Kitabı oku: «100 Tipps für Weinkenner und solche die es werden wollen»

Yazı tipi:

100 Tipps für Weinkenner

und solche die es werden möchten

Was kommt heraus, wenn eine ausgewiesene Benimm-Expertin mit vielen privaten Genuss-Ambitionen und ein erfahrener, weit gereister Weinjournalist beschließen, zusammen ein Weinbuch zu machen?

Ein Kompendium, das ungewöhnlichen Dingen auf den Grund geht und sie von neuen Seiten beleuchtet. So erfahren Sie zum Beispiel, dass reife Weine durchaus einige Jahre im Anbruch in guter Form bleiben, wie man mit Aufschneidern in Sachen Wein umgeht und sich im Restaurant beim Genießen korrekt benimmt. Sie können lesen, warum es keinen Diabetikerwein mehr gibt und wie man beim Öffnen einer Champagner-Flasche das Übersprudeln bremst.

Sie erfahren auch, dass Strohwein nicht aus Stroh gekeltert wird, was modische Begriffe wie Spontangärung und Terroir wirklich bedeuten, wie Wasser und Wein miteinander harmonieren.

© 2012 Little Helper Verlags GmbH, Konstanz www.little-helper-verlag.de

eISBN 978-3-939445-67-8

1. Auflage 2020

© 2012 bei der Little Helper Verlags GmbH, Konstanz

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung und Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

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Illustrationen: Birgit Poth-Lengefeld

Layout und Satz: Oliver Ueltzhöffer

Logo: Ildikó Erzsébet Buchner

eISBN 978-3-939445-67-8


Inhalt

Agraffe

Alkoholfreier Wein

Allgäu

Anbruch

Angeber/Aufschneider

Anstoßen

Aperitif

Aromen - im Weißwein

Aromen - im Rotwein

Ausland - Tipps zum Ungang mit Wein/Alkohol

Aussprache

Autochthon

Avinieren

Barrique

Bocksbeutel

Böckser

Bordeaux

Benehmen rund um den Weinservice

Geht grundsätzlich der Mann im Restaurant voran?

Wer bestellt Essen und Wein?

Wenn der Mann verkosten soll obwohl die Frau bestellt hat…

„Zum Wohl“ oder „Stößchen“?

Gläser halten

Lippenstift am Glas

Wenn der Gastgeber den Wein nicht freigibt Rauchetikette

Leere Weinflasche umgedreht in den Kühler?

Flasche im Anbruch mitnehmen?

Beaujolais Primeur

Biowein

Brett(anomyces

Chambrieren

Champagner öffnen

Dekantieren

Diabetikerwein

Digestif

Degorgieren

Eiweißschönung

Essen und Wein – Experimente wagen

Etikettentrinker – nur Château!

Flüchtige Säure – nicht gut selektiert

Frappieren – Schockkühlung

„Frauenwein“ – Frauen und Wein

Gemischter Satz

Geschmacksangaben

Gesunder Wein

Gewächs – erstes, großes …

Grand Vin

Griechenland

Haltbarkeit

Jahrgänge

Jubiläums-Weine

Kirchenfenster

Klassifikation

Korkenzieher

Korkfehler

Korkgeld

Kultweine

Liegen oder stehen?

Medaillen

Modeweine

Nase

Neuzüchtungen

Offene Weine/ „Hauswein

Osteuropa

Parfüm – am Menschen

Parker Robert M

Piraten – keine Partei

Prämierungen

Punkte – schmeckte 94 P.

Prosecco

Rauchen

Reife Weine

Reklamationsgründe

Réserve

Schaumweine – von Frizzante aufwärts

Selection

Sommelier – ihm vertrauen

Sommerwein – kein Kabinett

Spontangärung – „Sponti“

Spucken – standhaft bleiben

Steillage

Strohwein

Süß – edelsüß – uralt

Tastevin – wenn’s schummrig ist

Terroir

Trinktemperatur

Unfiltrierte Weine

Unverträglichkeiten

Verjus – ab in den Salat

Verschluss

VDP – der mit dem Adler

Wasser und Wein

Wein als Geschenk/Mitbringsel

Wein als Statussymbol

Weingläser

Weinpreis

Wein nachschenken

Weinstein

Wein verkosten

Winzer werden

Weinkarte im Restaurant

Über die Autoren


Vorwort
Ein paar Worte zuvor

Was kommt heraus, wenn eine ausgewiesene Benimm-Expertin mit vielen privaten Genuss-Ambitionen und ein erfahrener, weit gereister Weinjournalist beschließen, zusammen ein Weinbuch zu machen? Zumindest keines der üblichen Fachbücher. Aber ein Kompendium, das ungewöhnlichen Dingen auf den Grund geht und sie von neuen Seiten beleuchtet.

