Kitabı oku: «Sein»

Yazı tipi:

Sein erotischer Roman

www.Elysion-Books.com

Lilly Grünberg

Unter verschiedenen Namen hat sich die Autorin Lilly Grünberg in die Herzen der Erotik- und SM-Leser aber auch in die der Fantasy-Liebhaber geschrieben.

Unter dem Namen »Lilly Grünberg« sind bei Elysion-Books bisher die Romane »DEIN« und die überarbeitete Neuauflage von »Verführung der Unschuld 1« erschienen, sowie eine Kurzgeschichte in der Anthologie »Nuancen der Lust«. Eine Neuauflage von »Begierde« ist für 2013 geplant, eine Fortsetzung von »Verführung der Unschuld« für 2014.

Aktuelle Infos unter www.lilly-romane.de

Lilly Grünberg

Sein

– erotischer Roman –


www.Elysion-Books.com

WWW.ELYSION-BOOKS.COM ELYSION-BOOKS TASCHENBUCH BAND 4053 1. Auflage: Juni 2013 VOLLSTÄNDIGE TASCHENBUCHAUSGABE ORIGINALAUSGABE © 2013 BY ELYSION BOOKS, GELSENKIRCHEN ALL RIGHTS RESERVED

Sämtliche Namen, Orte, Charaktere und Handlungen sind frei erfunden und reine Fiction der Autoren/innen. Alle Ähnlichkeiten mit Personen, lebend oder tot, sind Zufall.

UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert

www.dreamaddiction.de FOTO: © fotolia/Lwilliamlangeveld und fotolia/konradbak LAYOUT & WERKSATZ: Hanspeter Ludwig www.imaginary-world.de

PRINTED BY OPOLGRAF

ISBN 978-3-942602-32-7

eISBN 978-3-942602-79-2

Mehr himmlisch heißen Lesespaß finden Sie auf:

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Inhalt


Das Feierabendspiel

Wieder allein

Die Kosmetikerin

Eine erotische Strafe

Die BDSM-Party

Die Voyeurin

Zwiespältige Gedanken

Quälende Nächte

Ein unmoralisches Angebot

Das Wiedersehen

Ruben, der Dominus

Ausgeliefert

Erotische Qualen

Verfluchte Zweifel

Mut zum Risiko!

Verwirrung

Abenteuer Sklavenausflug

Eine heiße Wanderung

Morgenstund’

Geheimzugang

Showtime – eine perfekte Sklavin

Das Feierabendspiel


Lachend versuchte Nadine sich aus der Umarmung ihres Ehemanns zu befreien. Prinzipiell hatte sie nichts dagegen einzuwenden, dass er Sex haben wollte. Einen aufregenderen Liebhaber als ihn gab es nicht. Jedenfalls war sie vor ihm nie mit einem zusammen gewesen, der mehr Leidenschaft und Fantasie gezeigt hatte. Zudem hatten sie sich drei Tage lang nicht gesehen, weil Laurin geschäftlich unterwegs gewesen war, weshalb ihr Hunger nach intimem Zusammensein groß war.

Laurin löste mit einer Hand seine Krawatte, ohne den Druck des anderen Armes, den er um ihre Taille geschlungen hatte, zu lockern. Als Rechtsanwalt war er stets makellos gekleidet, wie es bei Gericht und Kundschaft von ihm erwartet wurde, ohne dabei zu steif und unnahbar zu wirken. Seine Anzüge waren modern geschnitten und machten ihn zu dem, was er war: ein etwas eigenwilliger und zuweilen recht strenger, für Nadine aber vor allem liebenswerter Mann.

»Komm schon, hast du mich denn nicht vermisst?«

»Du weißt, dass ich dich immer vermisse.« Nur – der Zeitpunkt war denkbar ungünstig. In nicht mal einer Dreiviertelstunde hatte sie ihren Termin und sie wollte auf keinen Fall unpünktlich sein oder unter Stress nach einem Parkplatz suchen müssen.

Was für ein Zufall, dass sie und Laurin sich ausgerechnet jetzt im Eingangsbereich ihres Hauses begegneten. Gerade als Nadine aus dem deckenhohen Schuhschrank die Wahl unter ihren unzähligen Pumps traf, hatte sich sein Schlüssel im Türschloss gedreht.

»Nicht jetzt, mein Schatz. Ich muss los, sonst komme ich zu spät.«

»Wieso bist du ausgerechnet heute verabredet?«, grollte Laurin mit tiefer Stimme. »Und mit wem?«

»Du hast mir nicht gesagt, dass du früher nach Hause kommst.« Nadine verstand sich ausgezeichnet darauf, mit leicht vorgeschobener Unterlippe die Unschuld in persona zu geben, für den Fall, dass sie ihm einfach nicht richtig zugehört und vergessen hatte, wann genau er heimkommen würde. »Und ich habe einen Termin bei der Kosmetikerin ausgemacht, die Sophie mir empfohlen hat.«

Laurin ergriff ihre Handgelenke und zog ihr behutsam ihre Arme auf den Rücken. Nadine wusste, was er vorhatte und dass Widerstand zwecklos sein würde.

»Nicht jetzt«, wehrte sie in einem letzten Versuch lachend ab. »Wir haben doch noch den ganzen Abend Zeit für uns.« Es war schwer, seiner dominanten Ausstrahlung zu widerstehen, wenn er sie mit diesen blitzenden Augen verschlang.

»Meine Lust kann nicht solange warten. Ich will dich jetzt«, knurrte er. »Während der ganzen Fahrt habe ich an nichts anderes gedacht als an dich und deinen weichen aufregenden Körper.«

Das war bestimmt eine reichlich übertriebene Behauptung. Wahrscheinlich hatte er vor allem über das Symposium nachgedacht, dass ihn drei Tage und fünfhundert Kilometer von ihr fortgebracht hatte. Dennoch war die Vorstellung aufregend, er wäre voller Ungeduld nach Hause geeilt. Nur ihretwegen.

In ihrem Schoß setzte ein begieriges Kribbeln ein. Sein heißer Atem streifte ihre Ohrmuschel und sein Zweitagebart schabte an ihrer Wange. Nur wenn er keine Gerichtstermine hatte, verzichtete er gerne mal einige Tage auf das ihm lästige Rasieren, wodurch er ein wenig verwegener als sonst aussah. Entschlossen zerrte er seine Krawatte unter dem Hemdkragen hervor und schlang sie ihr um die Handgelenke. Ob das gute Stück vom Knotenbinden ruiniert würde, war ihm vermutlich egal. Vielleicht würde es ihm später leid tun, vielleicht auch nicht. Er besaß eine ganze Sammlung davon, für jeden Anlass und zu jeder Kleidung passend. Und im Improvisieren war er ein Meister, wenn die nötigen Utensilien nicht greifbar waren, das wusste sie.

Nadine entfuhr ein lüsternes Keuchen. Diese einfache Geste genügte, ihr das Gefühl zu geben, sie sei ihm ausgeliefert. Was folgen würde, war klar. Sex. Ob sie nun Einwände hatte oder nicht. Er brauchte nur eine Hand zwischen ihre Schenkel schieben und würde sofort fühlen, wie sehr sie sich nach ihm verzehrte.

Trotz alledem wurde dieses Spiel nie langweilig, denn stets war es ein wenig anders. Noch hatte er nicht alle Überraschungsmomente ausgeschöpft und sie hoffte inständig, dies würde auch niemals geschehen. Es war viel zu aufregend, nicht jeden seiner Schritte vorhersehen zu können. Würde er diesmal sofort zur Sache kommen, um ihr nicht den Termin zu vermasseln? Oder würde er sie erst recht die Treppe hinauf ins Schlafzimmer schieben, oder gar über seine Schulter werfen und empor tragen, sodann mit gespreizten Schenkeln ans Bettgestell fesseln und warten lassen, bis sie es vor Verlangen nicht mehr aushielt und ihn anflehte, sie endlich zu vögeln? Allein durch seine lüsternen Blicke oder indem er die Innenseite ihrer Schenkel mit einer Feder kitzelte oder ihre Nippel mit heißem Wachs folterte, schaffte er es, dass ihr Schoß vor Begierde glühte. Kniete er sich zwischen ihre Beine, stuppste gar mit seiner Eichel ihre Schamlippen an ohne in sie einzudringen, dann schmerzte ihre Vagina vor Verlangen und zog sich erwartungsvoll enger zusammen. Wenn er endlich Erbarmen hatte und zu ihr kam, war es ein von solcher Lust geprägtes Eindringen, dass es ihr die Luft nahm und sie zum Olymp der lustvollsten Eruptionen trug.

Dementsprechend unmöglich war es, ihrem Mann zu widerstehen. Sie wollte ihn. Zu jeder Zeit und auf jegliche Art, die ihm gefiel. Denn was ihm gefiel, war auch für sie in höchstem Maße erregend, selbst wenn er sie dabei kitzelte oder übers Knie legte. Deshalb liebte sie ihn und war von ganzem Herzen seine ergebene Lustsklavin.

Seine Hände umfingen nun ihre Brüste. Sofort verhärteten sich ihre Nippel. Durch die Bluse hindurch fühlte sie seine Finger, wie sie fest über ihre Knöpfe rieben und in ihrem Unterleib setzte das vertraute, lüsterne Ziehen ein. Sie war verloren. Zeit und Raum und Termin waren ohne Bedeutung.

»Ich werde dich jetzt nehmen«, knurrte er mit tiefer, fast unheilvoller Stimme. »Deine Zeit gehört mir, vergiss das niemals. Hast du nicht überhaupt vergessen, mich um Erlaubnis zu fragen, ob du das Haus verlassen darfst?«

Dem Spiel gemäß wand sich Nadine und versuchte sich, gegen die Fesseln zu wehren. Umsonst. Natürlich. Laurin zog seine Knoten immer so stramm zu, dass sie sich nicht selbst befreien konnte. Sie sollte nicht nur das spielerische Gefühl haben, ihm ausgeliefert zu sein. Nein, sie war ihm tatsächlich ausgeliefert, was für sie kein Problem darstellte. Denn sie vertraute ihm. Niemals würde Laurin sich über ihre Grenzen hinwegsetzen und sie überfordern. Selbst der Hinweis auf das Einholen einer Erlaubnis war eher rhetorischer Natur und gehörte zu ihrem erotischen Spiel.

Nadine war es sehr recht, dass Laurin ein überwiegend softer Dom war. Ganz im Gegensatz zu dem ihrer Freundin Sophie, die sich monatelang auf die Suche nach einem Herrn gemacht hatte, der von ihr die vollkommene Unterwerfung erwarten und sie mit entsprechend starker Hand zu seiner persönlichen Liebessklavin erziehen würde. Sex als reine Belohnung, stets an eine Aufgabe und absolute Unterwerfung geknüpft.

