Kitabı oku: «Ausgewählte Lustspiele von Ludwig Thoma (Volksstücken und Bauernschwänke)»

Yazı tipi:

Ludwig Thoma

Ausgewählte Lustspiele von Ludwig Thoma (Volksstücken und Bauernschwänke)


Books

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musaicumbooks@okpublishing.info

2017 OK Publishing

ISBN 978-80-272-1273-6

Inhaltsverzeichnis

O Natur!

Kino

Das Duell

Die Tochter des Feldwebels

Der Sieger von Orleans

Finstere Zeitenoder Der Leberkas

Brautschau: Bauernschwank in einem Aufzug

Dichters Ehrentag: Lustspiel in einem Aufzug

Die kleinen Verwandten: Lustspiel in einem Aufzug

Die Lokalbahn: Komödie in drei Akten

Gelähmte Schwingen: Lustspiel in einem Aufzug

Lottchens Geburtstag: Lustspiel in einem Akt

Die Medaille: Komödie in einem Akt

Moral: Komödie in drei Akten

Erster Klasse: Bauernschwank in einem Akt

Magdalena: Ein Volksstück in drei Aufzügen

O Natur!

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Er – Sie – Ein Holzknecht

Ort: Im Gebirge

ER: Wie das hier schon ganz anders riecht, Lizzi! A-ah! Endlich aus der Stadt in die Natur geflohen!

SIE: Himmlisch!

ER: Stelle dir vor! Der Schnee in unseren Straßen, schwarz, schmutzig, naß. Und hier blinkt und glitzert er.

SIE: Er ist direkt keusch, finde ich.

ER: Man denkt an Weihnachten, Christabend, an irgend was Poetisches.

SIE: Karl, du Guter! Nein, wie bin ich dir dankbar, daß du mich aus dem schrecklichen Trubel in diesen Frieden gebracht hast!

ER: Nicht wahr?

SIE: Weißt du, als ganz kleines Mädchen bin ich auch einmal im Winter auf dem Lande gewesen. Bei Großmama. Da weiß ich noch, wie da auch die Bäume verschneit waren und so merkwürdig aussahen.

ER: Du bekommst förmlich große Augen, wie du das sagst, Lizzi!

SIE: Es muß die heimliche Sehnsucht nach der Natur sein, die in einem lebt. Trotz allem, weißt du, Karl?

ER: Ja, ja. Trotz allem.

SIE: Nein! Sieh mal dort die große Tanne! Wie ein Ungeheuer sieht so ein Zweig aus. Wie was Lebendiges.

ER: Wie ein Märchen.

SIE: Die Natur ist doch das einzig Wahre!

ER: Man sollte hier immer leben!

SIE: Das wäre herrlich! Ich ließe mir einen großen Pelz dazu machen; weißt du, grünen Samt, mit Zobel besetzt, und innen auch Zobel, oder Seal.

ER: Das sollte man tun, hier leben.

SIE: Oder Skunks, Karl, obwohl ich eigentlich Skunks nicht sehr liebe.

ER: Das würde sich schon finden.

SIE: Und weißt du, eine Pelzmütze sollte ich haben. Ich habe vorgestern bei Bachmann eine entzückende Mütze gesehen.

ER: Dieser Friede ringsum!

SIE: Ich glaube, sie war aus Otterfellen und hatte vorne eine Agraffe, in der eine Reiherfeder steckte.

ER: Sieh dort, Lizzi, wie die Bergspitze noch von der Abendsonne beschienen ist.

SIE: Wun-der-voll! Weißt du, man könnte statt Reiher auch eine andere Feder nehmen. Meinst du nicht?

ER: Ja – ja. Ich könnte hier stundenlang in den Anblick versunken stehen.

SIE: Und ich möchte am liebsten durch den Schnee waten. Wie ein Schulmädchen, und ganz rote Backen davon kriegen.

ER: Und nasse Füße, Liebling!

SIE (enttäuscht): Das ist wahr!

ER: Man müßte eben andere Schuhe tragen. Und sich überhaupt daran gewöhnen. Oh! Hier muß ein Mensch gesund werden!

SIE: Ich fühle mich jetzt schon ganz anders.

ER: Ich meine körperlich und geistig gesund werden. A-ah! Diese Luft! Diese Luft!

SIE: Wie die Sonne verglüht! Das sollte man jeden Abend haben.

ER: Und sich von dem Zauber der Natur umfangen lassen.

SIE: Ich möchte am liebsten gar nicht mehr weg.

ER: Weißt du was? Wir bleiben einfach morgen noch hier.

SIE: Ach ja – das wäre himmlisch! Aber es geht nicht, Schatz. Ich muß morgen zur Schneiderin, und dann sollen wir bei Hofrats Besuch machen, und abends ist der ‘Rosenkavalier’, und…

ER: Richtig, ja! Na, denn nich! Eigentlich ist es schade!

SIE: Mir blutet ja das Herz, daß man sich von hier losreißen soll.

ER: Mir auch. Diese Farben! Nein, diese Farben!

SIE: Du, dort kommt ein Mann.

ER: Er hat so was wie ‘ne Säge umhängen. Das ist sicher ‘n Holzfäller.

SIE: Wie stilvoll er aussieht!

ER (seufzend): Ach, wer auch so einer wäre! He, guter Mann!

HOLZER: Han?

ER: Sie leben wohl immer hier heraußen?

SIE: In der Natur?

ER: Und wissen vielleicht gar nicht, wie beneidenswert Sie sind!

HOLZER: Am – – – – –! (Entfernt sich.)

SIE: Wie? Was hat er gesagt?

ER: Ach, so was… so was Bäuerliches, was die Leute hier oft sagen. Nun wollen wir aber umkehren. (Bleibt stehen und atmet tief auf.) Nein! Diese Natur!

Kino

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Xaver Hierlinger, Melber

Sophie Hierlinger, seine Frau

Sopherl, die Tochter

Andere Münchner

Andere Münchnerinnen

1

Vor dem Kino

HIERLINGER: Herrgottzaggerament-zaggera! I hab’s ja z’erscht g’sagt.

FRAU HIERLINGER: Was hast g’sagt?

HIERLINGER: Mit enkern Schmarrn, hab i g’sagt… Dös waar ja a wahrs Unglück gwen, wenn i heut zu mein Tertl ganga waar! Na! Weil’s a so a fada Sunntag is, muaß i mit da Familli in da Schdadt umanand zieahgn!

FRAU HIERLINGER: No woaßt, a bissel galant derfst scho aa no sei! Hockst a so de ganz Wocha im Kaffeehaus und kimmerst di net um ins!

HIERLINGER: Unta da Woch wer i mi aa no um enk kimmern! Da hast recht!

SOPHERL: Babbi, geh ma ins Kino! Da steht’s, was geb’n werd.

HIERLINGER: Da werd scho was geb’n wern!

SOPHERL liest: Am gebrochenen Härzen – Erschitterndes Drama –

HIERLINGER: Am gebrochenen Härzen – dös mog i. Am… Ding… hätt i bald g’sagt.

FRAU HIERLINGER: Geh, tua di net gar a so äußern!

HIERLINGER:… Also, geh ma eini!

2

Im Kino. Dunkel

HIERLINGER: Herrgottzaggerament – zaggera!

DIENER: Stufä!

HIERLINGER: Ja, Stu-fä! Z’erscht laßt er oan abirumpeln! Was glaab’n denn Sie? Eine solchene Gehirnerschidderung!

EIN MÜNCHNER IM DUNKEL: Gar so vui werd si net erschiddern –

HIERLINGER: Wos werd net? Wer redt denn da überhaupts? So a Zigeuna!

STIMMEN: Bsst! Ruhä!

HIERLINGER: So a Pfundhamml, so a unappetitliche!

DER MÜNCHNER IM DUNKEL: Geh, tua di schleicha und schaug, daß d’ dein Gipskopf aus da Platt’n außa bringst, sonst werd’s ma unwohl! Du auftrieb’na Wassasüchtling!

HIERLINGER: Ah! Ah! Da…

FRAU HIERLINGER: Sei ruhig, Xaver! Gib dich doch mit einem soichen ordanären G’sindel nicht ab…

DER MÜNCHNER IM DUNKEL: Jäh! G’sindel! Sie möcht aa was sag’n, de g’scherte Heubod’nspinna!

FRAU HIERLINGER: Also so was Gemeins…

STIMMEN: Bsst! Ruhä! Sätzen! Die Familie Hierlinger setzt sich. Ein Landschaftsfilm wird abgehaspelt. Schwedische Wasserfälle, dazu weiche Walzermelodien. Hierlinger schaut sich immer wieder nach seinem Feinde um, der im Dunkeln sitzt.

HIERLINGER: Der hat mi aufg’warmt, der ung’hobelte Laggl, der!

FRAU HIERLINGER: Ich bitt dich, Xaver! Du mußt dich beruhigen, Xaver! Es wird hell. Hierlinger dreht sich wieder um und schaut drohend hin, der Feind schaut drohend her, da verklärt ein Lächeln das Gesicht eines jeden.

DER MÜNCHNER: Jetz is recht! Da Hierlinga!

HIERLINGER: Da Söllhuaba Beni!

SÖLLHUBER: Hätt ma ins beinah hart g’redt…

HIERLINGER: Im Dunkeln is guat munkeln, und was sich liebt, das neckt sich…

SÖLLHUBER: Aba bei deina Frau Gemahlin muaß i mi scho no eigens entschuldingen…

FRAU HIERLINGER: Ja – Sie!

SÖLLHUBER: Bitte halt vuimals – net wahr, gnä Frau! Wissen S’ scho, wia’s geht, wenn man si anand net kennt… Da gibt’s oft de schlimmst’n Vawechslunga…

FRAU HIERLINGER: Ja – Sie!

HIERLINGER lacht: Du hast di scho a wengl weit außa lass’n mit deini tiaf’n Tön, mei Liaba…

STIMMEN: Bsst! Ruhä! Es wird dunkel. Nun kommt der Film: ›Am gebrochenen Herzen‹.

3

Schrift: Die ehemals gefeierte Schönheit Theresita Benzoni merkt, daß der Funke der Leidenschaft in ihrem Gemahle erloschen ist…

SÖLLHUBER ruft vor: Xari!

HIERLINGER: Wos?

SÖLLHUBER: Der dei aa?

HIERLINGER: Ja – ja – !Net zweni!

STIMMEN: Ruhä! Was is denn das für eine Auffierung?

ANDERE STIMMEN: De broatletschat’n Hauspascha!

SÖLLHUBER: Wia hoaß i?

STIMMEN: Sssssssssst!

Schrift: Sie beschließt, noch einmal mit der Macht ihrer Töne das Herz des geliebten Mannes zu rühren wie früher.

Bild: Eine Dame, mit aufgelösten Haaren, einem Doppelkinn und anderen sinnlichen Reizen, im Morgenrocke, sitzt am Klavier, hebt und senkt mit schöner Rundung die Hände und streicht die Tasten.

Er steht am Fenster, mit dem Rücken gegen sie.

Die Töne wirken. Man sieht es an den Händen, die er auf den Rücken hält.

Die Töne wirken stärker. Die Hände vibrieren. Er dreht sich um, sie schießt einen Blick auf ihn. Er kommt einen Schritt näher, zwei Schritte, bleibt stehen.

Sie klaviert weiter. Da kommt er ganz nahe und kniet neben ihr nieder.

Sie streicht ihm mit der Hand über die Haare. Er schaut sie an, sie schaut ihn an.

Lange, innig, tief.

Schrift: Einen Augenblick ist Carlo Benzoni dem alten Zauber, der einst so mächtig auf ihn eingewirkt hatte, verfallen. Schon aber steigt ein anderes Bild vor seinem geistigen Auge auf – Graziella – und – –

Bild: Er liegt noch auf den Knien vor ihr und blickt zu ihr auf. Da nehmen seine Augen etwas Starres an, dringen ins Leere. Aus dem Leeren drängt sich das Bild eines Frauenzimmers hervor.

Mit hochgeschnürtem Busen, kecken Augen, verführerischem Lächeln… Er steht auf, streckt die Hände sehnend aus nach dem Bilde, seine Augen treten hervor, das Bild verschwindet, er kommt zu sich, schaut seine Gemahlin kalt an, und sie läßt ihren Kopf sinken, mit einem Ruck, noch einem Ruck und einem Ruck, streckt die Arme aufs Klavier, den Kopf auf die Tasten, und ist in Schmerz aufgelöst.

Sie rinnt unterm Morgenrock auseinander.

Verwandlung.

Ein Auto fährt vor. Benzoni! Fährt durch mehrere Straßen.

Ein anderes Auto folgt im schnellsten Tempo. Theresita!

Das erste Auto hält vor einer Gartenvilla. Benzoni! Aus dem andern Auto steigt eine Frau und schaut ihm mit brennenden Blicken nach. Theresita! Ein Mann steigt über die Treppe. Benzoni! Verwandlung. In einem üppigen Boudoir liegt auf der Chaiselongue ein üppiges Weib. Graziella!

Sie horcht. Ihre Augen vergrößern sich. Ein Mann tritt ein. Benzoni! Man küßt sich.

Verwandlung.

Eine Frau wankt am Gitter entlang. Theresita! Wankt durch eine Straße, wankt durch noch eine Straße, wankt über eine Brücke, wankt in eine Gartenanlage, fällt um, fällt gegen einen eisernen Pfahl. Ist ohnmächtig.

Verwandlung.

Ein schneeweißes Bett in einem Spital. Eine Rote-Kreuz-Schwester nickt tieftraurig mit dem Kopf. Ein Arzt mit einem schwarzen Bart nickt tieftraurig mit dem Kopf. Eine Patientin liegt da. Auf dem weißen Bette erscheint der Schatten einer riesigen Hutschleife und stört die tiefe Traurigkeit.

HIERLINGER: Sie! Sie! Tean S’ Eahnern Huat owa!… An Huat owa… sag i…

FRAU HIERLINGER ihre Tränen trocknend: Eine solchane Unvaschämtheit! Mit an solchan Trumm Schloafa…

HIERLINGER: Owa – sag i…

FRAU HIERLINGER: Was de Deanstbot’n für Hüat auf hamm…

HIERLINGER: Sie da vorn! Tean S’ Eahnern Huat owa!

STIMMEN: Ssssst! Ruhä!… Sssst!

Der Film geht weiter. Die Kranke schlägt die Augen auf. Wo – bin – ich? Der Arzt lächelt human. Die Rote-Kreuz-Schwester lächelt human. Der Schatten der riesigen Hutschleife zittert in heftiger Bewegung. Der Schatten eines gebogenen Handgriffes eines Spazierstockes angelt nach dem Schatten der Hutschleife.

DIE HUTBESITZERIN greift nach ihrer bedrohten Kopfbedeckung: Hören S’ auf! Führen S’ Ihnen net so ungebüldet auf!

HIERLINGER angelt weiter: Je! De ander mit da Buidung! Setz’n S’ koan solchan Datschi auf!

FRAU HIERLINGER: Dös g’hört si net für Deanstbot’n!

DIE HUTBESITZERIN: Hören S’ auf! Hören S’ auf, Sie Lümmel, Sie roher!

HIERLINGER: Eahna Kindabadwanna tean S’ oba, Sie Bauernsocka, Sie gräuslicha!

STIMME: Werd heut gar koa Ruah?

ANDERE STIMMEN: Ssssssst! Ru-hä!

HIERLINGER: An Huat owa!

DIENER: Es muß absolute Ruhä herrschen…

Die Hutbesitzerin nimmt ihre Kopfbedeckung mit zornigen, ruckartigen Bewegungen ab.

Der Film geht weiter. Der Arzt fühlt den Puls und schüttelt schwermütig das Haupt. Die Ärmste wird von uns genommen werden. Das Harmonium setzt ein. Die Kranke lächelt und bewegt die Finger, als wenn sie Klavier spielte. Ihre letzten Gedanken gehören ihm und dem Klavier.

Verwandlung.

An der Schwelle des Krankenhauses sitzt ein Mann und starrt mit furchtbaren Blicken ins Leere. Benzoni.

Die Reue nagt an ihm. Immer stärker. Noch stärker.

Die Töne des Harmoniums schwellen an.

Verwandlung.

Der Arzt beugt sich über eine Tote. Sie ist dahin, und das Schicksal erfüllte sich. Zur Türe herein wankt Benzoni, wankt an das Bett, fällt über das Bett. Schluß.

Es wird hell.

Frau Hierlinger trocknet ihre rinnenden Tränen, Hierlinger sitzt betäubt und schnupft auf. Über seine dicken Backen rollen ebenfalls Tränen.

FRAU HIERLINGER seufzt tief: Ah… so was!

SOPHERL: Mammi… was g’schieht jetzt?

FRAU HIERLINGER: Han?

SOPHERL: Was tuat jetza der Mann von dera arma Frau?

FRAU HIERLINGER: Heirat’n tuat a wieda. An anderne.

SOPHERL: Woaß ma dös?

FRAU HIERLINGER: O ja! Dös woaß ma.

SOPHERL: Er is aba da so trauri g’wen!

FRAU HIERLINGER: O mei! Die Mäh…na! In an Vierteljahr speanzelt a scho lang mit einer andern…

HIERLINGER: Dös kennst net, daß dös lauta Schmarrn is?

FRAU HIERLINGER: Dös is aus ‘n Leb’n geschöpft…

HIERLINGER: Ja! Am… gebrochenen… Härzen, sag’ i… Geh’ ma, sunst schöpfst d’ a no was aus ‘n Leb’n… sie stehen auf.

DIE HUTBESITZERIN: Da hört si alles auf! Der grobe Laggl, der unkultifierte, möcht mir an Huat abi stöß‘n… und sei Schmieslmadam hat selba den größt’n Bletschari auf!

HIERLINGER im Abgehen: Tean S’ Eahna halt’n, Sie! Sunst wer i ungalant, Sie Mistamsel, Sie abscheilige!…

HUTBESITZERIN: Ah! Ah…

FRAU HIERLINGER: Geh zu, Xaver! Mit keiner solchenen Sunntagsbagaschl streit man doch nicht!… Die Familie Hierlinger geht ab. Es wird dunkel.

DIENER: Es muß ab-solu-te Ruhä herrschen… Nächster Film.

Das Duell

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Professor Dr. Adolar Weller

Elsa, seine Frau

Botho von Lenin, Gutsbesitzer, Major a. D., und Gertrud, seine Frau, Eltern der Frau Dr. Weller Hans von Lenin, Assessor, deren Sohn Fritz von Platow, Leutnant Wilhelm von Sassen, Leutnant

Szene: Wohnzimmer des Dr. Adolar Weller. Gewöhnlich möbliert. Professor Weller sitzt am Schreibtische. Es klopft.

DR. WELLER: Herein! W. von Sassen in Infanterieuniform tritt ein.

SASSEN: Habe ich die Ehre, Herrn Professor Dr. Weller zu sprechen?

DR. WELLER: Gewiß.

SASSEN steif: Gestatten! Wilhelm von Sassen, Sekondeleutnant. Sie hatten gestern kleines Rencontre mit Kamerad von Platow?

DR. WELLER: Ich hatte eine sehr ernste Sache…

SASSEN: Na, das geht mich nichts an. Ich habe Ihnen im Auftrage des Herrn von Platow eine Forderung zu überbringen. Pistolen. Fünfzehn Schritt Distanz. Dreimaliger Kugelwechsel.

DR. WELLER: Was? Herr von Platow fordert mich? Das ist stark!

SASSEN: Ich bitte, keine Kritik. Bin lediglich Kartellträger. Wollen mir Dritten bestimmen, mit dem ich Näheres vereinbare.

DR. WELLER: Da hört doch alles auf.

SASSEN drohend: Sie verweigern die Satisfaktion?

DR. WELLER sehr bestürzt: Weigern? Nein. Das heißt, ja. Oder vielmehr, das ist unglaublich. Satisfaktion, das heißt doch Genugtuung, die verlangt doch nur der Beleidigte. Nicht der Beleidiger. Erlauben Sie mir, das ist doch keine Vernunft!

SASSEN: Das spielt hier keine Rolle. Ich komme in einer Stunde wieder und erwarte Ihre definitive Entscheidung. Ab.

DR. WELLER erregt auf-und abgehend: Das ist unglaublich. Das ist unerhört. Ich erwische den Herrn in der denkbar kitzlichsten Situation bei meiner Frau – und er will dafür von mir Genugtuung haben. Er von mir! Botho von Lenin, seine Frau und sein Sohn treten rasch ein: ‘n Tag!

BOTHO VON L.: Hier sind wir.

DR. WELLER: Grüß Gott, Papa, grüß Gott, Mama.

BOTHO V. L.: Dein Telegramm kam gestern abend. Was ist los?

DR. WELLER: Eine sehr unangenehme Sache.

FRAU VON L.: Elschen ist doch nicht krank?

DR. WELLER: Sie ist sehr gesund – aber, um es kurz zu sagen, sie hat mich betrogen.

BOTHO VON L.: Herr Schwiegersohn!

FRAU VON L.: Eine Lenin betrügt nicht!

ASSESSOR VON L.: Was erlauben Sie sich eigentlich?

DR. WELLER: Bitte, es handelt sich nicht um glauben oder nicht glauben. Elsa ist geständig.

BOTHO VON L.: Wer ist der Schurke?

DR. WELLER: Ein Herr von Platow.

ASSESSOR VON L.: Der bei den Gardehusaren stand?

DR. WELLER: Ja.

BOTHO VON L.: Das ändert die Sache allerdings.

FRAU VON L.: Jedenfalls ist er von Familie.

DR. WELLER: Ich kann den Unterschied nicht sehen aber ich habe Elsa verziehen.

BOTHO VON L.: Na, sieh mal! Das ist doch das einzig Richtige!

ASSESSOR VON L.: Derartige Affären sind erst unangenehm, wenn Skandal entsteht.

DR. WELLER: Ich liebe Elsa – und ich dachte an ihre Jugend.

FRAU VON L.: Sie ist noch ein Kind, ein törichtes kleines Kind! Sie dachte sich vielleicht gar nichts dabei.

BOTHO VON L.. Es is ja nich schön – aber du lieber Gott! Wir sind alle mal jung gewesen. Je weniger darüber gesprochen wird, desto besser.

FRAU VON L.: Und wenn du nicht zu hart gegen sie warst, werdet ihr euch herzlich versöhnen, und sie wird dir auch nichts nachtragen.

ASSESSOR VON L.: Die ganze Kiste ist wieder beigelegt.

DR. WELLER: Es kommt noch ein Nachspiel.

BOTHO VON L.: Du wirst doch kein unliebsames Aufsehen erregen wollen mit Scheidung oder Prozeß oder so was?

FRAU VON L.: Nur keine Sensation!

DR. WELLER: Ich sagte euch doch, ich habe ihr verziehen – aber Herr von Platow hat mir eine Pistolenforderung geschickt.

BOTHO VON L.: Wieso?

ASSESSOR VON L.: Hat ein Wortwechsel stattgefunden?

DR. WELLER: Nein, eigentlich nicht. Die Sache ging zu schnell. Als er mich sah, stürzte er zur Türe hinaus, nimmt den Säbel vom Nagel, und die Treppe hinunter. Ich schrie ihm nach: »Sie sind ein gemeiner Mensch!« »Was?« sagte er. »Jawohl!« sagte ich. Da wollte er wieder herauf, mit dem Säbel in der Hand. Ich schlug aber schnell die Türe zu.

ASSESSOR VON L.: Na, also!

DR. WELLER: Was?

ASSESSOR VON L.: Da ist es selbstredend, daß er Sie fordert. Er darf doch keinen Schimpf hinnehmen.

DR. WELLER: Ich habe ja bloß die Wahrheit gesagt. Es war doch eine Gemeinheit.

ASSESSOR VON L.: Erlauben Sie, Verehrtester, in unseren Kreisen kann man mal eine Gemeinheit begehen, aber man läßt sich nicht gemein heißen.

BOTHO VON L.: Das ist doch ein kolossaler Unterschied!

FRAU VON L.: Das sollten Sie aber wirklich verstehen!

DR. WELLER: Wie? Er beleidigt mich auf das Schwerste, und dann verlangt er Genugtuung, als sei ihm Unrecht geschehen. Viel eher hätte ich doch Grund gehabt, ihn zu fordern.

ASSESSOR VON L.: Allerdings.

BOTHO VON L.: Wie konntest du das unterlassen?

DR. WELLER: Weil ich mich und Elsa nicht bloßstellen wollte. Ihr sagtet doch selbst, daß die Versöhnung das Richtige war.

ASSESSOR VON L.: Der Zweikampf ist etwas so Ritterliches, daß er niemals bloßstellen kann. Außerdem veröffentlicht man ja nicht die Gründe.

DR. WELLER: Wenn niemand etwas von der Sache weiß, brauche ich mich doch auch nicht zu schießen.

ASSESSOR VON L.: Aber erlauben Sie mal, Schwager!

FRAU VON L.: Welche Ansichten!

BOTHO VON L. pathetisch: Es gibt doch noch etwas Höheres in unserer Brust, so etwas, was man Ehre heißt.

DR. WELLER zornig: Das hättest du deiner Tochter gründlicher beibringen sollen, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.

ASSESSOR VON L. scharf.- Meine Schwester braucht keine Belehrung über Ehre. Die ist ihr angeboren. Sie wird jederzeit einen Skandal zu vermeiden wissen.

FRAU VON L.: So’n Kind!

