Kitabı oku: «Verführung der Unschuld 2»
Lilly Grünberg
Verführung der Unschuld 2

www.Elysion-Books.com
Lilly Grünberg
Unter verschiedenen Namen hat sich die Autorin Lilly Grünberg in die Herzen der Erotik- und SM-Leser, aber auch in die der Fantasy-Liebhaber geschrieben.
Unter dem Namen »Lilly Grünberg« sind bei Elysion-Books bisher die Romane »DEIN« und »SEIN« einer romantischen Soft-SM-Trilogie erschienen, die 2015 mit »MEIN« ihren Abschluss finden soll.
Weiterhin wurden bei Elysion-Books eine Kurzgeschichte in der Anthologie »Nuancen der Lust« sowie die überarbeiteten Neuauflagen von »Verführung der Unschuld 1« und »Begierde« veröffentlicht. Die Kurzgeschichte »Bunte Ostereier« erscheint 2014 in der Anthologie »Hartgekocht«.
Aktuelle Infos unter www.lilly-romane.de
Lilly Grünberg
Verführung der Unschuld
Teil 2
Romantischer SM Roman

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WWW.ELYSION-BOOKS.COM ELYSION-BOOKS BAND 4057 1. Auflage: Februar 2014 ORIGINALAUSGABE © 2014 BY ELYSION BOOKS, LEIPZIG ALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert
www.dreamaddiction.de FOTOS: © Sergii Shalimov /Fotolia
ISBN 978-3-942602-6-5
Mehr himmlisch heißen Lesespaß finden Sie auf:
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Inhalt
Giulia im Glück
Start in ein neues Leben
Ein Riss im Glück
Wilde Weinberge
Das neue Zuhause der Sklavin
Brisante Begegnungen
Die Pflichten der Sklavin
Stadtbummel
Die Bestrafung
Hemmungslose Lust
Ein zweiter Dominus
Gewissensbisse
Ein erotischer Abend
Ein sadistisches Spiel
Verbotenes Spiel
Gedanken eines Doms
Zukunftsträume
Das Verlies
Das Kennzeichnen der Sklavin
Nichts als Glück
Schwierige Geschäfte
Benutzt
Ein romantischer Nachmittag
Erfreuliche Nachrichten
Gefährliche Begegnung
Wer ist Federico?
Eine überraschende Wendung
Giulias geheimes Gefängnis
Bedrohungen
Freund oder Feind?
In tiefer Verzweiflung
Versteckspiel
Der Unfall
Unglück und Glück
Giulia im Glück
Wie schön das Leben sein konnte! Giulias Herz lief über vor lauter Glück, und manchmal befiel sie eine erdrückende Angst, es könnte plötzlich alles vorbei sein. Denn alles war einfach wunderbar, schöner als sie es sich zu erträumen gewagt hätte. Sie hatte den liebevollsten aller Männer geheiratet, der obendrein attraktiv und erfolgreich war, eine niedliche Tochter geboren, herzensgute Schwiegereltern dazu bekommen, und obendrein ein geräumiges und schönes neues Zuhause.
Mit einem Lächeln beugte Giulia sich über den Kinderwagen, der unter der Schatten spendenden, weit ausladenden Krone eines alten Marillenbaumes stand und streckte ihre Arme nach ihrem fünf Monate alten Baby aus. Fröhlich strampelte die kleine Maria mit den nackten Beinchen und lutschte an der winzigen Rassel, die sie in den Fingerchen hielt. Giulia drückte die Kleine an sich und herzte sie auf die Pausbäckchen, während sie durch den blumenreichen Garten zurück zum Haus schlenderte.
Anfangs hatte sie sich ein wenig gesorgt, die vielen Insekten könnten Maria gefährlich werden. Nicht auszudenken, wenn die Kleine gestochen würde oder ihr gar ein Insekt in den Mund flog. Aber ihre Sorge war unbegründet, wie sie sich von Tante Ilaria überzeugen ließ. Dieser Garten war das reinste Insektenparadies, bot ausreichend Futter für alle Arten von Insekten und Vögeln und ebenso für alle die passenden Nistmöglichkeiten. Da war der Mensch vollkommen uninteressant.
»Bald kommt dein Papa nach Hause. Was meinst du, was sollen wir ihm heute kochen, hm?«
Während Giulia weiter vor sich hinplapperte, als ob ihr Kind jedes Wort verstehen würde, quietschte dieses ausgelassen vor sich hin.
»Weißt du, dass dein Papa und ich uns gaaanz schrecklich lieb haben?«
Giulia gab ihrem Töchterchen einen dicken Schmatz auf die zarte Wange. Sie fühlte tief in sich eine drängende Sehnsucht, die jeden Tag intensiver wurde und von der Sonne zusätzlich genährt wurde. Lorenzo war ein aufmerksamer und liebevoller Ehemann, und er war in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft sehr verständnisvoll gewesen und hatte sie geschont. Inzwischen hatten sie wieder Sex und Giulia genoss Lorenzos Zärtlichkeit und Leidenschaft. Es würde jedoch nicht mehr lange dauern – entsprechende Andeutungen machte er von Zeit zu Zeit – und er würde sie zum ersten Mal seit Beginn ihrer Schwangerschaft zu einem dieser erotischen Spiele auffordern, in die er sie zusammen mit seinem Bruder eingeführt hatte. Ein Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, mit Lust und Lustschmerz. Giulias Herzschlag steigerte sich, wenn sie nur daran dachte. Vielleicht geschah es ja schon heute? Ein wenig konnte sie dazu auch betragen …
Die Haustür war wie meist nur angelehnt. Zum hinteren Eingang der Landhausvilla kamen nur Besucher, die sich auskannten. Fremde verirrten sich nicht hierher.
Der großzügige Eingangsbereich wechselte übergangslos in die Wohnküche im Landhausstil. Alles passte zusammen. Das stark gemaserte Eichenparkett, die dazu passenden Küchenmöbel aus naturbelassenem Holz, der rustikale Esstisch mit Sitzbänken statt Stühlen, die geschwungenen gusseisernen Wandleuchten, das schlichte Tellerboard. Selbst die Dunstabzugshaube vermochte diese Harmonie nicht zu stören, da sie sich mit ihrem Glasschirm zurückhaltend in das Gesamtbild integrierte.
Nachdem Giulia ihr Kind in einen bereit stehenden, mit weißem Stoff und Rüschen bezogenen Stubenwagen gelegt hatte, holte sie Gemüse und Fleisch aus dem Kühlschrank. Während sie die Zucchini in kleine Stücke schnitt und Auberginenstreifen salzte, schweiften ihre Gedanken wieder ab.
Ihr Tagesablauf hatte inzwischen einen festen Rhythmus zwischen Kind, Haushalt und Einkäufen angenommen, sobald Lorenzo am Morgen das Haus verließ, um den Geschäften seiner Immobilienfirma nachzugehen. Die einzigen Unwägbarkeiten waren die Besuche ihrer Schwiegermutter, die gerne ohne Vorankündigung vorbeikam, um ihre Enkeltochter zu sehen. Diese Absicht verbarg Franca Moreno gerne hinter der Ausrede, eigentlich ihre Schwester Ilaria zu besuchen, in deren großem Haus Giulia und Lorenzo Unterkunft gefunden hatten, seit sie aus der Landvilla ausgezogen waren, die Lorenzo bis dahin mit seinem Bruder bewohnt hatte. Überaus dramatische Tage lagen hinter der Familie Moreno und alle waren froh, dass wieder Ruhe und Glück eingekehrt waren.
Vorsicht, das war knapp. Giulia betrachtete den Fingernagel, an dem gerade das Messer geschabt hatte. Alles okay, nur der Nagellack hatte einen kleinen Kratzer davon getragen.
Lorenzo hatte im entscheidenden Augenblick auf sein Herz gehört und sich zu Giulia bekannt. Denn bis dahin hatte er seine Gefühle für Giulia vor seinem Bruder und auch vor sich selbst geleugnet. Aber es war längst mehr als nur ein sexuelles Begehren. Aus der Unterwerfung Giulias als williges Spielzeug für die erotischen Abenteuer, die Federico und er suchten, war eine brennende Liebe geworden.
Selbst als Federico überraschend mit unbekanntem Ziel abreiste, wollte Giulia nicht zurück in das Haus, mit dem soviele Erinnerungen verbunden waren. Sie hätte in der ständigen Angst gelebt, Federico würde eines Tages hinter ihr stehen und sie beschimpfen. Bei Tante Ilaria hatten sie nun sogar einen kompletten Seitenflügel der Villa für sich alleine, umgeben von einem wunderschönen Garten, und fühlten sich so wohl, dass die Pläne, sich ein eigenes Haus zu kaufen, vorerst in einer geistigen Schublade gelandet waren.
Das Kind quengelte leise vor sich hin. Giulia wischte sich die Finger an einem Tuch ab und sah nach. Der Schnuller war aus dem Mund gefallen und die Kleine wischte sich ungeschickt über die müden Augen. Behutsam schob Giulia den Schnuller zurück in den Mund und das Baby nuckelte zufrieden vor sich hin.
xGiulia nahm das Messer wieder in die Hand, schnitt das restliche Gemüse fertig und gab dann alles nach und nach in eine Pfanne. Zuletzt folgten klein geschnittene Hähnchenteile, ein einfaches buntes Gericht, das Lorenzo besonders gern aß.
Wenn Giulia zurückdachte, dann hatten sie die Ereignisse des letzten Jahres in einer Vehemenz überrollt, die rückblickend kaum noch nachzuvollziehen waren und ihr wie die Erinnerung an einen Spielfilm vorkamen. Zuerst hatte sie diese von ihrem Onkel vermittelte Stelle als Hausmädchen bei den Moreno’schen Zwillingen angenommen. Dann hatte sie sich unter der geschickten Verführung der beiden Männer hoffnungslos verliebt und war nach und nach in deren sexuelle Vorlieben eingeführt worden. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als ihre Schwangerschaft bekannt wurde. Lorenzo und sein Zwillingsbruder Federico hatten von Anfang an betont, dass allein Giulia für die Verhütung verantwortlich wäre und im Falle einer Schwangerschaft ihre Anstellung verlieren würde.
Nie würde Giulia vergessen, wie sie Hals über Kopf das Haus verlassen und völlig planlos flüchten wollte, als der Gynäkologe ihre Schwangerschaft feststellte. Wie naiv sie in die ganze Sache hineingeschlittert war! Einmal, nur ein einziges Mal hatte sie vergessen, die Pille zu nehmen.
Puh! Vor lauter Tagträumerei wäre ihr jetzt fast das Essen in der Pfanne angebrannt. …
Es war der bis dahin glücklichste Tag in ihrem Leben, als Lorenzo ihr in Tante Ilarias Rosengarten einen romantischen Heiratsantrag machte. Für ihn spielte es keine Rolle, ob es sein oder Federicos Kind war, das in ihrem Bauch heranwuchs. Lange Zeit hatte sie diese Ungewissheit als Belastung empfunden, aber seit Maria auf der Welt war, war auch sie davon überzeugt, dass nur Lorenzo der Vater sein konnte. Einen liebevolleren und besorgteren Vater gab es nicht.
Gedankenverloren gab Giulia Gewürze und Knoblauch ans Essen, sammelte die Überreste ein, die sich beim Schneiden auf dem Küchentresen verteilt hatten und putzte mit einem feuchten Tuch nach. Würde es ewig so schön bleiben, ihr jetziges Leben? Das wäre einfach zu schön, um wahr …
»Aaaaah!« Giulia stieß einen quietschenden Schrei aus, als sie auf einmal von hinten umarmt wurde. »Lorenzo! Du sollst dich nicht immer so anschleichen und mich erschrecken.«
Ihr Mann wirbelte sie auf der Stelle zu sich herum, legte eine Hand in ihren Nacken und erstickte weitere Worte mit einem leidenschaftlichen Kuss. Giulia schlang ihre Arme um seinen Hals, eines ihrer nackten Beine um seinen Unterschenkel und verringerte so noch mehr die kurze Distanz. Sie fühlte die Hitze, die seine Brust abstrahlte, die Kraft, die von seinem Körper ausging und sie gab sich völlig dem neckenden Vor- und Zurückschnellen seiner Zungenspitze hin.
»Ah, mein lüsternes Vollblutweib«, lachte Lorenzo, lockerte seinen Griff und blickte auf ihren Busen herab, der sich unter dem dünnen Stoff ihres Sommerkleides hob und senkte. »Hm, und wie es hier wieder duftet.«
Meinte er ihr Eau de Toilette oder das Essen? »Fast fertig, wir können gleich essen«, stellte Giulia fest und schlüpfte aus seinen Armen, um das Besteck aus der Schublade zu holen.
»Ja, wenn das Essen nur fast fertig ist …«, wiederholte Lorenzo gedehnt und begann sein Hemd aufzuknöpfen, ohne sie aus den Augen zu lassen. »Dann könnten wir beide ja erst noch eine Vorspeise einlegen.«
Giulia las es in seinem Blick, was er meinte und lief auf die andere Seite des Esstisches. »Ich meinte eigentlich, dass ich erst noch den Tisch decken muss.«
»Oh nein, du kleine Schwindlerin, du meinst etwas ganz anderes.« Er zog sein Hemd aus und legte es über eine Stuhllehne. »Du bist die Vorspeise.«
Giulia kicherte. »Ach ja? Dann musst du mich aber zuerst fangen. Ich lass mich nämlich nicht freiwillig vernaschen!«
»Meinst du? Das werden wir gleich sehen!«
Lachend rannten sie beide mal links, mal rechts um den Tisch herum. Giulia ließ ihren Mann nicht eine Sekunde aus den Augen und reagierte stets schnell genug. Allerdings rechnete sie nicht damit, dass er sich auf einmal auf den Tisch schwingen und zu ihr herüber rutschen würde. Bereitwillig und doch vor Lust und Übermut kreischend ließ sie sich von seinen Armen einfangen.
»Jetzt gehörst du mir«, keuchte er an ihren Lippen und seine Hände strichen über ihren Körper.
Oh ja, sie wollte ihn. Ihr Körper verlangte mit jeder Sekunde dieses Spiels mehr nach ihm. Ihre Hände streichelten seine Brustwarzen, während sie sich erneut küssten und seine Hände ihren Rock empor rafften und ihre Pobacken umfassten. Und dann – stutzte er und hielt in seinem Kuss inne.
»Mein kleines ungezogenes Weib hat ja gar nichts unter dem Kleid an«, murmelte er rau.
»Schon den ganzen Tag nicht«, hauchte Giulia und knabberte zart an seiner Lippe.
Für einen kurzen Augenblick geschah nichts, dann klatschte seine Hand laut auf ihre Pobacke.
»Findest du nicht auch, dass sich das für eine anständige verheiratete Frau nicht gehört?«
Giulia kicherte und streckte ihren Po ein wenig heraus. Sie sehnte sich nach ein wenig Schmerz, nach dem Gefühl, sich ein bisschen Strafe verdient zu haben.
Ein zweiter Klaps erfolgte, ein dritter, ein vierter, und brannten auf ihrer Haut. Giulia stöhnte. Sie fühlte ihre Schamlippen feuchter werden, schwellen, und ihre Lust wurde immer größer. Und dann entfachten seine Klapse ein Feuer, das sie zum ersten Mal aufschrie.
Sofort hörte er auf, hob sie mit dem Po auf den Tisch, und während sie sich erneut küssten, hungrig, gierig, öffnete sie seine Hose. Den Rest übernahm er selbst, schob Hose und Slip bis über seine Pobacken herunter und zog ihren Schoß zu sich, direkt über seinen Schwanz und drang in sie ein.
Giulia japste vor Begierde. Sie schlang ihre Beine um seine Hüften, doch er nahm sie, legte sie sich über die Schultern und drängte Giulia zurück auf die Tischplatte. Mit langsamen Bewegungen fachte er ihre Lust noch mehr an, stieß tief in sie hinein, während sie sich an seinem Nacken festhielt, um ihn weiter zu küssen. Alles um sie herum wurde zur Nebensache. Sie waren nicht in ihrer Küche, sie vögelten nicht gerade auf dem Küchentisch. Nein. Sie waren irgendwo, weit weg, besessen von ihrer Lust, von dem Geruch des Schweißes, der ihre Körper bedeckte, der allmählich beißender wurde, eine eigenartige Note annahm … und dann kamen sie beide, laut keuchend, um Atem ringend, und für einen Moment ganz Eins.
Erschöpft sank Giulia auf den Tisch zurück. Sie sahen sich beide an und mussten lachen.
»Was riecht hier eigentlich so merkwürdig?«
Giulia starrte ihn für eine Sekunde reaktionslos an, dann fuhr sie mit einem Aufschrei hoch: »Das Essen!«
Start in ein neues Leben
Ursprünglich war Mariellas Weg geradlinig verlaufen. Als vorbildliche Tochter eines ehrgeizigen Vaters, der weder Geld noch Mühe scheute, in ihre Bildung zu investieren, hatte sie Medizin studiert. Schließlich sollte sie eines Tages in seine Fußstapfen treten.
Alles verlief nach Vaters Plänen, bis zu jenem einschneidenden Erlebnis während einer Nachtschicht. Seither wusste sie, dass sie nicht dafür gemacht war, ihr Leben zwischen Patienten und Krankenakten zu verbringen und zu hoffen, dass ein potentieller Ehemann bereit war, seine Familienpläne und sein Sexleben ihren Arbeitszeiten unterzuordnen. Und erst recht ihrem Erfolg …
Mariellas Dienst hatte am frühen Abend begonnen. Seither waren erst drei Stunden vergangen und die Dämmerung setzte allmählich ein, als der Krankenpfleger sie zu einem Patienten rief, der eine Spritze gegen seine starken Schmerzen benötigte. Danach folgte er ihr auf den Gang hinaus und sie spürte förmlich, wie er ihr hinterher sah. Angesichts des Kittels, der wie eine zweite Haut an ihrem Körper klebte und ihren Po nachformte, fühlte sie sich nackt und zugleich sexy. Es war der unerträglichen Hitze zuzuschreiben, unter der Krankenhauspersonal und Patienten seit Tagen litten, dass Mariella unter ihrem Arztkittel nichts weiter als einen String trug. Selbst ein Büstenhalter war ihr zu warm erschienen.
Kurz darauf kam der Pfleger erneut in ihr Arztzimmer, diesmal jedoch ohne anzuklopfen. Er trat einfach ein und drehte den Schlüssel herum, den Mariella wie immer nach dem Aufschließen von innen ins Schloss gesteckt, um ihn nicht zu verlegen. Dann machte er das Deckenlicht aus. Von draußen entstand nun der Eindruck, sie wäre im Haus unterwegs. Niemand würde sie stören. Im Gegenlicht des Krankenhausflurs, das durch die in der Tür eingelassene Milchglasscheibe gedämpft wurde, erschien der Körper des Mannes wie eine dunkle Silhouette und sie hielt angespannt den Atem an.
Den Namen des Krankenpflegers hatte sie längst vergessen. Nicht aber, was anschließend in jener Nacht geschehen war. Er war langsam näher an ihren Tisch herangetreten und nur mit Mühe gelang es ihr zu fragen, was jetzt anliege. Mit rauer Stimme erwiderte er: »Du brauchst eine Sonderbehandlung.«
Er reichte ihr die Hand und zog sie aus ihrem Schreibtischstuhl noch, knöpfte ihren Kittel nur soweit auf, dass er ihn straff über ihre Schultern und Brüste schieben konnte, so dass sie darin fast wie in einer Fessel gefangen war, und sie ließ es wie paralysiert geschehen. Ihre Brüste waren schön, wohlgerundet und prall, und es war schon eine Weile her, dass sie Zärtlichkeit empfangen hatten. Der Pfleger wog jede Brust in seiner Hand, fuhr mit den Daumen über ihre Nippel, die sich augenblicklich verhärteten, und packte dann fester zu.
Es gelang ihr nicht, ein lüsternes Aufstöhnen zu unterdrücken.
»Du bist unverschämt heiß.« Seine Stimme klang kratzig, als konnte er selbst kaum seine Lust im Zaum halten. Er zwirbelte ihre Nippel und der leichte Schmerz schoss ihr direkt in ihren Schoß. Sie verspürte das drängende Bedürfnis, ihre Schenkel zu spreizen, um ihren schwellenden Schamlippen mehr Raum zu schenken.
