Kitabı oku: «Lieblingsplätze Augsburg und Bayerisch-Schwaben»

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Lieblingsplätze

Augsburg

und Bayerisch Schwaben

Lilo Solcher

Impressum

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Die hier nicht gelisteten Bilder stammen von Lilo Solcher. Weitere:

Ulrich Wagner 10, 12, 54, 74; Gilbert McCarragher 16; Christian Grünwald 46; Jürgen Lersch 64; Nik Schölzel/Kindermuseum Neu-Ulm 122; Stadt Donauwörth / Stefan Sisulak 138; Regio Augsburg Tourismus GmbH 188

Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.

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www.gmeiner-verlag.de

1., aktualisierte Neuauflage 2021

© 2018 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 07575/2095-0

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat/Redaktion: Anja Kästle

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung/Bildbearbeitung: Susanne Lutz

unter Verwendung der Illustrationen von: © SimpLine – stock.adobe.com; © Susanne Lutz

Kartendesign: © Maps4News.com/HERE

ISBN 978-3-8392-6818-6

Inhalt

Impressum

Augsburg

1 Schöne Engel und ein armer Teufel

Augsburg: Rathausplatz

2 Der Prachtboulevard

Augsburg: Maximilianstraße

3 Der Weißraum

Augsburg: Moritzkirche

4 Geschichte in Kisten

Augsburg: Römisches Museum im Zeughaus

5 Die Auslage der Stadt

Augsburg: Stadtmarkt

6 Wo Luther schlief

Augsburg: Kirche St. Anna

7 Leseinsel mit Lichtblicken

Augsburg: Neue Stadtbücherei

8 Puppenstubenidylle

Augsburg: Fuggerei

9 Klein-Venedig in der Fuggerstadt

Augsburg: Spaziergang durch das Lechviertel

10 Bilderreigen im Rokoko

Augsburg: Schaezlerpalais

11 Hort der Erinnerung

Augsburg: Synagoge und Jüdisches Kulturmuseum

12 Prophetenfenster und Blumenrabatten

Augsburg: Dom Mariä Heimsuchung

13 Abtauchen im Jugendstil

Augsburg: Altes Stadtbad

14 Kreatives Miteinander

Augsburg: Grandhotel Cosmopolis

15 Die Global Player der Frühzeit

Augsburg: Fugger- und Welser-Erlebnismuseum

16 Wo der junge Brecht schmuste

Augsburg: Restaurant Zur Kahnfahrt

17 Der Treppenwitz

Augsburg: Fünfgratturm

18 Zwei Sterne für den Küchenzauberer

Augsburg: Restaurant August

19 Neue Heimat für den Hasen

Augsburg: Kälberhalle

20 Kunst statt Maschinen

Augsburg: Glaspalast

21 Drei Grazien und viel Geschichte

Augsburg: Staatliches Textil- und Industriemuseum tim

22 Von Brunnenmeistern und Patriziern

Augsburg: Wassertürme am Roten Tor

23 Diesseits von Lummerland

Augsburg: Augsburger Puppenkiste

24 Wahrzeichen der Ökumene

Augsburg: Ulrichskirchen

25 Der Hain mit dem Maiskolben

Augsburg: Wittelsbacher Park

26 Wohliges Wohngefühl

Augsburg: Architekturmuseum Schwaben

27 Die Frierende im Paradies

Augsburg: Botanischer Garten

28 Zoff in der Arche Noah

Augsburg: Zoo Augsburg

29 Wie Phoenix aus der Asche

Augsburg: Kurhaus Göggingen

30 Kult an der Wertach

Augsburg: Gaststätte Kulperhütte

31 Die Hochschule mit dem Kater

Augsburg: Universität Augsburg

32 Leuchtturm auf der grünen Wiese

Augsburg: WWK-Arena

33 Spaziergang in die Steinzeit

Augsburg: Stadtwald Augsburg und sein Wildpferdeprojekt

34 Ein Heer aus Zinnsoldaten

Königsbrunn: Infopavillon 955 Treffpunkt Lechfeld

Bayerisch-Schwaben

35 Viel Theater im Industriedenkmal

Augsburg: Gaswerk

36 Auch Große fangen klein an

Welden: Ludwig Ganghofers Lausbubenweg

37 Vergängliche Kunst im Wald

Bonstetten: Landart-Kunstpfad

38 Ein Haus mit Herz

Diedorf: Europäisches Kindertheater Eukitea

39 Zur Zeitreise ins Staudenhaus

Oberschönenfeld: Abtei und Volkskundemuseum Oberschönenfeld

40 Planschspaß für Groß und Klein

Fischach: Naturfreibad Fischach

41 Zurück zu den Kelten

Schwabmünchen: Wald- und Geschichtslehrpfad Haldenburg bei Schwabegg

42 Botanische Wunderwelt

Ziemetshausen: Schlosspark Seyfriedsberg

43 Fürstliche Zwischenstation

Zusmarshausen: Hotel-Restaurant Alte Posthalterei

44 Jeder Mensch ist kostbar

Ursberg: Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg

45 Sagenhafte Kuridylle

Krumbach: Heilbad Krumbad

46 Klösterliches Labyrinth

Roggenburg: Kloster Roggenburg

47 Das geheime Leben der Sträucher

Illertissen: Staudengärtnerei Gaißmayer

48 Schatzkästchen für die Musen

Weißenhorn: Historisches Stadttheater

49 Museale Zeitreise

Ichenhausen: Ikonenmuseum im Schloss Autenried

50 Bänke mit doppeltem Boden

Ichenhausen: Schulmuseum Ichenhausen

51 Huldigung an Habsburg