DR. WELLER: Hat sie nicht ihre Frauenehre weggeworfen ?

ASSESSOR VON L.: Das sind populäre Phrasen!

BOTHO VON L.: In unseren Kreisen wirft man nicht mit so starken Ausdrücken herum, lieber Adolar. Und überdies, wie gesagt, solche intimen Familienvorkommnisse haben nur dann etwas Entehrendes, wenn sie publik werden.

DR. WELLER: Schön. Wenn das eure Moral ist, dann wendet sie gefälligst auch auf das Duell an.

ASSESSOR VON L. sehr scharf, jede Silbe im Gardejargon betonend: Herr Schwager! Ich bedaure sehr, daß Sie erst darüber belehrt werden müssen. Der germanische Ehrbegriff duldet keine Sophistik, absolut keine Sophistik. Die Ehre ist ein Spiegel, welcher durch den leisesten Hauch getrübt wird. Solche Flecken können nur mit Blut abgewaschen werden, einfach mit Blut. Das ist der germanische Ehrbegriff. Gott sei Dank!

DR. WELLER: Herr von Platow ist wohl auch Anhänger dieser Theorie?

ASSESSOR VON L.: Selbstredend. Als Edelmann und Offizier!

DR. WELLER: Dann verbietet also der germanische Ehrbegriff nicht, den Mann zu betrügen, an dessen Tisch man sitzt, und dessen Hand man schüttelt.

ASSESSOR VON L.: Sie sprechen in Tönen, welche wir schon kennen.

BOTHO VON L.: Das sind die alles nivellierenden Lehren, die vor nichts halt machen und selbst das Heiligste, was wir haben, unsere Armee, verunglimpfen.

DR. WELLER: Das sind Begriffe von Recht! Großer Gott!

ASSESSOR VON L.: Das sind Begriffe, die Geltung behalten werden. Jeder kann mal ‘ne Dummheit machen. Ein Kavalier steht dann eben mit der blanken Waffe dafür ein.

BOTHO VON L.: Und tut damit genug. Daher der Name Genugtuung.

DR. WELLER: Ich will aber keine Genugtuung. Ich habe doch Elsa verziehen. Wenn ich ihr nicht verzeihen wollte, dann hätte ich das Gericht angerufen.

FRAU VON L.: Das Gericht! Pfui!

BOTHO VON L.: Beim Gericht sucht nur der Pöbel sein Recht.

ASSESSOR VON L.: Sich vor der Öffentlichkeit herumbalgen! So eine Idee!

DR. WELLER: Sie sind doch selbst Jurist! Und werden Richter!

ASSESSOR VON L.: Erlauben Sie, in solchen Fragen hat der Jurist einfach zu verschwinden. Ich bin in erster Linie Reserve-Offizier und Corpsphilister.

DR. WELLER: Mit Gründen ist bei euch nicht durchzukommen, weil ihr sie stets mit Phrasen totschlagt. Aber sagt einmal, zu den Eltern gewendet: wollt ihr, daß ich, der Mann eurer Tochter, mich mit ihrem Verführer schieße?

BOTHO U. FRAU V. L. unisono: Aber so eine Frage! Natürlich!

ASSESSOR VON L.: Der germanische Ehrbegriff!

DR. WELLER: Papa, du bist bekannt als eifrigster Anhänger der Kirche; du hast erst neulich im Abgeordnetenhaus eine große Rede gehalten, daß man das Volk zur Religion anhalten müsse.

BOTHO VON L.: Das Volk!

ASSESSOR VON L.. Immer diese Begriffsverwirrung!

DR. WELLER: Die Religion verbietet das Duell.

BOTHO VON L. salbungsvoll: Mein Sohn! Gewiß ist die Religion das Höchste, und gewiß bedürfen wir derselben in allen Dingen. Denn was wäre der Mensch ohne Religion? Gewiß ist das Duell eine Sünde. Aber wer ist ohne Sünde? So lange es eben eine Sünde gibt, wird es Streit unter den Menschen geben. Und so lange es verschiedene Menschen gibt, werden sie den Streit verschieden austragen. Die Religion kann und will aber sicher niemals die Standesunterschiede aufheben. Im Gegenteil. Wir können bedauern, daß es eine Sünde gibt, aber es wäre vermessen, sie abzuschaffen.

ASSESSOR VON L.: Und der spezifisch germanische Ehrbegriff.

BOTHO VON L.: Gewiß! Auch der hat Rechte. Wir müssen eben versuchen, als demütige Christen unsere Standespflichten mit der Religion so in Einklang zu bringen, daß beide sich vertragen. Wir müssen eben Kompromisse schließen.

DR. WELLER: Und was sagst du, Mama?

FRAU VON L.: Ich bin eine geborene von Connewitz.

ASSESSOR VON L.: Das jenügt!

DR. WELLER: Gut! Wenn ihr mich treibt, dann soll das Ärgste geschehen. Aber ich will zunächst Elsa hören. Sie soll entscheiden.

BOTHO VON L.: Da kommt sie gerade. Elsa tritt auf.

ELSA: Ihr seid hier?

BOTHO VON L.: Adolar hat uns telegraphiert.

FRAU VON L. umarmt sie: Armes Kind, was mußt du gelitten haben!

ELSA: Es war fürchterlich, Mamachen.

BOTHO VON L.: Wir wissen alles, aber wir verzeihen dir.

FRAU VON L.: Wie ist das nur gekommen?

ELSA: Ach, die Köchin ist schuld. Wenn sie nicht so den Kopf verloren hätte, wäre alles gut gegangen. Adolar hätte nichts gemerkt und wäre glücklich.

FRAU VON L.: Du hast das dumme Tier doch sofort hinausgeworfen?

ELSA: Natürlich. Noch gestern abend. Aber es ist ja alles wieder gut. Adolar hat mir verziehen.

FRAU VON L.: Wir wissen es.

DR. WELLER: Es ist aber noch nicht alles gut, Elsa. Ich habe dir verziehen. Herr von Platow jedoch verzeiht mir die Überraschung nicht und will, daß ich mich mit ihm schieße.

ELSA: Er ist doch jeder Zoll ein Kavalier!

DR. WELLER: Du findest das schön?

ELSA: Ich finde es selbstverständlich.

BOTHO UND FRAU VON L.: Sie ist unsere Tochter.

DR. WELLER: Du bist damit einverstanden, daß ich mich vor die Pistole stelle?

ELSA: Es ist doch allgemein Usus.

DR. WELLER: Nach allem, was zwischen uns vorgefallen ist, sagst du das?

ELSA: Ich kann doch nicht anders. Sei stark, Adolar!

DR. WELLER zum Assessor: Herr Schwager, die Nerven Ihrer Familie sind stärker als die meinigen. Ich will dem germanischen Ehrbegriff Folge leisten.

ASSESSOR VON L.: Höchste Zeit! Es klopft.

DR. WELLER: Herein! von Sassen tritt auf.

SASSEN: Pardong, wenn ich störe! Herr Professor haben sich entschieden?

DR. WELLER: Ich nehme die Forderung an. Mein Schwager, Herr von Lenin, Verbeugung, wird das weitere vereinbaren.

ASSESSOR VON L.: Gestatten! Wie lautet die Forderung?

SASSEN: Fünfzehn Schritte. Dreimaliger Kugelwechsel.

ASSESSOR VON L.: Sehr angenehm! Zeit und Ort?

SASSEN: Kann sofort stattfinden. In der Reitschule nebenan.

ASSESSOR VON L.: Dann mal los! Schwager, darf ich bitten!

DR. WELLER: Sofort! Alle drei gehen. An der Türe dreht er sich um und sagt: »Elsa!«

ELSA: Sei stark, Adolar! Assessor von Lenin, von Sassen und Weller ab. Gruppe.

BOTHO VON LENIN tritt an die Rampe vor: Meine Lieben! Er geht, um jenem uralten, edlen Brauche zu folgen, welcher aus der waffenfreudigen Gesinnung unserer Väter hervorgegangen, auch heute noch dem feingebildeten Ehrgefühle der Besten unseres Volkes als unentbehrliches Erziehungsmittel gilt, trotz aller Anfechtungen, welche schlechtberatene und übelwollende, vaterlandslose Menschen gegen sie richten, dieselben Leute, denen nichts heilig ist und die mit frechem Hohn gegen Thron und Altar ihre giftgetränkten Pfeile richten, und wie in allem so auch hier frivol den hohen, sittlichen Gehalt des Zweikampfes leugnen, uneingedenk jenes Dichterwortes »Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt in ihre Ehre«.

Hinter der Szene fallen in rascher Folge zwei scharfe Schüsse.

Bumm! Bautsch!

Aber die alles nivellierende Richtung unserer Zeit wird hier nichts vermögen, und ihre Wogen werden machtlos abprallen von diesem rocher de bronce, hinter welchem wir in geschlossenen Reihen stehen, fest entschlossen, das von den Vätern überkommene Palladium zu hüten und eingedenk, daß jeder Stand sein Besonderes hat, und daß wie dem Volke die Arbeit, so uns die Pflege der Waffenehre zukommt, und daß wir diese uns nimmermehr entreißen lassen, gerade so wenig, wie wir dem Volke die harte Arbeit und die Lust am mühevollen Schaffen abnehmen wollen.

Hinter der Szene fallen wieder zwei scharfe Schüsse.

Bumm! Bautsch!

Gewiß war es ein schöner Gedanke, das Duell abzuschaffen, allein wir müßten vorher den germanischen Ehrbegriff ausrotten, welcher uns zwar erlaubt, unsere Überzeugung der jeweils vorteilhaften Richtung anzupassen, aber immerhin in unserer Brust ein Gefühl zurückläßt, welches ohne Rücksicht auf unsern inneren Wert gegen jede äußere Verletzung sich aufbäumt und sich erst beruhigt, wenn im Gegensatz zu unserer sonstigen religiösen Gesinnung eine zwar von den Gesetzen verbotene, aber sonst hoch angesehene Verletzung erfolgt ist, für die wir, wie für alles, zwar keine genügende, aber doch althergebrachte und schön klingende Entschuldigung haben.

Hinter der Szene fallen wieder zwei scharfe Schüsse.

Bumm! Bautsch!

Und haben werden, so lange jene Worte des Dichters gelten: »Das Leben ist der Güter höchstes nicht«, wenngleich wir es durch uns und insbesondere durch andere möglichst schön gestalten. Amen!

Assessor von Lenin tritt feierlich ein. Von seinem Zylinder, den er aufbehält, wallt ein riesiger Trauerflor.

ELSA: Was ist geschehen?

ASSESSOR VON L.: Tot. Schuß in die linke Seite, zwei Zoll oberhalb der Herzspitze. Kugel noch im Körper.

FRAU VON L.: Ihm ist wohl.

BOTHO VON L.: Er fiel für das Höchste, für seine Ehre.

Gerührte Gruppe.

Vorhang

Die Tochter des Feldwebels

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Ein General

Ein Oberst

Ein invalider Feldwebel

Unteroffiziere

Soldaten

Der preußische Genius

Der preußische Aar

Ein hoher Beamter

Ein höherer Beamter

Ein höchster Beamter

Zeit: Gegenwart

Ort: Preußen

Erste Szene

Festlich geschmückte Bühne. Verschiedene mit Lorbeer geschmückte Büsten. In der Mitte eine Stange, auf welcher der preußische Aar sitzt; seine Flügel sind beweglich und rauschen, wenn man an der hiezu angebrachten Schnur zieht. Es ist der erste September, Sedanstag. Auf der Bühne stehen Unteroffiziere, Soldaten, Invaliden, Volk. Ein General, ein Oberst, ein Hauptmann, ein Leutnant, ein Feldwebel treten auf.

Der General: ‘s ist Sedanstag, der Tag des großen Siegs, Wo Deutschlands stahlbewehrtes, treues Heer In eiserner Umarmung rings den Feind Erdrückte und im Grimm zu Boden schlug, So wie des Himmels Wächter, Michael, Der tapfren Deutschen Schlachtenschutzpatron, Dereinst den giftgeschwoll’nen Drachen schlug; ‘s ist Sedanstag, wo wir dem neuen Reich Die erste Perle in das Diadem Einfügten, noch bevor es recht erstand, Es ist der Ehrentag für die Armee, Plä… plä… plä…

Die Kinnlade des Generals fällt herunter; sie hat sich durch frühere Reden aus dem Gelenke verschoben. Ein Unteroffizier stürzt vor und richtet dem General die Kinnlade ein.

Der General: Ich danke dir, mein Sohn. – Es ist der Tag, Wo die Armee sich so mit Ruhm bedeckt, Und sich den Schlachtenlorbeer um die Stirne wand, Der in Jahrtausenden noch frisch ergrünt, Es ist der Tag, wo Preußens stolzer Aar, Zur Sonne lenkte den erhab’nen Flug.

Ein Unteroffizier zieht an der Schnur. Der preußische Adler auf der Stange rauscht mit den Flügeln.

Ihr alle, die ihr tragt den bunten Rock,

Vom Offizier bis zum gemeinen Mann herab,

Die ihr das Kleid der Ehre euer nennt,

Euch wölbt am heut’gen Tag ein Hochgefühl

Die breite Brust… plä… plä…

Dem General fällt wieder die Kinnlade herunter: ein Unteroffizier stürzt vor und richtet sie ein.

Der General: Ich danke dir, mein Sohn! – Ein Hochgefühl Braust durch die Adern, und das heiße Herz, Das ungestüm an eure Rippen pocht, Es sagt mit jedem Schlage, den es tut: Ich bin das Höchste, Beste auf der Welt, Ich bin Soldat, ein preußischer Soldat! Hurra! hurra! hurra!

Alle stimmen brausend ein, ein Unteroffizier zieht lebhaft an der Schnur, so daß der Adler fieberhaft mit den Flügeln schlägt.

Oberst tritt vor:Exzlenz! Remment! Erhab’nes Wort, Wie Flamme lodert, Gut und Blut, Den letzten Tropfen, schönsten Tod, Die Fahne, Ehrenbanner, nie zurück, Wenn Tod und Teufel, König, Vaterland! Hurraaa!

Der invalide Feldwebel: Verstattet mir bei diesem Fest ein Wort! Ich bin ein Krüppel, seht ihr, denn mein Bein, Es liegt in Frankreichs Erde irgendwo; Bei Sedan traf mich der verdammte Schuß, Der mir für immer nahm der Jugend Kraft. Doch hört mich gut, ihr Jungen, die ihr jetzt Wie einstens wir dem Vaterlande dient, Nie hat mich Alten dieser Schuß gereut, Die Kugel traf mir Knochen nur und Fleisch, Doch nicht den Mut, nicht das Soldatenherz. Das blieb gesund und frisch. Ich wußte ja, Verlor ich auch das bißchen Menschenglück, Mir blieb erhalten noch das beste Teil, brüllt furchtbar:

Die Ehre blieb mir, ja! Die Ehre blieb,

Das andre gab ich für den König hin,

Und wahrlich, nie hat mich der Schuß gereut!

Tränen rollen in seinen weißen Bart, der General umarmt ihn stürmisch.

Der General: Mein Kamerad! Mein tapfrer Kamerad, Erlaube mir das herzlich traute Du, Zusammen lagen wir in Feindesland, Gemeinsam hielten wir die treue Wacht. Ein Lagerfeuer hat uns oft gewärmt, Drum sind wir Freunde, Brüder sind wir uns, Es schwindet jeder Rangesunterschied, Ein jeder ist dasselbe, ist Soldat, Drum Kamerad, gib deine tapfre Hand.

Schüttelt ihm herzhaft die Hand, während alle Anwesenden in Hurrarufe ausbrechen. Im Hintergrunde erscheint bengalisch beleuchtet der preußische Genius – als Erzengel Michael.

Der preußische Genius: So ist es recht! Mein Herz ist hocherfreut, Weil mir beschieden war, dies Bild zu schau’n. Vernehmt, und hütet treu als gold’nen Schatz, Was ich euch sage. Stets wird Preußens Heer Den höchsten Ruhm genießen, wenn ihr so In dem Bewußtsein alle einig seid: Die größte Ehre leihet euch der Dienst, Die größte Ehre leihet euch der Rock, Ihr seid des Volkes Blüte, seid sein Schmuck, Das Banner rauscht als heiliges Symbol, Nicht über einen – über alle hin; Die Ehre ist der Menschheit höchstes Gut, Daß sie euch allen gleich beschieden ward, Sei bis zum letzten Tage euer Stolz! Seid dankbar! Dankbar! Dankbar! So wie euch dankbar ist das Vaterland.

Verschwindet. Alle stehen tief erschüttert. Dem General fällt die Kinnlade herunter. Die Augen des Adlers (rote Glühlichter) leuchten, während er wieder mit den Flügeln rauscht. Bengalisches Feuer. Kanonenschläge. Die Musik spielt die Wacht am Rhein. Der Vorhang fällt.

Zweite Szene

Bureau eines hohen Beamten. Der hohe Beamte ist von seinen Untergebenen umringt.

Der hohe Beamte: Nun, meine Herren, ich habe mich verlobt.

Die Untergebenen: Wir gratulieren! Gratulieren! Gratulator!

Der hohe Beamte: Es ist ein hübsches Mädchen aus dem Volk, Gebildet, häuslich, tugendhaft und lieb!

Die Untergebenen: Dem schönen Bunde alles Erdenglück!

Der höhere Beamtetritt auf:Mahlzeit! Was wollt’ ich sagen? A propos Mein Bester, ist es wahr, Sie sind verlobt?

Der hohe Beamte: Seit gestern, ja.

Der höhere Beamte: So? So? Wer ist die Braut?

Der hohe Beamte: Die Braut heißt Maier.

Der höhere Beamte: Und der Herr Papa?

Der hohe Beamte: Er ist ein königlicher Sekretär.

Der höhere Beamte: Man munkelt, doch ich weiß es nicht bestimmt, Daß er Feldwebel war?

Der hohe Beamte: Gewiß. Das stimmt.

Der höhere Beamte: Feldwebel! Ehemals Kommißsoldat, Nichts als Kommiß?

Der hohe Beamte: Sie hören recht.

Der höhere Beamte: Na, sagen Sie, mein Bester, glauben Sie, Daß die Verbindung nicht sehr stark chokiert?

Der hohe Beamte: Der Mann hat sich stets tadellos geführt.

Der höhere Beamte: War tadellos? Na, tadellos ist gut, Doch glaub’ ich schwerlich, daß es ganz genügt; Dort kommt der Höchste, der Sie nun vielleicht Darüber aufklärt.

Der höchste Beamtetritt auf:Äh, a was ist doch? Sie sind, so ward ich heute informiert, Verlobt. Der Vater Ihrer lieben Braut War mal Soldat, so ‘n Unteroffizier?

Der hohe Beamte: Feldwebel.

Der höchste Beamte: Ei, da sieh! Von solchem Rang? Feldwebel war er? Und Sie nahmen an, Wir geben wirklich Ihnen den Konsens?

Der hohe Beamte: Er trug des Königs Rock.

Der höchste Beamte: Sehr schön gesagt. Doch bitte keine Phrasen! Diesen Rock Trägt der Gemeine auch. Wir sollen wohl Demnächst erleben, daß sich unser Kreis Mit Töchtern von Gefreiten unterhält?

Der hohe Beamte: Verzeihung, Exzellenz. Ich dachte…

Der höchste Beamte: Sie dachten nicht, Sonst hätten Sie die Sache überlegt, Und mußten wissen, daß Sie Ihrem Rang Mehr Rücksicht schulden.

Der hohe Beamte: Exzellenz, der Mann, Zwei Ehrenkreuze trägt er auf der Brust, Und beide hat im Krieg er sich verdient.

Der höchste Beamte: Das soll mir imponieren? Denken Sie? Ich schätze diese Dinge richtig ein, Man braucht sie ganz gewiß; denn für das Volk Sind sie verwendbar. Ist mal so ein Fest Von Veteranen, Schützen, Feuerwehr, Dann laß ich ab und zu mich auch herbei, Den guten Leutchen dies und jenes Lob Zu sagen; schüttle wohl auch mal die Hand Von dem und jenem. All das kann man tun. Doch eines nicht. Man macht sich nicht gemein Mit Leuten niedern Ranges. Das entehrt!

Der preußische Genius erscheint.

Der Genius: Das war ein gold’nes Wort zur rechten Zeit! Die Ehre ist des Amtes bester Teil; So wie ein blanker Spiegel wird sie rasch Vom leisen Hauch getrübt. Gewiß, es hat Des Feldes Webel auch ein Menschenrecht, Und der Begriff von Ehre lebt in ihm. Ein andres ziemet dem gemeinen Volk, Und wieder andres ziemt dem hohen Amt. Dies unterscheidet immer, streng und ernst! Nur so gedeiht des Preußen Vaterland.

Der Genius verschwindet von der Bühne und der hohe Beamte vom Schauplatz.

Der Sieger von Orleans

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Miadei

Seppei

Der Vater

Ein Postbote

Erster Akt

Miadei: Jessas, der Seppei!

Seppei: Grüaß di Gott, Deandl! Vom höchsten Berg bin i abag’stiegen, bloß daß i dir in deine zwoa Äugerln schaugen ko. Dö san so klar, als wia der Bergsee, wann der Schnee vergeht und die Veigerln blüahn.

Miadei: Is wahr, Seppei? Aba da Vater!

Seppei: Ah was! Auf dein Vata – ah, hon i net denkt.

Miadei: Er hat’s aba verboten, daß i mit dir z’sammkimm!

Seppei: Is die Liab net das höchste G’fühl in der Menschenbrust?

Miadei: Aba das vierte Gebot Gottes!

Seppei: Ah was – auf das vierte Gebot – ah, hon i net denkt.

Miadei: Oh, mei liaba Bua, tua net a so freveln!

Seppei: Schau, Deandl, i bin so muatterseelenalloa auf da Welt, i hab nix als wia di, und wann d’mi du a nimmer mogst, nacha ziag i furt in Kriag, wo die Schlacht am heißesten ist, oder i geh zu die Hindianer nach Amerika.

Miadei: Na, Seppei, dös derfst net toa. I mag di ja.

Seppei: Miadei!

Hinter der Szene furchtbares Gepolter. Türe wird zugeschlagen, ein Tisch umgeworfen. Teller fallen herunter. Der Vater tritt total besoffen auf.

Der Vater: Herrgottsakrament!

Miadei: Vater, tua d’ net versünd’gen!

Der Vatersieht den Sepp: Halt’s Maul! Is der Lumpf scho wieder bei dir. Hab i net…

Seppei: Großbauer, i hab koa Geld und koan Hof, aba koa Lump bin i net! Großbauer!

Der Vater: A Lumpf bist, a ganz a hundshäutener…

Seppei: Großbauer, du kannst vom Glück sagen, daß i dei Tochter gern hab, sonst tat i mei Ehr an dir rächa.

Der Vater: Mach daß d’ außi kimmst, du Haderlump!

Miadei: Vata, schimpf den net, dem mei Herz g’hört.

Der Vater: So? So kimmst du daher? Is das die Ehrfurcht vor den grauen Haaren von dein Vata, du Luader du!

Miadei: Jessas!

Der Vater: Und dei Religion? Kennst du net Gottes Gebot, du Loas, du miserablige?

Seppei: Großbauer, dös reut di no auf dein Totenbett, was d’ jetzt g’sagt hast.

Miadei: I ko nimma glückli wer’n in dem Leben.

Seppei: Du zerreißt den Faden der Kindesliebe gewaltsam.

Der Vater: Herrgottsakrament!

Seppei: Bleib stark, Miadei, i laß net von dir.

Der Vater: Deandl, i gib dir mein väterlichen Fluach, wann der Mensch no a Minuten im Zimmer is.

Miadei: Jessas, geh Seppei, geh Seppei!

Seppei: Also muaß i, und nacha in Gott’s Nam. Siehgst Miadei, i hätt di durchs Leben trag’n auf meine starken Arm’, koa Stoandl hätt di ang’stoßen…

Der Vater: Gehst net, du Bazi, du ganz schlechter!

Seppei: I geh! Pfüat di Gott Miadei, mi siehgst nimma! Ab. Feierliche Stille. Der Vater nimmt den Hut ab. Miadei schluchzt.

Der Vater: Es is hart, wenn man streng sei muaß. Das Herz hat mir bluat, aba die Ehre is das Höchste von an Bauern, und mei Tochter derf koan Dienstboten heirat’n. Des war gegen die sittliche Weltordnung. So, Miadei, jetzt hör amal ‘s Rotzen auf, sonscht schlag i dir’s Kreuz o, du Loas, du miserablige.

Miadei: O, mei liaba Bua!

Der Vater: Jetzt geh i zum Wirt, du ehrvergessene Tochta, und trink no a sechs, a sieben, an acht Maß Bier. Und du bet dawei zu dein Herrgott, daß er di auf den rechten Weg bringt, du Malafizkrampen, du ganz verdächtige. Geht hinaus. Poltern. Stühle-und Tischumschmeißen. Teller klirren.

Miadeikniet: Der Himmlvata wird no alles recht machen.

Zweiter Akt

Miadei sitzt auf einem Stuhl und strickt: Jetz is a Jahr, daß mei liaba Bua in Kriag furt is, und seit zwoa Monat hab i nix mehr g’hört davo, seufzt, i – ja! Und der Vater laßt sie net derweichen. Jessas, da kimmt er. Spektakel wie im 1. Akt.

Der Vater total betrunken: Herrgottsakrament!