Susanne Helbach-Grosser ist seit vielen Jahren eine gefragte Expertin für persönliches Image sowie nationale und – immer wichtiger – internationale Umgangsformen. Mit ihrem Institut Takt & Stil in Schwäbisch Gmünd vermittelt sie Unternehmen und Unternehmern gesellschaftliche Spielregeln. Der gebürtige Münchner Rudolf Knoll, der seinen Wohnort Schwandorf in der Oberpfalz als „Mittelpunkt der Weinwelt“ preist (nur wenige Stunden Fahrtzeit in wichtige deutsche und österreichische Weinregionen) bereist seit vielen Jahren die weite Weinwelt, testet und bewertet jährlich Tausende von Weinen, schaut aufmerksam hinter die Kulissen und den Winzern aufs Maul.

Ihm hatte Susanne Helbach-Grosser viele Stichworte notiert, zu denen sie Genaueres haben wollte. Er fragte sich in manchen Dingen des täglichen Lebens, ob alles, was man salopp anstellt, auch nach den Benimm-Regeln korrekt ist. In viele der Antworten flossen persönliche Erfahrungen des Duos ein, die oft auch mit viel Humor unterlegt sind – Alltagskomik eben. Und nützliche Tipps für Damen und Herren (Reihenfolge hoffentlich korrekt, Susanne?) beinhalten die alphabetisch aufgereihten mehr als hundert Punkte zudem.

So erfahren die Leser zum Beispiel, dass reife Weine durchaus einige Jahre im Anbruch in guter Form bleiben, wie man mit Aufschneidern in Sachen Wein umgeht und sich im Restaurant beim Genießen korrekt benimmt. Sie können lesen, warum es keinen Diabetikerwein mehr gibt, wie man beim Öffnen einer Champagner-Flasche das Übersprudeln bremst und dass man gegen vormals kommunistische Weinländer oder Griechenland keine Vorurteile heben, sondern dass es lohnend ist, ihre Weine zu ergründen. Man bekommt Auskunft, dass Strohwein nicht aus Stroh gekeltert wird, was modische Begriffe wie Spontangärung und Terroir wirklich bedeuten, wie Wasser und Wein miteinander harmonieren und wie man als Seiteneinsteiger zum Winzer werden kann. Vielleicht sogar im Allgäu? Denn auch das vielleicht künftige 14. deutsche Anbaugebiet kommt vor…

Agraffe

Der Drahtbügel zum Festhalten des Champagner-/Sektkorkens wird meist achtlos behandelt. Aber damit tut man ihm Unrecht. Nicht sofort nach dem Aufdröseln achtlos entsorgen, sondern in Griffweite behalten. Denn wenn der Prickler, was immer wieder mal vorkommt, zu kräftig schäumt, hilft ein Stück von diesem Draht, in den Flaschenhalt gehalten, den Druck durch eine geheimnisvolle chemische Reaktion zumindest einigermaßen zu „brechen“.

Alkoholfreier Wein

Den gibt es, aber genau genommen müsste er als „entalkoholisiert“ bezeichnet werden, weil bei solchen Getränken – man wehrt sich dagegen, sie als „Wein“ zu bezeichnen – vorher schon Alkohol vorhanden war, der aber durch eine entsprechende technische Maßnahme entzogen wurde. Der Alkoholfreie ist nicht ganz erfolglos. Aber wenn schon, dann lieber Traubensaft. Ausnahmen, die schmecken, gibt es gelegentlich, doch selten. So brachte der spanische Wein-Riese Torres einen fruchtigen Moscatel namens „Natureo“ auf den Markt, der bei Verkostungen mit normalem Wein durchaus passabel abschnitt, wenngleich er als „etwas dünn“ bezeichnet wurde. Weltweit werden von ihm immerhin 720 000 Flaschen verkauft.