Wettenhausen: Kloster Wettenhausen

52 Im Klötzchenparadies

Günzburg: Legoland Deutschland

53 Flotte Feger

Günzburg: Besenmuseum Günzburg in Denzingen

54 Der Figaro von der Donau

Leipheim: Friseurmuseum

55 »Finger weg« gibt es nicht

Neu-Ulm: Kindermuseum im Edwin-Scharff-Museum

56 Von der Straußenfarm ins Moor

Leipheim: Naturerlebnispfad im Donaumoos

57 Kunst im alten Stadel

Gundelfingen: Kulturgewächshaus Birkenried

58 Nur ein paar Säulen?

Lauingen: Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen

59 Legendärer Rosssprung

Lauingen: Schimmelturm

60 Die Hohe Schule des Klerus

Dillingen: Akademie für Lehrerfortbildung

61 Am Anfang war die Schlacht

Höchstädt: Schloss Höchstädt

62 Viel Kunst in der Natur

Wertingen: Skulpturenweg Donauried

63 Puppen machen Geschichte

Donauwörth: Käthe-Kruse-Puppenmuseum

64 Kunst und Knast

Kaisheim: Museum Hinter Gittern

65 Das Schloss auf dem Felsen

Harburg: Burg Harburg

66 Die Wies im Ries

Mönchsdeggingen: Kloster Mönchsdeggingen

67 Wo die Bäume Augen haben

Mönchsdeggingen: Kunstwald am Buchberg

68 Im Genussreich

Nördlingen: Wirtshaus Meyer’s Keller

69 Einmal rundherum

Nördlingen: Stadtmauer

70 Wie zu Großmutters Zeiten

Maihingen: Museum Kulturland Ries

71 Stammtischfreuden im Dorfgasthaus

Rudelstetten: Gaststätte Rieser Hof

72 Wundertätiges Wasser

Wemding: Wallfahrtskirche Maria Brünnlein

73 Wo die Fuchsien blüh’n

Wemding: Spaziergang durch die Altstadt

74 Geheimnisvolles Innenleben

Monheim: Rathaus

75 Das Blütenparadies

Rain: Dehner-Stammsitz mit Blumenpark und Gastronomie

76 Des Müllers Last

Thierhaupten: Klostermühlenmuseum

77 Träumen in den Bäumen

Pöttmes: Baumhausherberge

78 Denkmal des Bürgerprotests

Inchenhofen: Rossmoos-Kapelle

79 Die Sommerfrische der Prinzessin

Aichach: Sisi-Schloss Unterwittelsbach

80 David gegen Goliath

Aichach: Hinterhof-Bräu

81 Es wächst schon Gras darüber

Aichach: Jahrtausendweg am Stadtmuseum

82 Lebendige Gemeinschaft in alten Gemäuern

Aichach: Schloss Blumenthal bei Klingen

83 Das Geheimnis des hohlen Baums

Sielenbach: Wallfahrtskirche Maria Birnbaum

84 Aus der Region für die Region

Dasing: Bauernmarkt Dasing

85 Auf dem »Monte Scherbellino«

Gersthofen: Müllberg

86 Wie der Mensch dem Himmel nahe kam

Gersthofen: Ballonmuseum Gersthofen

87 Wehranlage und Witwensitz

Friedberg: Wittelsbacher Schloss

88 Räuber und Rebell

Kissing: Hiasl-Radtour über Gut Mergenthau nach Augsburg

Karte 1

Karte 2

Augsburg


1 Schöne Engel und ein armer Teufel
Augsburg: Rathausplatz

Der Rathausplatz ist die gute Stube der Stadt. Hier sitzt man gerne in einem der Freiluftcafés, schaut aufs Rathaus oder auf den prächtigen Augustusbrunnen. Junge Leute rekeln sich in Grüppchen auf dem sonnenwarmen Pflaster.

Am 8. August jeden Jahres müssen sie zum Augsburger Friedens­fest Tischen und Bänken weichen. Um diese versammeln sich dann Augsburger aus aller Herren Länder und der verschiedensten Glaubensrichtungen. An der »Friedenstafel« teilen sie ihre Speisen mit den Sitznachbarn. Priester, Rabbis, Imame und buddhistische Mönche sprechen über den Frieden, und multi-ethnische Bands treten auf. Es geht fröhlich zu und laut, auf diesem Festival der guten Nachbarschaft. Viel los ist ebenfalls im Winter auf dem Rathausplatz, wenn der Christkindlmarkt stattfindet. Stimmungsvoll wird es an den Adventswochenenden. Dann erscheinen auf dem Balkon des Stadthauses 24 anmutige Engel mit traditionellen Musikinstrumenten und stimmen das Lied Vom Himmel hoch an.

Auch ohne Engel ist das Elias-Holl-Rathaus, einer der imposantesten Profanbauten der Renaissance, ein Blickfang. Zwar brannte es nach dem Bombenangriff im Februar 1944 bis auf die Außenmauern nieder, doch die folgende Rekonstruktion ist gelungen. Heute können die Besucher sicher sein, dass im Goldenen Saal alles Gold ist, was glänzt.

Nicht ganz so prachtvoll, aber aus dem Stadtbild nicht wegzudenken, ist der Perlachturm neben dem Rathaus. Einmal im Jahr zum Kinderfest am Michaelistag, dem 29. September, erscheint am untersten Fenster des Baus das »Turamichele«. Der hölzerne Erzengel des Figurenspiels sticht zu jeder vollen Stunde im Takt der Glockenschläge auf den Teufel ein, der sich ihm zu Füßen krümmt. Mir hat der arme Teufel immer leidgetan. Heute zählen die Kinder die Stiche mit, ehe sie ihre Luftballons mit »Augsburger Friedensgrüßen« in den Himmel steigen lassen.