Um nicht noch einmal laut vor Lust aufzustöhnen, biss sie sich auf die Unterlippe, und auch als er eine Mullbinde aus der Tasche zog und diese benutzte, um ihr nun die Hände fest auf den Rücken zu fesseln, wehrte sie sich nicht. Im Gegenteil, jeder Handgriff von ihm saß und putschte ihre Lust in einer Weise auf, wie sie es noch nie kennengelernt hatte, und auch dieses Gefühl, ihm in gewisser Weise ausgeliefert zu sein, war unbeschreiblich erregend und machte sie schwindlig. Wieder packte er ihre Brüste, griff fest zu, knetete sie, als wolle er keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie ihm ausgeliefert war, und zwirbelte ihre Brustwarzen so hart, dass sie laut vor Schmerz aufstöhnte. Doch auch dieser Schmerz barg für sie eine Überraschung, denn er machte sie nur noch geiler.
Er lachte leise. »Dachte ich mir doch, dass dir das gefällt, Frau Doktor. Du bist kein verzärteltes, anständiges Frauchen, wie du nach außen vorgibst. Du brauchst es härter!«
»Ja«, hauchte sie artig, in seinen Worten fassungslos die Wahrheit über sich selbst erkennend.
»Das heißt ab jetzt: Ja, mein Gebieter.«
Mariella schluckte. Was geschah hier mit ihr? Plötzlich drückte seine Hand ihren Kittel fest zwischen ihre Schenkel, direkt auf ihr Geschlecht.
»Sag es! Du willst es härter!«
Was sollte sie antworten? Ach so. »Äh, ja, mein Gebieter.«
Sie hörte das Grinsen heraus, als er antwortete. »So ist es recht.«
Mit festem Griff schob er sie zu der Untersuchungsliege, die an der Wand stand, drehte sie um und drückte sie mit dem Oberkörper darauf nieder. Dann schlug er den Kittel über ihrem Po hoch und zerriss mit einem Ruck ihren String.
Mariella keuchte erschrocken auf und fühlte mit unfassbarem Staunen, wie sehr sie diese raue Geste anmachte. Würde er sie jetzt einfach nehmen?
»Hat dich schon mal jemand gezüchtigt?«
»Nein«, antwortete sie verwirrt.
»Wie heißt es korrekt?«
»Nein, mein Gebieter.«
»Dann wird es Zeit, dass dir jemand Manieren beibringt. Dein Hintern ist wie geschaffen für eine ordentliche Züchtigung.«
Was sollte das heißen? Sie fand ihren Po ganz in Ordnung, schön rund und knackig, ohne zu ausladend zu sein. Und – was meinte er mit einer Züchtigung? Er würde doch nicht …
Im nächsten Moment verstand sie, als sein Ledergürtel fest auf ihre Haut klatschte und einen heißen Streifen hinein brannte. Als sie sich reflexartig aufrichtete, packte er sie wie einen Welpen mit der freien Hand im Genick und drückte sie auf die Liege hinunter.
Doch das war erst der Anfang. Zielsicher traf der Ledergurt mit jedem Hieb ihre nackte Haut. Zu Anfang eher überraschend, ging das Brennen bald in einen intensiven Schmerz über, und es fiel ihr schwer, nicht laut zu schreien. Ein Endorphinrausch mit überraschenden Ausmaßen tobte durch ihre Adern und lähmte jegliche Entscheidungen ihres Kopfes. Jeder neue Hieb putschte ihre Lust noch mehr auf und brachte sie näher an den befreienden Höhepunkt.
Es dauerte einen Augenblick, bis sie registrierte, dass er aufgehört hatte. Der Flächenbrand auf ihrer Haut raubte ihr schier den Atem – da fühlte sie, wie er sein Geschlecht gegen ihre Schamlippen drängte, die sich wie zugeschwollen anfühlten. Indes drang er mühelos in sie ein und nahm sie in einem schnellen und harten Ritt, seine Hand in ihre Haare verkrallt und ihren Kopf nach hinten gezogen, bis sie beide kurz nacheinander kamen.
Zuerst wollte Mariella nicht glauben, dass dies wirklich passiert war. Doch sie brauchte nur über ihren Po zu streifen oder sich im Spiegel zu betrachten und sie erhielt die Gewissheit: Es war geschehen! Ihre Sucht war geweckt und schon wenige Tage später tauchte sie mit einem Kollegen in der Hoffnung, beim Nachtdienst ihrem Gebieter erneut zu begegnen. Doch vergeblich. Seine Nacht mit Mariella war die letzte gewesen, ehe er die Klinik verlassen hatte.

Der Ehevertrag war härter ausgefallen als erwartet. Mariella erkannte, dass sie sich unbedingt bald eine Strategie zurecht legen musste, um den Luxus genießen zu können, der sie umgab. Wenn sie Federicos erotische Fantasien und seinen Hunger nach Sex befriedigte, der dem ihren sehr ähnlich war, vielleicht würde er ihr dann soweit verfallen, überlegte sie, dass er ihr mehr Freiheit und Selbstständigkeit zugestehen würde. Denn vorerst verfügte sie weder über Geld, noch über ein Auto oder die Möglichkeit, in die Stadt zu fahren und zu shoppen, wann es ihr beliebte.
Auf der Suche nach einem reichen Ehemann, der ihr ein Leben in Luxus und sexuelle Erfüllung bieten würde, hatte sich Mariella ganz bewusst darauf eingestellt, jegliche Bedingungen zu akzeptieren, und sie zweifelte keinen Augenblick daran, das Richtige zu tun. Sie war klug und schön. Ihre gleichmäßig bei nacktem Sonnenbad bronzierte Haut bildete einen attraktiven Kontrast zu ihren langen, ungewöhnlich blonden Haaren, und ihre hellblauen Augen wirkten in dem gebräunten Teint noch leuchtender und reiner, als sie in Wirklichkeit waren.
Nein, sie durfte dies nicht dem Zufall überlassen. Um den einen, den Besonderen zu finden, der ihre Bedürfnisse befriedigte, musste sie einen anderen Weg beschreiten. Und sie war bereit, dabei volles Risiko einzugehen und sich einer sehr speziellen Heiratsvermittlung anzuvertrauen. An die große Liebe glaubte sie sowieso nicht. Die hatte bei ihren Eltern auch nicht lange gehalten. Warum also den Bund fürs Leben nicht auf andere Weise angehen …
In Federico hatte man für sie einen ebenbürtigen Partner gewählt, der ihr an Selbstbewusstsein und Intelligenz in nichts nachstand, und auch ihrem Traum von einem unbeschwerten Leben in Luxus entsprach. Die ersten gemeinsamen Tage hatten bereits gezeigt, dass er genau wusste, was er wollte. Nichts anderes hatte sie sich gewünscht, als einen dominanten Mann, der ihr die Befriedigung geben konnte, nach der ihr Körper verlangte, und wofür ein gewisses Maß an Unterwerfung ihrerseits und das Akzeptieren der einen oder anderen Demütigung erforderlich war.
Alles war sehr schnell gegangen. Kaum hatte sie ihren Zukünftigen kennengelernt, war sie schon mit ihm verheiratet. Nicht einmal ihre Eltern und Freunde hatte sie einladen dürfen. Federico lebte seine Rolle als Dominus ganz und gar und bestimmte ihr Leben von der ersten Sekunde an. Eine vergleichsweise unromantische Trauung auf dem Standesamt und eine kurze kirchliche Trauung in einer Kapelle, mit fremden Trauzeugen, in einem von ihm innerhalb einer halben Stunde ausgewählten Hochzeitskleides. Alles höchst professionell für seine Familie, wie er sagte, von einem Fotografen dokumentiert. Auf ihre Frage, warum sie nicht erst zu ihm nach Hause fuhren und im Familienkreis heirateten, war er nicht eingegangen.
Gewünscht hätte sie sich eine pompöse Hochzeit, am besten mit einem Bericht in der regionalen Presse, auf jeden Fall aber mit der offiziellen Einführung in seine Familie und Verwandtschaft, und mit der Chance, ihrem eigenen Vater zu zeigen, welche gute Partie sie gemacht hatte. Stattdessen hatte Federico ihr noch nicht einmal erlaubt, ihren Vater zu benachrichtigen. Kein Handy, kein Geld, nicht einmal über ihren Ausweis verfügte sie. Sicher, sie hatte freiwillig den Heiratsvertrag unterschrieben, der ihre Rechte und Pflichten regelte, aber das bedeutete in ihren Augen nicht, dass der Rest ihres Lebens in völliger Unterwerfung verlaufen würde. Liebessklavin ja, echte Sklavin nein. Eigentlich war sie dazu auch nur bereit, um ihre sexuellen Fantasien auszuleben. Und seit ihrer Hochzeit war es noch nicht einmal dazu gekommen. Dabei hatte er ihr bei ihrem ersten Kennenlernen auf seiner Luxusyacht gezeigt, wozu er fähig war. Mit einer Züchtigung, einem Knebel und Fesseln hatte er ihre Lust aufgepeitscht und sie dann in einem wilden Ritt von hinten genommen, als bestiege ein Hengst eine Stute.
Von einer unerklärlichen Unruhe seinerseits vorwärts getrieben, hatte zu ihrem Leidwesen alles im Eilverfahren stattgefunden. Der Ehevertrag, die Hochzeit, und sogar der Sex in ihrer Hochzeitsnacht. Er hatte sie aufs Bett geworfen, ihr Kleid hochgeschlagen und sie einfach genommen. Kein Vorspiel, keine heißen Küsse, kein Spaß. Wäre sie nicht so heiß auf Sex gewesen, so voller euphorischer Erwartung, was sie mit ihm erleben würde, dann wäre sie nicht erregt genug gewesen, um diesen Akt ohne Schmerzen zu erleben. Wirklich lustvoll war es jedoch nicht gewesen und Mariella fragte sich, ob sie einen Fehler gemacht hatte.
Als sie ihn enttäuscht von sich stoßen wollte, setzte er sich auf sie, hielt ihre Hände fest und schaute sie unverwandt an, ehe er ihr unmissverständlich erklärte, dass sie nun sein Eigentum sei. Und obwohl ihr Verstand rebellierte, wollte sie in diesem Moment nichts anderes, als von ihm unterworfen werden und ihm gehören.
Immerhin hatte Federico in einem Punkt nicht übertrieben, als er ihr erzählt hatte, von einer alteingesessenen luccesischen Familie abzustammen. Über dem Portal der Stadtvilla seiner Eltern prangte das Wappen der Morenos. Als sie ankamen, standen einige Touristen davor und schossen davon und von der prächtigen Fassade Fotos für ihr Urlaubsalbum.
Der erste Besuch bei ihren Schwiegereltern verlief positiv. Der Patrone war ganz offensichtlich sehr froh, seinen Sohn nach längerer Abwesenheit wiederzusehen. Seine Frau hingegen wirkte ein wenig reserviert, als wären Mutter und Sohn im Streit auseinander gegangen und hätten diesen Konflikt noch nicht bereinigt. Vielleicht hatte er sich aber auch nur zu selten gemeldet und sie nahm ihm das übel.
Über Federicos Verkündung, dass ihre Hochzeit bereits stattgefunden hatte, waren seine Eltern fast ein wenig bestürzt. Sichtlich beeindruckt schien der Patrone hingegen über Federicos nicht ohne Stolz vorgetragenen Hinweis, dass Mariellas Vater ein wohlhabender Großindustrieller sei und sie selbst Medizin studiert habe.
»Eine Frau Doktor in unserer Familie? Respekt.« Der Patrone nickte, wie um seine Worte zu bekräftigen, und zog neugierig die Augenbrauen hoch, Mariella zugewandt. »Und wo werden Sie künftig praktizieren?«
»Meine Frau hat es nicht nötig zu arbeiten, Patrone«, schritt Federico eilig ein. »Wir wollen selbstverständlich möglichst schnell eine Familie gründen und Mariella wird sich in erster Linie um die Kinder kümmern.«
Mariella lächelte, als wäre dies auch ihr bevorzugtes Ziel. Natürlich wollte sie Kinder haben, aber sie hätte gerne noch ein paar Jahre gewartet und zuerst das Leben und soweit möglich die Vorteile einer Ehe genossen. Das war ihr eigentliches Ziel einer Heirat gewesen. Sex, Luxus und Reisen.
Wenn sie ihre Position festigen wollte, war es jedoch unumgänglich, möglichst bald schwanger zu werden. Das forderte bereits der Heiratsvertrag. Wäre sie nicht innerhalb von zwei Jahren schwanger, würde die Ehe geschieden und sie erhielte nur eine kleine Abfindung. Federico hatte seine Wünsche klar ausgesprochen: sie war seine Liebesklavin, die jeglichen seiner Wünschen jederzeit und voller Lust zur Verfügung zu stehen habe. Im Übrigen legte ein weiterer Paragraph fest, dass sie ihm nicht nur ein Kind gebären solle, sondern dieses Kind ein Sohn sein müsse, und diesem solle alsbald ein zweiter folgen.
Als ob es in ihrer Macht läge, das Geschlecht zu beeinflussen! Dieser Wunsch offenbarte ein Denken wie im tiefsten Mittelalter!
Mariella hatte sich mit Mühe den Einwand verkniffen, Federico solle sich mal mit dem biologischen Ablauf einer Zeugung beschäftigen. Dann wüsste er nämlich, dass allein er mit seinem Samen für das Geschlecht des Kindes verantwortlich sei. Sofern er in der Lage wäre, seine Spermien soweit zu kontrollieren. Aber dann unterließ sie die Bemerkung angesichts seiner strengen Miene. Über dieses Thema konnte man offensichtlich nicht mit ihm diskutieren.
Seit sich die beiden von der Patrona und dem Patrone verabschiedet hatten und in Federicos Racing-grünen Austin Healey gestiegen waren, war das Gesicht ihres Ehemannes wie versteinert. Mariella wüsste zu gerne, was in dem Kopf mit dem markanten Profil vor sich ging, das sie an Statuen römischer Adliger erinnerte. Genauso stolz und arrogant und undurchschaubar.
Ein Riss im Glück
Beim Essen wirkte Lorenzo ungewöhnlich ernst und geistesabwesend. Dies kam so selten vor, dass es Giulia sofort auffiel. Obwohl sie noch nicht solange zusammenlebten, kannte sie jeden seiner speziellen Gesichtsausdrücke, und dieser verhieß nichts Gutes. Selbst nach einem arbeitsintensiven Tag oder Geschäften mit komplizierten Kunden gelang es ihm normalerweise abzuschalten, sobald er nach Hause kam. Dann fragte er sie, wie ihr Tag gewesen war, und ob sie mit Töchterchen Viola seine Eltern besuchte hatte, die eine Stadtvilla bewohnten, oder ob seine Mutter überraschend vorbei gekommen sei. Oder was sie sonst unternommen hatte.
Nichts. Lorenzo erzählte nichts von seinem Tag. Lorenzo fragte nichts zu ihrem Tag. Wie ferngesteuert wanderte seine Gabel zwischen Teller und Mund hin und her, während er vor sich auf den Tisch starrte und gar nicht wahrzunehmen schien, was er gerade aß. Als sich seine verschlossene Miene auch beim abschließenden Espresso nicht änderte und ein Teilchen des köstlichen sizilianischen Gebäcks, das er so gerne aß, ohne Regung in seinem Mund verschwand, versuchte Giulia seine Aufmerksamkeit durch ein Räuspern auf sich zu lenken.
»Äähm, Schatz? Was ist los? Du erzählst heute gar nichts. Wie sind deine Geschäfte verlaufen? Gab es ein Problem?«
Als erfolgreicher Immobilienmakler hatte Lorenzo ein beträchtliches Vermögen gemacht, das ihnen ein sorgenfreies Leben garantierte. Dabei war es mittlerweile alles andere als einfach, landschaftlich schön gelegene, weitläufige Landsitze mit gut erhaltenen Gebäuden oder gar repräsentative Stadtvillen mit vielen Zimmern, dezent auf den modernsten Stand renoviert, für die anspruchsvolle Kundschaft ausfindig zu machen. Landflucht betraf nur die einfache Bevölkerung. Großgrundbesitz oder Villen wurden höchst selten veräußert. Das Geschäft mit hochwertigen Immobilien wurde also schwieriger. Bereitete ihm dies Sorgen, wie er vor einiger Zeit angedeutet hatte, oder war ein potentieller Kunde kurz vor Vertragsabschluss abgesprungen?
Sein Ruf eilte Lorenzo bis weit über die Grenzen Luccas hinaus und hatte ihm etliche sehr ergiebige Aufträge eingebracht. Längst hätte er sich eine luxuriöse Villa in Mailand oder Florenz leisten können. Aber Lorenzo war bodenständig geblieben. Ihm gefiel es in Lucca, wo er aufgewachsen war und die Wurzeln seiner Ahnen lagen. Und er war diszipliniert und fleißig, wie er es vom Patrone, seinem Vater gelernt hatte. Nur weil sein Reichtum gesichert war, würde er nicht die Hände in den Schoß legen.
»Lorenzo? Wie war dein Tag?«, versuchte Giulia erneut seine Aufmerksamkeit zu erlangen.
Sein leicht gesenkter Kopf schreckte hoch, die weltentrückten, matten Augen gewannen wieder an Glanz und seine Schultern strafften sich. Mit einem Seufzer nahm er die Espressotasse und trank aus. »Entschuldige, Liebes. Lass uns rüber ins Wohnzimmer gehen. Ich muss etwas mit dir besprechen.«
Sein Verhalten war wirklich ungewöhnlich. Normalerweise scherzte er ein wenig mit ihr, wenn er heimkam, bezog Giulia in seine Geschäfte ein, indem er ihr von den Immobilien und seinen Erlebnissen mit Kunden erzählte und war ganz versessen darauf, nach dem Essen seine Tochter in die Arme zu nehmen. Vor allem aber war er nie so ernst, egal wie stressig sein Tag gewesen war. Irgendwie passte sein Verhalten heute nicht zu ihm.
Giulia ignorierte das schmutzige Geschirr. Die Küche aufräumen und den Geschirrspüler füllen konnte sie auch später. Etwas Brisantes lag in der Luft.
Lorenzo hatte bereits die Bremse des Stubenwagens gelöst und diesen vor sich her ins Wohnzimmer geschoben, und sie folgte ihm gespannt darauf, was ihn so sehr beschäftigte.
Das Wohnzimmer war großzügig angelegt, mit einer gelungenen Zusammenstellung aus erlesenen antiquarischen Vitrinenschränken und modernem Sofa bestückt. Eine doppelflügelige Tür führte hinaus auf die Terrasse, die ebenfalls ausreichend Platz bot. Die Wohnzimmerwände waren in dezenten Ockerabstufungen marmoriert, und schlossen zur weiß gestrichenen Decke mit einer Stuckleiste ab. Alles passte sehr gut zusammen. Lorenzo hatte einen ausgefeilten Geschmack und Giulia zu jedem einzelnen Möbelstück erklärt, warum ihm dies gefiel. In der Art und Weise wie er dies tat, hatte sie nie das Gefühl, dass er lehrmeisterlich war und sie wie ein Dummchen behandelte, obwohl sie sich aufgrund ihres einfachen Schulabschlusses und der abgebrochenen Lehre als Floristin manchmal minderwertig fühlte. Aber sie lernte von ihm, und das war gut so.
»Komm, setz dich zu mir«, sagte Lorenzo und klopfte überflüssigerweise mit der Hand auf die Sitzfläche des Sofas. Giulia saß immer neben ihm, einfach weil sie es liebte, sich eng an ihn zu kuscheln. Im Augenblick allerdings war ihr nicht danach. Seine ernste Miene schürte ihr Unwohlsein. Fast fühlte sie sich wieder wie das Hausmädchen, das sie noch vor rund einem Jahr gewesen war, und ihr Herz klopfte hart in ihrer Brust. Hatte sie vergessen etwas zu erledigen, was er ihr aufgetragen hatte? Eigentlich war sie sich keiner Schuld bewusst, und selbst wenn dies mal geschah, machte er deswegen kein Aufhebens.
Lorenzo nahm ihre Rechte in seine Hand und zog sie auf seinen Oberschenkel. Die Wärme seines Körpers strahlte durch die leichte Sommerhose und sie hätte liebend gerne ihre Finger in seinen muskulösen Oberschenkel gegraben. Aber dies war nicht der geeignete Augenblick.
»Ich muss dir etwas sagen, Giulia, was für dich vielleicht ein wenig unangenehm ist.« Er schaute sie an und sie erwiderte seinen Blick aus den dunklen Augen. Für einen Moment verharrte er, als suchte er noch nach den passenden Worten. »Der Patrone hat mich angerufen. Heute Nachmittag.« Wiederum hielt er inne, als hätte er die rechten Worte noch nicht gefunden, ihr eine unangenehme Botschaft zu übermitteln. »Also, um es kurz zu machen: Federico ist wieder da.«
Giulia erstarrte. Binnen Sekunden jagten Bilder an ihrem inneren Auge vorbei. Die Morenos im Doppelpack, äußerlich einander so ähnlich, dass sie kaum auseinander zu halten waren. Elegant gekleidet, muskulös, maskulin, sicher im Auftreten. Aber bei intimer Begegnung von so unterschiedlichem Charakter, dass Giulia bei dem Gedanken an ihren Schwager ein kalter Schauer überflutete.