Miadei vorwurfsvoll. Scho wieder an Rausch, Vata!

Der Vater: Red net so dumm daher. Hast, hast net g’hört, daß der bayrische Löwe den französischen Hahn derworfa hat. Da g’hört si für an Bayern, daß ma dös feiert.

Miadei seufzt: I – ja!

Der Vater: So fest wia unsere Berg steht die Treue zum angestammten Herr… Herr… Herrgottsakrament, Herrscherhaus, daß das woaßt, du Schlitt’n, du ausg’franzter.

Miadei: Ja, aber die tapferen Krieger, de wo die Siege erfochten haben, de ehrst du net.

Der Vater: Aha, du moanst an Seppei. Da werd nix drauß. Ein scharfer Pfiff ertönt hinter der Szene. Dann der Ruf » Miadei «, nochmals ein Pfiff.

Miadei: Dös war an Seppei sei Stimm! Allmächtiger Gott! Seppei tritt herein, die Brust voller Orden, eine Militärmütze auf dem Kopfe. Miadei fliegt ihm entgegen und schreit: Seppei!

Der Vater: Halt! Da bin i aa no do.

Seppei: Großbauer, i bi nimma der arme Deanstknecht. Schau her! Deutet auf seine Orden. De hab i mir g’holt auf’n Schlachtfeld.

Der Vater: I liab mei Vaterland, du Hanswurscht, du dappiger, i liab’s aus vollem Herzen, wia’r a Kind sei Muatta liabt.

Miadei: Nacha muaßt aa den liaben, der wo’s verteidigt.

Der Vater: Dös is was anders. De feste Ordnung ist vom Herrgott g’setzt, daß de Tochta von an Bauern koan Knecht heiraten derf.

Seppei: Wo steht dös?

Der Vater: Dös steht in unserm Herzen g’schrieben.

Miadei: Na, Vata!

Der Vater: Ja, sag i, du triaugete Stallatern!

Seppei: So schmeißt also du den Sieger von Orleans außi?

Der Vater: I muaß, und wenn’s mi aa hart o’kimmt.

Seppei: Miadei, im heißesten Schlachtgetümmel is mir net so z’Muat g’wen, als wia in dera Stund! Der Säbelhieb von dem französischen Kürassier hat mi net a so g’schmerzt, als wia der Abschied vo dir, du armes Deandl.

Der Vater: Jetzt halt amal ‘s Mäu, du Bluatsmensch!

Der Postbote: A Briaf, a Briaf!

Der Vater: Vo wem?

Seppei hat den Brief genommen: Dös is unserm Kini sei Handschrift.

Miadei: Vom Kini? Von…

Der Vater: Von unserm Kini? Was schreibt de Majestät?

Seppei: Glei, glei… liest vor: »Es ist mein allerhöchster Wille, daß der Großbauer von Wall seine Tochter dem Unteroffizier Josef Brandstetter gibt, für bewiesene Tapferkeit.«

Der Vater: Steht dös wirkli drin?

Postbote: Jawoll, so hoaßts.

Der Vater: Wenn der Kini dafür is, ko da Großbauer net dagegen sein. In Gott’s Nam, heirats enk halt.

Alle rufen: Es lebe der Kini und das Bayerland!

Die Musik spielt die Königshymne. Bengalische Beleuchtung. Alpenglühen und Bergfeuer.

Finstere Zeitenoder Der Leberkas

Inhaltsverzeichnis

Personen:

Der alte Eckmaurer

Xari und Schorschi, seine Söhne

Beni

Zenzi, Xaris Ehefrau

Zwei Kinder

Ein Volksredner

Spielt in einem Wirtsgarten in Giesing an einem sonnigen Montagnachmittag. Man hört eine Ziehharmonika aus der Ferne.

Der alte Eckmaurer traumverloren: Dös war selbigsmal, wie mir no zehn Stund g’arbet hamm…

Xari aufschreiend: Zehn… Schtund?!

Schorschi: G’arwat?!

Der alte Eckmaurer: Ja… ja… wenn i’s sag… zehn Schtund…

Der Volksredner zornig aufschnellend:Zehn Stunden Sklavenfron! Zehn lange Stunden! Blutrünst’ger Sklaverei! Die harten Hände Von Schwielen übersät, und so erlahmt, Daß keine Faust sich ballen konnt… o Volk!

Schorschi: Lassen S’ an Vater verzähln…

Zenzi ruft hinter die Szene: Pepi! Nanni! da kommts her! da kommts eina! Die Kinder kommen. Gehts zum Großpappi her, er verzählt von der bä… bä Arbeit… horchts no zua… daß ‘s beizeit’n an Abscheu kriagts… Die Kinder umdrängen den Eckmaurer.

Der alte Eckmaurer: Glei… glei. Wo hab i denn mei Brisilglasl?… Ah… so… Da waar i jetzt beinah mit ‘n Arm drauf g’sessen… öffnet mit zitternder Hand das Brisilglas und haut sich eine Prise auf die Hand… Ja… meine liab’n Kinder… dös Brisilglasl da… dös war oft mei Trost im Unglück… in der Gschlaverei… Also dös war selbigsmal. Von sechsi in der Fruah bis um sechsi auf d’ Nacht war i am Bau…

Beni: Dös san ja zwölf Stund!

Schorschi: Herrgottsaggera… wenn ma so was hört… heut derfat i koan Balier begegna… is guat, daß‘s Montag is…

Volksredner: O Sonne! Kaum entstiegst du deinem Bette, O Tag, kaum bleichtest du nach müder Nacht, Da schleppt sich dieser Märtyrer der Arbeit Zu neuer Qual…

Xari: An Vater laß red’n… Zwölf Stund… Vata?

Der alte Eckmaurer: Zwoa Schtund hamm ma Mittag gmacht, aber de ander Zeit… Ja, Leut, wenn man so dran denkt… um sechsi steigt ma nauf, ziahgt an Janker aus, ziahgt an Schurz o, suacht sei Latt’n, legt sei Brisilglas auf an Stoa, derwei hat ma sein Hammer vagess’n, steigt oba und holt’n, richt’ sei Kell’n her und wart auf d’ Mörteltruchn… Endli is simmi worn. Ja, Leut, da lernt ma, wia hart’s Wart’n is… um simmi komma s’ mit der Biertrag’n, no da nimmt ma sei Maß und trinkt amal, na nimmt ma an Stoa, dös hoaßt also an Ziagelstoa, und haut dro rum, bis der Genosse kimmt, der wo neben oan arwat und was wissen möcht. Na haut ma an Mörtelbatzen ani und setzt an Stoa auf und ruckt hin und ruckt her, und will mess’n, aber daweil hot der Genosse sei Latt’n vagess’n und hat de dei z’leich’n g’numma. No, na holt man sei Latt’n bei dem Genossen, und da fallt oan was ei, was ma wissen möcht, und na geht ma z’ruck und nimmt sein Stoa, nämli an Maßkruag, und trinkt amal. Und na nimmt ma d’ Latt’n und meßt… no und mit dera Arwat is langsam halwi neuni worn. Da is de erste Brotzeit g’wes’n; da san s’ mit der Biertrag’n komma… de hat a halbe Stund dauert, de Brotzeit.

Nachdem hat ma si wieder zu der Arwat g’richt, stellt sei Latt’n zuawi, legt sei Brisilglasl auf an Stoa und fängt wieder o. Ja Leut, aber dös war net dös härteste. Heute habts ös de Betriebsrät, de wo bloß Obacht geb’n, daß d’ Arwat rechtzeiti aufhört, selbigsmal hat’s Aufpasser geb’n, de beobacht hamm, daß d’ Arwat rechtzeiti o’fangt…

Schorschi, Xari, Beni erregt: Ja… ja! Ja… Bluat von da Katz!

Der alte Eckmaurer mit erhobener Stimme: Balier hamm ma g’habt, Balier, de san g’wen, wia sag i denn glei? Wia de Hyänen; de san um oan rum g’schlicha, hamm de g’schlitzt’n Aug’n auf oan g’richt’, san nimmer weg, hamm oan nimmer aus de Aug’n lass’n, und zählt hamm s’, wia oft daß ma si schneizt, und aufg’schrieben hamm s’, wia oft daß d’ mit Reschpekt nunter g’stiegen bist zu dein Bedürfnis. Sehr aufgeregt. »Dös möcht i derleb’n«, hat amal zu mir a Balier g’sagt, »dös möcht i derleb’n, daß Sie in der Brotzeit d’ Hos’n umdrahn«… in da Brotzeit, sagt er. »Sie«, sag i, »Herr Balier«, sag i… »d’ Natur laß ma’r i von Eahna net vorschreiben, und von da Natur«, sag i, »laß i mir mei Brotzeit net verkürz’n…«

Der Volksredner: Werktätig Volk, im innersten Empfinden Gekränkt, beleidigt, vergewaltigt oft, Wie mußte sich der Zorn in deinem Herzen Zur Lava ballen, bis sie glühend dann Von keiner Schranke mehr gehalten wurde, Und rauchend, Flammen speiend, fürchterlich Hernieder stürzte…

Schorschi: jetzt lassen S’ an Vater red’n…

Der kleine Pepi: Großbabbi, wann bis denn in Dino danga?

Der alte Eckmaurer: Was sagt da Bua?

Zenzi: Er moant, wann du ins Kino ganga bist, weil i alleweil um vier Uhr einigeh… dös woaß der Bua.

Der alte Eckmaurer wehmütig: O mei Bua, zu derselbigen Zeit da hat’s koa Kino geben für den armen Mann aus ‘n Volk… Also, daß i weita verzähl… Im Nachmittag nach ‘n Essa is dös gleiche g’wen. Bloß daß ma allaweil härter g’wart’ hat, je näher da Feierabend komma is. O meine Leut, wenn da wo a Kirchenuhr g’wen is, wia oft hab i da de Zeiger zuag’schaugt, wia’s oan Rucker um den andern macha, fünf Minut’n… no amal fünfi… no mal… Jessas! Jessas! Werds denn gar net sechsi? Und endli is as wor’n… endli…

Xari: Daß si de Menschheit dös g’fallen hat lassen!

Schorschi: Und ausg’halt’n… Daß du so a Leben ausg’halt’n hast, Vater!

Der alte Eckmaurer: Ja no… wia ‘r i sag, mei Brisilglasl…

Beni: Und daß halt aa was Richtigs zum Essen geben hat…

Der alte Eckmaurer: Und a Bier. Mit dem Schäps da, mit dem g’farbt’n Wassa, hätt ma de Arwat net leist’n kinna. Mir hamm a Bier g’habt, was a Bier hoaßt. Und zu da Brotzeit an Leberkas, an warma, notabeni, und so groß wia ‘r a Ziaglstoa. Da hat ma si sei Kraft wieda g’holt.

Der kleine Pepi: Großbabbi, was i denn a Lebadas?

Zenzi: Was a Leberkas is, fragt a.

Der alte Eckmaurer tief erschüttert: A Leba… Ja so… Du arma Bua! Dös Kind hat no koan Leberkas net g’sehg’n… Es kimmt oan vor, als kunnt so was net sei… an de Unmenschlichkeit denkt ma net… O mei Bua… Was a Leberkas is? Es is halt a Kas, woaßt, aber koa solchena Kas, wia der Kas, den wo du kriagst… es laßt sie net beschreib’n… du arms Kind, du woaßt ja nix von da guat’n alt’n Zeit…

Schorschi: Jetzt hoaßt d’as du a so?

Der alte Eckmaurer barsch: Brotzeit moan i natürli. Ös habts allerdings de besserne Arwatszeit errungen, aber de besserne Brotzeit hamm mir g’habt…

Der kleine Pepi heulend: I mecht an Lebadas!

Der alte Eckmaurer erschütternd: I glaab di’s, du arms Kind… i mecht ja aa wieder oan. Mir alle mecht’n oan. Wann ma’s richtig o’schaugt, waars ma glei liaba, a guats Bier, a Trumm Schwartnmag’n oder a Surhax’n und an Kabidalismus dazua…

Xari: Gegen de zehnschtündige Arwat hätt i mir scho helfa kinna…

Schorschi: Und gegen de Unterdrückung…

Beni: Hätt’n ma halt g’suffa, bis ma’s nimmer g’spürt hätt’n.

Der alte Eckmaurer: Der alte Seehauser Ferdl hat’s allaweil g’sagt. Hörts mir auf, hat a g’sagt, mit enkern G’schroa nach der neuen Weltordnung! I will de alte, wo ‘s blau macha lustig is und wo mi a jede Viertelstund freut, um de i an Balier b’scheiß… Jetzt hamm ma d’ Freiheit…

Schorschi: Und de achtstündige…

Beni: Und an Plempi…

Xari: Und koan Leberkas…

Der Volksredner: O Fluch der Menschheit, daß es nichts Vollkommnes, Daß es kein wahres Glück gibt auf der Welt. O elend Schicksal aller Erdgebornen! Bedenk ich’s recht, so war umsonst der Kampf, Der heiß und lang geführte um die Freiheit… Wir feiern unsern Sieg mit diesem Bier, Das keiner unsrer Väter je getrunken… Sind wir nicht tiefer noch als sie gesunken?

Der alte Eckmaurer, Xari, Schorschi, Beni unisono: Himmi… Herrgott… Bluat… Himmi… Herrgott Der kleine Pepi: I mecht an Lebadas

Der Vorhang fällt über der trauernden Gruppe.

Brautschau: Bauernschwank in einem Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Personen

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Personen:

Inhaltsverzeichnis

Korbinian Christl, Sedlbauer von Weidach Rosina Christl, sein Weib Simon, beider Sohn Jakob Elfinger, Schmuser Ursula Geisberger, Bauerntochter von Arnbach Alois Palser, Viehhändler Maria Atzenhofer, Gütlerstochter von Glonn Afra Salvermoser, Gütlerstochter von Zeitlbach Monika Salvermoser, ihre Mutter

Ort: Im Hause des Sedlbauern in Weidach, einem Dorf der Dachauer Gegend.

Zeit: Gegenwart. Herbst.

Große, reinliche Bauernstube nach alter Art. Rechts im Herrgottswinkel ein viereckiger Tisch, um zwei Seiten desselben Bänke, die in die Wand eingelassen sind und in der Ecke zusammenstoßen. Stühle. Links, mehr nach vorne, ein Kachelofen, um den eine Bank läuft.

Heiligenbilder, ein Gedenkblatt an die Militärzeit, ein Diplom des landwirtschaftlichen Vereins hängen an den Wänden.

In der Rückwand zwei Fenster mit Blick in den Hof, in dessen Mitte ein Taubenkobel steht. Stallungen und Scheunen mit Stroh gedeckt. Rechts eine Tür, die in den Flötz, links eine Tür, die in die Schlafkammer führt.

Erste Szene

Inhaltsverzeichnis

Wenn sich der Vorhang hebt, ist die Bühne leer. Man hört vor der rechten Tür die scheltende

Stimme der Sedlbäuerin: Und so gang’s bei ins allawei, oan Tag für den andern! Und ‘s Sach geht mit G’walt z’ Grund…

Während der letzten Worte hat der Sedlbauer die Tür geöffnet und humpelt herein. Den rechten Fuß hat er wegen der Gicht eingewickelt. Er zieht ihn beim Geben nach und stützt sich auf einen derben Stock. Unmittelbar hinter ihm tritt die Sedlbäuerin ein, immer noch scheltend.

Sedlbäuerin: Is ja wahr aa! Jetzt geht ins da Gaul woaß Good wia lang krumm! Ja, was soll denn dös wern?

Sedlbauer: Was halt sunst aa worn is. Grad geht er wieda, wenn er lang gnua krumm ganga is.

Sedlbäuerin: Ja, wia redst’n na du daher?

Sedlbauer: Plärr no net gar a so! Du bist scho so a müads Weibsbild!

Sedlbäuerin: Da waar mi müad, bal ma d’Wahret sagt.

Sedlbauer: Sagt! Was hab denn i von dein Sag’n?

Sedlbäuerin: Weil’s bei ins gar nimma ausgeht, und jed’n Tag feit was anders.

Sedlbauer: Und jed’n Tag machst du an Krach her. Sinscht hast du di wohl it kümmert um an Roßstall.

Sedlbäuerin: Eppa wer muaß si na do kümmern, du hockst da herin bei’n Ofa.

Sedlbauer: Für was is na dei Lapp da, da Simmerl?

Sedlbäuerin: Der hat koa Recht it zu’n o’schaff’n, und wer ‘s Recht it hat, werd it g’hört.

Sedlbauer hat sich auf die Ofenbank gesetzt: Ja, ja! I hör di scho geh’.

Sedlbäuerin: Is vielleicht it wahr? Er hat koa Recht it, und du hockst da herin bei’n Ofa!

Sedlbauer: Hock i gern da? Moanst d’, mir waar’s net liaba, du hättst mein Wehdam?

Sedlbäuerin: Jetzt hoscht’n halt amal! Und bal koa Mannsbild net hinter de Deanstbot’n her is, geht’s nimma um. Dös sag i.

Sedlbauer gutlaunig und etwas spöttisch: Dös sagst du, und oft gnua. Es werd halt nix mehr, bis i net dein Simmerl an Hof übergib.

Sedlbäuerin: Er is dei Bua so guat wia da mei.

Sedlbauer: Aba i ko mei Liab a bissel bessa z’ruckhalt’n.

Sedlbäuerin: Du haltst so lang z’ruck, bis er auf und davo geht.

Sedlbauer: Der geht net weit.

Sedlbäuerin: Is ja wahr aa! Jetz is da Mensch dreißg Jahr alt und hat no koan Aussegh’n gar it, daß er ‘s Sach kriagt.

Sedlbauer: Dös lafft eahm net davo.

Sedlbäuerin: Du werst halt aa toa müass’n, was da Brauch is.

Sedlbauer: Amal scho.

Sedlbäuerin: Wann er z’alt is zun heiret’n, gel? Und bal er koa Freud nimma hot und bal’s Sach obakemma is.

Sedlbauer gemütlich: Kimmt’s oba?

Sedlbäuerin: Vielleicht net, bal d’ Deanstbot’n grad Schindluada treib’n!

Sedlbauer gutmütig spöttisch: Es is a Kreuz! ‘s Troad mag nimma wachs’n bei de alt’n Leut, und ‘s Viech hat koa Freud mehr mit ins. Derfst as glaab’n, Rosl, deine Henna halt’n aa scho d’ Oar zruck für a junge Bäurin.

Sedlbäuerin setzt sich an den Tisch.: Du bist scho so dumm, daß d’ no Spaßetln machst.

Sedlbauer: I moan allawei, de Dümmer bist du. Weilst d’as gar net dawart’n kost, daß ‘s da schlechte geht.

Sedlbäuerin: Es werd bei ins sei, wia’s bei ander Leut’n is.

Sedlbauer: Aba wia is bei ander Leut’n? Dös siehgst du z’weni, sinscht tatst net so pressiern.

Sedlbäuerin: A mei!

Sedlbauer: Wart no, bis d’ im Austrag hockst un de jung Bäurin blast d’ Milli dreimal o, vor’s da’s hi’schiabt, weil dös schlachtest no z’ guat is für de Alt’n.

Sedlbäuerin: Gar so arg werd’s it wern, und was amal sei muaß, laßt si net aufhalt’n.

Sedlbauer: No, a wengl hab i’s aufg’halt’n.

Sedlbäuerin: Wia lang geht’s denn no? Du redst, als wannst d’ da allerbest waarst, und dawei seit dir allbot was.

Sedlbauer: Feit ma was. Sell scho. Aba schaug, es is halt aa wieda schö, wia ma si jetzt um mi kümmert. Alle Damma lang wer i g’fragt: Wia geht’s da denn, Vata? Und moanst do, du werst wieda? Und moanst net, es geht da heunt schlechte? Bal i amal im Austrag hock, schaugt mi koa Katz nimma o…

Zweite Szene

Inhaltsverzeichnis

Simon tritt von rechts ein. Hemdärmelig, die Schürze vorgebunden, in Stallpantoffeln. Er geht ohne Gruß mürrisch durch die Stube gegen die linke Tür. Die Mutter schaut ihm bekümmert, der Vater spöttisch nach. Vor er zur linken Tür kommt, ruft der Sedlbauer, so wie man Pferde zum Stehen bringt.

Sedlbauer: Ö – i! Heb staad!

Simon bleibt stehen, mürrisch: Han?

Sedlbauer: Was tuast d’ denn?

Simon kurz: A Schmier’m hol i.

Sedlbauer: Wia geht’s denn an Gaul?

Simon barsch: Vo mir aus, wia’s mog.

Sedlbauer: A so! Dös bekümmert di nix?

Simon: I bi grad da Knecht.

Er geht links ab und wirft die Tür hinter sich zu.

Dritte Szene

Inhaltsverzeichnis

Sedlbauer gutmütig spöttisch lachend: Host d’n g’sehg’n, dein künftig’n Herrn Sedlbauern?

Sedlbäuerin: Ja no! Er is halt vadross’n.

Sedlbauer: Der werd scho no vadrossner, bal er amal Herr is, und du willst was von eahm. Paß auf, wia der nacha erscht d’ Tür’n zuaschmeißt.

Sedlbäuerin: Da waar all’s anderst.

Sedlbauer: Waar’s, wia’s möcht, mir müaßt’n ‘s hamm, aba jetzt derf i halt no’s Mäu aufmacha.

Sedlbäuerin: Geh! Du werst na do scho koan Krach it macha!

Sedlbauer gemütlich: Braucht’s ja net. An Krach macht ma, bal ma sunst nix macha ko. Aba jetzt hab i ‘s Recht in Händ’n, und bal mi’s freut, leg i eahm etla Monat zua, de er wart’n muaß.

Sedlbäuerin: Jessas na! Mit enk Mannsbilder kunnt oan d’ Freud scho vageh.

Vierte Szene

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Simon kommt von links zurück mit einer Flasche.

Sedlbäuerin begütigend: Du, Simmerl, an Vata muaßt scho Red und Antwort geb’n!

Simon mürrisch: I ho eahm ja g’sagt, daß i a Schmier’m hol.

Sedlbauer: Z’weg’n was denn, wann’s da wurscht is, wia’s mit’n Gaul geht?

Sedlbäuerin: Es is eahm ja it wurscht! A so muaßt d’ aa net red’n, Vata!

Sedlbauer: Host d’as it g’hört, wia’r as g’sagt hot?

Simon einlenkend: Wei… wei… bei ins gar nix dakennt is. Von in da Fruah bis auf d’ Nacht derfst d’ arbet’n.

Sedlbauer: I hon aa g’arbet.

Simon: Du host d’ do g’wißt, für was. U… und host it zuaschaug’n müaß‘n, wia’s Sach z’ruckgeht.

Sedlbauer: Ahan! Kennst d’as du aa, daß mir z’ruckhaus’n? Du host mit da Muatta d’ Brill’n tauscht.

Sedlbäuerin: Mi sagt it vo dem, daß mi z’ruckhaust.

Simon: Aba des sell is do wahr, daß bei ins neamd o’schafft. Auf mi pass’n d’ Leut net auf, und du bist it daußt.

Sedlbauer gutmütig spottend: Waar’s d’r liaba, wann i daußt waar und recht reigiern kunnt?

Simon: Dös is amal g’wiß!

Sedlbauer: Na waar aba da Weg no weit bis zun Austragstüberl.

Simon: I woaß net, warum mi da Vata no allaweil hiaselt!

Sedlbäuerin zum Bauern: Des sell brauchat’s net!

Simon: Bal ma si an ganz’n Tag schind’t von in da Fruah bis auf d’ Nacht, und nix ist dakennt.

Sedlbäuerin beschwichtigend: Es is scho dakennt, und jetzt geh zua, Simmerl!

Sedlbauer: Und schmier an Gaul richti ei. Vielleicht g’hört er no dei, vor er umsteht.

Simon: Ja, vor a umsteht…

Sedlbäuerin: Jetzt geh no zua!

Simon im Gehen: Weil’s wahr is. Der Erst auf und da Letzt ins Bett, und dakennt is do nix… Geht rechts ab. Man hört ihn noch hinter der Tür brummen: Und grad o’rackern derfst di, und na werst d’ no dableckt…

Fünfte Szene

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Sedlbäuerin setzt sich seufzend auf einen Stuhl: Na! Da is oans scho net z’ neid’n mit selle zwoa Büffeln, wia’s ös seid’s.

Sedlbauer: Gel? Sagst d’as aa?

Sedlbäuerin: Mi woaß gar it, zu wem daß ma helfa soll.

Sedlbauer gemütlich: No, d’ Bruathenn geht allawei mit die Junga.

Sedlbäuerin: Föppeln ko’st, aba sinscht ko’st nix.

Sedlbauer: Na na! Des sell is koa G’spaß. Ös paßt’s auf n’ Alt’n nimma auf, wenn’s amal Junge habt’s.

Sedlbäuerin: I bin dir a richtige Hauserin g’wen; da werst d’ nix sag’n kinna.

Sedlbauer: Aba jetzt hast d’ koa Ruah, bis d’ mi von Haus und Hof bringst und bis i da Garnix mehr bi.

Sedlbäuerin gut: Schaug, Vata, mi wern halt alt!

Sedlbauer: I g’spür’s no z’weni. Und ‘s Reigiern tat mi g’freu’n. Woaßt, Rosl, in Auswarts mit’n Pfluag außi schleppern bei’n Hof und grad umarbet’n… Seufzt: Ah was!