Allgäu

Sie kennen schon jedes interessante deutsche Weinbaugebiet und behaupten, nichts mehr fehlt in Ihrer Sammlung. Sie täuschen sich. Hier ein Tipp für eine echte Entdeckung. Am Bodensee, der nicht sehr weit weg ist vom Allgäu, wächst bekanntlich Wein. Dort sind sogar drei Anbaugebiete vertreten (Bayern/Franken, Württemberg und natürlich Baden). Aber das Allgäu schickt sich an, 14. Deutsches Anbaugebiet zu werden – natürlich nicht ganz ernsthaft, sondern mit heftigem Augenzwinkern. Vor einigen Jahren ließ sich Hotelier Armin Gross auf den Fluren seines Hotel Prinz Luitpoldbad auf den Höhen von Bad Hindelang ein Dutzend Reben vom württembergischen Winzer Gerhard Aldinger setzen, hauptsächlich die resistente Sorte Solaris. Als daraufhin die Gemeinde verkündete, sie sei die höchstgelegene Weinbaugemeinde Deutschland (auf rund 860 Meter), reagierte eine staatliche Weinbaudienststelle im fränkischen Veitshöchheim mit einer Strafandrohung wegen verbotswidriger Anlage eines Weingartens. Die Beamten hatten schlicht vergessen, nachzufragen, wie viel Reben gepflanzt wurden. Denn bis 100 qm ist alles erlaubt. Der Hotelier nutzte dies geschickt für seine Öffentlichkeitsarbeit, gründete mit Freunden einen Weinbauverein, dessen Mitglieder so nach und nach weitere kleine Flächen anlegen – immer im gesetzlichen Rahmen. Er führt inzwischen eine „Weinnacht“ durch und kürte sogar schon die erste Allgäuer Weinkönigin. Einige Liter Wein wurden inzwischen auch bereits geerntet…

Anbruch

Wein ist stabiler als viele Leute denken. Wenn Sie eine Flasche am Abend nur zur Hälfte geleert haben, kann es durchaus sein, dass der Inhalt am nächsten Tag oder sogar einige Tage später noch köstlicher schmeckt. Dafür sind keine technischen Tricks mit Stickstoff oder irgendwelchen Pumpen notwendig.

Einfach wieder den Verschluss auf die Flasche, ab in den Kühlschrank und dann am Tag drauf viel Spaß. Das gilt natürlich nur für gehobene Qualitäten und nicht für die 1,99-Buddel aus dem Supermarkt. Die Methode ist durchaus auch für gute Rotweine anwendbar, diese müssen dann nur zwei, drei Stunden vor dem nächsten Schluck dem Kühlschrank entnommen werden.

Süßweine können lang im Anbruch stehen. Sie verlieren auch nach Wochen nichts von ihrer Qualität.

Im Extremfall bleiben sie über Jahre hinweg gut trinkbar (getestet mit einer 1967er Silvaner Beerenauslese aus Franken, die nach zehn Jahren noch fast genauso gut schmeckte, wie der gleiche Wein, frisch entkorkt).

Oft ist der Lufteinfluss gut für Wein. Ein 1971er aus Bordeaux, der im ersten Moment nach feuchter Kellertreppe und Moder roch sowie im Geschmack streng und abweisend war, hatte einen Tag später alle Unarten abgelegt, war im Aroma verführerisch und im Geschmack großartig. Derartige Weine also nicht sofort vernichten, sondern ihnen eine Chance geben.

Angeber/Aufschneider

Sind Weinkenner mal nicht zu einer bedeutenden Probe, sondern zu einem zwangslosen Beisammensein mit Wein eingeladen, ist überhebliches Getue völlig fehl am Platz! Wer den Weinfreak heraushängen lässt, Phrasen drescht, wichtigtuerisch am Glas schnüffelt oder sogar angewidert vor dessen Inhalt zurückschreckt, bringt oft Gastgeber(innen) in Verlegenheit oder gar Bedrängnis. Klar gibt es Flops in der Flasche oder Sorten, gegen die man eine Abneigung hat. Die ABC-Front (Anything but Chardonnay – alles, nur kein Chardonnay) ist immer noch aktiv, obwohl sich die Sorte inzwischen viel facettenreicher präsentiert als vor zehn Jahren.

Aber man kann sich ja dann verstärkt dem Mineralwasser widmen. Genehmigt ist lediglich der dezente Hinweis auf einen Korkschmecker, aber dann auch so, dass derjenige, der die Flasche geöffnet hat, nicht blamiert wird. Nicht: „Der Wein hat aber einen gruseligen Korkfehler, haben Sie den nicht bemerkt?“, sondern „beim ersten Reinriechen habe ich nichts bemerkt, aber jetzt kommt er mir verdächtig vor. Was meinen Sie?“

Fazit: Wer keinen Wert darauf legt, in dieser Dekade noch mal eingeladen zu werden, sollte am Wein und am Essen rumnörgeln was das Zeug hält.

Wie verhält man sich in netter Runde einem „Weinkenner“ gegenüber ohne die gute Stimmung zu zerstören? Mit kleinen Gegenfragen, die ihn an seine Grenzen führen: „Was ist denn das?“ „Wie ist Ihre Erfahrung damit?“ kann man den Besserwisser meist einbremsen.