Lorenzo drückte ihre Hand ein wenig fester. »Federico stand heute plötzlich bei meinen Eltern vor der Tür. Und er war nicht allein. Er hat ihnen seine … Also, er hat ihnen seine Frau vorgestellt.«
Für Sekunden wurde Giulia schwarz vor Augen und sie blinzelte mehrmals, bis Lorenzos Gesicht wieder Konturen annahm. »Dein Bruder hat geheiratet?«, stieß sie mühsam hervor. »Wen?«
So, wie sie Federico kennengelernt hatte, unsensibel und dominant, konnte sie sich nicht vorstellen, dass sich eine Frau in ihn verliebte. Nach seiner überraschenden Abreise hatte er von Zeit zu Zeit eine Postkarte an seine Eltern geschickt, mit dem Hinweis, sie sollten sich keine Sorgen machen. Er nähme sich lediglich eine Auszeit, um über seine Zukunft nachzudenken. Das war alles. Nicht einmal telefonisch war er zu erreichen, wie die Patrona beklagt hatte. Offensichtlich hatte er seine Handynummer geändert und wollte nicht erreichbar sein.
Das lag nun alles ein Jahr zurück. Ein erlebnisreiches Jahr voller Höhen und Tiefen. Ein Jahr, in dem Lorenzo und Giulia sich auf einer romantischen Hochzeitszeremonie das Ja-Wort gegeben hatten und für zwei Wochen in die Toscana abgetaucht waren. Und es war das Jahr, in dem Giulia ihre gemeinsame Tochter zur Welt gebracht hatte, wie Lorenzo immer wieder gerne betonte. Ob sie genetisch analysiert nun wirklich seine oder doch eher die Tochter seines Zwillingsbruders war, war inzwischen ohne Bedeutung. Jetzt war sie seine Tochter, die er von ganzem Herzen liebte. Darüber hinaus war es auch das Jahr, in welchem Lorenzo seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert hatte. Der erste Geburtstag in seinem Leben, den er ohne seinen Bruder verbrachte.
Nur selten dachte Giulia noch daran zurück, wie die beiden Männer sie mit ihrer erotischen Ausstrahlung zu einem fortwährenden Spiel aus Schmerz und Verlangen verführt hatten. Naiv hatte sie sich ihren Wünschen unterworfen und eine Form der Lust kennengelernt, die ihr bis dahin vollkommen unbekannt gewesen war.
Dann war von einem Tag auf den anderen alles anders geworden, ganz anders. Lorenzo sorgte sich aufrichtig darum, ob es ihr auch wirklich gut ging. Seit Beginn ihrer Schwangerschaft hatten sie sehr zärtlichen Sex miteinander gehabt. Lorenzo zeigte seine ganze Einfühlsamkeit, eine Seite, die sie bis dahin von ihm nicht kennengelernt hatte. Aufregende und auch ein wenig anstrengende Lustspiele gehörten der Vergangenheit an. Nichts sollte das gesunde Heranwachsen des Kindes in ihrem Bauch beinträchtigen. Gleichwohl hatte Lorenzo in den letzten Wochen keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich darauf freue, ihr bald einmal bei einem erotischen Spanking den Hintern zu versohlen. Und was sie selbst betraf, lösten seine Worte in ihrem Schoß ein erwartungsvolles Prickeln aus.
Nein, daran wollte sie jetzt nicht denken. Was dies betraf, wurde Giulia nämlich auch von zwiespältigen Gefühlen gequält. Einerseits hatten sie diese Spiele heiß gemacht und ihr Verlangen nach mehr geschürt. Sie fürchtete sich auch nicht vor Lorenzo, denn er würde sie gewiss nicht überfordern. Da vertraute sie ihm blindlings. Andererseits saß die Angst tief, die Federico ihr bei jedem Spiel eingejagt hatte, indem er geschickt verbarg, wo die ernsthafte Bestrafung für ihre durch Schusseligkeit begangenen Fehler aufhörte und wo das erotische Spiel begann. Sie war ein Opfer seiner geschickten Erpressungen und seiner unwiderstehlichen Dominanz gewesen.
»Und, wie ist sie? Wen hat Federico geheiratet?«
»Keine Ahnung.«
»Aber dein Vater muss doch etwas gesagt haben! Ist sie intelligent, hübsch oder verrucht?«
Lorenzo schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung. Du weißt doch, der Patrone spricht nie viel.«
Es hatte einige Zeit gedauert, bis Giulia sich daran gewöhnt hatte, dass Lorenzo von seinem Vater als dem Patrone sprach. Die Morenos stammten von einem Adelsgeschlecht ab und das Oberhaupt der Familie war seit jeher respektvoll mit »Patrone« angesprochen worden. Auf Giulia wirkte dies sehr befremdlich, denn bei ihren Eltern war es nie so steif und förmlich zugegangen wie bei den Morenos. Auch wenn ihr Lorenzos Eltern ihm Rahmen ihrer Möglichkeiten mit einer gewissen Herzlichkeit begegneten und sie sich angenommen fühlte.
»Er hat nur gesagt, dass die Frau meines Bruders Mariella heißt«, fuhr Lorenzo fort. »Und dass sie groß ist, blond und blauäugig.«
Nun, das war doch immerhin eine Aussage. Die Aussage eines Mannes, der eine Frau genau anschaute. Natürlich gab es auch unter den eher dunkeläugigen und schwarzhaarigen Italienern Menschen, die mit nordischem Aussehen geboren wurden. Gleichwohl war dies ungewöhnlich. Dagegen entsprach sie mit ihren braunen gelockten Haaren und ihren katzengrünen Augen schon fast dem Durchschnitt.
»Die beiden sind wohl nur kurz geblieben«, unterbrach Lorenzo ihre Überlegungen. »Federico hat angekündigt, dass er mit ihr in unsere Villa einziehe und sich ein eigenes Immobiliengeschäft aufbauen will, ohne mich.«
Giulia runzelte die Stirn. Zwei Morenos, die sich Konkurrenz machen würden? Das war gar nicht gut fürs Geschäft. Du meine Güte, wie sich innerhalb von ein paar Monaten alles geändert hat. Als sie die Brüder kennenlernte, schienen sie ein Herz und eine Seele zu sein. Als könnte nichts und niemand sie auseinanderreißen. Ihre Schlafzimmer lagen Tür an Tür, sie frühstückten zusammen, sie arbeiteten zusammen, sie feierten zusammen, sie teilten dieselbe Leidenschaft für das Sammeln erotischer Accessoires … Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass die Gemelli jemals irgendetwas entzweien könnte. Und dann war ausgerechnet sie der Anlass dafür. Ein kleines Dienstmädchen.
»Er wird also wieder in eure Villa einziehen?«, wiederholte sie überflüssigerweise.
Lorenzo nickte. Wie er sich dabei wohl fühlte? Vermisste er die Villa und alles, was dazu gehörte?
Der Landsitz, malerisch in den Weinbergen oberhalb von Lucca gelegen, war in Giulias Augen riesig. Soweit man schauen konnte, war die vom Großvater der Zwillinge geerbte Villa von üppigem Grün umgeben. Sogar die schmale Auffahrtsallee, die sich von hohen Pinien gesäumt zu dem höher gelegenen Haus hinauf schlängelte, verschwand im dichten Bewuchs. Aus Angst sich zu verlaufen hatte sie sich nicht einmal an ihren wenigen freien Tagen getraut, das Gelände allzu weit zu erkunden.
Lorenzo hatte Giulia erzählt, dass die Villa Mitte des 17. Jahrhunderts von einem ihrer mütterlichen Vorfahren, dem Grafen Cesare Borgo, erbaut worden war. Nach typischer Bauart bestand sie aus zwei Geschossen, über denen sich nur im Eingangsbereich noch ein drittes erhob. Es war eines von vielen Gebäuden jener Zeit, in denen die reichen Luccesischen Familien ihre verfeinerte Lebenskunst mit einem repräsentativen Landsitz krönten. Die sanfte Hügellandschaft, die Lucca umsäumte, war geprägt davon. Bevor sie eingezogen waren, hatten die Gemelli das Gebäude mit Sorgfalt und Liebe zum Detail restaurieren lassen, auch das noch erhaltene, exquisite Mobiliar, wovon ein Teil nun in ihrem Wohn- und Speisezimmer stand.
»Für nächste Woche sind wir alle zu einem Familientreffen bei Federico eingeladen. Dann werden wir seine Frau kennenlernen.«
Was für ein Typ Mensch mochte diejenige wohl sein, die sich getraut hatte, diesen abgebrühten, knallharten Kerl zu heiraten? Viel Zeit zum Kennenlernen hatten sie ja offensichtlich nicht gehabt. Hatte er sie auch wie Giulia mit irgendwelchen Tricks gefügig gemacht? War sie ihm an Bildung und gesellschaftlichem Stand unterlegen? Nein, das konnte nicht sein. Denn gerade dies hatte ja den alles verändernden Streit genährt. Sie musste also elegant, gebildet und aus gutem Hause sein. Federico hatte schließlich keinen Hehl daraus gemacht, dass ein Hausmädchen wie Giulia zwar ein nettes erotisches Spielzeug sei, als Ehefrau jedoch unter seinem gesellschaftlichen Niveau. Ein Bauchgrimmen zog auf. Niemals würde Federico sie als Schwägerin akzeptieren. Er würde sie in jedem Augenblick spüren lassen, dass sie in seinen Augen minderwertig war und schuld an der Entzweiung zwischen seinem Bruder, ihm und den Eltern. Giulia seufzte. Auf diese Begegnung würde sie liebend gerne verzichten.
Fürsorglich legte Lorenzo seinen Arm um Giulias Schultern und zog sie zärtlich an sich. »Mach dir keine Sorgen, Liebes. Ob Federico nun geheiratet hat oder nicht – für uns beide wird sich deswegen nichts ändern. Und ich werde dafür sorgen, dass wir uns nicht öfter als nötig bei meinen Eltern über den Weg laufen.«
»Vielleicht ist ja wenigstens seine Frau ganz nett«, flüsterte Giulia hoffnungsvoll.
»Ganz bestimmt«, erwiderte Lorenzo, aber es klang wenig überzeugend.
Wilde Weinberge
Puh. Mariellas Herz klopfte wild, als Federico in rasanter Kurvenfahrt seinen Sportwagen in Richtung der Zufahrt zum Landgut lenkte. Ihr war keine Zeit geblieben, in Ruhe über den neuen Lebensabschnitt nachzudenken, der jetzt vor ihr lag und die Begegnung mit ihren Schwiegereltern, über die sie nichts, rein gar nichts wusste. Federico schien es nicht für nötig zu halten, ihr irgendwelche Informationen über sich, seine Familie, sein bisheriges Leben, zu geben. Sie wusste lediglich, er war durch den Kauf und Verkauf von Immobilien reich geworden. Das war alles.
Während sie durch die Weinberge rasten und sie inständig hoffte, dass ihnen auf der schmalen Straße niemand entgegen kommen würde, dachte sie nach. Was würde sie erwarten? Schön und gut, sie war mit Federico verheiratet. Eine richtige, amtlich verbriefte Ehefrau. Das war aber auch schon alles. Sie wusste über ihn fast genauso wenig wie Frauen früherer Jahrhunderte, als der Ehemann noch von den Eltern ausgewählt worden war. Nur war es bei ihnen ein klein wenig anders. Er hatte sie sich selbst ausgesucht. Ausgewählt aus zwölf potentiellen Kandidatinnen, von denen jede auf ihre Weise besonders attraktiv gewesen war. Alle perfekt dazu ausgebildet, ihrem künftigen Lebenspartner zu jeder Zeit eine willige Gespielin zu sein, dabei intelligent, gesellschaftsfähig und eloquent.
Mariella schauderte rückblickend, wie alles abgelaufen war. Und nun hatte er sie seinen Eltern – Buon giorno, Überraschung! – ohne Vorankündigung als frisch gebackene Ehefrau präsentiert. War es auf diesen überfallartigen Besuch zurückzuführen, dass seine Eltern sich distanziert verhalten hatten oder gab es etwas in der Vergangenheit, das einen eher zurückhaltenden Umgang zwischen Eltern und Sohn begründete? Federico hatte sie darüber weder vorher noch nachher aufgeklärt, und sie beschloss vorerst abzuwarten, wie sich die Dinge entwickelten.
Im Augenblick war sie nicht mehr und nicht weniger als eine Liebessklavin, die er mit oder ohne Vorspiel bestieg. Bisher war dieser Teil ihrer Beziehung ein Geheimnis, das nur sie und ihn anging, und sie nahm einfach mal an, dass dies auch in Zukunft so bleiben würde. Auch wenn er bei seinen Eltern sicherlich nicht den Eindruck großer Verliebtheit hinterlassen hatte. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Hand zu halten oder auf andere Weise vorzugeben, dass er etwas für sie empfinden würde. Auf die Frage der Patrona, wo sie sich kennengelernt hätten, hatte er knapp geantwortet »Beim Segeln, auf meiner Yacht« und hatte sofort wieder von etwas anderem gesprochen.
Was seine Eltern wohl darüber dachten?
Kurve um Kurve schraubte sich der Wagen die Weinberge hinauf. Ein brauner Vogel schreckte am Straßenrand auf, flüchtete in unstetem Flug, taumelnd wie ein Schmetterling, dabei jedoch pfeilschnell. Ein weiterer saß auf einem Pfosten, die schwarz-weiß-gestreifte Kopfhaube nervös auf- und zuklappend. Ein Wiedehopf, stellte Mariellas erfreut fest, weil sie diesen nur aus Büchern kannte.
Plötzlich bremste Federico scharf, zog den Wagen über die andere Fahrbahn nach links hinüber und hielt in einer Bucht an, von der aus man einen fantastischen Ausblick über die Weinterrassen und Lucca hatte. Üppiges Grün soweit das Auge reichte.
Der Motor erstarb.
Schon beugte er sich zu ihr herüber, löste ihren Gurt, die Rückenlehne ihres Sitzes sank ruckartig herab und sie lag nun unter ihm. Verlangend pressten sich seine Lippen auf ihre. Seine Finger öffneten geschickt die wenigen Knöpfe ihrer Bluse, streiften ein Körbchen ihres Büstenhalters nach oben und umfassten ihren Nippel. Seine Berührung entfachte sofort ihre Sehnsucht nach mehr, und sie seufzte in seinen Mund, bis er sich von ihren Lippen löste und sie amüsiert ansah.
»Du magst es, wenn ich von dir Besitz ergreife, nicht wahr?«
Sein Druck wurde härter und Mariella stöhnte auf. Wenn er sich nicht davon überzeugt hätte, dass ein gewisses Maß an Schmerz sie geil machte, so hätte er sie doch nicht gewollt. War das also eine rhetorische Frage? Wollte er einfach nur ein Ja von ihr hören?
»Ja.«
»Ja, was?«
»Ja, mein Gebieter.«
Seine Hand legte sich fester um ihre Brust, umfasste sie vollkommen. Seine Finger pressten sich in ihr weiches Fleisch, mehr und mehr, und entlockten ihr ein Keuchen.
Sie genoss es, halb entblößt unter ihm zu sein, und gleichzeitig mit dem Risiko, von Vorbeifahrenden entdeckt zu werden. Einige Nächte zuvor hatte sie geträumt, sie wäre nackt gewesen, die Hände auf den Rücken gefesselt und er hätte ihr ein Halsband umgelegt. Sie musste ihm durch die Straßen folgen, vorbei an johlenden Männern, die gierig näher kamen, sie anstarrten, sich aber nicht trauten, sie zu berühren …
»Zieh deinen Rock hoch«, verlangte er leise, aber mit bestimmender Strenge.
Sie gehorchte, griff mit ihren Fingern nach dem Saum und zog ihn hoch, bis ihr glatt rasierter Venushügel sichtbar wurde.
Federico nickte. »Gut so. Und jetzt spreiz deine Beine und zieh die Schamlippen auseinander. Ich will deine Möse sehen!«
Hatte er denn keine Angst, dass ihnen jemand zuschauen könnte, aus den Weinbergen heraus, vielleicht sogar mit einem Feldstecher bewaffnet? Ein lüsternes Ziehen erfasste ihre Vagina, während die Sonne heiß auf ihre freigelegte Perle brannte.
»Du bist geil«, stellte er mit breitem Grinsen fest und drückte noch fester zu. Ihre Brust quoll zwischen seinen Fingern hindurch und er zupfte mit der freien Hand hart an ihrer Brustwarze, bis sie voller Begierde keuchte. In diesem Moment ließ er sie los und schob sich auf seinen Sitz zurück.
»Bleib so, bis wir da sind.« Mit sonorem Brummen startete der Motor von neuem und der Wagen setzte schwungvoll zurück.
Schade. Mariella bedauerte seinen Entschluss. Ihr wäre es lieber gewesen, er hätte weitergemacht und beendet, was er so aufregend angefangen hatte. Ihr Schoß war heiß, ihre Nippel hart. Ihr Körper gierte nach ihm und wollte, dass er sie nahm. Leidenschaftlich, ungestüm, beherrschend.
Es war nicht einfach, in der halb liegenden Position Halt zu finden. Zu ungestüm lenkte Federico die Serpentinen empor. Bald kämpfte Mariella nicht nur damit, seinem Befehl zu gehorchen, und ihre Schamlippen geöffnet zu halten, sondern auch mit aufsteigender Übelkeit. Andererseits gefiel es ihr, dass er von Zeit zu Zeit einen kurzen Blick auf ihren Schoß warf. Sie fühlte sich so herrlich entblößt, so nackt, nur für ihn. Bestimmt glänzte ihre Perle im Sonnenlicht, feucht und geschwollen. Das konnte ihn doch unmöglich kalt lassen?
Wie widersprüchlich sein Verhalten war. In Gesellschaft anderer zwar zurückhaltend, aber dennoch ganz Gentleman, schaltete er auf unantastbare Dominanz um, sobald sie beide alleine waren. Wie würde er sich zuhause verhalten? Er hatte ihr kurz erzählt, dass er über einiges Personal verfüge, so dass sie weder putzen noch kochen brauche. Sie sei nur dafür da, seine ganz persönlichen Lüste zu befriedigen und für Nachwuchs zu sorgen.
Aber was machte sie sich darüber Gedanken. Im Augenblick fühlte sie das unerträgliche Verlangen, von ihm genommen zu werden. Durfte sie sich Hoffnungen machen, dass dies geschehen würde, sobald sie angekommen waren? Hin und wieder wagte er weiterhin während der Fahrt einen kurzen Blick auf ihren Schoß und sie bemühte sich, ihren Unterleib noch mehr hervor zu wölben, ihm ihre Bereitschaft zu zeigen.
Der Wagen hielt ein zweites Mal, rechts des Fahrbahnrandes, an einem Weg, der in einen der Weingärten führte. Jedoch ließ Federico den Motor diesmal weiter laufen.
»Steig aus und beug dich tief auf deinen Sitz herunter.« Surrend fuhr die Rückenlehne wieder in eine aufrechte Position.
Noch während er das Auto umrundete, öffnete er seinen Gürtel. Mariella machte langsam die Tür auf, drehte sich zur Seite, alles ganz betont und so elegant und geschmeidig wie möglich. Dann schwang sie ihre Beine heraus und empfing ihn aufrecht stehend.
Ihre rechte Brust wölbte sich immer noch nackt unter dem BH hervor und sie drückte ihr Kreuz durch, um sie ihm entgegen zu strecken. Würde er nochmal zupacken und sie kneten?
Ehe sie begriff, packte er sie jedoch an den Haaren, zog sie vorwärts, warf die Autotür zu und drängte sie rücklings auf die Motorhaube, sein Knie zwischen ihre gespreizten Schenkel. Wow, was für ein Mann! Sie war für einen Augenblick über seinen harten Griff erschrocken und hatte nur mühsam einen erschrockenen Aufschrei unterdrückt. Jetzt aber raste ihr Puls mehr vor Erregung als vor Angst.
»Ich erwarte, dass du meine Befehle ausführst. Sklavin. Jederzeit und vor allem schnell!«
Genauso unvermittelt trat er nun einen Schritt zurück und öffnete seine Hose vollständig. Zu vollendeter Steife erigiert, sprang sein Schwanz aus dem Eingriff seines Slips. Mit ungeduldiger Geste gab er ihr zu verstehen, dass sie sich umdrehen und auf der Motorhaube abstützen solle. Mariella gehorchte lächelnd, schlug dabei ihren Rock über dem Po hoch und wackelte kokett mit den Hüften. Ihre Pobacken waren wohlgerundet, volle weibliche Backen, wie geschaffen für ein Spanking, und die sich ihm nun aufreizend entgegen wölbten.