Sedlbäuerin: Geh! Host di lang gnua plagt.

Sedlbauer: Plag’n is leb’n, und des ander is nix. Lustiger. Und du nacha, Muatta! Was werst d’ na du sag’n, bal di de jung Bäurin aus da Kuchl außi schafft?

Sedlbäuerin seufzt: Dös sell werd’s na it toa.

Sedlbauer: Mach, daß d’ außi kimmst, werd s’ sag’n, du gehst da im Weg um!

Kleine Pause

Sedlbäuerin seufzt wieder: Amal muaß ‘s ja do sei. Na is g’scheidta bei Zeit’n, daß da Simmerl no a richtige Heiret macht.

Sedlbauer gutmütig: Ja – ja.

Sedlbäuerin eifriger: Woaßt scho, Vata, es geit it gar so viel, de mi braucha ko auf an sellan Hof. A Geld muaß sie hamm und an Vastand zua da Arbet und an Fleiß, und haus’n muaß s’ kinna und a brav’s Leut muaß s’ sei… und…

Sedlbauer unterbricht sie: Wia hoaßt sie denn?

Sedlbäuerin: Wer »sie«?

Sedlbauer: No, de halt, wost d’ so lobst. B’steh’s no, du host oani.

Sedlbäuerin: Na, hamm tua i koani.

Sedlbauer schlau blinzelnd: Net?

Sedlbäuerin: Na, mi sagt g’rad…

Sedlbauer: Siehgst, da bin i wieda da besser…

Sedlbäuerin: Was nacha?

Sedlbauer: I hätt oani.

Sedlbäuerin: Du? Geh zua, du hättst mi grad für’n Narrn!

Sedlbauer: Bal a da’s sag! Reibt den Daumen am Zeigefinger. Und koa schlechte.

Sedlbäuerin: Wer waar na de sell?

Sedlbauer: Sagst d’ ma ja du de dei aa net!

Pause. Die Sedlbäuerin ist nachdenklich geworden; sie streicht sich die Schürze glatt. Er kneift ein Auge zu und schaut ihr belustigt zu.

Sedlbäuerin hat einen Entschluß gefaßt: Du, Vata!

Sedlbauer: Was nacha?

Sedlbäuerin: Paß auf, i… i… hätt aa oani.

Sedlbauer: Gel! Hab i di außi kitzelt bei’n Loch wia’r a Grill’n!

Sedlbäuerin: Ja no, des sell ko’st da denka, daß i mi über dös bekümmert hab, und überhaubs… net?

Sedlbauer: Freili. Und wia hoaßt’s nacha?

Sedlbäuerin: Sag ma z’erscht du de dei!

Sedlbauer: Naa! Aba dös werd a langs G’spiel, Alte, bald koans an Trumpf auskart’n mag.

Sedlbäuerin: Woaßt d’, i kenn s’ a no gar it.

Sedlbauer: Net?

Sedlbäuerin: Sie is mi grad varrat’n.

Sedlbauer: So?

Sedlbäuerin: Von an Schmusa. Vom Elfinger Jackl.

Sedlbauer: Mei Liabi, was dir der Spitzbua o’draht…

Sedlbäuerin: Do ko er nix betrüag’n. Ihra Geld muaß sie aufweis’n, und des ander laßt si dafrag’n. Zögert etwas. Sie is vom Leitner vo Arnbach. Geisberger schreibt sie si.

Sedlbauer: Is ma nix bekannt.

Sedlbäuerin resolut: Und daß a da’s glei sag, sie kimmt heut zu ins her.

Sedlbauer: De dei?

Sedlbäuerin: Ja, und da Elfinga damit.

Sedlbauer lacht: Jetzt werd’s recht! Jetzt hamma’s guat troffa!

Sedlbäuerin: Was lachst d’ denn a so?

Sedlbauer: Paß auf, laß da sag’n… mei Schmusa kimmt aa, der Palser Alisi.

Sedlbäuerin: Waar ja net aus!

Sedlbauer: Der werd wahrscheinli aa de sei mitzieahg’n.

Sedlbäuerin: A so a Dummheit!

Sedlbauer: Dös kimmt vo deiner Hoamlichkeit, siehgst…

Sedlbäuerin: Ja, Hoamlichkeit! De ganz Zeit tuast it dergleicha und hört ma nix und auf oamal rennat’n oan d’ Weibsbilder ‘s Haus ei.

Sedlbauer: Von mir is bloß oane.

Sedlbäuerin: Und de Dummheit mag i überhaupts gar it sehg’n. I geh zu da Schuasterin ummi.

Sedlbauer gemütlich: Dös tuast. Oda gehst d’ in Kella obi. Mir tean scho eppas dawei.

Sedlbäuerin: Du moanst allawei, du bist da allerg’scheidtest, aber dös host ganz dumm g’macht.

Sedlbauer: De ander Hälft vo dera Dummheit trifft di, Muatta.

Sedlbäuerin: Jessas! Jessas na!

Sedlbauer lacht gemütlich.: Mir is ganz recht a so. Es rührt si allaweil mehra bei’r an Handel, wann zwoa bieat’n.

Sechste Szene

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Simon tritt von rechts ein.

Sedlbäuerin lebhaft: Simmerl, was sagst d’ denn du dazua? Jetzt hot er aa oani herb’stellt!

Simon sehr gleichmütig: So?

Sedlbäuerin ärgerlich: »So« sagst d’! De von Leitner kimmt aa!

Simon: Na kemman halt zwoa.

Sedlbauer: So hab’s i aa ausg’rechent.

Sedlbäuerin: Aba weita denkt’s ös all zwoa it!

Simon setzt sich auf die andere Seite der Ofenbank: Ich möcht wiss’n, zweg’n was de Weibsbilder kemma? Bal da Vata net übageb’n will!

Sedlbauer: Vielleicht b’sinn i mi anderst.

Simon grob: Ja – – vielleicht – und vielleicht net. Zu so was g’hört na do scho an Ernst her!

Sedlbäuerin zu Simon: Jetzt fang net scho wieder zun mammsen o! Bal’s d’ siehgst, daß er überhaupts auf dös denkt!

Sedlbauer ohne auf Simon zu achten, deutet mit dem Daumen zum Fenster hin. Zur Sedlbäuerin: Da schaug außi!

An den Fenstern geht Elfinger vorbei. Hinter ihm Ursula Geisberger, deren rotwollenes Kopftuch auffällig sichtbar ist.

Sedlbauer: Is dös de mei oder de dei?

Sedlbäuerin: Seid’s no grad staad! Es is scho de mei, weil da Elfinga Jackl dabei is.

Sedlbauer: Na geht ja d’ Gaudi scho o!

Sedlbäuerin: I bi ganz vazagt. Hättst d’no grad geschting g’red’t mit mir!

Sedlbauer: Oder hättst du vorgeschting was g’sagt.

Sedlbäuerin horcht: Pscht!

Siebente Szene

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Die Tür rechts wird geöffnet, und Elfinger tritt ein. Er hat ein rasches, lautes Wesen an sich, wie es Metzgern und Viehhändlern eigen ist. Er ist halb städtisch angezogen. Kariertes, braunes, kurzes Jackett, die Hose aufgekrempelt. An der mächtigen Uhrkette scheppert ein großer Charivari. Auf dem grasgrünen Samthut, den er aufbehält und beim Grüßen nur lüftet, schwippt ein Gemsbart. Er trägt einen Havelock, den er anbehält. Seinen dünnen Stock, mit gebogenem Griff, läßt er nicht aus der Hand. Einen Schritt hinter ihm tritt Ursula ein; sie zieht den Kopf scheu ein und schaut aus ihrem roten Kopftuch kaum heraus. Sie hält die Hände über die Taille verschränkt. In ihren linken Arm hat sie den landesüblichen, ziemlich großen Handkorb mit Henkel eingehängt.

Elfinger pfeift durch die Zähne, dann ruft er sehr laut: Grüaß Good beinand!

Sedlbauer trocken: S’Good!

Sedlbäuerin freundlich: Ja, Elfinga Jackl, kimmst du z’weg’n? Grüaß di Good!

Ursula schüchtern: S’ Good!

Elfinger immer laut: Wia geht’s denn nacha? Zum Sedlbauern, indem er mit dem Stock auf dessen eingefatschten Fuß deutet. Di hat’s wieda, Sedlbauer? Host da’r an Nagl ei’tret’n, oder hot di da Spitzl bissen?

Sedlbauer: Eppas sellas werd’s sei.

Elfinger: Göi, Luada, jetzt kimmt’s auf, daß d’ naß g’fuattert host?

Sedlbauer: Wann ma grad vom Sauf’n krank wurd’ waarst du scho lang ei’grab’n.

Elfinger: I? Da host amal was g’ sagt! Weil’s inseroan scho so viel leid’t!

Sedlbauer: Du saufst aa, bal’s as net leid’t.

Elfinger: An Bier kennt ma’s net o, moanst d’? Da kunnt’st recht hamm.

Sedlbäuerin freundlich zur Ursula: Hockt’s enk do a weng zuawi!

Ursula: Wann’s verlaubt is.

Sedlbäuerin: No freili! Geh no eini in d’ Bank! Zu Elfinger: Vielleicht mögt ‘s a Glasl Schnaps?

Elfinger: Net wer i mög’n!

Sedlbäuerin entschuldigend zu Ursula: Des derft’s heut wohl it z’ fast umschaug’n, weil gar nix g’richt is. D’ Arbet is so viel, und nacha kimmt no allbot was daher, und, woaßt scho, im Stall muaß mi allaweil nachschaug’n, sinscht tean de Weibsbilder grad was mög’n, und zu koana Arbet in Haus kimmst d’ a so scho nimmer…

Elfinger unterbricht sie: Schnaps hast d’ g’sagt, net?

Sedlbäuerin: Ja… ja… i bring an glei, und hock di no amal hi. Sie geht rechts ab.

Achte Szene

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Elfinger setzt sich auf die in die Rückwand eingelassene Bank. Ursula hockt an der seitlichen Innenseite des Tisches. Simon bleibt unbeweglich auf der Bank an der Vorderseite des Ofens sitzen. Er hockt lässig vorgebeugt, die Ellenbogen auf die Schenkel gestützt, und schnullt hie und da gleichmütig an seiner Zigarre, indes er vor sich hin oder ins Leere schaut. Er hat während der ganzen Zeit noch keinen Blick auf Ursula geworfen.

Elfinger zum Sedlbauer: Wia geht’s na mit’n Viech?

Sedlbauer: Tuat’s scho.

Elfinger: Da Preis geht z’ruck; dös werst d’ g’hört hamm?

Sedlbauer: I hör net so guat wia du.

Elfinger: Na, na! Is scho wahr! D’ Kaibln, d’ Säu, all’s is billiger worn. Host d’nix zum vakaffa?

Sedlbauer: I wart, bis da Preis wieda aufi geht.

Elfinger: Gar z’ schlauch is aa nix. Was tuast d’ denn, bal’s no weniger kost’?

Sedlbauer: Na wart i no länger.

Elfinger eifrig: Sagt ma, net wahr? Na, g’scheidt, Sedlbauer: host d’ gar nix ?

Sedlbauer gleichmütig: Na. Mit dem Kopf gegen Ursula hin nickend: Was host d’ denn da für oani dabei?

Ursula hat ihren Handkorb auf den Schoß gestellt und die Hände darübergekreuzt. Sie sieht unbeweglich vor sich hin, den Kopf etwas eingezogen so daß ihr Gesicht unterm Tuch fast völlig versteckt bleibt.

Elfinger fragend zu Sedlbauer: Han?

Sedlbauer: Was d’ da für oani mitzog’n host?

Elfinger mit dem Stockgriff nach Ursula deutend: Sie? Vo Arnbach is s’.

Sedlbauer: So? Vo Arnbach?

Elfinger: Geisberger mit Namens. Beim Leitner hoaßt ma’s am Haus.

Sedlbauer: Is ma nix bekannt.

Elfinger: Aba an Ding kennst d’ do, an Zwerger vo Niederroth?

Sedlbauer: Den sell’n kenn i guat.

Elfinger: Na kemma mir scho z’samm. Da Zwergerin ihra Muatta und dera wieder mit dem Stockgriff auf Ursula deutend ihra Muatta han Schwestern g’wen.

Sedlbauer: So? Da Zwergerin ihra Muatta?

Neunte Szene

Inhaltsverzeichnis

Die Sedlbäuerin kommt von rechts mit einem Enziankrug und einigen Schnapsgläsern, die sie auf den Tisch stellt.

Sedlbäuerin: Jetzt trinkt’s no; da han i an Enzian.

Ursula schüchtern: I dank schö! I mag koan Schnaps gar it.

Sedlbäuerin: Daß er halt net süaß is, aba oa Glasl nimmst d’ do scho. Sie hat ein Glas eingeschenkt und schiebt es ihr hin.

Ursula nippt: I trink ‘s ganz Jahr koan Schnaps it.

Elfinger nimmt den Krug und schenkt sich selber ein: Du woaßt halt no net, was guat is. Trinkt. Ah! Der warmt oan auf! So was ko ma braucha.

Sedlbauer: Bal ma mit an junga Weibsbild umanand zieahgt.

Elfinger lacht überlaut: De Arbet waar net amal de leichtest.

Sedlbäuerin freundlich zu Ursula: Muaßt d’ it auf d’ Mannsbilder aufpass’n. De hamm so grobe Gspaß.

Ursula vor sich hinschauend: I paß scho net auf.

Sedlbäuerin: Du bischt vo Arnbach, gel?

Ursula: Ja.

Elfinger eifrig: Beim Leitner is sie dahoam. Des sell is a richtig’s Haus.

Sedlbäuerin: I hab’s wohl g’hört. D’ Heitmayerin hat ma’s aa g’lobt.

Elfinger lärmend, und in den Tisch schlagend: Göi? Ja, wann i amal was sag, na muaß ‘s wahr sei. Da gibt’s nix bei mir. I sag allawei, des Lüag’n hat koan Wert, weil’s ja do aufkimmt.

Sedlbauer trocken: A jed’smal werst d’net aufkemma sei.

Elfinger: Na, G’spaß beiseit’, Sedlbauer! I mag ‘s Lüag’n gar net.

Sedlbauer: Und ‘s Aufkemma no weniger.

Elfinger: Dös brauch i net scheucha, weil i a richtiger Mo bi, vastehst d’? Frag dei Bäurin! Zur Sedlbäuerin. Göi? Hat d’ Heitmayerin net dös nämliche sag’n müass’n? Is epp’s derlog’n g’wen, was i g’sagt hab!

Sedlbäuerin: Sie hat de Leitnerischen durchaus g’lobt, und, hat s’ g’sagt, Sedlbäuerin, sagt s’, da Leitner is von de fleißigst’n oana g’wen, und, sagt s’, er hat si des beste Zeugnis vodeant.

Elfinger patscht mit den Händen, immer lärmend: Göi? Göi? Ja, wer d’Wahret red’t, braucht koan Zeug’n net fercht’n. Des sell sag dar i, Sedlbauer, und dir aa, Simmerl!

Simon ohne sich zu rühren, sehr gleichgültig: Vo mir aus.

Elfinger eifrig: Wia host d’ g’sagt?

Simon: Vo mir aus, sag’ i.

Elfinger: Ja, laß da vazähl’n, des sell derfst d’ glaab’n, mit dera – er deutet mit dem Stockgriff auf Ursula waar koana schlecht aufg’richt. Sie kennt d’ Arbet und is bei da Arbet aufg’wachs’n und scheucht koa Arbet. Zu Ursula. Jetzt red’ amal und sag’ eahna, was d’ host!

Ursula fährt sich mit dem Handrücken über den Mund und fällt sogleich ein. Sie sagt ihre Angaben wie auswendig gelernte Stellen aus dem Katechismus monoton her: Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g’irbt…

Elfinger erläuternd: Weil ihra Muatta nach’n Vata g’storm is.

Ursula wiederholt, weil sie unterbrochen worden ist: Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g’irbt und macht mitanand zwölftausad March und vo dena san Hypathek neuntausad March und baar san dreitausad…

Elfinger unterbricht erklärend: ‘s Geld liegt auf’n Anwes’n und dös hat ihra Bruada übanomma. Zu Ursula, aufmunternd: Red no und sag’s eahna allssammat!

Ursula: ‘s Geld liegt auf da zwoat’n Hypathek und de erscht Hypathek is a Kirchageld und des sell san sechstausad vierhundert March und ‘s Anwes’n is g’schatzt auf zwoaravierzgtausad.

Sie bricht unvermittelt ab, zieht den Kopf wieder ein und schnupft auf, indes sie wieder mit dem Handrücken den Mund abwischt. Alle schweigen. Pause.

Elfinger triumphierend zum Sedlbauer: Was sagst d’nacha jetzt?

Sedlbauer gleichmütig: M–hm, ja – ja. Es hört si guat o.

Elfinger: Und is all’s notorisch und g’richtsmaßi. Da feit si koa Haar.

Sedlbauer bedächtig: Wia groß is denn ‘s Hoamat?

Elfinger zu Ursula: Wia groß daß ‘s Anwes’n is von dein Bruada?

Ursula wieder genau in dem vorigen Ton hersagend: ‘s Anwes’n is Haus Nummera siebzehn a halbs in Arnbach und hat simmavierzg To’werk und vo dena san acht To’werk Wies’n und sechs To’werk Holz und ‘s ander han Gründ. Sie bricht wieder ab wie vorher und zieht den Kopf ein.

Sedlbauer: Und is bloß sie auf Ursula hin nickend und ihra Bruada?

Elfinger bestätigend: Es san eahna net mehra Kinda wia zwoa.

Sedlbauer: Nacha is ihr a bissel weni ausg’macht, bal ‘s Anwes’n do so guat g’schatzt is.

Elfinger zu Ursula: Han? Er moant, du hättst mehra krieag’n soll’n.

Ursula: Es is a so ausg’macht wor’n beim Notari. Vataguat hon i achttausad March und von da Muatta hon i no viertausad g’irbt.

Sedlbäuerin freundlich: Es is na it gar so weni, und mit’n Geld alloa is aa net all’s g’wunna. Ma muaß scho auf dös schaug’n, ob oani d’Arbet ko.

Elfinger eifrig: Dös is amal richtig!

Sedlbauer nachrechnend: Bal ma sagt, zwoaravierzg tausad March is ‘s wert, und zwoa Kinda sans…

Sedlbäuerin unterbricht ihn: D’ Mannsbilder schatz’n inser Arbet viel z’weni. I sag’s oanmal fürs andermal, sie wissen gar it, was g’schafft is im Küahstall und mit’n kloan Sach und in Hauswes’n und in da Kuchl und in…

Sedlbauer abwehrend: Mir wissen’s scho.

Sedlbäuerin in Eifer kommend: Du? Du bischt der allerletzte der inser Arbet acht’. Du moanst allawei, was du net siehgst, dös is it g’schehg’n, aba es is it gar so leicht, und bal mir net mit die Kreuzer sparet’n, kunnt’ ‘s ös gar it Geld gnua herbringe.

Sedlbauer: Ja – ja.

Sedlbäuerin: Ja, sagst du, aba i sag dös, es muaß a jed’s seiner Arbet fürsteh, mir so guat als wia ös, und bal dös oa hi’zieahgt und des ander herziehagt, na geht nia was g’scheidt’s z’samm…

Sedlbauer beschwichtigend und abwehrend: I glaab da’s scho, und du sagst ma’s ja oft gnua.

Sedlbäuerin: I sag da’s oft gnua! Freili! Mi muaß scho. Weil’s ös allawei glaabt’s, was ös it teat’s, des sell is it to. Schaug no amal um! Wia viel hamm net scho z’ruckg’haust, weil d’Bäurin nix war…

Simon rutscht auf der Bank etwas vor, so daß er um’s Ofeneck herum sieht. Pfeift durch die Zähne; dann grob zu Elfinger: Wia lang müaßt na dös Geld lieg’n bleib’n?

Elfinger: Was sagst d’, Simmerl?

Simon: Ob dera mit dem Kopf gegen Ursula nickend ihra Geld lieg’n bleib’n müaßt bis zu der Auferstehung?

Elfinger: Ah so! Zu Ursula: Des sell host d’vagess’n, wia’s kündbar is. Red halt!

Ursula sagt wieder ihr Auswendiggelerntes her: Die Hypathek ist kündbar fünf Jahre nach dem Tode des letztverstorbenen Eheteils und kann die Kündigung erfolgen jedes Jahr auf Micheli.

Elfinger: Es is ja all’s notorisch und g’richtsmaßi! Da felt si koa Haar. Simon rutscht auf der Bank zurück auf seinen alten Platz und schaut wieder mit scheinbarer Teilnahmslosigkeit ins Leere.

Sedlbäuerin fährt unbeirrt fort: Und i sag dös, was oani derspart, is oft bessa, als was oani mitbringt.

Elfinger mit dem Stockgriff auf Ursula deutend: Und de da waar a Hauserin erster Klass’.

Sedlbäuerin: I ho’s wohl g’hört.

Elfinger: Da gibt’s nix! Da leist i Garatie.

Sedlbauer: Mit da Garatie bischt du glei bei da Hand.

Elfinger: Weil dös stimmt, was i sag, und weil i net mehra vasprich, als was i halt’n ko.

Sedlbauer: Gar so lob’n tean di aba d’Leut net.

Elfinger: Wer ko was sag’n vo mir? Da müaßt scho oana hersteh und müaßt was nachweis’n kinna. Zur Sedlbäuerin: Du werst mir ‘s Zeugnis geb’n kinna, was d’ Heitmayerin zu dir g’sagt hot.

Sedlbauer beugt sich vor, und schaut gegen das Fenster hin: Da kimmt jetzt grad oana, der di guat kennt.

Elfinger: Wer nacha? Dreht sich gegen das Fenster um. Am Fenster geht der Schmuser Alois Palser vorbei, hinter ihm Maria Atzenhofer mit einem blauwollenen Kopftuch.

Elfinger: Der Palser Alisi? Der durft aa no was sag’n.

Sedlbauer: Vielleicht hat er di g’lobt.

Elfinger: Weil mir da scho was dro’liegt, hast d’ g’hört, ob mi der lobt oder net.

Sedlbäuerin etwas erregt: Geh, Vata, gehst d’ g’schwind außi und sagst eahm, er soll an andersmal kemma.

Sedlbauer seelenruhig: I ko eahm’s net vabieat’n, daß er heunt kimmt.

Elfinger: Was will denn der überhaups?

Sedlbauer: Fragst d’n selm…

Die Tür rechts wird geöffnet, und Palser kommt herein, hinter ihm die Maria Atzenhofer. Palser ist ähnlich gekleidet wie Elfinger, nur ist sein Anzug von anderer Farbe. Er trägt auch einen Havelock, einen Hut mit Hirschbart und hat einen Weichselstock mit gebogenem Griff. Maria Atzenhofer kommt scheu in die Stube und bleibt an der Tür stehen. Im Schnitt ist ihre Kleidung ganz so, wie die Ursulas. Auch trägt sie wie diese einen Handkorb und ihr Gesicht ist von dem blauwollenen Kopftuch fast völlig verdeckt.

Zehnte Szene

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Palser: Grüaß Good! Er sieht mißvergnügt auf Elfinger und Ursula; zum Sedlbauer: Daß ös net alloa seid’s?

Sedlbäuerin streitbar: De san halt aa kemma. De wern’s Recht so guat hamm, wia du!

Palser: I bin aba herb’stellt. Zum Sedlbauer: Dös, was mir z’ red’n hamm, is do net für ander Leut!

Sedlbauer der, wie Simon auf der Ofenbank sitzen geblieben ist, beschwichtigend: Jetzt is scho, wia’s is. Hock di no hi!

Palser brummend: Ja hock di hi! Wieder aufbrausend: Wann i enk net recht bi, nacha konn i geh’ aa.

Sedlbauer: Ah was! Jetzt hockst di zuawi.

Palser barsch zur Atzenhofer, auf die Bank deutend: Ruck halt eini!

Maria rückt in die Bank neben Ursula, die weiter in die Ecke rutscht, ohne die Atzenhofer anzusehen. Nun hocken beide steif da und halten ihre Hände über die Körbe gekreuzt. Die Sedlbäuerin ist von ihrem Stuhl aufgestanden und setzt sich neben Elfinger. Palser setzt sich mürrisch auf den frei gewordenen Stuhl.

Palser verächtlich mit dem Kopf gegen Elfinger hin nickend, zum Sedlbauer: Was will denn überhaupts der do?

Sedlbauer: Halt aa. Von da Handelschaft a weng red’n.

Palser: Der?

Elfinger: Vo dir wer i koa Konzession braucha!

Palser grob: I gaab da’s scho net, du Leutbetrüaga!

Elfinger schreit: Wos? Derfst du dös sag’n?

Palser: I frag di scho net, ob i derf.

Sedlbäuerin: Zum Streit’n werst d’ na do scho net kemma sei!

Palser: Mit dem streit ja i gar net.

Elfinger: Du net?

Palser: Na! Zum Sedlbauer: Wannst d’ ma du g’sagt hättst, daß i den triff, nacha waar i wohl net kemma.

Elfinger: Waarst d’ halt dahoam blieb’n mit dein Glump!

Palser sich in den Tisch hinein beugend: Wer Glump? Was Glump? Han?

Sedlbäuerin: Jetzt laß do amal guat sei! Was waar denn net dös?!