Der Augustusbrunnen ist eines der 22 Denkmäler des UNESCO Welterbes Wassermanagement – und sicher eines der schönsten.


1

Rathausplatz

86150 Augsburg

Touristinformation Augsburg

Rathausplatz 1

86150 Augsburg

0821 502070

www.augsburg-tourismus.de

2 Der Prachtboulevard
Augsburg: Maximilianstraße

Ich träume von einer autofreien Maximilianstraße, von einem richtigen Boulevard, breit und großzügig, vielleicht mit Bäumen in der Mitte, mit Cafés und Bistros, dafür ohne parkende Wagen. Die verstellen nur die Sicht auf die sprudelnden Brunnen und die beiden Ulrichskirchen im Süden. Augsburgs Kaisermeile gehört sicher zu den schönsten Straßenzügen Europas. Hier kann man durch ein Bilderbuch der Architekturgeschichte spazieren, kann Bauten aus der Gotik bewundern, aus dem Rokoko und der Renaissance, aber auch aus der Neoklassik und der Nachkriegszeit.

Was man nicht sehen, jedoch fühlen kann, ist, dass die Ursprünge dieser Avenue noch weiter in die Geschichte zurückreichen. Auf einem kurzen Teilstück verlief die Via Claudia Augusta. Die Handelsstraße der Römer verband einst »Augusta Vindelicorum«, so der lateinische Name unserer Stadt, mit Oberitalien. Gut 1.500 Jahre später war die römische Niederlassung zwischen Lech und Wertach zur mächtigsten Finanzme­tropole Europas aufgestiegen. Die reichen Patrizierfamilien siedelten sich an den Plätzen rund um Herkules- und Merkurbrunnen an, in den repräsentativen Wohngegenden. Bei Fuggers ging im 16. Jahrhundert die Prominenz ein und aus. Kaiser Maximilian I., Namenspatron der Straße, war ebenso zu Gast wie Karl V. oder Tizian und Dürer.

Ich weiß nicht, wie die Fuggerhäuser damals ausgesehen haben oder das Hotel Maximilian’s (früher Palasthotel Drei Mohren) – beide wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Doch die geometrisch gegliederten Fassaden in Braun- und Grautönen passen sich gut ins Straßenbild ein. Dem Betrachter verborgen bleiben die schönen Innenhöfe der Stadtpaläste. Wer allerdings beim Bummeln die Augen offen hält, kann an den Außenfassaden viele reizvolle Details entdecken und sich hineindenken in eine Zeit, als diese Straße das Zentrum der europäischen Finanzpolitik war.

Heute ist die Maximilianstraße auch Augsburgs Partymeile. Vor allem rund um den Herkulesbrunnen tobt des Nachts der Bär.


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Herkulesbrunnen auf der

Maximilianstraße

86150 Augsburg

3 Der Weißraum
Augsburg: Moritzkirche

Das muss man sich erst mal trauen: eine rund 1.000 Jahre alte Kirche zum Weißraum machen. Der britische Architekt John Pawson hat sich getraut. Seit seiner Umgestaltung erstrahlt die Moritzkirche, die mitten in der Stadt unter anderem der »Cityseelsorge« dient, in makellosem Weiß. Es ist diese Reinheit, die auf den ersten Blick verblüfft. Auf den zweiten fallen die dünn geschnittenen Onyxscheiben der Fenster ins Auge. Sie orchestrieren eine Art Lichtdom, in dem die Skulptur Christus Salvator von Georg Petel im Altarraum eine eigene Dynamik entwickelt.

Pawsons radikaler Minimalismus erzwingt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Der Architekt hat den vielfach veränderten und im Zweiten Weltkrieg fast gänzlich zerstörten Sakralbau durch die Reduzierung der Materialien auf Holz und Stein sowie die subtile Lichtregie zu einem leuchtenden Beispiel zeitgenössischer Kirchenarchitektur gemacht – und die Augsburger sind begeistert. Besucher loben die »himmlische weiße Stille«, die »schöne Klarheit des Kirchenraums«.

Die Ursprünge des Gotteshauses gehen auf das Jahr 1019 zurück, als Bischof Brun, ein Bruder Kaiser Heinrichs II., sie für das von ihm begründete Kollegiatstift erbauen und dem heiligen Mauritius sowie seinen Gefährten weihen ließ. Es folgten Zerstörungen, Auf- und Umbauten, auch die Fugger waren als Stiftsherren beteiligt und sorgten für eine umfassende Barockisierung. Nach dem Krieg standen nur mehr die Außenmauern und der Turm. Dominikus Böhm hielt sich beim eher puristischen Wiederaufbau an den dreischiffigen romanischen Kern, aber im Lauf der Jahre verlor das Gebäude durch Änderungen und Hinzufügungen seinen Charakter. 2007 hatte die Künstlerin Juliane Stiegele den Kirchenraum schließlich für eine Kunstinstallation teilweise entrümpelt – und dann kam John Pawson.

Einen Cappuccino trinken und dabei Gespräche über Gott und die Welt führen kann man im Café Moritzpunkt neben der Moritzkirche.