Anstoßen

Manches verbietet der Anstand bei dieser Sitte.

Mit vielen Verrenkungen lassen manche über den Tisch oder Tafel die Gläser klirren, und das alle paar Minuten. Das gilt als nicht fein. Eigentlich gehört es sich, nur mit Tischnachbarn anzustoßen, und nur zu besonderen Anlässen. Ausnahmen sind immer dann angebracht, wenn es in einem begrenzten persönlichen oder beruflichen Umfeld zur Würdigung eines Moments (Vertragsabschluss, Beginn des neuen Jahres, etc.) albern wäre, althergebrachte Traditionen anzuzweifeln und zu verweigern. Es geht dabei eher um die Geste, nicht um den Klang der Gläser.

Aperitif

In der Schweiz auch Apéro – lateinisch, aperire = öffnen, kommt aus Italien. Wer „erfand“ den Aperitif? Die Römer mischten einst aus Wein, Honig und Wermutkraut einen sehr bitteren Mulsum. Bereits im 16. Jahrhundert sprach die Medizin von aper(i) tivus (öffnend) wenn sie ein abführendes Heilmittel verabreichte. In Turin wurde 1786 von Antonio Benedetto Carpano der Wermut mit einem relativ hohem Zuckergehalt erfunden. Das Kunstwort „Aperitif“ gibt es erst seit 1888 – es entwickelte sich in der französischen Sprache (aperitf = Magen(öffner) und wurde wohl im 20. Jahrhundert ins Deutsche übernommen.

Eine Art Stehparty meint der Begriff „Apéro“ in der Schweiz. Anschließend gibt es nicht zwangsläufig ein Essen. Für einen „Apéro riche“ wird ordentlich aufgefahren und ein „Apéro Dînatoire“ meint eine gesellige Runde mit selbst gemachte Häppchen.

Wie auch immer – ein Aperitif ist ein meist alkoholisches Getränk, das vor dem Essen konsumiert, den Appetit anregt. Seine soziale Funktion: man lernt sich kennen, wartet auf eventuelle Nachzügler, den Gästen verkürzt es die Wartezeit bis zum Servieren der Speisen. Wird im Restaurant ein Aperitif zunächst an der Bar genommen, bis der Tisch bereit ist, lässt man das Glas mit dem Aperitif-Rest an den Tisch bringen. Das macht der Gast nie selbst.

Beim Mittagessen ist ein Aperitif aus Vernunftgründen entbehrlich, zum Abendessen gehört er dazu. Geeignete Aperitifs sind: Champagne, Sekt, Frizzante und Spumante, Cava (der Spanier) und Crémant, Kir, trockene, leichte Weißweine, Port, Lillet (sehr in Mode: Wein mit 15 % Fruchtlikör), Campari Soda oder mit Orangensaft, Sherry oder Martini, Aperol Spritz, auch ausgesuchte Obstessige mit Honig verfeinert, Verjus, Cynar, der klassische Martini mit einer grünen Olive. Am Mittelmeer beliebt: Pastis, Ouzo, Raki – Anisgetränke, die mit Wasser verdünnt werden, allerdings betäuben sie die Geschmackssinne für längere Zeit. Ein Bier ist ein guter Durstlöscher, jedoch kein Aperitif. Es wird auch feinster Trinkessig in homöopathischen Dosen angeboten, der einen möglichst hohen Restsüßegehalt aufweist (aus Beerenauslesen oder Trockenbeerenauslesen). Zum Menü bzw. den dazu gereichten Weinen sollte der Aperitif auch passen, z. B. kein süßer Aperitif vor einem herben Wein, kein Mix, der Milch oder Ei enthält = Sättigungsempfinden! Kein Aperitif auf Eis vor einer heißen Suppe.

Als Knabbereien zum Aperitif sind Mandeln, Walnüsse, Kartoffelchips oder Käsegebäck beliebt und durchaus geeignet. Man sollte sich aber an ihnen nicht gleich sattessen und aufpassen, dass sie sich geschmacklich „festbeißen“, so dass man später beim Wechsel zum Wein gehandicapt ist.