Palser: So a… i mag mi ja gar net ausdruck’n… Zum Sedlbauer: Du hättst ma wohl was sag’n kinna!

Sedlbauer gleichmütig: Er is halt aa kemma.

Palser zum Sedlbauer: I spann’s scho, woaßt d’! Aba dös laß da sag’n, mit dem Stockgriff gegen Ursula deutend, was der daher bringt, is nia nix. Da bist ausg’schmiert, vor’st d’ o’fangst.

Elfinger schreit: Gel du! Dös werst du beweis’n müass’n!

Palser: I weis’ da’s scho auf dir! Bei an jed’n G’richt weis’ a da’s auf!

Elfinger: Dös wer ma sehg’n.

Palser: Host d’ ma du net am Ägidimarkt a Kuah vakafft, und ‘s Kaibi hat gar net dazua g’hört?

Elfinger: Geh zua! Für dös kriagst d’ nix.

Palser: Vo dir kriagt ma freili nix.

Sedlbäuerin: I woaß gar it, daß enk ös net schamt’s vor de Weibsbilder da!

Elfinger: Jetzt kam er mit dem daher! Überhaups is vo dem jetzt koa Red, und überhaups…

Palser grob: Hot ‘s Kaibi g’suffa?

Elfinger: Und überhaups bin i daher kemma, weil ma’s d’ Bäurin g’hoaß‘n hat…

Palser lauter schreiend und sich in den Tisch hinein beugend: Hot ‘s Kaibi g’suffa?

Elfinger: Und na werd’s do recht sei, wenn i kimm, und werd schö gnua sei, wann i dös tua, was ma mir schafft…

Palser noch lauter: Hot’s Kaibi g’suffa?

Elfinger: Na müaßt ma si da Grobheit’n macha lass’n. Hot’n der a Hausrecht da herin?

Sedlbäuerin: Is wahr aa! Des sell geht na do scho net.

Sedlbauer zum Palser: Jetzt waar’s Zeit, daß ‘s amal aufhöret’s.

Palser zum Sedlbauer: Sei no du staad! Stimmt er mi da her, und nacha waar’s nimma recht, weil eahm der oani herzog’n hat…

Sedlbauer: Laß da sag’n…

Palser: Nix laß a ma sag’n. Aba i vagunn enk de. Gegen Ursula mit dem Stockgriff weisend. Dös muaß de recht sei, bal sie si vo dem verschmusen laßt.

Elfinger aufspringend: Jetzt wer i aba belzi! Bei jedem Satz auf Ursula hin mit der Hand gestikulierend. Woaßt du vo dera was? Hot da de was to? Derfst du dei Mäu aufreiß‘n gega de? Kennst du de?

Palser schreiend: I mag s’ gar it kenna. Du host no nia nix richtig’s g’habt.

Elfinger ebenso: Und du nacha? Und de dei nacha? Wo host d’ denn de z’sammklaabt? Dös muaß da recht Hadern sei?

Palser auf den Tisch mit der flachen Hand patschend und sehr laut schreiend: Hadern, sagst d’?

Elfinger: Hadern, sag i.

Palser bei jedem Satz auf den Tisch schlagend: Jetzt hab i di, Bürschei! Jetzt g’hörscht mei! Jetzt bischt d’ g’richtsmassi!

Elfinger in den Tisch patschend: Vo mir aus! Klag no!

Palser ebenso: I klag scho!

Elfinger ebenso: Klag da grad gnua!

Sedlbauer aufstehend: Ja, Herrschaftseit’n! Bei mir is do koa Wirtshaus da herin!

Simon ist aufgestanden und hinter dem Ofen hervorgegangen: An Ruah gebt’s! Des plagt’s enk a so umasunst!

Palser und Elfinger halten mit dem Schimpfen ein und wenden sich gegen Simon.

Palser in ruhigem Ton: Was sagst d’?

Simon: Ös braucht’s net so plärr’n, sag i. I will von enk alle zwoa nix.

Elfinger: Han?

Simon: I ho ma scho selm an anderne herb’stellt. Da kimmt s’ grad. Schaugt’s no außi! D’ Salvermoser Afra von Zeitelbach is.

Am Fenster kommt Monika Salvermoser mit ihrer Tochter Afra vorbei. Monika trägt braunwollenes, Afra blauwollenes Kopftuch, auch hat diese, wie Ursula und Maria, einen Handkorb. Monika hat die alte Dachauer Polenkitteltracht, Schirm usw.

Sedlbäuerin: D’ Afra?

Sedlbauer belustigt: Da schau her!

Palser zu Sedlbauer, wieder zornig werdend: Na, zu mir schau her, du Feinspinna, du o’drahta! I laff vo Glonn uma!

Elfinger: Und i vo Arnbach…

Palser: Dös will i sehg’n, ob du it zahl’n muaßt! Dös mach i advikatisch.

Elfinger: Zeitvasäumnissen und Köschten und Gewinnvalust…

Sedlbauer: Is scho recht.

Monika und Afra Salvermoser treten ein und bleiben befangen neben der Tür stehen, so daß sie den Ausgang frei lassen.

Palser befehlend zu Maria Atzenhofer, die ebenso wie Ursula während des ganzen vorhergehenden Streites regungslos am Tisch gesessen ist: Da geh außa! Mi hamm nix mehr z’toa da herin.

Elfinger ebenso zu Ursula: Du aa! Geht’s zua!

Ursula und Maria gehen hintereinander, ohne sich umzusehen, bei der Tür rechts hinaus, dann folgt Palser, der sich an der Tür umdreht.

Palser gegen Sedlbauer hin: Mit dir wachs i z’samm, du Bauerndada, du spitzohreter, du ausg’schamta! Ab.

Elfinger sich ebenfalls umdrehend, drohend: Zeitversäumnis und Köscht’n und G’winnvalust! Ab.

Vorhang

Dichters Ehrentag: Lustspiel in einem Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Personen

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Dreizehnte Szene

Vierzehnte Szene

Fünfzehnte Szene

Personen:

Inhaltsverzeichnis

Eugen Ludwig Hobbe, ein deutscher Dichter Siegfried Meyer, Theaterdirektor Feuerstein, Journalist Oskar Zinnkraut, Theateragent Schimonsky, Kritiker Eugène Schultze, Verleger Frau Lizzy Schultze Kommerzienrat Milbe, ein Getreuer Frau Kommerzienrat Milbe, dessen Frau Frau Klara Mengold, eine Getreue Moritz Mengold, deren Sohn, ein Sechzehnjähriger Frau Lückemann, eine Getreue Betty, Zimmermädchen Ein Klavierspieler Ein Photograph Ein Dienstmann

Ort der Handlung: Wohnung des Direktors Meyer in Berlin.

Zeit: Gegenwart.

Erste Szene

Inhaltsverzeichnis

Festlich geschmückter Salon im Hause Meyers. In der Ecke rechts ein aufgeschlagener Flügel, auf dem Blumenarrangements stehen. Auf kleinen Tischen links und rechts stehen Vasen mit Buketten, auch auf dem Boden Blumenarrangements in Lyraform, an den Stühlen lehnen wie an freien Stellen der Wände Kränze mit großen Schleifen, die Inschriften tragen: »Dem großen Dichter«, »Dem Erwecker« usw. Links eine Tür, im Hintergrund eine Tür, zu denen die Zugänge freigelassen sind. Ein Fenster im Hintergrund, eines rechts; auf den Brüstungen Kränze.

Rechts vorne ein Sofa, auf dem der Theateragent Zinnkraut sitzt. Direktor Meyer steht in der Mitte der Bühne und gibt dem Zimmermädchen an, wo sie einen soeben eingetroffenen Kranz anzubringen hat. Neben ihm steht Feuerstein.

Meyer zu Betty: Den Kranz lehnen Sie an den Stuhl – ‘n bißchen weiter zurück… So! Zu Zinnkraut. Was sagten Sie?

Zinnkraut: Ich sagte, es sieht aus wie eine Totenfeier. Ich habe ganz den Eindruck davon.

Feuerstein: Sie meinen die Kränze?

Zinnkraut: Ich meine es überhaupt. Wenn ich Dichter wäre, würde ich mir das fünfzigste Geburtstagsfest verbitten.

Meyer: Aber sehr laut, damit man es hörte.

Feuerstein zu Zinnkraut: Sie? Sie würden Ihren Geburtstag im Annoncenteil anzeigen, wenn wir ihn vorne nicht erwähnten.

Zinnkraut: Sie glauben, ich sage es aus Bescheidenheit?

Meyer: Nein, das habe ich nicht geglaubt.

Feuerstein: Niemand glaubt es.

Zinnkraut zu Feuerstein: Lesen Sie doch Ihren Festartikel! Er ist eine Grabrede. Warum soll ich mich von Ihnen begraben lassen?

Meyer zu Zinnkraut: Der Artikel von unserm Feuerstein?

Zinnkraut: Jawohl…

Meyer: Es sind Würdigungen, und wie ich behaupte – gerechte Würdigungen unseres Eugen Ludwig, seines reichen Schaffens, seines ernsten Wollens, seines großen Könnens, Würdigungen, für die – ich wenigstens – tiefinnerlich dankbar bin.

Zinnkraut unverbesserlich: Sehen Sie!

Meyer aus seiner Höhe zurückkehrend: Was sehe ich?

Zinnkraut: Das ist auch eine Grabrede.

Meyer die Achseln in die Höhe ziehend: Gott!

Zinnkraut: Ich kann Ihnen nicht helfen. Es klingt so, und alles klingt so, was um diese fünfzigsten Geburtstage herumgemacht wird.

Feuerstein mit Wärme: Ich will Ihnen was sagen, Zinnkraut. Wenn man eine Höhe erklommen hat, dann hat man einen Ausblick, und man darf ihn doch wohl genießen. Eugen Ludwig hat die Höhe bestiegen, und nun schauen wir mit ihm zurück. Das ist mein Artikel.

Zinnkraut mit Hohn: So? Wissen Sie, was die Folge ist, wenn man die Höhe erklommen hat? Man muß wieder heruntersteigen. Sie schreiben ihm vor, bis hierher und nicht weiter! Jetzt geht es abwärts. Das ist Ihr Artikel.

Meyer die Achseln aufziehend: Gott!

Zinnkraut: Bitte, ja! Man macht einen Strich unter sein Leben und addiert es zusammen. Also ist die Rechnung fertig. Warum soll ich mir von Ihnen einen Strich machen lassen?

Feuerstein will eifrig anheben: Erlauben Sie – – Meyer unterbricht ihn, wobei er ihm väterlich die Hand auf die Schulter legt: Lassen Sie ihn! Das ist ja gar nicht von ihm!

Zinnkraut: Was ist nicht von mir?

Meyer: Sie haben es in einer Aphorismensammlung gelesen. Das kenn ich doch!

Zinnkraut Mit überlegenem Hohn: So?

Meyer: Und Sie kenn’ ich auch.

Feuerstein zu Zinnkraut: Schreiben Sie mir’s auf, wenn es noch nicht erschienen ist. Vielleicht kann man’s verwenden. Aber heute lassen Sie uns die reine Freude an dieser Doppelfeier!

Zinnkraut: Doppelfeier?

Feuerstein: Für unseren Eugen Ludwig… und mit einer Handbewegung gegen Meyer für seinen Propheten…

Meyer mit gemachter Bescheidenheit: Nu… Prophet!

Feuerstein: Oder Paladin. Sie waren sein Paladin, Herr Direktor.

Meyer: Ich durfte ihm vielleicht den Weg ebnen…

Feuerstein unterbricht ihn eifrig: Sie durften! Er durfte… er konnte sein Talent entfalten.

Zinnkraut: Haben muß er es doch selber, Feuerstein!

Feuerstein sich zu Zinnkraut wendend: Soll er es haben! Was hilft es ihm, wenn er keine Gelegenheit findet? Gelegenheit ist die Hauptsache.

Zinnkraut: Gelegenheit haben viele…

Feuerstein: Ich will Ihnen was sagen: Talent haben viele.

Zinnkraut: Nanu!

Feuerstein: Oder vielleicht viele. Was weiß ich davon? Was wissen Sie davon? Man muß es erst entdecken, was in einem Menschen ist.

Zinnkraut mit vornehmer Ruhe: Ich habe es entdeckt.

Feuerstein: Was haben Sie?

Zinnkraut: Das Talent in unserm Eugen Ludwig habe ich entdeckt.

Meyer vorwurfsvoll: Zinnkraut!

Feuerstein: Ich muß lachen.

Zinnkraut: Lachen Sie, bitte! Aber ich habe Beweise. Als noch niemand von ihm gesprochen hat, habe ich ihm zweihundert Mark Vorschuß gegeben.

Meyer: Sie sollten das nicht immer erzählen!

Zinnkraut: Wer erzählt es sonst?

Ein Dienstmann tritt ein mit einem großen Lorbeerkranz.

Zweite Szene

Inhaltsverzeichnis

Dienstmann: Is et hier beim deutschen Dichter Hobbe?

Meyer: Geben Sie her!

Dienstmann liest die Briefadresse: Euschän Ludwich Hobbe?

Meyer: Ja – ‘n bißchen fix! Nimmt den Kranz und Brief und gibt sie Betty.

Dritte Szene

Inhaltsverzeichnis

Meyer zu Betty, die den Kranz ans Klavier lehnt: Nich ans Klavier! An die Wand, Betty! – … Was steht auf der Schleife?

Betty bückt sich und liest: Dem Licht… Dem Lichtbringer: Por… Pormetheis!

Meyer korrigierend: Prometheus… Na, is gut… Wendet sich wieder an Zinnkraut. Sie sollten das nicht immer erzählen!

Zinnkraut: Wieso?

Meyer: Fragen Sie noch!

Zinnkraut: Ich kann Ihnen das Datum sagen. Es war vor sechzehn Jahren, Ende Mai. Zweihundert bare Mark!

Meyer: Es ist nicht nobel, immer davon zu reden.

Feuerstein: Und was hat es für einen Zweck?

Zinnkraut: Es zeigt, daß ich der Erste war, der das Vertrauen hatte.

Feuerstein: Wenn Sie Vertrauen hatten, war es keine Kunst, das Geld zu geben.

Meyer: Wir wollen das Thema fallen lassen. Es ist unerquicklich. Zu Zinnkraut: Jedenfalls können Sie nicht leugnen, daß ich zu seiner Kunst gestanden habe und stehe. Unerschütterlich.

Zinnkraut: Wer hat es geleugnet?

Meyer: Ich habe mich nicht beugen lassen; zwei Durchfälle sind an mir abgeprallt.

Feuerstein: Niemand, der gerecht urteilt, wird es Ihnen vergessen.

Meyer: Man wollte flau machen, man wollte zweifeln, aber ich sagte mir, Eugen Ludwig, das ist die Kunst auf der hohen Linie.

Zinnkraut: Das nämliche, wie ich.

Meyer: Vielleicht tat ich doch mehr!

Zinnkraut: Aber nach mir.

Meyer ohne auf den Einwurf zu achten: Sie gaben ihm Geld; schön! Ich gab ihm mein Theater, ich gab ihm meine Existenz.

Feuerstein: Und darum ist heute Ihr Ehrentag.

Meyer abwehrend: Nicht so!

Feuerstein: Auch Ihr Ehrentag, wollte ich sagen.

Meyer: Vielleicht der Ehrentag meines Wollens, meines Strebens… auf und ab gehend … Der Siegestag meiner Ideale! Das ist das Wort!

Feuerstein: Sie können nicht widersprechen, Zinnkraut!

Zinnkraut: Wieso?

Meyer ist auf und ab gegangen und bleibt nun stehen. Er wird rhetorisch: Herrschaften, ich sagte mir folgendes. Wo steckt mein Ziel? Steckt es hoch oder nicht? Gut, wenn es hoch steckt, dann führt ein steiler Weg nach oben. Darüber hat man sich klar zu sein.

Feuerstein: Sie waren sich klar.

Meyer steckt die rechte Hand in die Rocköffnung; theatralisch: Ich war es. Mein Ziel war die hohe Kunst, mein Weg war steil, mein Führer war Eugen Ludwig.

Feuerstein korrigierend: Ihr Begleiter.

Meyer: Sie sollen recht haben, – mein Begleiter. Sich gegen die Tür links wendend, durch die der Klavierspieler eingetreten ist. Was wollen Sie?

Vierte Szene

Inhaltsverzeichnis

Klavierspieler hat Notenbücher unterm Arm: Ich bin hierher bestellt, – ich bin der Klavierspieler…

Meyer: Haben Sie die Musikstücke, die ich wollte?

Klavierspieler: Ja, wie Herr Direktor bestimmt haben…

Meyer: Schon gut! Setzen Sie sich an den Flügel. Ich werde Ihnen das weitere mitteilen. Der Klavierspieler geht vorsichtig um Tische und Stühle herum zum Klavier und setzt sich.

Meyer geht wieder auf und ab, in verhaltener Bewegung und mit Größe: Ich habe meinen Beruf stets ernst aufgefaßt. Ich habe ihn groß aufgefaßt, wenn ich es doch schon selbst sagen muß. Ich habe meine Sendung als Leiter einer moralischen Anstalt erkannt. Er bleibt stehen und faßt Zinnkraut streng ins Auge. Das kann man nicht leugnen, mag man auch sonst denken, was man will! Er blickt Zinnkraut durchbohrend an, indes er wiederholt … was man will!

Zinnkraut bescheiden: Ich denke doch gar nicht!

Meyer bitter: Sie denken gewiß – aber habe ich vielleicht Zugeständnisse gemacht?

Feuerstein: Nein! Niemals!

Meyer: Ich habe die hohe Kunst auf meine Fahne geschrieben, obwohl ich ihre Gefahren kannte. Herrschaften, ich sagte mir so: Erziehe ich das Publikum dazu, mir zu folgen, dann ist das Ideal erreicht. Wenn nicht, dann falle ich mit ihm…

Feuerstein: Sie sind nicht gefallen.

Meyer: Nein! Wir haben Schlachten geschlagen, wir haben Wunden davongetragen, aber der Sieg ist uns treu geblieben.

Zinnkraut: Nu – treu!

Meyer: Wie?

Zinnkraut: Ich meine, der Sieg hat auch geschwankt.

Meyer: Aber ich habe nicht geschwankt. Ich stand fest. Zwei Durchfälle sind an mir abgeprallt. Dieses Verdienst wird mir Eugen Ludwig heute zugestehen.

Feuerstein: Er muß es tun.

Meyer: Wenn ich zurückdenke an alles, was wir gemeinsam erkämpften, – vom bescheidenen Anfang bis zum letzten, großen Tag – schwärmerisch Herrschaften! Es war doch schön!

Feuerstein: Und heute begrüßen wir Sie als Sieger.

Meyer mit gemachter Bescheidenheit: Wer spricht von mir? Sagen wir, es ist der Sieg der Höhenkunst… Zum Klavierspieler, der sich erhoben hat und sich mit Verbeugungen bemerklich zu machen sucht. Was wollen Sie?

Klavierspieler: Ich wollte mir die Frage erlauben, welches Musikstück wünschen Herr Direktor zuerst und…?

Meyer: Ja so! Er zieht die Uhr. Also, wenn wir hier alle vollzählig sind, wird der Meister den Salon betreten. Auf mein Zeichen intonieren Sie sofort den Einzug der Gäste in die Wartburg.

Klavierspieler: Jawohl, Herr Direktor, und später…

Meyer: Das sage ich Ihnen schon… Er geht wieder auf und ab und spricht nicht ohne Bitterkeit. Vielleicht kann heute der eine und andere geringschätzig über mein Lebenswerk urteilen…

Feuerstein feurig: Das ist niemand erlaubt!

Meyer: Es ist der Lauf der Welt, lieber Freund! Und mit einem Blick auf Zinnkraut es liegt im Wesen der Menschen, schnell zu vergessen. Groß. Aber mag man es vergessen! Ich stehe bescheiden zurück, weil nur Eugen Ludwig da steht, wo er steht!

Feuerstein zu Zinnkraut: Es ist unschön von Ihnen, Zinnkraut.

Meyer groß: Lassen wir das! Was liegt an mir? Aber Herrschaften! Die Frage war nicht ganz so einfach… Damals, als noch niemand den Erfolg ahnte.

Zinnkraut: Ich habe…

Meyer ihn brüsk unterbrechend: Sie haben nicht! Niemand hat. Es lag eine Ungewißheit um uns, und man konnte sehr leicht straucheln. Ja, ich darf es heute bekennen: die Frage war nicht ohne innere Kämpfe zu lösen. Denn auch mich konnte es locken, auf bequemen Pfaden zum Erfolge zu wandeln. Er lag, wenn ich so sagen darf, lachend vor mir… Er bleibt stehen und wendet sich rasch gegen Zinnkraut. Wie?

Zinnkraut schlicht: Nichts.

Meyer: Ich dachte, Sie hätten etwas gesagt.

Zinnkraut: Ich habe nichts gesagt.

Meyer: Auch wenn Sie etwas gesagt hätten, ich habe keinen Einwurf zu scheuen. Geht wieder auf und ab. Auf der anderen Seite drängte sich mir diese Gewißheit auf: Hier ist ein Dichter, hier ist ein Talent, hier ist ein Genie.

Zinnkraut: Hört!

Meyer bleibt wie vorher stehen und wendet sich gegen Zinnkraut: Was?

Zinnkraut nachdrücklicher: Hört!

Meyer: Gewiß, Sie dürfen es hören, und Sie sollen es hören. Das drängte sich mir auf: Hier ist ein Genie, hier sind köstliche Schätze zu heben. Wenn ich sie nicht hebe, versinken sie. Da wußte ich mit einem Male, daß ich eine Pflicht hatte.

Feuerstein: Und wir wissen, daß und wie Sie diese Pflicht erfüllt haben.

Zinnkraut: Unentwegt – Sie müssen im Bilde bleiben, Feuerstein.

Feuerstein indigniert: Ich bleibe, wo ich will.

Meyer ironisch: Vielleicht erlauben Sie mir zu sagen: schlicht und einfach? Einfach und schlicht, so wie man eben seine Pflicht erfüllt… Unterbricht sich, da Herr und Frau Schultze, der Kritiker Schimonsky und Frau Lückemann von links eintreten. Ah! Da sind ja…

Fünfte Szene

Inhaltsverzeichnis

Er eilt ihnen entgegen, und küßt den Damen die Hände: Guten Morgen, gnädige Frau! Schüttelt den Herren die Hand. Guten Morgen!

Frau Schultze sich umsehend: Wie feierlich das aussieht! Und die vielen Kränze!

Frau Lückemann: Ist Eugen Ludwig schon da?

Meyer: Nein, gnädige Frau. Er muß pièce de resistance sein. Erst wenn wir alle versammelt sind, dann…

Frau Schultze: Wer alle!

Meyer: Der kleine Kreis seiner treuesten Anhänger.

Herr Schultze: Eine Versammlung der Gläubigen.

Schimonsky: Im Hause eines Theaterdirektors könnte man auch sagen: Eine Gläubigerversammlung.

Meyer: Ewig diese Witze!

Schimonsky: Witz? Wir werden sie ja sehen…

Zinnkraut: Die Herren, die nicht bloß Anteil nehmen, sondern auch Anteil haben…

Schimonsky zu Meyer: Soll ich sie Ihnen nennen? Mit Verbeugung gegen Schultze. Die Anwesenden sind ja nicht ausgenommen.

Meyer: Können Sie das nie lassen, Schimonsky?

Schimonsky: Seien Sie nur wieder gemütlich! Sich an Zinnkraut wendend. Apropos, Zinnkraut, Ihnen kann man ja gratulieren…

Zinnkraut: Nu… es geht.

Meyer: Wieso gratulieren?

Schimonsky: Haben Sie es nicht gelesen? Zu dem Erfolge von Chochotte.

Frau Lückemann: Ach ja! Chochotte in Hamburg!

Frau Schultze: Es muß sehr stark eingeschlagen haben.

Zinnkraut schlicht: Sagen wir: Es war ein Riesenbombenerfolg.

Meyer etwas nervös: Sprechen Sie doch! Was ist das – Chochotte –?

Schimonsky: Wo leben Sie denn, daß Sie nich mal das wissen?

Feuerstein mit Überzeugung: In den reinen Höhen der Kunst.

Schimonsky: Der Bericht in der Morgenzeitung war förmlich enthusiastisch. Triumphe – Beifallsorkane – Ovationen – Feuerstein sachlich: Nach dem zweiten Akte dreimal Vorhang, nach dem dritten viermal.

Schimonsky: Also unzählige Male.

Zinnkraut noch schlichter: Sagen wir eben: Es war ein Riesenbombenerfolg.

Schultze zu Meyer: Ich habe unsern Eugen Ludwig schon wochenlang nicht gesehen. Wie ist er?

Meyer dem die Störung sichtlich unbequem ist: Wie soll er sein?

Schultze: Ich meine gesundheitlich!

Frau Schultze: Das Fest, und die vielen Artikel in den Zeitungen und diese Anerkennung von überallher, das muß ihn doch sehr angreifen!

Frau Lückemann: Und diese Erinnerungen an so manches!

Meyer ungnädig: Er wird es überstehen. Zu Zinnkraut. Tun Sie doch nicht so geheimnisvoll! Von wem und was und wie ist das mit der Charlotte?

Zinnkraut: Von wem? Von einer neuen französischen Schwankfirma, also aus Wien. N’ Blödsinn, aber prima!