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Moritzkirche

Moritzplatz 5

86150 Augsburg

0821 2592530

www.moritzkirche.de

Café Moritzpunkt – Cityseelsorge Augsburg

Maximilianstraße 28

86150 Augsburg

0821 2592533

4 Geschichte in Kisten
Augsburg: Römisches Museum im Zeughaus

Augsburg ist eine der ältesten deutschen Städte – dank der Römer. Noch heute kommen bei Grabungen Funde aus ihrer Herrschaftszeit zutage. Die Schätze aus der Ära des Römischen Reiches – Meilensteine, Grabsteine, Stelen, oft tonnenschwer – hatten die Statik der Dominikanerkirche, wo das Römische Museum bis 2012 beheimatet war, ins Wanken gebracht. Die Kirche musste saniert werden, und die antiken Funde haben einstweil ein neues Zuhause gefunden – im Zeughaus mitten in der Stadt.

Römerlager – das römische Augsburg in Kisten heißt die ungewöhnliche Präsentation in der Toskanischen Säulenhalle, die mit einem unerwarteten Exponat überrascht: Im Zentrum des hellen Raums liegt eine Schiffslände, rekonstruiert mit 1.800 Jahre alten Balken, die am Lechufer gefunden wurden. Sie erinnert daran, dass Augsburg einst einen Flusshafen besaß und der Handelsweg auf dem Wasser ebenso bedeutend war wie der zu Land über die berühmte Via Claudia Augusta. Am Lechhafen legten Flachbodenschiffe an, die nicht nur Lebensmittel in die Stadt brachten, sondern auch Handelswaren und die Jurakalksteine. Sie fanden für den Bau von Statuen und Denkmälern Verwendung und sind heute im Museum in weißen Holzkisten zu bewundern, gerade so, als wären sie wieder zum Transport bereit.

In sieben Abteilungen können sich Besucher bei einem interaktiven Rundgang durch die Interimsausstellung über Militär, Handel und Zivilleben im römischen Augsburg informieren, einen Goldschatz und Edelsteingemmen bestaunen und sich angesichts von Koch- und Tafelgeschirr in den antiken Alltag hineinversetzen. Natürlich fehlt auch der berühmte bronzene Pferdekopf nicht, der wohl Teil der Reiterstatue einer Quadriga war. Die ganze Ausstellung ist eine clever inszenierte Präsentation, die Augsburg noch einige Jahre erhalten bleiben wird.

Noch mehr Römerfunde gibt es an der Römermauer vor dem Dom.


4

Römisches Museum im Zeughaus

Zeugplatz 4

86150 Augsburg

0821 3244131

www.zeughaus.augsburg.de

5 Die Auslage der Stadt
Augsburg: Stadtmarkt

Was wäre Augsburg ohne seinen Stadtmarkt? Zumindest am Wochenende finden wir uns auf dem Markt zwischen Fugger- und Annastraße ein, um einzukaufen und Freunde zu treffen. Und jedes Mal ist es ein Erlebnis. Besonders schön natürlich im Frühling und Sommer, wenn all die Blumen einen betörenden Duft verströmen und die Obsthändler frische Beeren und Sommerfrüchte anbieten. Wenn man draußen sitzen und die Marktszenen beobachten kann. Dann kann ich kaum an der Blumenhändlerin vorbeigehen, die immer so wunderschöne Gestecke macht, ohne eines mit nach Hause zu nehmen. Auch im Herbst lohnt sich ein Gang über den Markt. Die Bauern bieten dann Schälnüsse und Pilze an, Kartoffeln und Äpfel.

Wir lieben die frische Butter »unserer Bäuerin«, ihre Gockel und Eier und zu Weihnachten die Gänse und Enten. Im Winter schlüpfen die Bauern in der Viktualienhalle unter, wo sich ohnehin viele Augsburger treffen – beim Türken zum Kaffee oder Frühschoppen, beim Thai zum Mittagessen oder auf einen Wein. Überhaupt das große Angebot an Speisen und Getränken – da fällt die Wahl schwer. Ein Backhendl beim Österreicher? Eine Fischsuppe beim Fischhändler? Beim Biometzger einen Braten mit Klößen? Oder in der Nudelmanufaktur eine Portion Spaghetti?

Ach ja, eigentlich ist dieser Stadtmarkt aus den 1920er-Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Tabakfabrik genau reglementiert. Es gibt eine Fisch- und eine Bäckergasse, eine Blumen-, Obst- und Gemüsegasse. Aber schon da beginnt das Durcheinander: In der Gemüsegasse haben sich auch kleine Läden angesiedelt, die originelle Handarbeiten und Geschenke anbieten. Und in der Fleischhalle sind nicht nur Metzger zu finden, sondern ebenso ein asiatischer Imbiss. Die Globalisierung macht selbst vor dem Stadtmarkt nicht halt. Und das ist gut so.

Am Mittwoch, Freitag und Samstag bieten die Bauern der Umgebung ihre Erzeugnisse an, frisch vom Acker oder aus dem Garten.


5

Stadtmarkt Augsburg

Fuggerstraße 1

86152 Augsburg

www.stadtmarkt-augsburg.de

6 Wo Luther schlief
Augsburg: Kirche St. Anna

St. Anna steht heute im Herzen der Stadt direkt an der Fußgängerzone Annastraße. Für mich ist die evangelische Hauptkirche eine der schönsten Sakralbauten Augsburgs, auch weil ihre Geschichte eng verbunden ist mit der lokalen Stadt- und Religionshistorie. Die Kirche gehörte im 14. Jahrhundert zu einem Karmeliterkloster, über die Jahrhunderte wurde sie erweitert und mit wertvollen Gemälden ausgeschmückt, teilweise auch barockisiert. In der Goldschmiedekapelle aus dem 15. Jahrhundert wurden wertvolle Fresken entdeckt. Die Fugger ließen sich eine eigene Grabkapelle im Stil der Renaissance errichten.