Aromen

Wir atmen 23 700 Mal pro Tag ein und aus. Etwa 400 000 verschiedene Geruchsstoffe gibt es auf der Welt und mit unseren 350 Riechrezeptoren können wir ca. 10.000 Gerüche unterscheiden. Dabei genügt meist schon eine minimale Duftkonzentration. Frauen scheinen sich Gerüche besser zu merken als Männer und sie können das, was sie erschnüffelt haben, leichter benennen. Der Grund: verbale Fähigkeiten und der Kontakt mit Gewürzen beim Kochen sowie die Hausarbeit. Man merkt das bei Weinverkostungen mit Frauen, in denen sie Würzaromen exakt benennen, während sich Männer oft in allgemeine Floskeln flüchten. Es kann durchaus vorkommen, dass Frauen auch zu Begriffen wie „Waschpulver“ oder „Spülmittel“ und „Essig“ greifen, wenn sie ein negatives Aroma beschreiben.

Viele Aromen im Wein werden durch den Geruchssinn wahrgenommen. Durch leichtes Schwenken des Glases entfalten sich die feinen Aromen und geben − je nach Wein − den Duft frei von dunklen Beeren, Pfirsichen, Äpfeln, Kirschen, Cassis, Paprika, Vanille, Leder, Zigarren, Waldboden, Herbstlaub…

Warum riecht ein knackiger Riesling nach grünen Äpfeln und Pfirsich oder ein Cabernet Sauvignon nach Cassis und Paprika? Ganz einfach: dieselben chemischen Verbindungen (rund 800 wurden bislang nachgewiesen), die in Früchten enthalten sind, kommen auch im Wein vor. Über die Traube gelangen Aromastoffe in den Wein. Je nach Rebsorte und Herkunft hat sie jeweils andere Aromakomponenten transportiert. Viele der würzigen Aromen, wie Zimt, Vanille, Karamell, aber auch Röst- und Raucharomen, gehen auf den Ausbau des Weines im Barrique zurück. Das kleine 225-Liter-Holzfass, das ursprünglich aus Bordeaux stammt, gibt in den ersten Jahren seines Einsatzes sehr viele Geschmacksund Aromastoffe an den Wein ab (über 160, haben Wissenschaftler ermittelt).

Bei manchen Weinbeschreibungen darf geschmunzelt werden. Sie sind oft sehr phantasievoll und erfindungsreich. Auch wird auf diesem Feld gern abgeschrieben und neu kombiniert, aber so, dass es nicht zusammenpasst. Typisch ist der Fall eines Winzers, der beim Riesling darauf hinweist, dass dieser nach Banane duftet – was für einen Kenner ein Hinweis ist, dass der Wein sortenuntypisch ist und besser nicht gekauft wird. Denn Riesling hat klare Fruchtaromen (Zitrus, Pfirsich, Grapefruit) zu haben. Deshalb hier eine kleine Übersicht der häufigsten Aromen im Wein.

WEISSWEIN

Ananas: Ihr dezent süßliches Aroma zeigt sich in jüngeren Weißweinen (auch Riesling); es schwächt sich mit der Zeit ab.

Apfel: Sein Duft ist einer der Hauptbestandteile vieler Champagner und Weißweine (vor allem Riesling und Chardonnay). Weintraube und Apfel haben beide von Natur aus Apfelsäure.

Birne: In vielen fruchtigen Weißweinen, aber auch im Champagner tritt ihr zartes Aroma auf.

Bitterschokolade: Bei edelsüßen Weinen (Beeren- und Trockenbeerenauslesen, nicht Eiswein) teilt sich die Edelfäule (Botrytis) oft durch den Duft nach Bitterschokolade mit.

Brioche: Man kennt das Gebäck aus fettem Hefeteig als Beilage zur foie gras, aber der Duft ist auch typisch für qualitativ besonders wertvollen, reifen Champagner.

Grapefruit: Der feine Duft dieser erfrischenden, aber auch leicht bitter schmeckenden Frucht ist Bestandteil frischer Rieslinge und Chardonnays. Er kommt aber auch in edelsüßen Weinen vor.

Honigmelone: Das intensive Aroma kommt deutlich bei australischen Chardonnays oder der Sorte Semillon zum Ausdruck.

Paprika: Gedünstet oder etwas grün schimmert er im Aroma bei beliebten Sauvignon blanc durch, der aber manchmal auch nach Holunder oder Stachelbeere duftet, wenn er nicht ganz ausgereift war.

Pfeffer: Beim Grüner Veltliner, der Hauptsorte Österreichs, ist das typische „Pfefferl“ unverkennbar. Pfirsich: Seine Aromen kommen in frischen, jungen Weißweinen (Riesling) und auch in einigen Champagnern vor.

Rosen: Ein typischer Gewürztraminer duftet unverkennbar nach Rosenblättern.

Vanille: Ihr typisches Aroma präsentiert sich in weißen und auch roten Weinen, die in neuen Eichenholzfässern ausgebaut wurden.