Heute trug sie einen neuen Plug, dessen äußerer Abschluss das Aussehen einer roten Rose hatte. Vollständig aus speziellem Glas gefertigt und absolut sicher durch eine entsprechende Verdickung in ihrem Anus gehalten.
Rückblickend musste Mariella schmunzeln, wie alles begonnen hatte. Kurz nach ihrer ersten Zusammenkunft mit Federico hatten ihr ihre Erzieher mitgeteilt, dass sie ab sofort einen Analdildo tragen würde. Signor Moreno sei an ihr interessiert und habe dies zur Bedingung gemacht.
Anfangs fühlte es sich merkwürdig an. Der Fremdkörper war ständig präsent, ob sie nun im Bett lag, darauf saß oder ging. Zugleich fühlte Mariella sich jedoch erregt. Es war wie ein immerwährender Rausch. Dies war nur ein kleiner Baustein ihrer Unterwerfung zur perfekten Lustsklavin, und nichts anderes wollte sie sein. Zugleich machte es sie high und bereit.
Nach wenigen Stunden schon konnte sie den ersten Plug nicht mehr halten. Ein kleiner Nieser, ein Lachen oder Bücken genügte, und der Plug fluppte aus ihrem Hintertürchen ungewollt heraus. Die Situation war einerseits zum Schämen peinlich, andererseits urkomisch, als der Plug sich unerwartet verselbstständigte und auf dem Fußboden landete.
Für Mariellas Erzieher indes war dies lediglich ein eindeutiges Signal, zur nächstdickeren Ausführung zu greifen. Wieder und wieder. Diese Prozedur zog sich über mehrere Tage hin. Bis das Ende dick genug war, um nicht mehr herauszurutschen, und andererseits ihr Eingang gedehnt genug war, um ohne Schwierigkeiten von einem Penis entjungfert zu werden. Dies war allerdings noch nicht geschehen und Mariella sah diesem Moment mit gemischten Gefühlen entgegen. Würde es ihr gefallen? Würde sie eine andere Art eines Höhepunktes erleben, wie man ihr versichert hatte?
Mit einer Hand presste Federico ihren Rücken herunter, ihre Brüste auf das heiße Blech des Wagens. Autsch, sie würde sich ihren nackten Nippel verbrennen, außer … nein, sie würde nicht aufbegehren, sich nicht wehren. Wenn dies sein Wunsch war, dann würde sie es hinnehmen. Er bedachte alles und für ihn würde sie gerne leiden. Dies gehörte zu ihren Pflichten und sie würde ihn nicht enttäuschen. Stöhnend biss sie die Zähne zusammen.
Langsam, quälend langsam drehte er die gläserne Rose in ihrem Anus, zog ein wenig an ihr, drückte sie wieder fest hinein. Mariella hielt den Atem an. Würde er sie etwa hier, in der Natur, ausgerechnet jetzt, wo jederzeit jemand vorbei kommen könnte, anal nehmen? Mariella wimmerte. Wenn sie entdeckt würden, musste sie erklären, dass alles in Ordnung war, dass sie seine Sklavin war und sie akzeptierte, was auch immer er von ihr verlangte.
Würde er … Ihr Herz hämmerte vor Anspannung.
Nein, sie fühlte seinen Schwanz, wie er den Zugang zu ihrer Vagina suchte. Sie spreizte ihre Beine weiter auseinander, presste sich ihm entgegen, und dann schob seine Spitze ihre Schamlippen auseinander, die heiß und geschwollen waren, und stieß sich mit einem einzigen Ruck tief hinein, bis zum Anschlag.
Mariella warf den Kopf zurück und schloss die Augen. »Ja, ja, Federico, nimm mich!« Ihre Stimme war fest und fordernd. Oh ja, sie wollte ihn in diesem Augenblick so sehr. Scheiß drauf, ob uns jemand zusieht. Fick mich!
»Deine Anrede, Sklavin!«
Wie schaffte er das, bewegungslos in ihr zu verharren? Spürte er denn nicht ihr Pulsieren? Machte ihn ihre üppige Feuchte nicht verrückt? Wie konnte er sich nur soweit beherrschen.?
Jetzt stieß er zu. Aber nur ein einziges Mal. Wieder schnell und hart, und wieder bis zum Anschlag. Mariella stöhnte laut auf. Oh ja, genauso brauchte sie es, wenn sie so heiß und lüstern war wie jetzt. Wenn ihr Körper, aufgeputscht von der vorausgegangenen Situation, von seinen voyeuristischen, glühenden Blicken aufgegeilt war. Dann wollte sie es tief in sich spüren, dass er sie nahm, weil sie sein Eigentum war. Ganz und gar entgegen gängiger Konventionen und Gesetze: Sein Eigentum.
»Bitte, Herr, bitte nimm mich.«
Ihr Verlangen schmerzte. Weit drinnen in ihrer Vagina verlangten wilde Kontraktionen nach Befriedigung, die sie ohne ihn nicht erlangen würde. Ihr Schoß bebte, von seinem Schwanz ausgefüllt und penetriert zu werden.
»Sag es!«, knurrte er noch tiefer.
»Bitte fick mich, Herr!«
Endlich stieß er erneut zu. Zuerst zog er sich quälend langsam fast vollständig aus ihr heraus, dann rammte er sich tief hinein und fand seinen Rhythmus. Wieder und wieder. Wie ein wildes Tier.
Mariella stemmte sich ihm entgegen, ihre Hände fest auf die Motorhaube gepresst, den Oberkörper ein wenig davon abgehoben. Ihre freie Brust wippte unter den intensiven Stößen wild hin und her. Sogar der Wagen bebte unter den kraftvollen Bewegungen.
Ihr Innerstes schmerzte. Doch es waren nicht seine Stöße, dafür war sie viel zu erregt und feucht. Nein, ihr eigenes unersättliches Verlangen schmerzte, das immer noch mehr aufgeheizt wurde, knapp vor einem Höhepunkt, der jedesmal wieder ein kleines Stück zurückwich, wenn der Druck seines Schwanzes nachließ. Dieses qualvolle Verlangen ließ sie kläglich wie eine geschundene Katze schreien. Lauter, immer lauter, bis ihre Stimme gurgelnd erstarb, als sie endlich kam.
Doch Federico hörte nicht auf, wartete nicht ab, bis sie sich von ihrem Orgasmus ein wenig erholt hatte. Er packte ihre Handgelenke, zog sie ihr auf den Rücken und hielt sie dort fest, unterwarf sie, auf die heiße Motorhaube niedergedrückt, und trieb seinen Lustdolch wieder und wieder in sie hinein. Bis sie versuchte, sich unter ihm aufzubäumen, der brennenden Qual ihrer Brustwarze zu entkommen, und nochmal vor Wollust aufschrie, ein letztes Mal – in diesem Augenblick erreichte auch er seinen Höhepunkt, presste sie mit beiden Händen herunter und verharrte steif, seinen Schwanz tief in sie versenkt. Bis das Beben und Pumpen in seinem Glied endlich nachließ und sie fühlte, wie es in ihr langsam erschlaffte.
War es sein Saft und ihr eigener, der ihr an der Innenseite ihrer Schenkel herablief, oder war es einfach nur Schweiß? Ihre Kleidung klebte wie eine zweite Haut an ihrem Körper fest.
Plötzlich lachte Federico, erst leise, dann immer lauter, bis sein Lachen in ein Keuchen überging. »Du scheinst ja wirklich hart im Nehmen zu sein. Eine echte Lustsklavin.«
Er gab ihre Handgelenke frei, erteilte ihr einen festen Klaps auf beide Pobacken und versorgte seinen Penis wieder in der Hose. »Zieh dich an. Wir sind bald da und ich will, dass du einen anständigen Eindruck machst.«Er kicherte. Einen anständigen Eindruck? Auf wen denn?
Bald darauf fand die kurvige Fahrt ein Ende. Der Asphalt ging in eine gekieste Auffahrt über, Bäume links und rechts bildeten eine stattliche, sanft geschwungene Allee, umrahmt von satten Wiesen, in denen kleine Busch- oder Baumgruppen wie in die Landschaft einer Spielzeugeisenbahn gepflanzt wirkten.
»Dort ist das Gesindehaus, in dem unsere Bediensteten schlafen«, sagte Federico auf einmal und Mariella drehte den Kopf, um gerade noch einen Blick auf das zweigeschossige Gebäude zu erhaschen, das sich versteckt hinter höherem Buschwerk abseits der Zufahrtsstraße befand.
Eine Handvoll Fragen lagen ihr auf der Zunge. Wie viele Leute er beschäftigte, wie die Arbeit organisiert war, wie sie mit dem Personal umgehen sollte … Aber sie verkniff es sich, das auszusprechen. Geduld. Er soll von mir einen guten Eindruck erhalten. Und er wird mir sagen, was ich tun soll.
Kiesel spritzten fort, als Federico den Wagen ein wenig zu schroff auf dem kleinen Parkplatz nahe dem Haus abbremste. Er stieg aus, ging um das Auto herum und öffnete ihr die Tür. Wie galant. Glaubte er etwa, dass ihnen jemand zusah? Er nahm sogar ihren Arm und hängte ihn bei sich ein. Wie ein altes Ehepaar, schoss es ihr durch den Kopf. Sie hätte lieber ganz modern und lässig mit ihm Händchen gehalten.
Sie schritten die breite Treppe hinauf und noch ehe sie die Haustür erreichten, wurde diese plötzlich aufgerissen. Ein Butler stand vor ihnen und starrte sie überrascht an. Ja, es musste ein Butler sein, so wie der Mann gekleidet war. Dunkle Stoffhose, weißes Hemd, darüber eine zur Hose passende Stoffweste, und eine silberne Fliege. Und auf den ersten Blick – nicht unattraktiv. Ein wenig kleiner als Federico, eine etwas breitere Brust und Schultern, die Kraft und Kontrolle ausstrahlten. Mariella war angenehm überrascht.
»Signor Federico … ich wusste nicht … warum haben Sie nicht … Herzlich willkommen!«
Der Butler war wohl tatsächlich von der Heimkehr seines Dienstherrn überrumpelt. Nun nahm er jedoch Haltung an, den Rücken durchgestreckt und neigte kurz den Kopf zum Gruß, dann trat er einen Schritt zurück, in der Erwartung, sie vorbei zu lassen.
»Giovanni, ich hoffe, während meiner Abwesenheit wurde alles … »
»Selbstverständlich, Signor Federico. Das Haus ist im Schuss, alles sauber und gepflegt, wie es sich gehört.«
»Schön. Dies, meine Liebe, ist unser Butler. Giovanni«, erklärte Federico steif, das Gesicht Mariella nur halb zugewandt. »Er ist schon lange in meinen Diensten und wird dir alle Wünsche erfüllen. Soweit sie meinen Regeln entsprechen. Du darfst dich jederzeit an ihn wenden. Er genießt mein volles Vertrauen.«
»Mille grazie, Signor Federico. Willkommen zuhause, Signorina.«
»Signora«, korrigierte Federico mit überheblichem Lächeln. »Signora Mariella ist seit kurzem meine Frau. Und nun trommle die Belegschaft zusammen, damit ich sie ihnen vorstellen kann.«
Federico löste sich von Mariella und ging voran, und sie folgte ihm. Sein Auftreten war ganz das eines Großgrundbesitzers. Dominant, unnahbar, herrisch, kompromisslos. Ob er wohl schon immer so gewesen war?
Der Butler schloss die Tür hinter ihnen und verharrte dann steif.
»Was ist los, Giovanni? Hol die anderen.« Federico machte eine ungeduldige Handbewegung, als wolle er ihn verscheuchen.
Für eine Sekunde glaubte Mariella, der Butler würde etwas sagen wollen, dann jedoch nickte er kurz, drehte sich um und verschwand durch eine unauffällige Tür. Während sie warteten, schaute Mariella sich um. Das Entree war großzügig gehalten. Eine breite Treppe führte nach oben, einer Villa angemessen. Alles war in warmen Farben gehalten und von oben her durch Fenster, die sie nicht sehen konnte, lichtdurchflutet.
Näherkommende Schritte zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Dem Butler folgte eine groß gewachsene hagere Frau. Die von grauen Strähnen durchzogenen Haare waren im Nacken zu einem dicken Knoten zusammengesteckt, was ihrem Gesicht eine gewisse Herbe verlieh. In ihrem schlichten schwarzen Kleid, das mit einem kleinen Stehkragen schloss und von einer grauen Schürze vor Schmutz geschützt wurde, wirkte sie wie eine alternde Krähe.
»Buon giorno, Signor Federico.« Sie hielt kurz seinem strengen Blick stand, ehe sie sich Mariella zuwandte und zu deren Überraschung einen altmodischen Knicks andeutete. »Willkommen zuhause, Signora Mariella.«
»Vielen Dank.« Mariella schenkte ihr ein Lächeln, aber es kam keines zurück. »Wie heißen Sie, Signora?«
»Antonella. Einfach nur Antonella. Zu Ihren Diensten, Signora.«
»Und wo sind die anderen?«, fragte Federico, nun etwas lauter.
Es war nicht zu übersehen, dass Giovanni diese Frage in Verlegenheit brachte. Er schaute zwischen den beiden hin und her, ehe er sich räusperte und antwortete. »Signor Lorenzo hat alle anderen entlassen. Vier Wochen, nachdem Sie – verschwunden waren.«
Aha. Jetzt wurde es interessant. Gespannt hoffte Mariella, mehr zu erfahren.
»Entlassen? Alle?«, schnaubte Federico, dessen Gesicht nun vollends zu einer harten Maske erstarrt war.
Giovanni nickte stumm und zog es vor, auf den Boden zu schauen.
»Alle. Außer uns beiden«, ergänzte Antonella, die Federicos Blick auch jetzt trotzte.
»Was fällt meinem Bruder ein, sich in meine Angelegenheiten einzumischen!« Der plötzliche Wutausbruch ließ Mariella zusammen zucken. Federicos Stimme schien von den Wänden widerzuhallen. Wo blieb seine Selbstbeherrschung?
Irgendetwas Unverständliches vor sich hinmurmelnd begann er nun vor der Treppe auf und ab zu gehen, die Arme vor der Brust verschränkt. Mariella fühlte sich völlig deplatziert. Die Luft war von negativer Energie geladen und sie wagte es nicht, sich einzumischen. Wenn sie den kurzen Disput richtig deutete, war Federico irgendwann überstürzt abgereist, ohne dass dies jemand mitbekommen hatte. Es wäre interessant zu erfahren, was der Grund dafür gewesen war. Immerhin, hatte sein Bruder denn in diesem Fall nicht vorausschauend gehandelt, wenn er einen Teil des Personals entließ, um Kosten zu sparen?
Ruckartig drehte ihr Mann sich um und blieb ganz nah vor Giovanni stehen. Dieser hob langsam den Kopf und schaffte es, ihm in die Augen zu schauen.
»Wo wohnt mein Bruder inzwischen?«
Wusste er nicht einmal, wo sein eigener Bruder wohnte? Mariella verstand gar nichts mehr.
Keine Regung in Giovannis Gesicht verriet, was er über diese Frage dachte. »Signor Lorenzo und Signora Giulia sind vorübergehend bei der Schwester der Patrona eingezogen.«
»Bei Tante Ilaria?« Ein verächtliches Knurren verriet, was Federico von dieser Information hielt.
Was hatte dies zu bedeuten? Die Antwort drängte sich Mariella urplötzlich auf. Die Brüder hatten diese Villa gemeinsam bewohnt. Konnte das sein? Was verflixt nochmal, was war denn geschehen?
»Hat Lorenzo mein Personal mitgenommen?«
»Nein. Aber er hat dafür gesorgt, dass alle eine neue Anstellung erhalten.«
»Auch Mamsell Concetta?«
Giovanni nickte stumm.
»Und was ist mit Mario?«
»Er kümmert sich weiterhin um Ihre Autos, Signor Federico. Obwohl er dafür keinen Lohn mehr erhält. Er wollte sie niemand anderem überlassen.«
»Dieser verdammte Autonarr.« Federicos Miene entspannte sich und er lachte. »Also gut. Wenigstens gibt es noch den harten Kern. Und vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, dass wir nur unter uns sind. Antonella, du übernimmst ab sofort die Rolle der Mamsell. Ihr beiden werbt ein paar neue Dienstmädchen an, die putzen und sich um die Wäsche kümmern. Aber sorgt dafür, dass sie ihren Aufgaben nachgehen, ohne uns zu behelligen. Und ohne darüber zu reden, was in diesem Haus passiert. Ganz so wie früher. Verstanden?«
Beide nickten eilig und wirkten erleichtert.
»Und jetzt zu meiner Frau.«
Mariella fühlte sich zur Schau gestellt und als wäre sie nackt, als alle drei sie nun anstarrten.
»Mariella ist mein Eigentum, meine persönliche Lustsklavin. Ich habe sie für viel Geld ersteigert.« Er schien es zu genießen, dies auszusprechen und sie zu demütigen. Mariella war schockiert. Warum stellte er sie so bloß?
»Schaut nicht so, ja, ich habe sie gekauft! Außer euch beiden spricht niemand mit ihr. Ich werde noch eine Reihe weiterer Regeln aufstellen, die meine Sklavin betreffen. Sorgt dafür, dass es ihr an nichts fehlt. Und dafür, dass sie keine Dummheiten macht oder abhaut.«
Diese Arroganz, dieser Spott. Mariella schwankte zwischen Tränen und Wutausbruch. Was für eine Demütigung. Sie wagte es nicht, Giovanni oder Antonella anzuschauen, aus Angst vor dem, was sie in ihren Gesichtern lesen würde. Hohn? Verachtung? Oder Mitleid? Nichts davon würde sie ertragen können. Zitternd schluckte sie eine Erwiderung herunter. Andererseits, damit hatte sie rechnen müssen. Sie war schließlich sein Eigentum und das hatte sie freiwillig unterschrieben. Auch wenn sie dies mehr auf ihre sexuelle Beziehung bezog als auf den Alltag.
Er lachte. »Schau nicht so gekränkt. Vor den beiden habe ich keine Geheimnisse.« Er gab ihr einen Klaps auf den Po, packte sie sodann am Oberarm und zog sie mit sich. »Komm. Ich will dir dein neues Zuhause zeigen.«
Das neue Zuhause der Sklavin
Nach klassischer Bauart der Landhausvillen bestand das Hauptgebäude aus zwei Geschossen. Im unteren befand sich Federicos Büro, ein großes Wohn- und Esszimmer, sowie die Wirtschaftsräume. Es dauerte eine Weile, bis Mariella sich über Federicos respektloses Verhalten gefasst hatte, und Augen für die weitläufigen Räume und die geschmackvolle Einrichtung hatte.
Schließlich führte er sie über die breite Treppe hinauf in die Piano Nobile, die rein privaten Räume. Während in der unteren Etage eine repräsentative Einrichtung überwog, in einer exquisiten Mischung aus antiken Möbeln und modernen Gemälden, wurde Mariella nun von der geradezu erotischen Stimmung der oberen Etage überrascht.
Zu beiden Seiten der Treppe führte jeweils ein langer Flur zu den Zimmern. Die Wände waren in einem zarten Ockerton marmoriert und auf Mariellas Augenhöhe mit einer durchgängigen weißen Stuckleiste abgesetzt. Das Besondere aber waren die Fresken, die oberhalb dieser Leiste bis fast unter die Decke reichten, wo eine vorgezogene Wölbung die Leuchtstoffröhren der indirekten Beleuchtung verbarg. Wandschmuck wie diesen hatte Mariella noch nie gesehen und sie musste über die frivole Auswahl schmunzeln. In kunstvoll auf den Putz gemalten, naturalistischen Fresken räkelten sich nackte Pärchen beim Liebesspiel in diversen Stellungen. Alle Geschlechtsteile waren deutlich dargestellt, nichts wie in der klassischen Kunst durch umständlich drapierte Stoffe, Feigenblätter oder eine keusche Hand verdeckt. Die Bilder drückten ungezügelte Leidenschaft und Erotik aus. Ungeniert begrapschten die Männer Brüste und Pos der Frauen, die sich ihnen willig darboten. Mit weit gespreizten Schenkeln, oder auf dem Rücken liegend zusammengeklappt wie ein Taschenmesser oder auf allen Vieren kniend von hinten bestiegen. Die Frauen, deren Körper wohl ausgestattet waren, widmeten sich wiederum eifrig den überdeutlich hervorgehobenen erigierten Penissen der Männer und schienen sie mit ihren Mündern wollüstig zu verschlingen. Dazwischen gab es immer wieder mal ein Bild, auf dem eine Frau über den Knien eines Mannes lag oder tief gebeugt vor ihm kniete, einen Ausdruck von Schmerz, aber auch Lust auf dem Gesicht, von der Hand des Mannes oder einer Rute gezüchtigt.