Doch zu geschichtlicher Bedeutung kam die Kirche vor allem durch Martin Luther. Der Reformator übernachtete 1518 während des Reichstags vom 7. bis 20. Oktober im Karmelitenkloster, während er auf Weisung des Papstes vom römischen Kardinal Cajetan im Fuggerpalais verhört wurde. Weil Luther sich weigerte, seine 95 Thesen zu widerrufen und sich seines Lebens nicht mehr sicher war, floh er des Nachts aus dem Kloster und der Stadt. An diese Flucht und an Luthers Tage in Augsburg erinnert heute die »Lutherstiege« samt kleinem Museum in der Annakirche. Eingerichtet wurde es 1983 zum 500. Geburtstag des Reformators. Mit Videoanimation, Installationen und lebensgroßen Figuren wurde die Ausstellung inzwischen an den Zeitgeist angepasst.

Im Museum erfährt der Besucher zudem, wie sich die Religionsgeschichte am Lech nach dem Reichstag weiterentwickelte und dass St. Anna als eine der ersten Kirchen in der einstigen katholischen Hochburg Augsburg evangelisch wurde. In den Räumen des ehemaligen Klosters wurde das Gymnasium St. Anna gegründet, das Stadtbaumeister Elias Holl durch ein Schulhaus und eine Bibliothek ergänzte. Das Gymnasium ist längst umgezogen, der Annahof wurde neu gestaltet als großzügiger Platz mit dem Flair einer italienischen Piazza.

Das Anna-Café im Annahof erfreut mit einer kreativen Küche. Im Sommer kann man draußen das Piazza-Feeling genießen.


6

Kirche St. Anna

Im Annahof 2

86150 Augsburg

0821 450175100

www.st-anna-augsburg.de

Anna-Café

Im Annahof 4

86150 Augsburg

0821 4550780

www.das-anna.de

7 Leseinsel mit Lichtblicken
Augsburg: Neue Stadtbücherei

Ich weiß noch genau, wie der Platz ausgesehen hat, bevor dieses fröhlich bunte »Haus des Lesens« errichtet wurde, dessen Fassade Buchseiten nachempfunden ist. Öde und gesichtslos. Ein Schandfleck. Welch ein Unterschied zu heute! Jetzt leuchtet nicht nur die neue Stadtbücherei, die sich die Augsburger in einem zähen Ringen und mittels Bürgerbegehren erkämpft haben. Und der – zugegebenermaßen kleiner gewordene – Platz hat sich wieder mit Leben gefüllt.

Schon bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres stellt das Café im Erdgeschoss der Bücherei Tische und Stühle nach draußen. Dort sitzen dann Studenten und Schüler, Hausfrauen und Anwälte, Lesende und Redende bei einer Latte oder einem Glas Bier, essen Kuchen oder Brezen und lassen es sich wohl sein. Drinnen kann man auf großzügigen 4.000 Quadratmetern ungestört Zeitung lesen, sich Bücher aussuchen oder am PC arbeiten. Von der klassischen Lektüre bis zum Videospiel gibt es alles, was das Herz begehrt, auch einen Spieletisch und ein separates WC samt Wickelraum für die Kleinen. Mütter bringen ihre Jüngsten mit, zudem finden sich Jugendliche in dieser Bürgerbücherei wieder, wo nicht nur Fantasy und Science-Fiction auf sie warten, sondern darüber hinaus eine Chill-out-Ecke und lässige Lesesäcke.

Alles ist offen gestaltet und durch die orange Farbgebung selbst an trüben Tagen voller Lichtblicke. Das liegt vor allem an dem einzigartigen Beleuchtungskonzept, das über Hunderte von Spiegeln selbst das geringste Tageslicht ins Innere lenkt und über Prismenstäbe Regenbogenfarben auf die weißen Flächen zaubert. Durch die Rundumverglasung und den orangefarbenen Bodenbelag, der sein Pendant in dem rötlichen Asphalt auf dem Platz findet, öffnet sich das Innere nach außen. Der Schandfleck wurde zum Farbfleck. Ein kleines Wunder!

Einfach mal eine Pause einlegen beim Stadtbummel, in Zeitungen blättern – die neue Stadtbücherei ist ein offenes Haus.


7

Neue Stadtbücherei Augsburg

Ernst-Reuter-Platz 1

86150 Augsburg

0821 3242752

www.stadtbuecherei.augsburg.de

8 Puppenstubenidylle
Augsburg: Fuggerei

Wenn Freunde mich fragen, was sie in Augsburg anschauen sollen, fällt mir die Antwort angesichts der Vielfältigkeit in der Stadt schwer. Eines aber ist klar: auf jeden Fall die Fuggerei. Das muss sein, obwohl die Gebäude nicht mehr original sind. Die Bomben im Zweiten Weltkrieg haben den Großteil dieser ältesten Sozialsiedlung der Welt zerstört. Dass die ummauerte Puppenstubenidylle in Honiggelb mit spitzen Giebeln, einem Kirchlein und gepflasterten Gassen heute noch so funktioniert wie vor fast 500 Jahren, ist das Verdienst der heutigen Fugger. Sie leiteten nach der verheerenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg alsbald den Wiederaufbau der zerstörten Anlage ein – ganz im Sinn des einst spendablen Ahnen.