Nadine hatte nie verstanden, warum Sophie soweit gehen wollte. Mittlerweile waren sie und Leo zwar das Traumpaar der örtlichen BDSM-Szene, aber zu welchem Preis? Sophie hatte ihrer Freundin einiges über Leos strenge Regeln erzählt, bei denen Nadine vor Schreck fröstelte. Wie konnte sie nur bereit sein, sich damit einverstanden zu erklären? Leos Vorstellungen von Sex und Gehorsam, von einer sogenannten 24/7-Beziehung, die eine vollkommene Unterwerfung Sophies einschloss, überstieg bei weitem das, wozu Nadine sich jemals bereit erklärt hätte. Erstaunlicherweise ging es Sophie in dieser merkwürdigen Beziehung sehr gut, sie schien seither ausgesprochen glücklich zu sein. Dennoch, Nadine würde nicht mit ihrer besten Freundin tauschen wollen.

Geschickt knöpfte Laurin soeben ihre Bluse auf und streifte sie über ihre Schultern nach hinten, öffnete den Verschluss ihres Büstenhalters und schob ihn herab. Nadine seufzte auf. Sie war zufrieden mit ihren Brüsten, die zwar nicht besonders groß, jedoch schön gerundet waren. Und das Wichtigste für sie war, dass Laurin Gefallen daran fand, sie zu liebkosen.

Zwischen zwei Fingern ihre Nippel einklemmend, streichelte er mit seinen Daumen über ihre Knöpfe, die sich längst erwartungsvoll verhärtet hatten. Sie wand sich vor Lust unter seiner Berührung. Verdammter Kerl, er kontrollierte sie mühelos, indem er ihren Körper in Bereitschaft versetzte. Ihr Schoß war feucht und heiß darauf, sein Geschlecht aufzunehmen.

»Ah!« Sein Unterleib presste sich gegen ihren und sie spürte seine Erektion durch den dünnen Stoff seiner Anzughose. Wow! Das Kribbeln nahm zu und dehnte sich wie ein wuselnder Ameisenhaufen über ihren ganzen Körper aus. Jeder Zentimeter ihrer Haut erwachte in sensibler Empfindlichkeit, bereit Laurins Berührungen mit voller Intensität aufzunehmen.

Nadines Stöhnen ging in ein katzengleiches Schnurren über. Sie genoss jede Sekunde.

»Wusste ich es doch, dass du es genauso brauchst wie ich, mein widerspenstiges Kätzchen«, murmelte er. »Ich werde dich am besten gleich hier nehmen.«

Was, im Flur? Das war neu, und wenn ausgerechnet jetzt jemand läutete und sie beide durch die Tür hindurch stöhnen oder schreien hörte?

»Lass uns hinauf ins Schlafzimmer gehen«, keuchte sie. »Oder wenigstens ins Wohnzimmer.«

»Nein, hier«, knurrte er. »Du hast es doch eilig, oder hast du das schon vergessen?« Er hob ihren Rock. »Oh, du schamloses Luder! Von wegen Kosmetiktermin! Wen wolltest du in Wirklichkeit treffen?« Er gab ihr einen Klaps auf ihren nackten Po.

Nadine kicherte. Würde er sie dabei erwischen, gewöhnliche Strumpfhosen zu tragen, wäre er außer sich. Für ihn waren Strapse, Strings und Röcke oder Kleider ein unbedingtes Muss. Knapp über dem Knie, gerade so, dass es in der Öffentlichkeit noch als anständig durchging. Dies gab ihm die Möglichkeit, jederzeit und überall seine Hand unter den Stoff zu schieben und ihre nackte Haut zu fühlen. Für ihn waren dies Fetische, die ihn binnen Sekunden erregten. Nur im Winter erlaubte er ihr, warme Strumpfhosen oder auch mal eine wattierte lange Hose zu tragen. Sein Verantwortungsbewusstsein minimierte das Risiko einer Blasenentzündung bei kaltem Wetter. Zuhause galt dies natürlich nicht. Nadine in Joggingschlabberhosen war ein absolutes No-go. Auch hier diktierte sein Lustempfinden knappe Röcke oder die Super-Spar-Variante in Form einer Dienstmädchenschürze, was Nadine zu Anfang ihrer Beziehung ein wenig peinlich war, sie jetzt jedoch jedesmal in einen Zustand der Dauererregung versetzte.

Weil sie sich nicht sicher gewesen war, ob Laurin schon zuhause sein würde, wenn sie von der Kosmetik zurückkäme, hatte sie einen besonders knappen String angezogen. Eigentlich waren es nicht mehr als drei Bändchen, die einen winzigen Streifen Stoff über ihrer Scham hielten, der sich inzwischen feucht anfühlte. Dazu hatte sie besonders lange Strapse gewählt, die fast bis Mitte ihrer Oberschenkel hinab reichten und so besonders viel Haut freiließen. Bücken war bei dieser Kleidung ausgeschlossen, und alleine schon wie der Stoff ihres Rockes bei jeder Bewegung über die nackten Hautpartien streifte, genügte, um ein sinnliches Kribbeln auszulösen.

Seine Hand zitterte vor Begierde, als er die Strapse entlang fuhr und über ihre Haut streichelte. Besitzergreifend legte sich eine Hand auf ihren Po, während er mit der anderen Gürtel und Hose öffnete und fallen ließ. Dann griff er mit beiden Händen zu, zerfetzte mit einem Ruck das bisschen Stoff, das sich noch zwischen ihnen befand und wirbelte Nadine herum.

Sie japste. Im Stehen, noch dazu völlig bekleidet, nahm er sie äußerst selten. Es hatte für sie den Touch des Ruchlosen, weil sie sich dabei vorstellte, sie befänden sich in nicht in ihrem eigenen Haus, sondern irgendwo. Es blieb ihnen keine Zeit, sich auszuziehen und ein verschwiegenes Plätzchen zu suchen. Es musste schnell geschehen, bevor jemand kam und sie bei ihrem Treiben erwischte.

Ehe sie sich versah, hatte er seinen Arm unter eines ihrer Beine geschoben und es angehoben, dabei die andere Hand lüstern um ihre Brust gelegt. Nadine stöhnte laut. Gefesselt und von ihm gegen die an der Garderobe hängenden Jacken gedrängt, seine Hände heiß und zupackend, ganz so, wie sie es erregte. Es war animalisch, ihm so ausgeliefert zu sein. Komm, nimm mich, stoß zu! Jede Sekunde, die sie noch länger warten musste, dass er ihren Schoß in Besitz nahm, wurde zur süßen Qual.

»Damit du nicht vergisst, dass du mir gehörst, werde ich dich mit meinem Duft markieren«, brummte er und führte seinen Penis tief in ihre Spalte sein.

Nadine stöhnte laut auf.

»Scht, Wildkatze. Du willst doch nicht, dass man uns erwischt?«

Sein Mund verschloss ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss, was ihn nicht daran hinderte, mit kräftigen Stößen ihren Körper hin und her zu peitschen. Ihr Körper war in seiner Gewalt, seiner Begierde vollkommen ausgeliefert. Aber die Lust, diese unglaubliche, verzehrende, den Verstand raubende Lust – die gehörte nur ihr. Begierig erwiderte sie den wilden Tanz seiner Zunge und schrie in seinen Mund, als der Höhepunkt ihren Unterleib in wilden Eruptionen erbeben ließ.

Wieder allein


Zuletzt warf Thorsten schwungvoll die Wohnungstür zu, als wolle er nochmal ausdrücklich betonen, dass sein Auszug diesmal endgültig sei. Aufgrund des Knalls, der durch das Treppenhaus hallte, hing nun bestimmt die Nachbarin, welche unter Myriam wohnte, am Türspion. Die alte Hexe würde sich auf keinen Fall entgehen lassen, wer wutentbrannt und trotz des schweren Koffers schwungvoll die Treppe hinunter polterte. Das wusste Myriam genau. Für die nächsten Stunden würde Thorstens theatralischer Abgang das Tagesgespräch Nummer Eins für einige Nachbarinnen sein.

Myriam zuckte mit den Schultern. Genau genommen war wohl bereits der vorausgegangene Streit für die anderen Hausbewohner nicht zu überhören gewesen. Aber egal, sollten die Klatschbasen sich doch das Maul verreißen. Myriam würde sich davon nicht beeindrucken lassen, auch wenn sie sich lebhaft vorstellen konnte, dass diese prüde Wohngemeinschaft es in höchstem Maße unanständig fand, wie die jüngste Mieterin alle paar Monate ihre männlichen Mitbewohner wechselte. Auch wenn sie das überhaupt nichts anging. Mal warf Myriam ihren Mitbewohner nach kurzer Zeit raus, ein anderes Mal hielt dieser es nicht aus, noch länger mit ihr zusammen zu leben.

Myriams Bedauern über das Ende der aktuellen Liebschaft hielt sich in Grenzen. Es war nun mal so, dass ihre Beziehungen eher einer Wohngemeinschaft mit sexueller Nebenbenutzung ähnelten. Nur ungern gab sie ihre Gewohnheiten auf und schloss Kompromisse, wie es wahrscheinlich die anderen im Haus und überhaupt sehr viele Frauen machten. Diese lebten doch nur noch deswegen mit ihren Männern zusammen, weil sie zu bequem waren, sich von ihnen zu trennen. Denn dann hätten sie arbeiten gehen, selbst ihren Lebensunterhalt verdienen und als allein erziehende Mütter den Tagesablauf mit sehr viel mehr Stress managen müssen. Wie viel einfacher war es doch, die Sorge um den leidigen Broterwerb dem Gatten zu überlassen. Und die Männer? Die fanden sich wohl großartig in der klassischen Ernährerrolle, während sich ihre Frauen um Einkauf, Wäschewaschen, Kochen und Kinder kümmerten. Als Überstunden getarnt, erteilte den Männern diese Rollenverteilung sogar noch genügend Spielraum für außerhäusliche Vergnügungen. Ach, Schatz, ich komm heut später. Ich muss Überstunden machen. – Ach du Armer …

Im ehelichen Bett lief bei denen schon lange nichts mehr, da war Myriam sich ganz sicher. Oder wenn doch, dann war das so eine öde Rein-Raus-Nummer, genau die Kategorie von Sex, die noch schlimmer war als gar keiner. Es war also bestimmt der pure Neid, dass Myriam es immer wieder aufs Neue schaffte, sich einen jungen Mann zu angeln, mit dem sie Spaß hatte. Wenigstens eine Zeit lang.

Im Augenblick atmete sie auf. Es war vorbei. Endlich. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, wie man so sagte. Seit Tagen hatte sie sich mit Thorsten, der vor einem halben Jahr bei ihr eingezogen war, nur noch gestritten. Der kleinste Anlass genügte und die Fetzen flogen. Wieso hatte sie sich überhaupt in diesen langweiligen Kerl verliebt? Seine T-Shirts und Jeans waren durchschnittlich wie sein gesamtes ungepflegtes Äußeres. Vor lauter Gefühlsduselei war ihr dies zunächst gar nicht aufgefallen. Oder hatte er sich da noch Mühe gegeben und auch mehr Zeit für sie gehabt? Jedenfalls verbrachte er die Nächte in letzter Zeit lieber mit seinem Computer, wo er Sachen programmierte, von denen sie nichts verstand, als mit ihr Sex zu haben. Wenn er einmal pro Woche das Bedürfnis verspürte, mit ihr ins Bett zu hüpfen, dann verlief das Vorspiel im Dauerlauf und nach nicht einmal zehn Minuten war alles vorbei. Anschließend fiel Thorsten entweder sofort mit lautem Schnarchen in Tiefschlaf, oder er zündete sich eine Zigarette an und schenkte seine Aufmerksamkeit für die nächsten Stunden wieder dem Computer. Beides war absolut nicht das, was Myriam erwartete.

