszurichten, dass der Same von den "Wächtern des Himmels" in den Schoß von Bat-Enoch gelegt wurde!
Noah, der von "Gott" auserwählt wurde, eine neue Menschheit zu begründen, soll künstlich von den "Wächtern" oder besser Nefilim erschaffen worden sein. Die Umstände, die zu der Geburt des Sintfluthelden führten, finden sich leider nicht in der alttestamentarischen Überlieferung. Aber anhand der außerbiblischen Quellen und der Qumran-Rollen zeichnet sich hier ein deutliches Szenario ab: Eine künstliche Befruchtung, wie bei Seth.
Wir haben bereits die Bhil aus Indien kennengelernt, die offenbar den Menschen als einen Arbeiter des "Gottes" Bhagwan betrachten. Auch nennt der Schöpfungsbericht dieser Religion eine Vertreibung von diversen "Untergöttern" auf die Erde, die wiederum an Gen. 6 erinnert. Erstaunlich ist aber ihre Erzählung über eine große Flut (König, S. 30), die einen klaren Kern zum biblischen Geschehen enthält. Denn, als die Flut hereinbrach, wurde ein Geschwisterpaar von Bhagwan gerettet, welches er nach Rückgang des Wassers anwies, wie es sich zu vermehren hatte. Und so wie Noah künstlich erschaffen wurde, formte auch Bhagwan dieses Paar künstlich! Diese Schöpfung soll sogar, so sagt es die Legende, mit "Lehm" geschehen sein, was auch mesopotamische Mythen der Menschwerdung deutlichst betonen (s. II.1)!
Vielleicht wurde auch lange, lange Zeit später der Enkel Abrahams auf diese Art geboren. Abrahams Sohn war Isaak, dessen aramäische Mutter Rebekka, die Tochter von Betuel aus Paddan-Aram gewesen sein soll (Gen. 25,19-20). Als
Isaak sechzig Jahre als war (Gen. 25,26), bekamen er und Rebekka Zwillinge, obwohl das Paar zuerst kinderlos blieb (Gen. 25,21).
Bekanntermaßen wünschten sich die beiden aber Kinder, da Isaak den "Herrn" anbetete, damit seine Frau ihm Erben schenkt. Das Gebet wurde erhört und Rebekka wurde mit zwei besonderen Kindern schwanger. Denn als sie sich an "Gott" wandte, gab er ihr zur Antwort:
"Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Stämme trennen sich schon in deinem Schoß. Ein Stamm ist dem anderen überlegen; der ältere muss dem jüngeren dienen." (Gen. 25,23)
Als Rebekka schließlich gebar, erhielt sie einen sonderbaren Spross, den sie Esau nannte. Er soll rötlich und "über und über mit Haaren bedeckt" gewesen sein, "wie ein Fell", so Gen. 25,25. Sein Zwillingsbruder war der bekannte Jakob, von denen die Israeliten abstammen sollen. Von diesem sonderbaren Esau stammen angeblich alle Edomiten ab, die von dem israelitischen König David (ca. 1010 bis 970 v. Chr.) unterdrückt wurden (2. Sam. 8,13-14). Erst unter König Joram (ca. 848 bis 841 v. Chr.) konnten sie sich aus der Hand der Israeliten befreien (2. Kön. 8,20-22).
Da aber beide Kinder bzw. Völker von derselben Mutter geboren wurden und diese erst mit "Gottes" Hilfe gebären konnte, ist es natürlich verwunderlich, dass Jahwe Rebekka diese einsetzte, obwohl es nach Gen. 25,23 auf der Hand liegt, dass er wusste, dass sich die Völker in Zukunft unterdrücken würden. Vielleicht war der sonderbare Esau - dessen hebräischer Name ("Esaw") übrigens "Behaarter" bedeutet (Mertens, S. 156) - nicht geplant, als Jahwe Rebekka künstlich befruchtete. Denn im Buch Maleachi erfahren wir sogar, dass "Gott" "seinen" Sohn Esau hasste:
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