1521 hatte Jakob Fugger die Siedlung für Augsburger Bürger gegründet, die in Not abzugleiten drohten. Der reiche Fugger war ein Mann der Renaissance, allerdings war er noch vom späten Mittelalter geprägt. Und Mildtätigkeit galt den Mächtigen jener Zeit als Verpflichtung. Eine Verpflichtung, der sich die Familie Fugger noch heute unterwirft. Die 67 Häuser der Anlage sind zum großen Teil auf dem modernsten Stand. Den 150 Bewohnern soll es an nichts fehlen. Nach wie vor zahlen sie gerade mal 88 Cent Jahresmiete, den Gegenwert eines rheinischen Guldens. Allerdings kommen heute monatlich 65 Euro Nebenkosten dazu.

Trotzdem: Für die Bewohner ist diese Stadt in der Stadt, die auf die Besucher wirkt, als sei sie aus der Zeit gefallen, ein kleines Paradies. Und sie haben sich es schön gemacht. Blumen stehen in den Fenstern, die Vorhänge sind blütenweiß, die Türen frisch gestrichen, und die Menschen lächeln freundlich. Nur, wenn der Besucherandrang gar zu groß ist, dann verschanzen sie sich in ihren Häuschen und spähen fast verstohlen hinaus auf die kleinen Gassen, wo die Touristen um die Wette fotografieren.

Die Besucher können im Museum die Geschichte der Fuggerei nachvollziehen und sich im Bunker über das Ausmaß der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg informieren.


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Fuggerei

Haupteingang neben der Fuggerei-Stube

Jakoberstraße 26

86152 Augsburg

0821 3198810

www.fugger.de

9 Klein-Venedig in der Fuggerstadt
Augsburg: Spaziergang durch das Lechviertel

Im Lechviertel wirkt Augsburg fast wie Klein-Venedig – mit vielen Kanälen, die diesen Stadtteil durchziehen, und unzähligen kleinen Brücken. Bemerkenswert sind die Namen dieser sich immer wieder verzweigenden Wasserwege wie der Findelhauskanal, der Hanreibach, der Siebenbrunnenbach oder der Schäfflerbach. Dann wären da noch der Sparrenlech, der Vordere Lech, der Hintere und der Mittlere Lech, das Ölbächlein und der Sägmühlbach sowie einige mehr. Sie alle waren wichtig für die industrielle Entwicklung Augsburgs und sorgen heute dafür, dass das Lechviertel, einst Zentrum des Handwerks und Arme-Leute-Gegend, einer der attraktivsten und lebenswertesten Stadtbezirke ist.

Aufgedeckt wurden die Kanäle erst in den 1980er-Jahren bei der umfassenden Sanierung des alten Quartiers. Seither hat sich viel getan: Viele Häuser wurden saniert, die Fassaden herausgeputzt. Neben den noch verbliebenen Handwerksbetrieben wie der Alten Silberschmiede, die daran erinnert, dass Augsburger Silber- und Goldschmiede einmal zu den besten ihrer Zunft gehörten, oder der Gerberei Aigner, die auf eine über 150-jährige Tradition zurückblickt, haben sich kleine Läden, Wirtshäuser und Kneipen angesiedelt. In den mittelalterlichen Gassen bekommt man noch Dinge, die es in den großen Filialen der Augsburger Innenstadt nicht mehr gibt: Handgefertigtes, Individuelles, Altes oder Exotisches, Edles und Kurioses.

Auch wer Lust auf Kunst hat, wird in diesem Teil der Stadt fündig. Im rekonstruierten Holbeinhaus – in dem im Krieg zerstörten Gebäude lebte und arbeitete einst der Maler Hans Holbein der Ältere, der Jüngere wurde hier geboren – sind die Ausstellungsräume des Augsburger Kunstvereins untergebracht. Auf dem kleinen Platz gegenüber lädt ein Brünnlein zum Verweilen ein.

Das Geburtshaus von Augsburgs berühmtestem Sohn Bertolt Brecht auf dem Rain 7 ist heute ein Museum.


9

Das Lechviertel ist Teil der Augsburger Altstadt und befindet sich unterhalb der Maximilian- und der Karolinenstraße

86152 Augsburg

Brechthaus

Auf dem Rain 7

86152 Augsburg

0821 3240

www.brechthaus-augsburg.de

10 Bilderreigen im Rokoko
Augsburg: Schaezlerpalais

Die Anekdote, dass die 14-jährige Marie Antoinette in dem wunderschönen Rokokosaal ihre Schuhe durchgetanzt haben soll, gefällt mir besonders gut. Musste die Tochter Maria Theresias doch später als Gattin Ludwigs XVI. von Frankreich ihr Leben unter der Guillotine beenden. Von diesem Schicksal ahnte das junge Mädchen glücklicherweise nichts, als es auf dem Weg nach Versailles in Augsburg Station machte und am 28. April 1770 im Schaezlerpalais Ehrengast bei der glanzvollen Eröffnung des Festsaals war.

Das architektonische Prachtstück gönnte sich der Bankier Benedikt Adam Freiherr von Liebert, Edler von Liebenhofen. Er hatte anstelle des geschichtsträchtigen Patrizierhauses aus dem Spätmittelalter, in dem Kaiser Maximilian I. abstieg und Philippine Welser geboren wurde, ein Rokoko-Palais errichten lassen. Das Herz des Baus war der zweistöckige Festsaal, dessen Deckengemälde dem alles verbindenden Welthandel huldigt – und damit die aktuelle Globalisierung glatt vorwegnimmt.

Bis 1958, als Wolfgang Freiherr von Schaezler es der Stadt schenkte – mit der Auflage, es ausschließlich für kulturelle Zwecke zu nutzen –, befand sich das Gebäude im Familienbesitz. Heute beherbergt das aufwendig restaurierte Palais die Deutsche Barockgalerie, die Grafische Sammlung und die Gemäldesammlung des wegen seiner Nazi-Verstrickungen umstrittenen Kunsthändlers Karl Haberstock mit Bildern von Tiepolo, Veronese und van Dyck.