Lieber ein selbstbewusster Single als die deprimierte Hälfte einer mittelmäßigen Partnerschaft. Ihre Hormone mussten einige Schaltungen in ihrem Gehirn durchgeschmort haben, sonst hätte sie es niemals solange mit Thorsten ausgehalten.

Zum Glück war es vorüber. Puh! Ihre besten Freunde lagen verwendungsbereit in ihrer Nachttischschublade, und die sahen nicht nur besser aus, die machten auf jeden Fall mehr Spaß, als sie jemals mit Thorsten erlebt hatte.

Bei einem Kontrollgang durch ihre Zwei-Zimmer-Wohnung suchten Myriams Augen aufmerksam nach Gegenständen, die Thorsten gehörten. Auf keinen Fall wollte sie durch irgendetwas, das er vergessen hatte, an ihn erinnert werden. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Flur. Alles keimfrei, dachte sie grinsend. Fehlt nur noch die Inspektion des Bades.

Selbstbewusst musterte Myriam ihr Gegenüber im Badezimmerspiegel und strich mit einer lässigen Handbewegung eine Haarsträhne hinter das rechte Ohr. Sie musste vorsichtiger sein. Den nächsten Mann würde sie einer harten Prüfung unterziehen! Wenn er es nicht schaffte, sie innerhalb von fünf Minuten so heiß zu machen, dass sie sich danach verzehrte, von seinem Schwanz ausgefüllt zu werden, dann war er es nicht wert, sich mit ihm einzulassen. Und heiße Liebe brauchte ihr sowieso keiner zu beteuern. Dieses Thema wurde völlig überbewertet. Erst Liebesschwüre und Sex, dann nur noch Liebesschwüre, und am Schluss? Nichts mehr. Vielleicht wäre eine reine Sexbeziehung überhaupt die bessere Variante? Kein Streit, kein Herzschmerz, nur Spaß. Dann weiß man wenigstens was man voneinander hat und die übrige Zeit kann man machen, was man will! Keine Verpflichtungen, keine Vorwürfe, dass der eine zu wenig Zeit für den anderen hat. Genau!

Als sie ihren Blick senkte, blieb dieser an Thorstens Hinterlassenschaften hängen. Grimmig warf Myriam die Zahnbürste, in deren Borsten noch Reste der Zahnpasta klebten, den Kamm, der viel zu selten benutzt worden war und ebenfalls alles andere als sauber aussah, sowie ein paar andere Utensilien, die Thorsten gehörten, in den chromblitzenden Abfalleimer. Pflegeprodukte wie Lotion, AfterShave oder Eau de Toilette hatte er sowieso nie benutzt. Das sei unmännlich, hatte er behauptet. Schade, dass er nicht verstanden hatte, worauf es ankam.

Myriam überlegte, sie brauchte heute noch ein positives Erlebnis. Am besten sie gönnte sich nach der Arbeit einen Einkaufsbummel. Ein hübsches neues Dessous, ganz für sich alleine, wäre so ganz nach ihrem Geschmack. Ob mit oder ohne Mann im Haus, begehrenswert ausstaffiert würde sie sich gleich wieder besser fühlen.

Wer braucht schon die Männer?, fragte sich Myriam und schüttelte ihre fuchsrote Lockenpracht, als sie aus der Haustür trat. Alles gehört nun wieder mir. Meine Freizeit, meine Wohnung, mein Geld, mein Leben. Und wenn ein Mann in mein Leben tritt, dann muss er der absolute Hammer sein.

Die Kosmetikerin


Von außen macht der Laden einen sehr guten Eindruck, stellte Nadine fest, während sie die mit Rosenblättern, Flakons und Kosmetikartikeln hübsch dekorierte Auslage des Schaufensters studierte. Alles war geschmackvoll angeordnet, mit viel Liebe zum Detail, ohne marktschreierisch auf spezielle Angebote hinzuweisen. Seit kurzem gehörte zur Parfümerie auch ein Kosmetik- und Nagelstudio. Zum Geburtstag hatte Nadine von Sophie, ihrer besten Freundin, einen Kosmetikgutschein geschenkt bekommen. Es war keineswegs so, dass Nadine eine kosmetische Intensivbehandlung nötig gehabt hätte. Nein, sie litt weder unter poriger Mischhaut, hässlichen Pigmentflecken oder unerwünscht starkem Haarwuchs im Gesicht. Es war einfach so, dass sie und Sophie sich ab und an ein kleines Verwöhnprogramm gönnten, mit Peeling und Gesichtsmassage, Wimpernfärben und Augenbrauenzupfen. Noch besser würde ihnen ein gemeinsames Wochenende in einem Wellnesshotel gefallen, natürlich ohne ihre Männer, ein reines Mädchenwochenende. Aber diesem Wunsch hatten die beiden Doms bislang nicht zugestimmt, und darüber konnten sie sich nicht hinwegsetzen. Denn so war das nun mal, wenn man in einer Beziehung lebte, in der der dominante Partner das letzte Wort hatte und der Submissive bereit war, dies zu akzeptieren. Meistens betraf dies zwar nur die Zeit des sexuellen Rollenspiels, aber manche Paare lebten dies auch im Alltag, so wie sie.

Ein Vogelträllern, das dem eines Kanarienvogel ähnelte, erklang lang anhaltend, als Nadine die Ladentür öffnete und eintrat. Der Verkaufsraum war angenehm klimatisiert und in sonnigen Farben gestaltet. Die Decke war in Zartgelb, die Wände in Ocker, Orange und Weiß gehalten. Gut sortierte Regale mit blitzblanken Glasböden präsentierten die Düfte und Kosmetikartikel namhafter Hersteller, sowie eine breit gefächerte Auswahl an Accessoires.

Eine brünette Mittvierzigerin in einem kornblauen Kostüm blickte durch das metallicblaue Gestell ihrer Brille von einer Bestellliste auf und begrüßte Nadine mit einem freundlichen Nicken.

»Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?«

»Guten Tag, ich habe einen Termin zur Kosmetik«, erklärte Nadine.

»Sehr schön – Sie sind Frau Falk?«

Nadine nickte.

»Bitte sehr.« Die Dame öffnete eine verspiegelte Tür zwischen den Regalen, und hieß Nadine mit einer einladenden Geste einen kurzen Flur entlang gehen. »Sie werden schon erwartet. Viel Vergnügen und gute Entspannung, Frau Falk.«

»Danke sehr, die werde ich bestimmt haben.«

Nadines Absätze klackerten bei jedem Schritt auf dem Steinfußboden. Am Ende des Flurs klopfte sie zweimal kurz mit dem Fingerknöchel an die Tür.

Eine helle Stimme rief »Herein«.

Zunächst sah Nadine nur die fuchsroten, zu einem üppigen Pferdeschwanz gebändigten Locken der Frau, die ihr, mit einer geblümten Sommerbluse und einer cremefarbenen Leinenhose bekleidet, den Rücken zudrehte und irgendetwas aufräumte. Dann, als diese sich zu ihr umdrehte, war sie für einen Augenblick sprachlos. Stark getuschte, von einem schwarzen Kajal umrahmte, katzengrüne Augen blickten sie weit aufgerissen an, der knallrote Mund für Sekunden zu einem überraschten Oh geformt.

»Nadine?«, fragte ihr Gegenüber schließlich vorsichtig.

»Hey, das ist ja ein Ding! Hallo Myriam«, erwiderte Nadine, die Stimme verunsichert angehoben und ließ es zu, dass die ehemalige Schulkameradin sie spontan und unerwartet herzlich umarmte. »Dich hätte ich jetzt nicht erwartet.«

Sie lachten beide verlegen, während Myriam Nadines Jacke entgegen nahm und über einen freistehenden Garderobenständer hängte. Auch dieser Raum war in warmen Gelbtönen gehalten, jedoch nicht so kräftig. Die Möblierung beschränkte sich aufs Notwendigste.

Nadine betrachtete Myriam genauer. Ihre Gesichtszüge waren nicht mehr so weich wie noch vor ein paar Jahren. Wir haben wohl alle das Babyface der Jugend verloren.

Nach dem Abitur waren sie einander nie mehr begegnet und auch zur Schulzeit hatten sie kaum ein Wort miteinander gesprochen. Es war eher so gewesen, dass sie einander bewusst ignoriert hatten. Zum Teil hatte dies daran gelegen, dass Nadine sich stets an Sophie orientiert hatte und mit denselben Leuten in ihrer Freizeit abgehangen war wie diese. Ganz abgesehen davon, dass sie beide schon frühzeitig in die Welt der Erwachsenen abgedriftet waren und sexuelle Erfahrungen und Abenteuer gesucht hatten. Wenn Nadine daran zurückdachte, wurde ihr heute noch schlecht. Sie hatten so verdammt viel Glück gehabt, nie an die falschen Männer geraten zu sein. Bestimmt waren sie mehr als einmal haarscharf Bordell und Zuhältern entkommen.

»Das ist ja toll, dass wir uns wiedersehen, wie geht’s dir? Wir haben uns ja eine halbe Ewigkeit nicht gesehen …«, plauderte Myriam unbefangen los, als wären sie damals die besten Freundinnen gewesen.

Nadine hatte das Verhalten ihrer Klassenkameradin während des Unterrichts jedoch stets als ein wenig zu forsch und direkt empfunden, eine Spur zu keck und selbstbewusst. Eigentlich war es dem Auftreten ihrer Freundin Sophie gar nicht so unähnlich gewesen, immer ein wenig provokant und ab der Pubertät etwas zu freizügig. In einem Punkt hatten sich Myriam und Sophie jedoch ganz klar unterschieden. Myriam war viel egoistischer und zickiger als Sophie gewesen, mitunter auch sehr hinterhältig, wenn dies für sie vorteilhaft war. Ganz im Gegensatz zu Sophie, die zwar ihre eigenen Interessen verfolgte, aber nicht auf Kosten anderer, und der stets das Wohlbefinden ihrer besten Freundin am Herzen gelegen hatte.

Nun, vielleicht hatte Myriam sich ja in der Zwischenzeit verändert. Nadine tendierte dazu, jedem eine zweite Chance zu geben, und hinter allem erstmal das Beste zu vermuten. Das war möglicherweise ein wenig naiv, wie Laurin mitunter bemängelte, entsprach aber ihrem positiven Denken. Sie konnte einfach nicht anders.

»So, was darf ich denn für dich tun?«, zwitscherte Myriam unbefangen.

Nadine kramte in ihrer Handtasche. »Ich hab einen Gutschein, den hat Sophie mir zum Geburtstag geschenkt. Du erinnerst du dich doch noch an Sophie?«

»Na klar«, lachte Myriam. »Ihr wart ja wie siamesische Zwillinge. Wo sie war, warst auch du.« Genau in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt, fügte Nadine in Gedanken hinzu. Wobei sie nie das Gefühl gehabt hatte, hinter Sophie hergelaufen zu sein. Sophie war eben viel selbstbewusster und abenteuerlustiger als sie gewesen, und hatte Dinge gewagt, über die Nadine niemals nachgedacht hätte.