Schimonsky: Ich garantiere in Berlin vierhundert Aufführungen.

Zinnkraut: Sollen es dreihundertfünfzig sein!

Feuerstein: Also prickelnd? Geistvoll? Champagner?

Schimonsky: Sie treffen es doch immer!

Meyer vorwurfsvoll zu Zinnkraut: Und das muß man so apropos erfahren? Es ist Ihnen nicht der Mühe wert, mir auch nur ‘n Ton zu sagen?

Zinnkraut: Ich nahm an, daß es Sie nicht interessiert.

Meyer sehr bitter: Das nimmt man so an…

Zinnkraut: Jedenfalls nicht geschäftlich interessiert.

Meyer noch bitterer: Das nimmt man ganz einfach so an…

Zinnkraut: Ich muß es doch wissen, es ist nichts für Sie. Es ist das Gegenteil.

Meyer. Sonst wissen Sie mich zu finden. aber wenn es darauf ankommt, schieben Sie mich beiseite.

Zinnkraut: Was reden Sie?

Meyer: Ich kenne jetzt Ihre Gesinnung. Das rede ich.

Zinnkraut: Eine Sache ist für einen, eine andere Sache is für ‘n andern.

Meyer bitter: Das sind Flausen.

Zinnkraut: Es is ‘n Schwank, Meyer. Was tu ich mit Ihnen?

Meyer: Es sind Flausen, sag ich.

Feuerstein macht Meyer auf die neu ankommenden Gäste aufmerksam: Herr Direktor!

Von links treten ein Frau Mengold, ihr Sohn Moritz, Herr Kommerzienrat Milbe. Moritz trägt dunkelblaue Kniehose und ebensolche Jacke, eine Brille wie Sextaner.

Sechste Szene

Inhaltsverzeichnis

Meyer geht den Gästen langsam entgegen. Er ist sichtlich verstimmt. Er küßt Frau Mengold auffallend nachlässig die Hand. Guten Morgen, gnädige Frau! Mit leichter Verbeugung zu ihr und Milbe: Es freut mich, daß Sie gekommen sind.

Frau Mengold: Mit welcher Begeisterung, das wissen Sie.

Meyer sehr gleichgültig: Ich weiß es.

Milbe: Meine Frau wird sofort nachkommen; sie wurde nicht fertig, na, Sie wissen, wie das geht.

Meyer Wie oben: Ich weiß es.

Frau Mengold die anderen begrüßend: Guten Morgen! Stürmisch zu Meyer: Wo ist Eugen Ludwig?

Meyer müde: Er wird kommen, wenn wir alle versammelt sind.

Frau Mengold der der unfestliche Ton Meyers auffällt: Was haben Sie nur?

Meyer: Wie?

Frau Mengold: Fehlt Ihnen etwas, lieber guter Direktor?

Meyer achzelzuckend: Was soll mir fehlen? Aber ein Theaterleiter, Sie können sich denken.

Frau Mengold: Ist was vorgefallen mit der Festvorstellung?

Meyer der sichtlich an etwas anderes denkt, zerstreut: Welche Festvorstellung?

Frau Mengold: Aber Bester! Morgen! Eugen Ludwigs Festabend!

Meyer: Ja so! Nein, da ist nichts vorgefallen. Was soll vorfallen?

Frau Mengold: Gott sei Dank! Ich dachte schon… Sie nimmt ihn beiseite und geht mit ihm etwas nach vorne. Und das mit Moritz,… nicht wahr, es bleibt dabei?

Meyer wieder müde: Es bleibt dabei.

Milbe der mit allen Anwesenden Händedrücke ausgetauscht hat, zu Zinnkraut: Na, Chochotte, hen, das wird ‘n Geschäft!

Zinnkraut: Es is schon eines.

Frau Mengold zu Meyer, der zu Milbe und Zinnkraut hinüberhorcht: Ich kann Ihnen nur sagen, mein Moritz entwickelt einen Geist…

Meyer ohne auf sie zu hören: Hm – m – Frau Mengold: Er wird mit Ehren bestehen. Ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar, daß Sie ihm diese Gelegenheit gegeben haben…

Meyer wie vorher: M – ja – Milbe: Ich habe heute von ein paar Bekannten darüber sprechen hören.

Schimonsky: Und eines von den Tanzliedern hat schon seinen Weg hieher gemacht. Es wird der Schlager der Saison.

Meyer läßt Frau Mengold brüsk stehen und eilt zu der Gruppe um Zinnkraut: Was wird der Schlager der Saison?

Schimonsky: Ein Tanzlied aus Chochotte. ‘n Blödsinn, aber famos…

Zinnkraut halb singend: Sie meinen das:

Chochotte

Wie flotte

Schimonsky: Ja, das is es! Eine reizende Melodie!

Milbe: Und so recht volkstümlich.

Zinnkraut Singt nun lauter, wobei Milbe mitsummt und verklärt den Kopf wiegt:

Chochotte,

Wie flotte

Tanzst du nich die Gavotte!

Chochotte,

Du Flotte

Im Pavillon Mascotte!

Milbe legt seine Hand feierlich auf Zinnkrauts Achsel und sagt eindrucksvoll: Zinnkraut, mit dem Ding werden Sie ‘n reicher Mann!

Feuerstein: Es ist Champagner.

Meyer faßt Zinnkraut am Ärmel und zieht ihn beiseite. Er blickt ihm bedeutend in die Augen und fragt: Ist es hier schon vergeben?

Zinnkraut: Warum soll ich es vergeben? Ich kann das Geschäft selbst machen.

Meyer unwillig: Was heißt selbst machen?

Zinnkraut: Ich pachte ein Theater, ich engagiere gute Kräfte, ich mache es selbst.

Meyer. Reden Sie keinen Unsinn! Vertraulich. Zinnkraut, wir machen die Sache gemeinsam.

Zinnkraut: Es ist nichts für Sie.

Meyer unwillig: Bin ich Ihnen nicht gut genug?

Zinnkraut: Sie sind mir zu gut. Sie sind die hohe Kunst.

Meyer ausbrechend: Herrgott, bleiben Sie mir doch vom Leibe mit dieser abgedroschenen Phrase! Die Damen haben in der Zwischenzeit die Kränze und Blumen durchgemustert.

Frau Lückemann ruft: Herr Direktor!

Meyer ungnädig: Was denn?

Frau Lückemann: Warum haben Sie meinen Kranz so schlecht plaziert? Man sieht ihn gar nicht.

Meyer gleichgültig: Sofort, gnädige Frau. Vertraulich zu Zinnkraut. Wir reden noch darüber.

Zinnkraut zuckt die Achseln: Eine Sache ist für einen und…

Meyer unterbricht ihn und klopft ihm vertraulich auf die Schulter: Ach was! Ich sage Ihnen, wir sprechen uns noch… Er geht zu Frau Lückemann. Gnädige Frau?

Frau Lückemann schmollend: Da sehen Sie doch selbst! Er ist ganz verdeckt von den andern.

Meyer: Tun wir ‘n einfach vor! Er nimmt den Kranz und lehnt ihn weiter vorne auf einen Stuhl. Soo! Nur ‘n Versehen von dem Mädchen. Frau Lückemann nickt freundlich dankend.

Frau Mengold: Ich bin seltsam bewegt, Herr Direktor.

Meyer: M–m– Milbe zu Frau Mengold: Was greift Sie an?

Frau Mengold: Es fällt so schwer auf mich, daß Eugen Ludwig heute fünfzig werden soll.

Feuerstein: Da ist er noch in der Vollkraft.

Frau Mengold: Man sagt sich doch, es ist ein Lebensabschnitt. Es liegt so viel hinter ihm, und da ist man nun dabei und feiert es, wie… sie sucht nach einem Worte wie… soll ich sagen?

Zinnkraut: Wie ein Leichenbegängnis.

Frau Mengold seufzt tief auf: Ach – ja! Ihr Blick fällt auf den hübschen Hut der Frau Schultze. Sie fragt lebhaft und sehr interessiert. Wo haben Sie den Hut gekauft, Frau Lizzy?

Frau Schultze: Es ist ein Pariser Modell.

Frau Lückemann hinzutretend: Von der Funke?

Frau Schultze: Ja, sie hat ihn mitgebracht.

Frau Mengold: Er ist süß!

Die Damen unterhalten sich nun sehr angeregt, während die Herren weiter rechts eine Gruppe bilden.

Das Folgende möglichst unisono:

Frau Lückemann: Ich habe bei ihr einen kleinen, weißen Seidenhut gesehen, mit Flügelchen um den Kopf gesetzt… Ein Gedicht!

Frau Mengold zu beiden: Waren sie kürzlich bei der Dickerhoff?

Frau Schultze: Erst gestern.

Frau Lückemann: Die neuen Straßenkleider? Die sind wunder – wundervoll!

Frau Mengold: Ein schwarzes Taffetkostüm –

Das Folgende möglichst unisono:

Frau Schultze unterbricht: Und das mit dem hochdrapierten Rock und der bunten Seidengarnierung – Frau Mengold unterbricht: Ich meine die kurztaillige Jacke, sie macht beschreibende Gesten die den Schoß ansetzt wie ein Herrenjacket und nur bis an die Hüfte reicht…

Frau Lückemann unterbricht: Sie hat auch ein erbsengrünes mit einer Jacke, die überbauscht, mit einem hohen Stehumlegkragen, und der Rock…

Das Folgende unisono:

Frau Schultze unterbricht: Das hochdrapierte ist aus Tuch und ganz weich, und der Jackenschoß ist schottisch, mit unregelmäßigen Streifen…

Frau Mengold unterbricht: Der Westeneinsatz ist aus weißem Pikee und der Kragen, der hinten überfällt…

Frau Lückemann: Das erbsengrüne hat einen glatt gefalteten Rock…

Von links ist der Photograph eingetreten.

Siebente Szene

Inhaltsverzeichnis

Der Photograph: Ist Herr Direktor Meyer – –?

Meyer vortretend: Was wollen Sie?

Der Photograph: Ich bin der Photograph…

Meyer: Ja – richtig – Der Photograph: Soll ich meinen Apparat – –?

Meyer: Lassen Sie ihn einstweilen noch außen und warten Sie im Vorzimmer, bis Sie gerufen werden.

Der Photograph: Jawohl. Ab mit einer Verbeugung.

Achte Szene

Inhaltsverzeichnis

Frau Schultze lebhaft: Kommt das Bild in die Woche?

Meyer gnädig: Ich will sehen, was sich für Sie tun läßt.

Frau Lückemann: Ach bitte! bitte!

Frau Mengold: Eugen Ludwig im Kreise seiner Getreuen – aber die Namen darunter setzen!

Meyer: Was möglich ist, geschieht. Er geht zu den Herren zurück. Er wendet sich an Milbe, um das abgebrochene Gespräch wieder anzuknüpfen. Sie meinten, Herr Kommerzienrat, daß…?

Milbe: Ich sage, es geht uns nicht anders wie den Amerikanern. Dieses treibende, hastende Leben reibt unsere Nerven auf. Da können wir im Theater nicht auch noch ernste Stücke sehen.

Meyer: Aber – – Milbe: Ich weiß, was Sie sagen wollen, Herr Direktor. Es regt sich auch in unserer Zeit der Drang nach dem ewig Schönen…

Meyer: Das wollte ich nicht sagen…

Milbe: Auch wir vernehmen gerne die frohe Botschaft von großen Dichtern – die Achseln zuckend aber – – Meyer: Glauben Sie, es wird anhalten?

Milbe. Was anhalten?

Meyer: Die Flaute?

Schimonsky: Stärker wird sie werden. Lesen Sie meine Schrift: Die Abende des Abgespannten!

Meyer ungnädig: Was tu ich mit Ihrer Schrift?

Schimonsky: Sie werden die Ursachen der Erscheinung verstehen.

Feuerstein: Man hört das immer häufiger sagen: Ich will mich unterhalten. Ernst sein kann ich zu Hause.

Milbe eifrig: Und mit Recht! Es liegt im Geist der Zeit, meine Herren…

Meyer: Wir hatten doch früher – – Schimonsky: Früher!

Milbe: Ich nehme das Beispiel von mir ab. Wenn ich müde von tausend Sorgen und Ideen aus dem Geschäft komme, ja – soll ich mir da am Abend nochmal den Jammer der Menschheit zu Gemüte führen?

Meyer: Soll dem Theater gar kein erzieherischer Wert mehr zuerkannt werden?

Zinnkraut: Aber nicht bezahlt wird er!

Schimonsky: Lesen Sie meine Schrift: Die Psychologie des Erfolges!

Milbe: Lieber Herr Direktor, Sie sind ein Idealist, das wissen wir alle…

Zinnkraut: Konjunktur!

Milbe: Für Sie gibt es eben nur das hohe Drama und nur Eugen Ludwig.

Meyer: Nun reden Sie alle so! Früher haben Sie anders gesprochen.

Schimonsky: Warum schauen Sie immer zurück?

Zinnkraut: Konjunktur!

Meyerzu Schimonsky: Gerade Sie!

Schimonsky: Was ich?

Meyer: Haben Sie nicht von dem Siegesmarsch der neuen Kunst geschrieben? Von der freudigen Welt der Zukunft?

Schimonsky: Dann wird es gestimmt haben.

Milbe: Unsere Dampfpfeifen übertönen die freudige Welt.

Feuerstein zu Milbe: Darf ich mir das notieren?

Milbe gnädig: Wenn Ihnen ein Gefallen geschieht – Zinnkraut: Was kommt auf das an, was wir reden? Halten Sie sich an das Reelle! Was redet das Kassenbuch?

Neunte Szene

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Von links kommt eilig Frau Kommerzienrat Milbe in elegantem Straßenkleide.

Frau Milbe laut: Ich komme doch nicht zu spät?

Milbe: Beinahe.

Frau Milbe zu Milbe: Ich mußte warten, das weißt du doch? Zu Meyer, der in tiefe Gedanken verloren ist. Sie sind mir nicht böse, Herr Direktor?

Meyer sehr zerstreut: Wie?

Frau Lückemann mit einem Aufschrei: Gott! Das Erbsengrüne!

Frau Milbe wendet sich zu den Damen: Ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung…

Frau Mengold ihr die Hand reichend: Man freut sich immer, wenn man Sie sieht, Frau Hilde.

Frau Milbe: Die Schneiderin kam nicht, und kam nicht, ich war in heller Verzweiflung.

Frau Lückemann das Kleid der Frau Milbe musternd: Es ist von der Dickerhoff !

Frau Milbe: Gewiß! Wie finden Sie es? Sie stellt sich in Positur und dreht sich herum, macht einige Schritte, streckt sich, nach Art der Mannequins.

Frau Mengold: Entzückend!

Das Folgende möglichst unisono:

Frau Lückemann erklärend: Wie ich sagte: mit überbauschender Jacke und Faltenrock.

Frau Schultze: Haben Sie das hochdrapierte nicht gesehen?

Frau Milbe sehr interessiert: Natürlich! Und eines war da, die Jacke aus einem Stück herausgearbeitet.

Frau Mengold: Königsblau?

Frau Schultze: Mit einer viereckigen Latzpatte.

Frau Milbe: Und einem Musselinkragen. Ganz wundervoll! Gott, es ist ja so schwer, einen Entschluß zu fassen…

Die Damen unterhalten sich angeregt weiter und vermögen Frau Milbe, sich nach allen Seiten hin zu drehen und auf und ab zu gehen.

Meyer nimmt Zinnkraut energisch beim Ärmel und zieht ihn nach vorne: Also reden Sie ein gescheites Wort!

Zinnkraut: Sie können nicht von Ihrem Niveau heruntersteigen.

Meyer: Wissen Sie nichts Gescheiteres zu sagen?

Zinnkraut: Man sucht einen Schwank nicht bei Ihnen.

Meyer: Na also! Dann ist es doch eine Sensation?

Zinnkraut nachdenklich: M–m!

Meyer aufzählend: Es ist eine Spannung. Es ist eine Überraschung… Es ist…

Zinnkraut: Am Ende eine Enttäuschung.

Meyer: Sie kennen meine Regie! Und wenn sich die ernste Muse einmal leichter schürzt…

Zinnkraut: Hm–m!

Meyer: Wirkt das nicht schon von selbst?

Zinnkraut nachdenklich: Es läßt sich darüber reden.

Meyer: Überlegen Sie doch! Sie haben dann die vornehme Bühne, das beliebte Ensemble…

Zehnte Szene

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Betty ist rasch von links eingetreten und zu Meyer hingeeilt. Sie flüstert ihm hastig zu.

Betty: Er ist da!

Meyer sehr ungnädig und ungehalten: Wer ist da?

Betty halblaut und dringend: Unser Dichter!

Meyer: Er wird noch ‘n Augenblick warten können. Zu Betty, die zögernd stehen bleibt. Gehen Sie doch, und sagen Sie ihm, er soll noch ‘n Augenblick warten!

Betty langsam ab.

Elfte Szene

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Zinnkraut zu Meyer, der sich sogleich wieder an ihn gewandt hat. Ich brauch Bedenkzeit.

Meyer aufzählend: Sie haben die vornehme Bühne, Sie haben die Sensation…

Zinnkraut: Ich sag halb ja.

Meyer: Sagen Sie’s ganz! Dringlich und schmeichelnd. Zinnkraut!

Zinnkraut: Jetzt beim Fest ist keine Zeit.

Meyer: Ach was! Fest!

Zinnkraut: Die Chochotte lauft nicht davon.

Milbe ist hinzu getreten: Ach, Sie sprechen von Chochotte? Ruft zu seiner Gattin hinüber. Hilde!

Frau Milbe stellt ihre Mannequinbewegungen ein: Ja?

Milbe: Du hast doch gestern das Ding gehört? Die Melodie von Chochotte?

Frau Milbe: Ach! Das reizende Lied!

Frau Schultze: Ich kenne es auch.

Frau Lückemann: Herr von Schmettau erzählte mir davon.

Frau Milbe probiert zu summen: Chochotte!… Gavotte… Wie flotte…

Zinnkraut zum Klavierspieler: Herr Kapellmeister, kennen Sie die Melodie?

Klavierspieler sich halb erhebend: Von Chochotte? Gewiß!

Zinnkraut zum Klavierspieler: Versuchen Sie mal!

Der Klavierspieler setzt sogleich mit der Melodie ein.

Zinnkraut und Frau Milbe singen halblaut:

Cho–chotte,

Wie flotte

Tanzt du nich die Gavotte.

Cho–chotte,

Du Flotte

Im Pavillon Mascotte!

Tütelü – Tütelü –

Tütelü–tü–tü

Frau Mengold begeistert: Wie herzig!

Da nun der Klavierspieler die Melodie wiederholt, fallen alle laut in den Gesang ein. Zinnkraut macht dirigierende Gesten, Meyer wiegt sich entzückt nach dem Takt, auch die übrigen Herren wie Damen machen seine Bewegungen mit.

Allgemeiner Gesang!

Cho–chotte,

Wie flotte

Tanzt du nich die Gavotte.

Cho–chotte,

Du Flotte

Im Pavillon Mascotte!

Tütelü – Tütelü –

Tütelü–tü–tü!

Bei dem Worte: Gavotte ist Eugen Ludwig Hobbe eingetreten. Die übrigen bemerken ihn in ihrem Eifer nicht und singen die Strophe begeistert zu Ende. Hobbe bleibt wie entgeistert an der Tür stehen. Sowie die Strophe zu Ende gesungen ist, sieht Frau Mengold den verblüfften Dichter stehen.

Zwölfte Szene

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Frau Mengold schreit auf. Eugen Ludwig!

Alle wenden sich um, die Damen eilen auf den Dichter zu, auch die Herren Schimonsky, Milbe und Schultze. Meyer gibt dem Klavierspieler ein Zeichen, der noch die Chochottemelodie spielt, aber sogleich in die feierlichen Klänge des »Einzuges der Gäste« übergeht. Meyer schreitet gravitätisch auf den Dichter zu, der von den Damen stürmisch bewillkommt wird und mit den Herren ungemein herzliche Händedrücke austauscht.

Das Folgende möglichst rasch nacheinander, wo tunlich gleichzeitig:

Frau Mengold: Innigste, herzlichste Glückwünsche!

Frau Schultze: Sie wissen, was wir für Sie fühlen.

Frau Lückemann: Liebster! Bester!

Frau Milbe: Aus frohem Herzen meinen Glückwunsch!

Frau Mengold: Und Dank für so vieles, was Sie uns gaben!

Frau Milbe: Und noch geben werden!

Milbe ergreift mit beiden Händen die Rechte des Dichters und sieht ihm mit tiefem Danke in die Augen. Er spricht mit überströmender Herzlichkeit: Eugen Ludwig, darf ich es an dieser Stelle und heute sagen, was Sie uns geworden sind? Darf ich aus dankerfülltem Herzen heraus – – Schultze drängt sich mit Feuerstein möglichst nahe heran: Das Beste, was wir heute fühlen, läßt sich nicht in Worte kleiden – Feuerstein echot: Nein, nicht in Worte kleiden.

Milbe läßt Sich in seiner Herzlichkeit nicht stören; er hält die rechte Hand des Dichters mit seinen beiden fest und schüttelt sie bei markanten Stellen: Darf ich aus bewegtem Herzen heraus statt langer Reden bloß dieses eine sagen: Wir haben deines Geistes einen Hauch verspürt. Darf ich?

Schimonsky: Ich schrieb heute über Sie: Er kam als Lyriker ins Drama, und trat als Epiker heraus.

Milbe wie vorher: Darf ich?

Meyer ist näher getreten. Er patscht in die Hände, um Ruhe zu schaffen: Herrschaften! Ich muß bitten…

Es tritt Stille ein. Milbe läßt die Hand des Dichters los, den nun Meyer unter den Arm faßt und einige Schritte seitwärts mehr nach vorne führt.

Meyer stellt den Dichter vor sich hin, tritt einen Schritt zurück: Eugen Ludwig! Es ist Rührung und Stolz, was mich bewegt. Dem Stolz gebe ich Worte. Unsere Kunst ging steile Wege; es mußte einer den andern stützen, damit wir beide nicht strauchelten. Wir sind oben. Und ich drücke dem kühnen Weggenossen die Hand. Er tut es.

Alle murmeln durcheinander: Bravo! Sehr gut!

Zinnkraut: Bravo, Weggenosse!

Frau Mengold winkt ihrem Sohn: Moritz!

Moritz tritt mit raschen Schritten vor, stellt sich dem Dichter gegenüber und beginnt nach einer leichten, keine Befangenheit verratenden Verbeugung mit mutierender Stimme, doch fließend zu sprechen: Verehrter Meister!

Ihr Schaffen zerfällt in drei Teile. Aus der Verirrung des Realismus gelangten Sie über das Märchendrama zum Neuhumanismus.

Ich könnte auch sagen, Sie schritten die Bahn vom Illusionismus zur Neuromantik.

Wenn ich mich frage, wie sich diese Kombination der drei Kunstformen in Ihnen vollzogen hat, so finde ich die Erklärung einerseits in der lyrischen Erweichung Ihres ursprünglichen Naturalismusses, andererseits in Ihrer unbewußten Sehnsucht, aus der Breite des Märchendramas den Weg zum Formdrama zu finden und wiederum den Menschen mit seinem Ethos und Pathos in die Mitte zu stellen.

Das ist Ihnen ja auch teilweise gelungen. Freilich vermochten Sie nicht, uns überzeugend zu beweisen, wie das Individium im Konflikte seiner Eigenart mit Zeit und Welt zerrieben wird.

Dazu fehlte Ihnen die Intensität des Erlebens und die sprungbereite Leidenschaft, und in diesem Sinne könnte man Sie selbst eine tragische Natur nennen.

Immerhin ist Ihre Begabung originell und verdient in unserer Zeit ihres heroischen Triebes willen Beachtung…

Milbe halblaut: Famos! Ganz famos!

Schimonsky: Es ist einiges von mir. Aber ganz ausgezeichnet!

Moritz fährt unbeirrt weiter: Wenn Sie auch nicht Ihre Gestalten, oder ich will schonend sagen, nicht jede Ihrer Gestalten mit dem Geheimnis innerer Notwendigkeit ausgestattet haben, so sehe ich doch in dem Gesamtwirken Ihrer nach Produktion lechzenden Natur eine Erweiterung des poetischen Horizontes.

Wir – die Jugend – die wir unser Ich gefunden haben, und uns dessen bewußt sind, und die wir eine größere Zeit herbeiführen werden, betrachten Sie als eine Etappe auf unserem Wege. In diesem Sinne zollen wir Ihnen Anerkennung, und in diesem Sinne reiche ich Ihnen die Hand.

Er geht auf den Dichter zu und reicht ihm freundlich lässig die Hand. Alle Damen umringen Moritz und reden auf ihn ein. Auch die Herren beeilen sich, einen Kreis um den talentvollen Jüngling zu bilden.

In möglichst rascher Folge:

Frau Mengold Moritz umarmend: Nein! Der goldige Junge! Wie du gesprochen hast!

Frau Lückemann: Wo hast du das her?

Frau Schultze: Es ist unerhört! Eine solche Sicherheit im Urteil.

Frau Milbe: Und die Worte! Wie konntest du die Worte finden?

Milbe legt ihm die Hand auf die Schulter: Ich sehe in dir den kommenden Literaturhistoriker.

Schimonsky: Die Hauptbedingung dazu ist da. Aus Fremdem Eigenes zu machen…

Feuerstein: Es ist verblüffend.