Zimt: Das dezent süßliche Aroma kommt meist in Weinen zum Ausdruck, die im Holzfass ausgebaut wurden. Dazu zählen bei den Weißweinen hauptsächlich Gewürztraminer und bei den Rotweinen Merlots aus Bordeaux und Shiraz aus Australien.

Zitrone: Ihr anregender, frischer Duft ist charakteristisch für spritzige Rieslinge und Sauvignon-Blanc-Weine.

ROTWEIN

Banane: Typisch für einen jungen Beaujolais einfacherer Machart.

Bitterschokolade: Kakao- und Schokoladentöne zeigen sich häufig in reifen Rotweinen, betont durch leichte Röstaromen, die durch den Ausbau im Barrique hinzukommen. Besonders häufig ist dieses Aroma bei der Sorte Frühburgunder erkennbar.

Brombeere: Diese köstlichen Sommerfrüchte sind saftig und schmecken süß-säuerlich. Charakteristisch ist ihr intensiver Duft, ihre Aromen präsentieren sich meist in komplexen Rotweinen (Blaufränkisch/Lemberger).

Erdbeere: Das Aroma der süßen Früchtchen ist oft Bestandteil junger Rotweine, während sich der intensive Duft nach Erdbeerkonfitüre häufig in älteren Rotweinen findet.

Grüne Paprika: Ihr Duft ist relativ deutlich und präsentiert sich in fast allen Weinen aus den Rebsorten Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.

Kirsche: Egal ob süß oder sauer, das Aroma beider Sorten kommt in Rotwein vor; besonders häufig beim Merlot.

Leder: Auch wenn es verwunderlich scheinen mag − dieser Duft, der zu den so genannten tierischen Aromen zählt, zeigt sich in älteren Rotweinen, häufig aus Cabernet Sauvignon.

Pfeffer: Viele Rotweine (vor allem Cabernet franc) haben seinen charakteristischen Duft, was in Verbindung mit fruchtigen Aromen den würzigen Geschmack ausmacht.

Tabak: In unterschiedlicher Intensität entfaltet sich sein Duft häufig in älteren Rotweinen, die im Barrique ausgebaut wurden.

Ausland – Tipps zum Umgang mit Wein/Alkohol

Arabische Nationen: Auf alkoholische Getränke sollten Sie bei Treffen mit arabischen Geschäftspartnern verzichten, es sei denn, Sie werden explizit dazu aufgefordert und stimmen zu.

Belgien: Alkohol gehört in Belgien zu fast jeder Mahlzeit, jedoch eher Wein als Bier.

China: Alkohol ist in China populär. Bei Geschäftsessen wird gerne Schnaps getrunken, der meistens eine Alkoholkonzentration von über 50 % Vol. hat. Chinesischer Schnaps heißt Maotai und Báijiŭ und wird oft mit Weißwein übersetzt, obwohl er nichts mit Wein zu tun hat. Richtiger wäre wohl Weißer Alkohol (auf Getreidebasis).

Bei einem „Kampftrinken“ sollten Sie mitmachen, da eine Ablehnung außer bei Frauen und bei „Medikamenteneinnahme“ meist nicht verstanden und akzeptiert wird. Wer viel trinken kann, gibt sich als starker Geschäftsmann und zeigt damit Respekt seinem Partner gegenüber. Vorsicht: Nicht viel mehr als dieser trinken, sonst droht ihm ein Gesichtsverlust!

Leider haben Chinesen eine Alkoholintoleranz (ALDH-Gendefekt). Sie bekommen schnell einen hochroten Kopf und werden äußerst lustig und redselig. Der Gastgeber spricht den ersten Toast aus.

Wenn Sie das Wort „Gam bei“ hören, heißt es, das Glas in einem Zug zu leeren. Sie möchten nicht mehr nachgeschenkt bekommen? Lassen Sie Ihr volles Glas einfach stehen oder tippen Sie als Zeichen des Dankes ein paar Mal mit den drei mittleren Fingern auf den Tisch.

Frankreich: Als Frau sollten Sie sich im Restaurant nie selbst Wein nachschenken. Vorsicht bei einer privaten Einladung: Wein als Mitbringsel kann missverstanden werden. Ihr Gastgeber ist sehr wohl in der Lage, einen adäquaten Wein auszusuchen! Betonen Sie die „Einmaligkeit“ Ihres Präsents. In Frankreich wird nahezu jedes Mahl mit einem alkoholischen Getränk beschlossen.

Italien: Das Menü schließt mit einem Espresso, der Caffe heißt. Nach dem Espresso wird kein Wein mehr getrunken. Betrunkene sind dem Italiener ein Gräuel.