Myriam warf einen kurzen Blick auf den Gutschein. »Okay, also, die Classic-Behandlung. Na, dann nimm mal Platz. Die Bluse solltest du ausziehen, damit sie keine Flecken bekommt.«

Sie nahm einen neuen Bügel vom Garderobenständer und sah Nadine dabei zu, wie diese sich auszog, ihr die Kleidungsstücke reichte, und es sich dann auf den weißen Tüchern, mit denen der Behandlungsstuhl abgedeckt war, bequem machte.

»Schönes Dessous«, merkte Myriam mit Blick auf Nadines Busen anerkennend an, während sie ein großes Handtuch über ihrem Oberkörper ausbreitete, und dann ihre Haare mit einem Band aus der Stirn zurücknahm.

Nadine war selbst ein wenig stolz auf den fein gearbeiteten, rosaroten Spitzenbüstenhalter, bei dem es sich um das Produkt einer Designerlinie handelte. Laurin verfügte über einen ausgesprochen guten Geschmack und beschenkte sie gerne mit schöner Unterwäsche. Da machte das Auspacken gleich nochmal soviel Spaß. Es war durchaus verständlich, wenn aus Myriams Worten ein wenig Neid herauszuhören war.

»Mein Freund legt viel Wert darauf.«

»Bezahlt er die Teile wenigstens auch?«

Nadine kicherte. »Oh ja, von meinem schmalen Gehalt könnte ich mir das nicht leisten, und was Einfaches, Billiges darf ich nicht tragen.« Bestimmt fragte Myriam nun gleich, womit sie ihr Geld verdiente.

»Und wie ist er sonst so, dein Freund?«

Okay, ihr Job war also nicht von Interesse.

»Laurin ist ein echter Schatz«, schwärmte Nadine, während Myriam die Behandlung nun damit begann, das Makeup zu entfernen und das Classic-Programm, bestehend aus Peeling, Augenbrauenzupfen, Hautpflege und Gesichtsmassage mit sanfter Massage auszuführen. »Etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können. Er sieht gut aus, hat einen tollen Job, ein Haus geerbt und vor allem ist er immer für mich da. Und du? Was macht dein Freund?«

»Ich? Ach, ähm, mein Freund ist viel unterwegs, gerade wieder mehrere Wochen im Ausland. Er arbeitet für einen großen Konzern. Da gehört das Reisen mit zum Job.«

Nadine hatte die Augen geschlossen und genoss den leichten Druck von Myriams Fingern, mit denen sie ihr Gesicht massierte. Die leise, unaufdringliche Instrumentalmusik, die aus zwei Lautsprechern an der Wand klang, wirkte zusätzlich entspannend. »Oh, das wäre nichts für mich. Wie kommst du damit klar, wenn dein Freund so lange weg ist?«

»Ach, das gehört halt dazu, wenn er erfolgreich sein will. Dafür bringt er mir dann immer etwas Tolles mit und außerdem genieße ich zwischendrin meine Freiheit. Ähm, wenn du möchtest, kann ich dir noch ein tolles Nageldesign machen.«

Offensichtlich wollte Myriam nicht weiter über ihr Privatleben reden. Für Nadine war dies ein sicheres Zeichen, dass es in der Beziehung nicht optimal lief und Myriam die Situation nur schön redete. Aber interessierte sie das überhaupt?

»Im Augenblick sind alle ganz versessen auf unseren zweifarbigen Glitterlack mit einem kleinen Schmetterling in der Mitte.«

»Oh nein, vielen Dank«, lehnte Nadine ab und unterdrückte ein Gähnen. »Du machst das übrigens toll, sehr angenehm, so total entspannend.«

»Gefällt dir so ein Nagelstyling denn nicht?« Myriam ließ nicht locker.

»Doch«, kicherte Nadine schläfrig. »Ich fänd’s ja ganz lustig. Aber mein Dom steht nicht drauf und ich habe gerade keine Lust auf eine Lektion.«

»Lektion? Was meinst du damit?«

Ach du meine Güte, jetzt hatte sie sich verplappert. »Na ja, also, mein Freund steht nicht auf Mädchenkram wie Glitter und Bildchen auf den Nägeln und so.« Nadines Herz schlug schneller. Plötzlich war sie wieder hellwach. Hoffentlich gab Myriam sich mit dieser Begründung zufrieden.

»Aha. Und, was ist ein Dom?«

Verdammt, darüber wollte und durfte sie nicht reden. Nadine schlug die Augen auf und blickte direkt in Myriams Katzenaugen.

»Dom? Ach, das ist eine Art – Abkürzung von Dominik.«

Es war Myriams Mimik anzusehen, dass sie dieser Erklärung keinen Glauben schenkte. »Den Bären kannst du jemand anderem aufbinden, Nadine. Deine Betonung, die klang nicht wie ein Name, sondern eher wie – wie eine Art Titel. Komm schon, mir kannst du es erzählen, wir kennen uns doch schon ewig.«

Das war gelinde gesagt übertrieben. Eigentlich kannten sie sich gar nicht, obwohl sie Jahre in dieselbe Klasse gegangen waren. Allerdings hörte es sich so an, als würde ihre ehemalige Schuldkameradin nicht klein beigeben.

»Du hast gesagt, der Dom würde dir eine Lektion erteilen«, beharrte Myriam auf einer Antwort. Sie schien verdammt gut zuzuhören.

»Na ja«, presste Nadine gequält hervor. »Ich darf nicht darüber reden.«

Myriam grinste breit und zupfte Härchen von Nadines Oberlid, um die Augenbraue in eine perfekte Form zu bringen. Kam es ihr nur so vor, oder zog Myriam besonders langsam an jedem einzelnen Haar, um sie zu quälen?

»Das klingt erst recht interessant. Du willst mir doch nicht weismachen, dass du dir von irgendjemandem sagen lässt, worüber du mit wem sprechen darfst?«

Stimmt, das klingt lächerlich. Bevor der Zufall der ehemaligen Schulkameradin Gerüchte zuspielte und diese eins und eins zusammenzählte, war es vermutlich besser, dieses Thema selbst in die Hand zu nehmen und so harmlos wie möglich darzustellen.

»Okay, es ist so, ich lebe in einer etwas speziellen Beziehung. Hast du schon mal von BDSM gehört?« Nadine bemühte sich um einen eher gelangweilten, beiläufigen Tonfall. Dabei hämmerte ihr Herz protestierend wie eine Aneinanderreihung von Paukenschlägen.

Myriam zog die Augenbrauen hoch. »Ähm, nicht wirklich. Was ist das?«

Sie sollte die Hoffnung begraben, schnell aus dieser Nummer herauszukommen. Nadine ballte die Fäuste unter dem Tuch. »Aber von Sadomaso hast du gehört, oder?«

»Ja, schon.« Myriam kniff die Augen zusammen. »Marquis de Sade, oder?«

Nadine nickte. »Unter anderem.«

»Okay, und weiter?«

»Du behältst das für dich, was ich dir erzähle, nicht wahr?«

»Natürlich«, versprach Myriam, während sie mit routinierten, mechanischen Bewegungen einen mit einer Lotion getränkten Pad gleichmäßig über Nadines Stirn, Nase und Kinn kreisen ließ. »Logo. Meine Lippen sind versiegelt.«

Das glaubte Nadine nur bedingt.

»Also? Erzähl schon. Mach‘s nicht so spannend!«

Nadine seufzte. »Bei BDSM-Beziehungen ist so, dass einer von beiden Partnern der Dom ist, also der dominante Part, der sagt, wo es langgeht, aber auch die Verantwortung übernimmt. Und der andere unterwirft sich seinen Wünschen. In unserem Fall bin das ich. Ich bin seine Sub.« Bestimmt klang das jetzt ziemlich verworren und für jemanden, der damit noch nie zu tun gehabt hatte, vollkommen abstrus. Hoffentlich hörte Myriam jetzt auf zu bohren.

»Du redest jetzt von was genau? Vom Alltag oder von Sex?«

Verdammt. »Ein bisschen von allem. Für manche ist es nur eine sexuelle Spielart, für andere ihre Lebensphilosophie.« Wenn Myriam im Details wüsste, wie ich lebe, du meine Güte. Wobei – wenn sie erfahren würde, wie es bei Sophie zugeht, da würden ihr die Augen vor Neugierde aus dem Kopf kugeln.

»Aha, und für was steht denn dieses Kürzel, dieses wie? BMS?«

Es war Zeit, das Thema zu wechseln. Sie hatte sowieso schon viel zu viel verraten. »Lass uns von etwas anderem reden. Wohin soll dein nächster Urlaub gehen?« Hoffentlich verstand Myriam diesen sprichwörtlichen Wink mit dem Zaunpfahl. »Wir waren letztes Jahr zwei Wochen in der Toscana. Einfach super. Viel anzuschauen, tolle Landschaft, herrliches Wetter. Und dieser Wein, einfach köstlich. Wenn du eine Empfehlung für ein Hotel brauchst …«

Myriams leises Lachen ließ sie innehalten. »Lenk nicht ab, Nadine. Du genierst dich wohl, mich genauer aufzuklären. Ist es dir etwa peinlich?«

»Nein, natürlich nicht.«

»Na dann erzähl weiter!«

»Aber du behältst das für dich!«, gab Nadine halbherzig nach, innerlich seufzend über ihre eigene Dummheit. Warum plapperte sie manchmal so leichtfertig über ihr Privatleben? Leuten, die ein wenig selbstbewusster auftraten als sie selbst, hatte sie einfach nichts entgegen zu setzen. In sich hinein seufzend schloss sie die Augen, weil Myriam nun mit einem warmen, feuchten Tuch die zuvor aufgetragene Creme wieder von ihrem Gesicht aufnahm. »BDSM ist die Kurzform von Bondage, Discipline oder auch Domination, Sadism und Masochism.«

»Wow, das klingt interessant – und hart. Und was bedeutet das für dich?«

Wasserrauschen war zu hören. Nadines Herz klopfte härter. Was würde Myriam von ihr denken? Andererseits, machte sie sich Mut, war das egal. Jahrelang waren sie sich nicht begegnet und wenn sie künftig zu einer anderen Kosmetikerin ginge, würde sie nicht noch einmal in die Verlegenheit kommen, darüber zu reden. Sie würden sich vermutlich nie wieder sehen.

»Na ja, zu einer BDSM-Beziehung gehört, dass ich als der devote Partner mache, was meinem Dom gefällt. Es baut alles auf einem erotischen Spiel auf.«

»Aha. Dein Dom?«

Nadine drückte sich die langen Fingernägel in die Handinnenflächen bis es schmerzte. »Im BDSM heißt der unterlegene Partner der Sub, und der das Sagen hat, ist der Dom. Von Dominus, lateinisch für Herr.«

»Hm, und was ist dieses Bondage?«

Verdammt, Myriams Gedächtnis schien ja der perfekte Datenträger zu sein und speicherte jedes Wort, zu jeder Sekunde abrufbar.