Schultze: Ich melde mich heute schon als Verleger.

Frau Milbe nimmt einen Lorbeerkranz, der für den Dichter bestimmt war und auf einem Tischchen lag, und setzt ihn Moritz aufs Haupt: Und ich mich als Muse.

Die andern Damen rücken ihm den Kranz zurecht und jubeln.

Frau Schultze: Nun siehst du aus wie ein Sieger.

Frau Lückemann: Nach dem ersten Turnier.

Frau Mengold: Mein goldiger Junge!

Während dieser Szene steht der Dichter verlassen abseits auf der rechten Seite. Meyer hat Zinnkraut nach links gezogen und spricht gestikulierend auf ihn ein.

Dreizehnte Szene

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Betty erscheint unter der Tür. Meyer gibt ihr ein Zeichen, worauf sie sogleich wieder abgeht.

Vierzehnte Szene

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Meyer patscht in die Hände und ruft: Herrschaften! Ich bitte! Es wird photographiert!

Alle Damen patschen freudig in die Hände und rufen: Ach ja, photographieren! In die Woche! Bitte! bitte! bitte!

Meyer: Nur Ruhe! Gruppieren Sie sich ums Sofa!

Fünfzehnte Szene

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Schimonsky, Schultze und Feuerstein holen eilig Stühle herbei, die sie links und rechts neben das Sofa stellen. Dabei legen sie die Kränze, welche an den Stühlen lehnten, achtlos auf den Boden. Die Damen eilen mit lauten Rufen zum Sofa hin.

Frau Schultze: Es müssen aber unbedingt unsere Namen unter das Bild kommen.

Frau Lückemann: Sonst weiß man ja gar nichts.

Frau Mengold: Feuerstein! Das müssen Sie besorgen.

Feuerstein der schon mit dem Stuhl herbeigeeilt ist: Keine Angst! Wird alles gemacht.

Der Photograph ist mit seinem Apparat eingetreten und hat sich links aufgestellt. Frau Mengold, Frau Schultze, Frau Milbe haben sich auf das Sofa gesetzt. Schimonsky, Feuerstein, Schultze haben sich auf die Stühle gestellt, Moritz hat sich vor das Sofa auf den Boden gesetzt, die Füße übereinander geschlagen. Milbe, Frau Lückemann, Zinnkraut haben sich vor den Stühlen gruppiert. Man sieht allen an, daß sie große Übung in Bildung von Gruppen haben. Es muß sehr rasch gehen.

Meyer nimmt den Dichter bei der Hand: Kommen Sie! Er führt den Dichter zum Sofa, das aber von den drei Damen besetzt ist. Das geht nicht. Der Dichter muß in die Mitte zwischen zwei Damen.

Frau Schultze steht etwas zögernd auf, und Meyer nötigt den Dichter, zwischen Frau Milbe und Frau Mengold Platz zu nehmen. Frau Schultze steht nun etwas seitwärts vom Sofa vor dem Stuhl, auf dem Feuerstein steht.

Meyer zu Zinnkraut: Kommen Sie zu mir, Zinnkraut!

Er stellt sich mit Zinnkraut vor das Sofa, sodaß man von dem Dichter nichts mehr sieht. Frau Milbe und Frau Mengold beugen sich weit genug zur Seite, daß sie gesehen werden können.

Meyer patscht in die Hände: Fertig!

Der Photograph der den Apparat gerichtet hat, kommt unterm Tuch hervor und ruft: Ich sehe den Dichter nicht.

Meyer: Macht nichts! – – Fertig!

Der Photograph läßt das Blitzlicht aufflammen. – – Pfumm! – Vorhang

Die kleinen Verwandten: Lustspiel in einem Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Personen

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Personen:

Inhaltsverzeichnis

Heinrich Häßler, Regierungsrat Mama Häßler Ida, beider Tochter Josef Bonholzer, Oberaufseher aus Dornstein Babette Bonholzer, seine Frau, Schwester des Regierungsrates Max Schmitt, Kaufmann, Inhaber von Hugo Schmitts sel. Erben

Das Stück spielt in der Wohnung des Regierungsrates in der Kreisstadt Großheubach in Bayern.

Zeit: Gegenwart.

Erste Szene

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Das schöne Zimmer bei Regierungsrat Häßler. Die Möbel im Stile der 60er Jahre. Nußbaum. Im Hintergrund, etwas rechts von der Mitte, ein Erker mit Fenstern an allen Seiten. Im Erker steht auf einem Antritt ein kleiner Nähtisch, davor ein Stuhl.

Links vom Erker, vor der Wand, ein geblümtes Sofa, dessen Rücklehne mit gehäkelten Decken geschmückt ist. Auf dem runden, polierten Tisch davor liegt ebenfalls eine Decke mit gehäkelten Spitzen. Die vier Stühle um den Tisch sind mit dem gleichen Stoff wie das Sofa überzogen.

Über dem Sofa hängt an der Wand ein Spiegel in Goldrahmen, links und rechts davon Porträts der Eltern von Frau Häßler; wo sonst Platz ist, hängen an den tapezierten Wänden Heliogravüren von Bodmanns »Märchen«, Thumanns »Parzen« oder ähnliche.

Rechts vom Erker Kommode, darauf eine Uhr unter Sturzglas. An der linken Seitenwand ein schmaler Glasschrank, an der rechten Seitenwand ein hoher Ofen aus bunten sächsischen Kacheln. Ein paar Lehnstühle. Einer in der Nähe des Erkers, daneben ein Rauchtisch. Regulator, Bücherstellage mit Konversationslexikon an der rechten Seitenwand.

Tür links, die zu Wohnräumen, Tür rechts, die in den Gang führt. Ein Fenster an der Hinterwand rechts vom Erker. An diesem, wie an den Erkerfenstern, weiße Mullvorhänge.

Ida nimmt die Schutzdecke von dem letzten Stuhl, der noch damit überzogen ist. Frau Häßler tritt von links ein und stellt ein Körbchen mit Handarbeit auf den Tisch.

Mama memorierend: Ich werde mit einer Handarbeit beschäftigt sein. Heinrich muß im Lehnstuhl sitzen und in der Zeitung lesen… und… Sie besinnt sich etwas. Ida!

Ida: Ja, Mama?

Mama: Du sollst nicht im Zimmer sein, wenn er kommt…

Ida schmollend: Warum?

Mama: Es ist besser. Sonst sieht es so aus, als ob wir alle auf ihn gewartet hätten…

Ida: Aber…

Mama: Nun folg mir doch! Du bleibst in der Küche. Wenn er kommt, schaust du einen Augenblick heraus… Dabei kannst du lächeln und ein bißchen befangen sein. Verstehst du?

Ida: Ja, Mama.

Mama: Und binde dir eine Schürze vor! Das ist häuslich und lieb, und… ja, du mußt ein bißchen echauffiert aussehen, wie vom Herdfeuer.

Ida geht fröhlich auf die Idee ein: Ich werde mir mit dem Frottierschwamm die Backen reiben.

Mama mütterlich beifällig: Das tust du! Überhaupt, benimm dich nur so, wie ich dir sage, dann wird alles gut gehen… Sie ruft laut und etwas unwillig nach links: Heinrich!

Häßler Unwirsch von drinnen: Was denn?!

Mama rufend: Was machst du denn so lang? Es ist höchste Zeit! Zu Ida, die an das Fenster getreten ist: Geh vom Fenster zurück, Ida!

Ida: Ich möchte ihn doch so gerne sehen, wenn er um die Ecke kommt.

Mama ungeduldig: Wozu denn? Er könnte dich auch sehen.

Ida: Dann hätte er vielleicht mehr Courage.

Mama sehr bestimmt: Nein! Er darf nicht glauben, daß er beobachtet wird.

Ida geht zögernd vom Fenster weg: Wenn er aber wirklich um mich anhalten will, Mama?

Mama etwas nervös: Widersprich mir doch nicht immer! Apodiktisch: Jeder Mann schmeichelt sich mit der Idee, daß er vollkommen frei seinen Entschluß faßt. Jeder Mann schmeichelt sich mit der Idee, daß er im letzten Augenblick noch zurück kann. Diese Illusion darf man den Männern nicht rauben. Wenn sich Herr Schmitt beobachtet sieht, könnte er einen Zwang fühlen. Du kannst dich auf meine Erfahrung verlassen. Sie ruft sehr ungeduldig nach links: Aber Heinrich!!

Zweite Szene

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Häßler tritt von links ein; er trägt Gehrock und schwarze Binde. Etwas mürrisch: Na also! Was ist denn?

Mama entsetzt: Ja, wie siehst du denn aus?

Häßler: Ich denke, respektabel genug für einen Herrn Schmitt! Was das für ein Getu ist!

Mama: Ich habe dir doch gesagt: behaglich und als wenn nichts wäre! Also das geht einfach nicht. Zieh deinen Gehrock aus! Sie zwingt ihn, den Rock auszuziehen.

Häßler in Hemdärmeln: Man könnte wirklich glauben…

Mama: Ja, man könnte wirklich glauben, daß ein Vater Verständnis hätte für die Situation! Du wirst die Joppe anziehen.

Häßler: So? Trägt man die in der Situation? Das hättest du ja auch vorher…

Mama eilt mit dem Gehrock links ab: Häßler setzt sich seufzend auf einen Stuhl.

Dritte Szene

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Häßler: Ida, tu mir den einzigen Gefallen und sieh, daß du mit dem jungen Herrn Schmitt heut ins reine kommst!

Ida: Mach nur du deine Sache gut, Papa!

Häßler. Sache gut! Du mußt auch mit solchen Redensarten kommen!

Ida: Weißt du…

Häßler: Es ist sonderbar, um nicht mehr zu sagen, wie mir da gewissermaßen eine Rolle eingedrillt wird.

Ida: Das wollen wir doch gar nicht!

Häßler: So? Aber jeder Satz wird mir förmlich vorgesprochen. Und dabei ist die Angelegenheit so einfach wie nur möglich. Ein gutsituierter junger Herr will die Tochter eines höheren Beamten heiraten. Schön! Warum nicht?

Ida: Aber das ist es gerade mit den höheren Beamten!

Häßler: Was ist?

Ida: Mama fürchtet, daß du ihm zu sehr imponierst, und daß er sich dann nicht traut, weil er Kaufmann ist…

Häßler: Hm… Am Ende dürft ihr mir doch zutrauen, daß ich den rechten Ton finde…

Mama tritt von links ein mit einer Hausjoppe.

Vierte Szene

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Mama: So, das ziehst du jetzt an… Sie hilft ihm die Joppe anziehen. Es ist merkwürdig, daß du selber nie das Richtige triffst. Ein Gehrock ist doch immer feierlich, und Feierlichkeit läßt keine familiäre Stimmung aufkommen.

Häßler: Sehe ich dir jetzt jovial genug aus?

Mama: Setz dich nur in den Lehnstuhl und lies in der Zeitung!

Häßler: Jawohl… Er setzt sich und fragt etwas ironisch: Wie heißt mein Stichwort?

Mama: Sag nicht Stichwort! Die Sache ist zu ernst für Witze…

Häßler nimmt die Zeitung: Wenn ich schon eine Rolle spielen soll, muß ich sie auch können. Also… nicht wahr… wenn er kommt, habe ich aufzuspringen?

Mama nervös: Aber nein!

Ida: Du sollst doch ganz vertieft sein!

Mama zu Ida: Sprich mir nicht drein! Zu Häßler: Du bist vertieft in deine Zeitung. Dann sage ich vorwurfsvoll: Heinrich! Du blickst auf und bist überrascht, daß Besuch da ist, stehst auf und hältst ihm lächelnd die Hand entgegen… oder nein… beide Hände… so… Sie macht es ihm vor.

Häßler ironisch: Und lächle fortwährend?

Mama spitz: Allerdings. Vielleicht begreifst du, daß es sein muß. Nervös zu Ida: Was stehst du noch herum? Zieh endlich deine Schürze an und geh auf deinen Posten!

Ida geht: Ja, Mama. Unter der Tür. Wann darf ich hereinkommen?

Mama: Genau zehn Minuten, nachdem er eingetreten ist Dann bleiben wir einige Zeit alle im Zimmer und ungeduldig na ja, ich hab dir’s doch schon oft genug gesagt!

Ida: Ja, Mama Ab.

Fünfte Szene

Inhaltsverzeichnis

Mama seufzt: Ach Gott… wenn nur das schon in Richtigkeit wäre!

Häßler: Das kommt auf euch an…

Mama gereizt: Was kommt an?

Häßler: Wenn ihr die Sache ordentlich arrangiert habt, warum soll’s denn nicht gehen?

Mama: Wie kann man so etwas Frivoles nur sagen? Arrangieren! Wir… du auch, nicht wahr… haben geduldet, daß er Ida die Cour machte.

Häßler im amtlichen Ton: Ja… und?

Mama: Und? Jetzt wird es sein, wie es immer ist. Wir müssen eben hoffen, daß er ernste Absichten hat.

Häßler: Soo?

Mama: Wir nehmen das an, und haben natürlich Grund dafür. Und weil er gestern beim Kränzchen Ida gefragt hat, ob er uns heute besuchen dürfe… na ja…

Häßler ganz amtlich: Nur weiter, wenn ich bitten darf…

Mama: Aus dem Ton… und allem… nicht?… weiß Ida, daß er sich heute erklären will.

Häßler streitbar: Das heißt: sie glaubt es; sie nimmt es an. Und wir schweben einstweilen in Ungewißheit. Wir haben ganz einfach abzuwarten, ob man unserer Tochter das Schnupftuch zuwirft…

Mama: Also… sei so gut…

Häßler: Ist es anders? Ist es ein Atom anders?… Ich kann dir nur sagen, wenn ich Mutter wäre, dann wäre ich heute nicht im ungewissen…

Mama energisch: Sprich nicht so daher und sieh nicht so rechthaberisch aus! Kein Mensch will dein Schwiegersohn werden, wenn du so aussiehst.

Häßler sinkt in den Lehnstuhl zurück: Ja so!

Mama: Es hängt alles davon ab, daß Herr Schmitt bei uns warm wird.

Häßler: Kann er doch meinetwegen werden.

Mama: Das ist sehr die Frage. Junge Männer haben überhaupt eine merkwürdige Scheu vor guten Familien.

Häßler: Hm…

Kleine Pause

Mama: Hast du jemals darüber nachgedacht, warum so viele junge Männer unter ihrem Stand heiraten ?

Häßler schlicht: Nein.

Mama: Ich will es dir sagen. Weil die Männer selten den Mut haben, höher zu streben. Weil ihr jeder Schwierigkeit aus dem Wege geht.

Häßler: Wir?

Mama: Ja. Nur durch eure Neigung fürs Legere machen die sonderbarsten Mädchen gute Partien.

Häßler: Schön! Aber ich vermisse wieder einmal die Logik. Der junge Herr Schmitt findet doch gar keine Schwierigkeiten bei uns!

Mama: Er bildet sie sich ein. Alle bilden sich Schwierigkeiten ein, sobald ein Mädchen von anständiger Familie ist. Die unanständige Familie ist kein solches Hindernis.

Häßler: Das können wir kaum mehr ändern.

Mama: Aber den Eindruck können wir abschwächen.

Häßler: Daß wir eine anständige Familie sind?

Mama: Du weißt recht gut, was ich sagen will, und wir haben wirklich keine Ursache, Witze zu machen. Seufzt tief auf. Heinrich, von deinem Benehmen hängt so viel ab!

Häßler unwirsch: Ja… ja! Ich werde fortwährend lächeln… ich werde ihm die Hand entgegenstrecken…

Mama korrigiert: Beide Hände…

Es läutet zweimal, lang und heftig.

Häßler: Der junge Mann scheint ja ganz beherzt zu sein.

Mama greift hastig nach ihrer Handarbeit. Nervös: Zünde dir eine Zigarre an! Und nimm die Zeitung und schlag die Beine übereinander!

Häßler zündet sich eine Zigarre an und liest in der Zeitung und rekelt sich gemütlich im Lehnstuhl. Mama arbeitet. Stille. Die Tür rechts wird langsam geöffnet, und im Rahmen erscheint Frau Babette Bonholzer. Sie ist nach der letzten Dornsteiner Mode aufgedonnert. Von ihrem zugeklappten Regenschirm rinnt ein Bach auf den Boden.

Sechste Szene

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Babette mit sehr lauter, durchdringender Stimme: Da seid’s ja! Grüß Gott!

Mama sprachlos und tief erschüttert: Ba…

Häßler auch fassungslos: Ba-bett! Du?

Babette: Gelt, da schaut’s? Ich hab mein Mann mitbracht, damit’s euch doch endlich amal kenna lernt’s! Zu ihrem Mann, der zögernd unter der Tür erscheint: Geh halt rei!

Bonholzer tritt ins Zimmer. Er trägt altmodischen, ihm etwas zu weiten Gehrock. Die Hose ist etwas kurz, und man sieht, daß Bonholzer Schaftstiefel trägt. Sein ganzes Äußere verrät den ehemaligen Feldwebel, besonders der starke, durch eine Anleihe seitlich des glattrasierten Kinns buschig gemachte Schnurrbart und das gerötete Gesicht. In der rechten Hand hält Bonholzer einen altmodischen Zylinder, in der linken einen Regenschirm, von dem auch ein Bach ins Zimmer läuft.

Babette mit Stolz: Das is mein Josef!

Bonholzer macht zwei Schritte gegen Häßler und verbeugt sich: Ich habe die Ehre, den Herrn Schwager zu begrüßen. Mit Verbeugung gegen Mama: Ich habe die Ehre, die Frau Schwägerin zu begrüßen.

Babette: Ich hab zu ihm g’sagt, es is höchste Zeit, daß i ‘n herbring, daß er doch endlich amal seine nächst’n Verwandt’n siecht.

Bonholzer: Natürlicherweise, den Trieb hat der Mensch gewissermaßen, daß es ihn zu seiner Familli hinziehagt… so zu sag’n.

Häßler gibt Bonholzer die Hand und bemüht sich jovial zu sein: Da habe ich also den Mann vor mir, den sich meine Schwester erwählt hat?

Bonholzer: Jawohl. Indem daß ich in den nämlichen Haus gewohnt hab, wo die Babett befindlich war, wo sie ihren Laden g’habt hat, als Marschad Mod.

Babette: Ich hab euch doch alles g’schrieb’n…

Häßler: Freilich, du hast uns geschrieben…

Babette: Wie er Oberaufseher worn is, hat er sich erklärt… Z’erscht hat er si net traut…

Bonholzer: Als pragmatisch geht ma halt leichter in den Hafen der Ehe… gewissermaßen.

Häßler gezwungen und verlegen: Natürlich, man wünscht Sicherheit.

Bonholzer reibt den Daumen am Zeigefinger: Und der Draht, das Gerstl, der Diridari spielt halt doch sozusag’n auch eine Rolle in der Poesie des Ehelebens.

Häßler: Ja… und jedenfalls freue ich mich, den Mann vor mir zu sehen, dem sich meine Schwester für das Leben anvertraut hat.

Mama wirft, unbemerkt von Babette und Bonholzer, ihrem Mann beschwörende Blicke zu: Heinrich… verzeihe…

Häßler beschwichtigend: Gewiß, Mama… Mit Herzlichkeit zu Babette: Es ist wirklich lieb von dir, daß du uns… äh… dein Eheglück vor Augen führst…

Babette: Geh, red doch net gar so g’schwoll’n! Ma hat scho zu euch komma müss’n… denn ihr kommt’s ja doch net zu ei’m!

Häßler: Du weißt, wie das ist… Zu Bonholzer … der Dienst!

Babette: Net amal bei der Hochzeit habt’s euch sehen lass’n!

Mama: Das war uns sehr arg, Heinrich und mir.

Babette: No!?

Mama: Ich hatte schon den Koffer gepackt…

Häßler einfallend: Und da wurde ich telegraphisch zu einer Inspektion abgerufen.

Babette: Es waar halt weg’n die Leut g’wes’n! Net?

Mama: Aber…

Babette: Weil seine Verwandten halt auch da war’n. Da weiß ma scho, was da g’redt werd. Da heißt’s gleich, mir sin euch vielleicht net fein g’nug. Steigert die Stimme. An Herrn Regierungsrat!

Bonholzer: No ja! I hab’s zu der Babett g’sagt, und hab’s zu meine Verwandten g’sagt. Babett, hab i g’sagt, du bist quasi von einer andern Kategorie und hast, sag i, in eine unterne Kategorie nei’g’heirat…

Babette: Geh, hör amal auf mit deiner Kategorie! Ma heirat halt, wen ma kriagt.

Bonholzer: Is all’s recht. Aber d’Hauptsach is, daß da Mensch sei Kategorie kennt…

Häßler: Es ist mir nicht eingefallen, absichtlich von der Hochzeit wegzubleiben…

Babette. Dös hab ich auch g’sagt zu de Leut. Das wär noch schöner, hab ich g’sagt, wenn mei einziger Bruder an Protzen raushänga möcht, hab ich g’sagt…

Häßler: Wer denkt denn an so was?

Babette: Eben! Das hab i auch g’sagt. Z’erscht dös ganze Geld von der Familli verstudiern, hab ich g’sagt, und nacha die leibliche Schwester nicht mehr kennen, das wär doch zu gemein, hab ich g’sagt…

Häßler: Also, liebe Babette…

Babette: Ma redt bloß davon, net? Unser Mutter hat dich halt studieren lassen, und da is halt nix mehr übrig bliebn für unsereins, denn bald in einer Familli einer studiert, da weiß ma scho, was für d’ Schwestern übrig bleibt…

Häßler: Ich glaube, wir könnten das Thema verlassen…

Babette: I sag bloß, weil er allaweil mit seiner Kategorie daherkommt.

Bonholzer: Babett, de muaß der Mensch kennen…

Babette: Ja, is schon recht… und jetzt tu amal an Zylinder weg und an Schirm, und den mein aa, und tu net so, als wennst bei fremde Leut wärst!

Mama hat sich auf die Lippen gebissen und verzweifelte Blicke nach oben geschickt und deutet mit Kopfschütteln und Augenverdrehen an, daß sie die Langmut ihres Mannes nicht mehr versteht. Ihre Stimme vibriert etwas: Aber Heinrich, ich verstehe dich nicht…

Babette hat das Mienenspiel ihrer Schwägerin bemerkt und blickt nun mit äußerstem Argwohn ihren Bruder an, der sich die Weste stramm zieht und in einen salbungsvollen Ton verfällt.

Häßler zu Mama, beschwichtigend: Ich weiß, Mama… Zu Bonholzer und Babette: Alles in allem, liebe Schwester… und lieber Schwager… Ihr habt uns durch euern Besuch jedenfalls eine herzliche Freude bereitet… Babette schlägt die Arme untereinander und sieht ihren Bruder beim Predigen mit einer sehr süffisanten Miene an. Gewiß, eine herzliche Freude! Ihr dürft überzeugt sein, daß meine Frau und ich, daß ich und meine Frau schon immer den Mann kennenlernen wollten, mit dem du den Bund für das Leben geschlossen hast, liebe Schwester…

Babette mit höhnischer Betonung: So?

Häßler feierlich: Ja, Babett, es war für mich als Bruder immerhin von schwerwiegender Bedeutung, es war für mich als Bruder eine Gewissensfrage, ob du zu deinem Glücke gewählt hast. Und die Gewißheit, die ich gewonnen habe, durch Ihre persönliche Bekanntschaft gewonnen habe, lieber Bonholzer, die gibt mir, die gibt uns eine absolute Beruhigung.

Mama sehr nervös: Gott! Heinrich…

Häßler zieht sich nochmals die Weste stramm: Kurz und gut, meine Lieben, ich hoffe, daß wir uns recht, recht bald wieder sehen werden, und ich bedaure nur, daß ich euch heute nicht einladen kann…

Mama fällt ein: Wir hätten euch so gerne zu Mittag dabehalten, aber es trifft sich so unglücklich, unser Herd wird repariert, wir sind selbst eingeladen…

Babette höhnisch: So! Stemmt die Arme in die Seite. Für wen halt’s ihr ein denn eigentlich? Ihr müßt’s ein scho für ausgemacht dumm halt’n.

Mama indigniert: Was hast du denn?

Babette ihre Stimme steigernd: Frage möcht i no! Mir soll’n dös wahrscheinli net merk’n, wie’s ihr ein’ nausschmeißts!

Häßler würdig: Ich muß aber doch bitten…

Babette: Meint’s denn ihr, ich hab keine Aug’n?…

Bonholzer beschwichtigend: Der Empfang war aber durchaus ehrenvoll…

Babette sehr zornig: Geh, sei doch du staad! Zu Häßlers: Ich hab’s scho gesehgn, wie’s euch anblinzelt habts, i hab’s scho gemerkt, wie’s von oan Fuß auf den andern g’stand’n seids vor lauter Pressiern, daß ‘s oan naus bringts…

Bonholzer würdig: Halt di zruck, Babett! Zu Häßlers: Die Frau is nämlich a bissel leidenschaftlich…

Mama: Wenn ich dir erkläre, daß unser Herd repariert wird…

Babette: Der is vielleicht z’sammg’falln aus lauter Freud über unser Ankunft. So was muß ma von sein eigenen Bruder erleb’n! Aber d’ Steigenberger Juli hat mir’s ja g’sagt! Geh no hin, hat s’ g’sagt, dös ander wirst nacha scho sehgn!