Hitze wallte in Mariellas Körper auf. Ihre Brüste begannen zu spannen, als wollten sie das Oberteil sprengen, und ihr Schambereich wurde warm und feucht. Federicos Hände umfassten sie von hinten, legten sich auf ihre Brüste und fuhren sanft über ihre Nippel. Wie feine Stromschläge durchdrangen seine Berührungen den Stoff und sie seufzte, von einem wohligen Gefühl überflutet.
»Diese Darstellungen sind ganz nach deinem Geschmack, nicht wahr?«, raunte Federico in ihr Ohr. Wie sinnlich und lüstern seine Stimme klingen konnte.
»Ja Herr«, flüsterte sie zurück und schmiegte sich rücklings an ihn. »Welche Position soll ich einnehmen?«
Er lachte leise und schubste sie sanft von sich. »Nicht jetzt, mein geiles Mädchen.«
Schade.
»Bad, Toilette«, erklärte er, während er weiter ging und die Türen aufstieß. »Gästezimmer. Relaxzimmer.«
Die Ausstattung gefiel ihr. Alles war geschmackvoll und exquisit eingerichtet. Ihr Traum von einem Luxusleben schien wahr zu werden.
Dann kamen sie zur letzten Tür auf dieser Seite der ersten Etage und betraten ein quadratisches, sehr geräumiges Vorzimmer, von dem wiederum drei Türen abzweigten. Mariella runzelte die Stirn. Wohin ging es denn von hier aus?
Die Beleuchtung dieses Vorraums jedenfalls war ein sanftes, weiches Licht, das Wohlbehagen verbreitete. Obwohl draußen die Sonne mit blendender Kraft schien. Zum einen kam das Licht durch ein kleines Türmchen, das mehr aus Glas als aus Mauerwerk bestand und die Zimmerdecke wie auch das niedrige Dachgeschoss durchbrach. Zum anderen schien das Sonnenlicht von einem überdachten und voll verglasten Balkon herein, der die äußere Zimmerwand fast vollständig einnahm. So wurde das grelle Licht gebrochen und umgeleitet und verlor dabei seine blendende Eigenschaft.
Links und rechts der Tür zum Flur waren zwei handgefertigten Eisenleuchten in Edelrostoptik angebracht, die mit ihren kleinen ornamentalen Durchbrüchen ein feines Muster aus Licht und Schatten zauberten. Der Boden war mit hochwertigen Terrakottafliesen ausgelegt. Alles passte zueinander.
In der Mitte des Raumes war ein runder Tisch mit zwei Stühlen platziert. Die dunkelbraune Tischplatte glänzte, als ob sie frisch lackiert worden wäre. Der beige und dunkelrot gestreifte Stoff der gepolsterten Arm- und hohen Rückenlehnen wölbte sich straff gespannt und war mit dicken Messingnieten befestigt. Über allem schwebte beinahe drohend ein Eisenleuchter, der im Stil zu den beiden exklusiven Wandleuchten passte.
In jeder Zimmerecke befand sich eine voll verglaste Vitrine mit indirekter Beleuchtung, in der diverse erotische Figuren, Vasen und andere Objekte um die Gunst ihres Sammlers wetteiferten.
»Hinter dieser Tür verbirgt sich ein begehbarer Kleiderschrank«, erklärte Federico weiter und stieß die Tür auf. »Da ist dann mein Schlafzimmer, und dort das deine.«
Neugierig erforschte Mariella das Ankleidezimmer. Rundum waren Schränke mit Schiebetüren aus transparentem Glas und viele Schubläden. Ein einzelnes Fenster war wie eine Luke ausgespart und sorgte dafür, dass von Zeit zu Zeit Frischluft hereingelassen werden konnte. Alles in allem war genügend Platz, um Kleidung und Schuhe zweier Personen aufzunehmen.
»Wenn du in deinem Schlafzimmer etwas ändern willst, teile Giovanni deine Wünsche mit, er wird sich dann darum kümmern.«
Mit Herzklopfen trat Mariella näher, um hinein zu schauen. Das breite Bett stand mit der Kopfseite an der Wand gegenüber der Tür, beidseits begehbar, und war breit genug, um zu zweit darin zu schlafen. Außer je einem Nachttischchen links und rechts des Betts, einem stummen Diener und einem antiken Schubladenschränkchen war das Zimmer leer. Eine bordeauxfarbene Tagesdecke wies darauf hin, dass das Bett in letzter Zeit nicht benutzt worden war.
Der erste Eindruck war okay. Nur den stummen Diener würde sie entfernen lassen. Stattdessen wäre vielleicht eine Schminkkommode praktisch. Groß genug war das Zimmer ja.
Das großformatige Schwarzweißfoto, das mitten über dem Kopfende in einem silbernen Rahmen an der Wand prangte, zeigte die Rückenansicht einer attraktiven Frau bis zu den Kniekehlen. Sie stützte sich mit ihren Handflächen an der Wand ab und streckte dabei ihre knackigen vollen Pobacken dem Betrachter entgegen. Ihre devote Haltung, die ausgestreckten Arme, der durchgedrückte Rücken, die leicht gespreizten Schenkel, die ihre Schamlippen erahnen ließen und der leicht nach hinten geworfene Kopf drückten in der Summe ganz klar alles aus, was Thema Nummer Eins für Mariella war: Erregung, Hingabe, Geilheit.
Mariella verkniff sich die Frage, warum sie kein gemeinsames Schlafzimmer verwenden würden. Vielleicht war es ganz gut, ein eigenes Refugium zu besitzen und seiner dominanten Nähe ab und an zu entkommen. Vor allem wenn seine Stimmung so häufig wechselte, wie an diesem Tag.
»Zieh dein Oberteil aus, ich will deine Brüste nackt sehen«, verlangte er unvermittelt.
Seit er sie genommen hatte, fühlte sie sich klebrig zwischen den Schenkeln, was sie nicht weiter störte. Doch das erotische Interieur ging nicht spurlos an ihr vorbei und weckte ihre Säfte aufs Neue. Würde er sie bald wieder nehmen, sollte sie sich deshalb entblößen, weil ihn ihre Brüste erregten?
Federico nickte zufrieden, verließ den Vorraum und sie folgte ihm den langen Flur auf die andere Seite der Treppe hinüber, durch eine Tür, die den Flur klar vom übrigen Haus abgrenzte.
»Und hier – werden wir beide dann und wann unseren besonderen Spaß ausleben.«
Mariella hielt den Atem an. Der Ostflügel entpuppte sich als ein völlig separater Bereich, dessen Zimmer nur einem Zweck dienten: dem erotischen Spiel. Würden sich ihre geheimsten Träume erfüllen?
Einer der Räume war Dunkelrot gestrichen, auch die Decke. Schwarze Vorhänge verdunkelten die Fenster. Der Boden war mit schwarzem Linoleum ausgelegt, die Einrichtung eindeutig: Eine Liege, ein Strafbock, ein Andreaskreuz, ein Schrank mit Utensilien. Die Zeit reichte nicht, alles auf einmal wahrzunehmen, denn Federico nahm sie an der Hand an und zog sie bereits in den nächsten Raum, der wie ein altes Klassenzimmer eingerichtet war. Zwei Schülertische mit Holzbank, ein Lehrerpult, eine schwarze Tafel, Kreide und Schwamm auf einer Ablage, Kinderbilder auf den pastellgelb gestrichenen Wänden. Ein eigentümlicher Geruch nach Parkettpflegemittel lag in der Luft. In einem Ständer wurden aufgerollte Landkarten aufbewahrt. Alles wirkte authentisch.
»So, nun hast du meine Lieblingsräume auch schon kennengelernt. Du wirst diese aber nur betreten, wenn ich dich dazu auffordere, verstanden?«
Mariella nickte.
»Ich wünsche, dass du dich schnell einlebst und alle Regeln verinnerlichst.« Er sah ihr tief in die Augen. »Du gehörst jetzt mir. Vergiss das nie.«
Mariella leckte sich über die Lippen. War seine Stimme eine Nuance tiefer und strenger geworden? Ein neuerliches Kribbeln erfasste ihren Körper. Würde er gleich jetzt zu einem Spiel übergehen?
Seine Rechte fuhr die Kontur ihrer Lippen nach, über ihre Kehle, dann über ihr Dekollete, die Rundungen ihrer Brüste. Ihr Herz schlug erwartungsvoll ein wenig schneller. Zu gerne wollte sie seine Haut spüren, seine kleinen Knospen verwöhnen. Als sie ihre Hand ausstreckte, um sein Hemd aufzuknöpfen, schlug er ihr hart auf die Finger.
»Habe ich dir erlaubt, mich auszuziehen?«
»Nein, Herr«, erwiderte Mariella und sog scharf die Luft ein.
»Hol mir einen Rohrstock!« Er deutete auf den Ständer mit den Landkarten.
Mariella gehorchte. Bis dahin von ihr unentdeckt, befanden sich zwischen den Rollen eine ganze Reihe Rohrstöcke unterschiedlicher Stärken und Oberflächen. Wahllos griff sie einen davon heraus und brachte ihn Federico.
»Hände ausstrecken«, kommandierte er und deutete an, dass die Handinnenflächen nach oben zeigen sollten.
Ein unangenehmes Grimmen erfasste Mariellas Bauch. Würde er wirklich den Lehrer herauskehren und zuschlagen? Ihr Po war ja einiges gewöhnt und jede Züchtigung darauf weckte ihre Lust. Aber Hiebe auf ihre wohlgeformten langen Finger?
»Nun, Schülerin, für welches Vergehen erwartest du eine Strafe?«
Es war klar, dass er eine passende Antwort von ihr wünschte und es bildete sich eine Falte der Ungeduld auf seiner Stirn, während sie einen Moment zu lang überlegte.
»Ich – habe verbotene Dinge getan, Herr Lehrer.«
Federico grinste amüsiert. Gefiel ihm ihre Antwort etwa? »So so, verboten. Der Meinung bin ich allerdings auch.« Er zog an ihren Händen, so dass ihre Arme ausgestreckt waren, dann holte er aus und schlug zu.
Obwohl sie den Schmerz erwartet hatte, gelang es Mariella nicht, ein dumpfes Stöhnen zu unterdrücken. Beim zweiten Schlag schrie sie auf, der dritte trieb ihr die Tränen in den Augen.
Drei rote Striemen zogen sich quer über ihre Handflächen. Seine Hand fasste unter ihr Kinn und er schaute ihr prüfend ins Gesicht. Verdammt, es schmerzte immer noch und trotzdem wünschte sie sich fast, er würde ihr nochmal soviele Hiebe erteilen. Ihr Körper vibrierte sehnsüchtig nach mehr, in ihrem Unterleib zupfte es lustvoll, eine neue Erfahrung, die sie nur von der Züchtigung ihres Hinterteils kannte.
»Wofür habe ich dich bestraft?«
»Für Ungehorsam«, presste sie mühsam gefasst hervor und er nickte zufrieden, gab ihr ein Zeichen, die Hände auf den Rücken zu legen, ganz so wie sie es gelernt hatte. Endlich waren sie allein und endlich, endlich nahm er sich Zeit für sie. Ihr Herz klopfte voller Erwartung Rock’n’Roll und sie fühlte, wie ihre Schamlippen schwollen.
»Schon besser«, knurrte Federico. »Du wirst mich niemals anfassen, außer ich erlaube es dir ausdrücklich! Betrachte es als ein Privileg.«
Wenn er meinte. Er ahnte ja nicht, was er verpasste.
Nun sah er auf ihren Busen herab. Ihre Knöpfe waren hart und prall, das fühlte sie. Seine Hände strichen mit unendlicher Sanftheit über ihre Rundungen und es kitzelte, dann packte er besitzergreifend zu und zwirbelte ihre Nippel so fest, dass ein stechender Schmerz durch ihre Brüste raste. Ja! Ein sehnsuchtsvolles Seufzen kam über ihre Lippen.
»Das gefällt dir, nicht wahr?« Federico grinste. »Kann es sein, dass du schon wieder geil bist?«
»Für dich immer, mein Gebieter.«
Seine Bewegungen waren überraschend schnell. In Windeseile hatte er ihren Rock hochgeschoben, seine Finger teilten ihre Schamlippen und rieben fest über ihre geschwollene pochende Perle. Wie nackt, unanständig und benutzt sie sich in dieser Sekunde fühlte!
»Ist alles in Ordnung, Signor Federico?«
Mariella erstarrte. Mit nackten hervorgewölbten Brüsten und dunklen Nippeln, den Unterleib entblößt, nur mit Rock, halterlosen Strümpfen und Stilettos bekleidet stand sie vor ihrem Mann, und er hatte seine Hand … Sie hielt den Atem an und wäre am liebsten im Boden versunken. Nein, er hatte es den beiden ja schon erklärt. Es war in Ordnung, so wie es war. Ja, ergreif Besitz von mir, vor seinen Augen. Zeig mir, dass ich deine Sklavin bin, und warum du mich gekauft hast.
»Ja, Giovanni. Alles in Ordnung. Du kannst gehen.« Federicos Grinsen wurde breiter. »Nass. Du bist einladend nass. Das ist gut, Schülerin, vielleicht bringt es dir sogar bessere Noten ein. Ich will ja nicht behaupten, dass ich bestechlich bin.« Er lachte und schien sich in seiner erdachten Rolle wohl zu fühlen. »Sorg dafür, dass du immer feucht und bereit bist, zu jeder Zeit, Tag und Nacht, wird dich mein Schwanz markieren. Manchmal werde ich Zeit haben und wir werden ausgiebig spielen. Ich werde dir zeigen, was es bedeutet, meine Sklavin zu sein. Manchmal werde ich aber auch nur kurz zwischendurch heimkommen, sozusagen auf einen Sprung, und dann will ich dich ficken, ohne erst lange rumzutun. Sei also bereit. Immer.«
Schade, dass er das Spiel beendete. In der Rolle als Lehrer hätte sie ihn gerne länger gesehen, das war doch ausbaufähig. »Zieh dich aus!«
Sein Befehlston jagte ihr einen wohligen Schauer über den Rücken. Mit langsamen Bewegungen, sich windend und die Hüften schwingend, streifte Mariella die übrige Kleidung ab.
»Daran werden wir noch arbeiten müssen«, stellte Federico fest. Sein Mund verzog sich zu einem harten herablassenden Zug. »Aber du wirst in nächster Zeit sowieso erstmal nur nackt sein, oder fast nackt. Zuhause benötigst du keine Kleidung. Und wenn du welche trägst, erwarte ich, dass sie sexy ist und dazu dient, mich innerhalb von Sekunden von Null auf Hundert zu bringen.«
Überrascht zog Mariella eine Augenbraue hoch. Ihr Herz raste von einer Sekunde zur nächsten wie eine Rakete. »Und – das Personal? Was sollen die Dienstmädchen von mir denken? Und Antonella …«, flüsterte sie von leichtem Schwindel erfasst.
»Stellst du meinen Befehl in Frage?«
»Nein, natürlich nicht«, erwiderte sie schnell.
»Jetzt öffne meine Hose und mach mich heiß.«
Als Mariella vor ihm kniend seinen Schwanz aus Slip und Anzughose befreite, deutete nichts darauf hin, dass ihn ihre Nacktheit besonders erregt hätte. Zwar war die Vorhaut zurückgeschoben, die nötige Steife jedoch fehlte. Sanft nahm sie seine Hoden in eine Hand und kraulte sie, während sie ihre Lippen über seine Eichel stülpte und zu lecken begann. Immerhin zeigten ihre Bemühungen schnell Wirkung und sein Schwanz versteifte sich zu beachtlicher Länge und Dicke.
»Das reicht, steh auf.«
Sein Griff war fest, als er sie umdrehte und zwang, sich auf einem der Pulte abzustützen. Willig reckte sie ihm ihre Hüften entgegen und spreizte ihre Beine. Bestimmt besserte sich seine Stimmung, wenn er seinen Trieb aufs Neue befriedigt hatte, in dieser Umgebung, seinem Haus. Seine Eichel fuhr mehrmals durch ihre nassen Schamlippen, von seiner Hand geführt, ehe er tief in sie eindrang.
Von ihrer ersten Begegnung an hatte sie sein Blick oder eine einfache Berührung in eine Art Demutsmodus versetzt, in dem sie alles tun würde, was er von ihr verlangte. Eigentlich dachte sie, sie wäre eine starke Frau. Immerhin hatte sie als angehende Ärztin auch Männern Arbeitsanweisungen gegeben. Aber dieser Mann hatte etwas an sich, das ihren Willen lähmte und nichts anderes hatte sie instinktiv gesucht. Soviel war ihr in den letzten Tagen klar geworden. Sie war bereit alles für ihn zu tun, gleichgültig, was er verlangte. Sogar sich von ihm ohne Vorspiel nehmen zu lassen. Seine Nähe, sogar ein Gedanke an ihn genügte, ihre Nippel traten hervor, ihre Schamlippen schwollen an und ihre Spalte pochte vor Verlangen in warmem Saft.
So war es auch in diesem Augenblick. Ihre Nacktheit erregte sie zusätzlich. Würde dieser Kick irgendwann nachlassen oder würde es auch nach Wochen oder Monaten so bleiben? Allein der Gedanke nahm ihr den Atem. Nacktheit machte sie schutzlos, und wer wusste schon, was er noch mit ihr vorhatte.
Mariella stöhnte vor Begierde laut auf. Ihre Vaginalmuskeln zogen sich eng um seinen Schwanz zusammen. Sie fühlte die Kontraktionen, während er in ihr verharrte. Seine Krawatte kitzelte über ihren Rücken, als er sich über sie beugte und fest ihre Brüste umfing.
»Regel Nummer 1«, stieß er heiser vor Erregung hervor. »Ich werde dich anfassen, züchtigen und ficken, wann immer ich will.« Hatten sie das nicht längst geklärt? Nichts anderes erwartete sie von ihm. Er zwickte sie in ihre Brustwarzen und der Schmerz verstärkte die Kontraktionen in ihrem Schoß.
»Ja, Herr«, stöhnte Mariella auf.
»Was ist deine Aufgabe?«
»Dir zu dienen.«
»Und was noch?«
Oh je, was wollte er denn hören? War das nicht schon genug?
»Nun, muss ich dein Gedächtnis etwa auffrischen?« Er ließ ihre rechte Brustwarze los und schlug ihr stattdessen mit der flachen Hand auf den Busen, mal seitlich, mal von vorne. Ihren linken Nippel aber drehte er zwischen seinen Finger weit hin und her, im Takt seiner Worte. »Welche-Vereinbarung-hast-du-unterschrieben?« Dabei presste er sie nach vorne und sein Schwanz zuckte in ihrer Vagina.
Mariella stöhnte laut vor Schmerz, doch ihr Schoß wollte nichts anderes. Sie war bereit alles anzunehmen, jeden Schlag, egal wie, egal wohin. Wie sollte sie dabei nachdenken? Ihre Lust wollte überfließen, und er würde sie demütigen und nehmen bis … »Einen Sohn, ich soll dir einen Sohn schenken.«
»Vergiss das nie!«
»Ja, Herr!«
Federico zwirbelte nun beide Nippel und zog sie in die Länge, bis Mariella sich unter seinen Händen aufbäumte und schrie, da stieß er zu. Sie war ihm ausgeliefert, völlig in seiner Hand, und es schien ihm Spaß zu bereiten, sie dies spüren zu lassen. Seine Stöße rüttelten sie hin und her. Nochmal und nochmal, immer schneller und fester wurde seine Penetration. Als sie, diesmal von heftigen Kontraktionen erfüllt, erneut laut aufschrie, kam er ebenfalls.
Damit war alles vorbei. Keine Umarmung, kein Kuss. Mariella fühlte trotz der Befriedigung einen schalen Nachgeschmack.
»So, geh zurück, schau in den Schrank, zieh dir etwas Hübsches an, etwas, was deinen Busen frei lässt, und komm runter, wenn du fertig bist.«
Mariella erstarrte.
»Ist was?«
Sie schluckte. »Nein, ganz wie du wünschst …«
Federico gab ihr ein Zeichen, sich über das Pult zu beugen und holte den Rohrstock, der neben der Tafel an der Wand lehnte. »Du zögerst, meine Befehle auszuführen.«
»Es tut mir leid«, versuchte Mariella ihn schnell gnädig zu stimmen.