Russland: Der Wodka-Konsum bei Geschäftsessen spielt nicht mehr so eine große Rolle wie früher. Moderne Geschäftsmänner kommen auch ohne Alkohol zum Thema. Bei gehobenen Geschäftsessen wird eher Wein kredenzt. Der erste „Toast“ wird vom Gastgeber ausgesprochen, beim zweiten Toast preist man die Gastfreundschaft, der dritte wird auf die anwesenden Frauen getrunken. Alle Herren erheben sich. Wer sitzen bleibt, gilt als ungehobelt. Frauen müssen keinen Wodka trinken, sie können Wein oder Krimsekt nehmen. Es ist Tabu, ohne Trinkspruch zu trinken. Einen Trinkspruch auf Geschäftliches anzubringen gilt als kulturlos.

Polen: Ein hoher Alkoholkonsum ist in Polen häufig zu registrieren jedoch wird sehr wohl akzeptiert, wenn jemand den Trinkgewohnheiten nicht folgen kann.

In manchen östlichen Ländern muss die Businessfrau die Quadratur des Kreises schaffen: Immer schön alles mitmachen und trotzdem weiblich (nüchtern) bleiben. Darum bestellen Sie „klare“ Spirituosen wie Obstbrände oder Wodka. Und nur nippen, das Glas beiseite schieben und mit Saft/Wasser anstoßen.

USA: Bier und Wein gibt es oft auch in Supermärkten, Hochprozentigeres dagegen nur in speziellen „Liquor Stores“, wo oft ein Ausweis verlangt wird, wenn Sie noch kein fortgeschrittenes Alter erreicht haben. Das Mindestalter für Alkoholgenuss liegt zwischen 18 und 26 Jahren! In der Öffentlichkeit zu trinken, ist generell im ganzen Land verboten. Transportieren Sie die Getränke aus dem Liquor Store in eine Tüte verpackt im Kofferraum Ihres Autos. Nicht alle Restaurants haben eine „liquor license“, eine Ausschankerlaubnis für Alkohol. Sehen Sie das Kürzel BYO (Bring your own) können Sie sich aber Ihren Wein oder Ihr Bier mitbringen.

Aussprache

Bei manchen Weinnamen kann man schon einen Knoten in die Zunge bekommen oder sich bei der Aussprache blamieren. Also vorher üben, bevor sie sich auf fremdess, dünnes Sorten-Eis begeben.

Einige Beispiele:

Rioja, der rote Spanier, spricht sich „Riocha“

Pinot Meunier, die französische Version der Müllerrebe (auch Schwarzriesling) geht als „Pino Meunje“ über die Zunge

Auxerrois, ein Mitglied der weißen Burgunderfamilie, wird als „Oxerroa“ ausgesprochen

Pinotage, der rote Südafrikaner, ist ganz einfach ein „Pinotasch“

Der rote Grieche, der die Weine der Region Nemea prägt und Agiorgitiko geschrieben wird, macht es der Zunge nicht leicht: „Achiorgittiko“ klingt auch in den Ohren der Griechen gut.

Der edle Pinot Noir (Spätburgunder) klingt noch edler, wenn er„Pino Noa“ ausgesprochen wird.

Die von Kennern geschätzte weiße Sorte Viognier hört auf „Vionje“

Autochthon

Die Bezeichnung für Rebsorten, die nur in einem bestimmten Anbaugebiet Zuhause sind und anderswo nur in Ausnahmefällen. Der Riesling ist, obwohl typisch deutsch, keine autochthone Sorte, weil er auch anderswo wächst. Gleiches gilt für den Österreicher Grüner Veltliner. Der Rote Veltliner ist dagegen schon mehr autochthon in Austria. Die Markgräfler Spezialität Gutedel ist es nur bedingt, weil es ihn auch in der Schweiz (meist unter dem Synonym Chasselas) und in Sachsen sowie Saale-Unstrut gibt. Den Elbling, der in Deutschland nur mehr an der Obermosel angebaut wird, kann man dagegen schon als Beispiel für autochthon nennen, ebenso den Lagrein für Südtirol, den Teroldego, Marzemino und Nosiola für die Region Trentino. Und natürlich sind auch qualitativ wertvolle griechische Sorten wie Agiorgitiko, Xynomavro (rot) und Assirtiko (weiß) klassische autochthone Reben.

Avinieren: In der gehobenen Gastronomie werden die Weingläser am Tisch aviniert. Der Weinfachmann/die Servicekraft gibt einen Schluck des Weines, den wir bestellt haben, in ein Glas, und schwenkt die Gläser nacheinander damit aus (bei dieser Gelegenheit kann er/sie auch gleich feststellen, ob der Wein eventuell ein Korkproblem hat).