Nadine lachte gequält. »Du findest es bestimmt verrückt, aber da wird man gefesselt. Nicht einfach so, das sind ganz kunstvolle Verschnürungen. Die sind richtig zeitaufwändig und für beide Partner erregend.«

»Aha. Klingt doch bis jetzt ganz angenehm.«

Ein letztes Mal wurde das warme feuchte Tuch um Nadines Kinn und Wangen gelegt und behutsam gewischt, dann nahm Myriam wieder die Pinzette in die Hand und machte sich daran, Nadine Augenbrauenform zu vollenden.

»Und SM? Ist das nicht irgendetwas Perverses?«

»Ach was. Das meinen nur die Leute, die davon keine Ahnung haben. Pervers ist doch nur etwas, womit der andere nicht einverstanden ist oder was grundsätzlich gegen die gesellschaftlichen Moralvorstellungen verstößt.« Wie gut, dass sie sich Laurins Satz zu diesem Thema gemerkt hatte. Sie selbst hätte das niemals so auf den Punkt bringen können. »Zu SM gehört zum Beispiel, dass der devote Partner, also der Sub, seinen Herrn bedient, und sich von ihm bei Bedarf züchtigen lässt. Sozusagen Peitsche und Zuckerbrot.«

»Ahem, übrigens, ich würde jetzt deine Wimpern färben. Willst du schwarz oder braun? Ich hätte auch ein bläuliches Schwarz. Ich glaube, das passt gut zu deinen Augen.«

»Einverstanden. Mach das.« Eigentlich würde sie lieber aufstehen und gehen. Wenn sie das hinbekäme.

Während Myriam in einem kleinen Porzellanschälchen die Farbe anrührte und Nadine mit ein wenig Creme die Pads unter dem Unterlid auf die Haut klebte, um diese vor der Farbe zu schützen, bohrte sie weiter. »Du lässt dich also freiwillig verprügeln? Ich dachte, du bist emanzipiert genug, dich dagegen zu wehren?«

»So darf man das nicht sehen. Es geht nicht darum, jemandem willkürlich Schmerzen zuzufügen. In der Regel gibt’s auch keine blauen Flecken. Das kannst du wahrscheinlich nicht verstehen, aber es ist ziemlich erotisch.«

»Nee, kann ich wirklich nicht verstehen. Und mit was? Mit der Hand oder ‘nem Kochlöffel oder wie?«

Gar nicht so schlecht geraten, dachte Nadine grinsend. »Tatsächlich kommen auch alltägliche Gegenstände wie Kochlöffel oder ein Lineal zum Einsatz. Alles andere kann man kaufen. Paddel, Peitschen, Rohrstöcke. Je nachdem, wie man das ausleben will.«

Myriams Gesicht erschien über Nadines Kopf. Ihre Augen waren vor Verwunderung weit aufgerissen und auch in ihrer Stimme schwang jetzt so etwas wie Anerkennung mit. »Und du machst solche verrückten Sachen? Das kann ich mir bei dir überhaupt nicht vorstellen. Du warst doch immer eine von den Braven.«

Sie wich wieder auf ihren Drehstuhl zurück und richtete sich Lupe und Lampe über Nadines Gesicht neu ein.

»So, Augen schließen.« Gekonnt strich Myriam die Wimpern auf den Pads glatt und auseinander. »Achtung, ich komme jetzt mit der Farbe.«

Es fühlte sich ein wenig kühl und schwer an, als die Farbe vorsichtig auf die Wimpern getupft wurde. Dann war ein Piepsen zu hören, vermutlich stellte Myriam die Uhr für die Einwirkzeit ein. Das Klappern im Waschbecken kündete davon, dass sie die Utensilien reinigte, die sie zum Anrühren der Farbe verwendet hatte.

»Ich kann mir das gar nicht vorstellen, dass sich jemand mit dem Rohrstock versohlen lässt und das auch noch toll findet. Muss man da nicht ein bisschen daneben sein?«

Das hatte Nadine vor dem ersten Mal auch gedacht. Ein entspanntes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. Dabei war es so unsagbar aufregend, mit nacktem Po vor Laurin zu stehen und sich seiner Hand hinzugeben, es musste ja nicht unbedingt ein Rohrstock sein. Wenn sie daran dachte, wie er sie vor rund einer Stunde im Flur genommen hatte … Nadine seufzte. »Ich sag ja, ein Außenstehender kann sich das nicht vorstellen, was man dabei empfindet. Dass das sehr erotisch sein kann. Das hat wirklich nichts mit Gewalt zu tun.«

»Da fällt mir gerade Sophie ein. Der hätte Schröder sicherlich gerne eins mit ’nem Rohrstock übergezogen.« Myriam lachte laut. »So ein Luder. Ich werde das nie vergessen, wie sie beim Ausfragen vor dem Schröder stand und ihn mit ihren patzigen Antworten schier zur Weißglut getrieben hat.«

Bei der Erinnerung an den Physiklehrer musste Nadine schmunzeln. Zwischen Sophie und Schröder bestand vom ersten Tag an offene Feindschaft. An den Auslöser erinnerte sich Nadine nicht mehr. Vielleicht war es einfach Antipathie gewesen. Im Gegensatz zu dem Lehrer, der stets eine gewisse Unsicherheit und Verklemmtheit ausstrahlte, war Sophie die Selbstsicherheit in Person. Und das Schlimme war: ihre Antworten waren immer richtig, so dass er ihr nie eine schlechte Note darauf geben konnte.

»Wenn damals in der Schule noch die Prügelstrafe erlaubt gewesen wäre, wäre Sophie wohl öfter fällig gewesen«, stimmte Nadine zu. »Wobei Schröder die gewisse Dominanz gefehlt hat, um sich Respekt zu verschaffen, ganz im Gegensatz zu Leo.«

»Hm, sicher. Und wer ist Leo?«

Du liebe Güte, ich benehme mich heute wie ein altes Tratschweib. Aber jetzt ist es schon egal, wie viel Myriam erfährt, ich hab’s sowieso vergeigt. Ich werde künftig einen weiten Bogen um diesen Laden machen müssen.

»Leo ist Sophies Lover, ein wahrer Dom. Der hat sie ganz gut im Griff.«

»Was genau meinst du damit?«

»Na ja, wenn sie ungehorsam ist, greift er gerne zum Rohrstock. Versteh das nicht falsch – die Erotik steht dabei immer im Vordergrund. Es ist eine Mischung aus Schmerz und Lust, und Sophie bekommt von beidem reichlich.«

»Jetzt mal ernsthaft. Du willst mir also erzählen, ihr macht spezielle erotische Spielchen, bei denen Verbote und Strafen und so Zeugs eine Rolle spielen?«

Der Wecker piepste und Myriam begann vorsichtig, die überschüssige Farbe von Nadines Wimpern zu wischen, ehe sie die Pads wegzog und Nadine die Augen aufschlagen durfte.

»Hm, ja. Oder so.« Nadine biss sich auf die Unterlippe. Es war an der Zeit, die Notbremse zu ziehen, bevor sie sich um Kopf und Kragen redete. Laurin mochte es nicht, wenn sie mit Leuten außerhalb der Szene über Details redete, und es war nicht das erste Mal, dass sie zu viel preisgab. »Das versteht nur jemand, der es selbst ausprobiert hat. Es ist echt aufregend.«

Myriam schüttelte irritiert den Kopf. Sie klopfte mit leichten Fingerschlägen in die zarte Haut um Nadines Augen eine spezielle Feuchtigkeitslotion.

Eine Weile sprach keine von ihnen. Nadine hing ihren Gedanken nach, froh darüber, dass Myriam nicht mehr weiter fragte.

Als Teenager waren sie und Sophie mit dem Erwachen ihrer Sexualität ganz versessen darauf gewesen, alles anders zu machen als die gleichaltrigen Mädchen. Auf der Suche nach dem besonderen Kick, wagten sie sich eines Tages in einen SM-Club, nicht ahnend, was sie dort erwarten würde. Im Nachhinein betrachtet hatten sie viel Glück gehabt, von den anwesenden Männern, die viel älter als sie selbst waren, nicht vernascht und von einem zum nächsten durchgereicht zu werden. Aber der erste Schritt war gemacht, und sie strudelten immer tiefer in die Szene hinein, lernten nach und nach die Praktiken kennen.

»Und wie lernt man jemanden kennen, der auf so was steht?«, unterbrach Myriam die Stille, auf Nadines Gesicht ein dezentes Makeup auftragend.

Wollte Myriam das etwa ausprobieren? Bis eben hatte es sich nicht so angehört, als ob sie interessiert wäre, in die Szene zu schnuppern. Falls sie es aus purer Neugierde wagen sollte, würde sie ihr blaues Wunder erleben. Unter Umständen im wörtlichen Sinne, falls sie einem Dom begegnete, der es für nötig befand, es ihr ordentlich mit dem Rohrstock zu besorgen. Nadine unterdrückte ein hämisches Grinsen. Eigentlich würde es Myriam ganz recht geschehen, wenn sie eine Abreibung für ihre Neugierde bekäme und weil sie keine Ruhe mit ihren Fragen gab.

»Die meisten treffen sich in SM-Clubs. Oder auf speziellen SM-Partys«.

»Aha. Und wie erfahre ich, wann und wo so eine Party stattfindet?«

Irgendwie war es ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Überlegenheit, zu den Insidern zu gehören und Bescheid zu wissen. Während ihrer Schulzeit hatte sie sich Myriam nie überlegen gefühlt, eher deren Spott gefürchtet und sie deshalb gemieden. »Wieso willst du das wissen. Willst du etwa hingehen?«

»Warum nicht? Vielleicht entdecke ich dabei ja, was ich bisher versäumt habe?«

Eine erotische Strafe


»Du hast was?«

Nadine zuckte erschrocken zusammen, als Laurin so vehement mit der Faust auf den Tisch schlug, dass die Weingläser ins Schwanken gerieten. Anschließend trommelten seine Finger ein wütendes Stakkato auf die gläserne Tischplatte des Esstisches. Wenn er das machte und dabei die Stirn wie gerade jetzt in Falten legte, wirkte er ziemlich furchteinflößend. So schlimm war ihr Vergehen nun auch wieder nicht, oder doch? Immerhin hatte sie es ihm gleich gebeichtet. Zählte das denn gar nichts?

»Du kannst doch nicht einfach eine wildfremde Frau zu unserer Party einladen! Spinnst du, Nadine?«

Es hörte sich ein wenig an, als spräche er zu einem ungezogenen Kind, was Nadine überhaupt nicht leiden konnte, weil sie sich dann genauso fühlte. »Myriam ist nicht eine Wildfremde! Ich kenn sie schon seit meiner Schulzeit«, widersprach sie darum heftig. Als wäre für sie damit alles gesagt und die Welt wieder in Ordnung, überwand sie sich und schob die Gabel mit einem Stück Kartoffel und Sauce in den Mund.