»Mir nicht, ich werde es genießen, deinen Hintern zu striemen. Jeder hier im Haus darf sehen, dass du mein Eigentum bist. Und damit eines klar ist, es gibt bei mir zwei Arten von Züchtigungen. Die erotische, der ein Orgasmus folgt, und die bestrafende Züchtigung, die du dir gerade verdient hast.«
Federico platzierte drei Hiebe, die es in sich hatten und ihr Po brannte sofort wie Feuer. Mariella unterdrückte ein Stöhnen. Es war nicht nötig, sich in einem Spiegel zu betrachten. Gewiss hatte er sie gekonnt gestriemt.
»Wem gehörst du?«, fragte er und zog ihren Kopf an den Haaren in die Höhe, sodass sie ihm in die Augen sehen musste.
»Dir, Dominus«, wimmerte sie.
»Gut. Stell niemals meine Befehle in Frage. Und jetzt tu, was ich dir aufgetragen habe!« Grinsend ließ er sie los. »Ich will, dass deine Schönheit in Szene gesetzt wird.«
»Ja, Dominus!«
»Zu deiner Beruhigung: jeder, der für mich arbeitet, hat eine Schweigeklausel unterschrieben und muss nicht nur eine hohe Strafe zahlen, wenn er diese bricht, sondern wird mit dem Ruf der Unzuverlässigkeit und Veruntreuung belastet sein.«
Und im näheren Umkreis keinen neuen Job finden, vermutete Mariella in Gedanken. Hatte er also nicht nur sie in der Hand, sondern auch jeden einzelnen seines Personals? Eigentlich sollte sie nun beruhigt sein. Eigenartigerweise empfand sie dies jedoch nicht.
Brisante Begegnungen
Schon seit dem Morgen quälte Giulia ein unerwartetes Unwohlsein. Dreimal war sie auf die Toilette gerannt und hatte sich übergeben müssen. Kein Wunder, rückte doch der Zeitpunkt einer Begegnung mit Federico unaufhaltsam näher. Ihre Hand schaukelte den Kinderwagen auf und ab, während sie die letzten Meter vom Parkplatz bis zum Haus schritten, bis Lorenzo, der neben ihr ging, plötzlich seine Hand auf die Stange legte.
»Hey, unserer Tochter wird schlecht und sie wird gleich auch das Kotzen anfangen, wenn du so weiter machst!« Er hauchte ihr einen Kuss aufs Haar, ehe er weitersprach und streichelte ihr mit der anderen Hand sanft über den Rücken. »Beruhige dich. Es gibt keinen Grund nervös zu sein! Wir machen nur einen Anstandsbesuch. Nicht mehr, und nicht weniger. Und du hast nichts zu befürchten, ich bin ja bei dir.«
Sie rang sich ein Lächeln ab, als sie zu ihm aufsah. »Ich weiß. Du bist immer in meiner Nähe.« Trotzdem hatte sie Angst vor diesem Wiedersehen. Ihr Blick schweifte über die Fassade mit den vielen Fenstern, in denen sich das reine Blau des strahlenden Himmels und das frische Grün des Parks spiegelten. Alles wirkte gepflegt wie immer, sogar der gekieste Weg, der zum Haus führte, war akribisch geharkt.
»Buon giorno Signora Giulia, willkommen Signor Lorenzo«, begrüßte sie Giovanni, der Butler, der sie bereits in der offen stehenden Eingangstür erwartete. Damit die Brüder stets wussten, wer von ihnen angesprochen wurde, hatten sie einst angeordnet, nicht beide mit Signor Moreno, sondern mit ihren Vornamen angesprochen zu werden, was Giovanni nun automatisch auf Giulia übertrug.
Während ihrer kurzen Zeit als Hausmädchen und Geliebte der Hausherren hatte sie kaum Kontakt zu Giovanni gehabt. In den wenigen Momenten der Zusammenarbeit war er ihr aufgrund seiner meist ausdruckslosen Miene steif und gefühllos erschienen, was auch seine gediegene Arbeitskleidung unterstrich. Heute war es ein anthrazitfarbener Anzug, darunter eine Weste mit dezentem Nadelstreifenmuster und ein weißes Hemd mit hohem Stehkragen, der ziemlich unbequem wirkte.
»Wie heißt denn Ihr Töchterchen, wenn ich fragen darf, Signora Giulia?«
Von ihm höflich als Signora angesprochen zu werden, war ein wenig befremdlich. Doch jetzt änderte sich sein Gesichtsausdruck. Sein offenes, freundliches Lächeln und der unverhohlen neugierige Blick in den Kinderwagen erwärmten Giulias verängstigtes Herz.
»Maria. Unsere Kleine heißt Maria«, erwiderte sie stolz.
Giovanni sah Giulia an. »Maria wird bestimmt einmal so hübsch wie ihre Frau Mama.«
Innerhalb einer Sekunde spürte Giulia, wie ihre Wangen glühten. War diese Bemerkung wirklich als Kompliment zu verstehen oder war dies nur eine Schmeichelei, mit der Giovanni irgendetwas andeuten wollte? Sie war nicht gut darin, aus doppeldeutigen Bemerkungen den wahren Hintergrund herauszuhören. Aber da lachte Lorenzo leise und sie befand, sie sollte diesen Worten nicht zu viel Bedeutung beimessen.
»Wir werden sehen … Vorerst muss sie wachsen, sprechen lernen und laufen. Alles andere hat Zeit. Und? Wie geht es Ihnen, Giovanni?«
»Danke der Nachfrage«, erwiderte der Butler mit einer angedeuteten Verbeugung. »Sehr gut. Ich freue mich, dass wieder Leben in dieses Haus einzieht.«
Giulia wusste von ihrem Mann, dass der Butler und seine Frau Antonella sich in den vergangenen Monaten alleinverantwortlich um das Haus gekümmert hatten. Außer ihnen waren alle weiteren Angestellten von Lorenzo entlassen worden, wobei er sich darum gekümmert hatte, für jeden eine neue angemessene Arbeitsstelle zu finden. Giulia rechnete ihm dies hoch an. Am liebsten hätte sie selbst Mamsell Concetta oder eines der Hausmädchen übernommen, aber Lorenzo hatte dies für keine gute Idee gehalten. Alle kannten Giulia noch als Dienstmädchen, und sie war ihnen gleichgestellt oder untergeordnet gewesen, so dass es schwierig sein würde, Giulia nun als Hausherrin anzuerkennen.
»Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, Giovanni«, erwiderte Giulia.
»Genug Austausch von Höflichkeiten, lass uns hineingehen und meinen Bruder begrüßen«, drängelte Lorenzo ungeduldig.
Der Butler trat einen Schritt zurück, um die beiden vorbeizulassen. »Die Herrschaften erwarten Sie auf der Veranda, Signor Lorenzo.«
»Danke Giovanni.«
Es fühlte sich eigenartig an, das Haus zu betreten, in das sie ursprünglich gekommen war, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die in hellem Ocker gestrichenen Wände, die großen Bilderrahmen, die echte Kunstwerke präsentierten und das teils antike Mobiliar, welches durch die offen stehenden Türen zu sehen war. Alles Dinge, die Lorenzo aus Gründen, die nur er kannte, nicht mitgenommen hatte.
Wie ungeschickt und naiv war sie damals gewesen! Giulia schüttelte im Nachhinein den Kopf über sich selbst. Durch einen dummen Fehler hatte sie ihre Lehrstelle als Floristin in Florenz, ihrer Geburtsstadt, verloren. Nur deshalb hatten ihre Eltern sie nach Lucca zu Onkel Bruno geschickt, damit sie vorerst in seinem Cateringservice arbeiten und bei seiner Familie wohnen sollte. Ihrer Tante jedoch war es lästig gewesen, das Mädchen bei sich aufzunehmen, so dass der Onkel, von seiner Frau unter Druck gesetzt, für Giulia eine andere Anstellung finden musste. So war sie schließlich im Haushalt der Morenos gelandet. Eigentlich war dies eine glückliche Fügung gewesen, hatte sie letztlich doch hier ihren geliebten Ehemann kennengelernt. Und nun waren sogar ihre Eltern und Onkel Bruno zufrieden. Eine bessere Partie hätte sie wohl kaum machen können.
Auch im großen Wohnzimmer, das sie auf dem Weg zur Veranda durchqueren mussten, hatte sich auf den ersten Blick nichts verändert. Frische Blumen standen auf dem eleganten Sideboard und erfüllten den Raum mit einem angenehmen Duft.
Obwohl die Arbeit anstrengend war, hatte Giulia sich hier wohl gefühlt, weil Mamsell Concetta, die dem Haushalt vorangestanden hatte, Giulia lobte und ihr verantwortungsvolle Aufgaben zuteilte. Wenn sie daran zurückdachte, wie sie der Verführung der Brüder und ihren speziellen sexuellen Wünschen erlegen war, befiel sie noch heute ein erregendes Kribbeln. Besonders gerne erinnerte Giulia sich an die Reise, die sie zu dritt nach Rom und nach Pompeji unternommen hatten. Es war zu einem Erlebnis der besonderen Art geworden, das sie nie vergessen würde.
Diesem Hoch ihres Glücks war ein jäher Abstieg gefolgt. Als sie schwanger geworden war und überstürzt und völlig kopflos davonlaufen wollte, war sie von Antonella aufgehalten und zur Patrona gebracht worden. Nur dank deren Einsatz hatte alles noch ein gutes Ende genommen.
Giulia schaute ihrem Mann ins Gesicht. Ihr Herz pochte ein wenig schneller. Sie liebte ihn so sehr. Im Augenblick wirkte er ein wenig angespannt, was nicht überraschend war. Seit sie geheiratet hatten, hatte er nie mehr über seinen Bruder gesprochen. Es war ihm bestimmt nicht leicht gefallen, sein bisheriges Leben völlig umzukrempeln. Aber nicht ein einziges Mal hatte er ihr das Gefühl gegeben, sie wäre daran schuld, und dafür war sie ihm sehr dankbar. Von ihrer Schwiegermutter hatte Giulia erfahren, dass die Zwillinge von Geburt an alles gemeinsam gemacht hatten, einschließlich der Gründung ihrer erfolgreichen Immobilienfirma, die Lorenzo seit dem Weggehen seines Bruders alleine führte.
»Mein Bruder! Wie ich mich freue, dich wiederzusehen.« Mit ausgebreiteten Armen ging Federico auf seinen Zwilling zu, als Lorenzo und Giulia auf die Terrasse hinaustraten.
Die über dem knackigen Po enganliegende helle Sommerhose und das weiße Poloshirt einer Nobelmarke unterstrichen seine sportive Statur. Offensichtlich hatte er sich in letzter Zeit viel in der Sonne aufgehalten, so braungebrannt wie er war. Hatte ihr Mann nicht irgendetwas erwähnt, dass Federico einen Segeltörn auf dem Mittelmeer gemacht hatte?
Mit einem flüchtigen Rundumblick stellte Giulia fest, dass ihre Schwiegereltern bereits anwesend waren und es sich auf einem mit Polstern ausgestatteten Rattansofa unter einem riesigen Sonnenschirm gemütlich gemacht hatten. Sie nickte ihnen erleichtert zu. Wenn ihre Schwiegereltern dabei waren, konnte es nicht so schlimm werden. Bei ihnen saß eine blonde Frau, einige Jahre älter als Giulia, auf der Kante eines Gartenstuhls, und beobachtete alles sehr aufmerksam. War das etwa ihre neue Schwägerin?
Wow. Das war eine – Dame, so elegant gekleidet, die Haare zu einer tollen Frisur hochgesteckt. War sie etwa genauso unnahbar wie Federico?
Dieser küsste nun seinen Bruder links und rechts auf die Wangen und umarmte ihn. »Deine neue Rolle als Ehemann und Vater scheint dir gut zu bekommen. Du siehst prächtig aus.«
Nicht so sehr wie du, schoss es Giulia durch den Kopf. Die letzten Wochen waren besonders arbeitsintensiv und anstrengend gewesen und auch zuhause war Lorenzo kaum zur Ruhe gekommen. Die Kleine hatte eine Zeit lang nachts gequengelt und Lorenzo, als fürsorglicher Vater, hatte sich mit Giulia dabei abgewechselt, aufzustehen und nach ihr zu sehen. Leichte Schatten lagen unter seinen Augen. Wir sollten auch mal ein paar Tage Urlaub machen, einfach irgendwohin fahren, Tapetenwechsel.
Mit einem überaus freundlichen Lächeln wandte Federico sich nun Giulia zu und neigte sich zu ihr herab, um sie ebenfalls auf die Wangen zu küssen. Instinktiv versteifte sie sich unter seiner Berührung.
»Meine liebe Giulia, Schwägerin, du bist ja noch hübscher geworden. Deine Mutterrolle steht dir gut. Ich möchte auch dir meinen herzlichen Glückwunsch zu eurem Töchterchen ausdrücken.«
Giulia versuchte ihre feuchten Hände unauffällig an ihrem Rock abzuwischen. Sie fühlte sich von Federicos überschwänglicher Herzlichkeit merkwürdig berührt. Das war doch alles nur Show? Oder sollte er etwa sein früheres Verhalten ihr gegenüber bereuen? Falls ja, wäre wohl eine Entschuldigung angebracht.
Auf den ersten Blick wirkte Federico nicht nur gut gelaunt, sondern überhaupt sehr entspannt und ohne Zweifel sah er ausgezeichnet aus. Braungebrannt und erholt. Das Poloshirt spannte über seinem Brustkorb und seine kleinen Nippel zeichneten sich hart durch den Stoff ab. Giulia schluckte. Noch nie, seit sie die Zwillinge kannte, waren sie sich äußerlich unähnlicher gewesen. Für ein Sonnenbad fehlte ihrem Mann die Zeit, und würde er nicht abends und am Wochenende das eine oder andere kleine Training in ihrem hauseigenen Fitnessraum absolvieren, stünde es um seine Muskulatur bestimmt nicht zum Besten.
Nicht täuschen lassen. Federico ist ein Wolf im Schafspelz, ermahnte sie eine innere Stimme.
Interessiert beugte sich dieser nun über den Kinderwagen. »Oh, was für ein süßes Ding, schau nur Mariella, die süßen Kulleraugen. Ach«, Federico richtete sich auf und machte eine entschuldigende Geste, »Was bin ich doch für ein ungehobelter Gastgeber. Ihr kennt euch ja noch gar nicht.«
Das sollten sie ihm abkaufen? Gedankenlosigkeit? Und aus seinem Mund eine Entschuldigung? Giulia glaubte ihm kein Wort. Federico war ein Stratege von Kopf bis Fuß. Er überließ nichts dem Zufall. Was hatte dies zu bedeuten? War es eine Herabwürdigung seiner Frau, was Giulia ihm durchaus zutrauen würde, oder wollte er im Gegenteil ihren Auftritt besonders dramatisch inszenieren?
Die elegant gekleidete Frau stand auf, trat neben ihn und er stellte alle einander vor. »Mariella – Lorenzo – Giulia. Unsere Familie.«
Giulias Neugierde wuchs. Was für ein Mensch mochte die Frau sein, die Federico geheiratet hatte? Ihr Blick war warm, ihr Lächeln wirkte natürlich. Trotzdem, sie würde auf der Hut sein. Vielleicht hatte er ihr von Giulias unsittlichem Liebesverhältnis mit beiden Brüdern erzählt, und dass sie eigentlich nur ein Dienstmädchen gewesen war, als sie in dieses Haus kam. Hoffentlich schoss ihr bei diesem Gedanken nicht die Röte in die Wangen.
Giulia musterte Mariella genauer, während sie einander die Hand schüttelten. Ohne Zweifel war ihre Schwägerin eine nordische Schönheit, einen halben Kopf größer als Giulia, mit schlanker Taille und üppigem Busen, und fast stechend hellblauen Augen. Ihr Kleid aus schimmerndem pinken Stoff, um den tiefen Ausschnitt mit einer Applikation aus kleinen weißen Perlen verziert, saß wie maßgeschneidert. Was es vielleicht auch war. Wenn man eines anerkennen musste, dann Federicos exquisiten Geschmack.
Giulia war mit ihrer eigenen äußeren Erscheinung sonst durchaus zufrieden. Sie war zierlich, mit vollen dunklen Locken und einem wohlproportionierten Busen, der durch die Schwangerschaft ein wenig größer geworden war. Ihre Figur war fast wieder dieselbe wie vorher, vielleicht noch ein kleines Bisschen draller. Gegen Mariella jedoch kam sie sich in ihrem geblümten, leichten Sommerkleid wie ein unreifes Mädchen vor. Ihre neue Schwägerin hatte eben ganz und gar die Ausstrahlung einer Frau, einer gut situierten Dame. Ihr Outfit, ihre verhaltenen kontrollierten Bewegungen, das kühle Lächeln, das perfekte MakeUp – alles wirkte ein wenig unnahbar, aber nicht unfreundlich. Vielleicht verbarg sich dahinter aber auch nur die Unsicherheit, da ihr noch die Erfahrung fehlte, wie sehr sie von allen akzeptiert werden würde. Giulia jedenfalls hatte vor, ihr Bestes zu geben. Schließlich war es ja nicht Mariellas Schuld, was vor Monaten geschehen war, und nur weil sie mit einem Scheusal verheiratet war, musste sie nicht genauso sein.
Was würde Mariella wohl denken, wenn sie wüsste, was für Spiele die Brüder mit Giulia getrieben hatten? Würde ihre Schwägerin sie verachten? Giulia fühlte eine Hitzewallung, als ihr durch den Kopf schoss, ob Federico seine sexuellen Vorlieben wohl auch mit Mariella auslebte. Man sah es niemandem an, welche Leidenschaften ihn antrieben. Womöglich teilte Mariella diese sogar?
»Sieh nur, Mariella«, lenkte Federico die Aufmerksamkeit seiner Frau auf das schlummernde Kind. »Möchtest du es nicht mal auf den Arm nehmen? Giulia hat bestimmt nichts dagegen.«
»Nein, Federico. Die Kleine schläft, wir sollten sie jetzt nicht stören.«
Eins zu Null für meine neue Schwägerin, dachte Giulia und empfand sofort Sympathie.
»Buon giorno Giulia, ist alles in Ordnung mit dir?«, fragte die Patrona besorgt, die inzwischen aufgestanden war und ihre Schwiegertochter herzlich umarmte.
»Si, es geht mir gut.«
Giulia begrüßte auch ihren Schwiegervater, der freundlich ihre Wangen küsste, aber wie immer zurückhaltender war als seine Frau. In seiner Nähe hatte Giulia stets das Bedürfnis alles richtig zu machen und zu beweisen, dass sie würdig war, Lorenzos Ehefrau zu sein. Denn der Patrone wirkte meist ein wenig distanziert, beobachtete alles ganz genau, und wenn er etwas sagte, klang es wie eine unumstößliche Feststellung. Nur im Umgang mit Maria taute er auf und gab sich ungewöhnlich locker.
Lorenzo hatte Giulia erzählt, dass sein Vater nur selten aus sich herausging und seine Gefühle zeigte, gleichwohl seine Familie liebte. Neben dem geschäftlichen Erfolg seiner Söhne interessierte ihn vor allem die Fortführung der Moreno’schen Dynastie. Maria konnte also den Bonus des ersten, sehnsüchtig erwarteten Enkelkindes für sich verbuchen. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: In den Augen des Patrone war sie »nur« ein Mädchen.
Die große Terrasse hinter dem Haus war großzügig mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, darunter auch eine Hollywoodschaukel aus massivem Teakholz, mit dicken Polstern aus naturfarbener Baumwolle, auf der Giulia und Lorenzo nun nach Begrüßung seiner Eltern Platz nahmen. Vasen und Schalen im Empirestil ergänzten das Ganze zu einem überaus noblen Ambiente.
Die anschließende, frisch gemähte Rasenfläche, verdankte ihr frisches Grün einer automatischen Bewässerungsanlage, die in den Morgen- und Abendstunden für einen feinen Sprühnebel sorgte, wie Giulia sich erinnerte.
Der Butler brachte ihnen gekühlte Erfrischungsgetränke und richtete sich dann an den Hausherrn. »Der Kaffeetisch ist gerichtet, Signor Federico.«
»Sehr schön, darf ich euch bitten mitzukommen?« Er reichte seiner jungen Frau den Arm und ging mit ihr voraus.
Die Getränke in der Hand schlenderten sie ein Stück auf die Wiese hinaus, wo unter einem Partyzelt exquisite Leckereien warteten. Es war Giulia ein Rätsel, woher der Strom für den Ventilator bezogen wurde, der die Luft verwirbelte, so dass es unter dem Zelt gut auszuhalten war.