Vom Schaezlerpalais kommt man in die Katharinenkirche, wo seit 1835 die älteste Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen untergebracht ist – mit Werken der Augsburger und der schwäbischen Schule aus der Zeit des Spätmittelalters und der Frührenaissance. Hier kann man auch Dürers Porträt von Jakob Fugger dem Reichen bewundern und Bilder von Hans Holbein dem Älteren.

Der heute wieder im Rokokostil gestaltete Garten des Palais bildet mit dem Gebäude eine Einheit und ist für jedermann zugänglich.


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Schaezlerpalais

Maximilianstraße 46

86150 Augsburg

0821 3244102

www.schaezlerpalais-augsburg.de

11 Hort der Erinnerung
Augsburg: Synagoge und Jüdisches Kulturmuseum

Wer nicht genau hinschaut, übersieht eines der wichtigsten Gebäude in der Augsburger Innenstadt: die Synagoge. Denn zunächst fällt der Blick nur auf eine abweisende Mauer. Wer das wunderbare Gebäude dahinter betrachten will, muss bei der israelischen Kultusgemeinde klingeln. Sie verwaltet den Kuppelbau aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts und das Jüdische Kulturmuseum, das 1984 als erstes selbstständiges Museum seiner Art nach dem Krieg gegründet wurde.

Es war eine selbstbewusste jüdische Gemeinde, die sich 1917 die imposante Synagoge mit ihrem reichen ikonografischen Innenleben leistete. Die 1.200 Mitglieder verstanden sich als Teil der Augsburger Gesellschaft, hatten viele von ihnen doch maßgeblich zur Blüte der Stadt beigetragen. Dieser Tempel im byzantinischen Stil mit Jugendstilelementen war Ausdruck ihres damaligen bürgerlichen Selbstverständnisses. Erstaunlich, dass die Synagoge die Pogromnacht von 1938 äußerlich fast unversehrt überstand. Die Schäden im Inneren wurden zwischen 1974 und 1985 beseitigt, die fast orientalische Pracht wiederhergestellt.

Wer mehr über das Schicksal der Augsburger Juden im Dritten Reich erfahren will, kann sich im angegliederten Jüdischen Kulturmuseum informieren. In der Ausstellung wird ihre Kultur und Leidensgeschichte ebenso dokumentiert wie die Geschichte der Synagoge und die Wiederbelebung der jüdischen Gemeinde. Durch Zuwachs aus den Oststaaten ist sie nach dem Krieg wieder auf 1.800 Mitglieder angewachsen. Auch Mietek Pemper, der Oskar Schindler (berühmt geworden durch den Spielberg-Film Schindlers Liste) dabei half, Juden zu retten, und 2011 im Alter von 91 Jahren in Augsburg starb, gehörte ihr an. Im Lesecafé erinnert der berühmte Coca-Cola-Schriftzug an den Designer Walter Landor. Der Sohn von Fritz Landauer, dem Architekten der Augsburger Synagoge, hat dieses unverwechselbare Schriftbild gestaltet.

In der Literaturhandlung gibt es nicht nur Bücher zur jüdischen Geschichte, Postkarten und jüdische Kultgegenstände, sondern auch eine kleine Auswahl an koscherem Wein.


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Synagoge und Jüdisches Kulturmuseum Augsburg

Halderstraße 6–8

86150 Augsburg

0821 513658

www.jkmas.de

12 Prophetenfenster und Blumenrabatten
Augsburg: Dom Mariä Heimsuchung

Weithin sichtbar sind die beiden Glockentürme des Augsburger Doms, 62 Meter hoch und seit dem Mittelalter ein Wahrzeichen der Stadt. Man muss nicht besonders fromm sein oder gar katholisch, um vom Anblick des mächtigen Gotteshauses beeindruckt zu sein. Mögen auch Architekturpuristen ob des Stilsammelsuriums die Nase rümpfen, ich liebe den romanisch-gotischen Mariendom mit der unterirdischen Krypta.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich Romanik, Gotik, Barock, Neogotik und Klassizismus in diesem Bau vermischen. Wurde doch die Basilika, deren Ursprünge auf das 9. Jahrhundert zurückgehen, ja womöglich sogar bis ins 4. Jahrhundert zurückreichen, immer wieder erweitert, verwüstet und – im Stil der jeweiligen Zeit – neu aufgebaut. Protestantische Bilderstürmer richteten im 16. Jahrhundert mehr Schaden an als der Zweite Weltkrieg, den der Hohe Dom fast unbeschadet überstand. Erhalten blieben die unschätzbaren Prophetenfenster, die als älteste Beispiele dieser Kunst in Europa gelten, das riesige Christopherus-Fresko am Eingang sowie die wunderschönen Tafelbilder, die Hans Holbein der Ältere 1493 gemalt hat. Den gotischen Skulpturen an den beiden Eingangsportalen haben Wind und Wetter, vor allem aber der Straßenverkehr arg zugesetzt. Sie mussten restauriert und teilweise erneuert werden. Auch die römischen Ausgrabungen auf dem Domplatz leiden unter der Luftverschmutzung.

Auf dem Fronhof zwischen dem Dom und der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz, wo heute die Regierung von Schwaben residiert, ist von der Umweltbelastung kaum etwas zu spüren. Im Schatten der hohen Bäume und mit Blick auf blühende Blumenrabatten mit den Domtürmen im Hintergrund kann man an diesem Ort wunderbar ein paar Stunden verträumen. Als meine Kinder noch klein waren, war ich mit ihnen oft auf dem kleinen Spielplatz am Friedensdenkmal.