So verschwindet wirklich jeder Fremdgeruch, zum Beispiel der des Poliertuches. Man sagt auch: das Glas „weingrün machen“.

Ein leeres Weinglas, das vermutlich vorher kopfüber deponiert war und noch richtig muffelt, kann man als Gast im Restaurant auch selbst einer „Luftwäsche“ unterziehen, indem er es einige Male (sorgsam) an seiner Seite hin und her schlenkert. Ratsamer ist es, nach frischen, geruchsneutralen Gläsern zu fragen.

Barrique

Ist für manche Geniesser, die sich weniger auskennen, so eine Art Zauberwort nach dem Motto „Barrique ist immer gut“. Die Bezeichnung steht für ein neues (oder gebrauchtes) kleines Eichenholzfass mit ca. 225 Liter Volumen. Diese kleinen Holzfässer, die in Frankreich schon lange in Gebrauch sind (in Deutschland seit Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts), haben im frischen Zustand ohne Wässerung (die beim normalen großen Eichenfass üblich ist) die Eigenschaft, rund 160 zusätzliche Geschmacks- und Aromastoffe an den Wein zu übergeben. Mit anderen Worten: das Ausgangsprodukt wird durch den Einfluss des Holzes radikal verändert! Manchmal hin zum Guten, aber auch nach wie vor zum Schlechten. Es kommt nicht selten vor, dass Weine schmecken, als seien sie in einer Schreinerwerkstatt produziert worden. Ein guter Barrique-Wein zügelt dagegen etwas wilde Eigenschaften eines Weines, ebnet Unebenheiten, macht ihn harmonisch, verleiht ihm Tiefgang und lässt allenfalls in Nuancen erkennen, dass neues Holz im Spiel war.


Häufig wird eine Kombination neues und altes Holz gepflegt. Ein erstklassiger Wein aus dem Barrique setzt viel Erfahrung und ein gutes Bauchgefühl beim Winzer voraus. Gute Erzeuger legen nur selten Wert auf eine Bezeichnung wie „Im Barrique ausgebaut“ – die für Kenner unter den Genießern schon fast eine Warnung darstellt.

Bocksbeutel

Wenn man einen fränkischen Genießer provozieren oder zu einer Wette auffordern will, muss man nur behaupten, die typische bauchige Flaschenform gebe es keinesfalls nur in Franken, sondern sie sei fast Allgemeingut. Er wird vermutlich dagegen wetten – und verlieren. Denn die Winzer einiger badischer Gemeinden (Steinbach, Umweg, Neuweier, Varnhalt in der Ortenau) dürfen. Ebenso kann der Bocksbeutel für portugiesische Weine (Mateus Rosé) Verwendung finden, weil diese Flaschenform hier ebenfalls Tradition hat. Der Name leitet sich entweder ab von „Buchbeutel“ (Würdenträger taten angeblich oft so, als ob sie mit einem Buch unterwegs waren, in Wirklichkeit befand sich im Beutel „flüssige Nahrung“) oder vom Hodensack des Ziegenbocks. Die ersten fränkischen Weine wurden 1728 in solche Flaschen gefüllt, um Weine des Bürgerspitals in Würzburg vor Fälschungen zu bewahren. Der Bocksbeutel hatte lang einen guten Ruf, aber die Zeiten, in denen generell nur erstklassiger Wein in die Bauchflasche gefüllt wurde, sind längst vorbei. Zwar hat die Qualität in Franken in den letzten Jahren deutlich zugenommen, aber die 72 Grad Oechsle Mindestmostgewicht sind ebenso wenig ein Gradmesser für Qualität wie die mindestens 2 Punkte bei der Qualitätsweinprüfung. In den letzten zehn Weinjahrgängen war es – auch bedingt durch den Klimawandel – kein Kunststück, mehr als 90 Grad Oechsle zu erreichen. Und die Bewertung bei der „Quali-Prüfung“ ist letztlich nur eine Ja-Nein-Entscheidung, bei der auch einfache Weine durchgewunken werden, die lediglich frei von groben Fehlern sind. Wer guten Wein im Bocksbeutel sucht, orientiert sich nicht an der Flaschenform generell, sondern an den Namen der Erzeuger. Die Würzburger Traditions-Güter (Juliusspital, Bürgerspital, Staatlicher Hofkeller) und einige aufstrebende Erzeuger wie Weingut am Stein und Reiss gehen hier mit gutem Beispiel voran.

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