Eigentlich hatte sie erwartet, dass es eine größere Feier zu Federicos Rückkehr und Heirat geben würde, zu der weitere Verwandte wie Tante Ilaria eingeladen würden. Aber Federico hatte wohl ein ganz intimes Treffen der engsten Familienmitglieder geplant.
»Nun erzähl mal, Bruder. Wo hast du dich die ganze Zeit über versteckt?«, versuchte Lorenzo das Gespräch auf das allgemeine Hauptinteresse zu lenken, während Giovanni Latte Macchiato und kleine Kuchen servierte.
»Mal da, mal dort. Unser Land ist wirklich sehr schön und eine Entdeckungsreise wert. Ihr glaubt gar nicht, welche kleinstädtischen Kostbarkeiten ihr fernab der Touristenrouten findet. Und das nicht nur in der Toscana oder Umbrien. Ich hatte ja viel Zeit und habe die entlegensten Orte besucht.«
Federico auf touristischer Rundreise? Giulia runzelte die Stirn. Klar, die Brüder waren mit ihr in Rom und in Pompeij gewesen, interessierten sich für Architektur und Kunst. Und beide sammelten exquisite Figuren und Gemälde, vorwiegend mit erotischem Touch, aber so etwas fand man in der Regel nicht in der Provinz. Und würde jemand, der überstürzt, im Streit und aufgeputscht von Wut abreiste, sich ernsthaft mit schöngeistigen Dingen befassen? Wohl kaum. Sie glaubte ihm kein Wort.
»Zuletzt war ich in Rom«, fuhr Federico fort, »und dort habe ich Mariella getroffen.« Er legte seine Hand auf die seiner Frau, schien sie liebevoll zu drücken und schaute sie mit einem warmen Lächeln an.
»Und weiter? Erzähl, wie und wo habt ihr euch in Rom kennengelernt?« Giulia erschrak über sich selbst. Die Frage war ihr leichtfertig über die Lippen gekommen, dabei wollte sie auf keinen Fall Federicos Aufmerksamkeit auf sich lenken. Zu spät. Er drehte den Kopf zu ihr und seine dunklen Augen wirkten geschärft und durchdringend wie die eines Raubvogels. Sie fröstelte. Sein Lächeln passte nicht dazu. Was sollte sie bloß von ihm halten? Vielleicht bereute er seine Hartherzigkeit ja doch und war in all den Monaten, fern von zuhause, ein besserer Mensch geworden.
»Oh, das erzähl ich gerne. Das war ja sooo romantisch. Oder möchtest du das erzählen, Schatz?«
»Nein, Liebster, das kannst du viel besser.«
Giulia verdrehte es innerlich die Augen. Schatz. Liebster. Schon recht. Wenn sie mit Lorenzo alleine war oder wenn sie miteinander telefonierten, redeten sie sich manchmal auch mit solchen Kosenamen an. Aber in dieser Runde und aus seinem Mund klang das schon ziemlich aufgesetzt.
»Es war in einem kleinen Café, abseits des allgemeinen Rummels. Jeder von uns saß alleine an einem kleinen Tisch, ansonsten war nicht viel los. Mir fiel auf, dass sie in einem Kulturführer blätterte und da bin ich aufgestanden und zu ihr rübergegangen, und habe ihr vorgeschlagen, Rom gemeinsam zu erkunden. Das wäre doch viel unterhaltsamer. Ja, so fing alles an.«
»Bei euch beiden war es also wirklich die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick?«, hakte die Patrona ungläubig nach.
»Si«, lachte Federico.
»So viel Romantik hätte ich dir gar nicht zugetraut«, murmelte die Patrona mehr an sich selbst gerichtet als an die anderen.
Die Geschichte klang für Giulia wenig glaubwürdig. Andererseits – das nächtliche Erlebnis in Pompeji, als die Gemelli vorgaben, zahlende Kundschaft einer etruskischen Hure zu sein, die sie in einem extra dafür hergerichteten antiken Raum darstellte – das hatte auch romantische Züge gehabt. Mit viel Gefühl und Fantasie hatten die beiden Männer mit Giulia gespielt, so dass sie es bedauerte, als es vorbei war. Hatte Federico sich damals Lorenzos Wünschen angepasst oder steckte ihn ihm doch ein verkannter Romantiker? Vielleicht sollte sie ihm einfach verzeihen, dass er sie zwar als Gespielin, nicht jedoch als Ehefrau oder Schwägerin für gut genug befunden hatte? Nein, wenn er heute anders denkt, dann soll er es sagen und sich bei mir entschuldigen, dachte Giulia in einem Anflug von Zorn.
»… so wunderbar kann das Leben sein, nicht wahr, Giulia?«
Du meine Güte, sie hatte überhaupt Nichts mitbekommen. Wovon hatte Federico gerade gesprochen?
»Ja, möglich«, erwiderte sie zurückhaltend.
Eine falsche Antwort hatte sie offenbar nicht gegeben, denn alle nickten und wirkten sehr entspannt.
»Was hältst du von alledem?«, fragte Giulia, als sie sich auf dem Heimweg befanden.
Die beiden Brüder hatten sich zwischendurch für eine Viertelstunde zurückgezogen und waren mit etwas Abstand zum Zelt hin- und hergelaufen. Giulia hatte währenddessen mit ihren Schwiegereltern und Mariella geplaudert, war jedoch durch das Beobachten der beiden Männer abgelenkt, so dass sie nur die Hälfte ihrer eigenen Unterhaltung mitbekommen hatte.
»Federico hat sich bei mir entschuldigt. Es ist ihm viel daran gelegen, dass wir uns aussöhnen und unser alter Streit uns nicht im Wege steht.«
Giulia hob eine Augenbraue und sah ihren Mann von der Seite an. Hochkonzentriert schaute dieser nach vorne auf den Verkehr. »Und, was du dazu gesagt?«
»Na ja, ich hab mich schon gefreut, dass er die Versöhnung sucht. Und ich hab ihm gesagt, dass wir uns freuen, wenn sie uns bald mal besuchen kämen.«
Giulia schluckte. »Das hat doch bestimmt noch ein wenig Zeit, Lorenzo. Sollen die beiden sich doch erstmal einleben, meinst du nicht?«
»Aber natürlich, Liebes. Ich wollte ihm ja auch nur klar machen, dass er jederzeit bei uns willkommen ist.«
Bei dir vielleicht, weil du ein gutes, weiches Herz hast. Bei mir nicht. Von mir aus hätte er dorthin ziehen und bleiben können, wo der Pfeffer wächst.
Im Augenblick hoffte sie, dass Lorenzo mehr Gas gab und sie bald zuhause wären. Bevor ihre plötzlich aufsteigende Übelkeit sich in den Wagen entlud …
Die Pflichten der Sklavin
»Bring dich in Position, ich habe nicht viel Zeit.« Federico sah herausfordernd auf sie herab.
An diesem Morgen hatte er das Haus schon verlassen, als Mariella aufstand. Es kam nicht allzu oft vor, dass sie alleine frühstückte. Aber es machte ihr nichts aus.
Nach dem Frühstück hatte sie sich mit den Tageszeitungen unter einen Sonnenschirm auf die Terrasse gesetzt. Der Artikel, den sie gerade las, handelte von einem Symposium über medizinische Neuerungen und fesselte ihr Interesse. Es versetzte ihr einen Stich in der Brust, als sie sich bewusst machte, dass ihr Leben als Ärztin nun hinter ihr lag. Voraussichtlich für immer. Hatte sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Beim Lesen dieses Textes befielen sie Zweifel.
Federicos überraschende Rückkehr und seine Forderung nach einem Quickie kam ihr sehr ungelegen. Ihre innere Stärke wollte sich nicht unterdrücken lassen.
»Nun mach schon!«
»Behandle mich nicht wie eine Sklavin! Mir ist jetzt nicht nach Sex.«
Sein Grinsen war böse. »Wie bitte? Hast du das schon vergessen? Ich habe dich gekauft. Du bist meine Sklavin.«
Mariella lachte höhnisch. »Plustere dich nicht so auf. Muss ich dich darauf hinweisen, dass dieser Vertrag vor dem Gesetz unhaltbar ist?«
»Welcher Vertrag meine Schöne?« Er beugte sich zu ihr herab. Seine Finger fuhren zärtlich die Kontur ihrer Nase und ihrer Lippen nach, streichelten ihren Hals hinab und lösten ein Prickeln aus, das direkt in ihren Schoß fuhr, als er seine Hände auf ihre Brüste legte. Ob sie wollte oder nicht. Ihr Körper hatte andere Bedürfnisse als ihr Kopf. Ihre Brustwarzen versteiften sich und sie fühlte, wie sie sich verräterisch gegen seine Handflächen pressten.
Verdammt, er war eindeutig in der besseren Position. Sie besaß nichts, nur eine Kopie des Ehevertrages, der nicht gerade zu ihren Gunsten ausfiel. Diesen Vertrag musste ein Teufel von Rechtsanwalt ausgetüftelt haben, soviel hatte sogar sie diesem Kauderwelsch entnehmen können. Darin stand nicht, dass sie Federico gehörte. Nichts, was vor dem Gesetz sittenwidrig oder aus anderen Gründen unzumutbar wäre. Sie würde ganz simpel mit fast Nichts, abgespeist nur mit einer kleinen Abfindung, aus dieser Ehe gehen, falls sie eines Tages genug hätte und die Auflösung forderte.
»Außerdem macht es dich heiß, wie eine Sklavin behandelt zu werden. Sonst hättest du dich nicht dahingehend im Istituto erziehen lassen.« Sein Lachen klang hämisch.
Zum Teufel mit ihrem Ehemann, er hatte leider schon wieder Recht.
»Offensichtlich bist du scharf darauf, für deinen Ungehorsam den Rohrstock zu fühlen!«
Oh ja, so war das. Von Zeit zu Zeit war dies eine nötige Prozedur, das hatte sie schon in diesem Erziehungsinstitut festgestellt. Doch waren die Striemen kaum mehr zu sehen, wurde sie bereits wieder übermütig und ungehorsam. Einerseits wollte sie sich unterordnen und fühlte eine geradezu körperliche Sehnsucht danach, dominiert zu werden, in jeglicher Hinsicht und mit allen Mitteln. Denn sie war durchaus hart im Nehmen. Andererseits provozierte sie gerne, so wie auch ihre Entscheidung an diesem Morgen, aus dem großzügig von Federico bestückten Kleiderschrank ein elegantes Kostüm auszusuchen, statt wie von ihm gewünscht halbnackt herumzulaufen.
»Leider habe ich jetzt nicht so viel Zeit, dich sofort angemessen zu bestrafen. Das werden wir heute Abend nachholen. Ich erwarte natürlich, dass du mich daran erinnerst!«
»Ja, Herr«, seufzte Mariella. Allein der Gedanke daran würde ihr den ganzen Tag lustvolle Schauer bereiten und sie nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.
»Steh auf!«
Sie schob den Stuhl zurück und gehorchte. Mit beiden Händen griff Federico in den Ausschnitt der teuren Bluse und riss diese mit einem Ratsch entzwei, was ihr ein überraschtes Keuchen entlockte. Seine Gesichtszüge waren hart.
»Zieh dich aus!«
Mariella schluckte. Seine Dominanz fegte ihren Widerstand fort. Artig öffnete sie ihren Büstenhalter und den Reißverschluss ihres Rockes, und streifte alles mit geübten schnellen Bewegungen herunter.
»Wie ich dir schon sagte, das brauchst du vorläufig zuhause nicht.« Seine Finger packten ihre Nippel, drückten sie hart und mit dem kurzen Schmerz kam ein Seufzen über ihre Lippen. »Den Rest des Tages bleibst du heute völlig nackt. Und merke dir für die Zukunft: du stehst mir jederzeit zur Verfügung. Das einzige, was du immer trägst, ist ein Plug. Verstanden?«
Mariella nickte.
»Wenn du nicht gehorchst, werde ich dich einige Tage lang an das Andreaskreuz ketten.« Er lachte. »Schön weit gespreizt.«
Sogar diese grausame Ankündigung entfachte in ihrem Schoß nichts anderes als ein heißes Begehren.
»Ja, Herr«, seufzte Mariella.
Ein wenig erinnerte es sie an den Tag ihrer Versteigerung …

Nur in ein dünnes, von goldenen Fäden durchwirktes Tuch gehüllt, wurde sie auf das Podium geführt, wo sie für alle gut sichtbar präsentiert werden sollte. Ihre makellose Haut, ihre langen naturblonden Haare, ihre große Leidenschaftlichkeit und ihre unterwürfige Ergebenheit wurden von Tomaso, einem der Sklaventrainer, in höchsten Tönen gelobt. Zudem sei sie intelligent, gebildet, und – für jede Art der Unterwerfung dankbar. Zuletzt zog er mit einem Ruck das Tuch herunter, durch das man ihre nackten Formen bis dahin nur erahnen konnte und ließ es zu Boden fallen.
Ein Ah ging durch die Menge der Männer und einige reckten ihre Köpfe, um mehr zu sehen.
Mariella stand aufrecht, den Rücken durchgestreckt, den Kopf erhaben, die Schultern nach hinten gedrückt, was ihre vollen Brüste besonders schön zur Geltung brachte. Die Hände auf dem Rücken, das rechte Bein ein wenig vor das linke gestellt. Es machte sie stolz und unnahbar. Eine Königin unter den Sklavinnen. Jeder sollte sehen, dass sie etwas Besonderes war. Schön und selbstbewusst.
Wie alle Mädchen trug auch sie an diesem Abend nur ein Halsband und ein paar halterlose schneeweiße Strümpfe, die einen vortrefflichen Kontrast zu ihrer gebräunten Haut bildeten und in einem Paar eleganter weiße Stilettos mit schmalen Riemchen endeten. Tomaso pries ihre üppige Oberweite, knackige wohlgeformte Brüste, und ihre großen Brustwarzen, für die er ein Piercing empfahl. Letzteres jagte Mariella einen eisigen Schauer über den Rücken. Alles Mögliche vermochte sie sich vorzustellen. Ein Tattoo oder Branding auf ihrem Po, als Zeichen, welchem Herrn sie ab sofort gehörte. Ein Brustwarzenpiercing gehörte jedoch nicht dazu. Vielleicht hing es mit ihrer Arbeit als Ärztin zusammen, dass sie ein Piercing, noch dazu an einer so überaus sensiblen Stelle, nicht in Erwägung ziehen wollte.
Schließlich gab Tomaso ihr ein Zeichen, sich mit dem Rücken zum Publikum zu drehen, ihre langen Beine zu spreizen und sich tief zu bücken. Mit laszivem Hüftschwung gehorchte sie und genoss die Aufmerksamkeit, die ganz alleine ihr galt.
Ein Raunen ging durch die Menge. Zwei oder drei Männer klatschten. Alle hatten nun freien Ausblick, nicht nur auf ihre auffallend großen Schamlippen, sondern vor allem auf den Plug, der ihren Anus verschloss. Tomaso betonte nun ausdrücklich, dass Mariella noch unerfahren im Anal-Verkehr sei und der erste Ritt ihrem künftigen Herrn zustünde.
Für einen kurzen Moment war Mariella ein wenig mulmig gewesen. Sie hatte gewusst, worauf sie sich einlassen würde, und sie war das volle Risiko eingegangen, um den Luxus, den sie sich wünschte, mit ihrem Körper zu erkaufen, der künftig einem Mann gehören würde, ganz und gar und in jeglicher Hinsicht. Es war also vollkommen korrekt, sie wie eine Sklavin zu behandeln und anzubieten, und dennoch war dieser Augenblick beängstigend. Was für ein Mann würde das sein, dem sie von nun an zu gehorchen hatte und der womöglich auf Analverkehr stand?
Drei Männer lieferten sich in rascher Folge immer höher steigende Gebote. Einer davon war Federico Moreno. Eigentlich wirkte er dabei nahezu unbeteiligt, denn sein Gesicht zeigte keinerlei Regung. Steif, mit einer fast schon als arrogant zu bezeichnenden Lässigkeit hob er seine Hand, um sein nächstes Gebot abzugeben. Schließlich stieg einer der Männer aus. Der andere aber steigerte verbissen mit Federico um die Wette. Der Preis stieg in Schwindel erregende Höhen, bis Tomaso mit drei Hammerschlägen auf dem Pult Moreno den Zuschlag gab.
Sogleich führte er Mariella zu ihrem neuen Besitzer, der auf das Podium gestiegen war, und sie reichte ihm die Hand zur Begrüßung. Dieser drückte sie nur kurz, aber fest, und zog ein paar goldene Handschellen aus seiner Hosentasche, um sie Mariella anzulegen. Als nächstes befestigte er eine stabile grobgliedrige Kette an ihrem Halsband, die sich schwer zwischen ihre Brüste legte. Das andere Ende war an seinem Gürtel befestigt. Als er ohne ein Wort zu sagen das Podium verließ, straffte sich die Kette und ihr blieb nichts anderes übrig, als ihm artig wie ein angeleintes Hündchen zu folgen.

»Öffne meine Hose. Eigentlich sollte ich dir meinen Schwanz und einen Höhepunkt vorenthalten. Heute verdienst du es, in deinen frechen Mund gefickt zu werden!«
Gerne. Dann könnte sie ihm zeigen, dass er dabei seine Dominanz verlor. Denn sie war gut, sogar sehr gut. Mit der Kunstfertigkeit ihrer Zunge würde sein Wille weich wie Wachs werden. Aber sie wusste genau, was ihn davon abhielt. Er wollte sie so schnell wie möglich schwängern. Sein Samen durfte nicht vergeudet werden.
Seine Hose war schnell geöffnet und samt Slip bis zu seinen Kniekehlen herunter gezogen. Längst waren ihre Schamlippen von einladender Feuchte überzogen und in ihrer Klitoris pulsierte das Begehren. Verdammt, diese herrische Haltung machte sie heiß. Sie war splitternackt und er zog sich nur soweit aus, dass er sie bequem nehmen konnte. Nein, genauer, sie musste seinen Schwanz entblößen und damit selbst die Voraussetzung schaffen, dass er sie ficken konnte. Aber ja, genau das wollte sie. Ihre Brüste spannten, ihr ganzer Körper stand unter Adrenalin, und sie bedauerte nur eins, dass er sie nicht vorher noch unter einer Züchtigung leiden ließ. Sie wollte es am ganzen Körper spüren, dass sie ihm zu gehorchen hatte.
»Umdrehen!«
Gehorsam drehte sie ihm den Rücken zu, beugte sich mit weit gespreizten Beinen tief herunter, ihre Hände auf einem der Korbsessel abgestützt.
»Öffne mir deine Spalte!«
Mariella beugte sich noch tiefer, griff um ihre Oberschenkel herum nach hinten und zog ihre Schamlippen auseinander. Kaum war dies geschehen, stieß er sich tief in sie hinein. Er hielt sie an den Hüften und penetrierte sie hart und schnell. Fast zu schnell. Ihre Vagina zog sich enger um ihn zusammen, ihr Lustsaft schmatzte bei jedem Stoß und beinahe wäre er vor ihr gekommen. Doch gerade als er ein brünstiges dumpfes Stöhnen ausstieß, raste ein erlösender Orgasmus durch ihren Unterleib und machte sie für Sekunden schwindlig.
Mit einem Ruck zog er sich aus ihr heraus.
»Sauberlecken!«
Mariella zögerte. Sie sollte …
»Eins, zwei, …«
Alarmiert drehte sie sich um und kniete vor ihm nieder. Lustschmerzen ja, die wollte sie ertragen, denn diese führten immer zu einem unvergesslichen, befreienden Höhepunkt. Aber wenn er zählte, wurde es gefährlich, hatte er ihr erklärt und sie glaubte ihm, dass seine Züchtigung oder welche Strafe auch immer ihm angemessen erschien, alles andere als lustbringend sein würde. Seinen Status als Dominus nahm er verdammt ernst. Zu ernst. Aber das hatte sie vorher nicht wissen können.
Gehorsam stülpte Mariella ihre Lippen über sein langsam erschlaffendes Glied und leckte es sauber. Was war schon dabei. Sein und ihr eigener Geruch schlugen ihr entgegen. Und doch, es machte ihr etwas aus, jetzt, da die Lust abebbte.
»Genug. Zieh mich an.«
Kaum waren Hose und Gürtel geschlossen, drehte er sich um und ging.
Mariella sah ihm hinterher. Noch prickelte ein wohliges Gefühl durch ihren Körper und sie fühlte sich sanft ermattet. Aber würde das immer so sein?
Stadtbummel
»Und du kommst ganz bestimmt mit Maria zurecht?«, fragte Giulia zum zweiten Mal.