Laurins Miene versprach nichts Gutes. Er war stinkwütend und schenkte dem Essen, das vor ihm auf dem Teller dampfte, keinerlei Beachtung. Stattdessen griff er nach dem Weinglas und stürzte den Inhalt mit wenigen Schlucken herunter. Oh je, es war wohl doch schlimmer, als sie befürchtet hatte. Nur mäßig durchgekaut würgte Nadine ihren Bissen herunter. Wie ein dicker Kloß rutschte er die Speiseröhre spürbar langsam herunter. Sie starrte auf ihren Teller, um Laurins bohrenden Blick nicht ertragen zu müssen.

»Kennen und kennen ist nicht dasselbe, das weißt du ganz genau, Nadine. Und auf Partys in unserem Haus sind nur grundsätzlich nur unsere engsten Freunde eingeladen. Wenn du mit dieser Myriam wirklich befreundet wärest, hättest du sie mir längst vorgestellt oder zumindest mal ihren Namen erwähnt. Sie ist ein Niemand!«

Seine Stimme war zu einem Donnern angeschwollen und Nadine senkte die Lider.

»Ich …« Ihr fielen keine Argumente ein, mit denen sie ihn besänftigen könnte, denn im Grunde genommen hatte er recht. Wer zum Teufel war Myriam? Ob sie in die Runde der Eingeladenen passte, war eher zweifelhaft, sie war ja vor allem neugierig.

Nadine legte das Besteck auf dem Tellerrand ab. An ein genussvolles Essen war im Augenblick nicht zu denken. Schade. Das Gulasch konnte sie zurück in den Topf geben, aber die Schneckennudeln würden aufgewärmt nicht mehr so bissfest sein wie jetzt.

Wieder einmal war sie einer ihrer größten Schwächen erlegen. Statt zuerst nachzudenken oder mit Laurin zu sprechen, hatte sie stets das Gefühl, sie müsse anderen Menschen einen Gefallen tun, damit diese sie mochten. Das hatte sie schon in so manche Schwierigkeit gebracht.

»Was ist denn, wenn Myriam überall in ihrem Freundeskreis, den wir wiederum nicht kennen, fröhlich herumquatscht, was sie bei uns erlebt und sieht? Du weißt ganz genau, dass das keiner von uns will!« Das Trommeln seiner Finger stoppte abrupt. »Verdammt! Ruf sie an und sag ihr ab.«

Entsetzt sah Nadine auf. Sein Gesichtsausdruck bestätigte den Ernst seiner Worte. »Äh, das, ähm, nein. Nein, das kann ich nicht«, widersprach sie leise und ließ die Schultern hängen.

»Du wirst sie wieder ausladen, Nadine! Oder soll ich das für dich machen?«

Nadine fühlte Tränen aufsteigen. Würde sie jemals ihre Gefühle unter Kontrolle bekommen? Konflikten wie diesem war sie einfach nicht gewachsen. Warum konnte das Leben nicht friedvoll und unkompliziert verlaufen?

»Laurin, bitte. Was soll ich Myriam denn sagen, warum sie nicht kommen darf?«

Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. »Lass dir etwas einfallen. Schließlich hast du dir diese Suppe selbst eingebrockt. Es ist an der Zeit, dass du lernst, dich an die Regeln zu halten.«

Sein Blick war so kalt, dass Nadine fröstelte. Hätte sie Myriam zum Nachmittagskaffee eingeladen, würde Laurin sich bestimmt nicht aufregen. Aber zu diesen Partys, die wechselweise im Freundeskreis ausgerichtet wurden, kamen ausschließlich Paare, die BDSM lebten.

»Vielleicht sollte ich dich mehr an die Leine nehmen. Sophie hat es jedenfalls nicht geschadet.«

Nadine schluckte. Meinte er das jetzt ernst? Das einzige, was sie und Sophie verband, war ihre tiefe Freundschaft seit der Kindheit. Abgesehen davon waren sie so verschieden wie Sonne und Mond.

»Jetzt nimm schon dein Handy und ruf an!«

Nadine verschränkte die Arme vor der Brust und schob trotzig die Unterlippe vor. »Ich kann nicht.«

»Okay. Du hattest deine Chance.« Laurin stand auf und ging hinaus. Vermutlich würde er zur Strafe stundenlang kein Wort mit ihr reden. Dabei hatte sie sich so auf seine Heimkehr gefreut.

Mit einem leisen Seufzen stand sie auf und nahm die Teller in die Hand, um diese in die Küche hinaus zu tragen. Aber Laurin kehrte zurück, einen Rohrstock in der Hand und Nadine stellte die Teller wieder ab.

»So, jetzt werde ich mich mal an Leos Methoden halten. Offenbar war ich zu nachsichtig mit dir. Dein Verhalten hat Strafe verdient. Zieh deine Hose runter und beug dich über den Tisch.« Er deutete auf die freie Fläche der anderen Tischseite und schlug sich mit dem Rohrstock demonstrativ auf die Innenfläche der Hand.

Es konnte sich nur um einen schlechten Scherz handeln. Echte Strafen entsprachen nicht Laurins Stil. Ganz im Gegensatz zu Sophies Dom.

Hatte Laurin wirklich vor, sich an Leos Maßnahmen zu orientieren? Aber sie war nicht wie Sophie. Niemals würde sie sich einem Mann so vollkommen unterwerfen. Gewiss, die eine oder andere Regel konnte sie akzeptieren, ohne sich dabei seelisch zu verbiegen. Und eine erotische Strafe, als Teil ihres Liebesspiels, war auch vollkommen in Ordnung. Es war ein unvergleichliches Erlebnis, wenn der Schmerz in Erregung überging und aus der gespielten Unterwerfung eine Lust erwuchs, die fast unerträglich schön war. Alles andere jedoch war undenkbar, obwohl Nadine ihrem Dom nach einer besonders aufregenden Nacht, den Bauch voller Schmetterlinge und den Kopf wie leer gefegt, Gehorsam ohne Einschränkungen geschworen hatte. Gehorsam erwartete Laurin vor allem im Beisein ihrer Freunde und Nadine hatte kein Problem damit, den Anschein zu erwecken, er wäre starker Dom und hätte alles im Griff. Ausgelebt hatte er dies noch nie.

»Nun? Ich warte.«

»Netter Scherz. Aber mir ist gerade nicht nach Sex und Züchtigung.« Allerdings auch nicht nach Essen. Der Appetit war ihr vergangen und sie würde jetzt endgültig abräumen.

»So war dies auch nicht gemeint. Du bist eine ungehorsame Sub, also werde ich dich bestrafen. Nur bestrafen!« Das anhaltende Grollen in seiner Stimme ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er dies ernst meinte.

Nadine tippte sich mit dem Zeigefinger zweimal an die Schläfe. »Ich träumst wohl von Weihnachten. Oder glaubst du wirklich, dass ich mich von dir bestrafen lasse, nur weil ich nicht das mache, was du willst?«

»Wir haben eine Vereinbarung, Schätzchen.«

Schätzchen? Nadine hasste es, so genannt zu werden und Laurin wusste das. Sie rümpfte die Nase.

»Du kennst deinen Fehler. Über unsere SM-Beziehung und unseren Freundeskreis wird außerhalb nicht gequatscht. Wir wollen keine Fremden in unserer Mitte und ich will nicht, dass dies noch einmal passiert.«

»Ja, ja, ich hab’s ja verstanden und es tut mir auch leid. Wird nicht wieder vorkommen.« Nadine setzte sich mit gespielter Gleichgültigkeit hin und griff wieder nach der Gabel. »Ich hab halt nicht nachgedacht.« Um den äußeren Schein zu wahren und Gelassenheit auszustrahlen, die hoffentlich seinen Zorn besänftigen würde, schob sie sich einen Bissen in den Mund. Gegenargumente würden die Lage nur aufschaukeln. In ihrem Inneren brodelte es vor Nervosität.

»Es gibt Regeln, an die sich jeder zu halten hat. Auch du. Also gehorche.«

Laurins strenges Auftreten war Nadine fremd. Sie schluckte den Brocken herunter. Seine Miene war wie eingefroren und seine Augen wirkten stechend wie die eines Adlers, der seine Beute fixiert. Gab es ein Entkommen? Wann würde er die Situation entschärfen und anfangen zu lachen? Bestimmt wollte er ihr nur einen gehörigen Schrecken einjagen, was ihm auf jeden Fall gelungen war. Oder doch nicht? Ihr Herz schlug unangenehm hart in ihrer Brust. War es denkbar, dass es noch einen anderen Laurin gab, einen der wirklich streng sein konnte, und wenn ja, konnte sie diesen ebenfalls akzeptieren und lieben?

»Und wenn ich dir nicht gehorche? Was dann?«, presste sie hervor. »Wendest du dann Gewalt an, und schlägst mich grün und blau?«

Für Sekunden geschah nichts, er starrte sie nur an, dann senkte er die Hand und lehnte sich wie erschöpft gegen das Sideboard hinter ihm. »Traust mir das denn zu?«

Sie könnte jetzt erwidern, nein, natürlich nicht. Das war genauso ein blöder Scherz wie deiner eben. Doch statt es auszusprechen versuchte sie einfach nur, seinem Blick standzuhalten.

Laurin seufzte gequält. »Strafe kann immer nur ein Bestandteil unserer Vereinbarung sein. Ich würde dich niemals zwingen, wenn du dich weigerst. Aber wenn du deine Schuld einsiehst, solltest du als devote Sub deine Strafe annehmen. Wie Sophie es tun würde.«

Ja. Nein. Ach ich weiß nicht. Ich weiß gar nichts mehr.

Laurin wirkte kraftlos, als würde ihm der Rohrstock jeden Moment aus seiner Hand gleiten.

Sag doch was, dachte Nadine. Irgendwas Nettes. Ich weiß ja, dass ich einen Fehler gemacht habe. Vielleicht sollte ich mich doch bereit erklären, Myriam anzurufen und ihr abzusagen? Aber es ist mir immer schon schwer gefallen, einen Rückzieher zu machen. Eine Zusage nimmt man nicht zurück, egal wie sie zustande gekommen ist. Und Sophie als Vorbild anzuführen ist sowas von unfair! Sophie macht keinen Unterschied zwischen erotischer Sitzung und Alltag. Für sie und Leo ist alles eins. Aber ich bin nicht so. Bist du denn so, und ich habe es bis jetzt nicht bemerkt?

Das Schweigen wurde unerträglich.

»Kannst du mir nicht einfach verzeihen?«, flüsterte sie.

Laurin seufzte. »Hast du dich denn entschuldigt?«

Nadine zuckte zusammen. Was erwartete er? Einen Kniefall? »Hey, es tut mir leid. Das habe ich doch gesagt. Ich hätte Myriam nicht einladen dürfen, du hast recht. Okay?«

Er nickte. »Wirst du sie anrufen und ihr absagen?«

Trotzig schob Nadine die Unterlippe vor. »Nein, das kann ich nicht. Und das weißt du.«

Wortlos drehte Laurin sich um und ging hinaus.

Verdammt. Sie schob den Teller von sich. Warum fühlte sie sich jetzt miserabel? War es denn wirklich eine solche Katastrophe, wenn Myriam Einblick in ihre Gepflogenheiten bekam? Wie oft kam es vor, dass diese Treffen vollkommen unspektakulär verliefen. Gewiss, manchmal wurde eine der Subs vor aller Augen gezüchtigt, oder in Bondage zur Schau gestellt und alle durften sie berühren und reizen.