Der nahe barocke Hofgarten mit seinem Goldfischteich ist im Sommer der Lieblingsplatz aller Generationen.


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Dom Mariä Heimsuchung

Frauentorstraße 2

86152 Augsburg

0821 31668511

www.bistum-augsburg.de

Hofgarten und Fronhof

Fronhof

86152 Augsburg

13 Abtauchen im Jugendstil
Augsburg: Altes Stadtbad

Als wir früher mit der Klasse zum Schwimmen gingen, war das Alte Stadtbad unser Ziel. Damals lärmten wir herum und versteckten uns in den spartanischen Ankleidekabinen. Die Schönheit der Anlage blieb uns verborgen. Zwischenzeitlich ist das Stadtbad von einem neuen Hallenbad als Schulschwimmbad abgelöst worden. Und irgendwann war das ehemalige Volksbad im schönsten Jugendstil so marode, dass es einzustürzen drohte.

Zur 2.000-Jahr-Feier der Stadt 1985 sprudelte Geld aus der bayerischen Hauptstadt zur Sanierung des baulichen Juwels – es war nach dem Müller’schen Volksbad in München immerhin das zweitälteste Hallenbad des Freistaats. 1992 eröffnete die Anlage nach langer Schließung in neuem altem Glanz. Doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Denn bei dem Gebäude, das von Anfang an mit seinen Schwimmbädern, dem Dampfbad und den Saunen gegen Feuchtigkeit im Mauerwerk zu kämpfen hatte, besteht immer wieder Sanierungsbedarf. Dem Augsburger Stadtrat wurden die Ausgaben irgendwann zu viel und er beschloss, den Bau an einen privaten Investor abzustoßen. Doch er hatte nicht mit den Augsburgern gerechnet, die ihr Volksbad nicht so einfach verschleudert sehen wollten. Die Freunde des Alten Stadtbads machten mobil: Ein Bürgerbegehren verhinderte den Ausverkauf.

In solchen Scharen wie zur Gründerzeit kommen die Badenden heute jedoch nicht mehr. Mit Wohlfühltagen versucht man deshalb, dem Zeitgeist auf die Sprünge zu helfen. Ein Wellness-Café lädt zur Entspannung bei Kaffee und Kuchen ein. Es gibt Massagen, Ayurveda, Sektfrühstück mit Saunabesuch und mehr. Nur ein Hundebad wie ganz früher, das gibt es nicht mehr. Ich brauche weder Sekt noch Streicheleinheiten. Aber ich bin richtig glücklich darüber, dass das schöne irisch-römische Dampfbad nach langer Restaurierung endlich wieder geöffnet ist.

Im Sommer können Saunagäste auf der Dachterrasse ungestört entspannen und Sonne tanken.


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Altes Stadtbad

Leonhardsberg 15

86150 Augsburg

0821 312767

www.wellness-cafe.info

14 Kreatives Miteinander
Augsburg: Grandhotel Cosmopolis

Das Grandhotel Cosmopolis schaffe das, was Reisen im besten Fall bedeutet: das Fremde zu entdecken, Nähe herzustellen. Eine Gruppe von Künstlern habe in Augsburg dieses kleine Wunder vollbracht. Bei der Verleihung der Grünen Palme der Zeitschrift GEO Saison 2016 war der Laudator voll des Lobes für das vielfach ausgezeichnete Projekt in Augsburg, das international Furore gemacht hat.

In einem leer stehenden Altenheim haben engagierte Kosmopoliten Asylsuchende, Hotelgäste und Kreativschaffende unter einem Dach vereint. Auf drei der insgesamt sechs Etagen betreibt die Regierung von Schwaben seit 2013 eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, auf den anderen drei übernachten Hotelgäste. Sie finanzieren das originelle Künstlerprojekt mit, wobei die Zimmerpreise »auf der Basis eines Minimumwerts« von den Gästen selbst gewählt werden können.

»Soziale Plastik« nennen die Hoteliers ihr Haus – nach der Definition von Joseph Beuys, wonach schon kreatives Miteinander Kunst ist. Und Kunst nimmt im Haus viel Raum ein, nicht nur in den Ateliers und Werkstätten, in der Lounge und in der Café-Bar, auch die zwölf Hotel- und vier Hostel-Zimmer wurden individuell gestaltet. Knallbunte Graffiti an der sonst grauen Fassade weisen darauf hin, dass an diesem Ort alles anders ist als gewöhnlich.

Wer hier übernachtet, versteht schnell, was kreatives Miteinander bedeutet: In den Yoga- und Tanzkursen treffen sich Asylsuchende, Kunstschaffende und Hotelgäste, in den Konzerten sitzen Augsburger neben Touristen und Künstlern aus aller Welt. Bei den Festen verkaufen Kinder aus Syrien und Afghanistan scharfe Soßen, spielen schwarze Musiker und decken schwäbische Senioren die Tische.

Gleich um die Ecke vom Grandhotel ist das Kino Liliom ein Treffpunkt für Cineasten.


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Grandhotel Cosmopolis

Springergässchen 5

86152 Augsburg

0821 45082411

www.grandhotel-cosmopolis.org

Kino Liliom

Unterer Graben 1

86152 Augsburg

0821 514084

www.liliom.de

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
25 mayıs 2021
Hacim:
238 s. 181 illüstrasyon
ISBN:
9783839268186
Yayıncı:
Telif hakkı:
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