Häßler auch erzürnt, doch maßvoll: Gut! Was hast du gesehen? Ich bitte mir das einmal zu erklären, was du gesehen hast!

Bonholzer: Babett, halt di zruck! Du kummst in deine Leidenschäftlichkeit!

Babette wütend: Gar net halt i mi zruck! Zu Häßler: Was i g’sehgn hab? Deine brüderliche Liebe hab i g’sehgn. Und gnua hab i davo!

Mama: Aber so mäßige dich doch!

Babette: Ich bin net so fein erzogn worn wie gewisse Damen, de hinterrucks mit die Augn blinzeln. I war in koana höhern Töchtaschul, da hat ‘s Geld net g’langt, weil der Herr Bruada alls braucht hat…

Häßler ernst: Das geht wirklich nicht…

Babette: Is vielleicht net wahr? Wie oft hat d’ Mutter g’sagt, der Heinrich, der dankt’s euch Mädeln scho amal, weil’s ihr jetzt zu kurz komma seids… Da hat ma’n an Dank!

Häßler in voller Höhe: Alles was recht ist, Babett! Jetzt ist meine Geduld zu Ende…

Babette:… Die meinige auch! Das hat ma von sein Bruder ! Net amal an Stuhl habt’s ein’ anbotn! Förmlich nausg’schmissen wird ma…

Die Wohnungsglocke läutet vernehmlich.

Mama sehr aufgeregt, in tödlicher Unruhe: Um Gottes willen! Das ist er!

Babette fährt unbeirrt weiter: Jetzt kennt ma si wenigstens aus mit euch! Jetzt brauchts euch nimmer verstellen…

Mama aufgeregt, sich zur Güte zwingend: Ich beschwöre dich, Babett, beruhige dich doch! So beruhige dich doch!

Häßler ebenso beschwörend: Kein Mensch hat dir etwas getan!

Babette schreiend: So? Is dös vielleicht nix, wenn ma nausg’schmissen wird…

Bonholzer: Halt di zruck, Babett!

Babette: Sei doch du staad! Du siechst as freili net, wie ma da behandelt werd…

Mama tritt dicht vor Babette hin, halb drohend, halb bittend: Verstehst du denn nicht? Es kommt Besuch!

Babette läßt die Stimme fallen: Is für den der Herd net brocha…?

Siebente Szene

Inhaltsverzeichnis

Von rechts tritt Herr Max Schmitt ein. Ein junger Herr, so an fünfundzwanzig Jahre alt, mit Großheubacher Eleganz für feierlichen Besuch angezogen. Schwarze Beinkleider zum Gehrock, Glacéhandschuhe, die er, auf Anstand bedacht, nicht auszieht. Sein Haar ist in der Mitte gescheitelt. Der kleine Schnurrbart ist nach Haby behandelt, ein Spitzbärtchen mildert aber das martialische Aussehen. Ein goldener Zwicker, dessen Schnur sorgfältig über das Ohr gelegt ist, zeugt von Bildung; um den Stehkragen, der den Adamsapfel frei läßt, ist eine Lavallièrekrawatte geknöpft. Lackstiefel verraten Sinn für Eleganz. Er tritt schüchtern ein und ist sichtlich betroffen von der Anwesenheit des Ehepaares Bonholzer.

Mama Häßler eilt mit überströmender Herzlichkeit, die infolge ihrer Aufregung noch gesteigert ist, auf Schmitt zu und streckt ihm beide Hände entgegen.

Mama: Wie das lieb ist von Ihnen, Herr Schmitt, daß Sie nun kommen! Das Kind hat mir ja gesagt…

Häßler auch ungemein herzlich: Sehr erfreut, lieber Herr Schmitt, Sie bei uns zu sehen… Ida hat uns davon gesagt…

Schmitt der verlegene Blicke nach Bonholzer geworfen hat: Ja… Jawohl… Fräulein Ida… Ihr Fräulein Tochter sagte, daß ich mir erlauben dürfe…

Mama: Ach Gott! Ich sage Ihnen, wie das Kind von dem gestrigen Abend entzückt war! Sie konnte sich zu Hause noch lange nicht beruhigen…

Schmitt: Ja… jawohl. Er wirft wieder einen verlegenen Blick nach Bonholzer. Zwischen dem Ehepaar hat sich ein stummes Gebärdenspiel entwickelt. Bonholzer bedeutet seiner Frau, daß es schicklich sei, zu gehen. Babette bedeutet ihrem Mann, daß sie erst recht bleibe.

Häßler rettet die Situation: Ach, Verzeihung, Herr Schmitt, meine Schwester und ihr Mann aus Dornstein… haben uns heute mit ihrem Besuche überrascht… Herr Großkaufmann Schmitt von hier… tja… Verlegen und mit gemachter Freundlichkeit zu Babette: Wollt ihr noch… äh… einen Augenblick bleiben… oder?

Babette anzüglich: No… wenn ihr ein schon gar nicht fortlaßt, was kann man machen? Zu Bonholzer: Bleiben ma halt, Josef!

Mama tritt zu dem Ehepaar, gezwungen höflich: So gebt doch eure Schirme!

Sie nimmt die Schirme, wobei sie Babette mit Hoheit und doch vorwurfsvoll ansieht und stellt die Schirme hinaus, ohne das Zimmer zu verlassen.

Häßler zu Schmitt: Ihren Zylinder, lieber Herr Schmitt… Er nimmt ihn ab und legt ihn auf den nächsten Stuhl.

Schmitt: Ich würde es bedauern, wenn ich die Herrschaften stören würde…

Mamarasch einfallend: Wie können Sie denken!… Und meine Schwägerin will ja ohnehin Gänge machen…

Babette: Dös könna ma auch verschieb’n…

Mama: Wie ihr wollt… aber jedenfalls, Herr Schmitt, mit Betonung, Ihren lieben Besuch haben wir ja erwartet… und jetzt wollen wir uns setzen…

Sie setzt sich an den runden Tisch und weist Herrn Schmitt einen Platz neben sich an.

Häßler zu den Bonholzers, indem er auf Stühle deutet: Wenn Ihr wollt?

Babette: So eine seltene Ehre darf man nicht ausschlag’n.

Häßler gezwungen lächelnd: Du bist komisch, Babette.

Babette sehr anzüglich: Ich?

Sie setzt sich neben Bonholzer, der seinen Zylinder neben sich auf den Boden stellt.

Mama zu Häßler, indem sie auf den Stuhl neben Herrn Schmitt weist: Papa, den Stuhl mußt du für Idchen freilassen.

Häßler tut es.

Schmitt: Darf ich fragen, wie sich Ihr Fräulein Tochter befindet?

Mama: O sehr gut… Sie ist heute noch wie verklärt.

Schmitt Sieht sich etwas hilflos um.: Und…

Mama lieblich: Ida wird gleich kommen; sie ist noch in der Küche beschäftigt.

Babette auflachend: Beim brochenen Herd!

Mama freundlichst: Wie?

Babette: Ich frag bloß, ob s’ den brochenen Herd flicken muß?

Mama milde lächelnd: Es gibt ja auch noch andres zu tun. Wendet sich von Babette ab zu Schmitt: Das Kind ist so häuslich und kaum wegzubringen von ihrer Arbeit!

Häßler zu Schmitt: Wir alle sind Ihnen noch Dank schuldig für den schönen Abend in der Harmonie.

Schmitt sich vorbeugend: Ich hoffe, Herr Regierungsrat haben sich gut unterhalten…

Häßler. Aber glänzend…

Schmitt: Es ist für uns eine Ehre, auch in hohen Beamtenkreisen Anklang zu finden.

Häßler strömt eine ungemeine Jovialität aus: Lieber Herr Schmitt… ich kann Ihnen nur eines sagen: ich habe mich nie wohler gefühlt, und ich fühle mich nie wohler als in den kernigen echten Bürgerkreisen.

Babette: Dös muß aber neuerer Zeit sein!

Häßler milde, verweisend: Wie meinst du, Babette?

Babette: Ich mein, daß d’ früher allaweil über die Bürger g’schimpft hast…

Häßler lächelnd: Ich?

Babette kommt in Eifer: No, wie oft hat unser Mutter g’sagt, du sollst dich in acht nehma mit deine Äußerungen! Weilst du’s nie anderst g’heißen hast als wie ungebildete Protzen…

Häßler muß milde bleiben: Vielleicht habe ich in meiner Jugend noch mehr Dummheiten gesagt… und ich fürchte fast, du hast dir alles gemerkt…

Babette: Was ma so oft hört, kann ma sich scho merk’n.

Häßler bricht ab: Tja… ja… Zu Schmitt Ich erinnere mich schon lange nicht mehr an einen so hübschen, ich möchte sagen, gemütvollen Abend…

Schmitt: Und hat Ihr Fräulein Tochter…

Mama schelmisch: Oh! Ich darf Ihnen nicht verraten, wie sie auf der Heimfahrt geschwärmt hat…

Häßler: Sind Sie noch lange geblieben?

Schmitt lebhafter: Nein! Nachdem die Herrschaften sich entfernt hatten, mochte ich nicht länger bleiben…

Mama geht reizvoll auf den wärmeren Ton ein: Ei! Was für ein Kompliment! Wollen Sie uns als den Magnet bezeichnen?

Schmitt lächelt glücklich: Ja… ich wollte nur sagen…

Mama droht mit dem Finger, sehr schelmisch: Gilt das für uns alle… oder…?

Schmitt lächelt noch glücklicher und würde vielleicht etwas Verfängliches sagen, wenn nicht Bonholzer, der sichtlich unruhig auf seinem Sessel geworden ist, nunmehr einfiele. Er wendet sich an Häßler.

Bonholzer: Herr Schwager, Sie entschuldigen betreff den Punkt, den wo da voring die Babett berührt hat, net wahr, da möcht ich mir diesbezüglich eine Bemerkung erlaub’n…

Häßler runzelt die Stirn, ungnädig: Was ist?

Bonholzer: Passens auf, i bin da ganz Ihrer Meinigung. Betreff, was de Babett sagt, daß Sie g’sagt hamm, net? Daß also der Bürger im Gegensatz zum Beamten – net? – also dös is dann gleich, von welchener Kategorie – daß also der Bürger betreff sein er reibt den Daumen am Zeigefinger Diridari, sein Gerstl sozusag’n… scho a bissel an Wahn hat…

Häßler noch ungnädiger: Ich weiß nicht, guter Herr Bonholzer, von was Sie sprechen.

Babette sehr unwirsch: Laß ‘n halt ausred’n!

Bonholzer ahnungslos: Na, passen S’ auf, Herr Schwager, i bin ja ganz Ihrer Meinigung; betreff diese Einbildung gewisser Elemente der Bürgerschaft… daß ma also da scho gewissermaßen von Protzen red’n darf. Da hamm Sie durchaus recht.

Häßler: Sie irren sich…

Bonholzer erklärend: Was d’ Babett sagt, net wahr, betreff dieses… daß also früherszeit Ihre Äußerung…

Häßler sehr diktatorisch: Sie irren sich, und ich erkläre Ihnen das ein andermal… Zu Schmitt: Wie geht es Ihrer verehrten Frau Mutter, Herr Schmitt?

Bonholzer führt mit Babette eine stumme Gebärdensprache. Er deutet an, man werde schon noch ins klare kommen.

Schmitt: Ich danke der Nachfrage. Sie läßt sich den Herrschaften bestens empfehlen.

Mama bekümmert: Sie ist leider nicht ganz wohl?

Schmitt: Sie hat etwas Gicht…

Mama: Ida sagte mir’s… sie war ja neulich bei Ihrer Frau Mutter…

Schmitt lebhaft: Ja, am Donnerstag…

Mama: Sie erzählte uns, wie lieb Ihre Mutter zu ihr war…

Schmitt kommt in Eifer: Wir arrangierten gerade in unserer Auslage die Frühjahrsneuheiten, und da kam Fräulein Ida, korrigiert sich, und da kam Ihre Fräulein Tochter und half gleich mit…

Mama: Sie hat viel praktischen Sinn…

Schmitt: Das sagte meine Mutter auch… und sie hat sich gewundert, weil doch Fräulein aus Beamtenkreisen…

Mama schlicht: Wir haben sie zur Einfachheit und zur Arbeit erzogen…

Häßler: Und nur nichts von Beamtenkreisen… diese Art Hochmut… hat es in meinem Hause nie gegeben…

Babette: Geh, hör auf! Da kunnt oan’ glei schlecht wern…

Sie schaut zur Decke hinauf, als ob sie deren Einsturz erwarte. Aber vor sie ihrer Bitterkeit neuen Ausfluß verschaffen kann, fällt Mama hindernd ein.

Mama: Und da hat das Kind einfach mitgeholfen?

Schmitt lebhaft: Ja! Fräulein Ida nahm Rosa Liberty und drapierte es in malerischen Falten er macht entsprechende Handbewegungen über weißem Seidenmusselin, und unten hin breitete sie türkisblauen Taft, und oben auf die Rosa Liberty legte Fräulein Ida ein paar künstliche Blumen, wie hingehaucht, er illustriert es mit sehr zierlichen Bewegungen der Finger, und es sah prachtvoll aus…

Mama: Und das machte sie so ganz selbstverständlich…?

Schmitt: Ja… wir sahen bloß zu… und meine Mutter sagte, es ist wirklich schade, daß Fräulein Ida nicht öfter… meine Mutter sagte, es wäre zu schön, wenn Fräulein Ida immer…

Er stockt verlegen. Spannung.

Mama überfließend: Was sagte Ihre liebe Mutter?

Hier greift Bonholzer ein, was eine vernichtende Wirkung auf Papa und Mama ausübt, die Herrn Schmitt so nahe an das erlösende Wort hingedrängt hatten.

Mama wirft auf Papa einen Blick der tödlichsten Verzweiflung. Papa wird nur durch die Angst vor einem Skandal von einer fürchterlichen Entladung abgehalten.

Bonholzer: Sie entschuldingen, Herr Schwager, ich glaub, daß mir betreff unsern voringen Dischkurs uns gewissermaßen in einem Irrtum befindlich san. Nämlich, weil ich dös nämliche sag, was Sie ja auch sag’n – net –, daß ma also grad in der Bürgerschaft eine Kategorie von Protzen trifft, die wo…

Häßler sehr unmutig: Es fällt mir nicht ein, so etwas Törichtes zu sagen.

Bonholzer eifrig, ahnungslos: Na, na, Herr Schwager. Ich glaube, daß Eahna Sie irr’n, durch dös nemlich, weil Sie quasi der Ansicht san, daß ich Ihnen widersprech’n will. Aba ich behaupte durchaus, daß Sie recht hamm. Verstengen Sie mich gut! Und das behaupte ich durch meine Erfahrung, wo ich natürlich auch schon oft mit solchene großkopfete Geldprotzen gemacht habe…

Häßler: Vielleicht verstehen Sie endlich, daß ich davon nichts mehr hören will…

Babette empört und streitbar: No, red’n werd er do no derf’n, wenn mir aa bloß die kleinen Verwandten san!

Bonholzer gutmütig: Paß auf, Babett, dei Herr Bruada und i, mir san bloß no net beinanda… aha… mir komma scho no z’samm…

Mama lächelt mit dem Aufgebote ihrer letzten Kraft Babette freundlich und beschwichtigend an und wendet sich dann an Schmitt: Und was sagte Ihre liebe Mutter?

Schmitt ist zu rauh aus seinem Gedankengange gerissen worden und findet sich nicht mehr zurecht: Meine Mutter?

Mama: Sie erzählten, daß Ida so tüchtig mithalf, und daß dann Ihre Frau Mutter sich sehr anerkennend… darüber äußerte…?

Schmitt: Ja… jawohl sehr anerkennend Er sieht hilflos nach der Tür und macht Anstalten, sich zu erheben … aber ich störe heute die Herrschaften.

Mama flehend: Nein! Herr Schmitt!

Achte Szene

Inhaltsverzeichnis

Ida kommt lächelnd zur Tür rechts herein mit vorgebundner Schürze, geröteten Wangen. Sie wirft einen erschrockenen Blick auf die Bonholzerischen, faßt sich aber sogleich und geht wieder lächelnd auf die Mama und Herrn Schmitt zu, der aufgestanden ist und mehrere Verbeugungen macht.

Mama erlöst und gerührt: Da bist du ja, Kind!

Ida: Ich mußte ja noch in der Küche helfen… Sie reicht mit einem schelmischen Augenaufschlag Herrn Schmitt die Hand. Guten Morgen, Herr Schmitt! Das ist aber eine Überraschung!

Schmitt bestürzt: Ich dachte… Fräulein Ida sagten doch… ich sagte doch… daß ich mir erlauben würde…

Ida neckisch: Ich glaubte, Sie würden am Ende verschlafen…

Schmitt lebhaft: Aber wie können Sie glauben… ich… ich habe überhaupt… nicht geschlafen…

Ida: Hat es so lange gedauert?

Schmitt: Nein… ich… im Gegenteil… ich bin gleich nach den Herrschaften heimgegangen…

Mama: Sieh mal, was Herr Schmitt für Komplimente machen kann…

Schmitt: … Ich mochte nicht mehr… ich war nicht mehr disponiert.

Ida: Aber der Abend war himmlisch… ich werde ihn nie… nie vergessen.

Sie gibt wieder mit sehr hübschem Augenaufschlag Herrn Schmitt die Hand, der sie liebevoll schüttelt und nicht ausläßt.

Schmitt glücklich lächelnd: Ja… jawohl… ich auch nicht…

Babette hat mit steigendem Unwillen bis jetzt ihre Ausschaltung geduldet. Nunmehr spricht sie laut und feindselig zu Ida.

Babette: No weißt d’, Grüß Gott derfst eigentlich zu deiner Tant schon noch sag’n!

Ida reißt sich vom Anblick des Herrn Schmitt los, ihre Hand langsam zurückziehend, und wendet sich sehr verlegen zu Babette: Ach verzeih, ich wußte nicht gleich…

Sie reicht ihr die Hand.

Babette: Wer mir sin! No ja, Kleinigkeit’n vergißt ma leicht…

Ida: Nein… aber… Sie blickt hilfesuchend auf Mama … ich… hatte so gar keine Ahnung.

Mama: Wir waren ja alle auf die Überraschung nicht gefaßt

Babette: Mit der Zeit werd’s euch ja erhol’n…

Ida freundlich: Wie geht’s dir immer?

Babette: Ich danke der Nachfrag, bescheiden… Wie’s halt unserein geht. Aber was fehlt denn dir?

Ida findet die Frage komisch: Mir?

Babette: Du kommst ma so blaß vor! No ja, du warst ja allaweil a schwach’s Kind!

Mama: Unsere Ida?

Häßler: Der Wildfang!

Mama: Die die Gesundheit selbst ist!

Babette: Freßts mi no net auf! Mich freut’s ja, wenn s’ gesünder worn is, als ma glaubt hat, damals, wie s’ die Masern g’habt hat…

Häßler: Dein Gedächtnis ist außerordentlich, Babette… Zu Ida, indem er auf den leeren Stuhl deutet, der zwischen ihm und Herrn Schmitt ist: Nun, nimm doch Platz…

Ida will um den Tisch gehen, wird aber von Babette aufgehalten.

Babette: Vielleicht schenkst dei’m Onk’l auch die Ehr?

Ida nach einem hilfesuchenden Blick zu Schmitt Herrn Bonholzer die Hand reichend: Ach so… dein…

Babette: Mein Gemahl, ja! Vielleicht hast d’ flüchtig davon g’hört, daß ich g’heirat hab…

Ida zu Bonholzer: Freut mich sehr… Reicht ihm die Hand, die Bonholzer festhält.

Bonholzer jovial und mit der Galanterie des alten Feldwebels: Ganz meinerseits die Freude. Das is schon quasi ein Glücksfall, wenn ma so a saubers Fräulein Nichterl daheirat…

Babette: Jetzt sag gar Fräulein! Und i hab s’ no im Kinderwagl g’fahrn.

Bonholzer jovial galant: Dös is tausend Woch’n her, und seit dera Zeit hat si dös Kind ausg’wachs’n, und net schlecht ausg’wachs’n…

Ida blickt hilfesuchend um, verlegen: Ja, aber…

Bonholzer sie noch immer festhaltend: … Sie san der Glanzpunkt des heutigen Freudentages… und jetzt bin ich erst froh, daß mir blieben san, weil mir das Schicksal Ihre Bekanntschaft… ah… wia sagt ma… vermittelt hat… net?

Schmitt steht auf: Wenn die Herrschaften gestatten, ich möchte nun doch gehen… Nachdem Sie Familienbesuch haben…

Ida macht ihre Hand hastig frei und bricht in den Schmerzensruf aus: Aber Mama!

Sie preßt die Hand vor die Augen und eilt schluchzend rechts ab.

Mama ist aufgesprungen und ein paar Schritte nachgeeilt: Ida! Kind!

Schmitt stürzt der Mama nach, fassungslos: Was ist? Was hat… Fräulein Ida…?

Mama die mit Schmitt bis zur Tür gekommen ist: Vielleicht sehen Sie… lieber… guter Herr Schmitt…

Schmitt: Ja… jawohl… Schnell rechts ab.

Neunte Szene

Inhaltsverzeichnis

Babette ist ebenfalls aufgestanden: Na! Also so was g’schupftes!

Mama stürzt mit flammenden Blicken auf sie los.: Ich verbitte mir deine ordinären Ausdrücke…

Babette will loslegen: Wer ordanär? Was ordanär?…

Aber Mama tritt dicht vor sie hin und donnert sie an.

Mama: Du schweigst!

Bonholzer: Sie entschuldinga… Herr Schwager…

Häßler brüllt ihn an: Sie schweigen auch!

Babette: Ihr spinnt’s ja im höchsten Grad…

Mama bei der nun alle verhaltenen Empörungen ausbrechen: Ich kenne dich, Babette! Ich kenne deine böse Zunge und weiß… daß dir nichts heilig ist!

Babette: Was is…

Mama sie überschreiend: Jetzt rede ich! Ich weiß, was du für eine bist; ich habe immer geschwiegen, aber jetzt ist meine Geduld zu Ende. Das Glück meines Kindes lasse ich von dir nicht zerstören…

Babette ringt nach Luft: Jessas! Jessas!

Mama wird immer rhetorischer und geht vor Babette wie eine zürnende Löwin auf und ab: Jawohl zerstören! Oh! Du mußt nicht glauben, daß ich es nicht bemerkt habe, wie du Jahr um Jahr dein Gift gegen unser Familienglück gespritzt hast… und jetzt bist du gekommen, um das Lebensglück unseres Kindes zu vernichten, um ihre Hoffnungen mit Füßen zu treten…

Babette: Jessas! Jessas!

Mama: Aber wenn du glaubst, daß ich das auch noch ertrage, wenn du glaubst, daß du alles mit Schmutz bewerfen darfst, dann will ich dir sagen, daß ich mich als Mutter vor mein Kind stelle, daß ich es schütze gegen dich und deinesgleichen…

Babette: Jessas! Jessas!

Bonholzer zupft Häßler am Ärmel und will mit ihm diesen Weibertumult beschwichtigen.: Herr Schwager…

Häßler brüllt ihn an: Schweigen Sie!

Bonholzer: Sie entschuldingen…

Häßler brüllt: Ich entschuldige gar nichts… ich entschuldige nicht das mindeste… ich habe schon viel zu viel entschuldigt… Herr, was erlauben Sie sich denn eigentlich? Seit einer halben Stunde sitze ich wie auf Kohlen… wer sind Sie denn, daß Sie sich das in meinem Hause erlauben dürfen… dieses Attentat auf das Glück unseres Kindes…

Babette schreit, da sie nun endlich Luft hat: Josef! Mir san ja in an Narrenhaus!…

In diesem Augenblick öffnet sich die Tür rechts, und Ida kommt glückstrahlend Arm in Arm mit dem ebenso seligen Schmitt herein. Pause.

Zehnte Szene

Inhaltsverzeichnis

Ida jubelt: Mama! Papa! Max hat…

Mama schreit auf: Kinder! Umarmt Ida, dann Schmitt. Nun ist ja alles gut geworden…

Babette bitter und höhnisch: O mei! Als ob ma dös net glei g’merkt hätt!

Vorhang

Die Lokalbahn: Komödie in drei Akten

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Personen

Erster Akt

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Zweiter Akt

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Dreizehnte Szene

Vierzehnte Szene

Fünfzehnte Szene

Sechzehnte Szene

Dritter Akt

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebente Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Personen:

Inhaltsverzeichnis

Friedrich Rehbein rechtskundiger Bürgermeister von Dornstein Anna Rehbein seine Frau Susanna beider Tochter Karl Rehbein Major a. D., Bruder des Bürgermeisters Frieda Pilgermaier Schwester der Bürgermeisterin Dr. Adolf Beringer Amtsrichter, Bräutigam der Susanna Rehbein Josef Schweigel Brauereibesitzer Franz Stelzer Kaufmann Anton Hartl appr. Bader Mathias Kiermayer Schreinermeister Xaver Gruber Schlossermeister Peter Heitzinger Redakteur des Dornsteiner Wochenblattes Alois Gschwendtner Buchbindermeister Jakob Lindlacher Drechslermeister Marie Dienstmädchen bei Rehbein Bürger von Dornstein, Frauen, Kinder, Musikanten

Zeit: Gegenwart. Ort: Dornstein, eine deutsche Kleinstadt

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13 kasım 2024
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