Ein merkwürdiger Tag. Vergeblich hoffte Nadine, Laurin würde zurückkehren und sich mit ihr versöhnen. Sie hatte das Essen abgetragen, den Geschirrspüler eingeräumt, den Herd geputzt, die Waschmaschine angestellt und lustlos begonnen, die liegen-gebliebene Bügelwäsche abzuarbeiten. Dabei horchte sie auf jedes Geräusch im Haus. Mittlerweile waren schon zwei Stunden vergangen, seit Laurin sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen und die Tür geschlossen hatte. Vielleicht würde es ihr gelingen, ihn mit einem Kuchen zu besänftigen? Nadine entschied sich Apfelmuffins zu backen, für die alle nötigen Zutaten im Haus waren.

Die Muffins befanden sich noch im Ofen, als Laurin in die Küche kam. »Hm, riecht das fein.«

»Kann ich dich damit besänftigen? Ich mag es nicht, wenn wir streiten.«

»Ich auch nicht.« Er nahm ihr Gesicht in beide Hände, sah ihr in die Augen und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. »Hast du angerufen?«

»Nein.«

»Okay. Meinetwegen kann Myriam kommen. Eins muss dir allerdings klar sein. Die Strafe für deinen Ungehorsam erlasse ich dir nicht. Die ist nur aufgeschoben und ich werde sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl vollziehen. Als erotische Strafe.«

Nadine nickte erleichtert. Selbst falls er zum Rohrstock greifen sollte, würde die Züchtigung auf jeden Fall sehr aufregend werden. Fürs Erste war der häusliche Frieden wieder hergestellt.

Die BDSM-Party


Die letzten Stunden waren zäh wie Honig dahin geflossen. Die Zeiger der Uhr wollten und wollten nicht vorwärtsrücken. Voller Ungeduld schaute Myriam sich um. Auf dem Bett lagen unzählige Tops, Hosen, Röcke und Dessous ausgebreitet. Nichts erschien ihr passend für diesen Abend.

Im ersten Augenblick hatte sie gedacht, Nadine wolle sie womöglich von der Party ausladen. Irgendwie hatte sie am Telefon ein wenig verunsichert geklungen. Umso überraschender war, was sie zu sagen hatte. Zieh dich möglichst sexy an, zeig, was du zu bieten hast. Je verführerischer du ausschaust, desto weniger fällst du als Neuling auf.

Prinzipiell hatte Myriam dagegen nichts einzuwenden. Ihr Körper war fast perfekt. Na gut, ihre Hüften waren vielleicht ein wenig zu breit, die Waden ein wenig zu stark, um Mini-Röcke oder gar Hotpants zu tragen. Mit kritischem Blick drehte sie sich vor dem Spiegel. Der Rest war eigentlich ganz okay. Einen Wonderbra benötigte sie jedenfalls nicht, um genügend Oberweite vorzugaukeln. Alles war echt. Wenn nur nicht der ewige Kampf mit dem Gewicht wäre. Aber sie konnte sich einfach nicht beherrschen. Da ein Stück Schokolade, dort ein Kuchen, und überhaupt aß sie gerne. Ihre gelegentlichen Besuche im Sportstudio reichten nicht aus, um eine perfekte Figur zu formen. Trotzdem stellte sie gerne ihre Reize dar und mochte es, wenn die Männer ihr hinterher schauten. Die meisten mochten doch sowieso keine Hungerharken. Sie würde die Party also auf jeden Fall gehörig aufmischen!

Gerne hätte sie Nadine noch ein wenig ausgefragt. Aber diese hatte das Gespräch schnell beendet. Egal. Myriam hatte noch ein wenig im Internet recherchiert und fragte sich seither, ob Sophie und Nadine wirklich dieser merkwürdigen Szene angehörten. War das alles ernst zu nehmen oder eher ein seltsames Spiel? Vor allem bei Nadine, die während der Schulzeit eigentlich nur im Fahrwasser der viel selbstbewussteren Sophie mitgeschwommen war, konnte Myriam sich nichts von dem vorstellen, was sie sah und las. Oder war die devote Rolle genau das Richtige für jemanden wie Nadine?

Bei Sophie erschien dies Myriam jedenfalls vollkommen undenkbar. Die emanzipierte und um keine Konfrontation verlegene Sophie lebte in der Beziehung, die man in diesen Kreisen 24/7 nannte, den submissiven Part? Myriam hatte wie gebannt vor dem Bildschirm gesessen, gleichermaßen schockiert wie fasziniert, was dies bedeutete. Der devote Partner, als Sub bezeichnet, was sowohl auf die unterlegene Frau wie auch einen unterwürfigen Mann zutreffen kann, überlässt jegliche Entscheidungen dem dominanten Partner, dem Dom oder der Domina. Dazu gehört auch die Bereitschaft, zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort und auf jede Weise Sex zu haben.

Die Informationen sprengten Myriams Vorstellungsvermögen. Noch viel überraschender war allerdings, dass ihr Körper eindeutig reagierte, als sie nach mehrfachem Weiterleiten von einer Website zur nächsten sprang und schließlich auf eine Galerie stieß, deren Bilder bei Anklicken bildschirmfüllende sexuelle Handlungen zeigten. Da wurden sämtliche Gliedmaßen gefesselt, Busen prall verschnürt, Nippel geklammert und Peitschen geschwungen. Eine Frau kniete, in eine enge Korsage geschnürt, die ihren nackten Busen besonders betonte, vor einem Mann, der einen Riemen in der Hand hielt. Selbst wenn diese Szene gestellt war – wovon Myriam vorerst ausging – so lag eine solche Sinnlichkeit in dem Blick, mit dem die Frau zu dem Mann aufschaute, dass Myriam ein heißes Prickeln im Schoß bemerkte. Auf einem anderen Bild hatte eine als Schulmädchen verkleidete junge Frau ihren Slip bis zu den Kniekehlen herunter gezogen, die Beine leicht gespreizt. Sie stützte sich mit beiden Händen auf der Sitzfläche eines Stuhles ab, der Po von einem Rohrstock blau gestriemt, die feuchten Schamlippen zu erahnen. Das über die Schulter der Kamera zugewandte Gesicht war von Tränen gezeichnet und dennoch lächelte die Gepeinigte, als wäre es eine wahre Freude, diese Strafe zu empfangen.

Myriam war von dem Anblick wie gefangen. Was war das? Porno für geile Männer oder wahre Lust? Vom Mann war auf dem Video nur der Unterleib zu sehen, die herab gelassene Anzughose und der prächtige Penis. Das sehnsüchtige Ziehen in Myriams eigenem Schoß räumte jeden Zweifel aus, dass sie diese Bilder erregten. Was war das, was sie daran so anmachte?

Obwohl ihr Verstand leugnete, dass eine schmerzhafte Züchtigung erregend sein sollte, obwohl sie darüber schockiert sein müsste – war sie über alle Maßen fasziniert. Kurz darauf geriet sie auf eine Videoseite und schaute gebannt zu, wie einer Frau, die über den Schenkeln ihres Liebhabers lag, der Po versohlt wurde. Auch diesmal war der Mann bekleidet, die Frau jedoch halb nackt.

Myriam dachte kurz darüber nach. Vielleicht wurde seine Überlegenheit schon äußerlich demonstriert, indem er nur noch seine Hose zu öffnen brauchte – verdammt! Wenn das so weiter ging, würde ihr Slip bald völlig durchfeuchtet sein. Sie konnte den Blick nicht von dem Video abwenden. Je röter sich die Haut der Pobacken färbte, desto lustvoller stöhnte die Frau – und desto eindeutigere Signale sandte Myriams Körper aus. Es ging nicht anders, sie brauchte dringend Befriedigung. Mit einer Hand griff sie unter ihr T-Shirt, zerrte das BH-Körbchen herunter und stimulierte ihre Brustwarze, mit der anderen öffnete sie den Reißverschluss, fasste in ihren Slip, und rieb ihre Klitoris.

Mit offenem Mund keuchend sah sie zu, wie die Frau nun vor dem Mann nieder kniete, seine Hose öffnete und – in Großaufnahme zu sehen – seine Eichel liebevoll leckte, dann sein Geschlecht tief in den Mund nahm. Die Kamera schwenkte über ihren Rücken hinab zu ihrem Po, der deutlich gerötet war, und wieder zurück zu den roten Lippen, die lustvoll saugten.

Der Orgasmus schüttelte Myriam so intensiv, dass sie fast vom Stuhl fiel. »Aaah, ich bin verrückt, mir so Zeugs anzuschauen«, murmelte sie erlöst und kicherte.

Als Myriam zu Bett ging, war ihr Kopf übervoll mit Bildern, die vor ihrem inneren Auge automatisch wechselten, wie bei einer Slideshow. Sollte es tatsächlich möglich, dass Nadine und Sophie sich solchen Spielen hingeben? Wenn Nadine sie nicht verarscht hatte, dann – ja, dann führte diese auf jeden Fall ein unglaublich aufregenderes Sexleben als sie selbst.

Nun, da sie ja zu dieser BDSM-Party eingeladen war, würde sie hoffentlich hinreichend Gelegenheit erhalten, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob das nur ein paar Spinner waren, die sich auf spielerische Weise vergnügten. Die einen mimten in der Freizeit den Gothic oder Punk oder Rocker, und die anderen vielleicht einen BDSM’ler. Bestimmt war alles ganz harmlos und hatte nur wenig mit dem zu tun, was sie im Internet gesehen und gelesen hatte. Ja, bestimmt war das so.

Myriam lachte. Wer fand schon einen geschnürten Busen oder eine Stellung erotisch, bei der man mit hochgereckten Armen gefesselt war? Oder breitbeinig und geknebelt an ein Andreaskreuz fixiert, dem Zugriff eines finster aussehenden Kerls ausgeliefert, wann und wie es ihm beliebte?

Ich find’s aufregend anzuschauen. Ich glaub, ich spinne.

Zufrieden betrachtete Myriam sich ein letztes Mal vor dem großen Spiegel in ihrem Schlafzimmer von allen Seiten. Dann klingelte es zweimal und sie wusste, das vorbestellte Taxi wartete unten auf der Straße auf sie. In der eng geschnürten Korsage, die ihren Busen nur knapp bedeckte, sah sie auf jeden Fall sehr sexy aus. Dieser absolute Hingucker lenkte davon ab, dass Hüften und Po für den schwarzen Ledermini und die eng anliegenden Netzstrümpfe ein wenig zu drall geraten waren. Für die Fahrt zog sie ihren leichten Sommermantel über, der ihr bis zu den Knien reichte.

Das Taxi brachte sie in ein alt gewachsenes Viertel, dessen Erscheinungsbild von Einfamilienhäusern bestimmt wurde, die aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammten. Einige wenige moderne Bauten hatten die letzten Baulücken geschlossen.

Der Wagen hielt vor einem mit Büschen zugewachsenen Anwesen, das sich auf den ersten Blick in Nichts von den umliegenden unterschied. Das Gartentor, einfache schmucklose Metallstäbe, war nur angelehnt. Myriam zog den Mantel aus und nahm ihn über den Arm. Dann atmete sie einige Male tief durch, ehe sie den Klingelknopf drückte.