»Aber ja, sie ist doch so ein liebes Kind«, erwiderte Ilaria, Lorenzos Tante lächelnd. »Nun geh schon, und mach dir einen schönen Nachmittag. Es wird Zeit, dass du wieder ein wenig unter jüngere Leute kommst und nicht immer nur uns Alte siehst.«
»Aber du bist doch nicht alt!«, protestierte Giulia vehement.
Weitere Einwände winkte Tante Ilaria mit einer energischen Geste ab.
Giulia gab ihrer Tochter einen Kuss auf die rosige Wange und strich mit den Finger durch das dünne lockige Haar. Die Kleine strampelte vergnügt. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt der bunten Kette, die seit ein paar Tagen in Griffnähe über dem Kinderwagen hing.
Als Giulia aus dem Haus trat, traf sie die Hitze mit voller Wucht und sie fühlte, wie sich binnen weniger Sekunden Feuchtigkeit unter ihrem Kleid staute. In ihrem Auto war es nicht viel besser. Lorenzo hatte ihr ein kleines Fiat-Cabrio geschenkt, in dunklem Blau, mit Racing-Muster über den hinteren Kotflügeln. Aber natürlich hatte die Hitze auch vor dem Auto nicht Halt gemacht.
Giulia öffnete das Schiebedach, damit die Wärme entweichen konnte und drehte die Lüftung auf höchste Stufe. Dann fuhr sie los und nahm die Straße, die von Lucca Richtung Pistoia führte.
Zwei Wochen waren seit dem Treffen auf dem Moreno’schen Anwesen vergangen. Lorenzo hatte überraschend verkündet, dass sein Bruder ihn angerufen habe, ob sie ihre erfolgreiche Zusammenarbeit nicht fortsetzen sollten. Seine Zustimmung hatte Giulia Unbehagen bereitet. Wenn er nun abends von seinem Tag berichtete, hörte sich das so an, als wäre alles wieder wie früher. Nichts erinnerte an irgendwelche Unstimmigkeiten. Und nun hatte Mariella gestern angerufen und gefragt, ob Giulia nicht Lust hätte, sich mit ihr zu treffen und ihr Lucca zu zeigen.
Lucca zeigen? Verglichen mit Florenz, wo Giulia aufgewachsen war, war Lucca ein Provinznest, noch größer aber war der Kontrast zwischen Rom und Lucca. Was erwartete Mariella zu entdecken, was es in Rom nicht größer, älter und bedeutungsvoller gab?
Zum ersten Mal fuhr Giulia ganz alleine die kurvenreiche Strecke, die sich in die Weinberge hinauf schlängelte. Zuletzt die zwei Kilometer lange, schmale Allee, die durch den Park zur Villa führte. Kaum hatte sie vor der Treppe gehalten, öffnete sich die Tür, und Mariella schritt hinab, ganz Dame.
Giulia hatte für dieses Treffen extra ein zweiteiliges Kleid mit kurzärmeliger Jacke gewählt, das sie fraulicher und erwachsener wirken ließ. Aber gegen Mariella konnte sie damit trotzdem nicht bestehen. In ihrem Kostüm aus feinem Stoff wirkte sie für eine Sightseeing-Tour durch Lucca nicht nur sehr elegant – und ein wenig unnahbar –, sondern geradezu overdressed.
»Ein schnuckeliges Auto fährst du da«, begrüßte Mariella ihre Schwägerin, nachdem sie es sich mit schräg aneinander gelegten Beinen auf dem Beifahrersitz bequem gemacht hatte.
»Vielleicht ein bisschen klein«, entschuldigte sich Giulia und hasste sich im selben Moment dafür, dass sie sich rechtfertigte. Sie liebte ihr Auto und ein größeres hätte sie gar nicht haben wollen. Der kleine Fiat ließ sich gut fahren und sie hatte kaum Probleme, einen Parkplatz zu finden. Nur weil Mariella mit ihren langen Beinen und ihrer zur Schau getragenen Eleganz darin deplatziert wirkte, brauchte sie selbst sich doch davon nicht einschüchtern lassen und sich entschuldigen, dass ihr Auto nicht größer war! Warum nur fühlte sie sich in Gegenwart von Menschen, die selbstbewusst und bestimmend auftraten noch immer so entsetzlich unsicher? Sie war kein Teenager mehr. Sie war eine verheiratete Frau, eine gut verheiratete Frau, und Mutter war sie auch schon! Also reiß dich gefälligst zusammen und zeig, wer du bist!
»Was für ein toller Tag für einen Ausflug. Und nebenbei lernen wir uns ein bisschen besser kennen. Ich bin so froh, dass ich in meiner Nähe eine Schwägerin habe. Ich kenne doch sonst noch niemanden, und sich nur mit den Schwiegereltern zu treffen, ist auf die Dauer ziemlich öde. Es ist sehr lieb von dir, Giulia, dass du mir Lucca zeigst.«
Giulia lächelte zögerlich zurück. »Das Wesentliche hast du wahrscheinlich schon gesehen. Ich weiß nicht, ob ich dir wirklich etwas Neues bieten kann.«
»Oh doch, bestimmt. Ich kenne Lucca noch gar nicht.«
»Aber … wie … du warst noch nicht in der Stadt, seit du hier bist?«
»Nein, nur sehr kurz. Als Federico mich seinen Eltern vorgestellt hat. Es gab seither so viel zu tun. Es war einfach keine Zeit für mehr.«
Wirklich? Das hörte sich eigenartig an. Was machte Mariella den ganzen Tag über? Hatte Federico ihr erlaubt, das Innere des Hauses umzugestalten? Das konnte Giulia sich kaum vorstellen. Nun ja, sie würde später fragen, erst einmal galt es, sich langsam heranzutasten und herauszufinden, was für ein Mensch ihre Schwägerin überhaupt war.
Giulia drückte das Gaspedal durch, sobald sie die Allee verlassen hatten. Ein Ruck ging durch den Wagen, als hätte der Motor erst noch überlegen und tief Luft holen müssen. Dann schoss er über die schmale Straße Richtung Lucca davon.
Von Mariella kam keine Reaktion. Sie wirkte völlig entspannt.
»Hast du besondere Wünsche, was du sehen möchtest? Kultur oder Kaufhaus?«
Mariella schüttelte den Kopf und lachte. »Nein. Wenn du kannst, erzähl mir ein bisschen was über die Geschichte der Stadt. Damit ich mich nicht blamiere, falls wir mal Besuch haben, der sich für Sehenswürdigkeiten interessiert.« Sie lachte erneut. »Und dann zeig mir einfach mal, wo man in diesem Nest cool einkaufen kann und lass uns anschließend irgendwo einen Kaffee trinken gehen.«
»Okay. Let’s go«, erwiderte Giulia, von Mariellas heiterer Stimmung angesteckt und fuhr so schnell, dass sie mit Mühe den Wagen auf der kurvenreichen Strecke unter Kontrolle hatte. An einem Aussichtspunkt hielt sie an und stieg mit Mariella aus. Unter ihnen lag Lucca, im Schwemmlandgebiet des Flusses Serchio, der nördlich der Stadt in den Apenninen entsprang. Wie ein ausgebreitetes Bilderbuch zeugten die Dächer von der jahrhundertealten Entstehungszeit. Giulia wies ihre Schwägerin auf die abwechslungsreiche Vegetation hin, welche die Stadt umgab, deren rund achtzigtausend Einwohner ihr Auskommen in der Blumenzucht, Möbelproduktion und Landwirtschaft oder in der Herstellung von Tabakwaren, Papier, chemischen Erzeugnissen und Textilien fanden. Außerdem war die Stadt ein Markt- und Handelszentrum für Olivenöl, Gemüse und Wein.
»So klein ist es tatsächlich gar nicht. Die alten Paläste und die vielen schönen Plätze der Altstadt stammen aus dem Mittelalter und der Renaissance. Und da hinten«, Giulia streckte den Arm aus, um in die Richtung zu deuten, die sie meinte. »Da hinten, siehst du die Stadtmauer? Die ist so im 16. oder 17. Jahrhundert angelegt worden. Heute ist das eine Promenade für Fußgänger.«
Mariella hielt sich die Hand über die Augen, um die Sonne abzuschirmen. »Schaut nicht übel aus. Hast du eine Ahnung wie hoch die Stadtmauer ist? Von hier oben wirkt die gar nicht mal so klein.«
»Ähm, du kannst Fragen stellen!«
Mariella schmunzelte und Giulia musste lachen.
»Also, wenn ich mich recht erinnere, hat mein Onkel so was in der Art gesagt, die Stadtmauer sei um die zehn bis zwölf Meter hoch und dreißig Meter breit.«
»Beeindruckend. Dein Onkel kennt sich wohl aus. Ist er etwa Fremdenführer in Lucca?«
Giulia schüttelte den Kopf.
Für einen Augenblick geriet sie in Versuchung, Mariella ihre komplette Geschichte zu erzählen. Aber nein, das war bestimmt keine gute Idee. Sollte Federico nicht plaudern, so war es auf jeden Fall besser, Gras über diese Angelegenheit wachsen zu lassen. Bisher machte Mariella nicht den Eindruck, als ob sie wüsste, dass Giulia die Geliebte der Gemelli gewesen war. Und vielleicht wäre sie dann auch nicht mehr so nett, sondern eifersüchtig auf etwas, das glücklicherweise der Vergangenheit angehörte.
»Nein, Onkel Bruno ist kein Fremdenführer. Er interessiert sich nur für die Geschichte der Stadt und kennt sich ziemlich gut aus. Ich … habe eine Zeitlang für meinen Onkel gearbeitet. Er betreibt einen exklusiven Cateringservice.«
Die beiden Frauen stiegen wieder ein.
»Aha, hast du eine Ausbildung bei ihm gemacht?«
»Nein, nur ausgeholfen.« In letzter Sekunde fiel Giulia noch eine passende Ergänzung ein, die hoffentlich weiteres Nachfragen erübrigte: »Ferienjob.«
»Ah so.«
Scheinbar ging ihre Rechnung auf. Mariella stellte keine weitere Frage, sondern ließ ihre Augen über die variationsreiche Landschaft schweifen, die sich beidseits der Straße präsentierte.
Zehn Minuten später erreichten die beiden Frauen die Stadt. Geübt nahm Giulia eine Route bis zur Altstadt, bog mal links, mal rechts in den kleinen Straßen ab, und eroberte zuletzt mit ihrem kleinen Wagen problemlos eine enge Parklücke.
»Den Weg finde ich nie wieder. Du kennst dich hier gut aus, hm?«, fragte Mariella, während sie ausstiegen.
Giulia lachte. »Das sollte ich. Immerhin war ich mit meinen Eltern oft genug zu Besuch hier und nun lebe ich ja auch schon einige Monate in dieser Stadt.«
»Ach, du stammst gar nicht aus Lucca?«
»Nein, aber mein Onkel lebt hier mit seiner Familie.« Inklusive Tante Teresa, auf deren kühle Gesellschaft Giulia nur allzu gern verzichtete. Die wenigen Wochen, in denen sie in einer stickigen Kammer unter dem Dach geschlafen und in Gegenwart ihrer Tante permanent gespürt hatte, wie unerwünscht sie in deren Haus war – das reichte als unangenehme Erfahrung für ein ganzes Leben.
Mariella hängte sich bei Giulia ein, als wären sie schon seit langem beste Freundinnen. Giulia war gespannt, wie lange es ihre Schwägerin auf den hochhackigen Sandaletten aushalten würde, ehe sie über die teilweise grob gepflasterten Wege jammerte. Auch ohne diese hohen Absätze hätte sie Giulia um einige Zentimeter überragt.
»Und deine Eltern, wo leben die?«, fragte Mariella neugierig weiter.
»In Florenz. Ich habe meine ganze Kindheit in Florenz verbracht.«
»Eine sehr schöne Stadt. Ich war mal mit meinem Vater dort. Vermisst du Florenz?«
Giulia wiegte den Kopf hin und her. »Manchmal schon.« Das anfängliche Heimweh hatte inzwischen nachgelassen. Jetzt war sie hier zuhause, bei Lorenzo und ihrem Kind. Der einzige, der dieses wohlige Gefühl trüben könnte, war Federico.
Um vom Thema abzulenken deutete Giulia schnell auf ein paar interessante Fassadendetails, und Mariella blieb tatsächlich stehen, um ein wenig genauer hinzusehen. »Sieh nur …«
»Nicht übel, solange man in so einem alten Haus nicht wohnen muss. Da nagt der Zahn der Zeit dran. Und schau nur, die kleinen Fenster. Da drinnen ist es bestimmt ziemlich dunkel. Ob es darin auch spukt?«
Lachend stimmte Giulia ihr zu. »Wobei es auf das Gebäude ankommt. Der Palazzo unserer Schwiegereltern und die Landhäuser der Morenos sind ja auch schon recht alt, aber alles andere als dunkel und unheimlich.«
Mariella verdrehte die Augen. »Nicht so uralt, und vor allem renoviert. Über das Mobiliar kann man sich allerdings streiten. Bei einigen Möbelstücken kann ich nicht nachvollziehen, was Federico daran findet.«
Das mochte stimmen, denn die schönsten dieser antiken Möbel zierten nun ihre Wohnung in Tante Ilarias alter Landvilla, in der sich Giulia ausgesprochen wohl fühlte.
Sie bogen in eine kleine Gasse ab, an deren Ende sich ein weitläufiger Platz öffnete und den Blick auf die Fassade einer großen Kirche freigab.
»San Martino«, erklärte Giulia. »Die Kathedrale ist rund neunhundert Jahre alt.«
»Kann sich sehen lassen«, stellte Mariella fest und schaute den hohen Turm hinauf. »Erinnert mich ein bisschen an die Kathedrale von Pisa. Das hat damals bestimmt ein Schweinegeld gekostet. Und das arme Volk, das dafür spenden musste, hatte kaum Geld um das Notwendigste zum Leben zu kaufen.«
Giulia nickte zustimmend. Bei aller Pracht solcher Kirchen vergaß man oft, unter welchen Entbehrungen diese während ihrer Bauzeit entstanden waren.
»Willst du hinein gehen?«
Ihre Schwägerin winkte ab. »Danke, das mache ich ein andermal, heute muss das nicht sein. Da drin ist es bestimmt ziemlich kalt. Die Fassade mit den vielen Säulen sieht jedenfalls ganz schön imposant aus.«
Es gefiel Giulia, wie ihre Schwägerin dachte. Zwar ging Giulia dann und wann gerne in die Kirche, weil sie die Stille schätzte und sie innerlich gestärkt heraus kam. Aber man musste es ja nicht übertreiben und jede Kirche des Ortes in- und auswendig kennen.
»Was mich nur wundert«, überlegte Mariella mit gerunzelter Stirn, »der Ort war damals doch bestimmt viel kleiner als heute. Wieso hat man in Lucca einen gar so großen Dom gebaut?«
Giulia lächelte wissend. Sie sollte Onkel Bruno dankbar sein, dass er sie so oft mit Geschichtswissen gelangweilt hatte. Nun machte sich das nützlich.
»Weil die Geschichte Luccas sich durchaus mit der von Florenz und Rom messen kann«, entgegnete sie. »Zuerst lebten hier die Etrusker, später die Römer, die Langobarden und schließlich die Karolinger. Alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. In Gebäuden, der Straßenführung und Kunstwerken. Und schließlich wurde Lucca eine freie Gemeinde. Ich glaube, dass war im zwölften Jahrhundert, und dann erlebte die Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit, und so kam auch das Geld für den Dom zusammen. Sollen wir weiter gehen?«
»Ja, lass uns weiter schauen.«
Gemeinsam schritten sie eine Gasse entlang, die durch besonders sorgfältig restaurierte Fassaden bezauberte. Aber auch das eine oder andere Geschäft weckte Mariellas Interesse. Aufmerksam taxierte sie die Auslagen und Giulia war sich sicher, dass in Mariellas Kopf eine mentale Liste entstand: muss ich mir merken – gutes Sortiment – ist nicht interessant – kannst du vergessen – gut sortiert …
»Du bist eine prima Touristenführerin. Erzähl mir mehr über die Stadt.«
Huh, da gab es nicht mehr so viel. Giulias Repertoire war inzwischen weitgehend erschöpft. »Nun ja, die Stadt war ziemlich lange unabhängig. Erst als Napoleon die Stadt besetzte, war es vorbei damit. Ach ja, und später fiel Lucca dann an das Königreich Italien.«
»Aha. Wie so mancher andere kleine Stadtstaat.«
Einen Teil der Informationen hatte Giulia sich für diesen Tag auch extra angelesen. Vermutlich war das nicht von Belang und Mariella hatte keine so tiefgreifenden geschichtlichen Hintergründe erwartet. Schuld an Giulias persönlichem Ehrgeiz, gut vorbereitet zu sein, waren die Aufgaben, welche die Gemelli ihr als Teil eines erotischen Lehrer-Schülerin-Spiels auferlegt hatten. Sie hatte Geschichtsdaten auswendig lernen müssen und war von den beiden abgefragt worden, und für jeden Fehler hatte sie eine erotische Bestrafung erhalten. Irgendwie war das verpflichtende Gefühl hängen geblieben, sich für besondere Ereignisse vorzubereiten, wenn dies möglich war.
»Also, ich muss sagen. Die Geschäfte sind gar nicht so übel. Ich hab schon gedacht, hier findet man nichts zum Anziehen.« Mariella blieb vor einer Auslage stehen. »Aber in dieser Boutique würde ich vermutlich fündig.«
»Na ja, es ist natürlich keine Auswahl wie in Rom«, entgegnete Giulia augenzwinkernd.
»Ach so, du meinst, ich bin eine Römerin? Nein. Ich komme aus Milano. Na ja, das ist natürlich schon ein wenig größer als Lucca. Aber ehrlich, so wichtig ist das für mich nun auch wieder nicht. Mein Kleiderschrank ist ziemlich gut gefüllt, und überhaupt, es gibt Wichtigeres im Leben …«
»Das sehe ich auch so. Hauptsache, wir haben unsere große Liebe und unseren Lebensmittelpunkt gefunden, nicht wahr?«, ergänzte Giulia und meinte dies von ganzem Herzen so, wie sie es sagte. Nur ein paar Stunden, dann würde sie wieder in Lorenzos Armen liegen. Ach ja, sie vermisste ihn, auch wenn es vielleicht albern war. In ihrem Alter schwärmte man eigentlich nicht mehr, sie war schließlich kein Teenager mehr, und doch – sie schwärmte für ihren Mann. Zwar sahen sie sich jeden Abend und frühstückten jeden Morgen zusammen, ehe er das Haus verließ. Aber ihr Herz, es war so übervoll von Glück, dass sie genau in diesem Moment eine unstillbare Sehnsucht nach ihm quälte. Das war es wohl, was man die große Liebe nannte, die einen so ganz und gar ausfüllte. Wie wunderbar. Dieses Gefühl sollte niemals aufhören, auch wenn es sie innerlich fast verbrannte.
»Ja, genau. Unsere beiden Männer sind unser Lebenszentrum«, erwiderte Mariella.
Das klang ein wenig nüchtern, fand Giulia. Spielte ihre Schwägerin ihr vielleicht doch nur eine Zufriedenheit vor, die nicht echt war?
Ohne Eile schlenderten sie weiter, vorbei an weiteren Sehenswürdigkeiten wie den Kirchen San Michele, San Frediano und San Giovanni.
»Besteht Lucca denn nur aus Kirchen?«, stöhnte Mariella, nachdem sie zwei weitere Kirchen passiert und einige Minuten der Fassade gewidmet hatten.
»Das könnte man fast so sagen«, lachte Giulia. »Immerhin wird Lucca auch die Stadt der Hundert Kirchen genannt. Aber keine Sorge, wir werden uns nicht alle anschauen. Außer, du bestehst darauf.«
»Oh nein, das ist wirklich nicht nötig«, versicherte Mariella und mimte einen körperlichen Zusammenbruch.
»Nicht verzweifeln, wir kommen gleich zum absoluten Highlight von Lucca. Dann kannst du mitreden und bist für jede Art von Gästen gewappnet, ihnen etwas zeigen und erzählen zu können«, kündete Giulia ihre letzte und die ihrer Meinung nach bedeutsamste Sehenswürdigkeit an und hoffte, dass wenigstens diese Mariellas Begeisterung nochmal heben würde.
»Voilà, das römische Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Die Tribüne bestand aus zwei Reihen und fünfundvierzig Arkaden. Oder waren es vierundfünfzig? Na egal, auf jeden Fall konnte so um die zehntausend Zuschauer fassen.«
Stirnrunzelnd schaute Mariella die alten Mauern hinauf. »Tatsächlich? Das sieht aber so gar nicht nach Amphitheater aus. Eher nach Einkaufsmeile.«
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