»Wow! Bist du ’ne scharfe Braut!«, begrüßte Nadine ihren Gast von oben nach unten und zurück musternd. »Komm rein.« Sie hauchte Myriam mit ihrem knallrot geschminkten Mund links und rechts einen berührungslosen Kuss auf die Wangen.

»Selber scharf«, erwiderte Myriam erleichtert darüber, dass ihre Kleiderwahl auf keinen Fall overdressed war.

Nadine trug einen hautengen Neckholder-Overall aus weißem Latex, der ihre schlanke Figur und ihre kleinen Brüste vorteilhaft betonte. Durch runde, etwa einen Zentimeter breite Aussparungen pressten sich ihre Brustwarzen sichtbar heraus. Myriam hielt den Atem an. Von ihrer eher zurückhaltenden Schulfreundin hätte sie nicht erwartet, sich im Beisein anderer so sexy und aufreizend zu geben. Noch dazu war die Hose im Schritt offen, wie die hervortretenden Schamlippen verrieten, und als Nadine sich umdrehte, um vorauszugehen, blickte Myriam auf ihren nackten Po. Wow, ist das abgefahren!

Das Esszimmer ging mit einer halboffenen Wand ins Wohnzimmer über. Die Gäste standen in zwangloser Formation herum und unterhielten sich, die meisten ein Cocktail- oder Bierglas in der Hand. Einige drehten sich um und taxierten Myriam neugierig, die meisten aber hatten noch nicht bemerkt, wer mit Nadine herein gekommen war.

»Myriam und ich kennen uns schon seit der Schulzeit«, erklärte Nadine, während sie Myriam herumführte und den anderen vorstellte.

Was hier stattfand, war definitiv keine Faschingsveranstaltung. Diese Menschen verstellten sich nicht, sie lebten ihre Einstellung, das wurde Myriam innerhalb weniger Minuten klar. Was würde geschehen, wenn die anderen bemerkten, dass sie nicht zur Szene gehörte? Nadine hatte mit keinem Wort erwähnt, dass sie sich erst vor kurzem wieder getroffen hatten.

Die meisten Subs waren Frauen, hauteng mit Latex oder Leder bekleidet. Bei allen wurden durch die Kleidung ihre weiblichen Reize betont. Einige trugen als Kennzeichen ihrer Stellung ein Halsband aus Leder oder Metall. Eine der Frauen zeigte wie Nadine ihren nackten Busen und Po, der rote bis tiefblaue Striemen der letzten Züchtigung aufwies. Eine andere trug ein ledernes Minikleid, doch als sie sich umdrehte, blickte Myriam auf eine fast nackte Rückfront, in regelmäßigen Abständen von Lederriemen unterbrochen, die die vordere Hälfte des Kleides spannten und am Körper hielten.

Eine weitere Sub, eine attraktive Frau mit langen blonden Haaren, war gezwungen ihre Arme auf dem Rücken zu halten, da diese in einem ledernen Monohandschuh gefangen waren. Ein dicker Knebel verschloss ihren Mund und eine chromblitzende Stange fixierte die Position ihrer leicht gespreizten Beine. Es war nicht zu übersehen, dass sie durch die zarten Berührungen ihres Doms erregt wurde. Ihre Wangen waren leicht gerötet und sie wand sich vergeblich, wenn seine Hand über ihren Busen strich, der sich unter einer transparenten Bluse wölbte, oder unter ihren Rock fasste, unter dem sie vermutlich nichts trug.

Scham und Tabus schien es nicht zu geben. Myriam versuchte sich in die Lage der gefesselten Schönheit zu versetzen. Vielleicht würde es mich auch erregen, so vollkommen ausgeliefert zu sein. Allein der Gedanke, aufgrund einer solchen Stange die Beine nicht schließen und sich dem Zugriff des Partners nicht entziehen zu können – wow, das musste aufregend sein. Würde es mir gefallen, jetzt, in diesem Augenblick, an ihrer Stelle zu sein? Diese Frage konnte sie sich nicht beantworten, denn der zugehörige Mann passte nicht in Myriams Beuteschema. Vollbart, lange Zottelhaare, ein bedrucktes T-Shirt und ein sich über Bluejeans wölbender Bauch, tätowierte Unterarme, Piercings im Gesicht. Das Paar wirkte ein wenig wie Die Schöne und das Biest.

Im Gegensatz zu diesem Kerl traten die anderen anwesenden Doms vorwiegend in schwarzen Hemden oder Shirts auf, in Anzügen aus feinem Tuch oder edlem Leder. Die gesamte Bandbreite reichte von Dressman bis Edelrocker. Der einzige gemeinsame Nenner war das Bevorzugen der Farbe Schwarz. Durch Piercings oder Tattoos oder eine wilde Mähne fiel kaum jemand auf.

Domina Marina war eine der wenigen weiblichen Doms. Ihrer bestimmenden Rolle wurde sie nicht nur mit ihrem Verhalten, sondern auch rein äußerlich gerecht. In einem weiten schwarzen Kleid wogte sie durch den Raum, leicht übergewichtig und mit einem beachtlichen Busen. Ihr schlanker und um einiges größerer Partner wich nie von ihrer Seite. Er präsentierte sich in dem aufwändig gearbeiteten Kostüm eines Harlekins, verneigte sich ständig vor allem und jedem, und trug wie ein gehorsamer Sklave ihr Proseccoglas und ihre Handtasche hinter ihr her. Myriam wusste nicht, ob sie über sein unterwürfiges Auftreten lachen oder ihn im Stillen einfach bedauern sollte. Domina Marinas ganze Aufmerksamkeit galt anderen Gästen, die sie überschwänglich begrüßte, als hätten sie sich jahrelang nicht gesehen. Ihr Sub war unauffälliges Beiwerk.

Unter all den heterogenen Paaren befand sich auch ein Schwules. In perfekt devoter Haltung kniete Dennis zu Florins Füßen und hielt ein Tablett mit Glas und Aschenbecher, in welchem sein Meister die Asche seines Zigarillos in regelmäßigen Abständen abschnippte. Florin war der einzige Mann, der mittelalterlich geprägte Kleidungsstücke trug. Der Hodensack seiner Hose lenkte den Blick auf seinen Unterleib. Dennis hingegen war völlig nackt, seine Schamhaare abrasiert. Sein Schwanz steckte in einem aus dünnem Metall gearbeiteten Peniskäfig, der eine Erektion oder unkontrolliertes Masturbieren unmöglich machte. Offensichtlich war sein Körper sorgfältig gepflegt worden, denn seine Haut schimmerte auf faszinierende Weise in makellosem, gleichmäßigem Bronzeton. Um den Hals trug er ein überdimensionales Halsband, dessen grobgliedrige Kette kurz gehalten an dem breiten Ledergürtel von Florins Hose endete, so dass Dennis seinem Herrn stets in gebückter Haltung folgen musste, sobald dieser weiterging. Es war ein Schauspiel der besonderen Art, wie Dennis seinen Herrn ergeben anhimmelte.

Atemlos sog Myriam alle Eindrücke gierig in sich auf. Es gab soviel zu sehen und es war viel intimer und erregender, als sie gedacht hatte.

Die Party fand überall statt. Im Wohn- und Esszimmer, im Flur und in der Küche. Ein erlesenes Büffet lockte mit vielfältigen Häppchen, daneben eine Auswahl an Getränken. Die Subs bedienten devot und voller Hingabe ihre Herren. Es wurde viel geredet und gelacht, wobei dabei auch an die Subs gedacht wurde. Subtile Berührungen wechselten mit heißen Umarmungen und leidenschaftlichen Küssen. Hemmschwellen schien es nicht zu geben. Man war unter Gleichgesinnten und brauchte nicht zu verbergen, was erregte.

Das Highlight aber raubte Myriam für Sekunden den Atem. Nie im Leben hätte sie in der wie ein Zirkuspferd aufgezäumten Frau, die ihr auf einmal gegenüber stand, Sophie erkannt. Deren einzige Bekleidung bestand aus einer kunstvoll gearbeiteten Verschnürung rot gefärbter Lederriemen, die wie das Prachtgeschirr eines Brauereipferdes gearbeitet waren. Sie verliefen um und zwischen ihren Brüsten, um die Taille und die Arme, über den Bauch, bildeten ein Dreieck um ihren rasierten Venuszügel, waren unter ihrem Schoß hindurch geführt. Erst auf den zweiten Blick bemerkte Myriam, dass Sophie ihre Arme nicht freiwillig auf dem Rücken hielt, sondern von der aufwändigen Konstruktion dazu gezwungen wurde. Um den Kopf trug sie aus derselben Machart Kopfgeschirr, kombiniert mit Scheuklappen und einem Knebel in Form einer Trense.

Der Anblick war lächerlich und abstoßend – und zugleich erregend. Myriam unterdrückte ein Keuchen. Machte Sophie das wirklich freiwillig? Und was war das? Sophies Brustwarzen waren doch tatsächlich gepierct. An silbernen Ringen baumelten winzige Glöckchen, die bei jeder Bewegung einen hellen, ganz leisen Ton von sich gaben.

»Myriam, darf ich vorstellen, das ist Leo, Sophies Herr«, erläuterte Nadine.

Das ist es wohl, was man einen wahren Dom nennt, schoss es Myriam durch den Kopf, die sich angesichts des durchdringenden Blickes, den ihr der Mann schenkte, wie eine Maus im Angesicht einer Katze fühlte. Wie paralysiert starrte sie ihn an, unfähig etwas zu sagen.

»Schön, willkommen in unserer Runde«, war alles, was Leo sagte. Sein Händedruck war angenehm fest. Ob Sophie sich freute, Myriam wiederzusehen, war nicht zu erkennen. Ihre Augen waren demütig auf den Boden gerichtet.

Als Leo nach dem Ende der Leine griff, die von Sophies Kopfgeschirr herabhing und weiter ging, folgte diese ihm ohne Widerstand zu leisten. Myriams Atem stockte angesichts ihrer Rückenpartie. Zwischen ihren Pobacken wippte ein ansehnlicher schwarzer Pferdeschweif bei jedem Hüftschwung von links nach rechts und zurück. Sophies Riemchenstilettos hatten eine beängstigende Höhe, wobei sie es verstand, ihre kleinen Schritte damit sicher und anmutig zu setzen.

»Analplug«, erklärte Nadine.

»Was?«

»Der Schweif ist an einem Analplug befestigt, also – sozusagen an einem Postöpsel. Du hast so was bestimmt noch nie gesehen.«

»Ah, cool«, beeilte Myriam sich zu antworten. Dutzende Fragen lagen ihr auf der Zunge, ob das nicht weh tat und ob Leo seine Freundin dazu gezwungen hatte, aber sie würde sich nicht noch mehr die Blöße der Unwissenheit geben. Diese Informationen ließen sich bequemer und vollkommen anonym im Internet recherchieren. Ihr Kopf schwirrte jetzt schon von den vielen neuen Eindrücken.

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Yaş sınırı:
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Hacim:
266 s. 11 illüstrasyon
ISBN:
9783942602792
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